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Öffentlicher Dienst => Stillgestanden!!! => Thema gestartet von: Kater am 22. Juni 2007, 13:40:01



Titel: Neue Wanderausstellung über die kriminelle NS-Militärjustiz
Beitrag von: Kater am 22. Juni 2007, 13:40:01
Zitat
Justiz als Täter
Ausstellung erinnert an Urteile der NS-Gerichte
Von Margarete Limberg

Die Urteile der deutschen Wehrmachtsgerichte stehen im Mittelpunkt einer neuen Wanderausstellung. Damit solle an die rund 30.000 Soldaten und Zivilisten verschiedener Nationen erinnert werden, die durch die Unrechtsurteile der Wehrmachtsgerichte ihr Leben verloren, teilte die Stiftung des Holocaust-Mahnmals in Berlin mit. Die Ausstellung "Was damals Recht war ..." wird zunächst bis zum 1. August in der Berliner St.-Johannes-Evangelist-Kirche im Stadtteil Mitte und anschließend in Köln und weiteren Städten gezeigt.

Das Wüten der NS-Militärjustiz und ihre Opfer sind erstmals Gegenstand einer Ausstellung in der Bundesrepublik. Und der Zeitpunkt der Eröffnung hätte so kurz nach der Skandal-Rede des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Oettinger für den verstorbenen Ex-Marinerichter Filbinger kaum passender sein können. Denn gerade an dieses düstere Kapitel des Dritten Reiches mochte man Jahrzehnte lang nicht rühren. 30.000 Soldaten und Zivilisten sind während des Zweiten Weltkriegs wegen Fahnenflucht, Wehrkraftzersetzung und anderer Delikte von der nationalsozialistischen Militärjustiz zum Tode verurteilt worden, 22.000 Todesurteile wurden vollstreckt. Zum Vergleich: In den USA wurde während des Zweiten Weltkriegs ein Deserteur hingerichtet.

Die Überlebenden wurden nach 1945 geächtet, sie galten als Vorbestrafte. bis der Bundestag im Mai 2002 die NS-Urteile endlich als Unrecht anerkannte und die Opfer rehabilitierte. Ludwig Baumann, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Opfer der NS-Justiz:

"Wir haben nach dem Krieg gedacht, dass unsere Handlungen anerkannt würden. Aber wir sind nur als Feiglinge, Dreckschweine, Vaterlandsverräter beschimpft worden, bedroht worden, bis wir uns selber wieder schuldig gefühlt haben. Wir hatten keine Verbündeten. Wir waren ganz allein."

Das änderte sich erst mit dem Aufkommen der Friedensbewegung.

Baumann wurde 1940 wegen Desertion zum Tode verurteilt, überlebte brutale Folter und Jahre in einem Strafbataillon. Für ihn ist diese Ausstellung eine große Genugtuung. Warum gerade an dieses Kapitel so lange niemand rühren mochte, erklärt Ulrich Baumann, Mitarbeiter der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und einer der Kuratoren der Ausstellung mit dem Delikt, um das es vor allem ging, Fahnenflucht, die in jeder Armee der Welt bestraft wird - im Dritten Reich allerdings mit besonderer Grausamkeit verfolgt wurde:

"Je mehr sich die Gesellschaft mit dem Krieg und seinem Charakter auseinandergesetzt hat und mit der Besonderheit des Zweiten Weltkriegs als Angriffskrieg, der von Deutschland ausgegangen ist, um so mehr hat man erkannt, dass von der Fahne gehen gar kein Delikt sein kann."

Die Ausstellung stellt das Schicksal von 14 Opfern dar und zeigt trotz dieser begrenzten Zahl die unterschiedlichsten Biografien: Soldaten und Zivilisten sind darunter, Frauen und Männer, Offiziere und einfache Soldaten, Deutsche und Polen. Die heute 85-jährige Danzigerin Maria Kacprzyk, Mitglied der polnischen Widerstandsbewegung, zum Beispiel wurde 1943 vom Reichskrieggericht in Berlin wegen Sabotage zu zehn Jahren Haft verurteilt und überlebte , ihre Freundin hingegen wurde hingerichtet, Kurt Hoppe, ein Matrose, verließ seine Mannschaft aus Liebe zu seiner Frau. Der U-Boot-Kommandant Oskar Kusch wurde hingerichtet, weil er ein Hitler -Bild abnehmen ließ und denunziert wurde. Das Klischee des Deserteurs aus Feigheit wird in dieser Ausstellung als Legende entlarvt.

Die Motive waren sehr unterschiedlich, wie Ulrich Baumann erläutert

"Wir haben einen Fall, wo ein Kind geboren wurde und er es nicht mehr ausgehalten hat. Er wollte den kleinen Sohn sehen. Von Sorgen um die Familie, auch im späteren Kriegsverlauf, als die Bombenangriffe auf die Städte begannen und man wusste, die Familie ist in großer Gefahr. Man will bei ihnen sein. Von Kriegsmüdigkeit, dass man nicht mehr konnte, einfach die Aussichtslosigkeit gesehen hat, bis zum Himmelfahrtskommando, dem man sich nicht mehr stellen wollte, um irgendetwas vollkommen Verrücktes mitzumachen, wo man wusste, dass man ums Leben kommt. Bis zu politischen Motiven, dass einer sagt, diesen Krieg will ich nicht mehr unterstützen."

Es geht in dieser Ausstellung nicht nur um die Opfer, sondern auch um die Täter, die Militärrichter. Die Porträts von fünf NS -Richtern werden gezeichnet, unter ihnen der Marburger Professor und Rechtswissenschaftler Erich Schwinge, der besonders eifernd und eifrig Todesurteile verhängte. Nach dem Krieg wurde er Rektor der Marburger Universität und schrieb 1990 ein Gutachten gegen die Rehabilitierung von Wehrmachtsdeserteuren für die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag.

Fast alle NS-Richter konnten wie er nach dem Ende der NS-Zeit unbehelligt ihren beruflichen Aufstieg betreiben. Eines ihrer Opfer, Ludwig Baumann, kommentiert dies fast lakonisch:

"Hätten sie uns rehabilitiert, hätten sie befürchten müssen, als Mordgehilfen angeklagt zu werden. Erst als keiner von ihnen mehr in Amt und Würden war, hat der Bundesgerichtshof am 16. November 1995 festgestellt - in später Reue -: die Militärjustiz war eine Blutjustiz. Und nicht einer ist bestraft worden."

Die Ausstellung "Was damals Recht war ..." belegt übrigens auch, dass NS-Richter sehr wohl einen gewissen Handlungsspielraum hatten. Als Beispiel gilt Heinrich Hehnen, der sich wegen zu milder Urteile rechtfertigen musste und als Folge lediglich strafversetzt wurde.


http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/638375/


Titel: Neue Wanderausstellung über die kriminelle NS-Militärjustiz
Beitrag von: Kater am 24. Juni 2007, 20:39:07
Ausstellungsbericht:

Zitat
Schick ein leeres Kuvert
Eine Ausstellung erinnert an die Opfer der Wehrmachtsjustiz
22.06.2007
Christian Esch

Hans Filbinger, Ministerpräsident von Baden-Württemberg und ehedem Marinerichter, musste sich 1978 für seine Mitwirkung an Todesurteilen im Krieg verteidigen. "Was damals rechtens war, kann heute nicht unrecht sein", lautete seine naive Formel. Er habe damit natürlich nicht die Diktatur als Ganze gemeint, erläuterte er später, sondern die simple Tatsache, dass Fahnenflucht damals nun eben mit der Höchststrafe belegt war. Günther Oettinger, der diesen April die Grabrede auf Filbinger hielt, fand das offenbar sehr überzeugend.

Dabei reicht ein Blick zurück auf den Ersten Weltkrieg, in Filbingers Kindheit sozusagen, um zu sehen, wie schnell sich die Grenze von Recht und Unrecht verschiebt. Im gesamten Ersten Weltkrieg wurden in Deutschland nur 48 Todesurteile an Soldaten vollstreckt. Damit war die deutsche Militärjustiz sogar milder als die britische (mit 346 vollstreckten Todesurteilen) und die französische (300-400). Im Zweiten Weltkrieg milderte sich die britische Militärjustiz ab. Ganz anders die des Deutschen Reiches: Mehr als 20 000 deutsche Soldaten wurden hingerichtet, darunter 15 000 Deserteure. Und diese Zahlen drücken die ganze Strenge der NS-Militärjustiz noch gar nicht aus - denn wer der Todesstrafe entging, kam oft zu einer Bewährungstruppe, einer Feldstrafgefangeneneinheit oder ins KZ, wo viele an Entbehrungen oder bei riskanten Einsätzen starben.

Den NS-Militärrichtern war bewusst, dass das, was ihnen als rechtens galt, eine Generation zuvor noch Unrecht gewesen wäre. Die Verschärfung des Kriegsstrafrechts und die Verkürzung der Strafverfahren, die Einführung eines Tatbestands namens "Wehrkraftzersetzung" 1939 - sie galten als Lehren aus der Niederlage von 1918.

Die Wanderausstellung, die die "Stiftung Denkmal für die Ermordeten Juden Europas" ab heute in der Johannes-Evangelist-Kirche in Mitte zeigt, trägt dem Rechnung: Sie zeigt die Wehrmachtsjustiz als durchaus ideologisch begründete Verfolgung, die Verurteilten als Opfer. Sie tut das, indem sie neben knappen allgemeinen Informationen 14 Einzelschicksale vorstellt. Da ist etwa Erich Batschauer, der sich 1941 in Frankreich unerlaubt von der Truppe entfernte, nachdem er ohnehin zu spät aus dem Urlaub zurückgekehrt war. Ein in jeder Hinsicht unzuverlässiges Truppenmitglied, das sich bei der Verhaftung auch noch als abgestürzter englischer Flieger ausgab. Das Feldgericht urteilte im September 1941 ausdrücklich, dass hier keine Feigheit vorlag und überhaupt kein schwerer Fall von Fahnenflucht - aber "nach Herkunft und Werdegang" sei Batschauer "als minderwertiger Mensch anzusprechen." Er komme "aus asozialer Familie", sein Privatleben - mehrere Kinder von mehreren Frauen - sei würdelos. Die Hinrichtung erst gibt diesem Leben Sinn: "Sein Leben, das bisher keinen Wert hatte, wird dann vielleicht nicht nutzlos gewesen sein, wenn er jetzt durch seinen Tod anderen Kameraden ein abschreckendes Beispiel gibt."

Am anderen Ende der sozialen Rangfolge steht Oskar Kusch, aus guter Berliner Familie. Er musste sich als U-Bootkommandant an Bord extrem sicher gefühlt haben: In der Offiziersmesse ersetzte er das Hitlerbild durch ein selbstgemaltes Segelschiff mit den Worten, er lehne "Götzendienst" ab. Dem Witzblatt, das die Mannschaft an Bord zusammenstellte, bot er einen eigenen Beitrag an: "Was ist der Unterschied zwischen dem Deutschen Reich und einem Bandwurm?" Beide seien von brauner Masse umgeben und zum Untergang verurteilt. So wird der Witz getreulich in der Denunziation des Ersten Offiziers wiedergegeben. 1944 wurde Kusch erschossen. Sein Vater verklagte 1949 den zuständigen Richter - er wurde, wie alle ehemaligen Militärrichter in Westdeutschland, freigesprochen. Solange Richter noch in Amt und Würden waren, hatten ihre Opfer keine Chance auf Rehabilitierung. Erst 2002 hob der Bundestag die meisten Urteile der Wehrmachtsjustiz auf.

Die Ausstellung zeigt, auf sehr knappem Raum, auch diese Nachgeschichte der "Täter" - ob Richter, Ermittler, Anwälte oder "Gerichtsherren", also aufsichtführende Offiziere. Militärrichter Erich Schwinge, nach dem Krieg Rektor der Universität Marburg, konnte sogar noch in den 1970ern die Geschichtsschreibung über die Wehrmachtsjustiz in seinem Sinne beeinflussen, bevor Manfred Messerschmidt und Fritz Wüllner sich daran machten.

Aber das Herz der Ausstellung sind die roten Stelen mit Opfer-Biografien. Sie zeigen eine Vielfalt von Schicksalen: ausländische Widerstandskämpfer; überzeugte NS-Gegner; den Verweigerer aus Glaubensgründen; den Matrosen, der es schlicht nicht ohne seine Freundin aushält; den Mann, der sich zu Unrecht verurteilt sah und im Brief nach Hause auf seine Bewährung an der Front brannte ("Wenn Du schreibst, schreibe bald. Wenn Du Dich meiner schämst, schicke ein leeres Kuvert"). Schließlich den Deserteur, dessen eigene Mutter in Ostpolen verschollen war, und der auf der Suche nach ihr im Mai 1942 die Erschießung von 2 000 Juden mit ansah: "Besonders entsetzlich wirkte es auf mich, weil alles schweigend vor sich ging." Er beschrieb das nur, um sein eigenes Verbrechen zu erklären. Über den Judenmord saß die Wehrmachtsjustiz nicht zu Gericht.

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Stiftung Denkmal

Die Stiftung des Holocaust-Denkmals präsentiert die Ausstellung "Was damals Recht war. Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht."

Johannes-Evangelist-Kirche, August-Str. 90. Di-Do 12-19 Uhr, Fr-Sa 12-21, So 12-1. Der Eintritt ist frei, einen Katalog gibt es noch nicht. Nach dem 1. August wird die Ausstellung durch Deutschland wandern.


http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0622/feuilleton/0006/index.html


Titel: Neue Wanderausstellung über die kriminelle NS-Militärjustiz
Beitrag von: Kater am 03. Juli 2007, 00:11:20
noch ein Ausstellungsbericht:

Zitat
Türme der Verweigerung
»Was damals Recht war ...« – Ausstellung über Wehrmachtsjustiz
 
Von Jan Schapira
 
Die St. Johannes-Evangelist-Kirche bildet einen denkbar starken Kontrast zur Ausstellung über die Wehrmachtsjustiz und ihre Opfer. Im Vorraum des Sakralbaus wird auf einer großen Metalltafel den »für das Vaterland« gestorbenen Soldaten des Ersten Weltkrieges gedacht. In der Exposition hingegen werden Fälle wie der von Stefan Hampel (Foto: Ausstellung) erzählt.

In einer ostpolnischen Kleinstadt ist der Wehrmachtssoldat unfreiwillig Zeuge einer Massenerschießung an Juden. Empört und erschüttert desertiert er daraufhin. Zunächst vom polnisch-litauischen Widerstand versteckt, versucht er dann in die neutrale Schweiz zu gelangen. Auf dem Weg dorthin wird er in Freiburg verhaftet. Er hat Glück im Unglück. Das Todesurteil des Militärgerichts wird zu 15 Jahre Zuchthaus umgewandelt, wo er allerdings brutaler Gewalt ausgesetzt ist. Vierzehn Türme erzählen die Geschichten von Menschen, die sich Krieg und Verbrechen verweigerten. Zahlreiche Fotos und Briefe geben privaten Einblick in bewegende Schicksale.

An Stellwänden wird die Geschichte der Militärjustiz vom Kaiserreich bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges nachgezeichnet. Im Nationalsozialismus sah die Wehrmachtsjustiz ihre Aufgabe nicht darin, Übergriffe und Verbrechen von deutschen Soldaten zu ahnden. Der von der Wehrmachtsführung erlassene »Kriegsgerichtsbarkeitserlass« hob sogar offiziell den Verfolgungszwang von Straftaten, begangen von Wehrmachtssoldaten gegen die Zivilbevölkerung in der Sowjetunion, auf. Stattdessen ging die Militärjustiz unerbittlich gegen den Widerstand in den besetzten Gebieten, Ungehorsam in der Truppe oder Fahnenflucht vor. Trotz eines gewissen Handlungsspielraums in der Urteilsfindung tendierten die NS-Richter zu sehr harte Strafen. Dies hat ihrer Karriere im Nachkriegsdeutschland (West) keineswegs Abbruch getan. Blutrichter Erich Schwinge zum Beispiel konnte Professor an der Universität Marburg werden und durfte noch 1990 ein Gutachten für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion gegen die Rehabilitierung von Wehrmachtsdeserteuren erstellen. Und auch darüber wird in dieser Ausstellung berichtet: Während sich die ehemaligen NS-Richter in angesehenen und einflussreichen Stellungen befanden, mussten die von ihnen Verurteilten – so sie überlebten – einen langen Kampf um die Wiederherstellung ihres Namens führen. Es dauerte bis 2002, ehe der Deutsche Bundestag die meisten Urteile der Wehrmachtsjustiz aufhob.

Den Abschluss der wichtigen, allerdings etwas unübersichtlich gestalteten Wanderausstellung, die anschließend in Köln zu sehen sein wird, bildet ein Informationsturm über Militärjustiz heute. Es wird darauf hingewiesen, dass vom Grundgesetz her die Möglichkeit bestehe, Militärgerichte für die Bundeswehr wieder einzuführen. Eine klare Stellungnahme gegen Krieg und Militär heute fehlt hier. Dabei hätte sich dies gerade in dieser Schau angeboten.

In der Exposition wird leider auch nicht explizit betont, dass die Urteile der Militärgerichte über »Kriegsverrat« noch immer nicht aufgehoben sind. Unter dieses »Delikt« fielen all jene Soldaten, die zu den Alliierten überliefen oder Militärgeheimnisse verrieten. Immerhin hat zur Eröffnung Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) signalisiert, ein Gesetz zur Rehabilitierung jener vorlegen zu wollen, was die »Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz e.V.« seit Jahren fordert. Die ministerielle Ankündigung begrüßte Jan Korte, Mitglied der Fraktion DIE LINKE im Innenausschuss. Am 10. Mai dieses Jahres hat seine Fraktion einen entsprechenden Entwurf zur Änderung des »Gesetzes zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile« (BT-Drs. 16/3139) in den Bundestag eingebracht. Die Reaktionen vor allem konservativer Parlamentarier waren zynisch. So behauptete Norbert Geis (CDU), wer Kriegsverrat beging, habe in einer verbrecherischen Weise den eigenen Kameraden geschadet.

Der Titel der Ausstellung, »Was damals Recht war ...« spielt sicher nicht zufällig auf einen Rechtfertigungsversuch des jüngst verstorbenen ehemaligen Marine-Blutrichter und christdemokratischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger an.

»Was damals Recht war ...«, St. Johannes-Evangelist-Kirche, Auguststraße 90, Berlin-Mitte, bis 1. August, Eintritt frei.


http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=112100&IDC=4


Titel: Neue Wanderausstellung über die kriminelle NS-Militärjustiz
Beitrag von: Kater am 06. April 2008, 17:03:52
Zitat
Was damals Recht war

Nationalsozialismus: Grüne, "Gedenkdienst" und ein Personenkomitee wollen die neue Ausstellung zur Wehrmachtsjustiz nach Wien bringen.

In einer kühlen Oktober-Nacht des Jahres 1944 kroch Richard Wadani zwischen hüfthohen Bäumchen um sein Leben.

Der Österreicher war Obergefreiter der Wehrmacht und sollte an der Westfront im Eifel-Gebirge unweit von Aachen die herannahenden Alliierten aufhalten. Doch als der 22-Jährige bäuchlings durch einen Jungwald den Stellungen der Amerikaner entgegenrobbte, hatte er anderes vor als möglichst viele US-Soldaten zu töten: Er wollte seinen lange gehegten Plan wahrmachen – und endlich überlaufen. "Ich habe das Nazi-Regime verabscheut, ich wollte für diese Verbrecher nicht kämpfen."

Also kroch er los – "unbewaffnet, um von den Amerikanern nicht erschossen zu werden", sagt Wadani. "Aber die Sache hätte böse enden können. Vor den deutschen Schützengräben patrouillierten deutsche Späher. Hätten die mich gesehen, ich wäre auf der Stelle von ihnen exekutiert worden."

Wadani hatte Glück. Nach zwei Stunden hatte er die 200 Meter bis zu den Maschinengewehr-Stellungen der Amerikaner überwunden. Er ergab sich, trat in die britische Armee ein und kämpfte bis zum Kriegsende an der Seite der Alliiertengegen Hitler-Deutschland.

Götzendienst
64 Jahre nach seiner Flucht steht Richard Wadani im Münchner Justizpalast vor den Bildern von Menschen, die nicht so viel Glück hatten wie er. Oskar Kusch zum Beispiel. Der deutsche U-Boot-Kommandant ließ ein Bild von Adolf Hitler aus der Offiziersmesse entfernen, weil er keinen "Götzendienst" duldete. Der 26-jährige Offizier wurde denunziert, wegen "Wehrkraftzersetzung" verurteilt – und ein Jahr vor Kriegsende in Kiel erschossen.

15.000 Todesurteile vollstreckte die NS-Wehrmachtsjustiz allein an sogenannten Deserteuren; sie richtete Soldaten und Zivilisten; und Wehrmachtsjuristen machten sich insbesondere in besetzten Gebieten der Sowjetunion mit dem Erlass verbrecherischer Befehle und Urteile schuldig am Tod von Millionen.

Im Rahmen der neuen Ausstellung Was damals Recht war . . . – Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht werden die Verbrechen der NS-Wehrmachtsjustiz thematisiert.

Geht es nach Wadani, dem Sprecher des Personenkomitees "Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz", dann ist diese Ausstellung bald in Österreich zu sehen.
Mit dem "Gedenkdienst" und den Grünen will das Personenkomitee die Ausstellung 2009, 60 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, nach Österreich bringen. – Eine klare Provokation für alle jene rechtskonservativen Kräfte, die schon 2002, als die erste Wehrmachtsausstellung in Wien gezeigt wurde, dagegen protestiert hatten.

Formal wurden Deserteure 2005 mit dem Anerkennungsgesetz in vielen Bereichen mit anderen NS-Opfern gleichgestellt. So haben etwa jene, die für ihr Überlaufen in Konzentrationslager deportiert wurden, Anspruch auf Entschädigung.

Gemeine Feiglinge
Doch Wadani geht es nicht um juristische Anerkennung: "Ich wurde, wie viele andere, nach Kriegsende nicht als für Österreich kämpfender Befreier, sondern als gemeiner Feigling empfangen. Das wollen wir ändern."

Ähnlich argumentiert David Ellensohn, Grünen-Stadtrat in Wien: "Nach der rechtlichen Anerkennung der Opfer der NS-Wehrmachtsjustiz bedarf es der gesellschaftlichen Rehabilitierung. Die Ausstellung kann dazu einen wertvollen Beitrag leisten." Und Wadani gibt sich vor allem in Richtung der Soldaten- und Kameradschaftsverbände versöhnlich: "Als Junger darf und kann man irren. Verwerflich ist nur, wenn man im Alter an den Irrtümern festhält."

http://www.kurier.at/nachrichten/146078.php


Titel: Neue Wanderausstellung über die kriminelle NS-Militärjustiz
Beitrag von: Kater am 18. Mai 2008, 18:51:44
Zitat
«Ein Skandal, auch vor der Geschichte»
 
Stadtmuseum: Schau erinnert an Opfer der Wehrmachtsjustiz

Halle/MZ. "Was damals rechtens war, kann heute nicht unrecht sein." Mit diesem Satz rechtfertigte 1978 Hans Filbinger, damals Ministerpräsident Baden-Württembergs, sein Handeln als Marinerichter während der NS-Zeit. Ein "ungeheuerlicher Satz", sagte am Donnerstag Halles Kulturdezernent Hans-Jochen Marquardt im Stadtmuseum zur Eröffnung der Wanderausstellung "Was damals Recht war.", die an das Schicksal von Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht erinnert.

300 Verurteilte in Halle

Konzipiert wurde die Schau von der "Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas"; entscheidende Hilfe kam von der hiesigen Gedenkstätte Roter Ochse. In Halle nämlich wurden fast 300 Verurteilte hingerichtet. Kulturdezernent Marquardt nannte dies einen Teil der "Stadtgeschichte, die wie ein Stachel in die Gegenwart ragt".

Insgesamt fällte die Wehrmachtsjustiz mindestens 30 000 Todesurteile. Justizministerin Angela Kolb (SPD) und Innen-Staatssekretär Rüdiger Erben hofften auf viele junge Besucher und mahnten, es sei nicht zu spät, für Gerechtigkeit zu sorgen.

Gerechtigkeit: Viele NS-Richter setzten nach Kriegsende ihre Karriere fort - die Verurteilten dagegen mussten sich als Feiglinge und Vaterlandsverräter beschimpfen lassen. Erst im Mai 1998 hob der Bundestag einen Teil der Unrechtsurteile pauschal auf. Vier Jahre später wurden auch Homosexuelle, Deserteure und andere Opfer der NS-Militärjustiz rehabilitiert.

Die Urteile wegen Kriegsverrat gelten dagegen bis heute. "Das ist ein Skandal, auch vor der Geschichte", sagte Ludwig Baumann. Er ist Vorsitzender der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz. 1942 wurde er wegen Desertion zum Tode verurteilt, wenig später wurde das Urteil in eine zwölfjährige Haftstrafe umgewandelt - was Baumann nicht erfuhr. Acht Monate saß er in der Todeszelle und erwartete an jedem Tag seinen Henker.

Den Krieg verraten

Baumann ist rehabilitiert, aber er will auch die Rehabilitation für diejenigen, die wegen Kriegsverrat verurteilt wurden. Vor allem CDU, CSU und FDP weigern sich, die Urteile pauschal aufzuheben. Ludwig Baumann fragte am Donnerstag: "Was kann man Besseres machen, als den Krieg verraten?"

Bis 29. Juni im Stadtmuseum (Große Märkerstraße 10); dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Donnerstags ist der Eintritt frei.


http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1208456087262&openMenu=1012569559775&calledPageId=1012569559775&listid=1016799959889

siehe auch hier:

http://www.chefduzen.de/thread.php?threadid=13772


Titel: Re: Neue Wanderausstellung über die kriminelle NS-Militärjustiz
Beitrag von: Kater am 17. November 2008, 12:25:02
Zitat
Endstation einer Flucht

Das Freiburger Gefängnis im Stadtteil Herdern war in der NS-Zeit eines von acht zentralen Wehrmachtgefängnissen im Deutschen Reich. Hier waren Menschen inhaftiert, die von einem Militärgericht angeklagt oder verurteilt worden waren – ein Großteil Soldaten, mindestens 43 von ihnen wurden hingerichtet. Es könnten aber auch mehr gewesen sein, sagt der Freiburger Historiker Peter Steinkamp, der über das Gefängnis an der Sautierstraße geforscht hat. Die Zahl der Hingerichteten geht aus einem Nachkriegsbericht des Freiburger Juristen Karl Siegfried Bader (1905–1998) hervor, der als Schreiber im Gefängnis seinen Wehrdienst leistete, ehe er begann, als Anwalt Häftlinge zu verteidigen.

Im Laufe des Kriegs wuchs die Zahl der von Militärgerichten verhängten Todesurteile an. Weil die Militärgefängnisse ab 1942 überfüllt waren, ging man dazu über, Häftlinge in Strafbataillone nach Osteuropa zu schicken. So war eine Freiburger Feldstrafgefangenenabteilung südlich von St. Petersburg stationiert. Die Häftlinge – sie wurden oft als besonders "erziehungsbedürftig" eingestuft – mussten unter extrem widrigen Bedingungen Leichen- und Minenfelder räumen oder Wege in Sumpfgebieten bauen.

30 000 Todesurteile sprach die Militärjustiz aus. Sehr viele der zum Tode Verurteilten wurden hingerichtet, darunter etwa 15 000 Deserteure. Es gab auch Todesurteile wegen Kapitalverbrechen, Tötungen oder Vergewaltigungen. Neben Deserteuren saßen auch Zivilisten in den Wehrmachtgefängnissen: etwa französische Widerstandskämpfer und Menschen, die in einer militärischen Einrichtung etwas gestohlen hatten.

Steinkamp schätzt, dass ständig 600 bis 800 Häftlinge in dem fünfarmigen Bau in Herdern gefangen waren. Beim Bombenangriff am 27. November 1944 wurde ein Flügel des Gebäudes getroffen und zerstört. Rund 100 Gefangene flohen, darunter der Wiener Schriftsteller H. C. Artmann (1921–2000). Bemerkenswert ist, dass Artmann, der im Gefängnis saß, weil er desertiert war, wie viele andere Entflohene nicht unmittelbar das Weite suchte, sondern der ausgebombten Zivilbevölkerung im Institutsviertel noch bei den Bergungsarbeiten half.

Wo in Freiburg die Hinrichtungen der verurteilten Häftlinge – neben Erschießungen gab es auch Tod durch Erhängen und die Guillotine – stattfanden, ist nicht klar. Steinkamp vermutet, dass nicht das Freiburger Gefängnis Schauplatz der Exekutionen war. Zwei Hinrichtungen sind bekannt: Walter Blasy, Angehöriger eines Exekutionskommandos, schilderte nach dem Krieg, wie ein 18 Jahre alter Bauernsohn auf einem Schießplatz (vermutlich ist das Gelände an der Hermann-Mitsch-Straße gemeint) erschossen wurde, weil er sich – wohl aus Heimweh – auf den Weg zu seinen Eltern im Schwarzwald gemacht hatte. Die zweite bekannte Hinrichtung basiert auf einem Obduktionsbericht: Am 16. Mai 1942 wurde ein 25-jähriger Ortenauer aus dem Freiburger Gefängnis hingerichtet, der – so ist zu vermuten – ebenfalls desertiert war. Warum der 25-jährige Hingerichtete überhaupt obduziert wurde, vermag auch Steinkamp nicht schlüssig zu erklären.

Warum die Freiburger Haftanstalt eine so zentrale Rolle als Wehrmachtsgefängnis spielte, ist nicht klar. Die Aktenlage ist dünn. Fest steht: Als Militärgefängnis eingerichtet wurde der Freiburger Knast schon bald nach der Mobilmachung im Sommer 1939. "Dass die Wahl auf Freiburg fiel, mag Zufall gewesen sein", sagt Peter Steinkamp, der als Historiker an der Universität Freiburg arbeitet. Es könnte sein, dass man bei Kriegsbeginn schlichtweg darauf geschaut habe, in welchen Anstalten es genügend Platz gab. Das Freiburger Gefängnis diente auch zur Untersuchungshaft oder wenn Häftlinge des Militärs aus dem besetzten Frankreich überstellt wurden. Der heute 86 Jahre alte Deserteur Ludwig Baumann erzählt, wie er aus dem Gefängnis in Bordeaux in ein Lager im Emsland verlegt werden sollte und dabei einige Tage lang in der Freiburger Anstalt untergebracht wurde (BZ vom 6. November). Eine Rolle dafür, dass die Wahl auf Freiburg fiel, könnte auch die Nähe zur Schweizer Grenze gespielt haben. Dorthin versuchten viele Fahnenflüchtige zu gelangen, oft führte dabei der Fluchtweg über Freiburg. Steinkamp bestätigt: "Freiburg war einer der Orte, wo sehr viele potenzielle Fahnenflüchtige festgenommen wurden."

Ein Deserteur, der in Freiburg gefangen genommen wurde, war der Berliner Student Stefan Hampel (1918–1998), sein Schicksal ist in der Ausstellung "Was damals Recht war…" dargestellt. Im Urlaub, auf der Suche nach seiner verschleppten polnischen Mutter, wurde der Soldat im ostpolnischen Wassilischki im Mai 1942 Zeuge einer Massenerschießung von Juden. "Ganz verwirrt und innerlich gebrochen", so Hampel später gegenüber dem Gericht, habe er sich entschlossen zu desertieren. Ein Jahr lang versteckte sich Hampel bei litauischen Partisanen, ehe er sich 1943 in seiner alten Reichsbahnuniform – er hatte aus Geldnot für einige Zeit bei der Bahn gearbeitet – in den Zug setzte und durch ganz Deutschland fuhr. In Freiburg machte er am 1. Mai 1943 Halt. Er sei auf dem Weg in die Schweiz gewesen, um dem Internationalen Roten Kreuz von den Gräueltaten an den Juden zu berichten, erklärte er nach dem Krieg.

Hampel kam in einem Freiburger Hotel am Hauptbahnhof unter, dort wurde er verhaftet. Obwohl er einen gefälschten Ausweis bei sich trug, nannte er seinen richtigen Namen. In einem Bericht für das Militärgericht schilderte er eindringlich, wie 2000 Juden in ihr eigenes Grab steigen mussten und dann erschossen wurden – die Schilderung zählt heute zu den wenigen erhaltenen zeitgenössischen Berichten von Wehrmachtsangehörigen über den Holocaust.

"Was damals Recht war...": Ausstellung der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas im Kollegiengebäude I der Universität (Eingangshalle), Montag bis Freitag 7 bis 22 Uhr, Samstag 7 bis 18 Uhr (bis 18. Dezember). Der Eintritt ist frei. 


http://www.badische-zeitung.de/freiburg/endstation-einer-flucht--7707273.html


Titel: Jetzt in Bremen: Wanderausstellung über die kriminelle NS-Militärjustiz
Beitrag von: Kater am 05. Juni 2009, 10:34:11
Zitat
Ausstellung regt zum Nachdenken an
NATIONALSOZIALISMUS „Was damals Recht war“ dokumentiert Schicksale während des Dritten Reichs

Vom 29. Mai bis zum 28. Juni können sich Besucher in der Unteren Rathaushalle in
Bremen über den deutschen Unrechtsstaat zur NS-Zeit informieren.

RICHTER, DIE WILLKÜRLICH HANDELTEN, MACHTEN IM NACHKRIEGS-DEUTSCHLAND
KARRIERE. ZEHNTAUSENDE MUTMAßLICHE DESERTEURE WURDEN ZUM TODE VERURTEILT.

VON JÖRG ESSER

BREMEN - Über Unrecht und Willkür der NS-Militärjustiz informiert die
Wanderausstellung „Was damals Recht war...“, die vom 29. Mai bis 28. Juni in der
Unteren Rathaushalle in Bremen zu sehen ist. Um die Ausstellung der Berliner
„Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ haben diverse Bremer
Initiativen ein umfangreiches Begleitprogramm mit 25 Veranstaltungen gestrickt.

Täter und Opfer

Die Präsentation schildert unter anderem das Schicksal von 14 Personen, die die
Wehrmachtsjustiz zu schweren Strafen oder zum Tode verurteilte. Fünf
biografische Porträts geben Aufschluss über die Urteilspraxis von
Militärjuristen im Unrechtsregime und deren Karrieren im Nachkriegs-Rechtsstaat.

„Die Lebenswege von Tätern und Opfern haben sich skandalös geteilt“, sagt
Herbert Wulfekuhl, Leiter der Bremer Landeszentrale für politische Bildung. Kein
Richter sei je für seine willkürlichen Schuldsprüche zur Verantwortung gezogen
worden. Die meisten machten Karriere im Nachkriegsdeutschland. Ein Beispiel ist
der Ex-Marinerichter Hans Karl Filbinger, der von 1966 bis 1978 als
CDU-Ministerpräsident Baden-Württemberg regierte. Und in Bremen arbeitete sich
nach dem Krieg Kurt Bode bis zum Vizepräsidenten des Oberlandesgerichtes empor.
Jener Bode verurteilte 1938 als Vorsitzender eines Feldkriegsgerichts im
besetzten Danzig 38 Postler zum Tode, die ihr Postamt gegen SS-Schergen
verteidigt hatten.

Mehr als 30 000 Todesurteile verhängten die Richter der Wehrmacht. Mindestens 20
000 Urteile wurden vollstreckt. Soldaten und Zivilisten wurden als Deserteure,
Wehrkraftzersetzer und Volksschädlinge abgeurteilt – weil sie Zweifel am Endsieg
anmeldeten oder weil sie zwei Dosen Schokolade stahlen, wie der Gefreite
Kleinschmidt in Wolfgang Staudtes bissiger Satire „Rosen für den Staatsanwalt“
(1959, mit Walter Giller und Martin Held in den Hauptrollen).

Und noch eine erschreckende Zahl: Die Nazi-Richter verhängten im Zweiten
Weltkrieg rund 15 000 Todesurteile wegen Fahnenflucht.

Zum Vergleich: Die Richter des Kaiserreichs „begnügten“ sich im Ersten Weltkrieg
mit 18 Todesurteilen. Viele Justizopfer, die ihr Todesurteil überlebten, wurden
im Nachkriegsdeutschland als „Vaterlandsverräter“ und „Kameradenschweine“
verunglimpft. „Sie sind daran zerbrochen“, ergänzt Dorothea Hoffmann von der
Elser-Initiative. Entschädigungen seien mit teils aberwitzigen Gründen
verweigert worden.

Erst 2002 wurden fast alle Opfer rechtlich rehabilitiert. Nur für die
sogenannten „Kriegsverräter“ ist noch keine Lösung gefunden worden. Die laut
Wulfekuhl „in ihrer Komplexität sehr anspruchsvolle“ Ausstellung „Was damals
Recht war...“ wird am Freitag. 29. Mai, um 16 Uhr in der Unteren Rathaushalle
eröffnet. Mit dabei ist der Bremer Ludwig Baumann, 1942 als Deserteur zum Tode
verurteilt und heute Vorsitzender der Bundesvereinigung der Opfer der
NS-Militärjustiz.

 
http://www.nwzonline.de/index_regionalausgaben_stadt_bremen_artikel.php?id=2005294