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Autor Thema: Rentenangst - Der Kampf um die Altersversorgung  (Gelesen 14394 mal)
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Pinnswin


Beiträge: 3865



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« Antworten #30 am: August 25, 2008, 17:48:58 »

Zitat
Original von rodion
l[...]
wenn nicht bald genügend menschen freiwillig "riestern",
... noch ...  "riestern" genügend & mehr Menschen freiwillig. Die PR Strategien gehen auf.

Der Mensch hat Zukunftsängste  :denk> die sich nicht lohnen.
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Das Ende Der Welt brach Anno Domini 1420 doch nicht herein. Obwohl vieles darauf hin deutete, das es käme... A. Sapkowski . <°)))o><
Wilddieb Stuelpner


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« Antworten #31 am: August 27, 2008, 00:52:04 »

ARD/SR vom 26.08.2008, 21:45 Uhr: Wohn-Riester Eigentumsförderung mit Haken und Ösen

Selbst genutztes Wohneigentum wird wieder staatlich gefördert, damit möglichst viele Menschen im Ruhestand keine Miete zahlen müssen. Aber wie sinnvoll ist es, die private Altersvorsorge mit Immobilien zu verknüpfen, deren Wert auch drastisch sinken kann?

Der Traum vom Eigenheim

Das eigene Häuschen – für die meisten Deutschen ist das das Sinnbild der idealen Altersvorsorge schlechthin: im Alter mietfrei wohnen und das Geld ist sicher in der eigenen Immobilie angelegt.

Bisher blieb der Immobilienerwerb bei der staatlich geförderten Altersvorsorge jedoch außen vor. Eine Benachteiligung, die mit Einführung des Wohn-Riesters beendet werden soll. Künftig dürfen Riester-Sparer ihr gesamtes Guthaben für den Bau und Kauf einer selbst genutzten Immobilie oder den Erwerb von Anteilen an einer Wohnungsgenossenschaft verwenden.

Riester und der Immobilienmarkt

Ganz nebenbei könnte der Wohn-Riester-Zuschuss der am Boden liegenden Immobilienbranche auch wieder auf die Beine helfen. Schließlich können elf Millionen Riester-Sparer ihr Geld nun auch in Wohneigentum anlegen. Doch Experten sind skeptisch. Zusätzliche Nachfrage werde es mit Wohn-Riester kaum geben, sagt Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: „Wer sich heute keine Immobilie leisten kann, der wird sie sich auch mit Wohn-Riester nicht leisten können. Dafür reichen einfach die Förderbeträge nicht aus.“

Wohn-Riester - eine schöne Zugabe für Leute, die ohnehin gebaut oder gekauft hätten. Für eine Belebung auf dem Immobilienmarkt wird das wohl kaum reichen.

Ein bürokratisches Monster wird geboren

Ein weiterer Pferdefuß: Die Förderung gibt es nur für selbst genutzten Wohnraum. Allein diese Einschränkung werde aus Wohn-Riester ein Bürokratie-Förder-Programm machen, fürchtet Verbraucherschützer Thomas Bieler: „Ich glaube, dass gerade auch die Finanzämter noch viel Spaß bekommen werden mit dem Wohn Riester.“ Denn diese müssen verfolgen, was über 20 bis 30 Jahre hinweg mit einer Immobilie geschieht. Zieht der „Wohn-Riesterer“ aus, wäre das förderschädlich und man müsste die erfolgte Förderung zurück fordern. „Ich denke, das ist eines der Hauptprobleme“, so Bieler. Hier werde „ein bürokratisches Monster aufgebaut, an dem noch viele verzweifeln werden“.

(Meine Anmerkung: Die Finanz- und Arbeitsagenturbeamten und -sachbearbeiter werden so zwischen 20 bis 30 Jahre organisierte Sozialschnüffelei betreiben dürfen. Wieder eine Lebens-ABM für Amtsleute, denen es ohnehin schon gut geht und die nie von Arbeitslosigkeit bedroht sein werden.)

Nicht alle Immobilien sind eine gute Altersvorsorge

Dazu kommt, dass der Erwerb einer Immobilie schon lange nicht mehr automatisch auch eine gute Geldanlage ist. Wer im Alter nicht mehr in seinem Eigentum wohnen kann oder will, für den kann es ein böses Erwachen geben: Es gibt nicht mehr genug junge Menschen, die eine Immobilie kaufen wollen. Die Branche verzeichnet in den vergangen Jahren extreme Wertverluste. Ausgenommen sind im Grunde nur Objekte in Toplagen oder Ballungsgebieten. „Im ländlichen Bereich gab es in den letzten zehn bis zwölf Jahren einen Wertverlust im Durchschnitt von 30 Prozent, und wenn es sich um sehr große Häuser handelt, die einen erheblichen energetischen Nachholbedarf haben, auch 50 Prozent“, berichtet der Kasseler Immobilienmakler Dr. Hans-Jürgen Krampe.

(Meine Anmerkung: So kann schnell für Senioren, die die Hausinstandhalltung wegen mickriger Rente oder wegen Alterswehwechen die Pflege der Außenanlagen aus eigener Kraft bewältigen können, zum finanziellen Klotz oder zum Sargnagel werden. Und wer auf dem Lande so ein Häuschen hat, der wird zum Arzt und zum Einkaufen pendeln müssen. Junge Leute überlegen es sich heute wegen der steigenden Lebenshaltungs- und Spritkosten oder wegen der Pendlerpauschale dreimal, sich ein Eigenheim auf dem Lande zuzulegen. Und was macht man, wenn die eigenen Kinder das Haus nicht übernehmen wollen und woanders hinziehen?

Und als Kaufentscheidung wird noch der Energieausweis eine Rolle spielen. Auch für Arbeitslose wird zukündtig der Energieausweis eine Rolle spielen, wenn man vom Amt aufgefordert wird, sich eine kleinere und preiswerte Wohnung zu suchen.)

Wohn-Riester - Investition in Verlustgeschäfte?

Das Problem: Immobilien in besten Lagen sind für die meisten unerschwinglich. Es sei daher zu befürchten, dass mit Wohn-Riester am Ende eher Verlustgeschäfte gefördert würden, warnt Städteplaner Professor Ulf Hahne: „Der Wohn-Riester ist gut gedacht, zielt aber in die falsche Richtung.“ Mit Blick auf die Zukunft sollte eher der energie- und klimaeffiziente Umbau von Immobilien besser gefördert oder die Miete für Alte subventioniert werden, so der Städteplaner.

Altersgerechte Umbauten nicht förderungswürdig

Ein weiteres Problem beim Konzept Wohn-Rieser ist der Ausschluss von altersgerechten Sanierungen. Viele Wohnungen und Häuser könnten von ihren Eigentümern auch bis ins hohe Alter bewohnt werden – wenn bestimmte Barrieren nicht wären. Der Einbau eines Treppenliftes oder der Umbau zu einem barrierefreien Bad ist jedoch kostspielig. Eine Wohn-Riester-Förderung gibt es dafür aber nicht. Dabei sind es gerade solche Investitionen, die den Wert einer Immobilie in der Zukunft entscheidend mitprägen.

Das dicke Ende kommt mit der Rente: die Steuern

Trotz aller Bedenken: In wenigen Wochen werden die ersten zertifizierten Wohn-Riester-Angebote auf den Markt kommen. Wer unterschreibt, sollte vorher aber genau nachrechnen, denn mit einem schlechten Vertrag kann man sehr viel Geld verschenken.

Wichtig zu wissen ist: Wie bei allen Riester-Verträgen fordert das Finanzamt auch bei Wohn-Riester ab Rentenbeginn einen Teil des Geldes zurück. Das ganze System sei sehr kompliziert und schwer zu durchschauen, sagt Verbraucherschützer Bieler: „Es ist so, dass der Kunde Tilgung auf einen Kredit zahlt. Gleichzeitig werden diese Zahlungen auf einem Wohnförderkonto verbucht“.

Wenn man in Rente geht, wird das, was auf dem Wohnförderkonto verbucht ist, als Guthaben bewertet. Sozusagen eine fiktive Rente, die der „Wohn-Riesterer“ bezieht. Auf diese fiktiven Renteneinkünfte müssen dann Steuern gezahlt werden. „Der Hauseigentümer denkt vielleicht, er hätte ein Plus. Aber letztendlich ist es nur eine Steuerbelastung, die ihn da erwischt. Das wird für viele Leute schwer zu verstehen und auch für die Finanzämter schwer zu vermitteln sein“, schätzt Bieler.

Fazit

In den eigenen vier Wänden zu leben ist der Traum vieler Familien. Ob es auf lange Sicht auch eine gute Geldanlage ist, hängt von vielen Faktoren ab. Auch in Zeiten von Wohn-Riester gilt deshalb: Drum prüfe, wer sich ewig bindet ...

Ein Beitrag von Ingo Blank

Links in der ARD

ARD-Ratgeber Bauen + Wohnen

Externe Links

Bundesministerium der Finanzen: Fragen und Antworten zum Wohn-Riester

Rententips.de: Informationsportal Soziale Altersvorsorge

Deutsche Rentenversicherung: Informationen zur Riester-Rente
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Wilddieb Stuelpner


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« Antworten #32 am: August 27, 2008, 01:05:41 »

ARD/SR, Sendung Plusminus" vom 26.08.2008, 21:45 Uhr: Plusminus-Tipp - Immobilien als Altersvorsorge

Die Idee von den eigenen vier Wänden ist für viele verlockend. Manch einer verliebt sich sogar regelrecht in das Bauernhaus vor den Toren der Stadt oder das Loft im trendigen Ausgehviertel und will es unbedingt besitzen und dann "für immer" dort leben – wie in einer Ehe.

Vieles spricht für diese langfristige Bindung: Ein Häuschen im Grünen oder die schicke Stadtwohnung kann man zwar nicht unbedingt sofort bezahlen, aber lieber Raten an die Bank überweisen als Miete an einen Dritten – denn irgendwann ist es "meins".

Eine relativ krisensichere Form der Vermögensbildung ist der Immobilienerwerb im Grunde schon. Aber ist es auch die perfekte Altersvorsorge? Verschiedene Studien zeigen: In den vergangenen 30 Jahren stagnieren oder sinken die Werte von Immobilien in Deutschland - außer in vereinzelten Toplagen. Deshalb hier unsere Tipps, für alle, die mit dem Bau oder Kauf eines Hauses oder einer Wohnung liebäugeln.

Schon vorher Finanzen fürs Alter "checken"

Auch im Alter benötigen Eigenheimbesitzer genügend Einkünfte, also eine ausreichende Rente und zusätzliches Vermögen. Denn auch wenn die eigenen vier Wände endlich abbezahlt sind, muss die selbstgenutzte Immobilie auch in Stand gehalten werden - sonst verliert sie an Wert und bringt beim potenziellen Weiterverkauf zu wenig.

Dreifach wichtig: Lage, Lage, Lage

Entscheidend für den Wiederverkaufswert ist vor allem die Lage des Objekts und damit die Antworten auf Fragen wie: Wie wird sich das Wohngebiet entwickeln, in dem das Traumhäuschen steht? Wie ist der derzeitige Zustand?

Ideal ist es, wenn die wichtigsten Läden und Geschäfte direkt um die Ecke liegen. Das Gleiche gilt für Ärzte und die Apotheke – die sollten möglichst zu Fuß oder bezahlbar mit dem Taxi erreichbar sein.

Trend: Zurück in die Stadt!

In der Stadt sind Wohnungen natürlich etwas teurer, dafür ist die Infrastruktur besser - und das kann Geld wert sein. Wegen der hohen Spritkosten, der sinkenden Bevölkerungszahl und auch wegen des kulturellen Angebotes zieht es schon heute viele Menschen zurück in die Stadt – ein Haus auf dem Land ist daher stärker von Wertverlust bedroht als eine Wohnung in der City.

Altersgerecht kaufen

Häuser mit vielen Treppen sind für Senioren ungünstig. Es sei denn, man hat das Geld, einen Aufzug oder einen Treppenlift einzubauen. Deshalb ist es am besten, wenn das Objekt, dass man heute kauft oder baut, ebenerdig zugänglich ist und wenigstens die wichtigsten Räume auf einer Etage hat. Auch enge Bäder und hohe Wannen können selbst für junge Menschen (beispielsweise nach einem Unfall) ein enormes Problem bedeuten.

Garten & Co.

Nicht nur im Alter ist ein kleiner, aber schöner Freiraum wichtig. Zu groß sollte das Grundstück aber nicht sein, denn dann kann die Instandhaltung zu einer echten Bürde werden, für die man für teueres Geld Hilfe einkaufen muss.

Nebenkosten

So schön ein alleinstehendes, großes Haus auch ist: Ohne Vollwärmeschutz wird das Geld allein für die Heizkosten nur so durch den Schornstein rauchen. Zudem werden Häuser mit hohen Nebenkosten in Zukunft noch schwerer zu verkaufen sein. Es müssen also genug Reserven bleiben, um ein Haus neu zu dämmen oder an neue Energietechniken anzupassen, zum Beispiel ein Mini-Blockheizkraftwerk im eigenen Keller, eine Erdwärmeheizung oder auch Solaranlagen. Also: Bei Kauf oder Bau auf die Südausrichtung und Nachrüstungsmöglichkeiten achten!

Nachkommen

Ob die eigenen Kinder die Immobilie irgendwann übernehmen wollen oder können, wird die Zukunft zeigen. Allein schon wegen des Jobs wohnen die Nachkommen später vielleicht in einer ganz anderen Region. Deswegen nicht vergessen: Wie für die Liebe und die Ehe gilt auch für den Häuserkauf oder -bau: Erst wenn Gefühle und Fakten zusammenpassen, sollte man sich wirklich binden.

Ein Beitrag von Sabine Müller

Externe Links

Baufoerderer.de - Tipps zum "Bauen mit Weitblick"

KFW - Kreditanstalt für Wiederaufbau
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« Antworten #33 am: August 27, 2008, 16:16:44 »

Argumente zur Rente

Durch Rentenkürzungen und die Erhöhung des Eintrittsalters werden immer mehr Menschen in die Altersarmut gedrängt. Doch es gibt realistische und bezahlbare Alternativen: Der Parteivorstand der LINKEN hat "10 Punkte für eine solidarische und sichere Rente" beschlossen. Die findet ihr hier inklusive Hintergrundinformationen, Argumenten und Beispielrechnungen.

Der Kampf für würdiges Altern soll eine zentrale Initiative unserer Partei im kommenden Jahr werden. Um die Kampagne breit zu verankern, müssen die Basisorganisationen und Kreisverbände über unsere Ziele und Argumente informiert werden. Hier geht es zur fertigen Präsentation für die Parteigliederungen, die direkt für euer nächstes Treffen genutzt werden kann.
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« Antworten #34 am: September 08, 2008, 10:20:56 »

Neues Deutschland, vom 6. September 2008

Sammeln für die Rente mit 60 - In Sachsen findet der Auftakt für die Rentenkampagne der LINKEN statt

Von Hendrik Lasch, Dresden

Mit einer Petition an den Bundestag will die LINKE die Rente mit 67 stoppen. Beim »Tag der Sachsen« beginnt die Unterschriftensammlung für die Kampagne, die künftig einen Renteneintritt mit 60 Jahren anstrebt.

In Sachsen, hat der DGB herausgefunden, geht jeder zehnte Rentner einem Minijob nach. Grund dafür dürfte nur sehr selten das Bedürfnis nach Geselligkeit und sinnvoller Tätigkeit sein. Vielmehr, sagt Katja Kipping, Bundesvize der LINKEN, sind immer mehr Ältere auf Nebeneinkünfte angewiesen, weil die Rente nicht mehr zum Leben reicht. Mit der Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre wird sich die Entwicklung verschärfen: Sie bewirke »nichts außer einer neuen, flächendeckenden Kürzung von Renten«.

Mit dieser Einschätzung wird eine Petition an den Bundestag begründet, mit der die LINKE die Abschaffung der Rente mit 67 durchsetzen will. Ab heute werden dafür Unterschriften gesammelt: Auftakt für die Kampagne ist beim »Tag der Sachsen« in Grimma.

Gleichfalls heute findet in Dresden eine Konferenz statt, auf der gemeinsam mit dem DGB über Instrumente gegen die verstärkt drohende Altersarmut beraten wird.

Die Petition, für die nach Angaben Kippings bis 2009 Unterschriften gesammelt werden sollen, richtet sich nicht nur gegen die Rente mit 67, sondern strebt auch »langfristig« ein Renteneintrittsalter von 60 Jahren an, ohne dass dafür Abschläge in Kauf genommen werden müssen. Kipping weist zur Begründung darauf hin, dass jeder zweite Betrieb derzeit keine Menschen über 50 mehr einstellt.

Im Rahmen der Kampagne will die LINKE auch für ein eigenes Rentenkonzept werben, das im Juni beschlossen worden war, allerdings die »Rente mit 60« nicht beinhaltet. Nach kontroverser Diskussion hatten sich die Genossen auf Maßnahmen geeinigt, mit denen das Prinzip der Sicherung des Lebensstandards im Alter wieder durchgesetzt werden soll. Kipping hatte dagegen für eine armutsfeste Grundrente von 800 Euro plädiert. Sie befürchtet, das anderenfalls bei Menschen mit geringen Einkommen »Armut zementiert« werde.

Das jetzt verfolgte Konzept sieht vor, die gesetzliche Rente zu stärken, Kürzungsfaktoren abzuschaffen, die Beitragsbemessungsgrenze anzuheben und mittelfristig alle Erwerbstätigen in die gesetzliche Rente einzubeziehen. Die Angelegenheit soll »zentrales Thema« bei den anstehenden Wahlen werden.
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« Antworten #35 am: September 17, 2008, 09:44:58 »

MDR, Sendung "exakt" vom 16.09.2008, 20:15 Uhr: Schuften trotz Rente

Manuskript des Beitrages

Ein Mangel an Fachkräften lässt Firmen ehemalige Mitarbeiter aus dem verdienten Ruhestand holen. Andere Rentner arbeiten weiter, weil die Rente nicht zum Überleben reicht. O-Ton: Edith Birnschein, Rentnerin
"Möchten Sie mal anprobieren?"

Für Edith Birnschein sollte das Arbeitsleben eigentlich längst gelaufen sein. 69 Jahre alt ist die Leipzigerin - und seit neun Jahren im Ruhestand. Eigentlich. Denn seit ihrer Pensionierung arbeitet die ehemalige Buchhalterin in einem Schuhladen für gerade mal fünf Euro die Stunde.

O-Ton: Edith Birnschein, Rentnerin
"Nein, das hätte ich mir auf keinen Fall träumen lassen. Ich hab' wirklich gedacht: 'Rente – und dann bleibst Du zu Hause. Gehst Deinen Wünschen nach, deinen Hobbys nach.' Aber: Es geht nicht so wie man möchte."

Rund 600 Euro Rente bekommt sie. Nach Abzug der Fixkosten wie Miete, Strom und Versicherungen bleiben ihr gerade einmal 35 Euro pro Woche zum Leben. Ohne ihre Arbeit, sagt Edith Birnschein, würde es hinten und vorne nicht reichen.

O-Ton: Edith Birnschein, Rentnerin
"Ich schieb' das von mir weg und ich geh' da auch nicht mit hausieren. Die wenigsten wissen, was ich Rente habe, oder warum ich noch hier stehe, warum ich das mache. Wenn ich gefragt werde, sage ich: 'Ich mach das gerne, es macht mir Freude.' Es ist beschämend. Aber wenn ich genug Geld hätte, würde ich's nicht machen."

Arbeiten trotz Ruhestand. Darauf sind immer mehr alte Menschen angewiesen. Der Trend ist deutlich: In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Minijobber im Rentenalter drastisch angestiegen. Um 51 Prozent auf über 760.000. Experten beobachten, dass gerade Menschen im Osten betroffen sind.

O-Ton: Ulrich Blum, Präsident IWH
"Der klassische Rentner finanziert sein Alter mit seiner Rente, mit seiner Betriebsrente und seinem Vermögen, das er aufgebaut hat. In Ostdeutschland ist Vermögen kaum da, die Betriebsrenten existieren praktisch nicht. Das heißt, die Menschen müssen mit ihrer Rente auskommen."

Auch Werner Müller arbeitet, obwohl er schon 68 ist. Doch bei ihm ist die Situation ganz anders. Bei ihm geht es nicht ums Geld. Sein alter Betrieb in Nordhausen kann bis heute nicht auf ihn verzichten. Zurzeit organisiert Werner Müller den Abtransport eines von ihm konstruierten Bagger-Unterwagens. Vor einem halben Jahr wurde der Rentner zurückgeholt. Nicht zum ersten Mal. Denn gerade im ostdeutschen Maschinenbau fehlt der Nachwuchs.

O-Ton: Werner Müller
"Ich war bis zu diesem Zeitpunkt gut drei Jahre zu Hause gewesen. Wir haben das Leben eigentlich gut genossen. Allerdings mit dem Wermutstropfen, dass meine Frau seinerzeit noch voll arbeiten ging und ich schon zu Hause war, also Hausmann war. Mittlerweile war's halt umgekehrt. Und jetzt geh' ich wieder arbeiten."

Mit fast 70 arbeitet Werner Müller Vollzeit, 40 Stunden die Woche. Wie gesagt: Nicht wegen des Geldes.

O-Ton: Werner Müller
"Ich fühle mich nicht älter als vor zehn Jahren, aber das ist natürlich alles subjektiv. Wehwehchen gibt's hin und wieder mal ein kleines, aber das muss man einfach ignorieren."

Ehemalige Mitarbeiter reaktivieren - auf diese Lösung muss Konstruktionsleiter Manfred Bierwisch immer wieder zurückgreifen. Denn im Kampf um junge Fachkräfte haben ostdeutsche Mittelständler oft schlechte Karten.

O-Ton: Manfred Bierwisch, HBM NOBAS
"Wir haben das jetzt gerade wieder gehabt, dass ein junger Mann mit seiner Freundin sich doch entschlossen hat nach Süddeutschland zu gehen, weil beide dort bessere Chancen sahen. Das wird sicher zum einen an der Bezahlung liegen und sicher auch an den Möglichkeiten, die man dort hat. Dort, wo man einfach in einem größeren Unternehmen ganz andere Aufstiegschancen hat."

Eine Besserung ist nicht in Sicht - im Gegenteil: Der Fachkräftemangel wird immer größer. In diesem Jahr fehlen allein 95.000 Ingenieure – 77 Prozent offene Stellen mehr als 2002. Ein Ausweg: Die Alten. Wie Werner Müller. Sein aktuelles Projekt geht dem Ende entgegen. Der Unterwagen wird morgen nach Japan zum Kunden geflogen und dann könnte der 68-Jährige auch wieder zurück ins Rentnerdasein. Zumindest vorerst.

O-Ton: Werner Müller
"Vielleicht war es diesmal das letzte Mal, vielleicht auch das vorletzte. Das kann man heute noch nicht sagen. Aber irgendwann muss definitiv Schluss sein."

In Leipzig schaut Schuhverkäuferin Edith Birnschein dagegen eher skeptisch auf den Tag, an dem bei ihr definitiv Schluss mit dem Zuverdienst sein wird. Und das, obwohl sie gerade deswegen manchmal herbe Kritik einstecken muss.

O-Ton: Edith Birnschein, Rentnerin
"Ich kriege oft zu hören, dass wir den jungen Leuten die Arbeitsplätze wegnehmen. Dass wir Alten eigentlich zu Hause bleiben sollen. Und mit dem Geld auskommen, was man hat."

Auch Kollegin Christel Zimmermann macht sich so langsam ihre Gedanken. Denn für die Mittfünfzigerin wird es in Sachen Rente nicht viel rosiger aussehen als heute für Edith Birnschein.

O-Ton: Christel Zimmermann, Schuhpalette Leipzig
"Bin ich erschrocken, weil mit 600 Euro kommt man nicht weit. Ist bitter."
Frage: "Wissen Sie schon, mit was Sie zu rechnen haben an Rente?"
"Nach Prognose rechne ich mit 800 Euro. Ich habe auch immer voll gearbeitet und auch zu DDR-Zeiten in keinem schlecht bezahlten Zweig. Aber 800 ist auch wenig."

Wohlgemerkt - dafür muss Christel Zimmermann noch 12 Jahre Vollzeit arbeiten.

Hochqualifizierte Ruheständler dagegen sind inzwischen zum richtig guten Geschäft geworden. Stefan Haas vermittelt über ein Internetportal Führungs- und Fachkräfte, die das Arbeitsleben eigentlich hinter sich haben, eine gute Rente beziehen.

O-Ton: Stefan Haas, Erfahrung-Deutschland
"Die suchen einen hochqualifizierten Finanzspezialisten. Und Sie sind uns aufgefallen, weil Sie ihr ganzes Leben in diesem Finanzsektor verbracht haben."

Fakt ist: Der demografische Wandel zwingt die Firmen zum Umdenken. Selbst dort, wo früher massenhaft 55-Jährige in die Altersteilzeit geschickt wurden, erleben Ruheständler jetzt ein Comeback.

O-Ton: Stefan Haas, Erfahrung-Deutschland
"Es ist volkswirtschaftlich notwendig, dass wir den Erfahrungsschatz von diesen Leuten wieder dem Wirtschaftskreislauf zuführen, weil wir ansonsten einen extremen Mangel an Fach- und Führungskräften bekommen."

Beste Aussichten also für Hochqualifizierte jenseits der 65.

Noch einmal sind wir bei Edith Birnschein, der fast 70-Jährigen Schuhverkäuferin. Sie versucht sich schon jetzt darauf einzustellen, wie es wird, wenn sie nicht mehr arbeiten kann. Und mit ihrer kleinen Rente von etwas über 600 Euro auskommen muss.

O-Ton: Edith Birnschein, Rentnerin
"Ich muss kontrollieren, wie viel ich ausgebe. Und bei 30, 35 Euro höre ich ganz einfach auf. Ob ich dann noch etwas brauche oder nicht, das verschiebe ich dann auf die nächste Woche."

Als einzige Hilfe bleibt das Haushaltsbuch - mit dem Edith Birnschein da spart, wo es noch möglich ist: Bei sich selbst. Bei Lebensmitteln. Beim täglichen Bedarf. Leben mit 35 Euro pro Woche - davor hat sie Angst.

O-Ton: Edith Birnschein, Rentnerin "Ab einem gewissen Alter kommt ja vieles auf einen zu, womit man gar nicht rechnet. Wie gesagt: Krankheit. Oder die Kosten steigen noch höher. Man weiß wirklich nicht, was werden soll in der Zukunft. Es ist alles ziemlich aussichtslos."

Experten rechnen fest damit, dass die Zahl der arbeitenden Alten weiter steigt. Entweder, weil man auf ihr Know-how nicht verzichten kann oder, weil sie sich den Ruhestand nicht leisten können.

Zuletzt aktualisiert: 17. September 2008, 01:07 Uhr
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« Antworten #36 am: September 18, 2008, 08:30:05 »

Zitat
Sensation: BILD lügt nicht!

Das Umlageverfahren sei die sicherste Altersvorsorge, stellt BILD heute auf Seite 2 fest. Also wird Norbert Blüms Feststellung “Die Rente ist sicher” selbst von BILD bestätigt und die NachDenkSeiten, die seit Jahren auf diesen Fakt aufmerksam machen, im Übrigen auch. Dass das Ganze erst unter dem Eindruck einer weltweiten Finanzkrise zugegeben wird, ist bemerkenswert. Albrecht Müller

Quelle: NachDenkSeiten


Bild ist immer für einen Lacher gut.
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« Antworten #37 am: September 18, 2008, 09:32:49 »

Zitat
24 Versicherer verweigern sich (16.09.2008)

Immer mehr Menschen greifen zur geförderten Altersvorsorge. Und immer mehr Versicherer scheuen den objektiven Vergleich. 24 Gesellschaften haben sich der Finanztest-Untersuchung nicht gestellt.

Die AachenMünchener und HDI-Gerling bringen viele klassische Riester-Rentenversicherungen an den Kunden. Sie sind aber nicht bereit, Finanztest ihre Angebote offenzulegen. Damit sich der Kunde ein Bild über die Qualität des Produktes machen kann, ist der Vergleichstest der beste Überblick über den Markt. Finanztest empfiehlt nur Riester-Verträge von Anbietern zu wählen, die sich dem Test gestellt haben.
 
Das sind alle Versicherer, die ein Testurteil scheuen:
AachenMünchener
Basler Securitas
Continentale
HDI-Gerling
Helvetia
Itzehoer
Lebensversicherung von 1871
LVM
Mecklenburgische
Münchener Verein
Nürnberger Leben
Nürnberger Beamten
Öffentliche Oldenburg
Pax Schweizerische
Plus
Rheinland
Saarland
Sparkassen-Versicherung Sachsen
Stuttgarter
SV Sparkassenversicherung
Uelzener
VGH – Versicherungen
VPV
Wüstenrot & Württembergische

Quelle: Über die NachDenkSeiten zu Stiftung Warentest


Anscheinend fühlen sie sich unvergleichlich.
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« Antworten #38 am: November 11, 2008, 12:24:25 »

Zitat
Wie sich eine gesamte Bundestagsfraktion in Sachen Riester-Rente anschmieren lässt – beachtlich

Am 16. Oktober 2008 schickte der frühere Bundesarbeitsminister Walter Riester eine Mail [PDF - 92 KB] an seine Kolleginnen und Kollegen von der SPD-Bundestagsfraktion. Der Betreff: „Sicherheit von Riester-geförderten Altersvorsorgeprodukten“. Schon der erste Absatz zur Sache (der zweite Absatz der Mail) enthält zentrale Irreführungen. Riester behauptet, der „Anleger“(er meint den „Anbieter“ von Finanzprodukten) müsse zum Zeitpunkt der Auszahlung alle eingezahlten Beiträge und staatliche Zulagen garantieren und bei mit einer Versicherung abgeschlossenen Verträgen noch zusätzlich 2,25 % Garantiezins. Diese Einlassungen Riesters sind irreführend und es ist erstaunlich, dass sich meine frühere Fraktion kollektiv so in die Irre führen lässt. Weil der Abgeordnete Riester bei mir jedoch rot sieht, habe ich Dritte um eine Stellungnahme gebeten und gebe unseren Lesern außerdem den Hinweis auf eine Sendung des ZDF von gestern Abend. Albrecht Müller.

Quelle und vollständiger Artikel: NachDenkSeiten
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« Antworten #39 am: November 11, 2008, 14:38:25 »

Das Windei der Wohnriesterrente als Mittel der privatisierten Eigenvorsorge - Die privatisierte Unkultur, die über den großen Teich rüberschwappt und den angehenden Rentnern und Pensionären den Schlaf raubt.

Bei Abzahlung der Kreditzinsen und -tilgung mindestens 28 bis über 30 Jahre lang immer der Gefahr ausgeliefert, daß man durch Kündigung oder Firmeninsolvenz durch seinen AG die Existenzgrundlage verliert, aber die Hausfinanzierung an der Backe hat. Wer das ständig vor Augen hat, der läßt sich von seiner Bank und seinem AG jede erpresserische Schweinerei gefallen. Tolle bundesdeutsche Freiheit. Leider gibt es keine andere Alternative, wenn man dem Wunsch auf Biegen und Brechen folgen will - My Home is my Castle!:

NDR, Sendung "Markt" vom 10.11.2008, 20:15 Uhr: Wohn-Riestern: Eigenheimrente mit staatlichen Zuschüssen

Wiederholung, NDR, Donnerstag, 6.00 - 6.45 Uhr

Seit Anfang November sind die ersten Wohn-Riester-Produkte auf dem Markt. Damit fördert der Staat selbstgenutzte Wohnimmobilien. Denn wer später keine Miete mehr zahlen muss, hat auch fürs Alter vorgesorgt.

Die Zulagen entsprechen den bisherigen Riester-Verträgen:

- für Erwachsene: maximal 154 Euro pro Jahr
- für kindergeldberechtigte Kinder (geboren bis 31.12.2007): maximal 185 Euro pro Jahr
- für kindergeldberechtigte Kinder (geboren ab 1.1.2008): maximal 300 Euro pro Jahr

Die Förderung erhalten Sparer für das Jahr 2008, wenn sie bis zum Ende des Jahres den Vertrag abschließen. Sie ist aber an Bedingungen geknüpft: Das Haus oder die Wohnung muss in Deutschland liegen und nach 2007 gekauft beziehungsweise fertiggestellt worden sein.

Verschiedene Varianten

Wohn-Riestern kann man auf unterschiedliche Art und Weise. Michael Knobloch vom Institut für Finanzdienstleistung in Hamburg hat zwei verschiedene Varianten durchgerechnet:

1. Wohn-Riestern kombiniert mit einem Hypothekendarlehen

Die Variante "Zulagen als Sondertilgung in Darlehen" einzusetzen, eignet sich nach Einschätzung von Michael Knobloch am besten für Leute, die eine Immobilie bauen oder kaufen wollen.

Beispiel:

Eine sechsköpfige Familie könnte ein Darlehen über 165.000 Euro bei einer monatlichen Rate von 915 Euro ohne Wohn-Riestern in 33 Jahren abbezahlen. Mit Wohn-Riestern wären sie bereits fünf Jahre früher, also nach 28 Jahren schuldenfrei.

Problematisch ist, dass es für diese Variante bisher nur sehr wenige Angebote auf dem Markt gibt, die eine Zertifizierung haben.

2. Wohn-Riestern kombiniert mit einem Banksparplan

Wohn-Riestern kann man auch mit einem Banksparplan verbinden. Auch dann bekommt man Zulagen vom Staat und spart über die Jahre eine stattliche Summe zusammen.

Beispiel:

Eine sechsköpfige Familie würde auf 33 Jahre verteilt insgesamt 37.000 Euro in den Banksparplan einzahlen. Vom Staat kämen 21.000 Euro an Zulagen hinzu. Bei einer Rendite von drei Prozent kämen auf diese Weise 94.000 Euro zusammen.

Diese Variante ist für Menschen, die jetzt eine Immobilie kaufen oder bauen wollen, jedoch nicht die beste Lösung. Denn das Geld, das sie für den Banksparplan beiseite legen müssten, fehlt ihnen bei der Finanzierung. Wer allerdings noch kein konkretes Objekt ins Auge gefasst hat, kann sich hier die Zulagen sichern und das angesparte Kapital beim Kauf entnehmen.

Darüber hinaus kann man auch in Kombination mit einem Bausparvertrag Wohn-Riestern. Auch hier haben die Zulagen vom Staat einen positiven Effekt. Verbraucherschützer kritisieren allerdings, dass die Bausparvarianten bislang nicht transparent sind.

Bei Renteneintritt fallen Steuern an

Wie bei Lebensversicherungen und den klassischen Riesterprodukten gilt auch fürs Wohn-Riestern: Die Zulagen sind in der Phase des Vermögensaufbaus steuerfrei. In der Rente fallen Steuern an. Das ist beim Wohn-Riestern etwas kompliziert, da ja keine monatliche Summe ausgezahlt wird. Deswegen zahlt ein Wohn-Riester-Sparer ab dem Renteneintritt Einkommenssteuer (die Höhe hängt vom individuellen Steuersatz ab). Diese richtet sich nach dem gefördertem Geld, das über die Jahre zusammengekommen ist und auf einem fiktiven Wohnförderkonto festgehalten wurde. Dazu kommen zwei Prozent Zinsen pro Jahr. Nun hat der Wohn-Riester-Sparer zwei Möglichkeiten: Entweder er bezahlt alle Steuern auf einmal und bekommt dadurch einen Rabatt von 30 Prozent gewährt. Oder er stottert die Steuern über mehrere Jahre hinweg ab und bekommt keinen Rabatt.

Wichtige Tipps und Hinweise

Unvorhersehbare Wendungen im Leben können dazu führen, dass sich Wohn-Riestern nicht rechnet. Wer seine Immobilie beispielsweise wegen eines Umzugs oder nach einer Scheidung verkauft, muss innerhalb von vier Jahren eine neues Haus oder eine neue Wohnung kaufen und weiter riestern. Vergeht mehr Zeit, muss er das Wohnförderkonto auflösen und sofort die gesamten Steuern zahlen.

Sparer, die unsicher sind, ob sie einmal eine Immobilie erwerben wollen, sollten zunächst besser einen herkömmlichen Riester-Vertrag abschließen. Durch das neue Eigenheimrentengesetz können Anleger bis zu 100 Prozent ihres angesparten Kapitals aus dem Riester-Vertrag entnehmen und für den Kauf oder die Entschuldung ihres Eigenheims nutzen.

Zum Teil gibt es auch andere günstige Möglichkeiten, finanzielle Unterstützung für den Bau oder Kauf einer Immobilie zu bekommen. Eine sechsköpfige Familie könnte sich beispielsweise bei der Hamburgischen Wohnungsbaukreditanstalt insgesamt 106.000 Euro zu einem sehr günstigen Zinssatz von nur 0,5 Prozent leihen. In anderen Bundesländer gibt es andere Angebote. In Niedersachsen bietet die NBank Unterstützung an, in Schleswig-Holstein die Investitionsbank (IB).

Häufige Fragen zum Wohn-Riestern

Wir hatten unsere Zuschauer aufgerufen, ihre Fragen zum Wohn-Riestern zu stellen. Hier eine Auswahl der häufigsten Fragen und Antworten:

Sabine G. aus Bönningstedt:

Wir haben bereits seit 2006 ein Einfamilienhaus und natürlich entsprechende Darlehen. Können wir die Hypothek mit Wohn-Riestern teilweise abbezahlen?
Nein. Wohn-Riestern kann man nur für Immobilien nutzen, die ab 2008 gekauft oder - bei Neubauten - fertig gestellt wurden. Andere Hausbesitzer können nicht von der Förderung profitieren.

Klaus W. aus Scheer:

Meine Frau und ich riestern bereits seit 2002. Können wir nun zusätzlich Wohn-Riestern und hier ebenfalls Fördergelder erhalten?
Nein, zusätzlich zu einer Riester-Rente kann man keinen Wohn-Riester-Vertrag abschließen. Die staatlichen Zulagen bekommt man nur einmal: entweder für die Rente oder für die selbstgenutzte Immobilie.

Kristian L. aus Hamburg:

Ich habe seit zwei Jahren einen normalen Riester-Vertrag und überlege in 10 bis 15 Jahren diesen zum Abzahlen eines Hauskredits zu nutzen. Geht das?
Ja, prinzipiell geht das. Allerdings gibt es für alle Verträge, die vor 2008 abgeschlossen wurden, eine Einschränkung: Sparer müssen, wenn sie das Geld entnehmen wollen, mindestens 10.000 Euro angespart haben. Wer diese Regelung umgehen will, kann seinen alten Riester-Vertrag auflösen und einen neuen abschließen. Für Verträge, die ab 2008 abgeschlossen wurden, gilt diese Einschränkung nämlich nicht.

Autorin: Jennie Radü



Videopodcast: Wohn-Riestern: Eigenheimrente mit staatlichen Zuschüssen

Seit 1. November kann man mit einem Riester-Vertrag auch für ein Eigenheim sparen. Verschiedene Produkte sind auf dem Markt, aber welches ist das richtige? Markt will es wissen.

Quelle:Markt, Länge: 05:32 Minuten

Videopodcast: Christian Schmid-Burgk von der Verbraucherzentrale Hamburg im Interview

Der Experte im Gespräch mit Moderator Steffen Hallaschka.

Quelle:Markt, Länge: 04:33 Minuten

Internet-Links

Wohn-Riester

Informationen des Bundesfinanzministeriums zum Thema Wohn-Riestern.

Verbraucherzentralen.

Die örtlichen Verbraucherzentralen bieten Beratungen für Interessierte an.

WK Hamburg.

Die Hamburgische Wohnungsbaukreditanstalt bietet Programme zu Wohneigentum.

Investitionsbank SH.

Informationen der Investitionsbank Schleswig-Holstein zu Wohneigentum.
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Strombolli


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« Antworten #40 am: November 11, 2008, 18:22:34 »

In diesem Deutschland kann man keine 3 Monate im voraus planen, weil dann schon wieder die nächste dumme Sau durchs Land getrieben wird  .... also das nächste untaugliche Gesetzeswerk auf die Reise geschickt wurde.
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VERARSCHT IN DEUTSCHLAND!
Wilddieb Stuelpner


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« Antworten #41 am: November 11, 2008, 21:45:07 »

In diesem Deutschland kann man keine 3 Monate im voraus planen, weil dann schon wieder die nächste dumme Sau durchs Land getrieben wird  .... also das nächste untaugliche Gesetzeswerk auf die Reise geschickt wurde.

Nicht die Sau ist dumm, sondern die Treiber sind zu unfähig, posten-, macht- und profitgeil, schachern gern, sind arrogant, machen auf Amigo- und Klüngelwirtschaft und lassen sich alle 4 Jahre pro forma wählen und real von der Wirtschaft bestechen und bezahlen.
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Troll


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« Antworten #42 am: November 12, 2008, 10:18:10 »

Zitat
Fragwürdige Versprechen
Kaum Rendite mit Riesterrente

von Olaf Kumpfert

Nur wer sehr alt wird, kann bei der Riesterrente die garantierte Rendite abschöpfen. Experten haben beispielhaft errechnet, dass bei vielen Versicherungen erst im Alter von über 100 Jahren der Garantiezins erreicht werden kann. Da aber die wenigsten Deutschen so alt werden, verbleiben bei den Versicherungen 25 Prozent der eingezahlten Beiträge als Gewinn.

Quelle: Frontal 21
Videostream
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Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
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Wilddieb Stuelpner


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« Antworten #43 am: November 12, 2008, 12:07:37 »

ZDF, Sendung Frontal21, 11.11.2008, 21:00 Uhr: Riesterrente - Fragwürdige Versprechen - Kaum Rendite mit Riesterrente

ZDF-Mediathek: Videopodcast - Riesterrente: Fragwürdige Versprechen

Download Sendemanuskript des Beitrags 

von Olaf Kumpfert

Nur wer sehr alt wird, kann bei der Riesterrente die garantierte Rendite abschöpfen. Experten haben beispielhaft errechnet, dass bei vielen Versicherungen erst im Alter von über 100 Jahren der Garantiezins erreicht werden kann. Da aber die wenigsten Deutschen so alt werden, verbleiben bei den Versicherungen 25 Prozent der eingezahlten Beiträge als Gewinn.



Familie Zorzi fürchtet, die Rente reicht im Alter nicht. Sie wollen darum eine Zusatzversicherung abschließen und mit einer Riesterrente vorsorgen. Ein Vertragsangebot für den Familienvater Peter Zorzi sieht vor, dass er als Beitrag anfänglich monatlich rund 147 Euro für die kommenden 16 Jahre einzahlt. Mit Rentenbeginn würde er damit inklusive staatlicher Zuschüsse eine Zusatzrente von knapp 107 Euro monatlich erhalten.

Der Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein hat sich Zorzis Vertrag genauer angeschaut: "Wir haben den Vertrag analysiert und geschaut, welche Rendite würde Herr Zorzi erreichen, würde er gerade so alt werden, wie es ihm das Statistische Bundesamt prognostiziert. Das Ergebnis: Verlust, knapp zwei Prozent." Die Gründe für diesen Verlust sind Provisionen und Verwaltungskosten, die ihm der Versicherer berechnet. Kleinlein sagt weiter: "In Sachen Kosten bleibt der Kunde im Dunkeln stehen. Er hat keine Chance einzuschätzen, wie stark dieser Vertrag mit Kosten belastet ist."

Lebenserwartung: steinalt

Das Kleingedruckte gibt Auskunft über die tatsächlichen Kosten. Demnach kassieren Versicherungen bis zu 20 Prozent der Beiträge zur Kostendeckung. Nur den verbleibenden Rest muss die Versicherung mit mindestens 2,25 Prozent verzinsen. Um in den Genuss der Mindestrendite zu kommen, muss Peter Zorzi sehr alt werden. Würde er 87 Jahre alt werden, läge die Rendite bei null Prozent. Erst im Alter von 103 Jahren erhielte er die garantierte Mindestrendite von 2,25 Prozent. Wenn Zorzi mit 82 Jahren das Alter erreichen würde, von der das Statistische Bundesamt als durchschnittliche Lebenserwartung bei heute 50-Jährigen ausgeht, dürfte er beim vorliegenden Vertrag einen Verlust von 1,6 Prozent machen.

Nicht untypisch, sagt Axel Kleinlein: "Unsere Analyse zeigt, dass, betrachten wir die garantierten Renten, der Kunde, der durchschnittlich verstirbt, meist noch nicht einmal die Beiträge herausbekommen hat, die er selber eingezahlt hat. Ganz zu schweigen von den Zulagen, die der Steuerzahler zusätzlich aufgebracht hat. Das Renditeprofil dieses Vertrages zeigt also, oft wird es ein eher schlechtes Geschäft sein."

Renditeerwartung: hoch

Das Argument der Versicherer, dass die Überschussbeteiligungen bei der Renditeberechnung zu berücksichtigen seien, lässt Kleinlein nicht gelten: "Einzig die garantierte Rente ist die Leistung, auf die der Kunde einen gesetzlichen Anspruch hat. Die Werte inklusive Überschussbeteiligung sind unverbindlich und können erheblich niedriger ausfallen oder gar vollständig wegfallen." Überschüsse werden nur in guten Zeiten erzielt, schwerlich in Zeiten von Wirtschafts- und Finanzkrisen.

Ein gutes Geschäft für die Versicherer? Das könnte man bei dieser Modellrechnung annehmen: Die Versicherungen kalkulieren bei Riesterrenten mit einer Lebenserwartung von 91 Jahren - neun Jahre mehr als in den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes für heute 50-Jährige. Folglich gibt es die garantierte Rendite erst, wenn man sehr alt wird. Diese Diskrepanz begründet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft mit rechtlich notwendigen Sicherheitsmargen bei der Kalkulation der garantierten Leistungen.

Nicht akzeptabel

Nur rechnen andere Anbieter wie zum Beispiel die Kölner Pensionskasse mit gerade mal zwei bis drei Jahren über dem Sterblichkeitsdurchschnitt. Der Grund: die Pensionskasse arbeitet nicht gewinnorientiert. Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen vermutet dahinter Profitinteressen: "Wenn die Menschen nicht so alt werden wie kalkuliert, dann bleibt am Ende Geld übrig. Dieses Geld fließt zu einem gewissen Teil an die noch lebenden Versicherten. Aber 25 Prozent bleiben bei den Versicherungsgesellschaften." Für die Verbraucherschützer ist das nicht akzeptabel. Selbst wenn man die allgemein steigende Lebenserwartung zu Gute hält, dürfte die Sicherheitsmarge zu groß sein. Peter Zorzi überlegt, auf einen Riestervertrag zu verzichten.
 
Mit Material von ZDF

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Wilddieb Stuelpner


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« Antworten #44 am: November 12, 2008, 12:17:05 »

ZDF, Sendung Frontal21 vom 11.11.2008, 21:00 Uhr: Service - Riesterrente: Experten raten zur Vorsicht - Tipps von Verbraucherschützern

Experten raten trotz Finanzkrise Riester-Verträge nicht zu kündigen.

Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen und Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg beantworten Fragen zum Thema Riesterrente.



1. Wie ist die grundsätzliche Haltung?

Grundsätzlich sind Riesterrenten sehr sinnvoll. Bei vielen angebotenen Riesterprodukten werden jedoch die hohen Kostenbelastungen kritisiert. Arno Gottschalk beanstandet außerdem die hohen Lebenserwartungen, die den Berechnungen zu Grunde gelegt werden.

2. Riester und Finanzkrise

Für Arno Gottschalk ist die Angst um den eigenen Riestervertrag aufgrund der aktuellen Finanzkrise unbegründet. Einen Riestervertrag aufgrund der Lage an den Aktienmärkten zu kündigen, hält er für falsch.

3. Riester für alle?

Niels Nauhauser hält es für einen Irrtum anzunehmen, die Riesterrente sei für jeden sinnvoll. Trotz Förderung sind viele Produkte so teuer, dass der Vorteil der Förderung von den Vertragskosten aufgefressen wird. Darum rät Nauhauser zur Wahl eines günstigen Anbieters, weil sich nur dann der Fördereffekt voll auf die Altersvorsorge auswirkt. Der Fördereffekt kann besonders bei Geringverdienern mit hohen Zulagen für einen Renditeschub sorgen. Für alle anderen gilt: Je niedriger die Steuern in der Rentenbezugszeit im Vergleich zur Erwerbsphase sind, desto größer ist der Fördereffekt. Und schließlich profitieren natürlich besonders diejenigen, die sehr alt werden und die Rente daher sehr lange beziehen.

4. Riesterverträge: Treue bis in den Tod?

Nauhauser meint, die Kündigung eines Riestervertrages kann sich lohnen. Sparer sollten sich durch Stornoverluste nicht grundsätzlich davon abhalten lassen, in einen günstigeren Vertrag zu wechseln. Bei der Suche nach attraktiven Verträgen kann es äußerst hilfreich sein, Fachzeitschriften zu Rate zu ziehen oder sich von wirklich unabhängiger Seite beraten zu lassen.

Quelle: Bareis, Werner; Nauhauser, Niels: Lexikon der Finanzirrtümer, Econ, Berlin, 2008
 
Mit Material von ZDF

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