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Autor Thema: Sozialkrankheit Selbstmord  (Gelesen 14120 mal)
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duesseldown


Beiträge: 15


« Antworten #15 am: März 04, 2005, 18:36:35 »

"Ich frage mich, wie lange es wohl noch dauert bis Wut und Verzweiflung der Menschen sich gemeinsam in Richtung der Schuldigen wendet und nicht nur gegen die eigene Person oder die untersten Handlanger des Systems."

Solange uns der Talkshowschmutz ala Vera & Geißen lehrt, daß das Böse  hinter der Nachbarstür lauert und nicht bei Hausbesitzer wird erstmal gar nix passieren.

Wo bekommt man eigentlich Karten für diese Schmutzsendungen?
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Pinnswin


Beiträge: 3865



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« Antworten #16 am: März 05, 2005, 09:01:15 »

Jemand, der sich schämt - wehrt sich nicht, der versteckt sich oder dreht ab.
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Das Ende Der Welt brach Anno Domini 1420 doch nicht herein. Obwohl vieles darauf hin deutete, das es käme... A. Sapkowski . <°)))o><
charity


Beiträge: 100


« Antworten #17 am: März 09, 2005, 19:44:23 »

Gibts eigentlich eine Statistik, die überprüft, um wieviel sich die Suizidrate grade erhöht?
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ManOfConstantSorrow


Beiträge: 5650


« Antworten #18 am: Juni 14, 2007, 12:33:26 »

Paris (Korrespondenz), 13.06.07: Im Mai wurden die Selbsttötungen von drei Beschäftigten des PSA-Werks Mulhouse bekannt. Diese Meldung schlägt in Frankreich Wellen, denn bereits Anfang dieses Jahres wurden Suizide in einem Forschungs- und Entwicklungszentrum bei Renault bekannt. Nachdem die Firma lange Zeit leugnete, musste Renault offen zugeben, dass diese Todesfälle direkt mit dem Arbeitsklima und der gegenseitigen Vernichtungsschlacht der Konzerne auf dem Weltmarkt zusammen hängt.

Sondersendungen berichteten über eindeutige Abschiedsbriefe und die Angehörigen erhoben Klage, um eine Bestrafung der Verantwortlichen zu erreichen. Die Verkaufszahlen von Renault und PSA in Europa gingen zurück. Den verschärften Konkurrenzkampf um die Marktanteile bezahlen Menschen mit ihrem Leben. Die Gewerkschaften bei Renault und PSA gehen den neuen Fällen auf den Grund und bekämpfen Psychoterror sowie Überlastung der Beschäftigten.

(rf-news)
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Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
Kater


Beiträge: 7110


« Antworten #19 am: Juli 03, 2007, 20:01:01 »

Zitat
Autobauer PSA richtet nach Selbstmordfällen Notrufnummer ein
AFP - vor 1 Stunde 40 MinutenMülhausen (AFP) -

Nach mehreren Selbstmordfällen in seiner Belegschaft hat der französische Autobauer Peugeot-Citroën (PSA) eine kostenlose Notrufnummer eingerichtet. Beschäftigte "in Not" könnten sich über diese Nummer an eine Gruppe von Psychologen wenden, erläuterte ein Firmensprecher des PSA-Werks im elsässischen Mülhausen. Über die Nummer können die Beschäftigten den Angaben zufolge ein Netzwerk von Psychologen erreichen, die nicht zu dem Unternehmen gehören. Der Konzern reagierte mit dieser Maßnahme auf insgesamt fünf Selbstmorde in seiner Belegschaft seit Februar.

Vier davon wurden von Angestellten des Werks in Mülhausen verübt. Nach Angaben von Gewerkschaftssprechern ist sichergestellt, dass die Beratungen anonym bleiben. Die Hilfesuchenden müssten weder ihren Namen angeben, noch das Werk, in dem sie arbeiten. Sie könnten über private und berufliche Probleme sprechen, auch über den Stress am Arbeitsplatz. Selbsmordserien gab es in den letzten Monaten auch beim französischen Konkurrenten Renault. Dessen Chef Carlos Ghosn hatte daraufhin eingeräumt, in der Belegschaft gebe es wegen der hochgesteckten Ziele seines Unternehmens "objektiv gesehen sehr große Spannungen".


http://de.news.yahoo.com/afp/20070703/twl-frankreich-auto-arbeit-justiz-ae625d2.html
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regenwurm


Beiträge: 3522



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« Antworten #20 am: Juli 12, 2007, 16:33:44 »

Iin der Kernkraftindustrie steigt der Druck auf die Mitarbeiter am Arbeitsplatz.

Gründe (wie immer):
-Stellenabbau
-Auslagerung besonders gefährlicher Arbeit an Subunternehmen !!!
-Erweiterung der Aufgabenbereiche und Schichtarbeit

Die Mitarbeiter sind psychisch stark belastet und frustriert.

Wenn zum Beispiel eine Computerspeicherkarte kaputtgeht, wir keine mehr haben oder sie zu schwierig zu beschaffen ist, dann basteln wir halt daran rum. Wir schweißen, wechseln Teile aus, verändern die Karte.
 Dass wir in einem Atomkraftwerk so rumbasteln müssen, ist unerträglich."
Manche Ersatzteile müssten sogar im Baumarkt wenige Kilometer von der Zentrale entfernt gekauft werden, da sie nicht mehr vorrätig sind.

Alles klar - Hauptsache Gewinne erwirtschaften oder besser gesagt Gewinne ersparen

P.S (der selbstmord ist in frankreich passiert) HIER
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Das System macht keine Fehler, es ist der Fehler.
geschfreak


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« Antworten #21 am: Juli 12, 2007, 17:06:28 »

Zitat
Original von ManOfConstantSorrow
Weltweit wachsen soziale Spannungen und es scheint, daß sie sich meist individuell in Verzweiflung und "Duchknallen" entladen:

Amok-Lauf im Jeep-Werk in Toledo

Am Mittwoch, dem 26. Januar 2005, erschoss Myles Meyer, ein 54 Jahre alter Arbeiter im Jeep-Werk in Toledo (Ohio/USA) mehrere Menschen und beging anschließend Selbstmord. Daimler Chrysler behauptet, der Grund für diesen Amok-Lauf sei in Meyers Privatleben zu suchen. Tatsache bleibt aber, das er niemanden außerhalb des Jeep Werkes verletzt hat. Zum Hintergrund veröffentlicht die Wildcat 7, die am 10. März erscheinen wird, den Brief eines Kollegen des DaimlerChrysler-Arbeiters. Er ist Teil eines 40seitigen USA-Dossiers, zusammen mit einem »Gespräch über den Mord in Toledo am Tag danach«, einer Analyse von George Caffentzis zum Zusammenhang von »War on terror und Klassenkampf«, einem Artikel zu den »US-Wahlen und dem republikanischen Proletariat« und weiteren Beiträgen.
Siehe den Brief von George Windau , Betriebsschlosser, 2. Schicht, KJ Karosseriewerk, Montagewerk Toledo North., bei Wildcat.


Letze Woche hörte ich im Radio die Meldung die Selbstmortrate bei Erwerbslosen in Deutschland sei 20 mal (!) so hoch wie beim Rest der Bevölkerung. Ich machte mir daraufhin gedanken, warum die Menschen scheinbar alle ihre Verzeiflung nach innen richten. Es gibt scheinbar auch andere, wie ich heute in folgendem Posting von regenwurm lesen konnte:

Zitat
Arbeitsagentur: Mann drohte mit Pistole

Thorsten H. rastete aus, weil er zuviel erhaltenes Geld zurückzahlen sollte.


St. Georg - Er habe nur gewollt, daß sich endlich jemand um seinen Fall kümmere, sagte Thorsten H. später bei seiner Vernehmung durch die Polizei. Zuvor hatte der 40 Jahre alte Arbeitslose gestern vormittag einen Sachbearbeiter in der Arbeitsagentur an der Norderstraße (St. Georg) in Angst versetzt. Bei einem Gespräch zog der in Hamm wohnende ehemalige Bürohelfer eine tschechische Pistole Kaliber 7,65 und richtete sie auf den 53 Jahre alten Sachbearbeiter - mit den Worten: "Ich will, daß Sie weiter mit mir reden."

Auslöser war offenbar ein Streit über eine Rückforderung von zuviel gezahlten Leistungen. Nachdem H. laut geworden war, hatte der Sachbearbeiter das Gespräch abgebrochen und H. aufgefordert, das Zimmer zu verlassen. Daraufhin zog H. die Waffe.

Dem erfahrenen Mitarbeiter gelang es aber, den Mann wieder zu beruhigen. Er gab vor, Akten holen zu müssen, schickte H., der seine Pistole wieder einsteckte, zum Warten auf den Flur und alarmierte die Polizei. Nach wenigen Minuten trafen die Beamten ein und nahmen H. fest. In seiner Tasche fand die Polizei die Waffe - die zwar geladen, aber nicht entsichert gewesen sei.

Bisher war H., der zuletzt Jobs als Telefonkraft oder Fahrer gesucht hatte, nie auffällig geworden. Jetzt muß er mit Verfahren wegen Nötigung und unerlaubten Waffenbesitzes rechnen, da er keinen Waffenschein hat. Die Pistole wurde beschlagnahmt, H. nach der Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt.

Arbeitsagentur-Sprecher Knut Böhrnsen bezeichnete den Vorfall als "bedauerlichen Einzelfall". Es sei in Hamburg bisher nicht generell so, daß die angespannte Situation am Arbeitsmarkt und die Hartz-Reform für eine aggressive Stimmung in der Agentur gesorgt hätten. Eher das Gegenteil sei der Fall. "Viele Kunden bedauern unsere Mitarbeiter sogar", so Böhrnsen. "Immer wieder heißt es: ,Ihren Job möchte ich nicht machen müssen.'"
jmw Hamburger Abendblatt


Ich frage mich, wie lange es wohl noch dauert bis Wut und Verzweiflung der Menschen sich gemeinsam in Richtung der Schuldigen wendet  und nicht nur gegen die eigene Person oder die untersten Handlanger des Systems.


Der Mann weiß nicht, wovon er das "zuviel erhaltene ALG II" zurückzahlen soll. Ich halte das daher für eine Verzweiflungstat.
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MFG

geschfreak
UnchainedRage


Beiträge: 1096


« Antworten #22 am: Juli 12, 2007, 20:27:05 »

würde ich auch sagen

kein geld haben, noch welches zurückzahlen sollen, nurnoch callcenter oder fahrer (auch total mies) in aussicht, angst die wohnung zu verlieren, nicht wissen von was man leben soll usw.

kein wunder dass es da kracht, wundert mich eher dass noch keiner über den haufen geschossen wurde

wen scheren unter existenzangst gesetze, strafen oder gefängnisse
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euerHofnarr


Beiträge: 150



« Antworten #23 am: Juli 12, 2007, 23:54:53 »

"bedauerlichen Einzelfall"

ja, finde ich auch bedauerlich, dass es nur ein Einzelfall ist.

Es sei in Hamburg bisher nicht generell so, daß die angespannte Situation am Arbeitsmarkt und die Hartz-Reform für eine aggressive Stimmung in der Agentur gesorgt hätten

das liegt daran, dass wir alle so tolle Medikamente bekommen. Die entschärfen die Wut nämlich ganz toll.  Oder ne Kanne Baldriantee. Reicht auch manchmal.

"Viele Kunden bedauern unsere Mitarbeiter sogar"

mein Mitgefühl schwindet von Monat zu Monat. Schade, ich war mal ein so sozialintelligenter Mensch.
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Kater


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« Antworten #24 am: Juli 17, 2007, 18:40:09 »

Zitat
Selbstmorde im Peugeot-Werk Mülhausen
 
"Die Schwächsten können irgendwann nicht mehr"
Erhängt in der Montagehalle - beim französischen Autobauer Peugeot hat sich erneut ein Beschäftigter das Leben genommen. In dem Werk in Mühlhausen ist es bereits der fünfte Selbstmord am Arbeitsplatz seit Jahresbeginn. Gewerkschaftsvertreter klagen über übermäßigen Druck auf die Belegschaft.

Von Martin Durm, ARD-Hörfunkkorrespondent Straßburg

Sie haben ihn nach der Mittagspause gefunden, in der Logistik-Abteilung, wo er seit Jahren das Fließband mit Montageteilen bestückte. Genau da hatte er sich erhängt, ohne eine Nachricht zu hinterlassen oder irgendeine eine Erklärung für seinen Selbstmord. Aber vielleicht war sein Freitod am Arbeitsplatz ja Botschaft genug. Fünf Peugeot-Mitarbeiter haben sich im Werk Mülhausen innerhalb eines Jahres das Leben genommen:

"Wir stehen noch unter Schock", sagt Vincent Duse, Vertreter der Gewerkschaft CGT im Peugeot-Werk Mühlhausen. Wie so viele seiner Kollegen sucht er nach einer Antwort auf die Frage nach dem Warum. "Die Arbeitsbedingungen haben sich bei uns sehr verschlechtert in den vergangenen Monaten", sagt Duse. "Das trifft besonders die Schwächsten, diejenigen, die zu Hause und am Arbeitsplatz Probleme haben. Die können irgendwann nicht mehr. Wie der Kollege, der sich gestern aufgehängt hat."

Psychologen suchen nach Antworten
Der Arbeiter war 55 Jahre alt, Familienvater, fünf Kinder. Wegen der vorausgegangenen Selbstmorde hatte Peugeot erst vor wenigen Tagen eine arbeitsärztliche Beratungsstelle im Werk eingerichtet. Für ihn kam das zu spät. Nun bemühen sich Betriebspsychologen und Mediziner um eine Antwort: Hatte der Mann private Probleme? War die Belastung an der Produktionsstätte zu groß? War er krank, labil, depressiv? Oder kam vielleicht alles zusammen?

Duse von der Gewerkschaft sagt: "Die Direktion entlastet sich, indem sie immer sagt, das waren private Probleme." Aber wenn man private Probleme hat, fragt Duse, warum bringt man sich dann am Arbeitsplatz um?

Briefe vom Chef
"Jeden Monat werden hier Stellen gestrichen. Wer öfter krank ist, bekommt einen Brief von der Unternehmensleitung in dem man ihm androht, sich von ihm zu trennen", berichtet Duse. "Ihre Abwesenheit stört die Einheit unserer Fabrik", heißt es in diesen Briefen, "wir fordern sie auf, ihr Verhalten zu ändern."

Konzern unter Druck  
Sicher ist, dass der staatliche französische Peugeot / Citroen Konzern PSA massiv unter Druck steht. Der Gewinneinbruch ist dramatisch, er liegt bei 83 Prozent. Peugeot machte 2006 nur noch einen Nettogewinn von 176 Millionen Euro. Im Jahr davor war es noch eine Milliarde. Wegen der Krise wurde der frühere Airbus-Chef Christian Streiff an die Konzernspitze berufen. Und der forderte Lösungsvorschläge innerhalb von 100 Tagen: Rationalisieren, outsourcen, sechs neue Modelle entwickeln bis 2010. Im Werk Mülhausen mit seinen 10.500 Mitarbeitern fallen bis August 500 befristete Stellen weg. Der Druck trifft zwangsläufig die Belegschaft.

Gewerkschaft dringt auf bessere Arbeitsbedingungen
"So kann es nicht weiter gehen", sagt Gewerkschaftssprecher Duse. "Wir fordern von der Konzerspitze einen Dringlichkeitsplan, um Änderungen im Management durchzuführen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern." Die Unternehmensleitung in Mülhausen hat sich bislang nicht zu dem fünften Selbstmord in ihrer Belegschaft geäußert. Die Pariser Generaldirektion teilte in einer Pressemitteilung mit, sie sei "tief bestürzt" und teile der Schmerz der Familie.


http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID7126408,00.html
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Pinnswin


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« Antworten #25 am: Juli 19, 2007, 08:17:25 »

http://blog.handelsblatt.de/paris-berschens/eintrag.php?id=14

Zitat
[...] es sind nicht die erfolgreichen Modelle, mit denen PSA derzeit in Frankreich in die Schlagzeilen kommt. Aufsehen erregen vielmehr die Menschen, die diese Modelle bauen - oder auch nicht mehr.Eine Serie von Selbstmorden erschüttert den Konzern. Erst am vergangenen Montag fand man in einem Lager des Mülhausener Werkes einen 55jährigen Arbeiter, der sich erhängt hatte. Es war der sechste Suizid in der Peugeot-Belegschaft seit Jahresbeginn, davon fünf Mitarbeiter des Werkes Mülhausen und einer am Standort Charleville-Mézières [...] Leistungsdruck am Arbeitsplatz verantwortlich für die Häufung von Suiziden, zumal in einem Abschiedsbrief ausdrücklich von den Arbeitsbedingungen die Rede war [...] betroffen ist auch der zweite französische Autokonzern Renault. In dessen Entwicklungszentrum Guyancourt bei Paris brachten sich zwischen Oktober 2006 und Februar 2007 drei Mitarbeiter um [...] Erst stufte die zuständige Sozialversicherung einen der drei Selbstmorde bei Renault als Arbeitsunfall ein, wogegen Renault prompt Widerspruch einlegte. Dann verklagte das Gewerbeaufsichtsamt Renault wegen unzumutbarer Arbeitsbedingungen. Ob der Ermittlungsrichter nun ein strafrechtliches Verfahren eröffnet, ist noch offen.


Komm, wir gehn zur Arbeit und bringen uns um  Sad Sad
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« Antworten #26 am: Juli 20, 2007, 01:36:38 »

Zitat
Original von Pinnswin
http://blog.handelsblatt.de/paris-berschens/eintrag.php?id=14

Zitat
[...] es sind nicht die erfolgreichen Modelle, mit denen PSA derzeit in Frankreich in die Schlagzeilen kommt. Aufsehen erregen vielmehr die Menschen, die diese Modelle bauen - oder auch nicht mehr.Eine Serie von Selbstmorden erschüttert den Konzern. Erst am vergangenen Montag fand man in einem Lager des Mülhausener Werkes einen 55jährigen Arbeiter, der sich erhängt hatte. Es war der sechste Suizid in der Peugeot-Belegschaft seit Jahresbeginn, davon fünf Mitarbeiter des Werkes Mülhausen und einer am Standort Charleville-Mézières [...] Leistungsdruck am Arbeitsplatz verantwortlich für die Häufung von Suiziden, zumal in einem Abschiedsbrief ausdrücklich von den Arbeitsbedingungen die Rede war [...] betroffen ist auch der zweite französische Autokonzern Renault. In dessen Entwicklungszentrum Guyancourt bei Paris brachten sich zwischen Oktober 2006 und Februar 2007 drei Mitarbeiter um [...] Erst stufte die zuständige Sozialversicherung einen der drei Selbstmorde bei Renault als Arbeitsunfall ein, wogegen Renault prompt Widerspruch einlegte. Dann verklagte das Gewerbeaufsichtsamt Renault wegen unzumutbarer Arbeitsbedingungen. Ob der Ermittlungsrichter nun ein strafrechtliches Verfahren eröffnet, ist noch offen.


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Nein, ich will die Konzerne nicht in Schutz nehmen. Aber, ich bin auch Arbeiter - seit 35 Jahren - habe Demuetigungen, Druck, Kuendigungen, Erwerbslosigkeiten, Sozialhilfebettelei mitmachen muessen - aber an "Wegtreten" habe ich nicht gedacht! - Zuviel bedeuten mir "meine Leute".

Mein Denken sei gestattet (auch, weil ich die Ecke Muhlhausen und die "Renault"- Fabrik in Bourg en Bresse kenne): Haben sich hier wirklich "gestandene" Arbeiter selbst das Leben genommen? -

Oder hatten sie etwa vor, aktiv etwas gegen diese Zustaende zu tun?

In Frankreich soll sowas ja schon vorgekommen sein...........

 :denk>
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Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, gibt es für sie keine Hoffnung. .... A. Einstein

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Kalle_Arsch


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« Antworten #27 am: Juli 22, 2007, 12:35:56 »

Da kann man mal sehen wie weit es gekommen ist in unserem Lande. Traurig. cry cry
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BakuRock


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« Antworten #28 am: Juli 22, 2007, 16:23:54 »

Zitat
Original von Kalle_Arsch
Da kann man mal sehen wie weit es gekommen ist in unserem Lande. Traurig. cry cry

Moin, Kalle_.... - kommst du aus der Ecke - bist du Franzose, oder arbeitest du dort?
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Kater


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« Antworten #29 am: Juli 25, 2007, 15:08:44 »

Zitat
Selbstmorde am Arbeitsplatz schocken Frankreich
Eine Reihe rätselhafter Suizide bringt Großunternehmen wie Peugeot-Citroën ins Zwielicht
Axel Veiel

PARIS. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bekundet seine Betroffenheit, Arbeitsminister Xavier Bertrand seine Besorgnis. Aus der Führungsetage von Peugeot-Citroën ist zu hören, das Management sei schockiert. Seit Jahresbeginn haben sich sechs Mitarbeiter des Autoherstellers das Leben genommen. Fünf von ihnen waren in Mülhausen beschäftigt, zwei brachten sich dort am Arbeitsplatz um. Spätestens seit sich vor einer Woche ein 55-Jähriger zur Mittagszeit im Lagerraum des elsässischen Montagewerkes erhängt hat, ist es mit öffentlich bekundetem Entsetzen nicht mehr getan. Die Arbeitsbedingungen sind ins Zwielicht geraten.

Wie andere Großunternehmen versucht auch Peugeot-Citroën, effizienter und schneller zu produzieren, um im internationalen Wettbewerb besser mithalten zu können. Aus Sicht des größten Gewerkschaftsverbandes des Landes, der CGT, hat der Konzern "die Schraube womöglich zu sehr angezogen".

Steigerung der Produktivität

Die Verzweiflungstat des Monteurs habe sicherlich viele Gründe gehabt, sagt Vincent Duse von der CGT. Aber die von den Japanern übernommenen Methoden zur Förderung der Produktivität wie Selbstbegutachtung des Beschäftigten und Überwachung des Arbeitskollegen hätten das Gefühl der Ausweglosigkeit erhöht. Der Druck habe zu-, die Kommunikation aber abgenommen, sagt der in Mülhausen beschäftigte Peugeot-Citroën-Angestellte und Gewerkschafter Patrick Schorr. Ein Kollege verweist darauf, dass es im Produktionsprozess keine Wartezeiten mehr gebe und die Pausen zu kurz seien, um Konflikte auszudiskutieren.

Nicolas Brosset, einer der sechs Betriebsärzte des 10 500 Mitarbeiter zählenden Mülhausener Werkes, beklagt den Verlust menschlicher Bindungen und wachsenden Individualismus. Aus Sicht des Mediziners handelt es sich dabei freilich um ein Übel, das die französische Gesellschaft insgesamt heimsucht - nicht nur die Industrie.

Die Unternehmensleitung verweist darauf, dass die Ursachen eines Selbstmordes stets komplex seien und warnt vor gefährlichen gedanklichen Kurzschlüssen. Das Management erinnert daran, dass nur zwei Mitarbeiter am Arbeitsplatz Hand an sich gelegt hätten, die drei anderen dagegen bei sich zu Hause zur Tat geschritten seien.

Und der Hersteller hat reagiert und ein rund um die Uhr besetztes Krisentelefon eingerichtet. Mehr als 60 Anrufe sind bereits eingegangen. Der Personalchef, Patrice Le Guyader, hat angekündigt, im September werde eine Präventionsstelle die Arbeit aufnehmen. Sie solle Probleme im Produktionsablauf, den Verlust sozialer Bindungen oder in der Belegschaft aufkommendes Unbehagen frühzeitig erkennen und melden. Beobachter halten das für einen wichtigen ersten Schritt.

Peugeot-Citroën ist nicht das einzige Großunternehmen, dessen Arbeitsbedingungen ins Zwielicht geraten sind. Seit Oktober vergangenen Jahres haben sich drei Beschäftigte des Konkurrenten Renault das Leben genommen. Beim Stromkonzern EDF sind vier Selbstmorde zu verzeichnen.

Zusammenhänge kaum erforscht

Für Psychologen und Arbeitsmediziner gibt es bisher wenig verlässliches Material, auf das sie sich stützen könnten. Der Zusammenhang zwischen Betriebsklima, Arbeitsstress und Selbstmord scheint bisher kaum erforscht. Während Frankreichs Wirtschafts- und Sozialrat davon ausgeht, dass jährlich 300 bis 400 Selbstmorde zumindest teilweise auf als unerträglich empfundene Arbeitsbedingungen zurückzuführen sind, hat die Sozialversicherung seit 1997 nicht einmal 40 als Arbeitsunfälle anerkannt. Einer der letzten anerkannten Fälle ist der Tod eines Renault-Angestellten, der im Oktober vergangenen Jahres aus dem fünften Stock des Renault-Technocentre, dem Forschungszentrum, sprang.

Dominique Chouanière, Stressforscher am Nationalen Institut für Forschung und Sicherheit, verweist darauf, dass in Frankreich 61 Prozent der Beschäftigten ihre Arbeit als äußerst stressig beschreiben - ein Anteil, der dem europäischen Durchschnitt entspreche, so der Forscher. Für den stellvertretenden CGT-Vorsitzenden, Christian Larose, steht eines jedenfalls fest: "Die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich, was in letzter Konsequenz dazu führen kann, dass Beschäftigte sich das Leben nehmen."


http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/wirtschaft/672506.html
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