Unter dem Motto „Armut hat viele Gesichter“ lud der Caritas-Verband Köln Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Kirche zum Frühjahrsempfang. Erwerbslose wurden freilich nicht eingeladen, aber der Geruch des feinen Buffets mit Sekt und Häppchen lockte dennoch knapp 30 Engagierte aus dem Spektrum der 'Zahltag!'-Kampagne zum Fest.
Hier: de.indymedia.org Ist doch immer wieder dasselbe. Da kommen die Sozial- und gemeinnützigen Verbände mit ihren Klingelbüchsen an und erwarten eine milde Gabe vom schon ausgeplünderten Volk (= neudeutsch Fundraising oder Sozialmarketing) und hinterher macht sich die eingeladene Prominenz bei Sekt und Kaviar über das her, das eben vorher von diesen ehrenwerten Bettlern eingetrieben wurde. Das nennt man dann neudeutsch Charity-Party (altdeutsch = Wohltätigkeitsfest), wo die Schönen und Reichen wieder mal gesehen werden wollen und mit ihrem, angeblichem sozialem Engagement rumpransen, nach dem Motto: "Tue einmal was Gutes und rede zehn Jahre immer wieder darüber"
Innerhalb dieser zehn Jahre passiert von diesen Herrschaften so gut wie nichts oder "unangemessen" wenig im Verhältnis zu ihren Einkünften und Vermögen. Ich betone absichtlich die (Un-)angemessenheit, weil man dieses Schlagwort aller nasenlang den immer "sozialschmarotzenden" Arbeitslosen wie ein Spiegel vor Augen hält.
Gemurmel dröhnt drohend wie Trommelklang
Gleich stürzt eine ganze Armee
Die Treppe herauf und die Flure entlang
Dort steht das kalte Büffet.
Zunächst regiert noch die Hinterlist,
Doch bald schon brutale Gewalt,
Da spießt man, was aufzuspießen ist,
Die Faust um die Gabel geballt.
Mit feurigem Blick und mit Schaum vor dem Mund
Kämpft jeder für sich allein,
Und schiebt sich in seinen gefräßigen Schlund
Was immer hineinpaßt hinein.
Bei der heißen Schlacht am kalten Büffet,
Da zählt der Mann noch als Mann,
Und Auge um Auge, Aspik um Gelee,
Hier zeigt sich, wer kämpfen kann, hurra!
Da blitzen die Messer, da prallt das Geschirr
Mit elementarer Wucht
Auf Köpfe und Leiber, und aus dem Gewirr
Versucht ein Kellner die Flucht.
Ein paar Veteranen im Hintergrund
Tragen Narben auf Hand und Gesicht,
Quer über die Nase und rings um den Mund,
Wohin halt die Gabel sticht.
Ein tosendes Schmatzen erfüllet den Raum,
Das rülpst und das grunzt und das quiekt.
Fast hört man des Kellners Hilferuf kaum,
Der machtlos am Boden liegt.
Da braust es noch einmal wie ein Orkan,
Ein Recke mit Übergewicht wirft sich auf‘s Büffet im Größenwahn,
Worauf es dann donnernd zerbricht.
Nur leises Verdauen dringt noch an das Ohr,
Das Schlachtfeld wird nach und nach still.
Aus den Trümmern sieht angstvoll ein Kellner hervor,
Der längst nicht mehr fliehen will.
Eine Dame träumt lächelnd vom Heldentod,
Gebettet in Kaviar und Sekt,
Derweil sie, was übrigzubleiben droht,
Blitzschnell in die Handtasche steckt.
Das war die Schlacht am kalten Büffet,
Von fern tönt das Rückzugssignal,
Viel Feind‘, viel Ehr‘ und viel Frikassee
Na denn: „Prost“ bis zum nächsten Mal – hurra!
Das war die Schlacht am kalten Büffet
Und von dem vereinnahmten Geld
Geh‘n zehn Prozent, welch‘ noble Idee,
Als Spende an „Brot für die Welt“ – hurra!
Auf Schloß Hohenhecke zu Niederlahr
Es hat soeben getagt ,–
Lädt Freiherr Bodo, wie jedes Jahr,
Zur Diplomatenjagd;
Durch Felder und Auen
Auf haarige Sauen,
In Wiesen und Büschen
Den Hirsch zu erwischen,
Den hat Freiherr Bodo für teures Geld
Am Vorabend selber hier aufgestellt.
Schon bricht es herein in Wald und Flur,
Das diplomatische Corps,
Die Ritter vom Orden der Konjunktur,
Zwei Generäle zuvor.
Bei Hörnerquinten,
Mit Prügeln und Flinten.
Es folgt mit Furore
Ein Monsignore.
Selbst den klapprigen Ahnherrn von Kieselknirsch,
Trägt man auf der Bahre mit auf die Pirsch!
Es knallen die Büchsen, ein Pulverblitz, –
Es wird soeben gesagt,
Daß Generalleutnant von Zitzewitz
Den Verlust seines Dackels beklagt.
Der Attaché Mehring
Erlegt einen Hering,
Den tiefgefroren,
Die Kugeln durchbohren,
Noch in Frischhaltepackung, – das ist unerhört! –
Ein Keiler ergibt sich, vom Lärm ganz verstört.
„Bewegt sich dort etwas am Waldesrand?“
(Der Ahnherr sieht nicht mehr recht.)
„Das kriegt kurzerhand eins übergebrannt!“
(Denn schießen kann er nicht schlecht.
Ja, ganz ohne Zweifel:
Er schießt wie der Teufel!)
Man trägt ihn ganz leise,
Bis dicht an die Schneise.
Man reicht ihm die Büchse, es prasselt das Schrot:
So findet der Außenminister den Tod.
Daß der Ahnherr daraufhin noch „Waidmannsheil“ schreit,
Hat alle peinlichst berührt.
Ihm wird ein Protestschreiben überreicht
(besonders scharf formuliert),
Doch muß man dem Alten
Zugute halten: Das war, bei Hubertus,
Ein prächtiger Blattschuß,
Und daß er das Wort Diplomatenjagd,
Nur etwas zu wörtlich genommen hat!
Die Nacht bricht herein, und Schloß Hohenhecke
Bietet ein friedliches Bild:
Der Monsignore segnet die Strecke
Von leblosem, greisen Wild,
Schon fast vergessen,
Will doch keiner essen:
Die Veteranen,
Die zähen Fasanen,
Die Ente mit Rheuma,
Den Keiler mit Asthma.
Die Jagd wird begossen,
Und dann wird beschlossen:
Der Krempel wird, – weil man hier großzügig denkt, –
Dem nächsten Armenhaus geschenkt!
So wird auch den Ärmsten der Segen zuteil!
Es lebe das Weidwerk, dreimal Waidmannsheil!
Das Quecksilber fällt, die Zeichen stehen auf Sturm,
Nur blödes Kichern und Keifen vom Kommandoturm
Und ein dumpfes Mahlen grollt aus der Maschine.
Und rollen und Stampfen und schwere See,
Die Bordkapelle spielt „Humbatäterä“,
Und ein irres Lachen dringt aus der Latrine.
Die Ladung ist faul, die Papiere fingiert,
Die Lenzpumpen leck und die Schotten blockiert,
Die Luken weit offen und alle Alarmglocken läuten.
Die Seen schlagen mannshoch in den Laderaum
Und Elmsfeuer züngeln vom Ladebaum,
Doch keiner an Bord vermag die Zeichen zu deuten!
Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.
Am Horizont wetterleuchten die Zeichen der Zeit:
Niedertracht und Raffsucht und Eitelkeit.
Auf der Brücke tummeln sich Tölpel und Einfaltspinsel.
Im Trüben fischt der scharfgezahnte Hai,
Bringt seinen Fang ins Trockne, an der Steuer vorbei,
Auf die Sandbank, bei der wohlbekannten Schatzinsel.
Die andern Geldwäscher und Zuhälter, die warten schon,
Bordellkönig, Spielautomatenbaron,
Im hellen Licht, niemand muß sich im Dunkeln rumdrücken
In der Bananenrepublik, wo selbst der Präsident
Die Scham verloren hat und keine Skrupel kennt,
Sich mit dem Steuerdieb im Gefolge zu schmücken.
Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.
Man hat sich glatt gemacht, man hat sich arrangiert.
All die hohen Ideale sind havariert,
Und der große Rebell, der nicht müd‘ wurde zu streiten,
Mutiert zu einem servilen, gift‘gen Gnom
Und singt lammfromm vor dem schlimmen alten Mann in Rom
Seine Lieder, fürwahr: Es ändern sich die Zeiten!
Einst junge Wilde sind gefügig, fromm und zahm,
Gekauft, narkotisiert und flügellahm,
Tauschen Samtpfötchen für die einst so scharfen Klauen.
Und eitle Greise präsentier‘n sich keck
Mit immer viel zu jungen Frauen auf dem Oberdeck,
Die ihre schlaffen Glieder wärmen und ihnen das Essen vorkauen.
Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.
Sie rüsten gegen den Feind, doch der Feind ist längst hier.
Er hat die Hand an deiner Gurgel, er steht hinter dir.
Im Schutz der Paragraphen mischt er die gezinkten Karten.
Jeder kann es sehen, aber alle sehen weg,
Und der Dunkelmann kommt aus seinem Versteck
Und dealt unter aller Augen vor dem Kindergarten.
Der Ausguck ruft vom höchsten Mast: Endzeit in Sicht!
Doch sie sind wie versteinert und sie hören ihn nicht.
Sie zieh‘n wie Lemminge in willenlosen Horden.
Es ist, als hätten alle den Verstand verlor‘n,
Sich zum Niedergang und zum Verfall verschwor‘n,
Und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden.
Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.
Reinhard Mey: Hipp hipp hurra!Hipp hipp hurra, hipp hipp hurra, hipp hipp hurra!
Nicht „wegtreten“, nicht „Abmarsch“, halt, bleib‘ da!
Du mit dem Stoffbeutel, Zottelpullover, Körnerfreak,
Wenn du gehst, dann geht das Licht aus in der Republik.
Nicht „stillgestanden“, Gott sei Dank, da bis du ja!
Mütze ab und absolut unmilitärisch: Hipp hipp hurra!
Ey, du da, mit der Schnabeltasse in der Hand
Drückst dich ‘rum im Altersheim vorm Dienst am Vaterland
Und machst noch locker Kohle, so reichlich 15 Mark am Tag!
Geiler Job ey, mit den alten Leutchen ganz allein
Außer Erbschleicher und Bestatter kuckt ja keiner mehr rein,
Klar doch, daß da jeder laus‘ge Faulpelz Zivi werden mag!
Hipp hipp hurra, hipp hipp hurra, hipp hipp hurra!
Nicht „wegtreten“, nicht „Abmarsch“, halt, bleib da!
Du mit dem Ziegenbärtchen und dem Piercing im Gesicht
Weil ohne dich der ganze Laden hier zusammenbricht.
Nicht „stillgestanden“, Gott sei Dank, da bis du ja!
Mütze ab und absolut unmilitärisch: Hipp hipp hurra!
Ey du da, mit dem appetitlichen Verband
Lungerst mit der Bettpfanne cool an der Klinikwand,
Baggerst die Schwestern an auch noch während der Operation.
Schiebst ein paar Betten ‘rum und ein paar Pillen rein,
Wäschst ein paar Hintern und läßt fünfe grade sein,
Und da ist immer voll die Party auf der Intensivstation.
Hipp hipp hurra, hipp hipp hurra, hipp hipp hurra!
Nicht „wegtreten“, nicht „Abmarsch“, halt, bleib da!
Du kurzgeschor‘ner, langhaariger Glatzkopf du
Ohne dich macht auch der letzte Kindergarten zu
Nicht „stillgestanden“, Gott sei Dank, da bis du ja!
Mütze ab und absolut unmilitärisch: Hipp hipp hurra!
Und du da, der als Gruß zum „V“ die Finger spreizt
Mit den Kumpels in den Rollstühl‘n durch die Gegend heizt,
Sechs Mann hoch und du am Steuer vom 308er Benz.
Schön im Wartezimmer rumhäng‘n, schön im Weg ‘rumstehn,
Immer an der frischen Luft, immer schön shopping gehn,
Immer extra Klos und extra Parkplatz, du machst dir‘n schön‘n Lenz!
Hipp hipp hurra, hipp hipp hurra, hipp hipp hurra!
Nicht „wegtreten“, nicht „Abmarsch“, halt, bleib da!
Hätt‘st du statt auf Rollstuhl mehr auf Panzerfahren Bock
Stehn die einen auf‘m Schlauch, die andern gehn am Stock.
Nicht „stillgestanden“, Gott sei Dank, da bis du ja!
Mütze ab und absolut unmilitärisch: Hipp hipp hurra!
Ja das gesunde Volksempfinden! Ach, scher dich nicht drum!
Und auch nicht um die Pit-Bulls aus dem Ministerium.
Irgendwann kommt jeder mal vor deinen Thron
Und freut sich, daß du ihm sein Essen auf Rädern auftischst,
Ihn fütterst, ‘rumfährst, windelst und den Po abwischst!
Na klar, wir ham doch unsern Zivi und der macht sowas wirklich gern!
Hipp hipp hurra, hipp hipp hurra, hipp hipp hurra!
Nicht „wegtreten“, nicht „Abmarsch“, halt, bleib da!
Du Kumpel mit dem Haargummi im Rastazopf
Ohne dich, da hängt die ganze Nation am Tropf.
Nicht „stillgestanden“, Gott sei Dank, da bis du ja!
Mütze ab und absolut unmilitärisch: Hipp hipp hurra!
Hipp hipp hurra, hipp hipp hurra, hipp hipp hurra!
Nicht „wegtreten“, nicht „Abmarsch“, halt, bleib da!
Ich sag es deutlich, Herr Minister, und klingt es auch barsch,
Ohne die Drückeberger ist das Vaterland am Arsch.
Nicht „stillgestanden“, Gott sei Dank, da seid ihr ja!
Mütze ab und absolut unmilitärisch: Hipp hipp hurra!
Oder meldet Euch im Sinne der Wehrgerechtigkeit
Bei Bobbeles oder bei Schumis Kampfeinheit.
Nicht „stillgestanden“, Gott sei Dank, da seid Ihr ja!
Mütze ab und absolut unmilitärisch: Hipp hipp hurra!
Sie waren Schreiner, Maurer, Steinmetz, Schmied und Zimmermann,
Bald 1000 Jahre her, daß ihre Wanderschaft begann.
Silberschmied, Böttcher, Kupferstecher, aus bitterster Not
Zogen sie in die Fremde und sie suchten Lohn und Brot.
Das Dorf so arm, das Land zu karg, keiner der Arbeit hat,
Vater und Mutter kriegen die vielen Mäuler nicht satt.
Sie schulterten ihr Bündel, nahmen ihren Wanderstab
Und gingen in die Welt, dorthin, wo’s Arbeit für sie gab.
Nichts als den Stenz, nichts als die Kluft, nichts als am Leib das Hemd,
Nicht einen roten Heller, immer hungrig, immer fremd.
Nur ein kostbares Hab und Gut auf ihrer Wanderschaft:
Das Geschick ihrer Hände, ihren Mut und ihre Kraft.
Wir alle seins Brüder,
Wir alle seins gleich!
Ein Leben auf der Straße in Schnee oder Regenflut,
In staub’ger Werkstatt oder im Gebälk zur Mittagsglut,
Auf schwankendem Gerüst, im steilen Dach, im Glockenturm,
Und weiterzieh’n in Kälte, in Nässe, Nacht und Sturm.
Zu lernen, wie man anderswo die Kathedralen baut,
Die Balken zimmert, Schiefer deckt oder den Stein behaut.
Glück, wenn es eine Scheune gab als Herberge zur Nacht,
Doch oft durchnässt im kühlen Morgentau im Gras erwacht.
Und ihre Hände schufen die Burg zu Eisenach,
Die Celler Fachwerkgiebel, das Innsbrucker Gold’ne Dachl
Und manch Geselle brachte der Welt ein Meisterstück dar:
Dürer sein Nashorn und Riemenschneider seinen Altar.
Wir alle seins Brüder,
Wir alle seins gleich!
Magerer Lohn, karges Quartier, und selten satt vom Schmaus,
Drei Jahr und einen Tag und niemals näher an zuhaus
Als diese dreißig Meilen, aus dem Heimatkreis verbannt,
Daß einen nicht die Sehnsucht, nicht das Heimweh übermannt!
Ihr Werkzeug, die Habseligkeiten, was ihr Eigen ist,
Paßt in ein Leintuch, das im Quadrat eine Elle mißt.
Und doch hat der entbehrungsreiche Weg sie reich gemacht,
Hat Schätze an Erfahrung und Kunstfertigkeit gebracht.
Und Reichtümer an Freiheit von drei Jahren auf der Walz.
Allein an irdischen Gütern bleibt ihnen bestenfalls
Der goldne Ring im Ohr und der ist nicht da, um zu prahl’n,
Nein, um damit wenn’s sein muß, ihr Begräbnis zu bezahl’n.
Wir alle seins Brüder,
Wir alle seins gleich!
Sie sind Schreiner, Maurer, Steinmetz, sie sind Schmied, und Zimmermann,
Heut wie vor 1000 Jahren treten sie die Reise an:
Der schwarze Hut, der Ring im Ohr, die Kluft aus alter Zeit,
Am Hemd die schwarze, blaue, graue, rote Ehrbarkeit.
Ein Weg voller Entsagung, Leben ohne Überfluß,
In Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, ein freier Entschluß.
Und ihre Hände bau’n den Reichstag und das Stelenfeld
Das neue World Trade Center, Brücken in die ganze Welt.
Ihr seht sie auf der Rüstung, auf dem First und in den Sparr’n
Und wartend an der Straße, um ein Stück mit Euch zu fahr’n.
Dann, brave Christen, ehe ihr vorbeifahrt, denkt daran:
Der Herr, zu dem ihr betet, war auch ein Zimmermann!
Und sagt der nicht: „Was ihr dem Wandrer an der Autobahn,
Dem geringsten meiner Brüder tut, das habt ihr mir getan!“
Drum, brave Christen, ehe ihr vorbeifahrt, haltet an:
Der Herr, zu dem ihr betet, war auch ein Zimmermann!
Wir alle seins Brüder,
Wir alle seins gleich!
Die Losung „Wir alle seins Brüder, wir alle seins gleich“ der Fremden Freiheitsbrüder hat ihren Ursprung in der Französischen Revolution von 1798, deren Ideale die Handwerksgesellen begeistert aufnahmen und auf ihren Wanderungen durch ganz Deutschland trugen. Die wandernden Handwerksgesellen spielten eine große Rolle bei der Verbreitung revolutionärer Gedanken in Deutschland.
(Martin Reimers einheimischer Freiheitsbruder, Buchgeselle zu Landshut)
aus einem Interview mit Reinhard Mey"... Gibt es überhaupt noch Sendungen - Rundfunk, Fernsehen - für Künstler wie Sie?
RM: Bei den meisten Musiksendungen hierzulande möchte man doch lieber im Boden versinken, als da vor der Kamera zu stehen. Anspruchsvollere Formate, für die man sich nicht schämen muß, kann man mit dem Mikroskop suchen. Manchmal gibt es so etwas und einen mutigen Redakteur, der das Wagnis eingeht, ein Lied, das jeder hierzulande verstehen kann und das vielleicht sogar unbequem sein könnte, in seine Sendung zu nehmen. Bei Götz Alsmanns „Großer Nachtmusik“ (ZDF) zum Beispiel oder den „Songs an einem Sommerabend“ (BR) können sie einem begegnen - das Publikums-Echo belohnt sie dann reich für ihre Risikobereitschaft. Und dann sind da noch Gott sei Dank die späten Talk-Shows bei den Öffentlich-Rechtlichen, die ein waches, interessiertes Publikum haben. ...