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Autor Thema: Als Tiger gestartet und als Bettvorleger geendet (..frei nach Kater)  (Gelesen 6858 mal)
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Codeman


Beiträge: 1526


« am: Oktober 20, 2009, 19:51:27 »

Hallo,

auch wenn ich mich nicht allzu oft in dieser Sparte zu Wort melde,will ich es dennoch jetzt hier tun. Ich trete einen 1 Euro-Job an. Warum mach ich das ?

Warum mache ich einen 1-Euro-Job ?

Als erstens mache ich diesen um meine Zeit bis zu meiner Umschulung im nächsten Jahr zu überbrücken. Letztendlich reizen mich auch die 180 Euro die ich dadurch monatlich mehr zum leben habe.Das ist mehr,als bei einen 400 Euro Job,bei dem ich nur 160 Euro über hätte. Allerdings mache ich das auch deswegen,um mir mal persönlich einen Eimblick ist die Welt der 1-Euro-Jobs zu gönnen und auch um den Missbrauch der dort sicherlich stattfindet,hier zumindest teilweise offen zu legen. Natürlich nur so weit,wie es möglich ist,um das meine Identität in der Massnahme nicht auffliegt.

Ich war deswegen heute bei meinen Jobcenter und ich die Mitarbeiteren haben einen 1- Euro Job gefunden,der zumindest von der Beschreibung her interessant klingt.

Das die Zuweisung natürlich nicht gerichtsfest ist,darüber brauchen wir nicht zu reden,ich denke das ist klar. Am Freitag habe ich ein "Kennenlern-Gespräch" mit der Leiterin dieser Massnahme. Danach weiss ich sicherlich mehr. Zu geraumer Zeit werde ich auch das Tätigkeitsprofil nach und nach veröffentlichen,allerdings jetzt noch nicht.

Am Freitag gibt es mehr darüber zu berichten.
« Letzte Änderung: Dezember 20, 2009, 11:29:52 von Codeman » Gespeichert

Ich bin der Rostfleck am Schwert des Sozialismus - Zitat frei nach Schraubenwelle
BakuRock


Beiträge: 1637



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« Antworten #1 am: Oktober 21, 2009, 00:45:28 »

Na dann: Passe auf dich auf.....  cheesy
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Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, gibt es für sie keine Hoffnung. .... A. Einstein

Wer sind wir FAUistas?
Onkel Tom


Beiträge: 2268



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« Antworten #2 am: Oktober 21, 2009, 07:01:48 »

Nur zum schnöfen ist es ok  Grin

Stehe Dir gern mit Rat zur Seite und wünsche Dir gutes Gelingen.

Daumendrück, Tom
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Lass Dich nicht verhartzen ! Jeden Montag ELSE..
unkraut


Beiträge: 2541



« Antworten #3 am: Oktober 23, 2009, 18:34:28 »

Schreibst Du für uns ein Tagebuch ?

Na denn ...
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Noch Fragen Hauser ? Ja Kienzle , wer ist eigentlich Unkraut ?

Wir wagen es nicht weil es schwierig ist sondern es ist schwierig weil wir es nicht wagen .

Mein Buchtip als Gastautor :  Fleißig , billig , schutzlos - Leiharbeiter in Deutschland  > ISBN-10: 3771643945
Codeman


Beiträge: 1526


« Antworten #4 am: Oktober 23, 2009, 18:56:42 »

Hallo,

das war heute so ziemlich das skurillste was ich erlebt habe.

Jedenfalls bin ich da angekommen.Rein ins Wohnhaus.Unten links,etwas verwinkelt die Eingangstür zum Massnahmenträger. Ziemlich dreckig alles. Jedenfalls ich bin rein. Eine Frau,ich schätze sie mittleren Alters begrüßte mich und bat mich zum Gespräch. Sie sei ausgebildete Psychologin und Projektleiterin,erzählte sie.
Es geht in diesem Projekt darum,Menschen die nicht mehr ausreichend belastbar sind (depression bzw. andere Erkrankungen) zu helfen und sich zu stabilisieren und zu schauen,ob sie überhaupt noch Belastbar sind.

Sie fragte mich was ich denn hätte.Ich erklärte es ihr und sie war sehr erstaunt darüber. Um was es in diesem Projekt wirklich geht habe ich nicht erfahren können,sie erzählte davon,dass die Leute derzeit ein bisschen versuchen HTML zu erlernen und mal ein Intranet auf die Beine zu stellen. Dinge die mich gar nicht interessieren,aber ich habe mal Interesse halber erzählt das wäre was für mich.

Letztendlich weiss ich immer noch nicht was dort eigentlich passiert. Tatsache ist,das ganze soll jeden Tag nur 3 Std. gehen,wogegen ich mich gesträubt habe,denn ich mache das ja auch des Geldes wegen und jeden Tag da hin und am Ende des Monats nur 90 euro inne Tasche is ein bisschen karg. Sie will sehen was sie machen kann,versicherte sie mir.

Das Gespräch war dann auch schnell vorbei,sie will mich anrufen,wenn ein Platz dort frei wird. Mir kommt das nen bisschen komisch vor. Ich werde dann mal nächste Woche nochmal zum Jobcenter tingeln und mal nachfragen ob die nich was vernünftiges für mich haben.....
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Auferstanden


Beiträge: 529


« Antworten #5 am: Oktober 24, 2009, 00:29:58 »

Undercover im Reich der Sklaven, nicht wirklich neu.
Ich halte es schlicht und ergreifend für Selbstbetrug, so oder so.
Ganz im Gegenteil, bei aller Ehrlichkeit die ich bei leibe nicht absprechen möchte, so werden Misstände nicht beseitigt, vielmehr
stützt man damit die bundesrep. Sklaverei und desses degeneriertes Arbeit macht frei Denken der Agenda 2010, bzw. dieser
Gesellschaft.
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Onkel Tom


Beiträge: 2268



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« Antworten #6 am: Oktober 24, 2009, 10:53:20 »

@Auferstanden
Das sehe ich ganz anders. Klar, das irgendwo der Selbstbetrug gegen einem
eigenen Arbeitswert begangen wird.
Ich habe das auch hinter mir und mich damit getröstet, Nebensächlichkeiten
nach zu gehen, die Aufklärung in Strukturen der Erwerbslosenindustrie
ermöglichen..
Erst nach ca. 2 Jahren (1 Jahr mittendrin und 1 Jahr von extern) konnte dem
größenwahnsinnigen Geschäftsführer Grenzen seines Tun auferlegt werden.
Mein Schnüfeljahr war hart, hat aber später 170 Ein-Euro-Jobplätze gekostet
und der Laden wurde heftig umgekrempelt..

Über die Presse etc. gab es keine Möglichkeiten nach dem Motto, was nicht sein
kann, was nicht sein darf.. Tüfteln, Nachdenken und behutsames Handeln sind
da ganz andere Wege gegangen, hauptsache man kommt selbst dabei nicht um.

Ansonsten wäre ales beim alten geblieben und außer ein Jammern darüber
würde es heute sein.

Wie Codemann schon andeutet, hat er in eine "komischen" Sklavenhütte
kennen gelernt. Kann es sein, das die Tante einen Einpersonenbetrieb
führt ?.. Wäre doch interesannt, sowas zu wissen und noch viel mehr
verdeckte Karten auf zu drehen..

@Codemann
Befasse Dich bitte auch mit dem §61-SGB-II, damit Du weißt, was andere
über Dich wissen dürfen oder essen sollen  Wink
Viel Geschick, Glück und Daumendrück.

Besser so handeln, als sich direkt der Ausbeutung ohne wenn und aber
hin zu geben.
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Codeman


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« Antworten #7 am: Oktober 24, 2009, 18:41:27 »

Hallo Onkel Tom,

um deine Frage zu beantworten.Sie meinte,dass sie die Projektleiterin ist: Sie ist Psychologin und hat noch eine Sozialassistentin in ihren Team und einen Betreuer.Was die allerdings machen,erschloss sich mir in unseren Gespräch nicht.

Ich bin gespannt ob ich überhaupt nochmal irgendwas davon höre.....
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Codeman


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« Antworten #8 am: Oktober 29, 2009, 16:45:28 »

Wenn man gar nicht mehr daran glaubt - ab Montag beginnt der Spaß.

von 9-12 Uhr. Hihi....
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Onkel Tom


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« Antworten #9 am: Oktober 30, 2009, 07:58:34 »

Denk ans Erinnerungsprotokoll.  Vom ersten Tag bis zu drei Wochen
passiert das meiste.. Viel Glück  Wink
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Auferstanden


Beiträge: 529


« Antworten #10 am: Oktober 31, 2009, 12:03:07 »

wenn es nicht so traurig wäre, Sklaverei wird hier zum Spassfaktor?....

Nun, gut unterstellt man demjenigen ein gewisses Potenzial zur Mehrung informeller
Bereicherungen anderer betroffener Opfer oder seltener Weise gar subversiver Handlungsmaximen
gegenüber dem Sklavenhalter ( Träger), frage ich mich dennoch, ist nicht jede(r), der diese Zwangsarbeit
ausführt, unabhängig dem Zwang, der hier dahinter steht, vielmehr Unterstützer entgegen letztendlich
eigener Interessen.
Ich bleibe dabei, insbesondere aufgrund der Vielzahl schon beschriebener "Undercover-Storys" zum Thema:
"entmündigte Arbeit" und folgernden gesetzlichen oder nur gesellschaftlichen Eergebnissen.
 
 
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alfred


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« Antworten #11 am: Oktober 31, 2009, 16:40:22 »

(...) frage ich mich dennoch, ist nicht jede(r), der diese Zwangsarbeit ausführt, unabhängig dem Zwang, der hier dahinter steht, vielmehr Unterstützer entgegen letztendlich eigener Interessen.

Roll Eyes Warum liest Du nicht @Codemans Text? Ich lese dort heraus: 1. Er macht es freiwillig und 2. Er hat ein Interesse an Mehrkohle und Zeitüberbrückung. Die Berichterstattung darüber ist eher ein Nebenprodukt. Das kann man akzeptieren oder nicht, aber auf dämliche Belehrungen von oben herab kann @Codeman sicher verzichten!
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To be is to do (Socrates), To do is to be (Sartre), Do be do be do (Sinatra)
Onkel Tom


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« Antworten #12 am: November 01, 2009, 12:07:09 »

wenn es nicht so traurig wäre, Sklaverei wird hier zum Spassfaktor?....

Ok, für LeserInnen, die sich in diesem Sektor noch nicht bewegt haben, klingt es wie ein
gewollten nichtgekonnten (Wirtschafts)krimmi oder einfach, wie Du sagst Spassektor.

Hast Du mal darüber nachgedacht, wie es sein könnte, mit zwei Gesichtern in einem
Ein-Euro-Job zu gehen ?  Mit der Gewissheit, sich einer Ausbeutung her zu geben und
ohne jeglichen Funken darüber, ob das immer zu verstekende Gesicht der subversiven
Untersuchung überhaupt auf seine Kosten kommt ?

Solch eine Startposition zu durchlleben halte ich für sehr gewagt, bedarf viel Geschick.
Verbindung zu einem Spaßeffekt, kann ich außer beim außenstehenden Leser von
Erfahrungsberichten nicht finden. Eher ganz im Gegenteil ist der Ein-Euro-Jobber mit
zwei Gesichtern ganz heftigen Gefahren ausgesetzt, worüber sich diejenigen, die sich
einer Ausbeutung resignierend hingeben, keinerlei Gedanken machen müssen.

Zitat
...
Nun, gut unterstellt man demjenigen ein gewisses Potenzial zur Mehrung informeller
Bereicherungen anderer betroffener Opfer oder seltener Weise gar subversiver Handlungsmaximen
gegenüber dem Sklavenhalter ( Träger), frage ich mich dennoch, ist nicht jede(r), der diese Zwangsarbeit
ausführt, unabhängig dem Zwang, der hier dahinter steht, vielmehr Unterstützer entgegen letztendlich
eigener Interessen.

Das ist der Preis, den mann vorübergehend dafür bezahlen muss und als Investition
gegen dauerhafte Sklavenhaltung verstanden werden kann..

Zitat
Ich bleibe dabei, insbesondere aufgrund der Vielzahl schon beschriebener "Undercover-Storys" zum Thema:
"entmündigte Arbeit" und folgernden gesetzlichen oder nur gesellschaftlichen Eergebnissen.

Deine Ansicht ist zwar einerseits ok aber widerum soweit schlecht, weil keine Alternative oder
bereits andere Wege wie z.B. über Politik/er zum Ziel führen konnte, das Leben um zu arbeiten
ins arbeiten um zu leben zu bringen.

Wie würdest Du der Erwerbslosenindustrie begegnen ?
« Letzte Änderung: November 01, 2009, 12:10:25 von Onkel Tom » Gespeichert

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Codeman


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« Antworten #13 am: November 02, 2009, 13:11:09 »

So Tag 1 ist geschafft und was soll ich sagen ? Das schlimmste wurde war - keine heissen Schnitten im 1 Euro Kurs. Die wären aber dringend notwendig,denn der Unsinn und die Langeweile die da passieren,sind eigentlich nicht auszuhalten.

Meine Tätigkeit ist: Ich erlerne HTML. Was grundsätzlich sogar zu begrüßen ist,allerdings mich gar nicht interessiert. Ich will lieber fit gemacht werden in Excel und Word.Es ging damit los das ich im Dreamweaver einen Text schreiben sollte.Ich wählte folgenden aus:

"Ich hasse HartzIV und wünschte mir mein Jobcenter würde abbrennen." Das sollte ich dann farblich etwas hervorheben.Der Dozent kam kurz zu mir um zu schauen,was ich denn schon geleistet habe. "Das ist aber kein schöner Text", sagte er.Woraufhin ich nur sagen konnte,dass dies aber meine Meinung sei. Da war erstmal recht sprachlos und kam kaum noch zu mir. Ein anderer erzählte mir,er sei in dieser MAE schon 1 1/2 Jahre und es würde ihm gefallen. Bei einer anderen konnte ich belauschen,sie macht das schon 2 Jahre lang.

Ein Herr der hinter mir sitzt,sorgt dafür das der ganze Raum stinkt. Ich weiss nicht wie lange der schon sein Pullover an hat,aber ich wollte ihm auch nicht am ersten Tag darauf ansprechen.

Insgesamt geht die ganze Sache 3 Stunden,wobei alle Stunde min. 15min Pause sind. So vergeht die Zeit noch weniger.

Ja und das war dann mein erster tag.

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« Antworten #14 am: November 02, 2009, 19:57:42 »

Nun, um auf Alfred zurück zukommen, gelesen schon, nur fehlt(e)  mir bis dato der Glaube, dass man subventionierte Sklavenarbeit als Überbrückungstätigkeit auf freiwilliger Basis machen könnte, aber dessen ungeachtet, ist dies in diesem Zusammenhang auch eher zweitrangig, denke ich zumindest.

Beleidigungen beiseite lassend,  ist mir die Zweiseitigkeit und Problematik, wie von Onkel
Tom angesprochen schon bewusst.
Aber gerade in Bezug der Schwierigkeit sich unterstützend oder widersachend der staatl. legalisierte Fronarbeit zu stellen, sind Nuancen (pro und contra) schon mehr als nur eine Gradwanderung.

Akzeptanz… grundsätzlich schwierig, aber dessen ungeachtet ist eine Person, die den Zwangscharakter und Aussichtslosigkeit zur Widerwehr für sich nicht in betracht ziehen will, natürlich zu tolerieren, der Täter sitzt ja nicht auf dieser Seite.

Es ist schon traurig, dass man im frühen 21. Jahrhundert über Sklaverei oder Fronarbeit überhaupt diskutieren muss, umso mehr dass Deutschlands mündige Bürger mehr und mehr ins apathische Frühmittelalter verfallen..
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