Hallo CiÄsEy,
vielen Dank für dein Kompliment. Ich finde deine Anregung, einen neuen "stubenreinen" Thread zu eröffnen sehr gut und so folge ich dir gerne mit meinem Beitrag in diesen >>>
Ich glaube, es geht hier im Kern um die Frage nach der Integrität (
http://de.wikipedia.org/wiki/Integrit%C3%A4t ) von Herrn Bormann und Herrn Wulff.
Was tun die beiden?
Zum einen pflegen sie nach außen wie nach innen ein Image. Dieses besagt: Unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital, wir sind ihnen dankbar für ihren Einsatz und ohne sie wäre unser Erfolg nicht möglich. So ist es überall in der Firma und auch auf Plakaten davor zu lesen.
Es gibt Kaffee für lau. So viel, wie man möchte. Bei Schulungen sogar Tee, Saft und Gummibärchen. In mancherlei Hinsicht wird man als CSA also regelrecht umschmeichelt. Denn selbstverständlich ist diese Anerkennung der Leistung ihrer Mitarbeiter, da müssen wohl auch harte Kritiker zustimmen, in Deutschlands Firmen nicht.
Der viel beschriebene Quotendruck im Outbound findet, soweit ich das aufgrund meiner eigenen bescheidenen Erfahrung beurteilen kann, in geschickt dosierter Form statt. Es scheint von Herrn Bormann und Herrn Wulff in der Firmenkultur verankert zu sein, dass man seine CSAs (=Telefonagenten) durch zu viel Druck nur demotiviert und dass man als Teamleiter (=Quotengeber) den Druck individuell so zu gestalten hat, dass jeder einzelne seine bestmögliche Leistung bringen kann. Das äußert sich zum Beispiel so, dass jemand, der meistens schlecht verkauft, schon für eine unterdurchschnittliche Tagesquote gelobt wird, solange bei ihm festzustellen ist, dass er sich bemüht. Jemandem, der fast immer Superquoten hat, wird mitgeteilt, dass es ja „noch ein, zwei Abschlüsse mehr“ hätten sein können. Manchem erscheint das wohl ungerecht, aber psychologisch ist das schon recht pfiffig gemacht, dass muss man zugeben. Auf diese Art wird versucht, aus jedem einzelnen Individuum das maximal mögliche an Leistung heraus zu holen, ohne die für die Qualität der Arbeit überlebenswichtige Stimmung im jeweiligen Projekt zu drücken.
Über die hier angesprochenen rein quotenbedingten Kündigungen kann ich nichts sagen, ich habe dergleichen noch nicht mitbekommen.
Aber beleuchten wir auch die andere Seite: Die Gehälter sind –gerade auch in Bezug auf die unwahrscheinlich hohen Anforderungen, denen der einzelne CSA in vielen Projekten gerecht werden muss- mickrig (im Vergleich mit anderen Telefongaleeren müssen sie den Vergleich allerdings nicht scheuen, oder? Eure Meinung, bitte!). Die Ausgestaltung der Arbeitsverträge wird von vielen –und das nicht ohne Grund- als höchst bedenklich empfunden. Die Pausenzeiten bewegen sich bei buw am unteren gesetzlichen Limit. Hier schient die höchstmögliche Produktivität des einzelnen Arbeitsplatzes (gemeint ist hier der, an dem man sitzt) das einzige zu sein, was zählt. Was die Regelungen bei Lohnfortzahlung im Krankheitsfall angeht, sieht es sogar noch schlechter aus (ich hoffe, dass ich es schaffe, mich so auszudrücken, dass hier später nichts editiert werden muss…)
(...)In dem Beitrag von der nix vom 14.04.2006 werden ebenfalls zahlreiche unwahre Behauptungen aufgestellt. Die Stühle sind bei buw in Ordnung. Desweiteren wird auch in den Schutz der Mitarbeiter bezgl. Trillerpfeifen investiert. Der Betriebsrat hat die minimalen gesetzlichen Anforderungen bereits vor langer Zeit umgesetzt. Pausenzeiten bewegen sich nicht am unteren gesetzlichen Limit.
Karsten Wulf
Wie sieht es also wirklich aus in den Köpfen und Seelen von Herrn Bormann und Herrn Wulff? Welche Schlüsse lassen sich aus diesem zwiespältigen Bild, welches uns die beiden liefern, ziehen?
So weit mein wirtschaftlich wie arbeitsrechtlich bescheidener Sachverstand dazu in der Lage ist sind, leider Gottes, zwei Schlüsse möglich. Vielleicht sogar drei…
1. These (
http://de.wikipedia.org/wiki/These)
Es wäre aus den obigen Feststellungen abzuleiten, dass Herr Bormann und Herr Wulf zur Spezies der abgebrühten Kapitalisten zählen. Das ganze „Unsere Mitarbeiter sind die Nr.1“-Image fällt inklusive Kaffee und Gummibärchen unter Augenwischerei. Die beiden sind ausgesprochen intelligent und überaus einfallsreich, was das Täuschen und Ausquetschen ihrer Mitarbeiter angeht und speisen daraus ihr Ego und ihr Bankkonto. Sie scheffeln ihre Millionen und erfreuen sich auf perverse Art und Weise daran, wie schlau und überlegen sie doch offensichtlich gegenüber dem durchschnittlich dummen Mitarbeiter sind. Zum Ausgleich dafür wirkt natürlich ihr Karma dementsprechend und sie sind nicht in der Lage, sich über die Schönheit eines Abendhimmels zu freuen (c;
(Ich möchte hier noch einmal betonen: Es handelt sich um eine These. Ich erlaube mir hier ausdrücklich keine Beurteilung meiner Chefs. Es wäre auch nicht meine Art, an dieser Stelle anonym in die Hand zu beißen, die mich füttert. Vielleicht eine in diesem Forum etwas unpopuläre Einstellung…)
2. These
Die beiden sind korrekte Kollegen. Sie sind gezwungen, so zu handeln, wie sie handeln. Es herrscht nun mal das Gesetz des Marktes, und dieser ist im Bereich der Callcenter heiß umkämpft. Wenn alle anderen Callcenter ihre Mitarbeiter ausbeuten bis zum letzten, muss ich schon ganz schön gerissen sein, um zu überleben, obwohl ich meine Mitarbeiter nur bis zum vorletzten ausquetsche. Das immense Wachstum der Firma buw steht auf tönernen Füßen und es ist nun einmal wirklich dringend notwendig, an allen Ecken und Enden (=Mitarbeitern) zu sparen, um ihr ein einigermaßen existenzsicherndes Eigenkapital (soweit denn ein solches existiert) zu erschaffen. Eventuell, diese Überlegung sollte man zumindest auch einmal mit in Betracht ziehen, arbeitet buw ja tatsächlich permanent auf des Messers Schneide zwischen weiterleben und untergehen. Unter diesen Vorraussetzungen würde einiges von dem Umgang mit Mitarbeiterrechten nachvollziehbarer werden (Der Umgang mit der Gesundheit von Mitarbeitern stellt sich so allerdings noch in einem ganz anderen Licht dar: Sollte es buw tatsächlich nicht möglich sein, in intakte Bestuhlung und lautstärkegeschütze Headsets zu investieren, scheint es dem Unternehmen wirklich schon ganz bedenklich schlecht zu gehen…).
Den buw-Mitarbeitern geht es im Vergleich zu denen anderer Callcenter gut. Es existieren 1800 Arbeitsplätze bei buw, und das haben die beiden nur schaffen können, indem sie ihren Kunden echte Qualität anbieten. Und die Qualität der Arbeit bei buw ist absolut überdurchschnittlich. Das weiß jeder buw-Mitarbeiter, der schon einmal mit den Hotlines anderer Callcenter das ’Vergnügen’ hatte.
Egal, welche der beiden Thesen den Nagel auf den Kopf trifft (wenn es überhaupt eine der beiden tut… -aber einfach mal angenommen): In beiden Fällen gäbe es für meine Chefs (die sich übrigens als einzige in der Firma nicht duzen lassen (c; ) sehr gute Gründe, ihren Geschäftsbericht, der die Wahrheit an das Tageslicht bringen würde, nicht zu veröffentlichen. Träfe die erste These zu, würde ihr menschenverachtendes Weltbild zu Tage treten…- das wäre gar nicht gut für das eigene Image und die Motivation der Mitarbeiter. Träfe die zweite These zu, wäre eventuell das Erscheinungsbild der buw bei ihren Kunden angeknackst. Wer arbeitet schon gerne mit einer Firma zusammen, die keine solide Geschäftsbasis aufzuweisen hat… .
Und so werden wir die Antwort auf die anfangs von mir angesprochene Kernfrage vielleicht nie erfahren…
Nebenbei kam mir aber auch noch eine 3. These:
Das schizophrene Gebaren der Firma buw gegenüber ihren Mitarbeitern liegt einfach darin begründet, dass sie zwei Geschäftsführer hat… . Die weitere Ausgestaltung dieses Gedankens überlasse ich gerne eurer Fantasie… (c;
Im Endeffekt liegt die Wahrheit wohl, wie in so vielen Fällen, irgendwo in der Mitte. Schwarz und Weiß sind die Farben Hollywoods –das echte Leben ist bunt! Hoffe ich zumindest…
Nun sind ja am 18. Mai Betriebsratswahlen und es ist sehr interessant mit anzusehen, wie die Emotionen bei buw deswegen jetzt schon ganz schön hoch köcheln.
Für alle Wahlberechtigten wird sich hier die Chance bieten, das eine oder andere Gewicht in ihrer Firma zu ihren eigenen Gunsten zu verschieben.
Eventuell haben wir bald einen Betriebsrat, der alles daran setzt, die gesetzlichen Vorgaben bezüglich der Arbeitsbedingungen bei buw durchzusetzen. Man munkelt ja, dem aktuellen Betriebsrat würde es diesbezüglich etwas an Motivation fehlen. Darüber kann ich mir allerdings aufgrund von Unwissenheit kein Urteil erlauben. Zumindest kein öffentliches.
Ob ein neuer Betriebsrat buw schaden wird??? Vielleicht werden wir es bald erfahren…. >