Übersicht   Hilfe Suche Einloggen Registrieren  
Seiten: [1] 2   Nach unten
Drucken
Autor Thema: Netto-Beschäftigte prangern Ausbeutung an  (Gelesen 5612 mal)
0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.
Kater


Beiträge: 7110


« am: Mai 15, 2009, 15:01:26 »

Zitat
Netto-Beschäftigte prangern Ausbeutung an
Von Susanne Amann und Anne Seith

Dutzende Überstunden, Testkäufe, reingelegte Kassiererinnen - "was bei Lidl abgegangen ist, war Kindergeburtstag im Vergleich dazu, was bei Netto abgeht", klagen Filialleiter des Lebensmittel-Discounters. Der Konzern weist die Vorwürfe zurück: Man bewege sich im branchenüblichen Rahmen.


weiter:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,622053,00.html
Gespeichert
Amaroq


Beiträge: 31


« Antworten #1 am: Januar 26, 2010, 16:17:54 »

Ich bin Filialleiter bei Netto und kann diesen Artikel größtenteils unterschreiben, leider.

Aber: Ich bin mobiler Marktleiter. Das heißt, ich wechsele ständig zwischen den Filialen hin und her. Auch wenn der Gesetzgeber sagt, Fahrzeit sei in diesem Bereich Arbeitszeit, wird das schlicht ignoriert. Ich arbeite oft genug 12 Stunden pro Tag und habe dann noch 1,5 Stunden Fahrt pro Strecke(!). Von Fahrtkostenerstattung, die ich, seit einem Jahr beschäftigt, noch NIE bekommen habe, mal ganz ab...

Netto vergibt ja nur Halbjahresverträge und spätestens 2 Monate vor der nächsten anstehenden Verlängerung kommen dann so Fragen "Wollen Sie wirklich Ihre Fahrtkosten" oder "Wollen Sie wirklich einen freien Tag", kombiniert mit dem Zusatz "oder wollen Sie Ihre Vertragsverlängerung?". Kassiererinnen werden genau so systematisch abgezockt - so gibt es die Dienstvorschrift, eine halbe Stunde vor Dienstantritt da sein zu müssen und die Kasse wird prinzipiell erst nach dem offiziellen Feierabend abgemeldet und abgerechnet. Die GFK-Kräfte werden gedrückt und getriezt - bezahlt nach Stunden, bekommen aber Aufgaben, die sie vor Arbeitsende erledigt haben müssen, die aber in dieser Zeit oft nicht machbar sind. Die Abrechnung der Stunden erfolgt nach Arbeitsvertrag - sprich zB ein Filialleiter wird mit 40 Stunden in der Woche in die offizielle Abrechnung eingetragen, egal wie viel er wirklich gearbeitet hat.

Bei den Umstellungen Plus auf Netto werden konsequent alte Plus-Mitarbeiter rausgedrängt - entweder über zu hohen Druck in der Arbeit oder durch unangemeldete Kontrollen (Testkäufe, untergeschobener Diebstahl etc...) Warum? Na logo: Die haben noch alte besser bezahlte Arbeitsverträge, die Netto übernehmen mußte. Ist denen zu teuer, also raus mit den Plus-Leuten und rein mit den Billigkräften.

und trotzdem: Auf eine gewisse Art macht der Job Spaß und besser als arbeitslos ist es immer
Gespeichert
ManOfConstantSorrow


Beiträge: 5652


« Antworten #2 am: Januar 26, 2010, 16:26:53 »

Amaroq, bleib bitte diesem Forum erhalten und schau mal von Zeit zu Zeit vorbei. Ich könnte mir vorstellen, es gibt noch Fragen. Und wenn nicht, ein gelegentliches Update wäre hier gern gesehen.
Gespeichert

Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
schwarzrot


Beiträge: 2466



« Antworten #3 am: Januar 26, 2010, 16:37:13 »

Danke Amaroq für deine bestätigung des berichts, seh das wie ManOfCS!  Smiley

Hier bei meinem 'Plus', damals im sommer, als es so heiss war, habe ich mich sehr gewundert, als eine kassiererin erzählte, dass es ihnen nicht mal
erlaubt sei, eine flasche mit wasser an der kasse zu haben.
Und das war 'plus', wie sieht es dann erst bei 'netto' aus?

Bei dem 'lidl' um die ecke, stand immer je eine wasserflasche pro kasse und trinken konnten die auch gelegentlich. Ich vermute mal das ganze ist auch sehr abhängig vom jeweiligen filialleiter?


Gespeichert

"In der bürgerlichen Gesellschaft kriegen manche Gruppen dick in die Fresse. Damit aber nicht genug, man wirft ihnen auch noch vor, dass ihr Gesicht hässlich sei." aus: Mizu no Oto

Wieder aktuell: Bertolt Brecht
Amaroq


Beiträge: 31


« Antworten #4 am: Januar 26, 2010, 16:45:47 »

Ich schau schon gelegentlich vorbei, keine Angst...

Und zur Wasserflasche:
Verzehr im Laden und im Lager ist absolut untersagt - egal was und wer. Sprich Trinken an der Kasse ist nicht.
Und nein: Es hängt nicht vom Filialleiter ab - von mir aus hätte ich damit wohl kaum Probleme. Fakt ist, daß täglich Verkaufsleiter durch den Laden gehen, oftmals unabhängig voneinander konkurrierende VL´s. Jeder sucht mit der Lupe nach Fehlern, die dort gemacht werden, weil man damit auf dem Konkurrenten, sprich dem anderen VL reinwürgen kann...
Du kannst als Filialleiter im Grunde null von den Vorgaben abweichen, weil zu viele Aasgeier kreisen und sich auf Fehler stürzen

Ich kenne mehr als genug alte Plus-Filialen und Leute und es ist allgemein so, daß Netto in jeder Hinsicht härter als Plus ist
Gespeichert
vampyrella


Beiträge: 811



« Antworten #5 am: Januar 26, 2010, 16:54:03 »

Eines der Gründe warum ich nicht im Einzelhandel arbeite, obwohl's ja mein erlernter Beruf ist.
Die meisten Sachen die hier beschrieben werden sind überall im EH  zu finden, wenn auch nicht in diesen Dimensionen.
Gespeichert

o
L_/
OL This is Schäuble.
Copy Schäuble into your signature to help him on his way to Überwachungsstaat.
Tante Maria


Beiträge: 378



« Antworten #6 am: Januar 26, 2010, 21:55:42 »

Wegen den Zuständen bei Netto werde ich deahalb auch nicht mehr einkaufen. Smiley)Habe dort sowieso kaum eingekauft.Das ist menschenverachtend ,wenn die Kassierein an der Kasse nichts trinken darf.Körperverletzung sowieso.Wer hält so ein Arbeitsklima durch?Es kann doch nicht sein ,das dort die Mitarbeiter das mitmachen.Und Amarong du unterschütz die verachtende Maßnahmen,weil du es dort mitmachst.Ich bin lieber arbeitslos als mir meine Grundrechte wegnehmen zu lassen.Ich bin ein Mensch ,und keine Maschine.Habe selber jahrelang in Einzelhandel gearbeitet,sowas gabs aber nicht.Ich frage mich erzhaft ,wie die Kassiererin ihren Job bei Netto durchalten ,und nichts an der Kasse zu trinken. Wie oft dürfen die aufstehen und was trinken ,und zur Toilette?Das ist Körperverletzung.Ich würde mal Verdi einschalten.Aber die Angestellte sind ja alle zu feige.Wenn es so weiter geht ,das die Menschen sich nicht zu wehr setzen,werden wir nur noch mit eingepflanzen RFID chip als Maschine funktionieren müssen. >:(Wollen wir wirklich das zulassen ? Oder für eine gerechtere bessere Arbeitswelt mit menschlicher Behandlung und  bezahlbaren Löhnen kämpfen?
Gespeichert
Auferstanden


Beiträge: 530


« Antworten #7 am: Februar 03, 2010, 20:15:48 »

Die Quintessenz, so wie es Tante Maria schon beschrieben hat, ist die fehlende Solidarität
einer ganzen Gesellschaft.
Zum einen, dank nicht vorhandener gesetzgeberischer Rahmenbedingungen, die solche Arbeitsbedingungen erst ermöglicht haben.
Zum anderen, weil eine mündige Käuferschicht,
die über Boykottmaßnahmen forcierende Cooperative Identity schaffen könnte, fehlt.
Und letztens, fehlender Widerstand der Opfer benannter Mitarbeiter mangels beruflicher Alternativen, bzw. aus Angst und
millionenfach bewährte Unterwürfigkeit.
Die Auswüchse ( früher sprach man von negativen Ergebnissen) werden in diesem Sklavenstaat transparenter denn je.

Der angesprochene Rfid Chip wird zukünftig wider aller Spökenkickerei weniger von implantierender Natur als vielmehr Job ersetzend
wirken, die kassiererlose Kasse sei hier nur ein Beispiel.   

Gespeichert
rika24143


Beiträge: 37


« Antworten #8 am: Februar 04, 2010, 00:32:44 »

Und daa derbste Druckmittel gegen aufmüpfige angestellte, ist dann immer die Androhung der Kündigung und das ersetzten der Stelle durch eine Arbeitskraft einer ZA Erlebt hab ich dies im eigenen Bekanntenkreis. Dort wurde die Person erst wegen einer Laplie abgemahnt( ohne sich ab zu melden auf Toilette verschwunden) um kurz danach an die Luft gesetzt zu werden. Nun sollte man meinen, das nach der spontanen Kündigung, seitens des AG, erst mal die Stelle unbesetzt bleibt, bis geeignetes Fachpersonal gefunden ist, aber nö. Bereits 3 Tage danach stand eine Arbeitskraft der Firma ranstad an der Position, wo vorher die gefeurte Fachkraft ihren dienst verrichtete. Ein Schelm wer da Böses denkt. Liebes Deutschland, liebe Medien Politiker un der Deutsche Arbeitgeber Verband.  IHR braucht euch nicht zu wundern, wenn deutsche FA in scharren das Land verlassen . Und wenn ich von euch auch nur noch einmal die Wort "Fachkräftemangel", aus euren geifernden Gesichtern quillen sehe, dann werd ich euch höhst persönlich euer ergaunertes Geld in die Fr.... stopfen und zusehen, wie ihr daran erstickt.
Haben solche Geschäftsfüher eigentlich ein gewissen? Mal im ernst. Was erzählt so ein Sklaventreiber seinen Kindern? Lügt auch dennen ons Gesicht? Können solche Menschenverachter noch ruhig durchs leben gehen? Und wenn ja, warum? Ich denke nicht das der deutsche es verlernt hat, sein recht auf der Strassr zu erkämpfen, er ist nur zu träge geworden. Vieleicht sollten wir mal ein blick nach Frankreich werfen, wo uns gezeigt wird, wie man such Stimme und Gehör verleiht!
Die Arbeitsbedingungen in good old Germany, waren einst erstrebenswert und ein synonym für soziales Verhalten der Arbeitgeber. Heute sind sie zum grossen Teil ein synonym für A-soziales verhalten der Arbeitgeber. Und unsere Politik? Da setzt sich Fr. Merkel zu RTL in die Talkshow und entgegnet der Frage, ob es denn gerecht sei, das ein MA sein gehalt mit H4 aufbessetn muss, das dass ja besser sei als gar kein job zu haben. Hallo Fr. Merkel! Hackt's? Gehen sie auch nach erhalt ihrer Diät zum Amt betteln?
Oder laden Sie lieber auf Kosten der Allgemeinheit zum Festbankett, wo ein Arbeitgeber schlimmer ist als der andere, ihnen dann ein bisschen unterm Rock geht, um Fördermittel für Standorte in den neuen Bundesländern zu erhaschen, wo man dann noch schlechter zahlt und noch mehr drückt!  Und da solch eine Förderung zeitlich begrenzt ist, macht man danach alles dicht und reist wie eine Heuschrecke weiter und tiefer ind dumping lohn gebiet. Der dumme ist dann wieder der deutsche, der solch ein verhalten mit Steuermitteln unterstützen MUSS!
Die brutale Wahrheit ist wohl, dass unsere Regierung erst dann regieren wird, wenn deutschland aus 656 Bürgern besteht, nehmlich den Bundestagsabgeordneten und deren Überhangmandaten.
Gespeichert
vampyrella


Beiträge: 811



« Antworten #9 am: Februar 05, 2010, 05:06:36 »

Bitte mehr Absätze. Das gilt nicht nur für uns Frauen Wink
Gespeichert

o
L_/
OL This is Schäuble.
Copy Schäuble into your signature to help him on his way to Überwachungsstaat.
Amaroq


Beiträge: 31


« Antworten #10 am: Februar 21, 2010, 12:05:37 »

So - mittlerweile gekündigt, resümiere ich mal kurz:

Um die 850 Überstunden - natürlich unbezahlt
Grob 1000 Euro Fahrtkosten - nicht erstattet
Als Streßsyndrom wieder Hautausschläge
Weniger als ein Jahr beschäftigt - Probleme bzgl Arbeitslosengeld 1

War nen Jahr, in dem ich mehr gelernt habe, als ich wollte - ich bins satt
Gespeichert
Irrlichtprojektor


Beiträge: 876



« Antworten #11 am: Februar 21, 2010, 12:19:49 »

So - mittlerweile gekündigt, resümiere ich mal kurz:

Um die 850 Überstunden - natürlich unbezahlt
Grob 1000 Euro Fahrtkosten - nicht erstattet
Als Streßsyndrom wieder Hautausschläge
Weniger als ein Jahr beschäftigt - Probleme bzgl Arbeitslosengeld 1

War nen Jahr, in dem ich mehr gelernt habe, als ich wollte - ich bins satt

Sorry OT.
@Amroq, fordere die Kohle der unbezahlten Ü-Stunden/Fahrtkosten ein, schriftlich mit Frist und dann weiter über Anwalt-Klageweg.
Gespeichert

Amaroq


Beiträge: 31


« Antworten #12 am: Februar 21, 2010, 18:22:45 »

@Irrlichtprojektor:
Selten so gelacht...
Die Fahrtkosten kann ich nachweisen, die werde ich mir auch holen.
Aber die Überstunden kann ich nicht beweisen - bei Netto dürfen Personaleinsatzpläne nur so geschrieben werden, daß Sollstunden draufstehen, basta. Darüber hinaus dürfen diese Pläne nicht kopiert oä werden. Sprich auf dem Plan steht was von 6-14.30, real arbeiteste aber 5.30 bis 20...
Gespeichert
antonov


Beiträge: 1158


« Antworten #13 am: Februar 21, 2010, 20:24:49 »

das scheinen ja nun keine einzelfälle zu sein wie man bei dem schon etwas älteren artikel in den 157 kommentaren lesen kann


18.04.2009 | taz.de | ANDRÉ SEIFERT
Ausbeutung bei Discounter Netto
1.000 unbezahlte Überstunden

Ein Fillialleiter packt aus: Beim zweitgrößten Discounter-Unternehmen Netto werden unbezahlte Überstunden systematisch einkalkuliert. Der Discounter spricht von "Einzelfällen".

Es gibt Tage, da kann Joachim Schulz nicht mehr. Der Mann, der aus Angst, arbeitslos zu werden, seinen richtigen Namen nicht nennen will, hat im zurückliegenden Jahr mehr als 1.000 Überstunden geleistet. Unbezahlte Überstunden. "Ich arbeite jeden Tag mindestens 12 Stunden", sagt Schulz, der für einen Discountmarkt in einer Stadt in Sachsen-Anhalt verantwortlich ist. "Es gibt 13-, 14-, 15-Stunden-Tage, teilweise von 5 bis 21.30 Uhr." "Sittenwidrig" und "kriminell" sei es, wie sein Arbeitgeber mit seinen Mitarbeitern umgehe.

Sein Arbeitgeber, das ist die Netto Marken-Discount AG & Co. KG mit Hauptsitz im bayerischen Ponholz. Kein anderes Unternehmen der Discounterbranche hat in den vergangenen Jahren so stark expandiert. Im Jahr 2005, als Netto von der Edeka-Gruppe übernommen wurde, begann das Wachstum. Zuerst übernahm Netto 2007 den Discounter Kondi. Und im vergangenen Jahr erlaubte das Kartellamt die Übernahme des Konkurrenten Plus. Inzwischen gibt es fast 3.800 Netto-Filialen in Deutschland. Mehr Märkte haben nur Aldi Nord und Aldi Süd zusammen. Die Leidtragenden dieses rasend schnellen Wachstums sind die Mitarbeiter.

---> weiter...

Gespeichert
zwitscher


Beiträge: 35



WWW
« Antworten #14 am: Februar 21, 2010, 21:06:06 »

ich
Kunde,
du
Manfred Karl, Claus Leitl,
Franz Pröls, Martin Schnellinger,

bis dato habe ich jeden Monat für Grundnahrungsmittel ca. 70 % meines Einkommens in eure Taschen gekippt.
Bitte teilen Sie mir mit, ab wann in diesem Jahr 2010, Sie für Ihre Mitarbeiter menschenwürdige  Arbeitsbedingungen schaffen, die es erlauben, daß Ihre Mitarbeiterinnen gesund und ohne finanzielle Sorgen bis zur gesetzlichen Altersgrenze arbeiten können.
Sollten Ihre Pläne für die Zukunft andere sein, werde ich ca. 10 Mio Menschen mobilisieren, die Ihnen dann als "gute Kunden" verloren gehen könnten.
In der Hoffnung auf Ihr Verständnis
verbleibe ich

Kunde


habe ich gerade an

info@netto-online.de

gesendet.
Lieben Gruß
zwitscher
Gespeichert

Die Nichtzusammenarbeit mit dem Schlechten gehört ebenso zu unseren Pflichten wie die Zusammenarbeit mit dem Guten." (Gandhi)
Seiten: [1] 2   Nach oben
Drucken
Gehe zu: