Hallo Trudchen!
ja, wir waren ein wehrhaftes Völkchen, aber steter Tropfen höhlt den Stein. Der stete Tropfen heist Angst, Existanzangst.
Auch ist die Solidarität untereinander sehr schnell verloren gegangen.
Ja, das sind die Auswirkungen "unseres" Systems. Der Mensch wird in Existenzangst gehalten, denn nur so ist er manipulierbar. Es ist zum Heulen, gerade wenn man bedenkt, daß streitbare und diskussionswillige Bürger einer Regierung, so sie dies zuläßt, durchaus fruchtbare Glücksfälle sein können. Natürlich nicht in diesem System, wo es um Geld- und Machterhalt geht.
Einer dabei hat seinen Posten verloren, weil er auf verlorenem Posten für die Rechte der anderen kämpfte.(Ausnahmsweise in keinem Callcenter).
Mir ist da auch zumindest einer bekannt (mlawrenz), der traurigerweise als einer der wenigen, die den Mund aufmachten, echten Schaden davontrug. Außenstehende begegnen Leuten mit ausgeprägt altruistischer Geisteshaltung oft mit Unverständnis und Spott. Was an der eigenen Feigheit liegt. Leider.
Weil nämlich der Mensch die Arbeit auch für sein psychisches Wohlbefinden seine Persönlichkeit braucht.
Der Mensch hat sich durch ARBEIT erst entwickelt und weiterentwickelt.
Das ist das Credo der Industrialisierung. Sicherlich kann Arbeit erfüllen - aber nur, wenn sie für einen selbst Sinn macht. Wenn man wie Du oder Deine Freundin sich selbst ausschlachtet und ausbeutet, bis man keine Kraft mehr hat, dann hat die Arbeit ihren Sinn komplett verloren.
Bei uns in der Schule wird natürlich auch "gelehrt", wie toll und obligatorisch die Arbeit ist. Weniger mit dem Pathos der Arbeiterklasse, sondern als Teil des gesamten repressiven (Schul-)systems.
Aber bei Euch ist das vielleicht ein wenig in den Hintergrund getreten, weil alles, fast alles nur auf den Konsum, Besitz und alles andere Materielle im Kapitalismus ausgerichtet ist!?!? Meine Beobachtungen, Erfahrungen.
Es ist so, ja. Bedürfnisse werden künstlich geschaffen, damit die Leute viel konsumieren, viel Geld brauchen, und sich damit in die Mühle des Arbeitsmarktes zu beliebigen Bedingungen zu begeben bereit sind. Wenn man da nicht mitmacht (also bescheiden lebt und wenig braucht), wird man angesehen wie ein Außerirdischer.
Aber wie gesagt: Arbeit per se ist nicht sinngebend. Das, was dabei herauskommt, kann Sinn ergeben. Allerdings findet man Befriedigung in der Sinnsuche sicher nicht am Fließband, sei es in der Fabrik oder am Telefonplatz.
Auf jedenfall haben es Firmen wie buw, vorallem mit Hilfe vom Arbeitsamt, Wirtschaftsministerien und staatl. Sanktionsmöglichkeiten hier bei uns im Osten LEIDER immer noch sehr leicht.
Noch. Warten wir ab, wie es sich entwickeln wird. Ich persönlich traue es den Ostlern eher zu, daß sie sich daran erinnern werden, daß sie schon einmal aufgestanden sind. Allerdings hast Du recht damit, daß die wirtschaftliche Situation die Tür für die legale Erpressung und Ausbeutung durch jungsche Beutelschneider öffnet.
Ich bin eine der wenigen, die Dank sei buw, den Schlussstrich gezogen hat und sich durch Arbeit nicht mehr erpressen lässt.
Ich gehe nur Kompromisse für Arbeit ein, wenn es weder meinem Körper noch meiner Seele schadet.
Du ahnst nicht, wie viel Weisheit in diesen Worten steckt. Wenn Du es schaffst, diese an möglichst viele Personen weiterzugeben, ist bereits viel erreicht. Manchmal verhindert man sogar durch die Schilderung des eigenen Leidensweges eine ähnliche Laufbahn bei anderen.
Dir auch einen schönen Tag,
Lars