Übersicht   Hilfe Suche Einloggen Registrieren  
Seiten: [1]   Nach unten
Drucken
Autor Thema: Hungerstreik von Leiharbeitern bei VW-Nutzfahrzeuge in Hannover  (Gelesen 472 mal)
0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.
cyberactivist
Administrator

Beiträge: 369


« am: März 31, 2009, 16:06:58 »

Leiharbeiter bei VW Nutzfahrzeuge Hannover-Stöcken sind in den Hungerstreik getreten

Seit Freitag befinden sich drei Leiharbeiter, deren Verträge zum 31.3.2009 auslaufen und nicht verlängert wurden, im Hungerstreik. Die FAU-Hannover ist mit den Streikenden solidarisch und ruft mit zu ihrer Unterstützung auf. Die Kollegen haben sich zu der drastischen Aktion des Hungestreiks entschlossen, weil sie sonst keine öffentliche Aufmerksamkeit für ihre Situation bekommen würde. Sie wollen die Kündigung ihrer Verträge zum 31. März nicht kampflos hinnehmen. Verweigerten zunächst drei der insgesamt 213 betroffenen LeiharbeiterInnen der VW eigenen Zeitarbeitsfirma "WOB" die Nahrungsaufnahme, waren es am Sonntag schon fünf. Am Montag kamen weitere fünf Kollegen hinzu. Der Erste Streikende hat bereits gesundheitliche Beeinträchtigungen zu verzeichnen: Er musste gestern Nacht ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Die Betroffenen hatten sich auf einer von den ZeitarbeitInnen selbst organisierten Versammlung für den Beginn des Hungerstreiks entschieden. Die IG Metall und der Betriebsrat unterstützen sie nicht. Damit ihre Anliegen von den Funktionären der IG Metall überhaupt gehört werden, mussten sie die Sitzung des Betriebsrat stürmen. Dieser wollte dann aber nicht mit allen Anwesenden sondern nur mit zwei Delegierten reden. Als die LeiharbeiterInnen darauf nicht eingingen, hat der Betreibsrat den Werkschutz gerufen.

Gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) erklärte ein Betriebsratssprecher, dass das Gremium zwar Verständnis für die Sorgen der Kollegen hätte, die Verweigerung von Gesprächen allerdings nicht gut heiße. Nach Angaben eines Konzernsprechers gegenüber derselben Zeitung seien die Verträge von 35 der 213 LeiharbeiterInnen inzwischen erneut verlängert worden. „20 von ihnen seien erst am Freitag informiert worden. Für einige seien weitere Einsatzmöglichkeiten absehbar, der Streik sei daher unangebracht“, so der Konzernsprecher gegenüber der HAZ vom 28. März.
Von Seiten der Streikenden ist dagegen zu erfahren, dass werde Betriebsrat noch Konzernleitung jemals versucht hätten mit ihnen zu sprechen. Auf Mails wurde nicht geantwortet, beim Zelt das direkt am "Tor 3" des Werksgelände hat sich von Betriebsrat oder Konzernleitung niemand blicken lassen.

Die Leiharbeiter fordern für sich und ihre KollegInnen angesichts des Steigenden Absatzes bei VW, der dank der "Abwrackprämie" zu verzeichnen ist, die Weiterbeschäftigung. Dies hätte gute Aussichten, da in Wolfburg bereits neue LeiharbeiterInnen eingestellt werden. Das will aber die Konzernleitung nicht - müssten die LeiharbeiterInnen dann doch in die Stammbelegschaft übernommen werden und könnten nicht zu den jetzt noch schlechteren Bedingungen als bereits zuvor beschäftigt werden. Viele arbeiten nämlich schon seit zwei Jahren bei VW und würden jetzt bereits ihre fünfte Verlängerung bekommen.
Die Forderungen der LeiharbeiterInnen gehen aber über die Weiterbeschäftigung oder die Aufnahme in das Kurzarbeitergeld hinaus. Letztlich haben die KollegInnen schon lange erkannt, dass sie für die Krise des Kapitalismus büßen sollen. Das wollen sie sich nicht bieten lassen und letztlich schwingt in ihren Forderungen daher immer die - nicht mehr komplett utopische- Forderung nach dem Ende des Kapitalismus mit.
Wie es die ATIF (Föderation der ArbeiterInnen aus der Türkei in Deutschland), welche den Kampf seit Beginn unterstützt zusammengefasst hat: Arbeiterinnen und Arbeiter zusammen sind wir stark! Wir können uns wehren und die Kapitalisten in ihrer Krise versinken lassen!
Die FAU-Hannover ist mit den Streikenden solidarisch und unterstützt die Forderungen der Streikenden. Zusammen mit den FreundInnen und GenossInnen des libertären Netzwerk alerta! werden die Streikenden besucht, Feuerholz und Wasser vorbei gebracht. Auch auf einer Veranstaltung zu den AntiFa-Aktionen gegen den Nazi-Aufmarsch am 1.Mai 2009 in Hannover wurde kurz über die Situation berichtet und Geld zur Unterstützung gesammelt.

Die FAU-Hannover berichtet auf ihrer Seite regelmäßig über die Hintergründe und den Stand des Streiks - schaut einfach vorbei: www.fau.org/hannover.

Alle Interessierten sind von den Hungerstreikenden und ihren UnterstützerInnen eingeladen bei ihnen vorbei zuschauen. Das Zelt der Streikenden befindet sich in Hannover Stöcken direkt in der Nähe des Endpunktes der Straßenbahn Linie 4 am Tor 3.
  http://www.fau.org/hannover

http://de.indymedia.org/2009/03/245799.shtml
Gespeichert
piet


Beiträge: 76



« Antworten #1 am: März 31, 2009, 20:55:11 »

"Die wegen eines Hungerstreiks vor seinen Werkstoren in die Schlagzeilen geratene Volkswagen-Tochter VW Nutzfahrzeuge verlängert für einen Teil seiner Leiharbeiter die am Dienstag ausgelaufenen Verträge. Von den mehr als 200 Betroffenen würden 88 zunächst für mehrere Monate weiterbeschäftigt, sagte ein VW-Sprecher am Dienstag. Sie könnten im Stammwerk in Wolfsburg in der Golf-Fertigung arbeiten, die durch die Abwrackprämie derzeit ausgelastet ist. Die sieben im Hungerstreik befindlichen Leiharbeiter profitieren wie 118 weitere Kollegen nicht von der Maßnahme. Sie setzen ihren Protest fort. ..."
mehr unter:
http://www1.ndr.de/wirtschaft/dossiers/volkswagen/hungerstreik104.html
http://www.welt.de/wirtschaft/article3477807/Leiharbeiter-bei-VW-hungern-fuer-ihre-Arbeitsplaetze.html#reqRSS
Gespeichert

Leben einzeln und frei
wie ein Baum und dabei
brüderlich wie ein Wald,
diese Sehnsucht ist alt.

Yaşamak bir ağaç gibi
tek ve hür ve bir orman gibi
kardeşçesine,
bu hasret bizim.

Nâzım Hikmet
ManOfConstantSorrow


Beiträge: 5406


« Antworten #2 am: August 12, 2009, 13:19:19 »

Zitat
Hungerstreikende gewinnen vor Gericht

Im Streit um den Protest der Leiharbeiter hat Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) vor Gericht eine Schlappe eingesteckt: Das Arbeitsgericht Hannover gab am Dienstag der Klage von zehn Leiharbeitern statt, die sich im Konflikt um das Auslaufen ihrer Arbeitsverträge in den Hungerstreik getreten waren.



Gewonnen: Die Leiharbeiter sind mit ihrer Klage erfolgreich.


Demnach muss die VW-interne Leiharbeitsfirma Wolfsburg AG die Mitarbeiter weiterbeschäftigen. Einer von ihnen erkämpfte sich sogar einen unbefristeten Vertrag. Die Gesellschaft habe bei der Auswahl gezielt diejenigen nicht weiterbeschäftigt, die gegen die Nichtverlängerung ihrer Verträge demonstriert hatten, sagte die Vorsitzende Richterin Sylvia Bittens in ihrer Urteilsbegründung. Damit habe die Leiharbeitsfirma gegen das gesetzliche Maßregelungsverbot verstoßen.

Nachdem die Verträge der Leiharbeiter im Frühjahr ausgelaufen waren, hatten sie vor dem Stöckener Werk eine mehrwöchige Mahnwache abgehalten und waren neun Tage lang in den Hungerstreik getreten. Annähernd die Hälfte der 200 Arbeiter erhielt danach neue Verträge. Unter ihnen war allerdings keiner aus der Reihe der Teilnehmer des Arbeitskampfes. VWN-Personalvorstand Jochen Schumm soll dies während des friedlichen Protestes vor den Werkstoren bereits mit den Worten angekündigt haben: „Bei VW werden Sie keine Zukunft haben. Wir möchten nicht mit Randalierern zusammenarbeiten.“ Die Anwältin der Wolfsburg AG berief sich dagegen auf ein „Punkteschema“, das für die Weiterbeschäftigung maßgeblich gewesen sei. Dieses entpuppte sich aber als Eigentor: Die dem Gericht vorgelegte Tabelle zur Beurteilung der Mitarbeiter wies deutlich aus, dass es unter den streikenden Mitarbeitern welche mit höherer Punktzahl gab als diejenigen, die einen neuen Vertrag bekommen hatten.

Die Anwältin merkte lapidar an, man habe diese dann eben telefonisch nicht erreicht. Eine Bemerkung, die sich als peinlich herausstellte. Denn wie das Gericht mitteilte, waren die Streikenden auf der Liste rot markiert und mit der Notiz „Nicht anrufen“ versehen. Richterin Bittens wertete dies als Reaktion auf den Hungerstreik.

Die Stimmung im voll besetzten Saal des Arbeitsgerichts war am Dienstag emotional. Eine Frau erzählte von ihren zwei Kindern und fragte, ob es keine sozialen Kriterien für die Auswahl gegeben habe. Ein Leiharbeiter sagte, er habe sein Handy 24 Stunden angehabt und auf den ersehnten Anruf gewartet. „Wir haben nur gezeigt, dass wir arbeiten wollen, und genau diese Leute sind hier“, sagte Endri Mahumataj, der wie seine Kollegen einen befristeten Vertrag erwirkt hatte. Trotz der Einschränkung konnte er es kaum fassen: „Das Kämpfen hat sich nun doch noch gelohnt.“
[Sonja Fröhlich]

http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Hungerstreikende-gewinnen-vor-Gericht
Gespeichert

Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
Ziggy


Beiträge: 4316



« Antworten #3 am: August 12, 2009, 14:51:53 »

Zitat
Die Anwältin merkte lapidar an, man habe diese dann eben telefonisch nicht erreicht. Eine Bemerkung, die sich als peinlich herausstellte. Denn wie das Gericht mitteilte, waren die Streikenden auf der Liste rot markiert und mit der Notiz „Nicht anrufen“ versehen

Ups ...
Gespeichert

Es gibt ein paar unumstößliche Grundsätze: Der Papst ist katholisch, die Erde keine Scheibe und AC/DC die beste Band der Welt.
Seiten: [1]   Nach oben
Drucken

Gehe zu: