Mit Trainingsmaßnahmen will man die juristische Interpretation des Bundesarbeitsgerichts (BAG) zum Inhalt von kostenlosen Betriebspraktikas umgehen, die schon immer den Charakter von Sklaverei in sich tragen und nach Lohndumping und Lohnwucher riechen.
Kostenlose Betriebspraktikas sind nach dem BAG nur zulässig, wenn es vorher, z.B. in einer Aus- oder Fortbildungs- oder Umschulungsmaßnahme oder im Studium eine berufstheoretische Ausbildung mit geeigneten Fachkräften gab. Das Praktikum ergänzt sozusagen den berufstheoretischen Ausbildungsteil durch einen betriebspraktischen Ausbildungsteil. Also muß es im Unternehmen auch pädagogische Fachkräfte, Lehrmeister oder ähnliches Personal geben, was berufspraktisches Wissen, Fähigkeiten und Erfahrungen beibringt. Ein Praktikum ohne Ausbildungsinhalt, kann man ablehnen
Ist der praktische Ausbildungszweck im Praktikum nicht vorhanden, handelt es sich um pure Ausbeuterei von sozial Schwachen unter Ausnutzung ihrer Notlage nach § 138 BGB und so was ist nach § 291 StGB strafbar.
Der legal saubere Weg für ein gegenseitiges Beschnuppern von AG und AN wäre das Probearbeitsverhältnis, wo man für eine mengenmäßig und qualitätsgerecht erbrachte Arbeitsleistung auch die dazugehörie Arbeitsvergütung zu ortsüblichen oder tariflichen Bedingungen erwarten darf.
Für Trainingsmaßnahmen gibt es noch keine gleichgeartete Rechtsentscheidung.
Beim Stichwort Praktikum ist aktuell dieser Stand seitens des Gesetzgebebers angedacht:
ZDF, Sendung WISO vom 14.07.2008, 19.25 Uhr: WISO - Studierte Wanderarbeiter - Praktikum nach der Uni: volle Arbeit und kein Lohnvon Daniel Coenen
Statt in den Beruf einzusteigen, bleibt die junge Generation immer wieder in der Warteschleife endloser unbezahlter Praktika hängen. Realität im Alltag deutscher Studienabgänger oder doch nur "gefühlte Ausbeutung"? Neues von der "Generation Praktikum".
"Unbezahlte Praktika - das geht nicht." Klare Worte von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz im Mai 2008 auf einer Konferenz, zu der er selbst geladen hatte. Doch Gewerkschafter und Praktikanteninitiativen berichteten auf der Veranstaltung "Praktika stärken - Missbrauch verhindern" von einer ganz anderen Realität: von unbezahlten Vollzeitjobs und jahrelangen Dauerpraktika, die reguläre Arbeitnehmer ersetzen. Doch gibt es sie wirklich, die "Generation Praktikum"?
Traumjob ohne LohnManuskripte lesen, sich mit Autoren treffen, Projekte von der Idee bis zum Druck betreuen - Lektor in einem Verlag, ein Traumjob für so manchen Germanistikstudenten.
Was wie ein gelungener Berufseinstieg klingt, hat jedoch einen großen Haken: Die Arbeit ist unbezahlt. Ein Dreimonats-Praktikum, selbstverständlich ohne Übernahmeaussichten. "Für Nachschub an willigen Praktikanten ist bei diesem Verlag gesorgt, denn sein Büro liegt günstigerweise direkt neben der Uni", berichtet eine Magistra der Germanistik, die sich angesichts solcher Bedingungen ausgenutzt fühlt.
Warteschleife PraktikumÄhnliche Erfahrungsberichte finden sich in Internet-Foren und auf Praktikumsseiten zuhauf. Besonders dreiste Fälle präsentierte Frank Schneider von der Praktikanten-Selbsthilfe Fairwork auf der Konferenz. Ein Beispiel: "Praktikumsplatz zu vergeben: Übersetzer von Reiseführern gesucht für drei bis sechs Monate - in Heimarbeit."
Doch ob das Vagabundieren der hoch qualifizierten Mittzwanziger zwischen Aushilfsjobs und Halbjahres-Hospitanz vor allem ein gefühltes Phänomen ist, oder traurige Realität, war bislang unklar.
Mehr als die Hälfte unbezahltEine Studie (
Download) des Bundesarbeitsministeriums zeigt: Mehr als die Hälfte der Praktika nach abgeschlossener Berufsausbildung sind unbezahlt, weitere zwölf Prozent werden unangemessen vergütet. Vor allem aber belegt die repräsentative Befragung erstmals, "dass die Verbreitung von Praktika im Zeitverlauf gestiegen ist. Die unter 25-Jährigen haben häufiger Praktika gemacht als die 30- bis 34-Jährigen", sagt Soziologin Tatjana Fuchs, die Leiterin der Studie.
Der weitaus größte Teil, nämlich 80 Prozent der Befragten gab außerdem an, mindestens die Hälfte der Praktikumszeit als normale Arbeitskraft eingesetzt worden zu sein.
Billige ArbeitskräfteBundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) spricht von einem "Missstand bei einigen Praktika" und will durch gesetzliche Klarstellungen verhindern, dass weiterhin Praktikanten als billige Arbeitskräfte missbraucht werden: So soll die Forderung nach "angemessener Vergütung" im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) für Praktikanten mit abgeschlossener Berufsausbildung klarer gefasst werden. Zudem könnten schriftliche Praktikumsvereinbarungen, die Lernen und Fortbildung in den Mittelpunkt rücken, zur Pflicht werden.
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Schlechtes Beispiel
In den Bundesministerien könnte Olaf Scholz schon einmal anfangen, die Rechte der Praktikanten zu stärken: Im Wirtschaftsministerium etwa werden Praktikanten bis zu acht Monate lang ohne Entgelt und ohne Urlaubsanspruch beschäftigt. Selbst "Fahrt und Unterbringungskosten werden nicht erstattet", verrät die Website "Praktikantenplätze im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie".
DGB: Praktika begrenzenDem Deutschen Gewerkschaftsbund gehen Scholz' Vorschläge nicht weit genug: DGB-Vize Ingrid Sehrbrock forderte, Praktika per Gesetz auf drei Monate zu beschränken, "um sicher zu stellen, dass das Praktikum tatsächlich ein Lernverhältnis ist."
Mindestens 300 Euro pro Monat hält der DGB für eine angemessene Vergütung. Absolventen hingegen sollten sich nach Wunsch der Gewerkschafter gar nicht mehr als Praktikanten verdingen müssen. Sie sollen als Trainee oder Volontär in einem Berufseinstiegsprogramm mindestens 7,50 Euro pro Stunde verdienen.
Kaum NaturwissenschaftlerAbsolventen der Kultur- und Geisteswissenschaften haben besonders häufig Probleme beim nahtlosen Übergang ins Berufsleben. Das bestätigt auch Kolja Briedis, Projektleiter Absolventenstudien bei HIS (Hochschul-Informations-System). "Dass hier die Praktikumshäufigkeit am höchsten ist, hängt auch damit zusammen, dass die Medienbranche sehr stark bei den Geisteswissenschaftlern rekrutiert", meint Briedis.
In technischen und naturwissenschaftlichen Fächern hingegen sei ein Praktikum nach dem Studium die Ausnahme. Dies zeigt eine repräsentative Studie, die HIS im vergangenen Jahr veröffentlicht hat. Dort konnte auch belegt werden, dass Kettenpraktika von mehr als neun Monaten Länge insgesamt eine Randerscheinung seien. Von einer "Generation Praktikum" möchte der Hochschulforscher daher nicht sprechen.
Angebote prüfenSelbst wenn das Hecheln von Praktikum zu Praktikum kein Massenphänomen ist - jeder, der sich nach dem Studium für ein Praktikum entscheidet, muss wissen, wie er das passende Angebot herausfiltert und sich vor falschen Versprechungen schützt. Als erster Orientierungspunkt dienen die verschiedenen Praktika-Datenbanken, die in der Regel online angeboten werden.
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PraktikumsbewertungenPraktikumsbewertungen sammelt beispielsweise die DGB-Jugend oder die Praktikanteninitiative Fairwork. Dort gibt es auch Tipps und Checklisten, die bei der Einschätzung von Angeboten helfen, die bislang nicht bewertet wurden.
Jugendseiten des Deutschen GewerkschaftsbundsFairwork e.V. Firmen in der OffensiveEinige Firmen gehen mittlerweile in die Offensive, so etwa bei "Fair Company", einem Projekt, das die "Junge Karriere"-Redaktion initiiert hat. Die fast 1000 teilnehmenden Unternehmen verpflichten sich beispielsweise, Absolventen nur dann als Praktikanten einzustellen, wenn sie sich explizit für ein Praktikum beworben haben.
Als Richtwert für die Vergütung mehrmonatiger Praktika von Studenten und Absolventen gilt der BaföG-Höchstsatz. Zur Zeit sind dies 585 Euro im Monat. "Mindestens sollten es 300 Euro sein", sagt Redakteurin Dorothee Fricke, die das Projekt betreut. "Wir haben das abgefragt und herausgefunden, dass die meisten beteiligten Unternehmen zwischen 400 und 800 Euro zahlen. Hält sich eine Firma nicht an die Spielregeln, kann sie verwarnt oder sogar ausgeschlossen werden", ergänzt Fricke.
Imagerettung für die WerbebrancheSogar die besonders häufig als Praktikanten-Ausbeuter gescholtenen Werbe- und PR-Agenturen wollen mit einem "Praktikanten-Garantieheft" der Kritik entgegensteuern. Wer bei einer der 118 gelisteten Agenturen hospitiert, bekommt beispielsweise eine monatliche Mindestvergütung von 350 Euro.
Mit den insgesamt zwölf Gutscheinen des Hefts können die Praktikanten außerdem konkrete Ausbildungsinhalte einfordern: Beispielsweise die Teilnahme an einem Briefing oder die Einbindung in ein konkretes Projekt. Auch eine gute Betreuung durch einen Mentor wird garantiert. Im ebenfalls obligatorischen Halbzeitgespräch kann sich der Hospitant mit seinem Teamleiter über die eigenen Lernfortschritte austauschen.
Feedback bekommenDas Gespräch mit dem Vorgesetzten sollte aber auch bei jedem anderen Praktikum zum Standardprogramm gehören: Vor dem Einstieg muss es klären, welche Aufgaben man hat und was man lernen wird. Während des Praktikums sollte es gesucht werden, wenn etwas schief läuft, "wenn ich merke, ich mache nur Hilfsdienste - oder den vollen Job für den Kollegen, der schon in Urlaub ist oder dem gekündigt wurde." In einem solchen Fall, erläutert Fairwork-Gründer Frank Schneider, habe man Anspruch auf einen Arbeitsvertrag und damit auch auf eine entsprechenden Entlohnung. Als unbezahlte Verlagslektorin solle niemand arbeiten.
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Mit dem Arbeitgeber verhandeln
Die Praktikumsstelle verspricht interessante Einblicke in den möglichen "Traumjob", eine gute Betreuung wird zugesichert und auch sonst stimmen die Bedingungen - aber zahlen will der Praktikumsgeber partout nichts? Oft hängt es vom Verhandlungsgeschick ab, ob man im Bewerbungsgespräch zumindest die eine oder ander Zusatzleistung herausschlagen kann: Dies könnte die Monatskarte für Bus und Bahn sein - mit mindestens 50 Euro kein geringer Kostenfaktor - oder ein Essenszuschuss für die Betriebskantine.
Viele Praktikumsgeber lassen sich auch auf eine Teilzeitregelung ein, wenn ein Praktikant sich selbst finanzieren muss. So muss man zumindest nicht nachts kellnern, sondern kann einen Tag oder zwei Nachmittage pro Woche zum Jobben nutzen.
LinksZDF-Nachrichten heute.de: Scholz macht gegen Praktika-Missbrauch mobil - Studie: Selten Sprungbrett in den ersten JobZDF-Morgenmagazin: Generation Praktikum - "Praktikanten sind nicht rechtlos" - Ausgenutzte Arbeitskraft oder Berufsorientierung?ZDF-Reporter: Tricks am Arbeitsmarkt - Arbeitslos und ausgebeutet - Jobsuchende schuften umsonst