Als ich noch gearbeitet habe, bin ich ziemlich schnell auf den Trichter gekommen, meine Kollegen nicht als meine Freunde zu sehen. Denn wenn es hart auf hart kommt, ist sich jeder selbst der nächste. Und gerade Kollegen, die sofort eins auf Freunde machen, sind mit Vorsicht zu genießen! Es gibt die tolle Taktik, die Kollegen erstmal privat auszuhorchen, um dann eventuelle Schwächen später für sich selbst auszunutzen. Die Branche, aus der ich kam, (Medienbereich) ist da richtig übel. Und ich denke, das ist heute noch schlimmer.
Ein paar gute Tips: immer schön beim "Sie" bleiben. Man sagt schneller "du Arschloch" als "sie Arschloch". Nie privates Erzählen. Egal ob es etwas positives oder negatives ist. Über das Wetter reden: o.K. Aber z.B. der Beziehungsstress hat auf der Arbeit nix verloren. Keine privaten Unternehmungen mit den Kollegen. Die alljährliche Weihnachtsfeier im Geschäft ist dann schon das höchste der Gefühle. Und bloß nicht in Glühweinlaune auf "Brüderschaft" anstoßen.
Wenn ein Kollege unbedingt mit seinen Privatproblemen zu mir gekommen ist, habe ich ziemlich schnell abgeblockt. (Das kann man sehr gut mit nichtssagenden Phrasen wie z.B.: Ja, ja, schon schlimm heutzutage. Mei, das Leben ist halt nicht immer ein Zuckerschlecken. Da muss man leider manchmal durch

) Zwar hasse ich privat solche unpersönlichen Abfertigungen, aber in so manchem Haifischbecken bin ich gerade deswegen nicht untergegangen)
Ich weiß, das klingt jetzt alles ziemlich krass. Und sicherlich gibt es auch Betriebe, in denen das Betriebsklima "stimmt" und wirklich nette Leute sind. Allerdings sind solche Sachen wirklich die Ausnahme. Man sollte immer längere Zeit abchecken, in was für einem Laden man gelandet ist. Meist stellt sich die Wahrheit erst nach einigen Wochen / Monaten heraus, und dann muss man wenigstens für allzu großes Menschenvertrauen nichts "bereuen". Und wenn die Leute echt in Ordnung sind, dann kann man noch immer die Taktik ändern...