Vorhandenes Archivmaterial eindeutig belegt Zwangsarbeit, Misshandlung und Missbrauch in nachkriegsdeutschen Heimen der alten Bundesländer !Offener Brief, der weitestgehend im Internet und auch in den Printmedien veröffentlicht werden wird.Ein Schreiben von Martin Mitchell aus Australien
Email:
martinidegrossi@yahoo.com.au Adelaide, South Australia, 22. September 2008
An:Hans Bauer
Untersuchungsbeauftragter: »
Gewalt und Unrecht in der Heimerziehung der 50er und 60er Jahre«
Diakonisches Werk der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers e.V.Diakonisches Werk der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers e.V.
Ebhardtstr. 3 A, 30159 Hannover
Bundesrepublik Deutschland / Federal Republic of Germany
Email:
geschaeftsstelle@diakonie-hannovers.deRe: Damalige Heimerziehung Ende der 1940er Jahre und in den 1950er, 1960er und 1970er Jahren im „Wirtschaftswunderland Westdeutschland“ und
Re: Weitverbreitete systematische Zwangsarbeit / Arbeitsausbeutung, Misshandlung und Missbrauch in Kinder-und-Jugenhilfe-Einrichtungen der Evangelischen Kirche in Deutschland /
Diakonie /
Innere Mission /
Bethel (
im Nachkriegsdeutschland /
Bundesrepublik /
BRD )
Sehr geehrter Herr Hans Bauer.
Falls Sie es noch nicht entdeckt und gesehen haben, möchte ich Sie unbedingt auf diese, aus dem Jahre 2000 stammenden, detailierten Aufzeichnungen der Geschichte der evangelischen Heimerziehung im Marienstift in Braunschweig, Niedersachsen, aufmerksam machen ...
»
Fürsorgearbeit im Marienstift« von
Dr. Rosemarie Kamp aus der ev. Zeitschrift "
Doppelpunkt" - Heft Nr. 3/2000 - Seite 48-54, wiedergegeben @
Artikel von Dr. Rosemarie Kamp aus der ev. Zeitschrift Doppelpunkt»Es ist aber davon auszugehen, dass die
Fürsorgeerziehung [ FE ] im großen und ganzen [ nach 1945 ] so weiterlief wie bisher. Die Quellenlage ändert sich 1946.
Die Vorstandsprotokolle,
die vielen Eingaben und Berichte an Besatzungsbehörden und Jugendamt,
die sich [ u.a. ]
im Niedersächsischen Staatsarchiv befinden, ermöglichen ein deutlicheres Bild von den Sorgen der Leitung und dem Leben im Heim.«
»[ ... ]
2 Jahre Heimerziehung,
dann bei Bewährung Zuweisung zu Bauern mit Dienst- und Erziehungsauftrag.
Während der Heimerziehung im ersten Jahr grundsätzlich kein Urlaub, später bei Wohlverhalten. Unter gleichen Voraussetzungen [ im zweiten Jahr ] Besuch von Angehörigen einmal im Monat zugelassen.
Zensur der Post. [ ... ]
Praktische Tätigkeit in der Hauswirtschaft: Waschen,
Plätten,
Nähen,
in guter Jahreszeit Garten- und Feldarbeit als Erziehung. [ ... ]«
»
Das Marienstift ist ein geschlossenes Heim, die Unterkünfte bei der
Wäscherei, da zu ebener Erde gelegen, mit
Trailjen [d.h.,
Gittern /
Rosten], [ ... ]«
»In diesem Bericht [ anscheinend Ende 1946 ] tritt die Besatzungsmacht als wohlwollende Instanz in Erscheinung. Sie konnte aber auch
erhebliche Schwierigkeiten verursachen. So entdeckte einer der führenden Offiziere [ der britischen Besatzungsmacht ], dass den auf Grund der Ernährungslage wieder verstärkt in der Landwirtschaft arbeitenden Siloahmädchen [ d.h. in der heimeigenen Landwirtschaft oder beim Bauern arbeitenden Mädchen aus dem Marienstift ]
kein Lohn ausgezahlt wurde, witterte darin
eine deutsche Form von Sklavenarbeit und ordnete kurzerhand eine am allgemeinen Arbeitslohn orientierte Auszahlung an. Da damit nicht nur das pädagogische Konzept, sondern auch die Finanzierung der
Fürsorgeerziehung [ FE ] in der Anstalt nachhaltig gefährdet war,
gab es einen umfangreichen Schriftwechsel zwischen Marienstift,
vergleichbaren Einrichtungen,
dem Jugendamt und der Kommandantur mit einer wachsenden Erregung der jeweiligen Stellen,
bis durch die routinemäßige Abberufung des Offiziers das Problem sich von selber löste.«
... und auf das was in diesen detailierten Aufzeichnungen berichtet wird und
eindeutig daraus hervorgeht,
was sich zweifellos auf vorhandenes extensives und verläßliches Archivmaterial stützt,
und daher genau belegen läßt ( wenn man den Opfern selbst also keinen Glauben schenken möchte ), und was Sie, meines Erachtens, ebenfalls unbedingt in Ihren jetzigen Untersuchungen einbeziehen sollten.
Diese Untersuchungen mit denen Sie beauftragt sind und mit denen Sie gegenwärtig beschäftigt sind ( was Niedersachsen und die „
Hannoversche evangelisch-lutherische Landeskirche“ betrifft –
Untersuchungen die allerseits hoch zu befürworten sind ), dürften und sollten sich aber, meines Erachtens, weder nur auf
Kinder-und-Jugendhilfe-Einrichtungen im Bereich der Evangelischen Kirche in Niedersachsen oder im Bereich der „
Hannoverschen evangelisch-lutherischen Landeskirche“ und auf
die schätzungsweise 50000 dortigen damaligen Opfer beschränken, noch dürften und sollten sie sich auf all solche damaligen Kinder-und-und-Jugendhilfe-Einrichtungen der
Evangelischen Kirche in ganz Deutschland beschränken.
Auch die Katholische Kirche in Deutschland muß unbedingt dazu bewegt werden ohne weitere Verzögerung, flächendeckend was ganz Deutschland betrifft, Ihrem und dem Beispiel der „
Hannoverschen evangelisch-lutherischen Landeskirche“
zu folgen. Denn es wird in den damaligen katholischen Kinder-und-Jugendhilfe-Einrichtungen nicht anders gewesen sein: Zwangsarbeit / Arbeitsausbeutung, Schulungs- und Ausbildungsentzug, Misshandlung und Schikane jeglicher Art und sexueller Missbrauch waren
auch dort an der Tagesordnung, und wir die Betroffenen wissen, daß es so war
!!! Landschaftsverbände und Landeswohlfahrtsverbände und Staatliche und Kommunale Behörden und Träger in deren damaligen Kinder-und-Jugendhilfe-Einrichtungen es auch nicht anders zuging, haben ja jetzt auch schon, ebenfalls, vereinzelt, ihre eigenen diesbetreffenden Untersuchungen begonnen, und das Bundesland Schleswig-Holstein ist dabei bei weitem allen voraus und am transparentesten.
Nur die Katholische Kirche hinkt immer noch nach und behauptet weiterhin, allen Beweisen zuwider, es hätte sich in ihren damaligen Kinder-und-Jugendhilfe-Einrichtungen nur um „bedauerliche Einzelfälle“ gehandelt.Ich bitte um eine Empfangsbestätigung Ihrerseits dieser meiner Hinweise an Sie und eine Andeutung wie man allerseits damit umgehen wird.
Mit freundlichen Grüßen aus Australien.
Martin MitchellMartin Mitchell, "Ehemaliges Heimkind" / "ex-Freistätter Fürsorgezögling",
beschäftigt sich eingehend mit der "Heimkindersache" schon seit Januar 2003.
Martin Mitchell, "Ehemaliges Heimkind" in einem evangelisch-lutherischen Zwangsarbeitslager im Moor - FREISTATT - im "Wirtschaftswunderland Westdeutschland" in den 1960er Jahren ( 28.07.1946 in West-Berlin geboren und seit März 1964 ansässig in Australien ).
Martin Mitchell, "Ehemaliges Heimkind", Betreiber seit dem 17. Juni 2003 der nichtkommerziellen, selbstfinanzierten, und ehrenamtlich von ihm selbst betriebenen Webseite
Heimkinder-Ueberlebende.org @
http://www.heimkinder-ueberlebende.org /
http://www.care-leavers-survivors.org Unter anderem, die folgenden Medienberichte haben mich dazu veranlaßt Sie heute anzuschreiben:Von Martin Mitchell ausgesuchte Kurzzitate aus verschiedenen deutschen Medienberichten der letzten paar Tage:[
Netzzeitung ] »Diakonie gibt Misshandlung in Kinderheimen zu.« [
Frankfurter Rundschau ] »Diakonie: Gewalt als Erziehungskonzept.« [
Jesus.de ] »Schwere Misshandlungen in Kirchlichen Kinderheimen.« [
NDR / ARD ] »NDR: Zehntausende von Kindern in kirchlichen Heimen misshandelt. Studie zu Gewalt und Unrecht in den 50er und 60er Jahren – Landeskirche Hannover: [„]Zahlen spekulativ[“].«
[
epd ] »Der mit der historischen Erforschung der Vorfälle beauftragte Diakonie-Mitarbeiter Hans Bauer«
[
newsclick.de ] »langjährige Erziehungshilfe-Mitarbeiter Hans Bauer: Die Zahl der Opfer soll [ allein ] in Niedersachsen bei 50000 liegen.«
[
Netzzeitung ] »Hans Bauer, der im Auftrag des Diakonischen Werkes der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers recherchierte. Die Anregung dazu hatte Landesbischöfin Margot Käßmann gegeben.«
[
Netzzeitung ]»Hannovers Landesbischöfin Margot Käßmann gab den Anstoß zu einer Dokumentation über die Missstände in niedersächsischen Heimen.«
[
newsclick.de ] »Peter Wensierskis Buch "Schläge im Namen des Herrn", das 2006 erschienen ist, gab den Anlass für das Projekt "Gewalt und Unrecht in der Heimerziehung der 50er und 60er Jahre" beim Diakonischen Werk Hannover. Hans Bauer soll mit seiner Dokumentation "Licht in die dunkle Geschichte" bringen, wie im aktuellen Jahresbericht der Diakonie nachzulesen ist.«
[
newsclick.de ] »Der NDR machte gestern [ 15.9.2008 ] erste Ergebnisse der Untersuchung öffentlich, die das Diakonische Werk Hannover in Auftrag gegeben hatte. "Wir sind daran interessiert, Missstände ans Licht zu holen", so deren Sprecher Johannes Neukirch.«
[
Netzzeitung ] »Diakoniedirektor Manfred Schwetje: „Es ist schwer zu schätzen, wie viele von Gewalt betroffen waren.“«
[
newsclick.de ] »Michael Strauß, Sprecher der [ evangelischen ] Landeskirche Braunschweig, reagierte bestürzt: "Das sind schlimme Vorwürfe." In unserer Region habe es im betreffenden Zeitraum nach seinen Angaben nur eine Handvoll Heime unter kirchlicher oder diakonischer Verantwortung gegeben. Ihm seien keine ähnlichen Vorwürfe gegen die [ evangelische ] Landeskirche Braunschweig bekannt. "Wir nehmen die aktuelle Entwicklung aber zum Anlass, nachzuforschen", so Strauß.«