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Autor Thema: Gefängnisse so voll wie seit 1990 nicht mehr  (Gelesen 18682 mal)
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ManOfConstantSorrow


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« Antworten #60 am: Dezember 31, 2009, 12:13:31 »

Zitat
Prekariat im Gefängnis
Thomas Meyer-Falk 31.12.2009
Das Leben im Vollzug soll den allgemeinen Lebensverhältnissen soweit als möglich angeglichen werden; so lautet § 3 Abs. 1 Strafvollzugsgesetz (Bund). In aller Regel nutzen die Vollzugsanstalten jedoch diese Bestimmung nur immer weitere Verschlechterungen für sie Gefangenen durchzusetzen. Während beispielsweise heute in fast jedem Haushalt ein Computer steht, wird Gefangenen konsequent der Besitz eines PCs verboten.

Im Folgenden soll von prekären Arbeitsverhältnissen hinter Gittern die Rede sein. Gefangene und Sicherungsverwahrte sind zur Arbeit verpflichtet (§ 41 Abs. 1 Satz 1 StrVollzG-Bund). Als Arbeitsbelohnung zahlt der Staat zwischen knapp 8 Euro und 13 Euro pro Arbeitstag, was einem Stundenlohn von etwas mehr als einem Euro bis zu 1,70 Euro entspricht.

Dem jeweiligen Arbeitsplatz ist eine bestimmte Lohnstufe zugeordnet (vgl. Strafvollzugsvergütungsordnung); angefangen bei Lohnstufe 1 (welche für Arbeiten einfacher Art, die keine Vorkenntnisse erfordern gedacht ist), über Lohnstufe 2, 3 und 4, bis hin zu Lohnstufe 5, für Arbeiten die ein besonderes Maß an Können, Einsatz und Verantwortung, welche über die eines Facharbeiters hinausgehen, erfordern.

In den letzten Monaten fand nun in der JVA Bruchsal eine radikale Neubewertung der Arbeitsplätze statt; offenbar einzig diktiert von dem Ziel Gelder einzusparen. So werden heute konsequent Gefangene, die noch vor kurzem mit Lohnstufe 3 eingestellt wurden (also für Arbeiten, die eine Anlernzeit erfordern und durchschnittliche Anforderungen an die Leistung und Geschicklichkeit stellen) bei Arbeitsaufnahme die Lohnstufe 2 (Arbeiten die eine Einarbeitungszeit erfordern und im übrigen zur Lohnstufe 1 gehören) bezahlt, erhalten also statt etwas mehr als 10 Euro pro Arbeitstag, nur wenig mehr als 9 Euro.

Sieht die o.g. Strafvollzugsvergütungsordnung bei überdurchschnittlicher Leistung eine Zulage von bis zu 30% vor, so darf nach Vorgabe der Betriebsleitungen maximal 7,5% im Durchschnitt gewährt werden. Wird also jemand 10% Zulage ergattern muss jemand anders auf 2,5% verzichten.

Beliebt ist auch, Gefangene die aus Mangel an Aufträgen (denn vielfach arbeiten Gefangene Aufträge aus der freien Wirtschaft ab) nicht beschäftigt werden können, nach einem Monat formal zu "kündigen", sprich sie verlieren ihren Arbeitsplatz, um dann bei Verbesserung der Auftragslage wieder eingestellt zu werden. Jedoch, die geneigte Leserschaft kann es sich denken, zu verschlechterten Konditionen, nämlich im Regelfall nach Lohnstufe 2 ohne jegliche Zulagen, egal wie gut die Arbeitsleistung auch sein mag.

Eine wahrhaft punktgenaue Umsetzung des eingangs zitierten Paragrafen und eine Vorbereitung auf das Leben "draußen". So macht zum Beispiel die Drogeriemarktkette SCHLECKER regelmäßig Schlagzeilen, wenn sie kleinere Märkte schließt, die Belegschaft entlässt um oftmals nur wenige Meter entfernt SCHLECKER-XXL-Märkte zu eröffnen. Dort werden dann Beschäftigte nur noch über eine Zeitarbeitsfirma (welche dem Schleckerkonzern zugerechnet wird seitens der Gewerkschaft) eingestellt, zu einem Lohn von unter 7 Euro die Stunde, ohne Urlaubsgeld, ohne Weinachtsgeld und mit weniger Urlaub.

Die Bereitschaft sich zu wehren ist jedoch nicht sonderlich ausgeprägt bei den betroffenen Gefangenen, denn sie fürchten als Querulant abgestempelt, dann auch noch den nur spärlich entlohnte Job zu verlieren und am Ende mit 30 Euro Taschengeld im Monat dazustehen, anstatt mit 50 oder 60 Euro (das ist der Betrag der effektiv für den Kauf von Nahrungs-/Genuss- und Körperpflegemitteln verwandt werden kann, denn hierfür dürfen 3/7 des Lohn verwandt werden. 4/7 wandern auf ein Sperrkonto zu Schuldentilgung oder für die Zeit nach einer Entlassung).

Und so setzt sich auch hinter Gittern die rigide Wirtschaftspolitik fort.

Thomas Meyer-Falk, c/o JVA-Z. 3113, Schönbornstr. 32, D-76646 Bruchsal

 http://www.freedom-for-thomas.de
 http://www.freedomforthomas.wordpress.com

http://de.indymedia.org/2009/12/270143.shtml
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Abraxas


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« Antworten #61 am: Januar 10, 2010, 10:08:24 »

kennst du den ort wo die sonne nie lacht
wo man aus menschen idioten macht
wo man den kaffee aus eimern säuft
und wie ein hammel im kreis rumläuft
wo man verliert moral und tugend
das ist der knast das grab meiner jugend
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"es ist eine dumme idee menschen schlecht zu behandeln, die mit deinem essen alleine sind"
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« Antworten #62 am: Januar 31, 2010, 21:05:04 »

kennst du den ort wo die sonne nie lacht
wo man aus menschen idioten macht
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Komisch, ich dachte du beschreibst meine letzte Arbeitsstelle  Sad
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Da mag dein Anstreicher streichen,
den Riß streicht er uns nicht zu!
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entweder ich oder du.
Und was immer ich auch noch lerne,
das bleibt das Einmaleins:
Nichts habe ich jemals gemeinsam
der Sache des Klassenfeinds.
Kuddel


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« Antworten #63 am: Juni 20, 2010, 12:55:31 »

Zitat
Anti-Knast-Aktionstag in Köln


Auch in Köln fanden anlässlich des in deutschsprachigen Ländern stattfindenden Aktionstags gegen Knäste am 18. Juni einige Aktionen statt. Am Freitagabend zeigte das Anarchistische Forum zwei Filme zur Privatisierung von Gefängnissen und über Repression gegen Knastrevolten.
 http://anarchistischesforumkoeln.blogsport.de/2010/06/14/anti-knast-filmabend-am-18-juni-2010/

Am Samstagvormittag fand dann eine Kundgebung mit etwa zwanzig Leuten in Köln-Kalk statt, auf der Redebeiträge gehalten, Musik gespielt und etwa 300 Flugblätter in Deutsch und Türkisch verteilt wurden.

Anlass war unter anderem der im Bau befindliche privatisierte Knast in Ratingen, der von der Securityfirma KÖTTER betrieben werden soll und der erste Privatknast in Nordrhein-Westfalen ist. Ausserdem gab es Infos zu politischen Prozessen in der BRD.

Zu der Kundgebung an Kalk-Kapelle hatte das Autonome Knastprojekt aufgerufen, das sich leider gegen den Kundgebungsort Kalk-Post entschieden hatte. Dort findet direkt neben dem neuen Polizeipräsidium nämlich eine ständige Vertreibungspolitik und Kriminalisierung gegen Drogennutzer/innen und - verkäufer/innen statt...
 http://autonomes-knastprojekt.blogspot.com/2010/06/aktionstag.html

Am Nachmittag gab es dann eine weitere Filmvorführung im Autonomen Zentrum, wo ein Spielfilm über die Härten des Knastalltags gezeigt wurde.
 http://autonomes-knastprojekt.blogspot.com/2010/06/film-zum-anti-knast-aktionstag.html

Auch in anderen Städten hatten anarchistische Gruppen zu Aktionen für eine Gesellschaft ohne Knäste und Repression aufgerufen ( http://no129.info/19juni.html):

Aachen
 http://a3ac.wordpress.com/2010/06/08/19-06-2010-aktionstag-gegen-eine-geknastete-gesellschaft/

Berlin
 http://www.abc-berlin.net/aktionstag-gegen-eine-geknastete-gesellschaft-am-19-juni-2010

Düsseldorf
 http://no129.info/19juni/100619_duesseldorf.html

Rostock
 http://manfred.blogsport.de/2010/06/16/der-knast/

Stuttgart
 http://no129.info/19juni/100619_stuttgart.html

Tübingen
 http://www.jpberlin.de/tueinfo/cms/node/19159


Zitat
Text zur Situation Privatknast Ratingen

Gegen Privatisierung, Ausgrenzung und Ausbeutung!Für eine solidarische Gesellschaft!
Seit vielen Jahren läuft in dieser Gesellschaft ein massiver Prozess der Entsolidarisierung. Dieser Prozess geht einher mit einer zunehmenden Verarmung großer Teile der Bevölkerung. Angst vor dem sozialen Abstieg prägt das Leben vieler Menschen.

Die Herrschenden versuchen unsere Wut auf vermeintliche Sündenböcke zu lenken:
Die faulen Griechen, die arbeitsscheuen Arbeitlosen, die bösen Knackis usw.. Die NiedriglöhnerInnen haben Angst vor Hartz IV, deshalb schlucken sie miserable Arbeitsbedingungen und Hungerlöhne.

Eine ganze Industrie hat sich auf die Ausbeutung und Disziplinierung der Arbeitlosen konzentriert. Nun soll die wirtschaftlich Ausbeutung der Gefangenen vorangetrieben werden. In den USA und China ist dieser Prozess schon viel weiter fortgeschritten.

Viele Produkte aus Billigläden stammen aus chinesischen Arbeitslagern. Seit der Privatisierung vieler US-Knäste sind die Gefangenenzahlen dramatisch angestiegen. Die Gefängnisindustrie hat einen immensen Hunger nach neuen billigen Arbeitskräften. Diesen Weg will nun auch Deutschland gehen.

In Ratingen wird derzeit der erste Privatknast in NRW gebaut. Gebaut von der Firma Bilfinger und Berger (ja, die mit dem Kölner U-Bahn-Einsturz). Betrieben werden soll der Knast dann von der Firma KÖTTER. Die schwarzen Sheriffs dieser Firma kennen wir alle. Sie schmeißen uns beispielsweise aus der ARGE, wenn wir unser Geld einfordern. Ob am Flughafen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln - überall treffen wir auf diese Söldner. Draußen können wir den Typen aus dem Weg gehen. Die Gefangenen können dies nicht. Mal ehrlich, möchtet Ihr den ganzen Tag diesen KÖTTERTypen ausgeliefert sein?

Sind denn privat-kapitalistische Knäste noch schlimmer als staatliche ?
Knast ist unverzichtbarer Bestandteil des kapitalistischen System (dies gilt auch im Pseudosozialismus = Staatskapitalismus).
Wenn wir deshalb für eine Gesellschaft ohne Knäste kämpfen, kämpfen wir zwangsläufig für eine antikapitalistische Gesellschaft.

Diese Gesellschaft speist immer mehr Menschen mit Almosen ab, während sich wenige die Taschen voll machen. Diese Eigentumsordnung kann nur mit Hilfe des Knastsystems aufrechterhalten werden. Wie sonst sollten die Armen davon abgehalten werden, sich von den Reichen zu holen, was sie brauchen? Insofern schützen natürlich auch staatliche Knäste das kapitalistische Ausbeutungssystem. Um angesichts zunehmender Verarmungdraußen die abschreckende Wirkung des Knastes aufrecht zu erhalten, müssen die Lebensbedingungen der Gefangenen immer mehr verschärft werden. Einerseits werden die verhängten Strafen immer länger (Stichwort: Sicherungsverwahrung), andrerseits wächst der Druck, das Maximum aus der Arbeitskraft der Gefangenen rauszuholen.

Genau hier setzen die Betreiber von Privatknästen an. Einerseits setzen sie auf Einsparungen in der medizinischen, sozialen und psychologischen "Versorgung" der Gefangenen (alles schon bei staatlichen Gefängnissen eine Farce bzw. Teil der Disziplinierung.). Andrerseits müssen die Gefangenen alles, was sie brauchen (Nahrungsmittel, Schreibwaren, Toilettenartikel usw.) beim privaten Knastbetreiber kaufen. Dass so ein privatkapitalistisches Monopol zu überhöhten Preisen führt, dürfte wohl nachvollziehbar sein. Der wichtigste Punkt liegt allerdings in der Ausbeutung der Arbeitskraft. Berufliche Ausbildungsmaßnehmen, die es schon heute zu wenig gibt, dürften wohl bald der Vergangenheit angehören. Industrielle Akkordarbeit ist für die privaten Knastbetreiber viel lukrativer.
Knast ist Ländersache. In einigen Bundesländern gibt es bereits Privatknäste. Von dort ist nichts Gutes zu hören. Wenn jetzt in Ratingen der erste Privatknast in NRW gebaut wird, so wird damit auch hierzulande eine Entwicklung in Gang gesetzt, die wir nicht wollen.
Deshalb
Kein Privatknast in NRW (und anderswo)!
KÖTTER das Repressionsgeschäft versauen!
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« Antworten #64 am: Juni 20, 2010, 13:25:34 »

Kürzlich wurde einem Kumpel wegen 15 EURO unbezahlter Verwarnung vom Amtsgericht Erzwingungshaft angedroht.

Dieses Land ist ganz schön runtergekommen.
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Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!
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« Antworten #65 am: Juni 20, 2010, 13:33:27 »

Siehste, ich habe solche netten Erfahrungen schon 1996 machen dürfen. Auch ne Hausdurchsuchung. Ich schrub schon vor etlichen Monaten darüber.

Das hat nicht mal die diktatorische, unrechtsstaatliche DDR fertiggebracht.
Aber vielleicht war ich ja IM und weiss es gar nicht....
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« Antworten #66 am: Juni 20, 2010, 17:33:58 »

Und strafverschärfend kocht EUREST auch in Knästen
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« Antworten #67 am: Juni 21, 2010, 11:25:43 »

Der Knast hat keine klaren Mauern mehr. Teile der Gesellschaft werden zunehmend nach Knastvorbild organisiert. Die Reichen verschanzen sich in "Gated Cities", von Mauern umschlossenen und Wachdiensten bewachten Wohnvierteln.

Den Armen versucht man nun einfach Grundrechte zu entziehen. In Frankreich diskutierte man das Verbot für Internetzugang für Leute, die sich mit "illegagen Downloads" strafbar gemacht haben. Neben dem Abschneiden von Möglichkeiten der Kommunikation, gibt es auch das Einschränken der Bewegungsfreiheit:

Das sehen CDU und SPD ähnlich:
Zitat
Wer klaut, muss bald zu Fuß gehen

Diese Strafe tut richtig weh: Delikte wie Diebstahl oder Körperverletzung sollen künftig mit Führerscheinentzug geahndet werden. Das planen die Justizminister der Länder laut einem Pressebericht, schon in wenigen Tagen könnte eine Entscheidung fallen.
http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,701763,00.html
Zitat
Kolb befürwortet Fahrverbot als Strafe bei Alltagskriminalität

Sachsen-Anhalts Justizministerin Angela Kolb (SPD) befürwortet ein Fahrverbot als Strafe auch für nicht im Straßenverkehr begangene Delikte. «Aus unserer Sicht ist das Fahrverbot beispielsweise nach entsprechenden Rohheitsdelikten durchaus ein geeignetes Instrumentarium», sagte Kolb der in Halle erscheinenden «Mitteldeutschen Zeitung».
http://www.ad-hoc-news.de/kolb-befuerwortet-fahrverbot-als-strafe-bei--/de/News/21413734

Und natürlich gibt es noch die gute alte Fußfessel
Zitat
Auf freiem Fuß - aber in Fesseln

Dutzende Schwerverbrecher werden in den nächsten Wochen aus Gefängnissen entlassen. Mit elektronischen Fußfesseln sollen sie unter Kontrolle bleiben. Worauf sich die Bundesregierung bereits geeinigt hat, müssen nun die Justizminister absegnen.
http://www.sueddeutsche.de/politik/umgang-mit-schwerverbrechern-auf-freiem-fuss-aber-in-fesseln-1.962489

Die Beschränkung der Bewegungfreiheit wird bereits seit Jahren praktiziert bei Migranten, die einen Antrag auf Asyl gestellt haben. Was man dort ohne gesellschaftlichen Widerspruch praktizieren konnte, will man nun auf die Armen übertragen, wenn sie sich nicht zu benehmen wissen...
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« Antworten #68 am: Juni 21, 2010, 15:09:37 »

Beispiel Groß Britannien:

Zitat
Statistik von Credit Action UK, Februar 2010:
Jeden Tag werden 1841 Beschäftigte entlassen
(auf dem Höhepunkt im August 2009 waren es 3300 pro Tag),
alle 11,4 Minuten wird eine Wohnung zwangsgeräumt,
alle 3,69 Minuten meldet jemand Privatinsolvenz oder Bankrott an,
jeder Haushalt hat durchschnittlich 58.040 Pfund Schulden,
jeden Tag steigt die Staatsverschuldung um 384,9 Millionen Pfund.


Zitat
Im April 2009 gab das britische Justizministerium Pläne für den Bau einer neuen JVA mit 1500 Plätzen auf dem Gelände des früheren Ford-Werks in Dagenham bekannt. Besser hätte man nicht zusammenfassen können, was das Proletariat von der herrschenden Krisenpolitik zu erwarten hat. Aber am Fortgang der Geschichte zeigt sich auch die gleichzeitige Eindämmung und Vertiefung der sozialen Spannungen im Lauf des letzten Jahres. In Dagenham hat der Staat nach einer großen Kampagne des dortigen Labour-Abgeordneten und des Stadtrats letztlich im Einzelfall nachgege­ben: Dieses konkrete Gewerbegebiet wird also nicht von einem Knast verschandelt, aber anderswo sind weiterhin genau dieselben Projekte geplant, und die Regierung wird ihr »Versprechen« halten und 96.000 Menschen einsperren. Die Wildcat-These vom März 2009 – »die Krisenmaßnahmen der Herrschenden zielen bisher nicht auf einen Wiederaufschwung, sondern darauf, politisch zu über­leben« – hat sich inzwischen praktisch bestätigt.
http://www.wildcat-www.de/wildcat/87/w87_hoelle.htm
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« Antworten #69 am: Juni 22, 2010, 19:32:03 »

Recht ist was dem Volke nüzt-bis das ganze Volk dan sitzt
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« Antworten #70 am: Juni 29, 2010, 17:10:03 »

Zitat
Häftlinge beenden Hungerstreik in JVA Bielefeld

Zehn von elf Häftlingen der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede haben ihren Hungerstreik beendet. Das bestätigte die Anstaltungleitung am Dienstag (29.06.10). Die Inhaftierten hatten damit seit Donnerstag gegen die angebliche Bespitzelung durch einen russisch sprechenden Vollzugsbeamten protestiert.

Die Häftlinge gaben an, dass sie sich ausgespäht fühlten, da der Beamte ihre Unterhaltungen verstehen könne. Mit dem Streik wollten sie die Versetzung des Beamten erreichen; die Anstaltsleitung ging jedoch nicht auf die Forderung ein.

Wie erst jetzt bekannt wurde, nahm sich am Sonntag ein Gefangener in der JVA in Bielefeld in seiner Einzelzelle das Leben.

Stand: 29.06.2010
http://www.wdr.de/themen/kurzmeldungen/2010/06/29/haeftlinge_beenden_hungerstreik_in_jva.jhtml
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« Antworten #71 am: Juli 02, 2010, 18:17:20 »

Als ich meine Jahre in Rocki Hill absoviert habe wurde ich von Deutschsprechenden Wachteln bespizelt.
Kann zum Glück einigermaßen Manisch buckern. Das ham die nicht gerafft
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« Antworten #72 am: Juli 09, 2010, 15:53:10 »

Stichwort: medizinische Versorgung im Gefängnis; wie Inhaftierte behandelt werden

Text von Thomas Meyer-Falk aus der JVA Bruchsal

Im Januar hatte ich von den Gedanken und Einfällen des Leiters der Justizvollzugsanstalt Bruchsal ( http://de.indymedia.org/2010/01/270575.shtml) berichtet; u.a. von der Streichung von 23 Besuchstagen für 2010. An diesen Tagen sollte dann gar kein Besuch in der JVA möglich sein. Zwischenzeitlich änderte der Anstaltsleiter seine Verfügung und begründete dies mit der steigenden Belegung der Anstalt, sodass er nicht mehr an der Streichung der Besuchstage für 2010 festhalten wolle.

Der Anstaltsarzt

Dafür macht nun der Anstaltsarzt, Dr. med. Peter Maier von sich reden; seit Sommer 2009 in der JVA Bruchsal tätig, nachdem er eine Hausarztpraxis aufgegeben hatte. Der Gefangenenvertretung gelang es trotz mehrfacher schriftlicher Anfragen nicht, ihn zu einem Gespräch zu bewegen, in der Zeit, in der ich selbst Mitglied dieses Gremiums war.

Arzt-Patienten-Beziehungen sind etwas sehr persönliches und auch fragiles, gerade in einem Gefängnis. Dort kann sich kein Patient den Arzt aussuchen, sondern muss mit dem Doktor vorlieb nehmen, der in der JVA Dienst tut. Auch der Gesetzgeber tut das Seine dazu, eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung auszuhöhlen, indem er den Arzt zwingt, bestimmte Sachverhalte, die diesem durch die inhaftierten Patienten bekannt werden, dem Anstaltsleiter zu melden (sogenannte „Offenbarungspflicht“).

Diabetikerkost gestrichen


Mit Schriftsatz vom 11.06.2010 (Titel: „Umstellung Diabetikerkost“) informierte Dr. Maier seine Patienten, welche an Diabetes leiden, dass sie ab 01.07.2010 keine Diabetikerkost mehr erhalten würden.

Dabei berief sich der Anstaltsarzt auf nicht näher bezeichnete „Fachgesellschaften“, welche sich ihrerseits auf von ihm nicht näher bezeichnete „internationale Studien“ beziehen würden, sodass für die betroffenen Gefangenen die Hintergründe letztlich völlig im Dunkeln blieben, da sie seine Informationen nicht verifizieren können.

Ab sofort, so der Arzt, liege es „in der Eigenverantwortung eines jeden selbst“, auf die der chronischen Erkrankung angemessene „Energiezufuhr zu achten“.

Substitutionstherapie gekürzt

Am 01.07.2010 folgte die nächste Verlautbarung aus dem Arztrevier, in Gestalt des ehemaligen Haus- und nunmehrigen Anstaltsarztes Dr. Maier.

In jeder Haftanstalt findet sich ein erheblicher Anteil an Inhaftierten mit akuten und/oder chronischen Drogenproblemen. Um den Entzug zu mildern, wird deshalb auch in Gefängnissen die Substitution (z.B. mit Methadon) zunehmend praktiziert, welche im Allgemeinen gut angenommen wird. Um „Missbrauch“ des Substitutionspräparats zu verhindern, müssen die entsprechenden Patienten in der JVA Bruchsal morgens gegen 6:20 Uhr von ihrem Stationsbereich in das Anstaltsrevier „vorgeführt“ werden, um dort das Medikament einzunehmen.

Angeblich führe die schiere Zahl von etwa 20 Substituierten „zunehmend zu Problemen organisatorischer Art“, welche, so der Doktor weiter, „mit der derzeitigen Personaldecke nicht mehr zu bewältigen“ seien.

Sich offenbar zügig an die Diktion im Gefängnis angepasst, lässt er uns Gefangene wissen: „Aus diesem Grund wird beschlossen: die Anzahl der Substitutionspatienten wird reduziert.“ Ferner, so der Anstaltsarzt weiter, werde er „bis zum Erreichen einer akzeptablen Anzahl an Substitutionspatienten (12)“ keine weiteren Patienten in das Programm aufnehmen. Dies bedeute, „dass zuerst 8 !! Patienten ausscheiden müssen“ (Ausrufezeichen im Original).

Körperliche Unversehrtheit?

Nun gilt, zumindest in der Theorie, auch im Gefängnis das Recht auf Leben und Gesundheit; außerdem regelt Artikel 104 Absatz 1 Grundgesetz ausdrücklich, dass „festgehaltene Personen (…) weder seelisch noch körperlich mißhandelt werden“ dürfen.

Es gibt auf den Fluren murrende Insassen, die sich fragen, wofür denn der Arzt und sein Personal so üppig bezahlt werden, wenn „Probleme organisatorischer Art“ herhalten müssen, um die Substitution einzuschränken. Aber wo kein Kläger, da kein Richter – und bereit sich namentlich zitieren zu lassen war keiner der betreffenden Gefangenen. „Den muss man doch anzeigen“, so ein verzweifelter Einwurf eines Inhaftierten; aber aus der Praxis kann berichtet werden, dass selbst wenn Gefangene zu Tode kommen, sich letztlich fast nie eine Verurteilung eines Gefängnisarztes erreichen lässt.

Vorbereitung auf das Leben nach der Haft

Letztlich könnte man die Maßnahmen des Dr. Maier auch als punktgenaue Umsetzung des im Strafvollzugsgesetz verankerten „Angleichungsgrundsatzes“ (in § 3 Abs. 1 StVollzG-Bund heißt es: „Das Leben im Vollzug soll den allgemeinen Lebensverhältnissen soweit als möglich angeglichen werden.“) werten. Nämlich Kürzung und Rationierung medizinischer Leistungen für das Prekariat!

Thomas Meyer-Falk, z.Zt. JVA – Z. 3113, Schönbornstr. 32, D-76646 Bruchsal
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« Antworten #73 am: August 16, 2010, 17:26:28 »

Zitat
Rendite auf Schuld und Sühne

1,5 Millionen US-Amerikaner sitzen derzeit in Gefängnissen quer über das Land verteilt.



In den USA sitzen 1,5 Millionen Menschen im
Gefängnis - Das Bestrafungs-Business privater
Haftanstalten floriert. Private Unternehmen im
Strafvollzug drängen vermehrt auf den Markt,
die US-Bundesstaaten hoffen damit, ihre Kosten
für den Strafvollzug senken zu können.

     
Investoren können mit den oft börsenotierten
Unternehmen Gewinne erzielen - Rendite auf
Schuld und Sühne.

Medienwirksam wanderte Lindsay Lohan vor Kurzem in den Häfen. Die US-Mimin folgte damit nicht nur einer Vielzahl prominenter Häftlinge, sie ist auch allgemein in guter Gesellschaft: Ungefähr 1,5 Millionen US-Amerikaner sind derzeit in Haft. Die USA halten damit weiterhin Rang eins beim Anteil der Häftlinge an der Gesamtbevölkerung. Zwar ging die Zahl der Inhaftierten Anfang 2010 leicht zurück, zwischen 1972 und 2008 aber vergrößerte sich die Gruppe der Insassen um nicht weniger als 705 Prozent. Strengere Gesetze und ein generell schnelles Händchen der Justiz bei der Verhängung von Haftstrafen zeigten eben ihre Wirkung.

Bundesgefängnisse platzten folglich aus allen Nähten, die Betten sind schon seit Jahren knapp, die Kosten explodierten, allein in den vergangenen 20 Jahren haben sie sich vervierfacht. Schon Anfang der 1980er Jahre startete daher eine Privatisierungswelle zumindest eines Teils des Strafvollzugs.

Flexibilität und Kostentransparenz sind die Schlagwörter, die Befürworter der Entstaatlichung ins Treffen führen. Privatisierungs-Gegner hingegen stellen auch die Frage danach, ob der Strafvollzug damit nicht den Geschicken des Marktes vollends ausgeliefert sei. Unternehmen müssen in erster Linie Geld verdienen - für sich und für ihre Investoren. Einer Ausbeutung von Gefangenen und einem Zurechtbiegen der Strafverfolgung für wirtschaftliche Zwecke stünden dabei Tür und Tor offen. Meldungen von bestochenen Richtern, die gegen Bezahlung Jugendliche in Besserungs-Anstalten schickten, reden den Warnern das Wort.

Florierendes Geschäft

Die mit der Privatisierung entstanden Unternehmen - mag es auch zynisch klingen - florierten jedenfalls. Nicht zu vergessen, dass so mancher private Gefängnis-Anbieter auch den Kapitalmarkt angezapft und sich Investoren - kleine wie große - ins Boot geholt hat. "Ethisches Investment" ist das natürlich nicht. Wer sich von solcherlei moralischen Bedenken aber nicht beeindrucken lässt, kann nach wie vor auf einen boomenden Markt setzen und seine Rendite mit Schuld und Sühne erzielen. Unlängst stellten Analysten in einem Bericht der Financial Times Deutschland auch den Zusammenhang zwischen wirtschaftlich schlechten Zeiten, steigender Kriminalität und der damit krisensicheren Gefängnis-Branche her. Das Geschäft mit dem Knast profitiert von einer wankenden Gesellschaft.

Der private US-Marktführer Corrections Corporation of America (CCA) zum Beispiel beherbergt 75.000 Häftlinge in den USA. In den letzten fünf Jahren konnte das Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 2,4 Milliarden Dollar (ca. 1,6 Milliarden Euro) ein jährliches Umsatzwachstum von 8,19 Prozent aufweisen. Auch wenn sich die an der New York Stock Exchange gelisteten Titel von ihrem Allzeithoch Anfang des Jahres 2007 mittlerweile wieder verabschieden mussten, innerhalb eines Jahres legten die Papiere von CCA doch um 22,4 Prozent zu. Im Quartalsbericht von CCA werden dann aber auch ganz kühl Kennzahlen wie die Einkünfte pro Mann und Tag aufgelistet: Im zweiten Quartal 2010 waren es 17,76 Dollar, die CCA pro Häftling eingenommen hat, ein bisschen weniger als noch im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Auch der zweite am US-amerikanischen Privat-Gefängnis-Markt, Geo Group, kann sich nicht beklagen - um 26,8 Prozent schnellten die Aktien auf Jahressicht nach oben. Cornell Companies, mit einer Marktkapitalisierung von 420 Millionen Dollar eher ein kleiner Fisch, ist im Jahresranking aber ein ganz großer: Fast um 70 Prozent verteuerten sich die an der NYSE gelisteten Titel, und bewegen sich stetig um ihr Allzeithoch.

Kein Einbruch in Sicht

Neben den eigenen Gefängnissen übernehmen so gut wie alle Unternehmen am Markt auch die Verwahrung und Verpflegung von Gefängnis-Insassen in Anstalten der US-Justiz. Die Ausgaben stellen sie den Bundesstaaten in Rechnung. Einer Studie aus dem Jahr 2008 zufolge, sparten die US-Bundesstaaten bis zu 15 Millionen Dollar jährlich zwischen 1999 und 2004, wenn sie zumindest einige Teile des Strafvollzugs an private Anbieter ausgelagert hatten. Außerdem dürfte beispielsweise auch das umstrittene Einwanderungs-Gesetz des Bundesstaates Arizona für einen anhaltenden Boom sorgen. Einer Studie zufolge sind allein in Texas 2005 gute 1,2 Milliarden Dollar in die Unterbringung von illegalen Einwanderern vor ihrem Prozess oder der Abschiebung in privaten Haftanstalten geflossen.

Da nicht alle Häftlinge so rasch wie Lindsay Lohan wieder auf freien Fuß beziehungsweise in eine Entzugsklinik entlassen werden, muss das Bestrafungs-Business wahrscheinlich auch in Zukunft keinen Geschäftseinbruch fürchten: Nach 14 Tagen war die Schauspielerin draußen. (Daniela Rom, derStandard.at, 16.8.2010)
http://derstandard.at/1280984622622/Haefen-Geschaefte-Rendite-auf-Schuld-und-Suehne
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« Antworten #74 am: August 24, 2010, 18:06:01 »

Zitat
Hungerstreik in Sicherungsverwahrung beendet
Der Hungerstreik bei den Sicherungsverwahrten im Gefängnis in Burg ist beendet. Der letzte der fünf Streikenden habe seine Protestaktion abgebrochen, sagte die Sprecherin des Justizministeriums, Karola Waterstraat, am Dienstag in Magdeburg. Die Streikenden protestieren dagegen, dass sie keine eigenen Fernseher benutzen und auf dem Freigelände außerhalb des Gefängnisses keine private Kleidung tragen dürfen. Es gebe noch acht «Trittbrettfahrer» bei den Strafgefangenen, sagte Waterstraat. Sie verweigern das Essen mit der Begründung, es schmecke nicht. Es sei nicht auszuschließen, dass sich die Häftlinge Vorräte angelegt haben.
http://www.naumburger-tageblatt.de/ntb/ContentServer?pagename=ntb/ticker&listid=1018973650056&aid=1277470387860
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