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Autor Thema: Arbeitende Rentner - Malochen bis zum Tod  (Gelesen 988 mal)
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Kater


Beiträge: 7110


« am: Oktober 26, 2009, 13:04:20 »

Zitat
Arbeitende Rentner - Malochen bis zum Tod
Von Matthias Lauerer

Hunderttausende Rentner arbeiten auch noch im Ruhestand - oft aus reiner Geldnot. Für viele reicht die staatliche Rente nicht zum Leben, mit Mini-Jobs halten sie sich knapp über Wasser. SPIEGEL ONLINE traf Malocher jenseits der 70.

Hamburg - Ernst Möller ist 73 Jahre alt, er wohnt mit seiner Frau Karin in einer Vier-Zimmer-Wohnung im mecklenburgischen Boizenburg. Wenn in seinem Leben alles rund gelaufen wäre, dann bräuchte der Rentner heute keine Arbeit mehr. Doch es lief nicht alles rund.

Nach der Volksschule machte Möller zunächst eine Bergmannslehre, später wechselte er ins Baugewerbe. Ein Besuch in der DDR im Frühjahr 1961 veränderte sein Leben. Der Bruder seiner Freundin überredete die beiden, doch einfach bei ihm im Osten zu bleiben. Möller ging darauf ein, schraubte als Schlosser an Kombinatstraktoren und arbeitete später als Melker. 2000 stand endlich seine Rente an. Doch die reicht bis heute nicht aus: "Ich lebe von 530 Euro im Monat. Ohne meine gute Frau, die in der Woche für 22 Euro Lebensmittel einkauft, wäre ich völlig aufgeschmissen."

Zunächst behalf sich Möller mit einem schlecht bezahlten Mini-Job als Hausmeister. Sechs Jahre lang sah er in großen Mietshäusern nach dem Rechten, war für vier Gebäude zuständig, arbeitete dort von 8 bis 12 Uhr. Möller war vor Ort, schippte im Winter auch nachts den Neuschnee. Doch sein Arbeitgeber wollte die Stelle lieber mit einer Ein-Euro-Kraft besetzen, erzählt Möller. Und so verlor der 73-Jährige seinen 400-Euro-Job. Seitdem sucht er nach neuer Arbeit.

"Die Menschen quälen sich"

In Deutschland müssen Hunderttausende Rentner auch nach ihrer Pensionierung malochen. Viele von ihnen halten sich mit lausig bezahlten Mini-Jobs über Wasser, das belegen Zahlen der Gewerkschaften Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und Ver.di. Waren es vor sechs Jahren bereits 559.203 ältere Menschen, die mit Mini-Jobs ihre Rente aufbesserten, so stieg deren Zahl bis 2007 auf 722.953. Eine satte Steigerung um gut 29 Prozent. In Nordrhein-Westfalen erhöhte sich die Zahl der arbeitenden Rentner sogar um knapp 35 Prozent.

Natürlich arbeiten manche Rentner freiwillig. Weil sie in ihrem Job Erfüllung finden. Oder weil sie gerne Zeit mit anderen Menschen verbringen. Doch für viele Ruheständler ist der Job einfach nur Pflicht - aus schlichter Geldnot.

Lutz Tillack kennt viele Rentner wie Ernst Möller, er ist Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG in der Region Hamburg und Elmshorn: "Wir sehen hier eine Fehlentwicklung, die immer rasanter um sich greift." Gegenwärtig hat Tillack vier Fälle auf dem Schreibtisch liegen. "Ich kenne die Menschen persönlich, ich weiß, wie die sich quälen. Ihre Situation ist einfach beschämend."

In anderen Bundesländern ist die Situation vergleichbar. "Im Handel finden Sie viele Rentner, die Regale auffüllen. Andere arbeiten als Zeitungszusteller", berichtet der Landesbezirksvorsitzende der NGG für Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz/Saar, Uwe Hildebrandt. "Und große Autohäuser schicken Rentner zum Amt, um die neuen Pkw anzumelden. Denn die alten Leute stellen sich auch für wenig Geld in die Schlange."

Rentner, die in Mülltonnen nach Essen suchen

Laut Deutscher Rentenversicherung erhielten Männer in den alten Bundesländern 2008 durchschnittlich 912 Euro Rente im Monat, in den neuen Bundesländern waren es 932 Euro. Frauen erhielten 640 Euro in den neuen und nur 503 Euro in den alten Bundesländern.

Laut einer OECD-Studie aus dem Jahr 2007 liegt Deutschland beim Rentenniveau im Verhältnis zum letzten Arbeitslohn auf dem viertletzten Platz. 39,9 Prozent erhalten deutsche Rentner, griechische Ruheständler kommen im Schnitt auf 95,7 Prozent des letzten Gehalts.

Für viele alte Menschen heißt das: sparen, sparen, sparen. "Auf dem Wochenmarkt sehe ich Rentner, die in Mülltonnen nach Obst und Gemüse suchen. Das darf doch nicht sein!", sagt Dieter Balck empört. Der 68-Jährige ist Bundesvorsitzender der Rentnerpartei Deutschland. Balck wünscht sich für seine Klientel "ein neues Rentensystem", in das "alle einzahlen". Dabei schwebt ihm das Schweizer Modell vor - eine steuerfinanzierte Basisrente für alle. Es müsse eine Grundrente geben, "die zum Überleben reicht", fordert der Politiker.

"Ich hoffe einfach auf gute Gesundheit"

Dabei fängt das Problem schon viel früher an - nicht erst im Ruhestand, sondern schon während des Erwerbslebens. "Hungerlöhne führen zu Hungerrenten", sagt Michaela Gehms vom Sozialverband Deutschland in NRW. "Es darf nicht sein, dass Menschen, die ein Leben lang in die Sozialkassen eingezahlt haben, eine Rente unterhalb der Armutsgrenze bekommen. Wir fordern einen gesetzlichen Mindestlohn."

Für die Rentner von heute ist das allerdings keine Lösung - sie müssen sich selbst helfen. Einer von ihnen ist Heinrich S., er lebt im Osten der Republik. "Noch verdiene ich mir im Monat ein paar Hundert Euro dazu." Der 73-Jährige verfasst freiberuflich Artikel für Fachmedien. "Aber ich habe Angst was wird, wenn ich einmal nicht mehr schreiben kann."

Nach Abzug des Krankenkassenbeitrags bleiben Heinrich S. rund 800 Euro im Monat. "In stillen Momenten denke ich: 'Du hast lebenslang bekommen!'" Er hoffe einfach weiter "auf gute Gesundheit".

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,656164,00.html
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Wilddieb Stuelpner


Beiträge: 8918


« Antworten #1 am: Oktober 26, 2009, 15:18:56 »

Das sind die Nachwendeerrungenschaften der beschissenen Freiheits-, Demokratie- und Rechtsstaats-BRD, die angeblich besser sein soll als die vom Westkapital niedergemachte DDR.

Was bietet man Langzeitarbeitslosen in Ost und West?

Eine mehr als 10 Jahre andauernde Massenarbeitslosigkeit, die Unternehmer a la Hundt ihnen gern einrichten. Danach bietet man Gelegenheitsjobs, Mini- und Ein-Eurojobs, kostenlose Firmenpraktikas, Kombilohnjobs, untertarifliche Leih- und Zeitarbeit auf Hungerlohnniveau. AG-Verbände setzen gemeinsam mit ihren Politikern auf lange Sicht auf dauerhaften Lohn- und Rentenraub.

So sehen blühende Landschaften nicht fürs Volk, sondern für die Unternehmerverbrecherbande aus.

Was ist da der verlogene Spruch: "Wir sind das Volk!" in dieser Scheißhaus-BRD wert?

Und dieses 60jährige Bundesbaby und den 20jährigen Mauerfall - den feiert das Kapital bis zur völligen Besoffenheit.

Zu allem Überfluß setzt man dem arbeitslosen Volk noch den CDU-Idioten Jung ins Bundesarbeitsministerium, wo Hundt bei der letzten Anne-Will-Sendung sich mit ihm eine schöne Zusammenarbeit wünscht. Nu klar, den kann er in den Sack stecken. Jung huppt und springt doch, wenn Hundt es verlangt.

Auf kommende Leuteschindereien dürfen wir uns aus dieser Ecke freuen. Wir gehen glorreichen Unternehmergangsterzeiten entgegen.

Die einen erfreuen sich daran wie man Tiere schindet - Stier- oder Hahnenkämpfe und in deutschen Landen hetzt man Rentner und Arbeitslose gegeneinander, wenn sie zum Überleben um Nebenjobs kämpfen und sich verdrängen. Es kommt mir vor wie im alten Rom, wo zur Volksbelustigung man wilde Tiere auf Menschen hetzte, Gladiatoren gegeneinan antreten ließ oder Christen verfolgte. Die damaligen Caesaren und Patrizier, die damals ihre Freude am Elend anderer dran hatten, sind in unseren heutigen Tagen die Unternehmerpolitiker und die Unternehmer selbst. Sie sitzen grinsend als lachende Dritte auf den Rängen und schauen zu wie Rentner und Arbeitslose sich gegeneinander die Nebenjobs abjagen. Die Unternehmergangster machen damit ihre Geschäfte.

Wir gehen einer neuen Eiszeit entgegen, wo zwischenmenschliche Beziehungen verrohen.
« Letzte Änderung: Oktober 26, 2009, 16:17:17 von Wilddieb Stuelpner » Gespeichert
Rappelkistenrebell


Beiträge: 419



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« Antworten #2 am: Oktober 26, 2009, 19:20:16 »

Das sozialverträgliche Absterben möglichst ein Tag vor Erreichung des Renteneintrittsalters ist gaz im Sinne des brd Regimes... Angry

Nur eine Frage der Zeit bis das Regime die Erwerbslosen zu "nutzlosen Essern" erklärt und sie dazu verpflichtet werden ihre Organe zu Verhökern als "Guthaben" deklariert bei der ARGE oder ihnen gleich der Lebensberechtigungsschein entzogen wird.... Angry
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Gegen System und Kapital!


www.mlpd.de
Andrico


Beiträge: 15



« Antworten #3 am: Oktober 27, 2009, 21:34:31 »

Zitat
Nur eine Frage der Zeit bis das Regime die Erwerbslosen zu "nutzlosen Essern" erklärt und sie dazu verpflichtet werden ihre Organe zu Verhökern als "Guthaben" deklariert bei der ARGE oder ihnen gleich der Lebensberechtigungsschein entzogen wird.... Angry

Das einzige, was mich wundert, ist, dass die darauf noch nicht gekommen sind. Immerhin hat man ja schon darüber nachgedacht, bestimmte Operationen oder lebenserhaltende Massnahmen ab einem gewissen Alter nicht mehr durch die Krankenkassen zu finanzieren. Frei nach dem Motto "Der ist zu alt, den braucht doch keiner mehr." Und ganz ähnlich sieht es ja bei dem Gros der Arbeitslosen aus. Wenn man sich anschaut, wie viele Arbeitslose es gibt und wieviele freie Arbeitsplätze dann kann man sich ausrechnen, dass man viele der Arbeitslosen nicht einmal mehr zum Ausbeuten braucht.

Zitat
Das sind die Nachwendeerrungenschaften der beschissenen Freiheits-, Demokratie- und Rechtsstaats-BRD, die angeblich besser sein soll als die vom Westkapital niedergemachte DDR.

Ja genau. Freiheit, das ich nicht lache für die heisst Freiheit, doch nur, dass man die Freiheit hat, entweder Sklavendienste zu leisten, oder alle Leistungen gestrichen zu bekommen. Eigenverantwortung heisst bei denen doch, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass man arbeitslos ist, oder eine Rente bekommt, von der man nicht leben kann. Man hätte ja vorsorgen können. Bei 5 € Stundenlohn bleibt doch mit Sicherheit noch genug übrig, um eine private Rentenversicherung abzuschließen.

Demokratie? Die BRD ist in meinen Augen mittlerweile genauso demokratisch, wie die "Deutsche Demokratische Republik" Der Unterschied ist, dass man in der DDR den Mund halten musste. In der BRD braucht man das nicht. Im Gegenteil: Man kann brüllen so laut man will, es hört ja sowieso keiner von den Politikern zu.

Rechtsstaat? Das einzige Recht was hier noch gilt, ist das Recht des Stärkeren. Wer nicht die Ellenbogen oder die nötige Kaltschnäuzigkeit hat, sich gegen die anderen durchzusetzen um auf der Karriereleiter höherzuklettern, der kann sich in die Schlange beim Arbeitsamt einreihen und seine Kinder werden mit ihm gleich in Sippenhaft genommen.

Andrico








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Kuddel


Beiträge: 4012


« Antworten #4 am: April 22, 2011, 12:52:32 »

Immer mehr Rentner arbeiten nach Erreichung des Rentenalters

Laut Angaben des statistischen Landesamtes von NRW ist die Zahl derjenigen Menschen gegenüber 1999 um 3,5 Prozent gestiegen, die ab 65 Jahren noch einen Beruf ausüben. Im Altern zwischen 65 und 68 sei derzeit etwas jeder Zehnte berufstätig.
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Tom_
Gast
« Antworten #5 am: Juni 05, 2011, 07:45:33 »

Zitat
"Auf dem Wochenmarkt sehe ich Rentner, die in Mülltonnen nach Obst und Gemüse suchen. Das darf doch nicht sein!", sagt Dieter Balck empört. Der 68-Jährige ist Bundesvorsitzender der Rentnerpartei Deutschland. Balck wünscht sich für seine Klientel "ein neues Rentensystem", in das "alle einzahlen". Dabei schwebt ihm das Schweizer Modell vor - eine steuerfinanzierte Basisrente für alle. Es müsse eine Grundrente geben, "die zum Überleben reicht", fordert der Politiker.

"Es darf nicht sein, dass Menschen, die ein Leben lang in die Sozialkassen eingezahlt haben, eine Rente unterhalb der Armutsgrenze bekommen. Wir fordern einen gesetzlichen Mindestlohn."

Nun, die Basisrente gibt es bereits, bekannt als Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Das Problem ist nur, sie ist auf dem selben Hungerniveau, wie der SGB II Regelsatz. Sie reicht zum Überleben, wie der Politiker fordert. Sie reicht aber nicht zu einem erfüllten Leben im Alter, zu einem würdevollen, menschenwürdigen Leben. Hier muß u.a. angesetzt werden. Daher klagen wir in Nürnberg darauf, dass die Grundsicherung neu festgesetzt wird. Sie kann nach geltendem Recht unabhängig der SGB II Sätze festgelegt werden.

Thema Mindestlohn, kann ich nur sagen: Ja, aber... Der Mindestlohn allein reicht nicht, denn er muß deutlich über 10 Euro/Stunde liegen. Erst dann wird ein Schuh draus. Zweitens gibt es viele Menschen, die selbst dann keine auskömmliche Rentenhöhe erreichen werden, weil sie die Anwartschaften nicht zusammenbekommen. Sei es aus Gesundheitsgründen oder aus Gründen, wie Pflege von Angehörigen, Hausfrauendasein/Hausmännerdasein oder schlicht und ergreifend, weil man immer und immer wieder erwerbslos wurde.

Die Frage ist also, ob man die Rente nicht komplett von Einzahlungen abtrennt. Sie zu einem steuerfinanzierten Modell umbaut, das auf einem vernünftigen und menschenwürdigen Rentenlevel aufbaut. Diese Rente könnte dann durch freiwillige Aufstockungen erweitert werden. Sie wäre aber schon im Basismodell ausreichend hoch angesetzt.
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