Und sollten die toitschen Billigkräfte dauerhaft von Neubundesländer in Altländer überwechseln und AG diese gegen die westdeutsche Stammbelegschaften tauschen, dann rücken noch mehr Billigheimer von Ost-, Südosteuropa und den Balkan in die verlassenen Neubundesländer nach. Das ist auch bei niedergelassenen Ärzten genauso spürbar. In ostdeutschen Krankenhäuser, Kliniken, Senioren- und Pflegeheime arbeiten zunehmend abgeworbene Arbeitskräfte der genannten Herkunftsländer und Branchen.
Ist wie bei einer im Interesse der Kapitalisten organisierten Völkerwanderung oder Ausnutzung offener Mauern und Grenzen - man plündert die Nachbarländer schamlos aus und beraubt sie ihrer Fachkräfte, nutzt soziale Unterschiede in den Ländern ganz gezielt zum Unternehmervorteil aus. Warum sollte man in Europa gleiche Arbeits- und Sozialrechte, gleiche Steuerbedingungen und Sozialsysteme entwickeln, wenn man durch Unterschiede die Arbeitskräfte der einzelnen Länder gegeneinander ausspielen kann. So soll die Lissabon-Europa-Einheit der Unternehmer und Europabürokraten aussehen.
So ein Europa braucht kein Wessi, kein Ossi und auch kein Tscheche, Slowake, Pole, Russe, Ungar, Rumäne, Bulgare. Deshalb hatte ja auch die DDR am 13. August 1961 die Mauer um Westberlin und die Staatsgrenze West von der Ostsee bis runter nach Bayern gezogen. Ist vergleichbar so als wenn die Haus- oder Wohnungstür nur angelehnt, aber nicht verschlossen ist und sich jedes Diebesgesindel an den häuslichen Vorratskammern bedient. Ich möchte den mal sehen, der sich das freiwillig gefallen läßt.
Der Zustand der offenen DDR-Grenze von 1949 bis 1961 hatte den gierigen Westunternehmern ja auch nicht ausgereicht, da diese sich ihre "Gastarbeiter" a la Wallraff-Ali-Türke aus Griechenland, der Türkei, Italien, Jugoslawien, Spanien holten.

Sonst hätte der kapitalistische AG-Westen den DDR-Fachkräftebestand geraubt und sich selbst in schmarotzender Weise die Ausbildung eigener Fachleute weiter geschenkt. Ist ja unternehmenspolitisch und volkswirtschaftlich billiger, andere Länder so zu schaden als sich die Mühe zu machen, auf eigene Unternehmenskosten eine eigene Stammbelegschaft heranzubilden und zu erziehen. West-AG sparen sich so betriebliche Investitionen in Aus- und Weiterbildung und der kapitalistische Staat die Schaffung und Erhaltung neuer oder bestehender Bildungseinrichtungen und die Vorhaltung von Ausbildungspersonal.
Ein kapitalistisch vereintes Europa der Unternehmer ist überhaupt nicht erstrebenswert, sondern ein vereintes Europa der Völker, die selbst bestimmen wie ihre Arbeits- und Lebensbedingungen in ihrer Heimat aussehen sollen. Und da ist der basisdemokratisch gestaltete Sozialismus unter gesamtgesellschaftlichen und genossenschaftlichen Produktions- und Eigentumsverhältnissen die erstrebenswerte Alternative in ganz Europa.