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Autor Thema: Sozialkrankheit Selbstmord  (Gelesen 14129 mal)
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Carpe Noctem


Beiträge: 1353



« Antworten #45 am: Juli 06, 2009, 20:25:26 »

Ich hab des auch schon 2-mal hinter mir in den letzten 3 Jahren 2mal versucht meinem leben ein ende zu setzen, immer vereitelt worden durch fremde. (alles nur wegen dem scheiß druck von Seiten der ARGE)
Bin heute noch in Psychischer Behandlung, aber ARGE macht weiter Druck (mein nächster Versuch (alle guten dinge sind 3, lach)muss wenn ich den je machen sollte viel effizienter sein)

Weiss die ARGE von deiner psychiatrischen Diagnose? Wenn ja, kann sie dir nicht viel ausser einer Kaputtschreibung in die GruSi wenn es hoch kommt. Ich habe diverse Klienten mit F-Diagnosen und auch einige darunter die zeitweilig suizidal sind. Da lässt sich die ARGE ggf. drauf ein die mal in Frieden zu lassen wenn von der Ambulanz der psychiatrischen Klinik zuhauf die Atteste reinflattern. Der Haken ist nur, die Kaputtschreibung ist eine Art Kastration. Das muss man abkönnen, sonst funktioniert nur die Gratwanderung mit der F-Nummer und den ständigen Attesten aus der Klapse. Man wird allerdings eher mit einer F2 (Psychose, besonders beliebt ist F20.0, Paranoide Schizophrenie) kaputtgeschrieben als mit F3 (affektive Störung, u.a. Depression F32 - F33). Suizidal kann man von beidem werden.

Grüsse - CN
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Ratrace


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« Antworten #46 am: Juli 09, 2009, 04:42:38 »

Zitat
Allerdings würde man mit dem kleinen ARGE Mitarbeiter den falschen treffen den letztendlich handelt der nur nach Anweisungen seines Vorgesetzten
Auf den Befehlsnotstand haben sich schon die Schergen im Dritten Reich berufen, die die Konzentrationslager am Laufen hielten. Das entschuldigt NICHTS. Und im Dritten Rech war man in Gefahr, ermordet zu werden, wenn man Widerstand leistete. Die jämmerlichen ARGE-Büttel hingegen riskieren höchstens Arbeitslosigkeit.

Nein, ich meine, wenn ein verzweifelter Arbeitsloser am Ort seiner Knechtschaft explodiert, dann treffen die Bombensplitter nur die Richtigen. Ohne die Mitläufer wären die Diktatoren gar nichts.
« Letzte Änderung: Juli 09, 2009, 04:44:38 von Ratrace » Gespeichert

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Alex22


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« Antworten #47 am: Juli 09, 2009, 07:17:00 »

hallo Ratrace,
die ARGE Büttel sind Verfassungsfeinde. Diese Personen werden in Zukunft besonders von ihren "Auftraggebern" geschützt werden müssen. Das werden diese aber nicht machen. Schließlich sollen die "Entsorger" nach getaner Arbeit auch verschwinden.
Es ist wirklich ein Drecksystem entstanden. Was soll man da nur machen?
Hoffentlich trifft es diese Leute auch mal. Kunde bei der ARGE zu werden wäre was ich mir für sie als Strafe vorstellen kann.
Alles andere würde das System nur stützen und stärken.
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MizuNoOto


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« Antworten #48 am: Juli 09, 2009, 11:48:40 »

Dümmlicher Artikel der Süddeutschen: Markt und Mortalität

Zitat
Angst, Depression, Sucht: Mit der Arbeitslosigkeit steigt auch die Rate der Selbstmorde und Morde, wie eine Auswertung europäischer Daten ergab.

Theoretisch ist beides vorstellbar. Zum einen führen Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit zu Angst, Depression und Sucht - davor warnen Arbeitsmediziner seit langem. Andererseits bringe in Ländern mit funktionierendem Sozialsystem so eine Rezession doch auch eine gewisse Entspannung, argumentieren manche Experten: weniger Stress bei der Arbeit, Zeit zum Joggen statt S-Bahn-Stress, gemütlich Kochen statt Fast Food und Alkohol.
...
"Besser ist es, wenn man aktiv bleibt, optimistisch und konkret die Probleme angeht und dabei vor allem über ein gutes, unterstützendes soziales Netzwerk verfügt."
Wenn man also eine erzwungene berufliche Pause dazu nutzt, solche soziale Kompetenzen zu stärken, könne man auch gestärkt aus der Krise hervorgehen. Tatsächlich nennt auch die Lancet-Studie eine positive Verhaltensänderung: In der Krise scheinen die Menschen weniger oder vorsichtiger Auto zu fahren. Beim besagten Anstieg der Arbeitslosigkeit um ein Prozent sank die Zahl der Verkehrsunfälle um durchschnittlich 1,4 Prozent.


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Kater


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« Antworten #49 am: September 10, 2009, 09:49:18 »

Zitat
Anstieg der Selbstmorde in der Krise erwartet

Hamburg (AP) Die Zahl der Selbstmorde in Deutschland wird nach Einschätzung von Experten infolge der Wirtschaftskrise deutlich steigen. «Wir haben für Deutschland für 2008 noch keine Zahlen, aber in Frankreich haben es die Statistiken für das vergangene Jahr schon gezeigt», sagte der Vorsitzende des Nationalen Suizid-Präventionsprogramms, Armin Schmidtke, am Montag in Hamburg. Nicht nur Manager, sondern auch Arbeiter seien betroffen.

Besondere Sorge bereitet den Fachleuten die Branche der Zeitarbeiter, bei der besonders viele Beschäftigte in der Krise ihre Anstellung verloren haben. «Zeitarbeiter hoffen immer auf eine festen Job in einem Unternehmen, und genau das ist jetzt nicht der Fall», erklärte Schmidtke. Zudem weisen gerade Einwanderer eine erhöhte Suizidgefahr auf. «Die Perspektivlosigkeit für Migranten ist in der Krise viel höher als für andere Menschen», sagte Schmidtke.


http://de.news.yahoo.com/1/20090907/thl-anstieg-der-selbstmorde-in-der-krise-5e422d2.html
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Kuddel


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« Antworten #50 am: November 13, 2009, 12:41:08 »

Es passiert durchschnittlich drei Mal am Tag: Ein verzweifelter Mensch nimmt sich das Leben, indem er sich vor einen fahrenden Zug wirft. Die Eisenbahner schweigen lieber zu den Vorfällen - sie fürchten den "Werther-Effekt".

http://www.ftd.de/politik/deutschland/:nach-enkes-tod-warum-die-bahn-ueber-selbstmorde-schweigt/50036110.html
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Kuddel


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« Antworten #51 am: November 13, 2009, 13:35:45 »

Müde, traurig, willensschwach: Millionen Deutsche leiden unter Depressionen. Tausende nehmen sich jährlich das Leben. Doch noch immer wird die psychische Krankheit in unserer Gesellschaft als Schwäche und als harmlos abgetan. Depressionen sind längst zur Volkskrankheit geworden: Es ist die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung in der Bundesrepublik.

http://www.1a-krankenversicherung.org/nachrichten/20091113/5098/volksleiden-und-tabuthema-nr-1-depressionen/
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Ratrace


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« Antworten #52 am: November 15, 2009, 14:32:07 »

Die Spaßgesellschaft ist leider noch lange nicht so tot wie dieser Fußballer, und aus jedem auch noch so unpassendem Anlaß muß ein "Event" gestrickt werden. Herr Enke war im Leben sicherlich eher zurückhaltend mit den Medien. Aber jetzt, wo er sich umgebracht hat, wird dieser widerliche Zirkus inszeniert - anstatt einer vernunftgesteuerten Diskussion über eine inzwischen stark verbeitete, oft tödlich endende Krankheit. Und wenn noch ein große Konserve RTL-Gefühlsgaga aufgemacht werden kann, umso besser. Mit Anteilnahme hat das Großevent Promi-Betrauern nichts zu tun. Klar fließen auch Tränchen, ist ja auch so ergreifend wie "Free Willy" oder ähnlicher Hollywoodschmonzes, nur eben live und vor der Haustür.

Fakt ist: Wenn man depressiv ist, und das wird der Herr Enke auch schmerzvoll erfahren haben, interessiert das niemanden (zuallerletzt die Mainstreammedien und dessen Durchschnittspublikum), man hat sich "zusammenzureißen", generell wird die Krankheit nicht ernstgenommen. Ich schleppe diesen Dreck seit Jahren mit mir herum, meine Ordner sind voll von behördlich unterstelltem Simulantentum einerseits, behördlichen Schikanen in der Mitte und von unabhängigen Gutachten, die mich kaputtschreiben andererseits. (Bevor mir hier einer unterstellt, ich wolle Mitleid erregen: Nein, ich scheiße drauf, ich gebe hier nur meine Erfahrungen mit der Krankheit am eigenen Leibe und mit den Reaktionen der Gesellschaft wieder.)
Und genau so, wie die Beamtenwichser mit dem Thema umgehen, geht die Gesellschaft damit um. Ein paar Wochen oder gar Monate einen Burnout haben - ja klar, "issjavoll ok", aber, dann muß auch alles wieder vorbei sein - wehe nicht! Chronische Depressionen sind eher etwas für Weicheier, völlig inkompatibel mit der kapitalistischen Leitkulturfigur des Machers, des Fleißigen, des Könners, des Geldverdieners, des gesellschaftlich Anerkannten, des Familienoberhauptes, des uswusf. Diese Gesellschaftsform kann von ihrer Natur her keine Nische für Schwerkranke, für Menschen ohne "ökonomische Verwertbarkeit" (Sarrazin sprach von der ökonomischen Verwertbarkeit der Menschen und entblößte so unfreiwillig die Hauptforderung des Kapitalismus an seine Schäfchen) haben. Und gerade, was Depressionen angeht, steht das öffentliche Ansehen dieser Krankheit zu dem epidemiologischen Befund im krassen Widerspruch.

Jeder Depp, der schon mal - um im Bild zu bleiben - den Abstieg seines Lieblingsfußballvereins betrauerte, meint, zu dem Thema "Depressionen" etwas Essentielles beizusteuern zu haben, wie in Deutschland üblich auch völlig ungeachtet der oder gar - man bekommt manchmal geradezu zwangsläufig den Eindruck - wegen der eigenen Ahnungslosigkeit. Da kommen dann so Wellness-Antidepressions-Vorschläge für die gestreßte Hausfrau oder den Hausmann wie "Entspannungsmusik", "mehr in die Sonne gehen", "mehr spazieren gehen", oder gar "einfach mehr Spaß haben". Die Welt im Hirn von Fritz Kraut ist so einfach.

Keiner, und ich meine KEINER, der den Scheiß nicht selbst an den Hacken hat, kann auch nur irgendwie einschätzen, wie es sich anfühlt, wenn man nicht einmal mehr die Kraft hat, die notwendigsten Schritte, die für andere selbstverständlich oder gar nur unterbewußt vollzogen werden, auf die Reihe zu kriegen. Wenn das morgendliche Aufstehen die erste große Hürde ist, die man nach stundenlangem Kampf im verhaßten Bett, was lange nicht mehr Schlafstätte, sondern Hort der unerträglichen, verselbständigten Grübeleien ist, mit viel Glück bewältigt, wenn man kein Fressen mehr im Kühlschrank hat, weil man nicht einkaufen gehen kann, weil jedes Gesicht und jede Person auf der Straße und im Supermarkt und sonstwo eine Bedrohung darstellt oder einem zutiefst zuwider ist, wenn man nicht mehr kommunizieren kann, weil jedes Wort sowieso sinnlos und Kommunikation mit anderen Menschen kaum zu schaffen ist und man bei jedem Klingeln des Telefones - falls es überhaupt noch klingelt, irgendwann hört das nämlich auf - zusammenzuckt, wenn man desozialisiert, weil man niemanden mehr sehen will bzw. kann, wenn man nicht mehr in der Lage ist, irgendwelche Gefühle aufzubauen und selbst eigentlich engste Freunde einem wie Fremde vorkommen und einem völlig egal und teilweise sogar aus völlig unnachvollziehbaren Gründen verhaßt sind, oft auch in einem wilden Wechsel der Emotionen. Einfach, weil die eigene Gefühlswelt entweder mal wieder auf Totenstarre steht oder komplett abdreht, sich gegen einen selbst richtet oder gegen Leute, die nichts dafür können. Wofür man sich dann wieder Selbstvorwürfe macht. Dazu kommen dann noch die üblichen Sachen wie verstärkte Verarmungsängste (die zusammen mit Hartz IV bzw. Grundsicherung sogar ihren Wahngehalt verlieren und real werden, danke, Papa Staat), frei flottierende Ängste (also eigentlich Panikattacken aus heiterem Himmel) und andere phobische Erlebnisse. Denn Depressionen sind noch mehr als der innere Gefühlsfriedhof oder gar das bißchen Schlecht-Drauf-Sein. Die "Nebenwirkungen" der Krankheit können durchaus wahnhaftes Erleben miteinschließen. Selten direkte Halluzinationen, aber irrationales Angsterleben oder gar todesangstähnliche, wiederkehrende Panikzustände, Paranoia. Da kann einem schon mal die Lust am Leben vergehen. Und an einen Spaziergang in der Sonne ist in so einem Zustand mal gar nicht zu denken. Ein vorbeifahrender Zug, bevorzugt nachts, wenn keiner sonst unterwegs ist, hat da wesentlich mehr Anziehungskraft auf einen. Und an den Lokführer denkt man dabei auch nicht. Dies sei den Moralaposteln, die den Herrn Enke wegen der Wahl seiner Todesart nun posthum verdammen, versichert.

Wenn ich die Heuchelei um den Fußballer sehe, wird mir schlecht. Depressive sind der Gesellschaft de facto und im besten Falle egal, schlechtestenfalls sind sie sogar unerwünscht und werden als Simulanten und Schnorrer von Transfergeldern verunglimpft, ihnen werden von den Behörden Leistungen vorenthalten durch ganz offensichtlich geschmierte Amtsärzte, die Sachbearbeiter sind mit dem Thema entweder völlig überfordert oder sehen sich als Hüter der Staatsfinanzen und im Gegenüber den Feind. Otto Normal will nichts von den Kranken sehen und hören (wie alle unangenehmen Bereiche gesellschaftlich ausgeblendet werden), sie sollen sich leise aus dem Genpool entfernen. So weit, so "gut".

Aber dann soll die Gesellschaft gefälligst damit klarkommen, wenn Suizide - auch sogenannte "erweiterte Suizide" - geschehen, seien sie vor einer Lok, durch einen großen Knall beim Suizid durch Hausgas, durch einen Sprung vom Hochhaus, durch eine berührte Oberleitung, durch Erhängen oder auch durch einen Schulbesuch mit der Schrotflinte und geplanter Selbstrichtung zum Schluß. Bitte, liebe Leute draußen: Nicht bei sogenannten Amokläufen heulen, wie grausam das alles doch sei und daß wieder mal irgend etwas verboten gehöre. Ihr habt die gesellschaftliche Verantwortung geleugnet, also seid so konsequent und lebt mit den Folgen. Denn Depressionen können auch Jugendliche und sogar Kinder betreffen, oha.
Nö, das geht dann auch nicht - zumindest nicht, wenn man aus dem Dahinscheiden des Kranken kein Schmierentheater machen kann. Was alles nicht mehr ist als eine Massenhysterie gleich der, die bei Auftritten von Teeniebands wie Tokio Hotel zu beobachten ist. Vielleicht ein wenig leiser, dem Anlaß "angemessen". Aber keinen Deut ehrlicher. Denn, die Garantie gebe ich allen: Das Schicksal des Herrn Enke und vor allem auch das Thema Depressionen wird nach der großen Freakshow im TV kein Schwein mehr interessieren. Erst recht wird im Anschluß an den Totentanz keine versierte Diskussion in der Öffentlichkeit stattfinden. Denn da hört das Entertainment ja auf.
« Letzte Änderung: November 15, 2009, 15:19:47 von Ratrace » Gespeichert

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Strombolli


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« Antworten #53 am: November 15, 2009, 18:38:24 »

Ich möchte Dir ausdrücklich zustimmen. Genau das waren meine Gedanken, mein Anstoß den Robert Enke Thread zu eröffnen.
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« Antworten #54 am: November 16, 2009, 08:44:26 »

Ich möchte noch hinzufügen: Mein ehrlich empfundenes Mitgefühl gilt, wie tausenden Betroffenen, natürlich auch Herrn Enke, der den ganzen Scheiß durchgemacht haben muß und keinen anderen Ausweg mehr gesehen hat sowie seinen Angehörigen, die ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurden. Als Nahestehender ist das Ganze ebenso die Hölle, wenn man an den geliebten Menschen nicht mehr herankommt und seine Persönlichkeit langsam zerfällt und immer mehr zur Krankheit wird.
Aber ich erspare es ihnen aus diesem gesunden Mitgefühl heraus, mich flennend irgendwo mit einer Kerze in der Hand und Stock im Arsch filmen zu lassen und den Medienegon zu geben.

Folgender Merksatz wäre schon hilfreich: Depressionen haben eine höhere Mortalitätsrate als manche Krebsart.

Anbei wünsche ich dem ignoranten Teil dieser kaputten Drecksgesellschaft, allen voran den meisten Sachbearbeitern und Fallmanagern in den Behörden, die es für nötig halten, ihre Ressentiments in ihren leeren Frisurständern gegen die Betroffenen zu richten, eine saftige, klinische Depression, mit allen schillernden Symptomen, die dazugehören können, für unbestimmte Zeit, mit ebenso unbestimmten Ausgang. Nach kurzer Zeit würde selbst das dümmste Schwein seine dämliche Fresse halten.
« Letzte Änderung: November 16, 2009, 08:47:42 von Ratrace » Gespeichert

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Kater


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« Antworten #55 am: November 16, 2009, 16:44:44 »

Zitat
Lokführer oft lebenslang traumatisiert
Jährlich werfen sich fast 1 000 Menschen vor Züge
Joachim Wille

FRANKFURT A. M. In einer bewegenden Trauerfeier haben gestern Tausende Fans in Hannover vom Nationaltorhüter Robert Enke Abschied genommen. Sein Suizid, er hatte sich am Dienstag vor einen Zug geworfen, beschäftigte in den vergangenen Tagen die Menschen. Mit den Folgen von Enkes Entscheidung müssen nicht nur seine Freunde und Angehörigen fertig werden, sondern auch der Lokführer, der den Zug steuerte, als Enke sich ihm in den Weg stellte.

Jährlich begehen in Deutschland fast 1 000 Menschen Selbstmord auf den Schienen, im Schnitt drei pro Tag. Der Mensch, der sich für diese Form des Suizids entscheidet, ist Opfer und Täter zugleich. Denn die Lokführer haben angesichts von Zuggeschwindigkeit und Bremswegen keine Chance. "Diese Machtlosigkeit, das Gefühl, nichts tun zu können, ist das Schlimmste", berichtete der Kölner Lokführer Heinz M. in einer Eisenbahner-Zeitschrift. "Man hört schon, wenn ein Vogel gegen die Lok prallt. Bei einem Menschen ist es ein Horrorgeräusch, das man nie vergessen kann." Wenn der Zug stehe, müsse man selbst aussteigen und nachsehen. "Das ist, als würde man zum Schafott geführt."

Länger dienstunfähig

Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) attestierte der Deutschen Bahn, dass die psychologische Hilfe für die betroffenen Kollegen inzwischen gut funktioniere. Sie werden sofort abgelöst, vom Unfallort abgeholt und von Vertrauenspersonen und Seelsorgern betreut. Oft werden sie auch länger dienstunfähig geschrieben, manchmal folgen Klinikaufenthalte. "Wir setzen da keine Fristen", sagte ein Bahnsprecher.

Viele Lokführer erleiden allerdings einen Schock, der sie monate- und jahrelang beeinträchtigt. Im Schnitt erlebt jeder von den bundesweit rund 25 000 Männern und Frauen im Führerstand in seinem Berufsleben zwei bis drei Suizide. "Es gibt aber Fälle, in denen ein Kollege fünf, sechs oder sieben solcher Schocks erlebt", berichtet ein Beteiligter. In der Folge vermuteten die traumatisierten Fahrer hinter jedem Schatten und auf jeder Brücke einen Menschen, der gleich springen will. "Dann ist Schluss", sagt er. Teilweise würden die Lokführer in andere Dienststellen versetzt, oft seien sie aber auch berufsunfähig.

Die Bahn sieht keine Chance, die Zahl der Suizide etwa durch technische Barrieren zu verringern. Am Beispiel der französischen Eisenbahn, welche die Trassen des Schnellzugs TGV komplett eingezäunt hat, will man sich nicht orientieren. Selbstmörder wählten bekanntermaßen - wie auch im Fall Enke - nicht nur Schnellzüge. Die 35 000 Kilometer des deutschen Schienennetzes mit Zäunen zu versehen, sei schier unmöglich, so der Konzern. Außerdem sei es illusorisch zu glauben, man könne einen zum Suizid Entschlossenen damit von seinem Vorhaben abhalten.

Besonders fürchten die Bahner nun den sogenannten "Werther-Effekt": Nach dem Erfolg von Goethes Buch "Die Leiden des jungen Werther", in dem die Hauptfigur Suizid begeht, hatte es im späten 18. Jahrhundert eine Welle von Nachahmungstaten gegeben.


http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/1116/politik/0037/index.html
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Carpe Noctem


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« Antworten #56 am: November 16, 2009, 21:37:08 »

Ratrace,

dein gestriger Beitrag zum Thema Depression ist absolut genial! Ich finde, nur selbst Betroffene können so schreiben. Es ist ein Fest sowas zu lesen. Sorry, aber m.E. muss mit dem Thema so umgegangen werden und nicht einerseits "theatralisch" wie es die Medien tun, und andererseits "fachlich" wie es Fachleute tun. Dazwischen klafft immer diese kaum zu beschreibende Leere aus Unwissen, Unerfahrenheit, Unlebendigkeit. Wenn jemand einer Depression "Leben einhauchen" kann und das in literarischer Qualität, dann ein Erfahrener. Ich kann mir jetzt besser vorstellen wie eine Depression ist, warum man den Zug reizvoll findet und dass das was ich öfters habe, keine ist.

Grüsse - CN
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« Antworten #57 am: Juni 07, 2010, 14:21:05 »

[...]Ein vorbeifahrender Zug, bevorzugt nachts, wenn keiner sonst unterwegs ist, hat da wesentlich mehr Anziehungskraft auf einen.[...]

Seltsam, für mich persönlich hat eine Waffe mehr Anziehungskraft - und das als Frau. Wenn, dann endgültig und mit sehr hoher Erfolgsaussicht. Ich bin nur heilfroh, dass ich keine Verbindungen mehr zu den Menschen aus meiner Jugend habe und auch sonst nicht mal eben so an eine Waffe gelange...

Aber jetzt heißt es mich wacker aufrecht halten.
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Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will.
(Jean-Jeacques Rousseau)
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