Enercon
Öko-Arbeiter begehren aufVON EVA ROTH
Enercon-Windrad (dpa)Das Management hat gedroht, die Produktion zu verlagern, wenn ein Betriebsrat gewählt wird, berichten Beschäftigte und Gewerkschafter. Einem IG Metaller wurde auf einer Betriebsversammlung das Mikro abgedreht, vermerkt ein IG-Metall-Protokoll. Genutzt hat's am Ende nichts: Heute wird bei Enercon in Magdeburg ein Betriebsrat gewählt.
Der größte Windanlagenbauer Deutschlands hat sein Geschäft in viele Gesellschaften aufgeteilt. Gewählt wird jetzt in der Rothenseer Rotorblattfertigung. Die Stimmung sei gemischt, erzählen Arbeitnehmer. Die meisten seien für einen Betriebsrat, viele hofften auf höhere Löhne. Andere hätten Angst, dass die Firmenspitze tatsächlich die Bude dicht macht.
"Enercon hat in der Vergangenheit alles mögliche versucht, um Betriebsratswahlen in seinen Werken zu verhindern", berichtet Martina Winkelmann, Windkraftexpertin in der IG-Metall-Zentrale. Die Konzernspitze wolle keine Arbeitnehmer-Vertretung, die vom Management unabhängig ist. Der Marktführer spiele damit eine "unrühmliche Rolle" in der Windkraftbranche, denn bei Konkurrenten wie Vestas und Nordex gebe es längst Betriebsräte. Bei Enercon sind sie eine Seltenheit: Der IG Metall sind in Deutschland rund 20 Enercon-Firmen bekannt, nur vier haben einen Betriebsrat, die Rotorblattfertigung mitgerechnet.
Die Konzernspitze sagt zu alledem gar nichts, nichts zur Zahl der Firmen, nichts zu den Vorwürfen. Enercon wolle dazu "keinerlei Stellungnahme abgeben", erklärte ein Sprecher.
Dagegen möchten Gewerkschafter und Beschäftigte nicht mehr stillhalten. Sie erzählen, was im Magdeburger Werk los war: Dort haben drei Beschäftigte im März zu einer Betriebsversammlung eingeladen, um die Wahl eines Betriebsrats einzuleiten. Der Geschäftsführer und sein Produktionsleiter wandten sich dagegen - und die Mehrheit der Anwesenden folgte ihrem Votum, berichtet einer der Initiatoren. Beim zweiten Anlauf hätten ihn ein paar
Beschäftigte angeschrieen und
bedroht, erzählt Detlev Kiel, Bevollmächtigter der IG Metall in Magdeburg. Der Personalchef habe grinsend daneben gestanden. Später habe man ihm das Mikro abgedreht. Kiel hat deshalb Strafantrag gegen den Personalchef und den Produktionsleiter gestellt, und zwar wegen Behinderung der Betriebsratswahl.
Trotz aller Tumulte wurde die Wahl eingeleitet - und das Interesse ist groß. Immerhin acht Listen gibt es, zwei sind laut IG Metall arbeitgeberfreundlich, auf einer bewerben sich Gewerkschafter, auf fünf finden sich unabhängige Kandidaten. "Die Leute sind mutiger geworden", freut sich IG-Metallerin Winkelmann. Ihr Kollege Kiel hofft, dass die Wahl in anderen Enercon-Werken Signalwirkung hat: Über kurz oder lang würden weitere Betriebsräte gegründet.
Fragt man Beschäftigte, warum bei Enercon Betriebsräte nötig sind, müssen sie nicht lange nachdenken. Der Führungsstil sei "katastrophal", sagt einer. Leute würden eben mal in eine andere Abteilung geschickt oder zu Überstunden verdonnert. Die Lohnstruktur sei intransparent,und viele Jobs seien sehr belastend: Manche Beschäftigte müssten gebückt arbeiten, andere eine Atemschutzmaske tragen, weil die Arbeit sehr staubig sei. Und dann ist da noch der hohe Leiharbeiter-Anteil: Laut IG Metall gibt es in der Rotorblattfertigung rund 400 Festangestellte - und etwa 300 Leiharbeiter.
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