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Industrie & Handwerk & Agrar => Industrie und Handwerk bundesweit => Thema gestartet von: Fritz Linow am 25. September 2015, 11:41:05



Titel: Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 25. September 2015, 11:41:05
Auch ohne die neueste Abgasaffäre dürte das hier ein schön langer Thread werden. Daher fange ich mal an:

Zitat
Ein besonders dreistes Beispiel für einen Werkvertrag kennt er [Bayerns IG Metall-Chef Jürgen Wechsler] von BMW am Standort Dingolfing. „BMW hat dort eine Werkshalle leergeräumt und per Werkvertrag den Kontraktlogistiker Schnellecke ins Haus geholt“, sagt er. Der erledige mit 400 Leuten dort, was vorher BMW-Stammpersonal getan habe.

http://www.fr-online.de/wirtschaft/werkvertraege-protesttag-gegen-werkvertraege,1472780,31889392.html (http://www.fr-online.de/wirtschaft/werkvertraege-protesttag-gegen-werkvertraege,1472780,31889392.html)

Die Schnellecke Group ist der Hoflogistiker von VW und Rolf Schnellecke war langjähriger Oberbürgermeister von Wolfsburg und ist mittlerweile auch Ehrenbürger.

Die Masche, die Schnellecke nun bei BMW durchzieht, geschah auch schon 2001 bei VW. Die Inzest zwischen VW und Schnellecke ist schon seit 2001 bekannt:
Zitat
Die engen Verflechtungen zwischen Schnellecke und VW fügen sich gut ein ins Ambiente dieser Autostadt. In der niedersächsischen Provinz, wo Wolfsburg VW und VW Wolfsburg ist, kennt jeder jeden. Man trifft sich im Aufsichtsrat der von VW und der Stadt gemeinsam initiierten Wirtschaftsförderungsgesellschaft Wolfsburg AG; man sitzt zusammen in der VIP-Lounge des VfL; man geht vereint zum Drachenbootrennen. Und natürlich schadet es da auch nicht, wenn ein großer Zulieferer gleichzeitig als Bürgermeister mit dem Konzern verhandelt.

http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/a-158117.html (http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/a-158117.html)

Rolf Schnellecke ist ein windiger und eitler Geschäftsmann, der gerne mehr gewesen wäre, weshalb er auch in die Politik ging. Die IG-Metall hätte vielleicht mit einer Wahlempfehlung gerade in Wolfsburg Schnellecke verhindern können. Aber dazu ist sie bekanntlich viel zu sehr in den VW-Filz eingebunden.
Kleines Schmankerl nebenbei: Schnellecke und Bsirske sind auf dieselbe Schule gegangen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 25. September 2015, 12:09:29
Im Zusammenhang mit den Werkverträgen der VW-Testfahrer, die ja auf der verschwundenen Seite leakleiharbeit.de thematisiert wurden, passt auch diese Meldung der Kanzlei Rat&Tat, die die restlichen Kläger vertritt:
Zitat
...Die IG Metall „übernahm“ von uns Rechtsstreitigkeiten, die sie trotz hinreichender Erfolgsaussichten und zur großen Überraschung selbst des Gerichts nicht weiterführte und zwar mit dem Ergebnis, daß nun alle von der IG Metall vertretenen Kläger leer ausgehen. Es drängt sich der Verdacht auf, als sie dies von Anfang an das Ziel der am Unternehmenskonsens interessierten IG Metall Wolfsburg gewesen. Jedenfalls bestätigte sich damit auf kaum erwartbare Weise, was wir kürzlich in diesem Zusammenhang als „heiße Luft“ der IG Metall in ihrem angeblichen „Kampf gegen Werkverträge“ skizzierten...

=342&tx_ttnews[backPid]=1]http://www.drgeffken.de/index.php?id=71&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=342&tx_ttnews[backPid]=1 (http://www.drgeffken.de/index.php?id=71&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 25. September 2015, 14:07:49
Der damalige 2. Vorsitzende der IG-Metall Wolfsburg, der zweitgrößten Verwaltungsstelle der IGM, Frank Patta hatte über einen längeren Zeitraum in feinster Selbstbedienungsmentalität immer wieder falsche Spesen abgerechnet (Bier, DJ...).
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-65794369.html (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-65794369.html)

Das hielt ihn nicht davon ab, 1. Vorsitzender der IG-Metall Wolfsburg zu werden. 2012 wurde er feierlich verabschiedet. Auch der VW-Gesamtpersonalvorstand gehörte zu den Laudatoren.
2010 wird ein gewisser Sebastian Patta Personalchef in Braunschweig (5700 Mitarbeiter).
http://www.kfz-betrieb.vogel.de/wirtschaft/articles/295568/ (http://www.kfz-betrieb.vogel.de/wirtschaft/articles/295568/)
Un tatsächlich sind der Manager Sebastian, der von berufswegen die Lohnkosten senken und Leute entlassen muss, und Frank, der genau das verhindern soll, Brüder.

Fazit: Es ist scheißegal, was man bei VW macht. Symbolisch rollen dann halt ein paar Köpfe (VW-Affäre,  VW-Abgasskandal...). Insgesamt betrachtet ändert sich nichts, weil bei VW Filz und Korruption die Stützpfeiler des Selbstverständnisses aller Beteiligten sind.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 25. September 2015, 16:34:42
"The Guardian" enthüllt: Europäische Regierungen verlangen lasche Prüfverfahren

25.09.15 - "rf-news" dokumentiert eine Enthüllung der liberalen britischen Zeitung "The Guardian" vom gestrigen Donnerstag. Der Artikel zitiert aus vertraulichen Dokumenten, denen zufolge staatliche Stellen aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien schon Monate vor dem VW-Abgas-Skandal bei der EU-Kommission vorstellig wurden, um die für 2017 geplanten schärferen Testvorschriften so zu verwässern, wie es bereits seit 30 Jahren der Fall ist.

Großbritannien, Frankreich und Deutschland wird Heuchelei vorgeworfen, indem sie einerseits hinter den Kulissen an veralteten Prüfverfahren für Kohlendioxidemissionen festhalten wollen und andererseits nach einer europäischen Untersuchung der Manipulationen von VW bei Luftverschmutzungstests rufen.

Dokumente, die der "Guardian" einsehen konnte, machen offensichtlich, dass diese drei Länder die Europäische Kommission bedrängten, Schlupflöcher in den Autotests aufzunehmen, die zu einem höheren Ausstoß an Kohlendioxydemissionen führen, der die Grenzwerte um14 Prozent übertreffen würde.

Gerade vier Monate vor dem jetzigen VW-Emissionsskandal unternahmen Großbritannien, Frankreich und Deutschland den Vorstoß, Schlupflöcher aus einem Test, der 1970 unter dem Namen NEDC konzipiert wurde, auf einen neuen Test zu übertragen, der unter dem Namen Personenwagen-Testverfahren (WLTP) den alten Test 2017 ersetzen soll.

Das neue Testverfahren sollte gerade solche Schlupflöcher schließen, die bis zu 20 Prozent Abweichungen zwischen zugesagten und tatsächlichen Werten ermöglicht hatten. Diese Schlupflöcher würden nicht nur die tatsächlichen CO2-Emissionen von Neuwagen auf 110 Gramm CO2 pro Kilometer steigern – deutlich über der EU-Grenze von 95 Gramm pro Kilometer – sondern auch für die Autofahrer 140 Euro mehr Spritkosten pro Jahr bedeuten gemäß den Berechnungen des grünen Vereins Verkehr und Umwelt (T&E).

Quelle: "The Guardian"

http://www.theguardian.com/environment/2015/sep/24/uk-france-and-germany-lobbied-for-flawed-car-emissions-tests-documents-reveal (http://www.theguardian.com/environment/2015/sep/24/uk-france-and-germany-lobbied-for-flawed-car-emissions-tests-documents-reveal)


Quelle

http://www.rf-news.de/2015/kw39/the-guardian-enthuellt-europaeische-regierungen-verlangen-lasche-pruefverfahren (http://www.rf-news.de/2015/kw39/the-guardian-enthuellt-europaeische-regierungen-verlangen-lasche-pruefverfahren)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 25. September 2015, 19:30:05
Gerne totgeschwiegen von VW und der Stadt werden die sogenannten Italienerbaracken, in denen es gerade Anfang der 70er einige Unruhen gab. Es gibt zwar ein paar Filme über die Italiener in Wolfsburg ( der bekannteste und beste ist wohl „Palermo oder Wolfsburg“), aber ansonsten nicht sonderlich viel, es sei denn, es wird als Erfolgsgeschichte dargestellt.
Der untenstehende Artikel von 1973 (etwas länger) enthält aber eigentlich alles, was das Herz begehrt: Ausbeuterbosse, korrupte Gewerkschaft und Politiker, gierige Kirche, selbstorganisierter Widerstand und dessen Scheitern.
Falls jemand weitere Quellen dazu hat, immer her damit.

Wo damals übrigens die Baracken standen, wird heute das Publikum mit VFL Wolfsburg bespaßt.



Quelle: Schulkampf Nr.12,Heidelberg o.J. (1973),S.10
(http://abload.de/thumb/schulkampf_heidelbergjqksm.jpg) (http://abload.de/image.php?img=schulkampf_heidelbergjqksm.jpg)
(http://abload.de/thumb/schulkampf_heidelberg6njix.jpg) (http://abload.de/image.php?img=schulkampf_heidelberg6njix.jpg)


"
Wir veröffentlichen den Bericht eines Sypathisanten des Kommunistischen Bundes Wolfsburg über die italienischen Arbeiter in den Baracken von Volkswagen.

Die Lager von Wolfsburg

Eine der Städte von Deutschland, wo die Ausbeutung von Ausländern massenhaft praktiziert wird, ist Wolfsburg. In dieser Stadt versucht man nicht einmal mit einem Schleier von falscher Demokratie die Wirklichkeit zu verdecken, wie es im Allgemeinen gemacht wird. Es gibt nur das nackte und rohe Verhältnis von Arbeiter und Unternehmer:“ Ich bezahle dich und du arbeitest und ich schere mich einen Dreck und deine Probleme als Ausgewanderter und deine Bedürfnisse als Mensch.“ Die ausländischen Arbeiter werden nicht nur in der Fabrik ausgebeutet, sondern auch danach, indem man ihnen menschenunwürdige Baracken gibt.
Alle wissen schon, daß Wolfsburg die Stadt von Volkswagen ist. In dieser Stadt arbeiten ca. 8000 Italiener, von denen fast 6000 in den Baracken der Firma schlafen.
Wenn man aus der Stadt kommt, überquert man nach einer Weile eine Brücke,die „Berliner Brücke“ heißt, von der das Lager seinen Namen hat. Wenn man von der Brücke herunterschaut, kann man eine ganze Reihe von Holzbaracken sehen (ca.60) und in der Mitte ein paar Steinhäuschen. Man glaubt plötzlich im Kino zu sein und einen dieser Kriegsfilme zu sehen, in denen Konzentrationslager vorkommen. Einen Augenblick bleibt man unentschieden, ob man weitergehen soll oder lieber umkehren. Aber dann geht man weiter, getrieben von der Notwendigkeit.
Das ganze Lager ist mit Stacheldraht umspannt. Es gibt einen einzigen Eingang, der vom Werkschutz kontrolliert wird. Um hineinzugehen muß man die Erkennungsmarke mit der Fotografie vorzeigen. Diejenigen, die kommen, um Arbeit zu suchen, oder die Eltern oder Freunde, müssen, um hineinzudürfen, ihren Paß dalassen, und einer der Wächter schreibt alles in ein Verzeichnis, sogar die Uhrzeit des Eintritts. Man bekommt den Paß erst beim Verlassen des Lagers wieder, das nicht später als 20 Uhr sein darf. Diejenigen, die Arbeit suchen, bekommen die ersten Ohrfeigen – moralische, versteht sich, da wir ja in einem „demokratischen“ System leben -, von einem Büttel der Fabrik, der ihnen sofort zu verstehen gibt, daß wir die Schafe sind. Eins der reizendsten Komplimente ist, wenn er sagt:“ Dusch dich und wasch dich gut, denn morgen untersucht dich der Arzt,“
Dann macht man mit den Baracken Bekanntschaft. Sie sind aus Holz und zweistöckig. In jedem Stock sind ca. 15 Zimmer, sowie die Klos, die Küche und Waschräume, -alles gemeinsam. Jedes Zimmer hat ca. 12 qm und man wohnt dort zu dritt. Es sind drei Betten übereinander darin, drei Schränke, drei Stühle, ein Tisch und ein Eisschrank. Die Miete ist 40 DM pro Person, das ist 120 DM pro Zimmer. Wenn wir die Anzahl der Zimmer der Baracken berechnen, sehen wir, daß der Profit der Firma beachtlich ist.
In Wolfsburg muß das Motto „Ausländische Arbeiter -doppelt ausgebeutet“ heißen „dreifach ausgebeutet“, denn auch der italienische Priester schert sich seine Schäfchen. Einmal stand auf einem Flugblatt der „Union Ausgewanderter Italiener/Wolfsburg („Unione Emigrati Italiani/Wolfsburg):“Dieser, statt unser Gewissen zu erleichtern, erleichtert uns unsere Taschen.“
Die Weisen, die Taschen der italienischen Arbeiter zu erleichtern, sind verschieden. Volkswagen hat ihm im Inneren des Lagers eine Baracke zugewiesen, wo er Sonntags die Messe predigt, und jeden Abend einen Film zeigt. Der Eintritt kostet wenig, nur 50 Pf., aber wenn wir berechnen, daß statt für 300-400 Personen für 700 Platz ist und daß er drei Filme im Monat vom italienenischen Konsulat geschenkt bekommt und daß es sich um Stummfilme handelt, deren Kommentar die Arbeiter im Saal besorgen und daß endlich all das seit sehr vielen Jahren betrieben wird, dann wird uns klar, daß der Gewinn in die Sterne steigt. Auch das Billard und die Flipper in der Kantine A waren Privatbesitz des „handelnden Priesters“.
Auch das „Italienische Zentrum“ diente gut dazu, die Taschen der Arbeiter zu erleichtern durch eine Bar, eine Pizzeria, Spiel- und Tanzsaal. Dann gab es die anderen Einkünfte.
Die Wochenzeitung des Priesters „Der Gruß des Sonntags“ brachte noch Gewinn, denn sie war voll von Reklame verschiedener lokaler Firmen. Das Geld, das der italienische Staat, der Caritas-Verband, das Sozialamt usw., auslegten, stillte noch nicht seinen Gelddurst: Er füllte die Formulare für die Vermögenswirksamenleistung (das Gesetz der 26 Mark im Monat) aus und schickte die Italiener zu einer Bank, von der er für jeden neuen Sparer einen Prozentsatz erhielt.
1970 aber hatte der Priester kein leichtes Leben, dank einer Gruppe von italienischen Arbeitern, es wurden Demonstrationen gemacht, wo unter anderem die Entfernung des Priesters gefordert wurde und die selbstständige Verwaltung des Kinos durch eine Arbeiterkomission, die von allen Bewohnern des Lagers gewählt wird. Natürlich entläßt die Firma – auf Verlangen des Priesters hin- einen der kämpferischsten Arbeiter. Die Gewerkschaft stellte sich dieser Entlassung nicht entgegen. Aber viele Arbeiter, enttäuscht vom Verhalten der Gewerkschaft, wollten austreten und sagten klar, daß sie nicht die 8 DM zahlen wollten für eine Gewerkschaft, die nichts gegen die Entlassungen unternahm. Durch diesen Protest war die Gewerkschaft gezwungen, einen Rechtsanwalt zur Verfügung zu stellen. Nach 15 Tagen sieht auch VW sich gezwungen, den Arbeiter wieder einzustellen und ihm auch die 15 verlorenen Tage zu zahlen.

Den italienenischen Arbeitern von Wolfsburg waren jedenfalls Massenproteste nichts Neues. In der Tat gab es, auch als keinerlei Organisation vorhanden war, Explosionen des Zorns gegen die Ausbeutung. Einmal passierte es, daß wegen Ärztemangels (Zwei für das ganze Lager) ein Arbeiter starb und einer in einen ernsten Zustand geriet. Gegenüber dieser Situation rebellierten die Arbeiter, und als die Unternehmensleitung die Polizei rief, bauten sie Barrikaden am Eingang des Lagers und verbrannten im Casino auch einige Baracken. Ein andermal geschah es, daß an Weihnachten ein christdemokratischer Abgeordneter die Grüße der Regierung bringen wollte. Das heißt, wie man in Sizilien sagt, er wollte die Arbeiter „dumm und zufrieden“ machen. Als er mit seinem Straßenkreuzer ins Lager fuhr, wurde er mit Schimpfworten und Steinen empfangen, sodaß er seinen Rückwärtsgang einlegen und fliehen musst, um nicht auch noch seine Haut zu hinterlassen.

Diese Explosionen von Zorn wären überall zu rechtfertigen, aber in der Situation in Wolfsburg erscheinen sie als die normalste Sache. Im Lager arbeiten nur Männer und in der Fabrik dürfen keine italienischen Frauen arbeiten. Aber die Mehrheit der Arbeiter ist verheiratet. Aber auch wenn sie Frauen mitbringen wollten, ohne sie arbeiten zu lassen, wäre es unmöglich, weil es ungeheuer schwer ist, ein Haus zu finden.

In der Zeit 1970 bis 71 hatten die Arbeiter einen hohen Grad von Kampfeswillen erreicht. Das Ergebnis wird im Mai 1971 sichtbar. Die Italiener organisierten die erste Demonstration des ersten Mai, der in Wolfsburg seit gut 25 Jahren nicht mehr gefeiert worden war. Der Demonstration schlossen sich auch die Deutschen an und zusammen bildeten sie einen Zug von mehr als 1000 Arbeitern, von denen die Hälfte Italiener waren. Es gelang der Firma Volkswagen nur, diesen Aufschwung des Kampfes zu beruhigen, indem sie Massenentlassungen inszenierte. Im Sommer wurden ungefähr 500 Arbeiter entlassen, unter denen sich natürlich die kämpferischsten befanden. Ihren Platz nahmen Tunesier ein.

Heute hat sich etwas geändert. Die Ausbeutung ist immer noch die gleiche. Im „Konzentrationslager“ ist nur die Hälfte der Arbeiter geblieben, der Rest lebt in den Kasernen, die die Firma bauen ließ. Von Holz ist man zu Zement übergegangen, aber in einem winzigen Zimmer lebt man noch genauso zu dritt. Don Parenti, der handelnde Priester, ist nicht mehr da. An seine Stelle ist ein anderer gekommen. Indem die Tunesier eingestellt wurden, haben die Bosse versucht, die Arbeiter zu spalten; das ist es, was sie durch die Unterschiede von Lohn und Brot versucht haben, zu erreichen. Aber sie haben eine dicke Enttäuschung erlebt, als sie am 1. Mai 1972 die italienischen, deutschen und tunesischen Arbeiter vereint gesehen haben!
"

(http://abload.de/img/lupo-martini-baracke-25oph.jpg) (http://abload.de/image.php?img=lupo-martini-baracke-25oph.jpg)
(http://abload.de/img/lupoplatzjlq75.jpg) (http://abload.de/image.php?img=lupoplatzjlq75.jpg)
(http://abload.de/img/italienerdorf_1962t7r8a.jpg) (http://abload.de/image.php?img=italienerdorf_1962t7r8a.jpg)
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(http://abload.de/img/italienerdorf_wolfsburxo81.jpg) (http://abload.de/image.php?img=italienerdorf_wolfsburxo81.jpg)
(https://abload.de/img/italiener-dorffoksr.jpg) (http://abload.de/image.php?img=italiener-dorffoksr.jpg)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 26. September 2015, 09:31:13
Hier wurden Fakten zusammengetragen. In der Diskussion der Mainstreammedien beweint man hingegen die Schäden am werbestrategischen Mythos "Made in Germany".

Ich halte unser Kurzzeitgedächtnis, unsere Geschichtslosigkeit, für eine große Schwäche.
Deshalb herzlichen Dank für diesen Hintergrundbericht.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 11. Oktober 2015, 22:02:32
Volker Rieble ist ein sehr unangenehmer Zeitgenosse, siehe hier: http://arbeitsunrecht.de/volker-rieble-das-zaar-poltern-fuer-das-kapital/
 (http://arbeitsunrecht.de/volker-rieble-das-zaar-poltern-fuer-das-kapital/)
Aber selbst dieser Kackvogel spricht ziemlich deutlich aus, was ein Problem bei VW ist, auch wenn er dabei gewiss nichts Gutes im Schilde führt:

Zitat
...Die gesetzliche Pflicht für die Aufseher (Aufsichtsrat), ganz genau hinzusehen, wo es Schwachstellen im Unternehmen gibt, funktioniert bei den Arbeitnehmern in Deutschland nicht. Ein Betriebsrat, der zugleich Aufsichtsrat ist, müsste den Vorstand auch darin überwachen, wie er mit ihm als Betriebsrat umspringt. Man kann aber nicht zugleich Teil des Problems und Teil der Aufsicht sein...

...Die Straftat heißt „Begünstigung von Betriebsratsmitgliedern“. Sie wird aber nur verfolgt, wenn es einen Strafantrag gibt, der entweder vom Arbeitgeber oder vom Betriebsrat oder von der Gewerkschaft kommt. Dreimal dürfen Sie raten, wer von diesen Gruppen ein Interesse hat, einen solchen Antrag zu stellen! Alle sind im Filz befangen...

...Betriebsräte haben im Aufsichtsrat ihres eigenen Unternehmens nichts zu suchen. Über unabhängige Arbeitnehmervertreter kann man von mir aus reden.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/vw-abgasskandal/abgasskandal-top-betriebsraete-von-vw-werden-gesetzeswidrig-bezahlt-13849839.html (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/vw-abgasskandal/abgasskandal-top-betriebsraete-von-vw-werden-gesetzeswidrig-bezahlt-13849839.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 19. Oktober 2015, 09:17:18
Und das ist jetzt wirklich grandios:

Zitat
Stephan Harbarth ist Obmann der Unionsfraktion im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz - und damit einer der wichtigsten Rechtspolitiker der CDU.

Harbarths Kanzlei "SZA Schilling, Zutt & Anschütz" wurde von VW in der Abgasaffäre mandatiert.

Im Rechtsausschuss des Bundestages stimmte Harbarth dafür, das Thema VW von der Tagesordnung zu nehmen.


http://www.sueddeutsche.de/politik/vw-abgasaffaere-und-verbraucherschutz-mandat-vs-mandant-1.2697251 (http://www.sueddeutsche.de/politik/vw-abgasaffaere-und-verbraucherschutz-mandat-vs-mandant-1.2697251)

Enthemmt, skrupellos, korrupt... das übliche halt und es ist in der Tat allmählich langweilig und ermüdend, diesen Dreck ertragen zu müssen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 07. November 2015, 08:15:12
Ein schönes Beispiel, wie eng Betriebsrat, Managerebene und Gewerkschaft bei VW miteinander verzahnt sind und nur nebenbei und irgendwie als selbstverständlich erwähnt:
Zitat
Auf Anfrage sagte Osterloh (Betriebsratsvorsitzender), der lange als Nachfolger für den Ende November ausscheidenden Personalvorstand Horst Neumann gehandelt wurde: „Ein Wechsel auf den Posten des Personalvorstands kommt für mich nicht infrage. Wir erleben derzeit, wie der Vorstand agiert und dabei die Interessen der Beschäftigten vollkommen außer Acht lässt.“

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Eklat-zwischen-VW-Betriebsrat-und-Vorstand (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Eklat-zwischen-VW-Betriebsrat-und-Vorstand)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Strombolli am 07. November 2015, 08:35:25
....
Enthemmt, skrupellos, korrupt... das übliche halt und es ist in der Tat allmählich langweilig und ermüdend, diesen Dreck ertragen zu müssen.


Genau so ist es. Ich frage mich immer: hat das System? Ja, es hat. - Eines Tages, der sich ja längst schleichend ankündigt, ist damit Schluß. Spätesntens, wenn alle deutschen Mädchen von Muslimen durchgebumst (http://www.spiegel.de/schulspiegel/sachsen-anhalt-lehrerverband-warnt-maedchen-vor-sex-mit-muslimen-a-1061626.html) und konvertiert sind und die Asylanten diese Scheinwelt begriffen haben.

Eine Welt der Lüge und des Betruges. Eine BRD des schönen Scheins, des Selbstbetruges.

Ob ich es noch erleben werde? Einen Tag mit positiven, motivierenden Nachrichten?


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Troll am 07. November 2015, 08:43:24
Da gab es doch was wovon alle immer geschwärmt haben, "Sozialpartnerschaft (https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialpartnerschaft)".
Die Genossen der Bosse, ein lohnendes Verhältnis nur nicht für die Arbeiter, aber die können eh froh sein überhaupt arbeiten zu dürfen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 26. November 2015, 23:19:46
So sieht die Beschwichtigung und Ruhigstellung mittels Propaganda und gekaufter Medien bei VW aus. Eine Woche Extraurlaub bei einem Weltkonzern erscheint erstmal recht passabel, trotz der hohen "Nachfrage". Ein Konzern, der es gewohnt ist, Just-in-Time zu produzieren, vergibt keine Minute Extraurlaub. Und jetzt gleich eine Woche?
Es geht jetzt los mit der Krise. Genauso war es bei den anderen Krisen auch.

Zitat
VW verlängert Weihnachtspause

Volkswagen schickt seine Mitarbeiter im Werk Wolfsburg in einen verlängerten Weihnachtsurlaub. Die Produktion des Verkaufsschlagers Golf und des neuen Touran soll sogar mehr als drei Wochen stillstehen.

Die endgültige Entscheidung über die Fahrweise fällt am Freitag. Geplant ist, dass die Produktion in Wolfsburg ab Donnerstag, 17. Dezember, ruht. Ausnahme: „Aufgrund der hohen Nachfrage und den derzeit laufenden Vorbereitungen für die neue Produktgeneration“ werde der Tiguan bis einschließlich Freitag, 18. Dezember, gebaut, so eine VW-Sprecherin.
In der Weihnachtswoche ruht dann die gesamte Produktion in Wolfsburg. In den arbeitsfreien Tagen rund um Weihnachten und Silvester werden Umbau-und Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt.

Das VW-Werk Wolfsburg startet im neuen Jahr wieder mit der Produktion des Tiguan am Montag, 4. Januar 2016. Die weiteren Produktionsbereiche mit der Golf-Familie und dem Touran starten in der zweiten Januarwoche am Montag, 11. Januar 2016.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-verlaengert-Weihnachtspause (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-verlaengert-Weihnachtspause)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Strombolli am 27. November 2015, 07:46:26
Was meint ihr, wie schnell die Karren alle weg wären, wenn sie nur 33% kosten würden.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: schwarzrot am 27. November 2015, 10:07:14
Was meint ihr, wie schnell die Karren alle weg wären, wenn sie nur 33% kosten würden.
Ich werd' das gefühl nicht los, du schreibst, was du tun würdest (wenn es die stickoxid-karren entsprechend billiger gäbe und du das geld hättest)?  ;)
->
Zitat
"Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht." - Die deutsche Ideologie. Marx/Engels
->
Zitat
"Kapital", sagt der Quarterly Reviewer, "flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel." - Thomas Joseph Dunning, zitiert in Das Kapital
->
Zitat
Das Bewusstsein kann nie etwas Andres sein als das bewusste Sein, und das Sein der Menschen ist ihr wirklicher Lebensprozeß." - Die deutsche Ideologie. Marx/Engels


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: schwarzrot am 27. November 2015, 10:16:20
Zitat
Auswirkungen von Stickoxiden

Stickoxide - insbesondere Stickstoffdioxid - reizen und schädigen die Atmungsorgane. Erhöhte Konzentrationen in der Atemluft haben einen negativen Effekt auf die Lungenfunktion von Kindern und Erwachsenen.[3] Sie sind maßgeblich für die Entstehung des Sauren Regens mitverantwortlich, wobei Salpetersäure (HNO3) durch Reaktion von (2 NO2 + H2O → HNO3 + HNO2) oder durch Aufnahme von N2O5 in Aerosolpartikel und nachfolgender Bildung von NO3− in der flüssigen Phase entsteht.

Bodennahe Stickoxide sind beim sogenannten Sommersmog verantwortlich für die Ozonbildung (O3) unter Einfluss von UV-Strahlung.[8] Die Bildung des Ozons wird hier durch das UV-Licht der Sonne ausgelöst:

    \mathrm{(1) \ \ NO_2 + O_2 \ \xrightarrow{h \nu} \ NO + O_3}

Da der Vorgang reversibel ist, ist die Ozonmenge an sonnigen Tagen am Nachmittag am höchsten und fällt über Nacht wieder ab.

    \mathrm{(2) \ \ NO + O_3 \ \xrightarrow \ \ NO_2 + O_2}

Beim Transport der Schadstoffe von den Emissionszentren weg wandelt sich das NO zunehmend in NO2 um, wodurch die Bildungsreaktion von Ozon (1) beschleunigt und die Abbaureaktion (2) reduziert wird. Entsprechend können in ländlicheren Gebieten höhere Ozonwerte gemessen werden als in den Städten.[8]

Außerdem sind sie klimawirksam und verstärken die Erderwärmung. Insbesondere Lachgas (N2O) ist ein Treibhausgas, dessen Treibhauswirksamkeit bei einem Zeithorizont von 100 Jahren 298-mal so groß ist wie die von CO2.[9]

Lachgas trägt in einem hohen Ausmaß indirekt zum Ozonabbau in der Stratosphäre bei.[10] Es wird durch UV-Strahlung photolysiert und bildet dabei NO, welches entsprechend der Gleichung (2) wiederum Ozon abbaut.
https://de.wikipedia.org/wiki/Stickoxide


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rudolf Rocker am 27. November 2015, 11:12:49
Davon abgesehen könnte ich mir so´ne Karre nicht mal geschenkt leisten!
Wovon denn Steuern, Versicherung, Sprit, Wartung und Reparaturen bezahlen?

Das Problem ist allerdings, das man in der Provinz auf ein Auto angewiesen ist oder aber kurze Arzttermine in der nächstgrößeren Stadt zu einer Tagesreise werden.
Der öffentliche Nahverkehr wird immer weiter eingeschränkt, was nebenbei zu einer weiteren Landflucht führt.
Es ist politisch so gewollt den öffentlichen Nahverkehr und ebenso die Bahn total verkommen zu lassen und massiv auf Autos zu setzen. Dabei kann man einmal mehr den Einfluss der Automobil- Lobby erkennen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Strombolli am 27. November 2015, 12:38:39
Es kotzt mich nach wie vor an, wie sich alles das "Zitierte" letztlich in irgendeiner Form bewahrheitet und ich nur wenig dazu beitragen kann, dies zu ändern.  kotz

Wenn ich meine lieben Mitmenschen Auto fahren sehe, so hätten sie einen "Trabant 501" verdient. Ficken, wählen und leben sie genau so blöd. Ich meine den Schwarm! Einzelne sind ja noch ganz nett, aber die Masse ist auf einem totalen Fehltrip, den ich nicht gehen will und auch nicht gehen werde.

Natürlich braucht man ein Auto. Die Gesellschaft und ihre Wirtschaft ist ja darauf ausgerichtet. Es ist Eines auf das Andere ausgerichtet, der typisch kapitalistische Verwertungskreislauf. Einen Kreislauf den ich hasse. In China ist gerade ein Sack Reis umgefallen.

Warum gehen gute Leute, Freunde ... von dieser Welt und ich muß jeden Tag wieder aufwachen?


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 04. Dezember 2015, 13:38:48
Zitat
VW-Aktien im Aufwind
Ernst Wolff 28.11.2015
Die Absurdität unseres Finanzsystems

Mitte September deckte die US-Umweltschutzbehörde die kriminellen Machenschaften des VW-Konzerns bei der Manipulation von Abgaswerten auf. Die ersten Meldungen von 11 Mio. betroffenen Fahrzeugen deuteten bereits an, dass VW vor der größten Herausforderung stand, die das Unternehmen je zu bewältigen hatte.

Inzwischen hat es weitere Hiobsbotschaften gehagelt: Das Bundesverkehrsministerium in Berlin hat im Oktober bekannt gegeben, dass auch Millionen in Europa zugelassene Volkswagen von dem Skandal betroffen sind. Die amerikanische Umweltschutzbehörde wiederum hat die Weltöffentlichkeit Anfang November darüber informiert, dass bei den Automarken Audi und Porsche ebenfalls manipuliert wurde.

Die jüngsten Tiefschläge kamen aus Südkorea und Kalifornien. Zunächst verurteilte das südkoreanische Umweltministerium VW zu einer Geldstrafe von 11,6 Mio. Euro und verlangte den Rückruf von 125.000 Dieselfahrzeugen bis zum 6. Januar 2016. Dann teilte die kalifornische Umweltbehörde mit, sie setze Volkswagen, Audi und Porsche eine Frist von 45 Tagen, um einen Rückrufplan für die betroffenen Fahrzeuge einzureichen.

Der finanzielle Schaden für den Konzern lässt sich derzeit noch nicht einmal annähernd einschätzen. Die Umrüstung der Fahrzeuge wird Milliarden verschlingen, und die Strafzahlungen, die allein in den USA drohen, werden zurzeit mit 18 Mrd. Dollar beziffert. Volkswagen hat bisher ganze 6,5 Mrd. Euro für diese Zahlungen zurückgestellt.

Es ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass Staaten mit eigener Autoproduktion alles tun werden, um VW weiter in die Enge zu treiben, um so die Konkurrenzsituation der eigenen Marken zu verbessern. Aus diesem Grund wird dem Wolfsburger Konzern in der tiefsten Krise seiner fast 80jährigen Geschichte auch zukünftig ein eisiger Wind entgegenwehen.

Trotzdem steigt der Aktienkurs

Gleichzeitig aber zeichnet sich am Aktienmarkt eine Entwicklung ab, die diese Tatsachen vollkommen zu ignorieren scheint: Seit knapp zwei Wochen steigt der Kurs der VW-Aktie stetig an. Wie kann das sein...? Glauben Investoren allen Ernstes, dass VW wie ein Phönix aus der Asche steigen und als Gewinner aus der gegenwärtigen Krise hervorgehen kann?

Keinesfalls. Die steigenden Kurse sind nur eine Folge der Deregulierung der Finanzmärkte und ein hervorragendes Beispiel für den Wahnsinn, der die Aktienmärkte derzeit beherrscht. Die Deregulierung erlaubt es großen Investoren (wie z.B. den Hedgefonds) nicht nur, an steigenden Kursen (die ja die positive Einschätzung der Entwicklung eines Unternehmens widerspiegeln), sondern auch an fallenden Kursen zu verdienen. Das funktioniert unter anderem über den Mechanismus der Leerverkäufe (englisch: short selling).

Bei einem Leerverkauf setzt ein Investor darauf, dass der Kurs eines Unternehmens fallen wird. Statt ein Aktienpaket zu kaufen, leiht er es sich zu einem niedrigen Preis (im Allgemeinen 1 bis 2 Prozent des Kurswertes), verkauft es umgehend und hat nun innerhalb der Leihfrist Zeit, die Aktien mit dem eingenommenen Geld zu kaufen.

Im Falle VW haben viele große Investoren unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Skandals auf fallende Kurse gesetzt und solche Leerverkäufe getätigt. Dass genau zwei Monate nach Einsetzen des Skandals der VW-Aktienkurs wieder in die Höhe geschnellt ist, zeigt, dass viele von ihnen sich die Aktienpakete für zwei Monate geliehen hatten und sie nun auf Grund vertraglicher Abmachungen die gleiche Menge Aktien kaufen müssen, um sie zurückgeben zu können.

Wetten schaffen keine Werte
weiter: http://www.heise.de/tp/artikel/46/46697/1.html (http://www.heise.de/tp/artikel/46/46697/1.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 01. Januar 2016, 19:44:57
Für die besondere Wolfsburger Konstellation zwischen Werk, Gewerkschaft und Politik sind neben dem Porsche/Piech-Clan zwei weitere Personen nicht ganz unwichtig: der legendäre Firmenpatriarch Heinrich Nordhoff (1948 bis 1968) und der erste Betriebsratsvorsitzende Hugo Bork (1951 bis 1971). Der ehemalige Wehrwirtschaftsführer Nordhoff und der Arbeitervertreter waren bis 1945 beide Mitglieder der NSDAP. Beide verband eine antikommunistische Einstellung.

In den Fünfzigern:
Zitat
Sozialkritische Bühnenstücke - zum Beispiel von Brecht lehnte die Werkleitung als für das Wolfsburger Publikum ungeeignet ab.

http://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/aufbau_west_ost/katlg12.htm (http://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/aufbau_west_ost/katlg12.htm)

Diese immerwährende große Koalition funktionierte schon damals unter anderem deswegen, weil es keine Anknüpfungspunkte an die Gewerkschaftsbewegung der Weimarer Republik gab. Junge Stadt, junge Gewerkschaft in der Findungsphase. Dazu passt, dass zu Anfang viele katholische Arbeiter aus dem Ruhrpott gekommen waren (Nordhoff bevorzugte Katholiken), die aber ziemlich bald gegen protestantische Ostflüchtlinge ersetzt wurden, die weniger Kampfbereitschaft mitbrachten, weil sie eher aus ländlichen Regionen stammten.

Die wirtschaftliche und auch kulturelle Abhängigkeit vom Werk hat außerdem verhindert, dass sich eine selbstständige Alternative entwickeln konnte, geschweige denn dass es nennenswerte Arbeitskämpfe gab. Die Verbindung VW/IGM in Wolfsburg war schon immer ein Wohlstandsmodell und auch Testlabor für den Rest der Republik, unter anderem auch die Agenda 2010. Der gemeine Wolfsburger sagt übrigens nicht:“ Ich bin Arbeiter im Werk“ oder „ich bin bei VW beschäftigt“, sondern er spricht von sich als Werks-Angehörigen. So stark ist die „una familia“ auch sprachlich in den Gehirnen verankert.

Von den knapp 60.000 Werks-Angehörigen in Wolfsburg ist nur gut ein Drittel direkt in der Produktion beschäftigt. Dort werden täglich 4000 Autos zusammengebaut. Die übrigen sind in der Verwaltung, in der Forschung, im Management und als sonstwas angestellt. Das heißt, dass es eine relativ starke sehr gut verdienende Mittelschicht gibt, die sich vorzüglich in Wolfsburg und Umgebung eingerichtet hat. Diese Mittelschicht würde einen Teufel tun, sich mit den gemeinen Arbeitern zu solidarisieren. Das ist aber eh nicht nötig, weil auch der Arbeiter in der Produktion gut verdient und ansonsten auch prima ruhiggestellt wird: in keiner anderen Stadt dieser Größenordnung gibt es wohl ein ähnliches Bespaßungsangebot wie in Wolfsburg. Selbst die Leiharbeiter verdienen noch überdurchschnittlich.

Man kann diese ganze Sozialpartnerschaft und Vetternwirtschaft in Wolfsburg zwar zum Kotzen finden, insgesamt wird es die Wolfsburger aber nicht jucken. Dafür geht es ihnen zu gut mit diesem Modell. Dass dieser Wohlstand auf Kosten der schon erwähnten italienischen Gastarbeiter oder der anderen Produktionsstandorte erwirtschaftet wird, interessiert die Wolfsburger auch nicht. Wolfsburg ist nie wirklich eine Arbeiterstadt mit einem Arbeiterbewusstsein gewesen, wie es vielleicht die K-Gruppen und andere Leute gerne gehabt hätten. Stattdessen wurde schon sehr früh der Grundstein für diese mythenhafte Schicksalsgemeinschaft zwischen VW, IGM, und Politik gelegt, die auch heute noch gepflegt wird. Vielleicht brauchen die Leute diesen Mythos ja auch, denn der Arbeitsplatz bei VW in Wolfsburg ist der einzige Anker, der in dieser potthässlichen Monostadt etwas Halt gibt.

Von Wolfsburg als Sitz des Stammwerks sollte man nichts gutes erwarten, eher von den anderen Standorten.

(http://abload.de/img/schwanzvergleich_nordesp0r.png) (http://abload.de/image.php?img=schwanzvergleich_nordesp0r.png)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 02. Januar 2016, 01:03:56
Nochmal ein Versuch, Wolfsburg und VW besser zu verstehen

Heinrich Nordhoff, damaliger Chef von VW, zur Forderung der 40-Stunden-Woche 1955:
Zitat
"Ich will auch, obwohl das vielleicht nicht populär ist, daran erinnern, daß es auch ein Glück der Arbeit gibt, dessen Befriedigung unendlich viel größer ist als die des Müßiggangs. Sicher wäre ein freier Samstag für viele ein schönes Geschenk, aber für viele auch ein Fluch. Die meisten Menschen leben ohnehin auf der Flucht vor sich selbst, ihnen wird ein fehlender Arbeitstag die Leere noch vergrößern und die trostlose Flachheit, in der freie Zeit vertrödelt wird, noch stärker zutage treten lassen."

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-31971510.html  (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-31971510.html)

Insgesamt war der Organisierungsgrad bei VW recht gering. Da die bundesweite Kampagne „Samstags gehört Vati mir“ der IGM allgemeine Zustimmung fand, musste auch Nordhoff Zugeständnisse machen. Darauf verkündete die IG-Metall ebenfalls 1955:
Zitat
"Dank der aktiven Arbeit unserer Gewerkschaftskollegen ist Nordhoff nicht mehr der König in seinem Reich, weil wir ihm Paroli bieten. Da wir wissen, daß die Wolfsburger einen Mythos brauchen, sind wir jetzt dabei, einen neuen Mythos zu schaffen - den Hugo-Bork-Mythos."

http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/31971510  (http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/31971510)

1957 kam dann die 40-Stunden-Woche bei VW.

Heinrich Nordhoff hatte im Rahmen des Wirtschaftswunders quasi im Alleingang für relativ gute Arbeitsbedingungen gesorgt, zum Beispiel mit den jährlichen Mitarbeiterprämien, wohlwissend dass nur dadurch die nötigen Arbeiter angelockt werden konnten, um seinen internationalen Expansionskurs ausführen zu können. Insgesamt lag der Lohn aber immer noch knapp unter dem der Kumpel im Ruhrgebiet.
VW gehörte nie dem Arbeitgeberverband an. In anderen Betrieben gerade in Niedersachsen aber wuchsen dadurch die Begehrlichkeiten der Metallbeschäftigten, so dass sowohl die Betriebe, z.B. Hanomag als auch die IG-Metall unter Verhandlungsdruck standen.

Hier nun hat die Gewerkschaft den Hugo-Bork-Mythos kreiert, um zu vermitteln, dass es die Gewerkschaft war, die die Erfolge errungen hat. Es ist zwar richtig, dass die IGM bundesweit die 40-Stunden-Woche in Tarifverträgen allmählich durchgesetzt hat, in Wolfsburg aber war die IGM lediglich Trittbrettfahrer.
Nordhoff war schlau genug, die Gewerkschaft mit ins Boot zu holen, denn mit „guten“ Arbeitsbedingungen, die vorgeblich von einer Gewerkschaft erkämpft wurden, konnte man auch Arbeiter anlocken. Es gibt noch genügend Augenzeugenberichte, wie scheiße und mühsam die Arbeit im Werk in den 50ern und 60 ern wirklich war. Das wurde nur durch die Gastarbeiter abgemildert, die die besonders beschissenen Arbeiten verrichten mussten, z.B. Lackierei.
Sämtliche Verbesserungen sind nicht der Kampfbereitschaft der Beschäftigten geschuldet, sondern der Erkenntnis der Unternehmensführung, dass es sonst kein Personal gibt, denn das spärlich besiedelte Umland war schnell ausgeschöpft.

Als junge Stadt ohne weitere Geschichte muss aktiv Geschichte geschrieben werden. In Wolfsburg wurden daher Legenden und mythische Figuren gebildet. Das sind natürlich Ferdinand Porsche, Peter Koller (Stadtplaner), Heinrich Nordhoff und eben Hugo Bork. Der Gewerkschafter, Betriebsratsvorsitzender und Bürgermeister in Personalunion Hugo Bork gilt auch heute noch als Musterbeispiel der Bodenständigkeit, Bescheidenheit und sozialem Engagement und somit als Vorbild der IG-Metall Wolfsburg, der zweitgrößten Niederlassung der größten DGB-Gewerkschaft.
Die Unternehmensführung nahm und nimmt dieses gewerkschaftliche Feigenblatt gerne in Kauf, da sie absolut nichts zu befürchten hat. Und so radelt der schon längst vestorbene Hugo Bork immer noch imaginär durch die Fuzo und alle grüßen ihn und er grüßt zurück.

Da, wo nur Verklärung und Lügen überliefert werden, sollte man auch nichts anderes erwartet.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 02. Januar 2016, 17:13:32
2013 waren von den 1.1 Mio Beschäftigten in der Autoindustrie 100.000 Leiharbeiter und 250.000 Werkvertragsbeschäftigte. VW bildet da natürlich keine Ausnahme und so gab es im September 2015 eine Protestaktion in Wolfsburg (wobei 100 Teilnehmer recht wenig erscheinen):
Zitat
„Es geht gegen die Spaltung von Stammbelegschaften“, betont Jutta Ehlers, politische Sekretärin der IG Metall. Egal ob Ceva, Hansmann oder Schnellecke – auch in Wolfsburg seien laut IG Metall zahlreiche Mitarbeiter von einem Missbrauch der Werkverträge betroffen.

http://www.waz-online.de/Wolfsburg/Stadt-Wolfsburg/Werkvertraege-Protest-Faire-Bezahlung! (http://www.waz-online.de/Wolfsburg/Stadt-Wolfsburg/Werkvertraege-Protest-Faire-Bezahlung!)

Gerade die Spedition Schnellecke hat eine wundersame Karriere hingelegt. Als Wolfsburger Unternehmen ist es schon immer für VW gefahren, aber richtig groß wurde Schnellecke erst, als es sich Anfang der 90er die Karosseriewerke Dresden GmbH (KWD), einen Zulieferer für die Automobilindustrie, einverleibte. Mittlerweile „steuern und optimieren 17.000 Mitarbeiter Lieferströme, konfektionieren bedarfsgerecht, liefern „just in time“ und „just in sequence“ an die Produktionsbänder der Automobilindustrie und übernehmen die Montage von Komponenten sowie die Vormontage und Veredelung ganzer Baugruppen.“
http://iran.ahk.de/fileadmin/ahk_iran/Event/NMWAV-Broschuere-Delegation-Iran-WEB_01.pdf (http://iran.ahk.de/fileadmin/ahk_iran/Event/NMWAV-Broschuere-Delegation-Iran-WEB_01.pdf)

Schnellecke als Werkvertragsunternehmen ist inzwischen selbst zu einer eigenen Größe geworden und bietet Komplettlösungen für Unternehmen an. Überall da, wo VW ist, hat auch Schnellecke seine Niederlassungen.
Das wäre wenig spektakulär, gäbe es nicht auch die andere Seite des Geschäftsführers Rolf Schnellecke:
In den 80ern war er Referatsleiter Wirtschaft, Finanzen, Internationale Beziehungen in die Staatskanzlei Hannover. Dort war er auch von 1986 bis 1990 Leiter der Kabinettsabteilung.
Von 1995 bis 2011 war er Bürgermeister von Wolfsburg. Just in diese Zeit fällt der rasante Aufstieg der Schnellecke-Group. Selbst seine Beteiligung an der Auslagerung der Sitzteilfertigung nach Polen konnte ihm nichts anhaben.
2001:
Zitat
Warum (...) bekommt der Stadtchef einen Auftrag nach dem anderen? Darf ein Stadtoberhaupt mit dem größten Arbeitgeber am Ort Geschäfte machen (...)?
Unangenehme Fragen, so scheint es. Als vor der Oberbürgermeisterwahl im Februar dieses Jahres Schnelleckes VW-Connection angeblich hochzukochen drohte, soll das Thema binnen Stunden von einer unheiligen Allianz aus Politik, VW-Managern und Betriebsrat beerdigt worden sein.
Nicht einmal der politische Gegner soll damals versucht haben, aus der konfliktträchtigen Symbiose Kapital zu schlagen. Dies ist auch kein Wunder gewesen. Ein führendes SPD-Mitglied ist zugleich Betriebsrat bei VW, außerdem Aufsichtsrat des von VW gesponserten Fußballbundesligisten VfL Wolfsburg. In letzterer Funktion verhandelt er gerade mit Schnellecke in dessen Eigenschaft als Oberbürgermeister über den Bau eines neuen Stadions.
(…) der Aufstieg Schnelleckes vom Kleinspediteur mit zwei Lieferwagen zu einem Logistikunternehmer mit weltweit 6000 Mitarbeitern und gut einer Milliarde Mark Umsatz scheint ohne einflussreiche Helfer im VW-Konzern kaum möglich gewesen zu sein.

http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/a-158115.html (http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/a-158115.html)

Nach einer Razzia wegen Vorteilnahme im Wahlkampf der inzwischen von Rolf Schnellecke bewohnten „Nordhoff-Villa“ 2010 sagt er empört:
Zitat
"Ich habe mir über die 35 Jahre als Beamter nicht das Geringste zuschulden kommen lassen."

http://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article11400679/Das-Prinzip-Wolfsburg.html (http://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article11400679/Das-Prinzip-Wolfsburg.html)

Das kann man als amüsante Provinzposse abtun, es sind aber alles andere als provinzielle Dimensionen, um die es da geht: vor ein paar Monaten veranstaltete das Land Niedersachsen zum Beispiel eine Reise inklusive Wirtschaftsdelegation in den Iran. VW hatte kurzfristig (wohl aus Imagegründen) die Teilnahme abgesagt. Egal, die Vorhut in Form von Rolf Schnellecke war natürlich mit an Bord:
Zitat
"Donnerwetter!", entfährt es Rolf Schnellecke von der Schnellecke Group AG & Co. KG, Autozulieferlogistik. Er wird sein Bild von Iran überdenken müssen.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-139456030.html (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-139456030.html)

Diese Glückwunschanzeige zu Piechs 75. Geburtstag 2012 sagt eigentlich mehr aus als alle Fakten:
(http://abload.de/img/glckwunsch_schnelleckvqr1u.jpg) (http://abload.de/image.php?img=glckwunsch_schnelleckvqr1u.jpg)
http://www.braunschweiger-zeitung.de/media/638567--4842/Piech-Beilage.pdf (http://www.braunschweiger-zeitung.de/media/638567--4842/Piech-Beilage.pdf)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Bowie am 26. August 2016, 19:25:33
Zitat
Abgas-Affäre: Regierung wusste seit Jahren von Manipulationen
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vw-abgas-affaere-regierung-wusste-seit-jahren-von-manipulationen-1.3138240 (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vw-abgas-affaere-regierung-wusste-seit-jahren-von-manipulationen-1.3138240)

Ach!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 26. August 2016, 19:50:25
Der ganze Haufen von Verantwortlichen und Mitwissern gehört für die Schäden persönlich haftbargemacht.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: dagobert am 26. August 2016, 21:58:54
Zitat
Abgas-Affäre: Regierung wusste seit Jahren von Manipulationen

Was anderes hätte mich auch gewundert.

Pfeifen die Spatzen doch schon seit Jahren von den Dächern:
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=23385.msg310148#msg310148 (http://www.chefduzen.de/index.php?topic=23385.msg310148#msg310148)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 23. September 2016, 15:42:48
Ungewöhnlich viele Produktionsausfälle in letzter Zeit:

Zitat
Kaputte Presse: VW muss Golf-Produktion stoppen

22.09.
Wolfsburg. Die Bänder in der Golf-Produktion in Wolfsburg stehen schon wieder still. Wegen technischer Probleme im Presswerk muss VW die Fertigung seines Verkaufsschlagers für mehrere Tage stoppen, wie ein VW-Sprecher gestern auf WAZ-Anfrage bestätigte. Tausende Mitarbeiter bleiben ab heute zu Hause, erst am Mittwoch sollen im Werk Wolfsburg wieder Golf-Autos gebaut werden.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-muss-Produktion-des-Golf-tagelang-einstellen (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-muss-Produktion-des-Golf-tagelang-einstellen)

Könnten auch Absatzschwierigkeiten sein und die Halden sind voll.

Zitat
Zwangspause bei VW dauert bis Mittwoch
24.09.
Wolfsburg. Zwangspause in der Golf-Produktion: Wegen eines technischen Defekts im Presswerk stehen die Bänder noch bis zum kommenden Mittwoch still. Die von dem Ausfall betroffenen 6000 Mitarbeiter erhalten ihre Bezüge auch während der Unterbrechung, wie ein Unternehmenssprecher von VW gestern erklärte.(...)Nach WAZ-Informationen handelt es sich bei dem technischen Problem mit der Presse, die in Halle 1a steht, um ein höchst seltenes.(...)Nach Insider-Informationen hat es einen vergleichbaren Defekt an einer Großpresse bislang nicht im Wolfsburger Werk gegeben.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Zwangspause-bei-VW-dauert-bis-Mittwoch (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Zwangspause-bei-VW-dauert-bis-Mittwoch)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 30. September 2016, 19:18:41
VW hat ein grundsätzliches Problem damit, Sachen aufzuarbeiten, nicht nur bei den Dieselmotoren, sondern nun auch mit seiner Rolle in Brasilien während der Diktatur:

Zitat
27.06.2016
Ex-Sicherheitschef von VW in Brasilien zur Kollaboration mit Diktatur angehört

Opfer fordern Schuldanerkennung von VW do Brasil. Ehemaliger Oberst weist alle Vorwürfe zurück. Staatsanwalt will neue Dokumente von Mutterkonzern (...)

https://amerika21.de/2016/06/155089/aussagen-vw-brasil-diktatur (https://amerika21.de/2016/06/155089/aussagen-vw-brasil-diktatur)

Da geht es um Überwachung der Mitarbeiter innerhalb und außerhalb des Werksgeländes, die Weitergabe von Informationen an die Polizei und die Erstellung von "schmutzigen Listen" über unliebsame Arbeiter, Schlagen, Folter und Terror mit Wissen des Unternehmens und natürlich das große Schweigen. Man darf gespannt sein.
Wenn man überlegt, wie lange es gedauert hat, bis in Wolfsburg das Thema NS-Zeit mal endlich auf den Tisch kam, wieviele Lücken und bewusstes Ignorieren bis heute bei VW und in der Stadt üblich sind, dann dauert das in Brasilien auch noch ein paar Jahrzehnte. Die Aufarbeitung ging hier erst mitte 80er gegen viel Widerstand los.
Wer sich dafür näher interessiert abseits der Propaganda, hier ein Text von einem der ersten Nestbeschmutzer, der damals jede Menge Staub aufgewirbelt hatte:
Porsche & Piëch haben gesiegt
http://www.sopos.org/aufsaetze/488762df75794/1.phtml (http://www.sopos.org/aufsaetze/488762df75794/1.phtml)  

und von einem anderen ein genauerer Überblick:
Die Vergangenheit ist nicht vorbei
http://www.schattenblick.de/infopool/politik/wirtsch/pwun2290.html (http://www.schattenblick.de/infopool/politik/wirtsch/pwun2290.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 02. Oktober 2016, 11:47:56
(http://fs5.directupload.net/images/161002/9ivybseo.jpg) (http://www.directupload.net)

Wenn VW ernsthaft dabei mithelfen will, seine Rolle in Brasilien aufzuklären, darf ein Name auf keinen Fall fehlen:  Friedrich Wilhelm Schultz-Wenk.
Dieser glühende Nazi war 1948 nach Brasilien ausgewandert, hatte Kontakte geknüpft und dann den Nazi und ehemaligen Rüstungsmanger Heinrich Nordhoff davon überzeugt, in Brasilien ein Werk zu bauen. Nordhoff war begeistert, zumal nach seinen Worten im unterentwickelten Brasilien die Menschen direkt vom Baum ins Auto steigen.
Schultz-Wenk war von 1950 bis 1968 Chef von VW Brasilien. Aus dem Jahr 1966 stammt eine Stern-Reportage über Schultz-Wenk, die aufschlussreiche Einblicke in die Welt von VW in Brasilien liefert. Es gebe vielleicht 200 wichtige Leute, Minister, Governeure, Generäle, Banker und so weiter, die man kennen müsse, um etwas zu erreichen. Er kenne alle persönlich.
Auf die Frage, wie seine Beziehungen zu den Gewerkschaften sind, sagte er: "Ich bin meine eigene Gewerkschaft. Diese Beziehungen sind nicht wichtig, es gibt keine Streiks. Wer so etwas propagiert, wird gefeuert." Erst vor kurzem habe er die Produktion gesteigert, indem er einfach die Geschwindigkeit erhöhte. Aufseher übten Druck auf die Beschäftigten aus, die auf wundersame Weise parieren.
Quelle: STERN, 16 Oktober 1966

Dazu passt, dass ausgerechnet der KZ-Massenmörder Franz Stangl laut Abschlussbericht der brasilianischen Wahrheitskommission nicht nur als Mechaniker bei VW beschäftigt war, sondern auch den Werkschutz aufgebaut habe und für die Sicherheit zuständig gewesen sein soll.

Nachfolger von Schultz-Wenk in Brasilien wurde Rudolf Leiding, der auf das von  seinem Vorgänger geschaffene Korruptionsnetz aufbauen konnte. Dafür wurde er 1971 sogar zum Ehrenbürger von Sao Paulo ernannt, ausgerechnet vom damaligen Bürgermeister Paulo Maluf, der bis heute als Inbegriff der Korruption in Brasilien gilt.
Leiding ging zurück nach Wolfsburg und war bis 1975 Vorstandsvorsitzender. In diese Zeit fallen die Umstellung der Produktion auf den Golf, vereinzelte Arbeitsniederlegungen und Massenentlassungen der italienischen Gastarbeiter, die Installation von Gittern im "Tunnel" (einem Eingang, der unter dem Mittellandkanal zum Werk führt), weil man Aufruhr befürchtete und schriftliche Einschüchterungen an die Belegschaft. Auf Betriebsversammlungen betonte er stets, dass nur die Tochtergesellschaften Gewinn einbringen. Damit dürfte er hauptsächlich Brasilien gemeint haben, wo er sich bestens auskannte und um die Methoden wusste, wie man Leute ausbeutet.

Es ist eigentlich ziemlich offensichtlich, dass VW in Brasilien nicht nur deswegen recht früh aktiv wurde, weil es sich zu lohnen schien, sondern gerade weil eine personelle und ideelle Kontinuitat zwischen den Altnazis in Wolfsburg und den Altnazis in Brasilien vorhanden war. Durch diese alten Seilschaften hat sich VW in Brasilien und anderswo einen Einfluss ergaunert wie kaum eine andere Firma.

Das alles mag zwar lange her und deswegen vielleicht nicht mehr so interessant sein, das Problem ist aber, dass VW seine Geschichtsschreibung in die eigenen Hände genommen hat und deshalb unangenehme Fragen nicht vollständig beantworten wird. Die Geschichtsschreibung gehört zur Konzernkommunikation und im Zweifelsfall kann VW auch genug Druck auf unabhängige Forschung ausüben. Ausserdem sterben diejenigen, die den Finger in die offene Wunde gelegt haben, allmählich aus.

Aus Porsche & Piëch haben gesiegt:
http://www.sopos.org/aufsaetze/488762df75794/1.phtml (http://www.sopos.org/aufsaetze/488762df75794/1.phtml)

Zitat
Ein unnatürliches Ende nahm auch das Leben des SS-Hauptsturmführers Hans Körbel, der als VW-Betriebsarzt verantwortlich gewesen war für die Ermordung von über 300 Kleinkindern osteuropäischer Zwangsarbeiterinnen durch »vorsätzliche Vernachlässigung«. (...) Im Helmstedter Kriegsverbrecherprozeß wurde Körbel 1946 zum Tode verurteilt und 1947 in Hameln gehängt, woran auch der evangelische Ortspfarrer nichts ändern konnte, der ihm bescheinigt hatte, sich geradezu aufopferungsvoll um die Kinder bemüht zu haben. Später machte er aus dem Mörderarzt sogar einen »Regimegegner«.


Dieser evangelische Ortspfarrer war nicht irgendeiner, sondern er galt als eine Seele von Mensch, war eine weitere wichtige mythologische Figur für die junge Stadt und hatte großen Einfluss auf die allgemeine Meinungsbildung. Dass der Verfasser des Aufsatzes den Namen nicht nennt, mag auch damit zusammenhängen, dass er gewaltig ein auf den Deckel bekommen hatte, als er es anfang der 90er ansprach.
Dieser Ortspfarrer, der den Massenmörder Körbel reinwusch, hieß Pastor Erich Bammel und war in der Nazizeit Mitarbeiter am Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben und wusste schon recht früh, welche Antworten es ansonsten so gab, wenn es um jüdischen Einfluss ging.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 24. Oktober 2016, 11:02:49
Die Geschichtsschreibung gehört zur Konzernkommunikation und im Zweifelsfall kann VW auch genug Druck auf unabhängige Forschung ausüben. Ausserdem sterben diejenigen, die den Finger in die offene Wunde gelegt haben, allmählich aus.


Aktuellste Meldung zum Verhältnis von VW zur Wahrheit und Konzernkommunikation:

Zitat
Chefhistoriker von Volkswagen muss gehen
23.10.2016
Wolfsburg. Für den Chefhistoriker im Volkswagen-Konzern hat eine kritische Rezension zu einer Studie über die NS-Verstrickungen des Audi-Vorgängers Auto Union ein folgenreiches Nachspiel. Der Wissenschaftler Manfred Grieger und der VW-Konzern gehen künftig getrennte Wege.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hatte sich VW-intern ein Streit über Griegers eigenen Umgang mit seiner Rezension ergeben. Der Konflikt sei derart festgefahren, dass eine Fortsetzung der Zusammenarbeit für beide Seiten unmöglich erschien.

Der VW-Chefhistoriker hatte als Experte in einem Fachmagazin eine Studie kritisiert, die Audi über den eigenen Vorgänger Auto Union und dessen Verstrickungen während der Nazi-Diktatur mit den NS-Eliten in Auftrag gegeben hatte. Beteiligt war daran auch ein Kollege Griegers bei Audi. Grieger attestiert dem Werk handwerkliche Fehler, verengte Sichtweise, lückenhaften Umgang mit Quellen und Unschärfen in der Sprache. Der Studie mangele es an Unvoreingenommenheit.

VW erklärte, der Grund für die Trennung sei ein unterschiedliches Verständnis zwischen Grieger und Volkswagen über die Zusammenarbeit. Konzern-Kommunikationschef Hans-Gerd Bode dankte dem Historiker „für seine in den vergangenen Jahren geleistete Arbeit“. Insider sagen: Nicht der kritische Inhalt von Griegers Rezension sei Auslöser für das Zerwürfnis. Demnach wurde Volkswagen vom Sprengstoff der Rezension kalt erwischt. Grieger hätte sich besser abstimmen müssen.

Griegers Aufgaben übernimmt vorübergehend Archivarin Ulrike Gutzmann.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Chefhistoriker-von-Volkswagen-muss-gehen (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Chefhistoriker-von-Volkswagen-muss-gehen)

Zur Kritik an der Audi-Studie:
27.08.2016
Zitat
So würden in einer vom Audi-Vorstand in Auftrag gegebenen Studie über den Audi-Vorgänger Auto Union die „engen Beziehungen“ des Auto-Union-Managements zu den „NS-Eliten heruntergespielt“, kritisiert Grieger. Es würden weniger die Opfer des NS-Terrors bedauert als vielmehr die „Auslöschung“ der Auto Union am Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Forschungsansatz der Studienautoren sei teilweise „konzeptionell überaltert“, ihre Sicht „verengt“. Zudem bezeichne die Studie die Auto Union der ersten Kriegsmonate als „unbescholtenen Zivilfahrzeugbauer“, faktisch jedoch seien „die Beziehungen zu den NS-Eliten durch die drei Vorstände Richard Bruhn, William Werner und Carl Hahn eng“ gewesen. Grieger, der an der Universität Göttingen lehrt, konstatiert eine „abwehrende Haltung“ der Autoren: So anerkennten sie zwar die Verantwortung der Auto Union für die Menschenrechtsverletzungen im böhmischen KZ-Außenlager Leitmeritz, wo für 4500 für Auto-Union-Vorhaben eingesetzte KZ-Häftlinge starben, bestritten aber eine „direkte, justiziable Personalverantwortung“, weil der Einsatz der KZ-Häftling formal von der SS organisiert wurde.

http://www.wiwo.de/unternehmen/auto/einsatz-von-kz-haeftlingen-volkswagen-chefhistoriker-kritisiert-fehlerhafte-ns-aufarbeitung-durch-audi/14451584.html (http://www.wiwo.de/unternehmen/auto/einsatz-von-kz-haeftlingen-volkswagen-chefhistoriker-kritisiert-fehlerhafte-ns-aufarbeitung-durch-audi/14451584.html)

02.11.2016
Geschichtswissenschaftler liegen mit VW über Kreuz

Zitat
Kritik am Abgang des Volkswagen-Chefhistorikers

Mehrere renommierte Historiker haben den VW-Konzern wegen eines angeblich unfairen Umgangs mit seinem inzwischen ausgeschiedenen Chefhistoriker kritisiert. „Als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind wir über den Fall Grieger empört und überaus beunruhigt“, hieß es gestern in einer Erklärung.



Wolfsburg
. Die Historiker mahnen: „Es stellt sich die Frage, ob VW zur Geschichtspolitik vergangener Tage zurückkehren will, die einseitig der Verherrlichung der eigenen Geschichte unter Ausklammerung dunkler Seiten diente.“ Der Konzern wies die Kritik als unbegründet zurück

Ende Oktober war bekanntgeworden, dass der Konzern-Chefhistoriker Manfred Grieger Europas größten Autobauer nach fast 20 Jahren Zugehörigkeit verlässt (AZ/WAZ berichtete). Der Auslöser ist laut dpa-Informationen ein interner Streit über Abstimmungsvorgaben für Griegers Arbeit. Der Experte für Zwangsarbeit im Nazi-Deutschland hatte eine Studie über die NS-Verstrickungen der Konzern-Tochter Audi als handwerklich mangelhaft und verharmlosend kritisiert. Ende Oktober hat Grieger einem VW-Sprecher zufolge den Konzern verlassen. Er sei aber nicht entlassen worden, ebenso wenig habe VW eine Trennung forciert, sagte der Sprecher.

Das Schreiben der Historiker hat nun Prof. Hartmut Berghoff von der Universität Göttingen versendet, stellvertretend für seine Kollegen. Nach seinen Angaben haben mehr als 75 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland die Erklärung unterzeichnet, darunter auch Hitler-Biograf Ian Kershaw von der Universität Liverpool. Mehrere Historiker bestätigten der Deutschen Presse-Agentur, zu den Unterzeichnern zu gehören. „Der VW-Konzern, der selber aus dem NS-Regime hervorgegangen ist, fügt sich auf diese Weise einen in seiner Tragweite noch gar nicht übersehbaren Schaden zu“, heißt es in der Erklärung.

Ein VW-Sprecher erklärte: „Wir sind verwundert über diese Thesen. Sie sind durch nichts belegt.“ Volkswagen erkenne die von Grieger erbrachten Leistungen „unverändert an“. Volkswagen habe seine Geschichte „konsequent, ehrlich und nachhaltig“ aufgearbeitet und werde dies auch künftig tun.

Der VW-Betriebsrat hatte die Trennung von Grieger bereits als „einen Fehler“ und „großen Verlust für Volkswagen“ bezeichnet. Der Betriebsrat werde auch künftig auf die Beratung von Grieger setzen.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Kritik-am-Abgang-des-Volkswagen-Chefhistorikers (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Kritik-am-Abgang-des-Volkswagen-Chefhistorikers)

Erklärung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zum Ausscheiden des VW-Chefhistorikers und Unterzeichner im Wortlaut:
http://www.hsozkult.de/text/id/texte-3936 (http://www.hsozkult.de/text/id/texte-3936)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 31. Oktober 2016, 22:40:43
Interessanter Artikel zu den Verstrickungen u.a. von Volkswagen in Folter und Unterstützung von Diktaturen. Man darf gespannt sein, ob das auch hier in den Leitmedien Thema wird, nachdem der Chefhistoriker aufgrund von Unstimmigkeiten mit der Konzernkommunikation gegangen wurde:

Zitat
Außenhandelskammer São Paulo und die Diktatur in Brasilien
30.10.2016

Unaufgearbeitete Verstrickungen. Deutsche Außenhandelskammer in Brasilien feiert 100 jähriges Bestehen. Diktatur-Förderer noch immer "Ehrenmitglied"

São Paulo. Die größte deutsche Außenhandelskammer der Welt, die AHK São Paulo, begeht am 23. November dieses Jahres in São Paulo eine große Gala zur 100-Jahr-Feier. In einer zu diesem Anlass erstellten Publikation geht die AHK auf die Dienste ihres langjährigen Präsidenten João Baptista Leopoldo Figueiredo mit lobenden Worten ein, der während seiner 19 Jahre währenden Präsidentschaft (1948-1967) "mit großem Erfolg" die Arbeit der AHK São Paulo geleitet habe. Unberücksichtigt bleibt dabei dessen Rolle während der brasilianischen Militärdiktatur.
(...)
Der 1910 in Santos geborene Bankier war Cousin des späteren SNI-Geheimdienstchefs und Militärpräsidenten João Baptista de Oliveira Figueiredo. Er wurde 1948 Präsident der 1916 gegründeten Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer São Paulo. Nach seinem Abschied 1967 wurde er Präsident von Saab-Scânia do Brasil und war zudem 1963 bis Mitte der 1970er Jahre Mitglied des Prüfungsrates (Conselho Fiscal) von Volkswagen do Brasil.
(…)
Figueiredos Verstrickungen in die Militärdiktatur gehen aber noch tiefer. So berichtet selbst die konservative Tageszeitung Globo 2013 in der historischen Rückschau über Figueiredo, dass dieser in wichtiger Position Gelder für die Folterzentren von São Paulo gesammelt habe.(...)

https://amerika21.de/2016/10/163016/ahk-sao-paulo-diktatur (https://amerika21.de/2016/10/163016/ahk-sao-paulo-diktatur)

(https://abload.de/img/volkswagen-brasil-diizsl0.jpeg) (http://abload.de/image.php?img=volkswagen-brasil-diizsl0.jpeg)

Ebenfalls sehr lesenswert:
https://www.ila-web.de/ausgaben/400/festnahmen-und-repression-bei-vw-do-brasil (https://www.ila-web.de/ausgaben/400/festnahmen-und-repression-bei-vw-do-brasil)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 04. November 2016, 00:13:03
Hosianna, VW!

Zitat
03.11.2016
Volkswagen will Aufarbeitung

Im wichtigen Absatzland Brasilien holt VW seine Geschichte ein. Es geht um eine vermutete Kollaboration mit der früheren Militärjunta. Volkswagens Chefhistoriker trieb die Aufklärung dazu bisher voran. Nun ist der aber weg - und VW sagt, wie es ohne ihn weitergehen soll.

Wolfsburg/São Paulo
Der VW-Konzern gibt seiner Aufarbeitung zu mutmaßlichen Menschenrechtsverstößen während des Militärregimes in Brasilien eine breitere Basis. „Wir wollen Licht in die dunklen Jahre der Militärdiktatur bringen sowie das Verhalten der damals Verantwortlichen in Brasilien und gegebenenfalls auch in Deutschland aufklären lassen“, sagte die Chefin des Vorstandsbereichs Integrität und Recht, Christine Hohmann-Dennhardt, am Donnerstag.Für eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung der womöglich bis in die 1980er Jahre zurückreichenden Vorgänge habe der Konzern daher den Historiker Christopher Kopper von der Uni Bielefeld beauftragt.


Auch mal in den 30ern und 20ern schauen, als Nordhoff den Papst kennenlernte? Doch weiter im Text:

Zitat
Kopper solle „möglichst rasch“ beginnen und dafür auch nach Brasilien reisen. Zwischenergebnisse berichte er an einen internen Beirat. Seine Arbeit dürfte ein Jahr dauern. Das abschließende Gutachten solle „dann einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden“.

Volkswagen sieht sich seit Jahren dem Vorwurf ausgesetzt, das Regime zwischen 1964 bis 1985 unterstützt und beispielsweise schwarze Listen über Mitarbeiter erstellt zu haben. Vor einem Jahr hatte Volkswagens damaliger Chefhistoriker Manfred Grieger erklärt, der Konzern wolle sich seiner Verantwortung für die mögliche Kollaboration stellen. „Es geht um die Auseinandersetzung mit dem Unrecht, das damals geschehen ist“, sagte er damals nach Gesprächen mit Brasiliens Justizbehörden. Medien spekulierten Ende 2015 auch über Reparationszahlungen von VW.

Grieger und der Konzern hatten sich allerdings kürzlich getrennt. Dem vorangegangen war nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ein Streit über Abstimmungsauflagen für Grieger, nachdem der eine Analyse über die NS-Verstrickungen der Konzerntochter Audi kritisiert hatte. Volkswagen betonte, niemals Griegers Forschung beeinflusst zu haben.

 Kürzlich ergriffen Dutzende Historiker per offenem Brief Partei für Grieger. In dem Schreiben erwähnten die Wissenschaftler auch das Kapitel Brasilien: „Es stehen Vorwürfe im Raum, das Unternehmen habe wie andere deutsche Firmen das berüchtigte Folterzentrum Oban unterstützt und eng mit dem Geheimdienst der Diktatur kooperiert. Es gibt Bestrebungen, solche heiklen Themen unter den Teppich zu kehren. Noch hat sich VW nicht dazu geäußert, ob und wie das Brasilienprojekt nach dem Ausscheiden Griegers fortgesetzt wird.“

Der VW-Konzern betonte am Donnerstag, Griegers vakante Stelle wieder zu besetzen. Derzeit würden Möglichkeiten geprüft. Der Leiter der Konzernkommunikation, Hans-Gerd Bode, sagte: „Der Volkswagen-Konzern stellt sich weiterhin seiner historischen Verantwortung. Die Historische Kommunikation spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. Dies stand auch nie zur Disposition.“ Und Hohmann-Dennhardt betonte: „So wie wir es auch schon bei der Aufarbeitung von Themen wie der NS-Vergangenheit und der Beschäftigung von Zwangsarbeitern frühzeitig und umfassend getan haben, so werden wir auch die Aufarbeitung der Rolle des Unternehmens in der brasilianischen Militärdiktatur mit der gebotenen Konsequenz und Nachhaltigkeit vorantreiben.“

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Volkswagen-will-Aufarbeitung (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Volkswagen-will-Aufarbeitung)

Der Historiker Christopher Kopper ist übrigens der Sohnemann von Hilmar Kopper, der mit den "Peanuts", und der dem HSH-Nordbank-Verbrecher Nonnemacher 4 Millionen Euro Abfindung gewährte. Das sagt weniger etwas über die Kompetenzen und die Unabhängigkeit des Historikers Christopher Kopper aus als vielmehr über das fehlende Feingefühl und die Arroganz von Volkswagen.

Gerne verweilte der Führer in Brasilien:
(https://abload.de/img/nordhoff-brasilien9yutz.png) (http://abload.de/image.php?img=nordhoff-brasilien9yutz.png)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 04. November 2016, 22:10:58
Volkswagen betreibt seit 2015 in Nigeria ein Montagewerk, mal wieder. Von 1975 bis 1992 produzierte VW schon einmal  Käfer, Passat und Audi 100  in der Hauptstadt Lagos. Die einzelnen Teile wurden hauptsächlich aus Brasilien geliefert.

Die heutigen Montagelinien der Fabrik werden in Kooperation mit der Stallion Group aus Dubai betrieben, die wiederum  in Nigeria für Nissan, Hyundai, Iveco und Ashok Leyland Autos montiert. Gerade Ashok Leyland aus Indien baut nicht nur Busse, sondern auch sogenannte Verteidigungsfahrzeuge wie Raketentransporter und Truppentransporter. Und tatsächlich werden in der Fabrik, die von Volkswagen und Stallion betrieben wird, nicht nur PKWs zusammengeschustert, sondern auch der Truppentransporter Stallion:

(https://abload.de/img/lagos-vw-truppentrans9wu28.png) (http://abload.de/image.php?img=lagos-vw-truppentrans9wu28.png)
http://motoringworldng.com/revealed-inside-volkswagen-plant-lagos/ (http://motoringworldng.com/revealed-inside-volkswagen-plant-lagos/)

Da werden Erinnerungen an den guten alten Kübelwagen wach.

Hierzulande würde es VW wohl nicht wagen, zusammen mit zum Beispiel Rheinmetall eine Fabrik zu betreiben, wo sowohl Golfs als auch Panzer montiert werden, aber wer weiß, wie lange noch.
Dass Nigeria als Standort von VW ausgewählt wurde, hat gute Gründe: schwache und korrupte Gewerkschaften, Festnahmen von engagierten Gewerkschaftern, mafiöse und brutale Polizeigewalt, prekäre Lebensbedingungen. Das ist seit jeher der Humus, auf dem Volkswagen gedeiht.

"Wir sind nach Nigeria zurückgekommen, um unsere lange Geschichte hier seit 1970 fortzusetzen", sagte der Afrikabeauftragte von Volkswagen Wolfgang Ratz zur Eröffnung der Fabrik. Wahrscheinlich weiß er wirklich nicht besser, wie lang die Geschichte tatsächlich ist.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: dagobert am 04. November 2016, 23:04:02
Hierzulande würde es VW wohl nicht wagen, zusammen mit zum Beispiel Rheinmetall eine Fabrik zu betreiben, wo sowohl Golfs als auch Panzer montiert werden, aber wer weiß, wie lange noch.
Das dauert möglicherweise nicht mehr lange.
Eine Kooperation zwischen Rheinmetall und der VW-Tochter MAN gibt es bereits.

Zitat
Die Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH (oder kurz RMMV) ist ein Joint-Venture zur Herstellung von militärischen Radfahrzeugen der beiden deutschen Unternehmen Rheinmetall AG und MAN Truck & Bus AG. [...] In dem Unternehmen wurden die militärischen Radfahrzeugaktivitäten der Rheinmetall Landsysteme GmbH und die Military Division der MAN Nutzfahrzeuge fusioniert.
https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinmetall_MAN_Military_Vehicles
Zitat
Die MAN Truck & Bus AG (MAN Nutzfahrzeuge Gruppe) mit Sitz in München ist das größte Unternehmen des MAN-Konzerns und einer der führenden internationalen Nutzfahrzeughersteller.
https://de.wikipedia.org/wiki/MAN_Truck_%26_Bus
Zitat
Die MAN SE („Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg“; Societas Europaea) ist ein börsennotierter Fahrzeug- und Maschinenbaukonzern mit Sitz in München. Die Volkswagen AG hält mit 75,28 % die Mehrheit der Stammaktien an dem Konzern.
https://de.wikipedia.org/wiki/MAN


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 04. November 2016, 23:50:47
Zitat
Die Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH (oder kurz RMMV) ist ein Joint-Venture zur Herstellung von militärischen Radfahrzeugen der beiden deutschen Unternehmen Rheinmetall AG und MAN Truck & Bus AG. [...]


Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH
in Kassel ist idyllisch gelegen zwischen Daimler, VW Baunatal und anderen Drecksfirmen. Und in direkter Nähe befindet sich ein großer Friedhof:

(https://abload.de/img/man-kasselriu6q.png) (http://abload.de/image.php?img=man-kasselriu6q.png)

Passt schon.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 05. November 2016, 17:59:10
Wenn man sich die Geschichte, die Querverbindungen und den Filz ansieht, kann einem nur speiübel werden.

(https://www.impulse.de/wp-content/uploads/2015/07/vw-prototyp.jpg)

Je mehr sichtbar wird, desto mehr bekommt man den Eindruck, der NSU ist nur Kinderkacke dagegen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 05. November 2016, 23:34:21
Visionäre Jubiläumsprozession 1963 Ecke Porschestraße/Goethesreaße . Die Produktion der V1 wurde zwar bis 1988 nicht geschafft, aber vielleicht wird das noch was:

(https://abload.de/img/wob-karneval-1963mjuji.png) (http://abload.de/image.php?img=wob-karneval-1963mjuji.png)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 06. November 2016, 12:08:54
Zitat
Ermittlungen gegen VW-Aufsichtsratschef

([url]http://www.fr-online.de/image/view/2016/10/6/34916132,38842719,dmFlashTeaserRes,dpa_1492CC0005DF97E9.jpg[/url])
Hans Dieter Pötsch. 

Es geht um den Verdacht der Marktmanipulation: Nach Angaben des VW-Konzerns gerät auch Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch ins Visier der Staatsanwaltschaft.

Im Abgas-Skandal bei Volkswagen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen möglicher Marktmanipulation bereits gegen Ex-VW-Boss Martin Winterkorn und den amtierenden VW-Markenchef Herbert Diess. Gegen die Manager liegt ein Anfangsverdacht vor, die Finanzwelt zu spät über den aufgeflogenen Abgas-Skandal informiert und so wichtige Informationen für Anleger unterdrückt zu haben. Die VW-Aktie hatte nach Bekanntwerden der Manipulationsvorwürfe im vergangenen Jahr massiv an Wert verloren.

Bei Pötsch beziehe sich das Ermittlungsverfahren auf die Zeit, als er Finanzvorstand des Konzerns war, hieß es bei VW.
http://www.fr-online.de/wirtschaft/abgasskandal-ermittlungen-gegen-vw-aufsichtsratschef,1472780,34916106.html (http://www.fr-online.de/wirtschaft/abgasskandal-ermittlungen-gegen-vw-aufsichtsratschef,1472780,34916106.html)


Kriminelles Pack!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 06. November 2016, 13:38:19
Und weiter geht's!

Zitat
Die Audi AG ist ein deutscher Automobilhersteller, der dem Volkswagen-Konzern angehört.
https://de.wikipedia.org/wiki/Audi (https://de.wikipedia.org/wiki/Audi)

Zitat
Neue Betrugsvorwürfe gegen Audi

In der Abgas-Affäre rückt Audi immer stärker in den Mittelpunkt. Nun gibt es weitere Vorwürfe: Die kalifornische Umweltbehörde hat eine weitere illegale Softwarefunktion entdeckt.
http://www.fr-online.de/wirtschaft/illegale-softwarefunktion-neue-betrugsvorwuerfe-gegen-audi,1472780,34915488.html (http://www.fr-online.de/wirtschaft/illegale-softwarefunktion-neue-betrugsvorwuerfe-gegen-audi,1472780,34915488.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: dagobert am 06. November 2016, 15:39:52
Seat und Skoda gehören auch zu VW.
Folglich dürften die Manipulationen auch dort anzutreffen sein, stammt ja schließlich alles aus dem selben Baukasten.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 06. November 2016, 20:47:34
und noch einer...
Zitat

Nigeria ermittelt gegen VW wegen Vertrauensbruch

02.11.2016

Der nigerianische Senat ermittelt gegen Volkswagen wegen Vertrauensbruch. Angeblich soll Volkswagen entgegen einem Abkommen seine Autos außerhalb von Nigeria zusammen gebaut und dann ins Land importiert haben.

Um die lokale Autofertigung zu fördern, hat Nigeria seine Steuern auf Fahrzeuge aus dem Ausland drastisch erhöht. VW soll nun angeblich Import-Fahrzeuge als lokal-produzierte Autos ausgewiesen haben.

Hope Uzodinma, Vorsitzender des Senat-Komitees für Zollabgaben, erklärte der Premium Times, dass bei einem Inspektionsbesuch im Volkswagen-Werk in Lagos Autos gefunden worden seien, die nicht in Nigeria zusammen gebaut, sondern ins Land importiert wurden.

Nigerias Regierung fördert derzeit den Aufbau seiner Autoindustrie und will bis 2023 seine lokale Fahrzeugproduktion auf 80 Prozent hochschrauben. Im Rahmen der Förderung hat die nigerianische Regierung 2014 seine Zölle auf importierte CBU-Fahrzeuge (completely built-up) von 40 auf 70 Prozent erhöht. Damit sollte die Einfuhr von CBU-Autos vermieden und die lokale Produktion angekurbelt werden. Neben Volkswagen begannen auch Hyundai, Ford und Nissan die Fertigung in Nigeria.

https://www.automobil-produktion.de/hersteller/wirtschaft/nigeria-ermittelt-gegen-vw-wegen-vertrauensbruch-117.html (https://www.automobil-produktion.de/hersteller/wirtschaft/nigeria-ermittelt-gegen-vw-wegen-vertrauensbruch-117.html)

Nachtrag zu Nigeria (22.11.2016):
Auf dem VW-Gelände bei Lagos wurden wohl 1500 Volkswagen und andere Marken gefunden, die am Zoll vorbeigeschmuggelt wurden und diversen Ministern und Governeuren vorbehalten waren. Volkswagen hatte die Inspektion wohl zuerst zu verhindern versucht.
http://aitnews.com.ng/2016/11/21/senate-discovers-1500-exotic-cars-owned-by-ministers-governors/ (http://aitnews.com.ng/2016/11/21/senate-discovers-1500-exotic-cars-owned-by-ministers-governors/)

Nachtrag zu Nigeria (27.11.2016):
Volkswagen Nigeria bestreitet den Vorwurf des Betrugs: http://motoringworldng.com/volkswagen-nigeria-denies-senate-allegation-economic-sabotage/ (http://motoringworldng.com/volkswagen-nigeria-denies-senate-allegation-economic-sabotage/)

Nebenbei: Nicht nur eine Aufklärung über die Rolle von Volkswagen in Brasilien, sondern auch in Nigeria wäre angebracht. So gab es 1978, 1982 und 1985 Proteste von Arbeitern im Volkswagenwerk Nigeria, in deren Folge es zu Todesopfern durch Polizeigewalt kam.
Trade Unionism Since 1945: Western Europe, Eastern Europe, Africa, and the Middle East, S. 370, 2009

Apropos Polizeigewalt: Da sich die Aufklärungsarbeit in Brasilien nun hauptsächlich darum drehen wird, ob Volkswagen das Folterzentrum unterstützt hat oder nicht,( - die Antwort wird dahingehend ausfallen, dass es wohl so war, es sich aber um eine Einzelperson handelte und keinesfalls Bestandteil des Volkswagensystems war -), werden im Rahmen der historischen Kommunikation viele andere Dinge in den Hintergrund gedrängt werden. So ist es gewollt. Man sollte aber nicht die ganzen mittelmäßigen und gelangweilten Wolfsburger Karrieristen vergessen, die im Ausland mal endlich gänzlich ungeniert die Herrenmenschen raushängen lassen konnten und immer noch können.

Lula gegen Schmidt 1979:
Zitat
Lula klagte, daß ausgerechnet die Deutschen zu den härtesten Kapitalisten zählen. So habe Volkswagen do Brasil beim letzten Streik den Arbeitern, die Betriebsratswahlen und Inflationsausgleich forderten, Polizei-Einsatz angedroht. Schmidt belehrte den jungen Hitzkopf, kein Mensch werde in Brasilien investieren, wenn die Lohnstückkosten zu hoch seien. Auch weitere Beschwerden des Gewerkschafters blieben ohne Eindruck -- der Mann hatte verspielt. Schmidts tödliches Verdikt: "Kein ökonomisches Wissen."

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40350275.html (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40350275.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 12. November 2016, 13:16:40
Zitat
Enge Abstimmung zwischen Bundesamt und Industrie
11.11.2016
Diese Vorwürfe wiegen schwer: Hat das Kraftfahrtbundesamt in der Aufarbeitung des Abgasskandals mit den betroffenen Autobauern gemeinsame Sache gemacht?

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat sich für einen umstrittenen Bericht zu überhöhten Abgaswerten nach dem VW-Skandal eng mit deutschen Autobauern abgestimmt. Das geht aus E-Mails hervor. In einer Notiz des KBA von Mitte Januar heißt es zum Beispiel, es werde mit den Herstellern „zuvor konkret besprochen“, was veröffentlicht werde. An anderer Stelle ist die Rede von einem „abgestimmten Vorschlag“ für einen Bericht der „Untersuchungskommission Volkswagen“.

Das KBA ist dem Bundesverkehrsministerium untergeordnet. Es erteilt sogenannte Typgenehmigungen, die die Einhaltung von Abgasgrenzwerten voraussetzen.

Infolge des VW-Dieselskandals um manipulierte Abgastests hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) im September 2015 die „Untersuchungskommission Volkswagen“ eingesetzt. Außerdem ordnete er Abgas-Nachmessungen durch das KBA bei VW und anderen Herstellern an. Die Ergebnisse dieser Messungen finden sich in dem Bericht der Untersuchungskommission, der im April veröffentlicht wurde.

Rückruf von 630.000 Autos

Demnach bestanden bei 22 von 53 getesteten Dieselmodellen Zweifel, ob das Herunterregeln der Abgasreinigung bei niedrigeren Temperaturen wirklich mit dem Schutz von Motorbauteilen zu tun hat. Es wurde ein Rückruf von insgesamt 630.000 Fahrzeugen von Audi, Mercedes, Opel, Porsche und VW beschlossen, um die Technik zur Abgasreinigung zu ändern. Die Hersteller sprachen von einem „freiwilligen“ Update und betonten, es gebe keine Hinweise auf unzulässige Software.

E-Mails zwischen der Aufsichtsbehörde KBA und den Autoherstellern legen nun nahe, dass sich beide Seiten über Inhalte des Berichtes enger abgestimmt haben als bislang belegt. Die Opposition im Bundestag wirft Dobrindt schon seit Bekanntwerden des Dieselskandals zu große Nähe zu den Autobauern vor.

Autobauer stimmen Wortlaut mit Bundesamt ab

In den E-Mails schrieb ein Vertreter von Opel an einen KBA-Mitarbeiter, der Autohersteller könne Formulierungen in einem Entwurf des Berichts nicht zustimmen. „Uns geht es um einen Maßnahmenplan im Rahmen einer von uns vorgeschlagenen, freiwilligen Produktverbesserung.“ Es könne daher nicht von „Maßnahmen zur Wiederherstellung der Vorschriftmäßigkeit“ gesprochen werden. Dies impliziere einen Gesetzesverstoß, der aber nicht angemessen sei.

An anderer Stelle schreibt ein KBA-Vertreter an einen Mitarbeiter des Bundesverkehrsministeriums, in der Rohfassung des Berichts sei ein „Porsche-Text“ mit dem Hersteller abgestimmt. Ein VW-Mitarbeiter schrieb an das KBA, man wolle einen „abgestimmten Vorschlag“ an die Untersuchungskommission versenden.

KBA-Präsident unterschreibt mit „industriefreundlichem Gruß“

In den Unterlagen taucht auch KBA-Präsident Ekhard Zinke auf. Er schrieb an einen seiner Mitarbeiter, er halte Opel-Ausführungen „insbesondere im techn. Teil im Grunde nach für nachvollziehbar.“ Der Behördenchef schließt dann: „Mit industriefreundlichem Gruß.“
In einer gemeinsamen Stellungnahme von Bundesverkehrsministerium und KBA zu den Recherchen hieß es: „Mit den Herstellern wurden im Rahmen dieser Untersuchungen Gespräche geführt und technische Fragen erörtert. Ein solches Prozedere ist international üblich und notwendig.“ Schlussfolgerungen im Untersuchungsbericht seien durch die Untersuchungskommission getroffen worden. „Die Meinungsbildung erfolgte unabhängig.“

Marken „haben konkrete Lösungen erarbeitet“

Ein VW-Konzernsprecher teilte mit: „Die beteiligten Marken haben konkrete Lösungen erarbeitet und dem KBA zur Überprüfung und Freigabe vorgestellt.“ Weiter hieß es: „In dem gesamten Prozess haben wir gegenüber dem KBA sensible und vertrauliche Daten offengelegt. Wenn das KBA mit Blick auf die angekündigte Veröffentlichung des Untersuchungsberichtes Rücksprachen mit betroffenen Unternehmen führt, ist dieses aus unserer Sicht erst einmal nachvollziehbar und naheliegend.“ Der Autobauer Opel wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.
Die Grünen sehen sich in ihrem Vorwurf bestätigt, Verkehrsminister Dobrindt und das KBA handelten nicht unabhängig. Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck sagte: „Hier hat offenbar die Industrie dem KBA die Feder geführt. Das ist ein Problem. Schon allein der Anschein einer Kultur der Kumpanei ist fatal.“ Dies schädige das Vertrauen in die Unabhängigkeit der staatlichen Institutionen.

Die logische Konsequenz könne nur sein, dass eine unabhängige Kommission das Ganze noch einmal aufrolle, sagte Habeck. Die Frage, ob alle Hersteller bei der Abgasreinigung illegal handelten, sei von hohem öffentlichen Interesse. „Das dürfen das KBA und das Verkehrsministerium nicht verschleiern.“


http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Enge-Abstimmung-zwischen-Bundesamt-und-Industrie (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Enge-Abstimmung-zwischen-Bundesamt-und-Industrie)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 12. November 2016, 13:39:54
Woran VW so alles sparen will:
Zitat
(…)
Im Konzern sollen nach und nach mehr als 10.000 Arbeitsplätze wegfallen und allein bei der Wolfsburger Stammmarke Volkswagen müssen rund drei Milliarden Euro gespart werden.(…)

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/VW-Aufsichtsrat-beraet-ueber-Sparmassnahmen,vw3376.html (https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/VW-Aufsichtsrat-beraet-ueber-Sparmassnahmen,vw3376.html)

Zitat
Audi verzichtet auf Leiharbeiter
Audi will 2017 die Leiharbeiterquote deutlich reduzieren. Offiziell hat das jedoch nichts mit den Folgen des Abgas-Skandals zu tun. (…)

http://www.automobilwoche.de/article/20161112/NACHRICHTEN/161119972/kein-bedarf-audi-verzichtet-auf-leiharbeiter (http://www.automobilwoche.de/article/20161112/NACHRICHTEN/161119972/kein-bedarf-audi-verzichtet-auf-leiharbeiter)
Zitat
Ausweitung der Sparmaßnahmen:
VW setzt Rotstift bei Schnauferln an
Der legendäre Fahrzeugbestand von Volkswagen Classic soll langfristig von 380 auf 250 Autos abschmelzen. Als Entscheidungskriterium zur Selektion der Kollektion wurde "Relevanz für die Marken- und Produkthistorie" auserkoren.(...)

http://www.automobilwoche.de/article/20161112/HEFTARCHIV/161119968/1339/ausweitung-der-sparmassnahmen-vw-setzt-rotstift-bei-schnauferln-an (http://www.automobilwoche.de/article/20161112/HEFTARCHIV/161119968/1339/ausweitung-der-sparmassnahmen-vw-setzt-rotstift-bei-schnauferln-an)

Zitat
Wegen der Dieselaffäre zieht sich VW aus der Rallye-WM zurück. Die Sparmaßnahmen in der „Luxusabteilung“ Motorsport hat hausintern vor allem Signalwirkung.

http://www.faz.net/aktuell/sport/formel-1/motorsport/rallye-wm-ein-ausstieg-als-knalleffekt-14509615.html (http://www.faz.net/aktuell/sport/formel-1/motorsport/rallye-wm-ein-ausstieg-als-knalleffekt-14509615.html)

Zitat
VW-Präsentation in Wolfsburg statt Paris
Bei der Präsentation neuer Modelle sorgte VW früher gerne für besondere Atmosphäre, in Paris, Bologna oder auf Sardinien. Anders bei der Weltpremiere des Golf-Updates am Montag, zu der 200 Journalisten aus Deutschland und dem Ausland nach Wolfsburg kamen – wohl ein Zeichen der neuen Bescheidenheit.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-Praesentation-in-Wolfsburg-statt-Paris (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-Praesentation-in-Wolfsburg-statt-Paris)

Zitat
19.10.2016. (dpa) - Vie­le Lie­fe­ran­ten und Dienst­leis­ter im Um­feld des Wolfs­bur­ger VW-Stamm­wer­kes ha­ben auch noch ein Jahr nach Be­ginn des Ab­gas-Skan­dals mit Kurz­ar­beit zu kämp­fen.(...)
Da die Zu­lie­fe­rer und Dienst­leis­ter rund um Wolfs­burg prak­tisch al­le am Tropf von VW hän­gen, liegt ein Zu­sam­men­hang zu den Spar­pro­gram­men des Kon­zerns auf der Hand. Volks­wa­gen hat­te in der Ver­gan­gen­heit be­tont, sich nicht zu Fra­gen an­de­rer Un­ter­neh­men äu­ßern zu kön­nen.(...)

http://www.hensche.de/VW_Zulieferer_Stammwerk_Folgen-Abgasskandals_VW_Zulieferer_rund_um_Stammwerk_kaempfen_mit_Folgen_des_Abgasskandals_19.10.2016_9.23.html (http://www.hensche.de/VW_Zulieferer_Stammwerk_Folgen-Abgasskandals_VW_Zulieferer_rund_um_Stammwerk_kaempfen_mit_Folgen_des_Abgasskandals_19.10.2016_9.23.html)

Der hat es richtig gemacht, war aber leider zu gierig:

Zitat
Ein Ex-Mitarbeiter von Volkswagen in Baunatal steht wegen eines krummen Millionen-Geschäfts vor Gericht. Mit Hilfe eines Kollegen soll er tonnenweise Edelschrott aus dem Werk gestohlen und verkauft haben.

http://hessenschau.de/panorama/ex-vw-mitarbeiter-wegen-millionendiebstahl-vor-gericht,vw-diebe-100.html (http://hessenschau.de/panorama/ex-vw-mitarbeiter-wegen-millionendiebstahl-vor-gericht,vw-diebe-100.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 24. Dezember 2016, 12:34:01
! No longer available (http://www.youtube.com/watch?v=Mj3EFX9dSMI&t=1s#)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 20. Februar 2017, 12:41:04
Es verwirrt, wenn ausgerechnet ein Obermacker von VW auf die fehlende Gegnerfreiheit innerhalb der IGM hinweist:


Zitat
VW-Markenchef prüft Bevorzugung von Gewerkschaftsmitgliedern

Bei Volkswagen droht ein neuer Konflikt: VW-Markenchef Herbert Diess prüft Hinweise, dass bei Einstellungen und Beförderungen im Unternehmen Gewerkschaftsmitglieder bevorzugt würden.


„Seit meinem Einstieg bei Volkswagen bekomme ich immer wieder Hinweise aus der Belegschaft und insbesondere aus dem Management, dass Einstellungen und Aufstieg in der Hierarchie von einer Mitgliedschaft bei der IG Metall abhängen würden“, sagte Diess der „Bild“-Zeitung. Anzeigen aus der Belegschaft an verschiedenen Standorten, externe Berichte und ein „offenbar ungewöhnlich hoher gewerkschaftlicher Organisationsgrad im Management“ gäben weitere Hinweise.

Bei einigen Beförderungen habe Diess gezielt nachgefragt, ob die Betreffenden Mitglied der Gewerkschaft sind. „Meine Frage wurde dahingehend beantwortet, dass etwa die Hälfte des oberen Managements auch Mitglied der IG Metall seien“, sagte der Manager dem Blatt.

Beförderungen abhängig von einer Mitgliedschaft in der Gewerkschaft wären „ein klarer Compliance Verstoß“, sagte Diess. „Und es wäre mit den neuen Unternehmenswerten unvereinbar.“ Verantwortungsbewusstes Management dürfe bei solchen Indizien nicht wegsehen.

Ende vergangener Woche war bekannt geworden, dass Diess bei der Beförderung von sechs Mitarbeitern ins obere Management nach deren Gewerkschaftsmitgliedschaft gefragt hatte (WAZ berichtete). Er bekam keine Antwort, wie ein Unternehmenssprecher dem „Manager Magazin“ sagte. Das sei auch aus Datenschutzgründen nicht erlaubt. Bei VW werde oft behauptet, IG-Metall-Mitglieder würden bei Beförderungen bevorzugt, sagte der Sprecher.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-Markenchef-prueft-Bevorzugung-von-Gewerkschaftsmitgliedern (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-Markenchef-prueft-Bevorzugung-von-Gewerkschaftsmitgliedern)

Reaktion des Wolfsburger IGM-Chefchens Hartwig Erb auf der Betriebsversammlung am 21.02.17:

Zitat
(...) Mit Blick auf die jüngste Auseinandersetzung um die Frage, ob Gewerkschaftsmitglieder bei VW Karrierevorteile haben, warnte Erb den Markenchef davor, „rote Linien“ zu überschreiten. „Auch im Topmanagement sollte doch bekannt sein, dass wir in Deutschland die Koalitionsfreiheit haben. Wir sind alle stolz, Metallerinnen und Metaller bei VW zu sein. Ich glaube, das reicht als kleiner Wink mit dem Zaunpfahl“, so Erb.

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/IG-Metall-Chef-Wut-Rede-gegen-das-Management (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/IG-Metall-Chef-Wut-Rede-gegen-das-Management)

Man steht also stolz Seit' an Seit' mit Leuten, die für Entlassungen, Arbeitsverdichtung, Druck, Folter wie in Brasilien und weitere Schweinereien stehen. Glückwunsch!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 26. Februar 2017, 10:55:50
(https://abload.de/img/unservolkswagen57uzr.png) (http://abload.de/image.php?img=unservolkswagen57uzr.png)

Zitat
Seit’ an Seit’ mit den Arbeitgebern

Horst Neumann schuf sich bei der IG Metall ein Netzwerk. Dann verhalf ihm sein Job bei Volkswagen zu märchenhaftem Reichtum.

Wahrscheinlich ist Horst Neumann einer der reichsten Gewerkschafter im Ruhestand. Fast 50 Millionen Euro verdiente Neumann zwischen 2005 und 2015 als Personalvorstand von Volkswagen. Außerdem zahlt das Unternehmen dem 67-Jährigen in den kommenden Jahren eine Pension aus, deren Wert aus heutiger Sicht insgesamt etwa 23,7 Millionen Euro beträgt.
(…)
Als Neumann 2005 Personalvorstand des Volkswagen-Konzerns werden sollte, geriet die Sache zum Politikum. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch setzte ihn gegen erhebliche Bedenken und Gegenstimmen des Landes Niedersachsen und anderer Kapitalvertreter durch. Neumann war zu jener Zeit mit der SPD-Politikerin und heutigen Arbeitsministerin Andrea Nahles liiert.
(…)
Nachdem sich Neumann und Nahles getrennt hatten, folgte 2009 die "Traumhochzeit bei VW", wie die Wolfsburger Allgemeine schrieb. Neumann heiratete Elke Eller, eine frühere IG-Metall-Vordenkerin, die seit 2001 in Volkswagens Aufsichtsrat saß und 2007 bei Volkswagen Financial Services Personalvorstand wurde, ehe sie 2012 in gleicher Funktion zur Marke VW Nutzfahrzeuge wechselte. Auf der Gästeliste der Hochzeit stand das damalige Who’s who der Volkswagen-Welt: Patriarch Piëch mit Gattin Ursula, Sigmar Gabriel, IG-Metall-Chef Berthold Huber nebst Vorgängern Jürgen Peters und Franz Steinkühler sowie Betriebsratschef Bernd Osterloh.
(…)


http://www.zeit.de/2017/07/horst-neumann-ig-metall-volkswagen-reichtum/komplettansicht (http://www.zeit.de/2017/07/horst-neumann-ig-metall-volkswagen-reichtum/komplettansicht)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 26. Februar 2017, 12:46:47
Zitat
Horst Neumann:
Seit’ an Seit’ mit den Arbeitgebern

Horst Neumann schuf sich bei der IG Metall ein Netzwerk. Dann verhalf ihm sein Job bei Volkswagen zu märchenhaftem Reichtum.


([url]http://img.zeit.de/wirtschaft/2017-02/horst-neumann-volkswagen/wide__850x478__desktop[/url])

Wahrscheinlich ist Horst Neumann einer der reichsten Gewerkschafter im Ruhestand. Fast 50 Millionen Euro verdiente Neumann zwischen 2005 und 2015 als Personalvorstand von Volkswagen. Außerdem zahlt das Unternehmen dem 67-Jährigen in den kommenden Jahren eine Pension aus, deren Wert aus heutiger Sicht insgesamt etwa 23,7 Millionen Euro beträgt.

Konzernbosse haben es schon schwer genug, vor ihre Beschäftigten zu treten, um ihre Vergütung zu rechtfertigen. Wie aber erklärt der langjährige IG-Metall-Mitarbeiter Horst Neumann einem Malocher vom Band, dass er gerecht entlohnt wird?

Die Antwort: gar nicht.

"Im Augenblick möchte ich mich nicht zu der Pensionsfrage äußern", schreibt er in einer E-Mail.

Dabei liegt in Lebensläufen wie jenem von Horst Neumann ein Schlüssel zur Frage, warum gerade in Großkonzernen mit starker Mitbestimmung die Gehaltsunterschiede zwischen Vorstand und Mitarbeitern immer gewaltiger werden. Es ist nämlich so, dass Gewerkschafter dort selbst von dieser Entwicklung profitieren, wenn sie geschickt sind. Sie reden im Aufsichtsrat mit, wenn es um Spitzengehälter und Posten geht.

Die Wege nach oben gleichen sich. Es gibt Manager, die etwas werden wollen und früher oder später eine Wirtschaftsschule in den USA besuchen. Und dann gibt es Karrieren wie die von Horst Neumann, die ohne Gewerkschaft nicht denkbar wären.

Bei Neumann war es so: Nach dem Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Hamburg und Berlin wurde er 1973 Referent des Berliner Wirtschaftssenators. Fünf Jahre später kam der Karriereturbo: Der hauptberufliche Einstieg in die IG Metall. Wenn man etwas über diese Zeit hören will, erzählt ein früherer Büronachbar sofort einen bösartigen Witz, der zu jener Zeit bei der IG Metall über die opportunistische Unternehmenskultur kursierte. Hängen bleiben soll nebenbei, dass Neumann nicht durch Leistung überzeugt habe, sondern aufgestiegen sei, weil er sich mit den richtigen Leuten zu umgeben gewusst habe.

16 Jahre lang spann er in der Wirtschaftsabteilung der IG Metall sein Netzwerk. Er zog in mehrere Aufsichtsräte ein, darunter in jenen von Opel, ehe er 1994 Arbeitsdirektor der Krupp-Tochter Rasselstein Hoesch wurde, eines Weißblechspezialisten, ein Vorstandsposten, der in vielen Unternehmen traditionell an Gewerkschafter geht. Auch bei der Rasselstein AG war Neumann zuvor Aufsichtsrat gewesen. Nach einer kurzen Etappe als Personalvorstand von ThyssenKrupp Elevator wechselte Neumann 2002 zu Audi – als Vermittler sollen der damalige IG-Metall-Vorstand Jürgen Peters und Volkswagen-Arbeitsdirektor Peter Hartz gewirkt haben.
"Neumann hat weniger nach Lösungen gesucht als vielmehr danach, was dem Vorgesetzten nützt"

Als Neumann 2005 Personalvorstand des Volkswagen-Konzerns werden sollte, geriet die Sache zum Politikum. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch setzte ihn gegen erhebliche Bedenken und Gegenstimmen des Landes Niedersachsen und anderer Kapitalvertreter durch. Neumann war zu jener Zeit mit der SPD-Politikerin und heutigen Arbeitsministerin Andrea Nahles liiert. Schnell machte das Gerücht die Runde, Aufsichtsrat und CDU-Ministerpräsident Christian Wulff habe Neumann deshalb verhindern wollen. Wulff dementierte vehement. Er und die anderen Anteilseigner im Aufsichtsrat hätten schlicht Zweifel gehabt, ob Neumann der geeignete Kandidat sei. Heute sagen frühere Aufsichtsräte, Wulffs damalige Einschätzung habe sich bestätigt. Ein Zinnsoldat sei Neumann gewesen, einer, der nur ausgeführt habe, was Piëch oder der spätere Konzernchef Martin Winterkorn von ihm verlangt hätten.

In Vorstandsklausuren habe Neumann praktisch nie widersprochen, sagt einer, der oft dabei war: "Neumann hat weniger nach Lösungen gesucht als vielmehr danach, was dem Vorgesetzten nützt." Und zumindest unbewusst etablierte er eine Angstkultur im Konzern, in der Vertrauen wenig zählte. "Horst Neumann hatte ein enormes Kontrollbedürfnis und damit verbunden ein ständiges Misstrauen in die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter", sagt ein anderer Weggefährte von einst. Manche Sachbearbeiter, so erzählt man sich heute noch im Werk, waren tagelang damit beschäftigt, Antwortschreiben so lange zu verbessern, bis der Chef zufrieden war, obwohl sich inhaltlich nicht zwingend etwas änderte. Neumann galt aufgrund solcher Aktionen als Perfektionist und Pedant.

Aber Neumann, auch das gehört zu seiner Biografie, hat das Gesundheitsmanagement bei Volkswagen verbessert und dadurch bis heute viele Fehlzeiten im Unternehmen verhindert. Zudem hat er die Fünftagewoche bei Volkswagen wieder etabliert und damit die Kosten im Unternehmen gesenkt.

Nachdem sich Neumann und Nahles getrennt hatten, folgte 2009 die "Traumhochzeit bei VW", wie die Wolfsburger Allgemeine schrieb. Neumann heiratete Elke Eller, eine frühere IG-Metall-Vordenkerin, die seit 2001 in Volkswagens Aufsichtsrat saß und 2007 bei Volkswagen Financial Services Personalvorstand wurde, ehe sie 2012 in gleicher Funktion zur Marke VW Nutzfahrzeuge wechselte. Auf der Gästeliste der Hochzeit stand das damalige Who’s who der Volkswagen-Welt: Patriarch Piëch mit Gattin Ursula, Sigmar Gabriel, IG-Metall-Chef Berthold Huber nebst Vorgängern Jürgen Peters und Franz Steinkühler sowie Betriebsratschef Bernd Osterloh. Bis 2015 blieben Neumann und Eller bei Volkswagen, dann schieden sie – als die Dieselkrise den Konzern erschütterte – fast zeitgleich aus. Eller arbeitet heute für TUI. Neumann ist jetzt Luxusrentner.

Einer gewinnt immer

Vergütung für Horst Neumann bei Volkswagen in Millionen Euro (Amtsantritt im Dezember 2005)
([url]http://img.zeit.de/wirtschaft/2017-02/infografik-horst-neumann/original__700x272__desktop__scale_1.3333333730697632[/url])

Eigentlich soll der Aufsichtsrat den Vorstand kontrollieren. Die Gewerkschaften haben durch das deutsche Modell der Mitbestimmung einen Sitz in diesem Gremium, damit die Interessen der Beschäftigten eine Stimme haben. Der Fall Neumann zeigt, wie Gewerkschaftsfunktionäre von diesem System profitieren, obwohl sie eigentlich Selbstbedienung des Managements verhindern sollen. Der Berliner Wirtschaftsprofessor Joachim Schwalbach hält eine Korrektur für überfällig. "Der Aufsichtsrat wäre zumindest der entscheidende Hebel, um Gehaltsexzesse zu stoppen", sagt er. Schwalbach weiß, wovon er spricht. Jahrelang hat er die Vergütung in den größten deutschen Unternehmen analysiert. Fast jedes Jahr wuchs der Abstand zwischen den Vorstandsgehältern und denen der normalen Beschäftigten.

Die Vertreter der Kapitalseite in Aufsichtsräten sind meist altgediente Manager. Von Leuten wie dem früheren Linde-Vorstand Wolfgang Reitzle oder dem Ex-Bayer-Chef Werner Wenning ist nicht zu erwarten, dass sie ein System austrocknen, das sie selbst so gut genährt hat und noch bis heute nährt. Reitzle kam laut manager magazin allein durch seine Aufsichtsratstätigkeit 2015 auf 2,5 Millionen Euro, Wenning auf 1,4 Millionen Euro. Aber was ist mit den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat? Auch sie verdienen prächtig. Die meisten spenden einen Großteil des Geldes an die Gewerkschaft, die sie entsandt hat, oder an ihr nahestehende Organisationen. Doch einige nutzen die Chance, siehe Neumann, einmal selbst ganz oben zu sitzen. Dort bleiben sie dann als wackere Stützen des Systems, das sie reich macht.

Mittlerweile hat Neumann eine Stiftung gegründet, das "Institut für die Geschichte und Zukunft der Arbeit". Auch darüber möchte er nicht näher Auskunft geben. "Ich kann ihnen aber bestätigen, dass ich zugesagt und seit Anfang 2016 begonnen habe für 10 Jahre jährlich eine Million Euro für das ›Institut für die Geschichte und Zukunft der Arbeit‹ zur Verfügung zu stellen. Wie Sie sehen, ist das deutlich mehr als die Pensionszahlungen. :-)", schreibt er per E-Mail. Es wird kein Zufall sein, dass diese Summe exakt dem Höchstbetrag entspricht, den ein Stifter jedes Jahr von der Steuer absetzen darf .
http://www.zeit.de/2017/07/horst-neumann-ig-metall-volkswagen-reichtum/komplettansicht (http://www.zeit.de/2017/07/horst-neumann-ig-metall-volkswagen-reichtum/komplettansicht)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 26. Februar 2017, 14:34:59
Nahles liebte Horst Neumann:

(https://abload.de/img/nahlesliebteneumanndoutp.png) (http://abload.de/image.php?img=nahlesliebteneumanndoutp.png)

Doch der liebt nun eine andere:

(https://abload.de/img/neumann-heiratet-ellpiugt.jpeg) (http://abload.de/image.php?img=neumann-heiratet-ellpiugt.jpeg)

Nahles versucht es bei Werner Stolz:

(https://abload.de/img/nahlesliebtstolz5buep.png) (http://abload.de/image.php?img=nahlesliebtstolz5buep.png)

Piech derweil liebt Osterloh:

(https://abload.de/img/piechliebtosterlohefut4.png) (http://abload.de/image.php?img=piechliebtosterlohefut4.png)

Auf jeden Fall liebt Nahles den Arbeiter:

(https://abload.de/img/nahlesmagarbeiter6zuj2.png) (http://abload.de/image.php?img=nahlesmagarbeiter6zuj2.png)

Der Führer liebt derweil Grundsteinlegungen bei Fallersleben:

(https://abload.de/img/vw-grundsteinlegungrfujb.png) (http://abload.de/image.php?img=vw-grundsteinlegungrfujb.png)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 28. Februar 2017, 21:30:46
Zitat
VW China duldet illegale Leiharbeit – Arbeiter in Jilin streiken – Solidarität ist angezeigt!

Das in Hongkong ansässige „China Labour Bulletin“ berichtet, daß 500 Leiharbeiter des VW-Joint Ventures in Changchun (Provinz Jilin) für die Einhaltung des Grundsatzes „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ streiken. Bereits seit mehreren Monaten hatten sie versucht, ihre Rechte auf offiziellem Weg durchzusetzen. (…) Die Arbeiter berufen sich auf das geltende chinesische Arbeitsvertragsgesetz sowie auf die mit dem „Weltbetriebsrat“ des VW-Konzerns abgeschlossene „Charta der Arbeitsbeziehungen im Volkswagen-Konzern“ vom 29.10.2009 und die „Charta der Zeitarbeit im Volkswagen-Konzern“ vom 30.11.2012.
(…)
Der Konflikt in China zeigt, daß die Lage der Leiharbeiter und „Kontraktarbeiter“ dort strukturell absolut vergleichbar ist mit der Lage der Leiharbeitnehmer und Werkvertragsbeschäftigten in Deutschland. Allerdings: Die Rechtslage in China ist – absurd genug ! – noch eindeutiger als in Deutschland. Umso unverständlicher ist es aber, daß sich offenbar bis heute weder der „Weltbetriebsrat“ noch der Konzernbetriebsrat in Wolfsburg oder die IG Metall der Sache angenommen haben.(…)

(Geffken)

http://www.labournet.de/internationales/china/arbeitskaempfe-china/vw-china-duldet-illegale-leiharbeit-arbeiter-jilin-streiken-solidaritaet-ist-angezeigt/ (http://www.labournet.de/internationales/china/arbeitskaempfe-china/vw-china-duldet-illegale-leiharbeit-arbeiter-jilin-streiken-solidaritaet-ist-angezeigt/)

Der Vorsitzende des Weltbetriebsrates ist Frank Patta, war 1. Vorsitzender der IG-Metall Wolfsburg und wurde hier schonmal thematisiert: http://www.chefduzen.de/index.php?topic=28990.msg310206#msg310206 (http://www.chefduzen.de/index.php?topic=28990.msg310206#msg310206)


2013 gab es ein Treffen mit chinesischen Gewerkschaftern:

(https://abload.de/img/vw-weltbetriebsratinc00uc7.png) (http://abload.de/image.php?img=vw-weltbetriebsratinc00uc7.png)
Zitat
Weltkonzernbetriebsrat und chinesische Gewerkschaften haben einen Koordinierungskreis. In China fanden Treffen dieses Kreises bisher nur in Peking statt. Zum ersten Mal waren wir jetzt in Fushan – einem der neuen Volkswagen-Standorte“, erklärt Frank Patta, Generalsekretär des Weltkonzernbetriebsrates. Mit Chairman Kong Xianghong nahm zudem erstmals ein führender Gewerkschafter aus der Provinz Guangdong an dem Treffen teil. In der Provinz, in der auch Fushan liegt, hatte es in den vergangenen Jahren wiederholt Arbeitsniederlegungen gegeben. „Die chinesischen Gewerkschafter sind deswegen sehr daran interessiert, zu erfahren, wie bei Volkswagen in Deutschland die Mitbestimmung funktioniert und wie bei uns Tarifverhandlungen geführt  werden. Ich war beeindruckt, wie offen darüber diskutiert werden konnte“, erklärt Patta, der auch Vorträge an der Sun-Yat-Sen-Universität der Provinzhauptstadt Guangzhou halten konnte.


https://www.porsche-betriebsrat.at/fileadmin/inhalt/mitarbeiterzeitung/MITBESTIMMEN__Juni_2013.pdf (https://www.porsche-betriebsrat.at/fileadmin/inhalt/mitarbeiterzeitung/MITBESTIMMEN__Juni_2013.pdf)

Von deutschen Gewerkschaften lernen heißt nicht wirklich Siegen! Es soll sogar vorkommen, dass die Blödsinn erzählen...

Nebenbei: Eine Mitarbeiterin in Changchun erzählt wohl auch gerne Blödsinn:
Zitat
In den sozialen Medien erhält die Gruppe große Unterstützung. Volkswagen erklärte, man nehme die Proteste sehr ernst. FAW wollte sich nicht äußern. Am Telefon erklärte eine Mitarbeiterin in Changchun, man wisse von keinen Protesten.

http://www.wiwo.de/unternehmen/auto/china-proteste-gegen-vw/19460894.html (http://www.wiwo.de/unternehmen/auto/china-proteste-gegen-vw/19460894.html) (1.3.17)

Tagesschau und DLF sind die protestierenden Leiharbeiter nun auch eine Meldung wert:
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/vw-leiharbeiter-proteste-china-101.html (http://www.tagesschau.de/wirtschaft/vw-leiharbeiter-proteste-china-101.html)
http://www.deutschlandfunk.de/china-vw-leiharbeiter-protestieren-gegen-ungleiche-bezahlung.1773.de.html?dram:article_id=380251 (http://www.deutschlandfunk.de/china-vw-leiharbeiter-protestieren-gegen-ungleiche-bezahlung.1773.de.html?dram:article_id=380251)

Mal sehen, was BR und IGM in Wolfsburg dazu sagen oder ob sie sogar Solidarität und Unterstüzung zusagen. Ziemlich unwahrscheinlich, weil sie dann erklären müssten, warum sie hier bei der Frage "Gleiche Bezahlung" nicht aktiv werden.  

Der Weltkonzernbetriebsrat und somit auch die IG Metall scheint sich grundsätzlich einen Dreck darum zu scheren, was international bei VW so los ist. So werden in den USA seit längerem Tarifvertragsverhandlungen verweigert, in dessen Folge es zu Drangsalierungen bis hin zu Rassismus gekommen sein soll. Der Weltkonzernbetriebsrat mit Frank Patta persönlich war zugegen, ist aber anscheinend nicht gewillt zu unterstützen:  

Nur auf Englisch: http://www.alternet.org/labor/chattanooga-auto-workers-host-strike-meeting (http://www.alternet.org/labor/chattanooga-auto-workers-host-strike-meeting)

Daheim schauen die VW-Betriebsräte Heim, Melhop und Osterloh gerne zusammen mit Maffay in die Klatschreporterkamera:

(https://abload.de/img/heimmelhoposterlohmaft7umy.png) (http://abload.de/image.php?img=heimmelhoposterlohmaft7umy.png)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 01. März 2017, 11:11:40
Man kommt gar nicht mehr hinterher:

Zitat
01.03.17
VW Argentinien befiehlt Kurzarbeit für 600 Beschäftigte: Verkündet mit einem Massenaufgebot an Polizei

In dem VW Werk in General Pacheco (eine Stadt mit grob 50.000 Menschen, nördlich von Buenos Aires) arbeiten rund 4.000 KollegInnen. 600 von ihnen sollen jetzt – für maximal anderthalb Jahre (!) zur Kurzarbeit gezwungen werden, zunächst einmal für 30 Tage. Großzügigerweise betonte die Unternehmensleitung, am Ende dieser 30 Tage würden die Betroffenen „ein Telegramm“ erhalten, worin sie über ihre weitere Zukunft informiert würden. Und verkündete diese „Betroffenheit“ am Schichtende in Einzelgesprächen. In dem Artikel „Volkswagen: impresionante operativo policial para suspender a 600 trabajadores“ am 23. Februar 2017 bei El Argentino Zona Norte wird vor allem darauf abgehoben, dass die Geschäftsleitung sich „ihrer Sache“ denn doch nicht so sicher war: Die Verkündigung geschah erst, als ein enormes Polizeiaufgebot vor dem Werk aufmarschiert war, was in diesem Artikel auch mit Fotos belegt ist. Belegt ist einmal mehr auch, dass die Metallgewerkschaft Smata (der unbekannte Autor verweist darauf: „Ebenso grün gekleidet, wie die Polizei“) den ganzen Tag „Beruhigungsaktivitäten“ unternommen habe.


http://www.labournet.de/internationales/argentinien/arbeitsbedingungen-argentinien/vw-argentinien-befiehlt-kurzarbeit-fuer-600-beschaeftigte-verkuendet-mit-einem-massenaufgebot-an-polizei/ (http://www.labournet.de/internationales/argentinien/arbeitsbedingungen-argentinien/vw-argentinien-befiehlt-kurzarbeit-fuer-600-beschaeftigte-verkuendet-mit-einem-massenaufgebot-an-polizei/)

Höchstwahrscheinlich hat die argentinische Metallgewerkschaft Smata auch eine Unterrichtung aus Wolfsburg bekommen, wie man als willfährige Erfüllungsgehilfin zu handeln hat.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 08. März 2017, 21:31:25
Was der Wolfsburger so aus den Wolfsburger Medien erfährt:

Zitat
Merkel: Erfuhr im September 2015 aus Medien von VW-Skandal

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach eigenen Angaben erst mit dem öffentlichen Bekanntwerden des VW-Skandals am 19. September 2015 aus den Medien von Abgas-Manipulationen bei Volkswagen erfahren. Anschließend sei dann auch von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) informiert worden.
Berlin.Dies sagte Merkel am Mittwoch als Zeugin im Abgas-Untersuchungsausschuss des Bundestags. Sie habe unterstützt, dass Dobrindt rasch eine Untersuchungskommission einsetzte, und zur Aufklärung ermuntert.

Der Ausschuss soll klären, was die Bundesregierung seit 2007 mit Blick auf Abgasregeln unternommen hat und wann sie von Manipulationen erfuhr.

VW hatte eine verbotene Software eingesetzt, was 2015 in den USA aufflog und zum Diesel-Skandal führte. Auch bei mehreren anderen Herstellern sind später auffällige Abgaswerte bekannt geworden.

dpa

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Merkel-Erfuhr-im-September-2015-aus-Medien-von-VW-Skandal (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Merkel-Erfuhr-im-September-2015-aus-Medien-von-VW-Skandal)


Und was so in den anderen Medien steht (natürlich immer noch zu wenig):
Zitat

Merkel: Erfuhr erst September 2015 von VW-Skandal
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach eigenen Angaben erst mit dem öffentlichen Bekanntwerden des Skandals am 19. September 2015 aus den Medien von Abgas-Manipulationen bei Volkswagen erfahren.
Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hebt den Kopf. Sie blickt hoch zur Pressetribüne und nickt den Journalisten zu. Lächelnd umkreist sie ihren Platz, einen schwarzen Ledersessel vor einem hellen Holztisch. Die drei Stühle neben ihr bleiben leer. Merkel rückt ihr Namensschild zurecht: „Dr. Merkel“.

Noch einmal mustert sie Mikrofongalgen und Kamera-Objektive, die sie neugierig anstarren. Mit Spannung war Merkels Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss zum VW-Abgas-Skandal erwartet worden. Was wird sie sagen? Wird sie überhaupt etwas sagen? Was wusste sie? Wann wusste sie etwas? Und von wem?

Die Kanzlerin: „Ich bin bereit“

Merkels Auftritt ist die letzte Zeugenbefragung vor dem Ausschuss. Das Interesse der Medien ist immens. Kurzfristig muss die Befragung in einen größeren Saal verlegt werden. „Sie müssen richtige und vollständige Angaben machen“, ermahnt der Ausschussvorsitzende Herbert Behrens (Linke) die Kanzlerin. „Ich habe versucht, mich zu erinnern und bin bereit“, antwortet Merkel und räuspert sich.

Behrens will wissen: „In welcher Weise und Intensität haben Sie sich mit dem Thema Emissionen zwischen 2007 und 2016 befasst?“ Merkel erklärt, sie sei früher immerhin Umweltministerin gewesen und habe sich „immer wieder damit beschäftigt“, aber nie mit technischen Details, immer nur „im Geiste“.

Merkels Strategie wird schon mit der ersten Antwort deutlich. Erfahren habe sie erst am 19. September 2015 aus den Medien von „dem Vorfall“ – wie alle anderen auch. Merkel, die Ahnungslose, die aber schnell Aufklärung verlangt haben will.
„Ich habe keine klare Erinnerung“

Sie habe rasch Kontakt mit Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) aufgenommen. „Ich habe ihn ermuntert, mit voller Transparenz und Energie aufzuklären, um die Dinge ans Licht zu bringen, sofern sie nicht schon bekannt waren.“ Sie habe es begrüßt, als Dobrindt eine Untersuchungskommission einrichten will.

Alle Versuche, sie von dieser Linie abzubringen, perlen an Merkel ab. Kannte sie die Abweichungen bei Abgasmessungen? „Daran erinnere ich mich nicht. Ich habe mich mit Testfragen nicht beschäftigt.“ Und die Abschaltvorrichtung? „Ich habe keine klare Erinnerung“, „keine detaillierte Kenntnis“, „am Rande mit verfolgt, aber nie intensiv damit beschäftigt“, „mit den Presseberichten am Rande erfahren“, „vorher keinerlei Kenntnis“.

Sicherlich, Kontakte mit dem damaligen VW-Chef Martin Winterkorn zu diesem Thema habe es gegeben, aber erst am 22. September in einem Telefonat, um das sie Winterkorn am Vortag gebeten habe. Sie habe von ihm nichts Neues erfahren. Nichts, das sie nicht schon vorher aus den Medien erfahren habe. Aus internen Telefonaten berichte sie ansonsten grundsätzlich nicht.
„Es wird wohl so gewesen sein“

Ob sich das Bundeskanzleramt in die bisherigen Untersuchungen eingebracht habe, will Behrens wissen. „Nee, das machen Sie doch. Ich habe das zur Kenntnis genommen, was Sie hier ermitteln“, sagt Merkel flapsig und erntet Gelächter. Behrens rückt ein Treffen mit dem früheren kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger im Jahr 2009 in den Fokus.

Sie habe angeblich Schwarzenegger und Vertreter der kalifornischen Umweltbehörde ermahnt, die amerikanischen Grenzwerte für Diesel-Fahrzeuge seien zu niedrig. Es habe so geklungen, als ob die Kanzlerin als oberste Fürsprecherin der deutschen Autoindustrie auftrete.

„Es gab ein Frühstück. Es wird wohl so gewesen sein“, sagt die Kanzlerin. Es sei um Pläne für neue Emissionsgrenzwerte nach 2014 gegangen. Im Vordergrund habe die Reduzierung von Emissionen gestanden. „Das war keine Attacke auf die kalifornischen Umweltbemühungen. Ich habe mich auch danach nicht mehr dafür eingesetzt“, betont Merkel. Das Gespräch sei ihr ohnehin nicht auffallend in Erinnerung geblieben. „Ich weiß es schlicht nicht. Eine konkrete Erinnerung daran habe ich nicht.“
Keine Erkenntnisse, keine Erklärung

Merkel wird nach Zeitungsartikeln gefragt, nach möglichen Hinweisen der EU auf Verstöße, bevor der Skandal an die Öffentlichkeit drang. Doch die Kanzlerin bleibt hart: „Nein, davon weiß ich nichts.“ Immer neue kritische Artikel und Berichte werden ihr präsentiert. Irgendwann platzt es aus ihr heraus: „Hoch lebe die Pressefreiheit.“

Oliver Krischer von den Grünen hakt nach: „Sie verstehen mehr von Stickoxiden als zwei ehemalige Verkehrsminister, die wir hier befragt haben. Haben Sie eine Erklärung, warum das in Deutschland nicht entdeckt wurde, sondern in den USA?“ Nein, dafür habe sie keine Erklärung. „Es ist da entdeckt worden, und dann muss man sich damit auseinandersetzen. Ich betreibe keine Motivforschung. Das ist nicht meine Aufgabe.“

Ein Raunen geht durch den Saal. Keine Erkenntnisse, kein Wissen, keine Erklärung, keine Informationen – Merkel bleibt ihrer Linie treu. Versäumnisse deutscher Behörden kann sie nicht erkennen. „Ich habe nicht das Gefühl, dass das Kraftfahrtbundesamt schlecht gearbeitet hat. Sie sehe auch keine Notwendigkeit für strukturelle Veränderungen, sagt sie. Und auch kein Staatsversagen. Nein, systematisch weggesehen habe niemand.
„Ein Hohn für Millionen Autofahrer“

Nach zwei quälend langen Stunden ist die Befragung vorbei. „Ich bedanke mich auch und wünsche Ihnen eine gute Abschlussarbeit“, sagt Merkel. Widersprechen will ihr niemand – zustimmen aber auch nicht.

Grünen-Obmann Krischer zeigt sich enttäuscht. Er nennt es „unverantwortlich“, dass Merkel den Skandal als „Vorfall“ bagatellisieren will. „Unverantwortlich“, dass sie den „Vorfall“ nicht zur Chefsache gemacht hat. „Absolut unpassend“, dass sie die Verantwortung allein Verkehrsminister Dobrindt überlassen will. „Das ist ein Hohn für Millionen betroffene Autofahrer.“

Der Ausschussvorsitzende Behrens zweifelt an der Glaubwürdigkeit der Kanzlerin. Ihre Aussage, erst im September 2015 durch Medienberichte aufgeklärt worden zu sein, „steht meinen Erkenntnissen diametral entgegen“.

Von Jörg Köpke/RND


http://www.kn-online.de/News/Aktuelle-Politik-Nachrichten/Nachrichten-Politik-aus-der-Welt/Merkel-Erfuhr-erst-September-2015-von-VW-Skandal (http://www.kn-online.de/News/Aktuelle-Politik-Nachrichten/Nachrichten-Politik-aus-der-Welt/Merkel-Erfuhr-erst-September-2015-von-VW-Skandal)



Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 01. April 2017, 10:33:33
In Hannover-Stöcken regt sich Widerstand gegen den korrupten IGM-Sauhaufen bei VW:

Zitat
31.03.2017
IG Metall droht Abweichlern mit Rauswurf

Am 6. April wählen rund 1000 Delegierte aus 115 Standorten weltweit in Wolfsburg die 10 VW-Aufsichtsratsmitglieder der Arbeitnehmerseite – eine reine Formsache (wir berichteten). Komplettiert wird das Gremium durch 10 Vertreter der Konzern-Anteilseigner. „114 Standorte haben die Delegierten per Einheitsliste und Friedenswahl bestimmt – also ohne Urnengang“, berichtete jetzt die Hannoversche Allgemeine (HAZ). Das fehlende Werk ist die Nutzfahrzeugfabrik in Stöcken. Und deshalb gibt es dort Ärger, wie die HAZ weiß.

Achtungserfolg verschärft die Gegensätze

In Stöcken gibt es eine sehr aktive Opposition im Betriebsrat, der – wie in allen deutschen VW-Werken – von der IG Metall dominiert wird. Einer der rebellischen Wortführer ist Ibrahim Badan, der unter anderem für sich verbuchen kann, eine Betriebsratswahl in Stöcken erfolgreich vor dem Bundesarbeitsgericht angefochten zu haben. Er sorgte jetzt bei der Delegiertenwahl auch mit dafür, dass es für die IG Metall nicht so rund lief wie in allen anderen Werken. „Bei der Delegiertenwahl Anfang März gelang der „Vereinigten Alternativen Liste“ ein Achtungserfolg: Mit 1387 Stimmen stellt sie bei der Abstimmung über die Aufsichtsratsmitglieder in Wolfsburg drei Delegierte und damit einen mehr als 2012. Für den Ausgang der Wahl spielt das keine Rolle - wohl aber für das Binnenverhältnis im Werk: Der Graben in der Arbeitnehmervertretung scheint dadurch noch breiter geworden zu sein“, analysiert die HAZ.

Und die IG Metall war trotz eines Stimmenanteils von 86 Prozent extrem angesäuert, weil auf der alternativen Liste auch Mitglieder der Gewerkschaft stehen. Diesen werde nun mit dem Ausschluss gedroht, berichtet die Zeitung aus der Landeshauptstadt und zitiert aus einem entsprechenden Schreiben an die widerborstigen Metaller. Ähnliches plante man vor sechs Jahren übrigens auch in Wolfsburg, weil in der Betriebsratsgruppe Mig 18 ebenfalls IG-Metaller sitzen. Sie hätten mit der Kandidatur auf einer alternativen Liste gegen die Satzung der mächtigen IG Metall verstoßen, hieß es damals. Ein entsprechendes Verfahren wurde damals jedoch nicht eingeleitet. In Hannover ist die Tonart wesentlich rauer. Die Kandidaten wurden laut HAZ aufgefordert, sich bis Ende März „schriftlich und mündlich hier in der IG-Metall-Vertrauenskörperleitung überzeugend von der oben genannten Liste“ zu distanzieren. Ansonsten drohe der Ausschluss.

„Werte wie Gerechtigkeit müssen wieder gelebt werden“


Doch was will die „Die Vereinte Alternative Liste“ überhaupt erreichen? Ihr Slogan lautet „Gemeinsam gegen Korruption und Manipulation.“ Ibrahim Badan erläuterte gegenüber unserer Zeitung, was dahinter steckt. „ Werte wie Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Verlässlichkeit müssen wieder gelebt werden“, sagt er. Sie ständig nur einzufordern, das reiche nicht. Die Betriebsräte und Gewerkschafter im Aufsichtsrat hätten weder Dieselgate verhindert noch seien sie gegen die hohen Vorstandsgehälter vorgegangen. „Sie nehmen die Nöte und Sorgen normaler Arbeitnehmer gar nicht mehr wahr“, behauptet Badan. Es gehörten neue Köpfe in den Aufsichtsrat. Dazu wird es nicht kommen. Stattdessen fehlt ein prominenter Kopf auf der Wahlliste. Gesamtbetriebsrats-Vize Stephan Wolf aus Wolfsburg, die rechte Hand von Osterloh, kandidiert nicht mehr, weil die Standorte stärker repräsentiert werden sollen.



DIE KANDIDATEN DER ARBEITNEHMERSEITE

Die drei Frauen, die künftig für die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat von Volkswagen sitzen sollen, sind Birgit Dietze aus dem Bundesvorstand der IG Metall, Ulrike Jakob, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Komponentenwerkes Kassel, sowie Bertina Murkovic, Betriebsrats-Vize des Nutzfahrzeuge-Werkes in Hannover. Damit erfüllt die Arbeitnehmerseite die Vorgabe eines 30-prozentigen Frauenanteils auf ihrer Liste. Die Arbeitgeberseite hatte diesbezüglich bereits vorgelegt.

Die übrigen sieben Kandidaten sind Bernd Osterloh (Vorsitzender des VW-Gesamtbetriebsrates), Jörg Hofmann (Bundesvorsitzender der IG Metall), die Betriebsratschefs Peter Mosch (Audi), Uwe Hück (Porsche), Athanasios Stimoniaris (MAN-Gesamtbetriebsrat), Johan Järvklo (IF Metall bei Scania in Schweden) Hans-Peter Fischer (Volkswagen Management Association).


http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article210116259/IG-Metall-droht-Abweichlern-mit-Rauswurf.html (http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article210116259/IG-Metall-droht-Abweichlern-mit-Rauswurf.html)
http://www.haz.de/Nachrichten/Wirtschaft/Niedersachsen/IG-Metall-droht-Abweichlern-bei-VW-mit-Ausschluss (http://www.haz.de/Nachrichten/Wirtschaft/Niedersachsen/IG-Metall-droht-Abweichlern-bei-VW-mit-Ausschluss)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 12. Mai 2017, 16:16:28
Weil mal wieder wegen Filz und Korruption ermittelt wird, geht ein Mann nun in die Offensive:

Zitat
12.05.17
„Ginge es mir ums Geld, wäre ich nicht mehr Betriebsratschef“

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sagt im Interview: „Ich habe keine Lust auf ein Versteckspiel.“ Sein Gehalt hat Manager-Höhe.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Personalverantwortliche des Volkswagen-Konzerns. Hintergrund ist der Vorwurf, Betriebsratschef Bernd Osterloh werde zu gut bezahlt. Mit Osterloh sprach Armin Maus.

 Herr Osterloh, die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Unternehmensvertreter wegen der Höhe Ihrer Vergütung. Was sagen Sie dazu?


So etwas belastet einen, das ist doch klar. Ich habe wirklich lange darüber nachgedacht. Und ich kann sagen: Ich bin da mit mir im Reinen. Meine Gehaltsentwicklung wird vom Unternehmen festgelegt. Unter Einhaltung des Betriebsverfassungsgesetzes und mit klaren internen Regelungen zur Betriebsratsvergütung. Die erlassenen Regelungen sind mehrfach intern und von externen Experten überprüft worden. Ich gehe also davon aus, dass man der Staatsanwaltschaft die Rechtmäßigkeit der vom Unternehmen getroffenen Entscheidungen darlegen wird.

Wird Ihre Arbeit durch das Ermittlungsverfahren nicht schwieriger?


Das ist für mich persönlich sicher keine einfache Zeit. Aber für meine Arbeit darf das keine Rolle spielen. Das können meine Kolleginnen und Kollegen zu recht von mir erwarten. Eines will ich betonen: Gegen mich wird nicht ermittelt. Und es gibt auch keinen Grund für Spekulationen.

Aber jetzt will die ganze Welt wissen, was sie verdienen. Wir auch.

Das verstehe ich. Und ich habe da auch keine Lust auf ein Versteckspiel. Schon 2005 habe ich gesagt, dass ich vergleichbar zu einem Manager bezahlt werde. Aktuell vergleichbar zu einem Bereichsleiter. Im Konzern haben wir etwa 300 solcher Manager. Davon allein am Standort Wolfsburg um die 80. Und entsprechende Tätigkeiten hat man auch mir in der Vergangenheit angeboten. Mir war es aber wichtiger, Betriebsrat zu sein.

Und was haben Sie nun verdient?


Mein Grundgehalt liegt bei rund 200000 Euro. Hinzu kommen Bonuszahlungen, die vom Geschäftsverlauf von Volkswagen abhängig sind. Die erhalte ich genau wie alle Manager in dieser Ebene. In der Spitze lag damit mein Jahresgehalt einmal bei rund 750000 Euro. Aktuell ist es deutlich niedriger. Im Übrigen: Ich habe schon im Oktober 2015 eine Erklärung gegenüber dem Unternehmen abgegeben, dass ich Wert darauf lege, dass ich im gleichen prozentualen Anteil auf Bonus verzichte, wie das die Belegschaft tut. Für das letzte Geschäftsjahr steht eine Bonuszahlung von etwa 386000 Euro im Raum. Durch meine Erklärung, die auch in diesem Jahr noch gilt, würde sich dieser Betrag auf 290000 Euro verringern. Mir war das damals wichtig. Denn ich habe den Vorstand zum Verzicht aufgefordert. Und ich kann nicht von anderen etwas fordern, was ich selbst nicht tue. Immerhin stand im Raum, dass die Belegschaft keinen Bonus erhält. Und mit meiner Erklärung hätte auch ich dann nichts bekommen und auch nichts haben wollen.

Finden Sie es richtig, dass ein Betriebsratsvorsitzender bezahlt wird wie ein Manager?

Das ist sicher eine gute Frage, denn hier geht es um Gerechtigkeit. Ich habe nicht über mein Gehalt entschieden. Das Unternehmen hat meine Einstufung nach Recht und Gesetz vorgenommen. Ich werde weder wie ein Generalbevollmächtigter, noch wie ein Markenvorstand, geschweige denn wie ein Konzernvorstand vergütet. Im Übrigen: Wäre es mir ums Geld gegangen, dann wäre ich heute nicht mehr Betriebsratsvorsitzender, sondern schon seit Ende 2015 Personalvorstand. Ich setze mich aber seit Jahrzehnten lieber mit ganzer Kraft für die Belegschaften ein. Das werde ich auch weiterhin tun.

Was denken Sie, wie werden ihre Kollegen reagieren?


Ich denke, dass sie das sehr wohl nachvollziehen können. Natürlich wird es den ein oder anderen geben, der das kritisch diskutiert. Diesen Diskussionen stelle ich mich. Im Übrigen: der Betriebsausschuss Wolfsburg, die IG Metall-Fraktion und der Gesamtbetriebsausschuss kennen das natürlich.

Warum hat jemand VW angezeigt?


Das kann ich ihnen nicht sagen, denn ich weiß es nicht. Es gibt natürlich immer Menschen mit persönlichen Motiven. Oder andere, denen vielleicht die Mitbestimmung ein Dorn im Auge ist. Ich weiß nur eines: Wir bei Volkswagen müssen uns aufs Geschäft und die Beschäftigungssicherung konzentrieren. Wir sind mitten in einem riesigen Umbau des Unternehmens. Wir müssen als Betriebsrat in den nächsten Jahren darauf achten, dass die Arbeitsplätze zukunftsfähig bleiben. Das ist mein Hauptanliegen. Und davon werde ich mich auch durch die aktuelle Diskussion nicht ablenken lassen.

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/mitreden/antworten/article210552321/Ginge-es-mir-ums-Geld-waere-ich-nicht-mehr-Betriebsratschef.html (http://www.wolfsburger-nachrichten.de/mitreden/antworten/article210552321/Ginge-es-mir-ums-Geld-waere-ich-nicht-mehr-Betriebsratschef.html)


Auch:
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=80.msg328447#msg328447 (http://www.chefduzen.de/index.php?topic=80.msg328447#msg328447)

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/vw-staatsanwaltschaft-ermittelt-wegen-verdacht-der-untreue-a-1147399.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/vw-staatsanwaltschaft-ermittelt-wegen-verdacht-der-untreue-a-1147399.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 12. Mai 2017, 16:50:00
So werden rechte Co-Manager zu Millionären...


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 12. Mai 2017, 22:11:34
Das "Schwarzbuch Autolobby" von Greenpeace listet nochmal sehr schön den ganzen Filz in Einzelportraits auf: natürlich Schröder, Merkel, Dobrindt, Wissmann, aber auch die ganzen DGB/IGM-Betriebsräte auf den SPD-Hinterbänken, die von VW, Daimler und Opel bezahlt werden, und Leute, die man längst vergessen hat:
http://www.greenpeace.de/files/publications/s01841_web_greenpeace_schwarzbuch_autolobby_04_16.pdf (http://www.greenpeace.de/files/publications/s01841_web_greenpeace_schwarzbuch_autolobby_04_16.pdf)    

Derweil hat die IG Metall aus aktuellem Anlass ihre Motivkarten erweitert:

(https://abload.de/img/neumannosterlohpckhn.png) (http://abload.de/image.php?img=neumannosterlohpckhn.png)

http://www.die-ig-metall.de/ (http://www.die-ig-metall.de/)

Der deutsche Repräsentant der Employment Law Alliance, die multinationale Unternehmen berät, die ihre Geschäftstätigkeit weltweit arbeitsrechtlich absichern möchten, spricht von Rechtsunkenntnis bis Rechtsnihilismus:
(https://abload.de/img/rechtnihilismusgyymr.png) (http://abload.de/image.php?img=rechtnihilismusgyymr.png)
http://buse.de/anwaelte/dr-jan-tibor-lelley-ll-m-suffolk-university-law-school/ (http://buse.de/anwaelte/dr-jan-tibor-lelley-ll-m-suffolk-university-law-school/)


Aufschlussreiches Interview von 2007 nach dem Bestechungsskandal mit Walter Hiller, so einer Art moralischen Instanz bei VW, falls es so etwas gibt:

Zitat
11.01.2007
"Wo keine Kontrolle ist, ist der Schritt zur Korruption nur klein“

Er stand bis 1990 an der Spitze des Betriebsrates bei VW: Walter Hiller. Wir baten den früheren niedersächsischen Sozialminister zum Interview über die Bezüge von freigestellten Betriebsräten bei Deutschlands größtem Automobil-Konzern. Hiller fertigte im Anschluss an das Gespräch mit Henning Noske ein Memorandum, das wir heute und morgen komplett abdrucken. Wir werden den VW-Vorstand um eine Stellungnahme bitten und diese in der morgigen Ausgabe veröffentlichen.

Vergütung und Bonuszahlungen an Betriebsräte – aktuell

Seit 1991 bestimmt eine paritätisch besetzte Kommission die Eingruppierung von Betriebsräten. Zwei Vertreter des Unternehmens und zwei vom Gesamtbetriebsrat, der Vorsitzende und sein Stellvertreter, bilden die Kommission.

Nach meiner Überzeugung ist diese Kommissionsregelung juristisch, aber insbesondere politisch nicht in Ordnung.

Es sind insbesondere zwei kritische Punkte. Die Entscheidungen der Kommission über die Eingruppierung oder der Festlegung von Bonuszahlungen ist nicht transparent.


Nicht nur die Institution Betriebsrat, sondern auch der Vertrauenskörper der IG Metall und auch die Arbeitnehmer haben ein Recht zu erfahren, in welcher Höhe und gegebenenfalls aus welchen Gründen von der Kommission so oder wie auch immer entschieden worden ist.

Des Weiteren sind schließlich auch die Mitglieder der Kommission, die dem Betriebsrat angehören, ebenfalls entsprechend einzugruppieren und zu beurteilen.

Sie selbst können das nicht – und scheinbar lief dies nach dem Schema, wie Volkert es in der letzten Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" berichtete. Volkert ist danach vom Arbeitsdirektor angerufen und gefragt worden, ob er mit der Bonuszahlung von X Euro einverstanden sei.

Nach all dem, was bis jetzt bekannt geworden ist, sollte erneut und grundsätzlich darüber nachgedacht und diskutiert werden, wie eine Lösung des Problems aussehen könnte.

Dabei könnte ein Gedanke. wie ihn ein nicht unbedeutender Jurist bereits vor Jahren zum Ausdruck brachte, weiterhelfen. Dieser Jurist meinte im Blick auf das Volkswagenwerk, dass man doch darüber nachdenken sollte, ob man das Gesetz nicht einschränkend auslegen kann, weil die Aufgaben von Betriebsratsmitgliedern zum Teil von hoher Verantwortung geprägt seien, so dass hierfür und dem unzweifelhaften zeitlichen Aufwand auch ein höheres Entgelt angemessen erscheint.

Egal wie auch immer eine neue Regelung aussieht, sie muss transparent sein für die Belegschaft. Allein dadurch wird sichergestellt, dass Betriebsratsmitglieder nicht in den Verdacht der Vorteilnahme geraten oder gar der Korruption verdächtigt werden.

Es geht darum, nach dem Motto zu verfahren: Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser.

Und ich füge diesem hinzu: Wo keine Kontrolle ist, ist der Schritt zur Korruption nur klein und schnell gegangen.

Betriebsrat – Interessenvertretung der Arbeitnehmer

Als Organ der Betriebsverfassung wird der Betriebsrat von den Arbeitnehmern eines Betriebes als Interessenvertretung gegenüber dem Arbeitgeber gewählt.

Aktives und passives Wahlrecht haben alle Arbeitnehmer, sofern sie nicht dem Kreis der Leitenden Angestellten zugeordnet sind (§ 5.2 Betriebsverfassungsgesetz). Das Gesetz zieht hier eine klare Trennlinie zwischen den Leitenden Angestellten, die zusammen mit dem Vorstand die Interessen der Anteilseigner vertreten und den Arbeitnehmern, deren Interessen der Betriebsrat zu vertreten hat.

IG-Metall-Mitglieder des Betriebsrats sind Vertrauensleute mit besonderer Funktion

Aus gewerkschaftlicher Sicht sind die IG-Metall-Mitglieder im Betriebsrat Vertrauensleute der IG Metall. In den Augen der VW-Belegschaft gilt der Betriebsrat als oberster Repräsentant der IG Metall, wie sich dies seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt hat.

Beide Institutionen, Betriebsrat und Vertrauenskörper der IG Metall, haben deshalb eine gemeinsame Verantwortung in allen Belangen, die Interessen der Belegschaft zu vertreten. Daraus ergibt sich eine gemeinsame, aber auch gegenseitige Verantwortung für das jeweilige Handeln, indem bei schwerwiegenden Problemen und Entscheidungen die örtliche Leitung oder unter Umständen auch der Vorstand der IG Metall einzubeziehen ist.

Gegnerbezug zum Arbeitgeber

Die IG-Metall-Mitglieder des Betriebsrats als Vertrauensleute befinden sich deshalb in einem scheinbaren Spannungsfeld zwischen den nach dem Betriebsverfassungsgesetz übertragenen Aufgaben einerseits und den Zielen der IG Metall andererseits, was aber dadurch aufgehoben ist, dass der Betriebsrat als Kollektivorgan seine Beschlüsse fasst – und nur an diese ist das einzelne Mitglied gebunden.

Vor dem gesellschaftspolitischen Hintergrund von Arbeit und Kapital, wie er im Programm der IG Metall enthalten ist, ist damit ein Gegnerbezug zwischen der Institution Betriebsrat und der Gruppe der Leitenden Angestellten und natürlich auch dem Vorstand der Volkswagen AG gegeben.

Gegnerbezug und Co-Manager

Aus Sicht des seit den 70er Jahren existierenden Modells der kooperativen Konfliktbewältigung bei Volkswagen ist es aber dennoch möglich, auch bei schwierigen betrieblichen oder auch unternehmenspolitischen Problemen einen Konsens zu finden.

Dies war letztlich die Erkenntnis aus den Krisen der 70er Jahre, dass es nämlich allemal besser ist, sowohl für das Unternehmen als auch für die Belegschaft, sich gütlich zu einigen. Nun haben sich in den vergangenen Jahren die Probleme verschärft in der Auseinandersetzung von Arbeit und Kapital – und gerade deshalb ist es unter diesen gesellschaftlichen Verhältnissen und Entwicklungen wichtig, diesen Interessengegensatz in jeder Hinsicht sowohl im Verhalten als auch in der Diskussion deutlich zu machen.

Verwischt wurde dieser Gegensatz durch und unter dem Arbeitsdirektor Peter Hartz. Durch den Begriff Co-Manager versuchte er Betriebsratsmitgliedern das Gefühl und den Wert von Leitenden Angestellten zu vermitteln.

In Einzelfällen gelang dies, mit dem Ergebnis, dass diese Kollegen die Bodenhaftung verloren und sich mit Gehalts- und Bonuszahlungen bedienen ließen, wie sie sich in keiner Weise für einen Interessenvertreter der Belegschaft rechtfertigen lassen.

http://www.braunschweiger-zeitung.de/archiv/article150124627/Wo-keine-Kontrolle-ist-ist-der-Schritt-zur-Korruption-nur-klein.html (http://www.braunschweiger-zeitung.de/archiv/article150124627/Wo-keine-Kontrolle-ist-ist-der-Schritt-zur-Korruption-nur-klein.html)

Als ob Osterloh dieses Memorandum von 2007 nochmal schnell gelesen hätte: öffentlich in der Not für Transparenz gesorgt, damit kein Korruptionsverdacht aufkommt, betonen, dass man kein Co-Management betreibt, womit der Gegnerbezug gewahrt bleibt, ansonsten aber weiterhin prächtig absahnen.

"Memorandum" aus vergangenen Tagen: Volkert, die Sudholts, Hartz, Osterloh

(https://abload.de/img/volkertsudholthartzosrkb0v.png) (http://abload.de/image.php?img=volkertsudholthartzosrkb0v.png)

Das lustige an der ganzen Sache ist ja irgendwie, dass Osterloh nun als Abteilungsleiter, also als leitender Angstellter bezahlt wird, demnach also eigentlich nicht mehr Betriebsratsmitglied sein dürfte, wenn es denn nicht nur eine Phantasiekarriere wäre. Er wird bezahlt für etwas, was er nicht sein dürfte, solange er das macht, wofür er bezahlt wird. Absurd.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 15. Mai 2017, 11:58:58
Historisches aus den wilden 70ern:

1979:
Auf einem internationalen Gewerkschaftstreffen in Wolfsburg der bei Volkswagen Beschäftigten wird berichtet, dass die brasilianische Militärpolizei auch innerhalb des Werkgeländes Streikende niederknüppelte. Es war also durchaus auch in Wolfsburg bekannt, dass in Brasilien etwas nicht stimmt.
Demnächst will sich VW eigentlich dazu äußern, was es mit den Foltervorwürfen der brasilianischen Wahrheitskommission auf sich hat. Mal sehen…

Zitat
RIBEIRO ALSO REPORTED THAT THE MANAGEMENT OF VW DO BRAZIL IN SAO BERNANDO CALLED MILITARY POLICE DURING A STRIKE IN THE SECOND HALF OF MARCH. THE MILITARY POLICE OPERATED INSIDE AND OUTSIDE THE PLANT GATES. THERE WERE CLASHES BETWEEN MILITARY POLICE AND STRIKERS, AND SOME PEOPLE WERE HURT. A NUMBER OF STRIKERS WAS ARRESTED, AND A TRADE UNION FUNCTIONARY WHO WAS CHARGED WITH PARTICIPATION IN ORGANIZING THE STRIKE WAS FIRED BY MANAGEMENT IMMEDIATELY AFTER THE STRIKE, ACCORDING TO RIBEIRO'S REPORT. (…) IN THE POLITICAL SPHERE, THESE GERMAN MANAGEMENTS FREQUENTLY SHOW AN ANTI-UNION ATTITUDE. INSTEAD OF SUPPORTING THE INITIAL BEGINNINGS OF DEMOCRATIZATION IN BRAZIL OR AT LEAST ACCEPTING SUCH A DEVELOPMENT, GERMAN EMPLOYERS IN BRAZIL, ACCORDING TO RIBEIRO, WERE ATTEMPTING TO "STOP THE CLOCK". RIBEIRO COMPLAINED THAT IN ALL CASES PROFITS HAD PRIORITY OVER SOCIAL JUSTICE FOR GERMAN FIRMS OPERATING IN BRAZIL.
https://wikileaks.org/plusd/cables/1979BONN11278_e.html


1978:
In Nigeria stürmten wegen der Arbeitsbedingungen die Beschäftigten das Werk, legten Feuer, zerstörten Maschinen und vermöbelten Manager.
Zitat

VOLKSWAGEN (VW) OF NIGERIA'S LAGOS AUTOMOBILE ASSEMBLY PLANT HAS BEEN SHUT DOWN INDEFINITELY IN THE AFTERMATH OF A RIOT WHICH EXTENSIVELY DAMAGED PLANT PROPERTY AND INJURED SEVERAL MANAGERS INCLUDING SOME GERMANS. THE RAMPAGE BY DISSATISFIED WORKERS FOLLOWS A LONG PERIOD OF LABOR UNREST INCLUDING CONFLICTS OVER WORK RULES AND CONDITIONS WHICH CULMINATED IN THE RECENT FIRING OF UNION PRESIDENT ALIU AKINWUNMI.
https://wikileaks.org/plusd/cables/1978LAGOS11114_d.html

1975:
Als Reaktion auf die Absatzkrise hatte der damalige Vorstandsvorsitzende Toni Schmücker 25.000 Stellen gestrichen. In einem vertraulichen Gespräch, bei dem es haupsächlich um Investitionen in den USA geht, deutet er an, dass er mehr Leute entlassen hat als notwendig, um dann bei Neueinstellungen umso glänzender als Krisenmanager dazustehen. Wäre mal interessant, welche Überlegungen dieser Matthias Müller heutzutage hat, wenn er 30.000 Stellen streicht.

Zitat
BY IMPLICATION, HE ALSO SEEMED TO BE SAYING AT ONE POINT THAT HE HAD ACTUALLY RELEASED MORE WORKERS THAN WAS NECESSARY, AND THE REHIRING, WHICH HE EXPECTS TO BEGIN NEXT YEAR, HAD BEEN PART OF HIS PLAN ALL ALONG. THIS WOULD ALLOW HIM TO CLAIM, AFTER ONLY A YEUR ON THE JOB, THAT HE HAD SUCCESSFULLY TURNED VW'S FORTUNES AROUND.
https://wikileaks.org/plusd/cables/1975STATE243441_b.html


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 20. Mai 2017, 09:25:31
Volkswagen gönnt sich nun doch einen neuen Chefhistoriker. Nachdem der alte gegangen war, weil er zu sehr Spezialist für Zwangsarbeit bei VW war, kommt jetzt ein Technologiehistoriker. Das ganze wird als Neuausrichtung der "historischen Kommunikation" verkauft, also lieber den Schwerpunkt auf die Geschichte des Scheibenwischers oder Kolbendingsbums legen als die ganzen üblen Verstrickungen aufzuarbeiten. Als ob es für Technikgeschichte nicht schon genug Fraggels gäbe. Das alles kann man natürlich so machen, der angebliche Aufklärungswille wirkt dadurch aber weiterhin wenig glaubhaft.

http://www.wiwo.de/unternehmen/auto/volkswagen-neuer-chefhistoriker-kommt-von-porsche/19828472.html (http://www.wiwo.de/unternehmen/auto/volkswagen-neuer-chefhistoriker-kommt-von-porsche/19828472.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 28. Mai 2017, 16:35:23
In den Braunschweiger/Wolfsburger Nachrichten wird neuerdings verstärkt über die mangelnde historische Aufarbeitung bei Volkswagen berichtet. Das ist fast schon erfrischend. Die Formulierung "Mut zur historischen Lücke" trifft es ganz gut.

Aus der Welt hinter der Bezahlschranke:

Zitat
(...)
Volkswagen plagt sich hingegen weiterhin mit der eigenen Geschichte herum und beschreitet am Ende mal wieder den Weg des geringsten Widerstandes. Die Gründung der „Gezuvor“ jährt sich morgen zum 80. Mal. In Berlin wurden am 28. Mai 1937 die rechtlichen Voraussetzungen für den Bau des Volkswagens unter dem Dach der Deutschen Arbeitsfront (DAF) der Nationalsozialisten geschaffen (WN vom 26. Mai). Zwar wurde die gigantische Autofabrik am Mittellandkanal tatsächlich rasch gebaut. Autos, die viele Kunden bereits mit Anzahlungen vorbestellt hatten, wurden dort aber in den nächsten Jahren nicht in nennenswerter Zahl gebaut. Stattdessen liefen Kübel- und Schwimmwagen für die Wehrmacht von den Bändern sowie anderes Kriegsgerät. Und Geschäftsführer Ferdinand Porsche machte seinen Einfluss ab 1942 massiv geltend, damit die SS gegen Ende des Krieges auch KZ-Insassen für die Produktion von Kriegswaffen abstellte.

VW gelingt es in der offiziellen Pressemitteilung zum Gezuvor-Geburtstag, diese dunkle Phase pauschal abzuhandeln, um dafür umso enthusiastischer in die Produkt- und Erfolgsgeschichte des von den Briten nach dem Krieg privatisierten Unternehmens einzusteigen. „Aus einem Unternehmen, dessen Geschichte mit der Produktion des Käfers begann, entwickelte sich über die acht Jahrzehnte ein Global Player mit zwölf Marken, 120 Produktionsstandorten auf vier Kontinenten, mehr als 620 000 Mitarbeitern und mehr als 10 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen pro Jahr“, heißt es einleitend. So kann man das natürlich auch verkaufen. Aber ist das auch redlich?

Erklärt die Vergangenheit die Skandale von heute?

Im Endeffekt führt dieses Verhalten übrigens auch nur dazu, dass sich gerade ausländische Journalisten besonders für die Historie des erfolgreichen Autobauers interessieren. Jack Ewing, VW-Experte der New York Times, macht in seinem gerade erschienenen Buch „Wachstum um jeden Preis“ sogar die frühe Geschichte von Volkswagen mitverantwortlich für die Skandale der Gegenwart. Stichwort: Unternehmenskultur. Der Mut zur historischen Lücke fällt also im Zweifelsfalle nur Volkswagen selbst wieder bleischwer auf die Füße.

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article210704617/Wenn-das-Sponsoring-zur-Glaubensfrage-wird.html (http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article210704617/Wenn-das-Sponsoring-zur-Glaubensfrage-wird.html)





Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 09. Juni 2017, 11:49:39
Volkswagen löst das Problem mit den aufbegehrenden Leiharbeitern in Changchun/China mal wieder auf die traditionelle Art und Weise: Aktivisten werden von der Polizei verhaftet.

http://www.labournet.de/?p=117278 (http://www.labournet.de/?p=117278)
http://www.clb.org.hk/content/volkswagen-worker-representatives-arrested-changchun-plant (http://www.clb.org.hk/content/volkswagen-worker-representatives-arrested-changchun-plant)

Aus einer Rede „25 Jahre FAW-Volkswagen-Audi“ von Rupert Stadler (Verbrecher) von 2013:
Zitat
(…)
Wir sind drei starke Partner, die gemeinsam ihren Weg gehen.
(…)
Mit dieser Kooperation haben wir vieles gewagt und alles gewonnen!
(…)
Dem unternehmerischen Weitblick der Entscheider von damals ist es zu verdanken, dass wir heute hier stehen. In einem Land, das zu einer zweiten Heimat für uns geworden ist.
(…)

https://www.audi-mediacenter.com/de/publikationen/reden/rede-25-jahre-faw-volkswagen-audi-31 (https://www.audi-mediacenter.com/de/publikationen/reden/rede-25-jahre-faw-volkswagen-audi-31)

Unternehmerischer Weitblick 1984:

(https://abload.de/img/kohlhahnchinaxkjk9.png) (http://abload.de/image.php?img=kohlhahnchinaxkjk9.png)

Vollstrecker des Leihsklaventums bei der Arbeit (halbwegs nüchtern):

(https://abload.de/img/schroederchinadck0z.png) (http://abload.de/image.php?img=schroederchinadck0z.png)

Chinesin erzählt wohl einen guten Witz:

(https://abload.de/img/merkelchinahkjlh.png) (http://abload.de/image.php?img=merkelchinahkjlh.png)

IG Metall erklärt sich mit den chinesischen Leiharbeitern solidarisch:

(https://abload.de/img/igmsolidarischmvjtz.png) (http://abload.de/image.php?img=igmsolidarischmvjtz.png)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 09. Juni 2017, 14:25:17
Aus China kam dazu gerade die Bitte um Solidaritätsbotschaften und unterstützende Aktionen aus/in Deutschland.

Bitte per p.n. an mich. Ich leite es weiter.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 22. Juni 2017, 18:01:36
Zitat
VW: Streik in der Slowakei - Böses Erwachen im Autoparadies

Tausende Volkswagen-Mitarbeiter in der Slowakei streiken für höhere Löhne. Der linkspopulistische Premier unterstützt sie dabei. Doch der Arbeitskampf bringt den für die Autobauer so attraktiven Standort in Gefahr...


Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/vw-streik-in-der-slowakei-boeses-erwachen-im-autoparadies/19962190.html (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/vw-streik-in-der-slowakei-boeses-erwachen-im-autoparadies/19962190.html)

Die Arbeiter fordern 16% mehr Lohn auf zwei Jahre.

Was mich an der Berichterstattung ärgert, ist das ewige Argument der "Standortgefährdung". Damit werden nämlich die Belegschaften gegeneinander ausgespielt und letztlich erpresst. Nötig ist die konzernweite Solidarität mit dem Streik - über alle Standorte und Ländergrenzen hinweg.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 22. Juni 2017, 21:01:30
(https://m.smedata.sk/api-media/media/image/sme/7/25/2595577/2595577_1200x.jpeg?rev=3)

Summertime...

(https://m.smedata.sk/api-media/media/image/sme/5/25/2594685/2594685_625x.jpeg?rev=3)

...and the livin' is easy...


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 27. Juni 2017, 20:11:23
(https://abload.de/img/solidaimlerqruao.jpg) (http://abload.de/image.php?img=solidaimlerqruao.jpg)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 28. Juni 2017, 12:29:17
(https://abload.de/img/leihkeule_soliyez9e.jpg)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 06. Juli 2017, 20:38:24
(https://abload.de/img/igl_soli_rlsuf.jpg) (http://abload.de/image.php?img=igl_soli_rlsuf.jpg)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 09. Juli 2017, 19:40:10
(https://abload.de/img/img_4037wso3s.jpg) (http://abload.de/image.php?img=img_4037wso3s.jpg)

(https://abload.de/img/fullsizerender4lq82.jpg) (http://abload.de/image.php?img=fullsizerender4lq82.jpg)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 10. Juli 2017, 13:20:14
Die Infos werden weiterverbreitet:
http://www.labournet.de/?p=118630 (http://www.labournet.de/?p=118630)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 14. Juli 2017, 12:41:59
(http://static2.fr.de/storage/image/4/4/6/6/976644_608x342_1pqanO_fhCKR6.jpg)
Volkswagen wird ab 2019 Generalsponsor des DFB.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rudolf Rocker am 23. Juli 2017, 18:40:38
Zitat
Komplizen? VW und Brasiliens Militärdiktatur
http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Komplizen-VW-und-Brasiliens-Militaerdiktatur,vwdobrasil102.html#page=0&anim=slide (http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Komplizen-VW-und-Brasiliens-Militaerdiktatur,vwdobrasil102.html#page=0&anim=slide)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 24. Juli 2017, 09:59:49
Die gleiche Geschichte in einem anderen Bericht:

Zitat
Wie VW mit Brasiliens Junta kooperierte

Die brasilianische VW-Tochter hat der früheren Militärdiktatur im Land offenbar dabei geholfen, Regimegegner zu verfolgen. Nach Recherchen von NDR, SWR und SZ bespitzelte der VW-Werkschutz die Arbeiter des Konzerns - und lieferte offenbar mehrere der Folterhaft aus.


Verfolgung, Folter, willkürliche Tötungen - mit diesen Methoden bekämpfte die rechtsgerichtete Militärdiktatur in Brasilien von 1964 bis 1985 die politische Opposition. Volkswagen do Brasil, ein Tochterunternehmen des Wolfsburger Autokonzerns, hat damals diese Verfolgung von Regimegegnern offenbar aktiv unterstützt. Zu diesem Ergebnis kommen Recherchen von NDR, SWR und "Süddeutscher Zeitung".

Wie aktiv die Rolle von VW do Brasil war, ergab eine Auswertung umfangreicher Unterlagen: interne VW-Unternehmenspapiere aus Deutschland und Brasilien, als geheim eingestufte Dokumente der brasilianischen Politischen Polizei aus der Diktaturzeit und vertrauliche Berichte des Auswärtigen Amtes. Zudem konnten die Reporter Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft in São Paulo einsehen. Die dortige Justiz ermittelt seit fast zwei Jahren, welche Verantwortung Volkswagen für Menschenrechtsverletzungen zur Zeit der Militärdiktatur trägt.

Zum einen soll VW eine Mitverantwortung für politische Verhaftungen innerhalb des Werksgeländes tragen und damit die eigenen Angestellten der Folter ausgeliefert haben. Die Reporter sprachen auch mit ehemaligen VW-Mitarbeitern. Mehrere von ihnen bestätigten, dass sie im Sommer 1972 am Arbeitsplatz verhaftet wurden. Sie gehörten einer oppositionellen Gruppe an, die innerhalb des Werkgeländes Flugblätter für die kommunistische Partei verteilte und Gewerkschaftstreffen organisierte.

([url]http://www.tagesschau.de/ausland/weltatlas/sued_amerika/vwdobrasil-131~_v-videowebl.jpg[/url])
Wachleute von VW do Brasil in den 1960er Jahren vor dem VW-Hauptwerk bei São Paulo.

Der Folter ausgeliefert

Der ehemalige VW-Mitarbeiter Lúcio Bellentani schildert, wie der VW-Werkschutz die Politische Polizei auf das Firmengelände ließ, dort Misshandlungen ermöglichte und beobachtete. "VW hat mir zwei Jahre meines Lebens gestohlen", sagt der heute 72-Jährige, der nach seiner Verhaftung acht Monate in Folterhaft und rund 16 weitere Monate im Gefängnis verbrachte. "Indirekt war VW verantwortlich für zahlreiche Fälle von Folter und Verfolgung. Volkswagen soll die Würde haben, seine Verantwortung für diese Taten anzuerkennen."

([url]http://www.tagesschau.de/ausland/weltatlas/sued_amerika/vwdobrasil-119~_v-teaserM.jpg[/url])
Der VW-Werkzeugmacher Lúcio Bellentani im Juli 1964 als Häftling im Folterzentrum der Politischen Polizei.

Als Lúcio Bellentani an seinem VW-Arbeitsplatz bei São Paulo verhaftet wurde, schauten die Wachleute nur zu, sagt er. Danach erlebte er zwei Jahre Folter und Haft.

Außerdem ging die Rolle von Volkswagen weit darüber hinaus, Anfragen von Militärs zu beantworten und sie auf dem Firmengelände gewähren zu lassen. Der Konzern richtete eine Abteilung ein, die sich wohl immer mehr in eine Art werkseigenen Geheimdienst verwandelte. Dieser schon vor der Diktaturzeit gegründete Werkschutz wurde von Beginn an von ehemaligen Offizieren der brasilianischen Armee geleitet.
VW-Wachleute als eine Art Geheimdienst

Ein Teil der Abteilung, die sich auch um die Sicherung des Werksgeländes kümmerte, bespitzelte offenbar die eigenen Mitarbeiter, spähte ihre politische Haltung aus und dokumentierte dies in zahlreichen sogenannten Vorkommnisberichten - Berichte, die schließlich stapelweise in den Akten der Politischen Polizei landeten.

Volkswagen will sich bislang nicht inhaltlich zu den Vorwürfen äußern und verweist auf ein Gutachten, das der Konzern bei dem Historiker Christopher Kopper von der Universität Bielefeld in Auftrag gegeben hat. Dieser habe bis Ende des Jahres Zeit, seine Ergebnisse vorzulegen, sagte Konzernsprecher Hans-Gerd Bode: "Aus heutiger Sicht müssen wir da einfach noch ein bisschen abwarten, wir sollten da jetzt auch keine schnellen Schlüsse und Entscheidungen treffen."
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/vw-menschenrechte-101.html (http://www.tagesschau.de/wirtschaft/vw-menschenrechte-101.html)



Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 24. Juli 2017, 10:49:28
„Komplizen? – VW und die brasilianische Militärdiktatur“: Das Erste, Montag, 24. Juli, 23.25 Uhr
Zitat
Das Wegducken bei der Aufarbeitung steht dem Autobauer nicht gut zu Gesicht. Erschreckend ignorant sind die Reaktionen von Carl Hahn, dem langjährigen Vorstandschef des Konzerns.

Die Dokumentation ist stark recherchiert und schaut aus vielen Blickwinkeln auf einen Skandal, den Volkswagen versucht, kleinzureden.

https://www.noz.de/deutschland-welt/medien/artikel/926659/skandal-das-erste-zeigt-dunkles-vw-kapitel-in-brasilien (https://www.noz.de/deutschland-welt/medien/artikel/926659/skandal-das-erste-zeigt-dunkles-vw-kapitel-in-brasilien)

Der durchgeknallte Carl Hahn im Wortlaut:

"Mich hat das nicht beunruhigt damals. Ich erinnere nicht, dass wir nun mit Tränen den Weggang und die Wegspülung der Demokratie etwa beweint hätten."

"Wir haben versucht, Automobile zu bauen und unabhängig von der Regierung, die in einem Lande herrscht. Das überlassen wir den Eingeborenen, den Menschen dieser Länder."


Also uns hat auch nicht gestört, was natürlich die heutigen Heiligen, die wir in Deutschland alle versammelt haben, stört, dass da eine Militärregierung war, denn es hätte uns auch in Libyen nicht gestört, dass wir da ein Diktator hatten und dem dann die Demokratie gepredigt, wie wir das ja mit großem Erfolg gerade erleben, wie man das schön machen kann.

Wir haben eben Arbeitsbedingungen gehabt, dass die Menschen bei uns Schlange standen. Denn Sie müssen sich vorstellen, wo die Menschen herkamen. Aus dem Urwald.

So ähnlich hatte es sein Ziehvater Nordhoff auch schon formuliert.

Paternalistisch oder Sozialethik, das können Sie erzählen, wie Sie wollen. Denn das Ergebnis und die Denkweise sind identisch. Man bezeichnet es unterschiedlich. Ich glaube, sie entspricht deutschem Unternehmertum. Schauen Sie, die Krupps im vorvorigen Jahrhundert hatten ja auch schon ihre Sozialkassen und all diese Dinge.

Wenn Sie sich vorstellen, in welchen Hotten-Totten-Ländern wir überall heute Prosperität gebracht hätten, nicht, wir sind heute der größte Arbeitgeber in Polen, in Tschechien, in Slowakei, in Ungarn, wir sind der größte Steuerzahler. Wir sind der größte Exporteur. Wir haben Zentraleuropa mehr entwickelt mit unseren Investitionen als jeder staatliche oder multistaatliche Investor. Darüber redet aber kein Mensch.

http://www.ndr.de/info/sendungen/das_forum/Das-Forum,sendung655646.html# (http://www.ndr.de/info/sendungen/das_forum/Das-Forum,sendung655646.html#)
http://www.deutschlandfunk.de/vw-in-brasilien-williger-komplize-der-militaerdiktatur.1773.de.html?dram:article_id=391812 (http://www.deutschlandfunk.de/vw-in-brasilien-williger-komplize-der-militaerdiktatur.1773.de.html?dram:article_id=391812)

1987 wird in Wolfsburg der Erfolg von Volkswagen gefeiert,...

(https://abload.de/img/vwhahnhillercfsdc.png) (http://abload.de/image.php?img=vwhahnhillercfsdc.png)

..., der auf Zwangsarbeit, Folter, Herrenmenschentum, Filz, Korruption und Lügen beruht, dass einem die Kotze kalt den Rücken runterläuft.

(Dieses Bild scheint kein Zufall zu sein. Der damalige Betriebsratsvorsitzende und IG-Metaller Walter Hiller hält sich an dem langen Arm fest, der ihm von Carl Hahn gnädigst entgegengestreckt wird. Dieser würdigt den Arbeitervertreter keines Blickes und bleibt lieber unter Seinesgleichen, von denen einer den Hiller sogar auszulachen scheint. Insgesamt eine schöne Inszenierung des flotten Kunstliebhabers und verbalen Haudraufs Carl Hahn Junior.)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 27. Juli 2017, 20:29:02
Es war absolut überraschend und positiv, dass sich der NDR fast eine Woche mit diesem Thema auseinandergesetzt hat. Sowohl die Doku als auch das vierteilige Radiofeature hatten es in sich. Es wurden Beweise für die Verstrickung von VW in Diktatur und Folter geliefert und andere Indizien so weit verdichtet, dass sich Volkswagen nun nicht mehr herausreden kann. Das größte Verdienst liegt meiner Meinung nach aber darin, dass es den Journalisten gelungen ist, im Interview mit Carl Hahn ein Weltbild herauszukitzeln, das man nur noch als feudalfaschistisch bezeichnen kann. Es ist eben dieser aus der katholischen Sozialethik stammende Gnadenakt den Arbeitern gegenüber, der das Getriebe am Laufen hält. In dieser anmaßenden Tradition steht VW, und wenn heutige Manager vielleicht etwas smarter rüberkommen, denken sie jedoch genauso.

Man hätte noch viele Punkte genauer ansprechen können, wie zum Beispiel die Rolle der Regierung während der 70er (Atomdeals mit Brasilien) oder die Ursprünge der Industrialisierung in Brasilien und deren Hintergründe, aber das kann ja noch werden. Das Ganze bietet jede Menge Hinweise und Anknüpfungspunkte für weitere Recherchen.

In den 80ern wurden französische Zwangsarbeiter auf Privatinitiative nach Wolfsburg eingeladen. Wenn Volkswagen jetzt ein wenig souveräner wäre, sollte das "Werk" nun selber auf die brasilianischen Folteropfer zugehen. Das bezweifle ich allerdings stark, denn bei allem Bemühen darum, es im Rahmen einer historischen Kommunikation und Verantwortung abzuarbeiten, ist es schlicht und einfach so, dass es eben nicht nur Geschichte ist, sondern eine Art Blaupause für die Gesamtstrategie des Konzerns. Davon zeugen nicht nur die widerlichen Aussagen von Carl Hahn, sondern auch die aktuellen Inhaftierungen von chinesischen Leiharbeitern bei FAW/Volkswagen. Es ist eben nicht nur Geschichte, es ist Geschichte, die sich ständig wiederholt.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 06. August 2017, 08:50:54
Zitat
VW-Lobbyisten sollen Rede von Weil umgeschrieben haben

Einem Medienbericht zufolge soll Niedersachsens Ministerpräsident dem Autokonzern eine Regierungserklärung zum Diesel-Skandal vorab zur Prüfung vorgelegt haben.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vw-affaere-vw-lobbyisten-sollen-rede-von-weil-umgeschrieben-haben-1.3617824 (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vw-affaere-vw-lobbyisten-sollen-rede-von-weil-umgeschrieben-haben-1.3617824)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rudolf Rocker am 06. August 2017, 21:05:27
Die niedersächsische Landesregierung kann doch kaum noch laufen, soviel Scheiße haben die am Stecken! >:(


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 06. August 2017, 21:26:43
Hier gibt es nun die Rede mit den Änderungen und Änderungsvorschlägen von VW:
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/dieselaffaere112.pdf (https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/dieselaffaere112.pdf)

Nichts besonderes. Interessant:
Der Aufbau des VW-Werkes in Wolfsburg erfolgte aus dem von den Nationalsozialisten beschlagnahmten Gewerkschaftsvermögen.

Da wollte VW ein "auch" reinhaben.

Das Skandälchen besteht wohl eher darin, dass es in der Landesregierung keine guten Redenschreiber gibt. Als Anteilseigner muss man sich dann halt an VW wenden. Der Niedersachse an sich soll einfach mal weniger Bregenwurst rauchen.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 09. August 2017, 20:00:09
Damit konnte wirklich niemand rechnen:
Zitat
9.8.17
VW sprach sich auch mit CDU und FDP ab

Der Konzern versorgte nicht nur Rot/Grün mit „Formulierungshilfen“, sondern auch die Vorgängerregierung von CDU und FDP. Es gab sogar „Kommunikationsrichtlinien“ für Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister. Mit dem Land wurden „Steilpässe“ verabredet.

Im Streit um eine zu große Nähe der rot-grünen Landesregierung unter Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zum VW-Konzern rückt jetzt auch die schwarz-gelbe Vorgängerregierung in den Fokus. Nach zahlreichen Unterlagen, die der NWZ vorliegen, ließ sich VW von den Aufsichtsräten des Landes, Ministerpräsident David McAllister (CDU) und Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP), nicht nur Pressemitteilungen vorlegen, sondern gab der Landesregierung auch im Jahr 2010 „Kommunikationsrichtlinien“ vor im Zusammenhang mit Porsche-Problemen.

Der Blick in die Archive der Staatskanzlei belegt, dass die Vorgaben aus Wolfsburg sogar oft kleinste Details umfasste. So wurden Ministerpräsident McAllister beispielsweise im Februar 2011 „generelle Statements als Antwort auf mögliche Fragen zum VW-Konzern übermittelt“. Wenige Monate später lautet eine Anweisung der Pressestelle der Staatskanzlei: „Wichtig ist in der Tat, dass sich Winterkorn (damals VW-Vorstandschef) und Osterloh (Gesamtbetriebsratsvorsitzender) und MP (Ministerpräsident) verabreden, sich gegenseitig mit „Steilpässen“ zu bedienen“. Man spielte die politischen Bälle zwischen Wolfsburg und Hannover hin und her.

Und zum Thema „Suzuki“ informiert das Fachreferat der Staatskanzlei die Pressestelle: „Ich melde mich, wenn ich das Wording habe“. Im Klartext: die von VW vorgegebene Sprachregelung. McAllister und Bode lassen vor einer Aufsichtsratssitzung im September 2011 eine Pressemitteilung der Landesregierung von VW korrigierend gegenlesen – „mit der Bitte um Anmerkungen“. Auch vor einer Erklärung des Ministerpräsidenten bitte die Landesregierung Volkswagen, sich den Text anzuschauen. Im November 2012 soll VW einen „Sprechzettel für den MP“ kontrollieren.

Wirtschaftsminister Bode lässt sich vor einem Interview mit dem ZDF-Magazin „Zoom“ im Januar 2013 zu Steuerfragen zur „Vorbereitung Informationen aus Sicht von Volkswagen“ schicken. Er hält ein „Kernbotschaften-Papier“. Ex-Minister Bode sieht darin kein Problem. „Eine Abstimmung mit VW habe ich nie kritisiert. Das ist die Pflicht eines Aufsichtsrates“.

Unterlagen aus der Wulff-Ära finden sich nicht mehr in der Staatskanzlei. Sie wurden „nicht archiviert“, bedauert die Staatskanzlei auf eine Nachfrage der NWZ.

https://www.nwzonline.de/wirtschaft/hannover-wolfsburg-landesregierung-in-niedersachsen-vw-sprach-sich-auch-mit-cdu-und-fdp-ab_a_32,0,1851667053.html (https://www.nwzonline.de/wirtschaft/hannover-wolfsburg-landesregierung-in-niedersachsen-vw-sprach-sich-auch-mit-cdu-und-fdp-ab_a_32,0,1851667053.html)

Auch BR hat recherchiert:
Zitat
(...)"Volkswagen wäre dem Land Niedersachsen sehr dankbar, wenn es unsere Position gegenüber der Bundesregierung und den EU-Institutionen vertreten könnte. Ich bedanke mich sehr für die Unterstützung und die ausgezeichnete Kooperation."(...)

http://www.br.de/nachrichten/niedersachsen-vw-schwarz-gelb-100.html (http://www.br.de/nachrichten/niedersachsen-vw-schwarz-gelb-100.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Troll am 10. August 2017, 09:06:51
Das Gute im Schlechten, es zeigt die Erbärmlichkeit unserer Politiker, im großen und ganzen eine unnütze Staffage, aus Bevölkerungssicht, nicht mal als Pressesprecher für Unternehmen taugen sie, ohne professionelle Redenschreiber wäre der Bundestag ein Kasperletheater.



Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 10. August 2017, 10:20:10
Das zeigt doch, dass die niedersächsische Landesregierung sich vollständig VW unterordnet - egal welche Parteien regieren.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rudolf Rocker am 10. August 2017, 11:10:09
Zitat
Das zeigt doch, dass die niedersächsische Landesregierung sich vollständig VW unterordnet
Nicht nur die, sondern auch die komplette Opposition! Sogar die DKP steckt einen halben Kilometer tief im VW- Arsch!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 11. August 2017, 04:57:50
Bei der DKP wundert mich langsam gar nichts mehr.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rudolf Rocker am 12. August 2017, 08:57:15
Zitat
VW in Brasilien: Eine Chronik der Schande

Jetzt gibt es eine ausführliche Doku dazu (weiter unten im Bericht, 45 min.)
http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/VW-in-Brasilien-Eine-Chronik-der-Schande,vwkommentar104.html (http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/VW-in-Brasilien-Eine-Chronik-der-Schande,vwkommentar104.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 18. August 2017, 15:55:18
Es ist bereits bekannt, daß Leiharbeitern im FAW-Volkswagenwerk in Changchun nicht einmal eine den chinesischen Gesetzen entsprechende Bezahlung und behandlung erfuhren. Als die Leiharbeiter mit Protestaktionen ihre Rechte einforderten, reagierte die Polizei mit Verhaftungen. Einer der Sprecher der Leiharbeiter befindet sich noch immer in Haft.

Die Leiharbeiter erhofften sich Unterstützung aus Deutschland. Sie schickten einen Offenen Brief an den Konzern, an den Betriebsrat von VW in Wolfsburg und an den Eurobetriebsrat von VW.

Als der Brief unbeantwortet blieb, wandte ich mich an die Tageszeitungen in Wolfsburg, um so VW Beschäftigte in der Stadt zu erreichen. Aber die Macht des Konzerns scheint bis in der Redaktionsstuben der Lokapresse zu reichen. Man zeigte keinerlei Interesse an der Thematik.

Es haben inzwischen Betriebsräte der SPIE GmbH, Sulzer GmbH, Humbold Wedag GmbH und KHD Humbold Wedag AG den IGM Vorstand in Frankfurt informiert und einen Brief an das VW Management in Changchun gesandt. Es bleibt abzuwarten, ob die IGM aus ihrer Totenstarre erwacht und ihre Stimme erhebt für die Rechte der Leiharbeiter bei der chinesischen Niederlassung des großen deutschen Autokonzerns.

Da sich bisher aber noch nichts erkennbares bewegt hat, haben die Leiharbeiter mit einem weiteren offenen Brief nachgelegt:

http://www.labournet.de/?p=120251 (http://www.labournet.de/?p=120251)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: dagobert am 18. August 2017, 17:05:53
Es bleibt abzuwarten, ob die IGM aus ihrer Totenstarre erwacht und ihre Stimme erhebt für die Rechte der Leiharbeiter bei der chinesischen Niederlassung des großen deutschen Autokonzerns.
Würde ich nicht mit rechnen.
Auch hier in Deutschland gelten Leiharbeiter den Gewerkschaften nur als Verfügungsmasse zur Sicherung der Stammarbeitsplätze. Mehr Bedeutung haben auch LAN im Ausland für die DGB-Gewerkschaften nicht.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 18. August 2017, 18:56:30
Immerhin hat der „Weltbetriebsrat“ des VW-Konzerns eine „Charta der Arbeitsbeziehungen im Volkswagen-Konzern“ abgeschlossen, die die momentanen Bedingungen unmöglich machen sollte. Es scheint, die Einhaltung dieser Charta wird von der Gewerkschaft nicht eingefordert. Papier ist geduldig.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: dagobert am 19. August 2017, 17:51:49
Diese Vereinbarungen sind als Gewissens-Beruhigungspille für die Kollegen gedacht, mehr nicht.
Papier ist geduldig.
Eben.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 02. September 2017, 15:29:06
Arbeitsbeschaffung bei VW 1976/77:

Zitat
3000 Neueinstellungen bei VW in diesem Jahr. Die bürgerliche Presse feiert es als „Soziale Großtat“. Was die VW-Kapitalisten wirklich vorhaben, sieht man am Bericht eines Arbeiters.

Dezember 1976, Brief vom Arbeitsamt:“ Sie haben sich am … um 9 Uhr auf dem Arbeitsamt zu melden.“
Drei Tage später auf dem Arbeitsamt. 10 Arbeiter vor mir. Einer nach dem anderen kommt aus dem Zimmer und flucht:“ Wolfsburg, die spinnen wohl.“ … „Die können mich mal!“ usw.
Im Zimmer:“ Ja, Herr …, Sie wollen doch sicher arbeiten, erzählen Sie mal, was können Sie denn so? Wozu haben Sie denn Lust?“ - „Bisher war ich in der Metallverarbeitung“. - „Na sehen Sie, da haben wir doch was. Es dreht sich konkret um VW in Wolfsburg.“ - „Haben Sie nicht was in Göttingen?“ - „Nein, VW ist das einzige, was wir haben. Sie kriegen aber sehr großzügige Hilfen von uns, wenn Sie nach Wolfsburg umziehen. 500 DM Mobilitätszulage und 4000 DM Einrichtungsbeihilfe.“
Anfang Januar 1977. Brief vom Arbeitsamt. „Sie haben sich am Montag, … um 7:45 Uhr zur Abfahrt nach Wolfsburg zu melden.“
Montag, 7:45 Uhr. Ein Bus, vollgepfropft mit 50 Arbeitern. Kaum einer älter als 25 bis 30, alle ungelernt, alle mindestens ein halbes Jahr arbeitslos, viele schon länger.
Abfahrt nach Wolfsburg zur betriebsärztlichen Untersuchung, zur Werks- und Wohnheimbesichtigung. Aus der „Begrüßungsrede“ des Typs vom Arbeitsamt: „… es ist doch großzügig und fair von ihren Arbeitgebern, daß sie in einer ausführlichen Betriebsbesichtigung sich ihren Arbeitsplatz ansehen können, ob er ihnen zusagt … Sie wissen ja, wenn die diesen Arbeitsplatz ablehnen, wird ihnen das Arbeitslosengeld für vier Wochen oder sogar ganz gestrichen, wenn sie schon mal eine Arbeit abgelehnt haben.“
10 Uhr. Ankunft in Wolfsburg. Nach einer Stunde Wartezeit beginnt dann die Führung. Gruppenweise werden wir gewogen, gemessen, geröntgt, usw. Gegen 17 Uhr, sieben Stunden nach der Ankunft in Wolfsburg, ist die Musterung beendet. 40 von den 50 Arbeitern sind als tauglich für die Ausbeutung befunden.
Anschließend „Werksbesichtigung“. Eine viertel Stunde, einmal am Band rauf und wieder runter. Zuletzt Besichtigung des Wohnheims. Ein Hochhaus, fast noch auf Werksgelände, pro Etage vier oder fünf Wohnungen. Pro Wohnung vier Zimmer. Einrichtung: ein Bett, ein Spind, zwei Betten, zwei Spinde, drei Betten, drei Spinde, vier Betten, vier Spinde. Miete fürs Einzelzimmer 155 DM, Vierbettzimmer sind 60 DM pro Mann, Gesamtmiete pro Wohnung 850 DM.
Zwei Waschbecken für zehn Leute, Duschen pro Etage für 40 bis 50 Arbeiter, geöffnet von 11 bis 21 Uhr. Nach 22 Uhr absolutes Frauenverbot.
Die Kapitalisten streben nach Höchstprofit. Dafür brauchen sie Arbeiter, die sich bis zum letzten ausbeuten lassen, also eine Anweisung an die Arbeitsämter raus: „ Wir brauchen 3000 Leute, jung müssen sie sein, gesund müssen sie sein, und ungelernt müssen sie sein!“ VW ruft, und die Arbeitsämter springen. Die Kapitalisten bestimmen und der Staat führt es aus.

http://www.mao-projekt.de/BRD/NS/BRS/Wolfsburg.shtml (http://www.mao-projekt.de/BRD/NS/BRS/Wolfsburg.shtml)
http://mao-archiv.de/Scans/BRD/NS/BRS/BS/Sonstige/SONS_KJB005.jpg (http://mao-archiv.de/Scans/BRD/NS/BRS/BS/Sonstige/SONS_KJB005.jpg)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 20. September 2017, 22:40:46
Zitat
20.9.17
Chemnitz ehrt den Vater von Carl Hahn

Wolfsburg/Chemnitz  Vorausgegangen ist eine Debatte um seine Rolle im Dritten Reich.

Trotz vorausgegangener öffentlicher Kontroverse um die Rolle des Managements der Auto-Union während des Dritten Reiches hat die Stadt Chemnitz auf Initiative des örtlichen Rotary Clubs den ehemaligen Spitzenmanager Carl Hahn senior (1894 bis 1961) öffentlich geehrt. Der Vater des späteren VW-Chefs Carl H. Hahn junior erhielt eine „Denk-Mal-Platte“, mit der die sächsische Stadt bekannte und verdiente Männer und Frauen der Stadt ehrt.

Die historische Aufarbeitung und Bewertung der Verstrickung des Managements in die Rüstungsproduktion des nationalsozialistischen Regimes inklusive der Ausbeutung von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen hatte im Vorjahr zu einem Streit geführt, in dessen Verlauf sich die Wege von Volkswagen und Chefhistoriker Manfred Grieger trennten. Grieger hatte die von der Audi AG angeregte und geförderte Untersuchung der Historiker Martin Kukowski und Rudolf Boch („Kriegswirtschaft und Arbeitseinsatz bei der Auto Union AG Chemnitz im Zweiten Weltkrieg“) in einem Aufsatz kritisch rezensiert. Die Rolle der beiden Manager Richard Bruhn und Carl Hahn senior im Gefüge des nationalsozialistischen Kriegswirtschaftssystems sei darin heruntergespielt worden.

Während Hahn senior nun geehrt wurde, entschied sich die Stadt Ingolstadt im Vorjahr nach langer Diskussion, die Richard-Bruhn-Straße umzubenennen. Michael Wagner, Vorsitzender der Chemnitzer Rotarier, sagte laut der Tageszeitung „Freie Presse“ vor 100 Ehrengästen, es gebe „keinen Grund, Carl Hahn nicht zu ehren“. Er habe durch sein unternehmerisches Wirken viele Arbeitsplätze in Chemnitz gesichert. Carl H. Hahn junior betonte, die Auto Union habe sich während des Zweiten Weltkrieges gegenüber „Fremdarbeitern“ besser verhalten als viele andere Betriebe. So hätten selbst KZ-Häftlinge eine ärztliche Betreuung erhalten, zitiert die Zeitung Hahn.

In Wolfsburg hat es immer wieder Diskussionen um Käfer-Konstrukteur Ferdinand Porsche gegeben. Konsequenzen wurden aber nicht gezogen. In Stuttgart findet nun am 10. Oktober in der Universität eine Tagung zur Rolle des von Adolf Hitler geschätzten und protegierten Technikers statt. Im VW-Werk waren Tausende Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge ausgebeutet worden.

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article211987749/Chemnitz-ehrt-den-Vater-von-Carl-Hahn.html (http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article211987749/Chemnitz-ehrt-den-Vater-von-Carl-Hahn.html)

Carl Hahn Junior (der mit den Hottentotten in Brasilien und anderswo) mag Richard Bruhn, dessen Straßenname in Ingolstadt umbenannt wurde:

(https://abload.de/img/carlhahnrichardbruhnf0yy4.png) (http://abload.de/image.php?img=carlhahnrichardbruhnf0yy4.png)

Vorstellung des ersten Nachkriegs-DKW in Ingolstadt in Juli 1950 (von rechts):
Mein Vater, Carl Hahn, stellvertretender Vorsitzender der Auto Union, August Horch, der legendäre Automobilpionier, Walter Osswald, der Senior der Motorjournalisten, sowie Richard Bruhn, gemeinsam mit meinem Vater Gründer der Auto Union und Vorsitzender
.





Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 07. Oktober 2017, 10:16:20
9 Monate nach den Protesten der VW Leiharbeiter in Changchun und 3 Monate nach dem Schreiben der Leiharbeiter an den Betriebsrat in Wolfsburg und den Eurobetriebsrat von VW, gab es nun eine Antwort von beiden:

http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2017/10/vw_gbr_d.pdf (http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2017/10/vw_gbr_d.pdf)

Das Labournet hat es so kommentiert:
Zitat
Erstens verweisen die beiden Autoren darauf, daß bei dem Joint-Venture FAW-VW die Personalhochheit  beim chinesischen Mehrheitseigner liege… “Nichts desto trotz nehmen wir Ihr Schreiben sehr ernst” deutet vor diesem Hintergrund daraufhin, dass man sich nicht zuständig fühlt. Wir haben es auf die schnelle in unseren zig Seiten zu VW nicht gefunden, aber können uns dunkel an eine Selbstverpflichtung erinnern, auf deren Durchsetzung bei VW der WBR mal sehr stolz gewesen war – kann uns jemand einen Hinweis liefern?
Zweitens allerdings können sich die chinesischen KollegInnen aber wohl über die Unzuständigkeit freuen. Erdreisten sich doch die beiden obersten Gewerkschafter bei VW, den – wegen ihrer Proteste gegen skandalöse Arbeitsbedingung inhaftierten! – KollegInnen das Hinweisgebersystem von VW zu nutzen (also doch zuständig?) bzw. ihr Anliegen “der chinesischen Gesetzeslage entsprechend bei den hierfür zuständigen Stellen in China zu artikulieren”! Es handelt sich wohlgemerkt um diejenige chinesische Gesetzeslage, die ihre Verhaftung ermöglicht. Aber, wir erinnern, es handelt sich ja um Leiharbeiter, und da ist die IG Metall auch bei uns sehr gesetzesgläubig…
http://www.labournet.de/?p=119093 (http://www.labournet.de/?p=119093)

Dem BR Vorsitzenden Bernd Osterloh eilt auch ein besonderer Ruf voraus:
Zitat
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Personalvorstände, die dem Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh zu viel Gehalt genehmigt haben sollen. [url]http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/vw-verdient-osterloh-zu-viel/19796292.html[/url] ([url]http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/vw-verdient-osterloh-zu-viel/19796292.html[/url])
Osterloh war im Werk Wolfsburg seit dem Start des vom damaligen Personalvorstand Peter Hartz erarbeiteten Projektes „5000 mal 5000“ im Jahr 2000 der dafür Verantwortliche im zuständigen Ausschuss des Betriebsrats. Er verteidigte es gegen erheblichen Widerstand aus den Reihen seiner eigenen Gewerkschaft gegen den Vorwurf des Tarifdumping. Laut Handelsblatt verkörpert er „den neuen Typ des Arbeitnehmer-Managers“ und laut Frankfurter Allgemeine Zeitung den des „Co-Managers“, der wie ein Abteilungsleiter bezahlt wird. [url]https://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Osterloh[/url] ([url]https://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Osterloh[/url])


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 07. Oktober 2017, 10:50:22
Der Osterloh hat in der Spitze bis zu 750000 € Jahresgehalt bezogen. Da singt er natürlich das hohe Lied auf VW und die Leiharbeit.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: dagobert am 07. Oktober 2017, 23:21:48
Das Labournet hat es so kommentiert:
Zitat
Wir haben es auf die schnelle in unseren zig Seiten zu VW nicht gefunden, aber können uns dunkel an eine Selbstverpflichtung erinnern, auf deren Durchsetzung bei VW der WBR mal sehr stolz gewesen war – kann uns jemand einen Hinweis liefern?

Ich rate mal:
https://www.igmetall.de/charta-der-zeitarbeit-im-volkswagen-konzern-10997.htm (https://www.igmetall.de/charta-der-zeitarbeit-im-volkswagen-konzern-10997.htm)
http://www.labournet.de/category/internationales/china/arbeitsbedingungen-china/vw-china/ (http://www.labournet.de/category/internationales/china/arbeitsbedingungen-china/vw-china/)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 08. Oktober 2017, 14:28:39
Hier ist die von Management und Betriebsrat unterzeichte Charta für Zeitabeit bei VW (in englischer Sprache):
Zitat

Charter on Temporary Work for the Volkswagen Group


Preamble
The Volkswagen Group Board of Management, the Volkswagen European Group Works Council and the Volkswagen Group Global Works Council agree on the principles of this Charter on Temporary Work for the Volkswagen Group. This serves as a safeguard for appropriate employment and pay conditions of temporary external employees at Volkswagen as well as uniform use of the temporary work tool throughout the entire Volkswagen Group.
 
The employees’ and company’s sides agree upon the following:
(...)
Equal pay and equal treatment
Reference basis for Equal Pay is the respective base salary. 
All further components of pay, i.e. shift and overtime supplements, depend on the rates typical for the location and/or sector, and if available, regulated by wage agreements. 
(...)
After a period of 9 months at the latest, a temporary external employee shall receive the same basic pay as a permanent employee on the same level. (...)


Munich, 30 Nov. 2012
 
On behalf of the Volkswagen European Board of Management Group
On behalf of the Volkswagen Works Council
and the Volkswagen Group Global Works Council
For IndustriALL Global Union
http://www.industriall-union.org/sites/default/files/uploads/documents/GFAs/Volkswagen/precarious_agreement_Nov_2012/charta_der_zeitarbeit_englisch_final.pdf (http://www.industriall-union.org/sites/default/files/uploads/documents/GFAs/Volkswagen/precarious_agreement_Nov_2012/charta_der_zeitarbeit_englisch_final.pdf)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: dagobert am 08. Oktober 2017, 23:54:42
Ich sag da jetzt nix zu  :-X:
http://www.n-tv.de/wirtschaft/VW-dokumentierte-zu-hohen-CO2-Ausstoss-article20072175.html (http://www.n-tv.de/wirtschaft/VW-dokumentierte-zu-hohen-CO2-Ausstoss-article20072175.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 13. Oktober 2017, 13:19:03
Zitat
“Den Deutschen ist es egal. Wir müssen selbst kämpfen!”

LeiharbeiterInnen beim Automobilhersteller FAW-VW fordern gleiche Entlohnung und werden kriminalisiert. Gleichzeitig brechen anderswo bei VW Arbeiterkämpfe aus


ArbeiterInnen von FAW-VW in Changchun, die über Leiharbeitsfirmen beschäftigt sind, kämpfen seit Ende 2016 für gleiche Entlohnung. FAW-VW wurde 1991 vom chinesischen Staatsunternehmen FAW und den deutschen Automobilunternehmen Volkswagen (VW) und Audi als Joint Venture gegründet. Außer in Changchun (Jilin) betreibt es Fabriken in Chengdu (Sichuan), Dalian (Liaoning) und Foshan (Guangdong). Die Firma beschäftigt mehr als 50.000 ArbeiterInnen und produziert Pkws und Automobilkomponenten.1

Der Kampf der LeiharbeiterInnen bei FAW-VW in Changchun

Viele der LeiharbeiterInnen arbeiten seit Jahren für FAW-VW. Sie fordern, dass das Joint Venture sie sofort direkt beschäftigt, die Zeiten anerkennt, die sie dort bereits gearbeitet haben und für den ungleichen Lohn in der Vergangenheit Entschädigung zahlt. Sie machen dieselbe Arbeit, wie die direkt bei FAW-VW Beschäftigten, bekommen jedoch nur etwa die Hälfte des Lohnes (z.B. 60.000 Yuan statt 120.000 Yuan) und nicht dieselben Zulagen. In ihren Erklärungen bezeichnen die LeiharbeiterInnen dies als Bruch des chinesischen Arbeitsvertragsgesetzes, darunter von Artikel 63 (gleicher Lohn für gleiche Arbeit) und von Artikel 66 (LeiharbeiterInnen sollten nur ‘vorläufige, aushelfende und ersatzweise Positionen’ ausfüllen). Außerdem sind einige Leiharbeitsfirmen direkt mit FAW-VW verbunden (und möglicherweise in dessen Besitz), ein Verstoß gegen Artikel 67 des Arbeitsvertragsgesetzes (Unternehmen dürfen keine eigenen Leiharbeitsfirmen gründen, um deren Angestellte zu beschäftigen).2  VW hat sich zudem selbst in seiner „Charta der Zeitarbeit im Volkswagen-Konzern“ zur gleichen Entlohnung verpflichtet.3

Die neuen Regelungen zur Leiharbeit wurden im Jahr 2013 im Zuge einer Nivellierung des Arbeitsvertragsgesetzes eingeführt, allerdings mit einer dreijährigen Übergangsphase bis 2016. Die LeiharbeiterInnen bei FAW-VW wussten das und handelten entsprechend. Im November 2016 stellten sie ihre Forderungen über Chinas einzige offizielle Gewerkschaft ACFTU, aber sieben Verhandlungsrunden mit FAW-VW und den Leiharbeitsfirmen scheiterten. Die ArbeiterInnen zog vor das örtliche Gericht, das den Fall jedoch abwies. Mehrere Demonstrationen zwischen Februar und Mai dieses Jahres führten auch zu keiner Lösung.4 Am 26. Mai 2017 wurden die Arbeitervertreter Fu Tianbo, Wang Shuai und Ai Zhenyu unter dem Vorwurf „Versammlung einer Menschenmenge, um die soziale Ordnung zu stören“ verhaftet, eine vom Regime der KPCh oft benutzte Beschuldigung zur Eindämmung sozialer Proteste. Während Wang und Ai kurz darauf entlassen wurden, wurde Fu Anfang Juni offiziell angeklagt und blieb weiter in Haft.5

Die ArbeiterInnen, die Fu unterstützen, schrieben Briefe an die Behörden, um ihn frei zu bekommen, z.B. im August an das örtliche Amt für öffentliche Sicherheit (die Polizeibehörde, die für Fus Verhaftung verantwortlich ist) und im September an die Antikorruptionsagentur der KPCh.6 Sie schrieben auch an die deutsche VW-Zentrale, den deutschen VW-Betriebsrat und andere, um sie zum Eingreifen zu bewegen.7 Am 25. August antworteten ihnen die Leiter des europäischen und weltweiten Betriebsrats von der IG Metall. Sie betonten, dass sie den Fall „sehr ernst“ nehmen würden, und forderten die ArbeiterInnen auf, den Fall Volkswagen oder den chinesischen Behörden zu melden.8 Mit anderen Worten, sie fordern die LeiharbeiterInnen in China auf, die Gegner im Arbeitskonflikt und diejenigen, die ihren Vertreter inhaftierten, um Unterstützung zu fragen. Die chinesischen LeiharbeiterInnen, die den Brief der deutschen Betriebsräte im Netz veröffentlichten, kommentierten das treffend: „Den Deutschen ist das egal. Wir müssen selbst kämpfen!“9

Der offensichtliche Bruch der chinesischen Arbeitsgesetze und das Unterlaufen von VWs eigener Verpflichtung zu gleicher Entlohnung entspricht der allgemeinen Praxis in China. Viele chinesische und ausländische Unternehmen brechen die Arbeitsgesetze ganz offen, z.B. indem sie die ArbeiterInnen zu langen Überstunden zwingen oder ihnen weniger als den offiziellen Mindestlohn zahlen. VW scheint überdies die Tradition der Kollaboration mit autoritären Regimen und ihrer Unterdrückung sozialen Widerstands fortzusetzen. Die Kollaboration VWs mit der brasilianischen Diktatur in den 1970er Jahren, als Informationen über die politischen Haltungen von ArbeiterInnen an die Repressionsorgane weitergegeben und darauf folgende Verhaftungen toleriert wurden, war im vergangenen Sommer ein heiß diskutiertes Thema in deutschen Medien.10

Weitere Mobilisierungen von VW-ArbeiterInnen in Europa

In Europa musste sich VW derweil in den letzten Monaten mit weiteren Arbeitermobilisierungen und Streiks auseinandersetzen. Im Juni setzten VW-ArbeiterInnen in Bratislawa, Slowakei, eine Lohnerhöhung um 14,1 Prozent durch, nachdem sie vorher zum ersten Mal seit dem Zusammenbruch des Sozialismus 1989 in dieser Fabrik gestreikt hatten.11

Anfang August verließen VW-ArbeiterInnen in Poznań, Polen, aus Protest gegen die Ausweitung der Wochenendarbeit die Gewerkschaft Solidarität (Solidarność) und gründeten eine neue, selbstorganisierte Sektion der Basisgewerkschaft Arbeiterinitiative (Inicjatywa Pracownicza). Nachdem VW mehreren beteiligten ArbeiterInnen wegen angeblicher übler Nachrede die Firma betreffend gekündigt hatte, unterschrieben 2.000 ArbeiterInnen Anfang September eine Petition für deren Wiedereinstellung.12

Ende August streikten VW-ArbeiterInnen im portugiesische Palmela, bei Lissabon, – der erste Streik im Betrieb seit Jahrzehnten – gegen die Ausweitung der Wochenendarbeit.13

Und Ende September forderten ArbeiterInnen der VW-Tochterfirma Autovision in Emden und Osnabrück ihre Direkteinstellung durch VW. Sie hatten ursprünglich als LeiharbeiterInnen für VW gearbeitet, bevor sie von Autovision übernommen worden waren. Autovision dient VW als Subunternehmen und stellte die ArbeiterInnen für die VW-Fabriken ab.14

Diese Mobilisierungen und Streiks sind eine Reaktion auf den diskriminierenden Einsatz von Leiharbeit bei VW sowie auf den steigenden Arbeitsdruck in VW-Fabriken, und sie zeugen von der Forderung von ArbeiterInnen in ‘peripheren’ Ländern nach Schließung der Lohnlücke im Vergleich zu VW-ArbeiterInnen in Deutschland.

Der Umbau der Industrie

Die Arbeitermobilisierungen treffen VW – das immer noch teilweise im Besitz des deutschen Staates ist und von diesem weitgehend kontrolliert wird – zu einem kritischen Zeitpunkt. VW war 2016 (wieder) der weltweit größte Automobilhersteller,15 aber der Dieselabgas-Skandal, also die absichtliche Verletzung der Abgasvorschriften, und seine Aus- und Nachwirkungen drohen den Konzern zu schwächen und zu destabilisieren. Gleichzeitig stellt der scheinbare Übergang zu Elektrofahrzeugen eine große Herausforderung dar, weil die bestehende industrielle Massenproduktion von kraftstoffbetriebenen Automobilen nicht einfach auf batteriebetriebene Automobile umgestellt werden kann.16 Der Dieselabgas-Skandal könnte nun den beabsichtigten (teuren) Umbau von VW beschleunigen, und die ArbeiterInnen sollen den Preis bezahlen – das scheint zumindest der Plan des Managements zu sein.

China ist der größte Hersteller und Markt von (kraftstoffbetriebenen) Automobilen und für den Umbau von VW von zentraler Bedeutung. Das Land steht für 41 Prozent der weltweiten Fahrzeugverkäufe VWs und für 49 Prozent seines weltweiten Gewinns (vor Steuern).17 Und China ist bereits der führende Hersteller von und Markt für Elektrofahrzeuge insgesamt – auch wenn dieser ‘grüne Sprung nach vorne’ massiv vom chinesischen Staat subventioniert wird.18

VW wie auch Renault-Nissan, Ford und andere globale Automobilhersteller bauen mit chinesischen Partnerunternehmen neue Joint Ventures auf, um mit der Massenproduktion von Elektrofahrzeugen zu beginnen19 – die dritte Welle der Gründung solcher Automobil-Joint-Ventures nach den 1980er Jahren und der Zeit von Mitte der 1990er bis Mitte der 2000er Jahre.20 Die Zeiten haben sich jedoch geändert, und VW und die anderen sehen sich einem verschärften Wettbewerb mit chinesischen Automobilherstellern gegenüber, die gleichzeitig global expandieren.21

Die Auswirkungen der Arbeiterkämpfe in China

Ob und wie der Umbau von VW (und anderen Automobilherstellern) vonstatten gehen wird, hängt auch von der Entwicklung der Automobilarbeiterkämpfe ab. Der Kampf der FAW-VW-ArbeiterInnen in Changchun ist das letzte Beispiel der Militanz von AutomobilarbeiterInnen in China, die in den 1990ern und 2000er Jahren begann. An den Mobilisierungen beteiligten sich sowohl direkt Beschäftigte als auch LeiharbeiterInnen.22 Ein erster Höhepunkt war die Streikwelle 2010.23

Der andauernde Umbau der chinesischen Wirtschaft – Umstrukturierung, Verlagerung, Aufwertung – hat Auswirkungen auf alle ArbeiterInnen. Nach dem Abflachen der Wirtschaftswachstumsrate seit den späten 2000er Jahren sind auch die Lohnerhöhungen zunehmend niedriger ausgefallen.24 Die ArbeiterInnen haben jedoch weiterhin hohe Erwartungen und fordern Verbesserungen ihrer immer noch miesen Arbeitsbedingungen.

Nachdem Streiks und andere Kämpfe in den 2000er Jahren weitgehend erfolgreich waren und Lohnerhöhungen und verbesserte Bedingungen durchsetzen konnten, trafen sie in den letzten Jahren auf mehr Gegendruck durch die Unternehmensleitungen und den Staat. Das war auch eine Folge des Anziehens politischer Kontrolle und der Repression sozialer Proteste unter der KP-Führung um Xi Jinping, seit diese 2012–13 an die Macht kam.

Vor diesem Hintergrund sehen sich die LeiharbeiterInnen bei FAW-VW in Changchun der Ignoranz und Repression durch VW, das chinesische Staatsunternehmen FAW, die Behörden der KP und der Polizei gegenüber. Ihr Kampf läuft weiter, andere werden folgen.
http://www.gongchao.org/2017/10/12/leiharbeiter-bei-faw-vw-in-china-im-kampf/ (http://www.gongchao.org/2017/10/12/leiharbeiter-bei-faw-vw-in-china-im-kampf/)

(Zahlreiche Fußnoten und weiterführende Links unter dem Originalartikel bei Gongchao.)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 20. Oktober 2017, 15:22:10
Ich erhielt gerade folgende Mail aus China:

Zitat
Ich möchte Ihnen ein wichtiges Update über die Situation im Fall der FAW-Volkswagen Arbeiter in Changchun, China, zukommen lassen.

Wir haben soeben erfahren, dass der Arbeitervertreter Fu Tianbo für seinen Aktivismus angeklagt wurde, weil er "eine Menschenmenge versammelt habe, um die öffentliche Ordnung zu stören".

In einem ständigen Dialog zwischen dem China Labour Bulletin und dem internationalen Büro von Volkswagen via dem Business and Human Rights Büro, weigerte sich Volkswagen, auf die jüngste Erwiderung des CLB zu reagieren, was darauf hindeutet, dass Volkswagen nie anerkannt hat, dass das Unternehmen Arbeiter in Changchun gezielt herausgepickt hat und dass Volkswagen sich weigert anzuerkennen, dass die Arbeitnehmervertreter von der Polizei verhaftet worden sind und gegen sie ermittelt wird.

Internationale Gewerkschaftsvertreter und Aktivisten auf der ganzen Welt haben die bedingungslose Freilassung von Fu Tianbo und für Volkswagen aufgefordert, sich mit den über 3000 Leiharbeitern bei FAW-VW Changchun an den Verhandlungstisch zu setzen um über ihre Forderungen nach Equal Pay zu sprechen.

Wir werden die Angelegenheit genau verfolgen und hoffen, dass Sie das auch tun. Wir hoffen, dass weltweit Gewerkschaftsaktivisten die bedingungslose Freilassung von Fu Tianbo fordern und dass Volkswagen auf die Tatsache reagiert, dass Arbeitervertreter in ihrem chinesischen Werk wegen der Verteidigung ihrer Rechte ins Visir geraten sind.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit für diesen Fall
.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 28. Oktober 2017, 09:30:07
Zitat
Heimliches Firmengeflecht in Luxemburg
Wie VW am deutschen Finanzamt vorbeifährt

Volkswagen hat im Steuerparadies Luxemburg ein verschachteltes, milliardenschweres Firmenimperium gebaut - mit gerade mal fünf Vollzeitbeschäftigten.


VW unterhielt bereits seit 2012 eine Holding und eine Finanzierungsgesellschaft - in Luxemburg, bekannt für sein konzernfreundliches Steuerregime. Seitdem haben die Wolfsburger ein kaum zu durchschauendes Netz aus Kapitalverflechtungen und Finanzströmen in dem Großherzogtum gewoben und alles in allem Beteiligungen im Wert von mehr als 17 Milliarden Euro dorthin verlagert.
http://www.spiegel.de/spiegel/der-vw-konzern-nutzt-ein-fragwuerdiges-steuersparmodell-in-luxemburg-a-1175059.html (http://www.spiegel.de/spiegel/der-vw-konzern-nutzt-ein-fragwuerdiges-steuersparmodell-in-luxemburg-a-1175059.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 31. Oktober 2017, 20:07:09
Ich erhielt eine besorgniserregende Mail zur Situation der kämpfenden FAW-Volkswagen Leiharbeiter in Changchun.

Dem Sprecher der Arbeiter wurde der Weibo-Account (eine Mischung aus facebook und twitter) gelöscht, wie auch alle Postings auf dieser Plattform über den Verlauf der Proteste. Es geschah ohne Ankündigung und wohl auf Druck von FAW-Volkswagen oder der Regierung. Es ist der deutliche Hinweis darauf, daß FAW-Volkswagen die Stimme der Arbeiter verstummen lassen will. Die Arbeiter haben ihre wichtigste Möglichkeit zur Publikation ihrer Situation und Aktivitäten verloren. Es war eine wichtige Verbindung zu anderen Arbeitern, zu NGOs, zu Unterstützern und Journalisten.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 31. Oktober 2017, 21:00:59
Zitat
Es ist der deutliche Hinweis darauf, daß FAW-Volkswagen die Stimme der Arbeiter verstummen lassen will.


Auch der Weltbetriebsrat von Volkswagen steckt knietief im Arsch derjenigen, die über Leichen gehen:

Zitat
24.6.17
([url]https://abload.de/img/volkswagenweltbetrieboou3n.png[/url]) ([url]http://abload.de/image.php?img=volkswagenweltbetrieboou3n.png[/url])
In Augsburg tagte das Präsidium des Europäischen- und Weltkonzernbetriebsrats von Volkswagen. Mit dabei waren unter anderen (von links) Uwe Lauber (Vorstandsvorsitzender MAN Diesel & Turbo), Wilfried von Rath (Personalvorstand MAN Diesel & Turbo), Saki Stimoniaris (Betriebsratsvorsitzender MAN), Hiltrud Werner (Mitglied des Vorstands VW Konzern, Integrität und Recht), Bernd Osterloh (Betriebsratsvorsitzender VW), Matthias Müller (Vorstandsvorsitzender VW), Andreas Renschler (Mitglied des Vorstands VW Konzern, Nutzfahrzeuge), Oskar Ritsch (Betriebsratsvorsitzender MAN Diesel & Turbo), Karlheinz Blessing (Mitglied des Vorstands VW Konzern, Personal), Frank Patta (Generalsekretär Europäischer und Weltkonzernbetriebsrat VW), Frank Burnautzki (Mitglied des Vorstands MAN Diesel & Turbo, Beschaffung).

http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Die-VW-Spitze-in-Augsburg-id41820776.html (http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Die-VW-Spitze-in-Augsburg-id41820776.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 03. November 2017, 18:21:39
Die Meldung wurde auch bei Labournet Germany verbreitet:
http://www.labournet.de/?p=123450 (http://www.labournet.de/?p=123450)

SOLIDARITÄT tut not.
Das Unternehmen, das Ausbeutung und Rechtsbruch betreibt, ist ein deutsches Unternehmen.
Solidarität ist in diesem Land notwendig. Solidaritätsbekundungen führen in Deutschland nicht so schnell zu Internetsperren und Inhaftierung.

Wer gegen soziale Ungerechtigkeit ist und gegen Leiharbeit kämpfen möchte, findet hier einen guten Ansatz.

  • Freiheit für Fu Tianbo
  • Nachzahlung der den Leiharbeitern vorenthaltenen/zustehenden Löhnen
  • Abschaffung der Leiharbeit weltweit!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 10. November 2017, 20:49:04
(https://abload.de/img/chinasoli1hgjjm.jpg) (http://abload.de/image.php?img=chinasoli1hgjjm.jpg)

(https://abload.de/img/chinasoli2dopvi.jpg)

(https://abload.de/img/chinasoli3yrsqp.jpg) (http://abload.de/image.php?img=chinasoli3yrsqp.jpg)

(https://abload.de/img/chinasolistatueyosh6.jpg) (http://abload.de/image.php?img=chinasolistatueyosh6.jpg)

(https://abload.de/img/chinasoli7o6s9w.jpg) (http://abload.de/image.php?img=chinasoli7o6s9w.jpg)

(https://abload.de/img/chinasoli4jcs18.jpg) (http://abload.de/image.php?img=chinasoli4jcs18.jpg)

(https://abload.de/img/chinasoli8kgshl.jpg) (http://abload.de/image.php?img=chinasoli8kgshl.jpg)

(https://abload.de/img/mega31ps7b.jpg)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nikita am 11. November 2017, 12:27:34
Coole Aktion!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 14. November 2017, 09:14:17
Die Bundesstaatsanwaltschaft São Paulo will VW nun notfalls vor Gericht bringen, hofft aber noch auf einen außergerichtlichen Vergleich. In vorauseilendem Gehorsam plant VW eine Veranstaltung in Brasilien:
Zitat
(…) Die Einladung sei Volkswagen zufolge Teil von einem "Paket von nachhaltigen Maßnahmen", das sich gerade in der finalen Abstimmung befinde. Damit wolle das Unternehmen seiner "gesellschaftlichen Verantwortung in Brasilien gerecht werden". Volkswagen stehe heute "für Toleranz sowie Weltoffenheit und lehnt Menschenrechtsverletzungen in jeder Form ab".

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/VW-Brasilien-Neue-Details-im-dunklen-Kapitel,vw3964.html (https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/VW-Brasilien-Neue-Details-im-dunklen-Kapitel,vw3964.html)

Ansonsten greift Volkswagen nun unter anderem bei Menschenrechtsverstößen intern „hart“ durch, wenn sie dem Ansehen und den Finanzen schaden, nicht unbedingt weil es Menschenrechtsverstöße sind. Mal sehen, ob es irgendwann einmal auch eine Veranstaltung in China gibt:
Zitat
13.11.17
Im Aufklärungs-Office landen die wirklich schweren Fälle

Wolfsburg  Bei Korruption und Steuer- und Umweltstraftaten will VW knallhart durchgreifen.

Seit Anfang November gilt bei Volkswagen ein überarbeitetes Hinweisgebersystem, das zur Aufklärung schwerer Regel- und Rechtsverstöße dient. Das Thema Compliance – also die gute und gesetzeskonforme Unternehmensführung – ist seit Bekanntwerden des Abgasbetruges vor über zwei Jahren eines der zentralen Managementthemen im Konzern. Für schwere Regelverstöße ist jetzt ein sogenanntes Aufklärungs-Office zuständig.

In dieser Abteilung arbeiten „spezialisierte und erfahrene Juristen“, wie es in einer Mitarbeiterinformation heißt. Die würden Hinweise entgegennehmen und prüfen, ob diese konkrete Anhaltspunkte für einen schweren Regelverstoß beinhalten. Zum weiteren Ablauf heißt es in der Information: „Sie veranlassen nur dann eine Untersuchung, wenn konkrete Hinweise für ein schweres Fehlverhalten vorliegen. In diesem Fall wird eine Untersuchungseinheit (Konzernrevision, Konzernsicherheit, Konzernrechtsabteilung) mit der Untersuchung beauftragt. Nach Abschluss der Untersuchung wirkt das Aufklärungs-Office darauf hin, dass bei festgestellten schweren Regelverstößen durch die zuständigen Gremien angemessene Maßnahmen ergriffen werden.“

Die Kriterien für einen schweren Regelverstoß werden vom Unternehmen klar formuliert. Er liegt demnach vor, „wenn die Interessen, insbesondere reputationsmäßige oder finanzielle, des Volkswagen-Konzerns oder einer seiner Gesellschaften in schwerwiegender Weise beeinträchtigt“ werden. Einige Beispiele dafür.

Straftaten , insbesondere Wirtschafts-, Korruptions-, Steuer- und Umweltstraftaten, Verstöße gegen Menschenrechte (UN Menschenrechtscharta, Verbot der Kinderarbeit),

Verstöße gegen kartell- und wettbewerbsrechtliche Vorschriften, Verstöße gegen Vorschriften zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, Verstöße gegen Produktsicherheitsvorschriften, Verstöße gegen Umweltschutzvorschriften sowie gegen Datenschutzrecht.

Grundsätzlich als schwere Verstöße werden Vergehen von Beschäftigten ab Oberem Management-Kreis angesehen. Das gilt prinzipiell auch für Verstöße gegen das Benachteiligungsverbot von Hinweisgebern und Verstöße gegen US-Umweltschutzvorschriften.

Auf bewährte Kanäle, wie beispielsweise die Ombudsleute (Vertrauensanwälte), setzt Volkswagen auch weiterhin. Gegenseitiges Vertrauen und der umfassende Schutz der Hinweisgeber sind in diesem Zusammenhang extrem wichtig. Dem will das Unternehmen Rechnung tragen. „Alle eingehenden Hinweise werden vertraulich behandelt und der Hinweisgeber entscheidet grundsätzlich selbst, ob er dem Unternehmen gegenüber anonym bleiben möchte oder nicht. Ein speziell geschützter Online-Meldekanal und die bestellten Ombudsleute stellen sicher, dass Hinweise auch weiterhin anonymisiert an das Aufklärungs-Office gemeldet werden können“, heißt es in der Info. Das modifizierte Hinweisgebersystem garantiere den höchstmöglichen Schutz von Hinweisgebern und Betroffenen. Eine Untersuchung wird nur nach sehr sorgfältiger Prüfung der Hinweise und bei konkreten Anhaltspunkten für einen Regelverstoß eingeleitet.

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article212533535/Im-Aufklaerungs-Office-landen-die-wirklich-schweren-Faelle.html (http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/vw-das-werk/article212533535/Im-Aufklaerungs-Office-landen-die-wirklich-schweren-Faelle.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 14. November 2017, 10:38:13
So ein Protest- und Infostand soll nun auch in Wolfsburg stattfinden.
Wir haben eine Genehmigung von der Stadt Wolfsburg für Donnerstag, den 16.11. 12°°-16°° Platz vor der Sparkasse (Höhe Porschestraße 70).

Mitfahrgelegenheit ab Kiel, Zustiegsmöglichkeit Hamburg und Hannover.

(http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2017/11/FuTianbo.jpg)

Freiheit für Fu Tianbo!

Nachzahlung der den Leiharbeitern vorenthaltenen/zustehenden Löhnen!

Einhaltung des geltenden Arbeitsrechts bei VW weltweit!

Abschaffung der Leiharbeit weltweit!



Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Kuddel am 15. November 2017, 10:11:07
Zitat
Bernd Osterloh
Hausdurchsuchung in VW-Chefetage


Hat VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh überhöhte Zahlungen kassiert? Die Staatsanwälte und Steuerfahnder haben die Ermittlungen aufgenommen und durchsuchen die Büros in der VW-Chefetage.

Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung haben am Dienstag Büros in der Chefetage und beim Betriebsrat von Volkswagen durchsucht. Die Ermittler hätten sich die Büros von Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, Finanzvorstand Frank Witter und Personalvorstand Karlheinz Blessing vorgenommen, erklärte ein VW-Sprecher am Dienstagabend gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Es seien Akten und Computer beschlagnahmt worden. „Hintergrund sind die angeblich überhöhten Zahlungen an (Betriebsratschef Bernd) Osterloh“, ergänzte der Sprecher. Auch das Büro Osterlohs sei durchsucht worden.

Keine Stellungnahme des Betriebsratsprechers


Im Mai war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Braunschweig in diesem Fall gegen Manager wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Eine weitere Person mit Kenntnis des Vorgangs erklärte, die Steuerfahnder gingen mit der Durchsuchung dem Verdacht der Steuerhinterziehung nach. Denn bei unangemessen hoher Vergütung für den Betriebsratschef könnte VW zu hohe Betriebsausgaben angesetzt und damit zu wenig Steuern gezahlt haben.

Sprecher des Betriebsrats und der Staatsanwaltschaft Braunschweig waren nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen. Die Ermittlungen der Strafverfolger wegen des Verdachts der Untreue gegen Blessing und drei weitere Personalmanager waren im Mai bekannt geworden. Damals hatte Osterloh erklärt, in der Spitze bis zu 750 000 Euro im Jahr verdient zu haben. Sein Gehalt werde vom Unternehmen festgelegt und entspreche dem Betriebsverfassungsgesetz. Der Betriebsrat hatte erklärt, Osterloh sei korrekt eingruppiert worden.

Die Vergütung für freigestellte Betriebsräte richtet sich nach dem Gehalt, das bei vergleichbarer Laufbahn und Verantwortung in einem Unternehmen gezahlt wird. Der Betriebsratschef selbst gelte weiterhin als Zeuge, nicht als Beschuldigter, ergänzte der VW-Sprecher. Ins Rollen gekommen war der Fall durch eine Strafanzeige.

Untersuchung durch externe Juristen

Nicht nur der Betriebsrat auch das Unternehmen selbst hatte im Mai erklärt, Osterlohs Vergütung stehe im Einklang mit dem Betriebsverfassungsgesetz. Der Konzern hatte das durch einen externen Juristen untersuchen lassen. Dem Betriebsrat zufolge waren die Regeln für die Vergütung von Arbeitnehmervertretern im Lauf der Jahre mehrfach – auch von externen Experten – überprüft worden. „Wir gehen deshalb davon aus, dass gegenüber der Staatsanwaltschaft überzeugend dargelegt wird, dass die internen Regelungen sowie die konkrete Vergütung rechtskonform sind“, betonte ein Sprecher des Konzernbetriebsrats damals.

Osterloh werde vergleichbar zu Bereichsleitern vergütet. „Hätte er zuletzt das Angebot, Personalvorstand des Konzerns zu werden, angenommen, wäre seine Vergütung heute um ein Vielfaches höher.“ Stattdessen habe sich Osterloh dafür entschieden, sich weiterhin für die Belegschaft einzusetzen. Damit ist der Fall nicht mit dem von Osterlohs Vorgänger Klaus Volkert zu vergleichen, der 2008 wegen der VW-Affäre um Lustreisen und Schmiergeldzahlungen ins Gefängnis musste.

Das Landgericht Braunschweig verurteilte Volkert wegen Anstiftung und Beihilfe zur Untreue. Der damalige Personalvorstand Peter Hartz kam mit einer Bewährungsstrafe davon und musste zudem eine Geldstrafe zahlen. Er hatte sich nach Überzeugung des Gerichts mit Sonderboni das Wohlwollen des mächtigen Betriebsratschefs erkauft.
http://www.fr.de/wirtschaft/bernd-osterloh-hausdurchsuchung-in-vw-chefetage-a-1387862 (http://www.fr.de/wirtschaft/bernd-osterloh-hausdurchsuchung-in-vw-chefetage-a-1387862)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Onkel Tom am 15. November 2017, 20:11:56
Aus Tradition : Gut geschmiert, läuft reibungslos..  kotz


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 17. November 2017, 21:09:03
(https://abload.de/img/wolfsburg1f9bcc.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg1f9bcc.jpg)
Unser Auftritt in Wolfsburg am Donnerstag machte bereits optisch einiges her.

(https://abload.de/img/wolfsburg22rurj.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg22rurj.jpg)
In Wolfsburg nimmt man solche Dinge sehr genau. Das Ordungsamt kam vorbei und checkte meinen Ausweis, bevor man die Standgenehmigung aushändigte.

(https://abload.de/img/wolfsburg3bbuzx.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg3bbuzx.jpg)
Nur einige Minuten später tauchte auch die Polizei auf und wollte wissen, was wir da trieben. Sonst ist wohl nichts los in Wolfsburg.

(https://abload.de/img/wolfsburg4lrufr.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg4lrufr.jpg)
Trotz des üblichen "Will ich nicht!" und "Interessiert mich nicht!", nahmen viele ein Flugblatt.

(https://abload.de/img/wolfsburg57dumv.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg57dumv.jpg)
Und viele wollten gleich mehr wissen.

(https://abload.de/img/wolfsburg6pzuao.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg6pzuao.jpg)
Erstaunlich fanden wir, daß wir auf keine Wolfsburger stießen, die sich mit "ihrem" Arbeitgeber identifizierten oder an die "VW Familie" glaubten.
Im Gegenteil, mit einem "Hört denn das nie auf?" zeigte man, daß man Unrecht vom VW Konzern gewohnt ist.

(https://abload.de/img/wolfsburg7wru7h.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg7wru7h.jpg)
Die Älteren erklärten, daß sie froh wären, endlich aus dem Laden raus zu sein.

(https://abload.de/img/wolfsburg8zvuiq.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg8zvuiq.jpg)
Wir haben die Flublätter zu viert verteilt und wir waren nahezu die gesamte Zeit in Diskussionen mit Passanten verwickelt.
Es kam stets die Frage, wie Betriebsrat und Gewerkschaft sich verhalten hätten. Die Solidarität verweigert? Typisch!
Und dann wurden die 750.000 Euro Jahresgehalt vom Betriebsratschef Osterloh erwähnt.

(https://abload.de/img/wolfsburg97cuy9.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg97cuy9.jpg)
Die Forderung "Leiharbeit verbieten!" fand großen Anklang.

(https://abload.de/img/wolfsburg201euen.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg201euen.jpg)
Viele hatten einschlägige Erfahrungen mit Zeitverträgen und Leiharbeit bei VW... und waren stinksauer.


Es kam sogar jemand von der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung vorbei...
(https://abload.de/img/waztmudx.jpg) (http://abload.de/image.php?img=waztmudx.jpg)
Der Artikel vom 17.11.17 in der WAZ erschien uns wie ein kleines Wunder. Uns wurde gesagt, im Wolfsburger Raum sei es nur schwer möglich einen VW-kritischen Bericht zu veröffentlichen.


Anschließend noch eine kleine Kundgebung vor dem Gebäude der IGM Wolfsburg
(https://abload.de/img/wolfsburg12ziudu.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg12ziudu.jpg)
Einige Infoflugblätter gab es für den Herrn am Empangstresen im Foyer.

(https://abload.de/img/wolfsburg137ru20.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg137ru20.jpg)
WER WENN NICHT WIR!


Die Silhouette des Bösen
(https://abload.de/img/wolfsburg14h2ug3.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg14h2ug3.jpg)
Das VW Werk

(https://abload.de/img/wolfsburg15veud2.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg15veud2.jpg)
Protest im Schatten des Konzerns


Und noch einmal am Ufo der Industriegewerkschaft:
(https://abload.de/img/wolfsburg17nuukx.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburg17nuukx.jpg)
Auf einer LED-Leinwand liefen irgendwelche Slogans über faire Löhne überall...


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Onkel Tom am 18. November 2017, 10:14:00
Ist ja echt cool, das sich die Wolfsburger Tageszeitung getraut hat, unsere Kritik an VW zu veöffentlichen.
Das dürfte dann ja auch in der Chefetage von VW gelandet sein..

 ;D


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: counselor am 18. November 2017, 12:53:19
Gute Aktion! Macht weiter so!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: BGS am 18. November 2017, 13:34:04
Sehr gute Aktion! Sollte es mehr von geben, wirklich vorbildlich.

MfG

BGS


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Fritz Linow am 18. November 2017, 14:17:22
Zitat
17.11.17
China unterdrückt Protest der Leiharbeiter

Unterstützer der Zeitschrift „Leihkeule“ informieren über das Geschehen bei FAW-VW.

 Seit einem Jahr schwelt in China ein Konflikt um die Leiharbeiter des Joint Ventures FAW-VW in Changchun. In Wolfsburg war das bisher kein Thema. In dieser Woche aber machten Aktivisten, die sich für die Interessen der Zeitarbeitnehmer einsetzen und die Zeitschrift „Leihkeule“ herausgeben, auf die Probleme der Kollegen aufmerksam. Sie informierten an einem Stand und hängten auch Infozettel in der Innenstadt aus.

Das Portal Labournet berichtet regelmäßig über internationale Arbeitskonflikte. So auch über die Situation in Changchun, die sich laut dieser Quelle zunächst unspektakulär und friedlich darstellte. Die Leiharbeiter forderten mehr Geld und eine Angleichung der sozialen Standards an die der Stammbelegschaft. „Die Proteste der rund 3000 Leiharbeiter von FAW-VW in Changchun begannen Anfang November 2016 keineswegs als Proteste: Sie wollten verhandeln über die Einhaltung der chinesischen Arbeitsgesetze im Werk und gegen ihre soziale Diskriminierung vorgehen. Wozu sie zunächst zu durchaus stattfindenden Verhandlungen eine eigene Delegation wählten und die Mediation der örtlichen Gewerkschaft hatten. Erst als diese Verhandlungen abrupt und ergebnislos abgebrochen wurden, organisierten sie ihre Proteste selbstständig und öffentlich“, heißt es dort.

Volkswagen habe sich nicht in diesen Fall einmischen wollen. Die Begründung: Man halte nur eine Minderheitsbeteiligung. Auf frühere Anfragen unserer Zeitung verwies auch der Betriebsrat auf die rechtliche Konstruktion der Minderheitsbeteiligung. In der Zwischenzeit hatte sich der Konflikt verschärft. Fu Tianbo, der Sprecher der Bewegung der Leiharbeiter, geriet ins Visier der chinesischen Behörden und wurde verhaftet. Das Internet-Portal der Leiharbeiter wurde stillgelegt. Labournet schlussfolgert: „Das Vorgehen der chinesischen Behörden gegen den Sprecher der Bewegung Fu Tianbo ist ein Ergebnis der völligen Ablehnung legitimer Forderungen: Deswegen ist aus betrieblichen Problemen nun ein Kriminalfall konstruiert worden, als Vorwand, gegen die Bewegung repressiv zu werden. Mehrere Basisgruppierungen aus China und Hongkong, Einzelpersonen und auch Labournet Germany rufen zur sofortigen Freilassung von Fu Tianbo auf und zu Verhandlungen über die berechtigten Forderungen der Leiharbeiter“. Das Joint Venture FAW-VW gehört zu 60 Prozent dem Staatsunternehmen FAW. Volkswagen hält 20 Prozent, Audi 10 Prozent. 10 Prozent hält die Volkswagen China Investment Company Ltd.

http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/article212576637/China-unterdrueckt-Protest-der-Leiharbeiter.html (http://www.wolfsburger-nachrichten.de/wolfsburg/article212576637/China-unterdrueckt-Protest-der-Leiharbeiter.html)


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: admin am 18. November 2017, 15:26:31
Ups, das war doppelte Arbeit, ich hatte den Artikel gleichzeitig als Screenshot gesichert.

(https://abload.de/img/wolfsburgernachrichteposoa.jpg) (http://abload.de/image.php?img=wolfsburgernachrichteposoa.jpg)

Auf jeden Fall ist das schon enorm. Jetzt hat die gesamte Tagespresse Wolfsburgs das Thema aufgegriffen. In diesem Falle wurde sogar eigenständig recherchiert und nicht nur von unserem Flugblatt abgeschrieben.

Jetzt stehen Konzern und Betriebsrat unter öffentlichem Druck.
Werden sie wieder versuchen es auszusitzen?


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Rudolf Rocker am 18. November 2017, 21:33:24
Coole Aktion!!!


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: Nao am 19. November 2017, 12:18:13
Ein kurzer Bericht über die Aktion und einige der Fotos kursieren in den sozialen Medien Chinas.


Titel: Re:Filz und Korruption bei VW
Beitrag von: cyberactivist am 19. November 2017, 18:45:37
Link zu den labournet-Beiträgen:
http://www.labournet.de/category/internationales/china/arbeitsbedingungen-china/vw-china/ (http://www.labournet.de/category/internationales/china/arbeitsbedingungen-china/vw-china/)