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Autor Thema: Abzocke durch Reinigungsfirma Klüh in Kooperation mit Mercedes Benz  (Gelesen 2164 mal)
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John_Doe
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Beiträge: 261



« am: November 20, 2009, 16:26:12 »

Stuttgarter Nachrichten online

Auch bei Daimler

Unternehmen sparen - Belegschaft leidet

18.11.2009 - aktualisiert: 18.11.2009 14:39 Uhr

Stuttgart - Die Wirtschaftskrise zwingt Unternehmer zum Sparen, diese Not macht einige offenbar erfinderisch: Arbeitnehmervertreter kritisieren einen wachsenden Druck auf Angestellte verschiedener Branchen, mehr Leistung wird immer schlechter bezahlt. Auch vom Stuttgarter Daimler-Gelände dringen Klagen.

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Jasmin Herbert ist sauer. Zweieinhalb Jahre hat sie für die Reinigungsfirma Klüh gearbeitet, erst als Putzfrau, später als Objektleiterin. Statt sechs Stunden wie vereinbart war sie täglich mindestens zehn da, in dieser Zeit hat sie Vorstellungsgespräche geführt, Abmahnungen geschrieben, Reklamationen bearbeitet, Angebote zusammengestellt, das Lager bestückt, Müll weggebracht und selbst mitgeputzt. "Mir blieb kaum Zeit, auf die Toilette zu gehen, obwohl ich täglich so viele gereinigt habe", sagt die 23-Jährige bitter. Als sie begann, sich gegen die Überbelastung und weitere Missstände zu wehren, folgte Anfang Oktober die fristlose Kündigung.

Prekär: Die Firma Klüh reinigt im Auftrag Daimlers seit 2007 die Stuttgarter Autowerke, zudem kümmert sich der Düsseldorfer Konzern um die Hausmüllabfuhr und die Schrankverwaltung. In der Firmenzeitung "Klüh online news" wurde der Auftrag einst mit folgendem Satz gefeiert: "Alle Beteiligten sind überzeugt, dass mit Klüh der Daimler-Stern noch ein bisschen mehr strahlen wird." Daran bestehen nach den Aussagen von Jasmin Herbert und anderen Reinigungskräften im Mettinger Werk Zweifel: Mehrere frühere Beschäftigte berichten von Einschüchterungen durch Vorgesetzte, unbezahlten Überstunden und Vertragsverlängerungen gegen Gebühr. Herbert hat ihren ehemaligen Arbeitgeber mittlerweile wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Veruntreuung von Gehältern angezeigt.

Untertürkheimer Daimler-Betriebsräte verurteilen die Arbeitszustände auf ihrem Werkgelände. Der Autobauer habe es zur Kultur entwickelt, über Fremdfirmen Leistungen billiger einzukaufen, schimpft Betriebsrat Michael Clauss - prekäre Arbeitsbedingungen würden in Kauf genommen. Sogar klassisches Stammgeschäft in der Logistik wird nach Schilderung der Arbeitnehmervertreter mittlerweile von externen Dienstleistern erledigt, die ihrerseits unter schlechter bezahlten Leiharbeitern Personal rekrutieren. Laut Clauss wurden allein im Werk Untertürkheim rund 20000 Ausweise für Fremdfirmen ausgegeben - ebensoviele Stammbeschäftigte gibt es dort. Wer wie viel oder wenig verdient, ist im Fall der Logistikfirma nicht erkenntlich. "Alle Beschäftigten tragen die Kleidung der Spedition, damit man nicht sieht, wer Leiharbeiter ist", sagt Clauss. An dieser Stelle ist Unterscheidung unerwünscht, an anderer gilt das Gegenteil: Ein Daimler-Betriebsrat, der die Klüh-Beschäftigte Jasmin Herbert in seiner Arbeitszeit zu einem Vorgesetzten begleitet hat, erhielt dafür eine Abmahnung.

Solche und ähnliche Klagen hören Gewerkschaften mittlerweile aus vielen Firmen. "Um in ihrer Bilanz gut dazustehen, plündern sie die Beschäftigten aus", fasst die Stuttgarter Verdi-Sekretärin Christina Frank einen wachsenden Trend im Zuge von Wirtschaftskrise und Sparprogrammen zusammen. Befristete und schlecht bezahlte Arbeitsverträge seien keine Einzelfälle mehr, sondern häufig gängiges System, solche Strukturen gefährdeten mittlerweile ganze Branchen, kritisiert Bernd Riexinger, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Stuttgart. "Die Not der Beschäftigten auszunutzen wird schleichend zur Regel, wir haben große Befürchtungen, dass sich das weiter ausbreitet." Einem Diskussionsaufruf Verdis zum Thema Arbeitsbedingungen folgten vor einigen Tagen nicht nur Arbeitnehmervertreter von Daimler, sondern gut einem Dutzend weiterer regionaler Firmen.

Zum Beispiel von der Modekette H&M: Dort arbeite mittlerweile mehr als die Hälfte der Belegschaft befristet auf Stundenlohn-Basis, erzählt eine Stuttgarter Betriebsrätin, älteren Vollzeitbeschäftigten würden sukzessive Aufhebungsverträge angeboten. "Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen." Weil die Belegschaft unter dem Strich aber seit Jahren kleiner werde, muss der Einzelne für weniger Geld immer mehr Leistung bringen.

Auch bei den Wittwer Bahnhofsbuchhandlungen hat sich die Stimmung verschlechtert. Seit Januar gehören die bundesweit 19 Filialen zum Schweizer Valora-Konzern, der auch die Hamburger Bahnhofskette Stilke besitzt. Dort sollen Beschäftigte teils für Stundenlöhne um die sechs Euro arbeiten, erzählt eine Wittwer-Betriebsrätin. Nun geht auch in Stuttgart die Angst um, auf Dauer weniger zu verdienen oder durch einen Leiharbeiter ersetzt zu werden. Die Gewerkschaft Verdi warf dem Konzern schon vor Jahren vor, aus Tarifverträgen zu flüchten und Mitarbeiter unter Druck zu setzen. Wie das geht, ist auch der Stuttgarter Kollegin zu Ohren gekommen: Weil Geld in der Kasse fehlte, wurde eine Kollegin angeblich mit Kündigung bedroht, sofern sie nicht aus eigener Tasche Ersatz leistet.

Ums Geld geht es auch beim Drogerie-Discounter Schlecker. Neu eröffnete, größere Filialen besetzt das Unternehmen mit Leiharbeitern, der Stundenlohn beginnt bei 6,78 Euro. Verdi nennt das "Lohn-Dumping", Unterstützung erhält die Gewerkschaft kurioserweise von der Zeitarbeitsbranche: Die beiden größten Verbände BZA und IGZ wehren sich dagegen, dass Unternehmen wie Schlecker Zeitarbeits-Tariflöhne umgehen, indem sie aus eigenen Leiharbeitsfirmen Personal rekrutieren. "Das ist eine Trickserei und schadet der Branche insgesamt", lautet die einhellige Meinung. Dagegen argumentierte Schlecker jüngst gegenüber Medien, befristete Arbeitsverträge seien normal, ebenso die Inanspruchnahme von Leiharbeitsfirmen. Der Valora-Konzern weist die Anschuldigungen zurück, Sechs-Euro-Löhne gebe es nicht, heißt es.

Die Gewerkschaften versuchen, Ausbeutung und Überbelastung mit Prozessen vor Arbeitsgerichten zu stoppen, seinen Job ist der betroffene Beschäftigte meist dennoch los. Laut einer Studie der IG Metall kehren im Schnitt nur zwei von 100 Klägern auf ihren Arbeitsplatz zurück, die übrigen geben sich - häufig zermürbt von jahrelangen Anfeindungen - mit einer Abfindung zufrieden und verlassen das Unternehmen. Oder, wie es Verdi-Vertreter Riexinger bei Daimler erlebt hat: "Daimler macht es sich einfach und wirft die Firma raus. Die Beschäftigten, die sich wehren, werden bestraft."

Ob dies auch im aktuellen Streit mit der Reinigungsfirma so läuft, bleibt abzuwarten. Der Autobauer erklärt auf Anfrage lediglich: "Wir werden den Sachverhalt prüfen und gegebenenfalls entsprechende Konsequenzen ziehen." Klüh selbst sieht die Anschuldigungen nach Aussagen eines Sprechers "gelassen": In dem hochangesehenen Unternehmen mit mehr als 38000 Beschäftigten "wird und wurde ordnungsgemäß abgerechnet", erklärt er. Nach einer Überprüfung durch Kollegen vor Ort sehe man "kein Verschulden unsererseits".

Ähnliche Gelassenheit hat sich auch der Betriebsrat eines US-Logistikunternehmens angewöhnt. Bei dem Verdi-Treffen berichtet er von sich seit Jahren wiederholenden Gehaltskürzungen, Kündigungen und Abmahnungen. 2010 will er trotzdem wieder als Arbeitnehmervertreter kandidieren, sein Fazit nach zwei Stunden Erfahrungsaustausch: "Mir geht es doch noch gut."



 
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John_Doe
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« Antworten #1 am: November 20, 2009, 18:12:55 »

Interessant ist auch folgendes


Staatsanwaltschaft ermittelt
Razzia bei Dienstleister Klüh
VON MATTHIAS ROSCHER - zuletzt aktualisiert: 22.05.2008 - 11:19

Düsseldorf (RPO) 250 Ermittler durchsuchten in einer bundesweiten Aktion die Büros der Security-Firma und beschlagnahmten Akten und Computer. Der Verdacht lautet: Hinterziehung von Steuern und Beiträgen zur Sozialversicherung.

Um zehn Uhr am Morgen standen die Ermittler von Polizei, Staatsanwaltschaft, Zoll und Steuerbehörde vor der Tür. In Düsseldorf, Berlin, Hamburg, Frankfurt, München und Cham im Bayerischen Wald durchsuchten sie zeitgleich die Büros der Security-Firma von Multidienstleister Josef Klüh. Der Grund für die bundesweite Razzia, bei der rund 250 Beamte eingesetzt wurden: Leitende Mitarbeiter der Firma sollen seit 2003 durch die Organisation von Schwarzarbeit in erheblichem Umfang Sozialversicherungsbeiträge, Lohn- und Umsatzsteuer hinterzogen haben.

Allein in Düsseldorf - haben die Fahnder nach Informationen der Rheinischen Post 50 Kisten mit Akten und etliche Computer in die Einsatzfahrzeuge geladen. Durchsucht wurden neben Klühs Unternehmenszentrale am Wehrhahn, auch die Security-Niederlassung an der LTU-Arena und ein Büro am Flughafen. Im Kern geht es nach Darstellung der Staatsanwaltschaft um den Verdacht des Lohndumpings durch Schwarzarbeit bei Aushilfskräften mit sogenannten 400 Euro-Jobs.

Unternehmenschef Josef Klüh war gestern nicht zu sprechen, sondern ließ die Aktion durch eine knappe schriftliche Mitteilung kommentieren: „Angesichts der uns bekannten Vorwürfe, die auf Aussagen zweier von uns entlassener Mitarbeiter beruhen, erachten wir die Vorgehensweise der Staatsanwaltschaft als eher unverhältnismäßig.“ Von insgesamt 2270 Beschäftigten im Security-Bereich seien nur fünf Prozent Aushilfen. Daher gingen die „gegen uns erhobenen Vorwürfe von vorneherein ins Leere“.

Seit gestern sichtet die aus zwölf Staatsanwälten, Buchhaltern und Wirtschaftsreferenten gebildete Schwerpunktabteilung die beschlagnahmten Klüh-Akten. Die mitgenommenen Computer würden dem Unternehmen recht bald wieder zurück gegeben, sagte Oberstaatsanwalt Arno Neukirchen. Nämlich dann, wenn die Experten die Daten auf den Festplatten „gespiegelt“ - mit anderen Worten: eins zu eins übertragen - haben. „Das geht insgesamt schneller, als wenn wir sie an den jeweiligen Geräten einzeln auswerten.“

Neukirchen widersprach Klühs Darstellung, die Vorwürfe beruhten auf den Aussagen von zwei entlassenen Mitarbeitern. „Wir haben mehrere Zeugen.“ Die Ermittlungen seien unabhängig von diesen Zeugenaussagen schon Ende vergangenen Jahres durch die Lohnsteuerprüfungen der Finanzbehörden ausgelöst worden.
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« Antworten #2 am: November 23, 2009, 17:24:15 »

„Daimler spart sich in die schwarzen Zahlen" (Stuttgarter Zeitung)
Ausbeutung von Leiharbeitern und Fremdfirmen
Tatort: Daimler Werk Untertürkheim

Mehr als 4 Milliarden lässt der Daimler-Vorstand allein 2009 aus den Fabriken herausquetschen. Über 40% davon
direkt aus den Kolleginnen und Kollegen. 2010 sollen es bis zu 5 Milliarden werden. „Daimler spart sich in
die schwarzen Zahlen", schreibt die Stuttgarter Zeitung. Auf Kosten der Daimler-Belegschaft, das wissen wir
alle. Vor allem aber auch auf Kosten von Fremdfirmenbeschäftigten und Leiharbeitern. Dort schreien die Zu¬
stände inzwischen z.T. so zum Himmel, dass die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die SWR-Landesschau berichtet,
daß der bekannte Autor Günter Wallraff schikanierten Kolleginnen seine Unterstützung angeboten hat. Nur unsere
Personalleitung fühlt sich nicht zuständig.

Tatort ist nicht irgendeine Klitsche der Dritten Welt, sondern unser Werksgelände: Kolleginnen der Reinigungsfirma Klüh werden schikaniert, sogar körperlich bedroht. Lohn für geleistete Arbeit wurde häufig nicht bezahlt. Die meisten haben nur befristete Arbeitsverträge. Für Vertragsverlängerungen haben Vorgesetzte von Kollegen Schmiergeld gefordert.

Wir dokumentieren Aussagen von Mitarbeiterinnen und ehemalig Beschäftigten der Firma Klüh:

- „Wir arbeiten unter einem System organisierter Überlastung. Ich musste z.B. in 5 Stunden die Eingangshalle im Verwaltungshochhaus putzen, Schrankverwaltung machen und 30 Toilettenanlagen plus 25 Waschplätze (gemeinsam mit einer Kollegin) reinigen. Unter diesen Umständen saubere Arbeit abzuliefern, ist unmöglich.
Wenn es dann Reklamationen gab, hieß es vom Objektleiter Herr K., ich würde meine Arbeit nicht ordentlich
machen und sei ein Versager."

- "Ich wurde vom Objektleiter angewiesen, Reinigungsaufträge als „ausgeführt" zu unterschreiben, obwohl nicht gereinigt wurde. Sollte ich das nicht tun, würde ich eine Abmahnung bekommen."

- „Objektleiter K. forderte uns und andere Frauen auf, bei der Arbeit Miniröcke und Oberteile mit tiefem Ausschnitt zu tragen, dann würde es weniger Reklamationen geben."

- „Mitarbeiterinnen wurden von ihm als „Halbschwuchteln, Schlampen, Nutten" beschimpft, farbige Kol¬
leginnen als „schwarze Teufel" und schwarze Baumaffen".

- „Zum Toilettenputzen bekamen wir oft keine Handschuhe, immer mit der Ausrede: die Lieferung sei noch
nicht gekommen. Notwendige Arbeitsmittel wie Reinigungspads wurden oft unter Verschluss gehalten,
so dass wir im Supermarkt auf eigene Kosten Topfreiniger kaufen mussten, um unsere Arbeit machen zu
können. Oder eben die „Prügel" für Reklamationen kassieren!"

- „Putzmittel wurden mit Wasser verdünnt, bis sie wirkungslos werden

- und die Reklamationen werden dann auf unserem Rücken abgeladen!"

- „Von mir wurde verlangt, für die Verlängerung meines befristeten Arbeitsvertrags 200€ zu zahlen. Um
überhaupt erst einen Vertrag zu kriegen, musste ich schon einen Wochenlohn bezahlen."

- „Mir wurde mein Lohn für gearbeitete Stunden nicht bezahlt. Nach Einleitung rechtlicher Schritte
behauptete Fa. Klüh, ich hätte nie für Klüh gearbeitet. Und Daimler rückt auf Anfrage meines Anwalts die Arbeitszeitdaten nicht heraus. Um den letzten Lohn zu bekommen, musste ich einen Vollstreckungsbescheid
beim Amtsgericht erwirken."

- „Mein Arbeitsvertrag war wie bei vielen andern Kolleginnen für 6 Stunden, von 6:00 Uhr bis 12:15 Uhr
(inkl. Pause). Wir wurden aber angewiesen, das Werk nicht vor 15:00 Uhr zu verlassen, d.h. wir mussten
regelmäßig 8 Stunden arbeiten, öfter mehr. Oft wurde diese Mehrarbeit nicht bezahlt, sondern nur ein willkürlich angesetzter Betrag."

Diese Aussagen sind eine Auswahl. Es liegen noch weitere, nicht weniger haarsträubende vor.

Willkür ohne gleichen
Genauso haarsträubend war die Vorgehensweise der Fa. Klüh gegenüber den Kolleginnen, als sie sich in ihrer Not an Kollegen vom Daimler-Betriebsrat gewandt hatten. Brutale Einschüchterungsversuche sollten sie zum Schweigen bringen.

Doch die Klüh-Vorgesetzten warenzu weit gegangen. Und die Kolleginnen nicht länger bereit alles zu schlucken: „Wir müssen das jetzt an die Öffentlichkeit bringen, sonst hört das nie auf. Vielleicht zwingt das den Daimler zukünftig nicht bloß wegzuschauen, wenn wir schikaniert werden!"

Wir haben sofort die Untertürkheimer Personalleitung, H. Mauser und H. Layer, informiert, als uns diese
Zustände bekannt wurden. Und gefordert, dass sie eingreift.

Werkleitung schaut weg
Das sei doch ein selbständiges Unternehmen, da könne man sich nicht ohne weiteres einmischen, hieß es.
Nach wie vor entzieht sich die Werkleitung ihrer Verantwortung: Daimler geht in einer Stellungnahme gegenüber dem SWR davon aus, dass ihre Dienstleister-Fremdfirmen sich an Gesetze halten.

Wegschauen mit System
Doch so blauäugig kann kein Mensch sein. Denn für solche Zustände sind nicht nur Firmen wie
Klüh selbst verantwortlich. Sondern auch ihre Auftraggeber aus der industrie. Denn sie drücken ständig
die Preise. Sie profitieren durch Fremdvergabe von den Hungerlöhnen im Niedriglohnsektor. Und der
breitet sich im Betrieb aus wie ein Krebsgeschwür, bis hin zur Materialversorgung der Bänder.

Daimler nimmt diese Zustände billigend in Kauf: so spart sich der Vorstand in die schwarzen Zahlen und
höheren Profite.

Gemeinsam gegen Lohndumping
Diese Verhältnisse müssen abgeschafft werden. Auch weil sie das Einfallstor für Verschlechterungen
für die Stammbelegschaft darstellen. Gegen Daimlers „Wegschauen mit System" muss öffentlicher Druck
aufgebaut werden. Da ist auch der Betriebsrat gefordert. Günter Wallraffs Unterstützung für die ausgebeuteten Klüh-Kolleginnen ist ein erster wichtiger Schritt. Weitere müssen folgen. Und zwar schnell.

Zum Schutz der Kollegen aus Fremdfirmen und deren Leiharbeitern. Zum Schutz von uns allen
vor diesen Zuständen!


Herr Mausers Abmahnungsmaschine:
Solidarität der Krähen ?

Der Personalbereich ist seit Jahren nur noch eine Karikatur der Personalabteilung, die es vor Jahren hier
einmal gegeben hat. in dieser längst vergangenen Zeit soll es gelegentlich sogar vorgekommen sein, dass
der P-Bereich Kollegen vor ihren Vorgesetzten in Schutz genommen hat, wenn die zu sehr nach Gutsherrenart durchgreifen wollten.

Doch seit Personalchef Herr Mauser brachial die Abbaupläne des Vorstands auch im P-Bereich durch zieht, funktioniert nur noch eins wie geschmiert: Herrn Mausers Abmahnungsmaschine.

Das kriegen die Kolleginnen zu spüren, die wegen jedem Mist vorgeladen und abgemahnt werden. Das
kriegen immer öfter auch kritische Betriebsräte zu spüren, die sich den Kolleginnen verpflichtet fühlen statt
den unternehmerischen Zielen der Herren Zetsche, Stauch oder Mauser.

Betriebsrat André Halfenberg zum Beispiel. Der wurde von einer Kollegin der Firma Klüh gebeten, sie zu
einem Personalgespräch zu ihrem Chef zu begleiten. Sie hatte nach den massiven Drohungen ihrer
Chefs schlicht Angst, alleine zu gehen. Und André hat der Kollegin den Beistand nicht verweigert.

Dafür ließ Herr Mauser ihm dann eine Abmahnung geben, mit offensichtlich konstruierter Begründung.
Statt die Missstände bei der FirmaKlüh abzustellen.

Eine Krähe hackt der andern kein Auge aus, sagt man. Doch trotz dieser Solidarität unter Krähen haben
sie sich gewaltig getäuscht: wir lassen uns weder einschüchtern noch davon abbringen, gegen Unrecht
und Willkür und für die Rechte der Kolleginnen zu kämpfen!

Warum will Daimler Blut sehen?
Ende Oktober berichtete der NDR in einem Fernsehbeitrag, dass Daimler bei Einstelluntersuchungen von Bewerbern, also noch vor Abschluß eines Arbeitsvertrages, einen Bluttest durch den WD vornehmen lässt. Die
Blutuntersuchung sei freiwillig, doch in der Praxis wird sich wohl kaum ein Bewerber dem Prozedere entziehen, muß er doch befürchten damit seine Chancen auf einen Job zu schmälern.

Inzwischen hat Daimler gegenüber der Datenschutzbehörde Stellung genommen und die generellen Bluttests
bei Einstellungsuntersuchungen mit der „Fürsorgepflicht des Arbeitgebers" gerechtfertigt.

Keinerlei Sensibilität und Unrechtsbewusstsein erkennbar
Wer vor Einstellungen generell Blutuntersuchung verlangt, setzt sich
dem Verdacht aus mehr wissen zu wollen als ihm zusteht!

Konzerne in der Kritik
Schon vergessen?: Die heftigsten Datenschutzskandale in der jüngsten
Vergangenheit ereigneten sich vor allem in Großkonzernen wie Telekom,
Lidl, Deutsche Bahn und Postbank.

Misstrauen angebracht
Gerade im Internetzeitalter, wo Daten mit wenigen Mausklicks in falsche Hände geraten können ist Vorsicht und ein gesundes Misstrauen oberstes Gebot! Daimler selbst liefert dafür den besten Beweis:
Jahrelang wurde an den „Runden Tischen Gesundheit und Leistung" eine illegale Gesundheitsdatensammelwut an den Tag gelegt - und inzwischen von der Behörde gerügt und abgestellt!
Wir meinen:
Bluttests müssen vom Tisch!
Wenn überhaupt sind sie nur zulässig, wenn dazu ein konkreter arbeitsplatzbezogener Grund vorliegt - und
dazu muß ein Attest vom Hausarzt oder von einem externen Arbeitsmediziner genügen.

So bleiben höchst sensible persönliche Blutwerte die die Firma nichts angehen vor möglichem Missbrauch am
besten geschützt.

Martin Bott
Betriebsrat
Tel. 67965


Leserbrief
In Nr. 75 berichteten wir über die Nichtbesetzung von 19 Ausbildungsplätzen wegen der starrköpfigen Haltung von Ausbildungsleiter Storr und dem „Untertürk-heimer Weg". Dazu erreichte uns dieser Leserbrief:

Ausbildung bei Daimler nur noch 3. Wahl
Den Ausbildern in Untertürkheim war der Schulabschluss meines älteren Sohnes nicht gut genug. Im
Nachgang bin ich froh darüber, dass ihm der Ausbildungsplatz in Untertürkheim verwehrt wurde.

Er hat seine Ausbildung in einem anderen namhaften Stuttgarter Unternehmen zwischenzeitlich als
Jahrgangsbester beendet und wurde in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen.
Hätte er die gleiche Ausbildung beim Daimler in Untertürkheim abgeschlossen, müsste er jetzt mit
folgenden Nachteilen leben:
• DAIMLER MOVE
• Tiefere ERA-Eingruppierung
• Kein Dienstwagen mit privater
Nutzungserlaubnis


Vor diesem Hintergrund habe ich meinem zweiten Sohn (ABI 1,7) abgeraten sich beim Daimler in
Untertürkheim für ein BA-Studium zu bewerben. Weder er noch ich haben diese Entscheidung bisher
bereut.

Wenn die Werkleitung und der Personalbereich für die unbesetzt gebliebenen Ausbildungsplätze
nach „geeigneten" Kandidaten Ausschau halten, dann wissen Sie offensichtlich noch nicht, dass der
Daimler in Untertürkheim bei den Jugendlichen mit sehr gutem Schulabschluss als Ausbildungsbetrieb nur mehr zweite in Einzelfällen bereits dritte Wahl ist.

Sie werden sich künftig auch mit Bewerbern zufrieden geben müssen, deren Schulabschluss nicht
unbedingt zur absoluten Spitzenklasse zählt.

Name der Redaktion bekannt


Vorsicht Ansteckungsgefahr:
Schweinegrippe-Hysterie

Seit einigen Tagen haben unsere Führungskräfte im Betrieb eine ganz neue Art von Begrüßungsritual eingeführt. Das Ganze spielt sich ungefähr so ab:
Auf die höflich zur Begrüßung ausgestreckte Hand wird mit einem plötzlichen, schreckhaften Zurückzucken des ganzen Körpers reagiert. Der Begrüßte bringt seine Hand schnellstmöglich aus dem Zugriffsradius, was zum Teil in wilden Gestikulationen mündet. Statt dem üblichen „Guten Tag" werden noch schnell in abwehrendem Ton die Worte „Sie wissen ja, die Schweinegrippe" herausgebellt. Auch eine von Weitem schon zum Winkegruß erhobene Hand begleitet von den Worten „Schwein-Glück" konnte schon beobachtet werden. Fehlt nur noch, dass jeder vor jedem Betreten eines jeden Raumes mit einem jeweils frischen Lappen die Türklinke von potentiellem Virenbefall befreit. Oder die ach so viele Knöpfe an den Maschinen beim Schichtwechsel. Oder die Sanitäreinrichtungen, die ja durch eine zahlenmäßig dezimiert e und auf's Schlimmste geknechtete Putzkolonne nur schwer sauber gehalten werden können. (Siehe erster Artikel)

Vielleicht ist es aber noch besser, wenn wir zusätzlich das R e d e n einstellen. Die meisten Grippeviren werden eh über die so genannte Tröpfchenübertragung beim Sprechen übertragen. Also Funkstille im Betrieb. Oder sollten wir, um jeder Ansteckungsgefahr auszuweichen vielleicht erst gar nicht zur Arbeit gehen? Menschenansammlungen
soll man in Grippezeiten ja generell ganz meiden. Vielleicht ist aber auch besser, wir beenden die übertriebene Hysterie.Einen Komplettschutz vor Ansteckung gibt's eh nicht. Deshalb sollten unsere Chefs auch wieder den klassischen Händedruck als das übliche Begrüßungsritual akzeptieren. Sonst...

Michael Clauss
Betriebsrat, Tel. 67977


Unliebsames Betriebsratsmitglied bei der Firma Dietz fristlos gekündigt
Unternehmer versuchen immer öfter unliebsame Betriebsräte die nicht in ihr Konzept passen loszuwerden. Das zeigt auch der aktuelle Fall bei der Firma Dietz-Motoren Dettingen unter Teck.

Dort hat Betriebsratsmitglied Günther Albrecht in einen Filmbetrag von Spiegel TV keinen Hehl daraus gemacht, wie es wirtschaftlich um die Firma bestellt ist. Unter anderem, dass Dietz auch von Kurzarbeit betroffen sei, Gehälter die weit unter dem Tarif liegen zahlt und Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze und um die Auszahlung ihrer Löhne bangen müssen.

Was die Spatzen über Dietz von den Dächern pfeifen ist für Unternehmensfürst Strauß offensichtlich ein
willkommener Anlass dem Betriebsrat Rufschädigung vorzuwerfen und ihm die fristlose Kündigung auszusprechen.

Skandalös ist auch das Verhalten der Betriebsratsmehrheit, die nicht der iG Metall angehört und der fristlosen Kündigung zugestimmt hat.Sie muß sich jetzt vorwerfen lassen sich zum Handlanger von Firmenchef Strauß zu machen.

Wer unternehmerische Freiheit so definiert wie Strauß - einerseits öffentliche Gelder für Kurzarbeit in
Anspruch nimmt und andererseits das Recht auf freie Meinungsäußerung mit Füssen tritt - sollte besser
von seiner unternehmerischen Verantwortung „befreit" werden.

Solidarität mit Günther Albrecht, die fristlose Kündigung muß vom Tisch!

mehr dazu:
www.esslingen.igm.de


Günter Wallraff in der SWR-Landesschau am 13.11.2009:
„Allein wa s ich heute von Betroffenen hörte, die bei Daimler arbeiten, einem Konzern, wo
man bis vor kurzem noch dachte, da ist alles soweit in Ordnung!
(...)
Daimler-Benz ist verantwortlich für das, was auf ihrem Werksgelände passiert, wenn da Menschen fertig gemacht werden! Dann sind die zur Rechenschaft zu ziehen, und da sorg' ich auch mit dafür!"

„Das sind Verhältnisse, die an frühkapitalistische Zeiten erinnern!"
SWR-Landesschau 13.11.2009


Internet: www. alternative-info.org

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"Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Reichen, die Krieg führt und wir sind dabei zu gewinnen'"
Warren Buffet, zweitreichster Mann der Welt

rosaberlinerin


Beiträge: 47


« Antworten #3 am: Februar 03, 2010, 03:43:24 »

Also, ganz ehrlich, in manchen bordellen wuerde so ein zuhaelter (sorry, herr "objektleiter" oder so) ganz schnell ein Paar haertere Worte zu hoeren bekommen... (oder auch nicht, je nachdem, wie sehr die Frauen verzweifelt sind und ob sie zu einem anderem bordell wechseln koennen).

Was sagen die Feministinnen zu diesem "Vorschrift" (Zwang) Miniröckchen bei der Arbeit zu tragen? Eine Schikane? Ja aber warum doch nicht,  vielleicht sehen es die Kunden doch gerne und es laesst sich leichter das Geld verdienen? Schliesslich sind diese Frauen dazu "nicht gezwungen", die arbeiten dort "freiwillig" und wir sind im freien Land.

Herr "objektleiter" war doch vielleicht im früheren Leben ein Zuhälter? Dass der ein Freier ist, davon gehe ich aus.

Grüsse


 
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Da mag dein Anstreicher streichen,
den Riß streicht er uns nicht zu!
Einer bleibt und einer muß weichen,
entweder ich oder du.
Und was immer ich auch noch lerne,
das bleibt das Einmaleins:
Nichts habe ich jemals gemeinsam
der Sache des Klassenfeinds.
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