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Neuigkeiten + Diskussion => (Sozial-) Politikforum & Aktuelles von Chefduzen => Thema gestartet von: Rudolf Rocker am 10. Mai 2011, 21:06:05



Titel: Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rudolf Rocker am 10. Mai 2011, 21:06:05
Zitat
Seit Januar läuft das Revisionsverfahren im Fall Oury Jalloh gegen Andreas Schubert vor dem Magdeburger Landgericht. Der damalige Dienstgruppenleiter hat sich erneut wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu verantworten. Nachdem der Prozess anfangs nur schleppend in Gang kam und sich viele der bisher geladenen Zeugen nicht richtig erinnern wollten, kam es in den vergangenen Verhandlungstagen zu einer überraschenden Wende.



http://www2.de.indymedia.org/2011/05/307275.shtml (http://www2.de.indymedia.org/2011/05/307275.shtml)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Kuddel am 13. Januar 2012, 15:03:31
Zitat
Überwacht endlich die Überwacher!

In Dessau wurden Demonstranten verprügelt, die der lokalen Polizei Rassismus vorwerfen. Der Vorfall zeigt: Unsere Polizisten müssen besser kontrolliert werden.
http://www.fr-online.de/politik/kommentar-zu-oury-jalloh-ueberwacht-endlich-die-ueberwacher--,1472596,11413738,view,DEFAULT.html (http://www.fr-online.de/politik/kommentar-zu-oury-jalloh-ueberwacht-endlich-die-ueberwacher--,1472596,11413738,view,DEFAULT.html)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rudolf Rocker am 13. Dezember 2012, 22:50:04
Zitat
Polizist wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Fast acht Jahre nach dem Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Polizeizelle in Dessau ist ein Beamter zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Das Gericht urteilte, er habe sich der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht. Der Prozess musste neu aufgerollt werden, weil der BGH einen Freispruch aufgehoben hatte.




http://www.tagesschau.de/inland/jalloh120.html (http://www.tagesschau.de/inland/jalloh120.html)



Achtet mal auf die Aussage von Eddie Bruce Jones:

Zitat
"Es ist schon ein bißchen seltsam, denn es hätte eine Anklage wegen Mordes sein sollen, doch am Ende blieb nur eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung übrig.
Die tatsächlichen Vorgänge, die zum Feuer führten, wurden völlig außer acht gelassen.
Das ist für Deutschland schon bedenklich."


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Aloysius am 15. Dezember 2012, 17:23:53
Hier wenig verwunderliche Neuigkeiten zum Urteil


Zitat
Jalloh-Prozess Staatswaltschaft legt Revision gegen Urteil ein
erstellt 14.12.12, 23:33h, aktualisiert 15.12.12, 13:45h

...
http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1355480186955&openMenu=1013016724285&calledPageId=1013016724285&listid=1018881578312 (http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1355480186955&openMenu=1013016724285&calledPageId=1013016724285&listid=1018881578312)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rudolf Rocker am 12. November 2013, 17:43:17
Zitat
Keine Selbstverbrennung im Fall Oury Jalloh?

Ein neues Gutachten zum Fall des verbrannten Asylbewerbers Oury Jalloh in Dessau verweist auf die Beteiligung unbekannter Täter. Die "Initiative in Gedenken an Oury Jalloh" hatte gemeinsam mit dem irischen Brandgutachter Maksim Smirnou die Szenerie in mehreren Versuchen nachgestellt. Wie die Vertreter der Initiative am Dienstag in Berlin mitteilten, zeigten die Ergebnisse, dass der an Händen und Füßen gefesselte Gefangene im Januar 2005 das Feuer in seiner Polizeizelle nicht selbst gelegt hat. Er sei stattdessen mit Benzin übergossen und angezündet worden.


http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/gutachten-oury-jalloh-nicht-selbst-angezuendet100.html (http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/gutachten-oury-jalloh-nicht-selbst-angezuendet100.html)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Strombolli am 12. November 2013, 18:25:25
Man kann nur hoffen, dass die Wahrheit ans Licht kommt. - Es ist unerträglich in einem Bundesland zu leben, in welchem ein böser Tötungs-Verdacht im Raum steht.


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rudolf Rocker am 12. November 2013, 19:02:06
Man kann nur hoffen, dass die Wahrheit ans Licht kommt. -

Ja und man kann der "Initiative in Gedenken an Oury Jalloh" und ihren UnterstützerInnen nicht genug dafür danken, das sie diesen unglaublich langen Atem haben und nicht locker lassen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Dafür mein ganz, ganz herzliches Dankeschön!


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Kuddel am 19. November 2013, 14:18:21
Mein Respekt für die Ausdauer und Zähigkeit der Aktivisten in diesem Fall.
Dieses Ergebnis darf nicht zu den Akten gelegt werden. Konsequenzen sind notwendig, denn wir haben Verhältnisse in denen Ähnliches jederzeit wieder passieren könnte.


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: NachbarArsch am 21. November 2013, 17:53:54
Hierzu und zum NSU Prozeß nen netter und viel kommentierterTAZ Kommentar

http://www.taz.de/Schlagloch-Deutsche-Polizei/ (http://www.taz.de/Schlagloch-Deutsche-Polizei/)!127781/



Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Kuddel am 08. Dezember 2013, 12:50:47
Zitat
Mehr als ein Justizirrtum

Gutachten Der Afrikaner Oury Jalloh starb in einer Polizeizelle. Die These von der Selbstentzündung wird immer unhaltbarer


([url]http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/mehr-als-ein-justizirrtum/@@images/98c91133-f468-4abf-a719-2dc56aa599f9.jpeg[/url])

Sie haben den deutschen Behörden und der deutschen Justiz von Anfang an misstraut, die Mitglieder der Gedenkinitiative an Oury Jalloh. Der Afrikaner verbrannte im Januar 2005 in einer Dessauer Polizeizelle. „Das war Mord!“, riefen die Aktivisten bei den Prozessen gegen zwei mutmaßlich beteiligte Polizisten in Dessau und Magdeburg. Auf ihren Plakaten standen die gleichen drei Worte. Vor einem dritten Prozess ergriffen sie selbst die Initiative und gaben ein eigenes Brandgutachten in Auftrag. Und das bringt die bislang vorherrschende These von einem Selbstmord Jallohs tatsächlich ins Wanken.

Freunde hätten ihnen geraten, einen Gutachter aus dem Ausland zu bestellen, berichtete Mouctar Bah, ehemals enger Freund von Jalloh, bei der Vorstellung des Gutachtens in der vorigen Woche. Dennoch habe man zunächst versucht, deutsche Experten zu konsultieren, unter anderem in Köln. Sie lehnten jedoch durchweg ab. Die Aufgabe übernahm schließlich der aus Weißrussland stammende und im irischen Waterford lebende Maksim Smirnou. Er hat sich nach eigenen Angaben seit zehn Jahren mit der Untersuchung von bislang 300 Brandfällen befasst.

Geprägt von dubiosen Annahmen

Das Gutachten erschüttert die Annahme, dass Oury Jalloh die Matratze einer Zelle im Keller des Polizeireviers Dessau selbst angezündet haben soll. Gestützt wurde diese Theorie bislang auf ein ominöses Feuerzeug und die Tatsache, dass der aus Sierra Leone stammende Immigrant am frühen Morgen des 7. Januar 2005 nach angeblicher Belästigung von Frauen stark alkoholisiert aufgegriffen wurde. Revierleiter Andreas S. war vor einem knappen Jahr wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 10.800 Euro verurteilt worden. Vorgeworfen wurde ihm lediglich, seine Aufsichts- und Obhutspflichten verletzt zu haben.

Wie aber sollte sich der Afrikaner, an Händen und Füßen auf der Pritsche fixiert, selbst angezündet haben? Auf einer feuerfesten Matratze in einer leeren gekachelten Zelle? Mit diesen Fragen schienen sich sowohl Amts- als auch Landgericht arrangiert zu haben. Auch ein externer Zellennachbau und eine Simulation der wahrscheinlichen Ereignisfolge brachten keine neuen Erkenntnisse zur Brandursache. „Wirklich aufgeklärt wird der Fall vermutlich nie“, schrieb deshalb eine Magdeburger Tageszeitung nach dem Urteil im Berufungsprozess, gegen das inzwischen sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung Revision beantragt haben.

Experte Smirnou ging nun offenbar weitaus systematischer vor. Ein Schweinekadaver musste den menschlichen Körper simulieren. Es zeigte sich zunächst, dass ohne Brandbeschleuniger ein Ausbrennen des Matratzenschaumstoffs nur bei nahezu vollständiger Entfernung der Matratzenhülle möglich war. Selbst bei Einsatz eines Brandbeschleunigers, getestet wurden hier immerhin bis zu fünf Liter Benzin, konnten keine so vollständigen Verbrennungserscheinungen an Matratze und Körper beobachtet werden wie an jenem Januartag in der Zelle 5 des Polizeireviers. Der Gutachter folgert, dass damals auf jeden Fall ein Brandbeschleuniger im Spiel gewesen sein muss, ohne den auch nicht die tatsächlich beobachtete starke Entwicklung schwarzen Rauches aufgetreten wäre. Und er vermutet, dass die Matratze manipuliert gewesen sein müsste, um eine derartige Brandwirkung zu erzielen.

Feuerzeug ohne DNA-Spuren


Der Gutachter weist außerdem auf Widersprüche hin zwischen dem Ort, an dem der Brand angeblich ausgebrochen sein soll, und der Stellung, in der die Leiche gefunden wurde. Eine gravierende Ungereimtheit sieht er darin, dass bei der Obduktion des Leichnams im Urin nicht das erwartete Stresshormon Noradrenalin nachgewiesen wurde, das in Panik auf jeden Fall ausgeschüttet würde. „Oury Jalloh war bei Ausbruch des Brandes schon nicht mehr bei Bewusstsein“, formuliert Smirnou daher seine schwer wiegende Hypothese. Ein erst bei einer zweiten Autopsie festgestellter Nasenbeinbruch hatte bereits während der Ermittlungen Fragen aufgeworfen, die nicht beantwortet wurden.

Smirnou stellt auch infrage, ob die Liste der sichergestellten Gegenstände korrekt geführt wurde. An dem Feuerzeug befanden sich weder DNA-Spuren des Opfers noch Spuren der Kleidung. Es sei „wissenschaftlich ausgeschlossen, dass dieser Feuerzeugrest jemals in Kontakt mit Oury Jalloh oder der Matratze war“, behauptet der Brandexperte.

Die Jalloh-Gedenkinitiative und sechs Einzelpersonen haben auf der Basis dieses Gutachtens Strafanzeige beim Generalbundesanwalt Harald Range gestellt – gegen unbekannte Polizisten, wegen Totschlags oder Mordes. Geschickt haben sie Range nicht nur das Gutachten, sondern auch eine Aufzählung verschwundener oder manipulierter Beweismittel und widersprüchlicher Zeugenaussagen in den Prozessen.

Die Justiz zeigt sich betroffen

Sie kritisieren insbesondere, dass in den bisherigen Verfahren die Möglichkeit ausgeschlossen wurde, dass sich Dritte einen Zugang zum Zellentrakt verschafft haben könnten. „Aber Dritte müssen mitgewirkt haben“, erklärt Initiativensprecher Thomas Ndindah. Dass sich die Anzeigenerstatter an den Generalbundesanwalts gewandt haben, begründen sie damit, dass es sich „im vorliegenden Fall um eine besonders schwere Straftat mit Bezug zur inneren Sicherheit und Verfasstheit der Bundesrepublik Deutschland handelt, da die zu ermittelnden Täter notwendigerweise exekutive Amtsträger des Bundeslandes Sachsen-Anhalt sein müssen“. Dessen Justizorgane hätten neun Jahre lang eine rechtsstaatliche Aufklärung des Falles boykottiert.

Ein Vertreter dieser Justiz, der Dessauer Oberstaatsanwalt Folker Bittmann, zeigte sich sichtlich betroffen. Es handele sich um „sehr ernste, überraschende und zum Teil erschreckende Informationen“, kommentierte er die neuen Erkenntnisse. Ohne Brandbeschleuniger seien offenbar die im Revier protokollierten Zeitabläufe nicht realistisch. Die Polizeibeamten hatten ein erstes Anschlagen des Rauchmelders ignoriert, angeblich weil dieser häufig fälschlicherweise Alarm schlage. Das werde schon seit längerem geprüft, erklärte Staatsanwalt Bittmann. Wenn es konkrete Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden gebe, müsse man sie aufgreifen.

Nicht der einzige ungeklärte Todesfall


Genau diese Wiederaufnahme der Ermittlungen fordern Linke und Grüne im Landtag von Sachsen-Anhalt. Die Linken-Innenpolitikerin Gudrun Tiedge verlangte außerdem ein Ende der „Kriminalisierung und Diskreditierung der Initiative und aller kritischen Prozessbegleiter“. Und ihr Kollege Sebastian Striegel von den Grünen erwartet vom Bundesgerichtshof, dass er über die beantragte Revision im Licht dieser neuen Erkenntnisse entscheidet.

Darauf setzen die Freunde des Opfers schon lange nicht mehr, was nicht nur an der Bestellung eines internationalen Gutachters deutlich wird. Sie erinnern daran, dass 1997 und 2002 in diesem Dessauer Polizeirevier bereits zwei Männer an inneren Verletzungen und an einem Schädelbasisbruch starben – unter ähnlich ungeklärten Umständen.
http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/mehr-als-ein-justizirrtum (http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/mehr-als-ein-justizirrtum)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: xyu am 11. Dezember 2013, 20:19:52
Zitat
Flüchtling tot: Notruf ignoriert?
Heiligenhaus. Bereits am Sonntag ist ein akut erkrankter Bewohner eines Asylbewerberheims im nordrhein-westfälischen Heiligenhaus verstorben. Andere Bewohner der Notunterkunft werfen den Rettungsdiensten vor, auf Notrufe nicht beziehungsweise zu spät reagiert zu haben. Dies berichtete die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) am Dienstag abend auf ihrer Internetseite. Die Kreisverwaltung Mettmann erklärte, es habe keine Verzögerungen gegeben. Nach Angaben der »Karawane für die Rechte der Flüchtlinge« berichteten Bewohner der Unterkunft, daß zwei Stunden lang kein Rettungswagen erschienen sei. Am Dienstag demonstrierten Asylbewerber spontan vor dem Rathaus in Heiligenhaus, um die Aufklärung der Todesursache zu fordern. Laut WAZ ermittelt die Staatsanwaltschaft Wuppertal. Sie werte außerdem die Telefonbänder der Rettungsleitstellen aus.

(jW)

Gedenkdemonstration am 12. Dezember, 16 Uhr, Notunterkunft für Flüchtlinge an der Ludgerusstraße, Heiligenhaus

http://www.jungewelt.de/2013/12-12/017.php (http://www.jungewelt.de/2013/12-12/017.php)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rudolf Rocker am 11. Dezember 2013, 20:38:56
Zitat
Drama im Heiligenhauser Asylbewerberheim: Asylbewerber Hassan (44) aus Ghana liegt im Sterben, doch der Krankenwagen lässt Stunden auf sich warten – so erzählen es jedenfalls die Mitbewohner. Der Kreis berichtet von einem Anruf unter der Notrufnummer. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Wuppertal, was passiert ist.


http://www.derwesten.de/staedte/heiligenhaus/asylbewerber-stirbt-in-heiligenhaus-staatsanwaltschaft-wuppertal-ermittelt-id8759820.html (http://www.derwesten.de/staedte/heiligenhaus/asylbewerber-stirbt-in-heiligenhaus-staatsanwaltschaft-wuppertal-ermittelt-id8759820.html)



Zitat
Proteste nach Tod eines Asylbewerbers


http://www.rp-online.de/nrw/staedte/ratingen/proteste-nach-tod-eines-asylbewerbers-aid-1.3878133 (http://www.rp-online.de/nrw/staedte/ratingen/proteste-nach-tod-eines-asylbewerbers-aid-1.3878133)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Strombolli am 11. Dezember 2013, 20:59:48
Ich finde das ein solcher Vorfall zum Himmel stinkt und jegliche Freiheitsbeteuerungen und Präsidentenboykotte Lügen straft. Deshalb finde ich das offizielle, unter der Decke gehaltene Deutschland einfach nur zum Kotzen, abscheulich, widerwärtig und menschenverachtend!

Und wieder ein paar Punkte auf der Skala des ROTWERDENS. (und ich meine jetzt nicht die Schamröte)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Kuddel am 10. März 2014, 15:16:28
Zitat
Oury Jallo: »Institutionelle Vertuschung«
Flücht­lings­in­itia­ti­ven wer­fen Ge­ne­ral­bun­des­an­walt Igno­ranz vor

Von Susan Bo­na­th

Die In­itia­ti­ve »In Ge­den­ken an Oury Jal­loh« hat sich mit einem of­fe­nen Brief an den Ge­ne­ral­bun­des­an­walt Ha­rald Range ge­wandt. Darin wirft ihm der Autor des Tex­tes, Tho­mas Nd­in­dah, vor, In­di­zi­en für ein Tö­tungs­ver­bre­chen zu igno­rie­ren. Als Täter, so Nd­in­dah, kämen Po­li­zei­be­am­te in Frage. »In dem Fall würde es sich um eine be­son­ders schwe­re Straf­tat mit Bezug zur in­ne­ren Si­cher­heit han­deln.«
http://antifadueren.blogsport.de/2014/03/09/oury-jallo-institutionelle-vertuschung/ (http://antifadueren.blogsport.de/2014/03/09/oury-jallo-institutionelle-vertuschung/)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Kuddel am 25. August 2014, 14:50:55
Zitat
Kein Visum für Oury Jallohs Bruder

Am Donnerstag wird Oury Jallohs Tod in einer Dessauer Polizeizelle vor Gericht verhandelt. Sein Bruder sollte dabei sein, darf aber nicht einreisen.


([url]http://www.taz.de/uploads/images/624/Jalloh_Magdeburg_dpa_044295.jpg[/url])
Protestplakat zum Tod von Oury Jalloh.  Bild: dpa

BERLIN taz | Am Donnerstag verhandelt der Bundesgerichtshof in Karlsruhe erneut den Feuertod des Afrikaners Oury Jalloh. Sein Bruder Mamadou Saliou Diallo soll nicht dabei sein: Die deutsche Botschaft in Conakry, Guinea, weigert sich, dem Nebenklagevertreter ein Visum zu erteilen.

Jalloh, ein Asylbewerber aus Sierra Leone, war 2005 an Händen und Füßen gefesselt ums Leben gekommen, als in seiner Zelle ein Feuer ausgebrochen war. Die Ursache ist bis heute ungeklärt – trotz zweier Prozesse.

Jallohs Bruder wollte am Samstag nach Deutschland fliegen. Die Botschaft lehnte seinen Visumsantrag jedoch mit der Begründung ab, seine Absicht, vor Ablauf des Visums wieder auszureisen „konnte nicht festgestellt werden“. Auch habe er den „Zweck und die Bedingungen des beabsichtigten Aufenthalts nicht nachgewiesen.“ Jallohs Bruder war in der Vergangenheit bereits zwei Mal zu Gerichtsterminen nach Deutschland gekommen – und wie vorgesehen wieder ausgereist.

Zudem, so die Botschaft, habe er nicht ausreichend nachgewiesen, wie er seinen Lebensunterhalt in Deutschland bestreiten wolle. Eine Verpflichtungserklärung von Unterstützern, die für seinen Unterhalt aufkommen wollen, reichte der Botschaft nicht.

Die Initiative „Gedenken an Oury Jalloh“ sprach von einer „rassistisch motivierten Erniedrigung von Hinterbliebenen eines Todesopfers exekutiver Gewalt“. Die Unterstellung, Diallo wolle nach der Verhandlung in Deutschland bleibe, sei „widerwärtig und anmaßend“.
Polizisten in Revision

In der Revisionsverhandlung prüfen die Richter die Verurteilung eines ehemaligen Dienstgruppenleiters der Polizei zu einer Geldstrafe von 10.800 Euro wegen fahrlässiger Tötung. Die Entscheidung des BGH könnte auch ein laufendes Ermittlungsverfahren der Dessauer Staatsanwaltschaft zur Klärung der Todesursache beeinflussen.

Die beiden Verteidiger des inzwischen 54 Jahre alten Polizisten wollen vor dem BGH erreichen, dass das Urteil des Landgerichts Magdeburg vom Dezember 2012 gekippt wird. Sie streben einen Freispruch an – wie 2008 bereits das Landgericht Dessau in erster Instanz entschieden hatte.

Aber auch die Staatsanwaltschaft hat Revision gegen das Magdeburger Urteil eingelegt. Sie will vom BGH geklärt wissen, ob die Ereignisse vom 7. Januar 2005 auch als Freiheitsberaubung mit Todesfolge zu werten seien. Dies könnte dann in einem neuen Prozess eine Haftstrafe von mindestens einem Jahr, das Ausscheiden des Polizisten aus dem Dienst und das Erlöschen von Pensionsansprüchen bedeuten.
Keinen Richter benachrichtigt

Auch die Revision der Nebenkläger stütze sich auf die Missachtung des Richtervorbehalts, sagte der Hamburger Rechtsanwalt Philipp Napp. Nach der Festnahme um 8.30 Uhr wäre aus Napps Sicht zwingend ein Richter zu benachrichtigen gewesen. Dies sei aber bis zu Jallohs Tod um 12.06 Uhr nicht geschehen.

Unterstützer der „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“ wollen mit drei Bussen aus Jena, Berlin und Leipzig zur BGH-Verhandlung nach Karlsruhe kommen. Ihr Sprecher Mouctar Bah sagte, er erwarte, dass etwa 80 Menschen dabei sein wollten.

Die Initiative hat bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe Strafanzeige wegen Mordes gestellt und das Gutachten eines irischen Brandexperten vorgelegt. Demnach habe der gefesselt auf einer Matratze liegende Jalloh das Feuer nicht selbst legen können. Es sei unmöglich, dass dieser sich selbst angezündet habe, sagte Bah in einer auf YouTube veröffentlichten Erklärung zur BGH-Verhandlung. Jalloh sei umgebracht worden, „nur weil er diese Hautfarbe hat“.

Die Bundesanwaltschaft leitete die Anzeige an die Dessauer Staatsanwaltschaft weiter. „Es ist ein Todesermittlungsverfahren anhängig, das noch nicht abgeschlossen ist“, sagte Oberstaatsanwalt Christian Preissner eine Woche vor dem BGH-Termin. Seine Behörde werde genau prüfen, zu welchen Ergebnissen der BGH kommen werde. Wenn Karlsruhe dem Landgericht Magdeburg in der Feststellung der Todesursache folge, „wird man sehen, wie es mit dem Ermittlungsverfahren weitergeht“.
http://www.taz.de/Prozess-um-Feuertod-in-Polizeizelle/ (http://www.taz.de/Prozess-um-Feuertod-in-Polizeizelle/)!144745/


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Kuddel am 05. September 2014, 18:03:13
Zitat
Gewaltenteilung aufgehoben …

Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs Karlsruhe hat heute, am 04.09.2014, das Urteil des Landgerichts Magdeburg (schriftl. Urteil vom Mai 2013) gegen den damaligen Dienstgruppenleiter Andreas Schubert für rechtskräftig erklärt. Damit wird auch ein Hypothesenkonstrukt über die mutmaßliche Nutzung eines so nicht vorhandenen Feuerzeugs zur Selbstanzündung als rechtsfehlerfreie Überzeugung höchstrichterlich geadelt. Trotz Anerkennung polizeilicher Willkür durch fehlende Aufklärung, Ignoranz gegenüber dem notwendigen Richtervorbehalt und andauernder gewalttätiger Zwangsmaßnahmen fügt der Karlsruher Strafsenat, der ohnehin schon überlangen Kette von Hypothesen, seine höchst eigene hinzu.

Der Senat unterstellt, dass ein beauftragter Richter den fortgeführten polizeilichen Rechtsbruch für zulässig erklärt hätte. Damit erteilen die höchsten Richter der BRD einen Freifahrtsschein selbst für tötliche polizeiliche Willkür und ermächtigen verfassungswidrige Exikutive durch judikative Gewalt.

OURY JALLOH – DAS WAR MORD!
http://initiativeouryjalloh.wordpress.com/ (http://initiativeouryjalloh.wordpress.com/)

https://vimeo.com/79113508 (https://vimeo.com/79113508)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Troll am 05. September 2014, 20:32:03
Eine Schweinerei jagt die andere, unglaublich.


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Tiefrot am 05. September 2014, 20:41:04
Hat im Ernst jemand erwartet, das der oder die Täter zur Verantwortung gezogen werden ?
Wir sind in Deutschland, da gibt es sowas nicht. Bei fremdländischen Menschen erst recht nicht, wie mir scheint.  X(


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rudolf Rocker am 27. Oktober 2015, 17:24:52
Zitat
Neue Zweifel im "Fall Jalloh"
Im Januar 2005 verbrannte der Sierra Leoner Oury Jalloh in deutschem Polizeigewahrsam. Wer hat das Feuer gelegt? Er selbst, wie die Justiz bislang glaubt? Oder waren es doch Polizisten? Neue Gutachten stellen die offizielle Version infrage.

Zehn Jahre, nachdem der Afrikaner Oury Jalloh in deutschem Polizeigewahrsam verbrannte, stellen neue Gutachten die offizielle Version des Hergangs infrage. Es spreche wenig dafür, dass der Brand in der Dessauer Zelle von Jalloh selbst gelegt wurde, sagten Gutachter aus England und Kanada bei einer Pressekonferenz in Berlin.

In Auftrag gegeben hatte die Gutachten die "Initiative in Gedenken an Oury Jalloh". Ihrer Ansicht nach wurde Jalloh von Polizisten getötet. Die Gutachter - zwei Brandsachverständige, ein Rechtsmediziner und ein Experte für Giftstoffe - erklärten allerdings, dass sie in den Unterlagen zu dem Fall auch für diese These keine Beweise gefunden hätten.
Waren Brandbeschleuniger im Spiel?

Was genau in der Polizeizelle passierte, ist bis heute ungeklärt. Fest steht nur, dass die Matratze brannte und der an Händen und Füßen gefesselte Jalloh in den Flammen umkam. Die Justiz hatte in mehreren Prozessen keine Anhaltspunkte für eine Fremdbeteiligung am Tod des Afrikaners im Januar 2005 gefunden.

Die Gutachter aus England und Kanada bezweifeln nun, dass Jalloh überhaupt in der Lage gewesen sei, den Brand mit dem damals gefundenen Feuerzeug selbst zu legen. Zudem würden Verlauf und Stärke des Feuers darauf hinweisen, dass Brandbeschleuniger wie Benzin eine Rolle gespielt hätten, auch wenn davon keine Überreste gefunden worden seien.

Der Dessauer Staatsanwalt Olaf Braun wies darauf hin, dass derzeit ein weiteres Ermittlungsverfahren laufe. Man müsse sehen, wie die neuen Erkenntnisse zu den bisherigen Ermittlungen passten.

http://www.tagesschau.de/inland/jalloh-107.html (http://www.tagesschau.de/inland/jalloh-107.html)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 15. Dezember 2015, 19:01:00
Aus: Ausgabe vom 16.12.2015, Seite 4 / Inland

Der Staat im Fall Jalloh
Feuertod in der Zelle: Ermittlungsverfahren offenbar im Stand-by-Modus, Aktivisten befürchten endgültige Einstellung
Von Susan Bonath


(http://fs5.directupload.net/images/151215/temp/47ajrbj8.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4203/47ajrbj8_jpg.htm)(http://)
Selbstmordthese ad absurdum geführt: Demonstration zum zehnten Todestag Oury Jallohs am 7. Januar 2015 in Dessau-Roßlau
Foto: Jens Wolf/dpa - Bildfunk

Oury Jalloh – das war Mord«: Am 7. Januar wird die Parole wieder durch Dessau in Sachsen-Anhalt hallen. Der Feuertod des Flüchtlings im dortigen Polizeirevier jährt sich zum elften Mal. Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh, 2005 gegründet von seinem Freund Mouctar Bah, hat mehr als ein Jahrzehnt Indizien gesammelt, die die amtliche Selbstmordthese ad absurdum führen. Sie hat erreicht, dass der Fall nach einem Freispruch vor dem Landgericht Dessau 2008 nicht zu den Akten gelegt wurde und dass – zumindest offiziell – wieder ermittelt wird. Doch damit könnte bald Schluss sein, fürchten die Aktivisten. Darauf gibt es Hinweise: Am 1. November erklärte Oberstaatsanwalt Folker Bittmann gegenüber der Frankfurter Rundschau, dass 2016 »nach der Befragung aller Experten« entschieden werde, »ob und wenn ja, wie es weitergehen soll«. Zudem lassen jüngere Dokumente, die jW vorliegen, wenig Aufklärungswillen der Dessauer Staatsanwälte erkennen.

Ende 2015, drei Jahre nachdem das Landgericht Magdeburg den vorgesetzten Dessauer Polizisten Andreas S. zu einer Geldstrafe verurteilt hat, weil er dem Verbrennenden »nicht schnell genug geholfen« habe, spricht vieles für Mord. Wie eine Sachverständige 2012 analysiert hatte, weist das Feuerzeug, mit dem der Gefesselte sich angezündet haben soll, keine einzige Spur aus der Todeszelle auf. Das verschmorte Utensil wurde wahrscheinlich nicht, wie behauptet (und nicht beweiskräftig dokumentiert), in einer Asservatentüte entdeckt, sondern manipuliert. Im Juli 2014 fand das Landeskriminalamt Baden-Württemberg noch mehr daran: eingeschmolzene Tierhaare und unversehrte Textilfasern auf verkohlten. Ein von der Initiative beauftragtes, vor zwei Jahren präsentiertes Gutachten legt nahe: Ohne Brandbeschleuniger kann das Feuer nicht so gewütet haben, wie auf Tatortfotos ersichtlich. Eine zweite jüngst vorgestellte Expertise bemängelt schwere Ermittlungsfehler. Zum Beispiel: Ein Foto der Rechtsmedizin Halle zeige nicht, wie angegeben, die Luftröhre des Opfers, sondern die Speiseröhre. Ungeklärt ist ferner: Was weiß die Polizistin Beate H. wirklich über den Tathergang? Am Tag des Geschehens und vor Gericht hatte sie beteuert, Jalloh noch elf Minuten nach Anschlagen des Rauchmelders rufen gehört zu haben. Das ist unmöglich, denn er hatte, wie man heute weiß, kein Kohlenmonoxid im Blut. Er kann also keinen Rauch mehr eingeatmet haben.

Die Ermittlungsakten enthalten sogar Hinweise auf mögliche Täter: Ein Justizangestellter bezichtigte einen inzwischen pensionierten Polizisten – früher Chemiearbeiter und Feuerwehrmann – der Brandlegung. Ersterer wurde vernommen, der Beschuldigte offenbar nicht. Nach jW-Informationen wurde zudem ein Disziplinarverfahren gegen den Zeugen geführt. Eine zweite Anzeige aus dem Jahr 2013 belastete einen weiteren Polizisten. Dieser sei wegen Kontakten ins Neonazimilieu bereits vor dem Brand versetzt worden. Einer Freundin habe er detailliert gestanden, das Feuer auf »Bitte« eines Kollegen entfacht zu haben. Die Frau habe es ihrem Mann zugetragen, der sich an Dritte wandte. Der Generalbundesanwalt wies die Anzeige zurück nach Dessau. Erneut vernahm man dort nur die Überbringer der Nachricht, durchsuchte die Wohnung eines Zeugen, beschlagnahmte Datenträger – erfolglos. Wieder blieben der Beschuldigte und die mutmaßliche Mitwisserin unbehelligt. Bittmann teilte hingegen am 8. Dezember gegenüber jW mit: Man sei dieser Anzeige »intensiv nachgegangen«. »Sie hat sich nicht als Spur zum realen Fall erwiesen.« Weitere Fragen wehrte der Behördenchef ab. Es gebe derzeit »nichts Berichtenswertes«.

Nicht berichten will Bittmann über etwaige Absichten zur Einstellung. Er will nicht sagen, ob es eine Option sei, die Zeugin H. auf mögliches Tathergangswissen zu überprüfen oder ob das Feuerzeug genauer untersucht wird. Denn vielleicht wäre die Herkunft der unverbrannten Textilfragmente zu entschlüsseln, was wiederum Hinweise auf den wirklichen Verbrennungsort liefern könnte. Auch darüber, ob es neue Brandversuche geben soll, schweigt der Staatsanwalt. Dabei riet ihm das Würzburger Institut für Rechtsmedizin im Februar 2015 dringend dazu. Die Experten hatten vier mögliche Szenarien mit Brandlegung durch Dritte geprüft und zwei davon als »denkbar« eingestuft. Sie würdigten auch Smirnous Abbrandexperimente – zum Beispiel an einer Matratze – als richtigen Ansatz. Diese sollten unter realitätsnäheren Bedingungen wiederholt werden. Sie schlugen sogar entsprechende Einrichtungen vor. Zehn Monate später ist hier, wie es scheint, noch nicht viel passiert.

Den Stillstand beklagen die Aktivisten seit langem. Am Unvermögen der Staatsanwälte dürfte das nicht liegen. Eher darf man wohl fragen: Was würde passieren, müssten sie einräumen, dass ein Flüchtling von Polizisten gefesselt und verbrannt wurde, dass ein ganzer Beamtenapparat aktiv mit dafür gesorgt hat, dass Spuren verwischt werden konnten und trotz Indizien nie nach einem Täter gesucht wurde? Dann würde es in Sachsen-Anhalt um mehr als »nur« kollektives Versagen gehen.

Quelle

http://www.jungewelt.de/2015/12-16/022.php (http://www.jungewelt.de/2015/12-16/022.php)



Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 19. Mai 2016, 14:44:57
"Die Oury-Jalloh-Initiative braucht unbedingt noch Spenden, um ein 2015 vorgestelltes Gutachten zu bezahlen

ÜBER 100 SPENDER*INNEN IN DER LETZTEN WOCHE
+++ 63% ERREICHT +++
+++ 3.000 € FEHLEN NOCH +++
+++ BITTE DRANBLEIBEN +++
+++ VIELEN DANK AN ALLE UNTERSTÜTZER*INNEN +++

Direkt-Spenden und Soli-T-Shirts:
https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/spenden/ (https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/spenden/)

Spendenkampagne auf Betterplace.org:
https://www.betterplace.org/de/projects/32717 (https://www.betterplace.org/de/projects/32717)

https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/2015/11/18/solidaritaet/ (https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/2015/11/18/solidaritaet/)

https://initiativeouryjalloh.files.wordpress.com/2007/03/aufklc3a4rung-und-widerstand-braucht-eure-spenden.pdf (https://initiativeouryjalloh.files.wordpress.com/2007/03/aufklc3a4rung-und-widerstand-braucht-eure-spenden.pdf)



Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 04. Juni 2016, 10:04:38
(http://fs5.directupload.net/images/160604/temp/6qk833dp.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4376/6qk833dp_jpg.htm)(http://)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 20. Juni 2016, 07:03:38
Aus: Ausgabe vom 20.06.2016, Seite 4 / Inland

Die Toten von Dessau
Gedenken an den im Polizeigewahrsam verbrannten Oury Jalloh und weitere Opfer. Vorwurf der Vertuschung und Arbeitsverweigerung
Von Susan Bonath, Dessau

(http://fs5.directupload.net/images/160620/temp/ygyol775.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4392/ygyol775_jpg.htm)(http://)
Mysteriöse Todesfälle gibt es in Dessau zuhauf: Demonstration der Initiative »In Gedenken an Oury Jalloh« am Sonnabend
Foto: Susann Bonath

Schluss mit Vertuschungen durch Polizei und Justiz«: Das forderten Dutzende Demonstranten am Sonnabend in Dessau (Sachsen-Anhalt). Aufgerufen hatte die Initiative »In Gedenken an Oury Jalloh«. Seit elfeinhalb Jahren ringt diese um Aufklärung des Feuertods des Flüchtlings aus Sierra Leone. Oury Jalloh verbrannte am 7. Januar 2005 gefesselt in einer Dessauer Polizeizelle. Fast 100.000 Euro steckte die Initiative bisher in von ihr selbst veranlasste Ermittlungen. Die Demonstranten machten deutlich: Jalloh starb nicht als einziger auf ungeklärte Weise im Dessauer Gewahrsam.

»Wir gedenken auch Hans-Jürgen Roses und Mario Bichtemanns«, betonte Redner Thomas Ndindah vor dem Justizgebäude der Doppelstadt Dessau-Roßlau. Rose wurde 1997 kurz nach seiner Entlassung aus einer Ausnüchterungszelle von Passanten wenige Meter vom Polizeirevier entfernt gefunden. Wenig später verstarb er in der Klinik an schweren inneren Verletzungen. Nach jW-Informationen sollen Polizisten ihn mit Handschellen gefesselt und Schlagstöcke eingesetzt haben. Bei ihren Aussagen hätten sich deutliche Widersprüche aufgetan. Die Ermittlungen verliefen jedoch im Sande.

Der Obdachlose Bichtemann war Ende 2002 in Zelle Nummer fünf ums Leben gekommen. In dieser verbrannte gut zwei Jahre später auch Oury Jalloh, derselbe Revierarzt Andreas B. und Dienstgruppenleiter Andreas S. waren im Einsatz. Auf welche Weise Bittermann den als Todesursache diagnostizierten Schädelbasisbruch erlitt, wurde nie geklärt. Die Dessauer Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen ein. Als die PDS-Landtagsfraktion 2005 eine Neuaufnahme des Verfahrens forderte, lehnte Oberstaatsanwalt Christian Preissner dies ab. Er war auch unter seinem Vorgesetzten Folker Bittmann für den Fall Jalloh zuständig. Ende 2015 wurde Preissner pensioniert. Bittmann leitet seit Anfang 2005 die Staatsanwaltschaft in Dessau.

Ndindah warf der Dessauer Behörde vor, sie habe »in allen drei Fällen versagt«. Sie habe Indizien auf Misshandlungen durch Polizisten und deren offenkundige Falschaussagen nicht verfolgt. Beamte hätten ungehindert Beweise entsorgt. »Besonders krass« sei dies im Fall Jalloh. Laut Gerichtsakten verschwanden unter anderem Polizeijournale, Fahrtenbücher und eine Handfessel. Weitere Akten wurden während eines laufenden Prozesses vernichtet. Das Video von der Tatortsicherung bricht nach vier Minuten ab. Es existieren somit keine Filmaufnahmen von der Beweisaufnahme. Ein Feuerzeug, das der Gefesselte bei seinem angeblichen Selbstmord benutzt haben soll, wurde erst Tage später den Asservaten beigefügt. 2012 analysierten Gerichtsgutachter, dass es weder DNA vom Opfer noch Spuren aus der Zelle aufwies. Auch medizinische Sachverständige zweifelten die Selbstentzündungsthese an. Fraglich ist auch, wie Jalloh binnen weniger als einer halben Stunde auf einer feuerfest umhüllten Matratze in einer winzigen, gefliesten Zelle bis zur Unkenntlichkeit verbrennen konnte. »Trotzdem pochen die Ermittler stur auf Selbstmord, weil man keinem Polizisten eine konkrete Handlung nachweisen kann«, so Ndindah.

Auf ihrem Weg zum Polizeirevier gedachten die Demonstranten weiterer Dessauer Gewaltopfer. Der Mosambikaner Alberto Adriano wurde im Juni 2000 von Neonazis zu Tode geprügelt. Vor der Gedenktafel im Stadtpark sagte ein Redner, offenbar sei der Fall nur aufgeklärt worden, weil die Generalbundesanwaltschaft ermittelt hatte. Im Fall Jalloh hatte die Behörde 2014 unter Harald Range ein Einschreiten abgelehnt.

Auch der chinesischen Austauschstudentin Yangjie Li widmeten die Teilnehmer eine Kundgebung sowie eine Schweigeminute. Die grausam entstellte Leiche der 25jährigen wurde am 13. Mai in einem Gebüsch in Dessau gefunden. Dort legten die Demonstranten Blumen nieder. Den Eltern und Angehörigen sprachen sie ihr »tiefstes Mitgefühl« aus.

Im Fall Yangjie Li hat sich indes der Tatverdacht gegen den Polizistensohn Sebastian F. und dessen Verlobte Xenia I. erhärtet. Die Magdeburger Staatsanwaltschaft prüft, ob die Eltern Ermittlungen manipuliert haben. Stiefvater Jörg S., als Revierleiter inzwischen suspendiert, soll dabei beobachtet worden sein, wie er Gegenstände aus dem Wohnhaus der Beschuldigten trug. Dort befindet sich auch der mutmaßliche Tatort. Mutter Ramona S. hatte sich freiwillig der Ermittlungsgruppe angeschlossen und Zeugen befragt. Bittmann, dessen Behörde das Mordverfahren führt, sah zuletzt trotzdem »nicht den geringsten Hauch eines Anfangsverdachts«. In Dessau, mahnte Thomas Ndindah, zeige sich deutlich, wie die Staatsanwaltschaft Polizisten schützte. Nicht nur im Fall Jalloh habe sie »Arbeitsverweigerung« begangen. »Dieser Verfassungsbruch ist das größte Verbrechen«, so Ndindah.


Quelle

https://www.jungewelt.de/2016/06-20/015.php (https://www.jungewelt.de/2016/06-20/015.php)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Kuddel am 03. August 2016, 19:38:40
Zitat
Neues Brandgutachten zu Oury Jalloh
Beharrlichkeit zahlt sich aus

Die Staatsanwaltschaft Dessau will den Brand simulieren lassen, der 2005 Oury Jalloh in einer Polizeizelle tötete. Zu verdanken ist das Aktivisten.


([url]http://www.taz.de/picture/1379329/624/63032812.jpeg[/url])
Präsentation des letzten Brandgutachtens im Oktober 2015 


Wäre es nach der Justiz gegangen – nur eine Handvoll Menschen würden sich heute noch an Oury Jalloh erinnern. Der Fall wäre, man kann das heute mit Fug und Recht sagen, schnell zu den Akten gewandert, ohne dass geklärt worden wäre, was passiert ist. Aber heute, elf Jahre später, beschäftigt der mysteriöse Tod des sierra-leonischen Asylbewerbers im Polizeigewahrsam noch immer Richter, Staatsanwälte und Gutachter.

Am 18. August soll nun das Geschehen in der Zelle 5 des Gewahrsamstrakts des Dessauer Polizeireviers nachgestellt werden. Ein Schweizer Sachverständiger soll den Brand simulieren, bei dem der 36-jährige Jalloh im Januar 2005 starb. „Das machen wir, um Transparenz in dem jetzt laufenden Verfahren zu schaffen“, sagt Olaf Braun, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Festzuhalten ist vor allem eines: Beharrlichkeit zahlt sich aus. Die Initiative Gedenken an Oury Jalloh hat nicht aufgegeben, nach der Wahrheit zu suchen. Schon die schweren Verletzungen an Jallohs Leiche wären nie bekannt geworden, wenn die AktivistInnen nicht das Obduktionsergebnis der Staatsanwaltschaft in Zweifel gezogen. Sie veranlassten eine privat bezahlte, zweite Obduktion, die Frakturen am Schädel nachwies. Und so ging es weiter, durch zwei Verfahren und jahrelange Revisionsprozesse, als Nebenkläger.

Doch diese Verfahren sollten immer nur klären, ob die wachhabenden Polizisten zu langsam auf den Feueralarm reagierten. Dass Jalloh sich selbst angezündet hatte, wurde stets vorausgesetzt. Genau das zweifeln die AktivistInnen an.

Keine Euphorie

Als irgendwann alle Möglichkeiten ausgeschöpft schienen, gaben sie nicht auf: Sie sammelten Geld für ein Brandgutachten, das die Justiz selbst hätte bestellen sollen. Erst dann, 2013, nach dem Abschluss zweier Verfahren, als das Video von den Versuchen des privaten Brandgutachters der Presse ganz offensichtlich vor Augen führte, dass die Selbstentzündungsthese unplausibel ist, leitete die Staatsanwaltschaft ein neues Ermittlungsverfahren ein: gegen einen „Unbekannten“, der Jalloh angezündet haben könnte. Der nun geplante Brandversuch in zwei Wochen ist Teil des Verfahrens.

Die Jahre der Auseinandersetzung haben die AktivistInnen misstrauisch werden lassen. Zur Euphorie sehen sie deshalb keinen Anlass. Noch immer untersuche die Staatsanwaltschaft, die Frage nach dem offenbar manipulierten Feuerzeugrest nicht, klagen sie. Zur Brandsimulation wurde die Nebenklage erst am vergangenen Montag geladen – viel zu kurzfristig, um sich mit eigenen Gutachtern auf den Termin vorzubereiten, kritisiert die Initiative. Zudem sei sie im Unklaren darüber gelassen worden, wie der Brandversuch genau ablaufen soll. So argwöhnen sie, die Transparenzoffensive der Staatsanwaltschaft diene nur dazu, das Verfahren endgültig mit der Begründung „nicht mehr aufklärbar“ abzuschließen.

Sollten sie mit diesem Verdacht recht haben – sie würden die Justiz damit sicher nicht durchkommen lassen.
http://www.taz.de/Neues-Brandgutachten-zu-Oury-Jalloh/ (http://www.taz.de/Neues-Brandgutachten-zu-Oury-Jalloh/)!5323799/


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Kuddel am 18. August 2016, 09:55:11
Zitat
  • Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau hat ein neues Brandgutachten im Fall Oury Jalloh in Auftrag gegeben.
  • An diesem Donnerstag wird ein Sachverständiger den Zellenbrand nachstellen. Möglicherweise lassen sich dabei neue Erkentnisse über die Todesumstände des Asylbewerbers gewinnen.
  • Aktivisten kritisieren das Experiment. Sie fragen sich, was es mit dem Feuerzeug auf sich hat mit dem sich Jalloh angeblich angezündet haben soll.
   

Bei der Obduktion werden bei Jalloh später mehrere Kopfverletzungen und eine gebrochene Nase festgestellt.

Auf dem Polizeirevier wird Oury Jalloh in die Zelle Fünf gesperrt. An Händen und Füßen gefesselt liegt er auf einer Matratze. Es ist 8.30 Uhr. Eigentlich hätte ein Richter darüber entscheiden müssen, ob Jalloh überhaupt hätte eingesperrt werden dürfen. Von der Vorschrift wollte damals keiner der Beamten auf dem Revier etwas gewusst haben.

Das Landgericht Magdeburg hatte 2012 dem angeklagten Dienstgruppenleiter Andreas S. deswegen einen "unvermeidbaren Verbotsirrtum" zugestanden. Übersetzt heißt das: S. musste ein Gesetz nicht kennen, das zu seinem täglichen Handwerkszeug gehört. Er wurde lediglich wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 10 800 Euro verurteilt.

Der Bundesgerichtshof bestätigte 2014 das Urteil. Bundesanwalt Johann Schmid fand deutliche Worte für das Versäumnis des Beamten: "Ich gehe davon aus, dass die Dessauer Polizisten den Richtervorbehalt durchaus kannten, aber aus Bequemlichkeit missachteten. Ein Polizeibeamter hat von Berufs wegen die Gesetze zu kennen, die er tagtäglich anwendet", so Schmid. Einen neuen Prozess, wie von der Verteidigung gefordert, lehnt das Gericht trotzdem ab. Ein Richter hätte nicht unbedingt die sofortige Freilassung Jallohs angeordnet. "Eine aberwitzige Begründung", kommentierte SZ-Rechtsexperte Wolfgang Janisch damals.

Die Polizei erschwerte die Aufklärung

Was genau auf dem Polizeirevier geschah, wissen am besten die Beamten selbst. Im Mittelpunkt steht dabei immer wieder der Dienstgruppenleiter Andreas S. Der Arzt, der dem Festgenommenen Blut abnahm, warnte ihn, Jalloh könne sich selbst verletzten. Andreas S. hätte also regelmäßig Jallohs Zustand überprüfen müssen.
http://www.sueddeutsche.de/panorama/tod-von-oury-jalloh-oury-jalloh-und-der-feuertod-auf-der-matratze-1.3124298 (http://www.sueddeutsche.de/panorama/tod-von-oury-jalloh-oury-jalloh-und-der-feuertod-auf-der-matratze-1.3124298)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rudolf Rocker am 18. August 2016, 17:29:01
Zitat
Wie starb Oury Jalloh vor elf Jahren?


http://www.tagesschau.de/inland/jalloh-111.html (http://www.tagesschau.de/inland/jalloh-111.html)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 19. August 2016, 20:57:52
Aus: Ausgabe vom 20.08.2016, Seite 3 / Schwerpunkt

Schweinefett für Vegetarier
Neuer Brandversuch im Fall Oury Jalloh: Anwältin und Initiative kritisieren dilettantischen Aufbau
Von Susan Bonath, Schmiedeberg/Dippoldiswalde



(http://fs5.directupload.net/images/160819/temp/ig2tqh3y.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4452/ig2tqh3y_jpg.htm)(http://)

Das Unmögliche nachstellen: In einer solchen Zelle soll sich der gefesselte Jalloh ohne Feuerzeug auf einer schwer entflammbaren Matratze selbst verbrannt haben. Institut für Brand- und Löschforschung in Dippoldiswalde, 18. August
Foto: Arno Burgi/dpa-Bildfunk

Tod in einer Dessauer Polizeizelle: Im Fall Oury Jalloh ging die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau am Donnerstag mit einem als Medienspektakel inszenierten Brandversuch in die Offensive. Ein gutes Dutzend Journalisten und mehrere Kamerateams waren dafür nach Schmiedeberg (Dippoldiswalde) bei Dresden gereist. Sie erwartete eine von vier Kameras übertragene, ebenso makabre wie skurrile Vorführung.

Das »Institut für Brand- und Löschforschung« entpuppt sich als Industrie­brache – ohne Firmenschild und Brancheneintrag. Eine Telefonnummer fehlt auch in der verteilten »Pressemappe«. Feuerwehrleute führen Journalisten, Vertreter der Oury-Jalloh-Initiative und die Anwältin der Opferfamilie, Beate Böhler, in die sechste Etage eines Gebäudes. Im Versuchsraum sitzt eine bekleidete Puppe, bestückt mit Schweinehaut und -fett, auf einer Matratze. Instrumente sollen die Hitze messen, vier Kameras den Brand in den ersten Stock übertragen. Staatsanwalt Olaf Braun spricht von »ergebnisoffenen Ermittlungen«. Der beauftragte Gutachter, Kurt Zollinger vom Forensischen Institut der Kantonspolizei Zürich, bekräftigt dies. Anwältin Böhler und die Initiative nehmen ihnen das nicht ab.

In der Tat: Die Matratze ist teilweise aufgerissen und kleiner als das Original. Die würden in der Größe nicht mehr hergestellt, sagt Zollinger. Aus der Puppe hängt Mineralwolle, sie sitzt, während Jalloh lag. Dies sei weit weg von der Realität in Zelle 5, rügt Nadine Saeed von der Oury-Jalloh-Initiative. Böhler ergänzt: Das locker aufgelegte Schweinefett wirke wie Brandbeschleuniger. Zollinger verteidigt sich: Das sei nicht relevant für Messungen. Es gehe um den Zeitablauf. Auf die Frage, wie denn so die Realität rekonstruiert werden solle, schweigen die Experten, räumen aber auf Nachfragen etwas anderes ein: Man habe vorab das Brennverhalten mehrerer Matratzen getestet. Dokumente dazu existierten nicht.

Während Böhler mit dem Landgericht Dessau-Roßlau telefoniert, das gerade dabei ist, ihren Eilantrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit abzulehnen, den sie zum Schutze der Familie Oury Jallohs gestellt hatte, gibt Saeed nicht auf: Warum werde nicht, wie üblich, ein Schweinekadaver verwendet? Thorsten Prein, vom Staatsanwalt als Leiter des (telefonlosen) Schmiedeberger Instituts vorgestellt, meint: »Ich bin Vegetarier und dagegen.« Auf der Suche nach Prein wird man zwar nicht in Schmiedeberg, dafür in Bergisch Gladbach (NRW) fündig. Der Diplom-Ingenieur betreibt dort ein »Büro für Brandschutz«. »Braun und Prein haben sich beim sächsischen Feuerwehrtag kennengelernt«, weiß ein Insider mit Zugang zu den Ermittlungsakten zu berichten.

Verwundert verfolgt mancher Journalist dann den Versuch: Das Fenster wird geöffnet, das Feuer lodert auf. Prein kann Fragen nicht beantworten, Braun verbietet der Anwältin, mitzufilmen. Die »Feuerwehr« kommt erst nach 36 Minuten, im realen Fall begann sie nach 20 Minuten damit, zu löschen. Am Ende winkt Saeed ab. »Wir wissen längst, dass das drei Tage nach dem Brand präsentierte Feuerzeug mangels Spuren nie in der Zelle gewesen sein kann«, erklärt sie. Als Journalisten nach dem Ziel des Ganzen fragen, wiederholen die Experten: »Zeitablauf rekonstruieren«. Und: Wer das Feuer legte, sei hier unerheblich.

Die Auswertungen sollen nun einige Wochen dauern. Der Laie sieht: Trotz Sauerstoffzufuhr, Schweinefett und weiteren Abweichungen verbrennt die (zu kleine) Matratze nicht komplett, im Gegensatz zum realen Fall. Anwältin Beate Böhler: »Damit zeigen sie doch ungewollt erneut, dass das kein Selbstmord gewesen sein kann.«

Quelle

https://www.jungewelt.de/2016/08-20/012.php (https://www.jungewelt.de/2016/08-20/012.php)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rudolf Rocker am 20. August 2016, 07:58:51
Echt unfassbar, was da abgeht! :(


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Strombolli am 20. August 2016, 12:20:16
...und Strombollis Wohnsitz war damals gerade mal 20 km weit entfernt. - Ich schäme mich und fühle mich an 2 unsägliche Zeiten erinnert.


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 10. Oktober 2016, 23:26:03
Aus: Ausgabe vom 11.10.2016, Seite 4 / Inland

Akribisch verfolgt
Feuertod von Oury Jalloh: Marathonprozess gegen Aktivisten soll in die zweite Runde gehen. Sie sollen Beamte beleidigt haben
Von Susan Bonath


(http://fs5.directupload.net/images/161011/temp/pypspp3b.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4505/pypspp3b_jpg.htm)(http://)
Repression gegen Aktivisten: Demonstration am achten Todestag Oury Jallohs in Dessau-Roßlau (7. Januar 2013)
Foto: Jens Wolf/dpa

Wer legte das Feuer, in dem Oury Jalloh 2005 in einer Dessauer Polizeizelle verbrannte? Statt Aufklärung zu verlangen, halten Stadt- und Politprominenz an jedem Todestag am 7. Januar eine Gedenkveranstaltung vor dem Revier ab. »Scheinheilig« hatte Ali B. (Name geändert) das Prozedere im Januar 2013 genannt. In Rage geraten, hatte das Mitglied der Oury-Jalloh-Initiative den damaligen Polizeipräsidenten Michael Schulze zur Rede gestellt: »Wer hat Oury verbrannt?« Später wandte er sich an den seinerzeit amtierenden Oberbürgermeister Klemens Koschig und Exrevierleiter Jörg Schwabe: »Warum schützen Sie Mörder?« Antworten gab es keine. »Heuchler« und »Lügner« rief Ali B. ihnen entgegen.

Dem emotionalen Ausbruch – weder griff die Polizei ein noch wurde jemand verletzt – folgte ein prozessualer Marathon: Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau zog vors Amtsgericht. Das verurteilte B. nach 18 Verhandlungstagen im Juni 2015 zu einer Geldstrafe von 4.200 Euro. Der Anklägerin reichte das nicht, sie legte Berufung ein. Nun soll sich B. vor dem Landgericht Dessau erneut verantworten. Wie dieses mitteilte, soll auch gegen seine Mitstreiterin Sandra A. (Name geändert) verhandelt werden. Sie war damals zur Zahlung von 250 Euro verurteilt worden. A. sei darüber jedoch bisher nicht informiert worden, sagte sie am Montag zu jW. Sie habe, so das Gericht, am selben Tag auf einer Demonstration ihrer Initiative zwei Personen »verbal attackiert«. Man habe lediglich einen Teilnehmer wegen »verbaler Provokation« ausschließen müssen, meint die Initiative.

Beiden könnte nun ein weiterer Mammutprozess bevorstehen. Der sollte eigentlich am Donnerstag starten. Vier weitere Termine hatte das Gericht bereits angekündigt. Am Montag erklärte ein Sprecher, der Auftakt sei aus ihm unbekannten Gründen verschoben worden. Wie jW aus anderer Quelle erfuhr, habe das Gericht »nicht genügend Sicherheitspersonal« stellen können. Von »völlig überzogenen Maßnahmen« hatte die Mitteldeutsche Zeitung auch dem Auftakt des ersten Prozesses im November 2014 berichtet. Ein Großaufgebot der Polizei, darunter bewaffnete Staatsschützer, habe »auf einen Mafia- oder Terrorprozess schließen« lassen, so das Blatt. Die Initiative, die seit 2005 um Aufklärung ringt, selbst Indizien sammelt und bereits eigene Gutachten über Spenden finanziert hat, bezeichnet die Strafverfolgung in einer Mitteilung als »weiteren Einschüchterungsversuch«. »Wir fragen uns, warum die anwesenden Polizisten während der angeblichen Straftaten nicht eingegriffen haben«, sagte Initiativensprecher Thomas Ndindah gegenüber jW.

Nicht nur die massive Polizeipräsenz weist für die Aktivisten auf »pure Schikane« hin. So bemängelten die Verteidiger Thomas Moritz und Rita Belter bereits im ersten Prozess, das Gericht habe durchweg ihre Anträge abgelehnt, darunter Begehren auf Akteneinsicht und Anhörung weiterer Zeugen. Zudem habe der Richter mehrfach den Angeklagten und Verteidigern unzulässig das Wort unterbunden.

Darüber hinaus waren im Verhandlungsverlauf Datensammlungen über Mitglieder und Unterstützer der Initiative aufgetaucht: Akribisch hatte die Polizei jahrelang Fotos und Informationen über rund ein Dutzend Personen zusammengetragen, die sich für die Aufklärung des von ihnen vermuteten Mordes einsetzten. Diese Mappen, sagte damals ein Polizeizeuge, seien den Einsatzkräften vor jeder Demonstration der Initiative vorgelegt worden. Anwalt Moritz hatte dies als »rechtswidrigen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte« bezeichnet, der auf einen »institutionellen Verfolgungseifer« gegen eine missliebige Gruppe hindeute. Die Berufung der Verteidigung, die die Einstellung forderte, wurde teilweise abgelehnt.

Die Anklagebehörde unter Oberstaatsanwalt Folker Bittmann ermittelt auch seit 2005 im Fall Jalloh. Dabei, rügt die Initiative seit langem, beharre sie auf der »längst widerlegten« Selbstmordthese. In ihrer Anklage gegen zwei Polizisten war es nur darum gegangen, ob diese Jallohs Tod hätten verhindern können. Das Landgericht Dessau hatte 2008 beide freigesprochen. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil teilweise auf. Vier Jahre später verurteilte das Landgericht Magdeburg den früheren Dienstgruppenleiter Andreas S. wegen »fahrlässiger Tötung« zu einer Geldstrafe von 10.800 Euro. Sowohl die Strafe als auch die Gerichtskosten übernahm die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Sachsen-Anhalt.

Quelle

https://www.jungewelt.de/2016/10-11/017.php (https://www.jungewelt.de/2016/10-11/017.php)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 08. Dezember 2016, 19:24:44
Aus: Ausgabe vom 09.12.2016, Seite 4 / Inland

»Staatsanwalt in Erklärungsnot«
Schleppende Mordermittlungen zum Feuertod von Oury Jalloh: Ergebnisse zum Brandversuch bleiben aus. Nebenklage fühlt sich hintergangen
Von Susan Bonath


(http://fs5.directupload.net/images/161208/temp/zbrmzwn7.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4563/zbrmzwn7_jpg.htm)(http://)
Oury Jalloh war am 7. Januar 2005 in einer Gefängniszelle im Keller des Dienstgebäudes des Polizeireviers Dessau in Sachsen-Anhalt verbrannt
Foto: Arno Burgi/dpa-Bildfunk

Wer legte das Feuer in Zelle fünf? Im Fall Oury Jalloh, der 2005 auf ungeklärte Weise im Polizeirevier Dessau (Sachsen-Anhalt) bis zur Unkenntlichkeit verbrannte, ist eine »Transparenzoffensive« der dortigen Staatsanwaltschaft offenbar gescheitert. Am 18. August hatte letztere die Presse zu einem öffentlichen Brandversuch im sächsischen Dippoldiswalde/Schmiedeberg eingeladen. Heute, fast vier Monate später, gibt es noch keine Ergebnisse. Bekanntgeben wollte Staatsanwalt Olaf Braun sie nach sechs bis acht Wochen. Auf jW-Nachfragen reagiert er zögerlich, Begründungen lieferte er nicht. Die Anwältinnen der Opferfamilie, Beate Böhler und Gabriele Heinecke, fühlen sich von der Justiz hingehalten.

»Ich darf Ihnen mitteilen,«, schrieb Braun am Mittwoch, »dass noch kein Auswertungsbericht, weder zu den Messergebnissen aus Schmiedeberg vom IBLF (Anm. d. Red.: »Institut für Brand- und Löschforschung«) noch zum Versuch insgesamt vom Schweizer Gutachter Kurt Zollinger, vorliegt.« Die Fragen hatte jW bereits eine Woche zuvor gestellt und sie zugleich an Sachsen-Anhalts Justizministerium übermittelt. Begehrt wurden Stellungnahmen zur Verzögerung, zur Aufgabenteilung zwischen den beauftragten Experten Zollinger (Forensiker aus Zürich) und Thorsten Prein (Diplomingenieur aus Bergisch Gladbach), zu Kritiken von anderen Sachverständigen zum Versuchsablauf sowie zur Existenz des ominösen, nirgendwo eingetragenen »Instituts«, als dessen Leiter Prein vorgestellt wurde.

Nachdem die Antwort tagelang auf sich warten ließ, kontaktierte jW nochmals das Justizministerium. Dessen Sprecher Detlef Thiel erklärte: »Das darf natürlich nicht sein, dass Ihre Anfragen nicht beantwortet werden.« Er habe Braun »gleich mal angerufen«. Der habe ihm versichert, »noch zu recherchieren«. »Das glaube ich ihm«, so der Ministeriumssprecher. Kurz darauf folgte die bereits zitierte knappe Antwort des Staatsanwalts.

»Ich verfolge das mit Entsetzen«, sagte Jochen Schäfer, Vizevorsitzender der Bundesvereinigung Fachplaner und Sachverständige für vorbeugenden Brandschutz (BFSB), am Donnerstag im Gespräch mit jW. Alles deute auf »eine absolute Katastrophe« hin. »Bevor ich einen Versuch öffentlich vorführe, muss ich doch erst sämtliche Parameter prüfen, wie den Originalzustand des Brandorts«, erklärte er. Dazu seien »mindestens 20 dokumentierte Vorversuche notwendig«, so Schäfer, der auch an Prein kein gutes Haar ließ. »Er darf in vielen Städten keine Brandschutzkonzepte mehr erstellen«, sagte er.

Dokumentiert wurde im Vorfeld nichts. Am 18. August hatte Prein nur beiläufig erklärt, man habe »die Brandeigenschaften verschiedener Matratzen getestet, aber nichts vermerkt«. Außerdem wurde der Originalzustand nicht getreu nachgestellt. So war der Versuchsraum im Gegensatz zu der Zelle damals nicht gefliest, die Matratze war viel kleiner und vieles mehr (jW berichtete).

»Auch wir haben keinerlei Infos zum Versuch bekommen«, bekräftigte Anwältin Böhler, die den in Guinea lebenden Vater des Opfers vertritt, gegenüber jW. Sie fühlt sich von der Staatsanwaltschaft »belogen und hintergangen«. »Hier wurde wohl ein Phantom kreiert, um nichts herauszufinden«, so Böhler. Für ihre Analyse sollen Zollinger und Prein übrigens nach jW-Information je 100.000 und 70.000 Euro kassieren. Laut Justizministerium waren bis Anfang November 50.000 Euro geflossen.

Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh hat darum vorhandene Angaben sowie Film- und Bildaufnahmen an externe Gutachter übermittelt. »Deren Einschätzung wird demnächst bei uns eintreffen«, sagte Sprecher Thomas Ndindah auf Nachfrage. Dies wird die vierte selbst finanzierte Expertise der Initiative sein. Ndindah bezeichnete das Gebaren der Justiz als »skandalös« und »erneute Ohrfeige für die Hinterbliebenen«. Offenbar sei der Staatsanwalt in Erklärungsnot. Bei der Gedenkdemonstration zum elften Todestag am 7. Januar 2017 in Dessau werde »dieser weitere Vertuschungsakt« ein Thema werden, versprach er.

Quelle

https://www.jungewelt.de/2016/12-09/015.php (https://www.jungewelt.de/2016/12-09/015.php)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Bowie am 08. Dezember 2016, 19:54:12
Respekt vor dem Durchhaltevermögen im Kampf gegen den Justizapparat.


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 22. Dezember 2016, 19:47:26
Aus: Ausgabe vom 23.12.2016, Seite 3 / Schwerpunkt

Keine windige Sache?
Feuertod von Oury Jalloh: Staatsanwalt sucht nach fragwürdigem Brandversuch sein Heil in Ausflüchten
Von Susan Bonath


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Wenig Übereinstimmung mit dem Originaltatort: Brandversuch im August in Dippoldiswalde
Foto: Arno Burgi/dpa- Bildfunk

»Das neue Brandgutachten im Fall Oury Jalloh wird nicht vor dem 7. Januar vorgestellt«, zitierte die Mitteldeutsche Zeitung (MZ) den Dessauer Staatsanwalt Olaf Braun am 20. Dezember. Der Schweizer Sachverständige Kurt Zollinger sei nach dem am 18. August im sächsischen Dippoldiswalde/Schmiedeberg medial inszenierten und vielfach kritisierten Brandversuch (jW berichtete) erkrankt, habe er begründet. Darum habe sich die Auswertung – angekündigt waren sechs bis acht Wochen – derart verzögert. Zwar lägen bereits Messwerte vor. Doch: »Derzeit sind die Experten dabei, daraus Rückschlüsse zu ziehen«, so Braun.

Diese Informationen gibt der Staatsanwalt nicht jedem. Auch tags darauf verweigerte er gegenüber junge Welt in gewohnter Weise eine brauchbare Auskunft. Er teilte lediglich mit: »Das Gutachten liegt noch nicht vor.« Zudem seien die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Erst dann werde seine Behörde »im gebotenen Umfang zu gegebener Zeit« Stellung nehmen.

Brauns Aussagen gegenüber der in Halle erscheinenden Tageszeitung werfen indes eine Frage auf: Gibt es neue Fakten, die am 7. Januar, dem zwölften Todestag des in einer Dessauer Polizeizelle bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Flüchtlings, noch nicht bekannt sein sollen? An dem Tag wird nicht nur die Stadtprominenz in Dessau des »tragischen Unfalls« gedenken. Auch die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh ruft wieder zu einer Demonstration auf. Für sie steht fest: Das war Mord. Dafür sprächen alle Indizien und die toxikologischen Befunde.

Die MZ fragte den Staatsanwalt außerdem unter Verweis auf jW-Berichte nach dem ominösen Versuchsort, dem »Institut für Brand- und Löschforschung (IBLF)« in Schmiedeberg. Nach Recherchen vor Ort handelt es sich um eine private Unternehmung, die nicht im Handelsregister eingetragen ist. Bei Kleingewerbetreibenden und Freiberuflern ist das nicht nötig. Allerdings sind sie als Nichtkaufleute verpflichtet, ihren Namen als Inhaber in der Unternehmensbezeichnung aufzuführen. Dies ist bei dem »Institut« nicht der Fall.

Als Anschrift desselben gibt die Staatsanwaltschaft die Altenberger Straße 64 in Schmiedeberg an. Tatsächlich existiert auf dem Gelände – einer Industriebrache – mit der Hausnummer 65 die Firma »Brandschutzzentrum Schmiedeberg UG«. Nach Auskunft von Insidern vermietet deren Inhaber, Dirrich Uhlhorn, der auch Geschäftsführer der Firma Hansenebel mit Sitz in Hoisdorf (Schleswig-Holstein) ist, das Gelände für Löschübungen – unter anderen auch an den Diplom-Ingenieur Thorsten Prein.

Prein betreibt ein Büro für Brandschutz in Bergisch Gladbach (NRW). Braun hatte ihn der Presse als »Institutsleiter« vorgestellt. Er war damit beauftragt, auf Zollingers Anweisung den Versuch aufzubauen und durchzuführen. Ersichtlich war hier selbst für den Laien: Mit dem Originaltatort in der Dessauer Polizeizelle stimmte vieles nicht überein. Mehrere Mitglieder der Bundesvereinigung Fachplaner und Sachverständige für den vorbeugenden Brandschutz (BFSB) hatten Prein gegenüber jW scharf kritisiert. Er dürfe in manchen Kommunen wegen gravierender Mängel keine Brandschutzkonzepte mehr vorlegen, hieß es. Und: Einige von ihm vorgebrachte Referenzen hätten sich als nicht nachvollziehbar entpuppt.

Gegenüber jW ignorierte der Staatsanwalt bisher sämtliche Anfragen zum »Institut« und zu dessen »Leiter«, zuletzt am Mittwoch. Gegenüber der MZ behauptete er: »Die Firma ist als Einzelgewerbe eingetragen.« Sie sei »keine windige Sache«. Wo sie denn eingetragen sei, erklärte er nicht. Auch ein weiterer Fakt ist mysteriös: Noch im Oktober war keine Webseite des »IBLF« zu finden. Seit wenigen Wochen ist nun eine Facebook-Seite öffentlich. Ein Geschäftsinhaber wird auch hier nicht genannt. Braun schweigt dazu.

Der öffentliche Brandversuch hatte Medienvertreter und die Anwältinnen der Opferfamilie überrascht. Anfang August ließ die Staatsanwaltschaft vom Justizministerium Sachsen-Anhalt Einladungen an Journalisten versenden. Das kann als Reaktion darauf gewertet werden, dass von der Oury-Jalloh-Initiative eigenständig beauftragte Gutachter aus Irland, Großbritannien und Kanada massive Ungereimtheiten in der offiziellen Version des Tathergangs, wonach es sich um einen Selbstmord handelte, zu Tage gefördert hatten.

Bereits ein 2013 präsentiertes Gutachten des Experten Maksim Smirnou legt nahe, dass Brandbeschleuniger benutzt wurden. Danach leitete die Staatsanwaltschaft neue Ermittlungen wegen Mordverdachts ein. Gleichwohl beharrt sie weiter auf Selbsttötung. Schließlich erklärte 2015 auch der britische Brandsachverständige Iain Peck, selbst von staatsanwaltschaftlichen Gutachtern als »äußerst renommiert« bezeichnet, die Brandlegung durch Dritte für wahrscheinlich. Zahlreiche Indizien sprächen dafür, dass das angebliche Selbstmordfeuerzeug nie in der Zelle war und somit manipuliert wurde, so Peck unter anderem. »Mir fällt dazu nur eins ein: Die Behörden wollen einen Skandal verhindern und stecken unter einer Decke«, kommentierte Initiativengründer Mouctar Bah am Donnerstag das Prozedere.

Vertreter der Initiative »In Gedenken an Oury Jalloh« sind derzeit bundesweit unterwegs. Sie klären über die Hintergründe des Feuertodes des Flüchtlings im Polizeirevier Dessau auf, sammeln Spenden, um vor allem eigens beauftragte Gutachter zu finanzieren. Und sie wollen mobilisieren: Denn am 7. Januar 2017 jährt sich der Todestag zum zwölften Mal. Unter dem Motto »Oury Jalloh ist kein Einzelfall – Keiner wird vergessen werden« soll dann um 14 Uhr die Demonstration am Dessauer Bahnhof starten.

An diesem 7. Januar 2005 seien zwei Menschenleben in Obhut der Polizei in Deutschland ausgelöscht worden, heißt es in dem Aufruf. Beide Opfer stammten aus dem kriegsgeschüttelten westafrikanischen Land Sierra Leone: Der 36jährige Oury Jalloh verbrannte in einer Zelle, gefesselt auf einer feuerfest umhüllten Matratze, bis zur Unkenntlichkeit. Vor vier Jahren verurteilte das Landgericht Magdeburg den damals zuständigen Dienstgruppenleiter des Dessauer Reviers, Andreas S., zu einer Geldstrafe von 10.800 Euro. Er habe nicht schnell genug auf den Alarm reagiert. Der ein Jahr jüngere Laye Condé verstarb in Bremen nach dem gewaltsamen Einsatz eines Brechmittels. »Keiner der verantwortlichen Polizisten wurde dafür verurteilt«, so die Initiative.

Schuld sei das gesellschaftliche System, heißt es weiter. Es produziere Unmenschlichkeit und mangelnden Respekt vor dem Leben Ausgegrenzter. Es privilegiere die einen und zwinge »andere in die Unterwerfung, Ausbeutung und Angst«, schreiben die Aktivisten. Und fügen an: »Wir haben verstanden, dass wir nicht nur die Aufklärung des Mordes an Oury Jalloh selbst in die Hand nehmen müssen, weil das kein Staatsanwalt oder Richter tun wird.« Der Fall Oury Jalloh stehe symbolisch für alle rassistisch konnotierten Verbrechen, »ob in Dessau, Bremen oder Ferguson«. In Ferguson im US-Bundesstaat Missouri hatten Polizisten im August 2014 den 18jährigen Afroamerikaner Michael Brown erschossen.

Bezüglich Jalloh wirft die Initiative Sachsen-Anhalts Polizei, der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau und den übergeordneten Behörden und Ministerien vor, die Aufklärung »systematisch zu verschleppen und zu verhindern«. Sprecher Thomas Ndindah betonte gegenüber junge Welt, dies werde seit dem öffentlichen Brandversuch in dem ominösen sächsischen »Institut« im August noch deutlicher. »Der Staatsanwalt tischt uns immer dreistere Märchen auf«, sagte er. (sbo)

Quelle

https://www.jungewelt.de/2016/12-23/012.php (https://www.jungewelt.de/2016/12-23/012.php)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 19. Februar 2017, 18:49:19
Aus: Ausgabe vom 20.02.2017, Seite 4 / Inland

»Das reicht bis ganz nach oben«
Fall Oury Jalloh: Dessauer Staatsanwalt verschleppt Verfahren
Von Susan Bonath


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Demonstration in Dessau zum 12. Todestag von Oury Jalloh am 7. Januar 2017
Foto: Christian-Ditsch.de

»Wir hoffen auf Januar«, erklärte Staatsanwalt Olaf Braun im Dezember der Mitteldeutschen Zeitung. Dann wolle seine Behörde die Ergebnisse des Brandversuchs zum Feuertod Oury Jallohs im Polizeirevier Dessau bekanntgeben. »Die Messwerte, die genauen Zahlen liegen vor«, so Braun vor zwei Monaten. Nun müssten die Experten Rückschlüsse ziehen. Dabei hatte die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau zugesichert, spätestens Mitte Oktober 2016 Resultate zu verkünden. Bis heute, ein halbes Jahr nach der Vorführung des Versuchs vor Journalisten im sächsischen Schmiedeberg am 18. August 2016, ist jedoch nichts passiert.

Anfragen dieser Zeitung blockt Braun weiterhin ab. »Derzeit gibt es nichts mitzuteilen«, ließ er eine Mitarbeiterin zuletzt am Donnerstag ausrichten. Und: »Zu gegebener Zeit« werde man der Öffentlichkeit Ergebnisse präsentieren. Anwältin Gabriele Hei­necke, die Angehörige des Opfers vertritt, spricht von einem »Fakeversuch«. »Es war eine Show zur Beruhigung der Öffentlichkeit, um Transparenz zu vermeiden«, sagte sie Ende der Woche gegenüber jW. Auch sie und ihre Kollegin Beate Böhler würden hingehalten. Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh rügt, das Verfahren werde »konsequent verschleppt«. »Man hält Hinterbliebene, deren Rechtsbeistände, die zwischenzeitlich einbezogene Presse und die Öffentlichkeit zum Narren.«

Dabei hatte die Staatsanwaltschaft den 170.000 Euro teuren Brandversuch als Transparenzoffensive gepriesen. Der Versuch unter Leitung der Gutachter Kurt Zollinger und des Diplomingenieurs Thorsten Prein (jW berichtete) war ein Vorstoß im seit Ende 2013 laufenden Mordermittlungsverfahren gegen Unbekannt. Er wirkte wie ein reines Desaster. Vieles stimmte nicht mit dem Tatort überein: Der Raum war nicht gefliest, die Matratze zu klein und beschädigt, ein Fenster gegenüber geöffnet, der Dummy mit Speckschwarten belegt und an den Extremitäten mit hitzeleitender Alufolie umwickelt.

Auch der Versuchsort im sechsten Stock eines maroden Plattenbaus hatte wenig gemein mit der Kellerzelle im Polizeirevier. Schon im September hatte der Düsseldorfer Brandexperte Jochen Schäfer gegenüber jW prophezeit: »Das war so dilettantisch, da kann es keine brauchbaren Ergebnisse geben.« Gleiches befand im Januar der internationale Londoner Sachverständige Iain Peck in einem Nachbericht. Zudem sei kein sinnvoller Ansatz verfolgt worden, hieß es darin. Lange bekannte Faktoren habe man ignoriert.

Deren Liste ist lang: 2012 hatten vom Landgericht Magdeburg bestellte Sachverständige in dem verschmorten Feuerzeug, mit dem Jalloh sich laut Polizei und Staatsanwaltschaft angeblich angezündet habe, keinerlei Spuren aus der Zelle gefunden. Statt dessen förderten sie eingeschmolzene Textilfasern und DNA-Spuren anderer Herkunft zutage. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg bestätigte dies zwei Jahre darauf. Zudem fand es zwei Tierhaare an dem Feuerzeug, das die Polizei drei Tage nach der Tat in einer Asservatentüte gefunden haben will. Klar ist aber: ohne Feuerzeug kein Selbstmord.

Experten resümierten außerdem, dass Oury Jalloh beim Ausbruch des Feuers bewusstlos gewesen sein müsse. Der Toxikologe Peter Iten aus der Schweiz und der Berliner Rechtsmediziner Michael Tsokos kamen zu dem Schluss, dass nur ein explosionsartig ausgebrochener Brand in Frage komme. Dies führe zu einem reflektorischen Atemstillstand und erkläre alle Befunde, wie fehlendes Kohlenmonoxid im Blut und keine erhöhten Noradrenalin-Werte. Jalloh müsse einen inhalativen Hitzeschock erlitten haben, erklärte Iten schon vor drei Jahren. Ein solcher »Feuerball«, für den auch die binnen 20 Minuten bis zur Unkenntlichkeit verkohlte Leiche und die komplett herunter gebrannte Matratze als einzige Brandlast spreche, könne nur mit Brandbeschleunigern entstanden sein. Beim Versuch in Schmiedeberg wurde trotz »gezielter Brandförderung« (Peck) kein solches Ergebnis erreicht.

Die Initiative fordert seit langem von der Staatsanwaltschaft, jene Polizisten ins Visier zu nehmen, die für einen Mord an Jalloh in Frage kämen. Deren Kreis sei überschaubar. Sie tut es nicht. Höhere Instanzen wollen auch nicht greifen. Der Generalbundesanwalt hatte wiederholt Strafanzeigen nach Dessau verwiesen. Initiativen-Gründer Mouctar Bah ist überzeugt: »Das reicht bis ganz nach oben.« Das Bundesjustizministerium, von jW mit den Ungereimtheiten konfrontiert, beharrte am Donnerstag darauf, es handele sich um Ländersache. Darum werde man sich nicht dazu äußern, so Sprecherin Juliane Baer-Henney. Die Generalstaatsanwaltschaft Sachsen-Anhalt antwortete bisher nicht. »Wir werden weitere Schritte einleiten«, versicherte Anwältin Heinecke. Hoffnungsvoll klang sie nicht.

Quelle

https://www.jungewelt.de/2017/02-20/015.php (https://www.jungewelt.de/2017/02-20/015.php)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 23. Februar 2017, 06:35:35
Besuch in Dessau UN-Experten prüfen den Fall Oury Jalloh

Dessau -

Eine fünf Mitglieder zählende Arbeitsgruppe von Sachverständigen der Vereinten Nationen zu Menschen afrikanischer Abstammung (WGEPAD) hat am Mittwoch das Polizeirevier Dessau besucht und dort auch die Zelle besichtigt, in der Oury Jalloh am 7. Januar 2005 verbrannt ist.

Der Besuch war über das Auswärtige Amt in Berlin vermittelt worden. Ein Mitarbeiter begleitete das Quintett. Pressevertreter waren bei dem Besuch in Dessau nicht eingeladen.
Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad war ebenfalls vor Ort

In der Polizeidirektion Ost in der Kühnauer Straße hatte nach dem Besuch des Reviers in der Wolfgangstraße ein Abschlussgespräch stattgefunden, an dem auch Sachsen-Anhalts Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad teilnahm.
„Es wurden viele detaillierte Fragen gestellt“, sagte Ralf Moritz, Sprecher der Polizeidirektion Ost. Die betrafen vor allem die Gewahrsamsabläufe des Asylbewerbers aus Sierra Leone im Jahr 2005, die damaligen Gegebenheiten der Zelle und den aktuellen Stand der Ermittlungen.
Bruder von Oury Jalloh fordert in einer Erklärung an die UN-Experten Gerechtigkeit

Die Initiative im Gedenken an Oury Jalloh hatte die Delegation vorab aus ihrer Sicht über den Stand des Ermittlungsverfahrens informiert. Dabei wurde eine Erklärung des Bruders von Oury Jalloh - Mamadou Saliou Diallo – verlesen, in der er einerseits bedauerte, dem Treffen nicht persönlich beiwohnen zu können und anderseits Rechtmäßigkeit und Gerechtigkeit für seinen Bruder einforderte.

Die Initiative geht davon aus, dass Oury Jalloh ermordet wurde. Aus eigenen Brandgutachten haben die Mitglieder den Schluss gezogen, dass in der Zelle von Oury Jalloh Brandbeschleuniger zum Einsatz gekommen sein müssen.
Der Fall Oury Jalloh beschäftigt weiterhin die Justiz

Zur Aufklärung des Falles hatte es schon zwei Prozesse gegeben. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Dessau war im August 2016 ein neuer Brandversuch in Sachsen durchgeführt worden.

Die Initiative hatte den Versuch ob seiner Rahmenbedingungen schon damals heftig kritisiert. Dass das Ergebnis bis heute nicht vorliegt, hat das Misstrauen noch vergrößert.

Auf MZ-Anfrage erklärte die Dessauer Staatsanwaltschaft am Mittwoch noch einmal, dass man der Öffentlichkeit „zu gegebener Zeit“ Ergebnisse präsentieren werde. „Derzeit“, schrieb Sprecher Frank Pieper, „gibt es nichts mitzuteilen, insbesondere kein Datum einer solchen zu erwartenden Mitteilung. “
UN-Arbeitsgruppe ist seit Montag in Deutschland

Die Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen war am Montag in Deutschland eingetroffen, um sich über die Menschenrechtssituation von Menschen afrikanischer Abstammung in Deutschland zu informieren.

Der Leiter der Delegation kommt von den Philippinen, andere Mitglieder sind aus Frankreich und Südafrika. Die vorläufigen Ergebnisse ihrer Bestandsaufnahme sollen am 27. Februar auf einer Pressekonferenz in den Räumlichkeiten der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt werden. (mz)









Quelle: http://www.mz-web.de/dessau-rosslau/besuch-in-dessau-un-experten-pruefen-den-fall-oury-jalloh-25784888?dmcid=sm_fb (http://www.mz-web.de/dessau-rosslau/besuch-in-dessau-un-experten-pruefen-den-fall-oury-jalloh-25784888?dmcid=sm_fb)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 01. März 2017, 11:20:39
Aus: Ausgabe vom 28.02.2017, Seite 4 / Inland

»Es gibt viele Lücken«
UN-Experten beschäftigt der Feuertod von Oury Jalloh in Dessau. Er sei Musterbeispiel für institutionellen Rassismus
Von Susan Bonath, Berlin


(http://fs5.directupload.net/images/170301/temp/gh68iqpr.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4647/gh68iqpr_jpg.htm)(http://)
Hinweisen auf Versäumnisse von Polizei und Staatsanwaltschaft gingen UN-Experten nach: Demonstration anlässlich des zwölften Todestages von Oury Jalloh (Januar 2017)
Foto: Christian-Ditsch.de

Eine Expertengruppe der Vereinten Nationen (UN) hat die Lebensbedingungen von Menschen afrikanischer Herkunft in Deutschland untersucht. Sie befassten sich unter anderem mit Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt. Dort verbrannte am 7. Januar 2005 der aus Sierra Leone stammende Flüchtling Oury Jalloh an Händen und Füßen gefesselt in einer Polizeizelle. Dieser Fall sei ein Musterbeispiel für institutionellen Rassismus in Deutschland, sagte UN-Vertreter Ricardo Sunga am Montag nachmittag auf einer Pressekonferenz in Berlin.

»Es gibt dringende Hinweise, dass Oury Jalloh aufgrund rassistischer Vorurteile festgenommen und später durch die Polizei misshandelt wurde«, so Sunga. Polizei und Staatsanwaltschaft hätten zu keiner Zeit angemessen ermittelt. Die Schuldigen müssten verfolgt und zur Verantwortung gezogen werden. »Die Todesumstände müssen endlich unabhängig gemeinsam mit der ›Initiative in Gedenken an Oury Jalloh‹ untersucht werden«, erklärte er weiter.

Die Initiative suche Gerechtigkeit und laufe seit Jahren gegen Mauern. Es gebe keine unabhängigen Beschwerdestellen, die bei Vorwürfen gegen Polizisten und Ermittlungsbehörden tätig werden könnten. »Wenn Strafverfolgungsbeamten Verbrechen vorgeworfen werden, muss das gesondert geprüft werden«, forderte Sunga. Darüber hinaus seien Polizisten regelmäßig auf ihre Einstellung zu überprüfen, um Racial Profiling entgegenzuwirken. Die Kontrolle von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe sei in Deutschland gang und gäbe, kritisierte er.

Die unter anderen von den Philippinen, aus Südafrika und Frankreich stammenden UN-Vertreter wollen im September einen ausführlichen Abschlussbericht vorlegen. »Es gibt viele gravierende Lücken bei den Ermittlungen im Fall Oury Jalloh«, konstatierte Sunga im Gespräch mit jW. Er erwähnte in diesem Kontext das Feuerzeug, mit dem Jalloh sich laut der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau angezündet haben soll. »Seit 2012 ist bekannt, dass es keine Spuren vom Tatort aufweist und manipuliert worden sein muss«, ergänzte Thomas Ndindha, Sprecher der Initiative.

In Dessau hatten die UN-Experten die Todeszelle besichtigt und die Polizei befragt. Anwesend war auch Sachsen-Anhalts Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad. Sein Sprecher Klaus Tewes hatte gegenüber jW im vergangenen Herbst allerdings erklärt, man werde sich nicht in die Ermittlungen einmischen. Vorwürfe der Anwältinnen von Oury Jallohs Familie, Beate Böhler und Gabriele Heinecke, die Dessauer Behörde verschleppe das Verfahren seit Jahren, sei nicht gewillt, aufzuklären und ignoriere stoisch wichtige Beweismittel, wischte Tewes vom Tisch. Man vertraue der unteren Instanz, hieß es. Ermittlungsführer Olaf Braun habe als einziger einen tiefen Einblick in den Fall, versicherte Tewes. Bei dem Gespräch mit der UN-Gruppe fehlte er. Die Presse war ebenfalls nicht eingeladen.

Unterdessen liegen noch immer keine Ergebnisse zum Brandversuch im sächsischen Schmiedeberg am 18. August 2016 vor. Staatsanwalt Braun hatte ihn vor Pressevertretern vorführen lassen. Resultate sollten sechs bis acht Wochen später mitgeteilt werden. Im Dezember hatte Braun zwar erklärt, bereits im Besitz von Ergebnissen zu sein. Diese müssten aber noch ausgewertet und eingeordnet werden. Bis heute ist allerdings nichts passiert. Auf mehrere Nachfragen ließ Braun nur mitteilen, dass er nichts sagen könne. Die Initiative hatte den Versuchsaufbau von Anfang an kritisiert. Wieder seien Fakten ausgeblendet worden. Der Londoner Brandexperte Iain Peck nannte den Versuch in einer Expertise vom Dezember »unbrauchbar«. Ähnlich äußerten sich mehrere Sachverständige gegenüber jW. Anwältin Heinecke sprach von einem »Fakeversuch«. Thomas Ndindah zeigte sich erfreut, dass die UN-Experten sich des Falles angenommen haben. »Der Ball liegt jetzt bei der Staatsanwaltschaft«.

Quelle

https://www.jungewelt.de/2017/02-28/087.php (https://www.jungewelt.de/2017/02-28/087.php)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 18. April 2017, 07:25:12
#OstEierOffensive...wer sucht - der findet!
Die Initiative Oury Jalloh bittet nach 9 Monaten ergebnisloser Brandversuche der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau erneut um Mithilfe bei der Suche nach dem Täter-Werkzeug...

(http://fs5.directupload.net/images/170418/temp/38i7wl4f.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4695/38i7wl4f_jpg.htm)(http://)

(http://fs5.directupload.net/images/170418/temp/ulzhy3jb.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4695/ulzhy3jb_jpg.htm)(http://)

(http://fs5.directupload.net/images/170418/temp/tth2ygop.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4695/tth2ygop_jpg.htm)(http://)

(http://fs5.directupload.net/images/170418/temp/dbfpzzqx.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4695/dbfpzzqx_jpg.htm)(http://)


Titel: Eine internationale Untersuchungskommission wird gegründet
Beitrag von: admin am 24. August 2017, 07:24:43
Zitat
Die Ermordung Oury Jallohs ist ein rassistisches Verbrechen, dass bis in die höchsten Kreise der deutschen Polizei, Justiz und Politik nachhaltig gedeckelt wird. Eine Vielzahl von Experten und Gutachtern aus dem Ausland haben aufgrund der ihnen vorliegenden Faktenlage bereits bestätigt, dass hier offensichtlich ein Mord vertuscht werden soll. Der deutsche Rechtsstaat hat nunmehr über 12 Jahre lang auf allen Ebenen bewiesen, dass er nicht gewillt ist, die Todesumstände von Oury Jalloh lückenlos aufzuklären – und das nicht nur in diesem, sondern in vielen Fällen mit Beteiligung staatlicher Institutionen von den Toden Christy Schwundeck‘s, Mareame Sarr‘, Laye Conde‘s Halim Dener‘s bis hin zum NSU-Komplex. Die Initiative in Gedenken an Ouri Jalloh sieht es daher in ihrer Verantwortung eine selbstorganisierte internationale Untersuchungskommission aufzubauen. Diese soll in den nächsten Wochen gebildet und zeitnah der Öffentlichkeit vorgestellt werden
https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/archiv/gruendung-einer-unabhaengigen-internationalen-untersuchungskommission-im-fall-oury-jalloh/ (https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/archiv/gruendung-einer-unabhaengigen-internationalen-untersuchungskommission-im-fall-oury-jalloh/)

(http://www.mz-web.de/image/23360862/2x1/940/470/4a60f54859e3dbc6180e7b09de1585bb/pF/zehnter-todestag-von-oury-jalloh-jpg.jpg)


Titel: Die Verantwortlichen kommen ohne Konsequenzen davon
Beitrag von: Kuddel am 17. Oktober 2017, 11:12:45
(http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/dessau/jalloh160-resimage_v-variantSmall24x9_w-640.jpg?version=55630)


Zitat
Die Familie des am 7. Januar 2005 in der Polizeizelle Nr. 5 verbrannten Oury Jalloh hat mit Unverständnis und Betroffenheit die Nachricht von der Einstellung des Ermittlungsverfahrens durch die Staatsanwaltschaft Halle zur Kenntnis genommen. (…) Mehr als irritiert ist die Familie Diallo darüber, dass die Staatsanwaltschaft sich bis zum heutigen Tage nicht mit der am 25. September 2015 vorgelegten Beweisführung auseinandergesetzt hat, dass der angeblich aus dem Brandschutt der Zelle stammende Feuerzeugrest nie in der Zelle gewesen sein kann. (…)Rechtsanwältin Heinecke erklärt für die Familie: „Gegen die Einstellung wird Beschwerde geführt und der Staatsanwaltschaft erneut aufgegeben werden, welche weiteren Ermittlungsschritte zwingend zu unternehmen sind.
https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/ (https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/)

„Kapitulation des Rechtsstaates“ oder kalkulierte Farce? Die Einstellung der Ermittlungen im Fall Oury Jalloh – Hypothesen vs. Fakten
https://initiativeouryjalloh.files.wordpress.com/2017/10/2017-10-14-erklc3a4rung-der-oury-jalloh-initiative.pdf (https://initiativeouryjalloh.files.wordpress.com/2017/10/2017-10-14-erklc3a4rung-der-oury-jalloh-initiative.pdf)


Zitat
MDR-Reporter André Damm schildert seine persönliche Sicht auf das Ende der Ermittlungen…
http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/dessau/kommentar-oury-jalloh-ermittlungen-eingestellt-100.html (http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/dessau/kommentar-oury-jalloh-ermittlungen-eingestellt-100.html)


https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/ (https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rudolf Rocker am 16. November 2017, 08:35:01
Manchmal muss man die Tagesschau auch loben. Dieser Bericht war heute morgen in den Schlagzeilen:

Zitat
Oury Jalloh - war es Mord?

2005 wurde der Asylbewerber Oury Jalloh in einer Polizeizelle verbrannt aufgefunden. Neue Ermittlungsakten, die dem ARD-Magazin Monitor vorliegen, zeigen: Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde er getötet.
http://www.tagesschau.de/inland/jalloh-recherche-monitor-101.html (http://www.tagesschau.de/inland/jalloh-recherche-monitor-101.html)

Das was mir beweist, was für ein verschissenes, verlogenes Justizsystem wir haben ist das hier:

 
Zitat
Angesichts dieser neuen Einschätzungen wurde der Generalbundesanwalt hinzugezogen. Dieser lehnte die Annahme des Falles jedoch ab und verwies ihn wieder nach Sachsen-Anhalt. Der Generalstaatsanwalt dort gab die Ermittlungen allerdings nicht nach Dessau zurück, sondern beauftragte wiederum nun die Staatsanwaltschaft Halle mit der Weiterverfolgung des Falles. Die Staatsanwaltschaft Halle will die Ermittlungen laut einer Erklärung vom 12. Oktober 2017 einstellen, weil sich "keine ausreichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für eine Beteiligung Dritter an der Brandlegung" ergeben hätten. Eine weitere Aufklärung sei nicht zu erwarten.
 Die Anwältin der Familie hat gegen die Einstellung Beschwerde eingelegt und wird im Licht der neuen Erkenntnisse Strafanzeige erstatten. "Angesichts der neuen Erkenntnisse ist die drohende Einstellung des Verfahrens ein Skandal", so die Anwältin der Familie Jalloh, Gabriele Heinecke, gegenüber Monitor. Sie nannte das Verhalten der Staatsanwaltschaft "vollständig unverständlich".


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: mousekiller am 16. November 2017, 17:24:01
Ich habe vor kurzem in einem Buch von Dr. Mark Benecke "Die Mumien von Palermo" seine Einschätzung zur sogenannten "spontanen Selbstentzündung" gelesen.

Demnach gibt es soetwas nicht. Es ist immer eine Einwirkung von außen notwendig (offenes Feuer) damit eine Person verbrennt. Bei fast allen Fällen denen er nachging, konnte er schlüssig nachweisen, dass diese Personen in der Nähe von offenen Feuer verbrannten. Eine solche Entzündung ist dann möglich, weil das körpereigene Hautfett einen niedrigen Erhitzungsgrad hat. Ein einziger passte nicht dazu. Allerdings auch nur, weil das Opfer, wie er nachwies, ein Stück Phosphor, dass es am Strand als "Bernstein" gefunden hatte, in der Tasche hatte. Phosphor ist ja bekanntlich auch ein sehr leicht brennbares Material.

Wer das Buch lesen möchte, gibts unter anderem hier: https://www.weltbild.de/artikel/ebook/mumien-in-palermo_21650462-1 (https://www.weltbild.de/artikel/ebook/mumien-in-palermo_21650462-1)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rudolf Rocker am 16. November 2017, 22:04:55
Der Begriff "Selbstentzündung", den ich in der Überschrift gewählt habe, ist nicht ganz korrekt! Es müsste eigentlich Selbstanzündung heißen!
Die Staatsanwaltschaft ging immer davon aus, das Oury Jalloh sich mit einem Feuerzeug selbst angezündet haben soll!


Zitat
Wie starb Oury Jalloh? Nach Monitor-Recherchen kommen mehrere Sachverständige zu dem Schluss, der Asylbewerber sei wahrscheinlich getötet worden. Die Staatsanwaltschaft aber stellte die Ermittlungen ein - obwohl die Gutachten bekannt waren, wie sie nun mitteilte.
http://www.tagesschau.de/inland/jalloh-recherche-monitor-103.html (http://www.tagesschau.de/inland/jalloh-recherche-monitor-103.html)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: mousekiller am 17. November 2017, 06:45:33
Selbst dann wären - zumindest nach meinem Rechtsverständnis - die Verantwortlichen zu belangen. Wenn man jemanden, der offensichtlich von irgend etwas berauscht ist, irgendwo festbindet, weil er randaliert, sollte man bei ihm auch alles konfiszieren, was irgendwie verwendet werden kann, um sich selbst zu verletzen.

Ist wie bei kleinen Kindern. Die kommen auch auf die dämlichsten Ideen. Aber nur, weil sie es (noch) nicht anders wissen. Sie müssen das erst lernen.


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rudolf Rocker am 17. November 2017, 09:27:00
In mehreren Gutachten kommen Sachverständige zu dem Schluss, das es unmöglich war, fixiert ein Feuerzeug zu benutzen und damit die feuerfeste Matratze zu entzünden.
Ausschlaggebender ist jedoch die Feststellung, das Oury Jalloh keine Rückstände von Rauchgas in seinen Lungen hatte. Das lässt eigentlich nur den Schluss zu, das bereits Tod war, als er angezündet wurde.


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Troll am 17. November 2017, 11:19:21
Zitat
Angesichts der Meldungen über einen Verdacht auf Tötung oder gar Ermordung des Asylbewerbers im Jahr 2005 weist die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Halle darauf hin, dass es zum Tod des damals in einer Arrestzelle verbrannten Mannes für sie keine neue Erkenntnisse gebe. Alles, was von Sachverständigen und an Gutachten vorliege, sei aktenkundig gewesen, als man das Verfahren eingestellt habe, sagte Oberstaatsanwältin Heike Geyer.

Ja, äh, wollt ihr vielleicht noch ein paar letzte Worte sagen, bevor ihr wegen Strafvereitelung im Amt in den Bau geht?

Mehr: Fefes Blog (https://blog.fefe.de/?ts=a4f065ff)

Kann man nur zustimmen.


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: admin am 26. November 2017, 18:54:27
Zitat
Geschwiegen, vertuscht und gelogen
Justizskandal Wie die Polizei im Fall Oury Jalloh den Rechtsstaat sabotiert


([url]https://abload.de/img/ouryrmsbe.jpeg[/url]) ([url]http://abload.de/image.php?img=ouryrmsbe.jpeg[/url])
Der Fall Oury Jalloh macht deutlich, zu welchen perversen Folgen die „polizeiliche Fehlerkultur“ führt

Die Frage, warum der Asylsuchende Oury Jalloh vor zwölf Jahren in einer Dessauer Polizeizelle verbrannte, wird wohl ungeklärt bleiben. Daran ändern weder die vor einem Jahr durchgeführten Brandversuche der Experten etwas, mit denen die Stichhaltigkeit der These von der Selbstverbrennung überprüft werden sollte, noch die jetzt bekannt gewordenen Einschätzungen von Strafermittlern. In denen spricht ein Leitender Oberstaatsanwalt aus Dessau nun zwar von einem „begründeten Mordverdacht“; und mehrere Sachverständige bezeichnen es in ihren Gutachten als wahrscheinlicher, dass der in der Zelle angekettete Oury Jalloh angezündet wurde, als dass er seine Matratze selbst in Brand setzte. Aber wird das dazu führen, dass dieses Verbrechen endlich gesühnt wird? Wohl kaum.


Hier geht's weiter: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/geschwiegen-vertuscht-und-gelogen-wie-die-polizei-den-rechtsstaat-sabotiert (https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/geschwiegen-vertuscht-und-gelogen-wie-die-polizei-den-rechtsstaat-sabotiert)

Ich weise an dieser Stelle ausdrücklich auf diesen Artikel hin, denn er läßt tief blicken in den Zustand staatlicher Institutionen.
Für mich sind Whistleblower, mutige Jounrnalisten, kleine Initiativen und Einzelkämpfer wahre Helden, wenn sie beharrlich und unbeirrbar dafür kämpfen, daß die Wahrheit öffentlich wird, sei es im Fall Oury Jalloh, den Taten des NSU, dem Oktoberfestattentat 1980 oder aktuell den Paradise Papers.

Ich bin wirklich stocksauer auf diejenigen in der chefduzen-Community, die stets darauf herumreiten, daß der Staat nie mit der Wahrheit herausrückt, daß alles sowieso nix bringt, daß das "Wahlvolk" und "der Deutsche Michel" sich nicht dafür interessiert. Das ist in meinen Augen nichts anderes als die Standardausrede des Spießers "die da oben machen sowieso was sie wollen", um zu rechtfertigen, warum man sich nicht wehrt. Man kann viel allein erreichen und noch mehr gemeinsam mit anderen. Man muß sich nur aufraffen und endlich aufhören herumzujammern.  

Zitat
Zu sagen was ist, bleibt die revolutionärste Tat.

Rosa Luxemburg


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Kuddel am 07. Dezember 2017, 11:10:56
Zitat
Staatsanwalt geht offenbar von Vertuschungstat der Polizei aus

Der Asylbewerber Oury Jalloh könnte angezündet worden sein – das glaubt laut einem Bericht der Dessauer Oberstaatsanwalt. Zuvor soll es ähnliche Todesfälle gegeben haben.


([url]http://img.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-12/oury-jalloh-staatsanwalt-bittmann/wide__820x461__desktop[/url])

Im Fall des 2005 in einer Dessauer Polizeizelle durch ein Feuer umgekommenen Asylbewerbers Oury Jalloh geht laut einem Medienbericht der Dessauer Leitende Oberstaatsanwalt Folker Bittmann von einer Vertuschungstat durch Polizisten aus. Wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtete, verwirft Bittmann in einem Vermerk vom April 2017 nicht nur die These eines Unfalltods Jallohs. Vielmehr beschreibe er konkret ein Szenario, wonach Beamte den Häftling angezündet haben könnten. Zudem habe der Staatsanwalt Parallelen zu zwei weiteren, ungeklärten Todesfällen in der Polizeistelle Dessau gezogen.

Das Motiv für die Ermordung könnte demnach gewesen sein, dass dem Asylbewerber zuvor zugefügte Verletzungen vertuscht werden sollten. Auch hätten Ermittlungen zu früheren Todesfällen im Umfeld der Dessauer Polizei verhindert werden sollen. Bittmann stützt sich demnach auf Gutachter und die Ergebnisse eines 2016 unternommenen Brandversuchs, wonach der gefesselte Jalloh mit einer kleinen Menge Brandbeschleuniger übergossen und angezündet worden sei.

Oury Jalloh, ein Asylbewerber aus Sierra Leone war 2005 wenige Stunden nach seiner Verhaftung in einer Dessauer Polizeizelle verbrannt. Polizei und Staatsanwaltschaft kamen damals zu dem Ergebnis, dass er den Brand selbst gelegt hatte, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Auch in zwei Landgerichtsprozessen hatte der Fall nicht geklärt werden können. An der These eines Unfalls gibt es schon lange massive Zweifel – vor allem auf Seiten der Familie Jallohs.

Nachdem Bittmann im vergangenen Zweifel an der Unfallthese geäußert hatte, hatte die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg in Sachsen-Anhalt das Verfahren der Dessauer Staatsanwaltschaft entzogen und den Fall Jalloh an die Staatsanwaltschaft Halle übertragen. Diese stellte das Ermittlungsverfahren im Oktober ein. Halles leitende Oberstaatsanwältin Heike Geyer begründete dies damit, dass das Verfahren "keine ausreichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für eine Beteiligung Dritter an der Brandlegung ergeben" habe. An der Unfallthese gibt es aber weiterhin große Zweifel. Im Falle neuer Erkenntnisse könne das Verfahren aber wieder aufgenommen werden, sagte die Generalstaatsanwaltschaft.
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-12/oury-jalloh-staatsanwalt-bittmann-mord (http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-12/oury-jalloh-staatsanwalt-bittmann-mord)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rudolf Rocker am 07. Dezember 2017, 15:26:54
Zitat
Initiative in Gedenken an Oury Jalloh stellt Strafanzeige wegen Mordes
Aufgrund der eindeutigen Beweislage, dass das Feuer von Dritter Hand gelegt worden sein muss (kein Feuerzeug / gutachterliche Stellungnahmen) sowie mit Blick auf zahlreiche weitere Indizien und konkrete Hinweise auf den bzw. die Täter bzw. Mittäter*innen, sehen es die Zeichner*innen als unabdingbar an, diese konkrete Strafanzeige gegen den damaligen Polizeibeamten S. als Haupt- bzw. Mittäter zu stellen.

Hiermit erstatten wir Anzeige wegen Mordes an Oury Jalloh am 7.1.2005 im Polizeirevier Dessau.
https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/2017/12/07/initiative-in-gedenken-an-oury-jalloh-stellt-strafanzeige-wegen-mordes/


(https://initiativeouryjalloh.files.wordpress.com/2017/10/demo-7-1-18-final.jpg)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rudolf Rocker am 07. Dezember 2017, 23:34:57
Es kommt Bewegung in die Sache:
Zitat
Generalstaatsanwaltschaft übernimmt Fall Oury Jalloh
http://www.tagesschau.de/inland/oury-jalloh-generalstaatsanwaltschaft-101.html (http://www.tagesschau.de/inland/oury-jalloh-generalstaatsanwaltschaft-101.html)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Kuddel am 27. Dezember 2017, 18:24:36
Zitat
13 Jahre Kampf um die Wahrheit

Die Initiative „Gedenken an Oury Jalloh” hat durchgesetzt, dass wegen Mordes ermittelt wird.


([url]http://www.taz.de/uploads/images/624/Jalloh2_Cropped.jpg[/url])

Dass der Fall nicht längst zu den Akten gelegt wurde, ist allein der Initiative Gedenken an Oury Jalloh zu verdanken. Sie beharrte all die Jahre darauf, dass Jalloh sich nicht selbst getötet haben konnte und forderte Aufklärung. Die AktivistInnen wurden deshalb misshandelt, schikaniert und landeten teils selbst vor Gericht. Am Ende aber setzten sie sich durch.

Denn erst ein privat finanziertes Gutachten der Initiative gab den Anstoß zu einer Brandsimulation im Sommer 2016. Dieses ließ sechs Sachverständige zu der Schlussfolgerung kommen, dass Jalloh sich nicht selbst angezündet haben kann. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Mordes.
http://www.taz.de/Diskussion-04012018/ (http://www.taz.de/Diskussion-04012018/)!165652/


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: counselor am 04. Januar 2018, 17:55:02
Zitat
Dessau - Oury Jalloh - Das war Mord!

Zum 13. Todestag von Oury Jalloh finden neben einer bundesweiten Demonstration am 7. Januar in Dessau zahlreiche Kundgebungen und Mahnwachen statt. Die Föderation der ArbeitsmigrantInnen in Deutschland hat dazu eine Erklärung herausgegeben.

Oury Jalloh wurde am 7. Januar 2005 in Dessau in der Zelle einer Polizeistation bei lebendigem Leibe verbrannt. Nach seinem Tod behaupteten die Polizisten, die sich zu dem Zeitpunkt im Dienst befanden, dass er sich selbst angezündet haben soll.

13 Jahre Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit

Es war offensichtlich, dass sich Oury Jalloh nicht auf einer feuerfesten Matratze anzünden konnte, an der er außerdem mit einer Handschelle fixiert war. Von Anfang an deuteten seine Angehörigen, Freunde und Flüchtlingsorganisationen auf die Widersprüche bei den Aussagen der Polizisten und den Umständen seines Todes hin, und sahen hinter dem Geschehenen einen vertuschten, rassistisch motivierten Mord. Der Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit wurde 13 Jahre lang nicht nur in den Gerichtssälen ausgefochten, sondern auch auf der Straße und in der Öffentlichkeit.

Kein Einzelfall

Oury Jalloh ist kein Einzelfall für einen rassistisch motivierten und vertuschten Mord! Beispiele für faschistisch und rassistisch motivierte Morde gibt es in Deutschland und anderen Teilen Europas viele.  Ein Großteil dieser Morde wurde erst durch die Haltung der Staatsbürokratie ermöglicht. Die NSU-Morde bieten genügend Beispiele dafür ...

Die Wahrheit muss ans Tageslicht

Nur durch den hartnäckigen Kampf für die Wahrheit wurde bewiesen, dass Oury Jalloh durch „Fremdeinwirkung“ in Polizeihaft lebendig verbrannt wurde. Es ist an der Zeit, festzustellen, wer genau dieses Verbrechen begangen hat ...

Demonstration und Kundgebungen

Neben der bundesweiten Demonstration am 7. Januar in Dessau werden wir als die Föderation der ArbeitsmigrantInnen in Deutschland am 5. Januar ... überall in Deutschland auf der Straße sein ... Am 6. Januar wird es in Köln am  Eigelsteintorburg (Nähe Ebertplatz) um 13 Uhr eine Kundgebung geben.

Quelle: https://www.rf-news.de/2018/kw01/oury-jalloh-das-war-mord (https://www.rf-news.de/2018/kw01/oury-jalloh-das-war-mord)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Kuddel am 06. Januar 2018, 20:03:32
Zitat
Justizmitarbeiter wollte Polizisten offenbar wegen Mordes anzeigen

Medienberichte: Mitarbeiter des Dessauer Gerichts soll Aussage über Polizisten unter Druck zurückgezogen haben / Sonntag jährt sich der Tod des Flüchtlings zum 13. Mal
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1075251.oury-jalloh-justizmitarbeiter-wollte-polizisten-offenbar-wegen-mordes-anzeigen.html (https://www.neues-deutschland.de/artikel/1075251.oury-jalloh-justizmitarbeiter-wollte-polizisten-offenbar-wegen-mordes-anzeigen.html)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Nikita am 07. Januar 2018, 14:32:16
Livetream der Demo zum Jahrestag des rassistischen Mordes deutscher Polizisten an Oury Jalloh, der von Staatsanwaltschaft und Behörden vor Ort vertuscht wird. Jetzt als Aufzeichnung. Beginnt bei 4:10 Minuten.

https://youtu.be/24N7YB-Nfdw


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Kuddel am 07. Januar 2018, 15:20:58
Beeindruckend.


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Strombolli am 07. Januar 2018, 16:08:12
"Ich weiß ja nicht, ob sie es schon wussten" aber ich wohne 35km von Dessau entfernt, sehe immer das Polizeigebäude, wenn ich mal von KAUFLAND komme und habe IMMER so ein Scheißgefühl über das was dort vor sich gehen mag oder gegangen ist. Ich verstehe diese und viele andere Menschen ähnlicher Denke nicht mehr.

Was läuft bei ihnen oder eben bei mir falsch? Ich habe meine Erziehung durch meine Eltern (private Händler im Pseudosozialismus der DDR; erst in der BRD durch nichtbezahlte Rechnungen und Bankenwillkür kaputtgegangen) offenbar nicht vergessen. Das Pendel ist nicht in die andere Richtung umgeschlagen!


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Nikita am 07. Januar 2018, 16:15:50
Bin überrascht, dass Undercover-Cops sich nicht unter die Demonstranten gemischt haben und Steine auf die eigenen Leute geworfen haben. Damit die Polizei die Demo niederprügeln darf.


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Kuddel am 07. Januar 2018, 18:40:01
Zitat
Tausende demonstrieren in Dessau

Heute vor 13 Jahren verbrannte Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle. In der Stadt versammelten sich Tausende Demonstranten im Gedenken an den Asylbewerber - und forderten weitere Ermittlungen.


([url]https://abload.de/img/image-1234816-860_posifqv1.jpg[/url]) ([url]http://abload.de/image.php?img=image-1234816-860_posifqv1.jpg[/url])

Am 13. Todestag von Oury Jalloh haben in Dessau in Sachsen-Anhalt mehrere Tausend Menschen des in Polizeigewahrsam gestorbenen Afrikaners gedacht. Nach Angaben der Polizei folgten am Sonntag rund 3000 Demonstranten einem Aufruf der Initiative zum Gedenken an Oury Jalloh, die Veranstalter sprachen von mehr als 4000.
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/oury-jalloh-zum-13-todestag-demonstrieren-tausende-in-dessau-a-1186648.html (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/oury-jalloh-zum-13-todestag-demonstrieren-tausende-in-dessau-a-1186648.html)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 12. Januar 2018, 10:13:29
(http://up.picr.de/31503333bo.jpg)
(http://)

VIDEO

Im Gedenken an Oury Jalloh! Demonstration zum 13. Todestag in Dessau-Roßlau

https://vimeo.com/250693286 (https://vimeo.com/250693286)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 30. Januar 2018, 08:38:34
Aus: Ausgabe vom 30.01.2018, Seite 4   / Inland

Wider den Korpsgeist
Feuertod von Oury Jalloh im Polizeirevier Dessau: Initiative ruft internationale Untersuchungskommission ins Leben

Von Susan Bonath

(http://up.picr.de/31674901qh.jpg)
(http://)
Demo am 7. Januar in Dessau zum 13. Todestag von Oury Jalloh: Eine Gruppe von Experten aus mehreren Ländern will unter anderem Manipulationen am Tatort untersuchen, der Polizeizelle, in der der Flüchtling verbrannte
Foto: Christian-Ditsch.de

Wie konnte Oury Jalloh vor am 7. Januar 2005 in einer Schlichtzelle des Polizeireviers Dessau am helllichten Tag bis zur Unkenntlichkeit verbrennen? Haben Polizei, Staatsanwälte, Gerichte und Politiker gezielt die Ermittlungen behindert? Wurden Beweismittel in diesem bis heute ungelösten Kriminalfall absichtlich manipuliert? Diesen und weiteren Fragen soll eine internationale unabhängige Untersuchungskommis­sion nachgehen. Das Gremium mit bisher neun Experten habe sich am vergangenen Wochenende in Berlin konstituiert, teilte die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh am Montag mit.

»Zu gegebener Zeit wird sich die Kommission öffentlich vorstellen«, kündigte Thomas Ndindah von der Initiative am Montag im Gespräch mit junge Welt an. Das Datum stehe aber noch nicht fest. Es könne sein, dass sich noch weitere Experten anschließen, so Ndindah. Bisher kommen die Mitglieder des Gremiums – Mediziner, Rechtswissenschaftler, Anwälte und ein Journalist – aus sieben Ländern, darunter auch Deutschland. Ihre Prüfungen orientierten sich an den vorliegenden Akten. Zudem sollen sie Kontakt zu Ermittlern, deren Gutachtern und dem Rechtsausschuss des Landtages von Sachsen-Anhalt aufnehmen. »Dann wird sich zeigen, inwieweit die Staatsanwälte bereit sind zu kooperieren«, sagte Ndindah.

Es gehe zum Beispiel darum, die jüngsten gutachterlichen Schlüsse zu analysieren. So hatten vor einem Jahr acht Experten – Mediziner, Chemiker, Brandsachverständige und Kriminaltechniker – mehrheitlich ausgeschlossen, dass der gefesselte Oury Jalloh das Feuer selbst gelegt haben kann. Der Dessauer Staatsanwalt Folker Bittmann hatte nach zwölf Jahren Ermittlungsarbeit seine bisherige These vom Selbstmord über den Haufen geworfen. Er geht nun von einem Verdeckungsmord aus. Womöglich hätten diensthabende Polizisten vorangegangene Misshandlungen oder unterlassene Hilfeleistung vertuschen und verhindern wollen, dass zwei weitere ungeklärte Todesfälle in ihrem Gewahrsam aus den Jahren 1997 und 2002 wieder aufgerollt werden.

Nachdem Bittmann jedoch Mordermittlungen eingeleitet und den Generalbundesanwalt in Karlsruhe vergeblich um Hilfe ersucht hatte, entzog Sachsen-Anhalts Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad ihm das Verfahren. In Halle stellte es Oberstaatsanwältin Heike Geyer im Oktober ein. Die Linksfraktion Sachsen-Anhalt setzte den Fall im Landtag auf die Tagesordnung. Unter Druck geraten, wies Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) schließlich den Generalstaatsanwalt in Naumburg an, die Ermittlungen wieder aufzunehmen. Doch das läuft schleppend. Mitte Januar hieß es dort, fünf Wochen nach dem Auftrag seien noch nicht alle Akten eingegangen. Allein die Prüfungen könnten sich über Monate hinziehen. Außerdem sagte Keding den Mitgliedern des Rechtsausschusses Anfang Dezember Akteneinsicht in der Geheimschutzstelle zu. Doch bisher sei dort noch nichts eingetroffen, sagte der Grünen-Abgeordnete Sebastian Striegel auf jW-Nachfrage. Bei der Generalstaatsanwaltschaft war am Montag kein Sprecher erreichbar.

»Ich fürchte, dass man nun versucht – oder schon versucht hat –, Akten und Asservate mit Verweis auf Fristen zu entsorgen«, sagte Rechtsanwältin Beate Böhler im Gespräch mit jW. Sie vertritt Jallohs Vater, der in Guinea lebt. Mehrfach hätten sie und ihre Kollegin Gabriele Heinecke beantragt, asservierte innere Organe des Opfers in die Berliner Charité zu überführen, um die Obduktionsergebnisse zu überprüfen. »Darauf gibt es gar keine Reaktion«, so Böhler. Ferner habe sie sich der Strafanzeige der Initiative gegen den Polizisten Udo S. (69) angeschlossen und die Begründung für den erhobenen Tatverdacht erweitert. »Wir werden nun Anträge stellen dazu, was konkret ermittelt werden muss.« Hierbei könne die internationale Kommission sehr viel weiterhelfen. »Es gibt unzählige Hinweise, Ansätze, auch Parallelen zu den beiden anderen mutmaßlichen Tötungsdelikten in diesem Revier, das lässt mich hoffen, dass wir die Täter finden.« Der Fall Jalloh, konstatierte sie, zeuge von einem strukturellen Korpsgeist in den Behörden. Er gehöre auf bundesweite Ebene.

Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/326315.wider-den-korpsgeist.html (https://www.jungewelt.de/artikel/326315.wider-den-korpsgeist.html)



Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 16. Februar 2018, 07:39:25
Aus: Ausgabe vom 15.02.2018, Seite 4   / Inland

Durch den Schredder
Feuertod von Oury Jalloh: Justiz löscht Akten zu zwei weiteren ungeklärten Todesfällen im Dessauer Polizeirevier. Es gab personelle Überschneidungen
Von Susan Bonath


(http://up.picr.de/31841300oa.jpg)(http://)
Anfang Januar erinnerten Aktivisten mittels Umgestaltung von Autobahn-Hinweisschildern an den Tod von Oury Jalloh in einer Polizeizelle
Foto: facebook.com/oury.jalloh.77

Verschwundene Beweismittel, Falschaussagen, verschleppte Ermittlungen: Vieles spricht dafür, dass die Verantwortlichen in Sachsen Anhalt alles unternahmen, damit der Feuertod von Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle im Januar 2005 nie aufgeklärt wird. Doch die Indizien für einen Mord sind erdrückend. 2017 verwarf der langjährige Ermittler Folker Bittmann die offizielle Selbstmordthese. Er wurde den Fall los. Aus Sicht Bittmanns wollte die Polizei mutmaßlich Misshandlungen verschleiern und ein Aufrollen zweier früherer Todesfälle verhindern. Doch die Akten zu diesen Fällen hat die Justiz vernichtet. Das räumte das Innenministerium Sachsen-Anhalt jetzt ein, wie die Mitteldeutsche Zeitung (MZ) am Montag berichtete.

Es geht um Hans-Jürgen Rose und Mario Bichtemann. Ersteren nahm die Polizei am 8. Dezember 1997 wegen Trunkenheit im Straßenverkehr fest. Kurz nach seiner Entlassung am Folgetag brach Rose zusammen. Er starb an schweren inneren Verletzungen. Einen Verdacht, wonach Beamte den Mann an eine Säule gefesselt und misshandelt hätten, verfolgte niemand. Bichtemann geriet am 29. Oktober 2002 als »hilflose Person« in die Hände der Polizei. Tags darauf fand man ihn tot in seiner Zelle. Die Diagnose: Schädelbasisbruch, vier Rippenbrüche und weitere Verletzungen. Zu beiden Fällen seien keine Akten mehr vorhanden, sagte ein Ministeriumssprecher der MZ. Die Aufbewahrungsfristen sind verstrichen.

Doch die Hauptakte zum Fall Bichtemann liegt jW vor. Anders, als das Ministerium behauptet, ermittelten Justiz und Polizei nicht gegen zwei, sondern gegen drei Beamte wegen des Verdachts der Strafvereitelung und fahrlässigen Tötung. Es handelte sich um Werner T. und Jürgen G. Sie hatten Bichtemann festgenommen, gaben aber Hinweise von Zeugen nicht weiter. Danach war der 36jährige zuvor mutmaßlich Opfer einer Gewalttat geworden. T. und G. riefen trotzdem keinen Krankenwagen. Auch gegen Dienstgruppenleiter Andreas Sch. wurde wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Er habe keinen Notarzt gerufen, als Bichtemann auch nach mehr als zwölf Stunden nicht ansprechbar war.

Das Verfahren gegen Jürgen G. stellte die Staatsanwaltschaft im Mai 2003 ein, sechs Monate später auch die Ermittlungen gegen T. und den Dienstgruppenleiter. Man habe ihnen »einen Vorsatz nicht mit erforderlicher Sicherheit nachweisen« können, hieß es. Die Polizei legte interne Verfahren nach Jallohs Tod zu den Akten. Hauptermittler war hier Polizeirat Frank St. Dieser ist der leibliche Vater von Sebastian F., der im August 2017 wegen der brutalen Vergewaltigung und Ermordung der chinesischen Studentin Yangjie Li zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wurde.

Werner T. und Andreas Sch. sind auch in den Fall Jalloh verwickelt. Sch. saß deshalb zweimal auf der Angeklagebank. Ende 2012 verurteilte ihn das Landgericht Magdeburg zu einer Geldstrafe von 10.800 Euro. Er sei nach dem Ausbruch des Feuers nicht schnell genug eingeschritten. In Jallohs wie auch in Bichtemanns Fall wollten er und seine Kollegin Beate H. noch Lebensgeräusche der Gefangenen kurz vor ihrem Auffinden gehört haben. Das konnte jeweils medizinisch ausgeschlossen werden. Werner T. kontrollierte Jalloh zweimal, zuletzt knapp eineinhalb Stunden vor dem Anschlagen des Rauchmelders.

Es gibt weitere Überschneidungen: Der bis heute in Dessau praktizierende Neurologe Andreas B. bestätigte jeweils die Gewahrsamstauglichkeit. Bei Bichtemann »übersah« er den Schädelbruch und vier Rippenbrüche – falls die Verletzungen bereits bei der Einlieferung vorhanden waren. Daneben befanden sich die Beamten Jürgen S., Torsten T. und Udo S. im Umfeld beider Tatgeschehen. Im Fall Jalloh hatte ein Kollege Udo S. und den Beamten Hans-Ulrich M. bei einer undokumentierten Zellenkontrolle kurz vor dem Anschlagen des Rauchmelders erwischt. Auch der damalige Revierleiter Gerald Kohl war bei beiden Taten vor Ort. Er leitete das Revier in Dessau von 1997 bis 2007, also bereits zur Zeit, als Hans-Jürgen Rose umkam. Der Fall Jalloh soll am Freitag erneut Thema im Rechtsausschuss des Magdeburger Landtages sein.


Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/327295.durch-den-schredder.html (https://www.jungewelt.de/artikel/327295.durch-den-schredder.html)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Strombolli am 06. März 2018, 08:44:59
http://www.zeit.de/2018/10/oury-jalloh-dessau-zelle-tod-aufklaerung (http://www.zeit.de/2018/10/oury-jalloh-dessau-zelle-tod-aufklaerung)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 27. März 2018, 19:11:44
Zitat
Oury Jalloh: Gutachter schließt Selbsttötung aus

Ein unabhängiger Gutachter kritisiert die Ermittlungen im Fall des ungeklärten Todes des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Polizeizelle in Dessau. Der Toxikologe Gerold Kauert schließt aus, dass sich Jalloh selbst angezündet haben könnte.
https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/dessau/oury-jalloh-gutachter-schliesst-selbsttoetung-aus-100.html (https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/dessau/oury-jalloh-gutachter-schliesst-selbsttoetung-aus-100.html)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 15. April 2018, 22:15:08
Aus: Ausgabe vom 16.04.2018, Seite 4   / Inland

»Jahrelang weggeschaut«

Feuertod im Polizeirevier: Sonderermittler sollen für Magdeburger Landtag Akten zum Fall Oury Jalloh sichten und bewerten
Von Susan Bonath

(http://up.picr.de/32410499cr.jpg)(http://)
Demonstration zum Gedenken an Oury Jalloh im Januar 2018 in Dessau
Foto: Christian-Ditsch.de

Im Fall Oury Jalloh werden zwei Sonderermittler tätig. Im Auftrag des Rechtsausschusses im Landtag von Sachsen-Anhalt sollen sie die Ermittlungsakten zum Feuertod des Flüchtlings vor über 13 Jahren in einer Dessauer Polizeizelle auswerten. Den Abgeordneten liegen die Dokumente nach einem Antrag auf Einsicht seit Februar in einer Geheimschutzstelle vor. Den Fall komplett aufklären könnten sie allerdings nicht, sagte Ausschussmitglied Sebastian Striegel (Grüne) vergangene Woche gegenüber jW. Vielmehr sollten sie »bewerten, ob ordentlich ermittelt wurde«, so Striegel. Dies sei ein weiterer Schritt, um Licht ins Dunkel zu bringen.

Einer der Sonderermittler ist der Anwalt und ehemalige Grünen-Politiker Jerzy Montag. Er untersuchte bereits für den NSU-Ausschuss im Bundestag den Fall des V-Mannes »Corelli«, der 2014 kurz vor seiner geplanten Vernehmung angeblich an einer unerkannten Diabetes gestorben war. Zweifel an der Todesursache wurden nie ausgeräumt. Der zweite Ermittler ist der frühere Bundesverfassungsrichter Herbert Landau. Er untersuchte 2016/17 für die sächsische Landesregierung den angeblichen Suizid des Terrorverdächtigen Dschaber Al-Bakr in der JVA Leipzig. Striegel erklärte, beide Personalien müssten noch vom Ausschuss bestätigt werden. Wegen der Unabhängigkeit sei es ihm wichtig, dass beide Ermittler nicht aus Sachsen-Anhalt stammten.

Die Linke im Landtag wurde nach eigenen Angaben nicht vorab über die Einigung der Koalitionsfraktionen CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen auf Montag und Landau informiert. Die Linke unterstütze »alle Schritte, die geeignet sind, Aufklärung zu befördern«, erklärte deren Abgeordnete Henriette Quade am Freitag. Entscheidend sei der Untersuchungsauftrag der Sonderermittler. So seien neben der juristischen Aufarbeitung zwingend »die Vorgänge im Polizeirevier Dessau und die Rolle der Polizei bei der Aufklärung der Todesfälle intensiv zu beleuchten«. Im Zusammenhang mit dem Dessauer Revier hatte es bereits vor Jalloh zwei Tote gegeben: Im Dezember 1997 brach Hans-Jürgen Rose wenige Minuten nach seiner Freilassung aus dem Gewahrsam mit schweren inneren Verletzungen zusammen und verstarb. Deutlichen Hinweisen auf Misshandlungen durch Polizeibeamte wurde nicht nachgegangen. Im Oktober 2002 fanden Beamte den Dessauer Mario Bichtemann mit gebrochenem Schädel und Rippen tot in seiner Zelle. Der Verdacht auf mindestens unterlassene Hilfe wurde nie ausgeräumt. Teils waren dieselben Beamten anwesend wie im Fall Jalloh.

Zu klären sei im Fall Jalloh auch, so Quade, »ob Instanzen der Justiz Indizien und Verdachtsmomenten nicht hinreichend nachgegangen sind, Falschaussagen nicht geahndet wurden und das jahrelange Festhalten an der Selbstverbrennungsthese gerechtfertigt war«, mahnte die Politikerin. Sie kritisierte das Verhalten von Sachsen-Anhalts Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad. Dessen Aussagen vor dem Rechtsausschuss im November 2017 widersprachen denen des Dessauer Oberstaatsanwalts Folker Bittmann.

Seit 2005 hatte Bittmann im Fall Jalloh ermittelt und bis Anfang 2017 an der Selbstmordthese festgehalten. Er verwarf sie, nachdem von ihm bestellte Mediziner, Brandexperten, Chemiker und Kriminalisten erklärt hatten, sie sei unhaltbar. In einem Schreiben an den Generalbundesanwalt (GBA) in Karlsruhe begründete Bittmann ausführlich seinen Mordverdacht gegen mehrere Polizisten. Er nannte ein mögliches Motiv: Verdeckung von Straftaten und der beiden älteren Todesfälle.

Der GBA wies das Gesuch Bittmanns, den Fall an sich zu ziehen, zurück, Generalstaatsanwalt Konrad entzog ihm das Verfahren, die Staatsanwaltschaft Halle stellte es kurz darauf ein. Allerdings war das Schreiben Bittmanns jW und anderen Medien zugespielt worden. Auch die Anwältinnen der Hinterbliebenen hatten gegen die Einstellung Beschwerde eingelegt. Nun soll Konrads Behörde prüfen, ob der Fall neu aufgerollt werden soll. Thomas Ndindah von der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh zeigte sich im Gespräch mit jW verhalten. »Seit einem Jahr wird nicht mal mehr ermittelt, sondern nur noch geprüft«, sagte er. Dies sei Folge jahrelangen bewussten Wegschauens aller Instanzen.

Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/330830.jahrelang-weggeschaut.html (https://www.jungewelt.de/artikel/330830.jahrelang-weggeschaut.html)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Kuddel am 12. September 2018, 17:52:47
Die Akte Rose
Vor Oury Jalloh starben bereits zwei weitere Männer im Polizeirevier Dessau.


Hans Jürgen Rose stirbt 1997 an schwersten inneren Verletzungen, Mario Bichtemann fünf Jahre später an einem Schädelbruch, und 2005 verbrennt der gefesselte Oury Jalloh bis zur Unkenntlichkeit in seiner Zelle: Die Serie nie aufgeklärter Todesfälle im Polizeirevier Dessau ist einer der größten Justizskandale und Zeugnis mörderischen Korpsgeistes. Im Fall Jalloh verwarf Oberstaatsanwalt Folker Bittmann erst kurz vor seiner Pensionierung und nach einem Brandversuch die Selbstmordthese. Mehr noch: Die Verbrennung Jallohs sei wohl nur die Spitze des Eisbergs, vermerkte er im April 2017. Polizisten hätten damit mutmaßlich nicht nur Spuren im Fall Jalloh verwischt, sondern ein Wiederaufrollen der früheren Todesfälle verhindern wollen. Eine exklusive Recherche von jW zum Fall Hans Jürgen Rose dokumentiert deren Umstände:

https://www.jungewelt.de/artikel/339659.dokumentation-die-akte-rose.html (https://www.jungewelt.de/artikel/339659.dokumentation-die-akte-rose.html)


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Kuddel am 19. Oktober 2018, 13:12:20
Es gibt den Verdacht für einen aktuellen rassistischen Mord in Haft.
Die "Unstimmigkeiten" sind himmelschreiend und man kann von vielfältiger Vertuschung ausgehen:

Zitat
Zu Unrecht inhaftierter Syrer
Hinweise auf Notruf bei tödlichem Zellenbrand


Im Fall eines zu Unrecht inhaftierten Syrers, der in Nordrhein-Westfalen nach einem Zellenbrand gestorben ist, gibt es laut übereinstimmenden Medienberichten Hinweise auf einen Notruf. Protokolle aus dem Gefängnis in Kleve deuteten darauf hin, dass entgegen der bisherigen Annahme am Abend des Brandes die Gegensprechanlage im Haftraum betätigt worden sei, berichteten „Bild“ und „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit Verweis auf einen nicht öffentlichen Bericht des Justizministers an die Landtagsfraktionen.

Diese Erkenntnis werde durch einen Datenträger belegt, der jetzt bei einem in der JVA Geldern ansässigen Fremddienstleister aufgetaucht sei. Die Staatsanwaltschaft ermittele nun unter anderem, ob und wann das mit der Sprechanlage ausgelöste Lichtsignal deaktiviert worden sei, berichteten die Zeitungen weiter. Nach Informationen der „Bild“ bestehe zudem der Verdacht, dass in der Gesundheitsakte Dinge standen, die pflichtwidrig nicht zur Kenntnis gebracht worden seien. Erst dadurch wäre der Gefangene von der JVA eben nicht als suizidgefährdet eingeordnet worden. Gegen einen Arzt der JVA werde nun wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen ermittelt.
...
Es sei kaum nachvollziehbar, dass sich der Syrer während seiner Haft nie über die Verwechslung beschwert haben solle, betonte Wolf. Zudem sei unklar, ob der 26-Jährige, trotz mehrerer diagnostizierter psychischer Störungen, überhaupt haftfähig gewesen sei
...
https://m.tagesspiegel.de/politik/zu-unrecht-inhaftierter-syrer-hinweise-auf-notruf-bei-toedlichem-zellenbrand/23206156.html


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: CubanNecktie am 19. Oktober 2018, 17:28:58
Zitat
Feuertod von Oury Jalloh: Internationale Untersuchungskommission stellt erste Ergebnisse vor. Initiative berichtet über Repressionen

Im Fall Oury Jalloh lassen Sachsen-Anhalts Behörden weiterhin keinen Aufklärungswillen erkennen. Der Flüchtling verbrannte im Januar 2005, an Händen und Füßen gefesselt, im Polizeirevier Dessau bis zur Unkenntlichkeit. Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh spricht von »andauernder Verschleppung« in dem Fall. Die Politik behindere nach wie vor die Mordermittlungen in diesem Polizei- und Justizskandal. In Eigenregie hatten die Aktivisten im Januar eine internationale Untersuchungskommission ins Leben gerufen. Am kommenden Dienstag soll diese im Berliner Haus der Demokratie und Menschenrechte über ihre Arbeit und erste Ergebnisse informieren, wie die Initiative mitteilte.

https://www.jungewelt.de/artikel/341693.ermittlungen-im-fall-oury-jalloh-auf-eigene-faust.html?fbclid=IwAR3S5Rk5-lbTzBoCPp9iRT4ahygCRkoJHWH_bdm9rnZGjuu4N4b_qOB6oyQ (https://www.jungewelt.de/artikel/341693.ermittlungen-im-fall-oury-jalloh-auf-eigene-faust.html?fbclid=IwAR3S5Rk5-lbTzBoCPp9iRT4ahygCRkoJHWH_bdm9rnZGjuu4N4b_qOB6oyQ)

Und danke,  dass Ihr auch die anderen beiden Todesfälle / z.B. Artikel über "Die Akte Rose"  erwähnt/verlinkt - das macht die Sache noch viel brisanter in meinen Augen. Kann kein Zufall sein ...

Und dann gab es noch den Fall Yangjie Li, eine chinesische Studentin die vor einigen Jahren in Dessau vergewaltigt und umgebracht worden ist, durch den Polizistensohn Sebastian F. - und auch hier gab es Vertuschungsversuche durch die dortige Obrigkeit / Polizei!

https://de.wikipedia.org/wiki/Mordfall_Li_Yangjie (https://de.wikipedia.org/wiki/Mordfall_Li_Yangjie)

Üble Verbrecher!!!!!


Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 30. November 2018, 09:49:02
Aus: Ausgabe vom 30.11.2018, Seite 1   / Titel

Mord? Kein Interesse
Akte geschlossen: Feuertod von Oury Jalloh im Polizeirevier Dessau wird nicht neu aufgerollt. Hinterbliebene wollen Klage erzwingen
Von Susan Bonath


Die Skandalkette im Fall Oury Jalloh reißt nicht ab. Knapp 14 Jahre nach dessen Feuertod im Polizeirevier Dessau hat Sachsen-Anhalts Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad die Akte geschlossen. »Das Ermittlungsverfahren wegen des Todes von Oury Jalloh bleibt eingestellt«, informierte er am Donnerstag. Die Beschwerde der Familie habe er als »unbegründet« zurückgewiesen. »Ein Tatverdacht gegen benannte Polizeibeamte aus Dessau oder sonstige Dritte besteht nicht«, so Konrad. Und: Es gebe zu viele Möglichkeiten des Ablaufs, um einen Selbstmord auszuschließen. Anwältin Beate Böhler, Vertreterin der Familie Jalloh, sieht das anders. Mindestens ein Fakt sei nicht berücksichtigt worden, sagte sie am Donnerstag im Gespräch mit junge Welt. »Es ist nachgewiesen, dass das Feuerzeug, das bei den Asservaten aufgetaucht sein soll, nicht in der Zelle war.« Sie werde einen Klageerzwingungsantrag stellen.

Die Staatsanwaltschaft Halle hatte die Ermittlungen wegen Mordverdachts im Oktober 2017 überraschend eingestellt, weil sie »keine weitere Aufklärung« erwarte. Zuvor war durch journalistische Recherchen bekanntgeworden, dass Konrad das Verfahren von der Dessauer Staatsanwaltschaft abgezogen und nach Halle verlegt hatte. Der Grund ist brisant: Der damalige Chefermittler, Oberstaatsanwalt Folker Bittmann, hatte nach einem Brandversuch die Selbsttötung des in der Zelle gefesselten Flüchtlings ausgeschlossen.

In dem entsprechenden Vermerk, der jW vorliegt, berief sich Bittmann auf acht Experten aus den Bereichen Brandforensik, Chemie, Medizin und Kriminaltechnik. Deren Befund war eindeutig: Jalloh muss beim Ausbruch des Feuers bewusstlos gewesen sein. Zweitens sei das Brandbild ohne Brandbeschleuniger nicht erklärbar. Drittens könne das von der Polizei Tage nach Jallohs Tod präsentierte Feuerzeug mangels Spuren »nur theoretisch« in der Zelle gewesen sein. Es wurde offenbar manipuliert. Bittmann: »Deshalb und weil er in der letzten Minute seines Lebens nicht mehr in der Lage gewesen wäre, das Feuer zu entfachen, setzen die denkbaren Todesalternativen das Verursachen des Brandes von dritter Hand voraus.« Bittmann benannte auch tatverdächtige Polizeibeamte und legte ein Motiv dar: Vertuschen von Misshandlungen oder Unterlassung.

Zwei weitere ungeklärte Todesfälle nahm er ebenso ins Visier: 1997 war Hans-Jürgen Rose nach seinem Aufenthalt im Dessauer Revier seinen schweren inneren Verletzungen erlegen. Es hatte zahlreiche Hinweise auf Gewalt durch Beamte gegeben. 2002 war Mario Bichtemann in einer Gewahrsamszelle an einem Schädelbruch gestorben. Auch seine Leiche war übel zugerichtet.

Im Jahr 2015 erklärte der gerichtlich bestellte Brandgutachter Henry Portz gegenüber jW, er habe im Fall Oury Jalloh gar nicht unabhängig prüfen dürfen. Das Landgericht Magdeburg habe ihn angewiesen, einen Selbstmord plausibel zu erklären.

Die Einstellung des Verfahrens in Halle im Oktober 2017 war seinerzeit auch Thema im Magdeburger Landtag. Die Fraktionen der Linkspartei und der in Koalition mit CDU und SPD regierenden Grünen hatten Akteneinsicht beantragt, um »Versäumnisse bei den Ermittlungen politisch zu prüfen«. Nach langem Prozedere wies Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) Konrad an, den Fall zu untersuchen. Im Februar 2018 trafen die Ermittlungsakten in der Geheimschutzstelle des Landtags ein. Vier Monate später präsentierte die Landesregierung die Juristen Manfred Nötzel und Jerzy Montag als Sonderermittler. Sie sollten mit der Einsicht erst nach der Einstellung beginnen. Näheres dazu war am Donnerstag noch nicht zu erfahren.

Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/344514.keine-weiteren-ermittlungen-mord-kein-interesse.html (https://www.jungewelt.de/artikel/344514.keine-weiteren-ermittlungen-mord-kein-interesse.html)



Titel: Re:Oury Jalloh: Selbstentzündung ausgeschlossen!
Beitrag von: Kuddel am 06. Dezember 2018, 12:53:48
Der Einzelfall ist schon schlimm.
Es ist aber eine echte Katastrophe, daß es kein Einzelfall ist, sondern wir einen strukturellen Rassismus in Behörden, Polizei und Justiz haben. Diese Strukturen decken sich gegenseitig und behindern eine Aufklärung. Es gibt wahrscheinlich weitere Opfer, von denen wir nichts wissen.

Zitat
Brand in JVA Kleve: Neue Zweifel an offizieller Version

Experten vom Institut für Brand- und Löschforschung aus Dippoldiswalde haben die offizielle Version über den Verlauf des tödlichen Brandes in der JVA Kleve als unmöglich bezeichnet. In einem Gutachten für die WDR-Sendung "Monitor" am Donnerstag (06.12.2018) widersprechen sie den Darstellungen der Landesbehörden.

Gutachter: Häftling hätte bewusstlos sein müssen

Die offizielle Version besagt, dass der Syrer Amad A. am 17.09.2018 kurz nach 19 Uhr einen Haufen aus Matratzen, Bettdecken und Laken angezündet haben soll. Etwa 15 Minuten habe es bei geschlossenem Fenster gebrannt.

Dann habe Amad A. den Knopf der Gegensprechanlage betätigt und das Fenster geöffnet. Kurz darauf sei die Zelle geöffnet und Amad A. ins Krankenhaus gebracht worden, wo er zwei Wochen später verstarb.

Doch dieser Brandverlauf sei so nicht möglich, erklären die Brandschutzexperten. Amad A. hätte nach 15 Minuten in einem geschlossenen Raum, in dem sich toxische Rauchgase gebildet hatten, nicht mehr handlungsfähig sein können.

Hätte Amad A. gerettet werden können?

Wann Amad A. das Fenster geöffnet oder auf sich aufmerksam gemacht hat, ist wichtig für die Beurteilung der Rettungsmaßnahmen durch die JVA-Bediensteten. Es steht die Frage im Raum, ob sie den Brand früher hätten bemerken und Amad A. retten können.

Amad A. saß wegen einer Namensverwechslung monatelang unschuldig im Gefängnis. Laut Darstellung der Behörden legte er das Feuer in suizidaler Absicht.
https://www1.wdr.de/nachrichten/ruhrgebiet/jva-kleve-zelle-brand-100.html