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Autor Thema: (anti-)psychiatrie - ein dauerbrenner  (Gelesen 4522 mal)
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jensen-ex


Beiträge: 1338



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« am: 28. Juli 2006, 18:03:29 »

Zitat
Original von jensen-ex
Zitat

Beschwerdezentren - 10 Jahre gegen die Psychiatrie
Teil 1

Um die Psychiatrie ist es still geworden. Vor 10 Jahren versetzte die Aufdeckung von zahlreichen Todesfällen und grausamen Verhältnissen hinter den Anstaltsmauern die liberale Öffentlichkeit in Empörung. In vielen Gruppen wurden nicht nur diese »Skandale«, sondern die Funktion der Psychiatrie überhaupt diskutiert. Es sah so aus, als könnte eine stärkere Bewegung gegen die psychiatrische Aussonderung entstehen.

Heute ist davon nicht mehr viel übriggeblieben. Die meisten BeschwerdeZentren haben sich wieder aufgelöst; die letzten isolierten Grüppchen sind kaum noch in der Lage, gegen die fortbestehende alte und die verstreute neue Psychiatrie wirksam vorzugehen. Eine Diskussion um die Psychiatrie findet nicht mehr statt, vor allem keine politische. Selbst in der radikalen Linken stößt unsere prinzipielle Ablehnung der Psychiatrie häufig auf Unverständnis. Die Modernisierung der letzten Jahre hat hier ihre Wirkung gehabt. Nachdem die Verantwortlichen durch die breite Empörung über die mittelalterlichen Zustände unter Druck geraten sind, haben sie angefangen, die schlimmsten »Mißstände« in den Anstalten zu beseitigen und mit dem Aufbau von neuen Einrichtungen ihren Einflußbereich noch zu vergrößern. Diese »Alternativen« (Ambulanzen, Tageskliniken, Beratungsstellen usw.) können weit besser als die finsteren Anstaltsgemäuer als Hilfsangebote verkauft werden. Die psychiatrische Gewalt ist weniger sichtbar - die Akzeptanz wieder gestiegen. Wir müssen rückblickend feststellen, daß wir mit unseren Aktionen dem Psychiatriesystem den Tritt gegeben haben, der ihm als Anstoß für die Modernisierung und Ausweitung noch gefehlt hat ...





beschwerdezentren i


beschwerdezentren ii

irrenoffensive
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Kurt Vonnegut
jensen-ex


Beiträge: 1338



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« Antworten #1 am: 28. Juli 2006, 18:14:34 »

Zitat

DIE KRANKEN UND DIE ÄRZTE


Die Krankheit ist ein Zustand
Die Gesundheit ist auch ein Zustand,
er ist nur mieser.
Ich will sagen feiger und armseliger.
Kein Kranker, der nicht aufgekommen wäre.
Kein Gesunder, der nicht eines Tages Verrat begangen hätte, weil er nicht krank sein wollte,
wie jene Ärzte, deren Behandlung ich erfuhr.
Mein ganzes Leben bin ich krank gewesen und ich fordere einzig und allein, daß man mich gewähren lasse. Denn die Mangelzustände des Lebens haben mich meine Macht immer noch besser spüren lassen als diese kleinbürgerlichen Kredenzen....-
Schluß mit der wohlfeilen Gesundheit.

Das Grauen muß man lieben, das Fieber,
die Gelbsucht und ihre Perfidie,
viel mehr als die Euphorie.

Und so glaube ich,
daß es an mir ist,
dem immer-und-ewigen Kranken,
alle Heiler zu heilen,
alle die, die mangels Krankheit als Ärzte geboren sind,
und daß es nicht an den Ärzten ist, die die furchtbaren Zustände meiner Krankheit nicht kennen,
mir ihre Insulintherapie zu verpassen,
die Gesundheit
einer Welt
von Schlappschwänzen

Antonin Artaud
1946 nach 9 Jahren Psychiatrie




quelle
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Kurt Vonnegut
jensen-ex


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« Antworten #2 am: 28. Juli 2006, 19:30:35 »

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Das Urteil des Foucault Tribunals

Wir stellen fest, daß die Psychiatrie, die nicht bereit ist, Zwang und Gewalt aufzugeben, sich der Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht hat: der vorsätzlichen Zerstörung von Würde, Freiheit und Leben. Vor allem, durch die Kategorisierung von Menschen als „geistig Kranke", wurde der totale Entzug von Menschen- und zivilen Rechten sowie des Naturrechts zugelassen.

Darüber hinaus kann die Psychiatrie nicht vorgeben, in der Kunst des Heilens tätig zu sein, hat sie doch durch den bewußtes Gebrauch von schädlichen Drogen den Hippokratischen Eid verletzt, was im Besonderen eine weltweite Epidemie von „tardive Dyskinesia" verursacht hat, sowie durch andere Eingriffe, die wir als Folter betrachten: unfreiwillige Inhaftierung, Verabreichung von Drogen durch Zwang, Fixierung, Elektroschock, alle Arten von Psychochirurgie und Verpflichtungen in ambulanter Behandlung.

Diese Praktiken und die Ideologie erlaubten den Psychiatern während der Nazi-Zeit so extrem zu werden, daß sie die Inhaftierten unter dem Vorwand von „Behandlung" systematisch ermordeten.

Die Psychiatrie weigert sich nicht nur, die Gewalt, die sie historisch vom Staat bekommen hat, abzugeben, sondern sie spielt sogar die Rolle eines hoch bezahlten und respektierten Organs sozialer Kontrolle und einer internationalen Verhaltens-Polizei, der Repression politischer und sozialer Abweichung.

Wir halten die Psychiatrie für schuldig, eine Kombination von Zwang und Unverantwortlichkeit - eine klassische Definition von totalitären Systemen - ausgeübt zu haben. Als ersten Schritt fordern wir die Abschaffung der „Psychisch Kranken" Gesetze, so daß die Psychiatrie gegenüber der Gesellschaft verantwortlich wird. Daraus folgen Entschädigungen. Öffentliches Geld muß auch für humane und würdevolle Alternativen zur Psychiatrie zur Verfügung stehen.
        

Urteilsbegründung

Die Verteidigung spricht vom therapeutisch notwendigem psychiatrischen Zwang bis hin zur körperlichen Gewaltanwendung, räumt jedoch ein, daß in „guten Psychiatrien" so wenig Zwang wie möglich angewendet wird. Zwang ist offensichtlich nicht therapeutisch, sondern von der Art der Psychiatrie abhängig.

Wir verurteilen jede Form von psychiatrischem Zwang als Menschenrechtsverletzung.

Das Psychisch Kranken Gesetz sieht psychiatrischen Zwang vor bei Selbst- und Fremdgefährdung. Die Praxis geht weit darüber hinaus. Hierbei handelt es sich lediglich um „Gefährdung", es ist noch zu keiner Tat gekommen, es wird also Vorbeugehaft ausgeübt.

Die Verteidigung bezeichnet jemanden als seelisch krank, der aufgrund von Beeinträchtigung im Erleben und Handeln von bestimmten gesellschaftlichen Anforderungen zu entlasten ist, weil die Selbsthilfekräfte nicht ausreichen.

Wir sind der Meinung, daß das Krankheitsmodell unangemessen ist. Eine psychiatrische Krankenhausinstitution kann keine Hilfe in diesem Fall zur Verfügung stellen.

Wir sind der Meinung, daß ärztliches Handeln ausschließlich auf freiwilliger Basis erfolgen muß.

Besonders gefährlich ist, daß Richter befangen sind und sich Gutachten der Psychiaterinnen und Psychiater anschließen.

Psychiatrie Überlebende haben Anspruch auf finanzielle Entschädigung oder Schmerzensgeld.
Berlin, den 2.5. 1998




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Kurt Vonnegut
jensen-ex


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« Antworten #3 am: 28. Juli 2006, 20:00:47 »

ps: ich arbeite seit einigen jahren als pfleger in der psychiatrie ...

geronto-psychiatrie ... jo, und der jüngste zu betreuende in dem wohnprojekt ist baujahr 1964 ...
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Kurt Vonnegut
jensen-ex


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« Antworten #4 am: 28. Juli 2006, 20:25:00 »

Zitat

Tief in eurem Nacken


Herr Doktor, es ist still in mir
Ich hör nicht mehr die Stimmen
Die sind mir wohl im Pillensud verstummt
Ich brauch als letzte Hilfe nur
Den kalten kühlen Schlaf
Sonst reibt sich meine Seele an mir wund
Sonst reibt sich meine Seele an mir wund


Die Flügel wurden abgequetscht
In der Kindheit zum fixieren
Wann binden sie sich endlich von mir los
Wer weiß ob ich noch fliegen kann
Ich werd's heut Nacht probieren
Vielleicht stürz ich mich diese Nacht zu Tod
Vielleicht stürz ich mich diese Nacht zu Tod

Da ist ja keiner, der mich hält
Beim Leben und beim Sterben
Und warum schaut ihr jetzt auf eure Uhr
Ich ging in meinem letzten Traum
Durch einen Haufen Scherben
Als über mich ein goldner Käfig fuhr
Als über mich ein goldner Käfig fuhr

Und während ihr im Keller putzt
Fegt draußen schon der Tod
Und tief in euerm Nacken hockt ein Tier
Und tief in euerm Nacken hockt ein Tier
Das beißt jede Erregung tot

Und währen ihr in Stuben hockt
Fegt draußen schon der Tod
Und hinter euern Augen hockt ein Tier
Und tief in euern Schläfen pocht ein Tier
Das stürzt mich diese Nacht zu Tod
Das stürzt mich diese Nacht zu Tod

Und tief in euern Städten liegt der Tod
Und tief in den Gebeten kriecht der Tod
Und tief in euern Städten kriecht der Tod
Und tief in den Gebeten liegt der Tod





fruechte des zorns
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Kurt Vonnegut
besorgter bürger


Beiträge: 3831



« Antworten #5 am: 28. Juli 2006, 21:18:50 »

hi jensen

ich persönlich hatte mit psychatrie noch nichts zu tun, allerdings haben die meisten frauen die ich kennen lerne psychatrieerfahrung.(kann natürlich auch an mir liegen  Cheesy )

manche haben jede woche ne neue krankheit.
der klassiker: borderlein, dann bullemie,diverse persönlichkeitsstörungen, depression... es nimmt kein ende

manchmal frage ich mich ob das nicht alles nur sinnloses geschwätz überbezahlter deppen ist die ihre quacksalberei gerne als wissenschaft bezeichnen.

das schlimme daran ist das die diagnose eines "arztes" meistens als offizielles gütesiegel herhalten muss:

ich habe diese/jene krankheit deswegen ist es "normal" das ich mich jetzt so assozial verhalte. du musst jetzt verständniss dafür haben.

weil - ich bin das arme opfer dieser krankheit



das nur so am rande...
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Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es.
jensen-ex


Beiträge: 1338



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« Antworten #6 am: 28. Juli 2006, 21:46:51 »

Zitat
manchmal frage ich mich ob das nicht alles nur sinnloses geschwätz überbezahlter deppen ist die ihre quacksalberei gerne als wissenschaft bezeichnen.

nix anderes will dieser thread herüberbringen, allerdings mit dem unterton, dass hier staatliche gewalt ausgeübt wird. vllt. stellt die psychiatrie ja tatsächlich jenes refugium der staatsgewalt dar, vor dem der verschüchterte vereinzelte noch son bisschen muffensausen verspürt ...

edited

genau, die opfer dieses wahnsinns, der sich ''soziale marktwirtschaft'' nennt, haben namen ...
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Kurt Vonnegut
besorgter bürger


Beiträge: 3831



« Antworten #7 am: 28. Juli 2006, 22:25:56 »

.
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Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es.
Kater


Beiträge: 7111


« Antworten #8 am: 29. Juli 2006, 02:12:55 »

@jensen-ex

vor etwa 25 Jahren habe ich während einer langen Reise in Ami-Land jemanden aus einer anarcho-gruppe kennengelernt, die ausschließlich aus Ex-Psychiatrie-Pflegern und Ex-Psychiatrie-Patienten (aber eher jungen) bestand... Cheesy  seinerzeit (?) dort offensichtlich nichts ungewöhnliches...!?

Es gab damals auch eine interessante US-amerikanische Anti-Psychiatrie-Zeitschrift  "Madness Network News", irgendwo hab ich noch einen Stapel davon...
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regenwurm


Beiträge: 3537



« Antworten #9 am: 29. Juli 2006, 06:58:54 »

Ich schreib oft über die "Vergessenen" die die mensch nicht sieht, d.h. Leute im Knast-Leute in der Psychiatrie
-das will wohl - wollen leute nicht rklich wissen, die masse, ist wohl anders kondioniert-prägungsphase
click
Lüneburg: Lehrer des Cannabisfalls wieder wohlauf zu Hause
Wie SSN bereits berichtete, wurden gestern zehn Lehrer eines Lüneburger Gymnasiums wegen Zittern, Unwohlsein und Wahrnehmungsstörungen in ein Krankenhaus eingeliefert.
Diese hatten von einem Schokoladenkuchen gegessen, den Unbekannte vor der Tür des Lehrerzimmers abgestellt hatten. Nach Angaben der Polizei konnte nun bewiesen werden, dass dem Kuchen Cannabis beigemischt worden war.
Mittlerweile geht es den Pädagogen wieder gut, so dass sie aus dem Krankenhaus entlassen wurden.
Indes hat auch die Suche nach den Übeltätern begonnen.

Einer flog übers Kuckucksnest
(One Flew Over the Cuckoo's Nest)

Randel Patrick McMurphy (Jack Nicholson) ist ein krimineller gesellschaftlicher Außenseiter. Mitte dreißig, ehemaliger Korea-Kämpfer, wegen Ungehorsam aus der Armee entlassen, wird er wegen Schlägereien, Notzucht und Trunksucht in eine Strafanstalt eingeliefert. Von dort aus läßt er sich mit einem Trick zur Beobachtung in eine psychiatrische Anstalt überweisen. In die graue Welt einer anonymen Heilanstalt wird McMurphy eines Tages eingeliefert. Er findet dort ein unmenschliches System vor, das seine hilf- und willenlosen Patienten in "Chronische" (schwere Fälle) und "Akute" (leichte Fälle) aufteilt. Eine despotische Oberschwester unterdrückt mit einer Schar brutaler Wärter jede individualistische Regung. Der Zustand der Kranken wird mit pharmazeutischen Mitteln oder Elektroschock-Therapie "behandelt" und dadurch noch weiter verschlechtert. In diesem System muß McMurphy wie ein Katalysator wirken ... er stellt das System der Irrenanstalt in Frage und wiegelt die Insassen auf.
 
 Die Leute haben Angst vor sich selbst, vor Fragen, vor was Neues!!
Kurzkommentar

Milos Formans fünffach Oscar-prämiertes Drama überzeugt durch ein intelligentes Drehbuch, einen wie immer stark aufgelegten Jack Nicholson und das konsequente Ende. Trotzdem wirkt er aus heutiger Sicht nicht ganz befriedigend. Der eigentliche Kern des Films (der Kampf des Individuums gegen das System) entwickelt sich erst recht spät, manche Komödienelemente wirken halbgar, die psychischen Probleme der Insassen kommen auch bei einem subtilen Regisseur wie Forman oftmals nicht über reinen Schauwert hinaus und die Motivation und der Sinnungswandel McMurphys geschieht allzu abrubt. Dass ein eher schwieriger Film wie dieser trotzdem zum Klassiker avanciert ist, erfreut nichtsdestotrotz.

QUELLE

Die Anstalt - zurück ins Leben. Schon der Titel der neuen Sendereihe entbehrt nicht einer gewissen Brisanz. Bereits vor Ausstrahlung der ersten Folge sorgt er in der Psychiatrieszene für erhitzte Gemüter. Die Antipsychiatrie-Fraktion spricht von einer "Verherrlichung des zwangspsychiatrischen Folterapparates". Skeptiker auf der Betroffenen- und Profiseite bezweifeln die Seriosität einer solchen Unterhaltungsserie. Der gemäßigte Flügel sieht darin eher eine Chance, die TV-Klapsmühle für Anti-Stigma-Aktionen nutzbar zu machen.

Anstalts-Produzent und ehemaliger RTL-Programmdirektor Mark Conrad gibt sich optimistisch. Er bekräftigt den Anspruch, den die Produktionsfirma an sich gestellt hat. "Wir wissen, dass wir ein Tabu brechen", sagt er gegenüber der Berliner Morgenpost, "aber erstens machen wir uns nicht über Kranke lustig, und zweitens behandeln wir mit größter Sensibilität ein Thema, das die Menschen in dieser aufgewühlten und perspektivlosen Zeit wirklich beschäftigt." 26 Folgen der Psychiatrie-Staffel hat der Berliner Sender dem Produzenten abgekauft. Die werden jeweils Donnerstags abends zur Prime Time ausgestrahlt.

Worum geht es? Schauplatz ist die geschlossene Station P2 in der fiktiven psychiatrischen Klinik Rosental in Berlin. Als Protagonisten fungieren ein Team aus Ärzten und Pflegern um die Chefärztin Constanze von Weyers (Jenny Gröllmann) und natürlich dessen Patienten. Sie sind es, die für die Action sorgen. Die Charaktere kommen relativ authentisch rüber, wenn auch gelegentlich überzogen. Da ist zum Beispiel der paranoide Rentner Erich (Günter Junghans), der früher in einer MfS-Kantine gearbeitet hat und nun als STASI-Spitzel in der Anstalt spioniert. Oder die schizophrene Lena (Jennipher Antoni) mit ihrem fiesen Begleiter Armin, den außer ihr niemand wahrnimmt, der zwangskranke Stefan, der sich die Hände blutig schrubbt, und der Patient mit Tourette-Syndrom, dem immer wieder ein "Arsch" oder "Fick" entfährt, statt Guten Tag und Auf Wiedersehen. Die ganze Palette gängiger psychiatrischer Diagnosen scheint vertreten. Doch nicht nur die. "Das sind bewegende Schicksale, dramatische Konflikte und amüsante Begegnungen", beschreibt die Sat.1-Redaktion auf ihrer Webseite die Handlung. "Drinnen die psychiatrische Abteilung, draußen die geregelte, 'normale' Welt. Aber sind die Grenzen zwischen Krank und Gesund, Gut und Böse, Wahn und Wirklichkeit tatsächlich so scharf, wie wir alle glauben?"


Kritische Stimmen: Anti-Stigma oder "absoluter Schwachsinn"?

Hohe Ansprüche für eine Unterhaltungsserie. Die Kritik nach Ausstrahlung der ersten Folge am 12. September um 21:15 Uhr fällt entsprechend scharf aus. Im User-Forum auf der Sat.1-Webseite bezeichnen Zuschauer die Anstalt als "unrealistisch", "ziemlich bescheuert", "grottenschlecht", "total daneben" oder "absoluten Schwachsinn". Ein Zuschauer schreibt: "Ich möchte nicht wissen, wie viele Leute sich jetzt in ihrer Theorie bestätigt fühlen, dass Leute, die psychisch krank sind, alle verrückt sind!" Die meisten dieser "Kritiker" sind selbst Betroffene oder Angehörige.

Quelle
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Das System macht keine Fehler, es ist der Fehler.
Troll
Abused Frog


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« Antworten #10 am: 29. Juli 2006, 08:40:56 »

Aus Sicht der Psychiatrie gibt es keine gesunden Menschen.
Auch der Rest der Medizin und damit auch immer die Pharmaindustrie versucht mit Hilfe von immer enger gesteckten Normalwerten, Krankheiten zu erzeugen, die Dank moderner Medizin behandelbar sind.

Mein Fazit: Die Gesunden scheinen eine aussterbende Rasse zu sein.
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Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti
Ratrace


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« Antworten #11 am: 29. Juli 2006, 12:10:06 »

@ Troll:

Tatsächlich, so meine Meinung, sterben die Gesunden aus. Was an einem kranken System liegt.

"Trend der Zunahme psychischer Erkrankungen hält an

Die meisten Krankheitstage verursachten Muskel- und Skeletterkrankungen (27 Prozent), gefolgt von Atemwegserkrankungen (16 Prozent) und Verletzungen (15 Prozent). Mit acht Prozent der Krankheitstage stehen die psychischen Störungen bereits an vierter Stelle. Bei den Frauen steht diese Krankheitsursache mit 11 Prozent sogar an dritter Stelle (Männer sechs Prozent). "
Quelle: http://www.bkk.de/bkk/pressemitteilungen/powerslave,id,228,nodeid,15.html

Ich habe übrigens eben einen Brief einer zur Zeit in der Psychiatrie befindlichen Freundin erhalten - die sagt, daß sie sich dort gut aufgehoben fühle. Es gibt wie immer auch hier zwei Seiten der Medaille. Und es kommt sicherlich auch auf die Klinik an, in der man ist.
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Das einzig Freie im Westen sind die Märkte.
Kuddel


Beiträge: 11457


« Antworten #12 am: 03. Januar 2018, 11:13:23 »

Zitat
Antipsychiatrie:
Ich bin nicht verrückt, ich bin Revoluzzer!

Psychisch krank? Gibt es nicht – eingesperrt wird, wer sich dem Gesellschaftszwang widersetzt. So begann in den 1970ern der Protest gegen die Zustände in Psychiatrien.
http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2018-01/antipsychiatrie-psychiatrien-psychologie-patienten/komplettansicht
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tleary


Beiträge: 667


« Antworten #13 am: 11. Januar 2018, 22:25:46 »

Der Kapitalismus erzeugt für sich eben immer neue Geschäftszweige: Erst macht er die Menschen durch Arbeitsverdichtung, der sich bis in den letzten Winkel seines Privatlebens auswirkt, balla-balla. Und anschließend wird eine Industrie aufgebaut mit vielerlei Beschäftigungs- und Profitmöglichkeiten, die für die Reparation der von ihm Beschädigten zuständig ist. Für die Reparierung seines psychischen Schadens muß er dann auch noch selber blechen, da diese Psycho-Industrie ja gänzlich von seinem Lohn in Form der zwangsweise erhobenen Krankenkassenbeiträge finanziert wird (die Aufteilung in Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeitrag ist fiktiv, da sie ausschließlich vom Lohn berechnet werden). Und niemand käme da auf die Idee, den Arbeitgeber zu verklagen, damit der die Sanatoriumskosten des Geschädigten übernimmt.
« Letzte Änderung: 11. Januar 2018, 22:46:37 von tleary » Gespeichert

"Wir sind nicht hoffnungslose Idioten der Geschichte!"
(Rudi Dutschke, 1967)
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