|
Amaroq
Beiträge: 31
|
 |
« am: März 07, 2010, 16:16:36 » |
|
Hmmm - wie fang ich da an.
Also, eine gute Freundin von mir bezieht seit Urzeiten Hartz4. Genauer gesagt hat sie noch nie gearbeitet. Ich will ja jetzt keine Diskussionen drüber, wieso weshalb warum man mit Mitte 30 noch nie gearbeitet hat - ich persönlich halte sie auch nicht für voll arbeitsfähig.
Fakt ist jetzt: Sie ist von ihrer voll umfänglich bekloppten PAP zu einem 1-Euro-Job verurteilt worden. Sie soll bei der Diakonie arbeiten, hieß es. Soweit so klar - Diakonie ist ja per se gemeinnützig, von daher dachte ich mir dabei nicht viel. Aaaaaber: Diese Diakonie beschäftigt derzeit ca 50 1-Euro-Jobber und sucht laut Unterlagen der PAP weitere 80 (!!!), damit diese dann Lüftergitter für VW zusammenstecken. Die stecken wirklich stundenlang jeden Tag für VW, präziser gesagt für den Golf 6, Lüftungsgitter zusammen. Und da brüllt es bei mir innen drin gewaltig: WO ist da die Gemeinnützungkeit, die ja rechtliche Basis für den 1-Euro-Job sein soll? Oder ist das doch ein regulärer Arbeitsplatz und somit sittenwidriger Dumpinglohn, gegen den die Freundin rechtlich vorgehen kann? Kann man der Diakonie in diesem Fall vielleicht sogar Ausbeutung vorwerfen und da rechtlich was machen?
Im Übrigen verhält sich die Freundin imho goldrichtig - mann hat sie sowas von zwei linke Hände, da schaut am Ende kein Lüftungsgitter aus wie das andere... so kauft das VW nie an "lol". Anders als so und mit gelben Scheinen kann sie sich ja nicht wehren - aber vielleicht kann ihr ein Anwalt weiterhelfen? Es geht mir dabei weniger um das Vorgehen gegen die Arge - da sehe ich keine rechte Chance - als vielmehr ein Vorgehen gegen den Ausbeuter Diakonie
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
|
|
|
Amaroq
Beiträge: 31
|
 |
« Antworten #1 am: März 07, 2010, 17:04:10 » |
|
Mir ist gerad beim Nachdenken die Hutschnur gegangen und ich konnte es mir nicht verkneifen, dem Vorstand ne Mail zu schreiben:
"Auf die formelle Anrede "Sehr geehrte..." verzichte ich bewußt, denn ich sehe nicht, wen ich hier ehren sollte... Aber in medias res:
Sie formulieren ihren hehren Anspruch auszugsweise wie folgt: "Diakonie ist für uns praktische Ausübung christlicher Nächstenliebe. In ihr begegnet dem, der in Not ist, Jesus Christus, das heißt ihr Auftraggeber; dies begründet die Achtung der Würde derer, die in Armut leben" Auch als Nicht-Christ sticht für mich das augenscheinliche Bekenntnis zur Würde des Menschen und zur Achtung desselbigen aus der zumindest antiquiert formulierten Aussage heraus. Nur wie verkaufen Sie diesen Anspruch mit dem Seitenblick auf die von Ihnen praktizierte Realität - wie verkaufen Sie die Lüge und die Wahrheit unter einem Deckel? Da dürfte es doch schon für Ihre Konkurrenz einfacher gewesen sein, Ablaßbriefe konstenpflichtig unters Volk zu bringen...
Ich meine bereits die Fragezeichen über Ihren gut betuchten Häuptern kreisen zu sehen, was Sie bitte nicht mit dem de facto postulierten Heiligenschein verwechseln sollten, drum kläre ich in Kürze auf, worum es mir geht: Die Diakonie betreibt in Gifhorn eine sogenannte Integrationsmaßnahme. Hier werden derzeit bereits geschätzt 50 1-Euro-Jobber dafür "genutzt", um Formteile für die aktuelle Serienproduktion von VW zusammenzustecken. Weitere 80 dieser bedauernswerten wehrlosen und in Armut lebenden Menschen sollen nach Ihrem Willen darüber hinaus noch dazu zwangsverpflichtet werden. Die Kooperation mit der lokalen Arge dürfte hier wesentlich mit beitragen zur weiteren Verarmung und Not der Gesellschaft. Erklären Sie mir nicht, diese insgesamt 130 Zwangsarbeiter würden keine regulären Arbeitsplätze entweder vernichten oder zumindest deren Entstehung verhindern. So weltfremd ist sogar die Kirche nicht. Erklären Sie mir nicht, diese Produktion Ihrer der Würde beraubten Notleidenden würde sich für Sie nicht finanziell rechnen. Erklären Sie mir nicht, dies sei ein Einzelfall - ähnliche Konstrukte durchziehen auch dank der aktiven willfährigen Kirchen wie ein Krebsgeschwulst das Land.
Erklären Sie mir, warum Sie Zwangsarbeit in Deutschland forcieren und nutzen, mediengerecht aber im Ausland anprangern! Erklären Sie mir, daß Ihnen Ihr Gewissen abhanden gekommen ist, damit die Ihren oben formulierten Anspruch zwar weiterhin postulieren, aber nicht praktizieren. Erklären Sie mir, warum sich der Zwang zum Ausbeuten Lassen bestens mit der Basislehre Ihrer Kirche und Ihres Glaubens vereinen läßt.
Ihr siebtes Gebot sollte auch Ihren wirtschaftlichen Nutznießern durchaus noch geläufig sein - ungeachtet dessen, daß mir diese Fakten wie die modern-nüchterne Realversion der "Farm der Tiere" vorkommen. "Du sollst nicht stehlen" - aber die Arbeitskraft von Menschen ausbeuten, die Würde entreißen, das ist kein Diebstahl? Kurz bei der Konkurrenz abschauend ein Blick in den Katechismus der Katholen - die ihre Macht und ihren Reichtum wohl noch offensiver und menschenverachtender als Sie erlangt haben: "Die Entfaltung des Wirtschaftslebens und die Steigerung der Produktion haben den Bedürfnissen der Menschen zu dienen. Das wirtschaftliche Leben ist nicht allein dazu da, die Produktionsgüter zu vervielfachen und den Gewinn oder die Macht zu steigern; es soll in erster Linie im Dienst der Menschen stehen: des ganzen Menschen und der gesamten menschlichen Gemeinschaft. Die wirtschaftliche Tätigkeit ist — gemäß ihren eigenen Methoden — im Rahmen der sittlichen Ordnung und der sozialen Gerechtigkeit so auszuüben, dass sie dem entspricht, was Gott mit dem Menschen vorhat." (KKK 2426)
Voll Sittlichkeit von sozialer Gerechtigkeit sehe ich bei Ihnen rein gar nichts...
Nicht von einer Antwort ausgehend, "
Ich gehe tatsache nicht davon aus, eine Antwort von dem Verein zu bekommen, aber falls doch, setze ich die hier rein
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
|
|
|
Alan Smithee
|
 |
« Antworten #2 am: März 07, 2010, 17:22:22 » |
|
Die Kirchen zählen seit je her zu den größten Menschenausbeutern. Und sich dann auch noch dank Hartz IV zu erdreisten, für Wirtschaftsunternehmen den 1-€ Jobber oder auch gerne den 0-€ Praktikanten in Zeitarbeitsmanier zu missbrauchen. Wobei Leute in der Zeitarbeit wenigstens sowas wie einen Lohn und einen Arbeitsvertrag bekommen... Ich beobachte diese Machenschaften auch schon seit längerem, und ich kriege jedesmal das große Kotzen. Da hilft vorerst nur eines: kriegst du einen Euro, dann bringe auch nur für einen Euro Leistung. Und wenn sich das Ganze auch noch unter dem Deckmäntelchen der "Integration in den Arbeitsmarkt" abspielt ist das sowieso nur noch gequirlte Sch......, die eh keiner mehr glaubt.  Deine Freundin macht es richtig, wenn sie leider nur 2 linke Hände hat. Wenn das jeder so machen würde, dann würden diese ganzen Ausbeuter sehr schnell ohne Aufträge dasitzen. Vielleicht sollte man ausser der Diakonie auch noch VW ans Bein pinkeln. Der Diakonie wird es relativ Wurst sein, die bekommen Ihre Arbeiter aus den ARGEn. Nein, da hat VW schon viel mehr zu verlieren; negative PR schadet nun mal leider 
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
...still dreaming of electric sheep...
|
|
|
|
Amaroq
Beiträge: 31
|
 |
« Antworten #3 am: März 07, 2010, 18:42:08 » |
|
Hmmm - da haste Recht. Nur wie bekommt man das Thema VW und Zwangsarbeit in die Medien?
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
|
|
|
Alan Smithee
|
 |
« Antworten #4 am: März 07, 2010, 19:28:31 » |
|
Eigentlich sind wir hier doch schon in den Medien  Vielleicht sollte man mal einige Vorgesetzte bei VW anschreiben, ob sie denn wissen, unter welchen Umständen ihr Zeugs hergestellt wird. Eine Stellungnahme wäre erstmal interessant. Man kann das Ganze ja dahingegen formulieren, dass man sich sicher sei, dass ein solches Unternehmen wie VW bestimmt nicht möchte, mit Zwangsmaßnahmen bezüglich 1€ Jobber in Verbindung gebracht zu werden. Dies Schade dem Unternehmen, denn anstatt Arbeitsplätze zu schaffen nützt man die erzwungenen Dienste von Hartz IV-Empfängern und zementiert sie obendrein auch noch in Ihrer Arbeitsosigkeit. Und das von einem Unternehmen, das seine Volksnähe selbst in seinem Firmennamen betonen möchte.  Mal gespannt ob sie darauf reagieren und vor allem wie..
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
...still dreaming of electric sheep...
|
|
|
|
antonov
Beiträge: 1157
|
 |
« Antworten #5 am: März 07, 2010, 19:41:12 » |
|
von wem kommt das konzept ?
vielleicht darf man bald wieder ein kdf-wagen bauen
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
|
|
|
Carpe Noctem
|
 |
« Antworten #6 am: März 14, 2010, 16:30:46 » |
|
Vielleicht sollte man mal einige Vorgesetzte bei VW anschreiben, ob sie denn wissen, unter welchen Umständen ihr Zeugs hergestellt wird. Evtl. sollte man parallel dazu beim Betriebsrat anfragen. Ich vermute, dass sog. "Behindertenarbeitsplätze" ausgelagert werden, aber anstatt eine WfaA damit zu beauftragen, bietet die Diakonie die wirtschaftliche Verwertung von ALG II Beziehern als "Qualifizierungsmassnahme" an. EEJ dürfen per Gesetz nicht in der Wirtschaft eingesetzt werden, also schaltet man einen gemeinnützigen Träger dazwischen und - voila! - ist alles schick. Die Betroffene sollte ihren Tagesablauf sowie sämtliche Gespräche mit dem Anleiter und den Kollegen sauber dokumentieren. Das beste wäre, vor Ort Fotos zu machen und diese zusammen mit der schriftlichen Dokumentation einzelnen konkurrierenden Presseorganen anzubieten. Hier können die Bilder auch eingestellt werden. Zugleich ist m.E. eine Fachaufsichtsbeschwerde über den FM direkt nach Nürnberg fällig, wegen Willkür und privatwirtschaftlicher Ausbeutung unter Vernichtung realer Arbeitsplätze. Wenn das nachweisbar ist, rechtfertigt dies auch eine Anzeige nebst Dienstaufsichtsbeschwerde wegen Rechtsbruch im Amt. Grüsse - CN
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
Art. 1 GG: "Die Menschenwürde steht unter Finanzierungsvorbehalt"
|
|
|
|
Feierabend
Beiträge: 29
|
 |
« Antworten #7 am: März 14, 2010, 20:23:19 » |
|
Ich dachte ja nicht wirklich dass VW so saudoof ist...
die Putzlumpen etc. reichen doch schon...Grundsätzlich denke ich ist es eine Gratwanderung. Einserseits sollen Menschen eingegliedert und Therapiert werden und dann haben sich Unternehmen und Profitgeier reingehängt. Letztendlich sind dann wieder die ohnehin schon kranken Menschen zum Schluss die Ärsche weil Sie auch noch zum Hungerlohn gearbeitet haben und dann noch die Therapiekosten ( falls sie je arbeitsfähig werden) zurückzahlen müssen/sollen. Schöner Looping. Ein paar skrupellose Gestalten machen Profit oder sogar Konzerne und die Patienten sollen das auch noch bezahlen....
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
|
|
|
Carpe Noctem
|
 |
« Antworten #8 am: März 14, 2010, 21:22:49 » |
|
Einserseits sollen Menschen eingegliedert und Therapiert werden und dann haben sich Unternehmen und Profitgeier reingehängt. Letztendlich sind dann wieder die ohnehin schon kranken Menschen zum Schluss die Ärsche weil Sie auch noch zum Hungerlohn gearbeitet haben und dann noch die Therapiekosten ( falls sie je arbeitsfähig werden) zurückzahlen müssen/sollen. Schöner Looping. Ein paar skrupellose Gestalten machen Profit oder sogar Konzerne und die Patienten sollen das auch noch bezahlen.... Da kommt einiges durcheinander in deinem Beitrag: EEJ, Arbeitstherapie und WfaA. Das sind ganz unterschiedliche Dinge mit unterschiedlichen Kostenträgern und Rechtsgrundlagen. Dem entsprechend kann man im Falle von EEJ auf der o.g. Basis etwas unternehmen, gegen WfaA und AT hingegen nicht. Grüsse - CN
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
Art. 1 GG: "Die Menschenwürde steht unter Finanzierungsvorbehalt"
|
|
|
|