Leiharbeiter bei VW Nutzfahrzeuge Hannover-Stöcken sind in den Hungerstreik getretenSeit Freitag befinden sich drei Leiharbeiter, deren Verträge zum 31.3.2009 auslaufen und nicht verlängert wurden, im Hungerstreik. Die FAU-Hannover ist mit den Streikenden solidarisch und ruft mit zu ihrer Unterstützung auf. Die Kollegen haben sich zu der drastischen Aktion des Hungestreiks entschlossen, weil sie sonst keine öffentliche Aufmerksamkeit für ihre Situation bekommen würde. Sie wollen die Kündigung ihrer Verträge zum 31. März nicht kampflos hinnehmen. Verweigerten zunächst drei der insgesamt 213 betroffenen LeiharbeiterInnen der VW eigenen Zeitarbeitsfirma "WOB" die Nahrungsaufnahme, waren es am Sonntag schon fünf. Am Montag kamen weitere fünf Kollegen hinzu. Der Erste Streikende hat bereits gesundheitliche Beeinträchtigungen zu verzeichnen: Er musste gestern Nacht ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Die Betroffenen hatten sich auf einer von den ZeitarbeitInnen selbst organisierten Versammlung für den Beginn des Hungerstreiks entschieden. Die IG Metall und der Betriebsrat unterstützen sie nicht. Damit ihre Anliegen von den Funktionären der IG Metall überhaupt gehört werden, mussten sie die Sitzung des Betriebsrat stürmen. Dieser wollte dann aber nicht mit allen Anwesenden sondern nur mit zwei Delegierten reden. Als die LeiharbeiterInnen darauf nicht eingingen, hat der Betreibsrat den Werkschutz gerufen.
Gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) erklärte ein Betriebsratssprecher, dass das Gremium zwar Verständnis für die Sorgen der Kollegen hätte, die Verweigerung von Gesprächen allerdings nicht gut heiße. Nach Angaben eines Konzernsprechers gegenüber derselben Zeitung seien die Verträge von 35 der 213 LeiharbeiterInnen inzwischen erneut verlängert worden. „20 von ihnen seien erst am Freitag informiert worden. Für einige seien weitere Einsatzmöglichkeiten absehbar, der Streik sei daher unangebracht“, so der Konzernsprecher gegenüber der HAZ vom 28. März.
Von Seiten der Streikenden ist dagegen zu erfahren, dass werde Betriebsrat noch Konzernleitung jemals versucht hätten mit ihnen zu sprechen. Auf Mails wurde nicht geantwortet, beim Zelt das direkt am "Tor 3" des Werksgelände hat sich von Betriebsrat oder Konzernleitung niemand blicken lassen.
Die Leiharbeiter fordern für sich und ihre KollegInnen angesichts des Steigenden Absatzes bei VW, der dank der "Abwrackprämie" zu verzeichnen ist, die Weiterbeschäftigung. Dies hätte gute Aussichten, da in Wolfburg bereits neue LeiharbeiterInnen eingestellt werden. Das will aber die Konzernleitung nicht - müssten die LeiharbeiterInnen dann doch in die Stammbelegschaft übernommen werden und könnten nicht zu den jetzt noch schlechteren Bedingungen als bereits zuvor beschäftigt werden. Viele arbeiten nämlich schon seit zwei Jahren bei VW und würden jetzt bereits ihre fünfte Verlängerung bekommen.
Die Forderungen der LeiharbeiterInnen gehen aber über die Weiterbeschäftigung oder die Aufnahme in das Kurzarbeitergeld hinaus. Letztlich haben die KollegInnen schon lange erkannt, dass sie für die Krise des Kapitalismus büßen sollen. Das wollen sie sich nicht bieten lassen und letztlich schwingt in ihren Forderungen daher immer die - nicht mehr komplett utopische- Forderung nach dem Ende des Kapitalismus mit.
Wie es die ATIF (Föderation der ArbeiterInnen aus der Türkei in Deutschland), welche den Kampf seit Beginn unterstützt zusammengefasst hat: Arbeiterinnen und Arbeiter zusammen sind wir stark! Wir können uns wehren und die Kapitalisten in ihrer Krise versinken lassen!
Die FAU-Hannover ist mit den Streikenden solidarisch und unterstützt die Forderungen der Streikenden. Zusammen mit den FreundInnen und GenossInnen des libertären Netzwerk alerta! werden die Streikenden besucht, Feuerholz und Wasser vorbei gebracht. Auch auf einer Veranstaltung zu den AntiFa-Aktionen gegen den Nazi-Aufmarsch am 1.Mai 2009 in Hannover wurde kurz über die Situation berichtet und Geld zur Unterstützung gesammelt.
Die FAU-Hannover berichtet auf ihrer Seite regelmäßig über die Hintergründe und den Stand des Streiks - schaut einfach vorbei:
www.fau.org/hannover.
Alle Interessierten sind von den Hungerstreikenden und ihren UnterstützerInnen eingeladen bei ihnen vorbei zuschauen. Das Zelt der Streikenden befindet sich in Hannover Stöcken direkt in der Nähe des Endpunktes der Straßenbahn Linie 4 am Tor 3.
http://www.fau.org/hannover http://de.indymedia.org/2009/03/245799.shtml