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Autor Thema: Neuer "berlinpass" ab Januar 2009  (Gelesen 1885 mal)
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Kater


Beiträge: 7110


« am: Dezember 15, 2008, 14:51:42 »

Zitat
Neuer "berlinpass" soll Armen die Stadt öffnen
Mehr Vergünstigungen für Hartz-IV-Empfänger ab 2009
Jan Thomsen

Der rot-rote Senat will mit einem kleinen Pappkärtchen Sozialgeschichte schreiben. Ein neuer "berlinpass" soll ab Januar 2009 allen Berechtigten die Möglichkeit - sofern vorhanden - auf vergünstigte Tickets für Kultur-, Sport-, Bildungs- und Freizeitveranstaltungen in Berlin einräumen. Die auch im Design neu konzipierte Karte ersetzt dann bisherige Nachweise wie etwa amtliche Bescheide oder auch das "Berlin-Ticket S", das für Busse und Bahnen sowie teils auch für andere Einrichtungen gilt. Den "berlinpass" gibt es künftig bei den Bürgerämtern der Bezirke, berechtigt sind alle Empfänger von Hartz IV, Sozialhilfe, Grundsicherung sowie Asylbewerber samt Familienangehörigen. Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Die Linke) sagte, der neue Schein sei "ein Pass für die ganze Stadtgesellschaft."

Design stammt von Studenten
Ziel des Senats war es, einen einheitlichen Berechtigungsnachweis für sämtliche Vergünstigungen in der Stadt zu entwerfen, der nicht stigmatisiert. "Niemand muss mehr in der Schlange vor der Ticketkasse seinen Hartz-IV-Bescheid zücken", sagte die Senatorin. Künftig reicht der Berlinpass, dessen gestalterischer Entwurf von den Studentinnen Marita Müller und Claudia Hauser von der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (FHTW), eingeschrieben im Fach Kommunikationsdesign, stammt. Das moderne Logo mit einem Schlüsselloch-Motiv ist mit dem appellhaften Slogan "Öffne Dir die Stadt" kombiniert; im Hintergrund ist mit groben Pixeln der Fernsehturm als Symbol für die Hauptstadt zu sehen.

700 000 haben Anspruch
Anspruch auf einen Berlinpass haben nach Angaben von Knake-Werner rund 700 000 Menschen. Neben den bereits bestehenden Vergünstigungen wie etwa dem 3-Euro-Kulturticket für Restkarten in Theatern und Opern oder verbilligtem Eintritt für Museen und für Schwimmbäder sollen auch immer mehr Privatanbieter überzeugt werden, solche Angebote zu machen. Die ersten konnte Knake-Werner bereits gestern präsentieren. So wird Alba Berlin reduzierte Tickets anbieten, ebenso der 1. FC Union Berlin. Auch die (landeseigene) Messe GmbH plant vergünstigte Tickets für die Grüne Woche.

Auch Hertha BSC stellte ein eigenes Angebot vor. Vereinsgeschäftsführer Ingo Schiller sagte, Hertha wolle für ausgesuchte Heimspiele Tickets fürs Olympiastadion zum Preis von fünf Euro abgeben, und zwar in nichtlimitierter Zahl. "Für welche Spiele das gilt, legen wir in jeder Hin- und Rückrunde neu fest", sagte Schiller. Diesmal sei auch etwa das Spiel Hertha gegen Bayer Leverkusen dabei, ausgenommen sind allerdings Spitzenspiele wie zum Beispiel gegen Bayern München, bei denen der Verein ohnehin ein volles Stadion erwartet. Der Hertha-Geschäftsführer erklärte, dass den Käufern der ersten 2 000 Berlinpass-Tickets einmalig noch eine weitere Eintrittskarte zur Verfügung gestellt werde, damit auch "Freunde und Familienangehörige" dabei sein können.

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Pass mit Foto
Pass: Den Berlinpass gibt es ab Januar 2009 in den Bürgerämtern. Um ihn zu erhalten, wird der Bescheid vom Jobcenter beziehungsweise vom Sozialamt über die Bewilligung von Sozialleistungen (der "Hartz-IV-Bescheid") sowie ein Passfoto benötigt. Asylbewerber müssen ihre Aufenthaltsberechtigung vorlegen, sie erhalten den Pass in der Zentralen Leistungsstelle für Asylbewerber.

Berlin-Ticket S: Wer bisher übers Jobcenter ein "Berlin Ticket S" erhielt, um eine vergünstigte Monatskarte kaufen zu können, kann dieses Ticket vorerst behalten. Es bietet ab 2009 bis zum Ablauf seiner Gültigkeit die gleichen Vergünstigungen wie der Berlinpass. Erst danach muss beim Bürgeramt ein Berlinpass beantragt werden.

Gültigkeit: Der Berlinpass ist stets genauso lang gültig wie der jeweilige amtliche Bescheid über die Bewilligung von Leistungen. Der Pass kann bei Vorlage eines neuen Bescheids zweimal verlängert werden, dann gibt es einen neuen Berlinpass.

Informationen und Angebote für den Berlinpass im Internet unter: www.berlin.de/sen/soziales/sicherung/berlinpass/index.html


http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/spezial/dossiers/armut_in_deutschland/116608/index.php
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Codeman


Beiträge: 1526


« Antworten #1 am: Dezember 15, 2008, 19:07:18 »

Hallo Kater,

interessante Sache.In unseren Jobcenter steht zwar,dass ab 2009 die Bürgerämter zuständig sind,nicht aber,was dieser BerlinPass alles für Vorteile bringt.

MfG
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Ich bin der Rostfleck am Schwert des Sozialismus - Zitat frei nach Schraubenwelle
Kater


Beiträge: 7110


« Antworten #2 am: Januar 07, 2009, 00:04:06 »

Zitat
Ansturm auf den Berlinpass
Rabatt-Ticket für Hartz-IV-Empfänger wird in den Bürgerämtern stark nachgefragt / Senat wirbt um private Anbieter
Jan Thomsen

Der Berlinpass scheint gut anzulaufen. Nach der neuen Rabatt-Karte für Arme habe es in etlichen Bürgerämtern schon in den ersten Tagen des Jahres 2009 eine hohe Nachfrage gegeben, sagte Anja Wollny, Sprecherin von Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Linkspartei), gestern der Berliner Zeitung. Genauere Zahlen sind zwar noch nicht bekannt, jedenfalls noch nicht für ganz Berlin. Der Leiter des Amtes für Bürgerdienste von Neukölln, Torsten Vogel, sagte aber auf Anfrage, bereits am vorigen Freitag, dem ersten Öffnungstag nach Neujahr, hätten seine Bürgerämter 227 der scheckkartengroßen Tickets ausgegeben, die vor allem Hartz-IV-Empfängern Ermäßigungen für eine Vielzahl von Kultur-, Sport- und Freizeitveranstaltungen ermöglichen. Auch am Montag sei der Ansturm bis zum Nachmittag ähnlich groß gewesen, sagte Abteilungsleiter Vogel. "Das hätten wir nicht gedacht."

Mit dem Berlinpass, den die Senatorin bereits Anfang Dezember angekündigt hatte, können sämtliche Ermäßigungen in Anspruch genommen werden, die es in öffentlichen und privaten Berliner Einrichtungen gibt. Nötig ist dafür nur noch das modern gestaltete Kärtchen mit Lichtbild, nicht mehr jeweils unterschiedliche Belege wie offizielle Bescheide des Jobcenters oder des Sozialamts. Anspruch darauf haben alle Empfänger von Arbeitslosengeld II ("Hartz IV"), Sozialhilfe und Grundsicherung sowie Asylbewerber, jeweils inklusive der mitversorgten Familienangehörigen: Laut Sozialverwaltung sind dies in Berlin bis zu 700 000 Menschen. Der Berlinpass ermöglicht unter anderem Ermäßigungen für Opern, Theater und Konzerthäuser (3-Euro-Kulturticket), für Museen, Bäder, Zoo und Tierpark, aber auch für den Erwerb des ermäßigten Monatstickets für BVG und S-Bahn ("Berlin-Ticket S"), das die Hälfte des normalen Preises kostet. Auch immer mehr Sportvereine haben Angebote präsentiert, zuletzt auch die Bundesligisten Hertha BSC (Fußball), Alba (Basketball) oder die Füchse (Handball).

Neuköllns Bürgerdienste-Chef Vogel betonte, es sei gut, dass die Karte nicht "Sozialticket" oder ähnlich heiße. Das würde die Betroffenen nur als Arme stigmatisieren, sagte er. Vogel kritisierte allerdings, dass die Berechtigten ihren Berlinpass nicht gleich beim Jobcenter erhielten, wie es bisher etwa bei der vergünstigten BVG-Monatskarte war. "Es ist doch unnötig, dass die Leute jetzt auch noch zum Bürgeramt müssen", findet Vogel. Auch Martin Federlein (CDU), Bezirksstadtrat und Abteilungsleiter für Bürgerdienste in Pankow, kritisiert die höhere Belastung für die Bürgerämter, die den Berlinpass seit dem 1. Januar ausschließlich ausstellen. Dennoch glaubt er, dass der Gang zum Bürgeramt vielen Berlinpass-Berechtigten leichter falle. Auch seine Behörde stellte am Montag knapp 250 Karten aus.

Immer mehr Angebote

Den aktuellen Stand der Anbieter veröffentlicht die Senatsverwaltung auf einer eigenen Internetseite (siehe Hinweis unten). "Wir werben weiter dafür, dass auch private Veranstalter Ermäßigungen anbieten", sagte Behördensprecherin Wollny. Schließlich gehe es fast immer um Restkarten, die ansonsten gar nicht verkauft würden. Neu hinzugekommen sind jetzt die Kinos in den Hackeschen Höfen und das Kant-Kino, demnächst kommen möglicherweise auch einige Musical-Veranstalter hinzu, hieß es. Wie gut das 5-Euro-Ticket für etliche Bundesligaspiele von Hertha BSC angenommen werde, konnte der Verein gestern allerdings noch nicht sagen.

Information und Angebote für den Berlinpass im Internet unter: www.berlin.de/berlinpass

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Ein Gang ins Bürgeramt genügt

Antrag: Einen Berlinpass können Empfänger von Hartz IV, von Sozialhilfe und Grundsicherung bei jedem Bürgeramt bekommen. Asylbewerber gehen zur Zentralen Leistungsstelle für Asylbewerber.

Unterlagen: Der Berlinpass wird in der Regel sofort ausgestellt. Mitzubringen sind dafür lediglich der amtliche Bescheid, Sozialleistungen zu erhalten, der Personalausweis sowie ein Passfoto.

Berlin-Ticket S: Wer bereits eine Trägerkarte für das vergünstigte Monatsticket von BVG und S-Bahn hatte, kann dies bis zum Ablauf weiternutzen. Es gelten dieselben Angebote wie beim neuen Berlinpass.


http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0106/berlin/0021/index.html

Kommentar in der Berliner Zeitung:

Zitat
Amtlich arm, endlich sexy
Jan Thomsen
JAN THOMSEN freut sich über die Einlösung eines alten Versprechens von Klaus Wowereit.

Der neue Berlinpass löst immerhin für jeden fünften Hauptstädter ein, was der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bereits seit 2003 weiß und auch öffentlich verkündet hat: Dass Berlin "zwar arm" (so sagte er damals dem Magazin Focus Money auf eine außerordentlich dämliche Frage), "aber trotzdem sexy" sei. Nebenbei: Dieser Satz dürfte Wowereits meistzitierter sein, zumindest nach seinem nicht minder einprägsamen Coming-out-Spruch von 2001, der schon längst nicht mehr zitiert werden darf, weil er schon viel zu oft zitiert wurde.

Also: Wer von Berlins amtlich Armen - nur gegen Vorlage eines behördlichen Bescheids! - einen Berlinpass beantragt und bekommt, der kann sich behaglich zurücklehnen: zum Beispiel in der ersten Reihe der Staatsoper, direkt neben dem edel betuchten, brutal parfümierten und schmuckbehängten Oberschichtler-Ehepaar, das für dieselbe Sicht und Akustik pro gerümpfter Nase 126 Euro bezahlt hat. Statt drei Euro, wie unser sexy Armer mit Berlinpass. Demnächst lädt auch Hertha ein, Billigtickets zu kaufen, ebenso Alba und die Füchse, dazu Museen, Kinos, Bibliotheken, Theater. Zwar gibt es derlei Vergünstigungen durchaus schon länger, aber: Mit der neuen kleinen Karte samt schickem Logo und netten Spruch ("Öffne dir die Stadt") ist die permanente Mittellosigkeit in der Hauptstadt jetzt auch von Amts wegen echt sexy.

Das wird viele Leistungsträger vermutlich aufregen, blicken sie doch kaum noch durch, was der durchschnittliche Hartz-IV-Empfänger so an Preisnachlässen stadtweit einstreichen kann. Eben dies wäre in der Tat mal eine andere Form von Sozialneid, wenn die voll zahlende Mittelschicht gegen die grassierende Erträglichmachung der Armut protestiert. Ist aber auch wirklich schade, dass Berlin besser im Erleichtern des Elends ist - als im Verringern.

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0106/berlin/0051/index.html
« Letzte Änderung: Januar 07, 2009, 02:53:08 von Kater » Gespeichert
Marmelade


Beiträge: 26


« Antworten #3 am: Juli 06, 2010, 10:12:49 »

mal ne Frage
gibt es irgendwo ne Liste mit allen kostenlosen Museen oder sowas? Angeblich kommt man damit kostenlos in alle staatlichen Museen?
ich werd im Internet nich fündig. Will mich aber auch nich an der Kasse blamieren,weil ich keine 4€ ermässigten Eintritts mehr habe cry
(PS: habe zwar momentan nen neuen Job,aber lebe immer noch auf Hartz4 Niveau trotz Aufstockung und angehäufter Schulden wegen der Kurzarbeit ...)

Bis jetzt hab ich ihn nur 1x genutzt ...in den Büchereien zahlt man keinen Jahresbeitrag. Smiley
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Winnie


Beiträge: 47


« Antworten #4 am: August 07, 2010, 10:45:32 »

Du kannst doch auch bei der BVG zum Sozialtarif (33,50 €) fahren. Umsonst ins Museum glaube ich nicht, wenn überhaupt, dann erhält man Ermäßigung. Im Britzer Garten z.B. gibt es gar nichts.
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