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Industrie & Handwerk & Agrar => Industrie und Handwerk bundesweit => Thema gestartet von: Fritz Linow am 25. September 2015, 11:41:05



Titel: Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 25. September 2015, 11:41:05
Auch ohne die neueste Abgasaffäre dürte das hier ein schön langer Thread werden. Daher fange ich mal an:

Zitat
Ein besonders dreistes Beispiel für einen Werkvertrag kennt er [Bayerns IG Metall-Chef Jürgen Wechsler] von BMW am Standort Dingolfing. „BMW hat dort eine Werkshalle leergeräumt und per Werkvertrag den Kontraktlogistiker Schnellecke ins Haus geholt“, sagt er. Der erledige mit 400 Leuten dort, was vorher BMW-Stammpersonal getan habe.

http://www.fr-online.de/wirtschaft/werkvertraege-protesttag-gegen-werkvertraege,1472780,31889392.html (http://www.fr-online.de/wirtschaft/werkvertraege-protesttag-gegen-werkvertraege,1472780,31889392.html)

Die Schnellecke Group ist der Hoflogistiker von VW und Rolf Schnellecke war langjähriger Oberbürgermeister von Wolfsburg und ist mittlerweile auch Ehrenbürger.

Die Masche, die Schnellecke nun bei BMW durchzieht, geschah auch schon 2001 bei VW. Die Inzest zwischen VW und Schnellecke ist schon seit 2001 bekannt:
Zitat
Die engen Verflechtungen zwischen Schnellecke und VW fügen sich gut ein ins Ambiente dieser Autostadt. In der niedersächsischen Provinz, wo Wolfsburg VW und VW Wolfsburg ist, kennt jeder jeden. Man trifft sich im Aufsichtsrat der von VW und der Stadt gemeinsam initiierten Wirtschaftsförderungsgesellschaft Wolfsburg AG; man sitzt zusammen in der VIP-Lounge des VfL; man geht vereint zum Drachenbootrennen. Und natürlich schadet es da auch nicht, wenn ein großer Zulieferer gleichzeitig als Bürgermeister mit dem Konzern verhandelt.

http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/a-158117.html (http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/a-158117.html)

Rolf Schnellecke ist ein windiger und eitler Geschäftsmann, der gerne mehr gewesen wäre, weshalb er auch in die Politik ging. Die IG-Metall hätte vielleicht mit einer Wahlempfehlung gerade in Wolfsburg Schnellecke verhindern können. Aber dazu ist sie bekanntlich viel zu sehr in den VW-Filz eingebunden.
Kleines Schmankerl nebenbei: Schnellecke und Bsirske sind auf dieselbe Schule gegangen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 25. September 2015, 12:09:29
Im Zusammenhang mit den Werkverträgen der VW-Testfahrer, die ja auf der verschwundenen Seite leakleiharbeit.de thematisiert wurden, passt auch diese Meldung der Kanzlei Rat&Tat, die die restlichen Kläger vertritt:
Zitat
...Die IG Metall „übernahm“ von uns Rechtsstreitigkeiten, die sie trotz hinreichender Erfolgsaussichten und zur großen Überraschung selbst des Gerichts nicht weiterführte und zwar mit dem Ergebnis, daß nun alle von der IG Metall vertretenen Kläger leer ausgehen. Es drängt sich der Verdacht auf, als sie dies von Anfang an das Ziel der am Unternehmenskonsens interessierten IG Metall Wolfsburg gewesen. Jedenfalls bestätigte sich damit auf kaum erwartbare Weise, was wir kürzlich in diesem Zusammenhang als „heiße Luft“ der IG Metall in ihrem angeblichen „Kampf gegen Werkverträge“ skizzierten...

=342&tx_ttnews[backPid]=1]http://www.drgeffken.de/index.php?id=71&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=342&tx_ttnews[backPid]=1 (http://www.drgeffken.de/index.php?id=71&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 25. September 2015, 14:07:49
Der damalige 2. Vorsitzende der IG-Metall Wolfsburg, der zweitgrößten Verwaltungsstelle der IGM, Frank Patta hatte über einen längeren Zeitraum in feinster Selbstbedienungsmentalität immer wieder falsche Spesen abgerechnet (Bier, DJ...).
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-65794369.html (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-65794369.html)

Das hielt ihn nicht davon ab, 1. Vorsitzender der IG-Metall Wolfsburg zu werden. 2012 wurde er feierlich verabschiedet. Auch der VW-Gesamtpersonalvorstand gehörte zu den Laudatoren.
2010 wird ein gewisser Sebastian Patta Personalchef in Braunschweig (5700 Mitarbeiter).
http://www.kfz-betrieb.vogel.de/wirtschaft/articles/295568/ (http://www.kfz-betrieb.vogel.de/wirtschaft/articles/295568/)
Un tatsächlich sind der Manager Sebastian, der von berufswegen die Lohnkosten senken und Leute entlassen muss, und Frank, der genau das verhindern soll, Brüder.

Fazit: Es ist scheißegal, was man bei VW macht. Symbolisch rollen dann halt ein paar Köpfe (VW-Affäre,  VW-Abgasskandal...). Insgesamt betrachtet ändert sich nichts, weil bei VW Filz und Korruption die Stützpfeiler des Selbstverständnisses aller Beteiligten sind.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 25. September 2015, 16:34:42
"The Guardian" enthüllt: Europäische Regierungen verlangen lasche Prüfverfahren

25.09.15 - "rf-news" dokumentiert eine Enthüllung der liberalen britischen Zeitung "The Guardian" vom gestrigen Donnerstag. Der Artikel zitiert aus vertraulichen Dokumenten, denen zufolge staatliche Stellen aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien schon Monate vor dem VW-Abgas-Skandal bei der EU-Kommission vorstellig wurden, um die für 2017 geplanten schärferen Testvorschriften so zu verwässern, wie es bereits seit 30 Jahren der Fall ist.

Großbritannien, Frankreich und Deutschland wird Heuchelei vorgeworfen, indem sie einerseits hinter den Kulissen an veralteten Prüfverfahren für Kohlendioxidemissionen festhalten wollen und andererseits nach einer europäischen Untersuchung der Manipulationen von VW bei Luftverschmutzungstests rufen.

Dokumente, die der "Guardian" einsehen konnte, machen offensichtlich, dass diese drei Länder die Europäische Kommission bedrängten, Schlupflöcher in den Autotests aufzunehmen, die zu einem höheren Ausstoß an Kohlendioxydemissionen führen, der die Grenzwerte um14 Prozent übertreffen würde.

Gerade vier Monate vor dem jetzigen VW-Emissionsskandal unternahmen Großbritannien, Frankreich und Deutschland den Vorstoß, Schlupflöcher aus einem Test, der 1970 unter dem Namen NEDC konzipiert wurde, auf einen neuen Test zu übertragen, der unter dem Namen Personenwagen-Testverfahren (WLTP) den alten Test 2017 ersetzen soll.

Das neue Testverfahren sollte gerade solche Schlupflöcher schließen, die bis zu 20 Prozent Abweichungen zwischen zugesagten und tatsächlichen Werten ermöglicht hatten. Diese Schlupflöcher würden nicht nur die tatsächlichen CO2-Emissionen von Neuwagen auf 110 Gramm CO2 pro Kilometer steigern – deutlich über der EU-Grenze von 95 Gramm pro Kilometer – sondern auch für die Autofahrer 140 Euro mehr Spritkosten pro Jahr bedeuten gemäß den Berechnungen des grünen Vereins Verkehr und Umwelt (T&E).

Quelle: "The Guardian"

http://www.theguardian.com/environment/2015/sep/24/uk-france-and-germany-lobbied-for-flawed-car-emissions-tests-documents-reveal (http://www.theguardian.com/environment/2015/sep/24/uk-france-and-germany-lobbied-for-flawed-car-emissions-tests-documents-reveal)


Quelle

http://www.rf-news.de/2015/kw39/the-guardian-enthuellt-europaeische-regierungen-verlangen-lasche-pruefverfahren (http://www.rf-news.de/2015/kw39/the-guardian-enthuellt-europaeische-regierungen-verlangen-lasche-pruefverfahren)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 25. September 2015, 19:30:05
Gerne totgeschwiegen von VW und der Stadt werden die sogenannten Italienerbaracken, in denen es gerade Anfang der 70er einige Unruhen gab. Es gibt zwar ein paar Filme über die Italiener in Wolfsburg ( der bekannteste und beste ist wohl „Palermo oder Wolfsburg“), aber ansonsten nicht sonderlich viel, es sei denn, es wird als Erfolgsgeschichte dargestellt.
Der untenstehende Artikel von 1973 (etwas länger) enthält aber eigentlich alles, was das Herz begehrt: Ausbeuterbosse, korrupte Gewerkschaft und Politiker, gierige Kirche, selbstorganisierter Widerstand und dessen Scheitern.
Falls jemand weitere Quellen dazu hat, immer her damit.

Wo damals übrigens die Baracken standen, wird heute das Publikum mit VFL Wolfsburg bespaßt.



Quelle: Schulkampf Nr.12,Heidelberg o.J. (1973),S.10
(http://abload.de/thumb/schulkampf_heidelbergjqksm.jpg) (http://abload.de/image.php?img=schulkampf_heidelbergjqksm.jpg)
(http://abload.de/thumb/schulkampf_heidelberg6njix.jpg) (http://abload.de/image.php?img=schulkampf_heidelberg6njix.jpg)


"
Wir veröffentlichen den Bericht eines Sypathisanten des Kommunistischen Bundes Wolfsburg über die italienischen Arbeiter in den Baracken von Volkswagen.

Die Lager von Wolfsburg

Eine der Städte von Deutschland, wo die Ausbeutung von Ausländern massenhaft praktiziert wird, ist Wolfsburg. In dieser Stadt versucht man nicht einmal mit einem Schleier von falscher Demokratie die Wirklichkeit zu verdecken, wie es im Allgemeinen gemacht wird. Es gibt nur das nackte und rohe Verhältnis von Arbeiter und Unternehmer:“ Ich bezahle dich und du arbeitest und ich schere mich einen Dreck und deine Probleme als Ausgewanderter und deine Bedürfnisse als Mensch.“ Die ausländischen Arbeiter werden nicht nur in der Fabrik ausgebeutet, sondern auch danach, indem man ihnen menschenunwürdige Baracken gibt.
Alle wissen schon, daß Wolfsburg die Stadt von Volkswagen ist. In dieser Stadt arbeiten ca. 8000 Italiener, von denen fast 6000 in den Baracken der Firma schlafen.
Wenn man aus der Stadt kommt, überquert man nach einer Weile eine Brücke,die „Berliner Brücke“ heißt, von der das Lager seinen Namen hat. Wenn man von der Brücke herunterschaut, kann man eine ganze Reihe von Holzbaracken sehen (ca.60) und in der Mitte ein paar Steinhäuschen. Man glaubt plötzlich im Kino zu sein und einen dieser Kriegsfilme zu sehen, in denen Konzentrationslager vorkommen. Einen Augenblick bleibt man unentschieden, ob man weitergehen soll oder lieber umkehren. Aber dann geht man weiter, getrieben von der Notwendigkeit.
Das ganze Lager ist mit Stacheldraht umspannt. Es gibt einen einzigen Eingang, der vom Werkschutz kontrolliert wird. Um hineinzugehen muß man die Erkennungsmarke mit der Fotografie vorzeigen. Diejenigen, die kommen, um Arbeit zu suchen, oder die Eltern oder Freunde, müssen, um hineinzudürfen, ihren Paß dalassen, und einer der Wächter schreibt alles in ein Verzeichnis, sogar die Uhrzeit des Eintritts. Man bekommt den Paß erst beim Verlassen des Lagers wieder, das nicht später als 20 Uhr sein darf. Diejenigen, die Arbeit suchen, bekommen die ersten Ohrfeigen – moralische, versteht sich, da wir ja in einem „demokratischen“ System leben -, von einem Büttel der Fabrik, der ihnen sofort zu verstehen gibt, daß wir die Schafe sind. Eins der reizendsten Komplimente ist, wenn er sagt:“ Dusch dich und wasch dich gut, denn morgen untersucht dich der Arzt,“
Dann macht man mit den Baracken Bekanntschaft. Sie sind aus Holz und zweistöckig. In jedem Stock sind ca. 15 Zimmer, sowie die Klos, die Küche und Waschräume, -alles gemeinsam. Jedes Zimmer hat ca. 12 qm und man wohnt dort zu dritt. Es sind drei Betten übereinander darin, drei Schränke, drei Stühle, ein Tisch und ein Eisschrank. Die Miete ist 40 DM pro Person, das ist 120 DM pro Zimmer. Wenn wir die Anzahl der Zimmer der Baracken berechnen, sehen wir, daß der Profit der Firma beachtlich ist.
In Wolfsburg muß das Motto „Ausländische Arbeiter -doppelt ausgebeutet“ heißen „dreifach ausgebeutet“, denn auch der italienische Priester schert sich seine Schäfchen. Einmal stand auf einem Flugblatt der „Union Ausgewanderter Italiener/Wolfsburg („Unione Emigrati Italiani/Wolfsburg):“Dieser, statt unser Gewissen zu erleichtern, erleichtert uns unsere Taschen.“
Die Weisen, die Taschen der italienischen Arbeiter zu erleichtern, sind verschieden. Volkswagen hat ihm im Inneren des Lagers eine Baracke zugewiesen, wo er Sonntags die Messe predigt, und jeden Abend einen Film zeigt. Der Eintritt kostet wenig, nur 50 Pf., aber wenn wir berechnen, daß statt für 300-400 Personen für 700 Platz ist und daß er drei Filme im Monat vom italienenischen Konsulat geschenkt bekommt und daß es sich um Stummfilme handelt, deren Kommentar die Arbeiter im Saal besorgen und daß endlich all das seit sehr vielen Jahren betrieben wird, dann wird uns klar, daß der Gewinn in die Sterne steigt. Auch das Billard und die Flipper in der Kantine A waren Privatbesitz des „handelnden Priesters“.
Auch das „Italienische Zentrum“ diente gut dazu, die Taschen der Arbeiter zu erleichtern durch eine Bar, eine Pizzeria, Spiel- und Tanzsaal. Dann gab es die anderen Einkünfte.
Die Wochenzeitung des Priesters „Der Gruß des Sonntags“ brachte noch Gewinn, denn sie war voll von Reklame verschiedener lokaler Firmen. Das Geld, das der italienische Staat, der Caritas-Verband, das Sozialamt usw., auslegten, stillte noch nicht seinen Gelddurst: Er füllte die Formulare für die Vermögenswirksamenleistung (das Gesetz der 26 Mark im Monat) aus und schickte die Italiener zu einer Bank, von der er für jeden neuen Sparer einen Prozentsatz erhielt.
1970 aber hatte der Priester kein leichtes Leben, dank einer Gruppe von italienischen Arbeitern, es wurden Demonstrationen gemacht, wo unter anderem die Entfernung des Priesters gefordert wurde und die selbstständige Verwaltung des Kinos durch eine Arbeiterkomission, die von allen Bewohnern des Lagers gewählt wird. Natürlich entläßt die Firma – auf Verlangen des Priesters hin- einen der kämpferischsten Arbeiter. Die Gewerkschaft stellte sich dieser Entlassung nicht entgegen. Aber viele Arbeiter, enttäuscht vom Verhalten der Gewerkschaft, wollten austreten und sagten klar, daß sie nicht die 8 DM zahlen wollten für eine Gewerkschaft, die nichts gegen die Entlassungen unternahm. Durch diesen Protest war die Gewerkschaft gezwungen, einen Rechtsanwalt zur Verfügung zu stellen. Nach 15 Tagen sieht auch VW sich gezwungen, den Arbeiter wieder einzustellen und ihm auch die 15 verlorenen Tage zu zahlen.

Den italienenischen Arbeitern von Wolfsburg waren jedenfalls Massenproteste nichts Neues. In der Tat gab es, auch als keinerlei Organisation vorhanden war, Explosionen des Zorns gegen die Ausbeutung. Einmal passierte es, daß wegen Ärztemangels (Zwei für das ganze Lager) ein Arbeiter starb und einer in einen ernsten Zustand geriet. Gegenüber dieser Situation rebellierten die Arbeiter, und als die Unternehmensleitung die Polizei rief, bauten sie Barrikaden am Eingang des Lagers und verbrannten im Casino auch einige Baracken. Ein andermal geschah es, daß an Weihnachten ein christdemokratischer Abgeordneter die Grüße der Regierung bringen wollte. Das heißt, wie man in Sizilien sagt, er wollte die Arbeiter „dumm und zufrieden“ machen. Als er mit seinem Straßenkreuzer ins Lager fuhr, wurde er mit Schimpfworten und Steinen empfangen, sodaß er seinen Rückwärtsgang einlegen und fliehen musst, um nicht auch noch seine Haut zu hinterlassen.

Diese Explosionen von Zorn wären überall zu rechtfertigen, aber in der Situation in Wolfsburg erscheinen sie als die normalste Sache. Im Lager arbeiten nur Männer und in der Fabrik dürfen keine italienischen Frauen arbeiten. Aber die Mehrheit der Arbeiter ist verheiratet. Aber auch wenn sie Frauen mitbringen wollten, ohne sie arbeiten zu lassen, wäre es unmöglich, weil es ungeheuer schwer ist, ein Haus zu finden.

In der Zeit 1970 bis 71 hatten die Arbeiter einen hohen Grad von Kampfeswillen erreicht. Das Ergebnis wird im Mai 1971 sichtbar. Die Italiener organisierten die erste Demonstration des ersten Mai, der in Wolfsburg seit gut 25 Jahren nicht mehr gefeiert worden war. Der Demonstration schlossen sich auch die Deutschen an und zusammen bildeten sie einen Zug von mehr als 1000 Arbeitern, von denen die Hälfte Italiener waren. Es gelang der Firma Volkswagen nur, diesen Aufschwung des Kampfes zu beruhigen, indem sie Massenentlassungen inszenierte. Im Sommer wurden ungefähr 500 Arbeiter entlassen, unter denen sich natürlich die kämpferischsten befanden. Ihren Platz nahmen Tunesier ein.

Heute hat sich etwas geändert. Die Ausbeutung ist immer noch die gleiche. Im „Konzentrationslager“ ist nur die Hälfte der Arbeiter geblieben, der Rest lebt in den Kasernen, die die Firma bauen ließ. Von Holz ist man zu Zement übergegangen, aber in einem winzigen Zimmer lebt man noch genauso zu dritt. Don Parenti, der handelnde Priester, ist nicht mehr da. An seine Stelle ist ein anderer gekommen. Indem die Tunesier eingestellt wurden, haben die Bosse versucht, die Arbeiter zu spalten; das ist es, was sie durch die Unterschiede von Lohn und Brot versucht haben, zu erreichen. Aber sie haben eine dicke Enttäuschung erlebt, als sie am 1. Mai 1972 die italienischen, deutschen und tunesischen Arbeiter vereint gesehen haben!
"

(http://abload.de/img/lupo-martini-baracke-25oph.jpg) (http://abload.de/image.php?img=lupo-martini-baracke-25oph.jpg)
(http://abload.de/img/lupoplatzjlq75.jpg) (http://abload.de/image.php?img=lupoplatzjlq75.jpg)
(http://abload.de/img/italienerdorf_1962t7r8a.jpg) (http://abload.de/image.php?img=italienerdorf_1962t7r8a.jpg)
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(http://abload.de/img/italienerdorf_wolfsburxo81.jpg) (http://abload.de/image.php?img=italienerdorf_wolfsburxo81.jpg)
(https://abload.de/img/italiener-dorffoksr.jpg) (http://abload.de/image.php?img=italiener-dorffoksr.jpg)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 26. September 2015, 09:31:13
Hier wurden Fakten zusammengetragen. In der Diskussion der Mainstreammedien beweint man hingegen die Schäden am werbestrategischen Mythos "Made in Germany".

Ich halte unser Kurzzeitgedächtnis, unsere Geschichtslosigkeit, für eine große Schwäche.
Deshalb herzlichen Dank für diesen Hintergrundbericht.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 11. Oktober 2015, 22:02:32
Volker Rieble ist ein sehr unangenehmer Zeitgenosse, siehe hier: http://arbeitsunrecht.de/volker-rieble-das-zaar-poltern-fuer-das-kapital/
 (http://arbeitsunrecht.de/volker-rieble-das-zaar-poltern-fuer-das-kapital/)
Aber selbst dieser Kackvogel spricht ziemlich deutlich aus, was ein Problem bei VW ist, auch wenn er dabei gewiss nichts Gutes im Schilde führt:

Zitat
...Die gesetzliche Pflicht für die Aufseher (Aufsichtsrat), ganz genau hinzusehen, wo es Schwachstellen im Unternehmen gibt, funktioniert bei den Arbeitnehmern in Deutschland nicht. Ein Betriebsrat, der zugleich Aufsichtsrat ist, müsste den Vorstand auch darin überwachen, wie er mit ihm als Betriebsrat umspringt. Man kann aber nicht zugleich Teil des Problems und Teil der Aufsicht sein...

...Die Straftat heißt „Begünstigung von Betriebsratsmitgliedern“. Sie wird aber nur verfolgt, wenn es einen Strafantrag gibt, der entweder vom Arbeitgeber oder vom Betriebsrat oder von der Gewerkschaft kommt. Dreimal dürfen Sie raten, wer von diesen Gruppen ein Interesse hat, einen solchen Antrag zu stellen! Alle sind im Filz befangen...

...Betriebsräte haben im Aufsichtsrat ihres eigenen Unternehmens nichts zu suchen. Über unabhängige Arbeitnehmervertreter kann man von mir aus reden.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/vw-abgasskandal/abgasskandal-top-betriebsraete-von-vw-werden-gesetzeswidrig-bezahlt-13849839.html (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/vw-abgasskandal/abgasskandal-top-betriebsraete-von-vw-werden-gesetzeswidrig-bezahlt-13849839.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 19. Oktober 2015, 09:17:18
Und das ist jetzt wirklich grandios:

Zitat
Stephan Harbarth ist Obmann der Unionsfraktion im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz - und damit einer der wichtigsten Rechtspolitiker der CDU.

Harbarths Kanzlei "SZA Schilling, Zutt & Anschütz" wurde von VW in der Abgasaffäre mandatiert.

Im Rechtsausschuss des Bundestages stimmte Harbarth dafür, das Thema VW von der Tagesordnung zu nehmen.


http://www.sueddeutsche.de/politik/vw-abgasaffaere-und-verbraucherschutz-mandat-vs-mandant-1.2697251 (http://www.sueddeutsche.de/politik/vw-abgasaffaere-und-verbraucherschutz-mandat-vs-mandant-1.2697251)

Enthemmt, skrupellos, korrupt... das übliche halt und es ist in der Tat allmählich langweilig und ermüdend, diesen Dreck ertragen zu müssen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 07. November 2015, 08:15:12
Ein schönes Beispiel, wie eng Betriebsrat, Managerebene und Gewerkschaft bei VW miteinander verzahnt sind und nur nebenbei und irgendwie als selbstverständlich erwähnt:
Zitat
Auf Anfrage sagte Osterloh (Betriebsratsvorsitzender), der lange als Nachfolger für den Ende November ausscheidenden Personalvorstand Horst Neumann gehandelt wurde: „Ein Wechsel auf den Posten des Personalvorstands kommt für mich nicht infrage. Wir erleben derzeit, wie der Vorstand agiert und dabei die Interessen der Beschäftigten vollkommen außer Acht lässt.“

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Eklat-zwischen-VW-Betriebsrat-und-Vorstand (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Eklat-zwischen-VW-Betriebsrat-und-Vorstand)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Strombolli am 07. November 2015, 08:35:25
....
Enthemmt, skrupellos, korrupt... das übliche halt und es ist in der Tat allmählich langweilig und ermüdend, diesen Dreck ertragen zu müssen.


Genau so ist es. Ich frage mich immer: hat das System? Ja, es hat. - Eines Tages, der sich ja längst schleichend ankündigt, ist damit Schluß. Spätesntens, wenn alle deutschen Mädchen von Muslimen durchgebumst (http://www.spiegel.de/schulspiegel/sachsen-anhalt-lehrerverband-warnt-maedchen-vor-sex-mit-muslimen-a-1061626.html) und konvertiert sind und die Asylanten diese Scheinwelt begriffen haben.

Eine Welt der Lüge und des Betruges. Eine BRD des schönen Scheins, des Selbstbetruges.

Ob ich es noch erleben werde? Einen Tag mit positiven, motivierenden Nachrichten?


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Troll am 07. November 2015, 08:43:24
Da gab es doch was wovon alle immer geschwärmt haben, "Sozialpartnerschaft (https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialpartnerschaft)".
Die Genossen der Bosse, ein lohnendes Verhältnis nur nicht für die Arbeiter, aber die können eh froh sein überhaupt arbeiten zu dürfen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 26. November 2015, 23:19:46
So sieht die Beschwichtigung und Ruhigstellung mittels Propaganda und gekaufter Medien bei VW aus. Eine Woche Extraurlaub bei einem Weltkonzern erscheint erstmal recht passabel, trotz der hohen "Nachfrage". Ein Konzern, der es gewohnt ist, Just-in-Time zu produzieren, vergibt keine Minute Extraurlaub. Und jetzt gleich eine Woche?
Es geht jetzt los mit der Krise. Genauso war es bei den anderen Krisen auch.

Zitat
VW verlängert Weihnachtspause

Volkswagen schickt seine Mitarbeiter im Werk Wolfsburg in einen verlängerten Weihnachtsurlaub. Die Produktion des Verkaufsschlagers Golf und des neuen Touran soll sogar mehr als drei Wochen stillstehen.

Die endgültige Entscheidung über die Fahrweise fällt am Freitag. Geplant ist, dass die Produktion in Wolfsburg ab Donnerstag, 17. Dezember, ruht. Ausnahme: „Aufgrund der hohen Nachfrage und den derzeit laufenden Vorbereitungen für die neue Produktgeneration“ werde der Tiguan bis einschließlich Freitag, 18. Dezember, gebaut, so eine VW-Sprecherin.
In der Weihnachtswoche ruht dann die gesamte Produktion in Wolfsburg. In den arbeitsfreien Tagen rund um Weihnachten und Silvester werden Umbau-und Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt.

Das VW-Werk Wolfsburg startet im neuen Jahr wieder mit der Produktion des Tiguan am Montag, 4. Januar 2016. Die weiteren Produktionsbereiche mit der Golf-Familie und dem Touran starten in der zweiten Januarwoche am Montag, 11. Januar 2016.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-verlaengert-Weihnachtspause (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-verlaengert-Weihnachtspause)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Strombolli am 27. November 2015, 07:46:26
Was meint ihr, wie schnell die Karren alle weg wären, wenn sie nur 33% kosten würden.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: schwarzrot am 27. November 2015, 10:07:14
Was meint ihr, wie schnell die Karren alle weg wären, wenn sie nur 33% kosten würden.
Ich werd' das gefühl nicht los, du schreibst, was du tun würdest (wenn es die stickoxid-karren entsprechend billiger gäbe und du das geld hättest)?  ;)
->
Zitat
"Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht." - Die deutsche Ideologie. Marx/Engels
->
Zitat
"Kapital", sagt der Quarterly Reviewer, "flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel." - Thomas Joseph Dunning, zitiert in Das Kapital
->
Zitat
Das Bewusstsein kann nie etwas Andres sein als das bewusste Sein, und das Sein der Menschen ist ihr wirklicher Lebensprozeß." - Die deutsche Ideologie. Marx/Engels


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: schwarzrot am 27. November 2015, 10:16:20
Zitat
Auswirkungen von Stickoxiden

Stickoxide - insbesondere Stickstoffdioxid - reizen und schädigen die Atmungsorgane. Erhöhte Konzentrationen in der Atemluft haben einen negativen Effekt auf die Lungenfunktion von Kindern und Erwachsenen.[3] Sie sind maßgeblich für die Entstehung des Sauren Regens mitverantwortlich, wobei Salpetersäure (HNO3) durch Reaktion von (2 NO2 + H2O → HNO3 + HNO2) oder durch Aufnahme von N2O5 in Aerosolpartikel und nachfolgender Bildung von NO3− in der flüssigen Phase entsteht.

Bodennahe Stickoxide sind beim sogenannten Sommersmog verantwortlich für die Ozonbildung (O3) unter Einfluss von UV-Strahlung.[8] Die Bildung des Ozons wird hier durch das UV-Licht der Sonne ausgelöst:

    \mathrm{(1) \ \ NO_2 + O_2 \ \xrightarrow{h \nu} \ NO + O_3}

Da der Vorgang reversibel ist, ist die Ozonmenge an sonnigen Tagen am Nachmittag am höchsten und fällt über Nacht wieder ab.

    \mathrm{(2) \ \ NO + O_3 \ \xrightarrow \ \ NO_2 + O_2}

Beim Transport der Schadstoffe von den Emissionszentren weg wandelt sich das NO zunehmend in NO2 um, wodurch die Bildungsreaktion von Ozon (1) beschleunigt und die Abbaureaktion (2) reduziert wird. Entsprechend können in ländlicheren Gebieten höhere Ozonwerte gemessen werden als in den Städten.[8]

Außerdem sind sie klimawirksam und verstärken die Erderwärmung. Insbesondere Lachgas (N2O) ist ein Treibhausgas, dessen Treibhauswirksamkeit bei einem Zeithorizont von 100 Jahren 298-mal so groß ist wie die von CO2.[9]

Lachgas trägt in einem hohen Ausmaß indirekt zum Ozonabbau in der Stratosphäre bei.[10] Es wird durch UV-Strahlung photolysiert und bildet dabei NO, welches entsprechend der Gleichung (2) wiederum Ozon abbaut.
https://de.wikipedia.org/wiki/Stickoxide


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rudolf Rocker am 27. November 2015, 11:12:49
Davon abgesehen könnte ich mir so´ne Karre nicht mal geschenkt leisten!
Wovon denn Steuern, Versicherung, Sprit, Wartung und Reparaturen bezahlen?

Das Problem ist allerdings, das man in der Provinz auf ein Auto angewiesen ist oder aber kurze Arzttermine in der nächstgrößeren Stadt zu einer Tagesreise werden.
Der öffentliche Nahverkehr wird immer weiter eingeschränkt, was nebenbei zu einer weiteren Landflucht führt.
Es ist politisch so gewollt den öffentlichen Nahverkehr und ebenso die Bahn total verkommen zu lassen und massiv auf Autos zu setzen. Dabei kann man einmal mehr den Einfluss der Automobil- Lobby erkennen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Strombolli am 27. November 2015, 12:38:39
Es kotzt mich nach wie vor an, wie sich alles das "Zitierte" letztlich in irgendeiner Form bewahrheitet und ich nur wenig dazu beitragen kann, dies zu ändern.  kotz

Wenn ich meine lieben Mitmenschen Auto fahren sehe, so hätten sie einen "Trabant 501" verdient. Ficken, wählen und leben sie genau so blöd. Ich meine den Schwarm! Einzelne sind ja noch ganz nett, aber die Masse ist auf einem totalen Fehltrip, den ich nicht gehen will und auch nicht gehen werde.

Natürlich braucht man ein Auto. Die Gesellschaft und ihre Wirtschaft ist ja darauf ausgerichtet. Es ist Eines auf das Andere ausgerichtet, der typisch kapitalistische Verwertungskreislauf. Einen Kreislauf den ich hasse. In China ist gerade ein Sack Reis umgefallen.

Warum gehen gute Leute, Freunde ... von dieser Welt und ich muß jeden Tag wieder aufwachen?


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 04. Dezember 2015, 13:38:48
Zitat
VW-Aktien im Aufwind
Ernst Wolff 28.11.2015
Die Absurdität unseres Finanzsystems

Mitte September deckte die US-Umweltschutzbehörde die kriminellen Machenschaften des VW-Konzerns bei der Manipulation von Abgaswerten auf. Die ersten Meldungen von 11 Mio. betroffenen Fahrzeugen deuteten bereits an, dass VW vor der größten Herausforderung stand, die das Unternehmen je zu bewältigen hatte.

Inzwischen hat es weitere Hiobsbotschaften gehagelt: Das Bundesverkehrsministerium in Berlin hat im Oktober bekannt gegeben, dass auch Millionen in Europa zugelassene Volkswagen von dem Skandal betroffen sind. Die amerikanische Umweltschutzbehörde wiederum hat die Weltöffentlichkeit Anfang November darüber informiert, dass bei den Automarken Audi und Porsche ebenfalls manipuliert wurde.

Die jüngsten Tiefschläge kamen aus Südkorea und Kalifornien. Zunächst verurteilte das südkoreanische Umweltministerium VW zu einer Geldstrafe von 11,6 Mio. Euro und verlangte den Rückruf von 125.000 Dieselfahrzeugen bis zum 6. Januar 2016. Dann teilte die kalifornische Umweltbehörde mit, sie setze Volkswagen, Audi und Porsche eine Frist von 45 Tagen, um einen Rückrufplan für die betroffenen Fahrzeuge einzureichen.

Der finanzielle Schaden für den Konzern lässt sich derzeit noch nicht einmal annähernd einschätzen. Die Umrüstung der Fahrzeuge wird Milliarden verschlingen, und die Strafzahlungen, die allein in den USA drohen, werden zurzeit mit 18 Mrd. Dollar beziffert. Volkswagen hat bisher ganze 6,5 Mrd. Euro für diese Zahlungen zurückgestellt.

Es ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass Staaten mit eigener Autoproduktion alles tun werden, um VW weiter in die Enge zu treiben, um so die Konkurrenzsituation der eigenen Marken zu verbessern. Aus diesem Grund wird dem Wolfsburger Konzern in der tiefsten Krise seiner fast 80jährigen Geschichte auch zukünftig ein eisiger Wind entgegenwehen.

Trotzdem steigt der Aktienkurs

Gleichzeitig aber zeichnet sich am Aktienmarkt eine Entwicklung ab, die diese Tatsachen vollkommen zu ignorieren scheint: Seit knapp zwei Wochen steigt der Kurs der VW-Aktie stetig an. Wie kann das sein...? Glauben Investoren allen Ernstes, dass VW wie ein Phönix aus der Asche steigen und als Gewinner aus der gegenwärtigen Krise hervorgehen kann?

Keinesfalls. Die steigenden Kurse sind nur eine Folge der Deregulierung der Finanzmärkte und ein hervorragendes Beispiel für den Wahnsinn, der die Aktienmärkte derzeit beherrscht. Die Deregulierung erlaubt es großen Investoren (wie z.B. den Hedgefonds) nicht nur, an steigenden Kursen (die ja die positive Einschätzung der Entwicklung eines Unternehmens widerspiegeln), sondern auch an fallenden Kursen zu verdienen. Das funktioniert unter anderem über den Mechanismus der Leerverkäufe (englisch: short selling).

Bei einem Leerverkauf setzt ein Investor darauf, dass der Kurs eines Unternehmens fallen wird. Statt ein Aktienpaket zu kaufen, leiht er es sich zu einem niedrigen Preis (im Allgemeinen 1 bis 2 Prozent des Kurswertes), verkauft es umgehend und hat nun innerhalb der Leihfrist Zeit, die Aktien mit dem eingenommenen Geld zu kaufen.

Im Falle VW haben viele große Investoren unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Skandals auf fallende Kurse gesetzt und solche Leerverkäufe getätigt. Dass genau zwei Monate nach Einsetzen des Skandals der VW-Aktienkurs wieder in die Höhe geschnellt ist, zeigt, dass viele von ihnen sich die Aktienpakete für zwei Monate geliehen hatten und sie nun auf Grund vertraglicher Abmachungen die gleiche Menge Aktien kaufen müssen, um sie zurückgeben zu können.

Wetten schaffen keine Werte
weiter: http://www.heise.de/tp/artikel/46/46697/1.html (http://www.heise.de/tp/artikel/46/46697/1.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 01. Januar 2016, 19:44:57
Für die besondere Wolfsburger Konstellation zwischen Werk, Gewerkschaft und Politik sind neben dem Porsche/Piech-Clan zwei weitere Personen nicht ganz unwichtig: der legendäre Firmenpatriarch Heinrich Nordhoff (1948 bis 1968) und der erste Betriebsratsvorsitzende Hugo Bork (1951 bis 1971). Der ehemalige Wehrwirtschaftsführer Nordhoff und der Arbeitervertreter waren bis 1945 beide Mitglieder der NSDAP. Beide verband eine antikommunistische Einstellung.

In den Fünfzigern:
Zitat
Sozialkritische Bühnenstücke - zum Beispiel von Brecht lehnte die Werkleitung als für das Wolfsburger Publikum ungeeignet ab.

http://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/aufbau_west_ost/katlg12.htm (http://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/aufbau_west_ost/katlg12.htm)

Diese immerwährende große Koalition funktionierte schon damals unter anderem deswegen, weil es keine Anknüpfungspunkte an die Gewerkschaftsbewegung der Weimarer Republik gab. Junge Stadt, junge Gewerkschaft in der Findungsphase. Dazu passt, dass zu Anfang viele katholische Arbeiter aus dem Ruhrpott gekommen waren (Nordhoff bevorzugte Katholiken), die aber ziemlich bald gegen protestantische Ostflüchtlinge ersetzt wurden, die weniger Kampfbereitschaft mitbrachten, weil sie eher aus ländlichen Regionen stammten.

Die wirtschaftliche und auch kulturelle Abhängigkeit vom Werk hat außerdem verhindert, dass sich eine selbstständige Alternative entwickeln konnte, geschweige denn dass es nennenswerte Arbeitskämpfe gab. Die Verbindung VW/IGM in Wolfsburg war schon immer ein Wohlstandsmodell und auch Testlabor für den Rest der Republik, unter anderem auch die Agenda 2010. Der gemeine Wolfsburger sagt übrigens nicht:“ Ich bin Arbeiter im Werk“ oder „ich bin bei VW beschäftigt“, sondern er spricht von sich als Werks-Angehörigen. So stark ist die „una familia“ auch sprachlich in den Gehirnen verankert.

Von den knapp 60.000 Werks-Angehörigen in Wolfsburg ist nur gut ein Drittel direkt in der Produktion beschäftigt. Dort werden täglich 4000 Autos zusammengebaut. Die übrigen sind in der Verwaltung, in der Forschung, im Management und als sonstwas angestellt. Das heißt, dass es eine relativ starke sehr gut verdienende Mittelschicht gibt, die sich vorzüglich in Wolfsburg und Umgebung eingerichtet hat. Diese Mittelschicht würde einen Teufel tun, sich mit den gemeinen Arbeitern zu solidarisieren. Das ist aber eh nicht nötig, weil auch der Arbeiter in der Produktion gut verdient und ansonsten auch prima ruhiggestellt wird: in keiner anderen Stadt dieser Größenordnung gibt es wohl ein ähnliches Bespaßungsangebot wie in Wolfsburg. Selbst die Leiharbeiter verdienen noch überdurchschnittlich.

Man kann diese ganze Sozialpartnerschaft und Vetternwirtschaft in Wolfsburg zwar zum Kotzen finden, insgesamt wird es die Wolfsburger aber nicht jucken. Dafür geht es ihnen zu gut mit diesem Modell. Dass dieser Wohlstand auf Kosten der schon erwähnten italienischen Gastarbeiter oder der anderen Produktionsstandorte erwirtschaftet wird, interessiert die Wolfsburger auch nicht. Wolfsburg ist nie wirklich eine Arbeiterstadt mit einem Arbeiterbewusstsein gewesen, wie es vielleicht die K-Gruppen und andere Leute gerne gehabt hätten. Stattdessen wurde schon sehr früh der Grundstein für diese mythenhafte Schicksalsgemeinschaft zwischen VW, IGM, und Politik gelegt, die auch heute noch gepflegt wird. Vielleicht brauchen die Leute diesen Mythos ja auch, denn der Arbeitsplatz bei VW in Wolfsburg ist der einzige Anker, der in dieser potthässlichen Monostadt etwas Halt gibt.

Von Wolfsburg als Sitz des Stammwerks sollte man nichts gutes erwarten, eher von den anderen Standorten.

(http://abload.de/img/schwanzvergleich_nordesp0r.png) (http://abload.de/image.php?img=schwanzvergleich_nordesp0r.png)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 02. Januar 2016, 01:03:56
Nochmal ein Versuch, Wolfsburg und VW besser zu verstehen

Heinrich Nordhoff, damaliger Chef von VW, zur Forderung der 40-Stunden-Woche 1955:
Zitat
"Ich will auch, obwohl das vielleicht nicht populär ist, daran erinnern, daß es auch ein Glück der Arbeit gibt, dessen Befriedigung unendlich viel größer ist als die des Müßiggangs. Sicher wäre ein freier Samstag für viele ein schönes Geschenk, aber für viele auch ein Fluch. Die meisten Menschen leben ohnehin auf der Flucht vor sich selbst, ihnen wird ein fehlender Arbeitstag die Leere noch vergrößern und die trostlose Flachheit, in der freie Zeit vertrödelt wird, noch stärker zutage treten lassen."

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-31971510.html  (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-31971510.html)

Insgesamt war der Organisierungsgrad bei VW recht gering. Da die bundesweite Kampagne „Samstags gehört Vati mir“ der IGM allgemeine Zustimmung fand, musste auch Nordhoff Zugeständnisse machen. Darauf verkündete die IG-Metall ebenfalls 1955:
Zitat
"Dank der aktiven Arbeit unserer Gewerkschaftskollegen ist Nordhoff nicht mehr der König in seinem Reich, weil wir ihm Paroli bieten. Da wir wissen, daß die Wolfsburger einen Mythos brauchen, sind wir jetzt dabei, einen neuen Mythos zu schaffen - den Hugo-Bork-Mythos."

http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/31971510  (http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/31971510)

1957 kam dann die 40-Stunden-Woche bei VW.

Heinrich Nordhoff hatte im Rahmen des Wirtschaftswunders quasi im Alleingang für relativ gute Arbeitsbedingungen gesorgt, zum Beispiel mit den jährlichen Mitarbeiterprämien, wohlwissend dass nur dadurch die nötigen Arbeiter angelockt werden konnten, um seinen internationalen Expansionskurs ausführen zu können. Insgesamt lag der Lohn aber immer noch knapp unter dem der Kumpel im Ruhrgebiet.
VW gehörte nie dem Arbeitgeberverband an. In anderen Betrieben gerade in Niedersachsen aber wuchsen dadurch die Begehrlichkeiten der Metallbeschäftigten, so dass sowohl die Betriebe, z.B. Hanomag als auch die IG-Metall unter Verhandlungsdruck standen.

Hier nun hat die Gewerkschaft den Hugo-Bork-Mythos kreiert, um zu vermitteln, dass es die Gewerkschaft war, die die Erfolge errungen hat. Es ist zwar richtig, dass die IGM bundesweit die 40-Stunden-Woche in Tarifverträgen allmählich durchgesetzt hat, in Wolfsburg aber war die IGM lediglich Trittbrettfahrer.
Nordhoff war schlau genug, die Gewerkschaft mit ins Boot zu holen, denn mit „guten“ Arbeitsbedingungen, die vorgeblich von einer Gewerkschaft erkämpft wurden, konnte man auch Arbeiter anlocken. Es gibt noch genügend Augenzeugenberichte, wie scheiße und mühsam die Arbeit im Werk in den 50ern und 60 ern wirklich war. Das wurde nur durch die Gastarbeiter abgemildert, die die besonders beschissenen Arbeiten verrichten mussten, z.B. Lackierei.
Sämtliche Verbesserungen sind nicht der Kampfbereitschaft der Beschäftigten geschuldet, sondern der Erkenntnis der Unternehmensführung, dass es sonst kein Personal gibt, denn das spärlich besiedelte Umland war schnell ausgeschöpft.

Als junge Stadt ohne weitere Geschichte muss aktiv Geschichte geschrieben werden. In Wolfsburg wurden daher Legenden und mythische Figuren gebildet. Das sind natürlich Ferdinand Porsche, Peter Koller (Stadtplaner), Heinrich Nordhoff und eben Hugo Bork. Der Gewerkschafter, Betriebsratsvorsitzender und Bürgermeister in Personalunion Hugo Bork gilt auch heute noch als Musterbeispiel der Bodenständigkeit, Bescheidenheit und sozialem Engagement und somit als Vorbild der IG-Metall Wolfsburg, der zweitgrößten Niederlassung der größten DGB-Gewerkschaft.
Die Unternehmensführung nahm und nimmt dieses gewerkschaftliche Feigenblatt gerne in Kauf, da sie absolut nichts zu befürchten hat. Und so radelt der schon längst vestorbene Hugo Bork immer noch imaginär durch die Fuzo und alle grüßen ihn und er grüßt zurück.

Da, wo nur Verklärung und Lügen überliefert werden, sollte man auch nichts anderes erwartet.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 02. Januar 2016, 17:13:32
2013 waren von den 1.1 Mio Beschäftigten in der Autoindustrie 100.000 Leiharbeiter und 250.000 Werkvertragsbeschäftigte. VW bildet da natürlich keine Ausnahme und so gab es im September 2015 eine Protestaktion in Wolfsburg (wobei 100 Teilnehmer recht wenig erscheinen):
Zitat
„Es geht gegen die Spaltung von Stammbelegschaften“, betont Jutta Ehlers, politische Sekretärin der IG Metall. Egal ob Ceva, Hansmann oder Schnellecke – auch in Wolfsburg seien laut IG Metall zahlreiche Mitarbeiter von einem Missbrauch der Werkverträge betroffen.

http://www.waz-online.de/Wolfsburg/Stadt-Wolfsburg/Werkvertraege-Protest-Faire-Bezahlung! (http://www.waz-online.de/Wolfsburg/Stadt-Wolfsburg/Werkvertraege-Protest-Faire-Bezahlung!)

Gerade die Spedition Schnellecke hat eine wundersame Karriere hingelegt. Als Wolfsburger Unternehmen ist es schon immer für VW gefahren, aber richtig groß wurde Schnellecke erst, als es sich Anfang der 90er die Karosseriewerke Dresden GmbH (KWD), einen Zulieferer für die Automobilindustrie, einverleibte. Mittlerweile „steuern und optimieren 17.000 Mitarbeiter Lieferströme, konfektionieren bedarfsgerecht, liefern „just in time“ und „just in sequence“ an die Produktionsbänder der Automobilindustrie und übernehmen die Montage von Komponenten sowie die Vormontage und Veredelung ganzer Baugruppen.“
http://iran.ahk.de/fileadmin/ahk_iran/Event/NMWAV-Broschuere-Delegation-Iran-WEB_01.pdf (http://iran.ahk.de/fileadmin/ahk_iran/Event/NMWAV-Broschuere-Delegation-Iran-WEB_01.pdf)

Schnellecke als Werkvertragsunternehmen ist inzwischen selbst zu einer eigenen Größe geworden und bietet Komplettlösungen für Unternehmen an. Überall da, wo VW ist, hat auch Schnellecke seine Niederlassungen.
Das wäre wenig spektakulär, gäbe es nicht auch die andere Seite des Geschäftsführers Rolf Schnellecke:
In den 80ern war er Referatsleiter Wirtschaft, Finanzen, Internationale Beziehungen in die Staatskanzlei Hannover. Dort war er auch von 1986 bis 1990 Leiter der Kabinettsabteilung.
Von 1995 bis 2011 war er Bürgermeister von Wolfsburg. Just in diese Zeit fällt der rasante Aufstieg der Schnellecke-Group. Selbst seine Beteiligung an der Auslagerung der Sitzteilfertigung nach Polen konnte ihm nichts anhaben.
2001:
Zitat
Warum (...) bekommt der Stadtchef einen Auftrag nach dem anderen? Darf ein Stadtoberhaupt mit dem größten Arbeitgeber am Ort Geschäfte machen (...)?
Unangenehme Fragen, so scheint es. Als vor der Oberbürgermeisterwahl im Februar dieses Jahres Schnelleckes VW-Connection angeblich hochzukochen drohte, soll das Thema binnen Stunden von einer unheiligen Allianz aus Politik, VW-Managern und Betriebsrat beerdigt worden sein.
Nicht einmal der politische Gegner soll damals versucht haben, aus der konfliktträchtigen Symbiose Kapital zu schlagen. Dies ist auch kein Wunder gewesen. Ein führendes SPD-Mitglied ist zugleich Betriebsrat bei VW, außerdem Aufsichtsrat des von VW gesponserten Fußballbundesligisten VfL Wolfsburg. In letzterer Funktion verhandelt er gerade mit Schnellecke in dessen Eigenschaft als Oberbürgermeister über den Bau eines neuen Stadions.
(…) der Aufstieg Schnelleckes vom Kleinspediteur mit zwei Lieferwagen zu einem Logistikunternehmer mit weltweit 6000 Mitarbeitern und gut einer Milliarde Mark Umsatz scheint ohne einflussreiche Helfer im VW-Konzern kaum möglich gewesen zu sein.

http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/a-158115.html (http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/a-158115.html)

Nach einer Razzia wegen Vorteilnahme im Wahlkampf der inzwischen von Rolf Schnellecke bewohnten „Nordhoff-Villa“ 2010 sagt er empört:
Zitat
"Ich habe mir über die 35 Jahre als Beamter nicht das Geringste zuschulden kommen lassen."

http://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article11400679/Das-Prinzip-Wolfsburg.html (http://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article11400679/Das-Prinzip-Wolfsburg.html)

Das kann man als amüsante Provinzposse abtun, es sind aber alles andere als provinzielle Dimensionen, um die es da geht: vor ein paar Monaten veranstaltete das Land Niedersachsen zum Beispiel eine Reise inklusive Wirtschaftsdelegation in den Iran. VW hatte kurzfristig (wohl aus Imagegründen) die Teilnahme abgesagt. Egal, die Vorhut in Form von Rolf Schnellecke war natürlich mit an Bord:
Zitat
"Donnerwetter!", entfährt es Rolf Schnellecke von der Schnellecke Group AG & Co. KG, Autozulieferlogistik. Er wird sein Bild von Iran überdenken müssen.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-139456030.html (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-139456030.html)

Diese Glückwunschanzeige zu Piechs 75. Geburtstag 2012 sagt eigentlich mehr aus als alle Fakten:
(http://abload.de/img/glckwunsch_schnelleckvqr1u.jpg) (http://abload.de/image.php?img=glckwunsch_schnelleckvqr1u.jpg)
http://www.braunschweiger-zeitung.de/media/638567--4842/Piech-Beilage.pdf (http://www.braunschweiger-zeitung.de/media/638567--4842/Piech-Beilage.pdf)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Bowie am 26. August 2016, 19:25:33
Zitat
Abgas-Affäre: Regierung wusste seit Jahren von Manipulationen
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vw-abgas-affaere-regierung-wusste-seit-jahren-von-manipulationen-1.3138240 (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vw-abgas-affaere-regierung-wusste-seit-jahren-von-manipulationen-1.3138240)

Ach!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 26. August 2016, 19:50:25
Der ganze Haufen von Verantwortlichen und Mitwissern gehört für die Schäden persönlich haftbargemacht.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: dagobert am 26. August 2016, 21:58:54
Zitat
Abgas-Affäre: Regierung wusste seit Jahren von Manipulationen

Was anderes hätte mich auch gewundert.

Pfeifen die Spatzen doch schon seit Jahren von den Dächern:
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=23385.msg310148#msg310148 (http://www.chefduzen.de/index.php?topic=23385.msg310148#msg310148)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 23. September 2016, 15:42:48
Ungewöhnlich viele Produktionsausfälle in letzter Zeit:

Zitat
Kaputte Presse: VW muss Golf-Produktion stoppen

22.09.
Wolfsburg. Die Bänder in der Golf-Produktion in Wolfsburg stehen schon wieder still. Wegen technischer Probleme im Presswerk muss VW die Fertigung seines Verkaufsschlagers für mehrere Tage stoppen, wie ein VW-Sprecher gestern auf WAZ-Anfrage bestätigte. Tausende Mitarbeiter bleiben ab heute zu Hause, erst am Mittwoch sollen im Werk Wolfsburg wieder Golf-Autos gebaut werden.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-muss-Produktion-des-Golf-tagelang-einstellen (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-muss-Produktion-des-Golf-tagelang-einstellen)

Könnten auch Absatzschwierigkeiten sein und die Halden sind voll.

Zitat
Zwangspause bei VW dauert bis Mittwoch
24.09.
Wolfsburg. Zwangspause in der Golf-Produktion: Wegen eines technischen Defekts im Presswerk stehen die Bänder noch bis zum kommenden Mittwoch still. Die von dem Ausfall betroffenen 6000 Mitarbeiter erhalten ihre Bezüge auch während der Unterbrechung, wie ein Unternehmenssprecher von VW gestern erklärte.(...)Nach WAZ-Informationen handelt es sich bei dem technischen Problem mit der Presse, die in Halle 1a steht, um ein höchst seltenes.(...)Nach Insider-Informationen hat es einen vergleichbaren Defekt an einer Großpresse bislang nicht im Wolfsburger Werk gegeben.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Zwangspause-bei-VW-dauert-bis-Mittwoch (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Zwangspause-bei-VW-dauert-bis-Mittwoch)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 30. September 2016, 19:18:41
VW hat ein grundsätzliches Problem damit, Sachen aufzuarbeiten, nicht nur bei den Dieselmotoren, sondern nun auch mit seiner Rolle in Brasilien während der Diktatur:

Zitat
27.06.2016
Ex-Sicherheitschef von VW in Brasilien zur Kollaboration mit Diktatur angehört

Opfer fordern Schuldanerkennung von VW do Brasil. Ehemaliger Oberst weist alle Vorwürfe zurück. Staatsanwalt will neue Dokumente von Mutterkonzern (...)

https://amerika21.de/2016/06/155089/aussagen-vw-brasil-diktatur (https://amerika21.de/2016/06/155089/aussagen-vw-brasil-diktatur)

Da geht es um Überwachung der Mitarbeiter innerhalb und außerhalb des Werksgeländes, die Weitergabe von Informationen an die Polizei und die Erstellung von "schmutzigen Listen" über unliebsame Arbeiter, Schlagen, Folter und Terror mit Wissen des Unternehmens und natürlich das große Schweigen. Man darf gespannt sein.
Wenn man überlegt, wie lange es gedauert hat, bis in Wolfsburg das Thema NS-Zeit mal endlich auf den Tisch kam, wieviele Lücken und bewusstes Ignorieren bis heute bei VW und in der Stadt üblich sind, dann dauert das in Brasilien auch noch ein paar Jahrzehnte. Die Aufarbeitung ging hier erst mitte 80er gegen viel Widerstand los.
Wer sich dafür näher interessiert abseits der Propaganda, hier ein Text von einem der ersten Nestbeschmutzer, der damals jede Menge Staub aufgewirbelt hatte:
Porsche & Piëch haben gesiegt
http://www.sopos.org/aufsaetze/488762df75794/1.phtml (http://www.sopos.org/aufsaetze/488762df75794/1.phtml)  

und von einem anderen ein genauerer Überblick:
Die Vergangenheit ist nicht vorbei
http://www.schattenblick.de/infopool/politik/wirtsch/pwun2290.html (http://www.schattenblick.de/infopool/politik/wirtsch/pwun2290.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 02. Oktober 2016, 11:47:56
(http://fs5.directupload.net/images/161002/9ivybseo.jpg) (http://www.directupload.net)

Wenn VW ernsthaft dabei mithelfen will, seine Rolle in Brasilien aufzuklären, darf ein Name auf keinen Fall fehlen:  Friedrich Wilhelm Schultz-Wenk.
Dieser glühende Nazi war 1948 nach Brasilien ausgewandert, hatte Kontakte geknüpft und dann den Nazi und ehemaligen Rüstungsmanger Heinrich Nordhoff davon überzeugt, in Brasilien ein Werk zu bauen. Nordhoff war begeistert, zumal nach seinen Worten im unterentwickelten Brasilien die Menschen direkt vom Baum ins Auto steigen.
Schultz-Wenk war von 1950 bis 1968 Chef von VW Brasilien. Aus dem Jahr 1966 stammt eine Stern-Reportage über Schultz-Wenk, die aufschlussreiche Einblicke in die Welt von VW in Brasilien liefert. Es gebe vielleicht 200 wichtige Leute, Minister, Governeure, Generäle, Banker und so weiter, die man kennen müsse, um etwas zu erreichen. Er kenne alle persönlich.
Auf die Frage, wie seine Beziehungen zu den Gewerkschaften sind, sagte er: "Ich bin meine eigene Gewerkschaft. Diese Beziehungen sind nicht wichtig, es gibt keine Streiks. Wer so etwas propagiert, wird gefeuert." Erst vor kurzem habe er die Produktion gesteigert, indem er einfach die Geschwindigkeit erhöhte. Aufseher übten Druck auf die Beschäftigten aus, die auf wundersame Weise parieren.
Quelle: STERN, 16 Oktober 1966

Dazu passt, dass ausgerechnet der KZ-Massenmörder Franz Stangl laut Abschlussbericht der brasilianischen Wahrheitskommission nicht nur als Mechaniker bei VW beschäftigt war, sondern auch den Werkschutz aufgebaut habe und für die Sicherheit zuständig gewesen sein soll.

Nachfolger von Schultz-Wenk in Brasilien wurde Rudolf Leiding, der auf das von  seinem Vorgänger geschaffene Korruptionsnetz aufbauen konnte. Dafür wurde er 1971 sogar zum Ehrenbürger von Sao Paulo ernannt, ausgerechnet vom damaligen Bürgermeister Paulo Maluf, der bis heute als Inbegriff der Korruption in Brasilien gilt.
Leiding ging zurück nach Wolfsburg und war bis 1975 Vorstandsvorsitzender. In diese Zeit fallen die Umstellung der Produktion auf den Golf, vereinzelte Arbeitsniederlegungen und Massenentlassungen der italienischen Gastarbeiter, die Installation von Gittern im "Tunnel" (einem Eingang, der unter dem Mittellandkanal zum Werk führt), weil man Aufruhr befürchtete und schriftliche Einschüchterungen an die Belegschaft. Auf Betriebsversammlungen betonte er stets, dass nur die Tochtergesellschaften Gewinn einbringen. Damit dürfte er hauptsächlich Brasilien gemeint haben, wo er sich bestens auskannte und um die Methoden wusste, wie man Leute ausbeutet.

Es ist eigentlich ziemlich offensichtlich, dass VW in Brasilien nicht nur deswegen recht früh aktiv wurde, weil es sich zu lohnen schien, sondern gerade weil eine personelle und ideelle Kontinuitat zwischen den Altnazis in Wolfsburg und den Altnazis in Brasilien vorhanden war. Durch diese alten Seilschaften hat sich VW in Brasilien und anderswo einen Einfluss ergaunert wie kaum eine andere Firma.

Das alles mag zwar lange her und deswegen vielleicht nicht mehr so interessant sein, das Problem ist aber, dass VW seine Geschichtsschreibung in die eigenen Hände genommen hat und deshalb unangenehme Fragen nicht vollständig beantworten wird. Die Geschichtsschreibung gehört zur Konzernkommunikation und im Zweifelsfall kann VW auch genug Druck auf unabhängige Forschung ausüben. Ausserdem sterben diejenigen, die den Finger in die offene Wunde gelegt haben, allmählich aus.

Aus Porsche & Piëch haben gesiegt:
http://www.sopos.org/aufsaetze/488762df75794/1.phtml (http://www.sopos.org/aufsaetze/488762df75794/1.phtml)

Zitat
Ein unnatürliches Ende nahm auch das Leben des SS-Hauptsturmführers Hans Körbel, der als VW-Betriebsarzt verantwortlich gewesen war für die Ermordung von über 300 Kleinkindern osteuropäischer Zwangsarbeiterinnen durch »vorsätzliche Vernachlässigung«. (...) Im Helmstedter Kriegsverbrecherprozeß wurde Körbel 1946 zum Tode verurteilt und 1947 in Hameln gehängt, woran auch der evangelische Ortspfarrer nichts ändern konnte, der ihm bescheinigt hatte, sich geradezu aufopferungsvoll um die Kinder bemüht zu haben. Später machte er aus dem Mörderarzt sogar einen »Regimegegner«.


Dieser evangelische Ortspfarrer war nicht irgendeiner, sondern er galt als eine Seele von Mensch, war eine weitere wichtige mythologische Figur für die junge Stadt und hatte großen Einfluss auf die allgemeine Meinungsbildung. Dass der Verfasser des Aufsatzes den Namen nicht nennt, mag auch damit zusammenhängen, dass er gewaltig ein auf den Deckel bekommen hatte, als er es anfang der 90er ansprach.
Dieser Ortspfarrer, der den Massenmörder Körbel reinwusch, hieß Pastor Erich Bammel und war in der Nazizeit Mitarbeiter am Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben und wusste schon recht früh, welche Antworten es ansonsten so gab, wenn es um jüdischen Einfluss ging.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 24. Oktober 2016, 11:02:49
Die Geschichtsschreibung gehört zur Konzernkommunikation und im Zweifelsfall kann VW auch genug Druck auf unabhängige Forschung ausüben. Ausserdem sterben diejenigen, die den Finger in die offene Wunde gelegt haben, allmählich aus.


Aktuellste Meldung zum Verhältnis von VW zur Wahrheit und Konzernkommunikation:

Zitat
Chefhistoriker von Volkswagen muss gehen
23.10.2016
Wolfsburg. Für den Chefhistoriker im Volkswagen-Konzern hat eine kritische Rezension zu einer Studie über die NS-Verstrickungen des Audi-Vorgängers Auto Union ein folgenreiches Nachspiel. Der Wissenschaftler Manfred Grieger und der VW-Konzern gehen künftig getrennte Wege.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hatte sich VW-intern ein Streit über Griegers eigenen Umgang mit seiner Rezension ergeben. Der Konflikt sei derart festgefahren, dass eine Fortsetzung der Zusammenarbeit für beide Seiten unmöglich erschien.

Der VW-Chefhistoriker hatte als Experte in einem Fachmagazin eine Studie kritisiert, die Audi über den eigenen Vorgänger Auto Union und dessen Verstrickungen während der Nazi-Diktatur mit den NS-Eliten in Auftrag gegeben hatte. Beteiligt war daran auch ein Kollege Griegers bei Audi. Grieger attestiert dem Werk handwerkliche Fehler, verengte Sichtweise, lückenhaften Umgang mit Quellen und Unschärfen in der Sprache. Der Studie mangele es an Unvoreingenommenheit.

VW erklärte, der Grund für die Trennung sei ein unterschiedliches Verständnis zwischen Grieger und Volkswagen über die Zusammenarbeit. Konzern-Kommunikationschef Hans-Gerd Bode dankte dem Historiker „für seine in den vergangenen Jahren geleistete Arbeit“. Insider sagen: Nicht der kritische Inhalt von Griegers Rezension sei Auslöser für das Zerwürfnis. Demnach wurde Volkswagen vom Sprengstoff der Rezension kalt erwischt. Grieger hätte sich besser abstimmen müssen.

Griegers Aufgaben übernimmt vorübergehend Archivarin Ulrike Gutzmann.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Chefhistoriker-von-Volkswagen-muss-gehen (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Chefhistoriker-von-Volkswagen-muss-gehen)

Zur Kritik an der Audi-Studie:
27.08.2016
Zitat
So würden in einer vom Audi-Vorstand in Auftrag gegebenen Studie über den Audi-Vorgänger Auto Union die „engen Beziehungen“ des Auto-Union-Managements zu den „NS-Eliten heruntergespielt“, kritisiert Grieger. Es würden weniger die Opfer des NS-Terrors bedauert als vielmehr die „Auslöschung“ der Auto Union am Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Forschungsansatz der Studienautoren sei teilweise „konzeptionell überaltert“, ihre Sicht „verengt“. Zudem bezeichne die Studie die Auto Union der ersten Kriegsmonate als „unbescholtenen Zivilfahrzeugbauer“, faktisch jedoch seien „die Beziehungen zu den NS-Eliten durch die drei Vorstände Richard Bruhn, William Werner und Carl Hahn eng“ gewesen. Grieger, der an der Universität Göttingen lehrt, konstatiert eine „abwehrende Haltung“ der Autoren: So anerkennten sie zwar die Verantwortung der Auto Union für die Menschenrechtsverletzungen im böhmischen KZ-Außenlager Leitmeritz, wo für 4500 für Auto-Union-Vorhaben eingesetzte KZ-Häftlinge starben, bestritten aber eine „direkte, justiziable Personalverantwortung“, weil der Einsatz der KZ-Häftling formal von der SS organisiert wurde.

http://www.wiwo.de/unternehmen/auto/einsatz-von-kz-haeftlingen-volkswagen-chefhistoriker-kritisiert-fehlerhafte-ns-aufarbeitung-durch-audi/14451584.html (http://www.wiwo.de/unternehmen/auto/einsatz-von-kz-haeftlingen-volkswagen-chefhistoriker-kritisiert-fehlerhafte-ns-aufarbeitung-durch-audi/14451584.html)

02.11.2016
Geschichtswissenschaftler liegen mit VW über Kreuz

Zitat
Kritik am Abgang des Volkswagen-Chefhistorikers

Mehrere renommierte Historiker haben den VW-Konzern wegen eines angeblich unfairen Umgangs mit seinem inzwischen ausgeschiedenen Chefhistoriker kritisiert. „Als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind wir über den Fall Grieger empört und überaus beunruhigt“, hieß es gestern in einer Erklärung.



Wolfsburg
. Die Historiker mahnen: „Es stellt sich die Frage, ob VW zur Geschichtspolitik vergangener Tage zurückkehren will, die einseitig der Verherrlichung der eigenen Geschichte unter Ausklammerung dunkler Seiten diente.“ Der Konzern wies die Kritik als unbegründet zurück

Ende Oktober war bekanntgeworden, dass der Konzern-Chefhistoriker Manfred Grieger Europas größten Autobauer nach fast 20 Jahren Zugehörigkeit verlässt (AZ/WAZ berichtete). Der Auslöser ist laut dpa-Informationen ein interner Streit über Abstimmungsvorgaben für Griegers Arbeit. Der Experte für Zwangsarbeit im Nazi-Deutschland hatte eine Studie über die NS-Verstrickungen der Konzern-Tochter Audi als handwerklich mangelhaft und verharmlosend kritisiert. Ende Oktober hat Grieger einem VW-Sprecher zufolge den Konzern verlassen. Er sei aber nicht entlassen worden, ebenso wenig habe VW eine Trennung forciert, sagte der Sprecher.

Das Schreiben der Historiker hat nun Prof. Hartmut Berghoff von der Universität Göttingen versendet, stellvertretend für seine Kollegen. Nach seinen Angaben haben mehr als 75 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland die Erklärung unterzeichnet, darunter auch Hitler-Biograf Ian Kershaw von der Universität Liverpool. Mehrere Historiker bestätigten der Deutschen Presse-Agentur, zu den Unterzeichnern zu gehören. „Der VW-Konzern, der selber aus dem NS-Regime hervorgegangen ist, fügt sich auf diese Weise einen in seiner Tragweite noch gar nicht übersehbaren Schaden zu“, heißt es in der Erklärung.

Ein VW-Sprecher erklärte: „Wir sind verwundert über diese Thesen. Sie sind durch nichts belegt.“ Volkswagen erkenne die von Grieger erbrachten Leistungen „unverändert an“. Volkswagen habe seine Geschichte „konsequent, ehrlich und nachhaltig“ aufgearbeitet und werde dies auch künftig tun.

Der VW-Betriebsrat hatte die Trennung von Grieger bereits als „einen Fehler“ und „großen Verlust für Volkswagen“ bezeichnet. Der Betriebsrat werde auch künftig auf die Beratung von Grieger setzen.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Kritik-am-Abgang-des-Volkswagen-Chefhistorikers (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Kritik-am-Abgang-des-Volkswagen-Chefhistorikers)

Erklärung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zum Ausscheiden des VW-Chefhistorikers und Unterzeichner im Wortlaut:
http://www.hsozkult.de/text/id/texte-3936 (http://www.hsozkult.de/text/id/texte-3936)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 31. Oktober 2016, 22:40:43
Interessanter Artikel zu den Verstrickungen u.a. von Volkswagen in Folter und Unterstützung von Diktaturen. Man darf gespannt sein, ob das auch hier in den Leitmedien Thema wird, nachdem der Chefhistoriker aufgrund von Unstimmigkeiten mit der Konzernkommunikation gegangen wurde:

Zitat
Außenhandelskammer São Paulo und die Diktatur in Brasilien
30.10.2016

Unaufgearbeitete Verstrickungen. Deutsche Außenhandelskammer in Brasilien feiert 100 jähriges Bestehen. Diktatur-Förderer noch immer "Ehrenmitglied"

São Paulo. Die größte deutsche Außenhandelskammer der Welt, die AHK São Paulo, begeht am 23. November dieses Jahres in São Paulo eine große Gala zur 100-Jahr-Feier. In einer zu diesem Anlass erstellten Publikation geht die AHK auf die Dienste ihres langjährigen Präsidenten João Baptista Leopoldo Figueiredo mit lobenden Worten ein, der während seiner 19 Jahre währenden Präsidentschaft (1948-1967) "mit großem Erfolg" die Arbeit der AHK São Paulo geleitet habe. Unberücksichtigt bleibt dabei dessen Rolle während der brasilianischen Militärdiktatur.
(...)
Der 1910 in Santos geborene Bankier war Cousin des späteren SNI-Geheimdienstchefs und Militärpräsidenten João Baptista de Oliveira Figueiredo. Er wurde 1948 Präsident der 1916 gegründeten Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer São Paulo. Nach seinem Abschied 1967 wurde er Präsident von Saab-Scânia do Brasil und war zudem 1963 bis Mitte der 1970er Jahre Mitglied des Prüfungsrates (Conselho Fiscal) von Volkswagen do Brasil.
(…)
Figueiredos Verstrickungen in die Militärdiktatur gehen aber noch tiefer. So berichtet selbst die konservative Tageszeitung Globo 2013 in der historischen Rückschau über Figueiredo, dass dieser in wichtiger Position Gelder für die Folterzentren von São Paulo gesammelt habe.(...)

https://amerika21.de/2016/10/163016/ahk-sao-paulo-diktatur (https://amerika21.de/2016/10/163016/ahk-sao-paulo-diktatur)

(https://abload.de/img/volkswagen-brasil-diizsl0.jpeg) (http://abload.de/image.php?img=volkswagen-brasil-diizsl0.jpeg)

Ebenfalls sehr lesenswert:
https://www.ila-web.de/ausgaben/400/festnahmen-und-repression-bei-vw-do-brasil (https://www.ila-web.de/ausgaben/400/festnahmen-und-repression-bei-vw-do-brasil)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 04. November 2016, 00:13:03
Hosianna, VW!

Zitat
03.11.2016
Volkswagen will Aufarbeitung

Im wichtigen Absatzland Brasilien holt VW seine Geschichte ein. Es geht um eine vermutete Kollaboration mit der früheren Militärjunta. Volkswagens Chefhistoriker trieb die Aufklärung dazu bisher voran. Nun ist der aber weg - und VW sagt, wie es ohne ihn weitergehen soll.

Wolfsburg/São Paulo
Der VW-Konzern gibt seiner Aufarbeitung zu mutmaßlichen Menschenrechtsverstößen während des Militärregimes in Brasilien eine breitere Basis. „Wir wollen Licht in die dunklen Jahre der Militärdiktatur bringen sowie das Verhalten der damals Verantwortlichen in Brasilien und gegebenenfalls auch in Deutschland aufklären lassen“, sagte die Chefin des Vorstandsbereichs Integrität und Recht, Christine Hohmann-Dennhardt, am Donnerstag.Für eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung der womöglich bis in die 1980er Jahre zurückreichenden Vorgänge habe der Konzern daher den Historiker Christopher Kopper von der Uni Bielefeld beauftragt.


Auch mal in den 30ern und 20ern schauen, als Nordhoff den Papst kennenlernte? Doch weiter im Text:

Zitat
Kopper solle „möglichst rasch“ beginnen und dafür auch nach Brasilien reisen. Zwischenergebnisse berichte er an einen internen Beirat. Seine Arbeit dürfte ein Jahr dauern. Das abschließende Gutachten solle „dann einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden“.

Volkswagen sieht sich seit Jahren dem Vorwurf ausgesetzt, das Regime zwischen 1964 bis 1985 unterstützt und beispielsweise schwarze Listen über Mitarbeiter erstellt zu haben. Vor einem Jahr hatte Volkswagens damaliger Chefhistoriker Manfred Grieger erklärt, der Konzern wolle sich seiner Verantwortung für die mögliche Kollaboration stellen. „Es geht um die Auseinandersetzung mit dem Unrecht, das damals geschehen ist“, sagte er damals nach Gesprächen mit Brasiliens Justizbehörden. Medien spekulierten Ende 2015 auch über Reparationszahlungen von VW.

Grieger und der Konzern hatten sich allerdings kürzlich getrennt. Dem vorangegangen war nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ein Streit über Abstimmungsauflagen für Grieger, nachdem der eine Analyse über die NS-Verstrickungen der Konzerntochter Audi kritisiert hatte. Volkswagen betonte, niemals Griegers Forschung beeinflusst zu haben.

 Kürzlich ergriffen Dutzende Historiker per offenem Brief Partei für Grieger. In dem Schreiben erwähnten die Wissenschaftler auch das Kapitel Brasilien: „Es stehen Vorwürfe im Raum, das Unternehmen habe wie andere deutsche Firmen das berüchtigte Folterzentrum Oban unterstützt und eng mit dem Geheimdienst der Diktatur kooperiert. Es gibt Bestrebungen, solche heiklen Themen unter den Teppich zu kehren. Noch hat sich VW nicht dazu geäußert, ob und wie das Brasilienprojekt nach dem Ausscheiden Griegers fortgesetzt wird.“

Der VW-Konzern betonte am Donnerstag, Griegers vakante Stelle wieder zu besetzen. Derzeit würden Möglichkeiten geprüft. Der Leiter der Konzernkommunikation, Hans-Gerd Bode, sagte: „Der Volkswagen-Konzern stellt sich weiterhin seiner historischen Verantwortung. Die Historische Kommunikation spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. Dies stand auch nie zur Disposition.“ Und Hohmann-Dennhardt betonte: „So wie wir es auch schon bei der Aufarbeitung von Themen wie der NS-Vergangenheit und der Beschäftigung von Zwangsarbeitern frühzeitig und umfassend getan haben, so werden wir auch die Aufarbeitung der Rolle des Unternehmens in der brasilianischen Militärdiktatur mit der gebotenen Konsequenz und Nachhaltigkeit vorantreiben.“

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Volkswagen-will-Aufarbeitung (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Volkswagen-will-Aufarbeitung)

Der Historiker Christopher Kopper ist übrigens der Sohnemann von Hilmar Kopper, der mit den "Peanuts", und der dem HSH-Nordbank-Verbrecher Nonnemacher 4 Millionen Euro Abfindung gewährte. Das sagt weniger etwas über die Kompetenzen und die Unabhängigkeit des Historikers Christopher Kopper aus als vielmehr über das fehlende Feingefühl und die Arroganz von Volkswagen.

Gerne verweilte der Führer in Brasilien:
(https://abload.de/img/nordhoff-brasilien9yutz.png) (http://abload.de/image.php?img=nordhoff-brasilien9yutz.png)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 04. November 2016, 22:10:58
Volkswagen betreibt seit 2015 in Nigeria ein Montagewerk, mal wieder. Von 1975 bis 1992 produzierte VW schon einmal  Käfer, Passat und Audi 100  in der Hauptstadt Lagos. Die einzelnen Teile wurden hauptsächlich aus Brasilien geliefert.

Die heutigen Montagelinien der Fabrik werden in Kooperation mit der Stallion Group aus Dubai betrieben, die wiederum  in Nigeria für Nissan, Hyundai, Iveco und Ashok Leyland Autos montiert. Gerade Ashok Leyland aus Indien baut nicht nur Busse, sondern auch sogenannte Verteidigungsfahrzeuge wie Raketentransporter und Truppentransporter. Und tatsächlich werden in der Fabrik, die von Volkswagen und Stallion betrieben wird, nicht nur PKWs zusammengeschustert, sondern auch der Truppentransporter Stallion:

(https://abload.de/img/lagos-vw-truppentrans9wu28.png) (http://abload.de/image.php?img=lagos-vw-truppentrans9wu28.png)
http://motoringworldng.com/revealed-inside-volkswagen-plant-lagos/ (http://motoringworldng.com/revealed-inside-volkswagen-plant-lagos/)

Da werden Erinnerungen an den guten alten Kübelwagen wach.

Hierzulande würde es VW wohl nicht wagen, zusammen mit zum Beispiel Rheinmetall eine Fabrik zu betreiben, wo sowohl Golfs als auch Panzer montiert werden, aber wer weiß, wie lange noch.
Dass Nigeria als Standort von VW ausgewählt wurde, hat gute Gründe: schwache und korrupte Gewerkschaften, Festnahmen von engagierten Gewerkschaftern, mafiöse und brutale Polizeigewalt, prekäre Lebensbedingungen. Das ist seit jeher der Humus, auf dem Volkswagen gedeiht.

"Wir sind nach Nigeria zurückgekommen, um unsere lange Geschichte hier seit 1970 fortzusetzen", sagte der Afrikabeauftragte von Volkswagen Wolfgang Ratz zur Eröffnung der Fabrik. Wahrscheinlich weiß er wirklich nicht besser, wie lang die Geschichte tatsächlich ist.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: dagobert am 04. November 2016, 23:04:02
Hierzulande würde es VW wohl nicht wagen, zusammen mit zum Beispiel Rheinmetall eine Fabrik zu betreiben, wo sowohl Golfs als auch Panzer montiert werden, aber wer weiß, wie lange noch.
Das dauert möglicherweise nicht mehr lange.
Eine Kooperation zwischen Rheinmetall und der VW-Tochter MAN gibt es bereits.

Zitat
Die Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH (oder kurz RMMV) ist ein Joint-Venture zur Herstellung von militärischen Radfahrzeugen der beiden deutschen Unternehmen Rheinmetall AG und MAN Truck & Bus AG. [...] In dem Unternehmen wurden die militärischen Radfahrzeugaktivitäten der Rheinmetall Landsysteme GmbH und die Military Division der MAN Nutzfahrzeuge fusioniert.
https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinmetall_MAN_Military_Vehicles
Zitat
Die MAN Truck & Bus AG (MAN Nutzfahrzeuge Gruppe) mit Sitz in München ist das größte Unternehmen des MAN-Konzerns und einer der führenden internationalen Nutzfahrzeughersteller.
https://de.wikipedia.org/wiki/MAN_Truck_%26_Bus
Zitat
Die MAN SE („Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg“; Societas Europaea) ist ein börsennotierter Fahrzeug- und Maschinenbaukonzern mit Sitz in München. Die Volkswagen AG hält mit 75,28 % die Mehrheit der Stammaktien an dem Konzern.
https://de.wikipedia.org/wiki/MAN


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 04. November 2016, 23:50:47
Zitat
Die Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH (oder kurz RMMV) ist ein Joint-Venture zur Herstellung von militärischen Radfahrzeugen der beiden deutschen Unternehmen Rheinmetall AG und MAN Truck & Bus AG. [...]


Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH
in Kassel ist idyllisch gelegen zwischen Daimler, VW Baunatal und anderen Drecksfirmen. Und in direkter Nähe befindet sich ein großer Friedhof:

(https://abload.de/img/man-kasselriu6q.png) (http://abload.de/image.php?img=man-kasselriu6q.png)

Passt schon.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 05. November 2016, 17:59:10
Wenn man sich die Geschichte, die Querverbindungen und den Filz ansieht, kann einem nur speiübel werden.

(https://www.impulse.de/wp-content/uploads/2015/07/vw-prototyp.jpg)

Je mehr sichtbar wird, desto mehr bekommt man den Eindruck, der NSU ist nur Kinderkacke dagegen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 05. November 2016, 23:34:21
Visionäre Jubiläumsprozession 1963 Ecke Porschestraße/Goethesreaße . Die Produktion der V1 wurde zwar bis 1988 nicht geschafft, aber vielleicht wird das noch was:

(https://abload.de/img/wob-karneval-1963mjuji.png) (http://abload.de/image.php?img=wob-karneval-1963mjuji.png)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 06. November 2016, 12:08:54
Zitat
Ermittlungen gegen VW-Aufsichtsratschef

([url]http://www.fr-online.de/image/view/2016/10/6/34916132,38842719,dmFlashTeaserRes,dpa_1492CC0005DF97E9.jpg[/url])
Hans Dieter Pötsch. 

Es geht um den Verdacht der Marktmanipulation: Nach Angaben des VW-Konzerns gerät auch Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch ins Visier der Staatsanwaltschaft.

Im Abgas-Skandal bei Volkswagen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen möglicher Marktmanipulation bereits gegen Ex-VW-Boss Martin Winterkorn und den amtierenden VW-Markenchef Herbert Diess. Gegen die Manager liegt ein Anfangsverdacht vor, die Finanzwelt zu spät über den aufgeflogenen Abgas-Skandal informiert und so wichtige Informationen für Anleger unterdrückt zu haben. Die VW-Aktie hatte nach Bekanntwerden der Manipulationsvorwürfe im vergangenen Jahr massiv an Wert verloren.

Bei Pötsch beziehe sich das Ermittlungsverfahren auf die Zeit, als er Finanzvorstand des Konzerns war, hieß es bei VW.
http://www.fr-online.de/wirtschaft/abgasskandal-ermittlungen-gegen-vw-aufsichtsratschef,1472780,34916106.html (http://www.fr-online.de/wirtschaft/abgasskandal-ermittlungen-gegen-vw-aufsichtsratschef,1472780,34916106.html)


Kriminelles Pack!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 06. November 2016, 13:38:19
Und weiter geht's!

Zitat
Die Audi AG ist ein deutscher Automobilhersteller, der dem Volkswagen-Konzern angehört.
https://de.wikipedia.org/wiki/Audi (https://de.wikipedia.org/wiki/Audi)

Zitat
Neue Betrugsvorwürfe gegen Audi

In der Abgas-Affäre rückt Audi immer stärker in den Mittelpunkt. Nun gibt es weitere Vorwürfe: Die kalifornische Umweltbehörde hat eine weitere illegale Softwarefunktion entdeckt.
http://www.fr-online.de/wirtschaft/illegale-softwarefunktion-neue-betrugsvorwuerfe-gegen-audi,1472780,34915488.html (http://www.fr-online.de/wirtschaft/illegale-softwarefunktion-neue-betrugsvorwuerfe-gegen-audi,1472780,34915488.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: dagobert am 06. November 2016, 15:39:52
Seat und Skoda gehören auch zu VW.
Folglich dürften die Manipulationen auch dort anzutreffen sein, stammt ja schließlich alles aus dem selben Baukasten.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 06. November 2016, 20:47:34
und noch einer...
Zitat

Nigeria ermittelt gegen VW wegen Vertrauensbruch

02.11.2016

Der nigerianische Senat ermittelt gegen Volkswagen wegen Vertrauensbruch. Angeblich soll Volkswagen entgegen einem Abkommen seine Autos außerhalb von Nigeria zusammen gebaut und dann ins Land importiert haben.

Um die lokale Autofertigung zu fördern, hat Nigeria seine Steuern auf Fahrzeuge aus dem Ausland drastisch erhöht. VW soll nun angeblich Import-Fahrzeuge als lokal-produzierte Autos ausgewiesen haben.

Hope Uzodinma, Vorsitzender des Senat-Komitees für Zollabgaben, erklärte der Premium Times, dass bei einem Inspektionsbesuch im Volkswagen-Werk in Lagos Autos gefunden worden seien, die nicht in Nigeria zusammen gebaut, sondern ins Land importiert wurden.

Nigerias Regierung fördert derzeit den Aufbau seiner Autoindustrie und will bis 2023 seine lokale Fahrzeugproduktion auf 80 Prozent hochschrauben. Im Rahmen der Förderung hat die nigerianische Regierung 2014 seine Zölle auf importierte CBU-Fahrzeuge (completely built-up) von 40 auf 70 Prozent erhöht. Damit sollte die Einfuhr von CBU-Autos vermieden und die lokale Produktion angekurbelt werden. Neben Volkswagen begannen auch Hyundai, Ford und Nissan die Fertigung in Nigeria.

https://www.automobil-produktion.de/hersteller/wirtschaft/nigeria-ermittelt-gegen-vw-wegen-vertrauensbruch-117.html (https://www.automobil-produktion.de/hersteller/wirtschaft/nigeria-ermittelt-gegen-vw-wegen-vertrauensbruch-117.html)

Nachtrag zu Nigeria (22.11.2016):
Auf dem VW-Gelände bei Lagos wurden wohl 1500 Volkswagen und andere Marken gefunden, die am Zoll vorbeigeschmuggelt wurden und diversen Ministern und Governeuren vorbehalten waren. Volkswagen hatte die Inspektion wohl zuerst zu verhindern versucht.
http://aitnews.com.ng/2016/11/21/senate-discovers-1500-exotic-cars-owned-by-ministers-governors/ (http://aitnews.com.ng/2016/11/21/senate-discovers-1500-exotic-cars-owned-by-ministers-governors/)

Nachtrag zu Nigeria (27.11.2016):
Volkswagen Nigeria bestreitet den Vorwurf des Betrugs: http://motoringworldng.com/volkswagen-nigeria-denies-senate-allegation-economic-sabotage/ (http://motoringworldng.com/volkswagen-nigeria-denies-senate-allegation-economic-sabotage/)

Nebenbei: Nicht nur eine Aufklärung über die Rolle von Volkswagen in Brasilien, sondern auch in Nigeria wäre angebracht. So gab es 1978, 1982 und 1985 Proteste von Arbeitern im Volkswagenwerk Nigeria, in deren Folge es zu Todesopfern durch Polizeigewalt kam.
Trade Unionism Since 1945: Western Europe, Eastern Europe, Africa, and the Middle East, S. 370, 2009

Apropos Polizeigewalt: Da sich die Aufklärungsarbeit in Brasilien nun hauptsächlich darum drehen wird, ob Volkswagen das Folterzentrum unterstützt hat oder nicht,( - die Antwort wird dahingehend ausfallen, dass es wohl so war, es sich aber um eine Einzelperson handelte und keinesfalls Bestandteil des Volkswagensystems war -), werden im Rahmen der historischen Kommunikation viele andere Dinge in den Hintergrund gedrängt werden. So ist es gewollt. Man sollte aber nicht die ganzen mittelmäßigen und gelangweilten Wolfsburger Karrieristen vergessen, die im Ausland mal endlich gänzlich ungeniert die Herrenmenschen raushängen lassen konnten und immer noch können.

Lula gegen Schmidt 1979:
Zitat
Lula klagte, daß ausgerechnet die Deutschen zu den härtesten Kapitalisten zählen. So habe Volkswagen do Brasil beim letzten Streik den Arbeitern, die Betriebsratswahlen und Inflationsausgleich forderten, Polizei-Einsatz angedroht. Schmidt belehrte den jungen Hitzkopf, kein Mensch werde in Brasilien investieren, wenn die Lohnstückkosten zu hoch seien. Auch weitere Beschwerden des Gewerkschafters blieben ohne Eindruck -- der Mann hatte verspielt. Schmidts tödliches Verdikt: "Kein ökonomisches Wissen."

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40350275.html (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40350275.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 12. November 2016, 13:16:40
Zitat
Enge Abstimmung zwischen Bundesamt und Industrie
11.11.2016
Diese Vorwürfe wiegen schwer: Hat das Kraftfahrtbundesamt in der Aufarbeitung des Abgasskandals mit den betroffenen Autobauern gemeinsame Sache gemacht?

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat sich für einen umstrittenen Bericht zu überhöhten Abgaswerten nach dem VW-Skandal eng mit deutschen Autobauern abgestimmt. Das geht aus E-Mails hervor. In einer Notiz des KBA von Mitte Januar heißt es zum Beispiel, es werde mit den Herstellern „zuvor konkret besprochen“, was veröffentlicht werde. An anderer Stelle ist die Rede von einem „abgestimmten Vorschlag“ für einen Bericht der „Untersuchungskommission Volkswagen“.

Das KBA ist dem Bundesverkehrsministerium untergeordnet. Es erteilt sogenannte Typgenehmigungen, die die Einhaltung von Abgasgrenzwerten voraussetzen.

Infolge des VW-Dieselskandals um manipulierte Abgastests hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) im September 2015 die „Untersuchungskommission Volkswagen“ eingesetzt. Außerdem ordnete er Abgas-Nachmessungen durch das KBA bei VW und anderen Herstellern an. Die Ergebnisse dieser Messungen finden sich in dem Bericht der Untersuchungskommission, der im April veröffentlicht wurde.

Rückruf von 630.000 Autos

Demnach bestanden bei 22 von 53 getesteten Dieselmodellen Zweifel, ob das Herunterregeln der Abgasreinigung bei niedrigeren Temperaturen wirklich mit dem Schutz von Motorbauteilen zu tun hat. Es wurde ein Rückruf von insgesamt 630.000 Fahrzeugen von Audi, Mercedes, Opel, Porsche und VW beschlossen, um die Technik zur Abgasreinigung zu ändern. Die Hersteller sprachen von einem „freiwilligen“ Update und betonten, es gebe keine Hinweise auf unzulässige Software.

E-Mails zwischen der Aufsichtsbehörde KBA und den Autoherstellern legen nun nahe, dass sich beide Seiten über Inhalte des Berichtes enger abgestimmt haben als bislang belegt. Die Opposition im Bundestag wirft Dobrindt schon seit Bekanntwerden des Dieselskandals zu große Nähe zu den Autobauern vor.

Autobauer stimmen Wortlaut mit Bundesamt ab

In den E-Mails schrieb ein Vertreter von Opel an einen KBA-Mitarbeiter, der Autohersteller könne Formulierungen in einem Entwurf des Berichts nicht zustimmen. „Uns geht es um einen Maßnahmenplan im Rahmen einer von uns vorgeschlagenen, freiwilligen Produktverbesserung.“ Es könne daher nicht von „Maßnahmen zur Wiederherstellung der Vorschriftmäßigkeit“ gesprochen werden. Dies impliziere einen Gesetzesverstoß, der aber nicht angemessen sei.

An anderer Stelle schreibt ein KBA-Vertreter an einen Mitarbeiter des Bundesverkehrsministeriums, in der Rohfassung des Berichts sei ein „Porsche-Text“ mit dem Hersteller abgestimmt. Ein VW-Mitarbeiter schrieb an das KBA, man wolle einen „abgestimmten Vorschlag“ an die Untersuchungskommission versenden.

KBA-Präsident unterschreibt mit „industriefreundlichem Gruß“

In den Unterlagen taucht auch KBA-Präsident Ekhard Zinke auf. Er schrieb an einen seiner Mitarbeiter, er halte Opel-Ausführungen „insbesondere im techn. Teil im Grunde nach für nachvollziehbar.“ Der Behördenchef schließt dann: „Mit industriefreundlichem Gruß.“
In einer gemeinsamen Stellungnahme von Bundesverkehrsministerium und KBA zu den Recherchen hieß es: „Mit den Herstellern wurden im Rahmen dieser Untersuchungen Gespräche geführt und technische Fragen erörtert. Ein solches Prozedere ist international üblich und notwendig.“ Schlussfolgerungen im Untersuchungsbericht seien durch die Untersuchungskommission getroffen worden. „Die Meinungsbildung erfolgte unabhängig.“

Marken „haben konkrete Lösungen erarbeitet“

Ein VW-Konzernsprecher teilte mit: „Die beteiligten Marken haben konkrete Lösungen erarbeitet und dem KBA zur Überprüfung und Freigabe vorgestellt.“ Weiter hieß es: „In dem gesamten Prozess haben wir gegenüber dem KBA sensible und vertrauliche Daten offengelegt. Wenn das KBA mit Blick auf die angekündigte Veröffentlichung des Untersuchungsberichtes Rücksprachen mit betroffenen Unternehmen führt, ist dieses aus unserer Sicht erst einmal nachvollziehbar und naheliegend.“ Der Autobauer Opel wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.
Die Grünen sehen sich in ihrem Vorwurf bestätigt, Verkehrsminister Dobrindt und das KBA handelten nicht unabhängig. Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck sagte: „Hier hat offenbar die Industrie dem KBA die Feder geführt. Das ist ein Problem. Schon allein der Anschein einer Kultur der Kumpanei ist fatal.“ Dies schädige das Vertrauen in die Unabhängigkeit der staatlichen Institutionen.

Die logische Konsequenz könne nur sein, dass eine unabhängige Kommission das Ganze noch einmal aufrolle, sagte Habeck. Die Frage, ob alle Hersteller bei der Abgasreinigung illegal handelten, sei von hohem öffentlichen Interesse. „Das dürfen das KBA und das Verkehrsministerium nicht verschleiern.“


http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Enge-Abstimmung-zwischen-Bundesamt-und-Industrie (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Enge-Abstimmung-zwischen-Bundesamt-und-Industrie)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 12. November 2016, 13:39:54
Woran VW so alles sparen will:
Zitat
(…)
Im Konzern sollen nach und nach mehr als 10.000 Arbeitsplätze wegfallen und allein bei der Wolfsburger Stammmarke Volkswagen müssen rund drei Milliarden Euro gespart werden.(…)

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/VW-Aufsichtsrat-beraet-ueber-Sparmassnahmen,vw3376.html (https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/VW-Aufsichtsrat-beraet-ueber-Sparmassnahmen,vw3376.html)

Zitat
Audi verzichtet auf Leiharbeiter
Audi will 2017 die Leiharbeiterquote deutlich reduzieren. Offiziell hat das jedoch nichts mit den Folgen des Abgas-Skandals zu tun. (…)

http://www.automobilwoche.de/article/20161112/NACHRICHTEN/161119972/kein-bedarf-audi-verzichtet-auf-leiharbeiter (http://www.automobilwoche.de/article/20161112/NACHRICHTEN/161119972/kein-bedarf-audi-verzichtet-auf-leiharbeiter)
Zitat
Ausweitung der Sparmaßnahmen:
VW setzt Rotstift bei Schnauferln an
Der legendäre Fahrzeugbestand von Volkswagen Classic soll langfristig von 380 auf 250 Autos abschmelzen. Als Entscheidungskriterium zur Selektion der Kollektion wurde "Relevanz für die Marken- und Produkthistorie" auserkoren.(...)

http://www.automobilwoche.de/article/20161112/HEFTARCHIV/161119968/1339/ausweitung-der-sparmassnahmen-vw-setzt-rotstift-bei-schnauferln-an (http://www.automobilwoche.de/article/20161112/HEFTARCHIV/161119968/1339/ausweitung-der-sparmassnahmen-vw-setzt-rotstift-bei-schnauferln-an)

Zitat
Wegen der Dieselaffäre zieht sich VW aus der Rallye-WM zurück. Die Sparmaßnahmen in der „Luxusabteilung“ Motorsport hat hausintern vor allem Signalwirkung.

http://www.faz.net/aktuell/sport/formel-1/motorsport/rallye-wm-ein-ausstieg-als-knalleffekt-14509615.html (http://www.faz.net/aktuell/sport/formel-1/motorsport/rallye-wm-ein-ausstieg-als-knalleffekt-14509615.html)

Zitat
VW-Präsentation in Wolfsburg statt Paris
Bei der Präsentation neuer Modelle sorgte VW früher gerne für besondere Atmosphäre, in Paris, Bologna oder auf Sardinien. Anders bei der Weltpremiere des Golf-Updates am Montag, zu der 200 Journalisten aus Deutschland und dem Ausland nach Wolfsburg kamen – wohl ein Zeichen der neuen Bescheidenheit.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-Praesentation-in-Wolfsburg-statt-Paris (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-Praesentation-in-Wolfsburg-statt-Paris)

Zitat
19.10.2016. (dpa) - Vie­le Lie­fe­ran­ten und Dienst­leis­ter im Um­feld des Wolfs­bur­ger VW-Stamm­wer­kes ha­ben auch noch ein Jahr nach Be­ginn des Ab­gas-Skan­dals mit Kurz­ar­beit zu kämp­fen.(...)
Da die Zu­lie­fe­rer und Dienst­leis­ter rund um Wolfs­burg prak­tisch al­le am Tropf von VW hän­gen, liegt ein Zu­sam­men­hang zu den Spar­pro­gram­men des Kon­zerns auf der Hand. Volks­wa­gen hat­te in der Ver­gan­gen­heit be­tont, sich nicht zu Fra­gen an­de­rer Un­ter­neh­men äu­ßern zu kön­nen.(...)

http://www.hensche.de/VW_Zulieferer_Stammwerk_Folgen-Abgasskandals_VW_Zulieferer_rund_um_Stammwerk_kaempfen_mit_Folgen_des_Abgasskandals_19.10.2016_9.23.html (http://www.hensche.de/VW_Zulieferer_Stammwerk_Folgen-Abgasskandals_VW_Zulieferer_rund_um_Stammwerk_kaempfen_mit_Folgen_des_Abgasskandals_19.10.2016_9.23.html)

Der hat es richtig gemacht, war aber leider zu gierig:

Zitat
Ein Ex-Mitarbeiter von Volkswagen in Baunatal steht wegen eines krummen Millionen-Geschäfts vor Gericht. Mit Hilfe eines Kollegen soll er tonnenweise Edelschrott aus dem Werk gestohlen und verkauft haben.

http://hessenschau.de/panorama/ex-vw-mitarbeiter-wegen-millionendiebstahl-vor-gericht,vw-diebe-100.html (http://hessenschau.de/panorama/ex-vw-mitarbeiter-wegen-millionendiebstahl-vor-gericht,vw-diebe-100.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 24. Dezember 2016, 12:34:01
! No longer available (http://www.youtube.com/watch?v=Mj3EFX9dSMI&t=1s#)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 20. Februar 2017, 12:41:04
Es verwirrt, wenn ausgerechnet ein Obermacker von VW auf die fehlende Gegnerfreiheit innerhalb der IGM hinweist:


Zitat
VW-Markenchef prüft Bevorzugung von Gewerkschaftsmitgliedern

Bei Volkswagen droht ein neuer Konflikt: VW-Markenchef Herbert Diess prüft Hinweise, dass bei Einstellungen und Beförderungen im Unternehmen Gewerkschaftsmitglieder bevorzugt würden.


„Seit meinem Einstieg bei Volkswagen bekomme ich immer wieder Hinweise aus der Belegschaft und insbesondere aus dem Management, dass Einstellungen und Aufstieg in der Hierarchie von einer Mitgliedschaft bei der IG Metall abhängen würden“, sagte Diess der „Bild“-Zeitung. Anzeigen aus der Belegschaft an verschiedenen Standorten, externe Berichte und ein „offenbar ungewöhnlich hoher gewerkschaftlicher Organisationsgrad im Management“ gäben weitere Hinweise.

Bei einigen Beförderungen habe Diess gezielt nachgefragt, ob die Betreffenden Mitglied der Gewerkschaft sind. „Meine Frage wurde dahingehend beantwortet, dass etwa die Hälfte des oberen Managements auch Mitglied der IG Metall seien“, sagte der Manager dem Blatt.

Beförderungen abhängig von einer Mitgliedschaft in der Gewerkschaft wären „ein klarer Compliance Verstoß“, sagte Diess. „Und es wäre mit den neuen Unternehmenswerten unvereinbar.“ Verantwortungsbewusstes Management dürfe bei solchen Indizien nicht wegsehen.

Ende vergangener Woche war bekannt geworden, dass Diess bei der Beförderung von sechs Mitarbeitern ins obere Management nach deren Gewerkschaftsmitgliedschaft gefragt hatte (WAZ berichtete). Er bekam keine Antwort, wie ein Unternehmenssprecher dem „Manager Magazin“ sagte. Das sei auch aus Datenschutzgründen nicht erlaubt. Bei VW werde oft behauptet, IG-Metall-Mitglieder würden bei Beförderungen bevorzugt, sagte der Sprecher.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-Markenchef-prueft-Bevorzugung-von-Gewerkschaftsmitgliedern (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-Markenchef-prueft-Bevorzugung-von-Gewerkschaftsmitgliedern)

Reaktion des Wolfsburger IGM-Chefchens Hartwig Erb auf der Betriebsversammlung am 21.02.17:

Zitat
(...) Mit Blick auf die jüngste Auseinandersetzung um die Frage, ob Gewerkschaftsmitglieder bei VW Karrierevorteile haben, warnte Erb den Markenchef davor, „rote Linien“ zu überschreiten. „Auch im Topmanagement sollte doch bekannt sein, dass wir in Deutschland die Koalitionsfreiheit haben. Wir sind alle stolz, Metallerinnen und Metaller bei VW zu sein. Ich glaube, das reicht als kleiner Wink mit dem Zaunpfahl“, so Erb.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/IG-Metall-Chef-Wut-Rede-gegen-das-Management (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/IG-Metall-Chef-Wut-Rede-gegen-das-Management)

Man steht also stolz Seit' an Seit' mit Leuten, die für Entlassungen, Arbeitsverdichtung, Druck, Folter wie in Brasilien und weitere Schweinereien stehen. Glückwunsch!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 26. Februar 2017, 10:55:50
(https://abload.de/img/unservolkswagen57uzr.png) (http://abload.de/image.php?img=unservolkswagen57uzr.png)

Zitat
Seit’ an Seit’ mit den Arbeitgebern

Horst Neumann schuf sich bei der IG Metall ein Netzwerk. Dann verhalf ihm sein Job bei Volkswagen zu märchenhaftem Reichtum.

Wahrscheinlich ist Horst Neumann einer der reichsten Gewerkschafter im Ruhestand. Fast 50 Millionen Euro verdiente Neumann zwischen 2005 und 2015 als Personalvorstand von Volkswagen. Außerdem zahlt das Unternehmen dem 67-Jährigen in den kommenden Jahren eine Pension aus, deren Wert aus heutiger Sicht insgesamt etwa 23,7 Millionen Euro beträgt.
(…)
Als Neumann 2005 Personalvorstand des Volkswagen-Konzerns werden sollte, geriet die Sache zum Politikum. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch setzte ihn gegen erhebliche Bedenken und Gegenstimmen des Landes Niedersachsen und anderer Kapitalvertreter durch. Neumann war zu jener Zeit mit der SPD-Politikerin und heutigen Arbeitsministerin Andrea Nahles liiert.
(…)
Nachdem sich Neumann und Nahles getrennt hatten, folgte 2009 die "Traumhochzeit bei VW", wie die Wolfsburger Allgemeine schrieb. Neumann heiratete Elke Eller, eine frühere IG-Metall-Vordenkerin, die seit 2001 in Volkswagens Aufsichtsrat saß und 2007 bei Volkswagen Financial Services Personalvorstand wurde, ehe sie 2012 in gleicher Funktion zur Marke VW Nutzfahrzeuge wechselte. Auf der Gästeliste der Hochzeit stand das damalige Who’s who der Volkswagen-Welt: Patriarch Piëch mit Gattin Ursula, Sigmar Gabriel, IG-Metall-Chef Berthold Huber nebst Vorgängern Jürgen Peters und Franz Steinkühler sowie Betriebsratschef Bernd Osterloh.
(…)


http://www.zeit.de/2017/07/horst-neumann-ig-metall-volkswagen-reichtum/komplettansicht (http://www.zeit.de/2017/07/horst-neumann-ig-metall-volkswagen-reichtum/komplettansicht)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 26. Februar 2017, 12:46:47
Zitat
Horst Neumann:
Seit’ an Seit’ mit den Arbeitgebern

Horst Neumann schuf sich bei der IG Metall ein Netzwerk. Dann verhalf ihm sein Job bei Volkswagen zu märchenhaftem Reichtum.


([url]http://img.zeit.de/wirtschaft/2017-02/horst-neumann-volkswagen/wide__850x478__desktop[/url])

Wahrscheinlich ist Horst Neumann einer der reichsten Gewerkschafter im Ruhestand. Fast 50 Millionen Euro verdiente Neumann zwischen 2005 und 2015 als Personalvorstand von Volkswagen. Außerdem zahlt das Unternehmen dem 67-Jährigen in den kommenden Jahren eine Pension aus, deren Wert aus heutiger Sicht insgesamt etwa 23,7 Millionen Euro beträgt.

Konzernbosse haben es schon schwer genug, vor ihre Beschäftigten zu treten, um ihre Vergütung zu rechtfertigen. Wie aber erklärt der langjährige IG-Metall-Mitarbeiter Horst Neumann einem Malocher vom Band, dass er gerecht entlohnt wird?

Die Antwort: gar nicht.

"Im Augenblick möchte ich mich nicht zu der Pensionsfrage äußern", schreibt er in einer E-Mail.

Dabei liegt in Lebensläufen wie jenem von Horst Neumann ein Schlüssel zur Frage, warum gerade in Großkonzernen mit starker Mitbestimmung die Gehaltsunterschiede zwischen Vorstand und Mitarbeitern immer gewaltiger werden. Es ist nämlich so, dass Gewerkschafter dort selbst von dieser Entwicklung profitieren, wenn sie geschickt sind. Sie reden im Aufsichtsrat mit, wenn es um Spitzengehälter und Posten geht.

Die Wege nach oben gleichen sich. Es gibt Manager, die etwas werden wollen und früher oder später eine Wirtschaftsschule in den USA besuchen. Und dann gibt es Karrieren wie die von Horst Neumann, die ohne Gewerkschaft nicht denkbar wären.

Bei Neumann war es so: Nach dem Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Hamburg und Berlin wurde er 1973 Referent des Berliner Wirtschaftssenators. Fünf Jahre später kam der Karriereturbo: Der hauptberufliche Einstieg in die IG Metall. Wenn man etwas über diese Zeit hören will, erzählt ein früherer Büronachbar sofort einen bösartigen Witz, der zu jener Zeit bei der IG Metall über die opportunistische Unternehmenskultur kursierte. Hängen bleiben soll nebenbei, dass Neumann nicht durch Leistung überzeugt habe, sondern aufgestiegen sei, weil er sich mit den richtigen Leuten zu umgeben gewusst habe.

16 Jahre lang spann er in der Wirtschaftsabteilung der IG Metall sein Netzwerk. Er zog in mehrere Aufsichtsräte ein, darunter in jenen von Opel, ehe er 1994 Arbeitsdirektor der Krupp-Tochter Rasselstein Hoesch wurde, eines Weißblechspezialisten, ein Vorstandsposten, der in vielen Unternehmen traditionell an Gewerkschafter geht. Auch bei der Rasselstein AG war Neumann zuvor Aufsichtsrat gewesen. Nach einer kurzen Etappe als Personalvorstand von ThyssenKrupp Elevator wechselte Neumann 2002 zu Audi – als Vermittler sollen der damalige IG-Metall-Vorstand Jürgen Peters und Volkswagen-Arbeitsdirektor Peter Hartz gewirkt haben.
"Neumann hat weniger nach Lösungen gesucht als vielmehr danach, was dem Vorgesetzten nützt"

Als Neumann 2005 Personalvorstand des Volkswagen-Konzerns werden sollte, geriet die Sache zum Politikum. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch setzte ihn gegen erhebliche Bedenken und Gegenstimmen des Landes Niedersachsen und anderer Kapitalvertreter durch. Neumann war zu jener Zeit mit der SPD-Politikerin und heutigen Arbeitsministerin Andrea Nahles liiert. Schnell machte das Gerücht die Runde, Aufsichtsrat und CDU-Ministerpräsident Christian Wulff habe Neumann deshalb verhindern wollen. Wulff dementierte vehement. Er und die anderen Anteilseigner im Aufsichtsrat hätten schlicht Zweifel gehabt, ob Neumann der geeignete Kandidat sei. Heute sagen frühere Aufsichtsräte, Wulffs damalige Einschätzung habe sich bestätigt. Ein Zinnsoldat sei Neumann gewesen, einer, der nur ausgeführt habe, was Piëch oder der spätere Konzernchef Martin Winterkorn von ihm verlangt hätten.

In Vorstandsklausuren habe Neumann praktisch nie widersprochen, sagt einer, der oft dabei war: "Neumann hat weniger nach Lösungen gesucht als vielmehr danach, was dem Vorgesetzten nützt." Und zumindest unbewusst etablierte er eine Angstkultur im Konzern, in der Vertrauen wenig zählte. "Horst Neumann hatte ein enormes Kontrollbedürfnis und damit verbunden ein ständiges Misstrauen in die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter", sagt ein anderer Weggefährte von einst. Manche Sachbearbeiter, so erzählt man sich heute noch im Werk, waren tagelang damit beschäftigt, Antwortschreiben so lange zu verbessern, bis der Chef zufrieden war, obwohl sich inhaltlich nicht zwingend etwas änderte. Neumann galt aufgrund solcher Aktionen als Perfektionist und Pedant.

Aber Neumann, auch das gehört zu seiner Biografie, hat das Gesundheitsmanagement bei Volkswagen verbessert und dadurch bis heute viele Fehlzeiten im Unternehmen verhindert. Zudem hat er die Fünftagewoche bei Volkswagen wieder etabliert und damit die Kosten im Unternehmen gesenkt.

Nachdem sich Neumann und Nahles getrennt hatten, folgte 2009 die "Traumhochzeit bei VW", wie die Wolfsburger Allgemeine schrieb. Neumann heiratete Elke Eller, eine frühere IG-Metall-Vordenkerin, die seit 2001 in Volkswagens Aufsichtsrat saß und 2007 bei Volkswagen Financial Services Personalvorstand wurde, ehe sie 2012 in gleicher Funktion zur Marke VW Nutzfahrzeuge wechselte. Auf der Gästeliste der Hochzeit stand das damalige Who’s who der Volkswagen-Welt: Patriarch Piëch mit Gattin Ursula, Sigmar Gabriel, IG-Metall-Chef Berthold Huber nebst Vorgängern Jürgen Peters und Franz Steinkühler sowie Betriebsratschef Bernd Osterloh. Bis 2015 blieben Neumann und Eller bei Volkswagen, dann schieden sie – als die Dieselkrise den Konzern erschütterte – fast zeitgleich aus. Eller arbeitet heute für TUI. Neumann ist jetzt Luxusrentner.

Einer gewinnt immer

Vergütung für Horst Neumann bei Volkswagen in Millionen Euro (Amtsantritt im Dezember 2005)
([url]http://img.zeit.de/wirtschaft/2017-02/infografik-horst-neumann/original__700x272__desktop__scale_1.3333333730697632[/url])

Eigentlich soll der Aufsichtsrat den Vorstand kontrollieren. Die Gewerkschaften haben durch das deutsche Modell der Mitbestimmung einen Sitz in diesem Gremium, damit die Interessen der Beschäftigten eine Stimme haben. Der Fall Neumann zeigt, wie Gewerkschaftsfunktionäre von diesem System profitieren, obwohl sie eigentlich Selbstbedienung des Managements verhindern sollen. Der Berliner Wirtschaftsprofessor Joachim Schwalbach hält eine Korrektur für überfällig. "Der Aufsichtsrat wäre zumindest der entscheidende Hebel, um Gehaltsexzesse zu stoppen", sagt er. Schwalbach weiß, wovon er spricht. Jahrelang hat er die Vergütung in den größten deutschen Unternehmen analysiert. Fast jedes Jahr wuchs der Abstand zwischen den Vorstandsgehältern und denen der normalen Beschäftigten.

Die Vertreter der Kapitalseite in Aufsichtsräten sind meist altgediente Manager. Von Leuten wie dem früheren Linde-Vorstand Wolfgang Reitzle oder dem Ex-Bayer-Chef Werner Wenning ist nicht zu erwarten, dass sie ein System austrocknen, das sie selbst so gut genährt hat und noch bis heute nährt. Reitzle kam laut manager magazin allein durch seine Aufsichtsratstätigkeit 2015 auf 2,5 Millionen Euro, Wenning auf 1,4 Millionen Euro. Aber was ist mit den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat? Auch sie verdienen prächtig. Die meisten spenden einen Großteil des Geldes an die Gewerkschaft, die sie entsandt hat, oder an ihr nahestehende Organisationen. Doch einige nutzen die Chance, siehe Neumann, einmal selbst ganz oben zu sitzen. Dort bleiben sie dann als wackere Stützen des Systems, das sie reich macht.

Mittlerweile hat Neumann eine Stiftung gegründet, das "Institut für die Geschichte und Zukunft der Arbeit". Auch darüber möchte er nicht näher Auskunft geben. "Ich kann ihnen aber bestätigen, dass ich zugesagt und seit Anfang 2016 begonnen habe für 10 Jahre jährlich eine Million Euro für das ›Institut für die Geschichte und Zukunft der Arbeit‹ zur Verfügung zu stellen. Wie Sie sehen, ist das deutlich mehr als die Pensionszahlungen. :-)", schreibt er per E-Mail. Es wird kein Zufall sein, dass diese Summe exakt dem Höchstbetrag entspricht, den ein Stifter jedes Jahr von der Steuer absetzen darf .
http://www.zeit.de/2017/07/horst-neumann-ig-metall-volkswagen-reichtum/komplettansicht (http://www.zeit.de/2017/07/horst-neumann-ig-metall-volkswagen-reichtum/komplettansicht)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 26. Februar 2017, 14:34:59
Nahles liebte Horst Neumann:

(https://abload.de/img/nahlesliebteneumanndoutp.png) (http://abload.de/image.php?img=nahlesliebteneumanndoutp.png)

Doch der liebt nun eine andere:

(https://abload.de/img/neumann-heiratet-ellpiugt.jpeg) (http://abload.de/image.php?img=neumann-heiratet-ellpiugt.jpeg)

Nahles versucht es bei Werner Stolz:

(https://abload.de/img/nahlesliebtstolz5buep.png) (http://abload.de/image.php?img=nahlesliebtstolz5buep.png)

Piech derweil liebt Osterloh:

(https://abload.de/img/piechliebtosterlohefut4.png) (http://abload.de/image.php?img=piechliebtosterlohefut4.png)

Auf jeden Fall liebt Nahles den Arbeiter:

(https://abload.de/img/nahlesmagarbeiter6zuj2.png) (http://abload.de/image.php?img=nahlesmagarbeiter6zuj2.png)

Der Führer liebt derweil Grundsteinlegungen bei Fallersleben:

(https://abload.de/img/vw-grundsteinlegungrfujb.png) (http://abload.de/image.php?img=vw-grundsteinlegungrfujb.png)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 28. Februar 2017, 21:30:46
Zitat
VW China duldet illegale Leiharbeit – Arbeiter in Jilin streiken – Solidarität ist angezeigt!

Das in Hongkong ansässige „China Labour Bulletin“ berichtet, daß 500 Leiharbeiter des VW-Joint Ventures in Changchun (Provinz Jilin) für die Einhaltung des Grundsatzes „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ streiken. Bereits seit mehreren Monaten hatten sie versucht, ihre Rechte auf offiziellem Weg durchzusetzen. (…) Die Arbeiter berufen sich auf das geltende chinesische Arbeitsvertragsgesetz sowie auf die mit dem „Weltbetriebsrat“ des VW-Konzerns abgeschlossene „Charta der Arbeitsbeziehungen im Volkswagen-Konzern“ vom 29.10.2009 und die „Charta der Zeitarbeit im Volkswagen-Konzern“ vom 30.11.2012.
(…)
Der Konflikt in China zeigt, daß die Lage der Leiharbeiter und „Kontraktarbeiter“ dort strukturell absolut vergleichbar ist mit der Lage der Leiharbeitnehmer und Werkvertragsbeschäftigten in Deutschland. Allerdings: Die Rechtslage in China ist – absurd genug ! – noch eindeutiger als in Deutschland. Umso unverständlicher ist es aber, daß sich offenbar bis heute weder der „Weltbetriebsrat“ noch der Konzernbetriebsrat in Wolfsburg oder die IG Metall der Sache angenommen haben.(…)

(Geffken)

http://www.labournet.de/internationales/china/arbeitskaempfe-china/vw-china-duldet-illegale-leiharbeit-arbeiter-jilin-streiken-solidaritaet-ist-angezeigt/ (http://www.labournet.de/internationales/china/arbeitskaempfe-china/vw-china-duldet-illegale-leiharbeit-arbeiter-jilin-streiken-solidaritaet-ist-angezeigt/)

Der Vorsitzende des Weltbetriebsrates ist Frank Patta, war 1. Vorsitzender der IG-Metall Wolfsburg und wurde hier schonmal thematisiert: http://www.chefduzen.de/index.php?topic=28990.msg310206#msg310206 (http://www.chefduzen.de/index.php?topic=28990.msg310206#msg310206)


2013 gab es ein Treffen mit chinesischen Gewerkschaftern:

(https://abload.de/img/vw-weltbetriebsratinc00uc7.png) (http://abload.de/image.php?img=vw-weltbetriebsratinc00uc7.png)
Zitat
Weltkonzernbetriebsrat und chinesische Gewerkschaften haben einen Koordinierungskreis. In China fanden Treffen dieses Kreises bisher nur in Peking statt. Zum ersten Mal waren wir jetzt in Fushan – einem der neuen Volkswagen-Standorte“, erklärt Frank Patta, Generalsekretär des Weltkonzernbetriebsrates. Mit Chairman Kong Xianghong nahm zudem erstmals ein führender Gewerkschafter aus der Provinz Guangdong an dem Treffen teil. In der Provinz, in der auch Fushan liegt, hatte es in den vergangenen Jahren wiederholt Arbeitsniederlegungen gegeben. „Die chinesischen Gewerkschafter sind deswegen sehr daran interessiert, zu erfahren, wie bei Volkswagen in Deutschland die Mitbestimmung funktioniert und wie bei uns Tarifverhandlungen geführt  werden. Ich war beeindruckt, wie offen darüber diskutiert werden konnte“, erklärt Patta, der auch Vorträge an der Sun-Yat-Sen-Universität der Provinzhauptstadt Guangzhou halten konnte.


https://www.porsche-betriebsrat.at/fileadmin/inhalt/mitarbeiterzeitung/MITBESTIMMEN__Juni_2013.pdf (https://www.porsche-betriebsrat.at/fileadmin/inhalt/mitarbeiterzeitung/MITBESTIMMEN__Juni_2013.pdf)

Von deutschen Gewerkschaften lernen heißt nicht wirklich Siegen! Es soll sogar vorkommen, dass die Blödsinn erzählen...

Nebenbei: Eine Mitarbeiterin in Changchun erzählt wohl auch gerne Blödsinn:
Zitat
In den sozialen Medien erhält die Gruppe große Unterstützung. Volkswagen erklärte, man nehme die Proteste sehr ernst. FAW wollte sich nicht äußern. Am Telefon erklärte eine Mitarbeiterin in Changchun, man wisse von keinen Protesten.

http://www.wiwo.de/unternehmen/auto/china-proteste-gegen-vw/19460894.html (http://www.wiwo.de/unternehmen/auto/china-proteste-gegen-vw/19460894.html) (1.3.17)

Tagesschau und DLF sind die protestierenden Leiharbeiter nun auch eine Meldung wert:
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/vw-leiharbeiter-proteste-china-101.html (http://www.tagesschau.de/wirtschaft/vw-leiharbeiter-proteste-china-101.html)
http://www.deutschlandfunk.de/china-vw-leiharbeiter-protestieren-gegen-ungleiche-bezahlung.1773.de.html?dram:article_id=380251 (http://www.deutschlandfunk.de/china-vw-leiharbeiter-protestieren-gegen-ungleiche-bezahlung.1773.de.html?dram:article_id=380251)

Mal sehen, was BR und IGM in Wolfsburg dazu sagen oder ob sie sogar Solidarität und Unterstüzung zusagen. Ziemlich unwahrscheinlich, weil sie dann erklären müssten, warum sie hier bei der Frage "Gleiche Bezahlung" nicht aktiv werden.  

Der Weltkonzernbetriebsrat und somit auch die IG Metall scheint sich grundsätzlich einen Dreck darum zu scheren, was international bei VW so los ist. So werden in den USA seit längerem Tarifvertragsverhandlungen verweigert, in dessen Folge es zu Drangsalierungen bis hin zu Rassismus gekommen sein soll. Der Weltkonzernbetriebsrat mit Frank Patta persönlich war zugegen, ist aber anscheinend nicht gewillt zu unterstützen:  

Nur auf Englisch: http://www.alternet.org/labor/chattanooga-auto-workers-host-strike-meeting (http://www.alternet.org/labor/chattanooga-auto-workers-host-strike-meeting)

Daheim schauen die VW-Betriebsräte Heim, Melhop und Osterloh gerne zusammen mit Maffay in die Klatschreporterkamera:

(https://abload.de/img/heimmelhoposterlohmaft7umy.png) (http://abload.de/image.php?img=heimmelhoposterlohmaft7umy.png)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 01. März 2017, 11:11:40
Man kommt gar nicht mehr hinterher:

Zitat
01.03.17
VW Argentinien befiehlt Kurzarbeit für 600 Beschäftigte: Verkündet mit einem Massenaufgebot an Polizei

In dem VW Werk in General Pacheco (eine Stadt mit grob 50.000 Menschen, nördlich von Buenos Aires) arbeiten rund 4.000 KollegInnen. 600 von ihnen sollen jetzt – für maximal anderthalb Jahre (!) zur Kurzarbeit gezwungen werden, zunächst einmal für 30 Tage. Großzügigerweise betonte die Unternehmensleitung, am Ende dieser 30 Tage würden die Betroffenen „ein Telegramm“ erhalten, worin sie über ihre weitere Zukunft informiert würden. Und verkündete diese „Betroffenheit“ am Schichtende in Einzelgesprächen. In dem Artikel „Volkswagen: impresionante operativo policial para suspender a 600 trabajadores“ am 23. Februar 2017 bei El Argentino Zona Norte wird vor allem darauf abgehoben, dass die Geschäftsleitung sich „ihrer Sache“ denn doch nicht so sicher war: Die Verkündigung geschah erst, als ein enormes Polizeiaufgebot vor dem Werk aufmarschiert war, was in diesem Artikel auch mit Fotos belegt ist. Belegt ist einmal mehr auch, dass die Metallgewerkschaft Smata (der unbekannte Autor verweist darauf: „Ebenso grün gekleidet, wie die Polizei“) den ganzen Tag „Beruhigungsaktivitäten“ unternommen habe.


http://www.labournet.de/internationales/argentinien/arbeitsbedingungen-argentinien/vw-argentinien-befiehlt-kurzarbeit-fuer-600-beschaeftigte-verkuendet-mit-einem-massenaufgebot-an-polizei/ (http://www.labournet.de/internationales/argentinien/arbeitsbedingungen-argentinien/vw-argentinien-befiehlt-kurzarbeit-fuer-600-beschaeftigte-verkuendet-mit-einem-massenaufgebot-an-polizei/)

Höchstwahrscheinlich hat die argentinische Metallgewerkschaft Smata auch eine Unterrichtung aus Wolfsburg bekommen, wie man als willfährige Erfüllungsgehilfin zu handeln hat.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 08. März 2017, 21:31:25
Was der Wolfsburger so aus den Wolfsburger Medien erfährt:

Zitat
Merkel: Erfuhr im September 2015 aus Medien von VW-Skandal

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach eigenen Angaben erst mit dem öffentlichen Bekanntwerden des VW-Skandals am 19. September 2015 aus den Medien von Abgas-Manipulationen bei Volkswagen erfahren. Anschließend sei dann auch von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) informiert worden.
Berlin.Dies sagte Merkel am Mittwoch als Zeugin im Abgas-Untersuchungsausschuss des Bundestags. Sie habe unterstützt, dass Dobrindt rasch eine Untersuchungskommission einsetzte, und zur Aufklärung ermuntert.

Der Ausschuss soll klären, was die Bundesregierung seit 2007 mit Blick auf Abgasregeln unternommen hat und wann sie von Manipulationen erfuhr.

VW hatte eine verbotene Software eingesetzt, was 2015 in den USA aufflog und zum Diesel-Skandal führte. Auch bei mehreren anderen Herstellern sind später auffällige Abgaswerte bekannt geworden.

dpa

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Merkel-Erfuhr-im-September-2015-aus-Medien-von-VW-Skandal (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Merkel-Erfuhr-im-September-2015-aus-Medien-von-VW-Skandal)


Und was so in den anderen Medien steht (natürlich immer noch zu wenig):
Zitat

Merkel: Erfuhr erst September 2015 von VW-Skandal
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach eigenen Angaben erst mit dem öffentlichen Bekanntwerden des Skandals am 19. September 2015 aus den Medien von Abgas-Manipulationen bei Volkswagen erfahren.
Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hebt den Kopf. Sie blickt hoch zur Pressetribüne und nickt den Journalisten zu. Lächelnd umkreist sie ihren Platz, einen schwarzen Ledersessel vor einem hellen Holztisch. Die drei Stühle neben ihr bleiben leer. Merkel rückt ihr Namensschild zurecht: „Dr. Merkel“.

Noch einmal mustert sie Mikrofongalgen und Kamera-Objektive, die sie neugierig anstarren. Mit Spannung war Merkels Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss zum VW-Abgas-Skandal erwartet worden. Was wird sie sagen? Wird sie überhaupt etwas sagen? Was wusste sie? Wann wusste sie etwas? Und von wem?

Die Kanzlerin: „Ich bin bereit“

Merkels Auftritt ist die letzte Zeugenbefragung vor dem Ausschuss. Das Interesse der Medien ist immens. Kurzfristig muss die Befragung in einen größeren Saal verlegt werden. „Sie müssen richtige und vollständige Angaben machen“, ermahnt der Ausschussvorsitzende Herbert Behrens (Linke) die Kanzlerin. „Ich habe versucht, mich zu erinnern und bin bereit“, antwortet Merkel und räuspert sich.

Behrens will wissen: „In welcher Weise und Intensität haben Sie sich mit dem Thema Emissionen zwischen 2007 und 2016 befasst?“ Merkel erklärt, sie sei früher immerhin Umweltministerin gewesen und habe sich „immer wieder damit beschäftigt“, aber nie mit technischen Details, immer nur „im Geiste“.

Merkels Strategie wird schon mit der ersten Antwort deutlich. Erfahren habe sie erst am 19. September 2015 aus den Medien von „dem Vorfall“ – wie alle anderen auch. Merkel, die Ahnungslose, die aber schnell Aufklärung verlangt haben will.
„Ich habe keine klare Erinnerung“

Sie habe rasch Kontakt mit Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) aufgenommen. „Ich habe ihn ermuntert, mit voller Transparenz und Energie aufzuklären, um die Dinge ans Licht zu bringen, sofern sie nicht schon bekannt waren.“ Sie habe es begrüßt, als Dobrindt eine Untersuchungskommission einrichten will.

Alle Versuche, sie von dieser Linie abzubringen, perlen an Merkel ab. Kannte sie die Abweichungen bei Abgasmessungen? „Daran erinnere ich mich nicht. Ich habe mich mit Testfragen nicht beschäftigt.“ Und die Abschaltvorrichtung? „Ich habe keine klare Erinnerung“, „keine detaillierte Kenntnis“, „am Rande mit verfolgt, aber nie intensiv damit beschäftigt“, „mit den Presseberichten am Rande erfahren“, „vorher keinerlei Kenntnis“.

Sicherlich, Kontakte mit dem damaligen VW-Chef Martin Winterkorn zu diesem Thema habe es gegeben, aber erst am 22. September in einem Telefonat, um das sie Winterkorn am Vortag gebeten habe. Sie habe von ihm nichts Neues erfahren. Nichts, das sie nicht schon vorher aus den Medien erfahren habe. Aus internen Telefonaten berichte sie ansonsten grundsätzlich nicht.
„Es wird wohl so gewesen sein“

Ob sich das Bundeskanzleramt in die bisherigen Untersuchungen eingebracht habe, will Behrens wissen. „Nee, das machen Sie doch. Ich habe das zur Kenntnis genommen, was Sie hier ermitteln“, sagt Merkel flapsig und erntet Gelächter. Behrens rückt ein Treffen mit dem früheren kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger im Jahr 2009 in den Fokus.

Sie habe angeblich Schwarzenegger und Vertreter der kalifornischen Umweltbehörde ermahnt, die amerikanischen Grenzwerte für Diesel-Fahrzeuge seien zu niedrig. Es habe so geklungen, als ob die Kanzlerin als oberste Fürsprecherin der deutschen Autoindustrie auftrete.

„Es gab ein Frühstück. Es wird wohl so gewesen sein“, sagt die Kanzlerin. Es sei um Pläne für neue Emissionsgrenzwerte nach 2014 gegangen. Im Vordergrund habe die Reduzierung von Emissionen gestanden. „Das war keine Attacke auf die kalifornischen Umweltbemühungen. Ich habe mich auch danach nicht mehr dafür eingesetzt“, betont Merkel. Das Gespräch sei ihr ohnehin nicht auffallend in Erinnerung geblieben. „Ich weiß es schlicht nicht. Eine konkrete Erinnerung daran habe ich nicht.“
Keine Erkenntnisse, keine Erklärung

Merkel wird nach Zeitungsartikeln gefragt, nach möglichen Hinweisen der EU auf Verstöße, bevor der Skandal an die Öffentlichkeit drang. Doch die Kanzlerin bleibt hart: „Nein, davon weiß ich nichts.“ Immer neue kritische Artikel und Berichte werden ihr präsentiert. Irgendwann platzt es aus ihr heraus: „Hoch lebe die Pressefreiheit.“

Oliver Krischer von den Grünen hakt nach: „Sie verstehen mehr von Stickoxiden als zwei ehemalige Verkehrsminister, die wir hier befragt haben. Haben Sie eine Erklärung, warum das in Deutschland nicht entdeckt wurde, sondern in den USA?“ Nein, dafür habe sie keine Erklärung. „Es ist da entdeckt worden, und dann muss man sich damit auseinandersetzen. Ich betreibe keine Motivforschung. Das ist nicht meine Aufgabe.“

Ein Raunen geht durch den Saal. Keine Erkenntnisse, kein Wissen, keine Erklärung, keine Informationen – Merkel bleibt ihrer Linie treu. Versäumnisse deutscher Behörden kann sie nicht erkennen. „Ich habe nicht das Gefühl, dass das Kraftfahrtbundesamt schlecht gearbeitet hat. Sie sehe auch keine Notwendigkeit für strukturelle Veränderungen, sagt sie. Und auch kein Staatsversagen. Nein, systematisch weggesehen habe niemand.
„Ein Hohn für Millionen Autofahrer“

Nach zwei quälend langen Stunden ist die Befragung vorbei. „Ich bedanke mich auch und wünsche Ihnen eine gute Abschlussarbeit“, sagt Merkel. Widersprechen will ihr niemand – zustimmen aber auch nicht.

Grünen-Obmann Krischer zeigt sich enttäuscht. Er nennt es „unverantwortlich“, dass Merkel den Skandal als „Vorfall“ bagatellisieren will. „Unverantwortlich“, dass sie den „Vorfall“ nicht zur Chefsache gemacht hat. „Absolut unpassend“, dass sie die Verantwortung allein Verkehrsminister Dobrindt überlassen will. „Das ist ein Hohn für Millionen betroffene Autofahrer.“

Der Ausschussvorsitzende Behrens zweifelt an der Glaubwürdigkeit der Kanzlerin. Ihre Aussage, erst im September 2015 durch Medienberichte aufgeklärt worden zu sein, „steht meinen Erkenntnissen diametral entgegen“.

Von Jörg Köpke/RND


http://www.kn-online.de/News/Aktuelle-Politik-Nachrichten/Nachrichten-Politik-aus-der-Welt/Merkel-Erfuhr-erst-September-2015-von-VW-Skandal (http://www.kn-online.de/News/Aktuelle-Politik-Nachrichten/Nachrichten-Politik-aus-der-Welt/Merkel-Erfuhr-erst-September-2015-von-VW-Skandal)



Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 01. April 2017, 10:33:33
In Hannover-Stöcken regt sich Widerstand gegen den korrupten IGM-Sauhaufen bei VW:

Zitat
31.03.2017
IG Metall droht Abweichlern mit Rauswurf

Am 6. April wählen rund 1000 Delegierte aus 115 Standorten weltweit in Wolfsburg die 10 VW-Aufsichtsratsmitglieder der Arbeitnehmerseite – eine reine Formsache (wir berichteten). Komplettiert wird das Gremium durch 10 Vertreter der Konzern-Anteilseigner. „114 Standorte haben die Delegierten per Einheitsliste und Friedenswahl bestimmt – also ohne Urnengang“, berichtete jetzt die Hannoversche Allgemeine (HAZ). Das fehlende Werk ist die Nutzfahrzeugfabrik in Stöcken. Und deshalb gibt es dort Ärger, wie die HAZ weiß.

Achtungserfolg verschärft die Gegensätze

In Stöcken gibt es eine sehr aktive Opposition im Betriebsrat, der – wie in allen deutschen VW-Werken – von der IG Metall dominiert wird. Einer der rebellischen Wortführer ist Ibrahim Badan, der unter anderem für sich verbuchen kann, eine Betriebsratswahl in Stöcken erfolgreich vor dem Bundesarbeitsgericht angefochten zu haben. Er sorgte jetzt bei der Delegiertenwahl auch mit dafür, dass es für die IG Metall nicht so rund lief wie in allen anderen Werken. „Bei der Delegiertenwahl Anfang März gelang der „Vereinigten Alternativen Liste“ ein Achtungserfolg: Mit 1387 Stimmen stellt sie bei der Abstimmung über die Aufsichtsratsmitglieder in Wolfsburg drei Delegierte und damit einen mehr als 2012. Für den Ausgang der Wahl spielt das keine Rolle - wohl aber für das Binnenverhältnis im Werk: Der Graben in der Arbeitnehmervertretung scheint dadurch noch breiter geworden zu sein“, analysiert die HAZ.

Und die IG Metall war trotz eines Stimmenanteils von 86 Prozent extrem angesäuert, weil auf der alternativen Liste auch Mitglieder der Gewerkschaft stehen. Diesen werde nun mit dem Ausschluss gedroht, berichtet die Zeitung aus der Landeshauptstadt und zitiert aus einem entsprechenden Schreiben an die widerborstigen Metaller. Ähnliches plante man vor sechs Jahren übrigens auch in Wolfsburg, weil in der Betriebsratsgruppe Mig 18 ebenfalls IG-Metaller sitzen. Sie hätten mit der Kandidatur auf einer alternativen Liste gegen die Satzung der mächtigen IG Metall verstoßen, hieß es damals. Ein entsprechendes Verfahren wurde damals jedoch nicht eingeleitet. In Hannover ist die Tonart wesentlich rauer. Die Kandidaten wurden laut HAZ aufgefordert, sich bis Ende März „schriftlich und mündlich hier in der IG-Metall-Vertrauenskörperleitung überzeugend von der oben genannten Liste“ zu distanzieren. Ansonsten drohe der Ausschluss.

„Werte wie Gerechtigkeit müssen wieder gelebt werden“


Doch was will die „Die Vereinte Alternative Liste“ überhaupt erreichen? Ihr Slogan lautet „Gemeinsam gegen Korruption und Manipulation.“ Ibrahim Badan erläuterte gegenüber unserer Zeitung, was dahinter steckt. „ Werte wie Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Verlässlichkeit müssen wieder gelebt werden“, sagt er. Sie ständig nur einzufordern, das reiche nicht. Die Betriebsräte und Gewerkschafter im Aufsichtsrat hätten weder Dieselgate verhindert noch seien sie gegen die hohen Vorstandsgehälter vorgegangen. „Sie nehmen die Nöte und Sorgen normaler Arbeitnehmer gar nicht mehr wahr“, behauptet Badan. Es gehörten neue Köpfe in den Aufsichtsrat. Dazu wird es nicht kommen. Stattdessen fehlt ein prominenter Kopf auf der Wahlliste. Gesamtbetriebsrats-Vize Stephan Wolf aus Wolfsburg, die rechte Hand von Osterloh, kandidiert nicht mehr, weil die Standorte stärker repräsentiert werden sollen.



DIE KANDIDATEN DER ARBEITNEHMERSEITE

Die drei Frauen, die künftig für die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat von Volkswagen sitzen sollen, sind Birgit Dietze aus dem Bundesvorstand der IG Metall, Ulrike Jakob, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Komponentenwerkes Kassel, sowie Bertina Murkovic, Betriebsrats-Vize des Nutzfahrzeuge-Werkes in Hannover. Damit erfüllt die Arbeitnehmerseite die Vorgabe eines 30-prozentigen Frauenanteils auf ihrer Liste. Die Arbeitgeberseite hatte diesbezüglich bereits vorgelegt.

Die übrigen sieben Kandidaten sind Bernd Osterloh (Vorsitzender des VW-Gesamtbetriebsrates), Jörg Hofmann (Bundesvorsitzender der IG Metall), die Betriebsratschefs Peter Mosch (Audi), Uwe Hück (Porsche), Athanasios Stimoniaris (MAN-Gesamtbetriebsrat), Johan Järvklo (IF Metall bei Scania in Schweden) Hans-Peter Fischer (Volkswagen Management Association).


http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article210116259/IG-Metall-droht-Abweichlern-mit-Rauswurf.html (http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article210116259/IG-Metall-droht-Abweichlern-mit-Rauswurf.html)
http://www.haz.de/Nachrichten/Wirtschaft/Niedersachsen/IG-Metall-droht-Abweichlern-bei-VW-mit-Ausschluss (http://www.haz.de/Nachrichten/Wirtschaft/Niedersachsen/IG-Metall-droht-Abweichlern-bei-VW-mit-Ausschluss)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 12. Mai 2017, 16:16:28
Weil mal wieder wegen Filz und Korruption ermittelt wird, geht ein Mann nun in die Offensive:

Zitat
12.05.17
„Ginge es mir ums Geld, wäre ich nicht mehr Betriebsratschef“

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sagt im Interview: „Ich habe keine Lust auf ein Versteckspiel.“ Sein Gehalt hat Manager-Höhe.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Personalverantwortliche des Volkswagen-Konzerns. Hintergrund ist der Vorwurf, Betriebsratschef Bernd Osterloh werde zu gut bezahlt. Mit Osterloh sprach Armin Maus.

 Herr Osterloh, die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Unternehmensvertreter wegen der Höhe Ihrer Vergütung. Was sagen Sie dazu?


So etwas belastet einen, das ist doch klar. Ich habe wirklich lange darüber nachgedacht. Und ich kann sagen: Ich bin da mit mir im Reinen. Meine Gehaltsentwicklung wird vom Unternehmen festgelegt. Unter Einhaltung des Betriebsverfassungsgesetzes und mit klaren internen Regelungen zur Betriebsratsvergütung. Die erlassenen Regelungen sind mehrfach intern und von externen Experten überprüft worden. Ich gehe also davon aus, dass man der Staatsanwaltschaft die Rechtmäßigkeit der vom Unternehmen getroffenen Entscheidungen darlegen wird.

Wird Ihre Arbeit durch das Ermittlungsverfahren nicht schwieriger?


Das ist für mich persönlich sicher keine einfache Zeit. Aber für meine Arbeit darf das keine Rolle spielen. Das können meine Kolleginnen und Kollegen zu recht von mir erwarten. Eines will ich betonen: Gegen mich wird nicht ermittelt. Und es gibt auch keinen Grund für Spekulationen.

Aber jetzt will die ganze Welt wissen, was sie verdienen. Wir auch.

Das verstehe ich. Und ich habe da auch keine Lust auf ein Versteckspiel. Schon 2005 habe ich gesagt, dass ich vergleichbar zu einem Manager bezahlt werde. Aktuell vergleichbar zu einem Bereichsleiter. Im Konzern haben wir etwa 300 solcher Manager. Davon allein am Standort Wolfsburg um die 80. Und entsprechende Tätigkeiten hat man auch mir in der Vergangenheit angeboten. Mir war es aber wichtiger, Betriebsrat zu sein.

Und was haben Sie nun verdient?


Mein Grundgehalt liegt bei rund 200000 Euro. Hinzu kommen Bonuszahlungen, die vom Geschäftsverlauf von Volkswagen abhängig sind. Die erhalte ich genau wie alle Manager in dieser Ebene. In der Spitze lag damit mein Jahresgehalt einmal bei rund 750000 Euro. Aktuell ist es deutlich niedriger. Im Übrigen: Ich habe schon im Oktober 2015 eine Erklärung gegenüber dem Unternehmen abgegeben, dass ich Wert darauf lege, dass ich im gleichen prozentualen Anteil auf Bonus verzichte, wie das die Belegschaft tut. Für das letzte Geschäftsjahr steht eine Bonuszahlung von etwa 386000 Euro im Raum. Durch meine Erklärung, die auch in diesem Jahr noch gilt, würde sich dieser Betrag auf 290000 Euro verringern. Mir war das damals wichtig. Denn ich habe den Vorstand zum Verzicht aufgefordert. Und ich kann nicht von anderen etwas fordern, was ich selbst nicht tue. Immerhin stand im Raum, dass die Belegschaft keinen Bonus erhält. Und mit meiner Erklärung hätte auch ich dann nichts bekommen und auch nichts haben wollen.

Finden Sie es richtig, dass ein Betriebsratsvorsitzender bezahlt wird wie ein Manager?

Das ist sicher eine gute Frage, denn hier geht es um Gerechtigkeit. Ich habe nicht über mein Gehalt entschieden. Das Unternehmen hat meine Einstufung nach Recht und Gesetz vorgenommen. Ich werde weder wie ein Generalbevollmächtigter, noch wie ein Markenvorstand, geschweige denn wie ein Konzernvorstand vergütet. Im Übrigen: Wäre es mir ums Geld gegangen, dann wäre ich heute nicht mehr Betriebsratsvorsitzender, sondern schon seit Ende 2015 Personalvorstand. Ich setze mich aber seit Jahrzehnten lieber mit ganzer Kraft für die Belegschaften ein. Das werde ich auch weiterhin tun.

Was denken Sie, wie werden ihre Kollegen reagieren?


Ich denke, dass sie das sehr wohl nachvollziehen können. Natürlich wird es den ein oder anderen geben, der das kritisch diskutiert. Diesen Diskussionen stelle ich mich. Im Übrigen: der Betriebsausschuss Wolfsburg, die IG Metall-Fraktion und der Gesamtbetriebsausschuss kennen das natürlich.

Warum hat jemand VW angezeigt?


Das kann ich ihnen nicht sagen, denn ich weiß es nicht. Es gibt natürlich immer Menschen mit persönlichen Motiven. Oder andere, denen vielleicht die Mitbestimmung ein Dorn im Auge ist. Ich weiß nur eines: Wir bei Volkswagen müssen uns aufs Geschäft und die Beschäftigungssicherung konzentrieren. Wir sind mitten in einem riesigen Umbau des Unternehmens. Wir müssen als Betriebsrat in den nächsten Jahren darauf achten, dass die Arbeitsplätze zukunftsfähig bleiben. Das ist mein Hauptanliegen. Und davon werde ich mich auch durch die aktuelle Diskussion nicht ablenken lassen.

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/mitreden/antworten/article210552321/Ginge-es-mir-ums-Geld-waere-ich-nicht-mehr-Betriebsratschef.html (http://www.wolfsburger-nachrichten.de/mitreden/antworten/article210552321/Ginge-es-mir-ums-Geld-waere-ich-nicht-mehr-Betriebsratschef.html)


Auch:
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=80.msg328447#msg328447 (http://www.chefduzen.de/index.php?topic=80.msg328447#msg328447)

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/vw-staatsanwaltschaft-ermittelt-wegen-verdacht-der-untreue-a-1147399.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/vw-staatsanwaltschaft-ermittelt-wegen-verdacht-der-untreue-a-1147399.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 12. Mai 2017, 16:50:00
So werden rechte Co-Manager zu Millionären...


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 12. Mai 2017, 22:11:34
Das "Schwarzbuch Autolobby" von Greenpeace listet nochmal sehr schön den ganzen Filz in Einzelportraits auf: natürlich Schröder, Merkel, Dobrindt, Wissmann, aber auch die ganzen DGB/IGM-Betriebsräte auf den SPD-Hinterbänken, die von VW, Daimler und Opel bezahlt werden, und Leute, die man längst vergessen hat:
http://www.greenpeace.de/files/publications/s01841_web_greenpeace_schwarzbuch_autolobby_04_16.pdf (http://www.greenpeace.de/files/publications/s01841_web_greenpeace_schwarzbuch_autolobby_04_16.pdf)    

Derweil hat die IG Metall aus aktuellem Anlass ihre Motivkarten erweitert:

(https://abload.de/img/neumannosterlohpckhn.png) (http://abload.de/image.php?img=neumannosterlohpckhn.png)

http://www.die-ig-metall.de/ (http://www.die-ig-metall.de/)

Der deutsche Repräsentant der Employment Law Alliance, die multinationale Unternehmen berät, die ihre Geschäftstätigkeit weltweit arbeitsrechtlich absichern möchten, spricht von Rechtsunkenntnis bis Rechtsnihilismus:
(https://abload.de/img/rechtnihilismusgyymr.png) (http://abload.de/image.php?img=rechtnihilismusgyymr.png)
http://buse.de/anwaelte/dr-jan-tibor-lelley-ll-m-suffolk-university-law-school/ (http://buse.de/anwaelte/dr-jan-tibor-lelley-ll-m-suffolk-university-law-school/)


Aufschlussreiches Interview von 2007 nach dem Bestechungsskandal mit Walter Hiller, so einer Art moralischen Instanz bei VW, falls es so etwas gibt:

Zitat
11.01.2007
"Wo keine Kontrolle ist, ist der Schritt zur Korruption nur klein“

Er stand bis 1990 an der Spitze des Betriebsrates bei VW: Walter Hiller. Wir baten den früheren niedersächsischen Sozialminister zum Interview über die Bezüge von freigestellten Betriebsräten bei Deutschlands größtem Automobil-Konzern. Hiller fertigte im Anschluss an das Gespräch mit Henning Noske ein Memorandum, das wir heute und morgen komplett abdrucken. Wir werden den VW-Vorstand um eine Stellungnahme bitten und diese in der morgigen Ausgabe veröffentlichen.

Vergütung und Bonuszahlungen an Betriebsräte – aktuell

Seit 1991 bestimmt eine paritätisch besetzte Kommission die Eingruppierung von Betriebsräten. Zwei Vertreter des Unternehmens und zwei vom Gesamtbetriebsrat, der Vorsitzende und sein Stellvertreter, bilden die Kommission.

Nach meiner Überzeugung ist diese Kommissionsregelung juristisch, aber insbesondere politisch nicht in Ordnung.

Es sind insbesondere zwei kritische Punkte. Die Entscheidungen der Kommission über die Eingruppierung oder der Festlegung von Bonuszahlungen ist nicht transparent.


Nicht nur die Institution Betriebsrat, sondern auch der Vertrauenskörper der IG Metall und auch die Arbeitnehmer haben ein Recht zu erfahren, in welcher Höhe und gegebenenfalls aus welchen Gründen von der Kommission so oder wie auch immer entschieden worden ist.

Des Weiteren sind schließlich auch die Mitglieder der Kommission, die dem Betriebsrat angehören, ebenfalls entsprechend einzugruppieren und zu beurteilen.

Sie selbst können das nicht – und scheinbar lief dies nach dem Schema, wie Volkert es in der letzten Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" berichtete. Volkert ist danach vom Arbeitsdirektor angerufen und gefragt worden, ob er mit der Bonuszahlung von X Euro einverstanden sei.

Nach all dem, was bis jetzt bekannt geworden ist, sollte erneut und grundsätzlich darüber nachgedacht und diskutiert werden, wie eine Lösung des Problems aussehen könnte.

Dabei könnte ein Gedanke. wie ihn ein nicht unbedeutender Jurist bereits vor Jahren zum Ausdruck brachte, weiterhelfen. Dieser Jurist meinte im Blick auf das Volkswagenwerk, dass man doch darüber nachdenken sollte, ob man das Gesetz nicht einschränkend auslegen kann, weil die Aufgaben von Betriebsratsmitgliedern zum Teil von hoher Verantwortung geprägt seien, so dass hierfür und dem unzweifelhaften zeitlichen Aufwand auch ein höheres Entgelt angemessen erscheint.

Egal wie auch immer eine neue Regelung aussieht, sie muss transparent sein für die Belegschaft. Allein dadurch wird sichergestellt, dass Betriebsratsmitglieder nicht in den Verdacht der Vorteilnahme geraten oder gar der Korruption verdächtigt werden.

Es geht darum, nach dem Motto zu verfahren: Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser.

Und ich füge diesem hinzu: Wo keine Kontrolle ist, ist der Schritt zur Korruption nur klein und schnell gegangen.

Betriebsrat – Interessenvertretung der Arbeitnehmer

Als Organ der Betriebsverfassung wird der Betriebsrat von den Arbeitnehmern eines Betriebes als Interessenvertretung gegenüber dem Arbeitgeber gewählt.

Aktives und passives Wahlrecht haben alle Arbeitnehmer, sofern sie nicht dem Kreis der Leitenden Angestellten zugeordnet sind (§ 5.2 Betriebsverfassungsgesetz). Das Gesetz zieht hier eine klare Trennlinie zwischen den Leitenden Angestellten, die zusammen mit dem Vorstand die Interessen der Anteilseigner vertreten und den Arbeitnehmern, deren Interessen der Betriebsrat zu vertreten hat.

IG-Metall-Mitglieder des Betriebsrats sind Vertrauensleute mit besonderer Funktion

Aus gewerkschaftlicher Sicht sind die IG-Metall-Mitglieder im Betriebsrat Vertrauensleute der IG Metall. In den Augen der VW-Belegschaft gilt der Betriebsrat als oberster Repräsentant der IG Metall, wie sich dies seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt hat.

Beide Institutionen, Betriebsrat und Vertrauenskörper der IG Metall, haben deshalb eine gemeinsame Verantwortung in allen Belangen, die Interessen der Belegschaft zu vertreten. Daraus ergibt sich eine gemeinsame, aber auch gegenseitige Verantwortung für das jeweilige Handeln, indem bei schwerwiegenden Problemen und Entscheidungen die örtliche Leitung oder unter Umständen auch der Vorstand der IG Metall einzubeziehen ist.

Gegnerbezug zum Arbeitgeber

Die IG-Metall-Mitglieder des Betriebsrats als Vertrauensleute befinden sich deshalb in einem scheinbaren Spannungsfeld zwischen den nach dem Betriebsverfassungsgesetz übertragenen Aufgaben einerseits und den Zielen der IG Metall andererseits, was aber dadurch aufgehoben ist, dass der Betriebsrat als Kollektivorgan seine Beschlüsse fasst – und nur an diese ist das einzelne Mitglied gebunden.

Vor dem gesellschaftspolitischen Hintergrund von Arbeit und Kapital, wie er im Programm der IG Metall enthalten ist, ist damit ein Gegnerbezug zwischen der Institution Betriebsrat und der Gruppe der Leitenden Angestellten und natürlich auch dem Vorstand der Volkswagen AG gegeben.

Gegnerbezug und Co-Manager

Aus Sicht des seit den 70er Jahren existierenden Modells der kooperativen Konfliktbewältigung bei Volkswagen ist es aber dennoch möglich, auch bei schwierigen betrieblichen oder auch unternehmenspolitischen Problemen einen Konsens zu finden.

Dies war letztlich die Erkenntnis aus den Krisen der 70er Jahre, dass es nämlich allemal besser ist, sowohl für das Unternehmen als auch für die Belegschaft, sich gütlich zu einigen. Nun haben sich in den vergangenen Jahren die Probleme verschärft in der Auseinandersetzung von Arbeit und Kapital – und gerade deshalb ist es unter diesen gesellschaftlichen Verhältnissen und Entwicklungen wichtig, diesen Interessengegensatz in jeder Hinsicht sowohl im Verhalten als auch in der Diskussion deutlich zu machen.

Verwischt wurde dieser Gegensatz durch und unter dem Arbeitsdirektor Peter Hartz. Durch den Begriff Co-Manager versuchte er Betriebsratsmitgliedern das Gefühl und den Wert von Leitenden Angestellten zu vermitteln.

In Einzelfällen gelang dies, mit dem Ergebnis, dass diese Kollegen die Bodenhaftung verloren und sich mit Gehalts- und Bonuszahlungen bedienen ließen, wie sie sich in keiner Weise für einen Interessenvertreter der Belegschaft rechtfertigen lassen.

http://www.braunschweiger-zeitung.de/archiv/article150124627/Wo-keine-Kontrolle-ist-ist-der-Schritt-zur-Korruption-nur-klein.html (http://www.braunschweiger-zeitung.de/archiv/article150124627/Wo-keine-Kontrolle-ist-ist-der-Schritt-zur-Korruption-nur-klein.html)

Als ob Osterloh dieses Memorandum von 2007 nochmal schnell gelesen hätte: öffentlich in der Not für Transparenz gesorgt, damit kein Korruptionsverdacht aufkommt, betonen, dass man kein Co-Management betreibt, womit der Gegnerbezug gewahrt bleibt, ansonsten aber weiterhin prächtig absahnen.

"Memorandum" aus vergangenen Tagen: Volkert, die Sudholts, Hartz, Osterloh

(https://abload.de/img/volkertsudholthartzosrkb0v.png) (http://abload.de/image.php?img=volkertsudholthartzosrkb0v.png)

Das lustige an der ganzen Sache ist ja irgendwie, dass Osterloh nun als Abteilungsleiter, also als leitender Angstellter bezahlt wird, demnach also eigentlich nicht mehr Betriebsratsmitglied sein dürfte, wenn es denn nicht nur eine Phantasiekarriere wäre. Er wird bezahlt für etwas, was er nicht sein dürfte, solange er das macht, wofür er bezahlt wird. Absurd.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 15. Mai 2017, 11:58:58
Historisches aus den wilden 70ern:

1979:
Auf einem internationalen Gewerkschaftstreffen in Wolfsburg der bei Volkswagen Beschäftigten wird berichtet, dass die brasilianische Militärpolizei auch innerhalb des Werkgeländes Streikende niederknüppelte. Es war also durchaus auch in Wolfsburg bekannt, dass in Brasilien etwas nicht stimmt.
Demnächst will sich VW eigentlich dazu äußern, was es mit den Foltervorwürfen der brasilianischen Wahrheitskommission auf sich hat. Mal sehen…

Zitat
RIBEIRO ALSO REPORTED THAT THE MANAGEMENT OF VW DO BRAZIL IN SAO BERNANDO CALLED MILITARY POLICE DURING A STRIKE IN THE SECOND HALF OF MARCH. THE MILITARY POLICE OPERATED INSIDE AND OUTSIDE THE PLANT GATES. THERE WERE CLASHES BETWEEN MILITARY POLICE AND STRIKERS, AND SOME PEOPLE WERE HURT. A NUMBER OF STRIKERS WAS ARRESTED, AND A TRADE UNION FUNCTIONARY WHO WAS CHARGED WITH PARTICIPATION IN ORGANIZING THE STRIKE WAS FIRED BY MANAGEMENT IMMEDIATELY AFTER THE STRIKE, ACCORDING TO RIBEIRO'S REPORT. (…) IN THE POLITICAL SPHERE, THESE GERMAN MANAGEMENTS FREQUENTLY SHOW AN ANTI-UNION ATTITUDE. INSTEAD OF SUPPORTING THE INITIAL BEGINNINGS OF DEMOCRATIZATION IN BRAZIL OR AT LEAST ACCEPTING SUCH A DEVELOPMENT, GERMAN EMPLOYERS IN BRAZIL, ACCORDING TO RIBEIRO, WERE ATTEMPTING TO "STOP THE CLOCK". RIBEIRO COMPLAINED THAT IN ALL CASES PROFITS HAD PRIORITY OVER SOCIAL JUSTICE FOR GERMAN FIRMS OPERATING IN BRAZIL.
https://wikileaks.org/plusd/cables/1979BONN11278_e.html


1978:
In Nigeria stürmten wegen der Arbeitsbedingungen die Beschäftigten das Werk, legten Feuer, zerstörten Maschinen und vermöbelten Manager.
Zitat

VOLKSWAGEN (VW) OF NIGERIA'S LAGOS AUTOMOBILE ASSEMBLY PLANT HAS BEEN SHUT DOWN INDEFINITELY IN THE AFTERMATH OF A RIOT WHICH EXTENSIVELY DAMAGED PLANT PROPERTY AND INJURED SEVERAL MANAGERS INCLUDING SOME GERMANS. THE RAMPAGE BY DISSATISFIED WORKERS FOLLOWS A LONG PERIOD OF LABOR UNREST INCLUDING CONFLICTS OVER WORK RULES AND CONDITIONS WHICH CULMINATED IN THE RECENT FIRING OF UNION PRESIDENT ALIU AKINWUNMI.
https://wikileaks.org/plusd/cables/1978LAGOS11114_d.html

1975:
Als Reaktion auf die Absatzkrise hatte der damalige Vorstandsvorsitzende Toni Schmücker 25.000 Stellen gestrichen. In einem vertraulichen Gespräch, bei dem es haupsächlich um Investitionen in den USA geht, deutet er an, dass er mehr Leute entlassen hat als notwendig, um dann bei Neueinstellungen umso glänzender als Krisenmanager dazustehen. Wäre mal interessant, welche Überlegungen dieser Matthias Müller heutzutage hat, wenn er 30.000 Stellen streicht.

Zitat
BY IMPLICATION, HE ALSO SEEMED TO BE SAYING AT ONE POINT THAT HE HAD ACTUALLY RELEASED MORE WORKERS THAN WAS NECESSARY, AND THE REHIRING, WHICH HE EXPECTS TO BEGIN NEXT YEAR, HAD BEEN PART OF HIS PLAN ALL ALONG. THIS WOULD ALLOW HIM TO CLAIM, AFTER ONLY A YEUR ON THE JOB, THAT HE HAD SUCCESSFULLY TURNED VW'S FORTUNES AROUND.
https://wikileaks.org/plusd/cables/1975STATE243441_b.html


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 20. Mai 2017, 09:25:31
Volkswagen gönnt sich nun doch einen neuen Chefhistoriker. Nachdem der alte gegangen war, weil er zu sehr Spezialist für Zwangsarbeit bei VW war, kommt jetzt ein Technologiehistoriker. Das ganze wird als Neuausrichtung der "historischen Kommunikation" verkauft, also lieber den Schwerpunkt auf die Geschichte des Scheibenwischers oder Kolbendingsbums legen als die ganzen üblen Verstrickungen aufzuarbeiten. Als ob es für Technikgeschichte nicht schon genug Fraggels gäbe. Das alles kann man natürlich so machen, der angebliche Aufklärungswille wirkt dadurch aber weiterhin wenig glaubhaft.

http://www.wiwo.de/unternehmen/auto/volkswagen-neuer-chefhistoriker-kommt-von-porsche/19828472.html (http://www.wiwo.de/unternehmen/auto/volkswagen-neuer-chefhistoriker-kommt-von-porsche/19828472.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 28. Mai 2017, 16:35:23
In den Braunschweiger/Wolfsburger Nachrichten wird neuerdings verstärkt über die mangelnde historische Aufarbeitung bei Volkswagen berichtet. Das ist fast schon erfrischend. Die Formulierung "Mut zur historischen Lücke" trifft es ganz gut.

Aus der Welt hinter der Bezahlschranke:

Zitat
(...)
Volkswagen plagt sich hingegen weiterhin mit der eigenen Geschichte herum und beschreitet am Ende mal wieder den Weg des geringsten Widerstandes. Die Gründung der „Gezuvor“ jährt sich morgen zum 80. Mal. In Berlin wurden am 28. Mai 1937 die rechtlichen Voraussetzungen für den Bau des Volkswagens unter dem Dach der Deutschen Arbeitsfront (DAF) der Nationalsozialisten geschaffen (WN vom 26. Mai). Zwar wurde die gigantische Autofabrik am Mittellandkanal tatsächlich rasch gebaut. Autos, die viele Kunden bereits mit Anzahlungen vorbestellt hatten, wurden dort aber in den nächsten Jahren nicht in nennenswerter Zahl gebaut. Stattdessen liefen Kübel- und Schwimmwagen für die Wehrmacht von den Bändern sowie anderes Kriegsgerät. Und Geschäftsführer Ferdinand Porsche machte seinen Einfluss ab 1942 massiv geltend, damit die SS gegen Ende des Krieges auch KZ-Insassen für die Produktion von Kriegswaffen abstellte.

VW gelingt es in der offiziellen Pressemitteilung zum Gezuvor-Geburtstag, diese dunkle Phase pauschal abzuhandeln, um dafür umso enthusiastischer in die Produkt- und Erfolgsgeschichte des von den Briten nach dem Krieg privatisierten Unternehmens einzusteigen. „Aus einem Unternehmen, dessen Geschichte mit der Produktion des Käfers begann, entwickelte sich über die acht Jahrzehnte ein Global Player mit zwölf Marken, 120 Produktionsstandorten auf vier Kontinenten, mehr als 620 000 Mitarbeitern und mehr als 10 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen pro Jahr“, heißt es einleitend. So kann man das natürlich auch verkaufen. Aber ist das auch redlich?

Erklärt die Vergangenheit die Skandale von heute?

Im Endeffekt führt dieses Verhalten übrigens auch nur dazu, dass sich gerade ausländische Journalisten besonders für die Historie des erfolgreichen Autobauers interessieren. Jack Ewing, VW-Experte der New York Times, macht in seinem gerade erschienenen Buch „Wachstum um jeden Preis“ sogar die frühe Geschichte von Volkswagen mitverantwortlich für die Skandale der Gegenwart. Stichwort: Unternehmenskultur. Der Mut zur historischen Lücke fällt also im Zweifelsfalle nur Volkswagen selbst wieder bleischwer auf die Füße.

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article210704617/Wenn-das-Sponsoring-zur-Glaubensfrage-wird.html (http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article210704617/Wenn-das-Sponsoring-zur-Glaubensfrage-wird.html)





Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 09. Juni 2017, 11:49:39
Volkswagen löst das Problem mit den aufbegehrenden Leiharbeitern in Changchun/China mal wieder auf die traditionelle Art und Weise: Aktivisten werden von der Polizei verhaftet.

http://www.labournet.de/?p=117278 (http://www.labournet.de/?p=117278)
http://www.clb.org.hk/content/volkswagen-worker-representatives-arrested-changchun-plant (http://www.clb.org.hk/content/volkswagen-worker-representatives-arrested-changchun-plant)

Aus einer Rede „25 Jahre FAW-Volkswagen-Audi“ von Rupert Stadler (Verbrecher) von 2013:
Zitat
(…)
Wir sind drei starke Partner, die gemeinsam ihren Weg gehen.
(…)
Mit dieser Kooperation haben wir vieles gewagt und alles gewonnen!
(…)
Dem unternehmerischen Weitblick der Entscheider von damals ist es zu verdanken, dass wir heute hier stehen. In einem Land, das zu einer zweiten Heimat für uns geworden ist.
(…)

https://www.audi-mediacenter.com/de/publikationen/reden/rede-25-jahre-faw-volkswagen-audi-31 (https://www.audi-mediacenter.com/de/publikationen/reden/rede-25-jahre-faw-volkswagen-audi-31)

Unternehmerischer Weitblick 1984:

(https://abload.de/img/kohlhahnchinaxkjk9.png) (http://abload.de/image.php?img=kohlhahnchinaxkjk9.png)

Vollstrecker des Leihsklaventums bei der Arbeit (halbwegs nüchtern):

(https://abload.de/img/schroederchinadck0z.png) (http://abload.de/image.php?img=schroederchinadck0z.png)

Chinesin erzählt wohl einen guten Witz:

(https://abload.de/img/merkelchinahkjlh.png) (http://abload.de/image.php?img=merkelchinahkjlh.png)

IG Metall erklärt sich mit den chinesischen Leiharbeitern solidarisch:

(https://abload.de/img/igmsolidarischmvjtz.png) (http://abload.de/image.php?img=igmsolidarischmvjtz.png)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 09. Juni 2017, 14:25:17
Aus China kam dazu gerade die Bitte um Solidaritätsbotschaften und unterstützende Aktionen aus/in Deutschland.

Bitte per p.n. an mich. Ich leite es weiter.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 22. Juni 2017, 18:01:36
Zitat
VW: Streik in der Slowakei - Böses Erwachen im Autoparadies

Tausende Volkswagen-Mitarbeiter in der Slowakei streiken für höhere Löhne. Der linkspopulistische Premier unterstützt sie dabei. Doch der Arbeitskampf bringt den für die Autobauer so attraktiven Standort in Gefahr...


Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/vw-streik-in-der-slowakei-boeses-erwachen-im-autoparadies/19962190.html (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/vw-streik-in-der-slowakei-boeses-erwachen-im-autoparadies/19962190.html)

Die Arbeiter fordern 16% mehr Lohn auf zwei Jahre.

Was mich an der Berichterstattung ärgert, ist das ewige Argument der "Standortgefährdung". Damit werden nämlich die Belegschaften gegeneinander ausgespielt und letztlich erpresst. Nötig ist die konzernweite Solidarität mit dem Streik - über alle Standorte und Ländergrenzen hinweg.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 22. Juni 2017, 21:01:30
(https://m.smedata.sk/api-media/media/image/sme/7/25/2595577/2595577_1200x.jpeg?rev=3)

Summertime...

(https://m.smedata.sk/api-media/media/image/sme/5/25/2594685/2594685_625x.jpeg?rev=3)

...and the livin' is easy...


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 27. Juni 2017, 20:11:23
(https://abload.de/img/solidaimlerqruao.jpg) (http://abload.de/image.php?img=solidaimlerqruao.jpg)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 28. Juni 2017, 12:29:17
(https://abload.de/img/leihkeule_soliyez9e.jpg)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 06. Juli 2017, 20:38:24
(https://abload.de/img/igl_soli_rlsuf.jpg) (http://abload.de/image.php?img=igl_soli_rlsuf.jpg)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 09. Juli 2017, 19:40:10
(https://abload.de/img/img_4037wso3s.jpg) (http://abload.de/image.php?img=img_4037wso3s.jpg)

(https://abload.de/img/fullsizerender4lq82.jpg) (http://abload.de/image.php?img=fullsizerender4lq82.jpg)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 10. Juli 2017, 13:20:14
Die Infos werden weiterverbreitet:
http://www.labournet.de/?p=118630 (http://www.labournet.de/?p=118630)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 14. Juli 2017, 12:41:59
(http://static2.fr.de/storage/image/4/4/6/6/976644_608x342_1pqanO_fhCKR6.jpg)
Volkswagen wird ab 2019 Generalsponsor des DFB.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rudolf Rocker am 23. Juli 2017, 18:40:38
Zitat
Komplizen? VW und Brasiliens Militärdiktatur
http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Komplizen-VW-und-Brasiliens-Militaerdiktatur,vwdobrasil102.html#page=0&anim=slide (http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Komplizen-VW-und-Brasiliens-Militaerdiktatur,vwdobrasil102.html#page=0&anim=slide)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 24. Juli 2017, 09:59:49
Die gleiche Geschichte in einem anderen Bericht:

Zitat
Wie VW mit Brasiliens Junta kooperierte

Die brasilianische VW-Tochter hat der früheren Militärdiktatur im Land offenbar dabei geholfen, Regimegegner zu verfolgen. Nach Recherchen von NDR, SWR und SZ bespitzelte der VW-Werkschutz die Arbeiter des Konzerns - und lieferte offenbar mehrere der Folterhaft aus.


Verfolgung, Folter, willkürliche Tötungen - mit diesen Methoden bekämpfte die rechtsgerichtete Militärdiktatur in Brasilien von 1964 bis 1985 die politische Opposition. Volkswagen do Brasil, ein Tochterunternehmen des Wolfsburger Autokonzerns, hat damals diese Verfolgung von Regimegegnern offenbar aktiv unterstützt. Zu diesem Ergebnis kommen Recherchen von NDR, SWR und "Süddeutscher Zeitung".

Wie aktiv die Rolle von VW do Brasil war, ergab eine Auswertung umfangreicher Unterlagen: interne VW-Unternehmenspapiere aus Deutschland und Brasilien, als geheim eingestufte Dokumente der brasilianischen Politischen Polizei aus der Diktaturzeit und vertrauliche Berichte des Auswärtigen Amtes. Zudem konnten die Reporter Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft in São Paulo einsehen. Die dortige Justiz ermittelt seit fast zwei Jahren, welche Verantwortung Volkswagen für Menschenrechtsverletzungen zur Zeit der Militärdiktatur trägt.

Zum einen soll VW eine Mitverantwortung für politische Verhaftungen innerhalb des Werksgeländes tragen und damit die eigenen Angestellten der Folter ausgeliefert haben. Die Reporter sprachen auch mit ehemaligen VW-Mitarbeitern. Mehrere von ihnen bestätigten, dass sie im Sommer 1972 am Arbeitsplatz verhaftet wurden. Sie gehörten einer oppositionellen Gruppe an, die innerhalb des Werkgeländes Flugblätter für die kommunistische Partei verteilte und Gewerkschaftstreffen organisierte.

([url]http://www.tagesschau.de/ausland/weltatlas/sued_amerika/vwdobrasil-131~_v-videowebl.jpg[/url])
Wachleute von VW do Brasil in den 1960er Jahren vor dem VW-Hauptwerk bei São Paulo.

Der Folter ausgeliefert

Der ehemalige VW-Mitarbeiter Lúcio Bellentani schildert, wie der VW-Werkschutz die Politische Polizei auf das Firmengelände ließ, dort Misshandlungen ermöglichte und beobachtete. "VW hat mir zwei Jahre meines Lebens gestohlen", sagt der heute 72-Jährige, der nach seiner Verhaftung acht Monate in Folterhaft und rund 16 weitere Monate im Gefängnis verbrachte. "Indirekt war VW verantwortlich für zahlreiche Fälle von Folter und Verfolgung. Volkswagen soll die Würde haben, seine Verantwortung für diese Taten anzuerkennen."

([url]http://www.tagesschau.de/ausland/weltatlas/sued_amerika/vwdobrasil-119~_v-teaserM.jpg[/url])
Der VW-Werkzeugmacher Lúcio Bellentani im Juli 1964 als Häftling im Folterzentrum der Politischen Polizei.

Als Lúcio Bellentani an seinem VW-Arbeitsplatz bei São Paulo verhaftet wurde, schauten die Wachleute nur zu, sagt er. Danach erlebte er zwei Jahre Folter und Haft.

Außerdem ging die Rolle von Volkswagen weit darüber hinaus, Anfragen von Militärs zu beantworten und sie auf dem Firmengelände gewähren zu lassen. Der Konzern richtete eine Abteilung ein, die sich wohl immer mehr in eine Art werkseigenen Geheimdienst verwandelte. Dieser schon vor der Diktaturzeit gegründete Werkschutz wurde von Beginn an von ehemaligen Offizieren der brasilianischen Armee geleitet.
VW-Wachleute als eine Art Geheimdienst

Ein Teil der Abteilung, die sich auch um die Sicherung des Werksgeländes kümmerte, bespitzelte offenbar die eigenen Mitarbeiter, spähte ihre politische Haltung aus und dokumentierte dies in zahlreichen sogenannten Vorkommnisberichten - Berichte, die schließlich stapelweise in den Akten der Politischen Polizei landeten.

Volkswagen will sich bislang nicht inhaltlich zu den Vorwürfen äußern und verweist auf ein Gutachten, das der Konzern bei dem Historiker Christopher Kopper von der Universität Bielefeld in Auftrag gegeben hat. Dieser habe bis Ende des Jahres Zeit, seine Ergebnisse vorzulegen, sagte Konzernsprecher Hans-Gerd Bode: "Aus heutiger Sicht müssen wir da einfach noch ein bisschen abwarten, wir sollten da jetzt auch keine schnellen Schlüsse und Entscheidungen treffen."
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/vw-menschenrechte-101.html (http://www.tagesschau.de/wirtschaft/vw-menschenrechte-101.html)



Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 24. Juli 2017, 10:49:28
„Komplizen? – VW und die brasilianische Militärdiktatur“: Das Erste, Montag, 24. Juli, 23.25 Uhr
Zitat
Das Wegducken bei der Aufarbeitung steht dem Autobauer nicht gut zu Gesicht. Erschreckend ignorant sind die Reaktionen von Carl Hahn, dem langjährigen Vorstandschef des Konzerns.

Die Dokumentation ist stark recherchiert und schaut aus vielen Blickwinkeln auf einen Skandal, den Volkswagen versucht, kleinzureden.

https://www.noz.de/deutschland-welt/medien/artikel/926659/skandal-das-erste-zeigt-dunkles-vw-kapitel-in-brasilien (https://www.noz.de/deutschland-welt/medien/artikel/926659/skandal-das-erste-zeigt-dunkles-vw-kapitel-in-brasilien)

Der durchgeknallte Carl Hahn im Wortlaut:

"Mich hat das nicht beunruhigt damals. Ich erinnere nicht, dass wir nun mit Tränen den Weggang und die Wegspülung der Demokratie etwa beweint hätten."

"Wir haben versucht, Automobile zu bauen und unabhängig von der Regierung, die in einem Lande herrscht. Das überlassen wir den Eingeborenen, den Menschen dieser Länder."


Also uns hat auch nicht gestört, was natürlich die heutigen Heiligen, die wir in Deutschland alle versammelt haben, stört, dass da eine Militärregierung war, denn es hätte uns auch in Libyen nicht gestört, dass wir da ein Diktator hatten und dem dann die Demokratie gepredigt, wie wir das ja mit großem Erfolg gerade erleben, wie man das schön machen kann.

Wir haben eben Arbeitsbedingungen gehabt, dass die Menschen bei uns Schlange standen. Denn Sie müssen sich vorstellen, wo die Menschen herkamen. Aus dem Urwald.

So ähnlich hatte es sein Ziehvater Nordhoff auch schon formuliert.

Paternalistisch oder Sozialethik, das können Sie erzählen, wie Sie wollen. Denn das Ergebnis und die Denkweise sind identisch. Man bezeichnet es unterschiedlich. Ich glaube, sie entspricht deutschem Unternehmertum. Schauen Sie, die Krupps im vorvorigen Jahrhundert hatten ja auch schon ihre Sozialkassen und all diese Dinge.

Wenn Sie sich vorstellen, in welchen Hotten-Totten-Ländern wir überall heute Prosperität gebracht hätten, nicht, wir sind heute der größte Arbeitgeber in Polen, in Tschechien, in Slowakei, in Ungarn, wir sind der größte Steuerzahler. Wir sind der größte Exporteur. Wir haben Zentraleuropa mehr entwickelt mit unseren Investitionen als jeder staatliche oder multistaatliche Investor. Darüber redet aber kein Mensch.

http://www.ndr.de/info/sendungen/das_forum/Das-Forum,sendung655646.html# (http://www.ndr.de/info/sendungen/das_forum/Das-Forum,sendung655646.html#)
http://www.deutschlandfunk.de/vw-in-brasilien-williger-komplize-der-militaerdiktatur.1773.de.html?dram:article_id=391812 (http://www.deutschlandfunk.de/vw-in-brasilien-williger-komplize-der-militaerdiktatur.1773.de.html?dram:article_id=391812)

1987 wird in Wolfsburg der Erfolg von Volkswagen gefeiert,...

(https://abload.de/img/vwhahnhillercfsdc.png) (http://abload.de/image.php?img=vwhahnhillercfsdc.png)

..., der auf Zwangsarbeit, Folter, Herrenmenschentum, Filz, Korruption und Lügen beruht, dass einem die Kotze kalt den Rücken runterläuft.

(Dieses Bild scheint kein Zufall zu sein. Der damalige Betriebsratsvorsitzende und IG-Metaller Walter Hiller hält sich an dem langen Arm fest, der ihm von Carl Hahn gnädigst entgegengestreckt wird. Dieser würdigt den Arbeitervertreter keines Blickes und bleibt lieber unter Seinesgleichen, von denen einer den Hiller sogar auszulachen scheint. Insgesamt eine schöne Inszenierung des flotten Kunstliebhabers und verbalen Haudraufs Carl Hahn Junior.)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 27. Juli 2017, 20:29:02
Es war absolut überraschend und positiv, dass sich der NDR fast eine Woche mit diesem Thema auseinandergesetzt hat. Sowohl die Doku als auch das vierteilige Radiofeature hatten es in sich. Es wurden Beweise für die Verstrickung von VW in Diktatur und Folter geliefert und andere Indizien so weit verdichtet, dass sich Volkswagen nun nicht mehr herausreden kann. Das größte Verdienst liegt meiner Meinung nach aber darin, dass es den Journalisten gelungen ist, im Interview mit Carl Hahn ein Weltbild herauszukitzeln, das man nur noch als feudalfaschistisch bezeichnen kann. Es ist eben dieser aus der katholischen Sozialethik stammende Gnadenakt den Arbeitern gegenüber, der das Getriebe am Laufen hält. In dieser anmaßenden Tradition steht VW, und wenn heutige Manager vielleicht etwas smarter rüberkommen, denken sie jedoch genauso.

Man hätte noch viele Punkte genauer ansprechen können, wie zum Beispiel die Rolle der Regierung während der 70er (Atomdeals mit Brasilien) oder die Ursprünge der Industrialisierung in Brasilien und deren Hintergründe, aber das kann ja noch werden. Das Ganze bietet jede Menge Hinweise und Anknüpfungspunkte für weitere Recherchen.

In den 80ern wurden französische Zwangsarbeiter auf Privatinitiative nach Wolfsburg eingeladen. Wenn Volkswagen jetzt ein wenig souveräner wäre, sollte das "Werk" nun selber auf die brasilianischen Folteropfer zugehen. Das bezweifle ich allerdings stark, denn bei allem Bemühen darum, es im Rahmen einer historischen Kommunikation und Verantwortung abzuarbeiten, ist es schlicht und einfach so, dass es eben nicht nur Geschichte ist, sondern eine Art Blaupause für die Gesamtstrategie des Konzerns. Davon zeugen nicht nur die widerlichen Aussagen von Carl Hahn, sondern auch die aktuellen Inhaftierungen von chinesischen Leiharbeitern bei FAW/Volkswagen. Es ist eben nicht nur Geschichte, es ist Geschichte, die sich ständig wiederholt.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 06. August 2017, 08:50:54
Zitat
VW-Lobbyisten sollen Rede von Weil umgeschrieben haben

Einem Medienbericht zufolge soll Niedersachsens Ministerpräsident dem Autokonzern eine Regierungserklärung zum Diesel-Skandal vorab zur Prüfung vorgelegt haben.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vw-affaere-vw-lobbyisten-sollen-rede-von-weil-umgeschrieben-haben-1.3617824 (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vw-affaere-vw-lobbyisten-sollen-rede-von-weil-umgeschrieben-haben-1.3617824)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rudolf Rocker am 06. August 2017, 21:05:27
Die niedersächsische Landesregierung kann doch kaum noch laufen, soviel Scheiße haben die am Stecken! >:(


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 06. August 2017, 21:26:43
Hier gibt es nun die Rede mit den Änderungen und Änderungsvorschlägen von VW:
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/dieselaffaere112.pdf (https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/dieselaffaere112.pdf)

Nichts besonderes. Interessant:
Der Aufbau des VW-Werkes in Wolfsburg erfolgte aus dem von den Nationalsozialisten beschlagnahmten Gewerkschaftsvermögen.

Da wollte VW ein "auch" reinhaben.

Das Skandälchen besteht wohl eher darin, dass es in der Landesregierung keine guten Redenschreiber gibt. Als Anteilseigner muss man sich dann halt an VW wenden. Der Niedersachse an sich soll einfach mal weniger Bregenwurst rauchen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 09. August 2017, 20:00:09
Damit konnte wirklich niemand rechnen:
Zitat
9.8.17
VW sprach sich auch mit CDU und FDP ab

Der Konzern versorgte nicht nur Rot/Grün mit „Formulierungshilfen“, sondern auch die Vorgängerregierung von CDU und FDP. Es gab sogar „Kommunikationsrichtlinien“ für Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister. Mit dem Land wurden „Steilpässe“ verabredet.

Im Streit um eine zu große Nähe der rot-grünen Landesregierung unter Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zum VW-Konzern rückt jetzt auch die schwarz-gelbe Vorgängerregierung in den Fokus. Nach zahlreichen Unterlagen, die der NWZ vorliegen, ließ sich VW von den Aufsichtsräten des Landes, Ministerpräsident David McAllister (CDU) und Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP), nicht nur Pressemitteilungen vorlegen, sondern gab der Landesregierung auch im Jahr 2010 „Kommunikationsrichtlinien“ vor im Zusammenhang mit Porsche-Problemen.

Der Blick in die Archive der Staatskanzlei belegt, dass die Vorgaben aus Wolfsburg sogar oft kleinste Details umfasste. So wurden Ministerpräsident McAllister beispielsweise im Februar 2011 „generelle Statements als Antwort auf mögliche Fragen zum VW-Konzern übermittelt“. Wenige Monate später lautet eine Anweisung der Pressestelle der Staatskanzlei: „Wichtig ist in der Tat, dass sich Winterkorn (damals VW-Vorstandschef) und Osterloh (Gesamtbetriebsratsvorsitzender) und MP (Ministerpräsident) verabreden, sich gegenseitig mit „Steilpässen“ zu bedienen“. Man spielte die politischen Bälle zwischen Wolfsburg und Hannover hin und her.

Und zum Thema „Suzuki“ informiert das Fachreferat der Staatskanzlei die Pressestelle: „Ich melde mich, wenn ich das Wording habe“. Im Klartext: die von VW vorgegebene Sprachregelung. McAllister und Bode lassen vor einer Aufsichtsratssitzung im September 2011 eine Pressemitteilung der Landesregierung von VW korrigierend gegenlesen – „mit der Bitte um Anmerkungen“. Auch vor einer Erklärung des Ministerpräsidenten bitte die Landesregierung Volkswagen, sich den Text anzuschauen. Im November 2012 soll VW einen „Sprechzettel für den MP“ kontrollieren.

Wirtschaftsminister Bode lässt sich vor einem Interview mit dem ZDF-Magazin „Zoom“ im Januar 2013 zu Steuerfragen zur „Vorbereitung Informationen aus Sicht von Volkswagen“ schicken. Er hält ein „Kernbotschaften-Papier“. Ex-Minister Bode sieht darin kein Problem. „Eine Abstimmung mit VW habe ich nie kritisiert. Das ist die Pflicht eines Aufsichtsrates“.

Unterlagen aus der Wulff-Ära finden sich nicht mehr in der Staatskanzlei. Sie wurden „nicht archiviert“, bedauert die Staatskanzlei auf eine Nachfrage der NWZ.

https://www.nwzonline.de/wirtschaft/hannover-wolfsburg-landesregierung-in-niedersachsen-vw-sprach-sich-auch-mit-cdu-und-fdp-ab_a_32,0,1851667053.html (https://www.nwzonline.de/wirtschaft/hannover-wolfsburg-landesregierung-in-niedersachsen-vw-sprach-sich-auch-mit-cdu-und-fdp-ab_a_32,0,1851667053.html)

Auch BR hat recherchiert:
Zitat
(...)"Volkswagen wäre dem Land Niedersachsen sehr dankbar, wenn es unsere Position gegenüber der Bundesregierung und den EU-Institutionen vertreten könnte. Ich bedanke mich sehr für die Unterstützung und die ausgezeichnete Kooperation."(...)

http://www.br.de/nachrichten/niedersachsen-vw-schwarz-gelb-100.html (http://www.br.de/nachrichten/niedersachsen-vw-schwarz-gelb-100.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Troll am 10. August 2017, 09:06:51
Das Gute im Schlechten, es zeigt die Erbärmlichkeit unserer Politiker, im großen und ganzen eine unnütze Staffage, aus Bevölkerungssicht, nicht mal als Pressesprecher für Unternehmen taugen sie, ohne professionelle Redenschreiber wäre der Bundestag ein Kasperletheater.



Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 10. August 2017, 10:20:10
Das zeigt doch, dass die niedersächsische Landesregierung sich vollständig VW unterordnet - egal welche Parteien regieren.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rudolf Rocker am 10. August 2017, 11:10:09
Zitat
Das zeigt doch, dass die niedersächsische Landesregierung sich vollständig VW unterordnet
Nicht nur die, sondern auch die komplette Opposition! Sogar die DKP steckt einen halben Kilometer tief im VW- Arsch!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 11. August 2017, 04:57:50
Bei der DKP wundert mich langsam gar nichts mehr.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rudolf Rocker am 12. August 2017, 08:57:15
Zitat
VW in Brasilien: Eine Chronik der Schande

Jetzt gibt es eine ausführliche Doku dazu (weiter unten im Bericht, 45 min.)
http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/VW-in-Brasilien-Eine-Chronik-der-Schande,vwkommentar104.html (http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/VW-in-Brasilien-Eine-Chronik-der-Schande,vwkommentar104.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 18. August 2017, 15:55:18
Es ist bereits bekannt, daß Leiharbeitern im FAW-Volkswagenwerk in Changchun nicht einmal eine den chinesischen Gesetzen entsprechende Bezahlung und behandlung erfuhren. Als die Leiharbeiter mit Protestaktionen ihre Rechte einforderten, reagierte die Polizei mit Verhaftungen. Einer der Sprecher der Leiharbeiter befindet sich noch immer in Haft.

Die Leiharbeiter erhofften sich Unterstützung aus Deutschland. Sie schickten einen Offenen Brief an den Konzern, an den Betriebsrat von VW in Wolfsburg und an den Eurobetriebsrat von VW.

Als der Brief unbeantwortet blieb, wandte ich mich an die Tageszeitungen in Wolfsburg, um so VW Beschäftigte in der Stadt zu erreichen. Aber die Macht des Konzerns scheint bis in der Redaktionsstuben der Lokapresse zu reichen. Man zeigte keinerlei Interesse an der Thematik.

Es haben inzwischen Betriebsräte der SPIE GmbH, Sulzer GmbH, Humbold Wedag GmbH und KHD Humbold Wedag AG den IGM Vorstand in Frankfurt informiert und einen Brief an das VW Management in Changchun gesandt. Es bleibt abzuwarten, ob die IGM aus ihrer Totenstarre erwacht und ihre Stimme erhebt für die Rechte der Leiharbeiter bei der chinesischen Niederlassung des großen deutschen Autokonzerns.

Da sich bisher aber noch nichts erkennbares bewegt hat, haben die Leiharbeiter mit einem weiteren offenen Brief nachgelegt:

http://www.labournet.de/?p=120251 (http://www.labournet.de/?p=120251)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: dagobert am 18. August 2017, 17:05:53
Es bleibt abzuwarten, ob die IGM aus ihrer Totenstarre erwacht und ihre Stimme erhebt für die Rechte der Leiharbeiter bei der chinesischen Niederlassung des großen deutschen Autokonzerns.
Würde ich nicht mit rechnen.
Auch hier in Deutschland gelten Leiharbeiter den Gewerkschaften nur als Verfügungsmasse zur Sicherung der Stammarbeitsplätze. Mehr Bedeutung haben auch LAN im Ausland für die DGB-Gewerkschaften nicht.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 18. August 2017, 18:56:30
Immerhin hat der „Weltbetriebsrat“ des VW-Konzerns eine „Charta der Arbeitsbeziehungen im Volkswagen-Konzern“ abgeschlossen, die die momentanen Bedingungen unmöglich machen sollte. Es scheint, die Einhaltung dieser Charta wird von der Gewerkschaft nicht eingefordert. Papier ist geduldig.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: dagobert am 19. August 2017, 17:51:49
Diese Vereinbarungen sind als Gewissens-Beruhigungspille für die Kollegen gedacht, mehr nicht.
Papier ist geduldig.
Eben.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 02. September 2017, 15:29:06
Arbeitsbeschaffung bei VW 1976/77:

Zitat
3000 Neueinstellungen bei VW in diesem Jahr. Die bürgerliche Presse feiert es als „Soziale Großtat“. Was die VW-Kapitalisten wirklich vorhaben, sieht man am Bericht eines Arbeiters.

Dezember 1976, Brief vom Arbeitsamt:“ Sie haben sich am … um 9 Uhr auf dem Arbeitsamt zu melden.“
Drei Tage später auf dem Arbeitsamt. 10 Arbeiter vor mir. Einer nach dem anderen kommt aus dem Zimmer und flucht:“ Wolfsburg, die spinnen wohl.“ … „Die können mich mal!“ usw.
Im Zimmer:“ Ja, Herr …, Sie wollen doch sicher arbeiten, erzählen Sie mal, was können Sie denn so? Wozu haben Sie denn Lust?“ - „Bisher war ich in der Metallverarbeitung“. - „Na sehen Sie, da haben wir doch was. Es dreht sich konkret um VW in Wolfsburg.“ - „Haben Sie nicht was in Göttingen?“ - „Nein, VW ist das einzige, was wir haben. Sie kriegen aber sehr großzügige Hilfen von uns, wenn Sie nach Wolfsburg umziehen. 500 DM Mobilitätszulage und 4000 DM Einrichtungsbeihilfe.“
Anfang Januar 1977. Brief vom Arbeitsamt. „Sie haben sich am Montag, … um 7:45 Uhr zur Abfahrt nach Wolfsburg zu melden.“
Montag, 7:45 Uhr. Ein Bus, vollgepfropft mit 50 Arbeitern. Kaum einer älter als 25 bis 30, alle ungelernt, alle mindestens ein halbes Jahr arbeitslos, viele schon länger.
Abfahrt nach Wolfsburg zur betriebsärztlichen Untersuchung, zur Werks- und Wohnheimbesichtigung. Aus der „Begrüßungsrede“ des Typs vom Arbeitsamt: „… es ist doch großzügig und fair von ihren Arbeitgebern, daß sie in einer ausführlichen Betriebsbesichtigung sich ihren Arbeitsplatz ansehen können, ob er ihnen zusagt … Sie wissen ja, wenn die diesen Arbeitsplatz ablehnen, wird ihnen das Arbeitslosengeld für vier Wochen oder sogar ganz gestrichen, wenn sie schon mal eine Arbeit abgelehnt haben.“
10 Uhr. Ankunft in Wolfsburg. Nach einer Stunde Wartezeit beginnt dann die Führung. Gruppenweise werden wir gewogen, gemessen, geröntgt, usw. Gegen 17 Uhr, sieben Stunden nach der Ankunft in Wolfsburg, ist die Musterung beendet. 40 von den 50 Arbeitern sind als tauglich für die Ausbeutung befunden.
Anschließend „Werksbesichtigung“. Eine viertel Stunde, einmal am Band rauf und wieder runter. Zuletzt Besichtigung des Wohnheims. Ein Hochhaus, fast noch auf Werksgelände, pro Etage vier oder fünf Wohnungen. Pro Wohnung vier Zimmer. Einrichtung: ein Bett, ein Spind, zwei Betten, zwei Spinde, drei Betten, drei Spinde, vier Betten, vier Spinde. Miete fürs Einzelzimmer 155 DM, Vierbettzimmer sind 60 DM pro Mann, Gesamtmiete pro Wohnung 850 DM.
Zwei Waschbecken für zehn Leute, Duschen pro Etage für 40 bis 50 Arbeiter, geöffnet von 11 bis 21 Uhr. Nach 22 Uhr absolutes Frauenverbot.
Die Kapitalisten streben nach Höchstprofit. Dafür brauchen sie Arbeiter, die sich bis zum letzten ausbeuten lassen, also eine Anweisung an die Arbeitsämter raus: „ Wir brauchen 3000 Leute, jung müssen sie sein, gesund müssen sie sein, und ungelernt müssen sie sein!“ VW ruft, und die Arbeitsämter springen. Die Kapitalisten bestimmen und der Staat führt es aus.

http://www.mao-projekt.de/BRD/NS/BRS/Wolfsburg.shtml (http://www.mao-projekt.de/BRD/NS/BRS/Wolfsburg.shtml)
http://mao-archiv.de/Scans/BRD/NS/BRS/BS/Sonstige/SONS_KJB005.jpg (http://mao-archiv.de/Scans/BRD/NS/BRS/BS/Sonstige/SONS_KJB005.jpg)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 20. September 2017, 22:40:46
Zitat
20.9.17
Chemnitz ehrt den Vater von Carl Hahn

Wolfsburg/Chemnitz  Vorausgegangen ist eine Debatte um seine Rolle im Dritten Reich.

Trotz vorausgegangener öffentlicher Kontroverse um die Rolle des Managements der Auto-Union während des Dritten Reiches hat die Stadt Chemnitz auf Initiative des örtlichen Rotary Clubs den ehemaligen Spitzenmanager Carl Hahn senior (1894 bis 1961) öffentlich geehrt. Der Vater des späteren VW-Chefs Carl H. Hahn junior erhielt eine „Denk-Mal-Platte“, mit der die sächsische Stadt bekannte und verdiente Männer und Frauen der Stadt ehrt.

Die historische Aufarbeitung und Bewertung der Verstrickung des Managements in die Rüstungsproduktion des nationalsozialistischen Regimes inklusive der Ausbeutung von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen hatte im Vorjahr zu einem Streit geführt, in dessen Verlauf sich die Wege von Volkswagen und Chefhistoriker Manfred Grieger trennten. Grieger hatte die von der Audi AG angeregte und geförderte Untersuchung der Historiker Martin Kukowski und Rudolf Boch („Kriegswirtschaft und Arbeitseinsatz bei der Auto Union AG Chemnitz im Zweiten Weltkrieg“) in einem Aufsatz kritisch rezensiert. Die Rolle der beiden Manager Richard Bruhn und Carl Hahn senior im Gefüge des nationalsozialistischen Kriegswirtschaftssystems sei darin heruntergespielt worden.

Während Hahn senior nun geehrt wurde, entschied sich die Stadt Ingolstadt im Vorjahr nach langer Diskussion, die Richard-Bruhn-Straße umzubenennen. Michael Wagner, Vorsitzender der Chemnitzer Rotarier, sagte laut der Tageszeitung „Freie Presse“ vor 100 Ehrengästen, es gebe „keinen Grund, Carl Hahn nicht zu ehren“. Er habe durch sein unternehmerisches Wirken viele Arbeitsplätze in Chemnitz gesichert. Carl H. Hahn junior betonte, die Auto Union habe sich während des Zweiten Weltkrieges gegenüber „Fremdarbeitern“ besser verhalten als viele andere Betriebe. So hätten selbst KZ-Häftlinge eine ärztliche Betreuung erhalten, zitiert die Zeitung Hahn.

In Wolfsburg hat es immer wieder Diskussionen um Käfer-Konstrukteur Ferdinand Porsche gegeben. Konsequenzen wurden aber nicht gezogen. In Stuttgart findet nun am 10. Oktober in der Universität eine Tagung zur Rolle des von Adolf Hitler geschätzten und protegierten Technikers statt. Im VW-Werk waren Tausende Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge ausgebeutet worden.

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article211987749/Chemnitz-ehrt-den-Vater-von-Carl-Hahn.html (http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article211987749/Chemnitz-ehrt-den-Vater-von-Carl-Hahn.html)

Carl Hahn Junior (der mit den Hottentotten in Brasilien und anderswo) mag Richard Bruhn, dessen Straßenname in Ingolstadt umbenannt wurde:

(https://abload.de/img/carlhahnrichardbruhnf0yy4.png) (http://abload.de/image.php?img=carlhahnrichardbruhnf0yy4.png)

Vorstellung des ersten Nachkriegs-DKW in Ingolstadt in Juli 1950 (von rechts):
Mein Vater, Carl Hahn, stellvertretender Vorsitzender der Auto Union, August Horch, der legendäre Automobilpionier, Walter Osswald, der Senior der Motorjournalisten, sowie Richard Bruhn, gemeinsam mit meinem Vater Gründer der Auto Union und Vorsitzender
.

Aktualisierung 19.12.17:
Zitat
Stadt entfernt Platte für Carl Hahn senior
Chemnitz revidiert die Ehrung des Managers.

Die Ehrung für Carl H. Hahn senior (1894 - 1961) sorgt in Chemnitz für politische Turbulenzen. Die erst im Spätsommer verlegte „Denk-mal“-Platte für den einstigen Manager der Auto Union AG und Vater von Ex-VW-Chef Carl H. Hahn ist wieder entfernt worden. Das berichtet unter anderem die Zeitung „Freie Presse“ aus Chemnitz. Vorausgegangen war das einhellige Votum von Historikern, die die maßgeblich vom Rotarier-Club betriebene Ehrung kritisiert hatten. Auf Anweisung von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) sei die Platte nun entfernt worden.

„Der einstige Manager der Auto Union AG soll nicht länger zum Kreis der „Großen Chemnitzer“ gehören, an die am Roten Turm mit einer Art „Walk of fame“ erinnert wird“, schreibt die Zeitung. Die Oberbürgermeisterin begründet ihre Entscheidung so: „Carl Hahn sen. war als Vorstand der Auto Union AG verstrickt mit der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft und mitverantwortlich für den Einsatz tausender Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in den Werken des Unternehmens.“ Er stehe damit auch symbolisch für das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte und könne nicht in einer Reihe mit anderen „Großen Chemnitzern“ stehen. „Dabei bleiben seine Verdienste um die sächsische Auto-Industrie und die damit verbundene Schaffung von Arbeitsplätzen unbestritten“, zitiert die „Freie Presse“ das Stadtoberhaupt.

Der 91-jährige Carl H. Hahn junior, der Ehrenbürger der Stadt Chemnitz ist, wollte sich nicht zu der Entfernung der Platte äußern.

Die historische Aufarbeitung und Bewertung der Verstrickung des Managements der Auto-Union in die Rüstungsproduktion des nationalsozialistischen Regimes inklusive der Ausbeutung von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen hatte im Vorjahr zu einem Streit geführt, in dessen Verlauf sich die Wege von Volkswagen und Chefhistoriker Manfred Grieger trennten. Grieger hatte die von der Audi AG angeregte und geförderte Untersuchung der Historiker Martin Kukowski und Rudolf Boch in einem Aufsatz kritisch rezensiert. Die Rolle der beiden Manager Richard Bruhn und Carl Hahn senior im Gefüge des nationalsozialistischen Kriegswirtschaftssystems sei darin heruntergespielt worden.

https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article212900313/Stadt-entfernt-Platte-fuer-Carl-Hahn-senior.html (https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article212900313/Stadt-entfernt-Platte-fuer-Carl-Hahn-senior.html)




Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 07. Oktober 2017, 10:16:20
9 Monate nach den Protesten der VW Leiharbeiter in Changchun und 3 Monate nach dem Schreiben der Leiharbeiter an den Betriebsrat in Wolfsburg und den Eurobetriebsrat von VW, gab es nun eine Antwort von beiden:

http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2017/10/vw_gbr_d.pdf (http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2017/10/vw_gbr_d.pdf)

Das Labournet hat es so kommentiert:
Zitat
Erstens verweisen die beiden Autoren darauf, daß bei dem Joint-Venture FAW-VW die Personalhochheit  beim chinesischen Mehrheitseigner liege… “Nichts desto trotz nehmen wir Ihr Schreiben sehr ernst” deutet vor diesem Hintergrund daraufhin, dass man sich nicht zuständig fühlt. Wir haben es auf die schnelle in unseren zig Seiten zu VW nicht gefunden, aber können uns dunkel an eine Selbstverpflichtung erinnern, auf deren Durchsetzung bei VW der WBR mal sehr stolz gewesen war – kann uns jemand einen Hinweis liefern?
Zweitens allerdings können sich die chinesischen KollegInnen aber wohl über die Unzuständigkeit freuen. Erdreisten sich doch die beiden obersten Gewerkschafter bei VW, den – wegen ihrer Proteste gegen skandalöse Arbeitsbedingung inhaftierten! – KollegInnen das Hinweisgebersystem von VW zu nutzen (also doch zuständig?) bzw. ihr Anliegen “der chinesischen Gesetzeslage entsprechend bei den hierfür zuständigen Stellen in China zu artikulieren”! Es handelt sich wohlgemerkt um diejenige chinesische Gesetzeslage, die ihre Verhaftung ermöglicht. Aber, wir erinnern, es handelt sich ja um Leiharbeiter, und da ist die IG Metall auch bei uns sehr gesetzesgläubig…
http://www.labournet.de/?p=119093 (http://www.labournet.de/?p=119093)

Dem BR Vorsitzenden Bernd Osterloh eilt auch ein besonderer Ruf voraus:
Zitat
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Personalvorstände, die dem Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh zu viel Gehalt genehmigt haben sollen. [url]http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/vw-verdient-osterloh-zu-viel/19796292.html[/url] ([url]http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/vw-verdient-osterloh-zu-viel/19796292.html[/url])
Osterloh war im Werk Wolfsburg seit dem Start des vom damaligen Personalvorstand Peter Hartz erarbeiteten Projektes „5000 mal 5000“ im Jahr 2000 der dafür Verantwortliche im zuständigen Ausschuss des Betriebsrats. Er verteidigte es gegen erheblichen Widerstand aus den Reihen seiner eigenen Gewerkschaft gegen den Vorwurf des Tarifdumping. Laut Handelsblatt verkörpert er „den neuen Typ des Arbeitnehmer-Managers“ und laut Frankfurter Allgemeine Zeitung den des „Co-Managers“, der wie ein Abteilungsleiter bezahlt wird. [url]https://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Osterloh[/url] ([url]https://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Osterloh[/url])


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 07. Oktober 2017, 10:50:22
Der Osterloh hat in der Spitze bis zu 750000 € Jahresgehalt bezogen. Da singt er natürlich das hohe Lied auf VW und die Leiharbeit.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: dagobert am 07. Oktober 2017, 23:21:48
Das Labournet hat es so kommentiert:
Zitat
Wir haben es auf die schnelle in unseren zig Seiten zu VW nicht gefunden, aber können uns dunkel an eine Selbstverpflichtung erinnern, auf deren Durchsetzung bei VW der WBR mal sehr stolz gewesen war – kann uns jemand einen Hinweis liefern?

Ich rate mal:
https://www.igmetall.de/charta-der-zeitarbeit-im-volkswagen-konzern-10997.htm (https://www.igmetall.de/charta-der-zeitarbeit-im-volkswagen-konzern-10997.htm)
http://www.labournet.de/category/internationales/china/arbeitsbedingungen-china/vw-china/ (http://www.labournet.de/category/internationales/china/arbeitsbedingungen-china/vw-china/)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 08. Oktober 2017, 14:28:39
Hier ist die von Management und Betriebsrat unterzeichte Charta für Zeitabeit bei VW (in englischer Sprache):
Zitat

Charter on Temporary Work for the Volkswagen Group


Preamble
The Volkswagen Group Board of Management, the Volkswagen European Group Works Council and the Volkswagen Group Global Works Council agree on the principles of this Charter on Temporary Work for the Volkswagen Group. This serves as a safeguard for appropriate employment and pay conditions of temporary external employees at Volkswagen as well as uniform use of the temporary work tool throughout the entire Volkswagen Group.
 
The employees’ and company’s sides agree upon the following:
(...)
Equal pay and equal treatment
Reference basis for Equal Pay is the respective base salary. 
All further components of pay, i.e. shift and overtime supplements, depend on the rates typical for the location and/or sector, and if available, regulated by wage agreements. 
(...)
After a period of 9 months at the latest, a temporary external employee shall receive the same basic pay as a permanent employee on the same level. (...)


Munich, 30 Nov. 2012
 
On behalf of the Volkswagen European Board of Management Group
On behalf of the Volkswagen Works Council
and the Volkswagen Group Global Works Council
For IndustriALL Global Union
http://www.industriall-union.org/sites/default/files/uploads/documents/GFAs/Volkswagen/precarious_agreement_Nov_2012/charta_der_zeitarbeit_englisch_final.pdf (http://www.industriall-union.org/sites/default/files/uploads/documents/GFAs/Volkswagen/precarious_agreement_Nov_2012/charta_der_zeitarbeit_englisch_final.pdf)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: dagobert am 08. Oktober 2017, 23:54:42
Ich sag da jetzt nix zu  :-X:
http://www.n-tv.de/wirtschaft/VW-dokumentierte-zu-hohen-CO2-Ausstoss-article20072175.html (http://www.n-tv.de/wirtschaft/VW-dokumentierte-zu-hohen-CO2-Ausstoss-article20072175.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 13. Oktober 2017, 13:19:03
Zitat
“Den Deutschen ist es egal. Wir müssen selbst kämpfen!”

LeiharbeiterInnen beim Automobilhersteller FAW-VW fordern gleiche Entlohnung und werden kriminalisiert. Gleichzeitig brechen anderswo bei VW Arbeiterkämpfe aus


ArbeiterInnen von FAW-VW in Changchun, die über Leiharbeitsfirmen beschäftigt sind, kämpfen seit Ende 2016 für gleiche Entlohnung. FAW-VW wurde 1991 vom chinesischen Staatsunternehmen FAW und den deutschen Automobilunternehmen Volkswagen (VW) und Audi als Joint Venture gegründet. Außer in Changchun (Jilin) betreibt es Fabriken in Chengdu (Sichuan), Dalian (Liaoning) und Foshan (Guangdong). Die Firma beschäftigt mehr als 50.000 ArbeiterInnen und produziert Pkws und Automobilkomponenten.1

Der Kampf der LeiharbeiterInnen bei FAW-VW in Changchun

Viele der LeiharbeiterInnen arbeiten seit Jahren für FAW-VW. Sie fordern, dass das Joint Venture sie sofort direkt beschäftigt, die Zeiten anerkennt, die sie dort bereits gearbeitet haben und für den ungleichen Lohn in der Vergangenheit Entschädigung zahlt. Sie machen dieselbe Arbeit, wie die direkt bei FAW-VW Beschäftigten, bekommen jedoch nur etwa die Hälfte des Lohnes (z.B. 60.000 Yuan statt 120.000 Yuan) und nicht dieselben Zulagen. In ihren Erklärungen bezeichnen die LeiharbeiterInnen dies als Bruch des chinesischen Arbeitsvertragsgesetzes, darunter von Artikel 63 (gleicher Lohn für gleiche Arbeit) und von Artikel 66 (LeiharbeiterInnen sollten nur ‘vorläufige, aushelfende und ersatzweise Positionen’ ausfüllen). Außerdem sind einige Leiharbeitsfirmen direkt mit FAW-VW verbunden (und möglicherweise in dessen Besitz), ein Verstoß gegen Artikel 67 des Arbeitsvertragsgesetzes (Unternehmen dürfen keine eigenen Leiharbeitsfirmen gründen, um deren Angestellte zu beschäftigen).2  VW hat sich zudem selbst in seiner „Charta der Zeitarbeit im Volkswagen-Konzern“ zur gleichen Entlohnung verpflichtet.3

Die neuen Regelungen zur Leiharbeit wurden im Jahr 2013 im Zuge einer Nivellierung des Arbeitsvertragsgesetzes eingeführt, allerdings mit einer dreijährigen Übergangsphase bis 2016. Die LeiharbeiterInnen bei FAW-VW wussten das und handelten entsprechend. Im November 2016 stellten sie ihre Forderungen über Chinas einzige offizielle Gewerkschaft ACFTU, aber sieben Verhandlungsrunden mit FAW-VW und den Leiharbeitsfirmen scheiterten. Die ArbeiterInnen zog vor das örtliche Gericht, das den Fall jedoch abwies. Mehrere Demonstrationen zwischen Februar und Mai dieses Jahres führten auch zu keiner Lösung.4 Am 26. Mai 2017 wurden die Arbeitervertreter Fu Tianbo, Wang Shuai und Ai Zhenyu unter dem Vorwurf „Versammlung einer Menschenmenge, um die soziale Ordnung zu stören“ verhaftet, eine vom Regime der KPCh oft benutzte Beschuldigung zur Eindämmung sozialer Proteste. Während Wang und Ai kurz darauf entlassen wurden, wurde Fu Anfang Juni offiziell angeklagt und blieb weiter in Haft.5

Die ArbeiterInnen, die Fu unterstützen, schrieben Briefe an die Behörden, um ihn frei zu bekommen, z.B. im August an das örtliche Amt für öffentliche Sicherheit (die Polizeibehörde, die für Fus Verhaftung verantwortlich ist) und im September an die Antikorruptionsagentur der KPCh.6 Sie schrieben auch an die deutsche VW-Zentrale, den deutschen VW-Betriebsrat und andere, um sie zum Eingreifen zu bewegen.7 Am 25. August antworteten ihnen die Leiter des europäischen und weltweiten Betriebsrats von der IG Metall. Sie betonten, dass sie den Fall „sehr ernst“ nehmen würden, und forderten die ArbeiterInnen auf, den Fall Volkswagen oder den chinesischen Behörden zu melden.8 Mit anderen Worten, sie fordern die LeiharbeiterInnen in China auf, die Gegner im Arbeitskonflikt und diejenigen, die ihren Vertreter inhaftierten, um Unterstützung zu fragen. Die chinesischen LeiharbeiterInnen, die den Brief der deutschen Betriebsräte im Netz veröffentlichten, kommentierten das treffend: „Den Deutschen ist das egal. Wir müssen selbst kämpfen!“9

Der offensichtliche Bruch der chinesischen Arbeitsgesetze und das Unterlaufen von VWs eigener Verpflichtung zu gleicher Entlohnung entspricht der allgemeinen Praxis in China. Viele chinesische und ausländische Unternehmen brechen die Arbeitsgesetze ganz offen, z.B. indem sie die ArbeiterInnen zu langen Überstunden zwingen oder ihnen weniger als den offiziellen Mindestlohn zahlen. VW scheint überdies die Tradition der Kollaboration mit autoritären Regimen und ihrer Unterdrückung sozialen Widerstands fortzusetzen. Die Kollaboration VWs mit der brasilianischen Diktatur in den 1970er Jahren, als Informationen über die politischen Haltungen von ArbeiterInnen an die Repressionsorgane weitergegeben und darauf folgende Verhaftungen toleriert wurden, war im vergangenen Sommer ein heiß diskutiertes Thema in deutschen Medien.10

Weitere Mobilisierungen von VW-ArbeiterInnen in Europa

In Europa musste sich VW derweil in den letzten Monaten mit weiteren Arbeitermobilisierungen und Streiks auseinandersetzen. Im Juni setzten VW-ArbeiterInnen in Bratislawa, Slowakei, eine Lohnerhöhung um 14,1 Prozent durch, nachdem sie vorher zum ersten Mal seit dem Zusammenbruch des Sozialismus 1989 in dieser Fabrik gestreikt hatten.11

Anfang August verließen VW-ArbeiterInnen in Poznań, Polen, aus Protest gegen die Ausweitung der Wochenendarbeit die Gewerkschaft Solidarität (Solidarność) und gründeten eine neue, selbstorganisierte Sektion der Basisgewerkschaft Arbeiterinitiative (Inicjatywa Pracownicza). Nachdem VW mehreren beteiligten ArbeiterInnen wegen angeblicher übler Nachrede die Firma betreffend gekündigt hatte, unterschrieben 2.000 ArbeiterInnen Anfang September eine Petition für deren Wiedereinstellung.12

Ende August streikten VW-ArbeiterInnen im portugiesische Palmela, bei Lissabon, – der erste Streik im Betrieb seit Jahrzehnten – gegen die Ausweitung der Wochenendarbeit.13

Und Ende September forderten ArbeiterInnen der VW-Tochterfirma Autovision in Emden und Osnabrück ihre Direkteinstellung durch VW. Sie hatten ursprünglich als LeiharbeiterInnen für VW gearbeitet, bevor sie von Autovision übernommen worden waren. Autovision dient VW als Subunternehmen und stellte die ArbeiterInnen für die VW-Fabriken ab.14

Diese Mobilisierungen und Streiks sind eine Reaktion auf den diskriminierenden Einsatz von Leiharbeit bei VW sowie auf den steigenden Arbeitsdruck in VW-Fabriken, und sie zeugen von der Forderung von ArbeiterInnen in ‘peripheren’ Ländern nach Schließung der Lohnlücke im Vergleich zu VW-ArbeiterInnen in Deutschland.

Der Umbau der Industrie

Die Arbeitermobilisierungen treffen VW – das immer noch teilweise im Besitz des deutschen Staates ist und von diesem weitgehend kontrolliert wird – zu einem kritischen Zeitpunkt. VW war 2016 (wieder) der weltweit größte Automobilhersteller,15 aber der Dieselabgas-Skandal, also die absichtliche Verletzung der Abgasvorschriften, und seine Aus- und Nachwirkungen drohen den Konzern zu schwächen und zu destabilisieren. Gleichzeitig stellt der scheinbare Übergang zu Elektrofahrzeugen eine große Herausforderung dar, weil die bestehende industrielle Massenproduktion von kraftstoffbetriebenen Automobilen nicht einfach auf batteriebetriebene Automobile umgestellt werden kann.16 Der Dieselabgas-Skandal könnte nun den beabsichtigten (teuren) Umbau von VW beschleunigen, und die ArbeiterInnen sollen den Preis bezahlen – das scheint zumindest der Plan des Managements zu sein.

China ist der größte Hersteller und Markt von (kraftstoffbetriebenen) Automobilen und für den Umbau von VW von zentraler Bedeutung. Das Land steht für 41 Prozent der weltweiten Fahrzeugverkäufe VWs und für 49 Prozent seines weltweiten Gewinns (vor Steuern).17 Und China ist bereits der führende Hersteller von und Markt für Elektrofahrzeuge insgesamt – auch wenn dieser ‘grüne Sprung nach vorne’ massiv vom chinesischen Staat subventioniert wird.18

VW wie auch Renault-Nissan, Ford und andere globale Automobilhersteller bauen mit chinesischen Partnerunternehmen neue Joint Ventures auf, um mit der Massenproduktion von Elektrofahrzeugen zu beginnen19 – die dritte Welle der Gründung solcher Automobil-Joint-Ventures nach den 1980er Jahren und der Zeit von Mitte der 1990er bis Mitte der 2000er Jahre.20 Die Zeiten haben sich jedoch geändert, und VW und die anderen sehen sich einem verschärften Wettbewerb mit chinesischen Automobilherstellern gegenüber, die gleichzeitig global expandieren.21

Die Auswirkungen der Arbeiterkämpfe in China

Ob und wie der Umbau von VW (und anderen Automobilherstellern) vonstatten gehen wird, hängt auch von der Entwicklung der Automobilarbeiterkämpfe ab. Der Kampf der FAW-VW-ArbeiterInnen in Changchun ist das letzte Beispiel der Militanz von AutomobilarbeiterInnen in China, die in den 1990ern und 2000er Jahren begann. An den Mobilisierungen beteiligten sich sowohl direkt Beschäftigte als auch LeiharbeiterInnen.22 Ein erster Höhepunkt war die Streikwelle 2010.23

Der andauernde Umbau der chinesischen Wirtschaft – Umstrukturierung, Verlagerung, Aufwertung – hat Auswirkungen auf alle ArbeiterInnen. Nach dem Abflachen der Wirtschaftswachstumsrate seit den späten 2000er Jahren sind auch die Lohnerhöhungen zunehmend niedriger ausgefallen.24 Die ArbeiterInnen haben jedoch weiterhin hohe Erwartungen und fordern Verbesserungen ihrer immer noch miesen Arbeitsbedingungen.

Nachdem Streiks und andere Kämpfe in den 2000er Jahren weitgehend erfolgreich waren und Lohnerhöhungen und verbesserte Bedingungen durchsetzen konnten, trafen sie in den letzten Jahren auf mehr Gegendruck durch die Unternehmensleitungen und den Staat. Das war auch eine Folge des Anziehens politischer Kontrolle und der Repression sozialer Proteste unter der KP-Führung um Xi Jinping, seit diese 2012–13 an die Macht kam.

Vor diesem Hintergrund sehen sich die LeiharbeiterInnen bei FAW-VW in Changchun der Ignoranz und Repression durch VW, das chinesische Staatsunternehmen FAW, die Behörden der KP und der Polizei gegenüber. Ihr Kampf läuft weiter, andere werden folgen.
http://www.gongchao.org/2017/10/12/leiharbeiter-bei-faw-vw-in-china-im-kampf/ (http://www.gongchao.org/2017/10/12/leiharbeiter-bei-faw-vw-in-china-im-kampf/)

(Zahlreiche Fußnoten und weiterführende Links unter dem Originalartikel bei Gongchao.)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 20. Oktober 2017, 15:22:10
Ich erhielt gerade folgende Mail aus China:

Zitat
Ich möchte Ihnen ein wichtiges Update über die Situation im Fall der FAW-Volkswagen Arbeiter in Changchun, China, zukommen lassen.

Wir haben soeben erfahren, dass der Arbeitervertreter Fu Tianbo für seinen Aktivismus angeklagt wurde, weil er "eine Menschenmenge versammelt habe, um die öffentliche Ordnung zu stören".

In einem ständigen Dialog zwischen dem China Labour Bulletin und dem internationalen Büro von Volkswagen via dem Business and Human Rights Büro, weigerte sich Volkswagen, auf die jüngste Erwiderung des CLB zu reagieren, was darauf hindeutet, dass Volkswagen nie anerkannt hat, dass das Unternehmen Arbeiter in Changchun gezielt herausgepickt hat und dass Volkswagen sich weigert anzuerkennen, dass die Arbeitnehmervertreter von der Polizei verhaftet worden sind und gegen sie ermittelt wird.

Internationale Gewerkschaftsvertreter und Aktivisten auf der ganzen Welt haben die bedingungslose Freilassung von Fu Tianbo und für Volkswagen aufgefordert, sich mit den über 3000 Leiharbeitern bei FAW-VW Changchun an den Verhandlungstisch zu setzen um über ihre Forderungen nach Equal Pay zu sprechen.

Wir werden die Angelegenheit genau verfolgen und hoffen, dass Sie das auch tun. Wir hoffen, dass weltweit Gewerkschaftsaktivisten die bedingungslose Freilassung von Fu Tianbo fordern und dass Volkswagen auf die Tatsache reagiert, dass Arbeitervertreter in ihrem chinesischen Werk wegen der Verteidigung ihrer Rechte ins Visir geraten sind.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit für diesen Fall
.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 28. Oktober 2017, 09:30:07
Zitat
Heimliches Firmengeflecht in Luxemburg
Wie VW am deutschen Finanzamt vorbeifährt

Volkswagen hat im Steuerparadies Luxemburg ein verschachteltes, milliardenschweres Firmenimperium gebaut - mit gerade mal fünf Vollzeitbeschäftigten.


VW unterhielt bereits seit 2012 eine Holding und eine Finanzierungsgesellschaft - in Luxemburg, bekannt für sein konzernfreundliches Steuerregime. Seitdem haben die Wolfsburger ein kaum zu durchschauendes Netz aus Kapitalverflechtungen und Finanzströmen in dem Großherzogtum gewoben und alles in allem Beteiligungen im Wert von mehr als 17 Milliarden Euro dorthin verlagert.
http://www.spiegel.de/spiegel/der-vw-konzern-nutzt-ein-fragwuerdiges-steuersparmodell-in-luxemburg-a-1175059.html (http://www.spiegel.de/spiegel/der-vw-konzern-nutzt-ein-fragwuerdiges-steuersparmodell-in-luxemburg-a-1175059.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 31. Oktober 2017, 20:07:09
Ich erhielt eine besorgniserregende Mail zur Situation der kämpfenden FAW-Volkswagen Leiharbeiter in Changchun.

Dem Sprecher der Arbeiter wurde der Weibo-Account (eine Mischung aus facebook und twitter) gelöscht, wie auch alle Postings auf dieser Plattform über den Verlauf der Proteste. Es geschah ohne Ankündigung und wohl auf Druck von FAW-Volkswagen oder der Regierung. Es ist der deutliche Hinweis darauf, daß FAW-Volkswagen die Stimme der Arbeiter verstummen lassen will. Die Arbeiter haben ihre wichtigste Möglichkeit zur Publikation ihrer Situation und Aktivitäten verloren. Es war eine wichtige Verbindung zu anderen Arbeitern, zu NGOs, zu Unterstützern und Journalisten.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 31. Oktober 2017, 21:00:59
Zitat
Es ist der deutliche Hinweis darauf, daß FAW-Volkswagen die Stimme der Arbeiter verstummen lassen will.


Auch der Weltbetriebsrat von Volkswagen steckt knietief im Arsch derjenigen, die über Leichen gehen:

Zitat
24.6.17
([url]https://abload.de/img/volkswagenweltbetrieboou3n.png[/url]) ([url]http://abload.de/image.php?img=volkswagenweltbetrieboou3n.png[/url])
In Augsburg tagte das Präsidium des Europäischen- und Weltkonzernbetriebsrats von Volkswagen. Mit dabei waren unter anderen (von links) Uwe Lauber (Vorstandsvorsitzender MAN Diesel & Turbo), Wilfried von Rath (Personalvorstand MAN Diesel & Turbo), Saki Stimoniaris (Betriebsratsvorsitzender MAN), Hiltrud Werner (Mitglied des Vorstands VW Konzern, Integrität und Recht), Bernd Osterloh (Betriebsratsvorsitzender VW), Matthias Müller (Vorstandsvorsitzender VW), Andreas Renschler (Mitglied des Vorstands VW Konzern, Nutzfahrzeuge), Oskar Ritsch (Betriebsratsvorsitzender MAN Diesel & Turbo), Karlheinz Blessing (Mitglied des Vorstands VW Konzern, Personal), Frank Patta (Generalsekretär Europäischer und Weltkonzernbetriebsrat VW), Frank Burnautzki (Mitglied des Vorstands MAN Diesel & Turbo, Beschaffung).

http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Die-VW-Spitze-in-Augsburg-id41820776.html (http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Die-VW-Spitze-in-Augsburg-id41820776.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 03. November 2017, 18:21:39
Die Meldung wurde auch bei Labournet Germany verbreitet:
http://www.labournet.de/?p=123450 (http://www.labournet.de/?p=123450)

SOLIDARITÄT tut not.
Das Unternehmen, das Ausbeutung und Rechtsbruch betreibt, ist ein deutsches Unternehmen.
Solidarität ist in diesem Land notwendig. Solidaritätsbekundungen führen in Deutschland nicht so schnell zu Internetsperren und Inhaftierung.

Wer gegen soziale Ungerechtigkeit ist und gegen Leiharbeit kämpfen möchte, findet hier einen guten Ansatz.

  • Freiheit für Fu Tianbo
  • Nachzahlung der den Leiharbeitern vorenthaltenen/zustehenden Löhnen
  • Abschaffung der Leiharbeit weltweit!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 10. November 2017, 20:49:04
(https://abload.de/img/chinasoli1hgjjm.jpg) (http://abload.de/image.php?img=chinasoli1hgjjm.jpg)

(https://abload.de/img/chinasoli2dopvi.jpg)

(https://abload.de/img/chinasoli3yrsqp.jpg) (http://abload.de/image.php?img=chinasoli3yrsqp.jpg)

(https://abload.de/img/chinasolistatueyosh6.jpg) (http://abload.de/image.php?img=chinasolistatueyosh6.jpg)

(https://abload.de/img/chinasoli7o6s9w.jpg) (http://abload.de/image.php?img=chinasoli7o6s9w.jpg)

(https://abload.de/img/chinasoli4jcs18.jpg) (http://abload.de/image.php?img=chinasoli4jcs18.jpg)

(https://abload.de/img/chinasoli8kgshl.jpg) (http://abload.de/image.php?img=chinasoli8kgshl.jpg)

(https://abload.de/img/mega31ps7b.jpg)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nikita am 11. November 2017, 12:27:34
Coole Aktion!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 14. November 2017, 09:14:17
Die Bundesstaatsanwaltschaft São Paulo will VW nun notfalls vor Gericht bringen, hofft aber noch auf einen außergerichtlichen Vergleich. In vorauseilendem Gehorsam plant VW eine Veranstaltung in Brasilien:
Zitat
(…) Die Einladung sei Volkswagen zufolge Teil von einem "Paket von nachhaltigen Maßnahmen", das sich gerade in der finalen Abstimmung befinde. Damit wolle das Unternehmen seiner "gesellschaftlichen Verantwortung in Brasilien gerecht werden". Volkswagen stehe heute "für Toleranz sowie Weltoffenheit und lehnt Menschenrechtsverletzungen in jeder Form ab".

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/VW-Brasilien-Neue-Details-im-dunklen-Kapitel,vw3964.html (https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/VW-Brasilien-Neue-Details-im-dunklen-Kapitel,vw3964.html)

Ansonsten greift Volkswagen nun unter anderem bei Menschenrechtsverstößen intern „hart“ durch, wenn sie dem Ansehen und den Finanzen schaden, nicht unbedingt weil es Menschenrechtsverstöße sind. Mal sehen, ob es irgendwann einmal auch eine Veranstaltung in China gibt:
Zitat
13.11.17
Im Aufklärungs-Office landen die wirklich schweren Fälle

Wolfsburg  Bei Korruption und Steuer- und Umweltstraftaten will VW knallhart durchgreifen.

Seit Anfang November gilt bei Volkswagen ein überarbeitetes Hinweisgebersystem, das zur Aufklärung schwerer Regel- und Rechtsverstöße dient. Das Thema Compliance – also die gute und gesetzeskonforme Unternehmensführung – ist seit Bekanntwerden des Abgasbetruges vor über zwei Jahren eines der zentralen Managementthemen im Konzern. Für schwere Regelverstöße ist jetzt ein sogenanntes Aufklärungs-Office zuständig.

In dieser Abteilung arbeiten „spezialisierte und erfahrene Juristen“, wie es in einer Mitarbeiterinformation heißt. Die würden Hinweise entgegennehmen und prüfen, ob diese konkrete Anhaltspunkte für einen schweren Regelverstoß beinhalten. Zum weiteren Ablauf heißt es in der Information: „Sie veranlassen nur dann eine Untersuchung, wenn konkrete Hinweise für ein schweres Fehlverhalten vorliegen. In diesem Fall wird eine Untersuchungseinheit (Konzernrevision, Konzernsicherheit, Konzernrechtsabteilung) mit der Untersuchung beauftragt. Nach Abschluss der Untersuchung wirkt das Aufklärungs-Office darauf hin, dass bei festgestellten schweren Regelverstößen durch die zuständigen Gremien angemessene Maßnahmen ergriffen werden.“

Die Kriterien für einen schweren Regelverstoß werden vom Unternehmen klar formuliert. Er liegt demnach vor, „wenn die Interessen, insbesondere reputationsmäßige oder finanzielle, des Volkswagen-Konzerns oder einer seiner Gesellschaften in schwerwiegender Weise beeinträchtigt“ werden. Einige Beispiele dafür.

Straftaten , insbesondere Wirtschafts-, Korruptions-, Steuer- und Umweltstraftaten, Verstöße gegen Menschenrechte (UN Menschenrechtscharta, Verbot der Kinderarbeit),

Verstöße gegen kartell- und wettbewerbsrechtliche Vorschriften, Verstöße gegen Vorschriften zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, Verstöße gegen Produktsicherheitsvorschriften, Verstöße gegen Umweltschutzvorschriften sowie gegen Datenschutzrecht.

Grundsätzlich als schwere Verstöße werden Vergehen von Beschäftigten ab Oberem Management-Kreis angesehen. Das gilt prinzipiell auch für Verstöße gegen das Benachteiligungsverbot von Hinweisgebern und Verstöße gegen US-Umweltschutzvorschriften.

Auf bewährte Kanäle, wie beispielsweise die Ombudsleute (Vertrauensanwälte), setzt Volkswagen auch weiterhin. Gegenseitiges Vertrauen und der umfassende Schutz der Hinweisgeber sind in diesem Zusammenhang extrem wichtig. Dem will das Unternehmen Rechnung tragen. „Alle eingehenden Hinweise werden vertraulich behandelt und der Hinweisgeber entscheidet grundsätzlich selbst, ob er dem Unternehmen gegenüber anonym bleiben möchte oder nicht. Ein speziell geschützter Online-Meldekanal und die bestellten Ombudsleute stellen sicher, dass Hinweise auch weiterhin anonymisiert an das Aufklärungs-Office gemeldet werden können“, heißt es in der Info. Das modifizierte Hinweisgebersystem garantiere den höchstmöglichen Schutz von Hinweisgebern und Betroffenen. Eine Untersuchung wird nur nach sehr sorgfältiger Prüfung der Hinweise und bei konkreten Anhaltspunkten für einen Regelverstoß eingeleitet.

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article212533535/Im-Aufklaerungs-Office-landen-die-wirklich-schweren-Faelle.html (http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article212533535/Im-Aufklaerungs-Office-landen-die-wirklich-schweren-Faelle.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 14. November 2017, 10:38:13
So ein Protest- und Infostand soll nun auch in Wolfsburg stattfinden.
Wir haben eine Genehmigung von der Stadt Wolfsburg für Donnerstag, den 16.11. 12°°-16°° Platz vor der Sparkasse (Höhe Porschestraße 70).

Mitfahrgelegenheit ab Kiel, Zustiegsmöglichkeit Hamburg und Hannover.

(http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2017/11/FuTianbo.jpg)

Freiheit für Fu Tianbo!

Nachzahlung der den Leiharbeitern vorenthaltenen/zustehenden Löhnen!

Einhaltung des geltenden Arbeitsrechts bei VW weltweit!

Abschaffung der Leiharbeit weltweit!



Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 15. November 2017, 10:11:07
Zitat
Bernd Osterloh
Hausdurchsuchung in VW-Chefetage


Hat VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh überhöhte Zahlungen kassiert? Die Staatsanwälte und Steuerfahnder haben die Ermittlungen aufgenommen und durchsuchen die Büros in der VW-Chefetage.

Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung haben am Dienstag Büros in der Chefetage und beim Betriebsrat von Volkswagen durchsucht. Die Ermittler hätten sich die Büros von Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, Finanzvorstand Frank Witter und Personalvorstand Karlheinz Blessing vorgenommen, erklärte ein VW-Sprecher am Dienstagabend gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Es seien Akten und Computer beschlagnahmt worden. „Hintergrund sind die angeblich überhöhten Zahlungen an (Betriebsratschef Bernd) Osterloh“, ergänzte der Sprecher. Auch das Büro Osterlohs sei durchsucht worden.

Keine Stellungnahme des Betriebsratsprechers


Im Mai war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Braunschweig in diesem Fall gegen Manager wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Eine weitere Person mit Kenntnis des Vorgangs erklärte, die Steuerfahnder gingen mit der Durchsuchung dem Verdacht der Steuerhinterziehung nach. Denn bei unangemessen hoher Vergütung für den Betriebsratschef könnte VW zu hohe Betriebsausgaben angesetzt und damit zu wenig Steuern gezahlt haben.

Sprecher des Betriebsrats und der Staatsanwaltschaft Braunschweig waren nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen. Die Ermittlungen der Strafverfolger wegen des Verdachts der Untreue gegen Blessing und drei weitere Personalmanager waren im Mai bekannt geworden. Damals hatte Osterloh erklärt, in der Spitze bis zu 750 000 Euro im Jahr verdient zu haben. Sein Gehalt werde vom Unternehmen festgelegt und entspreche dem Betriebsverfassungsgesetz. Der Betriebsrat hatte erklärt, Osterloh sei korrekt eingruppiert worden.

Die Vergütung für freigestellte Betriebsräte richtet sich nach dem Gehalt, das bei vergleichbarer Laufbahn und Verantwortung in einem Unternehmen gezahlt wird. Der Betriebsratschef selbst gelte weiterhin als Zeuge, nicht als Beschuldigter, ergänzte der VW-Sprecher. Ins Rollen gekommen war der Fall durch eine Strafanzeige.

Untersuchung durch externe Juristen

Nicht nur der Betriebsrat auch das Unternehmen selbst hatte im Mai erklärt, Osterlohs Vergütung stehe im Einklang mit dem Betriebsverfassungsgesetz. Der Konzern hatte das durch einen externen Juristen untersuchen lassen. Dem Betriebsrat zufolge waren die Regeln für die Vergütung von Arbeitnehmervertretern im Lauf der Jahre mehrfach – auch von externen Experten – überprüft worden. „Wir gehen deshalb davon aus, dass gegenüber der Staatsanwaltschaft überzeugend dargelegt wird, dass die internen Regelungen sowie die konkrete Vergütung rechtskonform sind“, betonte ein Sprecher des Konzernbetriebsrats damals.

Osterloh werde vergleichbar zu Bereichsleitern vergütet. „Hätte er zuletzt das Angebot, Personalvorstand des Konzerns zu werden, angenommen, wäre seine Vergütung heute um ein Vielfaches höher.“ Stattdessen habe sich Osterloh dafür entschieden, sich weiterhin für die Belegschaft einzusetzen. Damit ist der Fall nicht mit dem von Osterlohs Vorgänger Klaus Volkert zu vergleichen, der 2008 wegen der VW-Affäre um Lustreisen und Schmiergeldzahlungen ins Gefängnis musste.

Das Landgericht Braunschweig verurteilte Volkert wegen Anstiftung und Beihilfe zur Untreue. Der damalige Personalvorstand Peter Hartz kam mit einer Bewährungsstrafe davon und musste zudem eine Geldstrafe zahlen. Er hatte sich nach Überzeugung des Gerichts mit Sonderboni das Wohlwollen des mächtigen Betriebsratschefs erkauft.
http://www.fr.de/wirtschaft/bernd-osterloh-hausdurchsuchung-in-vw-chefetage-a-1387862 (http://www.fr.de/wirtschaft/bernd-osterloh-hausdurchsuchung-in-vw-chefetage-a-1387862)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Onkel Tom am 15. November 2017, 20:11:56
Aus Tradition : Gut geschmiert, läuft reibungslos..  kotz


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 17. November 2017, 21:09:03
(https://abload.de/img/wolfsburg1f9bcc.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg1f9bcc.jpg)
Unser Auftritt in Wolfsburg am Donnerstag machte bereits optisch einiges her.

(https://abload.de/img/wolfsburg22rurj.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg22rurj.jpg)
In Wolfsburg nimmt man solche Dinge sehr genau. Das Ordungsamt kam vorbei und checkte meinen Ausweis, bevor man die Standgenehmigung aushändigte.

(https://abload.de/img/wolfsburg3bbuzx.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg3bbuzx.jpg)
Nur einige Minuten später tauchte auch die Polizei auf und wollte wissen, was wir da trieben. Sonst ist wohl nichts los in Wolfsburg.

(https://abload.de/img/wolfsburg4lrufr.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg4lrufr.jpg)
Trotz des üblichen "Will ich nicht!" und "Interessiert mich nicht!", nahmen viele ein Flugblatt.

(https://abload.de/img/wolfsburg57dumv.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg57dumv.jpg)
Und viele wollten gleich mehr wissen.

(https://abload.de/img/wolfsburg6pzuao.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg6pzuao.jpg)
Erstaunlich fanden wir, daß wir auf keine Wolfsburger stießen, die sich mit "ihrem" Arbeitgeber identifizierten oder an die "VW Familie" glaubten.
Im Gegenteil, mit einem "Hört denn das nie auf?" zeigte man, daß man Unrecht vom VW Konzern gewohnt ist.

(https://abload.de/img/wolfsburg7wru7h.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg7wru7h.jpg)
Die Älteren erklärten, daß sie froh wären, endlich aus dem Laden raus zu sein.

(https://abload.de/img/wolfsburg8zvuiq.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg8zvuiq.jpg)
Wir haben die Flublätter zu viert verteilt und wir waren nahezu die gesamte Zeit in Diskussionen mit Passanten verwickelt.
Es kam stets die Frage, wie Betriebsrat und Gewerkschaft sich verhalten hätten. Die Solidarität verweigert? Typisch!
Und dann wurden die 750.000 Euro Jahresgehalt vom Betriebsratschef Osterloh erwähnt.

(https://abload.de/img/wolfsburg97cuy9.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg97cuy9.jpg)
Die Forderung "Leiharbeit verbieten!" fand großen Anklang.

(https://abload.de/img/wolfsburg201euen.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg201euen.jpg)
Viele hatten einschlägige Erfahrungen mit Zeitverträgen und Leiharbeit bei VW... und waren stinksauer.


Es kam sogar jemand von der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung vorbei...
(https://abload.de/img/waztmudx.jpg) (http://abload.de/image.php?img=waztmudx.jpg)
Der Artikel vom 17.11.17 in der WAZ erschien uns wie ein kleines Wunder. Uns wurde gesagt, im Wolfsburger Raum sei es nur schwer möglich einen VW-kritischen Bericht zu veröffentlichen.


Anschließend noch eine kleine Kundgebung vor dem Gebäude der IGM Wolfsburg
(https://abload.de/img/wolfsburg12ziudu.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg12ziudu.jpg)
Einige Infoflugblätter gab es für den Herrn am Empfangstresen im Foyer.

(https://abload.de/img/wolfsburg137ru20.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg137ru20.jpg)
WER WENN NICHT WIR!


Die Silhouette des Bösen
(https://abload.de/img/wolfsburg14h2ug3.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg14h2ug3.jpg)
Das VW Werk

(https://abload.de/img/wolfsburg15veud2.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg15veud2.jpg)
Protest im Schatten des Konzerns


Und noch einmal am Ufo der Industriegewerkschaft:
(https://abload.de/img/wolfsburg17nuukx.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg17nuukx.jpg)
Auf einer LED-Leinwand liefen irgendwelche Slogans über faire Löhne überall...


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Onkel Tom am 18. November 2017, 10:14:00
Ist ja echt cool, das sich die Wolfsburger Tageszeitung getraut hat, unsere Kritik an VW zu veöffentlichen.
Das dürfte dann ja auch in der Chefetage von VW gelandet sein..

 ;D


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 18. November 2017, 12:53:19
Gute Aktion! Macht weiter so!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: BGS am 18. November 2017, 13:34:04
Sehr gute Aktion! Sollte es mehr von geben, wirklich vorbildlich.

MfG

BGS


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 18. November 2017, 14:17:22
Zitat
17.11.17
China unterdrückt Protest der Leiharbeiter

Unterstützer der Zeitschrift „Leihkeule“ informieren über das Geschehen bei FAW-VW.

 Seit einem Jahr schwelt in China ein Konflikt um die Leiharbeiter des Joint Ventures FAW-VW in Changchun. In Wolfsburg war das bisher kein Thema. In dieser Woche aber machten Aktivisten, die sich für die Interessen der Zeitarbeitnehmer einsetzen und die Zeitschrift „Leihkeule“ herausgeben, auf die Probleme der Kollegen aufmerksam. Sie informierten an einem Stand und hängten auch Infozettel in der Innenstadt aus.

Das Portal Labournet berichtet regelmäßig über internationale Arbeitskonflikte. So auch über die Situation in Changchun, die sich laut dieser Quelle zunächst unspektakulär und friedlich darstellte. Die Leiharbeiter forderten mehr Geld und eine Angleichung der sozialen Standards an die der Stammbelegschaft. „Die Proteste der rund 3000 Leiharbeiter von FAW-VW in Changchun begannen Anfang November 2016 keineswegs als Proteste: Sie wollten verhandeln über die Einhaltung der chinesischen Arbeitsgesetze im Werk und gegen ihre soziale Diskriminierung vorgehen. Wozu sie zunächst zu durchaus stattfindenden Verhandlungen eine eigene Delegation wählten und die Mediation der örtlichen Gewerkschaft hatten. Erst als diese Verhandlungen abrupt und ergebnislos abgebrochen wurden, organisierten sie ihre Proteste selbstständig und öffentlich“, heißt es dort.

Volkswagen habe sich nicht in diesen Fall einmischen wollen. Die Begründung: Man halte nur eine Minderheitsbeteiligung. Auf frühere Anfragen unserer Zeitung verwies auch der Betriebsrat auf die rechtliche Konstruktion der Minderheitsbeteiligung. In der Zwischenzeit hatte sich der Konflikt verschärft. Fu Tianbo, der Sprecher der Bewegung der Leiharbeiter, geriet ins Visier der chinesischen Behörden und wurde verhaftet. Das Internet-Portal der Leiharbeiter wurde stillgelegt. Labournet schlussfolgert: „Das Vorgehen der chinesischen Behörden gegen den Sprecher der Bewegung Fu Tianbo ist ein Ergebnis der völligen Ablehnung legitimer Forderungen: Deswegen ist aus betrieblichen Problemen nun ein Kriminalfall konstruiert worden, als Vorwand, gegen die Bewegung repressiv zu werden. Mehrere Basisgruppierungen aus China und Hongkong, Einzelpersonen und auch Labournet Germany rufen zur sofortigen Freilassung von Fu Tianbo auf und zu Verhandlungen über die berechtigten Forderungen der Leiharbeiter“. Das Joint Venture FAW-VW gehört zu 60 Prozent dem Staatsunternehmen FAW. Volkswagen hält 20 Prozent, Audi 10 Prozent. 10 Prozent hält die Volkswagen China Investment Company Ltd.

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/article212576637/China-unterdrueckt-Protest-der-Leiharbeiter.html (http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/article212576637/China-unterdrueckt-Protest-der-Leiharbeiter.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 18. November 2017, 15:26:31
Ups, das war doppelte Arbeit, ich hatte den Artikel gleichzeitig als Screenshot gesichert.

(https://abload.de/img/wolfsburgernachrichteposoa.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburgernachrichteposoa.jpg)

Auf jeden Fall ist das schon enorm. Jetzt hat die gesamte Tagespresse Wolfsburgs das Thema aufgegriffen. In diesem Falle wurde sogar eigenständig recherchiert und nicht nur von unserem Flugblatt abgeschrieben.

Jetzt stehen Konzern und Betriebsrat unter öffentlichem Druck.
Werden sie wieder versuchen es auszusitzen?


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rudolf Rocker am 18. November 2017, 21:33:24
Coole Aktion!!!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 19. November 2017, 12:18:13
Ein kurzer Bericht über die Aktion und einige der Fotos kursieren in den sozialen Medien Chinas.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: cyberactivist am 19. November 2017, 18:45:37
Link zu den labournet-Beiträgen:
http://www.labournet.de/category/internationales/china/arbeitsbedingungen-china/vw-china/ (http://www.labournet.de/category/internationales/china/arbeitsbedingungen-china/vw-china/)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: tleary am 21. November 2017, 04:55:58
Ob ein Leiharbeiter in China von den Protesten überhaupt etwas mitbekommt? - Und appropo: Wo ist der Protest gegen die kürzlich entlassen Leiharbeiter bei VW hier in Deutschland? - Und deren ebenfalls schlechtere Bezahlung als die der Stammbelegschaft?


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 21. November 2017, 09:20:57
Ob ein Leiharbeiter in China von den Protesten überhaupt etwas mitbekommt?

  Ja.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 21. November 2017, 13:35:21
Ich gehe davon aus, daß die Aktion eine innergewerkschaftliche Auseinandersetzung nach sich zieht.

Aufgrund der vorangegangenen Berichte im Labournet Germany haben sich bereits Betriebsräte der SPIE GmbH, Sulzer GmbH, Humbold Wedag GmbH und KHD Humbold Wedag AG an die IGM Führung gewandt und die Gewerkschaft aufgefordert in der Sache Stellung zu beziehen.

Es ist schließlich ein Unding: Nicht nur das Chinesische Arbeitsrecht verpflichtet zu Equal Pay für Leiharbeiter, sondern es gibt auch eine vom Konzernberiebsrat und dem Europäischen Betriebsrat von Volkswagen unter IndustriALL unterschriebene Charta, die hier nicht eingehalten wird. Wenn die Leiharbeiter für die Einhaltung von Verträgen und Gesetzen protestieren und dafür kriminalisiert werden, dann ist es ein Skandal, wenn die Vorsitzenden des Konzernbetriebsrats und Eurobetriebsrats Osterloh und Patta untätig bleiben und berhaupten, nicht zuständig zu sein.

Die Inhaftierung des Sprechers der Leiharbeiter und das nun eingeleitete Strafverfahren wg. Störung der öffentlichen Ordnung zeigen den Ernst der Situation und die Notwendigkeit internationaler Solidarität.

IndustriALL organisiert als weltweit agierender Gewerkschaftsverband ca. 50 Millionen Mitglieder von 197 Einzelgewerkschaften. Präsident von industriALL ist der deutsche IGM Vorsitzende Jörg Hofmann. Das im Stich lassen der Kollegen in China ist ein Affront gegen alle gewerkschaftlichen Grundsätze.

Der Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall hat einen Bericht über die Soliaktion in Wolfsburg auf ihre Homepage gestellt:
http://www.arbeitskreis-internationalismus.de/kampf-gegen-leiharbeit-auch-in-china/ (http://www.arbeitskreis-internationalismus.de/kampf-gegen-leiharbeit-auch-in-china/)

Ach das Labournet berichtet: http://www.labournet.de/?p=124166 (http://www.labournet.de/?p=124166)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 21. November 2017, 17:22:32
Ein paar Screenshots von dem, was sich gerade in chinesischen Sozialen Medien verbreitet:
(englischsprachige Übersetzungen in rot)

(https://abload.de/img/screenshot2017-11-21a47ksp.png) (http://abload.de/image.php?img=screenshot2017-11-21a47ksp.png)

(https://abload.de/img/screenshot2017-11-21au3jqx.png) (http://abload.de/image.php?img=screenshot2017-11-21au3jqx.png)

(https://abload.de/img/screenshot2017-11-21auej1z.png) (http://abload.de/image.php?img=screenshot2017-11-21auej1z.png)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 21. November 2017, 22:19:40
Der filzige Arm von Volkswagen reicht teilweise so weit, da denkt man gar nicht dran. Daher auch mal ein Dankeschön an Journalisten, die so etwas erwähnen:
Zitat
21.11.17
Österreicher zieht trotz Top-Angebotes von Porsche vor Gericht

Dieselgate: Jetzt wird mit Spannung das Gutachten eines Experten erwartet.

(...)
Das Gerichtsurteil wird in den nächsten Tagen erwartet. Spannend ist vor allem, zu welchem Urteil der vom Gericht eingesetzte Sachverständige Werner Tober vom Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik an der TU Wien kommt. „Er soll prüfen, ob der mit Schummelsoftware ausgerüstete Kompakt-SUV die im Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) vorgeschriebenen Stickoxidwerte (NOx) einhält – und zwar ohne die vom deutschen Kraftfahrtbundesamt als verbotene Abschalteinrichtung qualifizierte Manipulationssoftware“, heißt es auf dem Portal „trend“.

Der TU Wien kann man beileibe kein schlechtes Verhältnis zum Unternehmen Porsche unterstellen. Der ehemalige VW-Chef und Ex-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch wurde vor drei Jahren für seine Verdienste mit dem Titel Ehrensenator geehrt. Piëch hielt dort seit Jahren die Block-Lehrveranstaltungen „Innovationsmanagement I und II“ vor Studenten ab. Seit 1977 verleiht die TU zudem alle zwei Jahre den mit 50 000 Euro dotierten Porsche-Preis. (...)

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article212611263/Oesterreicher-zieht-trotz-Top-Angebotes-von-Porsche-vor-Gericht.html (http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article212611263/Oesterreicher-zieht-trotz-Top-Angebotes-von-Porsche-vor-Gericht.html)

Es ist nicht wirklich abwegig, wenn hier im vorher abgesprochenen Einvernehmen zwischen Kläger, Beklagten und Gutachter (und Richter) ein Urteil geschaffen werden sollte, das Rechtssicherheit für VW liefert.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: dagobert am 22. November 2017, 01:26:24
Wenn die Leiharbeiter für die Einhaltung von Verträgen und Gesetzen protestieren und dafür kriminalisiert werden, dann ist es ein Skandal, wenn die Vorsitzenden des Konzernbetriebsrats und Eurobetriebsrats Osterloh und Patta untätig bleiben und berhaupten, nicht zuständig zu sein.
Rein formell betrachtet könnte das sogar stimmen, VW-China ist meines Wissens im Weltkonzernbetriebsrat nicht vertreten. Vielleicht weil VW da nur eine Minderheitsbeteiligung hält?

Das pdf ist schon etwas älter, aber was neueres hab ich nicht gefunden.
https://www.boeckler.de/pdf/p_arbp_027.pdf (https://www.boeckler.de/pdf/p_arbp_027.pdf)
(VW ab Seite 24, Übersicht der Werke Seite 26)

Eine Stellungnahme zum Thema oder ene Soli-Erklärung sollte aber eigentlich trotzdem drin sein.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 22. November 2017, 09:29:34
Die machen es sich halt sehr einfach, wenn sie sich auf das Formelle zurückziehen. Anfang des Jahrtausends hat der Arbeitskreis "Intersoli" der IGM Wolfsburg das noch anders gesehen, u.a.:
Zitat
Die chinesischen Gewerkschaften sind aufgrund ihrer nicht demokratischen Strukturen (noch) nicht Mitglied im Welt-Konzernbetriebsrat.

http://www.igmetall-wob.de/gruppengremien/intersoli/archiv/arbeitskreis-intersoli-china/ (http://www.igmetall-wob.de/gruppengremien/intersoli/archiv/arbeitskreis-intersoli-china/)

Und 2013 gab es zum Beispiel ein Treffen auf offizieller Ebene:
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=28990.msg326998#msg326998 (http://www.chefduzen.de/index.php?topic=28990.msg326998#msg326998)

Egal ob China nun Mitglied im Weltbetriebsrat ist, der ja auch nur ein freiwilliges Konstrukt ist, oder nicht: Diese Funktionäre haben einfach keine Klasse.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 22. November 2017, 10:42:29
Zitat
Auto-Absatz
"China der wichtigste Markt"

Die deutschen Autohersteller haben ihren Export nach China deutlich ausgebaut.


Inzwischen gehe jedes dritte Auto in die Volksrepublik, teilte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young in einer Analyse mit. Der Markt in China habe den deutschen Konzernen das dritte Quartal gerettet, da der Absatz in Westeuropa stagniere. Volkswagen sei mit 1,1 Millionen verkauften Autos nach wie vor Marktfführer in China, hieß es weiter, gefolgt von General Motors mit einer Million Fahrzeugen. Auf dem Vormarsch sei auch die Elektromobilität. Hier entwickle sich China zum weltweiten Leitmarkt, schreiben die Analysten.
http://www.deutschlandfunk.de/auto-absatz-china-der-wichtigste-markt.1939.de.html?drn:news_id=818059 (http://www.deutschlandfunk.de/auto-absatz-china-der-wichtigste-markt.1939.de.html?drn:news_id=818059)

  • China ist der wichtigste Markt für VW.
  • VW ist Marktführer in China
  • Im Werk Changchun werden Autos der Marke VW produziert
  • Der Gewerkschaftsverband IndustriALL mit ca. 50 Millionen Mitgliedern wurde gegründet als Antwort auf die Globalisierung der Wirtschaft
  • Das FAW-VW Werk Changchun gehört zum Wirkungsbereich von IndustriALL
  • Die Kriminalisierung von Arbeitern, die ihre Rechte einfordern, darf von keiner Gewerkschaft akzeptiert werden, die sich als Vertretung der Beschäftigten versteht.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rudolf Rocker am 24. November 2017, 10:09:23
Zitat
VW erteilt Arbeitern in China eine Abfuhr
http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/VW-erteilt-Arbeitern-in-China-eine-Abfuhr-,vwchina102.html (http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/VW-erteilt-Arbeitern-in-China-eine-Abfuhr-,vwchina102.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 24. November 2017, 14:43:49
Dieser Bericht ist wohl auch eine Folge unserer kleinen Aktion.

Was jetzt ansteht ist die innergewerkschaftliche Diskussion. Was der Sprecher des VW Betriebsrats zum besten gibt, läßt tief blicken.

Zitat
In Wolfsburg allerdings ist man zurückhaltend - und das habe auch seinen Grund, so ein Betriebsratssprecher auf Anfrage von NDR Info. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, das gelte natürlich grundsätzlich auch für China: "Wir bitten aber um Verständnis dafür, dass wir nicht über alle Bemühungen des Weltkonzernbetriebsrates zu diesem Thema öffentlich berichten können, um aufgebautes Vertrauen nicht zu gefährden." Zudem sei die von den Leiharbeitern vorgebrachte Charta der Zeitarbeit des VW-Konzern im Werk in Changchun nicht verbindlich. Es sei bislang leider nicht gelungen, diese in China durchzusetzen.

Die Volksrepublik sei eben ein Sonderfall, heißt es immer wieder aus dem Konzern. VW habe nur eine Minderheitsbeteiligung am Werk in Changchun. Das Sagen habe der örtliche Parteisekretär. Die chinesische Seite in der Öffentlichkeit zu kritisieren, würde dazu führen, dass bald gar nichts mehr ginge. Ein Dilemma: Die Chinesen handeln; geschädigt werde aber im Zweifelsfall der Ruf von VW.

Es ist erschreckend, wenn die Sorge des Betriebsrats über den Ruf des Konzerns größer ist, als über die Rechte der Arbeiter.

Die Leserbriefe unter dem NDR Artikel zeigen, daß eine öffentliche Diskussion losgetreten worden ist:

Zitat
Markus Wendt schrieb am 24.11.2017 07:14 Uhr:

Das ist alles, was Osterloh zu Wege bringt? Wie viel verdient der Herr Betriebsratschef doch gleich noch mal? Wie peinlich ist das denn, wenn dieses Hängenlassen ein Beispiel für innerbetriebliche Solidarität sein soll?

Heiko Herrlich schrieb am 24.11.2017 08:41 Uhr:


Milliarden verdienen und die Mitarbeiter schlecht bezahlen. Danke für diesen Artikel, viele Sachen kommen ohne diese hervorragende journalistische Arbeit nicht ans Licht!

Und wir haben immer gewusst, dass unsere Kollegen im Ausland ausgenutzt werden, auch in Wolfsburg und Hannover werden viele Mitarbeiter mit schlechten Verträgen ausgestattet. Und last but not least, viele Prozessen werden an Fremdunternehmen ausgelagert, drei Mal dürfen Sie raten, weshalb. Damit VW sich die Hände nicht selbst schmutzig macht. Die Zuliefer zahlen schlecht, VW nimmt deren Leistungen deutlich günstiger in Anspruch. Alle außer der Mitarbeiter bleiben im Plus. Ist es nicht herrlich


 sagwas schrieb am 24.11.2017 09:32 Uhr:


Hier in Deutschland ist es die Agenda 2010 (inkl. Leiharbeit) die den Arbeitnehmer in die Armut führt. Die Leiharbeit gehört abgeschafft!
Agenda 2010 = Armut per Gesetz
Mindestlohn = Altersarmut
Made by SPD, Grünen und Gewerkschaften

Baumfrisör schrieb am 24.11.2017 09:57 Uhr:

Warum soll es im fernen China anders sein als zu Hause.
Und das Feigenblatt ist für VW ist die kommunistische Partei Chinas!
Und wenn es im Osten Deutschlands zu teuer wird geht VW eben nach...?. Einen Schuldigen für sittenwidrige Dumpinglöhne wird man schon finden.

Sven P. schrieb am 24.11.2017 10:04 Uhr:


VW ist eben zu groß, hat die entsprechend Protektion und darf sich damit alles erlauben.

Immer mehr entsteht der Eindruck, dass er nur dazu da ist, die Belegschaft ruhig zu halten.
Die vermuteten "überhöhten Zahlungen" an der Betriebsratschef wären dann auch erklärt.

Aber das ist sicher nur eine Verschwörungstheorie.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 24. November 2017, 19:03:10
Ob ein Leiharbeiter in China von den Protesten überhaupt etwas mitbekommt?


Neuerdings auch hier (http://www.globalmon.org.hk/zh-hant/content/%E3%80%90%E5%9C%8B%E9%9A%9B%E5%9C%98%E7%B5%90%E3%80%91%E5%BE%B7%E5%9C%8B%E5%B7%A5%E4%BA%BA%E6%8A%97%E8%AD%B0%E5%A4%A7%E7%9C%BE%E5%89%9D%E5%89%8A%E4%B8%AD%E5%9C%8B%E6%B4%BE%E9%81%A3%E5%B7%A5-%E8%A6%81%E6%B1%82%E9%87%8B%E6%94%BE%E5%B7%A5%E4%BA%BA%E4%BB%A3%E8%A1%A8).


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 25. November 2017, 09:14:42
Und in Deutschland verbreitet sich die Info auch überregional:

Zitat
Gleicher Lohn?
VW hat in China Ärger mit Leiharbeitern

Changchun/Wolfsburg (DK) Die Leiharbeiter im chinesischen VW-Werk Changchun beißen mit ihrer Forderung nach gleicher Bezahlung (Equal Pay) wie die Stammbelegschaft auf Granit. Selbst der Weltkonzernbetriebsrat des Autobauers sieht offenbar keine Möglichkeit, an der Situation etwas zu ändern.


Das geht aus einem Schreiben der VW-Arbeitnehmervertreter Bernd Osterloh und Frank Patta an die rund 3000 betroffenen Zeitarbeitskräfte hervor, die im Juli den Konzernbetriebsrat um Unterstützung gebeten hatten.

Wie der NDR am Freitag berichtete, entgegneten Osterloh und Patta, sie könnten die Vorwürfe der Leiharbeiter nicht verifizieren. Sie sollten sich an das "Hinweisgebersystem" von VW und die "zuständigen Stellen in China" wenden.

Die Zeitarbeiter hatten moniert, dass in Changchun - ein Joint Venture von VW und Audi mit dem chinesischen Partner First Automotive Works (FAW) - gegen die Charta der Zeitarbeit von VW verstoßen werde. Dort heißt es: "Bezugsbasis für Equal Pay ist das jeweilige Grundentgelt."

Zwar erhalten die Leiharbeiter den gleichen Lohn, aber nicht die Zusatzleistungen der Stammbelegschaft. In der Charta steht aber auch, "alle weiteren Entgeltpauschalen" richteten sich "nach orts- bzw. branchenüblichen Sätzen".
http://www.donaukurier.de/nachrichten/wirtschaft/lokalewirtschaft/Changchun-Gleicher-Lohn;art1735,3601884 (http://www.donaukurier.de/nachrichten/wirtschaft/lokalewirtschaft/Changchun-Gleicher-Lohn;art1735,3601884)

"Zwar erhalten die Leiharbeiter den gleichen Lohn, aber nicht die Zusatzleistungen der Stammbelegschaft."
Das ist nicht richtig. Die Leiharbeiter im FAW-VW in Changchun verdienen etwa halb so viel, wie die Stammbeschäftigten.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 25. November 2017, 12:29:42
Die Geschichte zieht immer weitere Kreise:

Zitat
VW-Leiharbeiter in China protestieren

Sie fordern vom Weltkonzernbetriebsrat Solidarität. Der reagiert reserviert


([url]https://www.braunschweiger-zeitung.de/img/wirtschaft/crop212646275/8213973968-w940-cv16_9-q85/26779489.jpg[/url])
Arbeiter arbeiten an einem VW Bora Sedans im Joint-Venture-Werk von FAW-Volkswagen in Changchun.

Im nordchinesischen Changchun produziert Volkswagen mit seinem chinesischen Partner First Automotive Works (FAW) unter anderem verschiedene VW- sowie Audi-Modelle. FAW hält an dem Joint Venture mit 60 Prozent die Mehrheit. Seit rund einem Jahr organisieren sich in dem Werk Leiharbeiter und fordern die Anpassung ihres Lohns an den der Stammbelegschaft. Im Zuge ihrer Proteste wurden drei VW-FAW-Mitarbeiter inhaftiert, zwei davon sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. Die inhaftierten Leiharbeiter wandten sich in einem Brief sowohl an den VW-Konzern als auch an den Gesamtbetriebsrat. Aber die Antwort von Bernd Osterloh und Frank Patta vom VW-Weltkonzernbetriebsrat habe die Arbeiter enttäuscht, wie der NDR gestern berichtete.

In dem Bericht wird Keegan Elmer, der für die nichtstaatliche Organisation „China Labour Bulletin“ arbeitet, wie folgt zitiert: „Der Betriebsrat hätte aktiver sein müssen. Ich hoffe ja wirklich, dass der Betriebsrat sich über die Situation informiert und eine klarere Position bezieht für die chinesischen Arbeiter.“ Die Organisation setzt sich von Hongkong aus für die Rechte der Arbeiter in der Volksrepublik ein.
http://www.harzkurier.de/wirtschaft/article212646277/VW-Leiharbeiter-in-China-protestieren.html (http://www.harzkurier.de/wirtschaft/article212646277/VW-Leiharbeiter-in-China-protestieren.html)

Den gleichen Artikel findet man auch bei der Braunschweiger Zeitung:
https://www.braunschweiger-zeitung.de/wirtschaft/article212646277/VW-Leiharbeiter-in-China-protestieren.html (https://www.braunschweiger-zeitung.de/wirtschaft/article212646277/VW-Leiharbeiter-in-China-protestieren.html)
Das ist recht bedeutend, da sich dort auch ein großes VW Werk befindet.

Auch unter Leiharbeitern in Deutschland wird die Diskussion über die eigene Situation befeuert.

https://de-de.facebook.com/igleiharbeit/posts/731748137017372 (https://de-de.facebook.com/igleiharbeit/posts/731748137017372)
https://gdabetriebsgruppe.netzwerkit.de/2017/11/25/leihkeule-aktiv-in-wolfsburg/ (https://gdabetriebsgruppe.netzwerkit.de/2017/11/25/leihkeule-aktiv-in-wolfsburg/)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 25. November 2017, 12:51:18
Ich habe beim Googeln herausgefunden, daß obiger Artikel "Gleicher Lohn?" aus dem Donaukurier auch eine besondere Bedeutung hat.
Der Donaukurier ist die Tageszeitung von Ingolstadt und in Ingolstadt ist der größte Produktionsstandort von Audi mit 37.400 Mitarbeitern. Audi produziert auch in dem besagten Werk in Changchun.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 26. November 2017, 09:53:46
Zitat
Leiharbeiter fordern von VW gleichen Lohn

Das Werk von FAW-VW Automotive Co. Ltd. in Changchun im Nordosten Chinas hat über 23.000 Beschäftigte, 3.000 davon sind Leiharbeiter.


([url]https://www.rf-news.de/2017/kw30/leiharbeiter-fordern-von-vw-gleichen-lohn/@@images/image/preview[/url])
Auch in Deutschland kämpfen Beschäftigte der Stammbelegschaften und Leiharbeiter gemeinsam für gleiche Rechte

Die Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter bekommen nur die Hälfte oder noch weniger Lohn als die Stammbelegschaft. Die Forderung nach gleicher Bezahlung wurde von VW abgelehnt, staatliche Behörden und die staatliche Gewerkschaft haben die Leiharbeiter vertröstet.

500 Leiharbeiter blockierten Kreuzung


Darauf sind sie mit ihrem Protest auf die Straße gegangen. Im Februar haben 500 Leiharbeiter eine Kreuzung blockiert. VW versprach, die Sache ernst zu nehmen. Mit dem Ergebnis, dass die Polizei seit Februar ihre Präsenz am Werk verstärkt und am 26. Mai drei Aktivisten festgenommen hat. Einer davon, Fu Tianbo, sitzt immer noch im Gefängnis.

Der VW-Vorstand redet sich damit heraus, dass die Leiharbeiter nicht bei VW, sondern beim Staatskonzern FAW beschäftigt seien. Am 15. Juli haben die Sprecher der protestierenden Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter einen offenen Brief an die Konzernleitung von VW, den europäischen und Welt-Konzernbetriebsrat geschrieben. Darin heißt es unter anderem:

"Seit langer Zeit werden LeiharbeiterInnen bei FAW-Volkswagen schonungslos ausgebeutet. Der Lohnunterschied zwischen uns und den bei FAW-Volkswagen fest angestellten ArbeiterInnen ist enorm groß. Um unsere legitimen Ansprüche zu wahren, haben wir uns als LeiharbeiterInnen organisiert und begonnen, für unsere Rechte zu kämpfen. ...

Ein Aktivist immer noch in Haft

Fu Tianbo, einer unserer Vertreter, befindet sich wegen des Verdachts auf 'Aufruf zur Versammlung und Störung öffentlicher Ordnung' bereits seit zwei Monaten in polizeilichem Gewahrsam! Ai Zhenyu und Wang Shuai, zwei weitere Vertreter, wurden von der Polizei sieben Tage lang festgehalten und mittlerweile wieder freigelassen. ...

Wir alle, die bei FAW-Volkswagen für unsere Rechte und Interessen eintretenden KollegInnen, fordern den Europäischen Konzernbetriebsrat, den Weltkonzernbetriebsrat sowie die Konzernleitung von Volkswagen mit Nachdruck auf, die Rechte von LeiharbeiterInnen voll und ganz zu respektieren und unseren Arbeitskonflikt mit FAW-Volkswagen gemäß den Vorschriften der 'Charta der Zeitarbeit im Volkswagen-Konzern' zu lösen."


Die Kolleginnen und Kollegen haben einen Song gegen die Leiharbeit gemacht:
[url=http://www.youtube.com/watch?v=WhBrBjAr7_Y]www.youtube.com/watch?v=WhBrBjAr7_Y[/url] ([url]http://www.youtube.com/watch?v=WhBrBjAr7_Y[/url])

Dort heißt es unter anderem: „Niemand hat mich in meinem Leben so sehr verletzt wie FAW-VW.“
https://www.rf-news.de/2017/kw30/leiharbeiter-fordern-von-vw-gleichen-lohn (https://www.rf-news.de/2017/kw30/leiharbeiter-fordern-von-vw-gleichen-lohn)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 26. November 2017, 18:08:30
Mir ist gerade zugeschickt worden, daß der NDR Info Beitrag am 24.11. auch landesweit  über den Deutschlandfunk ausgestrahlt worden ist.

Der Programmhinweis: http://www.deutschlandfunk.de/informationen-am-morgen.1764.de.html?drbm:date=2017-11-23 (http://www.deutschlandfunk.de/informationen-am-morgen.1764.de.html?drbm:date=2017-11-23)

Sounddatei zum Nachhören: http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2017/11/24/abfuhr_aus_wolfsburg_vw_leiharbeiter_in_china_hoffen_auf_dlf_20171124_0839_84288a51.mp3 (http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2017/11/24/abfuhr_aus_wolfsburg_vw_leiharbeiter_in_china_hoffen_auf_dlf_20171124_0839_84288a51.mp3)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 27. November 2017, 13:29:31
Hier eine Zusammenfassung der Situation vor Ort:

FAW-VW hat den Leiharbeitern 2400 Arbeitsplätze angeboten, wie es offiziell in einem Rekrutierungsdokument vom Juni als Zugeständnis an den Arbeiterprotest heißt. Erstens ist es für die Leiharbeiter problematisch, dass davon sich nur 500 Arbeitsplätze in Changchun befinden, wo sie vor gut 10 Jahren für den Job hingezogen sind. Die anderen Jobs sind in verschiedenen Städten und die Arbeiter sollen erklären, in Zukunft nicht nach Changchun zurückzukehren. Zweitens müssen die Arbeiter eine Verzichtserklärung unterschreiben für eine evtl. Entschädigung für die unrechtmäßig vorenthaltenen Löhne, wenn sie den Job annehmen. Und drittens ist die Jobvergabe nicht frei von weiteren Bedingungen: Es gibt einen Prüfungs- und Auswahlprozess, der mit Korruption verbunden sein könnte, was die Arbeiter befürchten. Das Angebot machte jedoch viele Leiharbeiter zu Stammbeschäftigten und spaltet die Protestierenden.

Es muss betont werden, dass die meisten Leiharbeiter seit mehr als 10 Jahren in der Fabrik arbeiten. Und tatsächlich hat FAW-VW seit 2008 aufgehört, "entsandte" Arbeiter anzuwerben. Stattdessen haben sie "Outsourcing" -Arbeitskräfte alsTemporärkräfte genutzt. Das ist nur vom Namen her etwas anderes, um so das Arbeitsgesetz zu umghehen. Und sie haben damit neue, flexiblere und billigere temporäre Arbeitskräfte - durch die Arbeit von Studenten (Praktikanten)! Deshalb haben sie behauptet, dass sie nur 500 Zeitarbeiter haben werden.

Als letzter Punkt: VW reagiert nie auf die Verhaftung von Fu Tianbo. Er wurde im Gebäude des Unternehmens eingesperrt, als die Arbeiter versuchten, die Leute aus dem Personalbüro zu finden, um ihnen die Fehler im Umgang mit ihren Rechten und ihrer Bezahlung zu erklären. Das Unternehmen kann nicht einfach der Regierung die Schuld in die Schuhe schieben.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 27. November 2017, 22:12:23
Zitat
27.11.17
Vratislavice bekennt sich wieder zum berühmten Sohn Porsche

Im nordböhmischen Maffersdorf, heute das tschechische Vratislavice, wurde Ferdinand Porsche 1875 geboren. Vor sechs Jahren kaufte der Autohersteller Škoda das Elternhaus des Automobilpioniers. Inzwischen wurde das Anwesen originalgetreu rekonstruiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
(...)
Porsches engste Verbindung zur verbrecherischen Nazi-Diktatur, die ihm die teilweise Realisierung seines Traums von der Massenmotorisierung ermöglichte, hatte in seinem Geburtsort immer wieder für heftige Debatten gesorgt. Im Gefolge dieses Streites war der Name Porsches zeitweise von den Ortsschildern entfernt worden.
https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article212669941/Vratislavice-bekennt-sich-wieder-zum-beruehmten-Sohn-Porsche.html (https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article212669941/Vratislavice-bekennt-sich-wieder-zum-beruehmten-Sohn-Porsche.html)

Die Reinwaschung geht weiter. Porsche war nur ein genialer Konstrukteur und ging dabei lediglich aus Versehen über Leichen. Auf keinen Fall war er Nazi.

In Wolfsburg bummelt man seit jeher in der Porschestraße herum.

REPORT vom 28.11.17:
Zitat
Warum musste der Jude Adolf Rosenberger das Unternehmen verlassen?

Adolf Rosenberger war Mitgründer der Porsche GmbH. Von REPORT MAINZ recherchierte Dokumente belegen, dass er sich während der Nazizeit aus dem Unternehmen gedrängt sah, weil er Jude war.

Der frühere Rennfahrer und Mitgründer der Porsche GmbH, Adolf Rosenberger, sah sich im Nationalsozialismus aus dem Unternehmen gedrängt, weil er Jude war. Das geht aus Dokumenten aus der Hinterlassenschaft Adolf Rosenbergers hervor, die dem ARD-Politikmagazins REPORT MAINZ exklusiv vorliegen. So schrieb er in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg an seine Anwälte wörtlich: "Es wurde mir vorgehalten, dass ein Wimpel … als judenreiner Betrieb nicht gegeben würde, solange ich Gesellschafter bin. … Ich unterstelle den Herren Porsche und Piëch zumindest keinen persönlichen Antisemitismus. Wie jedoch bereits geschildert, haben sie sich meiner Mitgliedschaft als Jude bedient, um mich billig los zu werden." Die Dokumente werden von der mit Rosenberger befreundeten Familie Esslinger in Los Angeles aufbewahrt. Damit ist die im September veröffentlichte wissenschaftliche Aufarbeitung der Frühgeschichte von Porsche unvollständig. Dem vom Unternehmen mitfinanzierten und vom Stuttgarter Historiker Professor Wolfram Pyta erstellten Buch fehlen die von REPORT MAINZ recherchierten Dokumente. Damit bleibt ein wichtiger Teil der Sichtweise von Adolf Rosenberger unberücksichtigt.
https://www.swr.de/report/verdraengte-porsche-geschichte-warum-musste-der-jude-adolf-rosenberger-das-unternehmen-verlassen/-/id=233454/did=20470954/nid=233454/sh4rls/index.html (https://www.swr.de/report/verdraengte-porsche-geschichte-warum-musste-der-jude-adolf-rosenberger-das-unternehmen-verlassen/-/id=233454/did=20470954/nid=233454/sh4rls/index.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Onkel Tom am 29. November 2017, 16:34:00
Ich finde es schon mal gut, das wir der VW-Gemeinde inklusive deren gewerkschaftlicher Vertreter
den Zahn "Oh, das war uns aber nicht bekannt.." gezogen haben. Das diese Situation auch in China
angekommen ist, um so besser.

Ich hoffe, das die Leiharbeiter_innen in Changchun neue (kreative) Wege finden, ihre Forderungen
durch zu setzen.

 ;)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: cyberactivist am 01. Dezember 2017, 18:52:07
Mirror des Radiobeitrags/Podcasts auf chefduzen.de:
https://www.chefduzen.de/vw/abfuhr_aus_wolfsburg_vw_leiharbeiter_in_china_hoffen_auf_dlf_20171124_0839_84288a51.mp3 (https://www.chefduzen.de/vw/abfuhr_aus_wolfsburg_vw_leiharbeiter_in_china_hoffen_auf_dlf_20171124_0839_84288a51.mp3)

Ich nehme damit Bezug auf den Beitrag von admin:
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=28990.msg333608#msg333608 (http://www.chefduzen.de/index.php?topic=28990.msg333608#msg333608)

Zitat
Mir ist gerade zugeschickt worden, daß der NDR Info Beitrag am 24.11. auch landesweit  über den Deutschlandfunk ausgestrahlt worden ist.

Der Programmhinweis: [url]http://www.deutschlandfunk.de/informationen-am-morgen.1764.de.html?drbm:date=2017-11-23[/url] ([url]http://www.deutschlandfunk.de/informationen-am-morgen.1764.de.html?drbm:date=2017-11-23[/url])

Sounddatei zum Nachhören:
[url]http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2017/11/24/abfuhr_aus_wolfsburg_vw_leiharbeiter_in_china_hoffen_auf_dlf_20171124_0839_84288a51.mp3[/url] ([url]http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2017/11/24/abfuhr_aus_wolfsburg_vw_leiharbeiter_in_china_hoffen_auf_dlf_20171124_0839_84288a51.mp3[/url])


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 02. Dezember 2017, 16:51:12
Zitat
1.12.17
Autobauer will Diktatur-Opfer in Brasilien entschädigen
(...)

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/volkswagen-autobauer-will-diktatur-opfer-in-brasilien-entschaedigen/20659698.html (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/volkswagen-autobauer-will-diktatur-opfer-in-brasilien-entschaedigen/20659698.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Uncle-Marc am 02. Dezember 2017, 20:09:02
Guten Abend,

ich schreibe hier heute das letzte Mal in diesem Thread, nachdem meine Beiträge ja zuerst gelöscht und dann in einem neuen Threadhttp://www.chefduzen.de/index.php?topic=328986.0
wieder aufgetaucht sind, den ich sogar verfasst haben soll.
Jedenfalls werde ich als Verfasser dieses Threads genannt.

Schade eigentlich, dass man auch etwas andere Meinungen bezüglich VW nicht akzeptieren möchte, und diese dann ganz einfach wegmacht.

Über VW wird sich gerade in diesem Thread so erbarmungslos aufgeregt, weil vermeintlich Arbeiter aus fernen Ländern wegen andersartiger Meinungen eingesperrt worden sind, aber hier im Forum scheint es mir so, dass man mit andersartigen Meinungen auch so Akzeptanzschwierigkeiten zu haben scheint, indem derjenige zwar nicht eingesperrt wird, aber seine Meinung ausgesperrt.

Nun gut, ich beuge mich dem, den offenbar werde ich bezüglich dieses VW-Themas von den Verantwortlichen des Forums als Querulant angesehen, was auch sicherlich bezüglich dem VW-Thema unumwunden der Fall sein dürfte, aber nun kann ich auch Firmen besser verstehen, wenn die mit Querulanten so verfahren, wie die halt offenbar verfahren sein könnten.

Ich finde es halt trotzdem schade, dass hier in diesem Thread nur einseitige Meinungen zu lesen sind.
Das ist und bleibt meiner Meinung nach wenig objektiv.

Ich wünsche trotzdem noch einen schönen Abend, und ein schönes Wochenende, und "diskutiert", oder besser gesagt belobigt Euch alle in diesem Thread ruhig weiter, aber ab jetzt ohne mich!

P.S.: Ich bin übrigens in meinem Leben schon öfters mal "angefeindet" worden, aber das ist nicht schlimm, denn nur wer gegen die Strömung schwimmt, und vorwärts kommt, wird ein guter Schwimmer!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 02. Dezember 2017, 20:27:26
Kein Wort von Uncle-Marc ist hier gelöscht worden.
Die Beiträge, die inhaltlich nicht in diesen Thread paßten, sind zusammen verschoben worden und haben nun einen neuen Titel und einen eigenen Diskussionsstrang.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: tleary am 03. Dezember 2017, 02:31:22
Ob ich es noch erleben werde? Einen Tag mit positiven, motivierenden Nachrichten?
In der Journalistensprache heißt das "Only bad news are good news". Also, auf deinen Fall übertragen: Wenn der Kapitalismus zusammenbricht, wäre das die "postivste, motivierendeste Nachricht" überhaupt. - Ober wie die Folgezeit dann allerdings überleben würden, bis die "neue Gesellschaft" entsteht, mag bezweifelt werden.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: tleary am 03. Dezember 2017, 02:32:44
Ob ich es noch erleben werde? Einen Tag mit positiven, motivierenden Nachrichten?
In der Journalistensprache heißt das "Only bad news are good news". Also, auf deinen Fall übertragen: Wenn der Kapitalismus zusammenbricht, wäre das die "postivste, motivierendeste Nachricht" überhaupt. - Ober wie die Folgezeit dann allerdings überleben würden, bis die "neue Gesellschaft" entsteht, mag bezweifelt werden.

P.S.: Wo bist du hin, Stromboli?


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Uncle-Marc am 03. Dezember 2017, 08:52:03

In der Journalistensprache heißt das "Only bad news are good news".


Nope.... much more appropriate would be "washing dirty laundry"


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 03. Dezember 2017, 13:09:02
(weiter im Hetzthread)

Ferdinand Porsche, die alte Nazisau:

Als Geschäftsführer der Volkswagenwerk GmbH, Wehrwirtschaftsführer, SS-Oberführer und Träger des Totenkopfrings war Porsche einer der ersten, die Zwangsarbeiter bei Himmler anforderten.
Er war maßgeblich an der Entwicklung diverser Waffen beteiligt. Ein Panzer hieß sogar „Ferdinand“. Er war unter anderem Mitgesellschafter der Tarnfirma Minette GmbH, die dazu diente, auch außerhalb des Werksgeländes in Untertage-Fertigung im KZ-Außenlager Thiel V1-Raketen produzieren zu lassen. Die Minette GmbH wurde erst 1957 aufgelöst.

Sein ehemaliger Geschäftspartner Adolf Rosenberger sagte, dass sein Motiv nicht persönlicher Antisemitismus gewesen sei. Da stellt sich die Frage, was ein unpersönlicher Antisemitismus ist und wie man den bewerten muss.

Porsches Schwiegersohn Anton Piëch war Werksleiter in der KdF-Stadt. Gegen Kriegsende ist er mit 10 Millionen Reichsmark nach Österreich durchgebrannt.

Der Grundstock für das heutige Vermögen der Sippe Porsch-Piëch basiert auf einer unsäglichen Verstrickung mit dem Nationalsozialismus und einer kleinen Lizenzgebühr für jeden verkauften Käfer, wobei immer wieder erstaunlich ist, wie ein Rechtskonstrukt wie zum Beispiel das Patentrecht alle Diktaturen überlebt und dann Anwendung findet, wenn es einzelnen Personen nützt.

Dass nicht nur in Wolfsburg Ferdinand Porsche als Namensgeber von Straßen, Schulen u.a. abgefeiert wird, ist sowohl Gedankenlosigkeit als auch der bewusste Versuch, diese alte Nazisau reinwaschen zu wollen.

Die Strategie von Volkswagen und dieser Scheißsippe besteht darin, es nicht zu verschweigen, den Fokus aber auf den Konstrukteur zu lenken. Eine gegenteilige Gewichtung wäre für den Absatz vielleicht nicht so gut, - wobei genug Gehirngewaschene gibt es ja bereits.   

 


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Uncle-Marc am 03. Dezember 2017, 14:54:12
(weiter im Hetzthread)

Ferdinand Porsche:

Als Geschäftsführer der Volkswagenwerk GmbH, Wehrwirtschaftsführer, SS-Oberführer und Träger des Totenkopfrings war Porsche einer der ersten, die Zwangsarbeiter bei Himmler anforderten.


So so, war es nicht Genosse Stalin höchstpersönlich, der Prof. Porsche in den 1930'er Jahre in die UdSSR eingeladen hatte?
Zitat
Er war maßgeblich an der Entwicklung diverser Waffen beteiligt. Ein Panzer hieß sogar „Ferdinand“. Er war unter anderem Mitgesellschafter der Tarnfirma Minette GmbH, die dazu diente, auch außerhalb des Werksgeländes in Untertage-Fertigung im KZ-Außenlager Thiel V1-Raketen produzieren zu lassen. Die Minette GmbH wurde erst 1957 aufgelöst.

Ja, zweifelsohne, der Mann war sehr fähig, und wurde von Adolf Hitler ja auch als "sein böhmischer Konstrukteur" bezeichnet.

weiter: er habe mehrere Generäle, aber nur einen Porsche.

Zitat
Sein ehemaliger Geschäftspartner Adolf Rosenberger sagte, dass sein Motiv nicht persönlicher Antisemitismus gewesen sei. Da stellt sich die Frage, was ein unpersönlicher Antisemitismus ist und wie man den bewerten muss.

Alleine daran sieht man ja, dass er kein Nazi gewesen sein kann, wenn er einen jüdischen Geschäftsfreund und Partner hatte.

%
Zitat
Porsches Schwiegersohn Anton Piëch war Werksleiter in der KdF-Stadt. Gegen Kriegsende ist er mit 10 Millionen Reichsmark nach Österreich durchgebrannt.

Er wurde vielmehr 1945 aufgrund einer scheinheiligen Einladung eines französischen Ministers verhaftet und mehrere Monate eingesperrt, wobei aufgrund von Zeugenaussagen dann doch keine Anklage erhoben werden konnte.
Zitat

Der Grundstock für das heutige Vermögen der Sippe Porsch-Piëch basiert auf einer unsäglichen Verstrickung mit dem Nationalsozialismus und einer kleinen Lizenzgebühr für jeden verkauften Käfer,

Das Vermögen fast aller Wolfsburger Bürger basiert auf dem unsäglichen Erfolg von Volkswagen.

Zitat
wobei immer wieder erstaunlich ist, wie ein Rechtskonstrukt wie zum Beispiel das Patentrecht alle Diktaturen überlebt und dann Anwendung findet, wenn es einzelnen Personen nützt.

Ach so, also ein Schutzhelm, ein Luftdruck Sensor für Reifen, die beheizte Auto-Heckscheibe und vieles mehr wurden also auch alle während der Diktatur erfunden und Patentiert, oder wie sehe ich das?

Zitat
Dass nicht nur in Wolfsburg Ferdinand Porsche als Namensgeber von Straßen, Schulen u.a. abgefeiert wird, ist sowohl Gedankenlosigkeit als auch der bewusste Versuch, diese alte Nazisau reinwaschen zu wollen.

Alleine die Bezeichnung "Nazisau" ist schon nicht tragbar, und kann ggf. juristisch geahndet werden von wem auch immer der sich dazu berufen fühlt.
Ich jedenfalls bin es nicht, denn wie gesagt: Neider sollte man nicht anzeigen, wenn die durch solche Namensgebungen lediglich ihrem eigenen Unmut Luft machen.

Zitat
Die Strategie von Volkswagen und dieser Scheißsippe besteht darin, es nicht zu verschweigen, den Fokus aber auf den Konstrukteur zu lenken. Eine gegenteilige Gewichtung wäre für den Absatz vielleicht nicht so gut, - wobei genug Gehirngewaschene gibt es ja bereits.   

 

Neeeee, die Strategie besteht in der Wahrheit, und der Erfolg gibt der "Sippe" ja immer wieder Recht!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 03. Dezember 2017, 15:24:18
Zitat
So so, war es nicht Genosse Stalin höchstpersönlich, der Prof. Porsche in den 1930'er Jahre in die UdSSR eingeladen hatte?

Er hat dann doch lieber die Einladung des von dir sogenannten Staatsoberhauptes Adolf Hitler angenommen.

Zitat
Ja, zweifelsohne, der Mann war sehr fähig, und wurde von Adolf Hitler ja auch als "sein böhmischer Konstrukteur" bezeichnet.

Traurig, wenn jemand wegen seiner Fähigkeit, Waffen zu bauen, bewundert wird.

Zitat
Alleine daran sieht man ja, dass er kein Nazi gewesen sein kann, wenn er einen jüdischen Geschäftsfreund und Partner hatte.

Beschäftige dich genauer mit den Aussagen, bevor Du weiteren Quark produzierst.
Zitat
Er wurde vielmehr 1945 aufgrund einer scheinheiligen Einladung eines französischen Ministers verhaftet und mehrere Monate eingesperrt, wobei aufgrund von Zeugenaussagen dann doch keine Anklage erhoben werden konnte.

Das hing u.a. mit dem Gebahren bei Peugeot zusammen. Aber auch hier mal wieder eine total sinnlose Aussage. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Zitat
Das Vermögen fast aller Wolfsburger Bürger basiert auf dem unsäglichen Erfolg von Volkswagen.

Es geht nicht um das Vermögen der Wolfsburger Bürger, sondern um das Vermögen einer Sippe, die dementsprechend Einfluß hat.
Zitat
(…) Neider sollte man nicht anzeigen, wenn die durch solche Namensgebungen lediglich ihrem eigenen Unmut Luft machen.

Dieses Neidargument wird überstrapaziert. Ebenso überstrapazierst Du als Firmentroll hier allmählich die Geduld.

ich schreibe hier heute das letzte Mal in diesem Thread
Entscheid dich mal.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 03. Dezember 2017, 15:59:39
Das Neidargument ist ein beliebtes Argument bei den Bürgerlichen, wenn sie nicht mehr weiter wissen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 03. Dezember 2017, 21:37:24
Und nichteinmal Ganovenehre unter diesen Gangstern:

Zitat
Verhafteter US-Manager:
„Von VW verraten“

Einem im Rahmen des Dieselbetrugs verhafteten US-Manager von Volkswagen drohen bis zu sieben Jahre Haft. Wenige Tage vor der Urteilsverkündung hat er sich nun schriftlich an seinen Richter gewandt.


Ein in den USA vor Gericht stehender früherer Umweltmanager von Volkswagen hat in einem Brief Vorwürfe gegen den Autokonzern erhoben. „Ich muss sagen, dass ich mich von meiner eigenen Gesellschaft in dem Diesel-Skandal oder 'Dieselgate' missbraucht fühle“, heißt es in dem Reuters vorliegenden Scheiben an den zuständigen Richter in Detroit.

Als Chef der VW-Umweltabteilung EEO in den USA sei er von seinen Vorgesetzten nicht über die Existenz der später aufgedeckten Betrugssoftware in VW-Dieselmodellen informiert worden. Er sei enttäuscht gewesen, als er im Sommer 2015 erfahren habe, dass VW fast zehn Jahre lang US-Umweltvorschriften systematisch umgangen habe. Zuerst hatte die Bild-Zeitung über den Brief berichtet. Ein VW-Sprecher wollte sich am Sonntag nicht dazu äußern.

Der Manager hat bereits gestanden, Teil einer Verschwörung zur Irreführung der US-Aufsichtsbehörden und zum Verstoß gegen Umweltgesetze gewesen zu sein.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/diesel-skandal-verhafteter-us-manager-von-vw-verraten/20664068.html (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/diesel-skandal-verhafteter-us-manager-von-vw-verraten/20664068.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 04. Dezember 2017, 16:21:20
Zitat
Dez., 2017
Gemeinsam sind wir stärker!

Entlassungen bei VW in Polen als Anlass zur basisgewerkschaftlichen Organisierung und zum Kampf für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen

Nachdem die polnische Basisgewerkschaft "Inicjatywa Pracownicza" ("Die Arbeiter-Initiative") im Volkswagen-Werk in Poznan-Antoninek Anfang September 2017 eine Betriebsgruppe ins Leben gerufen hat, wurde die folgende Entlassung von drei Arbeitern als Versuch der Einschüchterung der gewerkschaftlich aktiven Arbeiter*innen verstanden.

Die Antwort war die Intensivierung des gewerkschaftlichen Engagements der VW-Beschäftigten, nämlich die Gründung einer betriebsübergreifenden IP-Betriebsgruppe.

"Das Leben eines normalen Arbeiters bei VW ist kein Urlaub"


So schreiben die Arbeiter*innen in dem vor dem Werk verteilten Flugblatt. Sie haben die erzwungenen Überstunden, mit einjähriger Verspätung ausbezahlte Überstundenzuschläge und die niedrigen Löhne beklagt.

Dazu kommen noch die Jahr für Jahr verlängerten Leiharbeitsverträge, die die prekäre Lage der Arbeiter*innen vertiefen. Zur Empörung der Belegschaft haben vor allem die zuletzt geplanten Änderungen geführt, die unter Zustimmung der im Betrieb präsenten Solidarnosc Gewerkschaft, aber ohne Absprache mit den Beschäftigten, erfolgt sind. Es handelt sich um die Einführung der dritten Samstagsschicht, obwohl erst vor kurzem im Werk eine zweite Samstagsschicht eingeführt wurde.

Diese Situation wurde von den Arbeiter*innen auf Facebook kommentiert, mit dem Aufruf sich zu organisieren. In Folge wurden drei Arbeiter gefeuert, einer hat eine verhaltensbedingte Kündigung für den Facebook-Post bekommen. Diese Repressionen sollen als Beispiel dienen, um zukünftige Organisierungsversuche zu verhindern.

"Wir kämpfen für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten"

Das sagen die VW-Beschäftigten in ihrem Flugblatt. Damit meinen sie nicht nur die Festangestellten, sogar auch die Leiharbeiter*innen, die ein Drittel der 10.000 Angestellten ausmachen. Die Arbeiter*innen werden unter Druck gesetzt, um Überstunden zu machen. Besonders diejenigen mit befristeten Arbeitsverträgen können sich dem kaum verweigern, da sie um ihre Arbeit fürchten. Neben dieser Erpressung, die sich auch auf die Verfügbarkeit bezieht, sind die Arbeiter*innen höheren Anforderungen und steigendem Arbeitspensum ausgesetzt. Es betrifft vor allem die Arbeiter*innen über 50, die aus gesundheitlichen Gründen diese Anforderungen nicht immer bewältigen (können). Die jungen Arbeiter*innen verdienen noch weniger, da ihr Einstiegslohn geringer ausfällt und sie damit rechnen müssen, dass ihre Arbeitsbedingungen noch prekärer werden. Für alle kommen noch Probleme mit der Arbeitssicherheit dazu. Die Belegschaft ist motiviert mit der neuen Gewerkschaft bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für alle Beschäftigten im Betrieb zu erkämpfen. Deshalb sind viele von der Solidarnosc zur IP übergetreten. Somit hat das Ausbremsen einer neuen Organisation im Betrieb nicht geklappt.

"Allein haben wir keine Chance"

Zur Gründungsversammlung Anfang August 2017 kamen über 120 Leute. Seitdem wurden regelmäßig Flugblätter vor den Werken mit Informationen über die neue Organisation und die Situation im Betrieb verteilt.

"In unserer Organisation hat jeder Arbeiter die gleiche Stimme, wir kämpfen für ein besseres Leben für uns alle, nicht für die Gewerkschaftsbürokratie. Wenn du genug davon hast für einen Hundelohn bis zum letzten Schweißtropfen ausgequetscht zu werden, von korrupten Gewerkschaftlern und der Arroganz der Chefs, wenn du kein 18-Schicht-System willst, tritt der Inicjatywa Pracownicza bei. In der IP organisieren sich Festangestellte und Leiharbeiter, Mitglieder anderer Gewerkschaften und bisher Unorganisierte aus den Werken in Antoninek, Wrzesnia, Swarzedz und der Gießerei. Allein haben wir keine Chance gegen die Geschäftsführung. Gemeinsam sind wir stärker!"

Bei der Gewerkschaft sind schon über 300 Mitglieder organisiert und es kommen ständig weitere Beitrittserklärungen dazu. Die IP-Mitglieder haben auch mehr als zweitausend Unterschriften für die Petition an VW für die Wiedereinstellung ihrer Arbeitskollegen gesammelt. Die Gespräche mit der Geschäftsführung haben jedoch nichts gebracht.

Wozu braucht man Gewerkschaft?

Vor kurzem hat die Belegschaft im VW-Werk in der Slowakei nach dem Streik eine Lohnerhöhung um 13,5 Prozent erkämpft. Die polnischen Arbeiter*innen wollen ihrem Beispiel folgen. Im Vergleich liegt ein Durchschnittslohn in der Slowakei bei 1.800 Euro, in Polen nur bei 1.000 Euro. Angesichts dessen und der verschärften Arbeitsbedingungen sind die VW-Arbeiter*innen motiviert, um für die Erhöhung ihrer Löhne zu kämpfen.

Auslöser dafür war offensichtlich der Protest der Arbeiter*innen in der Slowakei. Sie wussten jedoch, dass sie dafür eine neue Gewerkschaft gründen müssen. In ihrem Flugblatt schreiben die Arbeiter*innen, dass die Solidarnosc "(...) fest an der Seite der Geschäftsführung steht. Ihre Leute sieht man nie in den Produktionshallen, denn sie verstecken sich in den Büros. Bei alltäglichen Problemen ist von ihnen kaum Hilfe zu erwarten. Vor kurzem hat die Solidarnosc der Einführung einer zusätzlichen 18. Schicht zugestimmt, und zwar ohne die Arbeiter zu fragen. Aber wenn die Solidarnosc nicht den Willen der Arbeiter vertritt, wozu ist sie dann im Betrieb? Gleichzeitig hat VW drei unserer Kollegen in Antoninek entlassen. Offizielle Gründe waren Posts auf Facebook. Aber wir alle wissen, dass es darum ging, zu verhindern, dass im Betrieb eine Gewerkschaft entsteht, die die Interessen der Arbeiter vertritt und nicht die des Chefs."

Internationale Solidarität

Die Arbeiter*innen sehen die Notwendigkeit der engen internationalen Zusammenarbeit, da sie bei einem internationalen Konzern tätig sind.

Durch den Austausch der Informationen über die Situation in den anderen VW-Werken haben die Arbeiter*innen in Polen Chancen ihre Forderungen durchzusetzen. Die Briefe und die Gespräche mit der Geschäftsführung haben bislang nichts gebracht.

Daher wurden schon Kontakte mit den VW-Arbeiter*innen aus Spanien, Portugal und der Slowakei hergestellt. So wie ihre polnischen Kolleg*innen sind die Arbeiter*innen in Portugal gegen die Einführung die zusätzlichen Samstagsschichten (16. und 17.). Über die Ereignisse in Portugal und in der Slowakei diskutiert die VW-Belegschaft in Polen sehr lebhaft. Die internationale Solidarität unter den Arbeiter*innen kann ihnen helfen die gewünschten Ziele zu erreichen und die Arbeiter*innen-Bewegung zu stärken.

http://www.graswurzel.net/424/vw.php (http://www.graswurzel.net/424/vw.php)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 04. Dezember 2017, 19:58:05
Es gibt auch eine Stellungnahme der Trotzkisten zu der Auseinandersetzung in Changchun:

Zitat
VW-Betriebsratschef fällt chinesischen Leiharbeitern in den Rücken
Von Dietmar Henning
29. November 2017

Seit November 2016 kämpfen chinesische Leiharbeiter, die in einem Joint Venture von Volkswagen und dessen chinesischem Partner First Automotive Works (FAW) beschäftigt sind, für die gleiche Bezahlung wie ihre festangestellten Arbeitskollegen.

Sie haben das chinesische Arbeitsrecht und eine internationale Vereinbarung des VW-Konzerns auf ihrer Seite, die beide eine gleiche Bezahlung (Equal Pay) für Leiharbeiter vorsehen. Doch der Weltbetriebsrat von VW unterstützt sie nicht. Einem Solidaritätsaufruf der chinesischen Arbeiter hat VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh in seiner Eigenschaft als Präsident des Weltkonzernbetriebsrats eine eindeutige Abfuhr erteilt.

Fünf Arbeitervertreter aus dem chinesischen Werk in Changchun in Nordwestchina hatten bereits im Juli einen Brief nach Wolfsburg geschrieben, weil sie sich Unterstützung vom VW-Weltbetriebsrat erhofften. „Seit langer Zeit werden Leiharbeiter bei FAW-VW schonungslos ausgebeutet“, heißt es in dem Brief. Der Lohnunterschied zwischen ihnen und den fest angestellten Arbeitern sei enorm groß. Aus Berichten geht hervor, dass sie nur halb so viel wie ihrer Kollegen erhalten, umgerechnet weniger als 640 Euro im Monat.

FAW-VW habe „im Verlauf der Auseinandersetzung von schmutzigen Tricks Gebrauch gemacht und mit den zuständigen Regierungsbehörden dafür gesorgt, dass unsere Vertreter auf Basis von falschen und erfundenen Vorwürfen verhaftet werden“.

„Fu Tianbo, einer unserer Vertreter, befindet sich wegen des Verdachts auf ‚Aufruf zur Versammlung und Störung öffentlicher Ordnung‘ bereits seit zwei Monaten in polizeilichem Gewahrsam“, schreiben die Leiharbeiter. Er sitzt immer noch hinter Gittern und wartet auf seinen Prozess. Vier weitere Vertreter wurden von der Polizei sieben Tage lang festgehalten.

Das Verhalten von FAW-VW stelle nicht nur eine Verletzung der in China bestehenden Gesetze und Verordnungen dar, sondern „darüber hinaus verstößt das Verhalten gegen zahlreiche Grundsätze und Inhalte der ‚Charta der Zeitarbeit im Volkswagen-Konzern‘“, heißt es weiter in dem Brief.

Zum Schluss ruft er „den Europäischen Konzernbetriebsrat, den Weltkonzernbetriebsrat sowie die Konzernleitung von Volkswagen mit Nachdruck auf“, die Rechte von Leiharbeitern zu respektieren und den Arbeitskonflikt mit FAW-VW gemäß der VW-Charta zur Zeitarbeit zu lösen.

Erst nach über einem Monat beantworteten Osterloh und der Generalsekretär des Europabetriebsrats, Frank Patta (früher erster Bevollmächtigter der IG Metall in Wolfsburg), den Aufruf der Arbeiter. Ihr jüngst bekannt gewordener einseitiger Brief legt nahe, dass die Vorwürfe der Arbeiter aus China nicht der Wahrheit entsprächen. Sie könnten „die von Ihnen erhobenen Vorwürfe in dieser Form leider nicht verifizieren“, schreiben Osterloh und Patta.

Anschließend verweisen sie die Arbeiter per Link auf das „eigens bei Volkswagen für solche Fälle eingerichtete ‚Hinweisgebersystem‘“ und die „hierfür zuständigen Stellen in China“. Dass „die hierfür zuständigen Stellen in China“ die Arbeiter wegen ihrer Forderungen drangsaliert und ihre Anführer in Haft genommen haben, ficht die Betriebsratsfürsten aus Wolfsburg offenbar nicht an.

Die rund 3000 Leiharbeiter, die bei FAW-VW in Changchun im Einsatz sind, sind bei „Changchun Hongxin Youye Human Resources“ angestellt. Viele arbeiten seit Jahren dort. 2016 forderten sie Verhandlungen über die Einhaltung der chinesischen Arbeitsgesetze im Werk. Sie stützen sich auf Regelungen zur Leiharbeit im Arbeitsvertragsgesetz, die 2013 als Reaktion auf eine Welle von Streiks und Protesten chinesischer Arbeiter erlassen wurden.

Die Deutsche Welle sprach darüber mit Cynthia Estlund, Jura-Professorin an der New York University und Expertin für chinesisches Arbeitsrecht. Die chinesische Staats- und Parteiführung fürchte seit längerem die wachsende Unruhe unter den Arbeitern im Land, berichtete Estlund.

„Aus Angst vor dem Gespenst einer unabhängigen Arbeiterbewegung vertraue Peking dabei auf ein Krisenmanagement, das sich zwischen Repression und Konzession, Konfrontation und Gleichschaltung, Unnachgiebigkeit und Pragmatismus bewege“, fasst die Deutsche Welle zusammen. Nun versuche aber ein Teil der chinesischen Unternehmen das Leiharbeitsgesetz wieder einzukassieren, weil es zu viele Zugeständnisse enthalte.

Nach dem Gesetz gelten für Leiharbeit in China eine Höchstdauer von sechs Monaten, eine Begrenzung der Leiharbeiterzahl auf maximal zehn Prozent der Gesamtbelegschaft und gleicher Lohn bei gleicher Arbeit. Da den Konzernen eine dreijährige Übergangsphase eingeräumt wurde, konnten die Leiharbeiter bei FAW-VW ihre Rechte erst 2016 auch legal einfordern.

Aber ihre offizielle Gewerkschaft ACFTU hatte die Verhandlungen mit FAW-VW und den Leiharbeitsfirmen nach sieben Runden ergebnislos eingestellt. Erst danach reagierten die Arbeiter mit selbständigen Protesten, Streiks und Demonstrationen. In einem Video fordern sie: „Zahlt uns zurück, was wir mit Blut und Schweiß verdient haben.“ Ansonsten „bleibt uns als einziger Ausweg nur, nach Peking zu gehen“.

Am 26. Mai wurden dann ihre Sprecher Fu Tianbo, Wang Shuai und Ai Zhenyu verhaftet. Daraufhin schrieben die Arbeiter Briefe an Behörden, VW-Konzern und Betriebsrat

Der VW-Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall betrachten den Kampf der chinesischen Leiharbeiter aus der gleichen Perspektive wie der VW-Konzern, nämlich als „Gefährdung“ der Superprofite in China. Rund 10,3 Millionen Fahrzeuge lieferte der VW-Konzern im Jahr 2016 weltweit aus, rund 38 Prozent davon in China, das damit sein größter Einzelmarkt ist. Das Land steht für fast die Hälfte des weltweiten Gewinns.

China dürfte schon bald auch einer der wichtigsten VW-Produktionsstandorte sein. FAW-VW war bereits 1991 als Joint Venture gegründet worden, damals auch mit Beteiligung von Audi. Erst letzte Woche hat VW angekündigt, in den nächsten sieben Jahren zehn Milliarden Euro mit chinesischen Partnern in die Produktion von Elektro-Autos zu investieren. Rund 40 elektrische Fahrzeugmodelle sollen bis 2025 in China produziert werden, noch einmal 25 Modelle mehr als bisher vorgesehen.

Die Superprofite, die VW aus China – und anderen Billiglohnländern – herauspresst, gehen nach Deutschland. Diese Profite erkaufen dort den „sozialverträglichen“ Abbau von Arbeitsplätzen – weniger durch Abfindungszahlungen an Arbeiter, die unter Druck gesetzt werden, „freiwillig“ zu gehen, als durch den Kauf der Betriebsräte und IG-Metall-Vertreter, die dann über ihre Gremien – wie den Welt-, Europa- oder Deutschlandbetriebsrat – für entsprechende Vereinbarungen im Interesse der Aktionäre sorgen. So ist bekannt, dass Osterloh in „guten Jahren“ 750.000 Euro „verdient“, das ist in etwa so viel wie hundert Leiharbeiter in Changchun zusammengenommen.

Die Verbündeten der chinesischen Arbeiter sind die Arbeiter in Europa, Amerika und Afrika. VW-Arbeiter haben gerade in letzter Zeit gezeigt, dass sie bereit sind, für ihre Forderungen zu kämpfen.

In der Slowakei streikten im Juni mehr als 8.000 Arbeiter im VW-Werk Bratislava und setzten schließlich eine Lohnerhöhung von über 14 Prozent durch. Im August protestierte die Belegschaft des VW-Werks im portugiesischen Palmela gegen die geplante Einführung von Samstagsarbeit mit einem 24-stündigen Streik. Laut Gewerkschaft beteiligte sich ein Großteil der rund 3500 Arbeiter am ersten Streik seit der Werksgründung 1991.

In Polen gründeten bei VW in Poznań Beschäftigte im selben Monat eine Betriebsgruppe der Gewerkschaft Inicjatywa Pracownicza (Arbeiterinitiative) in Opposition zur konzernnahen Solidarność. VW hatte drei Arbeiter entlassen, weil sich diese auf Facebook über die miserablen Arbeitsbedingungen ausgetauscht und dort bereits die Gründung einer alternativen Gewerkschaftsgruppe angekündigt hatten. Laut Labournet hat die Gruppe in Poznań trotz Repressionen mittlerweile 300 Mitglieder und Zulauf von jüngeren Beschäftigten und Zeitarbeitern, die rund ein Drittel der landesweit rund 10.000 VW-Beschäftigten ausmachen.

Anfang Oktober sorgten dann in Tschechien Gerüchte über eine teilweise Verlegung der Skoda-Produktion in deutsche Fabriken für Unruhe unter den fast 30.000 Beschäftigten. Der frühere Skoda-Vorstandschef Vratislav Kulhanek sagte einem Fernsehsender: „Die Gewerkschafter, die früher innerhalb des Konzerns zusammengehalten haben, setzen auf einmal sehr intensiv ihre eigenen Interessen durch, besonders die Deutschen.“

Auch in Deutschland gehen mit dem von Betriebsrat und IG Metall vereinbarten „Zukunftspakt“ zigtausende Stellen verloren.

Die deutschen Betriebsräte und die IG Metall betrachten es als ihre Aufgabe, die Profite von VW trotz Diesel-Betrug, dem Umstieg auf Elektro-Autos und steigendem Konkurrenzdruck zu sichern, indem sie die Angriffe auf die Arbeiter in Deutschland und weltweit durchsetzen. Das war der einzige Grund, weshalb der Weltkonzernbetriebsrat 1998 gegründet wurde.
https://www.wsws.org/de/articles/2017/11/29/vowa-n29.html (https://www.wsws.org/de/articles/2017/11/29/vowa-n29.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nikita am 04. Dezember 2017, 23:12:45
Zitat
Sie könnten „die von Ihnen erhobenen Vorwürfe in dieser Form leider nicht verifizieren“, schreiben Osterloh und Patta.

Ob die beiden sich noch erinnern, wann sie sich das erste Mal verkauft haben.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: BGS am 04. Dezember 2017, 23:46:29
Zitat
Sie könnten „die von Ihnen erhobenen Vorwürfe in dieser Form leider nicht verifizieren“, schreiben Osterloh und Patta.

Ob die beiden sich noch erinnern, wann sie sich das erste Mal verkauft haben.

Im Leben nicht.

MfG

BGS


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 05. Dezember 2017, 20:19:46
Zitat
Dez., 2017
Gemeinsam sind wir stärker!

Entlassungen bei VW in Polen als Anlass zur basisgewerkschaftlichen Organisierung und zum Kampf für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen

Nachdem die polnische Basisgewerkschaft "Inicjatywa Pracownicza" ("Die Arbeiter-Initiative") im Volkswagen-Werk in Poznan-Antoninek Anfang September 2017 eine Betriebsgruppe ins Leben gerufen hat, wurde die folgende Entlassung von drei Arbeitern als Versuch der Einschüchterung der gewerkschaftlich aktiven Arbeiter*innen verstanden.

Die Antwort war die Intensivierung des gewerkschaftlichen Engagements der VW-Beschäftigten, nämlich die Gründung einer betriebsübergreifenden IP-Betriebsgruppe.
(...)

Zur Gründungsversammlung Anfang August 2017 kamen über 120 Leute. Seitdem wurden regelmäßig Flugblätter vor den Werken mit Informationen über die neue Organisation und die Situation im Betrieb verteilt.(...)

Bei der Gewerkschaft sind schon über 300 Mitglieder organisiert und es kommen ständig weitere Beitrittserklärungen dazu. Die IP-Mitglieder haben auch mehr als zweitausend Unterschriften für die Petition an VW für die Wiedereinstellung ihrer Arbeitskollegen gesammelt.(...)

[url]http://www.graswurzel.net/424/vw.php[/url] ([url]http://www.graswurzel.net/424/vw.php[/url])


Ich war vor nicht allzulanger Zeit in Poznan (wo laut Uncle-Marc nichts los ist) und habe dort Leute der IP (Arbeiterinitiative) getroffen, u.a. von VW. Diese Form der Selbstorganisierung ist beeindruckend und ich hoffe, sie macht Schule.

Ich habe das Titelbild der Zeitung für die VW Arbeiter gescannt, die vor dem VW-Werkstor verteilt wird.

(https://abload.de/img/poznan6zs4n.jpg) (http://abload.de/image.php?img=poznan6zs4n.jpg)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 06. Dezember 2017, 07:57:52
Das Unternehmen stinkt vor lauter Kohle...

Zitat
VW will 10 Milliarden Euro in China investieren
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Elektroautos-VW-will-10-Milliarden-Euro-in-China-investieren-3891639.html (https://www.heise.de/newsticker/meldung/Elektroautos-VW-will-10-Milliarden-Euro-in-China-investieren-3891639.html)

In diesem Zusammenhang ist der Umgang mit den Beschäftigten umso zynischer.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 06. Dezember 2017, 08:21:28
Bei der Betriebsversammlung vor kurzem, die eigentlich als Kirmesveranstaltung mit Günther Netzer als Pausenclown geplant war, gab es wohl unerwarteten Protest der Leiharbeiter:

Zitat
Protest gegen Kündigung der Leiharbeiter bei VW in Wolfsburg

Eine eher ruhige Betriebsversammlung sollte es wohl nach dem Wunsch der Geschäftsleitung am 29. November bei VW in Wolfsburg werden.
(...)
https://www.rf-news.de/2017/kw49/protest-gegen-kuendigung-der-leiharbeiter-bei-vw-in-wolfsburg (https://www.rf-news.de/2017/kw49/protest-gegen-kuendigung-der-leiharbeiter-bei-vw-in-wolfsburg)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 06. Dezember 2017, 12:43:29
Das ist ja der Hammer.
Und das gleich aus zwei Gründen:
1. Ich hatte gehört, im Gegensatz zu anderen Autoherstellern, gäbe es bei VW keine selbstorganisierte Opposition unter den Beschäftigten.
2. Ich habe den Eindruck, daß es unter Leiharbeitern bundesweit unruhig wird. Sie glauben nicht mehr daran, daß es ein Einstieg in den 1. Arbeitsmarkt bedeutet und sie haben keinen Bock drauf, den Rest ihres Lebens als 2. Wahl behandelt zu werden.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 06. Dezember 2017, 16:54:52
(https://www.rf-news.de/2017/kw09/chinesische-vw-arbeiter-protestieren/@@images/image/large)


Zitat
Verhaftung
VW-Leiharbeiter in China brauchen kämpferische Solidarität

Seit über einem Jahr dauert der Protest chinesischer Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter in dem Automobilwerk FAW-VW Automotive Co. Ltd. in Changchun im Nordosten Chinas gegen die jahrelange ungleiche Bezahlung gegenüber der Stammbelegschaft.


Gegen ihren Protest ging die Polizei vor und verhaftete drei Sprecher der Leiharbeiter. Einer ihrer Vertreter, Fu Tianbo, ist seither in Haft - ihm soll in Kürze der Prozess wegen „Verstoß gegen das Versammlungsrecht“ gemacht werden.

Am 15. Juli schrieben die Leiharbeiter einen Offenen Brief an den VW-Vorstand, den Welt- und Europa-Betriebsrat mit der Bitte zur Unterstützung ihrer Forderungen.

Bitte um Unterstützung abgewimmelt

Jetzt haben Bernd Osterloh und Frank Patta im Namen des Weltbetriebsrats den Kolleginnen und Kollegen geantwortet: Der Weltbetriebsrat könne die Vorwürfe aus China nicht verifizieren. "Dennoch möchten wir Ihnen nahelegen, für den Fall einer abweichenden Bewertung der Situation durch Sie - etwa aufgrund anderweitiger Erkenntnisse - Ihr Anliegen über das eigens bei Volkswagen für solche Fälle eingerichtete 'Hinweisgebersystem' vorzubringen bzw. - der chinesischen Gesetzeslage entsprechend - bei den hierfür zuständigen Stellen in China zu artikulieren."¹

Damit wimmelt der Weltbetriebsrat die Kolleginnen und Kollegen ab und verweigert die notwendige und selbstverständliche Organisierung der Solidarität. Dies ist ein Schlag ins Gesicht jedes Gewerkschaftsmitglieds.

Gewerkschaftliche Solidarität - jetzt erst recht

Die Organisierung der gewerkschaftlichen Solidarität mit den Leiharbeiterinnen und Leiharbeitern bei FAW-VW in Changchun muss zu einem festen Bestandteil des Kampf zur Übernahme der Leiharbeiter in den VW Betrieben werden!
https://www.rf-news.de/2017/kw49/uebernahme-der-leiharbeiter-bei-vw-in-china-und-hier (https://www.rf-news.de/2017/kw49/uebernahme-der-leiharbeiter-bei-vw-in-china-und-hier)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 06. Dezember 2017, 19:06:16
Neues von der VW Mafia:

Zitat
([url]http://stephankrull.info/wp-content/uploads/2017/12/IMG_20171203_121008480-825x510.jpg[/url])


Nach dem Abgasbetrug: Frontalangriff auf den VW-Betriebsrat

Im Gespräch mit dem HANDELSBLATT (30.11.2017) offenbart Volkswagens Anführer, Herbert Diess, seine tiefe Abneigung gegenüber der Mitbestimmung, dem Betriebsrat und der IG Metall. Den Betriebsrat erklärt er zu einer mächtigen Institution im Unternehmen und als solchen gleich mitverantwortlich für Stillstand, Kadavergehorsam und mehr Reformbedarf, „als mancher vielleicht wahrhaben möchte“.

„Alles wird ruppiger“, sagt Diess auf die Frage nach der Zukunft der Autoindustrie in Deutschland. Es müsse schneller entschieden werden und dafür brauchen die Manager Freiräume – in der Logik der Argumentation ist das der Ruf nach dem Ende der Mitbestimmung der Beschäftigten und ihrer betrieblichen und gewerkschaftlichen Interessenvertretung. Wenngleich im Betrieb die Demokratie abgebaut wird, so soll zumindest das Image stimmen: Die Mobilität würde neu erfunden und „demokratisiert“ – so die wohlfeile Einvernahme der tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen für die Legitimation von Maximalprofiten für die Eigentümer. Autos müssten „Spaß machen“ und „die Intelligenz des Autos“ würde zum Wettbewerbsfaktor – das alles wird als modern und innovativ von dem VW-Markenboss verkauft, und ist doch nur ein dritter Aufguss der Benzin-im-Blut-Ideologie von Porsche-Enkel Ferdinand Piëch. Dieser wird von Diess denn auch über den Klee gelobt: „Piëch ist für mich jemand, der Unglaubliches geleistet hat. Erst bei Porsche, dann bei Audi und später im gesamten Konzern.“ Ganz im Sinne der Profiterwartungen dieser Großeigentümer bedauert er, dass es ihm in Verhandlungen mit Betriebsrat und IG Metall nicht gelungen ist, alle Leiharbeiter vor die Tür zu setzen: „Bei der Auseinandersetzung um die Weiterbeschäftigung der Leiharbeitskräfte hätten wir für das Unternehmen eine andere Lösung gebraucht.“

25 Prozent Produktivitätssteigerung trotz 70 Milliarden Euro Gewinnrücklagen!


Neben dem direkten Angriff auf den „mächtigen“ Betriebsrat greift er indirekt, über Bande sozusagen, nochmals an: „Die Mitbestimmung ist gesetzt und ein hohes Gut. Die Frage ist, wie integer und diszipliniert beide Seiten damit umgehen. … Wir brauchen bis 2020 in Deutschland eine Produktivitätssteigerung von 25 Prozent. Das ist für die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend. Allein das ist schon eine riesige Herausforderung für einen Betriebsrat. … Meine Kritik geht in eine andere Richtung. Das Management hat sich in der Vergangenheit aufgrund der Machtverhältnisse bei VW zu sehr mit den Verhältnissen abgefunden und abgewartet. Was sagt Herr Piëch, was der Betriebsrat? Das ist eindeutig zu wenig. Es gab so etwas wie vorauseilenden Gehorsam. Dadurch fehlte in der Führungsmannschaft zu oft die gestalterische Auseinandersetzung. Darüber rede ich mit dem Management. Wir müssen stärker gestalten und uns einbringen. Wenn das nicht passiert, ist es völlig verständlich, dass sich der Betriebsrat diesen Platz nimmt.“ So umschmeichelt er den Betriebsrat und rügt das Management und kündigt den Schulterschluss mit der Gewerkschaft auf: Der gewerkschaftliche Organisationsgrad im Management sei „überraschend hoch“.

Herbert Diess, in München geboren, von 1977 bis 1989 studiert (Dipl. Ing) und promoviert (Dr. Ing.), danach sieben Jahre bei der Robert-Bosch GmbH in verschiedenen Funktionen tätig, von 1996 bis 2015 bei BMW bis zum Vorstandsmitglied aufgestiegen, seit Juli 2015 Vorstand bei Volkswagen und Chef der Marke VW PKW.

Die WIRTSCHAFTSWOCHE weiß schon im Juni 2015 zu berichten: Der Manager verdankt den neuen Top-Job, den er auch antrat, weil er bei BMW das Rennen um die Nachfolge von Konzernchef Norbert Reithofer gegen Produktionsvorstand Harald Krüger verlor, seinem Ruf als Kostendrücker. Seiner Bestellung sollen mehrere persönliche Treffen mit Winterkorn und Ferdinand Piëch, bis April Aufsichtsratschef des Konzerns, vorangegangen sein.

Trotz 70 Milliarden Gewinnrücklagen: Personalabbau und Arbeitsverdichtung


Am 17.11.2017 berichtete Volkswagen über eine positive Zwischenbilanz nach einem Jahr „Zukunftspakt“. In den ersten 10 Monaten des Jahres 2017 seien bereits 1,9 Milliarden Euro eingespart worden – nur bei der Marke Volkswagen! Auch bei der Altersteilzeit sei das Unternehmen „auf Kurs“: „Das Ziel für 2020 ist bereits zu 94 Prozent erreicht.“ Ab 2020 sollen 25 Prozent Produktivitätserhöhung zu einem „positiven Ergebniseffekt von jährlich 3,7 Milliarden Euro führen und die Marke deutlich effizienter und wettbewerbsfähiger machen.“ Vom jährlichen „Ergebniseffekt“ (Profitsteigerung) von 3,7 Milliarden Euro sollen 3 Milliarden Euro von den deutschen Standorten erbracht werden, insgesamt sollen, ebenfalls an den deutschen Strandorten, 23.000 direkte Arbeitsplätze bei VW abgebaut werden.

Personalvorstand Karl-Heinz Blessing, einst Bundesgeschäftsführer der SPD, erklärt: „Ein Kernelement des Zukunftspaktes ist die personelle Transformation. Hier sind wir sehr gut unterwegs. Wir erreichen das Altersteilzeit-Ziel für 2020 von insgesamt 9.200 unterschriebenen Verträgen bereits Ende 2017, wir setzen die Stellenreduktion in nicht zukunftsfesten Aufgaben fort und fahren die Leiharbeit zurück.“

Es ist absehbar, dass die Situation bei VW nicht nur für die Beschäftigten  strssiger wird, sondern auch für den Betriebsrat. Der muss sich dann bald entscheiden, ob er die Aufkündigung der Sozialpartnerschaft durch das Management des Porsche-Piëch-Clans an- und ernstnehmen oder die Linie des Co-Managements fortsetzen will.
http://stephankrull.info/2017/12/03/nach-dem-abgasbetrug-frontalangriff-auf-den-vw-betriebsrat/ (http://stephankrull.info/2017/12/03/nach-dem-abgasbetrug-frontalangriff-auf-den-vw-betriebsrat/)

Zitat
Es ist absehbar, dass die Situation bei VW nicht nur für die Beschäftigten  strssiger wird, sondern auch für den Betriebsrat. Der muss sich dann bald entscheiden, ob er die Aufkündigung der Sozialpartnerschaft durch das Management des Porsche-Piëch-Clans an- und ernstnehmen oder die Linie des Co-Managements fortsetzen will.
Das ist aber wieder klassisches Gewäsch eines Gewerkschaftslinken. Es ist jetzt schon klar, wie der Betriebsrat sich entscheidet. Er hat sich schon entschieden.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 09. Dezember 2017, 03:33:15
Auch die Outgesourcten in Wolfsburg wehren sich vielleicht allmählich. Sehr schön, dass es das Unternehmen Schnellecke trifft, den größten Profiteur einer durch und durch korrupten, verfilzten und speichelleckerischen Lokalpolitik. Rolf Schnellecke war jahrelang Bürgermeisterfritze von Wolfsburg.

Zitat
8.12.17
Mitarbeiter legen die Arbeit befristet nieder

Im Tarifstreit wird bei Schnellecke gestreikt.

In der 4. Verhandlungsrunde der Tarifverhandlungen für das Speditions- und Logistikgewerbe in Niedersachsen wurde keine Einigung erzielt. Die Verdi-Verhandlungskommission wertete das von den Arbeitgebervertretern vorgelegte Angebot in einer Mitteilung als Provokation. Zur Verdeutlichung der eigenen Position gab es eine Arbeitsniederlegung bei der Schnellecke Logistics Verpackung GmbH in Fallersleben. Sie legten ab der Frühschicht die Arbeit nieder. Dadurch sei die End- und Beladung ins Stocken geraten und Automobilteile für Übersee und das russische Werk Kaluga hätten nicht verpackt werden können. „Es ist enttäuschend, dass die Arbeitgeber die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen nicht schätzen“, wird Sven Paschke, Verdi-Gewerkschaftssekretär aus Wolfsburg, zitiert.

Konkret bemängeln die Gewerkschaftsvertreter, dass das Angebot der Arbeitgeber Rückschritte und Absenkungen im Einstiegsentgelt um rund 10 Prozent beinhalte. Käme es so, betrüge der Einstiegslohn in der untersten Entgeltgruppe 9,25 Euro die Stunde. Man erwarte in der nächsten Verhandlungsrunde am 12. Dezember „ein tragfähiges Angebot“.

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article212777411/Mitarbeiter-legen-die-Arbeit-befristet-nieder.html (http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article212777411/Mitarbeiter-legen-die-Arbeit-befristet-nieder.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: hansdampf27 am 10. Dezember 2017, 10:43:34
Dass VW einen Troll hierher sendet, der versucht, die Deutungshoheit zu erhalten oder den Sprengmeister spielt, war zu erwarten. Mich verwundert, dass es ein Neonazi ist.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: BGS am 10. Dezember 2017, 14:07:23
So bleibt die Tradition gewahrt.

Zitat
,,, . Visionen var att folkbilen --- . Den 24 februari 1936 var de första prototyperna klara, ritade och byggda i Ferdinand Porsches privata garage.
... . 1938 fick bilen sin slutgiltiga form i den förserie - VW 38 - som då visade för allmänheten. Den 26 maj 1938 lades grundstenen till Volkswagenwerk.
...

Quelle: https://sv.wikipedia.org/wiki/Volkswagen (https://sv.wikipedia.org/wiki/Volkswagen)

MfG

BGS


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 10. Dezember 2017, 14:29:12
fick bilen sin slutgiltiga form i den förserie - VW

Schweinkram.  :]


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rudolf Rocker am 10. Dezember 2017, 14:48:19
Igitt!! :o


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 11. Dezember 2017, 10:50:40
Es funktioniert der grenzüberschreitende Austausch. Die Informationen über den Protest in Wolfsburg verbreiteten sich schnell unter den VW-Leiharbeitern in Changchun. Es gab ihnen Auftrieb darin, ihren Kampf fortzuführen. Der NDR Bericht ist auch Chinesisch übersetzt worden. Die Leiharbeiter sagen, daß VW lügt und den Unterschied zwischen den Löhnen verschweigt. Im Gegensatz zu den Stellungnahmen dem NDR gegenüber, hat sich die Situation der Leiharbeiter nicht verbessert. Im Gegenteil, einige der kämpfenden Arbeiter wurden bedroht, andere stehen unter ständiger Überwachung.

Es ist ein kleiner Protest in den kommenden Tagen in Hongkong geplant, denn in Hongkong sind die Möglichkeiten der Meinungsäußerung und des Protests besser als in Festlandchina. Die Repression im Land hat schlimme Ausmaße angenommen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 11. Dezember 2017, 17:10:35
Zitat
5.12.17
Solidarität mit den Leiharbeitern bei VW Changchun/China

Kassel, 2. Dezember 2017: Die bundesweite Delegiertenversammlung der Internationalen Automobilarbeiterkoordination hat folgende Resolution beschlossen:

Wir, die 28 Teilnehmer des Treffens der Internationalen Automobilarbeiterkoordination in Deutschland, erklären uns solidarisch mit dem Kampf Hunderter Leiharbeiter im VW-Werk Changchun, das im Joint-Venture mit First Automotive Works (FAW) betrieben wird.

Nach 10 Jahren mit Zeitarbeitsverträgen und Niedrigstlöhnen fordern sie die Übernahme aller 3000 Leiharbeiter im Werk Changchun zu VW. Sie berichten über schonungslose Ausbeutung der Leiharbeiter bei FAW-Volkswagen und das sich der VW-Konzern die Forderungen der Arbeiter jahrelang nicht einmal angehört hatte. Seit Ende 2016 tragen sie ihren Protest immer wieder mit Kundgebungen vor der Fabrik oder den Behörden in die Öffentlichkeit und genießen damit größte Sympathie unter den Automobilarbeitern Chinas.

Aus Angst, dass solch ein Funke einen Flächenbrand verursacht, reagiert die chinesische Regierung mit brutaler Härte, verbietet Kundgebungen und nahm im Mai 2016 die gewählte drei Sprecher der Leiharbeiter fest. Ai Zhenyu und Wang Shuai wurden nach sieben Tagen wieder freigelassen. Fu Tianbo wird bis heute unter dem Vorwand im Gefängnis festgehalten, er habe gegen das Versammlungsrecht verstoßen und die soziale Ordnung gefährdet.

Es ist von größter Bedeutung, dass die Arbeiter sich durch die Repression der chinesischen Behörden nicht einschüchtern lassen. Im Gegenteil, sie prangern auch die Zusammenarbeit des VW-Konzerns mit den Behörden an, der mit erfundenen und falschen Vorwürfen erst eine Basis dafür gegeben hat, dass die Arbeiter verhaftet wurden.

Wir fordern die sofortige Freilassung Fu Tianbos aus dem Gefängnis und die vollständige Aufklärung der Unterdrückung kämpferischer Arbeiter durch VW in Zusammenarbeit mit den Behörden !

Wir fordern die Anerkennung der berechtigten Forderungen! Übernahme aller Leiharbeiter bei VW Changchun zu VW und Entschädigung für jahrelange Lohnverluste!

Wir fordern den Gesamtbetriebsrat auf, seine Position zu korrigieren, er könne nichts für die Arbeiter tun und wolle aufgebautes Vertrauen zur chinesischer Regierung nicht gefährden (nach ndr.de 24.11.). IG Metall und Weltbetriebsrat müssen alle gewerkschaftlichen und betrieblichen Möglichkeiten sowie die Zusammenarbeit mit internationalen Gewerkschaftsverbänden für die Freilassung Fu Tianbos und die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der chinesischen VW-Arbeiter einsetzen!

Wir schicken solidarische und kämpferische Grüße an unsere Klassenbrüder in China und versichern Euch, dass wir Euren Kampf in Deutschland, im Mutterland des VW-Konzerns, in zahlreichen Werken des VW-Konzerns bekannt machen werden!

http://www.iaar.de/index.php/de/startseite/26-deutsche-kategorien/konzerne/vw/586-solidarit%C3%A4t-mit-den-leiharbeitern-bei-vw-changchun-china.html (http://www.iaar.de/index.php/de/startseite/26-deutsche-kategorien/konzerne/vw/586-solidarit%C3%A4t-mit-den-leiharbeitern-bei-vw-changchun-china.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 11. Dezember 2017, 23:27:03
Zitat
07.12.2017
Bei VW in China werden die Rechte von Leiharbeitern missachtet

Internationalismus als Herrschaftstechnik


Der VW-Konzern verstößt in China gegen die Rechte von Leiharbeitern. Die Beschäftigten wandten sich an ihre Kollegen in Deutschland – doch die deutschen Arbeitnehmervertreter lassen die Arbeiter in China im Stich. (...)
https://jungle.world/artikel/2017/49/internationalismus-als-herrschaftstechnik


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: BGS am 12. Dezember 2017, 12:44:32
(https://abload.de/img/bundesarchiv_bild_183z5kkc.jpg) (http://abload.de/image.php?img=bundesarchiv_bild_183z5kkc.jpg)
Adolf Hitler legt den Grundstein der KdF Volkswagenfabrik. Rechts aussen ist Ferdinand Porsche.

Quelle: https://sv.wikipedia.org/wiki/Volkswagen (https://sv.wikipedia.org/wiki/Volkswagen)
MfG

BGS


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 13. Dezember 2017, 12:59:32
Der Konzernbetriebsrat in Deutschland läßt durchblicken, daß er wegen der sensiblen Situation in China Geheimverhandlungen führt und die Forderungen der Leiharbeiter nahezu umgesetzt seien. Die Leiharbeiter in Changchun zeichnen ein entgegengesetztes Bild: Sie sagen, die Situation habe sich verschlechtert. Die Leiharbeitsstellen, die ersetzt werden sollen, werden duch schlimmere Ausbeutungsforem (Praktika) ersetzt. Von VW angebotene Ersatzarbeitsplätze gibt es zumeist in weit entfernten Städten und sind an die Bedingung verknüpft, auf eine Klage zur Einforderung der Unterschlagenen Löhne schriftlich zu verzichten. Zum Jahreswechsel sollen viele Leiharbeiter ihren Job verlieren. Es wäre somit an der Zeit, der Verbreitung von Unwahrheiten durch Konzern und Betriebsrat, eine Beschreibung der Situation durch die betroffenen Arbeiter in Changchun entgegenzustellen.

Doch genau das ist nicht einfach. Die Chinesischen Behörden haben mitbekommen, daß es einen direkten Informationsaustausch zwischen China und Deutschland gibt, vorbei an Gewerkschaft und Institutionen. E-Mails und Soziale Medien werden überwacht. Die Polizei hat den Arbeitern offen gedroht, sie würden es bereuen, wenn sie es wagten, sich an ausländische Medien zu wenden. Unter diesen Bedingungen dürfte es kaum möglich sein, eine Stellungnahme der Arbeiter zu bekommen.

-edit-
Während ich diese Zeilen tippte, ist eine Mail eingetroffen. Die Arbeiter haben sich in scharfen Worten geäußert. Eine vernünftige Übersetzung könnte ein wenig dauern. Es wird damit der nächste Schritt in der Auseinandersetzung eingeläutet, die in Deutschland geführt werden muß. Es geht um die zynische Konzernpolitik und das gewerkschaftliche Stillhalten, das dieses Vorgehen des Konzerns erst möglich macht.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nikita am 14. Dezember 2017, 01:25:11
Dann müssen Aktionen in D ausgeweitet werden und auch die zwielichtige Stellung des Betriebsrats deutlich hervorgebhoben werden.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 14. Dezember 2017, 07:09:51
Zitat
14.12.17
VW-Event in Brasilien wird PR-Desaster

Eine für heute geplante Veranstaltung von Volkswagen in São Paulo entwickelt sich offenbar zum PR-Desaster. Das Unternehmen wollte im Rahmen der Vorstellung einer wissenschaftlichen Studie auf ehemalige Arbeiter zugehen, die in der Zeit der brasilianischen Militärdiktatur (1964 bis 1985) von VW ausspioniert und dem Regime ausgeliefert worden waren. Sie seien jedoch im Unklaren gelassen worden, sagen die Arbeiter, was VW tatsächlich plante - und sagten ihre Teilnahme ab. Eine hochrangige VW-Delegation aus Wolfsburg kommt nach NDR Informationen nun anscheinend ebenfalls nicht.
(...)
Statt an der Veranstaltung teilzunehmen, werden die ehemaligen VW-Arbeiter also vor den Werkstoren demonstrieren und ein Plakat hochhalten, auf dem steht: "VW macht eine Feier, die Arbeiter wollen Gerechtigkeit".
(...)
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/VW-Event-in-Brasilien-wird-PR-Desaster-,vwdobrasil154.html (https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/VW-Event-in-Brasilien-wird-PR-Desaster-,vwdobrasil154.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 14. Dezember 2017, 12:59:48
Ich habe erfahren, daß bei der VW Betriebsversammlung in Hannover die Situation der Kollegen in Changchun zur Sprache gebracht worden ist.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 15. Dezember 2017, 00:26:26
Volkswagen zieht einen Schlussstrich unter die infamen Foltervorwürfe in Brasilien und geht frischen Mutes unter Wahrung der Menschenrechte voran (Symbolbild vom 14.12.17):

(https://abload.de/img/vw-brasilienseuzu.png) (http://abload.de/image.php?img=vw-brasilienseuzu.png)
https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article212856921/Historiker-Kopper-entlastet-die-VW-Fuehrung.html (https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article212856921/Historiker-Kopper-entlastet-die-VW-Fuehrung.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 15. Dezember 2017, 17:59:05
Heute gab es eine Aktion vor dem Volkswagen Center in Hongkong.
Hier der gerade online gegangene Bericht:

Zitat
The Fate of Volkswagen Dispatch Workers in China

([url]http://www.globalmon.org.hk/sites/default/files/styles/large/public/field/image/WhatsApp%20Image%202017-12-15%20at%2011.40.59%20AM.jpeg?itok=Rc6oIy_9[/url])

 Hong Kong Labor groups demanding fair treatment for Volkswagen’s dispatch workers in China (15/Dec/2017).
 
“Shame on You, Volkswagen!’ ‘Treat workers fairly!”

For any of workers, wherever they live, whichever their colour, sex or race, are always facing exploitation as a wage-slavery capitalism. This not only happens in Southeast Asia known as a heaven for cheap-labor, but also workers in China also experiencing injustice treatment.

In northern part of China in Chang Chun province, more than 3,000 workers employed as dispatch workers—the similar terms with outsource workers applied in Indonesia. These workers are employed via the agency works to produce Volkswagen brand automobile for more than 10 years without job security and decent living.

Working with no security, it is reported that their contract will be terminated at the end of the year, while the contract renewal will be difficult for the workers. Moreover, the workers are treated discriminatively by the FAW Volkswagen company in China, that the payment for dispatch workers only half of the amount paid to the permanent workers and not entitled with the permanent workers’ benefit.

According to statement released by Globalization Monitor and HK Confederation of Trade Unions, the company has violated both of its mother company (Volkswagen Group) and China Labor Law. In Article 63, it is stipulated that the dispatch workers entitled to the same pay as received by employees of the accepting entity for the same work. In addition, Article 66 already stated that the dispatch workers services shall normally be used for temporary, auxiliary or substitute positions

([url]http://www.globalmon.org.hk/sites/default/files/shares/WhatsApp%20Image%202017-12-15%20at%2011.49.17%20AM.jpeg[/url])
Demand responsibility from Volkswagen

Apart of the law, Volkswagen Group also released the Charter on Temporary Work, that concerns about dispatch workers in 2012. The Charter stated that the dispatch workers is entitled to the same pay and fair treatment as with the permanent workers. The number of dispatch workers also are limited not exceeds 5% from the total number of the workers.

However, FAW Volkswagen has been making profit by exploiting the dispatch workers. According to the statement, the company employed dispatch workers far more than the 5% limit. It could be said that the company as one of the biggest car manufacturing in China is enjoying the fruits of cheap labor.

While the workers try to demand their rights since November 2016, one of the labor activist was detained in May 2017 and awaiting for trial. Fu Tianbo, the labor activist, was accused for disrupting public order by leading and organizing workers’ protest for fair wage and treatment.

([url]http://www.globalmon.org.hk/sites/default/files/shares/WhatsApp%20Image%202017-12-15%20at%2011.41.02%20AM.jpeg[/url])
HKCTU organizer Ming is delivering a speech in front of Volkswagen showroom in Wanchai, Hong Kong

The Hong Kong local labour groups organized the protest trying to support the Chinese workers’ struggle. Organized in one of the Volkswagen showrooms in Wanchai, Hong Kong Island, the participants were delivering speeches to urge the company to stop the exploitation against dispatch workers and to comply with the law.

The groups joining the protest consist of Asia Monitor Resource Centre (AMRC), Labour Education and Service Network (LESN), Globalization Monitor (GM), Labour Action China (LAC), Hong Kong Confederation of Trade Unions (HKCTU) and Students and Scholars Against Corporate Misbehavior (SACOM) also urge for the immediate release of worker representative Fu Tianbo.

Contributor: Rizal Assalam

Adapted from: [Call for Action] Protest against the abusive use of dispatch workers at Changchun FAW-Volkswagen and the suppression of workers' rights. Released by Globalization Monitor and Hong Kong Confederation of Trade Unions
http://www.globalmon.org.hk/content/protest-against-abusive-use-dispatch-workers-changchun-faw-volkswagen-and-suppression (http://www.globalmon.org.hk/content/protest-against-abusive-use-dispatch-workers-changchun-faw-volkswagen-and-suppression)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 15. Dezember 2017, 19:13:16
Hastige Übersetzung von mir:

Zitat
Das Schicksal der Volkswagen Leiharbeiter in China
15/12/2017

Hongkonger Arbeitergruppen fordern faire Behandlung für die Leiharbeiter von Volkswagen in China (15 / Dez / 2017).
 
"Schäm dich, Volkswagen!" "Behandle die Arbeiter fair!"

Jeder Arbeiter, egal wo er lebt, egal welcher Hautfarbe, Geschlecht oder Rasse, steht immer der Ausbeutung als Lohnsklave im Kapitalismus gegenüber. Dies geschieht nicht nur in Südostasien, bekannt als Paradies für billige Arbeit, sondern auch den Arbeitern in China, die ebenso Ungerechtigkeit erfahren.

Im nördlichen Teil Chinas in der Provinz Chang Chun arbeiteten mehr als 3.000 Arbeiter als Leiharbeiter - unter ähnliche Bedingungen wie bei Aushilfskräften in Indonesien. Diese Arbeiter werden über Leihagenturen beschäftigt, um Autos der Marke Volkswagen über mehr als 10 Jahre ohne festes Arbeitsverhältnis und jenseits eines menschenwürdigen Lebens zu produzieren.

Arbeiten ohne Jobgarantie, es wird berichtet, dass ihr Vertrag am Ende des Jahres gekündigt wird, während eine Vertragsverlängerung für die Arbeiter schwierig wird. Darüber hinaus werden die Arbeiter von der FAW-Volkswagen-Gesellschaft in China diskrimiert, indem die Bezahlung für Leiharbeiter nur die Hälfte des an den festangestellten ArbeiterInnen gezahlten Lohns neträgt und ohne deren Versorgungsleistungen.

Laut einer Stellungnahme des "Globalization Monitor" und des Hongkonger-Gewerkschaftsbundes hat das Unternehmen sowohl gegen seine Muttergesellschaft (Volkswagen Group) als auch gegen das chinesische Arbeitsrecht verstoßen. In Artikel 63 ist festgelegt, dass die Leiharbeiter Anspruch auf den gleichen Lohn haben wie Arbeitnehmer der entsprechenden Stelle für die gleiche Arbeit. Darüber hinaus ist in Artikel 66 festgelegt, dass die Leiharbeitseinsätze normalerweise für Hilfs- oder Vertetungsarbeiten genutzt werden sollen.

[Foto]
Fordere Verantwortlichkeit von Volkswagen!

Unabhhängig vom Arbeitsrechzt hat die Volkswagen-Gruppe auch die Charta der Zeitarbeit veröffentlicht, die 2012 die Leiharbeiter betrifft. Die Charta besagt, dass die Leiharbeiter Anspruch auf die gleiche Bezahlung und faire Behandlung wie die festangestellten Mitarbeiter haben. Die Anzahl der entsandten Arbeitnehmer darf ebenfalls nicht mehr als 5% der Gesamtzahl der Beschäftigten betragen.

FAW Volkswagen profitiert jedoch von der Ausbeutung der Leiharbeiter. Laut der Aussage beschäftigt das Unternehmen weit mehr Leiharbieter als die auf 5% gesetzte Grenze. Man kann sagen, dass das Unternehmen als einer der größten Automobilhersteller in China die Früchte billiger Arbeit genießt.

Während die ArbeiterInnen seit November 2016 versuchen, ihre Rechte einzufordern, wurde einer der Arbeiteraktivisten im Mai 2017 festgenommen und wartet auf einen Prozess. Fu Tianbo, der Arbeiteraktivist, wurde beschuldigt, die öffentliche Ordnung gestört zu haben, indem er den Protest der Arbeiter für gerechte Entlohnung und Behandlung angeführt und organisiert habe.

[Foto]
HKCTU (Gewerkschaftsbund Hungkong) Veranstalter Ming hält eine Rede vor dem Volkswagen Showroom in Wanchai, Hong Kong

Die lokalen Arbeitergruppen in Hongkong organisierten den Protest, der versucht, den Kampf der chinesischen Arbeiter zu unterstützen. Die Teilnehmer, die in einem der VW-Showroom in Wanchai auf der Insel Hongkong organisiert wurden, hielten Reden, um das Unternehmen zu drängen, die Ausbeutung der Arbeiter der Leihunternehmen zu stoppen und das Gesetz einzuhalten.

Die Gruppen, die sich dem Protest anschlossen, sind das Asia Monitor Resource Center (AMRC), das Labour Education and Service Network (LESN), Globalization Monitor (GM), Labour Action China (LAC), der Hongkonger Gewerkschaftsbund (HKCTU) und Studenten und Wissenschaftler gegen Unternehmensunrecht (SACOM), die auch die sofortige Freilassung der Arbeitervertreters Fu Tianbo fordern.

Beitrag: Rizal Assalam

Übernommen von: [Aufruf] Protest gegen den missbräuchlichen Einsatz von Leiharbeitern bei FAW-Volkswagen in Changchun und gegen die Unterdrückung von Arbeiterrechten. Veröffentlicht von Globalisierungsmonitor und dem Gewerkschaftsbund Hong Kong.




Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 17. Dezember 2017, 19:45:57
Zitat
Am gestrigen Samstag um 14 Uhr, pünktlich zum Ende der Sonder-Frühschicht, begann eine Protestversammlung gegen die geplante Entlassung der 200 Leiharbeiterinnen und -arbeiter vor Tor 17 in Wolfsburg. Es war bereits die fünfte Protest- und Kampfaktion binnen weniger Tage.

(https://www.rf-news.de/2017/kw50/kampfaktion-der-zeitarbeiterinnen-und-zeitarbeiter-bin-wolfsburg/@@images/image/preview)

Noch nicht zu spät!

'Ist es zu spät den Kampf aufzunehmen? Nein – egal was dabei rauskommt, er hilft denen, die nach uns kommen!', so ein Aktiver aus Hannover. Ein Sprecher der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz verlas einen Bericht aus Changchun/China, wo ebenfalls Leiharbeiter um ihre Existenz kämpfen.

Die Versammlung beschloss: 'Unsere heutige Protestversammlung bei VW in Wolfsburg gegen die Entlassung von Zeitarbeitern grüßt ihre Kollegen in Changchun/China. Unser Kampf muss gemeinsam geführt werden! Nehmt Kontakt auf zur Internationalen Automobilarbeiterkonferenz!'
 
Internationale Solidarität hat alle stolz gemacht
https://www.rf-news.de/2017/kw50/kampfaktion-der-zeitarbeiterinnen-und-zeitarbeiter-bin-wolfsburg (https://www.rf-news.de/2017/kw50/kampfaktion-der-zeitarbeiterinnen-und-zeitarbeiter-bin-wolfsburg)




Der verlesene Bericht zu Changchun/China stammte von der Zeitung Die Leihkeule und kann hier nachgelesen werden:

Zitat
Solidaritätserklärung der Redaktion der LEIHKEULE, unabhängige Zeitung der Leiharbeiter

Wir verfolgen das Geschehen bei VW mit großem Interesse und wir gratulieren zu eurem mutigen Schritt, den Kampf aufzunehmen und selbst euer Recht einzufordern. Leiharbeiter leisten die gleiche Arbeit wie die Stammbeschäftigten, doch sie werden in vielerlei Beziehung benachteiligt. Nicht nur finanzielle Nachteile, auch das Herumgeschobenwerden zu verschiedenen Einsatzorten und die fehlende Jobsicherheit, bedeuten eine große Beeinträchtigung im Leben.

VW ist berüchtigt für den zynischen Umgang mit seinen Beschäftigten. Gerade ist das Ergebnis der Studie veröffentlicht worden, in  der die Verstrickungen des Konzerns in die Verbrechen der Militärdiktatur in Brasilien untersucht wurde.  Der VW-Werkschutz hat mit Brasiliens Politischer Polizei zusammengearbeit und ist gegen aufmüpfige Arbeiter vorgegangen.

Es scheint, daß die Ermittlungen gegen den Konzern und die öffentliche Kritik, keine Auswirkung auf die Unterrnehmenspolitik von VW haben.

Profite stehen über Menschenrechten. Auch heute.


Im chinesischen Changchun wird im FAW-VW Werk das Arbeitsrecht gebrochen, indem man 3000 Leiharbeiter seit über 10 Jahren mit der Hälfte des Lohnes der Stammbelegschaft abspeist. Dies widerspricht nicht nur den Chinesischen Arbeitsgesetzen, sondern auch der Charta der Leiharbeit, die von Konzern und Gesamtbetriebsrat unterzeichnet worden ist.

Ähnlich wie in Brasilien arbeitet VW mit den Behörden des autoritären Landes zusammen. Die Sprecher der Leiharbeiter wurden auf ihrem Weg ins Personalbüro, wo sie ihre Forderungen vortragen wollten, festgesetzt und in den Räumlichkeiten des Werkes festgehalten bis sie in Polizeigewahrsam kamen. Nach 8 Monaten ist der gewählte Sprecher der Leiharbeiter, Fu Tianbo noch immer in Haft.

Die Vorsitzende des Europäischen Betriebsrats Frank Patta und der Konzernbetriebsrat Bernd Osterloh antworteten auf einen Brief der Kollegen in China und erklärten, sie wüßten nichts von solchen Vorgängen und sie fühlten sich nicht zuständig.

Als die deutsche Presse nachhakte, ließ der Betriebsrat erklären, man hätte in Geheimverhandlungen die Probleme in dem Werk Changchun weitgehend geklärt. Wir haben dierekte Kontakte zu den Leiharbeitern dort und sie versicherten uns, dies entspreche nicht der Wahrheit. Die Situation der Leiharbheiter in Changchun sei nun noch schwieriger als zuvor.

Sie sehen sich von dem Betriebsrat in Deutschland in Stich gelassen, sind aber nicht bereit aufzugeben. Sie setzen auf ihre eigene Kraft und die Solidarität unter Arbeitern. Sie zeigen auch großes Interesse an den Auseinandersetzungen der Leiharbeiter bei VW in Deutschland.

Wir bemühen uns um einen grenzüberscheitenden Austausch über das Geschehen.

Wir schicken euch zu eurem berechtigten Protest solidarische Grüße und werden dazu beitragen, daß euer Protest gehört wird!

Wir unterstützen eure Forderung nach der Rücknahme der Kündigung der 200 Kollegen!

Wir fordern faire Behandlung der Arbeiter und die Einhaltung des Arbeitsrechts in allen VW Werken weltweit!

Wir fordern die Abschaffung der Leiharbeit!

Freiheit für Fu Tianbo!!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 19. Dezember 2017, 14:01:45
Auf der Seite Borderless - Hongkong befindet sich der Text im Chinesischen Original.
 https://borderless-hk.com/2017/12/18/勞團抗議長春一汽大眾剝削派遣工 要求釋放工人/

Wenn man auf die englischsprachige Version klickt, erhält man nur eine Googleübersetzung:

https://translate.google.com/translate?hl=&sl=auto&tl=en&u=https%3A%2F%2Fborderless-hk.com%2F2017%2F12%2F18%2F%E5%8B%9E%E5%9C%98%E6%8A%97%E8%AD%B0%E9%95%B7%E6%98%A5%E4%B8%80%E6%B1%BD%E5%A4%A7%E7%9C%BE%E5%89%9D%E5%89%8A%E6%B4%BE%E9%81%A3%E5%B7%A5%E3%80%80%E8%A6%81%E6%B1%82%E9%87%8B%E6%94%BE%E5%B7%A5%E4%BA%BA%2F&sandbox=1

Also bitte nicht wundern, wenn meine Deutschübersetzung zu frei ist oder holpert:

Zitat
Labour-Aktivisten-Protest  wegen der Ausbeutung der Leiharbeiter bei FAW Volkswagen Changchun forderte die Freilassung des Arbeitervertreters Futian Bo

(https://borderlessmovement.files.wordpress.com/2017/12/photo_2017-12-15_15-05-23.jpg)

Die Gewerkschaft, die NGO Globlalisation Monitor und Hongkonger Arbeiteraktivistengruppen,  protestierten heute Morgen im Volkswagen Center in Wan Chai wegen der Leiharbeiter bei FAW Volkswagen in Changchun und der Verletzung mehrer chinesischer Arbeitsgesetze. Die Gruppe forderte die Arbeitgeber auf, mit den Arbeitern zu verhandeln, die Ausbeutung der Arbeiter zu beenden und den inhaftierten Arbeiter Fu Tianbo sofort freizulassen. Da eine offizielle Annahme einer Petition verweigert wurde, betraten die Demonstranten den Geschäftsraum (Showroom) zwecks Protests und Kommunikation.

Es wird erwartet, dass mehr als 3.000 Leiharbeiter innerhalb eines Jahres in Peking Petitionen einreichen

Es wird davon ausgegangen, dass die mehr als 3.000 Leiharbeiter der FAW-Volkswagen-Gruppe in Changchun in der Provinz Jilin, die Ende letzten Jahres begonnen haben, kollektive ihre Rechte einzufordern,  "gleichen Lohn für gleiche Arbeit" mit den Stammarbeitern fordern. Der Situation ist seit mehr als einem Jahr ungeklärt und die Mehrheit der Leiharbeitsverträge wird am Ende des Jahres auslaufen. Es ist schwierig, diese Verträge zu erneuern. Daher sagten einige Arbeiter, sie würden nach Peking gehen, um Gerechtigkeit zu suchen.

"Langzeitarbeiter" erhalten nur die Hälfte eines Equal Pay[??]

Diese Leihrbeiter sind seit mehr als einem Jahrzehnt bei FAW-Volkswagen beschäftigt, aber ihre Gehälter sind nur halb so hoch wie bei normalen Arbeitern und genießen nicht die gleichen Privilegien. Schon länger wurde öffentlich angeprangert, daß gegen eine Reihe chinesischer Arbeitsgesetze verstoßen worden ist, einschließlich Artikel 63: "Entsandte Arbeiter haben das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit mit Arbeitern der Stammbelegschaft." Artikel 66: "Der Leiharbeitseinsatz ist eine ergänzende Form und kann nur für eine befristete, unterstützende oder alternative Arbeit angewendet werden" und Artikel 9 der vorläufigen Bestimmungen zur Leiharbeit: "Kein Arbeitgeber soll die entsandten Arbeitnehmer diskriminieren".

Gewerkschaft: Mitarbeiter, die seit 10 Jahren nicht übernommen worden sind, sind illegal

In seiner Rede im Namen des Gewerkschaftsverbandes fügte Lin Zuming hinzu: "Nach dem chinesischen Gesetz wird ein Arbeitnehmer, der einen Vertrag für drei Jahre verlängert, automatisch zum "Festangestellten". "Für den Zeitraum von mehr als zehn Jahren haben die Arbeiter jedoch noch nicht den Status eines "Festangestellten" erworben. "Offensichtlich gegen Vertragsrecht." Er wies auch darauf hin, dass bei FAW-Volkswagen die Muttergesellschaft Volkswagen ist, so dass die Muttergesellschaft für die Ausbeutung und das Verhalten ihrer Mitarbeiter verantwortlich ist.

Globalisation Monitor (GM): Arbeitgeber dürfen nicht mehr als 5% Leiharbeiter einsetzen


Liu Yanna, ein globaler Inspektionsbeauftragter, sagte, FAW-Volkswagen verstoße gegen die 2012 von ihrer Muttergesellschaft unterzeichnete Charta der Arbeitsverhältnisse der Volkswagen-Gruppe. Die Charta besagt, dass entsandte Arbeitnehmer das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit genießen  und dass der Anteil der Arbeiter, die in jede Fabrik entsandt werden, nicht mehr als 5% beträgt. Die Anzahl der entsandten Arbeiter in dem Changchun-Werk war jedoch weit höher als diese Zahl. Liu hielt eine Rede, in der er die Arbeitgeber aufforderte, nicht gegen Arbeiter vorzugehen. Drei Arbeitervertreter, Fu Tianbo, Ai Zhenyu und Wang Shuai, wurden von den Sicherheitskräften inhaftiert. Ai Zhenzi und Wang Shuai wurden jedoch auf Kaution entlassen, aber Fu Tianbo befindet sich immer noch in Haft.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 21. Dezember 2017, 13:48:52
“In der chinesischen Stadt Changchun protestieren Leiharbeiter seit über einem Jahr gegen ihre diskriminierenden Arbeitsbedingungen. Für ihre Aktionen vor dem Werkstor und die Organisierungsbemühungen über soziale Medien sehen sie sich scharfer Repression ausgesetzt. Auf Unterstützung deutscher Betriebsratsprominenz warten sie bislang vergeblich. Den Beitrag aus dem China Labour Bulletin vom 8. November 2017 ergänzen wir um einen aktuellen Nachtrag zu den weiteren (Nicht-)Entwicklungen…” Übersetzung von Stefan Schoppengerd und Anmerkungen, erschienen in express, Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit: Ausgabe 12/2017:

Zitat
Wir bereuen nichts…

Der Kampf bei VW Changchun geht auch nach einem Jahr weiter


Anfang November 2016 reichten hunderte Leiharbeiter bei FAW-Volkswagen, einem chinesisch-deutschen Joint Venture in der nordöstlich gelegenen Stadt Changchun, zusammen mit dem chinesischen Gewerkschaftsbund ACFTU eine Klage ein, mit der sie gleichen Lohn für gleiche Arbeit durchsetzen wollen. Einige von ihnen, die durch Leiharbeitsfirmen im Auftrag von FAW-VW angestellt sind, hatten da bereits über zehn Jahre für die Firma gearbeitet, gaben aber an, nur halb so viel Lohn zu erhalten wie die direkt bei VW angestellten ArbeiterInnen.

Anfänglich gab es großen Optimismus, dass der Streit beigelegt werden könnte. Die ArbeiterInnen wählten drei Repräsentanten, Fu Tianbo, Ai Zhenyu und Wang Shuai, um sie in den Verhandlungen mit dem Management zu vertreten. Die Arbeitgeberseite – FAW-VW und die Leiharbeitsfirmen – zeigte Bereitschaft, am anderen Ende des Verhandlungs­tisches Platz zu nehmen, und die kommunale Gewerkschaftsvertretung war zusammen mit den Gewerkschaftsvertretern des lokalen Industriegebiets ebenfalls zu einer Beteiligung an den Gesprächen bereit.

Ein Jahr später allerdings warten die 3.000 LeiharbeiterInnen in der Autofabrik immer noch darauf, mit ihren Forderungen Gehör zu finden. Ihr Kollege und Repräsentant Fu Tianbo sieht sich juristischer Verfolgung als Rädelsführer einer »Menschenmenge zur Störung der öffentlichen Ordnung« ausgesetzt, und die Konzernmutter Volkswagen hat sich fürs Wegsehen entschieden. Ein Arbeitskonflikt, der auf dem Verhandlungsweg hätte gelöst werden können, hat sich jetzt in einen Kriminalfall verwandelt, und die offizielle Gewerkschaft scheint es versäumt zu haben, ihre Arbeit zu machen und die ArbeiterInnen tatsächlich zu vertreten.

Die FAW-VW-ArbeiterInnen begannen ihre Equal Pay-Kampagne Ende 2016, als die zweijährige Übergangsphase zur Anpassung an die chinesischen »Interimsbestimmungen zur Leiharbeit« von 2014 ausgelaufen war und ihr Arbeitgeber die rechtlich vorgeschriebenen Anpassungen zur strengen Begrenzung der Leiharbeit immer noch nicht vorgenommen hatte.

In den sozialen Medien behaupteten die ArbeiterInnen, dass FAW-VW sowohl gegen chinesisches Recht als auch gegen die VW-Selbstverpflichtung den MitarbeiterInnen gegenüber verstoße. Sie machten ihre Hausaufgaben und konnten deutlich machen, wie das Unternehmen mehrere Artikel des chinesischen Arbeitsvertragsrechts verletzte: Artikel 63 stellt fest: »Leiharbeiter sollen das Recht auf gleiche Bezahlung für die gleiche Arbeit wie Direktan­gestellte haben«. Artikel 66 sieht einen ausschließlich ergänzenden Einsatz von Leiharbeit vor; sie soll nur auf »provisorischen, ergänzenden oder substitutiven Positionen« Anwendung finden. Einige der LeiharbeiterInnen waren wie Fu Tianbo für ein Jahrzehnt oder länger auf qualifizierten Positionen in der Kern-Produktion beschäftigt, zum Beispiel in der Verlötung.

Neben den Lohnunterschieden machten die LeiharbeiterInnen geltend, dass sie oft schärferen Disziplinarmaßnahmen ausgesetzt sind, nicht den gleichen Krankenversicherungsschutz genießen, keinen Überstundenausgleich haben und keine der zusätzlichen Sozialleistungen der Festangestellten erhalten. Zusammen mit einer Liste der Rechtsbrüche des Unternehmens postete Fu Tianbo für seine KollegInnen ein Musterschreiben mit Forderungen an das Unternehmen: Er verlangte eine Entschädigung von 1,3 Mio. Yuan (heute ca. 166.000 Euro, der Übers.) für Jahre der Lohndiskriminierung und die Unterzeichnung offizieller Arbeitsverträge mit FAW-VW.

Internationale Nachrichtenagenturen und insbesondere deutsche Medien griffen die Geschichte auf und halfen so dabei, den Druck auf VW zur Berücksichtigung der Anliegen aus Changchun zu erhöhen. Die ArbeiterInnen beriefen sich auf das Globale Rahmenabkommen zur Zeitarbeit bei VW von 2012 und verdeutlichten das Versagen des Unternehmens bei der Einhaltung von Equal Pay, bei der Eingliederung in die Stammbelegschaft nach einer bestimmten Zahl von Vertragsverlängerungen und bei der Begrenzung des prozentualen Anteils von LeiharbeiterInnen an der Gesamtbelegschaft des Unternehmens.

Die ArbeiterInnen und Gewerkschaftsleute ließen sich auf zwei Verhandlungsrunden mit dem Management ein. Außerdem brachten sie ihr Anliegen vor das Komitee zur Schlichtung von Arbeitskonflikten in Changchun und später auch ihren Arbeitgeber vor Gericht. Leider führten die Verhandlungen nicht zu positiven Ergebnissen. Ihr Schlichtungsgesuch wurde ignoriert, und ihre Klage ging im Sumpf der Justiz unter. Obendrein wurden ihre Proteste von Polizeischikanen begleitet. Im Mai 2017 wurden ihre Vertreter verhaftet. Ein Jahr nach dem Start ihrer Kampagne wurde ihre Internetpräsenz von chinesischen Zensoren gelöscht.

Gleichwohl waren die ArbeiterInnen nicht allein in ihrem einjährigen Kampf für Gerechtigkeit: Den FAW-VW-ArbeiterInnen wurden Solidaritätserklärungen von IG Metall-Betriebsräten und von den französischen Gewerkschaften CGT und Force Ouvrière zuteil; auch eine kleine, aber profilierte Gruppe aus den Reihen der G20-Proteste in Hamburg zeigte ihre Unterstützung (im Original findet sich an dieser Stelle ein Verweis auf die Internetseite [url=http://www.chefduzen.de]www.chefduzen.de[/url] ([url]http://www.chefduzen.de[/url]) externer Link).

Die ArbeiterInnen richteten auch direkte, öffentliche Aufrufe an VW und den VW-Betriebsrat in Deutschland, sich mit den Gesetzesverstößen in China zu befassen und sich für die Freilassung von Fu Tianbo einzusetzen. In einem zweisprachigen chinesisch-deutschen Brief betonten sie: »Das Verhalten von FAW-Volkswagen stellt eine schwerwiegende Verletzung der in China bestehenden Gesetze und Verordnungen dar! Darüber hinaus verstößt das Verhalten gegen zahlreiche Grundsätze und Inhalte der ›Charta der Zeitarbeit im Volkswagen-Konzern‹.«

In einer Antwort vom 7. August 2017 behauptete die VW-Gruppe, die 49 Prozent ihres weltweiten Gewinns vor Steuern auf dem chinesischen Automarkt macht, dass »Beschäftigte von Subunternehmen nach dem gleichen Schema bezahlt werden wie die Kernbelegschaft« und dass das Unternehmen sich alle Mühe gebe, »eine beiderseitig akzeptable Lösung zu finden.«

Die ArbeiterInnen selbst sagen, dass es keinerlei Anzeichen für irgendwelche Bemühungen von VW gibt, im Sinne einer allseits akzeptablen Lösung in den Konflikt zu intervenieren. Darüber hinaus steht die versäumte Anerkennung der Tatsache, dass ein Belegschaftsvertreter inhaftiert wurde, nachdem er seine Rechte als Repräsentant wahrgenommen hatte, in schroffem Gegensatz zur Verpflichtung des Unternehmens auf Anerkennung von Mitbestimmungsrechten und auf ein »offenes, konstruktives und kooperatives Konfliktmanagement« im Umgang mit Anliegen der Beschäftigten.

Drei Wochen später machte VW sogar noch einen größeren Schritt rückwärts: Am 25. August nahm das Unternehmen für sich in Anspruch, nur Minderheitseigner des Joint Ventures in Changchun und daher nur begrenzt verantwortlich für den Fall zu sein. Stattdessen wurden die ArbeiterInnen schlicht ermuntert, ihr Anliegen bei den zuständigen Stellen in China vorzubringen.[1]

Nichtsdestotrotz gibt es noch Hoffnung für die ArbeiterInnen und auch die Gelegenheit für die offizielle Gewerkschaft, ihre Legitimität und das Vertrauen der LeiharbeiterInnen zurückzugewinnen. Trotz der fehlgeschlagenen Intervention und der erfolglosen Verhandlungsrunde könnte die Gewerkschaft ihre institutionellen Ressourcen noch sinnvoll einsetzen, indem sie Rechtsbeistand für Fu Tianbo gewährt und seiner baldigen Freilassung den Weg bereitet. Das würde den Schwerpunkt wieder dorthin verlagern, wo er hingehört: auf einen Arbeitskonflikt, nicht auf einen Kriminalfall.

Zugleich könnte Changchun dem Beispiel des Gewerkschaftsbundes in Shenzhen auf dem Höhepunkt der Kampagne von Walmart-Beschäftigten gegen flexible Arbeitszeiten folgen, indem der Standpunkt der ArbeiterInnen bei FAW-VW eingenommen wird. Die Gewerkschaft in Changchun sollte sich von ihrer distanzierten, neutralen Haltung verabschieden und auf die rund 3.000 LeiharbeiterInnen zugehen, sich ihre Anliegen sehr genau anhören und eine neue Runde von Tarifverhandlungen voranbringen.

Gleichzeitig warten die LeiharbeiterInnen immer noch auf das Wiedersehen mit Fu Tianbo. In einem zwischenzeitlich gelöschten Social Media-Beitrag schrieb ein Arbeiter im Juli: »Lasst Bruder Tianbo wissen, dass wir alle auf seine Freilassung warten, lasst ihn wissen, dass wir seinen Schmerz nachempfinden. Wir stehen solidarisch zusammen, egal wie lang wir zusammen gearbeitet haben. Unser gemeinsamer Kampf und Bruder Tianbos persönliches Opfer werden nicht vergeblich sein. Am Ende bekommen wir vielleicht nicht alles, was wir fordern, aber wir werden es nie bereuen, zusammen gekämpft zu haben!«

    Quelle: [url]http://www.clb.org.hk/content/one-year-struggle-continues-volkswagen-workers-changchun[/url] ([url]http://www.clb.org.hk/content/one-year-struggle-continues-volkswagen-workers-changchun[/url]) externer Link
    Übersetzung: Stefan Schoppengerd


Nachtrag

Ende November kam nochmal etwas Bewegung in die Angelegenheit, als FAW-VW behauptete, den meisten Leiharbeitern eine Festanstellung angeboten zu haben. Dazu eine Zusammenfassung aus dem Portal www.chefduzen.de (http://www.chefduzen.de) externer Link vom 27. November 2017:

FAW-VW hat den Leiharbeitern 2400 feste Arbeitsplätze angeboten, wie es offiziell in einem Rekrutierungsdokument vom Juni als Zugeständnis an den Arbeiterprotest heißt. Erstens ist es für die Leiharbeiter problematisch, dass sich davon nur 500 Arbeitsplätze in Changchun befinden, wo sie vor gut zehn Jahren für den Job hingezogen sind. Die anderen Jobs sind in verschiedenen anderen Städten, wobei sich die ArbeiterInnen verpflichten sollen, in Zukunft nicht nach Changchun zurückzukehren. Zweitens müssen die ArbeiterInnen eine Verzichtserklärung unterschreiben für eine evtl. Entschädigung für die unrechtmäßig vorenthaltenen Löhne, wenn sie den Job annehmen. Und drittens ist die Jobvergabe nicht frei von weiteren Bedingungen: Die ArbeiterInnen befürchten, dass der Prüfungs- und Auswahlprozess mit Korruption verbunden sein könnte. Das Angebot würde  jedoch viele Leiharbeiter zu Stammbeschäftigten machen und spaltet dementsprechend die Protestierenden.

Es muss betont werden, dass die meisten Leiharbeiter seit mehr als zehn Jahren in der Fabrik arbeiten. Und tatsächlich hat FAW-VW seit 2008 aufgehört, »entsandte« Arbeiter anzuwerben. Stattdessen haben sie »Outsourcing« -Arbeitskräfte als Temporärkräfte genutzt. Das ist nur vom Namen her etwas anderes, um so das Arbeitsgesetz zu umgehen. Und sie haben damit neue, flexiblere und billigere temporäre Arbeitskräfte – durch die Arbeit von Studierenden (PraktikantInnen)! Auch deshalb behauptet FAW-VW, dass es künftig nur noch 500 ZeitarbeiterInnen geben werde.

Und ein letzter Punkt: VW reagiert bislang in keiner Weise auf die Verhaftung von Fu Tianbo. Und dies, obwohl der Gewerkschafter im Gebäude des Unternehmens eingesperrt wurde, als die Arbeiter versuchten, die Leute aus dem Personalbüro zu finden, um ihnen die Fehler im Umgang mit ihren Rechten und ihrer Bezahlung zu erklären. Das Unternehmen kann nicht einfach der Regierung die Schuld in die Schuhe schieben.

Anmerkung:

1          Anders als im Text des China Labor Bulletin behauptet, handelt es sich bei diesem »Schritt rückwärts«, also bei dem Schreiben vom 25. August, nicht um eine Stellungnahme des Unternehmens. Die zwei Unterzeichner des abschätzigen, knapp einseitigen Briefes sind Bernd Osterloh und Frank Patta als Vertreter des Euro- und Weltkonzernbetriebsrates von VW. Osterloh ist freilich in erster Linie deutscher Gesamtbetriebsratsvorsitzender. Das Schreiben findet sich bei labournet.de (Anm. d. Übers.)

http://www.labournet.de/?p=125696 (http://www.labournet.de/?p=125696)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 22. Dezember 2017, 16:02:19
Aktuelle News aus China:

FAW-VW bot gestern überraschend den Leiharbeitern einen Arbeitsvertrag an, der allen Arbeitern in Changchun eine Übernahme als Stammbeschäftigte einräumt. In dem Vertrag heißt es jedoch wörtlich, "Alle Streitigkeiten über Zahlungen, Leistungen und andere Fragen wurden von beiden Seiten einvernehmlich gelöst, als der neue Vertrag abgeschlossen wurde." FAW-VW gab den Arbeitern nur einen Tag Zeit, um zu entscheiden, ob sie den Vertrag unterschreiben oder den Job verlieren. Unzufriedenheit der Arbeiter mit Vertrag und mit solch einem plötzlichen Vorgehen machte sich bemerkbar und viele sind sehr wütend darauf.

Die Übernahmemöglichkeit in die Stammbelegschaft hatten die Leiharbeiter nicht mehr erwartet und sehen es als Ergebnis ihres hartnäckigen Kampfes und der internationalen Solidarität. Man muß auch davon ausgehen, daß VW sich gezwungen sah, zu reagieren auf die Ankündigung, 3000 Leiharbeiter würden im nächsten Jahr eine Petition in Peking einreichen, wegen der illegalen Diskriminierung bei FAW-VW. Die Behörden und Gerichte in der Hauptstadt gelten als weniger korrupt als in den Provinzen und so gab es die realistische Chance, daß der Konzern zur Nachzahlung der unterschlagenen Löhne und weiteren Leistungen verurteilt worden wäre. Der Passus der einvernehmlichen Einigung soll das ausschließen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Onkel Tom am 23. Dezember 2017, 16:01:09
Wat ätzend..

Neuvertrag und alles vorherige vergessen oder Job los.  >:(
Und Fu Tianbo darf jetzt als "Bauernopfer" im Knast sitzen oder wie ?



 


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 23. Dezember 2017, 21:28:00
Ein Update mit aktuellen Details:

Nahezu alle haben den Vertrag unterschrieben, mit Ausnahme von 5 Arbeitern, die sich geweigert haben. Dazu gehören die gewählten Sprecher der Arbeiter, Fu Tianbo, Ai Zhenyou und 3 andere der Gruppe der Protestierenden. Mehr als 900 Arbeiter haben eine feste Anstelltung bekommen.

Für die 900 bedeutet es eine Verdoppelung ihres Lohnes, zusätzliche Sozialleistungen und eine bisher nicht gekannte Jobsicherheit.
Man kann ihnen die Unterschrift unter dem Vertrag nicht vorwerfen.

Aber Volkswagen muß man vorwerfen, daß der Konzern mit diesem "Entgegenkommen" 10 Jahre Lohnbetrug zu legalisieren versucht!



Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 26. Dezember 2017, 16:22:46
Zitat
Volkswagen
Angst bei VW: Weniger Gehalt und keine Boni für Betriebsratschef Osterloh


([url]http://media-cdn.sueddeutsche.de/image/sz.1.3210244/640x360?v=1514294126000[/url])

    VW hat kurz vor Weihnachten überaschend die Gehälter von 14 Betriebsräten teils radikal gekürzt und Boni vorerst ausgesetzt.
    Der Grund: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt, ob der Autokonzern Betriebsratschef Osterloh zu viel bezahlt und so Firmengeld veruntreut hat.
    Die SPD hatte im Sommer 2017 in der Bundesregierung versucht, die Vorschriften für die Bezahlung von Betriebsräten zu lockern, war aber an der Union gescheitert.

Wendet man die Maßstäbe des höchsten deutschen Arbeitsgerichts auf Volkswagen an, dann dürften die dortigen Manager-Gehälter für Betriebsräte schwer zu rechtfertigen sein.

VW-Chef Müller und seine Kollegen reagierten aber weder Anfang des Jahres, als die Erfurter Richter urteilten, noch im Frühjahr, als die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen Osterloh bekannt wurden, noch im Sommer, als die SPD mit ihrem Vorstoß scheiterte. Sondern erst im Herbst, nach einer Razzia wegen Osterlohs Bezügen in der Wolfsburger Konzernzentrale. In dieser Sache wird unter anderem gegen Personalvorstand Karlheinz Blessing und dessen Vorgänger Horst Neumann ermittelt, nicht gegen Osterloh. Insgesamt sechs aktive und frühere Vorstandsmitglieder von VW haben bereits ein Aktenzeichen, die meisten von ihnen wegen der Abgasaffäre. Und gegen den Vorstand der Ingolstädter VW-Tochter Audi läuft ein Bußgeldverfahren.

So schlimm war das für den Autohersteller nicht einmal während der Rotlichtaffäre um Lustreisen von Betriebsräten im vergangenen Jahrzehnt gewesen.

Das Gesetz besagt, Belegschaftsvertreter dürften finanziell weder bevorzugt noch benachteiligt werden.

Bei einer Anhörung zum Arbeitsrecht im Juni im Bundestag hat der Sachverständige Franz Josef Düwell die Politik aufgefordert, zu handeln. Es sei ein Unding, wenn sich jemand über den Betriebsrat emporgearbeitet habe, auf Augenhöhe mit dem Vorstand verhandele, "dann aber auf das Gehalt eines Maschinenschlossers zurückfällt". Es gelte zu berücksichtigen, welche Erfahrungen und Qualifikationen der betreffende Beschäftigte durch seinen Job im Betriebsrat dazugewonnen habe. Düwell war zehn Jahre lang Vorsitzender Richter beim Bundesarbeitsgericht in Erfurt. Düwells Vorschlag entsprach den Wünschen der SPD und der Gewerkschaften, fiel aber bei CDU/CSU durch.
aus: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/volkswagen-angst-bei-vw-weniger-gehalt-und-keine-boni-fuer-betriebsratschef-osterloh-1.3804455 (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/volkswagen-angst-bei-vw-weniger-gehalt-und-keine-boni-fuer-betriebsratschef-osterloh-1.3804455)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 26. Dezember 2017, 16:49:52
Osterlohs Gehalt grenzt an Bestechung. Er trägt die sozialchauvinistische Politik des VW-Konzerns mit. Er ist mitverantwortlich für einen Zukunftspakt, der die Vernichtung von 30000 Arbeitsplätzen bedeutet (und eine 25%tige Produktivitätssteigerung). Außerdem trägt er den Konkurrenzkampf der VW-Bosse mit.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Bowie am 27. Dezember 2017, 10:56:14
Wirklich lustig
Zitat
Das Gesetz besagt, Belegschaftsvertreter dürften finanziell weder bevorzugt noch benachteiligt werden.
Es sei ein Unding, wenn sich jemand über den Betriebsrat emporgearbeitet habe, auf Augenhöhe mit dem Vorstand verhandele, "dann aber auf das Gehalt eines Maschinenschlossers zurückfällt". Düwells Vorschlag entsprach den Wünschen der SPD und der Gewerkschaften, fiel aber bei CDU/CSU durch.

CDU/CSU zeigen mehr Moral, als DGB und SPD, die die Selbstbedienung der Arbeiterverräter im Betrieb gesetzlich absichern wollen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 28. Dezember 2017, 09:42:32
Zitat
Bernd Osterloh ist Betriebsratschef bei VW - und so mächtig wie kaum ein anderer Arbeitnehmervertreter.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/volkswagen-bernd-osterloh-deutschlands-maechtigster-arbeiterfuehrer-in-bedraengnis-a-1147480.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/volkswagen-bernd-osterloh-deutschlands-maechtigster-arbeiterfuehrer-in-bedraengnis-a-1147480.html)

Zitat
In Wolfsburg schlage das Herz von Volkswagen, erinnerte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Deswegen müssten hier Digitalisierung und Elektromobilität zuerst Realität werden. Osterloh wörtlich: „Wolfsburg muss das Silicon Valley von Volkswagen werden.“
http://www.waz-online.de/Wolfsburg/Volkswagen/Wolfsburg-muss-das-Silicon-Valley-von-VW-werden (http://www.waz-online.de/Wolfsburg/Volkswagen/Wolfsburg-muss-das-Silicon-Valley-von-VW-werden)

Zitat
VW-Betriebsrat und Aktionäre ziehen an seinem Strang

Die Schweizer Bank Credit Suisse zieht aus einer Londoner Investorenveranstaltung mit Volkswagen-Betriebsratschef Bernd Osterloh positive Schlüsse für den Autobauer.


In vielen Bereichen habe die wegen ihrer Mitbestimmungsrechte einflussreiche Arbeitnehmer-Vertretung ähnliche Interessen wie die Aktionäre, da die Bonuszahlungen für die Belegschaft an den operativen Gewinn des deutschen Kerngeschäfts sowie Aktivitäten in China gekoppelt seien, schrieb Analyst Daniel Schwarz in einer am Mittwoch vorliegenden Studie.

Der Betriebsrat sei zudem nicht gegen höhere Dividendenzahlungen aus steigenden Gewinnen, so der Analyst weiter.

Osterloh habe zudem betont, dass der „Zukunftspakt“ genannte Sparkurs für die Kernmarke VW vom Betriebsrat initiiert worden sei und er die damit verbundenen Maßnahmen ebenso unterstütze wie den VW-Markenchef Herbert Diess, berichtete Schwarz weiter. Auch gegen Anteilsverkäufe oder Börsengänge einzelner Bereiche habe der Betriebsrat prinzipiell nichts einzuwenden, sofern das Geld dann in weiteres Wachstum investiert werde wie etwa im Lkw-Bereich. Nur sehe die Mitarbeiter-Vertretung momentan noch keine Notwendigkeit dafür.

Gemäß der Einstufung „Outperform“ erwartet die Credit Suisse in den nächsten 12 Monaten eine überdurchschnittliche Gesamtrendite der Aktie im Vergleich zu den anderen von dem Analysten beobachteten Werten derselben Branche.
https://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsticker/credit-suisse-vw-betriebsrat-und-aktionaere-ziehen-an-seinem-strang_id_7915896.html (https://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsticker/credit-suisse-vw-betriebsrat-und-aktionaere-ziehen-an-seinem-strang_id_7915896.html)

Zitat
Jetzt genießt Bernd Osterloh sogar Respekt bei Börsen-Analysten

Wolfsburg  Der Betriebsratschef wirbt in London für die Vorteile einer starken Mitbestimmung – und überzeugt die Experten.

Als Co-Manager wollen sich die Spitzenkräfte des Betriebsrates von VW partout nicht bezeichnen lassen. VW-Management, Börsenanalysten und professionelle Investoren sehen das offenbar ganz anders – und haben zudem auch nicht immer ein Problem damit.

Das ist jedenfalls das Echo auf einen ziemlich bemerkenswerten Auftritt von Betriebsratschef Bernd Osterloh und seines Generalsekretärs Gunnar Kilian auf einer Analystenkonferenz der Schweizer Großbank Credit Suisse in London. Die Börsenprofis waren danach angetan von Osterlohs Vortrag.
https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article212769043/Jetzt-geniesst-Bernd-Osterloh-sogar-Respekt-bei-Boersen-Analysten.html (https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article212769043/Jetzt-geniesst-Bernd-Osterloh-sogar-Respekt-bei-Boersen-Analysten.html)

Zitat
Zu viel Geld zeugt von zu viel Nähe zu den Mächtigen

VW kürzt das sehr hohe Gehalt des Betriebsratschefs Osterloh drastisch. Er hätte gut daran getan, weniger zu nehmen. Doch die üppige Bezahlung ist nur Teil eines größeren Problems.


Bernd Osterloh, der Betriebsratschef von Volkswagen, hat sich in diesem Jahr heftig aufgeregt über "aus dem Lot geratene" Gehälter und Boni von Managern. Viele Konzernvorstände kassieren inzwischen hohe Millionenbeträge. Das verletze das "allgemeine Gerechtigkeitsempfinden", rügte Osterloh in einer gemeinsamen Erklärung mit Kollegen aus anderen Unternehmen wie BMW und Daimler. Aus dem Lot geraten ist allerdings auch, was manche Betriebsräte einstreichen, allen voran Osterloh selbst. Der hat in seinem, finanziell betrachtet, besten Jahr bei VW 750 000 Euro bekommen, 200 000 Euro Grundgehalt plus Bonuszahlungen.

Jetzt tritt der VW-Vorstand auf die Bremse. An Osterloh gehen plötzlich nur noch 96 000 Euro Gehalt im Jahr, Boni sind vorerst ausgesetzt. Das geschieht nicht aus besserer Einsicht, sondern weil Staatsanwälte den Konzern verdächtigen, den Betriebsratschef zu gut zu bezahlen.

Osterloh rechtfertigt sein hohes Salär auch damit, dass ihm "Managementqualitäten" zugeschrieben würden. In der Tat gilt bei VW der Betriebsratschef als Co-Manager. Osterlohs Job ist es aber, die Belegschaft zu vertreten.

 Aber wie verführerisch und falsch die Rolle als Co-Manager ist, zeigt sich im Aufsichtsrat, dem Osterloh quasi kraft Amtes angehört. Im Kontrollgremium hätte der sonst so streitbare Gewerkschafter mit seinen Kollegen von der IG Metall und dem Land Niedersachsen als einem der Hauptaktionäre längst durchsetzen können, dass VW von Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn wegen der Abgasaffäre Schadenersatz fordert. Sollte Winterkorn von den manipulierten Schadstoffmessungen nichts gewusst haben, wie er behauptet, dann hätte er keine Ahnung gehabt, was im Unternehmen passiert. Das hätte Osterloh rügen können, stattdessen hat er Rücksicht auf vermeintliche Managerkollegen genommen - wohl, weil er sich blenden lässt von seiner angeblich übergroßen Bedeutung. Das ist zu viel Nähe zu den Mächtigen im Konzern. Und zu viel Geld für einen Betriebsratschef.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vw-betriebsraete-zu-viel-geld-zeugt-von-zu-viel-naehe-zu-den-maechtigen-1.3804694 (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vw-betriebsraete-zu-viel-geld-zeugt-von-zu-viel-naehe-zu-den-maechtigen-1.3804694)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 29. Dezember 2017, 09:17:46
Es wird immer absurder.
Volkswagen steht über herrschenden Gesetzen und über den Dingen.
Eine Untersuchung? Ja, wo kommen wir denn da hin!?!
Zitat
VW-Aktionäre hatten einen Sonderprüfer durchgesetzt, der die Abgasaffäre untersuchen soll. Doch die Autobauer wehren sich erbittert dagegen - laut einem Medienbericht sogar vor dem Bundesverfassungsgericht.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/abgasskandal-volkswagen-wehrt-sich-gegen-sonderpruefung-a-1185372.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/abgasskandal-volkswagen-wehrt-sich-gegen-sonderpruefung-a-1185372.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: dagobert am 30. Dezember 2017, 01:42:06
Doch die Autobauer wehren sich erbittert dagegen - laut einem Medienbericht sogar vor dem Bundesverfassungsgericht.

Dort allerdings erfolglos:
BVerfG, Beschluss vom 20. Dezember 2017, 1 BvR 2754/17
http://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2017/12/rk20171220_1bvr275417.html (http://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2017/12/rk20171220_1bvr275417.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 30. Dezember 2017, 23:14:18
Der Suppenkasper Bernd Osterloh poltert im Sylvesterinteview laut gegen Leiharbeit:

Zitat
28.12.17
(...)
Wenn es nach uns als Betriebsrat geht, würde es die Leiharbeit generell nicht geben.
(...)

http://www.waz-online.de/Wolfsburg/Volkswagen/Volkswagen-Bernd-Osterloh-im-grossen-AZ-WAZ-Interview (http://www.waz-online.de/Wolfsburg/Volkswagen/Volkswagen-Bernd-Osterloh-im-grossen-AZ-WAZ-Interview)

Zur Erinnerung nochmal aus der Charta für Zeitarbeit bei Volkswagen von 2013, die zwar bedeutungslos ist, aber freiwillig auch von Osterloh unterschrieben wurde:

Zitat
Arbeitnehmer- und Unternehmensseite stimmen über Folgendes überein:
 
Der maßvolle Einsatz von Zeitarbeit ist für Volkswagen ein notwendiges Flexibilitätsinstrument.

https://www.audi.com/content/dam/com/corporate-responsibility/nachhaltigkeit_pdfs/Volkswagen_Charta_der_Zeitarbeit.pdf (https://www.audi.com/content/dam/com/corporate-responsibility/nachhaltigkeit_pdfs/Volkswagen_Charta_der_Zeitarbeit.pdf)

Dieser Schleim, der aus dem kompletten Interview trieft, ist unerträglich. Bessere Büttel als diese vefilzten und korrupten Gewerkschafter kann sich eigentlich kein Unternehmen wünschen. Und Hand in Hand versuchen sie gemeinsam, die Fassade entgegengesetzter Interessen vorzugaukeln. Umso mehr sich unabhängige Arbeitskämpfe und Proteste entwickeln, desto lauter, agressiver und ängstlicher werden diese schmierigen Typen reagieren.



Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 09. Januar 2018, 13:04:07
Zitat
8.1.18
Thomas Zwiebler legt sein Amt als Betriebsratschef bei Volkswagen Nutzfahrzeuge nieder.  Als Gründe gab er familiäre Belastungen und den Streit um die Bezahlung von Arbeitnehmervertretern an. Zwiebler stand seit Mitte 2009 an die Spitze des Betriebsrats.
(...)
Nach seinem Ausscheiden aus dem Betriebsrat will Zwiebler bei VWN ins Management wechseln. Er habe sich entschlossen, ein entsprechendes Angebot anzunehmen. Zum Gehalt in der neuen Position will Zwiebler nichts sagen. Wie aus dem Unternehmen verlautet, soll die Stelle besser dotiert sein als die jüngst beschlosenen Gehaltsobergrenze für Betriebsräte – das Entgelt liege aber unterhalb der Summe, die Zwiebler vor dem 1. Dezember erhalten habe, hieß es.

http://www.haz.de/Nachrichten/Wirtschaft/Niedersachsen/VWN-Betriebsratschef-Thomas-Zwiebler-tritt-zurueck (http://www.haz.de/Nachrichten/Wirtschaft/Niedersachsen/VWN-Betriebsratschef-Thomas-Zwiebler-tritt-zurueck)

Das ganze Betriebsratsmodell bei VW muss man nicht wirklich ernstnehmen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 09. Januar 2018, 13:34:29
Krass.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rudolf Rocker am 09. Januar 2018, 14:46:59
Noch mehr Nutten und Koks?


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 09. Januar 2018, 15:15:50
Krasser Karrierismus!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 09. Januar 2018, 16:13:20
Aus Sicht von VW ist das wohl alles nicht so krass. Damit machen sie nochmal deutlich, dass die Karriere vom Betriebsrat zum Manager möglich ist. Im Nachhinein werden somit die Managergehälter der korrupten Betriebsräte legitimiert. Das alles sieht eher nach einer vorbeugenden Maßnahme gegenüber der Staatsanwaltschaft Braunschweig aus, die gerade die Vergütungsregeln für das "Ehrenamt" eines Betriebsrates bei VW untersucht.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nikita am 10. Januar 2018, 00:21:33
Mehr Korruption geht nicht. Es zeigt deutlich, dass der Konzern beliebig kriminell vorgehen kann und sich weiterhin keine Staatsanwaltschaft an sie rantraut.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 10. Januar 2018, 11:24:21
Erst wenn die traditionellen Gewerkschafts-Betriebsratsstrukturen die Kontrolle über die Belegschaft verlieren, bekommt VW echte Probleme.
Es scheint sich in dieser Richtung positives zu entwickeln...

Zitat
Eine selbstorganisierte Arbeitergruppe macht bei VW Portugal Furore: Erneut Streikbeschluss

([url]http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2017/09/vw-portugal-streik.jpg[/url])

Was kurz vor Weihnachten 2017 als Nachricht durch die portugiesischen Medien ging, wirkte zunächst ausgesprochen nebulös: Eine Gruppe von Beschäftigten habe sich gebildet, die die Vorgehensweise des jüngst gewählten Betriebskomitees von Autoeuropa Portugal kritisiere. In der Auseinandersetzung gegen das Diktat der Unternehmensleitung zur Wochenendarbeit, die schon das frühere Betriebskomitee ihre Posten gekostet hatte, fahre auch das neue Betriebskomitee einen Kurs, der den Absichten des Unternehmens entgegen komme, so wurde die Kritik der nicht näher bekannten  „Gruppe Gemeinsam“ (Grupo Juntos) zusammen gefasst. Zwei Tatsachen haben diesen zunächst bestehenden unbestimmten Eindruck verändert: Zum einen hat die Gruppe ihre Forderungen veröffentlicht, die laut ihrem Vorschlag mit einem zweitägigen Streik im Februar 2018 vertreten werden sollten – und dann haben in 5 der 6 stattgefundenen Schichtversammlungen die jeweiligen Mehrheiten diesen Vorschlag angenommen und für die beiden Protest-Streiktage (am ersten Februar-Wochenende, das das erste sein soll, an dem gearbeitet werden muss) sowie Betriebsversammlungen am 17. Januar 2018 gestimmt, die dann endgültig über einen erneuten Streik beschließen müssten.
http://www.labournet.de/?p=126267 (http://www.labournet.de/?p=126267)



Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 11. Januar 2018, 12:25:33
VW ist ein Verbrecherkonzern durch und durch und der Begriff VW ist für mich synonym für Mafia >:(
Eine Zeit lang war ich selbst im Werk beschäftigt und kann bestätigen,daß es ein Sauladen ist!

Zur Zeit gibt es auch da Warnstreiks und andere Aktionen!

9. Januar 2018

KAPITAL & ARBEIT
Der Boss, und wie er die Welt sah…

Achim Bigus zur Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie

Der Tarifkonflikt 2018 in der Metall- und Elektroindustrie könnte einer der härtesten seit langem werden. Das erstaunt etwas angesichts der IG Metall-Forderungen: Sechs Prozent mehr Lohn bei guten Gewinnen der meisten Unternehmen sowie ein individuelles Recht auf „kurze Vollzeit“ – nicht etwa „bei vollem Lohnausgleich“ wie einst die 35-Stunden-Woche, sondern nur mit einem Zuschuss, wenn diese Option für Erziehungs- oder Pflegearbeit oder zur Entlastung von Schichtarbeitern in Anspruch genommen wird. Die „Süddeutsche Zeitung“ findet das „nicht abseitig, sondern avantgardistisch“ und lobt: „Mit der Vereinbarkeit von Leben und Arbeit greift die Gewerkschaft… eine Frage auf, die viele Menschen bewegt…“.
Doch die Kapital-Vertreter weisen besonders die Arbeitszeit-Forderungen als „fast unüberbrückbare Hürde“ scharf zurück (so Nordmetall-Präsident Thomas Lambusch).
Manche ihrer Argumente sind wahre Perlen:
„Was habe ich mit den familiären Zuständen der Beschäftigten zu tun?“ – ungeschminkt, ohne Phrasen („liebe Mitarbeiter“!) macht Dr. Volker Schmidt (Hauptgeschäftsführer NiedersachsenMetall) hier klar, dass Verkauf und Kauf der Arbeitskraft für die Beteiligten sehr verschiedene Zwecke verfolgen: geht es dem Verkäufer um die Existenz (mitsamt der „familiären Zustände“), so geht es den Dr. Schmidts um die Quelle des Profits und sonst gar nichts…
„Mehr Geld fürs Nichtstun wird es mit uns nicht geben“ – auch dem Gesamtmetall-Präsidenten Rainer Dulger ist zu danken für die Klarstellung, dass es sich bei Erziehung und Pflege aus Unternehmersicht um „Nichtstun“ handelt. Persönlich ist ihm zu wünschen, nie auf Pflegende angewiesen zu sein, die das genauso sehen…
Mein momentaner Favorit ist aber Unternehmerpräsident Ingo Kramer: „Es geht nicht, dass der Arbeitnehmer allein entscheidet, wann er wie viel arbeiten will“ – der „Kölner Stadt-Anzeiger“ erkennt hier „ein vordemokratisches Denkmuster“, welches ins 19. Jahrhundert passe. Als sein Bruder im Geiste kritisiert Südwestmetall-Chef Stefan Wolf „Forderungen, die keine Rücksicht auf die betriebliche Organisation nehmen: Es ist aber immer noch die Hoheit des Unternehmers, diese Organisation aufrecht zu erhalten.“
Gibt es bessere Kronzeugen für die Feststellung des guten alten Karl Marx, bei jeder Beschränkung der Arbeitszeit ginge es immer auch um Fragen des „Prinzips“ (MEW 16, S. 11)?

Vorab aus der UZ vom 12.01.2018

Quelle

http://news.dkp.suhail.uberspace.de/2018/01/der-boss-und-wie-er-die-welt-sah/ (http://news.dkp.suhail.uberspace.de/2018/01/der-boss-und-wie-er-die-welt-sah/)

Achim Bigus war Direktkandidat der DKP in Osnabrück und ist Freigestellter VK-Leiter der IG Metall, Volkswagen Osnabrück GmbH

Quelle

https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/joachim-bigus (https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/joachim-bigus)



Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 12. Januar 2018, 09:42:04
Aus: Ausgabe vom 12.01.2018, Seite 9   / Kapital & Arbeit

Wahrheitssuche
Dokumentarfilm beleuchtet Rolle von VW während brasilianischer Militärdiktatur. Debatte in Berlin

Von Peter Steiniger

(http://up.picr.de/31503147yc.jpg)
(http://)

Den ehemaligen VW-Beschäftigten Lúcio Bellantani, hier mit einem Foto von der Poizei nach seiner Festnahme während der Militärdiktatur in Brasilien, lässt das Vergangene nicht los. Er wartet weiter auf ein klares Schuldbekenntnis des Konzerns
Foto: NDR

Volles Haus im Simón-Bolívar-Saal des Ibero-Amerikanischen Instituts der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Am Dienstag abend zeigte dort der Verein »Lateinamerika-Forum Berlin« die im Sommer 2017 zuerst ausgestrahlte ARD-Dokumentation von Stefanie Dodt und Thomas Aders »Komplizen? VW und die brasilianische Militärdiktatur«. Die Ereignisse liegen Jahrzehnte zurück, doch ehemalige Arbeiter von VW do Brasil, der Tochter des deutschen Konzerns, wie Lúcio Bellantani, der zwei Jahre lang verhaftet war und gefoltert wurde, kämpfen damit bis heute. Nicht alle seine Kollegen, die politische Verfolgung erfuhren, haben die Torturen überlebt. Ans Messer geliefert wurden sie auch von Aufpassern auf dem Werksgelände. Gemeinsam mit anderen VW-Veteranen kämpft Bellantini nun dafür, dass der Konzern endlich »die Wahrheit anerkennt«. Für die Dreharbeiten durfte er, um die Genehmigung dazu war lange gefeilscht worden, sein altes Werksgelände in São Bernardo do Campo noch einmal betreten. Aber es waren nur Außenaufnahmen unter strenger Aufsicht gestattet.

Zu Wort kommen im Film auch Konzerverantwortliche von damals. Leute wie Carl Hahn junior, VW-Vorstandschef von 1982 bis 1993, die von nichts gewusst haben wollen und finden, man solle besser nach vorne schauen. Oder Jacy Mendonça, Personalchef bei »Volks« in Brasilien, als es für Menschen seiner Denkart – für sie gilt das dort bis heute – keine Diktatur gab, sondern Ordnung herrschte. Die Dokumentation zeigt auf, wie der VW-Werkschutz Hunderte als Kommunisten verdächtigte Arbeiter umfassend bespitzelte und seine Dossiers an die politische Polizei weiterreichte. Verhaftungen und Schläge gab es auch auf dem Werksgelände selbst. Mit anderen Firmen tauschte man schwarze Listen aus. Eine institutionelle Zusammenarbeit mit den Repressionsorganen bestreitet VW do Brasil bis heute.

Mit Aufklärung hat man sich viel Zeit gelassen bei Volkswagen in Wolfsburg und erst recht bei seinem 1953 gegründeten südamerikanischen Ableger, der als brasilianischer Vorzeigebetrieb gilt. Die Zeit verwischt Spuren. Viele Beweise landeten im Schredder statt in Archiven. Zeugen starben. Die Filmemacher haben dennoch wichtige Details zusammentragen können.

Werner Würtele vom Lateinamerika-Forum, der für ein Forschungsprojekt der FU Berlin kurz vor Beginn der großen Metallerstreiks 1978 in Brasilien weilte und dabei auch mit dem damaligen Gewerkschaftsführer und späteren Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva zusammentraf, berichtete auf der Veranstaltung, dass Volkswagen bei den Aktivisten vor Ort im Ruf stand, besonders repressiv vorzugehen. »Bloß keine Gewerkschaft im Betrieb«, sei das Motto dort gewesen. Würtele machte auch auf die »Verantwortungsketten« im damals noch als Volkswagenwerk AG firmierenden Konzern aufmerksam. Neben dem Land Niedersachsen als Hauptaktionär zählte zu jener Zeit auch der Bund noch zu dessen Miteigentümern, Vertreter der IG Metall saßen (wie heute) im Aufsichtsrat.

Nach den Aussagen ehemaliger Mitarbeiter vor der Nationalen Wahrheitskommission 2014 und Klagen kam die Kollaboration von VW mit den Militärs in die breite Öffentlichkeit. Die selbst verstrickten brasilianischen Leitmedien hatten bis dahin wenig Interesse gezeigt. Volkswagen hat nun ein Gutachten erstellen lassen. In Auftrag gegeben wurde es bei dem Wirtschaftshistoriker Christopher Kopper von der Universität Bielefeld. Wie Filmemacherin Dodt beteiligte sich auch Kopper am Dienstag in Berlin an der Podiumsdiskussion, die der Soziologe Luiz Ramalho moderierte und an der auch Sarah Lincoln, Menschenrechtsexpertin des evangelischen Entwicklungsdienstes »Brot für die Welt«, mitwirkte. Den Schulterschluss mit den Militärs erklärte Dodt auch »mit einem gewissen Hintergrund« der deutschen Manager der Nachkriegszeit. Der über die »Rattenlinie« nach Brasilien gelangte Franz Stangl, der frühere Chef der Vernichtungslager Sobibor und Treblinka, konnte 1959 bei VW einen Job finden. 1967 wurde er an die Bundesrepublik ausgeliefert. Kopper kam auf die gemeinsame antikommunistische Orientierung bei VW-Werkschutz und Polizei zu sprechen. Die war wohl auch Grundlage für die »stillschweigende Zustimmung des Vorstands« zur Auslieferung eigener Arbeiter an die Schergen der Militärdiktatur, von der der Historiker ausgeht. Wo, wie für VW in Brasilien, Traumrenditen winken, das wurde in der Diskussion deutlich, wird auch heute noch die Missachtung von Arbeiter- und Menschenrechten in Kauf genommen.

Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/325316.wahrheitssuche.html (https://www.jungewelt.de/artikel/325316.wahrheitssuche.html)

DER FILM AUF YOUTUBE


Komplizen? - VW und die brasilianische Militärdiktatur

https://www.youtube.com/watch?v=DLzSjuJUipU (https://www.youtube.com/watch?v=DLzSjuJUipU)



Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 13. Januar 2018, 23:29:32
Verbrechen zahlt sich aus...

Aktuelle Zahlen aus Changchun:
Zitat
FAW-VW verkauft 2017 über 2 Millionen Autos

CHANGCHUN, 5. Januar (Xinhua) - Das chinesisch-deutsche Auto-Joint-Venture FAW-Volkswagen (FAW-VW) hat im Jahr 2017 ein Absatzvolumen von mehr als 2 Millionen erreicht, ein Plus von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, teilte das Unternehmen am Freitag mit.
Nach Angaben des Unternehmens mit Sitz in Changchun in der nordostchinesischen Provinz Jilin, wurden über 1,405 Millionen Volkswagen und 595.288 Audi Fahrzeuge verkauft, was einem jährlichen Wachstum von 6,8 Prozent bzw. 1,1 Prozent entspricht.
Im Jahr 2017 lief das 15-millionste Auto des Unternehmens vom Band.
Das Joint Venture wurde 1991 vom chinesischen Automobilhersteller FAW Group und dem deutschen Volkswagen Konzern gegründet.
Es wird erwartet, dass die jährliche Produktion des Unternehmens im Jahr 2020 3 Millionen erreichen wird.
http://www.xinhuanet.com/english/2018-01/05/c_136874619.htm (http://www.xinhuanet.com/english/2018-01/05/c_136874619.htm)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 16. Januar 2018, 10:03:44
Aus: Ausgabe vom 16.01.2018, Seite 5   / Inland

Zu den Chefs übergelaufen
Während der Tarifverhandlungen bei VW wechselt Betriebsrat ins Management. Zeichen stehen auf Warnstreik

Von Stephan Krull

(http://up.picr.de/31540674fj.jpg)(http://)
Bei Volkswagen hat alles seinen Preis. Gewerkschafter wechseln in die Unternehmsführung
Foto: Julian Stratenschulte/dpa
In den sechs Werken der Volkswagen AG in Wolfsburg, Braunschweig, Salzgitter, Kassel, Hannover und Emden verhandelt die IG Metall für die gut 100.000 Beschäftigten einen Haustarifvertrag. Die »fairen Forderungen«, so der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh, umfassen die Erhöhung des Entgelts um sechs Prozent für zwölf Monate, eine Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung und die Verpflichtung zur Einstellung von Auszubildenden.

Zur Begründung der Forderungen erklärt die IG Metall in einem Flyer für die Beschäftigten: »Mit Blick auf Inflation, Produktivität und die nötige Umverteilung ist das ein gerechter Ausgleich.« Mehr Geld zur Verfügung zu haben, sei nicht nur persönlich erstrebenswert, sondern tue der gesamten Wirtschaft gut. »Bei Volkswagen haben wir ein faires Forderungspaket geschnürt: Die Beschäftigten wollen Sicherheit, Teilhabe und Gerechtigkeit.« Diese Forderungen seien untrennbar miteinander verbunden und träfen den Nerv der Zeit.

Statt der Sorge um die »gesamte Wirtschaft« wäre es angebracht, immer wieder auf die außerordentlichen Gewinne des Unternehmens als Begründung für eine kräftige Umverteilung hinzuweisen, die bei der Forderung von sechs Prozent doch nur recht bescheiden ausfällt.

Der niedersächsische IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger, Verhandlungsführer für das Tarifgebiet der Volkswagen AG, kommentierte den Verlauf der ersten Tarifrunde so: »Das Verhalten der Arbeitgeberseite ist enttäuschend.« Es sei bedauerlich, dass das Unternehmen weder ein Angebot noch konkrete Lösungsvorschläge unterbreitet habe, erklärte er am 11. Dezember in einer Pressemitteilung.

Auch bei der zweiten Verhandlung am 11. Januar wurde kein annahmefähiges Angebot von Volkswagen unterbreitet. Trotz 70 Milliarden Euro Gewinnrücklagen, wie eine detaillierte Bilanzanalyse ergibt, unterbreitete Volkswagen kein diskussionswürdiges Angebot: Lediglich 1,6 Prozent Lohnerhöhung gerechnet auf zwölf Monate wurden angeboten. Die tatsächliche Inflation würde dadurch nicht ausgeglichen, die Produktivitätssteigerungen nicht berücksichtigt und mit der künftigen Gewinnverteilung ausschließlich die Eigentümer begünstigt. So stehen die Zeichen zunächst auf Warnstreik, auch weil das Unternehmen zynischerweise Arbeitszeitverlängerung als einen »Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherung« ins Spiel gebracht hat.

Einen Bärendienst erwies der bisherige Betriebsratsvorsitzenden des hannoverschen Nutzfahrzeugwerkes von VW, Thomas Zwiebler, der IG Metall und den Beschäftigten: Am 8. Januar, kurz vor der Betriebsratswahl und mitten in der Tarifverhandlung, legte er für viele überraschend sein Betriebsratsmandat mit sofortiger Wirkung nieder, um ins Management zu wechseln. Zwiebler gehörte zu den wenigen Mitgliedern des Betriebsrates bei Volkswagen, die außerhalb des Tarifes und mit zusätzlich »erfolgsabhängigen« hohen Boni bezahlt wurden – pro Jahr mit mehreren hunderttausend Euro. VW hatte sein Gehalt »vorsorglich« auf Grund drohender Klagen wegen ungesetzlicher Bevorteilung von Betriebsräten und Steuerhinterziehung auf das oberste Tarifniveau gekürzt. Dies wären fast 100.000 Euro pro Jahr gewesen. Für Zwiebler zu wenig, um, wie er schrieb, »den Verpflichtungen gegenüber meiner Familie gerecht zu werden«. Nun wird er als Manager wieder »gerechter« entlohnt werden – und die Beschäftigten fragen sich zur bevorstehenden Betriebsratswahl, ob sie sich wieder einen Komanager aufladen sollten. Zwiebler hätte gewarnt sein können, hatte doch sein Vorgänger Günter Lenz seine Funktion als Betriebsratsvorsitzender vor zehn Jahren kurzzeitig »ruhen lassen«, bevor er als Beschuldigter in der Affäre um »Lustreisen« von Peter Hartz und Klaus Volkert einen Strafbefehl akzeptierte und zurücktrat – als Betriebsrat und SPD-Landtagsabgeordneter.

Die Personalkostenreduzierung hat im Unternehmen mit dem im November 2016 beschlossenen »Zukunftspakt« längst begonnen. Er sieht den großflächigem Abbau von Personal in Produktion und Verwaltung vor – allen voran betroffen sind Leiharbeiter. Die Produktivität soll um 25 Prozent gesteigert werden. Im Jahr 2017 sind so bereits nachhaltig über eine Milliarde Euro eingespart worden. Der aktuelle Angriff der Unternehmensleitung auf den Tarifvertrag zur Arbeitszeit, also die Forderung nach Verlängerung der Arbeitszeit, ist die logische Folge davon. Stattdessen wäre es nötig, seitens der Gewerkschaft eine radikale Verkürzung der Arbeitszeit zu fordern, um Beschäftigung zu sichern und die Produktion auf eine nötige Verkehrswende auszurichten.

Mit der Gewinnrücklage von 70 Milliarden Euro könnte Volkswagen diese Arbeitszeitverkürzung locker finanzieren – und das wäre ein guter Flankenschutz für die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie und für die unweigerlich anstehenden Kämpfe um die Arbeitszeit.

Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/325393.zu-den-chefs- (https://www.jungewelt.de/artikel/325393.zu-den-chefs-)übergelaufen.html


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 17. Januar 2018, 17:37:33
Zitat
Eine (Zwischen)Bilanz des Kampfes der Leiharbeiter bei VW China

Solidarität mit VW-Leiharbeitern in China am Rande von G20 in HamburgDie zweijährigen Zeitarbeitsverträge der mehreren Tausend Leiharbeiter bei VW in China liefen zum 31. Dezember 2017 aus. Wer das kurzfristige „Angebot“ nicht annahm, eine direkte Beschäftigung bei VW anzutreten – unter der Bedingung des Verzichts auf alle früheren Ansprüche – stand damit auf der Straße. Keine Leiharbeiter mehr bei VW in China – und ganz im Unterschied zur BRD nicht, indem sie auf die Straße geworfen werden? Ganz so ist es nicht – es gibt ja noch die Beschäftigten von Subunternehmen. Darauf verweist in dem Beitrag zur Bilanz des über einjährigen Kampfes „Has the Workers’ Protest at FAW-VW Ended?“ Xia Nü am 15. Januar 2018 bei Gongchao [url]http://www.gongchao.org/2018/01/15/has-the-workers-protest-at-faw-vw-ended/[/url] ([url]http://www.gongchao.org/2018/01/15/has-the-workers-protest-at-faw-vw-ended/[/url]) , der die Entwicklung dieser Auseinandersetzung nochmals konkret nachzeichnet und ihre Etappen und Ergebnisse analysiert. Siehe dazu unsere kurze deutsche Zusammenfassung des Textes und den Verweis auf den bisher letzten unserer Beiträge zum Kampf der VW-Leiharbeiter in China:

Zitat
„Ist der Protest der Arbeiter bei FAW-VW beendet?“

Unter dieser Überschrift zieht Xia Nü eine ausführliche Bilanz der langen Auseinandersetzung, die damit begonnen habe, dass von den rund 3.500 beschäftigten Leiharbeitern genau 1.028 eine Petition unterzeichnet hatten, mit der gefordert wurde, gegen die Gesetzesverstöße des Unternehmens vorzugehen. Über 2.000 Leiharbeiter hätten sich demnach nicht aktiv an den Protesten beteiligt – wohl aber dennoch von ihnen profitiert.

Es werden dann auch die zahlreichen verschiedenen Maßnahmen der Repression in einem Überblick zusammen gefasst, deren Höhepunkt die Zusammenarbeit des Unternehmens mit der Polizei war, um den Protest zu kriminalisieren. Die Zugeständnisse an den langen Kampf begannen im April 2017, als VW anbot, 2.400 Stellen direkt zu besetzen. Das sei nur zögerlich angenommen worden: Vor allem, weil lediglich 500 der angebotenen Stellen in Changchun angeboten wurden – die restlichen rund 2.000 an anderen Orten. Und auch dieses erste „Angebot“ von VW war, wie in dem Artikel ausgeführt wird, an diktierte Bedingungen geknüpft. Wer eine Anstellung an einem anderen Ort akzeptierte, wurde von künftigen Bewerbungen in Changchun ausgeschlossen. Und annahmen konnte man diese direkten Anstellungen ohnehin nur unter Verzicht auf alle Forderungen auf lange Jahre vorenthaltene Bezahlung. (Im Artikel wird das nicht Erpressung genannt). Insgesamt nahmen etwa 1500 Leiharbeiter dieses Angebot an.

Das zweite Angebot kam für nahezu alle überraschend Ende Dezember 2017. Das insofern besser war, als es ein Angebot der Übernahme für alle und eben in Changchun war. Aber ebenfalls erneut unter dem Diktat des Verzichts auf alle früheren Forderungen. In einer Situation, die für viele der bis dahin noch rund 900 aktiven Leiharbeiter sehr kompliziert war: Gerichtlich konnten sie nach verschiedenen lokalen Entscheidungen kaum auf einen Erfolg hoffen, die Kriminalisierung hatte zu Festnahmen geführt (Fu Tianbo ist auch zum Zeitpunkt dieser Zusammenfassung immer noch in Haft) und ihre Zweijahresverträge, deren Verlängerung ihnen so oft aufgezwungen worden war, standen kurz vor Ablauf, weswegen alle bis auf 5 Kollegen dieses „Angebot“ annahmen. Ai Zhenyu, einer der Sprecher der Aktionen und vier weitere Kollegen, die sich geweigert hatten, wurden an die Leiharbeitsfirma „zurück geschickt“, die sie wiederum zum Jahresende entließ. Sie kündigten die Fortsetzung des Kampfes an.

Außer der Festanstellung wurde bisher mit dem Kampf nichts erreicht: Dass lange Jahre vom Unternehmen ungesetzlich vorgegangen wurde und viel zu wenig bezahlt, bleibt ebenso bestehen, wie auch andere Forderungen nicht durchgesetzt werden konnten – etwa die Bezahlung nach Berufsjahren. Alle die Jahre, die die Kollegen im Werk gearbeitet haben, sollen laut dem Diktat des Unternehmens bei der Bezahlung nach Beschäftigungsdauer nicht angerechnet werden – ganz so, als würden sie neu eigestellt. Die Festanstellungen wiederum sind nicht nur ein Zugeständnis, sondern passen auch in die Unternehmensstrategie der Ausweitung der Produktion (durch Vergrößerung bestehender und Bau neuer Werke), wofür erfahrene Arbeitskräfte gut gebraucht werden können.

Abschließend wird in dem Bilanzartikel noch darauf hingewiesen, dass es – neben den 5 Kollegen, die sich geweigert haben, das Diktat anzunehmen – drei weitere Quellen potenzieller künftiger Proteste gebe, weswegen eben diese Bilanz eine Zwischenbilanz sei. Zum einen jene Kollegen, die zwar unterschrieben haben, aber dies taten im Bewusstsein, erpresst zu werden, gezwungen zu sein. Zum zweiten gab es Unzufriedenheit unter den Bürobeschäftigten, dass diese Angebote nur den Beschäftigten direkt in der Produktion gemacht worden seien. Und drittens gebe es im Werk auch noch die Beschäftigten von Subunternehmen, die unter ähnlichen Bedingungen arbeiten, wie bisher die Leiharbeiter.
http://www.labournet.de/?p=126725 (http://www.labournet.de/?p=126725)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Onkel Tom am 18. Januar 2018, 21:52:56
Ok, der Stein rollt also weiter.. China ist weit weg aber die Welt so klein
geworden  ;D

VW wird das so schnell nicht begreifen wollen, das nicht nur Global
Player die Welt umrunden können..

Solidarität tut es von Germany to China.

Interesannt wäre 10 Minuten Gedenkzeit während der Arbeitszeit,
um das Fu Tinabo wieder aus dem Gefängnis frei gelassen wird.

10 Minuten Stillstand bei VW, einmal um den Erdball dürfte genug
Druck erzeugen, das VW sich darum "kümmert" Fu Tinabo aus
dem Knast zu holen.
So eine Protestwelle, die wie Sylvester zeitlich um die Erde kreist wäre
ja auch mal was neues.

 ::)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 22. Januar 2018, 23:05:32
Menschelndes Gossip:

Zitat
22.1.18
Ex-Betriebsratschef kümmert sich jetzt ums Bulli-Erbe

Thomas Zwiebler trat Anfang Januar zurück. Jetzt wird er Leiter von Nutzfahrzeuge Heritage.

Sein Abgang kurz vor den Betriebsratswahlen kam überraschend. Thomas Zwiebler machte familiäre Gründe geltend, als er Anfang Januar als Betriebsratsvorsitzender von Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover zurücktrat.
(...)
Der 52-jährige gebürtige Vöhrumer wird Leiter der bereichsübergreifenden Organisationseinheit Nutzfahrzeuge Heritage (der Begriff aus dem Englischen bedeutet „Erbe“), die zum Geschäftsfeld Customer Solutions gehört.
(...)
Um welche dringenden familiären Verpflichtungen es sich im Falle Zwieblers handelt, ist offiziell nicht bekannt. Aus dem Umkreis des VW-Betriebsrates heißt es, der ehemalige Betriebsratschef müsse seinen schwerbehinderten Vater pflegen. Als neuer Leiter der Organisationseinheit Heritage, die bei Nutzfahrzeuge in der Tradition des legendären Bullis eine große Rolle spielt, bewegt sich Zwiebler in der Gehaltsstufe eines Managers. Ob er künftig mehr Zeit hat, dürfte angesichts der Vielzahl von Oldie-Treffen und Messen fraglich sein.
https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article213193349/Ex-Betriebsratschef-kuemmert-sich-jetzt-ums-Bulli-Erbe.html (https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article213193349/Ex-Betriebsratschef-kuemmert-sich-jetzt-ums-Bulli-Erbe.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 23. Januar 2018, 13:37:32
Dieses von den Leiharbeitern von Changchun gemachte Video wurde in diesem Thread bereits verlinkt.

! No longer available (http://www.youtube.com/watch?v=WhBrBjAr7_Y#)

Nun hat sich ein deutscher Sinologiestudent an einer Übersetzung versucht. Er ist teilweise an der schlechten Bild- und Tonqualität gescheitert:

Zitat
派遣之歌
Lied der „Entsendeten“ (Leiharbeiter)


Bild/Sprechchor:
一汽大众同工不同酬还我血汗钱
FAW-Volkswagen: gleiche Arbeit, aber ungleicher Lohn – gebt mir Geld für meine Anstrengungen

Titel:
 派遣之歌

1. Foto: Tor des Palasts des Himmlischen Friedens am Tian‘anmen-Platz

2. Foto: Gebäudeeingang der ACFTU (Gewerkschaftsdachverband)
中华全国总工会 (中華全國總工會)
All-China Federation of Trade Unions ([url]http://www.acftu.org/[/url] ([url]http://www.acftu.org/[/url]))
3. Foto: Dokument
Das Dokument ist von der Gewerkschaftsorganisation ACFTU
([url]http://www.labournet.de/internationales/china/arbeitskaempfe-china/vw-china-duldet-illegale-leiharbeit-arbeiter-jilin-streiken-solidaritaet-ist-angezeigt/#more-112622[/url] ([url]http://www.labournet.de/internationales/china/arbeitskaempfe-china/vw-china-duldet-illegale-leiharbeit-arbeiter-jilin-streiken-solidaritaet-ist-angezeigt/#more-112622[/url])).
Leider ist die Auflösung zu schlecht, man kann den Text nicht entziffern, nicht einmal die Überschrift.
4.  Bild
临时工将与正式工同工同酬
Leiharbeiter sollen/werden bei gleicher Arbeit wie reguläre Arbeiter gleichen Lohn erhalten
中华人民共和国劳动合同法
[Staatliches] Chinesisches Arbeitsvertragsgesetz
Das Gesetz wurde recherchiert aber nicht diese genaue Formulierung gefunden, allerdings ist der Grundsatz „gleiches Geld für gleiche Arbeit“ explizit enthalten, z. B. Im Artikel 63:
被派遣劳动者享有与用工单位的劳动者同工同酬的权利。
Der Leiharbeitnehmer hat einen Anspruch darauf, für die gleiche Arbeit auch das gleiche Entgelt zu erhalten wie die Festangestellten des Entleihers.
(Übersetzung zitiert im labournet-Artikel)

1. Strophe:
假如问我什么阶段最难过
Wenn du fragst, wann es mir am schlechtesten ging
派遣到一气达众
[vermutlich absichtlich falsch geschriebene Variante, richtig wäre:
一汽大众)伤害了我]
zu FAW Volkswagen geschickt zu werden, hat mich geschädigt
同工和同酬若只是个传说
Wenn gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit nur ein Märchen ist,
何必要出那派遣法呢
warum wurde dann jenes Gesetz zur Arbeitnehmerüberlassung erlassen
曾以为国企定会执行的
Früher dachte ich, die Regelungen für staatliche Unternehmen werden vollstreckt/umgesetzt
谁知一气达众是 容嬷嬷
Wer hätte gedacht, dass FAW Volkswagen (wie) Amme Rong ist?
[Amme Rong, ein ränkeschmiedender Charakter aus der Serie My Fair Princess/ 还珠格格,
wurde für ihre Intrigen zum Tode verurteilt, aber dann im letzten Moment begnadigt.]
Wer hätte gedacht, dass FAW so glimpflich [ungestraft] davon kommt.
同工和同酬变成了泡沫
Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit ist eine (Seifen)Blase (geworden).
难道只有上访才能解脱
Kann es wirklich sein, dass wir uns nur aus dieser misslichen Lange befreien können,
wenn wir uns an die Obrigkeiten wenden?
为什么干了十年多
Warum, nach über zehn Jahren Arbeit
你还是让我感到悲伤难过
bereitet ihr mir immer noch solchen Kummer [ihr bzw. du]
是我当初不懂法软弱
Habe ich seinerzeit einfach nicht verstanden, dass das Gesetz wirkungslos ist
还是上辈子欠你的太多
oder schuldet die vorige Generation euch zu viel
[könnte auch heißen: schulde ich euch aus einem früheren Leben zu viel]
为什么工资不咋多
Warum ist der Lohn so niedrig?
还不如正式工人扣的税多
Nicht mal höher als die Steuern, die den Festangestellten abgezogen werden [???]
[Sozialbeiträge und Steuern – Differenz zwischen Brutto und Netto
einschließlich z. B. der in China seltenen Rentenversicherungsbeiträge wie auch Krankenversicherungsbeiträge]
工作一年算一下结果
Ein Jahr Arbeit hat folgendes Ergebnis:
一张保单竟然超过我
ich kann mir nicht einmal eine Versicherungspolice leisten
(Ende der ersten Strophe)

gesprochener Teil:
 打工不容易阿尤其是出门在外
Arbeiten/Jobben ist nicht einfach, besonders, wenn man dafür die Heimat verlässt
[Dann kommt ein Teil, der akustisch schwer verstehbar ist]


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 23. Januar 2018, 17:39:55
Zitat
RAT & TAT China Info 26 : VW Betriebsrat & IG Metall üben keine Solidarität mit Leiharbeitern bei VW China

Betriebsratschef erzählt Märchen über die VW-Zeitarbeitscharta


Wir berichteten bereits vor einem Jahr in unserem China-Info Nr. 25 über den Kampf der Leiharbeiter bei VW China um gleiche Bezahlung. Schon damals verwiesen wir auf unsere eigenen Recherchen zum Thema. Nunmehr berichtete der NDR über den nun schon über ein Jahr dauernden Kampf der der langährigen (!) Leiharbeiter im VW-Werk Changchun. Die Arbeiter berufen sich dabei auf die VW-Zeitarbeitscharta – so wie wir es vor einem Jahr vorgeschlagen hatten ! - . Diese war mit dem „Weltbetriebsrat“ von VW abgeschlossen worden. Sie sieht die Übernahme von Leiharbeitern als Stammbeschäftigte vor. Gleichzeitig protestieren die Arbeiter gegen die Inhaftierung eines ihrer Sprecher wegen „öffentlichen Protestes“. Doch beim Betriebsratsvorsitzenden und IG-Metall-Mitglied Bernd Osterloh wurden die um Solidarität bittenden chinesischen Kollegen abgewiesen: Man könne die Vorwürfe (?) nicht verifizieren. Die Zeitarbeitscharta von VW sei „im Werk in Changchun nicht verbindlich“. Das Sagen habe der örtliche Parteisekretär. Man solle sich der „chinesischen Gesetzeslage entsprechend“ über das sog. Hinweisgebersystem an die „hierfür zuständigen Stellen in China“ wenden: [url]https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/VW-erteilt-Arbeitern-in-China-eine-Abfuhr-,vwchina102.html[/url] ([url]https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/VW-erteilt-Arbeitern-in-China-eine-Abfuhr-,vwchina102.html[/url]) Doch was der NDR nicht berichtet, ist das, was w i r aus eigener Kenntnis und Praxis wissen :

1. Die VW-Zeitarbeitscharta wurde mit dem „Weltbetriebsrat“ abgeschlossen, der sehr wohl auch für China zuständig ist. Die Behauptung n u r in China gelte diese Charta nicht, ist eine bewußte Irreführung. Umgekehrt: Der Justitiar des Unternehmens Besental hat wiederholt in den Prozessen von Mitarbeitern der Autovision gegen VW bei Gericht erklärt, die Zeitarbeitscharta gelte „gar nicht“, weil sie „rechtlich unverbindlich“ sei. Das sei eine nicht einklagbare Vereinbarung ohne rechtliche Bedeutung…. Von wegen „Parteisekretär“ !

2. Das Chinesische Recht der Leiharbeit geht teilweise weiter als in Deutschland. Warum verweist Osterloh darauf nicht ? Dr. Rolf Geffken hat erst kürzlich in 5. Auflage (!) einen auch in deutscher Sprache geschriebenen Kommentar zum chinesischen Arbeitsvertragsgesetz herausgegeben (der auch vom Konzernvorstand oder Herrn Osterloh längst hätte erworben werden können). Er kann bei uns bestellt werden. Im Art. 66 heißt es unter anderem: „Die Leiharbeit darf nur sekundär zum Arbeitsverhältnis verwendet werden und kann nur für Vertretungsfälle (usw.) eingesetzt werden.“ In Art. 63 ist der Grundsatz „Equal Pay“ verankert. Und: Nach Art. 67 dürfen Arbeitgeber keine Leiharbeitsfirmen errichten, mit denen sie an sich selbst Arbeitnehmer verleihen (also das was VW mit Autovision macht !). Warum bezieht sich Osterloh auf die angebliche „chinesische Gesetzeslage“, verschweigt aber diesen Sachverhalt ?

3. Die IG Metall verfügt über langjährige Kontakte nach China, darunter a u c h zu durchaus kritischen Vertretern des Gewerkschaftsdachverbandes. Sie w e i ß exakt, w i e die Lage der Arbeiter in China ist und kennt auch das chinesische Arbeitsvertragsgesetz. Warum ermutigt sie die Betroffenen noch nicht einmal, sich auf das chinesische RECHT zu berufen ? Das „Hinweisgebersystem“ ist eine vordemokratische Einrichtung aus feudalen Zeiten („Eingabe an den Feudalherrn“). Es ist selbst in China längst obsolet, wie auch die Bundesregierung nicht müde wird im Rahmen des Rechtsstaatsdialogs zu betonen. Die chinesischen Arbeiter fordern IHR RECHT und keine „Gnade“ !

4. Der rigorose und unsolidarische Umgang des Herrn Osterloh mit den chinesischen Leiharbeitern entspricht exakt demjenigen, der mit den hiesigen Mitarbeitern von Autovision gepflegt wird. Insoweit verweisen wir aktuell auf unser RAT & TAT Info 277 und die aktuell laufenden Prozesse gegen VW vor den Arbeitsgerichten Emden, Hannover und Braunschweig. Den zahlreichen „China-Experten“, die auf dem Umweg über China (!) plötzlich ihr Interesse für den VW-Konzern entdeckt haben, empfehlen wir, die von uns herausgegebenen Publikationen zum Thema „Arbeit in China“ zur Kenntnis zu nehmen. Das gilt nicht nur für den NDR. Auch der Titel zur aktuellen Politik der IG Metall in der Automobilindustrie („Legende & Wirklichkeit“) sollte zur Vermeidung sich immer wieder neu reproduzierender Mißverständnisse über die „kämpferische“ IG Metall zur Kenntnis genommen werden:

[url=http://www.drgeffken.de/nc/aktuelle-bereiche/inhalt-rat-tat-infos/einzelansicht-rat-tat-infos/article/rat-tat-info-275-legende-wirklichkeit-die-ig-metall-in-der-automobilindustrie/]www.drgeffken.de/nc/aktuelle-bereiche/inhalt-rat-tat-infos/einzelansicht-rat-tat-infos/article/rat-tat-info-275-legende-wirklichkeit-die-ig-metall-in-der-automobilindustrie/[/url] ([url]http://www.drgeffken.de/nc/aktuelle-bereiche/inhalt-rat-tat-infos/einzelansicht-rat-tat-infos/article/rat-tat-info-275-legende-wirklichkeit-die-ig-metall-in-der-automobilindustrie/[/url])

Das erleichtert eine qualifizierte Debatte zum Thema. Sämtliche Titeleien sind hier beigefügt

http://www.drgeffken.de/nc/aktuelle-bereiche/inhalt-rat-tat-china-infos/einzelansicht-rat-tat-china-infos/article/rat-tat-china-info-26-vw-betriebsrat-ig-metall-ueben-keine-solidaritaet-mit-leiharbeitern-bei/ (http://www.drgeffken.de/nc/aktuelle-bereiche/inhalt-rat-tat-china-infos/einzelansicht-rat-tat-china-infos/article/rat-tat-china-info-26-vw-betriebsrat-ig-metall-ueben-keine-solidaritaet-mit-leiharbeitern-bei/)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 26. Januar 2018, 20:47:17
Gangstersyndikat!

Zitat
Die geheimen Preisabsprachen der deutschen Autokonzerne
Neuer Kartellverdacht: Die geheimen Preisabsprachen der deutschen Autokonzerne

Ein Syndikat aus VW, BMW, Daimler und Bosch trieb es womöglich noch dreister als bislang bekannt: Haben sich die Unternehmen beim Einkaufspreis für Stahl abgestimmt?
http://www.spiegel.de/spiegel/vw-bmw-daimler-und-bosch-sollen-stahlpreise-abgesprochen-haben-a-1189938.html (http://www.spiegel.de/spiegel/vw-bmw-daimler-und-bosch-sollen-stahlpreise-abgesprochen-haben-a-1189938.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 29. Januar 2018, 17:54:01
AUTOKONZERNE
Empörende Abgastests an Menschen und Affen

Abgastests an Menschen und Affen, um die Ungefährlichkeit der Abgase von Dieselautos vorzutäuschen. Dafür gründeten und finanzierten die führenden deutschen Autokonzerne Daimler, VW und BMW zusammen mit dem Autozulieferer Bosch bereits 2007 die „Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor“ (EUGT).

Von fb
Montag,  29.01.2018,  14:58 Uhr

(http://up.picr.de/31670912ii.jpg)(http://)
Protest gegen umweltzerstörende Konzerne am 11. November in Bonn (Foto: RF)

Das ist erst jetzt durch eine Recherche der "New York Times" bekannt geworden. Die Enthüllungen dazu offenbaren erneut die unglaubliche Verkommenheit der Konzerne.

 

2014 ließ VW in den USA Experimente mit Affen durchführen, indem sie entweder den konzentrierten Abgasen „alter“ Dieselautos ausgesetzt wurden oder den Abgasen des VW-Beetle mit der manipulierten Abgastechnik.

Diesel-Abgase gesund?
Die Tierquälereien sollten beweisen, dass die Schadstoffbelastung dank der angeblichen (manipulierten) Abgasreinigung erheblich abgenommen habe und Dieselfahrzeuge heute keine Gesundheitsschäden mehr verursachen würden.

(http://up.picr.de/31670929zz.jpg)
(http://)
Ein Affe im Versuchslabor (foto: gemeinfrei)

Bereits im Jahr zuvor (2013) wurden von der „Forschungsvereinigung“ entsprechende Menschenversuche in einem Institut des Uniklinikums Aachen an 25 jungen, gesunden Personen durchgeführt. Über mehrere Stunden mussten die Probanden das Gas NO2 in unterschiedlichen Konzentrationen einatmen. Laut der Studie habe man keinerlei Wirkung auf die Gesundheit der Testpersonen feststellen können.

 

Tatsächlich und längst nachgewiesen ist, dass Feinstäube und Stickoxide die Hauptfaktoren dafür sind, dass 400.000 Menschen jährlich in der EU vorzeitig sterben. Ein zusätzlicher Skandal ist, dass die zuständige Ethikkommission des staatlichen Uniklinikums die Menschenversuche nachträglich als „vertretbar“ bewertete. Das zeigt ein weiteres Mal, wie der Staat als Dienstleister der Monopole funktioniert.

Wieder mal "von nichts gewusst"
Natürlich haben die Konzernmanager von VW, Daimler, BMW und Bosch sowie bürgerliche Politiker von den Menschen- und Affenversuchen mal wieder "nicht gewusst" und geben sich heuchlerisch „erschüttert“. Wer fühlt sich da nicht erinnert an die ersten Enthüllungen zur kriminellen Abgasmanipulation, als der komplette Vorstand von VW seine Hände in Unschuld wusch?

 

Man verurteile die Versuche „auf das Schärfste“, so der Daimler-Konzern. Angeblich würde das Vorgehen der vom Konzern mit gegründeten Forschungsvereinigung „unseren Werten und ethnischen Prinzipien“ widersprechen. Und wieder einmal fordern Politiker wie Niedersachsens Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Bernd Althusmann (CDU) „vollständige Aufklärung“ und „harte personelle Konsequenzen“.

 

Mit "Aufsicht" hat seine Tätigkeit für VW in Wirklichkeit wenig zu tun. Vielmehr hilft Althusmann genauso wie die gesamte niedersächsische Landesregierung, das Kraftfahrtbundesamt, das Bundesverkehrsministerium und allen voran Bundeskanzlerin Merkel den Automobilkonzernen bei der Durchsetzung ihrer wirtschaftlichen und politischen Interessen.

Staatsmonopolistischer Kapitalismus live
Dazu gehört auch, eine "vollständige Aufklärung" der tatsächlichen Zusammenhänge im staatsmonopolistischen Kapitalismus mit allen Mitteln zu verhindern.

 Konzerne kennen nur einen Wert und ethnisches Prinzip: Die Profitsteigerung! Wer eine grundsätzliche Alternative zu diesem System sucht, das die natürlichen Lebensgrundlagen und die Gesundheit des Menschen systematisch zerstört bzw. schädigt, der muss die Arbeiter- und Umweltpartei MLPD stärken.

Quelle

https://www.rf-news.de/2018/kw05/vw-daimler-bmw-und-bosch-betrieben-abgastests-an-menschen-und-affen (https://www.rf-news.de/2018/kw05/vw-daimler-bmw-und-bosch-betrieben-abgastests-an-menschen-und-affen)



Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 30. Januar 2018, 08:26:16
Aus: Ausgabe vom 30.01.2018, Seite 8   / Ansichten

Etikettenschwindel
Von Egon Krenz


(http://up.picr.de/31674828pj.jpg)
(http://)
Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Vielleicht erinnert sich mancher noch an eine 2013 vom Spiegel ausgelöste unappetitliche Kampagne gegen das DDR-Gesundheitssystem. Die Rede war von einem »Versuchslabor Ost«, in dem angeblich »unerprobte Arzneien« ausprobiert und eingesetzt worden seien. Damit dies allein dem »kriminellen Staat DDR« angelastet werden konnte, musste von Anfang an verschwiegen werden, dass es auf dem Gebiet des Gesundheitswesens ein offizielles Regierungsabkommen der beiden deutschen Staaten gab. Dieses garantierte, dass auch die Bundesregierung genau Bescheid wusste, was auf dem Gebiet der Medikamentenerprobung passierte. Der Deutsche Bundestag hatte schon am 17.10.1975 – selbst mit den Stimmen der damaligen Opposition – beschlossen, auch im Medikamentenbereich eng mit der DDR zusammenzuarbeiten. Damit aber die DDR-Beteiligung so richtig menschenfeindlich, ja faschistisch erscheint, war im Spiegel-Artikel die Rede von »Menschenversuchen in der DDR« – eben alles genauso wie bei den Nazis. Das ging monatelang durch alle Medien.

Nun liegt ein Abschlussbericht der Charité vor. Er spielt in der Öffentlichkeit kaum eine Rolle. Das wohl deshalb, weil es darin ein Kapitel unter der Überschrift gibt »Der Skandal, der keiner war«. Systematische Verstöße gegen damals geltende Regeln seien nicht festgestellt worden, konstatieren die Autoren. Und wörtlich: »Klinische Studien in DDR-Krankenhäusern wurden nach vergleichbaren Standards wie im Westen durchgeführt«. Wer nun aber glaubt, es gebe Entschuldigungen für faustdicke Lügen, der irrt. Diese Methode ist keine Ausnahme. Sie ist in bezug auf die DDR die Regel. Die Unwahrheit wird verbreitet. Die Richtigstellung bleibt ziemlich unbekannt. Die Lüge soll im Gedächtnis der Leute bleiben. Heiner Müller nennt das: »Ein Kadaver kann dem Obduktionsbefund nicht widersprechen.«

Nun erfährt Deutschland aktuell durch die New York Times, dass in der Bundesrepublik sogar in der Gegenwart nicht nur mit Affen, sondern auch mit Menschen Abgastests durchgeführt wurden. Wer aber wird das nun als »Versuchslabor Bundesrepublik« bezeichnen? Offiziell wahrscheinlich niemand. Solche Etiketten vergibt man nur, wenn es gegen die DDR geht, wenn man glaubt, sie delegitimieren zu können. Dass es nun aber nicht in der DDR, sondern in der Bundesrepublik Versuche an Menschen, und das sogar mit Gas, gegeben hat, was sagt das über die Bundesrepublik aus? Es wird höchste Zeit, bei der Beurteilung der deutschen Zeitgeschichte gleiche Maßstäbe anzulegen.

Egon Krenz wurde im Oktober 1989 Nachfolger Erich Honeckers als Generalsekretär des ZK der SED und Staatsratsvorsitzender

Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/326341.etikettenschwindel.html (https://www.jungewelt.de/artikel/326341.etikettenschwindel.html)



Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 14. Februar 2018, 10:52:34
Zitat
VW Baunatal - Werden kranke und behinderte Kollegen unter Druck gesetzt?

Einem Zeitungsbericht zufolge wurde ein Kollege nach längerer Krankheit und mit einer Schwerbehinderung nur noch von Abteilung zu Abteilung gestoßen. Zuvor hatte er mehr als 20 Jahre in einem Bereich gearbeitet. Gespräche beim Gesundheitswesen im Baunataler Werk mit bis zu zehn Vorgesetzten hätten sich angeschlossen. Dabei sei er unter Druck gesetzt worden. Er vermutet, dass ihm Zuschläge in Höhe von 800 Euro gestrichen werden sollen.

Quelle: https://www.rf-news.de/2018/kw07/werden-kranke-und-behinderte-kollegen-unter-druck-gesetzt (https://www.rf-news.de/2018/kw07/werden-kranke-und-behinderte-kollegen-unter-druck-gesetzt)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 15. Februar 2018, 09:15:10
Zitat
Unzufriedene Mitarbeiter
Die Wut bei VW wächst

Die VW-Mitarbeiter sind die ewigen Skandale satt. In einer internen Umfrage des Betriebsrats rechnen sie hart mit der Führung ab
.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/unzufriedene-mitarbeiter-die-wut-bei-vw-waechst/20965042.html (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/unzufriedene-mitarbeiter-die-wut-bei-vw-waechst/20965042.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 16. Februar 2018, 18:16:18
Zitat
Emden: Demonstration bei VW

([url]https://abload.de/img/eineklassetzo1q.jpg[/url]) ([url]http://abload.de/image.php?img=eineklassetzo1q.jpg[/url])
Bei VW in Emden haben sich Aktivisten getroffen. Bild: Holtkamp

Mehrere Aktivisten haben sich am Freitagmittag vor dem Emder VW-Werk versammelt. Sie demonstrieren für bessere Arbeitsbedingungen. ostfriesen.tv ist vor Ort.

Emden - Bei VW in Emden wird an diesem Freitag demonstriert. Aktivisten fordern unter anderem mehr Rechte für Leiharbeiter.


https://www.oz-online.de/-news/artikel/340765/Emden-Demonstration-bei-VW (https://www.oz-online.de/-news/artikel/340765/Emden-Demonstration-bei-VW)

Bilder und Bericht von einer erfogreichen Aktion werden folgen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 16. Februar 2018, 18:35:31
Zitat
Demo bei VW in Emden

([url]http://www.oz-online.de/media/videothumb/88903/3d71cfac7c6f8b734e12a04554821a17[/url])

Aktivisten fordern unter anderem die Übernahme aller VW-Leiharbeiter in die Stammbelegschaft.
In Emden gab es am Freitag eine kleine Demo der Interessensgemeinschaft Leiharbeit. Die Aktivisten fordern unter anderem die Übernahme aller Leiharbeiter in die Stammbelegschaft
http://www.oz-online.de/-videos/player/88903/Demo-bei-VW-in-Emden (http://www.oz-online.de/-videos/player/88903/Demo-bei-VW-in-Emden)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 17. Februar 2018, 10:35:44
(https://abload.de/img/emden_4qzo9i.jpg) (http://abload.de/image.php?img=emden_4qzo9i.jpg)


Video zur Aktion:

Video zur Aktion (http://www.chefduzen.de/vw-emden/file__.mp4)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 17. Februar 2018, 10:49:06
Ostfriesenzeitung Online als Screenshot:

(https://abload.de/img/emden6epzk.jpg) (http://abload.de/image.php?img=emden6epzk.jpg)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 17. Februar 2018, 11:35:00
Ostfriesische Nachrichten, ein Scan der Printausgabe von heute:

(https://abload.de/img/emden_645qez.jpg) (http://abload.de/image.php?img=emden_645qez.jpg)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 17. Februar 2018, 13:10:17
Zitat
EMDEN/HINTE 16.02.2018
60 Leiharbeiter wollen sich Klagen anschließen

([url]https://abload.de/img/emden_9zepp0.jpg[/url]) ([url]http://abload.de/image.php?img=emden_9zepp0.jpg[/url])
Aktivisten aus der Automobilindustrie demonstrierten am Freitag vor dem Emder Werkstor gegen Leiharbeit. Sie fordern zudem Solidarität mit dem in China inhaftierten Leiharbeiter-Führer Fu Tianbo vom chinesischen VW-Jointventure FAW-Volkswagen. Foto: Recke

VON AIKO RECKE

Bei Volkswagen in Emden wächst die Kritik am System der Leiharbeiter. Mehrere Beschäftigte der Tochterfirma Autovision klagen auf Übernahme in die Stammbelegschaft. Am Freitag gab es zwei Aktionen.

Emden/Hinte. Rund 60 Mitarbeiter der VW-Tochterfirma Autovision in Emden wollen auf Übernahme in die Stammbelegschaft klagen. Das kündigten zumindest Johann Frerichs und Erwin Hinrichs von der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM) am Freitag bei einer Demo gegen Leiharbeit vor dem Werkstor an. „Es werden wöchentlich mehr“, sagte Frerichs den ON. Viele Kollegen, die überlegten, zu klagen, würden aber von Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall unter Druck gesetzt, so Hinrichs. „Die haben Angst.“

Video

Demo bei VW in Emden
16.02.2018
Mehrere Emder Mitarbeiter der VW-Tochter Autovision klagen vor dem Emder Arbeitsgericht. Es geht im Kern um die Frage, ob sie voll in die betrieblichen Abläufe im Werk integriert sind. Betreut werden die Kläger vom Hamburger Arbeitsrechtler Dr. Rolf Geffken. Er sprach bei einer Infoveranstaltung in Hinte am Freitagnachmittag von einer „Kultur der Angst“, die vor allem von der dominierenden IG Metall geschürt werde.

Vorwurf: „Kumpanei mit Management“

Einer, der am Freitag bei der Veranstaltung dabei war, ist seit mehreren Jahren bei der Autovision in Emden beschäftigt. Und gehört jetzt zu der Gruppe von Beschäftigten, die vor dem Arbeitsgericht auf Übernahme in die Stammbelegschaft klagen. Ja, er habe durchaus Angst, dass er seinen Job verliere. „Aber ich könnte sonst nicht mehr in den Spiegel gucken“, sagt er. Der „Autovisioner“ war einer von etwa zehn Interessierten, die zu der Infoveranstaltung des Hamburger Anwalts Geffke ins Hotel Novum gekommen waren, um sich dessen kritische Thesen zur Rolle der IG Metall bei Volkswagen anzuhören.

Szenenwechsel, einige Stunden zuvor nahe des Haupttores des Emder VW-Werks. Hier steht Gerhard Kupfer pünktlich zum Schichtwechsel am Straßenrand und hält Plakate in den eisigen Wind. Der Mann war früher Betriebsrat im großen Mercedes-Werk in Bremen und will jetzt Solidarität zeigen mit den Leiharbeitern, auch bei den mittlerweile mehr als 1000 Betroffenen bei VW Emden. Er nennt die Leiharbeit „Zuhälterei“ und bezichtigt die IG Metall, bei der er selbst Mitglied ist, der „unseligen Kumpanei mit dem Management“. In Bremen gebe es Produktionslinien mit 60 bis 70 Prozent Leiharbeitern, so Kupfer.

Widerstand gegen Arbeitsbedingungen wächst

Beide Veranstaltungen, die Demo am Mittag und die Infoveranstaltung am Nachmittag, waren beileibe nicht perfekt organisiert - und hatten beide nur zwei Hände voll Teilnehmer. Doch die Szenen zeigen, dass sich zunehmend Widerstand regt gegen das seit Jahren stetig gewachsene System der Leiharbeit.

Anwalt Geffken, der in Hinte freilich auch sein Buch zum Thema vorstellen wollte, macht dafür auch die bei VW dominierende IG Metall verantwortlich. Die Organisation habe früher sicher einige Erfolge erkämpft. Doch heute habe sie sich davon weit entfernt, auch im aktuellen Arbeitskampf, bei dem es vor allem um Flexibilisierung von Arbeitszeiten gehe. „Da ist viel Tamtam, das muss man kritisch hinterfragen“, so Geffken. Die IG Metall habe selber Tarifverträge abgeschlossen, die hinter die gesetzlichen Standards zurückfallen.

Anwalt: "Neue Form der Apartheid"


Die Aufspaltung der Belegschaften in Stammwerker und Leiharbeiter und Zwischenformen wie bei Autovision seien „eine neue Form von Apartheid“, so Geffken wörtlich. Die Leiharbeiten würden von den Betriebsräten und der IG Metall „schäbig behandelt“. Es herrsche eine „Kultur der Angst und Willkür“, durch die Widerstand unterdrückt werden solle. „Kritikern wird gesagt: Tritt in die IG Metall ein. Menschen werden zu Bittstellern. Das ist feudalistisch“, so Geffken. Bekannte und Verwandte mit Beziehungen zu IG Metall-Betriebsräten kämen in den Genuss von Vorteilen und Karrieresprüngen, Kritiker würden dagegen abgestraft. Die Gewerkschaft mache mittlerweile den Job des Managements und rate Autovisions-Beschäftigten von einer Klage ab. Geffken meint: „VW braucht eine Kultur des Whistleblowings“, also von Mitarbeitern, sie sich trauen, Missstände mitzuteilen. Ex-VW-Vorstandsfrau Christine Hohmann-Dennhardt, die 2017 mit einem zweistelligen Millionenbetrag abgefunden wurde, habe genau das etablieren wollen. Doch das sei offenbar nicht gewollt, so Geffken.

Wie berichtet argumentieren VW-Leute oft, dass, wenn es die Autovision nicht gebe, die Kollegen unter noch schlechteren Bedingungen bei anderen Fremdfirmen arbeiten müssten. Doch das wollen die Betroffenen wie der anfangs genannte Kläger nicht gelten lassen. Für sie ist das ein Totschlag-Argument.
https://www.on-online.de/-news/artikel/340873/60-Leiharbeiter-wollen-sich-Klagen-anschliessen (https://www.on-online.de/-news/artikel/340873/60-Leiharbeiter-wollen-sich-Klagen-anschliessen)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Onkel Tom am 17. Februar 2018, 15:01:11
Das ist ja ein Leckerbissen, wie der Stein ins Rollen kommt und weiter rollen muss..
Mensch reiche mir bitte eine Tüte Popkorn  ;D ;D


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 17. Februar 2018, 18:19:29
Aus dem Chefduzen Poesiealbum:


Unsere Reise nach Emden
oder
Wie wir Ostfriesland aufmischten!

Es kommt die Zeit, da will die Säge sägen!

(https://abload.de/img/werkzeuged8kxn.jpg) (http://abload.de/image.php?img=werkzeuged8kxn.jpg)
Werkzeuge für den Klassenkampf (1 Karton Leihkeulen)

Wir haben den Protest bei der Stadt Emden angemeldet. Doch die wies uns einen Platz ab vom Schuß zu. Nach einer telefonischen Beschwerde sagten man uns, das sei das näheste, was man uns anbieten könne, alles in größerer Nähe gehöre nicht mehr der Gemeinde, sondern dem VW Konzern. Wir beschlossen uns auf eigene Faust auf Feindesland zu begeben und robbten an die Produktionshallen heran.

(https://abload.de/img/bindfadenltk1z.jpg) (http://abload.de/image.php?img=bindfadenltk1z.jpg)

Am Kreisverkehr vor dem Werkstor:

(https://abload.de/img/werkk8jjj.jpg) (http://abload.de/image.php?img=werkk8jjj.jpg)

Die Daimlerkollegen aus Bremen sprachen Klartext:

(https://abload.de/img/daimler12kt4.jpg) (http://abload.de/image.php?img=daimler12kt4.jpg)

Auch ein kampferprobter Opelaner aus Bochum zeigte seine Solidarität

(https://abload.de/img/2transpiskvjdf.jpg) (http://abload.de/image.php?img=2transpiskvjdf.jpg)

Die Kontakte zu emdener Betriebsräten haben wir der Interessengemeinschaft der Leiharbeiter IGL zu verdanken.
Sie sind in der christlichen Gerkschaft Metall CGM organisiert. Sie ist nicht mit der CGZP (Christliche Gewerkschaften für Zeitarbeit und Personal-Service-Agenturen) gleichzusetzen. Im Werk Emden vertritt CGM Betriebsgruppe bessere Ziele als die IGM: Sie fordert eine einheitliche Arbeitnehmervertretung für alle Beschäftigten und eine Gleichbehandlung, egal ob Stammbeschäftigter, outgesourct oder in Leiharbeit.

(https://abload.de/img/wolkenr2k4u.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolkenr2k4u.jpg)
Unter ostfriesischen Wolken

(https://abload.de/img/diskussion9ujoj.jpg) (http://abload.de/image.php?img=diskussion9ujoj.jpg)
Die bunte Mischung an Aktivisten unterschiedlichster Hintergründe hatte viel miteinander zu diskutieren.

Sonne für den Protest:
(https://abload.de/img/sonnen5kf2.jpg) (http://abload.de/image.php?img=sonnen5kf2.jpg)
Unser Besuch bei Volkswagen Emden brachte etwas völlig Neues für die LEIHKEULE. Bisher wurde sie nur von Beschäftigten heimlich in einem Betrieb ausgelegt. Jetzt übernahmen Betriebsräte die Verteilung innerhalb der Niederlassung.

Interview:

(https://abload.de/img/interviewedkvn.jpg) (http://abload.de/image.php?img=interviewedkvn.jpg)

Auf geht's!

(https://abload.de/img/aufgehtsetkps.jpg) (http://abload.de/image.php?img=aufgehtsetkps.jpg)
Zum Schichtwechsel gings ans Werkstor. Dort wurden Flugblätter verteilt. Es gab riesiges Interesse daran.
Es war das erste Mal, daß ein Protest vor dem Werk Emden stattfand, der nicht von der IGM organisiert worden ist.
Die Betriebsräte nahmen unsere übriggebliebenen Flugblätter, um sie den Kollegen im Werk zu geben.

Die Presse mußte noch gebrieft werden:

(https://abload.de/img/pressegakw7.jpg) (http://abload.de/image.php?img=pressegakw7.jpg)
Grundlagenwissen durch die Leihkeule


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nikita am 17. Februar 2018, 18:34:47
sehr schöner fotobericht! ich finde es schade, wenn keine infos oder bilder von solchen aktionen zu finden sind.
danke an alle beteiligten der aktion.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 17. Februar 2018, 18:58:40
Nächstes Kapitel


Downtown Emden


Von den rund 29.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Emden arbeiten mehr als ein Viertel bei oder unmittelbar für Volkswagen. Wenn die Stadt nahezu Teil Konzerns ist, wollten wir uns auch an die Städter wenden, die scheinbar alle auf die eine oder andere Weise mit dem Autobauer verbunden sind.

Doch in der Innenstadt war absolut Tote Hose.
(https://abload.de/img/totehoserpjq2.jpg) (http://abload.de/image.php?img=totehoserpjq2.jpg)
Die wenigen Einwohner rauschten meist wortlos an uns vorbei.

Natürlich waren einige schon interessiert.
(https://abload.de/img/hand7ekqi.jpg) (http://abload.de/image.php?img=hand7ekqi.jpg)
Und stets fragte man, was man denn machen könne. Wie immer kam die Frage, wo man denn unterschreiben kann für die Sache. Das ist wohl in Zeiten der Onlinepetionen die bekannteste Form von "Protest". Eine Frau sagte, sie wisse schon, was für Schweinereien von VW kommen. Darüber braucht man sie nicht zu informieren. Sie würde lieber vorher (!) von solchen Protesten erfahren, um sich selbst daran beteiligen zu können.

Wir befanden uns in der Heimat von Otto Waalkes und wir standen direkt vorm Otto Huus:

(https://abload.de/img/ottohuus7tk4c.jpg) (http://abload.de/image.php?img=ottohuus7tk4c.jpg)

So konnte immerhin der Ottifant Fu Tianbo zeigen, wie man dicke Mauern durchbricht:

(https://abload.de/img/ottohuus2n1j45.jpg) (http://abload.de/image.php?img=ottohuus2n1j45.jpg)

Natürlich wollten wir den Ostfriesen unsere Botschaft überbringen:

(https://abload.de/img/verbieten36kc6.jpg) (http://abload.de/image.php?img=verbieten36kc6.jpg)

Aber der Herr mit dem Rollwagen wollte es radikaler!

(https://abload.de/img/arbeit5hk9v.jpg) (http://abload.de/image.php?img=arbeit5hk9v.jpg)
Arbeit verbieten!

Schließlich bekamen wir es noch mit dem Klassenfeind zu tun:

(https://abload.de/img/sklavenhaendlerfmjqb.jpg) (http://abload.de/image.php?img=sklavenhaendlerfmjqb.jpg)
Ein Vertreter der Sklavenhändlerbranche. Er fand Leiharbeit natürlich "super". Daran hätte er nichts auszusetzen. Nur im fernen China, da würd man es ein wenig übertreiben. Leute, die aufmucken gleich in den Knast zu werfen, das müsse ja nicht sein.

Schnell noch einen ostfriesischen Tee zum Aufwärmen und ab nach Haus!






Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: BGS am 17. Februar 2018, 21:16:11
Kompliment fuer diese inspirirende Aktion!

MfG

BGS


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 19. Februar 2018, 13:12:15
Ein Update im LabourNet:

http://www.labournet.de/?p=128029 (http://www.labournet.de/?p=128029)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 20. Februar 2018, 12:21:17
Klasse Aktion! Es freut mich sehr das endlich was öffentlichkeitswirksames gemacht wird gegen die Apartheid im Betrieb!
Es wundert mich natürlich etwas,daß die sogenannte christliche Gewerkschaft da fortschrittlicher ist als die IG Metall.Die Kumpanei der IG Metall
Führung mit den Bossen sowie auch mit den Menschenhändlern der Zeitarbeit ist ja berüchtigt! >:(
Auch so manche rechte Betriebsratsfürsten wie zB der widerliche Einenkel damals bei Opel in Bochum,sind bundesweit bekannt.
Die IG Leiharbeit gibt es scheinbar noch oder weder? Auch das freut mich und ich hoffe sie kriegt starken Zulauf

https://www.facebook.com/igleiharbeit/ (https://www.facebook.com/igleiharbeit/)



Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 23. Februar 2018, 11:37:52
Zitat
Beschäftigteninteressen hier und dort
VW lässt auch in China Leiharbeiter für sich arbeiten - für deren Rechte fühlt sich hierzulande kaum jemand zuständig


    Von Rainer Balcerowiak

Dem VW-Konzern geht es blendend. Trotz des Dieselabgas-Skandals hat das mit weltweit knapp 600 000 Beschäftigten größte deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr 10,5 Millionen Fahrzeuge verkauft, so viel wie nie zuvor in der Konzerngeschichte. Beim Umsatz wurde erstmals die Schwelle von 220 Milliarden Euro übertroffen. Der um Sondereinflüsse, wie zum Beispiel Rückstellungen für mögliche weitere Strafzahlungen, bereinigte Betriebsgewinn kletterte im dritten Quartal 2017 überraschend deutlich um 15 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Die Prognosen bewegen sich in schwindelerregenden Höhen. Bis 2020 soll der Umsatz um mehr als 25 Prozent steigen, der Vorsteuergewinn um mindestens 30 Prozent. Auch bei den Dividenden für die Aktionäre soll es laut den Prognosen steil nach oben gehen.

Wichtigster Wachstumsfaktor ist dabei der chinesische Markt. Das VW-Joint-Venture mit dem staatlichen Autohersteller FAW setzte 2017 fast 4,2 Millionen Fahrzeuge in China ab und will künftig auch den Export der dort gefertigten Pkw ankurbeln. Fast die Hälfte der in China gefertigten Fahrzeuge kommt aus dem Werk im nordchinesischen Changchun. 2020 soll die Produktion die Drei-Millionen-Grenze erreichen.

Doch was Management und Aktionäre in Feierlaune versetzt, bedeutet für viele Beschäftigte in Changshun schrankenlose Ausbeutung. Denn diese sind oftmals prekär beschäftigt und erhalten teilweise nur 50 Prozent des Lohns der Stammbeschäftigten. Und das, obwohl ihnen sowohl laut chinesischem Arbeitsrecht, als auch laut der von der Konzernleitung und dem Weltbetriebsrat vereinbarten »Charta der Zeitarbeit im Volkswagen-Konzern« die gleiche Bezahlung zusteht.

Seit November 2016 gibt es einen offenen Konflikt zwischen den Leiharbeitern und dem FAW-VW Konzern. Die chinesische Werksleitung und die Behörden in Changchun reagierten auf Proteste mit einer Welle von Repressionen, bis hin zu Festnahmen von Aktivisten. Einer von ihnen, Fu Tianbo sitzt bereits seit Mai 2017 als »Rädelsführer« in Haft. Polizeiliche Schikanen und massive Einschüchterungen sind an der Tagesordnung.

Dennoch führten die Proteste im Dezember 2017 zu einem Teilerfolg. Überraschend wurden 900 Leiharbeiter in die Stammbelegschaft übernommen, als »Gegenleistung« verlangte die Werksleitung allerdings, den Verzicht auf Klagen gegen bisheriges Unrecht beim einbehaltenen Lohn. Zudem wurden jene Leiharbeiter, die nicht in der Produktion, sondern in der Verwaltung arbeiten, nicht übernommen.

Eine Anfrage beim VW-Konzern blieb unbeantwortet. Das deckt sich mit den Erfahrungen von Initiativen, die in Deutschland die Solidarität mit den chinesischen Kollegen organisieren. Der Konzern verweise stets darauf, dass die operative Betriebsleitung und die Personalhoheit beim Joint-Venture FAW-VW allein auf chinesischer Seite liege, so Karsten Weber von der Basisinitiative Forum Arbeitswelten auf nd-Nachfrage.

Doch auch die IG Metall und allen voran der Vorsitzende des Konzern- und Weltbetriebsrats von VW, Bernd Osterloh, verteidigt diese Haltung des Unternehmens. In einer Antwort auf einen Brief von chinesischen Aktivisten, in dem diese um Unterstützung baten, beteuerte Osterloh zwar, dass man die Probleme »sehr ernst« nehme. Man könne die erhobenen Vorwürfe aber »leider nicht verifizieren« und sei ohnehin nicht zuständig. Den Autoren des Briefs, darunter der inhaftierte Leiharbeiter Fu Tianbo, empfahl Osterloh, ihre Anliegen »bei den hierfür zuständigen Stellen in China zu artikulieren«.

Seit Monaten bemühen sich verschiedene Initiativen an verschiedenen VW-Standorten Solidarität mit den chinesischen Kollegen zu organisieren. Zumal das Unternehmen auch in Deutschland systematisch auf Outsourcing und Leiharbeit setzt, um die Kosten zu drücken. Ein Schwerpunkt ist dabei das VW-Werk in Emden, wo sich über 60 der rund 1000 Leiharbeiter der VW-Tochter Autovision auch auf juristischem Weg als Stammbeschäftigte einklagen wollen und in der ersten Instanz einen Teilerfolg erzielten.

Auf die Unterstützung der IG Metall können sie dabei nicht bauen. Vielmehr sind es ausgerechnet die Betriebsräte der oft als »Spalter« und »Vertreter der Unternehmerinteressen« geschmähten Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM), die ihnen aktiv zur Seite stehen.

Verkehrte Welt? Eigentlich schon, doch leider ist es besonders in der Automobilindustrie längst Normalität, dass die Führung der IG Metall den Schulterschluss mit dem Management sucht und sich weder für die hiesigen Leiharbeiter einsetzt, noch für die Interessen von verfolgten und entrechteten Kollegen in ausländischen Werken.
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1080339.beschaeftigteninteressen-hier-und-dort.html?sstr=volkswagen (https://www.neues-deutschland.de/artikel/1080339.beschaeftigteninteressen-hier-und-dort.html?sstr=volkswagen)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 23. Februar 2018, 21:54:59
Volkswagen hat bekanntgegeben, dass der Gewinn mehr als verdoppelt wurde. Der Naziclan Porsche-Piech profitiert am meisten davon…und das Land Niedersachsen.

China ist der wichtigste Markt. Der Führer hätte seine wahre Freude an diesem Herrenrassekonzern.

http://www.fr.de/wirtschaft/volkswagen-mit-milliardengewinn-durch-die-dieselkrise-a-1454871 (http://www.fr.de/wirtschaft/volkswagen-mit-milliardengewinn-durch-die-dieselkrise-a-1454871)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 24. Februar 2018, 22:21:36
Endlich reagieren die Sklavenhändler auf die Missstände in der Leiharbeit bei Volkswagen:

(https://abload.de/img/tempreochinagpud6.png) (http://abload.de/image.php?img=tempreochinagpud6.png)
https://twitter.com/tempreo/status/967382822133665792 (https://twitter.com/tempreo/status/967382822133665792)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Onkel Tom am 26. Februar 2018, 09:21:37
Huch, die Folgebeiträge bei Tampon sind ja echt schrecklich..

Gut, das ich noch nicht gefrühstückt habe.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 27. Februar 2018, 23:11:06
Presse von der aktuellen Betriebsversammlung in Wolfsburg:

Nicht weiter lesenswert, die Überschrift ist aber lustig:
Zitat
Sanierer Diess verneigt sich vor der Volkswagen-Belegschaft

https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article213566977/Sanierer-Diess-verneigt-sich-vor-der-Volkswagen-Belegschaft.html (https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article213566977/Sanierer-Diess-verneigt-sich-vor-der-Volkswagen-Belegschaft.html)

Und das ist wiederum gut:

Zitat
IG Metall-Chef Hartwig Erb: „MIG 18 verweigert die Mitarbeit“

Jetzt wird der Wahlkampf bei VW schmutzig. Betriebsrats-Rebell Potalivo kontert: „Wir machen offenbar einen guten Job.“

Vom 13. bis 15. März finden die Betriebsratswahlen im Stammwerk statt. Bis zur Betriebsversammlung war von einem Wahlkampf in der Öffentlichkeit nicht viel zu sehen. Das änderte Hartwig Erb mit seiner Rede auf der Betriebsversammlung. Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall in Wolfsburg kritisierte öffentlich die Liste MIG 18 um Antonino Potalivo, die seit der letzten Wahl mit fünf Vertretern im Betriebsrat vertreten ist.

„Ich bin froh, dass wir die Wahlmöglichkeit zwischen konkurrierenden Listen haben. Das gehört zur Demokratie und ist ein hohes Gut. Ich schätze es sehr, das sich so viele Menschen haben aufstellen lassen. Aber Betriebsratsarbeit ist kein Selbstzweck, sondern sie gibt den Betriebsräten eine große Verantwortung, die sie dann aber auch zum Wohl der Belegschaft wahrnehmen müssen. Es geht nicht, dass sich einige vier Jahre der Betriebsratsarbeit verweigern und um 15.30 Uhr Feierabend machen“. Der Wolfsburger IG Metall-Chef habe damit „unter anderem auf die MIG 18-Liste“ abgezielt, die sich „in den letzten 8 Jahren konsequent der Betriebsratsarbeit verweigert hat“, wie die Gewerkschaft schreibt.

„Die Zusammenarbeit mit der CGM ist eine Bankrotterklärung für die IG Metall Wolfsburg.“
Antonino Potalivo, Gründer der Liste MIG 18 im VW-Betriebsrat.

Nach WN-Informationen hat sich auch die Christliche Gewerkschaft Metall (CGM) bereits in einer der vergangenen Betriebsratssitzungen dieser Kritik angeschlossen. Potalivo war 2006 erstmals aus Protest gegen den Skandal um vom Unternehmen bestochene Betriebsräte als Einzelkandidat angetreten. Alle Mitglieder der Liste MIG 18 sind noch Mitglieder der IG Metall, obwohl die Gewerkschaft unter Erbs Vorgänger Frank Patta laut über ein Ausschlussverfahren nachgedacht hatte. Dazu kam es dann aber nicht. Auf Anfrage unserer Zeitung äußerte sich Potalivo zu den Vorwürfen: „Wir sind gerade mal ein Dutzend Kollegen, die sich zur Betriebsratswahl stellen. Wir sind weiterhin Mitglieder der IG Metall, weil wir nicht gegen Gewerkschaften an sich sind. Aber wir möchten die Wolfsburger Verhältnisse verändern, auch wenn das den Funktionären in der Verwaltungsstelle nicht schmeckt. Ich hake die Vorwürfe als Wahlkampfgetöse ab.“

https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article213569619/IG-Metall-Chef-Hartwig-Erb-MIG-18-verweigert-die-Mitarbeit.html (https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article213569619/IG-Metall-Chef-Hartwig-Erb-MIG-18-verweigert-die-Mitarbeit.html)

Und als krönender Abschluss der Berichterstattung:
Zitat
VW-Mitarbeiter feiern Wolfsburgs Olympia-Helden

Erfolgsmeldungen standen am Dienstag im Mittelpunkt der VW-Betriebsversammlung im Werk Wolfsburg.
(...)

http://www.waz-online.de/Wolfsburg/Volkswagen/VW-Mitarbeiter-feiern-Wolfsburgs-Olympia-Helden (http://www.waz-online.de/Wolfsburg/Volkswagen/VW-Mitarbeiter-feiern-Wolfsburgs-Olympia-Helden)




Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nikita am 27. Februar 2018, 23:58:03
Vom Betriebsrat bis zum Vorstand widert dieses Drecksunternehmen nur noch an. Wir sehen hier das Endstadium von Korruption.
Warum wird keine öffentliche Diskussion zur Zerschlagung von VW geführt?


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Strombolli am 28. Februar 2018, 03:01:41
Der kommende Spruch ist ironisch gemeint und sicher versteht nicht jeder meinen sarkastischen Humor. Bitte Admin sperr mich nicht, Du weißt ich bin links. Aber ich kann nicht anders, als einen Spruch alter Leute aus meiner Jugend zu zitieren. Noch dazu, wenn es um VW geht:

"Unter Hitler hätte es sowas nicht gegeben!"


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 28. Februar 2018, 21:57:01
Die Schmierenkommödie um die Betriebsratslisten geht in die nächste Runde:

Zitat
28.2.18
„Überheblichkeit verhindert jede Art von Kommunikation“

Betriebsräte der MIG 18 lassen Vorwurf der Faulheit nicht auf sich sitzen.

Eine Betriebsratswahl ist eine sehr wichtige Angelegenheit – insbesondere bei Volkswagen, wo es stets nicht nur um betriebliche Belange, sondern auch um große Wirtschaftspolitik geht. Allerdings ist der Urnengang eine betriebsinterne Angelegenheit und allenfalls das Ergebnis ist hinterher von öffentlichem Interesse. An der Dominanz der IG-Metall-Listen gibt es seit Jahrzehnten nichts mehr zu deuteln. Die Metaller vertreten – flapsig ausgedrückt – den ganzen Laden, seitdem vor gut 16 Jahren auch die Angestellten in ihren Vertretungsbereich wanderten. Seitdem gibt es nur noch kleinere Oppositionsgruppen, die weitgehend auf sich selbst gestellt zur Wahl antreten. Wolfsburgs IG-Metall-Chef Hartwig Erb hat jetzt in einer Rede eine Art Grundsatzfrage zu den Rechten und Pflichten solcher Listen gestellt (wir berichteten).

Im Verlauf der Betriebsversammlung in Halle 11 warf Erb der Oppositionsgruppe MIG18 mangelnden Mitarbeitswillen in Ausschüssen vor. Durch die Blume bezichtigte Wolfsburgs Metallerchef Hartwig Erb die Betriebsräte der MIG18 sogar der Faulheit. Die gingen regelmäßig um 15.30 Uhr nach Hause. MIG 18-Gründer Antonino Potalivo hat sich in unserer Zeitung gegen diesen Vorwurf verwahrt. Er wirft dem Betriebsrat im Gegenzug vor, den in Paragraph 34 pp des Betriebsverfassungsgesetztes geregelten Zugang zu Beschlüssen und Protokollen zu ignorieren. „Unsere Bestrebungen, uns über aktuelle Themen zu informieren, wurden von Anfang an torpediert. Termine, um Unterlagen des Betriebsausschusses einzusehen, lagen 5 bis 6 Wochen in der Zukunft. Der Gerichtsprozess, den der Kollege Dirk Schenker immer noch führt, hat zu diesem Punkt für Klarheit gesorgt. Er hat erstritten, dass wir uns die Unterlagen so ansehen können, wie es das Gesetz vorsieht“, präzisierte Potalivo gestern. „Arroganz und Überheblichkeit“ im direkten Umgang behinderten jede Art von Kommunikation. „Bezeichnend für die letzten vier Jahre war, dass es bei einer Anfrage Richtung eines Mitgliedes des entsprechenden Ausschusses immer durch den Geschäftsführer des Betriebsrates geantwortet wurde“, kritisiert der Spitzenkandidat der MIG18-Liste. Im operativ entscheidenden Organ, dem Betriebsausschuss, sitzen nur Vertreter der Liste der IG Metall.

Da auch Betriebsratschef Bernd Osterloh während der Betriebsversammlung die Konkurrenzliste kritisierte, muss das Thema wohl eine gewisse Relevanz besitzen. IG Metall und Betriebsrat hielten sich gestern zurück. Bekannt ist aber, dass die Zahl von aktuell 75 Betriebsratssitzen für das VW-Stammwerk mit seinen gut 67 500 wahlberechtigten Mitarbeiten niedrig ist. Pro Betriebsrat/Betriebsrätin ist die Betreuungsquote dadurch sehr hoch. Die Zahl der freigestellten ist im Betriebsverfassungsgesetz anhand der Beschäftigtenzahl genau geregelt. Eine Änderung ist derzeit nicht in Sicht. 67 Sitze gingen bei der letzten Wahl an Kandidaten der Liste IG Metall. Potalivo und vier Mitstreiter zogen ebenso in den Betriebsrat ein wie drei Vertreter der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM).

Die nun von Hartwig Erb aufgeworfene Frage der angemessenen oder mangelhaften Mitarbeit in den Ausschüssen des Betriebsrates ist vom Gesetz nicht präzise geregelt. „Grundsätzlich entziehen wir uns gar keiner Aufgabe im Betriebsrat. Und wir freuen uns, wenn der Kollege Erb seinen Einfluss auf den Betriebsrat nutzt, um uns in die Ausschüsse zu wählen“, betont Potalivo.

Die fünf Vertreter der MIG 18 sind Mitglieder der IG Metall und wollen das auch trotz der aktuellen Vorwürfe bleiben. Wie stets in Demokratien haben nun die Wähler/Mitarbeiter das letzte Wort. Die Abstimmung findet vom 13. bis 15. März statt.
https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article213579101/Ueberheblichkeit-verhindert-jede-Art-von-Kommunikation.html (https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article213579101/Ueberheblichkeit-verhindert-jede-Art-von-Kommunikation.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: dagobert am 28. Februar 2018, 23:58:03
Der kommende Spruch ist ironisch gemeint und sicher versteht nicht jeder meinen sarkastischen Humor.
Da ist nichts ironisch und auch nichts sarkastisch.
Der Satz ist pure Wahrheit.
"Unter Hitler hätte es sowas nicht gegeben!"
"sowas" = öffentliche Berichterstattung über diese Schweinereien


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 16. März 2018, 11:15:13
Zitat
15.3.18
Schwache Wahlbeteiligung kostet die IG Metall einen Sitz

Liste der IG Metall stellt jetzt 66 Betriebsräte bei VW. Einzelkandidat Böse schafft den Einzug.
(…)
Das rote Tuch für IG Metall und Betriebsrat bleibt die Liste MIG18, der sich Osterloh gleich zu Beginn seiner Rede widmete. Wie berichtet, hatte Hartwig Erb dem Quintett um Antonino Potalivo eine Verweigerung der Mitarbeit vorgeworfen. „Ich freue mich, dass die keine Stimmen dazugewonnen haben“, betonte Osterloh. Der so gescholtene Potalivo, kommentierte das Ergebnis so: „Die historisch bemerkenswert niedrige Wahlbeteiligung ist ein Signal an alle. Im Betriebsrat darf es nicht darum gehen, sich gegenseitig zu bekriegen, da gehört es sich, sich im Interesse aller für die Belegschaft einzusetzen. Es muss sich zwingend etwas ändern an dem Umgang mit der Belegschaft. Auch wenn wir als Fraktion weiterhin 5 Sitze errungen haben, muss es auch für uns Ansporn sein, dass wir an dem Vertrauen in das Betriebsratsgremium insgesamt mitarbeiten. Wer diesen deutlichen Fingerzeig nicht bemerkt oder bemerken will, leidet an Wahrnehmungsstörungen. Da gibt es nichts zu feiern, da gilt es, kritisch die Gründe für das Fernbleiben von der Wahl zu analysieren. Die Kolleginnen und Kollegen haben ein feines Gespür für die Qualität von Tarifverhandlungen und der Bonushöhe.“ Von der CGM gab es gestern trotz Anfrage kein Statement zum Wahlergebnis. Eine Überraschung ist zweifellos der Einzug von Einzelkandidat Dirk Böse. Er war zuvor nicht in Erscheinung getreten. Von ihm gibt es auch keine Reaktion auf das Ergebnis. „Mir gleicht der jetzige Betriebsrat zu sehr einem Management. Ich habe das Gefühl, die Bedürfnisse der Kollegen werden nicht wirklich wahrgenommen, geschweige denn umgesetzt und thematisiert. Das möchte ich ändern, damit die Stimmen der Einzelnen auch wirklich ankommen“, schrieb Böse vor der Wahl auf Facebook.
https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article213734323/Schwache-Wahlbeteiligung-kostet-die-IG-Metall-einen-Sitz.html (https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article213734323/Schwache-Wahlbeteiligung-kostet-die-IG-Metall-einen-Sitz.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 16. März 2018, 23:28:03
Die Standortpolitik von Volkswagen ist die Fortsetzung kolonialer Bestrebungen aus wilhelminischer Zeit. Der Konzern schreitet Hand in Hand mit der Regierung voran, auf dass der schwarze Kontinent die Wohltat deutscher Fürsorge erfahre.
Die Pfründe werden abgesteckt. Nach Südafrika, Nigeria, Algerien und Kenia steht nun als nächstes Ruanda auf dem Portfolio, das anscheinend einen prächtigen Gewinn verspricht.
Demnächst gibt es auch in Ruanda ein kleines Montagewerk, weil es dort keine Korruption gibt, die Bevölkerung so wissbegierig ist und weil ansonsten dort nicht viel los ist. Ach ja, laut Amnesty International gibt es dort keine Meinungsfreiheit, keine ordentlichen Gerichtsverfahren und die kongolesischen Cobaltminen sind zum Greifen nah, die so dringend für diese neuartigen Autobatterien benötigt werden.
(https://abload.de/img/volkswagen_ruandafho3m.png) (http://abload.de/image.php?img=volkswagen_ruandafho3m.png)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 18. März 2018, 14:00:47
(https://abload.de/img/vw_changchunzrqsz.jpg) (http://abload.de/image.php?img=vw_changchunzrqsz.jpg)
Chinesischer Absatzmarkt: fabrikneue Volkswagen in Changchun.

http://www.fr.de/wirtschaft/volkswagen-mit-milliardengewinn-durch-die-dieselkrise-a-1454871 (http://www.fr.de/wirtschaft/volkswagen-mit-milliardengewinn-durch-die-dieselkrise-a-1454871)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 24. März 2018, 09:56:09
Demokratie 4.0

VW-Chef Müller: "Mir gefällt es nicht, wenn sich Politiker in mein Geschäft einmischen"

Klar doch. Wozu Politiker, wenn es Konzernchefs gibt!?!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 29. März 2018, 16:58:59
Erfolg der Solidarität mit Andreas Gärtner in seinem Prozess
Am gestrigen Mittwoch, 28. März, fand der Kammertermin zur Klage des Vertrauenskörperleiters bei VW, Andreas Gärtner, gegen VW statt.

Korrespondenz aus Kassel
Donnerstag,  29.03.2018,  10:00 Uhr

(http://up.picr.de/32240570zr.jpg)(http://)
Andreas Gärtner (mitte) und sein Anwalt Peter Weispfenning (rechts daneben) auf der Solidaritätskundgebung vor dem Gericht (rf-foto)

Gärtner klagte auf Entfernung von drei Abmahnungen gegen ihn aus seiner Personalakte. Andreas Gärtner hatte im Bundestagswahlkampf mit einem Kollegen über ein Flugblatt zur Wahlwerbung für die Internationalistische Liste/MLPD bei der Arbeit diskutiert und dafür die besagten drei Abmahnungen bekommen. VW ließ nach dem Vortrag der Richterin zwei der drei Abmahnungen fallen. Das zeigt die Defensive von VW. Es blieb die Abmahnung wegen - so die Behauptung von VW - Nutzung der Arbeitszeit zu persönlichen Zwecken.

Es geht um die Bestrafung von klaren politischen Aussagen
Im Kern geht es dem Konzern um die Bestrafung der klaren politischen Aussage, dass bei VW ausgebeutet wird und die VW-Umweltverbrecher vor Gericht gehören. Die Richterin wie die VW-Vertreter versuchten davon abzulenken und die ganze Sache auf eine rein formale Schiene zu schieben. Andreas Gärtner und sein Anwalt Peter Weispfenning lehnten den Kuhhandel ab, einfach die Abmahnungen am 31. Mai aus der Akte zu entfernen, was die Richterin vorschlug; sie bestanden auf sofortiger Entfernung. Das Urteil soll am 20. April verkündet werden.

Breite Solidarität
Die Solidarität mit Andreas Gärtner war breit. 35 Unterstützerinnen und Unterstützer nahmen an der Verhandlung teil: Es waren auch Freunde und VW-Kollegen aus Wolfsburg und Braunschweig gekommen. Alle Teilnehmenden ermunterten Andreas Gärtner konsequent weiter zu kämpfen und versicherten ihm ihrer weiteren Solidarität.

Quelle

https://www.rf-news.de/2018/kw13/erfolg-der-solidaritaet-mit-andreas-gaertner-in-seinem-prozess (https://www.rf-news.de/2018/kw13/erfolg-der-solidaritaet-mit-andreas-gaertner-in-seinem-prozess)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 02. April 2018, 08:01:05
! No longer available (http://www.youtube.com/watch?v=LnJFlBUUMwo#)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 10. April 2018, 20:47:17
Großer Tusch!

Führungswechsel bei der Automafia.
Volkswagen hat einen neuen Paten.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 10. April 2018, 22:44:12
Der voraussichtliche Nachfolger, Herbert Diess, ist der größtmögliche Sozio- und Psychopath, den man sich wünschen kann. Ist aber eigentlich auch egal, weil die Unterschiede eh nicht erwähnenswert sind. Problem bleibt der Endsieg, der mit der Verquickung von Staat und Kapital immer wieder glückt, ohne dass es kaum jemand merkt, geschweige denn dass es den Bilanzen schaden würde.  

Diess hat sein Handwerk bei Bosch gelernt. Das sind die mit der Software. Später als Einkäufer handelte er ganz in der Tradition von José López. Neuerdings hat er den afrikanischen Markt unter Berücksichtigung der ehemaligen Kolonien entdeckt, und so weiter und so fort...


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 11. April 2018, 17:21:55
Vorstandsvorsitzender Müller geschasst – Keine Änderung der kriminellen Machenschaften
Wenn am 3. Mai 2018 die Jahreshauptversammlung der VW-Aktionäre stattfindet, wird die Ablösung von VW-Chef Matthias Müller das Spitzenthema sein.

Von Korrespondenz aus Gelsenkirchen
Mittwoch,  11.04.2018,  14:48 Uhr

(http://up.picr.de/32368940oj.jpg)(http://)
Geht mit einer fetten Rente: Matthias Müller (foto: Volkswagen AG (CC BY 3.0))

Gestern wurde die Ablösung Müllers bekannt und als Nachfolger an der Konzernspitze steht Herbert Diess bereit, einst von BMW zu VW gewechselt und Leiter der Kernmarke VW. Er gilt als extrem ehrgeizig und als harter Verfechter von Kostensenkungen in Zusammenhang mit Stellenstreichungen, um VW noch profitabler zu machen. Außerdem führt er die Tradition des Vorsitzenden mit Ermittlungsverfahren am Hals fort: Aktuell ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen des Verdachts der Marktmanipulation.

(http://up.picr.de/32368964pi.jpg)(http://)
Der neue: Herbert Diess (foto: Rudlof Simon (CC BY-SA 3.0))

Offenbar ist Müller im Ringen um die Reinwaschung vom Diesel-Betrug nicht mehr zu halten. Müller hatte Mitte 2015, als der ganze Umfang des Abgasbetrugs bei VW so richtig ans Tageslicht kam, Martin Winterkorn als Vorstandsvorsitzenden abgelöst. Dieser hatte völlig unglaubwürdig immer wieder beteuert, dass ihm von der manipulierten Abgassoftware nichts bekannt war. Das ist heute – nicht zuletzt aufgrund der Aufklärungsarbeit der MLPD gemeinsam mit vielen VW-Beschäftigten - widerlegt.

 Zu gerne würde VW sich diesen Makel vom Hals schaffen. Aber Matthias Müller gehörte als Porsche-Chef schon damals mit zum Konzernvorstand, war also mit verantwortlich für den ganzen Betrug. Es wurden neue skandalöse Aktivitäten unter seinem Vorsitz bekannt. So brachte seine Verteidigung der Abgastests mit Affen die Öffentlichkeit gegen ihn auf. Zur Propaganda einer neuen Konzernkultur „nach dem Diesel-Skandal“ gehörte der Beschluss über die Deckelung von Managergehältern auf bescheidene 10 Millionen Euro pro Jahr. Aber dies war Herrn Müller zu wenig und bereits 2017 hat er für sich selbst arrogant diese beschlossene Gehaltsobergrenze durchbrochen und sich 10,14 Millionen Euro genehmigt. Angesichts seiner großen Verantwortung als Manager sei das gerechtfertigt. Seither fühlt er sich durch Kritiker „unfair angegriffen“.

 Für die Automobilarbeiter hält Müller gedeckelte und gekürzte Gehälter für vollkommen richtig. Gerade VW forciert ständig die Auflösung der Tarifeinheit in der Belegschaft durch den Ausbau der Leiharbeit, Auslagerung zehntausender Arbeitsplätze in die konzerneigenen Billiglohn-Töchter Autovision und Sitech. Aber Managergehälter deckeln, dass ging Müller zu weit. Im März 2018 äußerte er in einem Spiegel-Interview zur Diskussion um Gehaltsobergrenzen für Manager: „In Deutschland besteht der Drang, alles politisch regulieren zu wollen. Aber wo soll das enden? Wir hatten so etwas bereits einmal in Form der DDR.“¹

 Im Gegenzug zu Müller kapitalistischer Gier hält die MLPD die sozialistischen Prinzipien der Pariser Kommune auch heute noch für richtig. Nach deren Regeln wurde zu Beginn auch der Sozialismus in der DDR aufgebaut. Sie legen unter anderem fest „Und zweitens zahlte sie (die Pariser Commune) für alle Dienste, hohe wie niedrige, nur den Lohn, den andre Arbeiter empfingen. (...) Damit war der Stellenjägerei und dem Strebertum ein sicher Riegel vorgeschoben...“² Klar, dass einer, der mit 10 Millionen Euro Jahreseinkommen nicht zufrieden ist, solche Verhältnisse als Hölle ansieht.

Müller war und ist in die ganzen kriminellen Abgasmanipulationen verstrickt, er kommt ja von Porsche und es stehen demnächst einige Prozesse an

Ein VW-Kollege

„Müller war und ist in die ganzen kriminellen Abgasmanipulationen verstrickt", so Kollege von VW gegenüber Rote Fahne News zu Müllers bevorstehender „Demission“. "Müller kommt von Porsche und es stehen demnächst einige Prozesse an. Die ganze moralische Verkommenheit von Leuten wie Müller zeigt sich auch an seiner Beteiligung als Beifahrer an einer Fahrerflucht in Südafrika, als ein mit Arbeitern besetzter Kleinbus von der Straße gedrängt wurde. Von seinem möglichen Nachfolger Diess erwarten die Kolleginnen und Kollegen nicht viel, eher eine Verschärfung der Angriffe. Besonders aufgeregt sind die Kolleginnen und Kollegen über die Neubesetzung des Personalvorstandes. Das soll der bisherige Generalsekretär des Konzern-Betriebsrats werden. Es ist schon atemberaubend, wie in den letzten Monaten führende Betriebsräte die Seite wechseln.“

 Der Wechsel des Vorstandsvorsitzenden von VW ändert nichts an der Tatsache, dass die kriminellen Machenschaften dieses Konzerns weiter aufgedeckt und bestraft werden müssen. Dazu fordert die MLPD unter anderem:

* Haftung der Großaktionäre und Top-Manager mit ihrem Privatvermögen!

Quelle

https://www.rf-news.de/2018/kw15/vorstandsvorsitzender-mueller-geschasst-keine-aenderung-der-kriminellen-machenschaften (https://www.rf-news.de/2018/kw15/vorstandsvorsitzender-mueller-geschasst-keine-aenderung-der-kriminellen-machenschaften)



Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 12. April 2018, 22:55:28
Wohlsein!
Zitat
Viel wurde über Herbert Diess in den vergangenen Tagen geschrieben („Ruf wie ein Donnerhall“). Was den wenigsten bekannt ist: Er ist Restaurant-Besitzer. In München betreibt er gemeinsam mit seiner Frau und seinem Sohn eine Tapas-Bar mit dem schönen Namen „Itxaso“.
https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article213999485/Erinnerungen-an-die-Zeit-in-Spanien.html (https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article213999485/Erinnerungen-an-die-Zeit-in-Spanien.html)

Ob schon jemand mal ausprobiert hat, ob das Essen da "gut" ist? Wenn Gläser zum Prosit erklingen, muss nicht Wein die Ursache sein.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 13. April 2018, 01:27:49
Zitat
Auf der Aufsichtsratssitzung am heutigen Donnerstag soll beschlossen werden, dass er seinen Posten räumt, erfuhr das Handelsblatt aus Konzernkreisen. Seinen Vorstandsvertrag werde Müller aber behalten.

Bis zu dessen Auslaufen im Februar 2020 wird der Manager Geld von Volkswagen erhalten. „Eine Vertragsaufhebung würde keinen Sinn machen, da die Abfindung genauso hoch sein würde wie der laufende Vertrag“, sagte eine involvierte Person. Gemessen am bisherigen Jahresverdienst wird er damit knapp 20 Millionen Euro erhalten.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/vw-vorstandsumbau-matthias-mueller-erhaelt-sein-millionen-gehalt-bis-2020/21168842.html (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/vw-vorstandsumbau-matthias-mueller-erhaelt-sein-millionen-gehalt-bis-2020/21168842.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 16. April 2018, 19:18:27
VW-SKANDAL
Zulieferer ausspioniert und kaltgestellt
Die Führungsspitze von VW ist offensichtlich nicht bereit, ihre skandalösen Machenschaften aufzugeben, mit denen sie ihre Profit- und Machtinteressen durchsetzen wil.

Von ba
Montag,  16.04.2018,  13:30 Uhr

Der neue VW-Vorstandsvorsitzende Herbert Diess will die VW-Spitze als saubere Truppe verkaufen. In der Belegschaft ist er aber schon dafür verrufen, rücksichtlos Arbeitsplätze zu vernichten, um VW noch profitabler zu machen. Und - welch Zufall - die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt schon gegen ihn wegen des Verdachts der Marktmanipulation.

 Die geschassten Führungskräfte haben dagegen ihre Schuldigkeit getan – und können gehen: Vorstandschef Matthias Müller mit einer Betriebsrente von 3.600 Euro - am Tag! Und der ausgetauschte Einkaufschef García Sanz bekommt die „Kleinigkeit“ von 2.990 Euro Betriebsrente, ebenfalls pro Tag.

 Mit welcher unverfrorenen Dreistigkeit VW dabei vorgeht, zeigt der am Wochenende bekannt gewordene Vorgang um den Zulieferer Prevent. Die VW-Spitze ließ die Firma seit März 2017 von Privatdetektiven der Kanzlei Hogan ausspionieren. Dazu wurden 37 ihrer Führungskräfte und zum Teil deren Familien beschattet.

Mit dem "Projekt Herzog" genannten Vorgehen wollte die VW-Spitze offenbar Schwachstellen bei Prevent aufspüren, um diese aufmüpfige Zuliefererfirma maßregeln zu können. Im August 2016 hatte ein Lieferstopp von Sitzbezügen und Gussteilen für Getriebe durch zwei in der Prevent-Gruppe zusammengeschlossene Automobilzulieferer den VW-Konzern rund 100 Millionen Euro gekostet.

 Das sächsische mittelständische Unternehmen CarTrim und sein Schwesterunternehmen ES Autoguss hatten die fristlose Kündigung eines Großauftrags durch VW und Porsche im Umfang von 56 Millionen Euro ohne Schadensersatzleistungen nicht akzeptiert.

Normalerweise hat ein Zulieferer gegenüber einem Übermonopol wie VW kaum Druckmittel. Für jedes Teil gibt es mindestens zwei Lieferanten. Diese werden gnadenlos gegeneinander ausgespielt und in den Würgegriff genommen. Die Zulieferer wälzen den Druck des Übermonopols auf ihre Belegschaften ab und versuchen dort die Ausbeutung zu steigern.

 Die Prevent-Gruppe war aber damals im Bereich Getriebeteile vorübergehend der einzige Zulieferer von VW. Der Lieferstopp brachte VW deshalb in eine Zwickmühle. Auch Drohungen mit Geld- und Gefängnisstrafen sowie mit Polizeieinsatz nutzten nichts.

 So musste die VW-Spitze Zugeständnisse machen. Sie schloss einen langfristigen Liefervertrag mit ES Autoguss ab. Außerdem musste VW 13 Millionen Euro an CarTrim zahlen und seinerseits auf Schadensersatzforderungen verzichten. Nach dem anfänglich martialischen Auftreten musste der Konzern also recht kleinlaut zurückrudern.

VW-Spitze spionierte Zulieferer auf Struktur und Netzwerke aus
Das wollte VW auf keinen Fall auf sich sitzen lassen. Ein VW-Sprecher erklärte dazu laut Bild am Sonntag jetzt: "Wir haben in der damaligen Ausnahmesituation, in der uns Prevent durch unrechtmäßige Lieferstopps in eine Zwangslage gebracht hatte, Recherchen über die Gruppe in Auftrag gegeben, insbesondere um mehr Transparenz über deren Strukturen und Netzwerk zu bekommen.“ Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

 Nun hat VW kurz vor den Osterfeiertagen wieder kurzfristig und rechtlich fragwürdig vertraglich vereinbarte Lieferungen von allen Prevent-Firmen gekündigt. Die Prevent-Tochter Foamtec aus Stendal muss deshalb schließen. Das "Projekt Herzog" hatte unter anderem zum Ziel, einen alternativen Zulieferer zu Prevent "aufzubauen". Das scheint jetzt offenbar gelungen.

 Die bürgerlichen Politiker wie der damalige niedersächsischen Regierungschef Stephan Weil (SPD) und rechte Gewerkschaftsführer wie der Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende Bernd Osterloh blamierten sich damals mit ihrer Zustimmung zur Erpressungspolitik von VW gegenüber Prevent. Osterloh bejubelt auch jetzt wieder den Umbau der Führungsspitze. Gunnar Kilian, bisher Generalsekretär im Betriebsrat, wird für diese „Vasallentreue“ der Betriebsratsspitze nun mit dem Posten des Personalvorstands belohnt.

Der Wechsel des Vorstandsvorsitzenden von VW und die weiteren personellen Umbauten ändern nichts an den skandalösen und kriminellen Machenschaften dieses Übermonopols. Sie müssen weiter vollständig aufgedeckt und bestraft werden. Die Belegschaft wird sicher auch die „Großzügigkeit“ der Führungskräfte untereinander richtig zu würdigen wissen.

 Auch wenn es sich um eine Auseinandersetzung zwischen Kapitalisten um den größeren Anteil an der Ausbeutung handelte, wurde im Zusammenhang mit dem Zulieferstopp durch Prevent deutlich: Die internationalisierte, hoch arbeitsteilige Produktion ist äußerst störanfällig. Erst recht gilt das für Kämpfe der Belegschaften.

 Jeder Streik, selbst von Teilen der Belegschaft, kann eine enorme Kraft entfalten und starken Druck auf die Chefetagen von Übermonopolen ausüben. Für die Arbeiterklasse ist der Zusammenschluss der Belegschaften der Übermonopole und Zulieferer gegen die Kapitalisten die entscheidende Perspektive.

Quelle

https://www.rf-news.de/2018/kw16/aufmuepfige-zulieferer-ausspioniert-und-teilweise-kalt-gestellt-1 (https://www.rf-news.de/2018/kw16/aufmuepfige-zulieferer-ausspioniert-und-teilweise-kalt-gestellt-1)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 23. April 2018, 23:06:35
Der ehrgeizige Frank Patta, der sich u.a. auch so sehr für die Leiharbeiter in China eingesetzt hatte, ist zurückgetreten. Grund scheint wohl zu sein, dass die konzerneigenen Gewerkschaftsstrukturen gerade zerschlagen werden. Beides ist irgendwie gut:

Zitat
23.4.18
Pattas Rücktritt wirft viele Fragen auf

Karriere des VW-Generalsekretärs endet in der Sackgasse.

Allen offiziellen Erklärungsversuchen zum Trotz wirft der Rückzug von Frank Patta viele Fragen auf. Der zurückgetretene Generalsekretär des Europäischen- und Weltkonzernbetriebsrates (EKBR/WKBR) und des Ausschusses der Marke Volkswagen hat ihn Ende vergangener Woche in einem Schreiben an die Kollegen aus seiner Sicht erläutert. Darin äußert er zwar Zustimmung zu den Argumenten der Wolfsburger Betriebsratsspitze, warnt aber auch vor möglichen Folgen.

Die Stärkung der Betriebsratsarbeit in Wolfsburg trage er mit, so Patta in seinem Schreiben. Allerdings verwundert es schon, dass ausgerechnet Pattas sogenanntes „internationales Betriebsratsmandat“ nun wegfällt und stattdessen für die Arbeit im Betrieb genutzt werden soll. Denn ohne dieses Mandat könne er gar nicht in die Gremien von EKBR/WKBR gewählt werden, wie er erläutert. Er entschied sich, den Posten des Generalsekretärs aufzugeben und fortan als einfaches Betriebsratsmitglied an der Basis zu wirken. Wer den sehr ehrgeizigen Patta ein wenig kennt, mag an diese Interpretation nicht so recht glauben.

Betriebsratschef Bernd Osterloh erklärt das interne Vorgehen so: „Ein Ergebnis der Belegschaftsbefragung war, dass sich die Kolleginnen und Kollegen vor Ort mehr Betreuung wünschen. Diesen Wunsch nehmen wir jetzt konsequent auf.“ Patta spricht in seinem Schreiben vieldeutig von „die Ereignisse der letzten Zeit, insbesondere die Geschehnisse der letzten Woche“, hätten ihn zu seinem Schritt veranlasst. Nähere Erläuterungen liefert er nicht.

Prinzipiell sei es richtig, die Strukturen an die veränderten Zuschnitte im Volkswagen-Konzern anzupassen, so Patta in seinem Schreiben. Dadurch aber, „laufen wir Gefahr, mittelfristig den Zusammenhalt im EKBR/WKBR durch die weitere Zersplitterung des Konzerns in einzelne Markengruppen, Geschäftsfelder und Holdingstrukturen zu verlieren. Die jüngst beschlossene Umstrukturierung des Konzerns erhöht dieses Risiko und den daraus resultierenden Handlungsdruck für meinen Nachfolger/in und des EKBR/WKBR“.
https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article214103133/Pattas-Ruecktritt-wirft-viele-Fragen-auf.html (https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article214103133/Pattas-Ruecktritt-wirft-viele-Fragen-auf.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 04. Mai 2018, 08:37:59
Zitat
US-Justiz klagt Ex-VW-Chef Martin Winterkorn an

Die USA weiten ihre strafrechtlichen Ermittlungen gegen VW-Mitarbeiter in der Dieselgate-Affäre aus. Nun ist auch der langjährige Konzernchef Martin Winterkorn unter den Beschuldigten.
http://www.fr.de/wirtschaft/abgas-skandal-us-justiz-klagt-ex-vw-chef-martin-winterkorn-an-a-1499450 (http://www.fr.de/wirtschaft/abgas-skandal-us-justiz-klagt-ex-vw-chef-martin-winterkorn-an-a-1499450)

Uns ist es schon lange klar, was für ein kriminelles Pack an der Spitze der Autokonzerne sitzt. Hier setzt sich nicht der "Rechtsstaat" durch. Die deutsche Justiz hat schon immer weggeschaut bei den Rechtsbrüchen der deutschen Konzerne. Der amerikanische Vorstoß ist wohl weniger dem Rechtsempfinden geschuldet, denn dem Konkurenzkampf zwischen der US Autoindustrie und der deutschen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 06. Mai 2018, 09:52:20
Zitat
VW prüft Schadenersatzansprüche gegen Winterkorn

Wolfsburg (dpa) - Im Abgasskandal hat die US-Justiz Martin Winterkorn angeklagt. Nun prüft der VW-Aufsichtsrat auch Schadenersatzansprüche gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden. «Die Prüfung dauert seit längerer Zeit an und wird unabhängig von behördlichen Verfahren durchgeführt», sagte Aufsichtsratssprecher Michael Brendel auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» berichtet mit Blick auf mögliche Schadenersatzforderungen, dass Winterkorn der Ruin drohe. Sein Vermögen könnte im Extremfall komplett weg sein.


Quelle: http://www.faz.net/agenturmeldungen/dpa/vw-prueft-schadenersatzansprueche-gegen-winterkorn-15576502.html (http://www.faz.net/agenturmeldungen/dpa/vw-prueft-schadenersatzansprueche-gegen-winterkorn-15576502.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Onkel Tom am 07. Mai 2018, 06:09:28
Eine ähnliche Info habe ich aus der Glotze erfahren.. Ich hoffe sehr, das
Winterkorn sein "komplettes Vermögen" verliert..

Daumendrück, Händereib und übermäßiges Verlangen dannach, Gierlappen
in den Abgrund stürzen zu sehen.. Ob er dann zur Grusi muss ?
 ::)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: dagobert am 07. Mai 2018, 11:47:23
Eine ähnliche Info habe ich aus der Glotze erfahren.. Ich hoffe sehr, das Winterkorn sein "komplettes Vermögen" verliert..
Das wird nicht passieren.
Allenfalls eine kleine Forderung als Leckerli für die Öffentlichkeit.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 01. Juni 2018, 20:25:17
Den Medien war es bisher keine Zeile wert:

Ein Leiharbeiter des VW Werks Changchun (China) sitzt seit einem Jahr im Knast, weil er den Konzern aufgefordert hat, sich an das geltende Arbeitsrecht zu halten.

Um das mediale Schweigen zu durchbrechen, haben wir eine Protestaktion am VW Werk in Hannover durchgeführt (denn in dem Werk gab es im vergangenen Jahr ebenfalls Leiharbeiterproteste).

(https://abload.de/img/schuetzenfest2jsxe.jpg)

Weitere Infos zu der Aktion:
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=329255.0 (http://www.chefduzen.de/index.php?topic=329255.0)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 01. Juni 2018, 20:53:22
Eigentlich auch keine Meldung wert:
Zitat
31.5.18
Vom Auswärtigen Amt zu VW
...Ein führender VW-Mitarbeiter ist zugleich Beamter im Auswärtigen Amt - wenn auch beurlaubt...Denn der Leiter der VW-Abteilung "Internationale und Europäische Politik", Jens Hanefeld, ist zugleich Beamter des Auswärtigen Amtes..."Es ist auch ein Instrument, um das Kennenlernen zwischen wirtschaftlichem und ministeriellem Tätigwerden zu regeln. Und das ist eigentlich auch in diesem Fall der Fall."...

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/vw-lobbyismus-politik-101.html (http://www.tagesschau.de/wirtschaft/vw-lobbyismus-politik-101.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 02. Juni 2018, 18:05:35
Zitat
Volkswagen plant drei neue Werke in China

Der VW-Konzern weitet seine Kapazitäten in China aus. In drei neuen Fabriken sollen vor allem große SUVs gebaut werden. Für die Zukunft ist die Produktion von Elektroautos geplant.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/volkswagen-in-china-drei-neue-werke-geplant-a-1210877.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/volkswagen-in-china-drei-neue-werke-geplant-a-1210877.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 19. Juni 2018, 18:49:34
In der englischen Wikipedia wird der Kampf der Leiharbeiter bei FAW-Volkswagen recht ausführlich beschrieben:
https://en.wikipedia.org/wiki/FAW-Volkswagen

Nicht schlecht, leider fehlt die aktuelle Entwicklung und die IGM kommt noch zu gut weg.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 19. Juni 2018, 22:24:12
Hier ein geistesgetörtes Werbefilmchen von Schnellecke Logistics AG & Co. KG:
https://www.youtube.com/watch?v=B463P81b1Pc (https://www.youtube.com/watch?v=B463P81b1Pc)

Das als in diesem Clip bezeichnete Familienunternehmen ist ein hochgradig verfilztes und korrumpiertes Unternehmen, das überall dort, wo auch Volkswagen seine dreckigen Finger im Spiel hat, ordentlich mitmacht und teilweise sogar als Vorhut voranschreitet. Das ist kein flockiges "Familienunternehmen".

Der Schöpfer dieser Unternehmenstruktur erdreistete sich schon in den 70ern, als speichelleckerisches Subjekt in die Arbeiterschaft einzugreifen, indem er sich als wohlgefälliger Disputant und rätselhafter Schwammkopf andiente. Der Lohn war letztendlich ein Job als Oberfuzzi von Wolfsburg (zu mehr hat es nicht gereicht, aber reicht ja auch).

Wer sich über Volkswagen informieren will, sollte nicht die ganzen ekligen Zulieferer vergessen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 29. Juni 2018, 18:32:04
Zitat
29.6.18
Seit 80 Jahren fest verwoben mit VW

In Wolfsburg wird an diesem Wochenende gefeiert: Die VW-Stadt wird 80. Mit viel Musik und Show setzt sich der Konzern in Szene. Doch dass Tausende Zwangsarbeiter bis 1945 in Wolfsburg ausgebeutet wurden, kommt kaum zur Sprache, kritisieren Historiker.
(...)
"Was feiert man in Wolfsburg ... die Zukunft? Fällt mir nix drauf ein, was die hier feiern! Ich meine - ich bin im Grunde Wolfsburger, ich wohne 75 Jahre hier, ich habe das ja alles mitgemacht, den ganzen Aufbau alles und war 45 Jahre bei VW. Aber wenn Sie mich über die Zukunft fragen ..."
(...)
"Wenn man sich jetzt die 80-Jahr-Feier anschaut, dann ist das alles sehr 'hochglanzausgestattet', und die Erinnerungen an die historisch entscheidenden Gründungsjahre, die werden immer zurückgestellt. Ich fände es besser, die Stadt würde offen damit umgehen, es einfach nennen, und dann ist das für jeden klar. Und man muss das nicht immer verstecken."

Es wird aber versteckt - und das sei eigentlich ein Armutszeugnis für eine Stadt wie Wolfsburg, meint der ehemalige VW-Chefhistoriker Manfred Grieger. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte dürfe doch auch bei einer Geburtstagsfeier nicht einfach ausgeblendet werden.

"Naja, ich denke, es geht um dieses Nachdenken darüber, wie sich Geschichte, oder meinetwegen unliebsame Aspekte der eigenen Geschichte, integrieren lassen. Es sieht ja so aus, als hätte es gar kein Bemühen gegeben, diese Thematik überhaupt einzubinden - weil ja der Blick auf die Zukunft gerichtet ist, in der ja dann, wenn ich die Verlautbarungen richtig verstehe, alles gut sein wird, weil ... digital."
https://www.deutschlandfunk.de/wolfsburg-seit-80-jahren-fest-verwoben-mit-vw.769.de.html?dram:article_id=421675 (https://www.deutschlandfunk.de/wolfsburg-seit-80-jahren-fest-verwoben-mit-vw.769.de.html?dram:article_id=421675)

Ein wenig Einfühlsamkeit kam dann doch noch beim Empfang:
Zitat
29.6.18
(...)
Auch Herbert Diess bekannte sich zur „dunklen Vergangenheit“ sowie zu den „schmerzhaften Erfahrungen“ im Dieselskandal: „Wir sind immer noch damit beschäftigt, die Folgen auf- und abzuarbeiten“, sagte der VW-Vorstandsvorsitzende. Dazu gehöre „eine neue, offenere und ehrlichere Führungskultur mit neuen technologischen Schwerpunkten und Kompetenzen“.
(...)
https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/article214726609/Wir-werden-die-Innenstadt-neu-erfinden.html (https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/article214726609/Wir-werden-die-Innenstadt-neu-erfinden.html)

An offener und ehrlicher Führerkultur hat es noch nie gemangelt.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Gino am 04. Juli 2018, 01:40:21
Zitat
Auch Herbert Diess bekannte sich zur „dunklen Vergangenheit“ sowie zu den „schmerzhaften Erfahrungen“ im Dieselskandal: „Wir sind immer noch damit beschäftigt, die Folgen auf- und abzuarbeiten“, sagte der VW-Vorstandsvorsitzende. Dazu gehöre „eine neue, offenere und ehrlichere Führungskultur mit neuen technologischen Schwerpunkten und Kompetenzen“.

Aber nur mit den gleichen Leuten, oder zumindest Leuten die genauso brav zu allem klatschen. 


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 11. Juli 2018, 21:14:16
Zitat
12.7.18
Im Dienst der Konzerne
Medien werden immer mehr zu PR-Maschinen von Unternehmen. Jüngstes Beispiel: VW und die Braunschweiger Zeitung
(...)
Die BZ spart sich kritische Blicke auf den größten Arbeitgeber der Region schon länger.
(...)
https://www.jungewelt.de/artikel/335851.im-dienst-der-konzerne.html (https://www.jungewelt.de/artikel/335851.im-dienst-der-konzerne.html)

Ei, wer hätte gedacht, dass die Regionalzeitungen von Volkswagen abhängig sind? Alles so weit richtig. Das ist schon mal einen Artikel in der Jungen Welt wert. Fairerweise sollte man auch erwähnen, dass wenn überhaupt, es die zur BZ gehörende Wolfsburger Nachrichten sind, die ab und an mal tatsächlich kritisch über VW berichten, allerdings eher durch die Blume.

Zitat
Was die Zeitung hier abgeliefert hat, ist nur ein besonders groteskes Beispiel für die Bedienung kommerzieller Interessen trotz publizistischen Auftrages in deutschen Verlagen. Angesichts der täglichen Praxis der Konzernmedien ist die Ziffer sieben des Pressekodexes des Deutsches Presserates längst zur Lachnummer verkommen. Dort heißt es: »Die Verantwortung der Presse gegenüber der Öffentlichkeit gebietet, dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private oder geschäftliche Interessen Dritter oder durch persönliche wirtschaftliche Interessen der Journalistinnen und Journalisten beeinflusst werden.« Verleger und Redakteure hätten »derartige Versuche« abzuwehren und »bei Veröffentlichungen, die ein Eigeninteresse des Verlages betreffen«, dies kenntlich zu machen.

Ach was...


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Onkel Tom am 12. Juli 2018, 15:30:27
Huch, den Punkt 7 im Pressecodex kannte ich noch nicht..

Das sollten sich unter anderem die Verlage und Jornalisten noch mal zu Augen
führen, die meinen, durch ihre Arbeit ständig dem "Staat" in den Anus schlüpfen
zu wollen..

 ::)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 16. Juli 2018, 10:33:13
(http://www.schattenblick.de/infopool/d-brille/report/dbrb0077/p1160043.jpg)

In einer Rezension des Buches "Arbeitskämpfe in Chinas Autofabriken" fand auch die Aktion vor dem VW-Werk Hannover eine kurze Erwähnung in der knappen Beschreibung des Kampfes der Leiharbeiter in Changchun:
Zitat
Es wurden Flugblätter angefertigt, Demonstrationen durchgeführt und Kundgebungen abgehalten. Verhandlungen mit FAW-Volkswagen führten jedoch zu keinem Ergebnis. Im Mai 2017 wurden mehrere AktivistInnen von der örtlichen Polizei unter dem Vorwurf festgenommen, zu sozialen Unruhen anzustiften. Sie schrieben an den VW-Konzern in Wolfsburg, an den Betriebsrat wie auch an Ralf Ruckus, der die Schreiben übersetzte. Dann kam erst einmal lange keine Antwort, bis schließlich zwei Betriebsräte des europäischen und des Weltbetriebsrats von VW, darunter der berüchtigte Bernd Osterloh - medial bekannt geworden für seine sechsstelligen Einkünfte als Betriebsrat - zurückschrieben, wir können euch leider nicht helfen, richtet euch doch an das lokale Unternehmen und die Behörden. Daraufhin postete einer der Leiharbeiter online: "Den Deutschen ist es egal. Wir müssen selber kämpfen!" Ende des Jahres 2017 übernahm FAW-Volkswagen die meisten LeiharbeiterInnen als direkt Beschäftigte, zahlte aber keine Entschädigung für die Zeit vorher. Dabei ging es teilweise um fünfstellige Euro-Summen, weil die Betreffenden jahrelang für den halben Lohn gearbeitet hatten. Einer der Aktivisten sitzt nun schon ein Jahr im Gefängnis, es gab kürzlich eine kleine Protestaktion vor dem VW-Werk in Hannover, um Unterstützung für seine Freilassung zu erwirken.


Diese Buchbesprechung gibt viele Einlicke in die chineschen Verhältnisse:
Zitat
China hat 1994/95 das deutsche Arbeitsrecht weitgehend übernommen, so daß die meisten rechtlichen Bedingungen ähnlich wie in Deutschland sind. Ein Unterschied ist jedoch, daß die meisten Gesetze in China eher also grobe Empfehlung verstanden werden, und dies nicht nur von den Unternehmern, sondern auch von den Beschäftigten. In der Realität leisten die meisten mehr als die offiziell vorgesehenen 36 Überstunden im Monat, und vor einigen Jahren haben viele sieben Tage die Woche gearbeitet, während es jetzt sechs sind. Auch gibt es sehr große regionale Unterschiede vor allem bei den Löhnen. In manchen Provinzen Zentralchinas verdienen die Leute nur halb so viel wie an der Küste, die Unterschiede im BIP sind so groß wie zwischen der Ukraine und der Schweiz.


Ich kann die Lektüre dieser ausführlichen Besprechung nur empfehlen:
http://www.schattenblick.de/infopool/d-brille/report/dbrb0077.html (http://www.schattenblick.de/infopool/d-brille/report/dbrb0077.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 21. Juli 2018, 17:34:18
Seit kurzem gibt es nun auch in Ruanda ein kleines Volkswagenwerk. Die dort zusammegebauten Autos sind unbezahlbar, darum geht es aber auch gar nicht. Volkswagen will laut Eigenaussage in Ruanda Mobilität verkaufen und vor allem neue Konzepte testen. Volkswagen hat dafür die Exklusivrechte erhalten, zum Beispiel wird Uber nicht in Ruanda zugelassen.
Das alles und mehr wird in einem Artikel der CDU-Parteizeitung taz wohlwollend beschrieben:
https://www.taz.de/VW-eroeffnet-Werk-in-Kigali/ (https://www.taz.de/VW-eroeffnet-Werk-in-Kigali/)!5513939/

Ein kanadischer Professor und ehemaliger Berater Kagames sieht diese „fruchtbare“ Entwicklung etwas anders:

President Paul Kagame gave Rwanda to Volkswagen. Volkswagen will run Rwanda as taxi business. Volkswagen will own all cars and even hire drivers. (…) Very simply, Kagame gave Rwanda to Volkswagen to run a monopoly Uber type of scheme. Volkswagen will even employ the drivers, unlike Uber. Kagame threw over 500 Rwandan small businesses which run taxis under the bus. In Rwanda, each income earner supports eight dependents – meaning that Volkswagen is sending 4,000 people into poverty. Rwanda belongs to Volkswagen. Two questions remain unanswered: What is the kickback to Kagame? Is Kagame’s business empire, Crystal Ventures Ltd. somewhere in the background?
https://medium.com/@david.himbara_27884/kagame-gave-rwanda-to-volkswagen-a4993b464e68 (https://medium.com/@david.himbara_27884/kagame-gave-rwanda-to-volkswagen-a4993b464e68)

Ein korrupter und despotischer Präsident hat das kleine Land an Volkswagen verkauft und Volkswagen kann nun machen, was es will.

Ein weiterer Grund für das preiswerte Engagement von Volkswagen in Ruanda, das schon einmal von der deutschen Kolonialmacht „profitieren“ durfte, könnte die Nähe zu den ostkongolesischen Konfliktgebieten sein, in denen die Konfliktmineralien abgebaut werden, die für die E-Mobilitätsoffensive überlebensnotwendig sind. Eigentlich ist es sogar sehr wahrscheinlich, da laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe eine 100%ige Unbedenklichkeit sowieso nicht geliefert werden kann und man deshalb tricksen muss, um die Spuren von Kinderarbeit und Ausbeutung zu verwischen. Da können die ruandischen Einflussmöglichkeiten nur nützlich sein.

Zu Ruanda:
Zitat
(...) Human Rights Watch überwacht die menschenrechtliche Situation in Ruanda bereits seit über 20 Jahren und beschreibt Folter und Misshandlung und die Straflosigkeit dieser menschenrechtlichen Vergehen als dauerhafte Probleme. Zwischen 2010 und 2016 seien unzählige, scheinbar gegen den Staat agierende Menschen unrechtmäßig verhaftet und während ihrer Haft durch Militärs oder Geheimdienstmitarbeiter gefoltert und misshandelt worden. (...)

https://oenz.de/ruanda/submission-committee-against-torture-rwanda (https://oenz.de/ruanda/submission-committee-against-torture-rwanda)

Bitterer Standpunkt zu den Präsidentschaftswahlen 2017:
https://oenz.de/sites/default/files/oenz-standpunkt_praesidentschaftswahl_in_ruanda_0.pdf (https://oenz.de/sites/default/files/oenz-standpunkt_praesidentschaftswahl_in_ruanda_0.pdf)

Propagandaartikel auf einer geisteskranken Seite von einem scheinbar geisteskranken Ex-Botschafter:
Zitat
...Paul Kagame sieht in Singapur sein Vorbild. All die Erfolge, die sich Singapur zugutehält – die fehlende Korruption, effiziente Bürokratie und Wirtschaft, Schutz der Umwelt – gehören auch zu den Zielen der Regierung Ruandas. Der Präsident schuf eine Leistungsgesellschaft, eine funktionierende Verwaltung und damit eine höhere Lebensqualität....
Nur einige notorisch-besserwisserische Kolumnisten versuchen die Politik des „aufgeklärten Autokraten“ Paul Kagame international herabzuwürdigen und relativieren die wirtschaftlichen und sozialen Erfolge in Ruanda.
...Es fehlen grundlegende Freiheiten wie Presse- oder Versammlungsfreiheit. Auch gibt es keine offizielle Opposition. Aber das Positive überwiegt doch gewaltig...

https://www.achgut.com/artikel/ruanda_ein_leuchturm_fuer_ein_afrika (https://www.achgut.com/artikel/ruanda_ein_leuchturm_fuer_ein_afrika)

Zur angeblichen Korruptionsfreiheit:
http://www.therwandan.com/kagames-global-tour-continues-kagame-and-crystal-ventures-laughing-to-the-bank/ (http://www.therwandan.com/kagames-global-tour-continues-kagame-and-crystal-ventures-laughing-to-the-bank/)

Zu den blühenden Landschaften:
https://qz.com/327694/why-i-quit-as-rwandan-president-paul-kagames-economic-advisor-tyranny-and-lies/ (https://qz.com/327694/why-i-quit-as-rwandan-president-paul-kagames-economic-advisor-tyranny-and-lies/)

Soll sich doch jeder selber ein Bild machen, aber irgendetwas stimmt da nicht.

(https://abload.de/img/kagamenwenx.png) (https://abload.de/image.php?img=kagamenwenx.png)

Die ganze Region ist so konfliktbeladen, dass für Außenstehende eine realistische Einschätzung kaum möglich ist.





Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 29. Juli 2018, 07:24:33
Neues von der VW Mafia:

Zitat
Ermittlungen gegen Winterkorn wegen angeblicher Steuerstraftaten

Gegen den früheren VW-Vorstandschef Winterkorn wird nun offenbar auch wegen des Verdachts auf Steuerstraftaten ermittelt.


Wie die Zeitung "Bild am Sonntag" unter Berufung auf entsprechende Akten der Staatsanwaltschaft Braunschweig berichtet, geht es dabei um Überweisungen in Höhe von rund zehn Millionen Euro auf Schweizer Konten während der vergangenen beiden Jahre. Dafür fällige Steuern sollen nicht bezahlt worden sein. Winterkorns Anwalt wies das zurück.

Gegen Winterkorn wird bereits wegen des Dieselskandals bei Volkswagen ermittelt. Falls ihm in diesem Zusammenhang Pflichtverletzungen nachgewiesen werden können, müsste er möglicherweise auch mit seinem Privatvermögen für entstandene Schäden haften.
https://www.deutschlandfunk.de/zeitungsbericht-ermittlungen-gegen-winterkorn-wegen.2932.de.html?drn:news_id=908456 (https://www.deutschlandfunk.de/zeitungsbericht-ermittlungen-gegen-winterkorn-wegen.2932.de.html?drn:news_id=908456)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 08. August 2018, 13:29:45
Zitat
VW in China
Wegen Lohnprotestes in Haft

Fu Tianbo war Leiharbeiter von Volkswagen in China. Dann setzte er sich für faire Bezahlung ein. Das hatte zwar Erfolg, doch Fu sitzt für seinen Protest nun im Gefängnis.


([url]http://static2.fr.de/storage/image/4/8/4/7/1127484_928x522-1392w_1rqpkI_6ywiGr.jpg[/url])
Demonstration für den Leiharbeiter Fu Tianbo vor dem VW-Werk in Emden. Foto: Karsten Weber/Labournet

Wie viel Einfluss hat der Volkswagen-Konzern auf seinen chinesischen Partner FAW? Wofür sind die Manager bereit, sich mit den Machthabern in China anzulegen, dem profitabelsten Automarkt der Welt? Die Freiheit eines einzelnen Leiharbeiters ist hier offenbar kein größeres Engagement wert. Fu Tianbo ist jedenfalls immer noch in Haft. Der einfache Arbeiter hatte es im vergangenen Jahr gewagt, einen Protest für gleiche Bezahlung zu organisieren. Die Polizei nahm ihn fest und verhörte ihn zunächst auf dem Werksgelände, bevor sie ihn mitnahm und in eine Zelle steckte. Seitdem bangen seine Kollegen und seine Familie um sein Schicksal.

Der Fall Fu Tianbo ist typisch für die Lage in China. Die Machthaber dort hassen Lohnproteste und freie Gewerkschaften. Sie lassen nur eine Form der Arbeitervertretung zu: die Gesamtchinesischen Generalgewerkschaften unter dem Dach der Kommunistischen Partei Chinas (KPCH). Diese Megagewerkschaft hat mehr als 130 Millionen Mitglieder und ist vom Staat gesteuert. Im realen Sozialismus sei weiterer Schutz der Arbeiter überflüssig, behauptet die Partei. Schließlich regiere ja bereits das Proletariat. Doch die KPCH ist längst eine Organisation der Bosse. Wer höheren Lohn fordert, wer gar Kritik am Management übt, stört das System. Und macht sich strafbar.

VW hält sich für machtlos

Fu Tianbo war Leiharbeiter, also von einer Drittfirma an seinen Arbeitsplatz entsandt. Diese Beschäftigungsverhältnisse gelten überall auf der Welt als besonders unsicher. Auch in der nordostchinesischen Stadt Changchun – und auch bei der Firma FAW-VW, einem Gemeinschaftsunternehmen des Volkswagen-Konzerns mit dem chinesischen Staatsbetrieb FAW. VW gehören 40 Prozent daran, FAW 60 Prozent – das Unternehmen ist also chinesisch dominiert und spielt nach chinesischen Regeln. Gemeinsam bauten VW und FAW eines der größten Autowerke der Welt auf.

Die Stadt Changchun ist ein Moloch, eine wahre Industriehochburg. Am Stadtrand rosten Ruinen der schmutzigen Schwerindustrie aus der Mao-Zeit vor sich hin. Die Stadt ist immer noch viel zu häufig in Smog gehüllt. Hier liegt seit 1955 der Sitz von First Auto Works, dem ersten Kraftfahrzeugkombinat der Volksrepublik China. Damals rollten die ersten Modelle der robusten Lastwagen, die zu den Arbeitspferden der chinesischen Entwicklung wurden, vom Band.

Sechzig Jahre später geht es FAW weiterhin gut. Eigentlich ein verkrusteter Staatsbetrieb, ist das Unternehmen zugleich ein Massenhersteller beliebter Autos. Dank VW. Denn die Deutschen produzieren in Changchun zusammen mit FAW den Golf, den Audi A3 und viele andere beliebte Modelle. Für beide Seiten ist die Fabrik eine Goldgrube.

Fu Tianbo und die anderen Leiharbeiter waren überzeugt, dass ihr Protest gleich mehrfach gerechtfertigt sei. Sie stellten fest, dass sie nur ungefähr die Hälfte des Stundenlohns der regulären Belegschaft erhielten. Doch sowohl das ab 2016 geänderte chinesische Arbeitsrecht als auch die „Charta der Zeitarbeit im Volkswagen-Konzern“ sehen im Wesentlichen gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit vor.

Doch das ist nur Theorie. Wenn ein Arbeitskampf den mächtigen Funktionären der Staatsbetriebe nicht passt, dann sitzen sie am längeren Hebel. Fu und seine Kollegen verhandelten sieben Runden lang mit dem Management und zogen sogar vor Gericht – vergeblich. Dann organisierten sie einen Protest vor dem Werkstor.

Wenig später folgte Fus Festnahme. Der konkrete Vorwurf lautet „Störung der öffentlichen Ordnung“ – ein Vergehen, das die Staatsmacht bemüht, wenn sie gegen Demonstranten vorgeht. Dennoch handelt es sich um eine konkrete Straftat nach chinesischem Recht. „Da es sich um den Vorwurf der Störung der öffentlichen Ordnung handelt, hat Volkswagen leider keine Möglichkeit, sich hier aktiv für den Arbeiter der Leiharbeitsfirma einzusetzen“, teilt ein VW-Sprecher der Frankfurter Rundschau mit. Nach der Festnahme von Fu hat Volkswagen zwar reagiert und die betroffenen Leiharbeiter zu fairem Lohn fest einstellen lassen. Doch für Fu konnte das Unternehmen angeblich nichts mehr tun.

Fus Fall ist nicht vergessen

Doch sein Fall ist nicht vergessen: 2500 Kilometer weiter südlich, in der Handelsstadt Hongkong, bangt ein anderer Arbeiteraktivist um Fus Schicksal. Han Dongfang ist 55 Jahre alt und leitet dort die Organisation China Labour Bulletin, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Volksrepublik stark macht. Als 26-jähriger Arbeiter hatte Han es schon im Jahr 1989 gewagt, eine freie Gewerkschaft zu gründen und auf bessere Bezahlung zu pochen.

Seine Gruppe marschierte bei den Tiananmen-Protesten mit – und fand sich nach deren blutiger Niederschlagung in der Rolle verfolgter Staatsfeinde wieder. „Der Fall Fu Tianbo ähnelt meinem insofern, als wir beide Arbeiter in großen Staatsbetrieben waren“, sagt Han. „Und die Arbeiter im Nordwesten haben weiterhin eine starke Identität als Arbeiterklasse, so wie wir sie damals hatten.“ Doch die Verhaftung Fus sei deutlich ungerechter. „Wir hatten damals durchaus politische Ambitionen, während es Fu und seinen Mitkämpfern wirklich nur um einen zum Leben ausreichenden Lohn geht.“

Han Dongfang appelliert an die für Volkswagen zuständigen Gewerkschaften und den Betriebsrat, sich weiterhin eindeutig für Fu einzusetzen. „Wir haben eine hochgradig verschränkte Weltwirtschaft, und was in Changchun passiert, tangiert auch die Anteilseigner des Volkswagen-Konzerns, darunter das Land Niedersachsen“, sagt der Hongkonger Aktivist. Eine Option könne sein, dass Betriebsratsvertreter darauf bestehen, Fu zu besuchen. „Es geht hier nicht um Politik“, betont Han. „Es geht aber um das Image von VW und das Wohlergehen seiner Mitarbeiter weltweit.“
http://www.fr.de/wirtschaft/vw-in-china-wegen-lohnprotestes-in-haft-a-1558610 (http://www.fr.de/wirtschaft/vw-in-china-wegen-lohnprotestes-in-haft-a-1558610)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Onkel Tom am 08. August 2018, 15:11:37
Na das hat ja lange gedauert, das sich die "Normalo-Presse" dafür interessiert.  ::)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 09. August 2018, 07:42:00
Ich finde den Bericht hervorragend!

Es ist gut den Konzern nicht nur wegen des "Dieselskandals" zu kritisieren.
Es ist wichtig, daß Fu Tianbo nicht vergessen wird.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 16. August 2018, 06:05:39
Fast wortgleicher FR-Artikel nun auch aus Augsburg:
Zitat
15.8.18
Herr Fu hofft auf Freiheit: Warum ein VW-Leiharbeiter in Haft sitzt

Fu Tianbo hat für das deutsch-chinesische Unternehmen FAW-VW gearbeitet. Mit seinen Kollegen forderte er mehr Lohn - und kam dafür ins Gefängnis.
(...)
https://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Herr-Fu-hofft-auf-Freiheit-Warum-ein-VW-Leiharbeiter-in-Haft-sitzt-id51933701.html (https://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Herr-Fu-hofft-auf-Freiheit-Warum-ein-VW-Leiharbeiter-in-Haft-sitzt-id51933701.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 21. August 2018, 12:52:29
Der Artikel ist nun in den Stuttgarter Nachrichten erschienen:

Zitat
„Wir haben eine hochgradig verschränkte Weltwirtschaft, und was in Changchun passiert, tangiert auch die Anteilseigner des Volkswagen-Konzerns, darunter das Land Niedersachsen“, sagt der Hongkonger Aktivist. Eine Option könne sein, dass Betriebsratsvertreter darauf bestehen, Fu zu besuchen.
https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.arbeitskampf-bei-vw-in-china-kampf-fuer-mehr-lohn-endet-im-gefaengnis.249b7d48-abc8-499f-88d1-4eaf365282ce.html (https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.arbeitskampf-bei-vw-in-china-kampf-fuer-mehr-lohn-endet-im-gefaengnis.249b7d48-abc8-499f-88d1-4eaf365282ce.html)

Das Erscheinen in einem Stuttgarter Blatt ist wichtig, da dort Daimler und Porsche produzieren. Die Diskussion unter Automobilarbeitern wird so weiter befeuert.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nikita am 21. August 2018, 14:32:58
Fullquot des Artikels:

(https://cdn1.stuttgarter-nachrichten.de/media.media.c0d12987-c1fc-43a2-90b0-f6e62de63ce6.normalized.jpg)
Zitat
Arbeitskampf bei VW in China
Kampf für mehr Lohn endet im Gefängnis
Von Finn Mayer-Kuckuk 20. August 2018 - 17:20 Uhr

Changchun - Wie viel Einfluss hat der Volkswagen-Konzern auf seinen chinesischen Partner FAW? Wofür sind die Manager bereit, sich mit den Machthabern in China anzulegen? Allem Anschein nach nicht für die Freiheit eines einzelnen Leiharbeiters. Fu Tianbo ist jedenfalls immer noch in Haft. Der Arbeiter hatte es im vergangenen Jahr gewagt, einen Protest für gleiche Bezahlung zu organisieren. Die Polizei nahm ihn fest und verhörte ihn zunächst auf dem Werkgelände, bevor sie ihn mitnahm und in eine Zelle sperrte. Seitdem bangen seine Kollegen und seine Familie um sein Schicksal.

Der Fall Fu Tianbo ist typisch für die Lage in China. Den Machthabern sind Lohnproteste und freie Gewerkschaften ein Dorn im Auge. Sie lassen nur eine Form der Arbeitervertretung zu: die Gesamtchinesischen Generalgewerkschaften unter dem Dach der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Diese Megagewerkschaft hat zwar über 303 Millionen Mitglieder, ist aber vom Staat gesteuert. Im realen Sozialismus sei weiterer Schutz der Arbeiter überflüssig, behauptet die Partei. Schließlich regiere ja bereits das Proletariat. Doch die KPCh ist längst eine Organisation der Bosse. Wer höheren Lohn fordert, wer gar Kritik am Management übt, stört das System und macht sich strafbar.

Fu Tianbo war von einer Drittfirma an seinen Arbeitsplatz entsandt
Fu Tianbo war Leiharbeiter, also von einer Drittfirma an seinen Arbeitsplatz entsandt. Diese Beschäftigungsverhältnisse gelten weltweit als besonders unsicher; auch in der nordostchinesischen Stadt Changchun – und auch bei der Firma FAW-VW, einem Gemeinschaftsunternehmen des Volkswagen-Konzerns mit dem chinesischen Staatsbetrieb First Auto Works, kurz FAW. VW gehören 40 Prozent daran, FAW 60 Prozent – das Unternehmen ist also chinesisch dominiert und spielt nach chinesischen Regeln. Dennoch bauten die beiden Firmen gemeinsam eines der größten Autowerke der Welt auf.

Changchun ist ein Indus­triemoloch. Am Stadtrand rosten Ruinen der schmutzigen Schwerindustrie aus der Mao-Zeit vor sich hin. Die Stadt ist meist in Smog gehüllt. Hier liegt seit 1955 der Sitz von FAW, dem ersten Kraftfahrzeugkombinat der Volksrepublik China. Damals rollten die ersten Modelle der robusten Lastwagen vom Band, die zu den Arbeitspferden der chinesischen Entwicklung wurden. Sechzig Jahre später geht es FAW weiterhin gut. Eigentlich ein verkrusteter Staatsbetrieb, ist das Unternehmen zugleich ein Massenhersteller beliebter Autos. Dank VW – denn die Deutschen produzieren in Changchun zusammen mit FAW den Golf, den Audi A3 und viele andere beliebte Modelle. Für beide Seiten ist die Fabrik äußerst lukrativ.

Der Vorwurf lautet „Störung der öffentlichen Ordnung“
Fu Tianbo und die anderen Leiharbeiter waren überzeugt, dass ihr Protest gleich mehrfach gerechtfertigt sei. Sie stellten fest, dass sie nur ungefähr die Hälfte des Stundenlohns der regulären Belegschaft erhielten. Doch sowohl das ab 2016 geänderte chinesische Arbeitsrecht als auch die Charta der Zeitarbeit im Volkswagen-Konzern sehen im Wesentlichen gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit vor.

Doch das ist alles nur Theorie. Wenn ein Arbeitskampf den mächtigen Funktionären der Staatsbetriebe nicht passt, dann sitzen sie am längeren Hebel. Fu und seine Kollegen verhandelten sieben Runden lang mit dem Management und zogen sogar vor Gericht – vergeblich. Dann organisierten sie einen Protest vor dem Werktor.

Wenig später folgte Fus Festnahme. Der konkrete Vorwurf lautet „Störung der öffentlichen Ordnung“ – ein Vergehen, das die Staatsmacht bemüht, wenn sie gegen Demonstranten vorgeht. Dennoch handelt es sich um eine konkrete Straftat nach chinesischem Recht. „Da es sich um den Vorwurf der Störung der öffentlichen Ordnung handelt, hat Volkswagen leider keine Möglichkeit, sich hier aktiv für den Arbeiter der Leiharbeitsfirma einzusetzen“, teilt ein VW-Sprecher unserer Zeitung mit. Nach der Festnahme hat VW zwar reagiert und die betroffenen Leiharbeiter zu fairem Lohn fest einstellen lassen, doch für Fu konnte das Unternehmen nichts mehr tun.

„Es geht aber um das Image von VW und das Wohlergehen seiner Mitarbeiter weltweit.“
Doch sein Fall ist nicht vergessen: 2500 Kilometer weiter südlich, in der Handelsstadt Hongkong, bangt ein anderer Arbeiteraktivist um Fus Schicksal. Han Dongfang ist 55 Jahre alt und leitet dort die Organisation China Labour Bulletin, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Volksrepublik starkmacht. Als 26-jähriger Arbeiter hatte Han es schon im Jahr 1989 gewagt, eine freie Gewerkschaft zu gründen und auf bessere Bezahlung zu pochen.

Seine Gruppe marschierte bei den Tiananmen-Protesten 1989 mit – und fand sich nach deren blutiger Niederschlagung in der Rolle verfolgter Staatsfeinde wieder. „Der Fall Fu Tianbo ähnelt meinem insofern, als wir beide Arbeiter in großen Staatsbetrieben waren“, sagt Han. „Und die Arbeiter im Nordosten haben weiterhin eine starke Identität als Arbeiterklasse, so wie wir sie damals hatten.“ Doch die Verhaftung Fus sei deutlich ungerechter. „Wir hatten damals durchaus politische Ambitionen, während es Fu und seinen Mitkämpfern wirklich nur um einen zum Leben ausreichenden Lohn geht.“

Han Dongfang appelliert an die für VW zuständigen Gewerkschaften und den Betriebsrat, sich weiterhin eindeutig für Fu einzusetzen. „Wir haben eine hochgradig verschränkte Weltwirtschaft, und was in Changchun passiert, tangiert auch die Anteilseigner des Volkswagen-Konzerns, darunter das Land Niedersachsen“, sagt der Hongkonger Aktivist. Eine Option könne sein, dass Betriebsratsvertreter darauf bestehen, Fu zu besuchen. „Es geht hier nicht um Politik“, betont Han. „Es geht aber um das Image von VW und das Wohlergehen seiner Mitarbeiter weltweit.“


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 25. August 2018, 09:13:33
Zitat
Changchun
Freiheit für den VW-Leiharbeiter Fu Tianbo in China

Im nordchinesischen Changchun begannen im Jahr 2016 Leiharbeiter bei FAW-Volkswagen einen Kampf dafür, dass sie gleich bezahlt werden wie ihre festangestellten Kollegen. Leiharbeiter bekommen nur ungefähr die Hälfte des Stundenlohns der regulären Belegschaft.


Von wb, Freitag,  24.08.2018,  16:00 Uhr


Am 26. Mai 2017 wurden drei Leiharbeiter bei einer Protestaktion vor dem Werkstor festgenommen, darunter der gewählte Sprecher Fu Tianbo, der seitdem in Haft ist. Für das sozialimperialistisches China, das sich wahrheitswidrig als sozialistisches Land gibt, sind solche Arbeiterkämpfe eine "Störung der öffentlichen Ordnung“.

Doch der mutige Kampf von Fu Tianbo und seinen Mitstreitern stößt auf Solidarität unter Arbeitern und fortschrittlichen Menschen in der ganzen Welt. Dabei spielt eine Rolle, dass der Kampf gegen Leiharbeit, die ein Druckmittel für die Stammbelegschaften und eine Methode der Überausbeutung ist, zu einem internationalen Problem geworden ist. Die Organisierung der Solidarität ist deshalb für die Internationale Automobilarbeiterkoordination (IAC) und für die MLPD  selbstverständlich.

Am 29. Mai 2018 fand eine Solidaritätsaktion vor dem VW-Werk in Hannover statt. Dass VW angeblich keine Möglichkeit sieht, sich für Fu einzusetzen, stieß bei den solidarischen Kollegen auf komplettes Unverständnis und Kritik. Die VW-Führung ist als Mitinhaber von FAW-Volkswagen vollständig mitverantwortlich.

Die Organisation „China Labour Bulletin“ mit Sitz in Hongkong fordert auch die IG Metall und den Betriebsrat auf, sich für Fu stark zu machen. Konkret wird gefordert, dass ein Vertreter des Betriebsrates den Kollegen im Gefängnis besucht. Ein solcher Akt der Solidarität müsste eigentlich selbstverständlich sein. Dass dies bislang der Weltbetriebsrat unter Führung von Bernd Osterloh mit Verweis auf fehlende Informationen und Beweise abwimmelt, darf nicht hingenommen werden.
https://www.rf-news.de/2018/kw34/freiheit-fuer-den-vw-leiharbeiter-fu-tianbo-in-china (https://www.rf-news.de/2018/kw34/freiheit-fuer-den-vw-leiharbeiter-fu-tianbo-in-china)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 25. August 2018, 10:37:01
Nun ist der Artikel des FR Journalisten auch in Österreich angekommen.

Zitat
Wie viel Einfluss hat der Volkswagen-Konzern auf seinen chinesischen Partner FAW? Wofür sind die Manager bereit, sich mit den Machthabern in China anzulegen? Für die Freiheit eines einzelnen Leiharbeiters offenbar nicht. Fu Tianbo ist jedenfalls immer noch in Haft. Der einfache Arbeiter hatte es im vergangenen Jahr gewagt, einen Protest für gleiche Bezahlung zu organisieren. Die Polizei nahm ihn fest und verhörte ihn zunächst auf dem Werksgelände, bevor sie ihn mitnahm und in eine Zelle steckte.

Quelle: https://www.sn.at/politik/weltpolitik/wegen-lohnforderung-in-haft-39150274 (https://www.sn.at/politik/weltpolitik/wegen-lohnforderung-in-haft-39150274)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 20. September 2018, 14:20:45
Der Kampf geht weiter!

Auch mit der Übernahme von 900 Leiharbeitern in die Stammbelegschaft ist es Volkswagen nicht gelungen, die Arbeiter zum Schweigen zu bringen. Selbst die gnadenlose Inhaftierung (bereits 16 Monate!) des Sprechers der Leiharbeiter, Fu Tianbo, hatte nicht die erhoffte abschreckende Wirkung. Es haben sich weitere Beschäftigte des VW Werks Changchun zum Protest erhoben.

(https://abload.de/img/006oosfaly1fvct9l10hvecdf5.jpg) (https://abload.de/image.php?img=006oosfaly1fvct9l10hvecdf5.jpg)
Arbeiterprotest am 16. September vor dem Regierungsgebäude in Changchun.

Weitere Beschäftigte, die outgesourct für das FAW-Volkswagen Joint Vernture großteils seit 10 Jahren arbeiten, fordern nun auch "Equal Pay", den gleichen Lohn wie die Stammbeschäftigten.

Sie bitten um internationale Solidarität und hoffen auf ein Interesse deutscher Medien.

http://youtu.be/EYqVTyTik0I (http://youtu.be/EYqVTyTik0I)

Es muß auch von Deutschland aus Druck auf den Konzern entwickelt werden!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 23. September 2018, 10:29:42
Auf den T-Shirts steht in etwa:

Vorn:
Wir bitten die Regierung um die Durchsetzung unseres Rechts.

Auf dem Rücken:
FAW zahlt nicht gleich für die gleiche Arbeit. Das Gericht nimmt die Klage der Arbeiter nicht an. Rückzahlung meiner Blut- und Schweißlöhne!

Im Sprechchor werden diese Parolen wiederholt.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 27. September 2018, 22:46:09
Schleimige und widerwärtige Propaganda aus Volkswagen (Auszüge):
Zitat
Diskutieren auf Augenhöhe: Im Doppelinterview für die VW-Betriebsratszeitung „Mitbestimmen“ sprachen Konzernchef Herbert Diess (l.) und Betriebsratsboss Bernd Osterloh über die Herausforderungen, Chancen und Ausflüge mit dem Motorrad.

Richtig gestritten haben wir ja selten. Und ich muss sagen: Im Endeffekt habe ich immer Recht behalten (beide lachen).

In vielen Themen haben wir sehr ähnliche Einschätzungen. Von daher sollte es uns gelingen, Konflikte gemeinsam zu bewältigen.

Osterloh: Wir haben nach wie vor unsere Meinungsverschiedenheiten. Aber die tragen wir nicht öffentlich aus. Wenn wir solche Diskussionen führen, dann unter vier Augen.

Diess: Wir müssen aber auch sehen, dass uns das System der Mitbestimmung manchmal bremst. Hier kommt es auf eine gute Balance an, alle Interessen müssen vernünftig berücksichtigt werden. Aber ich glaube, ich komme in dem System ganz gut zurecht.

Da kommt ja ins Spiel, was ich an der Mitbestimmung schätze: Denn der Vorteil mit den hier handelnden Personen ist, dass man unternehmerisch denkende Vertreter der Mitbestimmung hat.

blablabla
http://www.waz-online.de/Wolfsburg/Volkswagen/Konzernchef-Diess-An-die-Mitbestimmung-hier-musste-ich-mich-erst-gewoehnen (http://www.waz-online.de/Wolfsburg/Volkswagen/Konzernchef-Diess-An-die-Mitbestimmung-hier-musste-ich-mich-erst-gewoehnen)

Wer so offensichtlich und plump versucht, eine Einheitsfront zu bilden, hat Dreck am Stecken, aber so was von…


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 16. Oktober 2018, 11:23:09
Zitat
Chinesische Leiharbeiter, die das VW-„Angebot“ angenommen hatten, protestieren nun wegen fortgesetzter Diskriminierung

([url]http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2018/10/FAW-VWSept2018.jpg[/url])

Chinesische Leiharbeiter, die das VW-„Angebot“ angenommen hatten, protestieren nun wegen fortgesetzter DiskriminierungÜber die Proteste, die beim VW-Werk in Changchun im September 2018 organisiert worden waren, hatte LabourNet Germany bereits berichtet (siehe unten). Zumindest, was die Solidarität mit dem immer noch inhaftierten Anti-Zeitarbeitsaktivisten Fu Tianbo betrifft, der immer noch im Gefängnis ist (oder, gerüchteweise, unter Hausarrest) – und das Thema gewerkschaftlicher Solidarität von der BRD aus dabei ausnahmsweise ausgespart, weil immerfort Peinlichkeiten berichten… In dem Bericht „Volkswagen workers in Changchun continue their fight for equal pay“ am 11. Oktober 2018 im China Labour Bulletin [url]https://www.clb.org.hk/content/volkswagen-workers-changchun-continue-their-fight-equal-pay[/url] ([url]https://www.clb.org.hk/content/volkswagen-workers-changchun-continue-their-fight-equal-pay[/url]) wird nun darüber informiert, dass es neben dieser Aktion im September auch eine weitere nun im Oktober 2018 gegeben hat – und dass Gegenstand des Protests nicht nur die Solidarität mit dem Inhaftierten war, sondern ein (weiterer) Betrug der VW-Geschäftsleitung (samt diverser Betriebsgewerkschaften rund um die Welt). Es haben jene – ehemaligen – Zeitarbeiter protestiert, die im Januar 2018 das „entscheide Dich jetzt, sofort, oder hau ab!“-Angebot (das man laut dem – Älteren noch bekannten – Gewerkschafter Marlon Brando „nicht ablehnen kann“) angenommen haben (wozu auch gehörte, Verträge zu unterschreiben, die in der Kürze der gesetzten Frist mit Sicherheit nicht gelesen werden konnten).  Sie sind nämlich schlicht übers Ohr gehauen worden – eingruppiert in die niedrigste Lohngruppe, verdienen sie weiterhin deutlich weniger, als Kollegen, die dieselbe Arbeit festangestellt machen. Bis auf eine kleine Minderheit hatten damals nahezu alle der 2017 mehrfach protestierenden 3.000 Zeitarbeiter dieses sogenannte Angebot akzeptiert – um in den folgenden 9 Monaten zu merken, dass sich faktich nichts geändert hat, weswegen jetzt erneut protestiert wird… Siehe dazu auch einen (chinesischen, mit Videos für Nichtversteher) Bericht über die neuen Protestaktionen im September und Oktober 2018 und den Hinweis auf unseren letzten Bericht zum Kampf der Leiharbeiter bei VW China:
http://www.labournet.de/?p=138589 (http://www.labournet.de/?p=138589)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 19. Oktober 2018, 22:36:57
Angesichts der heutigen Co-Managerlöhne der Volkswagenbetriebsräte wirkt die damalige Empörung von 1970 fast schon niedlich:
Zitat
Bericht aus dem VW-Werk:
Korrumpierung der Betriebsräte


Der Vorstand der Volkswagenwerke AG hat mit dem gesamten Betriebsrat mit Wirkung vom 1.7.70 folgende Betriebsvereinbarung getroffen:
Die Betriebsräte aller Werke werden ab 1.7.70 freigestellt.
Sie werden zum gleichen Zeitpunkt Monatslohnempfänger.
Ihr Grundlohn wird obligatorisch und ausnahmslos auf 1.850,- DM festgesetzt und nach oben und unten je nach Betriebszugehörigkeit und der Funktion innerhalb des Betriebsrats gestaffelt. Sie erhalten fernerhin alle pauschal 17 Überstunden pro Monat vergütet, die BR-Spitze darüber hinaus (Vorsitzender, Betriebsausschuß und Hallenbetriebsräte) eine zusätzliche Leistungszulage von 10 Prozent.

Im Einzelnen sieht damit die Entlohnung so aus:

Ein neugewähltes BR-Mitglied erhält sofort - alles in allem . 1650,- DM Mindestlohn, die Betriebsratsspitze 2393,- DM. Die Wertigkeit bzw. Lohneinstufung wird gemeinsam von dem BR-Vorsitzenden und dem Leiter der Sozialabteilung „ausgehandelt“!

2/3 aller Betriebsräte kommen sofort von ca. 1200,- DM Brutto auf 2035,- DM. Insgesamt liegt die Lohnerhöhung der Betriebsräte auf Anhieb zwischen 450,- und ca. 1000,- DM.

Die finanzielle Regelung tritt rückwirkend ab 1. Januar 1970 in Kraft, die „Nachzahlung“ ist noch vor dem Urlaub durchgeführt worden.

Das alles ist mit Wissen, Hilfe und Unterstützung der IGM (die jeweiligen Bevollmächtigten und dem Bezirksleiter Grebenstein) ausgehandelt worden.

Die ofizielle Begründung (Schutzbehauptung) lautet:

Mit dem Inkrafttreten des Betriebsverfassungsgesetzes 1953 war die Konzentrierung der Wirtschaft nicht vorauszusehen und die schwere Arbeit des BR beruflich, wirtschaftlich oder finanziell nicht genügend berücksichtigt worden - also dringend reform- bzw. überholungsbedürftig, usw. usw.

Was sich innerhalb des Funktionärskörpers einerseits und der Belegschaft andererseits nach dem Bekannwerden im einzelnen abgespielt hat, dazu nur soviel - alles in allem setzt sich der Betriebsrat (einschließlich Organisation) mit dem Hintern auf deren Meinung, Verhalten oder Reaktion. Sie behaupten, die neue finanzielle Regelung wäre eine gewerkschaftliche Forderung - und damit basta!

Aber nicht genug mit der finanziellen Regelung: gleichzeitig wurde auch noch für „später“ mitgesorgt. Nach dem Ausscheiden eines Mitgliedes aus dem Betriebsrat muß die Firma dem Betreffenden seiner Bezahlung und seinem Wissen entsprechend einen gleichwertigen Arbeitsplatz anbieten! (Wenigstens das eines Meisters also!)

Alles in allem wird lediglich ein verstärkter Drang nach der „Futterkrippe“ mit all den absurdesten, unsaubersten, unlauteren Methoden innerhalb der Funktionäre die Folge bei allen nachfolgenden Betriebsratswahlen sein. Weil keiner erkennen will, daß mit der zu erwartenden Nivellierung des Betriebsverfassungsgesetztes (alle Macht den Räten) die Unternehmer jetzt schon vorsorglich die Betriebsräte auf ihre Seite und (erfolgreich) Einflußbereich „umfunktionieren“.

Bezieht jemand in der kommenden Betriebsversammlung dazu eine negative Stellung, hat er zwar die Massen (Belegschaft) im Moment hinter sich, aber bestimmt keinen dauernden Schutz oder Rückendeckung.

http://www.arbeiterpolitik.de/Zeitungen/PDF/1970/arpo-3-1970.pdf (http://www.arbeiterpolitik.de/Zeitungen/PDF/1970/arpo-3-1970.pdf)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 21. Oktober 2018, 14:24:45
(https://abload.de/img/nordhoffuntreueodeh8.png) (https://abload.de/image.php?img=nordhoffuntreueodeh8.png)
http://www.arbeiterpolitik.de/Zeitungen/PDF/1957/arpo-2-1957.pdf (http://www.arbeiterpolitik.de/Zeitungen/PDF/1957/arpo-2-1957.pdf)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 23. Oktober 2018, 18:40:35
Vor 18 Jahren gab es in Südafrika fristlose Entlassungen. Die Haltung des damaligen Gesamtkonzernbetriebsrats weckt Erinnerungen an Volkswagen-FAW in China:

Zitat
Offener Brief an die GBR-Vorsitzenden von VW und an alle Vertrauensleute und Betriebsräte von VW

Lieber Kollege Volkert, lieber Kollege Uhl,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
(…)
Wie Ihr wisst, sind 1300 der 6000 Beschäftigten von der Werksleitung wegen ihrer Beteiligung am  Streik im Januar dieses Jahres fristlos entlassen worden.
(…)
Eine weitere Tatsache ist, dass  die  VW-Werksleitung  in  Südafrika  und  die  VW-Konzernleitung   durch ihr Vorgehen die gewerkschaftlichen Rechte der Belegschaft missachten und vorhandene solidarische Strukturen zersetzen.
(…)
Wir  bedauern und können nur schwer nachvollziehen, dass Ihr, soweit uns bekannt, bisher nichts unternommen habt, um Eure entlassenen Kolleginnen und Kollegen in Südafrika wirksam zu unterstützen und ihre bedingungslose Wiedereinstellung zu fordern. Sie haben  sich nichts zuschulden kommen lassen, als ihre Rechte zu verteidigen.
(…)
http://www.arbeiterpolitik.de/Zeitungen/PDF/2000/Arpo-2-00.pdf (http://www.arbeiterpolitik.de/Zeitungen/PDF/2000/Arpo-2-00.pdf)

Hans-Jürgen Uhl und Klaus Volkert waren ja dann später in die VW-Korruptionsaffäre verwickelt und wurden verurteilt.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 27. Oktober 2018, 13:43:15
Zitat
24.10.18
Südkoreaner suchen Ex-Chef von Audi

Die Behörden in Südkorea gehen wegen des Abgasskandals hart gegen Audi und VW vor. Ein Top-Manager brachte sich rechtzeitig in Sicherheit.
(...)
Audi wird zudem vorgeworfen, zum Zwecke der Täuschung der Behörden Fahrgestellnummern gefälscht zu haben. Das Unternehmen räumte ein, dass man diese „Folgestraftat“ begangen haben. Nun sorgt der ehemalige Audi-Manager Johannes Thammer für neue Schlagzeilen.
Thammer hat Südkorea im Sommer vergangenen Jahres verlassen – quasi auf das Versprechen hin, dass er zurückkehren werde. Doch das hat der Manager nicht getan, wie das Handelsblatt in seiner Dienstagausgabe berichtete. Der gebürtige Oberpfälzer hatte wichtige Termine in Deutschland angegeben, um Südkorea verlassen zu dürfen. Das Ausreiseverbot wurde unter der Bedingung aufgehoben, dass Thammer nach vier Tagen wieder zurückkehre. Doch nun ist der einstige Top-Repräsentant scheinbar von der Bildfläche verschwunden, wie das Handelsblatt recherchierte. Seinen Posten hatte der Manager bereits im Juli 2017 aufgegeben. Stattdessen sollte er eine neue Position in der Wolfsburger Konzernzentrale übernehmen. Ob er das tatsächlich getan hat, wollte Volkswagen dem Handelsblatt mit Verweis auf die Persönlichkeitsrechte der Führungskraft nicht verraten.
(...)
Thammer ist allerdings aus gesundheitlichen Gründen derzeit weder reise- noch verhandlungsfähig.(...)
https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/article215641559/Suedkoreaner-suchen-Ex-Chef-von-Audi.html (https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/article215641559/Suedkoreaner-suchen-Ex-Chef-von-Audi.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 06. November 2018, 18:07:47
Zitat
Ungerechte Arbeitsbedingungen
VW bekommt neuen Ärger mit Leiharbeitern in China

VW hatte geglaubt, das Problem mit Leiharbeitern in China sei gelöst. Doch jetzt klagt eine neue Gruppe von Arbeitern über ungleiche Bezahlung.


ChangchunJahr für Jahr ließ sich Sun Haiyong aufs Neue vertrösten. „Du bist ja quasi ein Familienmitglied“, habe ihm die Werksleitung von First Automotive Works und Volkswagen (FAW-VW) gesagt. „Da machen ein, zwei Jahre doch keinen Unterschied, bis wir deinen Vertrag in eine reguläre Anstellung umwandeln.“

Doch das Versprechen wurde nie eingelöst. Als Sun es schließlich einforderte, sagte die Geschäftsführung, dass ihm dies nicht zustehe. Anfang 2018 wurde Sun entlassen – nach fünfzehn Jahren bei FAW-VW.

Nun sitzt der 38-Jährige in seiner Wohnung im fünften Stock einer Siedlung direkt vor den Toren des FAW-VW-Werkes. Sie ist vollgestellt mit Gegenständen, gekauft als er noch dachte, bis ans Lebensende sicher beschäftigt zu sein. Vor ihm liegen die Verträge aus seiner Zeit bei FAW-VW. Er will gemeinsam mit mehr als 200 Arbeitern FAW-VW verklagen. Sein Anliegen betreffe aber mindestens 2000 weitere Arbeiter, die sich in seiner Situation befänden, erzählt Sun.

Seit dem 31. Juli 2003 arbeitete er im FAW-VW-Werk als Schweißer. Ein Familienmitglied hatte ihm damals gesagt, dass er dort was zu tun gebe.

Im nordöstlichen Industriemoloch Changchun, wo einst die Schwerindustrie florierte und das Proletariat mit sicheren, unkündbaren Arbeitsplätzen, sogenannten „eisernen Reisschüsseln“, bis an Lebensende durch ihr Werk versorgt wurden, gab es nach dem Strukturwandel der 1990er-Jahre nicht viele andere Möglichkeiten für Menschen wie Sun.

Ohne viel nachzudenken unterschrieb er also den Einjahresvertrag beim FAW-VW Werk im Westen der Stadt. Schon damals wusste Sun, dass er als Leiharbeiter für dieselbe Arbeit weniger als die Stammbelegschaft verdienen würde.

„Aber es war vermutlich immer noch mehr als bei vielen anderen Arbeitern in der Region“, sagt Soziologie-Professorin Zhang Lu von der Temple University, die 2015 ein Buch über Automobilarbeiter in der Region veröffentlicht hat.

Für die ersten zehn Jahre war Sun bei der „FAW-VW GmbH Personalservice“ angestellt und wurde direkt an FAW-VW verliehen. Erst 2013 wurde sein Vertrag an „Changchun Regenbogen Personalentwicklung“ übertragen.

Die entsendete ihn prompt an „Changchun Bozhong Autoteile“ – einen der drei Dienstleister von FAW-VW. Seine täglichen Aufgaben und sein Arbeitsplatz blieben dabei immer gleich. Doch mit diesem Schritt wurde Sun vom Leiharbeiter zum sogenannten „Waibao“.

Übersetzt bedeutet Waibao so viel wie „Outgesourcter“. Während Leiharbeiter durch einen Dienstleister direkt an FAW-VW verliehen werden, arbeiten Waibaos für eine Firma, die sie wiederum an einen Subunternehmer ausleiht, der für FAW-VW arbeitet. Theoretisch kann dabei der FAW-VW-Arbeiter für das Montieren der Stoßstange vom Golf zuständig sein, während der „Waibao“ für weniger Lohn dieselbe Arbeit am Modell Bora verrichtet.

„Charta für Leiharbeit“

Suns Unterlagen zeigen, dass er für ein und denselben Posten in derselben Arbeitsgruppe weniger Gehalt als die Stammbelegschaft und die Leiharbeiter bekam. Während er 2015 nur 750 Euro pro Monat verdiente, kam ein regulärer Schweißer auf etwa 1600 Euro.

Das Outsourcen von Produktionsschritten an externe Dienstleister sei „industrieweit üblich“, lässt FAW-Volkswagen wissen und versichert zudem: „Auch wenn die Arbeiten teilweise direkt im Werk durchgeführt werden, handelt es sich jedoch um abgegrenzte Arbeitsfelder, die so nicht von einem festangestellten Arbeiter übernommen werden.

Man umgehe damit strengere Arbeitsgesetze, erklärt Soziologin Zhang. Anfang 2016 war in China ein Gesetz in Kraft getreten, das den Anteil der Leiharbeiter in Unternehmen auf zehn Prozent begrenzte.

Bestärkt durch diese Gesetzesänderung fingen im November 2016 tausende Leiharbeiter an, vor den Werkstoren von FAW-VW zu protestieren. Sie hatten teilweise über Jahrzehnte ungleiche Bezahlung und Behandlung für dieselbe Beschäftigung hingenommen.

Dabei heißt es schon seit 2008 im Artikel 63 des chinesischen Arbeitsvertragsgesetzes, dass „gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit“ gelte. Volkswagen selbst veröffentlichte eine weltweit geltende „Charta für Leiharbeit“, in der versprochen wurde, sich an diesen Grundsatz zu halten.

Nach zahlreichen Verhandlungsrunden bot die Geschäftsführung den Leiharbeitern schließlich reguläre Verträge an. Im Gegenzug sollten damit sämtliche vorherigen Forderungen, wie zum Beispiel Kompensationszahlungen für Differenzen bei der Entlohnung oder der Anrechnung von Arbeitsjahren und -erfahrung, abgegolten sein. Viele waren zwar über die Konditionen unglücklich, doch die rund 3000 Arbeiter unterschrieben dennoch, nur fünf weigerten sich.

Nun fordern Sun und seine Mitstreiter auch eine faire Kompensation. Denn entlassene Arbeiter bekamen nicht 30 sondern nur 15 Monate Gehalt ausgezahlt. Und über Jahre erhielten sie ja sogar weniger als die Leiharbeiter. Deshalb wollen sie, dass FAW-VW ihnen zumindest den Status von Leiharbeitern zugesteht. Doch die Schiedsstelle, die sie im Sommer 2017 aufsuchten, wies sie mit dem Hinweis zurück, dass sie nicht bei FAW-VW sondern Changchun Bozhong Autoteile beschäftigt seien.

Ähnlich argumentiert FAW-VW. Die Vertreter des Joint-Ventures betonen, dass man keinen Einfluss auf Suns Arbeitsverhältnis habe. „Ein Vertragsverhältnis zwischen FAW-Volkswagen und dem einzelnen Arbeiter des Dienstleisters besteht nicht“, heißt es.

Doch wie extern sind die Dienstleister, mit denen FAW-Volkswagen einen Vertrag geschlossen hat? „Changchun Bozhong Autoteile“ gehört laut Handelsregister der Gewerkschaft von FAW-VW. Ihr gesetzlicher Vertreter ist Fan Xijun. Er ist nicht nur Generalsekretär der kommunistischen Parteiorganisation und Vorsitzender der Gewerkschaft des FAW-VW-Werkes, sondern auch Vorstandsmitglied des Gemeinschaftsunternehmens.

Flexibilität in der Produktion


Zwar gilt der Allchinesische Gewerkschaftsbund (ACGB) mit formell mehr als 300 Millionen Mitgliedern als die größte Gewerkschaft der Welt, aber sie untersteht der Kommunistischen Partei und ist keine unabhängige Arbeitervertretung. „Sie schlagen sich meist sogar auf die Seite der Geschäftsführung und helfen den Unternehmen bloß noch profitabler zu werden, statt die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten“, meint Zhang.

Und die Macht von FAW ist groß. Im Volksmund heißt es: „Wenn FAW niest, dann ist Changchun erkältet.“ Es sei nicht verwunderlich, so Zhang, dass die lokale Regierung den größten Arbeitgeber und Steuerzahler der Stadt, an dem eine ganze Zuliefererindustrie hängt, zu schützen versucht.

Selbst das örtliche Gericht, vor dem Sun eine Klage eingereicht hat, findet immer wieder neue Ausreden, um den Fall zu verschieben. Telefonate bleiben unbeantwortet, der Sachbearbeiter ist unauffindbar. So verlässt das Anliegen der Arbeiter nie die Grenzen Changchuns. „Wir haben das Gefühl, dass wir alleine gelassen werden“, sagt Sun.

Doch er glaubt fest daran, dass die Deutschen ihm und seinen Leidensgenossen dabei helfen würden, gleiche Bezahlung zu erwirken. „Die Deutschen haben bloß keine Ahnung, was hier los ist“, sagt er.

Ob VW ahnungslos ist oder es bloß nicht so genau wissen will, lässt sich nicht ermitteln. China ist mit Abstand der größte Absatzmarkt für Volkswagen. Allein in den ersten neun Monaten 2018 verkaufte der Konzern hier mehr als drei Millionen Autos.

Seit einiger Zeit spricht Volkswagen gerne über „Flexibilität“ in der Produktion. Gemeint damit ist zum einen eine Fertigung, die je nach Bedarf auf verschiedene Modelle umschalten kann; zum anderen sind aber Beschäftigungsverhältnisse gemeint, die an die Marktnachfrage angepasst werden sollen.

Das Werk in Changchun, wo unter anderem der Golf, der Audi A3 und viele andere beliebte Modelle hergestellt werden, ist für Volkswagen sowie FAW äußerst gewinnbringend. Während man Investitionen und Profit teilt, bringen die westliche Konzerne Modelle, Technik und Produktionsmethoden ein.

Die chinesische Seite ist für Personal, Fabriken und oft auch den Vertrieb zuständig. Darauf verwies Volkswagen in der Vergangenheit immer wieder, wenn der Konzern auf die problematischen Arbeitsverhältnisse vor Ort angesprochen wurde. Schließlich sei man mit 40 Prozent auch nur Minderheitsbeteiligter. Nun heißt es von FAW-VW, man nehme „den Hinweis ernst und werden die Fälle umgehend prüfen“.

Wenn die Menschen in Changchun FAW-VW erwähnen, dann verkürzen sie es auf „Dazhong“, das chinesische Wort für Volkswagen. Wenn man die Einwohner nach dem Grund fragt, sagen sie, dass FAW zwar das Werk manage, aber dort VWs hergestellt werden. Und das sei schließlich die Quelle ihres Stolzes.
https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/ungerechte-arbeitsbedingungen-vw-bekommt-neuen-aerger-mit-leiharbeitern-in-china/23243714.html?ticket=ST-5567860-ftQpeMbyjK6DAemEAfxO-ap2 (https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/ungerechte-arbeitsbedingungen-vw-bekommt-neuen-aerger-mit-leiharbeitern-in-china/23243714.html?ticket=ST-5567860-ftQpeMbyjK6DAemEAfxO-ap2)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 06. November 2018, 22:03:02
Zitat
Und die Macht von FAW ist groß. Im Volksmund heißt es: „Wenn FAW niest, dann ist Changchun erkältet.“
jetzt klauen die Chinesen auch noch unsere Sprichwörter.
Zitat
Doch er glaubt fest daran, dass die Deutschen ihm und seinen Leidensgenossen dabei helfen würden, gleiche Bezahlung zu erwirken. „Die Deutschen haben bloß keine Ahnung, was hier los ist“, sagt er.
Ob VW ahnungslos ist oder es bloß nicht so genau wissen will, lässt sich nicht ermitteln.

Natürlich werden die Wolfsburger helfen:
(https://abload.de/img/osterlohdiessloc66.png) (https://abload.de/image.php?img=osterlohdiessloc66.png)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 08. November 2018, 18:17:26
Zitat
Umstrukturierung - Konzernweiter Kampf bei VW - statt Standorterpressung

In den letzten beiden Tagen platzte eine neue Bombe bei VW.

Die Produktion des Passat soll im VW Werk Emden bis 2022 auslaufen. Vom Werk Hannover-Stöcken soll die Transporterproduktion bis 2024 in das Ford Werk in der Türkei verlegt werden (siehe Rote Fahne News).

Im Werk Emden arbeiten zur Zeit 11.000 Beschäftige, im Werk Hannover 16.000. Dazu kommen noch Tausende Arbeitsplätze bei Zulieferern in den beiden Regionen – so hat die Region Hannover nach offiziellen Angaben 23.470 Beschäftigte in der Automobilwirtschaft, in Emden führt bereits heute jeder Tag Kurzarbeit bei VW auch zu Kurzarbeit bei Tausenden Zuliefererarbeitsplätzen.

Quelle: https://www.rf-news.de/2018/kw45/konzernweiter-kampf-statt-sich-in-den-einzelnen-werken-erpressen-lassen (https://www.rf-news.de/2018/kw45/konzernweiter-kampf-statt-sich-in-den-einzelnen-werken-erpressen-lassen)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 11. November 2018, 18:23:43
Zitat
Baller, baller
Trocken. VW schießt in Mexiko auf Wolken. Bauern beklagen Ernteausfälle


(https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/baller-baller/@@images/ba60394c-2147-418d-a493-8548f17d5aff.jpeg)
Der Konzern hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet. Bei so gottgleicher Draufsicht ist Wettermachen der nächste logische Schritt


Volkswagen will nicht, dass noch mehr Journalisten kommen und sich den Stein des Anstoßes ansehen. Oder besser gesagt: die mehrere Meter hohe, trichterförmige Maschine, die auf einem Fabrikgelände in Puebla zwischen Tausenden von funkelnagelneuen Geländewagen steht. Und die für einen verheerenden Dürresommer in der Gegend verantwortlich sein soll.

Deshalb hat der deutsche Autobauer neben der Fabrik in Puebla, etwa 700 Kilometer südöstlich von Mexiko-Stadt, einen Graben in den eigentlich öffentlichen Feldweg gerissen, einen Meter tief. So sollen keine Autos mehr bis zu der Stelle am Maschendrahtzaun vorfahren können, von der aus man die sogenannte Anti-Hagel-Kanone sehen kann.

Alle paar Sekunden ein Knall


Genützt hat es wenig. Seit Anfang August berichteten zahlreiche mexikanische und deutsche Medien über die Kanone, die ein Gemisch aus Sauerstoff und Acetylen-Gas zur Explosion bringt und damit einen lauten Knall abfeuert, sobald sich am Himmel dunkle Wolken zusammenbrauen. Dadurch sollen diese aufgelöst und die in dieser Gegend Mexikos besonders häufigen Hagelschauer vertrieben werden, die laut VW allein 2016 Schäden in Höhe von 17 Millionen Euro an Neuwagen verursacht haben, die vor dem Werk geparkt waren. 2017 hat die Werksleitung die Hagelkanonen einrichten lassen, und seit Mai diesen Jahres wird die Technik der Wettermanipulation nun massiv eingesetzt. Seitdem klagen die Bauern in der Region über Dürre.

Die Maisfelder von Francisco Clemente liegen nur wenige hundert Meter Luftlinie von einer der Kanonen entfernt, im kleinen Ort La Resurrección. „In unserem Dorf leben wir alle von dem, was der Boden uns gibt“, sagt der 58-jährige Landwirt. „Normalerweise ernten wir auf einem Hektar etwa vier bis sechs Tonnen Mais. Davon essen wir, und was übrig bleibt, verkaufen wir. Mit der Dürre dieses Jahres haben wir aber so gut wie alles verloren.“ Für ihn und die anderen Bauern aus La Resurrección ist der Verantwortliche für die Trockenheit klar. „Die Regenwolken kommen immer vom Vulkan La Malinche, den man von der Stadt aus gut sehen kann. Sobald es da dunkel wird, beginnt VW wie verrückt in die Luft zu feuern, alle sieben Sekunden ein Knall, und das für zwei Stunden, und dann sind die Wolken verschwunden“, erzählt Francisco Clemente aufgebracht.

Von angeblichen Entschädigungsangeboten seitens VW, die es laut mexikanischer Presse gegeben haben soll, wissen er und die anderen Landwirte in La Resurrección nichts. „Mit uns hat die Firma nicht gesprochen. Und jedes Mal, wenn wir versuchen, die Schallkanone zu filmen, um zu zeigen, wie schnell sie die Wolken vertreibt, kommt der Wachschutz und vertreibt uns mit Beschimpfungen und Drohungen“, berichtet Francisco Clemente.

Die Campesinos sind sauer

Auch im etwa 30 Kilometer entfernten San Francisco Totimehuacán sehen sich die Bauern als Opfer der Umweltmanipulationen des deutschen Autobauers. Óscar Huey und Herón García stehen inmitten ihrer komplett ausgetrockneten Felder. Wütend hält Óscar Huey einen mittelfingergroßen Maiskolben in die Höhe. „Hier hätten wir schon vor zwei Wochen ernten sollen. Aber seit Anfang Mai hat es nicht geregnet und jetzt haben wir unsere ganze Ernte und alles, was wir in diesem Jahr in unsere Felder investiert haben, verloren.“

Obwohl die Gemeinde nicht in der Nähe des VW-Werks liegt, wo die Schallkanonen eingesetzt werden, sind sich die beiden sicher, dass diese für die Dürre verantwortlich sind. „Wir kennen den Regenzyklus hier genau. Und die Zeit zwischen Mai und August ist extrem wichtig für den Anbau. Natürlich gibt es manchmal trockenere Jahre. Aber dass es 60 Tage am Stück keinen Regen gibt, obwohl der Himmel immer wieder komplett von dunklen Regenwolken bedeckt ist? Das haben wir noch nie gehabt“, sagt Herón García.

Deshalb bereitet García eine Klage vor, mit der er von VW ein Ende des Einsatzes der Schallkanonen und Entschädigungszahlungen für die verlorene Ernte einfordern will. „VW geht es wie allen multinationalen Konzernen nur um Gewinn. Um ihre Autos vor dem Wetter zu schützen, verändern sie sogar den natürlichen Zyklus, der doch erst das Leben auf dieser Erde möglich macht“, sagt García kopfschüttelnd.

Dabei genießt der Konzern aus dem niedersächsischen Wolfsburg in Puebla eigentlich einen guten Ruf. Seit mittlerweile mehr als 50 Jahren gehört VW fest zur viertgrößten Stadt Mexikos. Mit mehr als 17.000 Angestellten und 460.000 hergestellten Autos pro Jahr ist das mexikanische Werk der wichtigste VW-Standort außerhalb Deutschlands. „Die Präsenz von VW ist wesentlich für die lokale Wirtschaft“, sagt Patricia Gutiérrez, Journalistin der linken Tageszeitung La Jornada. „Das heißt aber auch, dass VW großen Einfluss in der Stadt hat. Früher gab es manchmal Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft, aber an größere Skandale kann ich mich nicht erinnern. Diese Sache könnte zu einer echten Bewährungsprobe für VW in Puebla werden.“

Mittlerweile gehen mexikanische Medien von bis zu 10.000 betroffenen Bauern aus. Die Reaktion von Volkswagen war zunächst eher verhalten. Einen Tag nach einer Straßenblockade vor dem VW-Werk durch wütende Bauern am 8. August veröffentlichte der Konzern die einzige Pressemitteilung zu dem Thema. Darin erklärte VW angesichts der Proteste, die Schallkanonen solle nur noch manuell und im Fall von akut drohendem Hagel eingesetzt werden. Zudem kündigte der Autokonzern an, in Hagelnetze über seinen Parkplätzen zu investieren, behielt sich jedoch zugleich den Einsatz der Schallkanonen als weiteres Mittel gegen den Hagel vor.

Ende August hat es wieder geregnet in Puebla. Die Dürre scheint vorbei zu sein. Doch der Konflikt zwischen den lokalen Bauern und dem deutschen Autokonzern ist damit noch lange nicht beendet. „Wir fordern die Rücknahme der Genehmigung durch die Staatsregierung von Puebla“, sagt Francisco Clemente aufgebracht. „Die sollen einfach ein Hagelnetz spannen.“ Auch der Lokalpolitiker Rafael Ramírez setzt sich für die Zurücknahme der Genehmigung ein. „Es gibt andere Wege, die Autos zu schützen, die nicht in den natürlichen Kreislauf eingreifen. Hier darf die Regierung keine Zugeständnisse an VW machen, sondern muss sich auf die Seite der mexikanischen Bauern stellen“, fordert er.

Anfang Oktober wurde in lokalen Zeitungen berichtet, dass VW bei den zuständigen Behörden einen Antrag auf Erlaubnis für ein Hagelnetz gestellt hat, das den Einsatz der Schallkanone überflüssig machen soll. Es scheint, als hätten der öffentliche Druck und die Beschwerden der Bauern Früchte getragen.

Dabei ist alles andere als klar, ob die Hagelkanone überhaupt eine Wirkung hat. In einem dreiseitigen Gutachten vom 23. August, das die Nationale Autonome Universität Mexikos (UNAM) extra wegen des Konflikts in Puebla anfertigen ließ, kommen zwei Wissenschaftler zu dem Schluss, dass es keine gesicherten Beweise dafür gebe, dass die Hagelkanone überhaupt einen Effekt hat.

Für die betroffenen Bauern ist das Gutachten wenig überzeugend. „Wir haben unser ganzes Leben lang Landwirtschaft betrieben. Wir wissen aus unserer Erfahrung heraus genau, wann es regnet und wann nicht“, meint Herón García aus Totimehuacán. „Wir brauchen mehr Untersuchungen zu dem, was genau diesen Sommer hier passiert ist.“

Deshalb dürfte es für VW trotz des späten Einlenkens in den nächsten Wochen und Monaten unbequem bleiben. In den mexikanischen Medien ist von ersten Forderungen über 3,2 Millionen Euro Entschädigung zu hören. Wie viele derartige Klagen auch immer darauf noch folgen, sicher ist: VW hat in diesem Sommer viele Sympathien in Mexiko verspielt.

Alexander Gorski arbeitet als freier Autor in Mexiko-Stadt

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/baller-baller (https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/baller-baller)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Onkel Tom am 11. November 2018, 21:46:59
Nee.. Echt jetzt ?

Hab nu bei Gokkelmaps gesucht und nix verdächtiges finden können..

https://www.google.com/maps/@19.1285513,-98.254082,761m/data= (https://www.google.com/maps/@19.1285513,-98.254082,761m/data=)!3m1!1e3

Wenn was an dieser Anti-Hagel-Kanone dran ist, müsste mann sie ja anhand
ihrer Größe erkennen können und technich sinnvoll würde sie ja am besten im
Zentrum der Parkanlagen stehen..

Ob sich da ein "freier Jornalist" sich von camtrails.de und co hat inspirieren lassen
und freitag nimmt die Story so einfach ungeprüft an ?

Hmm, trotz VW-Geschummel und Co traue ich dem Artikel nicht so einfach
über den Weg..

Hab noch was gefunden, aber ob das wirklich den Tatsachen entspricht, zumal da
nur von "soll" geschrieben steht ?

https://amerika21.de/2018/08/211424/mexiko-puebla-vw-protest (https://amerika21.de/2018/08/211424/mexiko-puebla-vw-protest)

Das Ding sieht ja eher aus wie ein Vogelschreck, damit die Autos nicht bekackt
werden.

Merkwürdig.  ::)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 12. November 2018, 08:28:15
Ich halte die Medien "Freitag" und "Amerika21" für seriös. Insbesondere letzteres ist erhaben über jeglichen Aluhutvorwurf.
Es ist technisch eine real mögliche Geschichte, derer sich die chinesische Regierung seit Jahren bedient. Bei besonderen Anlässen, wie Olympischen Spielen oder wichtigen internationalen Wirtschaftsgipfeln, sorgt sie am Austragungsort für einen blauen Himmel.

Journalisten müssen Formulierungen wie "soll" verwenden, wenn sie es nicht mit der Rechtsabteilung des Konzerns zu tun haben wollen.

Zitat
ihrer Größe erkennen können und technich sinnvoll würde sie ja am besten im
Zentrum der Parkanlagen stehen..
Nein, chemische Substanzen werden weit vor dem Gelände in die Wolken geschossen, damit sie vorher abregnen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rudolf Rocker am 12. November 2018, 10:43:02
Diese Hagelabwehr- Geschichten gibt es wirklich:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hagelabwehr
Umstritten ist allerdings inwieweit das Ganze wirklich Wirkung zeigt. Wissenschaftlich gesehen hat das Ganze wohl kaum einen Effekt. (Darauf wird im Freitag- Artikel übrigens auch hingewiesen).

Zitat
ihrer Größe erkennen können und technich sinnvoll würde sie ja am besten im Zentrum der Parkanlagen stehen..
Im Wikipedia- Artikel ist ein Bild von einer Hagelkanone zu sehen. So groß sind die Dinger nicht, das man sie unbedingt auf Google- Maps oder Google Earth erkennen könnte.

Das die Dürre in der dortigen Region mit den Hagelkanonen zu tun hat, halte ich nach derzeitgem Wissensstand für ausgeschlossen.
Sollte das tatsächlich funktionieren, würde es ja nur dafür sorgen, das sich keine großen Hagelkörner bilden, aber nicht, das es nicht regnet.
Daran dürfte eher der Klimawandel schuld sein, der uns weltweit katastrophale Dürren und Überschwemmungen beschert.

Zitat
Nein, chemische Substanzen werden weit vor dem Gelände in die Wolken geschossen, damit sie vorher abregnen.
Es handelt sich um eine Schall- Kanone. Das mit den chemischen Substanzen gibt es aber auch.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Onkel Tom am 12. November 2018, 10:53:42
Ah, ok..

Hab das Ding nach nochmaligem Gesuche doch von Oben entdecken können und
wenn es auch wirklich das Teil ist, steht es tatsächlich fast mitten der Parkanlage.
Nicht weit westlich steht noch eine größere Laterne mit Strahlerring.
Bei maximaler Vergrößerung kann mann es erkennen..

Das die Russen zum 1.Mai und für weitere Festlichkeiten gern Bewölkungen
vertrieben haben, nehme ich auch ab.. Naja, wenn mann schon mal von einem
Aluhutträger genervt wurde, ist man für solch Artikel misstrauischer..

 ;)

Edit: Ja, das es dort dieses Jahr weniger gegossen hat, denke ich auch eher an den
Klimawandel.



Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 16. November 2018, 14:50:57
Zitat
Belegschaft verkleinert:
VW baut ab 2022 in Emden und Hannover Elektroautos

Volkswagen hat nun offiziell bestätigt, dass ab 2022 in den Werken Emden und Hannover ab 2022 Elektroautos vom Band laufen sollen. Dafür werden wegen verringerter Komplexität weniger Mitarbeiter benötigt.


Die Elektroauto-Initiative von Volkswagen fordert erste Opfer: Weil die Werke Emden und Hannover auf Elektroautos umgestellt werden, müssen Mitarbeiter gehen - vorläufig nur in Emden. VW bietet dafür unter anderem Altersteilzeit an. Mitarbeiter mit befristeten Arbeitsverträgen sollen recht kurzfristig am Standort nicht mehr benötigt werden. Ihnen sollen Angebote im Konzern gemacht werden. Das betrifft 500 Personen in Emden.

Im Volkswagen-Werk Hannover werden weiterhin Verbrennerfahrzeuge gebaut, doch ab 2022 auch elektrische Fahrzeuge der I.D.-Buzz-Serie. Das ist der elektrische Transporter von Volkswagen, der optisch an den ersten VW-Bus erinnert.

Die an den Standorten bisher gebauten Fahrzeugtypen sollen nach und nach in anderen Werken gebaut werden. Über die Aufteilung und den Terminplan will das Unternehmen noch entscheiden.

Der Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft, Willi Diez, befürchtete schon 2015 in einem Interview mit der Zeitschrift Auto, Motor und Sport einen massiven Arbeitsplatzabbau in der deutschen Autoindustrie, weil bei Elektroautos ungefähr ein Drittel der Wertschöpfung wegfalle. Elektroautos benötigen weit weniger Teile, weil der Verbrennungsmotor und seine Nebenaggregate wegfallen.

Auch Ha Bu-young, Chef von Südkoreas größter und mächtigster Gewerkschaft Hyundai Motor Union, hatte Anfang 2018 in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters ein düsteres Bild der Folgen der Elektromobilität gezeichnet. Bis zu 70 Prozent der Belegschaft könnten durch die Umstellung auf den Elektroantrieb ihren Arbeitsplatz verlieren, sagte er. Auch Unternehmen wie Ford und Daimler warnten ihre Belegschaft bereits, dass sie Effizienzsteigerungen bei der Herstellung von Elektrofahrzeugen erwarteten.

Das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung führte im Auftrag des Verbands der Automobilindustrie (VDA) eine empirische Studie durch, der zufolge rund 600.000 Arbeitsplätze in Deutschland direkt oder indirekt von einem Verbrennungsmotorverbot betroffen wären. Das sind rund zehn Prozent der Beschäftigten in der Industrie. Rund 130.000 Arbeitsplätze in kleinen und mittelständischen Spezialfirmen wären besonders bedroht. Laut Studie wären bei einem Zulassungsverbot knapp 13 Prozent der Bruttowertschöpfung der Industrie betroffen.
https://www.golem.de/news/belegschaft-verkleinert-vw-baut-ab-2022-in-emden-und-hannover-elektroautos-1811-137727.html (https://www.golem.de/news/belegschaft-verkleinert-vw-baut-ab-2022-in-emden-und-hannover-elektroautos-1811-137727.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 17. November 2018, 18:40:42
Zitat
VW - Zukunftssicherung durch Elektromobilität?

Bei VW in Hannover und Emden wurde auf Betriebsversammlungen diese Woche Produktionsverlagerungen und geplante Umstrukturierungen bekanntgegeben. Mit dem Abgasbetrug hat es VW an die Weltmarktspitze geschafft, und will auch so lange wie möglich an der Produktion von Verbrennungsmotoren festhalten. Mit der angekündigten Kooperation mit Ford rüstet sich VW für den Kampf um die künftigen Marktanteile in der Elektromobilität. 66 Prozent der bisherigen Transporter-Produktion in Hannover soll in das Ford-Werk Kocaeli in der Türkei verlagert werden.

Quelle: https://www.rf-news.de/2018/kw46/zukunftssicherung-durch-elektromobilitaet (https://www.rf-news.de/2018/kw46/zukunftssicherung-durch-elektromobilitaet)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 19. November 2018, 11:02:51
Zitat
16.11.18
„Herzlichen Glückwunsch an Volkswagen“

Die Zweifel an der Nominierung des CDU-Bundestagsabgeordneten Stephan Harbarth zum Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts wachsen. Der Unionspolitiker gilt etlichen Abgeordneten als ausgesprochen VW-freundlich.
(...)
Der 46-jährige Rechtsanwalt ist Partner der Mannheimer Sozietät SZA Schilling, Zutt & Anschütz, verdient dort zusätzlich zu seinen Abgeordnetendiäten noch so kräftig dazu, dass er zu den Spitzenreitern im Bundestag gehört, was die sogenannten Nebeneinkünfte betrifft.

Als problematisch daran gilt vor allem die Nähe der Kanzlei (Eigenwerbung: „Zu uns kommen Konzerne“) zur Großindustrie. So vertritt SZA beispielsweise die Volkswagen AG im Diesel-Abgasskandal.
(...)
https://www.welt.de/wirtschaft/bilanz/article183973704/Bundesverfassungsgericht-Herzlichen-Glueckwunsch-an-Volkswagen.html (https://www.welt.de/wirtschaft/bilanz/article183973704/Bundesverfassungsgericht-Herzlichen-Glueckwunsch-an-Volkswagen.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 19. November 2018, 12:27:51
FAW-VW Leiharbeiter nutzen das 30 jährige Jubiläum von Volkswagen in China, um ihre Rechte einzufordern.

(https://abload.de/img/img_5115cwibe.jpg)

Nach den spektakulären Protesten, die für die Mehrheit der Leihkräfte erfolgreich ausgegangen ist, aber ihrem Sprecher eine lange Zeit in Haft eingebracht haben, rumohrt wes weiter im Werk Changchun. Eine weitere Gruppe von Leiharbeitern klagt auf Gleichbehandlung durch Einhaltung des chinesischen Arbeitsrechts. Sie sind nun erneut mit einer Protestaktion an die Öffentlichkeit gegangen, die über soziale Medien im Land verbreitet wird. Sie richteten ihre Botschaft an den Konzernchef Herbert Diess.

(Soviel zu dem Argument des Konzernbetriebsrats, Volkswagen hätte nichts mit der Personalpolitik im Werk zu tun, das sei allein Sache des chinesischen Kooperationspartners FAW.)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 19. November 2018, 15:44:35
Zitat
Milliardenschwerer Import-Deal für Volkswagen in China

Volkswagen baut seine Beziehung zu dem Gemeinschaftsunternehmen FAW-Volkswagen Automotive aus – und schließt eine Kooperationsabkommen.


Volkswagen und das chinesische Joint-Venture FAW-Volkswagen Automotive haben eine milliardenschwere Kooperationsvereinbarung geschlossen. Im kommenden Jahr werde das Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Automobilkonzern FAW Fahrzeuge und Bauteile für rund neun Milliarden Dollar in die Volksrepublik importieren, teilte Volkswagen am Dienstag mit.

Das Abkommen sei auf der Messe China International Import Expo in Shanghai unterzeichnet worden. Für die Marke VW ist China - wie für viele westliche Hersteller - der mittlerweile mit Abstand größte Einzelmarkt.
https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/kooperation-milliardenschwerer-import-deal-fuer-volkswagen-in-china/23561378.html?ticket=ST-72657-FSHIzbddVjDgVgfOMDVO-ap2 (https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/kooperation-milliardenschwerer-import-deal-fuer-volkswagen-in-china/23561378.html?ticket=ST-72657-FSHIzbddVjDgVgfOMDVO-ap2)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 26. November 2018, 20:52:56
Englischsprachiger Artikel über die Unternmehmenspolitik von VW in China:

"Wiederholte Spaltung"

Repeated division
The struggle of temporary and outsourced workers at FAW-VW in Changchun, China, continues


https://www.gongchao.org/2018/11/26/repeated-division-at-faw-vw/ (https://www.gongchao.org/2018/11/26/repeated-division-at-faw-vw/)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 07. Dezember 2018, 10:07:15
ROTE FAHNE 25/18
Gewitterwolken über der Autoindustrie
Absatzrückgang, drohende Arbeitsplatzvernichtung und Abbau der Ausbildungsplätze ...

... bis dahin, Ausbildungswerkstätten zu schließen, ganze Werke, wie bei VW oder Opel, zur Disposition zu stellen, Diesel-Fahrverbote in immer mehr Städten zu verhängen ... VW-Chef Herbert Diess malt schon den Untergang der gesamten Autobranche an die Wand. Gleichzeitig werden die angeblichen Chancen für Werke und Umwelt durch die Einführung der E-Mobilität gepriesen. Welche Entwicklung ist in der Autoindustrie zu erwarten, und wie hängt das mit der weltweit turbulenten Lage zusammen?

 

Überfallartig kündigte der Chef der Nutzfahrzeug-Sparte von VW, Thomas Sedran, auf einer außerordentlichen Belegschaftsversammlung am 14. November in Hannover an, die Produktion eines Transporter-Modells ab 2024 in die Türkei zu verlagern. Die damit verbundene Vernichtung von 6000 Arbeitsplätzen und die kurzfristige Entlassung von 500 befristet Beschäftigten in Emden wird vernebelt durch eine „Standortvereinbarung“ über eine Beschäftigungsgarantie für Hannover und Emden bis 2028. Sedran: „Das erreichen wir durch die Umstellung auf Elektromobilität.“

 

Der Vorstand versuchte, dies auf der ordentlichen Belegschaftsversammlung am 27. November als „Abschied von alten Zöpfen“ und „Schritt in die Zukunft“ zu verkaufen. Ihm ist es aber nicht gelungen, die Kolleginnen und Kollegen für das Programm der Arbeitsplatzvernichtung und angeblichen Zukunftssicherung zu gewinnen. „Denen geht es doch immer nur um den Profit!“ – so denken viele. „Uns hat der Vorstand schon viele Modelle versprochen, aber meist nichts gehalten. Der Sedran ist immer mehr unten durch. Der hat doch schon Opel Bochum dichtgemacht. Aber von der Opel-Belegschaft können wir viel lernen.“ Kämpferische Kolleginnen und Kollegen griffen das Vorgehen des Vorstands und die Arbeitsplatzvernichtung an, die auch weitreichende Folgen für die Jugend hat. Die Zusage des Verzichts auf betriebsbedingte Kündigungen wirkt allerdings auch dämpfend. Sie fördert ein Denken, erst mal den eigenen Standort zu sehen. Verunsichert sind viele Kolleginnen und Kollegen auch über die Ursachen der Arbeitsplatzvernichtung: „Übertriebener Umweltschutz“ – oder die Jagd nach immer höheren Profiten?

 

Was kommt auf die Automobilarbeiter zu?
 

Der Blick über VW hinaus zeigt, dass auch andere Belegschaften vor denselben Problemen stehen. In den USA kündigte General Motors die Vernichtung von 15 Prozent der Arbeitsplätze und die Schließung von fünf Werken an, Ford hat ähnliche Pläne, dem Opelwerk in Eisenach droht ein Tod auf Raten und so weiter. Das hat auch drastische Folgen für die Familien der Auto­mobil­arbeiter, die Zukunft der Jugend und ganze Regionen, die von der Autoindustrie geprägt sind.

 Die Pläne für Hannover geben eine Vorstellung, was für Folgen die Einführung der E-Mobilität unter dem Diktat der Automonopole hat. Dazu schreibt der Vorwärtsgang, Zeitung von Kollegen für Kollegen bei VW: „Hochgerechnet auf alle Werke sind wir Ende des nächsten Jahrzehnts nur noch 70.000 statt 120.000 VWler in Niedersachsen – und da ist kein pleitegegangener Zulieferer, kein aufgegebenes Geschäft eingerechnet.“

 Im Kampf um die künftige Weltmarktführerschaft haben die bisher den Weltmarkt bestimmenden Autokonzerne in den USA, Europa und Japan an Boden verloren. Das ist eine Folge der Internationalisierung der kapitalistischen Produktionsweise. Mit der Entstehung neuer imperialistischer Länder wie China, Indien, Südkorea, Türkei usw. sind neue Konkurrenten entstanden, die mithilfe der E-Mobilität eine weltmarktbeherrschende Stellung erreichen wollen. Das macht den internationalen Konkurrenzkampf zu einer regelrechten Vernichtungsschlacht, die auf Kosten der Belegschaften und der ganzen Gesellschaft ausgetragen wird. Sie findet zurzeit noch hauptsächlich in Form von strategischen Allianzen, Fusionen, Joint Ventures usw. statt. Jüngstes Beispiel ist die strategische Allianz zwischen VW und Ford.

 Der Konkurrenzkampf wird mit harten Bandagen und der Verbreitung von nationalistischem Gedankengut geführt. So fordert US-Präsident Donald Trump von GM, Werke in Mexiko, Kanada und anderen Länder zu schließen, nicht aber in den USA – „America first“! Der Chef von BMW, Harald Krüger, spricht bereits von einem „Krieg“ mit China. Der Kampf um die Weltmarktführerschaft in der Autoindustrie wirkt als Triebkraft für die allgemeine Tendenz der impe­rialistischen Kriegsvorbereitung.

 Die Verbreitung der sozialchauvinistischen Denkweise in den Belegschaften dient auch der psychologischen Kriegsvorbereitung. Von faschistoiden und faschistischen Kräften wird – zum Teil mit Tolerierung der Konzernvorstände – reaktionärer Nationalismus zur Spaltung und Vergiftung der Belegschaften verbreitet. Für die Arbeiter verlaufen die Grenzen aber nicht zwischen den Nationen und Nationalitäten, nicht zwischen GM oder Daimler und deren Belegschaften. Die Grenze verläuft zwischen dem allein herrschenden internationalen Finanzkapital und der internationalen Arbeiterklasse sowie den Volksmassen. Die MLPD unterstützt deshalb den Zusammenschluss der internationalen Automobilarbeiter, ihre Kooperation und die Koordination ihrer Kämpfe.

 Die heraufziehende Strukturkrise auf der Grundlage der Umstellung auf die E-Mobilität und die Strukturkrise als Folge der Internationalisierung der kapitalistischen Produktion durchdringen sich mit weitreichenden Veränderungen durch die Digitalisierung in Produktion, Handel und im gesellschaftlichen Leben.

Im Augenblick melden fast alle Autokonzerne Absatzrückgänge, geben Gewinnwarnungen heraus, auch Zulieferer. Der von Präsident Trump angezettelte Handelskrieg verschärft die Faktoren für eine Überproduktionskrise. Der mögliche Ausbruch einer neuen Weltwirtschafts- und Weltfinanzkrise wird verbunden sein mit der gewaltigen Vernichtung von Kapital und Arbeitsplätzen, zumal den imperialistischen Regierungen nicht mehr dieselben finanziellen Mittel zur Krisendämpfung zur Verfügung stehen wie bei der letzten Weltwirtschaftskrise.

 

„Zu viel Umweltschutz“?

weiter im Text

https://www.rf-news.de/rote-fahne/2018/nr25/gewitterwolken-ueber-der-autoindustrie-absatzrueckgang-drohende-arbeitsplatzvernichtung-und-abbau-der-ausbildungsplaetze (https://www.rf-news.de/rote-fahne/2018/nr25/gewitterwolken-ueber-der-autoindustrie-absatzrueckgang-drohende-arbeitsplatzvernichtung-und-abbau-der-ausbildungsplaetze)




Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 08. Dezember 2018, 19:58:40
Zitat
Streik in Portugal – T-Roc-Modelle von VW hängen fest
Seit Mitte August streiken Hafenarbeiter in Setubal. Der Nachschub des T-Rocs von VW stockt deshalb.


(https://img.wolfsburger-nachrichten.de/img/wolfsburg/crop215962995/1063975371-w940-cv16_9-q85/5e3727fe-fa28-11e8-a23d-76bd290ec52a.jpg)
Die Autos aus dem portugiesischen Werk Palmela werden im Hafen von Setubal verladen. Dort aber streiken schon seit Wochen die Hafenarbeiter
https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/article215962997/Streik-in-Portugal-T-Roc-Modelle-von-VW-haengen-fest.html (https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/article215962997/Streik-in-Portugal-T-Roc-Modelle-von-VW-haengen-fest.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 12. Dezember 2018, 22:40:37
Zitat
11.12.18
Gebäudereiniger bei VW kriegen nicht mal Weihnachtsgeld

Wolfsburg Ihre Jobs sind schmutzig, anstrengend, schlecht bezahlt. Und Weihnachtsgeld gibt es auch nicht. Dagegen protestieren die Gebäudereiniger bei VW.

Sie säubern die Büros und Hallen bei Volkswagen und manche reinigen auch die Maschinen. Von den sozialen Errungenschaften, die beim Autobauer gelten, können die Gebäudereiniger allerdings nur träumen. Sie verdienen kaum mehr als den Mindestlohn und bekommen zudem kein Weihnachtsgeld. Gestern...(Bezahlschranke)
https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/article215994655/Gebaeudereiniger-bei-VW-kriegen-nicht-mal-Weihnachtsgeld.html (https://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/article215994655/Gebaeudereiniger-bei-VW-kriegen-nicht-mal-Weihnachtsgeld.html)

Das Engagement der IGM Wolfsburg wäre auch für andere Standorte wünschenswert.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rudolf Rocker am 13. Dezember 2018, 08:31:43
Hier gibts noch mehr dazu:

https://sauberkeit-braucht-zeit.de/vertrauensleute-und-betriebsraete-bei-vw-in-wolfsburg-unterstuetzen-kolleginnen-aus-der-gebaeudereinigung/ (https://sauberkeit-braucht-zeit.de/vertrauensleute-und-betriebsraete-bei-vw-in-wolfsburg-unterstuetzen-kolleginnen-aus-der-gebaeudereinigung/)

http://www.waz-online.de/Wolfsburg/Stadt-Wolfsburg/Gebaeudereiniger-kaempfen-fuer-Weihnachtsgeld (http://www.waz-online.de/Wolfsburg/Stadt-Wolfsburg/Gebaeudereiniger-kaempfen-fuer-Weihnachtsgeld)