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Sozial & Gesundheitswesen => Gesundheitswesen => Thema gestartet von: am 31. Dezember 2002, 03:45:04



Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: am 31. Dezember 2002, 03:45:04
Vor Jahren hat das Pflegepersonal unter dem Schlagwort "Pflegenotstand/Pflegeaufstand" Rabatz gemacht. Heute scheinen es hauptsächlich die Ärzte zu sein, die sich nichtmehr alles gefallenlassen...


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: am 14. März 2003, 23:57:49
Dem Gesundheitswesen soll es jetzt gründlich an den Kragen gehen. Das wird Patienten und Personal gleichermaßen treffen. Gibt es hier jemanden, der sich an die Aktionen in Kieler Krankenhäusern erinnern kann?


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: non am 10. Mai 2003, 16:49:25
Zitat
Original von Anonymous

Dem Gesundheitswesen soll es jetzt gründlich an den Kragen gehen. Das wird Patienten und Personal gleichermaßen treffen. Gibt es hier jemanden, der sich an die Aktionen in Kieler Krankenhäusern erinnern kann?


Ja.

Was möchtest Du wissen?


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: am 12. Mai 2003, 21:53:52
Zitat
Original von non

Was möchtest Du wissen?


non,
eigentlich alles! Ich hab gehört, das waren weniger gewerkschaftliche Aktionen...

Wie fing das an?

Wie wurde das organisiert?

Warum passiert das heute nicht mehr?

Diese Erfahrungen scheinen verschütt gegangen zu sein. Leute, die erst ein paar Jahre dort arbeiten haben nochnichteinmal davon gehört. Und vielleicht würden die Erfahrungen ja auch Leuten aus anderen Branchen helfen!?!


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 27. August 2003, 00:03:38
non ist wohl aus diesem Forum auf nimmer-wiedersehen verschwunden.

Ich denke, ich kann aber einiges an Anekdoten beisteuern um deine Fragen zu beantworten.

Der Anfang des "PFLEGEAUFSTANDS" in Kiel hatte als Basis natürlich die ätzenden Arbeitsbdingungen im Pflegebereich. Aber es mußte noch etwas nachgeholfen werden. Es muß sich schon jemand um einen organisatorischen Anfang kümmern.

Der 1. Schritt kam von läppischen zwei Leuten: mein Kumpel machte gerade eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Ich selbst kam aus einen völlig anderen Bereich (Industrie). Wir sahen uns sowieso oft und redeten viel über unsere Jobs, die Kollegen, die Arbeitsbedingungen und das Funktionieren solcher Betriebe. Wir nahmen uns vor in diesem Bereich etwas zu unternehmen. Wir waren gößenwahnsinnig genug zu zweit die Krankenhäuser aufmischen zu wollen. Wir waren nicht politisch organisiert, kannten uns aber in der Politszene aus. Da standen wir aber allein auf weiter Flur und erntenten nur Kopfschütteln.

Zu unseren ersten Aktionen gehörte das Anbringen von mit Filzstift handgemalten Plakaten zu Arbeitsbedingungen in Kieler Kliniken bei einen Straßenfest und am Schwarzen Brett der PUMPE. Wir schrieben von einer gespannten Stimmung in dem Bereich um warben um Unterstützung für Aktionen der Belegschaft (die wir ersteinmal dreist behauptet haben). Wir wurden dafür aus der Politszene angegriffen, das wäre der falsche Zeitpunkt und schädlich, bzw. wir sollten das doch bleiben lassen, mit Krankenschwestern könne man sowieso nichts anfangen. "Die und kämpfen? Lächerlich!" In der Szene galt es allein als politische Aufgabe sich um Nazis oder Atomkraftwerke zu kümmern.

Ich werde nach und nach weitere Geschichten nachschieben. Kann aber dauern...


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: kumpel am 17. Oktober 2003, 18:50:09
Zitat
Original von Pink Panther

non ist wohl aus diesem Forum auf nimmer-wiedersehen verschwunden.

Ich denke, ich kann aber einiges an Anekdoten beisteuern um deine Fragen zu beantworten.

Der Anfang des "PFLEGEAUFSTANDS" in Kiel hatte als Basis natürlich die ätzenden Arbeitsbdingungen im Pflegebereich. Aber es mußte noch etwas nachgeholfen werden. Es muß sich schon jemand um einen organisatorischen Anfang kümmern.

Der 1. Schritt kam von läppischen zwei Leuten: mein Kumpel machte gerade eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Ich selbst kam aus einen völlig anderen Bereich (Industrie). Wir sahen uns sowieso oft und redeten viel über unsere Jobs, die Kollegen, die Arbeitsbedingungen und das Funktionieren solcher Betriebe. Wir nahmen uns vor in diesem Bereich etwas zu unternehmen. Wir waren gößenwahnsinnig genug zu zweit die Krankenhäuser aufmischen zu wollen. Wir waren nicht politisch organisiert, kannten uns aber in der Politszene aus. Da standen wir aber allein auf weiter Flur und erntenten nur Kopfschütteln.

Zu unseren ersten Aktionen gehörte das Anbringen von mit Filzstift handgemalten Plakaten zu Arbeitsbedingungen in Kieler Kliniken bei einen Straßenfest und am Schwarzen Brett der PUMPE. Wir schrieben von einer gespannten Stimmung in dem Bereich um warben um Unterstützung für Aktionen der Belegschaft (die wir ersteinmal dreist behauptet haben). Wir wurden dafür aus der Politszene angegriffen, das wäre der falsche Zeitpunkt und schädlich, bzw. wir sollten das doch bleiben lassen, mit Krankenschwestern könne man sowieso nichts anfangen. "Die und kämpfen? Lächerlich!" In der Szene galt es allein als politische Aufgabe sich um Nazis oder Atomkraftwerke zu kümmern.

Ich werde nach und nach weitere Geschichten nachschieben. Kann aber dauern...


Ich möcht einiges ergänzen, weil ich mich auch etwas anders erinnere:

1.) Wichtig war damals, daß es im Ausland (vor allem Frankreich) starke Bewegungen von KrankenpflegerInnen gab, die sich selbst organsierten in "Koordinationen", das machte Mut. Aber auch heute gibt es immer wieder heftige Streiks international im Gesundheitswesen.

2) Es gab schon Kontakte in andere Städte, wo auch Leute aus dem Gesundheitswesen und in den Krankenhäusern ähnliche Erfahrungen machten, und die anfangs "kleinen" Aktionen schaukelten sich gegenseitig hoch zu der Idee die "Koordinationen" aus FRankreich auch hier ins Leben zu rufen  - also Treffen von KrankenpflegerInnen aus allen regionalen Kliniken zu mobilisieren, Versammlungen abzuhalten und ein Resultat waren koordinierten Demonstrationen in mindestens drei Städten. Man mag in Kiel anfangs isoliert begonnen haben, aber es gab schon Rückhalt.

3) Auch die "Anfeindungen" in der damaligen Kieler Szene möcht ich geraderücken: Inhaltlich wurden wir nicht ernst genommen, das stimmt, aber die Solidarität reichte doch so weit, daß einige Leute um halb sechs morgens vor den Kliniken standen und Flugblätter zur Mobilisierung verteilten. Nach wie vor denk ich, das war hilfreich, um die Leute im Betrieb zu schützen und es war klasse, was sich dann morgens für Diskussionen entwickelten auf der Schicht.

4) Ja, es mag genügen, wenn wenige den Anfang machen; aber es muß auf fruchtbaren Boden treffen - und da paßte es auch mit den Kollegen.
Viele die damals in der Klinik arbeiteten, hatten hier und da Erfahrung in politischen Zusammenhängen (Bürgerinitiativen o.ä.), viele wollten nicht studieren und wollten nicht in der Fabrik arbeiten  - eigenes Geld verdienen um unabhängig zu sein (schon die Ausbildung ist gut bezahlt), was "Sinnvolles" machen, die Möglichkeit von Teilzeitarbeit, um nebenher andere Ideen und Lebensentwürfe zu verwirklichen. Insgesamt ein bunt gemischtes Völkchen, in dem ein roter Faden war, daß man nicht einen einfach gestrickten Lebensentwurf hat. Bei manchen aus dem ersten Kern ging das am Ende richtig gut, bei anderen hatte es wirklich dramatische Folgen, daß die Bewegung nicht weiterlief, die meisten gingen später einen nehr oder weniger gewöhnlichen Weg (Betriebsrat etc).Dennoch am Anfang stimmte es und es war richtig - die Hoffnung auf ein anderes Leben war ein Motor.

5) Auffällig war in der ganzen Mobilisierung, daß die Protagonisten hauptsächlich von den Intensivstationen kamen.
Ich erklärte mir das so, daß dort einerseits die Zusammenarbeit und das ZusammenLeben (ich komm nochmal drauf zurück) wesentliches Element des Arbeitsalltags waren; die Mischung an Männern und Frauen war etwa 50/50, das heißt es gab dort viele, die nicht die Perspektive hatten, daß man irgendwann Kinder bekommt und sich wenigstens etwas rausziehen kann, sondern man arbeitet bis zur Rente - hier war es eben kein Frauenberuf. Aus der Art der Arbeit ergaben sich auch mehr als anderswo erhebliche Hierarchie-Konflikte - der Konflikt war Alltag.

Ist er auch heute noch - aber das "Zusammenleben" hat sich geändert:
Ich beobachte eine erhebliche Individualsierung: was man früher zu zweit gemacht hat, arbeitet man heute alleine weg; statt der  gemeinsamen Kaffekasse bringen viele ihre eigenen komischen Wellness-Getränke von Appolinaris mit, und gemeinsames Kochen im Nachtdienst läuft nach mehr als 20 Jahren aus, weil sich immer weniger daran beteiligen.
Ich hab keine Ahnung, was diese Individualisierung bringen kann; nur so wie vor 15 Jahren ist es nicht mehr. Vielleicht ist es ja auch gut so - damals steckte man ja ganz viel an Arbeit über die Kollektivität weg und motivierte sich gegenseitig - vielleicht ist es den "Indvidualisten" heute auch die Krankenhausarbeit und daß es sinnvoll ist fremder? Und vielleicht läßt man sich dann auch nicht so leicht wieder einfangen.

6) Eingefangen wurde die Bewegung damals auf zwei Schienen:
 - die etwas blöde, aber vereinheitlichende Forderung auf den Demonstrationen war "500 Mark für alle" (258 Euro). Natürlich wollten wir mehr in die Diskusion bringen und irgendwie erschien eine Lohnerhöhung im zweistelligen Prozentbereich als viel zu hoch, als daß sie erfüllt werden könnte; "für alle" drückte natürlich auch den Anspruch auf "Gleichheit" aus, und ganz gegen die Gewerkschaften, die mit ihren prozentualen Erhöhungen, die ganzen Spaltungen der Klinik immer nur manifestierten. Aber so gut diese Forderung für die Mobilisierung war, so sehr hatten wir uns geschnitten - sie wurde damals in einem Tarifvertrag tatsächlich erfüllt! Nicht so einfach, sondern mit höheren Nachtdienstzuschlägen, mit Wechselschichtzulagen, mit Zulagen für besondere Bereiche und und und - und gar nicht mal dumm - alle bekamen mehr, etwa 500 Mark mehr waren es für die aktiven Bereiche - also auf den Intensivstationen, wo die Mobilsierung am höchsten war, gab es tatsächlich etwa 500 Mark von einem Monat auf den anderen.
 - die zweite Schiene war Qualifizierung - neu geschaffene Studiengänge und Schulungen und neue Stellen erlaubten vielen aus dem elenden KrankenpflegerInnen-Dasein zu entfliehen und nun kommen sie zurück als QualitätsmanagerInnen o.ä.Unfug.

7) Ganz vergessen ist diese Erfahrung nicht: Im letzten Tarifvertrag gabs einen Lohnabschluß dessen Höhe alle Beobachter erstaunte (nachdem man in den letzten Jahren erheblich geblutet hat).
Aber die Lohnerhöhung müssen die "Jungen" bezahlen - die zweijährliche Altersanpassung wurde erstmal halbiert. Genau betrachtet bekommen die "Alten" mehr, die "Jungen" bezahlen - und noch genauer betrachtet, der Schnitt paßt ganz präzise, daß diejenigen, die übergeblieben sind vom "Pflegeaufstand" und die Erfahrung mitbringen, nicht berührt werden, und die bezahlen, die diese Erfahrung nicht haben.

8) Das ist alles meist Vergangenheit; in der Zwischenzeit haben sich die Bedingungen in einem sehr zähen Kampf im weiter verschlechtert - und mit den Privatisierungen/Bildung des "Klinikum" (aus Uniklinik  Kiel und Lübeck) verschärft es sich immer weiter. Gleichzeitog, und anders als vor 15 Jahren, wird eine massive Propaganda gefahren - damals war "Pflegenotstand" ein Thema in allen Medien, heute ist es alles zu teuer - mir scheint jetzt legen sie erst richtig los, um die Krankenhausarbeit und Ansprüche aller an Gesundheitsversorgung neu zu definieren. Vielleicht ist aber auch hier grad ein Schritt nach vorn möglich - wenn jeder betroffen ist, dann muß eine neue Bewegung in den Kliniken nicht nur auf die KlinkenarbeiterInnen beschränkt sein.

9) Nach den mit Filzstift handgemalten Plakaten, wurden überall kleine Aufkleber angebracht "Hier wird bald(ganz winzig) getreikt" - und wer das Städtische Krankenhaus Kiel vom Seiteneingang Kronshagener Weg betritt kann es immer noch sehen - und irgendwie paßt es besser denn je.
Was war das denn für ein Straßenfest? Mich verläßt die Erinnerung.
Gruss an den Kumpel aus der Industrie.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 19. Oktober 2003, 18:52:34
Hallohallo! Soooo trifft man sich also wieder.... und wenn´s im world wide web ist!

Ich bin seit mehr als einem Jahr nichtmehr in der Industrie untergekommen (es gibt nur Angebote für Leiharbeit) und habe jetzt nen Schwarzjob in HH um gegen meine Schulden gegenanzuarbeiten. Da hab ich keine Möglichkeit an nen Rechner zu kommen. Es dürfte wohl etwas dauern, bis mein nächstes Posting kommt.

Dann werd ich mal schauen, ob ich den alten (aber unvollständigen) Ordner finde mit Presseberichen und Artikeln von unseren Aktionen...

Dann bitte ich auch mir ein wenig auf die Finger zu schauen und notfalls meine getrübte Erinnerung aufzufrischen. In deinem Falle kann ich´s auch:
Zitat
Original von kumpel

Auch die "Anfeindungen" in der damaligen Kieler Szene möcht ich geraderücken...
Was war das denn für ein Straßenfest? Mich verläßt die Erinnerung.


Das Straßenfest war von einer Antifa-Ini, die die Schließung eines Cafés in der Jeßstraße durchsetzen wollte, weil es ein Faschotreffpunkt war. Wir haben da eine handgemalte Wandzeitung aufgehängt. Ich wurde daraufhin von einem demoerprobten Szenekrankenpfleger vollgemüllt, was das denn soll, im Krankenhaus passiert doch nie was und mit den Kollegen schon garnicht usw. usf...
Als wir eine ähnliche Wandzeitung am Schwarzen Brett in der PUMPE aufgehängt haben, wurdest Du von einer älteren Polit-Aktivistin (sie ist heute noch aktiv, Du kennst sie...) angegiftet, wir sollten das Plakat sofort wieder abnehmen, das schade der momentanen Diskussion in den Kliniken.
Beim Plakatieren (eines fotokopierten Plakats) begenete ich einer Bewohnerin der ALTEN MEIEREI, die mich fragte, worum es ging. Ich sagte, das Personal kämpfe um bessere Arbeitsbedingungen. Sie völlig entgeistert: "Wieso das denn? Geht denen es denn so schlecht?"
Es galt nicht als politisch sich um ARBEITSBEDINGUNGEN zu kümmern, man machte sich nichteinmal Gedanken darüber....

Und falls ich einiges geschönt haben sollte, dann aus einem Grund:

Es muß ein Anfang gemacht werden! Es muß von keinem Polit-Guru gemacht werden! Und unter den richtigen Voraussetzungen geht es auch von irgendwelchen Nobodys, die die Schnauze voll haben!

Du erwähnst ja selbst, daß damals in den Kliniken die richtigen Voraussetzungen herrschten. Heutzutage herrschen fast überall die "richtigen" Voraussetzungen, wenn der Lohn selbst nicht gesenkt wird, wird bei Zusatzzahlungen (Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Prämien...) gestrichen, der Leistungsdruck wächst, die Schmerzgrenze ist schon längst erreicht.

In diesem Zusammenhang fällt mir eim polnischer Film ein bei dem es um die Anfangszeiten der Solidarnosc ging. Es war ein junger Arbeiter, ein völliges Nervenbündel und Voll-Alk, der dazwischenging, als der Werkschutz ein Plakat auf dem Werftgelände abreißen wollte. Bei der Rangelei kammen immer weitere Kollegen zur Hilfe. Diese unbedeutende Aktion war der Zündfunke für den Streik auf der Leninwerft, der dann Geschichte schreiben sollte...

Vielleicht bin ich vom Thema abgekommen, aber es geht mir darum Mut zu machen.  Wir hatten schließlich auch keinerlei praktische Erfahrung bei dem Themen Betriebsarbeit und Arbeitskampf, trotzdem ist es uns gelungen verdammt viel in Bewegung zu setzen!!!


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 12. Dezember 2003, 11:19:51
Ich habe mir etwas Zeit gelassen.
Endlich den besagten Ordner gefunden und mir fiel ein Wust mit ungeordnetem Zeugs entgegen. Ich blätterte durch um zu merken, wieviel ich vergessen habe. Ist wirklich interessant. Wir hatten einen langen Atem und uns hat´s nicht gekratzt wenn unsere Aktionen ersteinmal wenig sichtbare Folgen hatten. Wir waren bei dem Thema gleich mehrere Jahre am Ball.

Eine wichtige Vorarbeit war, den (eigentlich falschen?) Eindruck zu vermitteln, die Problematik wird überall diskutiert. Neben fotokopierten Flugblättern machten wir auch Aufkleber, die überall in der Stadt auftauchten. auf ihnen stand:

Gegen das kranke Gesundheitswesen:
-Bessere Arbeitsbedingungen für das Krankenhauspersonal
-Mehr Zeit für die Patienten

Das Krankenwesen ist schon schlecht genug!!!
Gemeinsam gegen "Kostendämpfung"

Das neue Krankenhaus macht das Personal krank
& die Patienten nicht gesund!!!

KEINE "KOSTENDÄMPFUNG"
im Gesundheitswesen
AUF KOSTEN VON
PERSONAL & PATIENTEN


als dann noch unser Grafitty
"DIE ARBEITSBEDINGUNGEN IM STÄDTISCHEN SIND FÜR`N ARSCH!"
als Foto auf der Titelseite des Anzeigenblattes Kieler Express erschien, war die Problematik tatsächlich in aller Munde. Und das war die Voraussetzung, daß nicht nur auf den Stationen intensiver diskutiert wurde, sondern, daß man man auch praktisch etwas unternehmen wollte...


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 22. Januar 2004, 13:39:35
Hier findet man Arbeitskämpfe im Gesundheitswesen weltweit:

http://www.ungesundleben.de/streiks.html


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 29. Februar 2004, 02:49:26
In diesen Thread sickern die Informationen auch nur sehr spärlich. Naja, ich bin auch ein fauler Hund, der Ordner mit dem Material über die Auseinadersetzungen in Kieler Krankenhäusen lag bei mir recht lange in der Ecke ohne daß ich hier gepostet hätte, wie ich es mir doch schon seit langem vorgenommen hatte....


Hier nun mal wieder ein kleiner Auszug. Eins der ersten größeren Öffentlickeitsaktionen war ein Plakat Mit einer Auflistung von Arbeitskämpfen im Gesundheitswesen. Das Logo des Plakats war eine Comiczeichnung von einer Krankenschwester mit geballter Faust (hab ich von einem französischen Transparent abgemalt) und der Text war folgender:
Zitat
"Pflegenotstand"
ist eine Erfindung der Medien
Üble Arbeitsbedingungen und schlechte Patientenversorgung kennen wir seit Jahren!!


ABER JETZT WEHREN SICH DIE KRANKENHAUSARBEITERINNEN WELTWEIT GEGEN DIE ÜBERALL ÄHNLICHEN STRATEGIEN DER PLANER



(Und dann folgt eine detaillierte Liste von Kämpfen in Australien, Italien, USA, Großbritannien, BRD, Frankreich mit jeweils einigenden weitergehenden Infos)



Die WILDCAT hat dann eine Broschüre herausgebracht mit dem Titel Die weiße Fabrik mit Hintergrundberichten über die weltweiten Kämpfe im Gesundheitswesen. Das Titelbild zeigte eine Karrikatur wo eine Fabrik durch den Schornstein zerschundene Arbeitskräfte ausspeit, diese gehen durch das Krankenhaus, das sie wieder als brauchbare Arbeitskräfte in die Fabrik entläßt...
Diese Broschüre verkaufte sich überaschend gut in den Kliniken.
Als vorarbeit schien es auch wichtig zu sein den Leuten zu vermitteln, daß man sich überall auf der Welt schon wehrt und man nur in Kiel wieder alles verpennt hat!


Nun gab es in den letzten Wochen auch große Krankenhausstreiks in Portugal, in Frankreich und in Italien. Hier nun die Frage an meinen alten Kumpel nach der Situation heute!?! Mir scheint sie relativ ähnlich wie damals. Wie steht´s denn mit dem Level der Unzufriedenheit? Gibt es irgendwelche Leute, die sich wieder bemühen die Wut in Bahnen zu lenken???

Ganz gespannt auf die Antwort
PP


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 17. April 2004, 23:05:45
17.04.04 - Italien: 80.000 streikten im Gesundheitswesen
Gestern streikten rund 80.000 Ärzte, Krankenschwestern und Verwaltungspersonal in den italienischen Krankenhäusern gegen die geplante "Gesundheitsreform" der Regierung Berlusconi. Deren Kern ist eine "Dezentralisierung", die nach Angaben des Verbandes der Allgemeinärzte zu einer verstärkten Kluft zwischen reicheren und ärmeren Regionen im Land führen würde.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 26. April 2004, 23:25:19
26.04.04 - Gegen "Verarmung des Gesundheitswesens"
Am 24. April streikten rund 70.000 Ärzte in Italien für 24 Stunden gegen die Kürzungen beim staatlichen Gesundheitswesen. Die Ärzte kritisierten die chronische Unterfinanzierung, was sich in einer veralteten technischen Ausrüstung und wachsendem Stress beim Personal auswirke. Offensichtlich wolle die Berlusconi-Regierung das staatliche Gesundheitswesen zugunsten privater Kliniken abbauen.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 28. April 2004, 13:14:31
27.04.04 - Kanada: Streik der Krankenhaus-Beschäftigten
Rund 43.000 als Hilfspersonal in Krankenhäusern im Bundesstaat British Columbia Beschäftigte streiken seit Sonntag. Wegen des Streiks mussten tausende von Operationen abgesetzt werden. Die Krankenhäuser beabsichtigen, noch mehr Kollegen zu entlassen und nur noch zu Niedriglöhnen einzustellen. Die Gewerkschaft der Krankenschwestern hat angekündigt, sie werde keinen Streikbruch begehen und in bestreikten Krankenhäusern nur Notdienste verrichten.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 28. April 2004, 13:17:57
27.04.04 - Unterstützung für streikende peruanische Ärzte
Heute wollen sich 37.000 Beschäftigte im Gesundheitswesen den seit drei Wochen streikenden Ärzten anschließen. Mit ihrem Kampf wollen die Beschäftigten im Gesundheitswesen höhere Staatsausgaben im Gesundheitswesen und höhere Gehälter durchsetzen.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 28. April 2004, 20:20:33
28.04.04 - Streikwelle im Gesundheitswesen Lateinamerikas
2003 gab es in 12 Ländern Lateinamerikas insgesamt 37 landesweite Streiks der Beschäftigten im Gesundheitswesen, die zwischen 24 Stunden und neun Monaten dauerten. Das ist ein Ausdruck der Krise des öffentlichen Gesundheitswesens in Lateinamerika. Betroffen waren die Länder Bolivien, Chile, Kolumbien, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Panama, Peru, Dominikanische Republik und Uruguay. Die meisten Streiks im Gesundheitswesen gab es in Bolivien.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 07. Mai 2004, 19:26:21
03.05.04 - Kanadier gegen Streikverbot in Krankenhäusern

Am 1. Mai zeigten im kanadischen Vancouver/British Columbia Tausende von Menschen ihre Solidarität mit dem Streik der Beschäftigten im Gesundheitswesen, die überwiegend Frauen sind. Diese sollen durch ein Streikverbot zur Wiederaufnahme der Arbeit gezwungen werden, was auf einhellige Empörung stößt. Es wird geschätzt, dass heute 100.000 Beschäftigte in der gesamten Provinz in Solidaritätsstreiks treten.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 18. Mai 2004, 19:13:52
Ausschluss aus Personalrat wegen Einsatz für die Beschäftigten?

Erlangen: Im Februar 2004 hatte das Verwaltungsgericht Ansbach dem Antrag des Verwaltungsdirektors des Universitätsklinikums Erlangen stattgegeben, den Vorsitzenden des Personalrats der Erlanger Uni-Kliniken, Hajo Ehnes, aus dem Personalrat auszuschließen.
Der Verwaltungsdirektor wirft Ehnes schwerwiegende "Pflichtverstöße" und die "Verletzung des Gebots der vertrauensvollen Zusammenarbeit" nach dem bayrischen Personalvertretungsgesetz vor. Diese angeblichen "Pflichtverstöße" waren nichts anderes als der Einsatz für die Interessen der Beschäftigten an den Uni-Kliniken.

Deswegen hat das Personalratsgremium auch sofort Widerspruch gegen dieses Urteil eingelegt, so dass es nicht rechtskräftig wurde. Auch die Gewerkschaft Ver.di unterstützt Hajo Ehnes und wertet diesen Ausschlussantrag als eindeutigen Versuch der Einschüchterung eines kämpferischen Personalratsgremiums. Die Belegschaft der Uni-Kliniken steht hinter ihrem Peronalratsvorsitzenden.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 16. Juni 2004, 12:39:56
14.06.04 - Südkorea: Streik für die 5-Tage-Woche

In Südkorea streiken seit 4 Tagen rund 10.000 Beschäftigte in 121 Krankenhäusern und medizinischen Zentren. Sie fordern die 5-Tage-Woche bei 40-Wochenstunden, 10,7 Prozent mehr Lohn und die Festanstellung von befristet Beschäftigten. Durch den Streik mussten bereits Operationen abgesetzt werden.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 29. Juni 2004, 17:41:14
Zitat
Original von rf-news



29.06.04 - Warnstreik an der Uniklinik Tübingen
Seit heute morgen 7.00 Uhr führen die 500 Beschäftigten der Uniklinik Tübingen einen ganztägigen Warnstreik durch. Er richtet sich gegen die im öffentlichen Dienst beabsichtigte Verlängerung der Arbeitszeit auf 41 Stunden pro Woche ohne Lohnausgleich. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet, dass dadurch allein in Baden-Württemberg 30.000 Arbeitsplätze gefährdet sind.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 08. Juli 2004, 17:27:29
8.07.04
 Warnstreik an den Uni-Kliniken Freiburg


Freiburg: Am 7. Juni fand zwischen 10.30 Uhr und 12 Uhr ein Warnstreik an den Unikliniken in Freiburg statt. Anlass ist die Sitzung des Aufsichtsrates, der den Ausstieg der Uniklinik Freiburg aus dem Tarifvertrag beschließen will.
Es haben sich 1.200 Kolleginnen und Kollegen beteiligt. Kolleginnen vom Reinigungsdienst begannen schon um 6 Uhr mit dem Streik. Ein Demozug formierte sich an der Pflegeschule, ging durch das Klinikgelände zur Kundgebung beim Personalcasino. Dort sprachen der Personalrat Ingo Busch und für die Gewerkschaft ver.di Sybille Stamm aus Stuttgart.

Es war eine kämpferische Stimmung. Viel Beifall gab es auch zu den Grußadressen von Personalräten aus anderen baden-württembergischen Unikliniken, aber auch von Betriebsräten aus Industriebetrieben in der Region. Dem Aufsichtsrat wurden über 3.200 Protest-Unterschriften gegen den Tarif-Ausbruch übergeben.
Mit dem Ausbruch aus dem Tarifvertrag sollen vor allem die 41-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich, massive Lohnkürzungen durch Streichung des Urlaubsgeldes und Kürzungen beim Weihnachtsgeld etc. , also Kürzungen bis zu 25 Prozent durchgesetzt werden. Die 41-Stunden-Woche bedroht 500 Stellen an der Uniklinik Freiburg.

Das wollen die Kolleginnen und Kollegen nicht hinnehmen. Sie befürchten, wenn sie jetzt Zugeständnisse an den Aufsichtsrat machen, werden sie mit einem künftigen Haustarifvertrag (den der Aufsichtsrat will) völlig erpressbar. Gleichzeitig gab es einige Beispiele, wie auch an der Uniklinik Freiburg Gelder verschleudert werden (z.B. eine Rohrpostanlage für 1,5 Mio. Euro ...).
Bei der Kundgebung wurde auch noch mal dazu aufgerufen, Mitglied bei der Gewerkschaft ver.di zu werden, denn nur organisiert kann der Kampf Erfolg haben. In den letzten Monaten gab es über 200 Eintritte bei ver.di in Freiburg allein von Beschäftigten der Uniklinik.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 10. Juli 2004, 20:51:44
10.07.04 - Krankenhausstreik in der Dominikanischen Republik

Am Donnerstag trat das Personal der öffentlichen Krankenhäuser in der Dominikanischen Republik in einen 48-stündigen Streik. Er richtet sich nach Aussagen von Dr. Waldo Ariel Suero, Präsident des "Dominican Medical College", gegen den "Zusammenbruch des öffentlichen Gesundheitssystems" in Folge der Regierungspolitik.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 12. Juli 2004, 13:59:18
Bei der Berliner VIVANTES Krankenhaus-Gesellschaft kochen die Konflikte hoch. Näheres unter:

http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/gw/vivantes.html#

Ich bekomme den Eindruck, als würde das deutsche Gesunheitswesen wieder in Wallung kommen und wir können dort weitere Arbeitkämpfe erwarten.

Schade, daß der Austausch der Erfahrungen über unabhängige Organisierung von Widerstand am Krankenhaus-Arbeitsplatz in diesem Thread abgerissen ist.

Schön wäre es, wenn Leute aus der Branche hier ihre aktuellen (auch deprimierenden) Erfahrungen posten würden.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 15. Juli 2004, 16:45:58
15.07.04 - Beschäftigte der Uniklinik Heidelberg streiken gegen Arbeitszeitverlängerung
Die Gewerkschaft ver.di hat die Beschäftigten der Uniklinik Heidelberg für heute zu einem Warnstreik von 8.00 - 14.00 Uhr aufgerufen. Er richtet sich gegen die Verlängerung der Arbeitszeit von 38,5 auf 41 Stunden ohne Lohnausgleich, die Streichung des Urlaubsgeldes, die Kürzung des Weihnachtsgeldes und weitere Verschlechterungen.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 17. Juli 2004, 11:25:38
16.07.04 - Demonstration gegen Verkauf von Krankenhäusern
Am Mittwoch demonstrierten mehre hundert Beschäftigte des Landesbetriebs Krankenhäuser (LBK) in Hamburg mit Losungen wie "Wir lassen uns nicht verramschen". Der Betrieb mit seinen 12.400 Beschäftigten soll an den Krankenhauskonzern Asklepios Kliniken GmbH verkauft werden.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: aian19 am 18. Juli 2004, 12:44:39
Unser größtes Krankenhaus vor Ort soll auch gerade "verramscht" werden, an einen Investor, und dann in eine GmbH umgewandelt werden ! Angeblich zu unserem besseren, kann ich mir aber nicht wirklich vorstellen !!!

Erinnert mich irgendwie an Ami-Land ! Vielleicht der Vorläufer, so nach dem Motto:

"Kipp den mal wieder von der Trage und leg ihn vor der Tür ab ! Der ist nämlich nicht ausreichend versichert...."


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 18. Juli 2004, 23:26:45
Hab in den KN gelesen, daß die kieler Klapse auch privatisiert wurde.
Möchte wetten, daß dann langsam wieder mehr ans Bett gebunden werden, bzw. die Chemische-Zwangsjacke ankriegen.

So arbeitet eine GmbH jedenfalls profitabler...


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 22. Juli 2004, 14:17:59
21.07.04 - Warnstreik am Universitätsklinikum in Ulm

Die Gewerkschaft ver.di hat die Beschäftigten des Universitätsklinikums in Ulm für heute zu einem Warnstreik von 12.00 Uhr bis 15.00 Uhr aufgerufen. Es geht unter anderem darum, die Arbeitszeitverlängerung von 38,5 auf 41 Stunden pro Woche ohne Lohnausgleich und weitere Verschlechterungen der Tarifverträge zurückzunehmen.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 29. Juli 2004, 17:11:07
29.07.04 - Sri Lanka: Streik im staatlichen Gesundheitswesen

Seit Anfang der Woche streiken die Beschäftigten in den staatlichen Krankenhäusern von Sri Lanka für die Ausbezahlung einer vereinbarten Lohnerhöhung an alle Beschäftigten. Nach einer Zusage beendeten sie den Streik in der Westprovinz, führen ihn aber in den anderen vier Provinzen fort, obwohl der Gesundheitsminister ihn als "illegal" bekämpft.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: backup am 05. Dezember 2004, 16:11:12
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Ursprünglich Seite 2 von 3.

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ManOfConstantSorrow



Anmeldungsdatum: 17.01.2003
Beiträge: 451

 Verfasst am: 25.08.04 um 12:55    Titel:    

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23.08.04 - Nicaragua: Streik im Gesundheitswesen
Letzte Woche streikten 20.000 Beschäftigte im Gesundheitswesen in Nicaragua für höhere Löhne und bessere Gesundheitsleistungen für die Bevölkerung. Gesundheitsminister Alvarado versprach, sich für eine "bedeutende Etataufstockung" im Bereich des Gesundheitswesens einzusetzen.
 

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Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
 
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Pink Panther



Anmeldungsdatum: 23.08.2003
Beiträge: 16
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 Verfasst am: 17.10.04 um 19:10    Titel:    

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15.10.04 - Streiks in ungarischen Krankenhäusern
Erstmals streiken ungarische Beschäftigte in Krankenhäusern für mehr Lohn. Heute fand der zweite Streik statt, geplant ist ein Streiktag in jeder Woche. Letzte Woche beteiligten sich 4.000 Krankenschwestern und Ärzte in acht Krankenhäusern. Die Streikenden fordern höhere Löhne. Sie liegen um das 15- bis 20-fache unter den Löhnen im französischen Gesundheitssystem.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: backup am 05. Dezember 2004, 16:12:24
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ManOfConstantSorrow



Anmeldungsdatum: 17.01.2003
Beiträge: 451

 Verfasst am: 23.10.04 um 18:22    Titel:    

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22.10.04
Belgien: Streik des Kranken- und Pflegepersonals
Am Donnerstag streikte in Belgien das Personal in zahlreichen Krankenhäusern und Altenheimen für höhere Löhne und Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen.
 

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Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 07. Dezember 2004, 21:05:33
Irgendwie hoffe ich immer darauf, daß es eine ansteckende Wirkung hat wenn es anderswo (quasi weltweit) im Gesundheitswesen gährt...


6.12.04
Brüssel: Proteste im Gesundheitswesen
2.000 Beschäftigte im Gesundheitswesen demonstrierten in der belgischen Hauptstadt für ihre Forderung, 13.700 neue Beschäftigte im Gesundheitswesen einzustellen. Außerdem forderten sie die Aufhebung von Beschränkungen für die Krankenhäuser bei der Beschaffung von Waren und Dienstleistungen.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 16. Dezember 2004, 11:39:46

15.12.04 - Nicaragua: Streik im Gesundheitswesen


20.000 Beschäftigte im Gesundheitswesen sind in einen dreitägigen landesweiten Streik getreten. Sie fordern anlässlich der Verabschiedung des Haushaltsplans für 2005 von der Regierung eine drastische Erhöhung der staatlichen Mittel für das Gesundheitswesen, einschließlich für ihre Löhne.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 16. Januar 2005, 13:46:36

15.01.05 - Krankenpfleger in USA streiken seit einem Monat

Über 1.500 Krankenpfleger des Krankenhauses St. John's Mercy Medical Center in St. Louis stehen seit fast einem Monat im Streik und trotzen der Kälte. Sie verlangen Gewerkschaftsfreiheit, eine ausreichende personelle Besetzung der Stationen und vernünftige Arbeitsbedingungen im Dienste der Gesundheit der Patienten. St. John's versucht dagegen über die U.S. Nursing Corp., Krankenpfleger als Streikbrecher anzuheuern.

Weitere Infos gibt´s hier! (http://www.aflcio.org/issuespolitics/healthpolicy/ns01122005.cfm)


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 18. Januar 2005, 15:35:48
In einem Bremer Anzeigenblatt vom 12.1.05 habe ich folgende Kurzmeldung gefunden:

Streik in der Heines-Klinik

Die Belegschaft der Klinik Dr. Heines legte gestern für drei Stunden die Arbeit nieder. Hintergrund: Die Geschäftsleitung ist zu Tarifverhandlungen nicht bereit. "Bleibt das so, wird ab 31. Januar länger gestreikt", sagt Gewerkschafter Uwe Schmidt.


Hab da mal hinterhergegoogelt:

http://www.taz.de/pt/2004/11/20/a0113.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/12/18/a0085.nf/text
http://www.geocities.com/syndikalist2002/heines.htm
http://www.radiobremen.de/tv/buten-un-binnen/news.php3?d=11&m=01&j=05
http://www.radiobremen.de/tv/buten-un-binnen/index.php3?d=16&m=12&j=04

Die psychatrische Privatklinik hat auch schon auf anderem Gebiet Negativschlagzeilen gemacht:

http://www.taz.de/pt/2005/01/10/a0271.nf/text


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 24. Januar 2005, 14:57:03
Labournet hat ein paar aktuelle Links (http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/gw/konflikte.html) zu den Auseinandersetzungen in der Heines Klinik zusammengetragen.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 28. Januar 2005, 17:26:59
28.01.05 - Belgische Krankenschwestern streiken für neue Arbeitsplätze undkürzere Arbeitszeiten

Heute streiken in Belgien landesweit Angestellte von Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeheimen. Sie fordern die Schaffung von 13.500 neuen Arbeitsplätzen und eine 37-Stunden-Woche. Für Krankenschwestern und Pfleger über 45 Jahre soll die 35-Stunden-Woche gelten, für über 50jährige die 33-Stunden-Woche und für über 55jährige die 31-Stunden-Woche. Außerdem wird ein 13. Monatsgehalt gefordert.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: hartzilein am 29. Januar 2005, 11:53:40
Mich würde zu den Forderungen der belgischen Pflegekräfte interessieren:
Die Herabsetzung der Wochenarbeitsstunden erfolgt über vollen Lohnausgleich?
Weisst du da näheres drüber?


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 14. Februar 2005, 20:03:19
Hallo Hartzilein,

sorry, ich hab mich um Hintergrundinfos bemüht, aber leider nix gefunden, was über das bereits gepostete hinausgeht.

Ansonsten hier ein paar aktuelle Meldungen über Kämpfe im Gesundheitswesen:


12.02.05 - Kanadische Anästhesisten streiken
Gestern streikten im kanadischen Bundesstaat Ontario mehrere hundert Anästhesisten aus Protest gegen die schlechte finanzielle Ausstattung des Gesundheitswesens. Zwei Drittel der Operationssäle blieben wegen des Streiks geschlossen. Nach Angaben des Ärzteverbandes fehlen mindestens 100 Anästhesisten, was zu langen Wartelisten bei Operationen führt.


14.02.05 - Klinik-Beschäftigte verweigern Streikbrecherarbeiten
In der Ameos-Klinik Dr. Heines in Bremen streiken die Beschäftigten seit zwei Wochen für einen Haustarifvertrag. Der Versuch der Geschäftsleitung, Personal aus einer Ameos-Klinik in Sachsen-Anhalt einzufliegen, scheiterte an der Weigerung des dortigen Personals, sich als Streikbrecher missbrauchen zu lassen. Die Klinik will das Urlaubs- und Weihnachtsgeld streichen bzw. reduzieren. Letzte Woche hatten die 240 Beschäftigten ein erstes "Angebot" abgelehnt.

Zum Streik bei Heines sollte man sich auch folgende Links (Verdi-Flugblätter) anschauen:

http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/gw/ameos10.pdf
http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/gw/ameos9.pdf


Titel: Streik in der Ameos-Klinik-Dr.Heines
Beitrag von: flipper am 01. März 2005, 21:26:09
pressezitat:

Streik in der Ameos-Klinik-Dr.Heines
Es wird ausgesperrt!

Bei der Urabstimmung Ende Januar hatten sich 94% der im Betrieb gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten für die Durchsetzung der Forderungen, wie gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit und vergleichbare Vergütungen wie in anderen Bremer Krankenhäusern, ausgesprochen. Seit nunmehr über zwei Wochen wird die Klinik Dr.Heines deshalb bestreikt. Täglich beteiligen sich ca. 60 der dort Beschäftigten an den Streikmaßnahmen, so daß schon zwei der neun Stationen geschlossen wurden. Die Patientenbelegung ist schon in der ersten Woche von ca. 180 Patienten auf ca. 120 Patienten gesunken. Besonders unter den Ärzten, die zu einem großen Teil kurzfristige Arbeitsverträge haben, ist die Entschlosssenheit für gerechtere Vergütungen einzustehen groß. Täglich solidarisierten sich Menschen mit den Streikenden, die unter widrigen Bedingungen Tag ein und Tag aus vor dem Tor des Krankenhauses ausharren. Doch bis jetzt zeigte sich die Klinikleiterin Fr. Maria Mensen entschlossen, die harte Linie im Tarifkonflikt beizubehalten und den Arbeitskampf eskalieren zu lassen. Sie weigerte sich nicht nur entschieden, den Beschäftigten ein annehmbares Angebot vorzulegen, sondern lehnte auch sämtliche Vorschläge der Gewerkschaft ab. Sogar das Angebot, einen Schlichter hinzuzuziehen, stößt bei ihr auf taube Ohren. Sie versucht wohl die angezielte Rendite - von 20% die, so Axel Paeger, Vorstand von Ameos, jede Klinik ein halbes Jahr nach Übernahme erziele -, zu ereichen. Es ist total Irrwitzig, eine Gewinnsteigerung im Gesundheitssektor und dpas bei sinkenden Tagessätzen der Krankenkassen. Es ist ja davon auszugehen, daß die Krankenkassen nur das Notwendige bewilligen. Das geht wohl nur auf Kosten der Patienten und der Beschäftigten. - Gleichzeitig appeliert die Klinik an die Streikenden, doch an die Patienten zu denken, und setzt sie moralisch unter Druck. Dieses Verhalten ist unsozial. Denn wer unter diesen Vorraussetzungen moralisch argumentiert weiß wohl nicht was Moral überhaupt ist. Verständlicherweise betritt Fr. Mensen neuerdings das Gelände durch einen Hintereingang. Auch auf andere Weise wird versucht, auf die Streikenden Druck auszuüben und sie zu spalten. Der ärztliche Direktor der Klinik, Dr. Brücher, hatte am vergangenen Freitag eine einstweilige Verfügung erwirken lassen, wonach die Besetzung der Ärzte über die Notversorgung hinaus gesteigert werden sollte. Doch wurde diese Verfügung nicht verlängert. Weiter drohte Brücher der ärztlichen Belegschaft mir der Ärztekammer und der Prüfung, inwiefern sich ihr Verhalten mit dem ärztlichen Eid vereinbar sei! Einigen Ärzten wurde sogar angedroht, ihre auslaufenden Verträge nicht zu verlängern, würden sie ihren Dienst nicht wieder aufnehmen. Auch die Pflegedienstleitung läßt nichts unversucht, die Belegschaft zu spalten. So sollen sich zeitweise an den Streikmaßnahmen Beteiligende entgültig entscheiden, ob sie nun streiken oder arbeiten wollen. Um den Profit in der Klinik zu sichern, hatte die Klinikleitung zunächst versucht, Beschäftigte aus anderen Ameos-Kliniken als Streikbrecher zu benutzen, was aber die dort Werktätigen verweigerten. Nun hat die Geschäftsführung Leiharbeiter verpflichtet um zu versuchen, den Profit der Klinik aufrechtzuerhalten. Heute ist der Streikleitung ein Schreiben zugestellt worden, in dem die Streikenden angewiesen wurden, ihre Schlüssel abzugeben, und ihnen das Betreten des Klinikgeländes untersagt wurden. Die Klinikleitung sperrt also die Streikenden aus; Dies ist das erste mal in der Geschichte, dass eine Klinik zu solchen Maßnahmen greift. Die Unternehmensleitung hat wohl nicht begriffen, daß qualitativ hochwertige Patientenversorgung nur durch motiviertes und qualifiziertes Personal zu ereichen ist; Und die gibt es nicht zum Billigpreis. In diesem Sinne Kämpfen die Streikenden nicht nur für sich, sondern auch für die Patienten!


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 04. März 2005, 21:50:17
4.03.05 - Belgische Krankenhäuser bestreikt
Gestern wurde in belgischen Krankenhäusern erneut für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne gestreikt. Die Gewerkschaften fordern geringere Arbeitszeiten für Ältere und die Zahlung eines 13. Monatsgehaltes. Der Gesundheitsminister hatte den Beschäftigten bereits Zugeständnisse angekündigt, gegen die dann der Finanzminister sein Veto einlegte.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 06. März 2005, 19:20:09
5.03.05 - Ärzte-Streik in Italien
Erneut sind heute in Italien die Krankenhausärzte in einen 24stündigen Streik getreten. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligen sich auch weitere 150.000 Krankenhausangestellte. Sie fordern vor allem einen neuen Tarifvertrag mit Verbesserungen gegen über dem alten Vertrag, der bereits vor drei Jahren ausgelaufen ist. (rf-news)


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 07. März 2005, 21:41:10
Marburger Bund ruft zum Warnstreik auf
„Die Krankenhausärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) ruft die angestellten Ärztinnen und Ärzte des Universitätsklinikums Marburg zum 08. März 2005 zu einem Warnstreik auf. Anlass ist, dass wichtige Tarifregelungen von Seiten des Landes Hessen als Arbeitgeber gekündigt wurden und das Land zudem aus dem Arbeitgeberverband – Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) - ausgetreten ist. In den Unikliniken des Landes müssen neu eingestellte Klinikärzte sowie Ärzte, deren Verträge verlängert werden, seither auf Urlaubsgeld und einen Teil des Weihnachtsgeldes (Zuwendung) verzichten sowie eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf bis zu 42 Stunden hinnehmen. Das führt zusammen zu einem Einkommensverlust von etwa 10 %....“

http://www.mbhessen.de/aktuell/streikpm050303.htm


Titel: Streik in der Ameos-Klinik-Dr.Heines
Beitrag von: Pink Panther am 07. März 2005, 21:47:37
Offener Brief an die Betriebsratsvorsitzenden der Ameos-Kliniken
Eine Gruppe von Ameos-MitarbeiterInnen, die an verschiedenen Standorten arbeiten, bittet die Betriebsratsvorsitzenden aller Standorte „kreative Ideen der Solidarität“ zu entwickeln.

http://www.ungesundleben.de/privatisierung/images/ameos01.pdf


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 13. März 2005, 18:20:27
Zitat
Original von hartzilein
Mich würde zu den Forderungen der belgischen Pflegekräfte interessieren:
Die Herabsetzung der Wochenarbeitsstunden erfolgt über vollen Lohnausgleich?
Weisst du da näheres drüber?


Jetzt hab ich doch noch ein paar Infos in der Presse gefunden:
"Belgische Krankenhausbeschäftigte im Streik für mehr Geld, Neueinstellungen und Arbeitszeitverkürzung für Ältere."

Den vollständigen Artikel gibt´s in der Jungen Welt (http://www.jungewelt.de/2005/03-08/023.php)


Titel: Streik in der Ameos-Klinik-Dr.Heines
Beitrag von: Pink Panther am 15. März 2005, 13:03:21
Schlichtung kommt in Gang – der Streik geht weiter

http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/gw/ameos13.pdf


Titel: Ärztestreik in Italien
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 18. März 2005, 18:55:05
Aus dem Forum Deutsches Ärzteblatt

Zitat
Forum "Ausbeutung junger Ärztinnen und Ärzte"

Spuerbarer Ärzte-Streik in Italien, so geht das. Bravo
.

Beitrag eingesandt von someone am 04.03.2005 22:35:10

"Ärzte-streik in italien - 04.03.2005


Rom (AFP) - Wegen eines Streiks von 150.000 Angestellten im staatlichen Gesundheitswesen sind in Italien 90.000 Operationen abgesagt worden. "Wir sichern lediglich die Notfalloperationen", sagte der Vorsitzende der italienischen Vereinigung der Anästhesisten (AAROI), Vincenzo Carpino. 40 Prozent der Narkoseärzte hätten ihre Arbeit niedergelegt. Notfälle und Untersuchungen von Krankenhaus-Patienten würden sichergestellt. Weniger dringende Untersuchungen würden jedoch für 24 Stunden ausgesetzt.

Die Mediziner protestieren mit ihrem vierten Streik binnen eines Jahres dagegen, dass ihr Ende 2001 ausgelaufener Tarifvertrag noch immer nicht verlängert wurde. Einer der Hauptstreitpunkte ist die von den Gewerkschaften geforderte Lohnerhöhung von acht Prozent. Die für den Gesundheitssektor zuständigen italienischen Regionen wollen die Löhne dagegen nur um 4,3 Prozent anheben.

"Wir entschuldigen uns bei der Bevölkerung für die Unannehmlichkeiten, aber ein Land, das wettbewerbsfähig sein will, lässt seine Ärzte nicht 39 Monate ohne Vertrag", sagte Massimo Cozza von der Gewerkschaft CGIL.
© Copyright AFP Agence France-Presse GmbH"


90.000 Operationen abgesetzt und als weniger wichtige Operationen um 24 Stunden verschoben. So macht man das naemlich als Aerzte-Gewerkschaft.. Entschuldigung und Bitte um Verstaendnis bei der Bevoelkerung, aber gleichzeitig klarmachen, dass ein Land seine Aerzte so nicht behandeln kann, daher wird der Streik auch fuer Patienten spuerbar sein (muessen). Basta. Bravo!


Titel: Streik in der Ameos-Klinik-Dr.Heines
Beitrag von: Pink Panther am 30. März 2005, 15:55:48
Dr. Heines: Schlichter legen Empfehlung vor!

„Am Donnerstagabend haben die Schlichter Hans Koschnick und Dr. Horst Hinderlich eine Empfehlung zur Beilegung des Tarifkonfliktes ausgesprochen. Die Gewerkschaft ver.di und die Geschäftsführung der Klinik haben nun eine Erklärungsfrist bis zum kommenden Dienstag. Wesentliche Punkte der Empfehlung sind die Wiederherstellung der Tarifbindung auf Basis des früheren Haustarifvertrages, der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Juli 2007 sowie die Vereinbarung einer Sonderzahlung. Ver.di sieht in der Schlichtungsempfehlung eine gute Verhandlungsgrundlage. "Bei den Auszahlungsmodalitäten der Sonderzahlung besteht noch Nachregelungsbedarf. Der Schlichtervorschlag hierzu, insbesondere die sehr enge Bindung an Belegungszahlen, bedeutet eine zu weitgehende Risikoabwälzung auf die Beschäftigten, ohne sie im Gegenzug am Betriebserfolg entsprechend zu beteiligen. Es bedarf jetzt nur noch weniger kleiner Schritte aufeinander zu, um zu einer Tarifeinigung und damit zur Beendigung des seit 7 Wochen andauernden Streiks zu kommen", kommentiert der zuständige ver.di-Sekretär Uwe Schmid“ in der ver.di Presseinformation vom 25. März 2005.


Titel: Streik in der Ameos-Klinik-Dr.Heines
Beitrag von: Pink Panther am 05. April 2005, 19:22:19
Streik bei Ameos-Klinik erfolgreich
Nach neun Wochen Streik der Beschäftigten in der Ameos Klinik Dr. Heines in Bremen wurde jetzt ein neuer Tarifvertrag vereinbar, der den Bundesangestelltentarifvertrag (BAT) zur Grundlage hat. Allerdings werden Weihnachts- und Urlaubsgeld durch eine Sonderzahlung ersetzt. Die Gewerkschaft Verdi wertete den Abschluss als Erfolg, knapp 60 Prozent der Beschäftigten stimmten dem Vertrag in einer Urabstimmung zu.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 09. April 2005, 22:28:57
9.04.05 - Tarifverhandlungen mit Unikliniken geplatzt
Nach zehn Minuten haben am Freitag die Vertreter der vier badenwürttembergischen Uni-Kliniken die ersten Tarifverhandlungen platzen lassen. Sie verlangten ultimativ, das die Beschäftigten "auf streik- oder streikähnliche Aktionen in der kommenden Woche verzichten. Die Universitätskliniken sind nicht bereit, sich auf diese Weise unter Druck setzen zu lassen." Die Gewerkschaftsvertreter wiesen das Ansinnen zurück. Für die nächsten Woche ruft ver.di zu Warnstreiks an den Uni-Kliniken auf.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 25. April 2005, 11:41:28
Frankreich - Streik

Am 7. März streikten die NotfallärztInnen von ungefähr 70 bis 90 Notfallaufnahmen privater Krankenhausträger in Frankreich 24 Stunden lang für bessere Bezahlung.



Sri Lanka - Streik


MitarbeiterInnen des Gampola Teaching Hospital in Sri Lanka streiken am 2. März für die überfällige Bezahlung ihrer Überstunden. Das Management hatte die Zahlungen zwei Monate zuvor zugesagt, doch sich dann nicht an die Zusage gehalten.

Am selben Tag begannen MitarbeiterInnen des Diyatalawa Auyurvedic Hospital in Uva eine Kampagne zur Aufklärung von Unregelmäßigkeiten bei den Gehaltsauszahlungen.


Indien - Streik

Ungefähr 3.600 MitarbeiterInnen des öffentlichen JIPMER Krankenhauses in Pondicherry, Südindien, streikten und demonstrierten am 7. März. Sie wollen verhindern, dass die Einrichtungen in "eigenständige" Betriebe umgewandelt werden. Ein Notfallbetrieb wurde während des Streiks aufrecht erhalten. Das Management drohte mit Disziplinarstrafen.


Mexiko - Demonstrationen

Zehntausende Menschen demonstrierten am 11. März in Mexico City gegen weitere Privatisierungen staatlicher Öl-, Gas- und Elektrizitätsbetriebe. Die Demonstration wurde von mehreren Gewerkschaften unterstützt, darunter die Health Workers Union (Gewerkschaft der GesundheitsarbeiterInnen). SprecherInnen der Gewerkschaften riefen zu gemeinsamen Arbeitskämpfen der Gewerkschaften auf, um "diese Regierung zu stoppen".

Tags zuvor hatten VertreterInnen der Weltbank die Privatisierung des mexikanischen Energiesektors gefordert.


Peru - Streik

Ärztinnen und Ärzte, die beim peruanischen Gesundheitsministerium angestellt sind, streiken in der zweiten Woche. Sie fordern Gleichstellung mit den ÄrztInnen im Ministerium für Soziales (Social Security department) bezüglich der Gehälter und höhere Budgets für die Krankenhäuser.



USA - Streik


Mehr als 100 Krankenschwestern, DietassistentInnen (dietary workers) und Haushaltshilfen (housekeepers) des Heritage Manor Nursing and Rehabilitation Center in Huntington, West Virginia, streiken. Verhandlungen während des Streiks wurden am 18. März ergebnislos beendet.

Vier Tage zuvor hatte die Gewerkschaft SEIU Local 1199 ein "Angebot" des Trägers, Genesis Healthcare Corp., abgelehnt, das Verschlechterungen in der Krankenversicherung und Arbeitszeitverlängerungen bei Lohnkürzungen vorsah.

Nach Angaben von Genesis sind die Beiträge der Krankenversicherung im Dezember 2004 um 56% gestiegen. Genesis setzte zum Ersatz der Streikenden MitarbeiterInnen aus seinen anderen Einrichtungen ein.


Australien - Streik

Mehr als 300 MitarbeiterInnen des Austin Hospital in Melbourne streikten am 21. März 12 Stunden lang gegen Personalmangel und prekäre Arbeitsverträge.

In einem anderen Disput drohen Krankenschwestern öffentlicher Kliniken in New South Wales (NSW) mit Streiks für höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Ihre Gewerkschaft, die NSW Nurses Association, hatte das letzte Angebot abgelehnt: 12% mehr Gehalt über die nächsten 4 Jahre. Sie fordert 16% über die nächsten 4 Jahre.


Sri Lanka - Streiks

Am 28. März streikt das Laborpersonal (MLTs - Medical Laboratory Technicians) in Sri Lanka zwei Tage lang. Vom Streik erfasst werden das National Hospital in Colombo, Colombo South Teaching Hospital, Ragama Hospital und die zentrale Blutbank. Bereits am 23. März fand ein eintägiger Warnstreik statt.

Die Streikenden wollen die Einführung eines auf Schichtarbeit basierenden Servicesystems verhindern, mit dem der Personalmangel bewältigt werden soll. Sie sagen, es gebe nur 1.200 MitarbeiterInnen, doch werden 3.000 benötigt. Ein Sprecher der Gewerkschaft sagte, dass der Personalabbau zur Vorbereitung der Privatisierung dient.

Zur selben Zeit streiken in Sri Lanka ZahnärztInnen für eine Modernisierung zahnärztlicher Schulkliniken und die Einstellung von mehr ZahnärztInnen.

Am 16. März demonstrierten einige hundert MitarbeiterInnen im Gesundheitswesen vor dem Gesundheitsministerium in Colombo.


Burundi - Streik


Am 7. März 2005 begann in der Hauptstadt von Burundi, Bujumbura, ein unbefristeter Streik von Krankenschwestern für höhere Gehälter, kostenlose Gesundheitsversorgung und bessere Arbeitsbedingungen. Der Streik endete am 1. April erfolgreich.


Australien - Streikandrohung
April 05: Gemeinsam mit Feuerwehrmännern und -frauen drohen MitarbeiterInnen von Ambulanzen in Victoria mit Streiks gegen Pläne der Regierung zur Kürzung von Zuzahlungen. Die Polizeigewerkschaft Victoria Police Association drohte ebenfalls mit Streiks.


Quelle: http://www.ungesundleben.de


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 02. Mai 2005, 21:30:31
Klinikärzte protestieren bundesweit mit Warnstreiks gegen längere Arbeitszeiten

Mit Warnstreiks haben heute bundesweit rund fünftausend Klinikärzte gegen längere Arbeitszeiten und Gehaltseinbußen protestiert.
Wie der Ärzteverband Marburger Bund in Berlin mitteilte, beteiligten sich Mediziner in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen an den Arbeitsniederlegungen. - Der Vorsitzende des Verbandes, Montgomery, forderte die Länder auf, zur 38,5-Stunden-Woche für Ärzte zurückzukehren sowie die Kürzungen bei Weihnachts- und Urlaubsgeld zurückzunehmen.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 09. Mai 2005, 14:39:10
Fast jeder dritte Arzt muß gehen

Arbeitsbedingungen für Mediziner immer unerträglicher. Betriebswirtschaftler maßen sich zunehmend ärztliche Entscheidungen an. Ein Gespräch mit Wolfgang Albers, chirurgischer Oberarzt und Betriebsrat in einem Berliner Krankenhaus, von Gerd Feldkamp in junge Welt vom 06.05.2005 (http://www.jungewelt.de/2005/05-06/020.php)


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 14. Mai 2005, 17:33:25
14.05.05
 Protest gegen Entlassungen an der Charité

In Berlin haben gestern mehrere hundert Beschäftigte des Universitätsklinikums Charité gegen die geplante Arbeitsplatzvernichtung protestiert. Die Klinik kündigte an, sie wolle 1.500 Beschäftigt "betriebsbedingt" kündigen und weitere 1.600 (von insgesamt 15.000) "sozialverträglich" abbauen. Die Gewerkschaft Verdi hatte kürzlich die Gespräche über einen Haustarifvertrag abgebrochen, nachdem die Geschäftsleitung eine Kürzung der Löhne und Gehälter um 20 Prozent und den Abbau von 2.300 Stellen gefordert hatte.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kann das sein? am 23. Mai 2005, 17:23:45
Ein ungutes Klima auch, wenn man als Patient mal mitbekommen hat, wie das Personal nach "Bettplätzen" in Zimmern sucht: 2 Patienten werden in ihren Betten durch die Gänge geschoben, miteilende Schwester fragt: " ... wir brauchen 2 Betten ... habt ihr noch was? " Rückfrage: " ... Privat oder nur Kasse? ... Antwort: " Kasse nur... " Antwort: " 1 Platz bis morgen, der muss dann aber wieder raus, oder ihr lasst ihn gleich auf dem Gang vor dem Schwesternzimmer, da brauchen wir gar nicht erst nicht umräumen ..." Frage: " Und was machen wir mit dem anderen ? " Antwort: " Schiebt den mal in das HNO-Haus, die haben im Altbau meistens was frei. " Nach 1 1/2 Stunden im Bett auf zugigen Gängen, war ich dann in der HNO (mit Fraktur des Fußgelenkes), wurde hier um 22 Uhr zum Schichtwechsel wieder abgeholt, da durch einen Abgang in der Chirurgie hier ein "Kassenbett" frei wurde.

Da kam dann (Ruhe braucht man ja als Patient nicht) auch gleich noch gegen Mitternacht der diensthabende Oberarzt, begutachtete meinen demolierten Fuss und meinte brillenbügellutschend: "Keine Angst mein junger Freund, sein Laufwerkzeug kriegen wir schon wieder hin! Er möge es die Nacht über hoch ablagern und sich bei Beschwerden bemerkbar machen."

Wie im Irrenhaus - aufpassen muss man bei evtl. häufig vorkommenden Nachnamen auch noch, das man keine Fehlmedikamentation erhält, die eigentlich für jemand anderen bestimmt ist.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 16. Juni 2005, 22:16:34
16.06.05 - Krankenhauspersonal verlangt gleichen Lohn für gleiche Arbeit
Über 600 Beschäftigte des Aintree-Krankenhauses in Liverpool/Großbritannien traten für 24 Stunden in den Streik. Das Personal aus den Kantinen, Putzfrauen usw. verlangen, dass sie nicht als Menschen zweiter Klasse behandelt und niedriger entlohnt werden, nur weil sie für private Dienstleister im Auftrag des Nationalen Gesundheitsdienstes arbeiten. Die Streikenden wurden von Patienten des Krankenhauses und dem Personal von Synergy unterstützt, einer anderen Privatfirma, die sich mit der Sterilisierung von Instrumenten befasst.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 19. Juni 2005, 16:42:45
Unikliniken Baden-Württemberg drohen mit "kalter Aussperrung"

Die Unikliniken Baden-Württemberg sind letztes Jahr aus dem Tarifverband ausgestiegen und wollten eigentlich Haustarifverträge für die ca. 25.000 Beschäftigten in Tübingen, Heidelberg/ Mannheim, Ulm und Freiburg. Proteste erreichten bisher immerhin gemeinsame Verhandlungen für alle vier Standorte. Allerdings werden die massiv verschleppt, während gleichzeitig alle Neueingestellten und Vertragsverlängerten 41 Stunden pro Woche (statt bisher 38,5) arbeiten müssen. In Tübingen sind das schon über 1.000 der knapp 8.000 Kolleginnen und Kollegen. Eine erste Erpressung, dass auf alle Proteste während der Tarifrunde verzichtet werden sollte, sorgte schon im April für Empörung. Doch der Krimi geht weiter.

Für Montag, den 20.6., einen Tag vor der nächsten Verhandlungsrunde, hat Ver.di zum vierstündigen Warnstreik aufgerufen. Gleichzeitig rief auch der Marburger Bund die Ärzte (die beim Land arbeiten) zu Protesten auf.

Heute nachmittag nun schlugen Ministerium und Klinikumsvorstände zu: Sie drohen mit "kalter Aussperrung". Alle Chefs wurden angewiesen, sämtliche Streikenden zu erfassen und alle, die wegen Streik nicht arbeiten können, auch wenn sie selber nicht streiken. Alle sollen eine ganzen Tag (!) abgezogen bekommen. Den Ärzten wurden Disziplinarmaßnahmen und "Konsequenzen" angedroht und ihr Vorhaben, in den Spezialambulanzen drei Wochen lang nur Notfälle zu behandeln, als illegal dargestellt. Soweit wir wissen, gab es noch nie solche Maßnahmen im öffentlichen Dienst.

Die ersten Reaktionen sind widersprüchlich: Einerseits wirkt die Einschüchterung, andererseits sind die Kolleginnen und Kollegen empört über diese Erpressung. Es könnte sein, dass der Schuss nach hinten losgeht und eine Polarisierung und Politisierung die Streikbeteiligung in die Höhe treibt.

In Tübingen setzte der Vorstand noch eins drauf: Er verbot Ver.di, für die Aktionen rund um den Streik (von Infostand über Musik, von Reden bis zu Kaffee, Brezeln und Würstchen) den zentral gelegenen Platz vor dem Casino zu nutzen - schon immer für solche Aktionen genutzt. Plötzlich können angeblich Feuerwehr und Sanka nicht durch ... Offensichtlich rechnen sie mit Massen von Kollegen! Ein spontaner Vorschlag war, das Verbot zu ignorieren und abzuwarten, ob sie sich erdreisten, den Platz von der Polizei räumen zu lassen. Pikanterweise ist ja am 23.6. in Stuttgart eine Streikdemonstration der Landesbediensteten in Stuttgart geplant, an der sich auch Kolleginnen und Kollegen der Polizei beteiligen werden.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 20. Juni 2005, 12:22:15
Klinikpersonal in Baden-Württemberg zeitweise im Warnstreik

Freiburg (dpa) - In Baden-Württemberg sind die Mitarbeiter der Universitätskliniken zeitweise in den Ausstand getreten. Es geht ihnen um den Erhalt der 38,5-Stunden-Woche. An dem Warnstreik in Tübingen, Heidelberg, Freiburg und Ulm beteiligten sich rund 3000 Ärzte, Wissenschaftler und andere Beschäftigte. Aufgerufen hatte der Ärzteverband Marburger Bund und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Morgen werden in Stuttgart die Tarifverhandlungen für die 25 000 Beschäftigten der Unikliniken im Südwesten fortgesetzt.

dpa/online vom 20.06.2005


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 21. Juni 2005, 23:40:37
Freiburg: Streik bei der Uniklinik

 500 Beschäftigte der Uniklinik Freiburg kämpfen für einen einheitlichen Tarifvertrag der Unikliniken.

Seit 05.30Uhr befinden sich ca 200 Beschäftigte der Uniklinik Freiburg im Streik. Der Schwerpunkt des Streiks war heute erstmals der Operationsbereich in der Frauenklinik. Ganztags streikten auch die Beschäftigten in der Kinder- und Jugendpsychatrie. Der Höhepunkt war die Kundgebung von Verdi um 11.00Uhr im Klinikgelände bei guter Stimmung applaudierten die Kolleginnen und Kollegen besonders der Jugend, die heute ebenfalls im Streik steht und den Streikenden im Operationsbereich der Frauenklinik.

In Freiburg müssen bereits 25% der 8000 Beschäftgten 41 Stunden arbeiten, ohne Urlaubsgeld und mit verkürzten Weihnachtsgeld. Verdi fordert die 38,5 Stunden Woche, ansonsten würden alleine in der Uniklinik Freiburg 500 Arbeitsplätze vernichtet. Desweiteren fordert Verdi 50€ Lohnerhöhung (für Azubis 25€) Freiburger Studenten waren bei der Kundgebung anwesend und solidarisierten sich mit den streikenden Kolleginnen und Kollegen im Klinikum.

Am Donnerstag findet ein weiterer Streiktag der Landesbediensteten in Stuttgart statt, aus unterschiedlichen Bereichen (Universität, Studentenwerk, Zentrum für Psychatrie in Emmendingen, Behindertenwerkstätte Wasser, Uniklinik etc.) haben sich bisher 300 Kolleginnen und Kollegen aus dem Freiburger Bereich angemeldet. Es sind noch Plätze frei in den Verdi-Bussen nach Stuttgart.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 01. Juli 2005, 19:43:15
Bereits am Dienstag legten Tausende von Beschäftigten im öffentlichen Dienst Portugals die Arbeit nieder, aus Protest gegen die Kürzung sozialer Leistungen unter anderem im Gesundheitswesen. Gestern streikten Tausende von Krankenschwestern und -pflegern gegen die geplante Heraufsetzung des Rentenalters von 60 auf 65 Jahren.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 01. Juli 2005, 19:46:03
Über 1.000 Krankenschwestern in Papua-Neuguinea begannen am Mittwoch einen landesweiten Streik für eine höhere Bezahlung, vor allem in städtischen Krankenhäusern. Sie haben ihn jetzt beendet, nachdem die Regierung ihre Forderungen erfüllt hat. Sie muss den Krankenschwestern die Gehälter in der Höhe nachzahlen, die seit einem Abkommen im Jahr 2000 gültig sind. Außerdem musste sich die Regierung verpflichten, die Streikenden nicht zu maßregeln.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 22. Juli 2005, 23:23:28
Streikwelle in Krankenhäusern und im Erziehungswesen und...

Spätestens seit dem - erfolgreichen - Streik der bonaerensischen Metrobeschäftigten zu Beginn des Jahres, entwickelt sich in Argentinien eine erneute Bewegung zur Verbesserung der Lebenslage - sowohl der Beschäftigten (nicht nur im öffentlichen Dienst) als auch der über 4 Millionen Erwerbslosen. Dabei kommt es keineswegs nur zu Zusammenstößen mit der Staatsmacht, sondern auch mit den regrierungstreuen oder - nahen Gewerkschaftsapparaten. Ein Überblick "Patagonien überall (http://www.labournet.de/internationales/ar/patagonien.html)" von Mitte Juli 2005.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 25. Juli 2005, 19:00:02
Südkorea: Streik in Krankenhäusern beendet
Nach vier Tagen haben am Samstag die rund 3.000 streikenden Krankenschwestern ihren Streik beendet. In einem Schlichterspruch waren die meisten ihrer Forderungen angenommen worden: Eine Lohnerhöhung zwischen 3 und 5 Prozent und die Reduzierung der Arbeitszeit am Samstag.
25.07.05


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 28. Juli 2005, 12:04:31
Protestwoche in hessischen Uni-Kliniken geplant
Am 1. August beginnt mit einem Ärztestreik in Frankfurt/Main und Marburg eine Protestwoche von Medizinern gegen die Verschlechterungen im deutschen Gesundheitswesen. Am 2. August schließen sich die Ärzte in der Uniklinik Gießen an und es findet eine gemeinsame Demonstration in Wiesbaden statt. Für Freitag, den 5. August, ist eine bundesweite Demonstration der Ärzte in Berlin geplant.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 01. August 2005, 21:08:32
Nach Angaben des Marburger Bundes haben heute mehr als 1.400 Ärzte an Universitätskliniken in Baden-Württemberg und Hessen mit einem mehrtägigen Streik begonnen. Die Ärzte wehren sich gegen die Verlängerung ihrer Arbeitszeiten auf 42 Stunden, Überstunden und Kürzungen beim Weihnachts- und Urlaubsgeld. In den kommenden Tagen werden sich auch Ärzte in anderen Kliniken beteiligen. In den Kliniken soll nur ein Notdienst arbeiten.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Spätlese am 02. August 2005, 06:52:53
Wie beschrieben liefen ja jetzt diverse Warnstreiks in Krankenhäusern diverser Ballungszentren. Bundesweite Streikaktionen vorwiegend bei Krankenhausärzten sind in der Vorbereitung.
Hauptpunkte des Unmutes sind nach wie vor oftmals die wöchentlich 60-70 Arbeitsstunden von Assistenz- und Stationsärzten, die dennoch lediglich die vertraglichen 38,5 Stunden lt. Vertrag bezahlt bekommen, was in Deutschland netto im Regelfall 2000 - max. 2500 Euro ausmacht (was hier Bruttolöhnen von 3500-4000 Euro entspricht.)
Aus diesem Missstand resultiert schon heute, dass viele Krankenhausärzte aber auch Krankenhauspflegepersonal vorwiegend in die skandinavischen Länder und nach England abwandern, da hier die Arbeitsbedingungen besser geregelt sind und die Nettoverdienstmöglichkeiten in etwa den hiesigen Bruttogehältern entsprechen.
Das heutige Personal wird zahlenmäßig immer geringer und muss sich um immer mehr Patienten kümmern - Behandlungsfehler mehren sich. Etliche Klinikzentren mussten sogar auf Grund des Personalnotstandes schon auf pensionierte Ärzte (-70 Jahre) zurückgreifen bzw. diese interimsmäßig reaktivieren. Dies vor allem im Notarzt- und Notaufnahmebereich sowie in der Chirurgie.
Und der Patient?: Bekommt heute schon oft als Termin für eine Vor- bzw. Eingangsuntersuchung z. B. "in 2 Monaten" genannt. Wird z. B. eine stationäre Kiefer-OP erforderlich (die nicht lebensbedrohlich ist) oder muss z. B. eine Untersuchungsserie wegen Verdachts auf Multiple Sklerose durchgeführt werden addieren sich ab hier bis zum Krankenhaustermin nochmal 3-6 Monate.
Die Ärzte/Doktoren/ und natürlich auch das Pflegepersonal haben meine volle Unterstützung - das sind ja auch nur Menschen und keine Maschinen.
.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 07. August 2005, 10:05:04
"40-Stunden-Woche? Ich lach mich tot" (http://www.spiegel.de/unispiegel/geld/0,1518,368439,00.html)

(http://www.spiegel.de/img/0,1020,502440,00.jpg)

@Spätlese
Als Patient hat man kaum Druckmittel etwas einzufordern. Mir ist übel geworden als Politiker der Presse gegenüber behaupteten, die Ärzte würden ihre Interessen auf Kosten der Patienten durchsetzen wollen. Das Gegenteil ist richtig.

In Italien gab es bei Arbeitskämpfen im Gesundheitswesen Unterstützungs-Kommitiees von Patienten, die Transparente aus Krankenzimmerfenster baumeln ließen oder sich mit hangemalten Schildern auf eine Bank im Klinikgarten setzten um solche (obigen) Medienbehauptungen lügen zu strafen.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Troll am 07. August 2005, 10:22:10
Zitat
Klinikärzte wollen ab ins Ausland
Schlechte Arbeitsbedingungen und Tarifflucht der Länder machen Mediziner mobil


Zitat
Für die Arbeitszeitregelungen haben wir ja inzwischen sogar ein gerichtlich einklagbares Recht. Ich bin mir darüber im Klaren, dass das nicht nächste Woche Montag alles umgesetzt wird. Wir sind jetzt seit fünf Jahren verhandlungsbereit, denn so lange ist das her, dass das erste Urteil zum europäischen Arbeitszeitgesetz in Luxemburg ergangen ist. Wir können uns doch nicht immer mit dem Totschlagsargument hinhalten lassen, es sei kein Geld da, und sehen gleichzeitig, dass sich weder unsere Arbeitgeber noch die Politik auch nur irgendwie bemühen, das Problem zu lösen.

ND (http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=76049&IDC=3)

Leere staatskassen hindern die politik jedoch nicht daran subventionsgeschenke an großunternehmen zu verteilen.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Spätlese am 07. August 2005, 12:14:30
@ManOfConstantSorrow:
Zitat:
Als Patient hat man kaum Druckmittel etwas einzufordern. Mir ist übel geworden als Politiker der Presse gegenüber behaupteten, die Ärzte würden ihre Interessen auf Kosten der Patienten durchsetzen wollen. Das Gegenteil ist richtig.

=

Das sehe ich nicht anders. Ich könnte es jedoch voll verstehen und würde auch keine Kritik dagegen üben, wenn Ärzte und auch Pflegepersonal ihre Rechte flächendeckend einstreiken würden bzw. Dienst nach Vorschrift und Vertrag machen, dann staut es sich eben mal vor den Arztpraxen und in den Kliniken. (Notversorgung für lebensbedrohliche Akutfälle ist natürlich sicherzustellen.)

Wenn Ärzte ihre Interessen auf dem Rücken der Patienten austragen würden (so ein Müll kann eh nur aus den verlängerten Pressesprachrohren kommen), dann sähe es hier mit den Vorsorge-/Behandlungsstandards schon längst so aus wie z. B. in Großbritannien. (Da ist es z. B. üblich, dass sich am Morgen ab 5.00 Uhr beim Zahnarzt 200 Leute vor der Praxis anstellen und stauen, nur weil sie einen Behandlungstermin brauchen.).
>>>Oder siehe meine 65jährige Hausärztin (allgemeiner Arzt): Die findet seit 5 Jahren für ihre Praxis keinen Nachfolger - trotz riesigem Patientenstamm. Warum: Allgemeinmediziner erhalten ein miserables niedriges Budget von den Krankenkassen, niedrige Pauschalhonorare für hier zugelassene Behandlungen und müssen bald mehr Zeit für Papier- und Computerkram aufwänden als das sie Zeit für Behandlungen haben. Wenn die irgendwann mal schliesst, dann habe ich statt 1km 5km zum nächsten Allgemeinmediziner.

Staat und Krankenkassen tragen ihre Unzulänglichkeit auf dem Rücken der Patienten aus. Daran ändert auch BM Schmidt´s Aussage vor ein paar Monaten nichts: "Ich verstehe die Aufregung nicht, für Mediziner bestehen in Deutschland gute Verdienstmöglichkeiten". Lachhaft. Noch lachhafter was sich Staat und Krankenkassen im Rahmen der sog. Pflegeversicherung mit pflegebedürftigen Menschen erlauben. Aber das führt hier zu weit.

Meines Erachtens wird sich aber an der hiesigen Situation nichts ändern, bestimmt nicht asap. Man wird wieder endlos diskutieren, aber sich mit Händen und Füßen gegen ordentliche Bezahlung bzw. Einhaltung der Arbeitszeiten wehren.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Troll am 07. August 2005, 12:54:24
Es trifft diesmal die ärzte die streiken, diffamierung von vorne bist hinten. Es zeigte sich bei sämtlichen streiks der letzten jahre, wie kann man nur in unserer mißerablen lage für angemessenen lohn bzw. angemessene arbeitszeit streiken.
Das ziel ist die solidarität mit den streikenden im keim zu ersticken und leider funktioniert es in den meisten fällen.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 25. August 2005, 16:07:34
Zitat
23.08.05
Arzthelferinnen und Ärzte protestierten in Hamburg
Gestern Mittag demonstrierten 2.000 Arzthelferinnen, Ärzte und Patienten in Hamburg auf dem Gänsemarkt gegen die Budgetkürzungen durch die Krankenkassen. 750 Stellen von Arzthelferinnen seien schon weggefallen. Insgesamt seien in Hamburg 2.000 Stellen von Arzthelferinnen gefährdet, weil die Ärzte Stellen streichen müssten, wenn die Budgets zusammengestrichen werden.


Zitat
24. August 2005

MEDIZINER-PROTESTE

Ärzte kündigen neue Streikwelle an

Weil die Tarifgemeinschaft deutscher Länder bisher noch kein Angebot vorgelegt hat, richtet sich der Marburger Bund auf weitere Streiks ein. Die Mediziner hatten schon Anfang August gegen schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne protestiert.

spiegel-online ([url]http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,371257,00.html[/url])


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: LinksDenker am 25. August 2005, 23:21:06
KwTm


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 12. September 2005, 20:05:08
Auch im Gesundheitswesen wird die Unfähigkeit oder Unwilligkeit der Gewerkschaften die Interessen ihrer Mitglieder wirklich zu vertreten zu einem offenkundigen Problem:

Zitat
Im Streit um bessere Arbeitsbedingungen für die 146 000 angestellten und verbeamteten Krankenhausärzte haben die Mediziner ihre Tarifpartnerschaft mit der Gewerkschaft Verdi gekündigt. Dies bestätigte der Chef des Klinikärzteverbands Marburger Bund, Frank Ulrich Montgomery, dem Tagesspiegel am Sonntag. Schon am 15. September wollen die Mediziner in Stuttgart mit der Tarifgemeinschaft der deutschen Länder über einen arztspezifischen Tarifvertrag für Klinikärzte an den Universitäten verhandeln. „Das geht alleine sicher besser als mit Verdi“, sagte Montgomery. Auslöser für den Bruch mit der Gewerkschaft waren die jüngsten Verhandlungen mit der Vereinigung kommunaler Arbeitgeber. Diese habe ein Angebot gemacht, wonach ein 28-jähriger verheirateter Arzt über zehn Jahre ein Einkommensminus von fünf Prozent zu verkraften gehabt hätte. „Das haben wir abgelehnt“, sagte Montgomery. Verdi hingegen habe ein „noch schlechteres Angebot akzeptiert – und da war für uns die Schmerzgrenze erreicht…
Berliner Tagesspiegel ([url]http://www.tagesspiegel.de/politik/index.asp?ran=on&url=http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/11.09.2005/2047711.asp#art[/url])


Diesen Gewerkschaften nachzutrauern ist wohl kaum angbracht, doch nötig wäre es, jetzt brauchbare Alternativen aufzubauen, die auch in der Lage sind Kämpfe zu organisieren...


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 17. September 2005, 18:28:41
Erstmals in der BRD Urabstimmung an Unikliniken

(http://www.rf-news.de/plonerfnews/2004/Folder.2004-06-28.3140/Warnstreik_Uniklinik_Freiburg_G.jpg)

17.09.05: Nachdem am Dienstag, den 13.9., die Verhandlungsführer der vier Unikliniken in Baden-Württemberg zum zweiten Mal keinerlei neues Angebot unterbreiteten, brach die Gewerkschaft Ver.di die Verhandlungen ab und erklärte sie für gescheitert. Die Kliniken sind immerhin von der Forderung nach Arbeitszeitverlängerung auf eine 41-Stunden-Woche für alle (bisher 38,5) um eine Stunde auf eine 40-Stunden-Woche zurückgegangen. Allerdings planen sie umfassende Verschlechterungen auch im Manteltarifbereich. Warnstreiks und Proteste im Frühjahr und Sommer und der lautstarke Protest vor dem Verhandlungslokal in Stuttgart genügten nicht.

Damit steht zum ersten Mal in der Geschichte der BRD eine Urabstimmung - und je nach deren Ausgang - ein Streik an, der allein von den ca. 25.000 Beschäftigten der Unikliniken geführt werden muss. Denn im Gegensatz zu früher, wo der Öffentliche Dienst gemeinsam kämpfte, haben die kommunalen Arbeitgeber den neuen TVÖD (Tarifvertrag Öffentlicher Dienst) übernommen, die Länder aber weigern sich. Die Unikliniken sind aus der Tarifgemeinschaft der Länder ausgestiegen und verhandeln nun extra. "Teile und Herrsche", das wird jetzt im Öffentlichen Dienst vorgeführt: Kommunale gegen Landesbedienstete, Kreiskrankenhäuser gegen Unikliniken, nichtwissenschaftliche Angestellte gegen Ärzte.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 17. September 2005, 23:54:12
17.09.05 Streik in Argentiniens Gesundheitswesen
Am Donnerstag organisierten Ärzte und Beschäftigte im staatlichen Gesundheitswesen einen landesweiten Streik. Sie verlangen Lohnerhöhungen, Vollzeitbeschäftigung, Abschaffung befristeter Verträge und Schluss mit der Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Die Beschäftigten in privaten Gesundheitseinrichtungen fordern unter anderem eine Erhöhung der Gesundheitsausgaben.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 10. Oktober 2005, 16:52:09
Kann in Krankenhäusern erfolgreich gestreikt werden? Nein, glauben die Arbeitgeber. Sie wiegen sich in Sicherheit vor einem Arbeitskampf und denken sie könnten in den Krankenhäusern die ohnehin harten Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhne immer weiter nach unten schrauben...

weiter (http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/gw/streikbawue05.html)


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 14. Oktober 2005, 13:17:12
Siebter Streiktag an den Unikliniken in Baden Württemberg - Es wollen mehr streiken (http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/gw/streikbawue05_02.html), als zum Streik aufgerufen werden können

(http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/gw/bawue1005/unibawue05_01.jpg)(http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/gw/bawue1005/unibawue05_02.jpg)


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 21. Oktober 2005, 16:21:28
(http://www.marburger-bund.de/bundesverband/aktuelles/tarifpolitik/protesttag-6-9-05/streik-6-klein.jpg)(http://www.marburger-bund.de/bundesverband/aktuelles/tarifpolitik/protesttag-19-10-05/foto.jpg)

Die vom Marburger Bund organisierten Warnstreiks und Ärzteproteste am 19.10.2005 waren ein Erfolg. In über 13 Städten haben rund 8.500 Ärztinnen und Ärzte gegen schlechte Arbeitsbedingungen und zu geringe Einkommen protestiert (http://www.marburger-bund.de/bundesverband/aktuelles/tarifpolitik/protesttag-19-10-05/index.htm).


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 04. November 2005, 19:22:18
4.11.05
Streik im Gesundheitswesen in Uruguay
Am Donnerstagmorgen begannen Ärzte, Pflegepersonal und Beschäftigte der staatlichen Verwaltung des Gesundheitswesens in Uruguay mit einem Streik. Sie verlangen Gehaltserhöhungen und mehr staatliche Mittel für die Gesundheitsversorgung, "um in der Lage zu sein, der ganzen Bevölkerung eine würdige Gesundheitsfürsorge anbieten zu können".


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 17. November 2005, 15:56:55
Die Gewerkschaft Verdi hat die 25.000 Beschäftigten an den Uni-Kliniken Aachen Köln, Bonn, Düsseldorf, Essen und Münster für heute zu Warnstreiks aufgerufen. Am Uni-Klinikum Essen beteiligten sich 380 Beschäftigte, darunter auch mehrere Ärzte. Während des Warnstreiks wurde eine Demonstration über das Klinikums-Gelände durchgeführt. Ziel ist die Übernahme in den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes. Seit 2001 besteht ein tarifloser Zustand. Das bedeutet für neu eingestellte Kolleginnen und Kollegen Gehaltskürzungen und eine 41-Stundenwoche.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pink Panther am 19. November 2005, 18:16:34
16.11.05 - Mitarbeiter der Göttinger Universitätsklinik streiken
Rund 600 Mitarbeiter der Göttinger Universitätsklinik sind am Vormittag in den Streik getreten.
Nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di demonstrieren sie unter anderem für eine Rückkehr zur 38,5-Stundenwoche und für den Erhalt des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes. Um die Patientenversorgung sicherzustellen, hat die Gewerkschaft mit der Klinikleitung eine Notdienstvereinbarung getroffen.


19.11.05 - Warnstreik im Uni-Klinikum Hamburg
Gestern streikten in Hamburg rund 500 Beschäftigte des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) für drei Stunden gegen einen Horrorkatalog von 20-prozentiger Lohnkürzung und Arbeitszeitverlängerung auf 42 Stunden. Das UKE ist das größte Krankenhaus in Hamburg. Für nächste Woche hat Verdi einen Warnstreik im Krankenhaus Eilbek angekündigt.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 25. November 2005, 21:04:33
Der Bundesrat will die Bereitschaftsdienste von Klinikärzten erst Ende 2006 in vollem Umfang als Arbeitszeit einstufen.
Die Länderkammer stimmte in Berlin einem Gesetzentwurf Bayerns zu, nach dem die Übergangsfrist um ein Jahr verlängert werden soll. Ursprünglich sollte sie Ende dieses Jahres ablaufen.
Die Bundesärztekammer kritisierte den Beschluss. Der Marburger Bund drohte im Falle seiner Umsetzung mit massiven Protestaktionen. Zudem kündigte der Verband im Tarifstreit mit den kommunalen Arbeitgebern Streiks der Mediziner in den Krankenhäusern an. Die Große Tarifkommission leitete eine Urabstimmung ein, wie ein Sprecher in Berlin mitteilte. Der Verband fordert 30 Prozent mehr Gehalt sowie eine flexiblere Handhabung der Arbeitszeiten. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberver- bände appellierte an den Marburger Bund, den Vertrag für den öffentlichen Dienst zu unterschreiben. - Etwa ein Drittel aller Krankenhäuser hat einen kommunalen Träger.

www.dradio.de/nachrichten 25. November 2005


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 26. November 2005, 15:53:14
25.11.05: Über 500 Kollegen nahmen gestern an der Personalversammlung am Standort Süd der Charité teil. Besonders viele Arbeiter aus Betrieben und Technik und Kollegen aus dem OP-Bereich waren zu sehen. Die Techniker und Arbeiter fordern den Erhalt ihrer Arbeitsbedingungen und wehren sich gegen die Überleitung ihrer über 1.000 Arbeitsplätze in eine private GmbH. Die Personalversammlung fand statt in der Vorbereitung des Streiks der Ärzte der Charité, der am nächsten Montag beginnen soll. Bereits am 31. Oktober hatten ca. 1.200 Charité-Kollegen bei ihrer Demonstration zum "Roten Rathaus" deutlich gemacht, dass sie zu keinem Verzicht bereit sind.

(http://www.rf-news.de/plonerfnews/2005/kw44/Demo_Charite_Berlin_051031_K.jpg)

So musste die Geschäftsführung um Ganten und Behrends ihren Plan aufgeben, im Rahmen der Übernahme des Tarifabschlusses (TVöD) mit einer Zusatzvereinbarung die Gehälter bis zu 20 Prozent zu kürzen. Auf der Betriebsversammlung versuchte die Geschäftsleitung nun mit einem Abfindungskonzept die kämpferische Richtung der Belegschaft zu brechen. Wer bis zum 31.12.05 "freiwillig" geht, soll je nach Beschäftigungszeit ausgezahlt werden. Hatten sie bisher immer gesagt "Lohnabbau oder Entlassungen", so mussten sie jetzt unfreiwillig zugeben, dass sie auf jeden Fall planen, 2.450 der bestehenden 15.000 Arbeitsplätze bis zum Jahr 2010 zu vernichten. Leider wurde dieses Abfindungskonzept von einigen Personalräten mitgetragen, die die Illusion haben, mit Zugeständnissen das Wohlwollen der Geschäftsleitung zu erkaufen.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 29. November 2005, 02:23:40
(http://img.stern.de/_content/55/04/550487/aerzte250_250.jpg)

http://streik.klinikaerzte.org/

http://www.jungewelt.de/2005/11-29/015.php


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 29. November 2005, 15:48:21
Sind Sie Millionär? Dann geht das Folgende (http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/gw/hh_281105.pdf) Sie nichts an!


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 25. Dezember 2005, 19:13:38
Inzwischen hat auch die Deutsche Öffentlichkeit lernen müssen, daß Streiks in Krankenhäusern durchaus möglich sind. Zur allgemeinen Information habe ich hier ein paar Meldungen aus einem Land, aus dem man hier selten etwas hört: Papua Neuguinea

Zitat
   Krankenschwesternstreik    

Provinz East New Britain: Mehr als 250 Pflegekräfte am Nonga Base Hospital und anderen staatlichen Gesundheitszentren veranstalteten einen Sit-in Streik. Es ging darum, daß bereits vereinbarte Verbesserungen der Arbeitsbedingungen von der Regierung immer noch nicht umgesetzt worden sind. Im Juni streikten die Krankenschwestern landesweit. Daraufhin schlossen Regierung und Gewerkschaft einen verbesserten Vertrag ab. Die Regierung versprach, diesen bis 1. August umzusetzen.   

Quelle: The National, Post Courier, 1.10.05

Zitat
   Krankenschwestern    

Mehr als 300 Pflegekräfte des Nonga-Krankenhaus (Provinz East New Britain) traten in den Streik für die Absetzung der Krankenhausleitung (Geschäftsführer, Topmanager, Vorstand), der sie Mißmanagement vorwerfen. Am nächsten Tag erwirkte die Krankenhausleitung eine gerichtliche Zurück- zur Arbeit-Anordnung. Übers Wochenende nahmen tatsächlich viele der Streikenden die Arbeit wieder auf. Andere jedoch blieben im Streik.    

Quelle: Tha National. The Post Courier, 24.10.05

Zitat
   Erneut Streik der Pflegekräfte    

Weil die bereits ausgehandelten Verbesserungen (u.a. Krankenversicherung, bessere Arbeitsbedingungen, Eingruppierung) noch immer nicht umgesetzt sind, sind die Pflegekräfte landesweit in Streik getreten. Dieser war nicht überall erfolgreich, aber in Port Moresby waren das General Hospital und die städtischen Kliniken so gut wie verlassen; Patienten wurden heimgeschickt. Etwa 800 beteiligten sich am Streik; auch in Lae streikten 100.

Quelle: The National, Post Courier, 20.12.05


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 16. Januar 2006, 12:24:16
In Großbritannien mehren sich Proteste gegen verordnete Sparmaßnahmen in Krankenhäusern

Im Krankenhaus von Huddersfield fand sich eine Gruppe von Krankenwagenfahrern, Krankenschwestern, Pflegern und einigen Ärzten zusammen, um die Schließungen von Abteilungen zu verhindern. Eine erste Demonstration vor vier Wochen brachte 1000 Menschen auf die Straße. Am vergangenen Samstag kamen bereits 2000.

Zwar sind an der Kampagne viele Gewerkschafter aktiv beteiligt, die offizielle Gewerkschaftsbewegung hält sich aber auffallend zurück.


der ganze Artikel (http://www.jungewelt.de/2006/01-16/007.php)


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 27. Januar 2006, 23:22:06
Belgien: Streik im Gesundheitswesen
Gestern streikten die Beschäftigten im belgischen Gesundheitswesen für 24 Stunden. Mit dem Streik soll die Regierung gezwungen werden, den im letzten Jahr vereinbarten Vertrag über eine bessere Ausstattung der öffentlichen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen auch umzusetzen. In Brüssel demonstrierten mehrere Tausend Menschen, die Krankenhäuser arbeiteten nur mit Notbesetzung.

27.01.06


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 06. Februar 2006, 21:40:40
06.02.06 – Urabstimmung über Streikmaßnahmen an NRW–Unikliniken
Ab heute morgen führt die Gewerkschaft Verdi an den nordrhein-westfälischen Unikliniken Bonn, Köln, Aachen, Düsseldorf, Essen und Münster Urabstimmungen durch. Verdi fordert für die 30.000 Beschäftigten den gleichen Tarifvertrag, wie er bereits seit Oktober 2005 an den kommunalen Krankenhäusern gilt. Dabei geht es darum, Arbeitsplätze zu erhalten und eine Verlängerung der Arbeitszeit von 38,5 auf 40 Wochenstunden und die Senkung der Einkommen zu verhindern. „Pflegepersonal, Hauswirtschaft, Verwaltung und technisches Personal muss genauso bezahlt werden wie an kommunalen Krankenhäusern“, so Verdi-Landesfachbereichsleiterin Gesundheit, Sylvia Bühler.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 14. Februar 2006, 15:15:20
13 Krankenschwestern in dem australischen Gefängnis Hakea in Canning Vale traten in einen spontanen Streik, nachdem sie in einem liegen gelassenen Notizbuch eines Vorgesetzten seine Bemerkungen über sie gelesen hatten. Nur zwei wurden vorteilhaft beurteilt. Unter den Namenskürzeln der anderen standen Bemerkungen wie "faule Scheiße", "doppelgesichtig", "unverschämt", "ungehobelt", "unzuverlässig", "unprofessionell" oder "nicht hübsch". Drei Frauen verließen schnurstracks die Arbeit, die anderen schlossen sich an. Die Krankenschwestern trafen sich am Donnerstag, um Solidaritätsstreiks der Krankenschwestern in anderen Gefängnissen zu organisieren.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 16. Februar 2006, 12:52:09
(http://www.weser-kurier.de/0213_klinik_g.jpg)


Titel: Stammtisch Pflege-Gesundheitswesen
Beitrag von: classwar am 01. März 2006, 11:03:20
Beim Stammtisch treffen sich Berufstätige aus dem Gesundheitswesen und aus
der Pflege,die die permanente Verschlechterung unserer Arbeitsbedingungen
und der Qualität unserer Arbeit für die von uns betreuten Menschen und
Patienten nicht länger tatenlos hinnehmen wollen.

Wenn du mit uns gemeinsam nach Möglichkeiten suchen willst,unsere und die
Situation der von uns betreuten Menschen und Patienten durch
Beteiligung,Organisation oder Unterstützung direkter Aktionen zu
verbessern,dann freuen wir uns,wenn du beim nächsten Stammtisch dabei
bist.
Gemeinsam können wir etwas bewegen!

Jeden 2. und 4. Donnerstag im Monat
jeweils ab 19.00 h
Treffpunkt: Café Walden, Hinterzimmer
Choriner Straße 35, 10435 Berlin-Prenzlauer Berg
U2: Eberswalder Straße

Kontakt: faub41(a)fau.org

Unterstützt vom:Allgemeinen Syndikat der Freien ArbeiterInnen Union Berlin
[http://www.fau.org ]

Nicht klagen -Nicht klagen - kämpfen!


Titel: Stammtisch Pflege-Gesundheitswesen
Beitrag von: Heiko1961 am 04. März 2006, 23:04:40
Da meine Frau schon seit ein par Wochen leider in der Klinik liegt,
kann ich mich auch oft mit dem Pflegepersonal unterhalten.
Da bei uns auch die Kliniken privatisiert wurden, muss das Pflegepersonal einige Einschnitte hinnehmen.
Wenn die neuen Tarifverträge durchgehen, müssen sie für ca. 450 € netto weniger, arbeiten.
Hinzu kommt, Überstunden für lau, kein Weihnachts- und. Urlaubsgeld und Stellenabbau.
Ein Pfleger erzählte mir, dass er 16 Tage am Stück in Schichtbetrieb gearbeitet hat. Jetzt hat er zwei Tage frei. Der Patient muss darunter leiden. :(
Mein Flyer finden dort großen Zuspruch.

Wo soll das noch hinführen? Wir brauchen einen Volksaufstand.
Michel wach auf!!!  X( X(

Heiko  :rolleyes:


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 14. März 2006, 19:38:27
„Kündigung“ von 80 Auszubildenden am Klinikum Duisburg wegen Streikteilnahme ist vom Tisch
Nach dem "Rausschmiss" von ca. 50 Krankenpflegeschülerinnen der Städtischen Klinik in Duisburg, die sich am 10.03.06 an einem Soli-Streik in Essen beteiligt hatten, hat nun der Klinikgeschäftsführer Reinhard Isenberg gegenüber demonstrierenden Gewerkschaftern erklären lassen, dass er sich möglicherweise missverständlich ausgedrückt habe, Kündigungen oder Maßregelungen seien nicht beabsichtigt gewesen. Die verdi-Pressestelle NRW bestätigte auf Nachfrage der Redaktion LabourNet, dass die Kündigungen vom Tisch seien.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 15. März 2006, 19:19:28
98,4 Prozent der Ärzte für Streiks an Unikliniken
„Mit einer deutlichen Mehrheit von 98,4 Prozent haben sich die Ärzte an den Universitätskliniken und Landeskrankenhäusern bei den zweitägigen Urabstimmungen des Marburger Bundes (MB) für Streiks ausgesprochen. Der Hauptgeschäftsführer des MB, Armin Ehl, wertete dieses Ergebnis als „überwältigendes Signal der Ärztinnen und Ärzte, die nicht länger bereit sind, in den Kliniken unter teilweise menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen zu arbeiten.“ Ehl teilte mit, dass die Ärzte-Streiks wie geplant am 16. März starten. Zunächst werden die Universitätskliniken in Freiburg, Heidelberg, München, Würzburg, Essen, Bonn, Mainz und Halle betroffen sein. In den folgenden Tagen und Wochen würden die Ärzte-Streiks auf weitere Unikliniken ausgeweitet…“
Pressemitteilung des MB:
http://www.marburger-bund.de/marburgerbund/bundesverband/presse/pressemitteilungen/pm2006/pm15_06.php


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 18. März 2006, 11:57:34
Fristlose Kündigungen, Suspendierung und Hausverbot wegen Solidaritätsaktion gegen fünf Beschäftigte des Duisburger Klinikums

(gekürzt aus rf-news 17.03.06) Heute wurde fünf Beschäftigten des Duisburger Klinikums, darunter Verdi-Vertrauensleute, ein Betriebsratsmitglied und eine Betriebsratskandidatin, mündlich bzw. schriftlich mitgeteilt, dass ihnen gegenüber fristlose Kündigungen beim Betriebsrat beantragt wurden. Ihnen "schwere Straftaten" vorgeworfen, die konkret darin bestehen, dass sie gegen ihre "arbeitsvertraglichen Pflichten" verstoßen hätten, indem sie bei einer Solidaritätsaktion für Krankenpflegeschülerinnen in eine Eingangshalle eingedrungen seien, dort die Ruhe der Patienten "gestört" und "Sachbeschädigungen" begangen hätten.

Die Kündigungen stehen im Zusammenhang mit der erfolgreichen Protestaktion am 10. März, mit der Klinikgeschäftsführer Reinhard Isenberg zur Rücknahme von Kündigungsandrohungen gegen die Krankenpflegeschülerinnen gezwungen wurde. Nach der Rückkehr von einer Streikkundgebung in Essen waren die Schülerinnen von ihm mit den Worten "Wir wollen euch hier nicht mehr sehen" aus den Unterrichtsräumen des Schulgebäudes verwiesen worden. Nach massiven Protesten ließ der Klinikgeschäftsführer kurze Zeit später kleinlaut erklären, dass er sich möglicherweise "missverständlich" ausgedrückt habe. Kündigungen oder Maßregelungen seien angeblich nicht beabsichtigt gewesen.

Nachdem Isenberg während dieser Woche mehrfach vergeblich vom Betriebsrat des Klinikums aufgefordert wurde, dazu Stellung zu nehmen, ob auch gegen andere Beteiligte der Aktion rechtliche Schritte geplant sind, schlug er heute ein weiteres Mal zu. Die fristlosen Kündigungen sind eine bisher einzigartige Kriminalisierung gegen kämpfende Kollegenim öffentlichen Dienst.

Die Vorwürfe einer "Sachbeschädigung" sind vollständig konstruiert, da nachweislich die beschädigten Lampen bereits vorher zerstört waren. Offenbar weil er die Solidarisierung der anderen Klinikums-Beschäftigten und gemeinsame Aktionen fürchtet, hat Isenberg vorsorglich alle fünf Betroffenen von der Arbeit freigestellt und ihnen sogar Hausverbot erteilt.

Verdi Duisburg hat bereits bekannt gegeben, nächste Woche dagegen eine Demonstration zu organisieren.  Auch in anderen Städten Nordrhein-Westfalens wie unter anderem Recklinghausen drohen die Stadtverwaltungen mit rechtlichen Schritten gegen Teilnehmer von Solidaritätsstreiks. Bereits bei den Aktionen am letzten Freitag wurden Namenslisten der Teilnehmer angelegt.

Die FDP-Fraktion hat gestern im Bundestag sogar einen Gesetzentwurf zur Einschränkung des Arbeitskampfrechts eingebracht. Das unterstreicht mehr denn je die Notwendigkeit der Forderung nach einem vollständigen und allseitigen gesetzlichen Streikrecht.

Schickt Protest- und Solidaritätserklärungen an:

Klinikum Duisburg:
Zu den Rehwiesen 9 • 47055 Duisburg  
Fax (02 03) 7 33-10 02
Email: info@klinikum-duisburg.de


Geschäftsstelle von Verdi Duisburg:
Kasinostraße 21 - 23, 47051 Duisburg
Telefax: +49 (0) 20 3 / 28 14 -55
Email: bz.duisburg@verdi.de


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 18. März 2006, 12:09:11
Und was ist mit der Abstrafung der Arbeitspflichtverletzungen des AG in Person des Klinikchefs?

- Verletzung seiner Fürsorgepflicht, indem er nicht für arbeitsmedizinisch nachweisbare belastungsarme und gesundheitsgefährdungsfreie Arbeit zu erträglichen Artbeitsbedingungen
- der Leistung entsprechende Arbeitsvergütung

sorgt.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 02. April 2006, 17:46:38
rf-news 31.03.06  

Die Attacken der Geschäftsführung des Klinikums Duisburg gegen engagierte Verdi-Kolleginnen und -Kollegen nehmen kein Ende. Bereits am 17.3. wurden gegen fünf Beschäftigte fristlose Kündigungen beantragt, verbunden mit Hausverboten und sofortiger Freistellung von der Arbeit. Weil sie die Solidarität mit Krankenpflegeschülerinnen organisierten, die Klinikums-Geschäftsführer Reinhard Isenberg wegen der Teilnahme an einem Solidaritätsstreik mit Rausschmiss bedrohte, werden Ute Kellert, Monique Djata, Nina Brandt, Ulf Dietrich und Manfred Willems wie Kriminelle behandelt.

Am gestrigen Donnerstag hat Isenberg erneut zugeschlagen. Gegen einen weiteren Kollegen wurde jetzt die fristlose Kündigung beantragt, angeblich weil am Solidaritätszelt vor dem Klinikum gesehen worden sei, obwohl er krank gemeldet war. Dem voraus ging eine Auseinandersetzung wegen des Tragens eines Buttons im Dienst. Gegen einen der fünf schon bisher von Kündigung bedrohten Kollegen wurde ein zusätzlicher Kündigungsantrag ausgesprochen. Diesmal, weil er in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung erklärt hatte, dass Geschäftsführer Isenberg bei der Solidaritätsaktion für die Krankenpflegeschülerinnen in der Eingangshalle des Klinikums einem Kollegen die Tür vor den Kopf geschlagen hatte. Zwei weitere Kollegen haben eine Abmahnung erhalten. Eine Krankenschwester, weil sie bei der Verdi-Solidaritätsdemo am 20.3. ein Schild getragen hat mit der Aufschrift "Weine nicht, wenn der Isenberg fällt - es gibt keinen, der zu ihm hält". Ein zweiter Kollege, weil er angeblich unangemeldet am Solidaritätsstreik am 10.3. teilgenommen hat.

(http://www.rf-news.de/plonerfnews/2006/kw12/Demo_Klinikum_Duisburg_060320_G.jpg)

Solidaritätsdemonstration von Verdi
am 20.3. in Duisburg


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 16. April 2006, 11:23:39
(http://media.de.indymedia.org/images/2006/04/144182.jpg)

Aktionen gegen die Entlassung der 6 GewerkschafterInnen geht weiter  (http://de.indymedia.org/2006/04/144180.shtml)


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 28. Mai 2006, 10:40:22
Ein Blick über den Deutschen Tellerrand hinaus:

Ärztestreiks in Polen
(27.05.06) Seit Wochen kommt es in Polen immer wieder zu eintägigen Streiks der Ärzte in den Krankenhäusern. Die Forderung der Ärzte lautet: 30 Prozent mehr Lohn sofort und eine 100-prozentige Anhebung 2007. Weiterhin sollen die Ausgaben im Gesundheitswesen auf 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angehoben werden, fordern die Gewerkschaften. Die Beschäftigten im Gesundheitswesen erhalten Niedrigstlöhne und die medizinische Grundversorgung ist sehr schlecht.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 30. Mai 2006, 16:59:06
Erfolg für Linke in Berliner Krankenhäusern

Oppositionelle Liste »Gegen den Strom« gewinnt bei Betriebsratswahl vier Sitze hinzu


»Das Abstimmungsergebnis zeigt, daß die Zeichen bei Vivantes auf Sturm stehen«, so Volker Gernhardt, Spitzenkandidat von »Gegen den Strom« und Betriebsrat am Klinikum Neukölln.

http://www.jungewelt.de/2006/05-30/019.php


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 12. Juni 2006, 00:47:48
9.06.06

Die Beschäftigten im Gesundheitswesen des westafrikanischen Staates Ghana haben am Mittwoch einen unbefristeten Streik erklärt. Sie sind in der Health Workers Group (HWG) organisiert und fordern, die große Lücke in der Bezahlung zwischen den Ärzten und dem übrigen Gesundheitspersonal zu überbrücken.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 12. Juni 2006, 01:09:24
Seit Mitte Mai streiken in Polen Ärzte und KrankenpflegerInnen der staatlichen Einrichtungen um höheren Lohn (der bei 60-80 Prozent des Durchschnittseinkommens liegt). Trotz zahlreicher Einschüchterungsversuche und negativer Presse weitet sich die Bewegung aus: Ende des Monats Mai wurden bereits 120 Krankenhäuser bestreikt. Die Gewerkschaft OZZL, die den Streik organisiert, hat sich bisher positiv zur Privatisierung und zur Einführung marktwirtschaftlicher Prinzipien im Gesundheitswesen verhalten und hat dementsprechend mit Schwierigkeiten - auch innerhalb der eigenen Reihen - zu kämpfen. Die polnische Regierung droht mit Aussperrung und Entlassungen. Aktuelle und Hintergrundinfos in dem (englischen) Bericht "GOVERNMENT THREATENS LOCKOUT OF DOCTORS AND FIRINGS"  auf der polnischen (anarchistischen) Seite "CIA" vom 31. Mai 2006:
http://cia.bzzz.net/government_threatens_lockout_of_doctors_and_firings


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 20. Juni 2006, 11:44:52
Nach dem Tarifabschluss für 22 000 Ärzte an den Universitätskliniken droht nun ein Streik von rund 7 000 Medizinern in den 700 kommunalen Krankenhäusern. Die große Tarifkommission der Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) entscheidet morgen über die Einleitung der Urabstimmung, nachdem die bislang letzten Tarifgespräche mit dem Verband kommunaler Arbeitgeber (VKA) am 9. Juni in Köln abgebrochen wurden.

Ostdeutsche Ärzte äußerten sich enttäuscht darüber, dass sie im Tarifvertrag für die Ärzte an Universitätskliniken schlechter gestellt bleiben als westdeutsche (die SZ berichtete). Der Marburger Bund und die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) hatten sich am Freitag nach dreimonatigem Streik auf den ersten eigenen Tarifvertrag für die Ärzte an Universitätskliniken geeinigt. Der MB kündigte eine Streikpause an bis zum Ergebnis der Urabstimmung. Deren Ergebnis werde übernächste Woche erwartet. (dpa)

http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=1190780


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 21. Juni 2006, 23:04:38
Presseinformation 247 / 2006 der Linksfraktion.PDS Sachsen vom 20. Juni 2006

Lauterbach kritisiert Marburger Bund: Entsolidarisierung im Gesundheitswesen auf Kosten aller Versicherten

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion.PDS, Kerstin Lauterbach erklärt zum Tarifabschluss des Marburger Bundes mit den Vertretern der Bundesländer:

Auch wenn jetzt der Marburger Bund betont, dass der Abschluss für ihn ein großer Erfolg ist, bleiben etliche Wermutstropfen im Glas. Erstens ging es letztendlich dann doch nur noch um mehr Geld und nicht wie anfangs angekündigt um eine bessere Patientenversorgung und mehr Qualität. Auch die Überstunden wurden dann eher nur noch unter dem Aspekt der Bezahlung behandelt. Zweitens sehe ich in der zu starken Interessenvertretung der Berufsgruppe der Ärzte innerhalb des Systems der gesundheitlichen Versorgung ein Element der Entsolidarisierung. Ich wünschte mir, dass das Gehalt der Krankenschwester und des weiteren medizinischen Personals ebenfalls angehoben wird. Im Übrigen hätten die Ärzte durch den von der Gewerkschaft ver.di, die für alle Berufsgruppen zusammen verhandelte, erzielten Abschluss kaum weniger erreicht als das, was nun vom Marburger Bund als Erfolg gefeiert wird.

Drittens bin ich sehr erstaunt über die Drohung mit einer zunehmenden Abwanderung aus dem Osten in Richtung Westen oder gar Ausland, wenn nicht umgehend die Ost-Westangleichung erfolge. Einerseits wird immer wieder von den ärztlichen Standesorganisationen der hohe Stellenwert des Hippokratischen Eides hervorgehoben, andererseits steht dann aber doch nur das Geld im Vordergrund. Klar dürfte auch sein, die Mehrausgaben zahlen nicht die Länder, sondern alle Versicherten. Selbstverständlich bin auch ich der Auffassung, dass gute Arbeit ihren Preis hat, das muss aber auch beispielsweise für Krankenschwestern gelten.

Und viertens, wie verfehlt die gesamte Vorgehensweise war, beweisen die bevorstehenden Tarifauseinandersetzungen der Beschäftigten in den kommunalen Krankenhäusern, deren Interessen bisher bei den Verhandlungen des Marburger Bundes keine Rolle spielten.

Marcel Braumann
(Pressesprecher)
Tel.: (0351) 4935823
Handy: 01718983985


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 15. Juli 2006, 16:33:55
15.07.06
Rund 350 Krankenschwestern und -pfleger haben am Donnerstag Nachmittag auf dem St.Johanner Markt in Saarbrücken für 150 Euro Fahrtkostenausgleichs-Pauschale demonstriert. Verdi-Landeschef Linsler bekräftigt dabei, einseitige Erhöhungen für eine Berufsgruppe seien nicht hinnehmbar. Linsler drohte damit, wenn die Kommunen nicht bis zum 17. Juli zu Verhandlungen bereit seien, werde Verdi die Streikmaßnahmen im Saarland in der kommenden Woche verschärfen.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 17. Juli 2006, 16:56:39
Frankreich:
Streik ausländischer Ärzte in Krankenhäusern – Halber Lohn für gleiche Arbeit


„ Dienst nach Vorschrift » sollten die rund 6.000 in französischen Krankenhäusern angestellten Ärztinnen und Ärzte, die ihr Diplom in einem Land außerhalb der EU erworben haben, an diesem Wochenende verrichten. In Frankreich war es ein verlängertes Wochenende, wegen des Nationalfeiertags (14. Juli) am vergangenen Freitag…“

http://www.labournet.de/internationales/fr/nichteuarzt.html


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 18. Juli 2006, 13:05:34
Nachdem die Beschäftigten der psychiatrischen Zentren des Landes einen langen Arbeitskampf erfolgreich beendet hatten - es gilt weiter die 38,5-Stunden-Woche -, sind die Geschäftsführer der Zentren für Psychiatrie aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten. Die Geschäftsführer wollen vor allem den Erhalt der Arbeitszeit nicht akzeptieren, genauso wenig wie die unvorstellbare Lohnerhöhung von 2,9 Prozent, die für das Jahr 2008 vereinbart wurde.

Die Kolleginnen und Kollegen der psychiatrischen Zentren haben in stürmischen Personalversammlungen ihren Protest und ihre Kampfbereitschaft bekundet. Für Montag hatte Verdi zu Warnstreiks an allen neun Zentren für Psychiatrie in Baden-Württemberg aufgerufen. An diesem Tag fuhren die Busse mit den Streikenden nach Stuttgart, um dort eine Demonstration und Protestkundgebungen durchzuführen.


Titel: Streik an der Charité
Beitrag von: Carsten König am 02. Oktober 2006, 19:20:57
Zitat
Am Berliner Universitätsklinikum Charité wurde zwei Wochen lang gestreikt. Nach jahrelangen ergebnislosen Verhandlungen fordert Verdi einen neuen Tarifvertrag für rund   10   000 Beschäftigte. Am Freitag wurde der Streik ausgesetzt, um die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Martin Rühle (Name von der Red. geändert) ist Pfleger an der Charité und in der unabhängigen Basisgruppe Gesund und Munter aktiv ([url]http://www.gesundundmunter.tk[/url]), für die er aber nicht stellvertretend spricht.


Ist die neue Konkurrenz durch die Ärztegewerkschaft Marburger Bund ein Grund für Verdi, nach 26 erfolglosen Verhandlungsrunden doch noch die Charité zu bestreiken?

Verdi steht unter starkem Druck, sich gegenüber den Arbeitgebern als Verhandlungspartner zu behaupten, seit sich der Marburger Bund, der an der Charité in Form der Ärzteinitiative auftritt, aus der Tarifgemeinschaft abgespalten hat. Denn bislang ist der Marburger Bund erfolgreich mit seiner Taktik, die Ärzte unabhängig von anderen Berufsgruppen zum Streik aufzurufen. Der Haupt grund für den Streik sind aber die Frechheiten des Vorstands der Charité. Verdi verlangt seit Jahren ein verhandlungsfähiges Angebot, aber es kommt immer nur die Ansage: Wir müssen 40 Millionen beim Personal einsparen – durch Entlass ungen, Lohnsenkungen oder beides.

War der Ärztestreik also ein Motor für Arbeitskämpfe im Gesundheitswesen, oder wirkt er spaltend, indem er ständisch-elitär nur die Ärzte organisiert?

Die Ärzteinitiative in Berlin hat für ihren Streik im Frühjahr stark mobilisiert, die Beteiligung war hoch und es gab mehrere Demonstrationen. Die Pfleger haben sich zwar vergessen gefühlt, aber es wurde endlich wieder darüber geredet, dass man etwas tun kann, anstatt über die beschissene Situa tion nur zu jammern. Teilweise gab es sogar ein gewisses Verständnis für die Abspaltung der Ärzte, denn Verdi war ja tatsächlich jahrelang passiv.

Wie verhalten sich die Ärzte im gegenwärtigen Streik?

Die Ärzteinitiative hat sich solidarisch erklärt, aber zumindest Teile der Oberärzte haben versucht, den Streik zu brechen. Um nicht nur die unverzichtbaren Not-OPs zu machen, wurden Assistenzärzte an Stelle der Pflegekräfte eingesetzt.


Quelle: http://jungle-world.com/seiten/2006/39/8530.php


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 18. Oktober 2006, 11:47:53
Irak: Streiks im Gesundheitswesen
Beschäftigte im Gesundheitswesen des Irak kämpfen seit einem Monat mit Streiks für höhere Löhne und eine Revision des Lohnsystems. In Kerbala gab es letzte Woche nach einem Streik ein Sit-in. In Nasiriya gab es vier Streiks, weitere Proteste fanden statt in Bagdad, Umara und Kut.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 21. Oktober 2006, 11:47:26
Charité Berlin: "Verhandlungen ohne Streik - das bringt nichts!"
(http://www.rf-news.de/plonerfnews/2006/kw35/Warnstreik_Charite_060825_G.jpg)
Warnstreik der Charité-Beschäftigten am 25.8.

Berlin, 20.10.06: Mehr als 1.200 Kollegen hatten sich aktiv an den Streiktagen beteiligt und zentrale Bereiche der Charité lahmgelegt. Viele Kollegen waren aber auch in "Notdiensten" gebunden und deshalb oft nur stundenweise im Streik, so dass die wirkliche Zahl der Streikwilligen noch viel höher war. In zahlreichen Gesprächen wurden Kollegen erfolgreich für die Streikbeteiligung gewonnen, nachdem der Charité-Vorstand immer wieder versuchte, zu erpressen und durch Falschmeldungen zu verunsichern. Mit jedem Streiktag wuchs das Selbstbewusstsein und die Zahl der Streikenden. Im Kampf gegen ständige Drangsalierung mit angeblichen Notdiensten lernten die Kollegen, wie man im Krankenhaus einen Streik wirkungsvoll durchsetzen kann.  

Ein wichtiges Ergebnis des Streiks der Charité-Kollegen ist, dass der Charité-Vorstand und der Berliner Senat Abstand nimmt von dem bisher kategorisch verlangten Absenkungstarifvertrag.

http://www.rf-news.de/rfnews/aktuell/Betrieb_und_Gewerkschaft/article_html/News_Item.2006-10-20.5729


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 22. Oktober 2006, 10:55:07
Leipzig, 21.10.06: Seit 13. Oktober stehen die Kolleginnen und Kollegen in einem unbefristeten Streik für die Übernahme der Tarifverträge für alle Universitätskliniken und für unbefristete Arbeitsverträge. Seit dem Jahr 2000 gab es keine Lohnerhöhung und es wurden fast nur noch befristete Kräfte eingestellt. Ca. 240 Stellen sollen abgebaut werden.

Gestreikt wird auch an der Uniklinik in Dresden. Gefordert wird, dass die gleichen Bedingungen gelten, wie an anderen Unikliniken in Deutschland. Vom Vorstand wurde eine lächerliche Einmalzahlung von 150 Euro und dann von 250 Euro angeboten, unter der Bedingung, dass die Beschäftigten auf Streikaktionen und Streikandrohungen verzichten. Das wird von den Beschäftigten und Verdi zurecht zurückgewiesen.

Die Klinikleitung reagiert enorm aggressiv auf die Streikenden. So werden diese für "Notdienstarbeiten" eingeteilt und es hagelt Abmahnungen wegen angeblicher "Arbeitsverweigerung". Eine von Verdi beantragte einstweilige Verfügung vor Gericht, Streikende nicht willkürlich für Notdienste einzuplanen, die in Wirklichkeit keine sind, wurde am 19.10. vom Leipziger Arbeitsgericht abgelehnt. Die Kollegeninnen und Kollegen berichten, dass jetzt auf einmal Behandlungen vorgezogen würden und selbst der Einsatz beim Blutspenden zum Notdienst erklärt wird.

Aktionen wie die Fahrt und gemeinsame Kundgebung mit den Kollegen von Dresden vor dem Landtag in Dresden, eine Demo durch die Leipziger Innenstadt stärkten die Kampfmoral und den Zusammenhalt.

rf-news 21.10.06


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 27. Oktober 2006, 09:01:37
Ja der Marburger Bund ist ein hinterwälderlischer Standesdünkelverein, der an die Saufereien und das Verteilen von Schmissen in teutonischen Burschenschaften erinnert. Von solidarischem Verhalten zum gesamten Personal im Gesundheiitswesen kann keine Rede sein.

Labournet: IX. Branchen > DL: Gesundheitswesen > Konflikte > Ärzte machen’s nun allein

a) Zum Verhältnis zwischen Ärzten und den anderen Berufsgruppen: Blick zurück im Zorn oder gemeinsam den Herausforderungen stellen?

„…Der Marburger Bund hat sich in den Kliniken als Faktor etabliert. Wir von ver.di haben immer gesagt und wir sehen auch keinen Grund das zurückzunehmen, dass es besser gewesen wäre, wenn sich die Ärzte mit den anderen Beschäftigten gewerkschaftlich zusammengeschlossen hätten. Es liegt auf der Hand, um wieviel mehr wir gemeinsam in den hinter uns liegenden Arbeitskämpfen für alle hätten herausholen können, wenn wir zusammen gekämpft hätten. Aber die Mehrzahl der Ärztinnen und Ärzte hat sich für einen anderen Weg entschieden. Das hat in den zurückliegenden Wochen und Monaten zu vielen Auseinandersetzungen geführt, die sicher nicht alle nötig gewesen wären. Jetzt aber steht für beide Seiten die Frage: Wie kann es in den Kliniken weitergehen? Ewig im Schmollwinkel oder nach vorne blicken?...

“ Artikel aus krankenhaus-info Nr.4/2006 der ver.di Betriebsgruppe Klinikum Stuttgart
http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/gw/zorn.html

b) Uni-Klinikum-Interview: Nach dem Streik

„Während des langen Streiks in der ersten Hälfte dieses Jahres zeichneten sich die Beschäftigten der Uni-Klinik durch hohe Streikbereitschaft und eine Vielzahl von fantasievollen Streikaktionen aus. Einige Monate nach den gesonderten Tarifabschlüssen von ver.di und Marburger Bund hat die Redaktion des Göttinger Betriebs-Express (GBE) nun einen Krankenpfleger und einen Arzt (beide ver.di-Mitglieder) nach ihren Eindrücken und Einschätzungen befragt. Das Interview fand schriftlich statt, d.h. die beiden Interviewpartner saßen dabei nicht gemeinsam an einem Tisch.“

Interview in Göttinger Betriebsexpress Nr. 180 vom 18.10.2006
http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/gw/gbe180.html


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 11. November 2006, 14:01:08
Fünfmonatiger selbständiger Streik im "Hospital Frances" in Buenos Aires


Buenos Aires, 09.11.06: Seit fünf Monaten stehen die Arbeiter, Pflegekräfte, Reinigungskräfte des Krankenhauses im selbständigen Streik. Er ist in Buenos Aires ein Politikum ersten Ranges, da er sich gegen die Kirchner-Regierung richtet. Inmitten einer Traube von 50 Streikenden, Patienten und Besuchern berichtet David Garuti, der Streiksprecher gegenüber Teilnehmern der Reisegruppe von "people to people".

Der Kampf begann bereits im letzten Jahr. Eine Investorengruppe unter direkter Führung des Premierministers brachte die gemeinnützige Einrichtung, in der 1.340 Arbeiter und 400 Ärzte arbeiten, unter ihre Kontrolle. Es wurden keine Beiträge mehr in den Fonds für die Betriebsrente, die einzige Altersvorsorge, einbezahlt. Dagegen wehren sich die Kollegen. Sie fordern eine Erhöhung der Löhne um 20 Prozent, damit sie überhaupt das Existenzminimum für eine Familie erreichen, und eine Verbesserung des Lohngefüges.

Sie kämpfen für die 35-Stundenwoche. Der von der Regierung eingesetzte Verwalter verfügte erste Entlassungen und die Schließung einzelner Abteilungen. Das sehr beliebte Krankenhaus, zu dem viele Leute eine persönliche Verbindung haben, soll in den Bankrott getrieben werden. Die Kollegen kämpfen deshalb auch für die Eingliederung des Krankenhauses, zu dem auch ein Altenheim gehört, in das öffentliche Gesundheitswesen.

Seit Mai streiken die Kolleginnen und Kollegen. Die Mehrheit sind Frauen, auch einzelne Ärzte beteiligen sich. Sie haben auch schon die Straße vor dem Gesundheitsministerium blockiert. Der Streik wird von der Gewerkschaftsführung nicht unterstützt. "Nicht ein Glas Wasser haben wir von da bekommen", so David Garuti. Breite Unterstützung - auch für den selbst organisierten Streikfonds - erhalten sie hingegen aus der Bevölkerung, von Patienten, Gewerkschaftern, verschiedenen politischen Parteien.

Am 9.10.06 kam es zu einer dramatischen Zuspitzung. Während einer der Streikversammlungen, auf denen alles entschieden wird, wurden bewaffnete Provokateure eingesetzt, was auch das Fernsehen dokumentierte. Auch um seine eigene schäbige Rolle zu vertuschen, behauptet der Regierungschef, die Provokateure wie die Arbeiter seien gemeinsam Schuld und ließ gegen sechs Kollegen Anklage erheben.

Spenden für den Streikfonds sind möglich an:
Cuenta Banco Nacion Suc.
San Cristobal 0091
No. 6560113335/6.


Titel: Konflikte und Arbeitskämpfe
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 13. Dezember 2006, 22:07:09
Labournet: XI. Branchen > Dienstleistungen > Gesundheitswesen > Konflikte und Arbeitskämpfe

Aufruf zum saarländischen ver.di-Aktionstag am 14. Dezember 2006

Ver.di Saar ruft alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf, am saarländischen Aktionstag, dem 14. Dezember 2006, um „5 Minuten vor 12“ die Arbeit niederzulegen und damit ein Zeichen für einen notwendigen Kurswechsel der Politik zu geben. Sie schreiben: „Helft mit, mit betrieblichen Aktionen – von 5-minütiger Arbeitsniederlegung bis hin zu außerordentlichen Betriebs- und Personalversammlungen, Demonstrationen oder anderen Aktionsformen – deutliche Zeichen an die Politik zu senden!

Plant, gemeinsam mit Euren Betriebs- und Personalräten sowie den ver.di-Betriebsgruppen, entsprechende Aktionen und helft bei der kreativen Umsetzung!...“

Zu der Aktion siehe die Durchblick - die Zeitung der ver.di-Vertrauensleute im Knappschaftskrankenhaus Sulzbach (pdf)
http://gesundheit-soziales.verdi.de/links/knappschaftskrankenhaus_sulzbach/data/114.pdf

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Wann kommt der bundesweite Generalstreik, damit endlich mal Schicht im Schacht ist?

Alles dicht von der dänischen Grenze bis zur Zugspitze, vom Schwarzwald bis an die Oder. Das gäbe ein böses Erwachen für Politiker und Unternehmer und keine Bundeswehr, keine Polizei, kein Verfassungsschutz oder BND, kein Bundestag und keine Merkeln kann was dagegen machen.

Es verlangt nur Einigkeit, Solidarität und Durchsetzungsfähigkeit. Man muß den Ausbeutern endlich zeigen wo der Hammer hängt.

Da wird die Tarifautonomie zum Hemmschuh der gesellschaftlichen Entwicklung - In Deutschland sind Generalstreiks, anders als etwa in europäischen Staaten wie Frankreich oder Italien, juristisch nicht vom Streikrecht gedeckt und somit illegal (Tarifautonomie).

Und die spd-gesteuerten DGB-Gewerkschaften als Tarifvertragskungelpartner haben diese Kröte absichtlich und mit großen Vergnügen als ein AN-Verräter geschluckt und damit AN-Rechte für unwirksam und illegal erklärt. Sie unterstützen so Unternehmerprofitrechte und Ausbeuterei.


Titel: Konflikte und Arbeitskämpfe
Beitrag von: Pinnswin am 15. Dezember 2006, 18:28:15
Zitat
Wann kommt der bundesweite Generalstreik, damit endlich mal Schicht im Schacht ist?
Nie - wenn es nach den Gewerkschaften geht.

Sage ich. Ob´s stimmt?? Warten wirs ab, mal schaun, wie lange wir noch warten können... ...scheiBe ich hab´s satt...


Titel: Labournet: Konflikte im Gesundheitswesen - Städtisches Klinikums München
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 19. Dezember 2006, 13:23:01
Labournet:: V. Branchen > Dienstleistungen > Gesundheitswesen > Konflikte im Gesundheitswesen

Städtisches Klinikums München

Die Stadtklinikum München GmbH will ihren rund 500 Beschäftigten im Reinigungsdienst, in den Küchen und in der Zentralwäscherei die Einkommen um bis zu 40 % kürzen. Die Voraussetzungen dafür schafft der Stadtrat kurz vor Weihnachten mit der Gründung einer Tochtergesellschaft. Zum 1.7.2007 sollen die Servicebeschäftigten dann in das neue Tochterunternehmen ausgegliedert und billiger entlohnt werden. Siehe dazu:

a) ver.di lehnt Sanierungspläne der Städtischen Klinikums GmbH ab

Presseerklärung mit Hintergrundinformationen von ver.di-München vom 30.11.2006
http://muenchen.verdi.de/fachbereiche/fachbereich_3_gesundheit_soziale_dienste_wohlfahrt_und_kirchen/ver.di_lehnt_sanierungsplaene_der_staedtischen_klinikums_gmbh_ab

b) 200 Klinikbeschäftigte protestieren gegen Ausgliederung

„Rund 200 betroffene Beschäftigte protestierten in den kühlen Morgenstunden des 13. Dezember vor dem Münchner Rathaus. Ihre Empörung brachten sie mit Rufen wie „Nicht mit uns“ und lauten Pfiffen zum Ausdruck. Heinrich Birner, ver.di-Geschäftsführer in München, kritisiert, dass die Chefärzte mit ihren Zusatzeinnahmen aus der Privatabrechnung ungeschoren davon kommen, während den Geringverdienern die Einkommen innerhalb von drei Jahren um sieben Millionen Euro gekürzt werden sollen…“

Presseerklärung von ver.di-München vom 14.12.2006
http://muenchen.verdi.de/presse/showNews?id=35e2d0c8-8ac3-11db-48b0-000e0c66dc60

c) An alle Beschäftigten des Städtischen Klinikum München

„Stellenabbau, Einkommenseinbußen, Ausgliederungen: Die Geschäftsleitung plant laut Süddeutscher Zeitung vom 18. November 2006 harte Einschnitte bei den Beschäftigten für die Sanierung des Klinikums. Offensichtlich soll das Sanierungskonzept noch in diesem Jahr im Stadtrat verabschiedet werden. Dabei geht es um Ausgliederungen im Bereich Reinigung, Küche, Wäscherei, Hausmeister, Handwerker und Fahrer. Bis 2011 sollen 1000 Stellen und 30 Betten abgebaut werden. Mit dem Ende des Personalüberleitungstarifvertrages soll es bei allen Beschäftigten erhebliche Einkommenseinbußen geben…“

Infoflugblatt von ver.di-München (pdf)
http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/gw/muenchen1206.pdf


Titel: Konflikte und Arbeitskämpfe
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 11. Januar 2007, 14:13:33
An dieser Stelle möchte ich ein weiteres Mal darauf hinweisen , daß es in der BRD kein umfassendes Streikrecht gibt. Es darf nur in der Ausnahmesituation, wo die "Friedenspflicht" nach Ablauf eines Tarifvertrags aufgehoben wurde, gestreikt werden. Es darf nur um die eigenen Arbeitsbedingungen gestreikt werden, Streiks mit politischen Forderungen und Solidaritätsstreiks sind sowieso verboten.

Trotzdem gibt es überall, selbst in Diktaturen und in der BRD, Arbeitsniederlegungen, die nicht von dem herrschenden Streikrecht gedeckt sind. Diese "wilden Streiks" werden meist nicht geahndet um weitere Unruhe zu verhindern. Es werden aber gerne "Rädelsführer" herausgepickt, die stellvertretend für alle bestraft werden sollen (z.B. Opel-Streik). Es ist im allgemeinen eine Frage der Kräfteverhältnisse und keineswegs des "Rechts".

Das "Recht" ist hier sowieso bieg- und beugsam, unsere Gerichte outen sich auch jetzt wieder mit ihrer Klassenjustiz:


10.01.07 – Streikverbot für Blutspendedienste
Gestern haben die Arbeitsgerichte in Münster und Düsseldorf den Streik der Beschäftigten des Blutspendedienstes West des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) untersagt. Mit einer einstweiligen Verfügung wurde der Streik verboten. Seit dem 4. Januar streiken 250 DRK-Beschäftigte für die Übernahme des Tarifvertrages des öffentlichen Dienstes. Laut Gericht gilt das Streikverbot in Münster für 8 und in Düsseldorf für 14 Tage. Zur Begründung hieß es, der Vorrat an Blutkonserven müsste wieder aufgefüllt werden. Vertreter von Verdi erklärten dazu, eine Notfallbesetzung wäre immer gegeben gewesen.
(rf-news)


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 11. Januar 2007, 14:40:46
Am 21. Dezember traten die Assistenzärzte der staatlichen Krankenhäuser Simbabwes in einen unbefristeten Streik. Sie verlangen angesichts der galoppierenden Inflation höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere medizinische Ausrüstung der Krankenhäuser. Ihnen schlossen sich auch die höher bezahlten älteren Ärzte in der Hauptstadt Harare und in der zweitgrößten Stadt Bulawayo an.


Titel: Konflikte und Arbeitskämpfe
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 11. Januar 2007, 14:49:55
Dann stellt sich die Frage:

Wer hat das Recht auf Generalstreik in der BRD abgeschafft und warum und was passiert, wenn dennoch die AN den Generalstreik gesetzwidrig praktizieren?

Er ist wirksamer als 100 Montagsdemos und trifft diese verwahrloste, ausbeuterische Gesellschaftsordnung ins Mark.


Titel: Konflikte und Arbeitskämpfe
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 11. Januar 2007, 15:06:04
Zitat
Original von joachimkuehnel
Dann stellt sich die Frage:

Wer hat das Recht auf Generalstreik in der BRD abgeschafft und warum und was passiert, wenn dennoch die AN den Generalstreik gesetzwidrig praktizieren?

Bundeswehreinsatz?


Zitat
Original von joachimkuehnel
Er ist wirksamer als 100 Montagsdemos und trifft diese verwahrloste, ausbeuterische Gesellschaftsordnung ins Mark.

Absolut richtig!
Man kann das nicht oft genug wiederholen!


Titel: Konflikte und Arbeitskämpfe
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 12. Januar 2007, 00:51:41
Oh, Oh, Oh, Bundeswehreinsatz gegen den größten Teil des Volkes, dem Souverän einsetzen, für den angeblich die Bundestagsabgeordnetenparasiten Politik machen (siehe Fassadenspruch am Deutschen Reichtstag - "Dem Deutschen Volke";), damit von ihm Schaden abgewendet wird und der soziale Wohlstand ausbricht?

So sieht Schäubles Terroristenbekämpfungsgedanken in Wahrheit aus. Der ganze Parlamentarier-, Regierungs-, Beamten- und Unternehmehmerklüngel hat Schiß vorm eigenen Volk, welches ihnen sofort ihre Privilegien streichen und sie auf den Müll der Geschichte abservieren könnte, wenn es ihm klar würde, wer seine regierenden Peiniger sind?

Dann sollten sich diese Schmarotzer schleunigst ein neues Volk suchen.

Hatten wir schon mal mit dem hohenzollerischen Kartätschenprinzen - Wilhelm I., ging als Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen. Dieser Befürworter einer konservativ-preußischen Politik erhielt wegen seiner Rolle bei der Niederschlagung der Revolution von 1848 den Beinamen Kartätschenprinz. Er leitete die Niederwerfung des pfälzischen und badischen Aufstandes.

Also bereitet Schäuble die Beseitigung der bürgerlichen Demokratie vor, sofern es sie den je in der BRD gegeben hat und organisiert die offene, staatliche Willkür und Terror des reaktionären, parasitären, gesellschaftspolitisch faulenden Kapitals. Er ist ein Feind der Demokratie, ein Volksfeind, so wie es bürgerliche Parteien insgesamt alle sind.

-----------------------------------------------------------------

(http://www.info-westpfalz.de/Aktuell/Geschichten/Revolution1948-49/revolution3.jpg)

(http://members.ping.at/aldania/1848-1.gif)

Flugblatt von 1848.

Burschenschaftliche Forderungen. Besonders beachtenswert der Ruf nach einem demokratischen, vom Volk gewählten Parlament!

Der patriotische Dichter Ferdinand Freiligrath, ein Kämpfer für die deutsche Einheit und Verfechter von demokratisch-nationalen Idealen, dichtet:

Schwarz-Rot-Gold

In Kümmernis und Dunkelheit,
Da mußten wir sie bergen!
Nun haben wir sie doch befreit,
Befreit aus ihren Särgen!
Ha, wie das blitzt und rauscht und rollt!
Hurra, du Schwarz, du Rot, du Gold!
Pulver ist schwarz,
Blut ist rot,
Golden flackert die Flamme!

http://www.luise-berlin.de/Bms/bmstxt00/0008prog.htm

Auszug: Kurt Wernicke, Furcht vor dem Fraternisieren - Vorm Verbrüdern

Eine »inständige« Bitte zum entschiedenen Durchgreifen im März 1848

... Das Bundesland Brandenburg beging bekanntlich den 150. Jahrestag der Revolution 1848/49 - ähnlich Baden-Württemberg - mit einer offiziellen Ausstellung und einer amtlich gesponserten Quellenpublikation1) wesentlich engagierter als Berlin.

Dabei wurde in der durch das Land wandernden Ausstellung, die das Brandenburgische Landeshauptarchiv in Potsdam reichlich mit Dokumenten aus seinen Beständen bestückt hatte, erstmals auch ein Handschreiben des Prinzen Wilhelm vorgestellt, dessen Wortlaut schon 1937 der Öffentlichkeit in einer wissenschaftlichen Zeitschrift zugänglich gemacht2) und in der oben erwähnten Quellenpublikation von 1998 erneut abgedruckt worden war. Es war 1946 mit einem sogenannten Bodenreform-Bestand (Akten aus den Gutsarchiven, die auf den im Zuge der Bodenreform 1945/46 expropriierten und aufgeteilten Gütern beschlagnahmt und dem Landesarchiv zugeführt wurden) in das Potsdamer Archiv gelangt. Dieses prinzliche Schreiben lässt dann doch ein bestimmtes Licht in die umstrittene Rolle des Prinzen innerhalb der in den Berliner Märztagen vorhanden gewesenen lokalen militärischen Befehlsstruktur fallen; es ist ohne Zweifel von der Hand des Prinzen von Preußen und trägt auch seine eigenhändige Unterschrift. Hier sein Wortlaut:

B.(erlin) 12. 3. 48
Ich höre soeben, daß, im Falle eines Auflaufs auf dem Schloß Platz, nur ein Bataillon zur Säuberung desselben bestimmt ist. Ein Bataillon kann unmöglich dazu hinreichen, denn die Truppe wird doch erst einschreiten wenn die Masse bedeutend geworden ist. Wenn dann 1 Bat. nicht hinreichend ist, muß es -2 1/2 Stunden stehen, ehe ein 2.-3. kommt.

Ich ersuche allerinständigst, wenn es zum Ausrücken kommt, lassen Sie mindestens 3 Bat(aillon)s zur Säuberung des Platzes kommen, von denen doch noch Manches zur Besetzung der Portale abgeht. Die Masse muß sehen, daß sie garnichts ausrichten kann gegen das Militär; muß dies lange zögern, wegen Schwäche, so geht das Fraternisieren los. Meiner Ansicht nach dürfen vom Erscheinen der Truppe bis zum erfolgten 3maligen Aufruf zum Auseinandergehen höchstens 5-6 Minuten vergehen und nach vollbrachtem Werk sich möglichst Alles zurückziehen in die Schloßhöfe.
Ich bitte inständigst, so zu verfahren, damit Alles im ersten Anlauf aus ist; dazu gehören aber Kräfte.
Prinz (v.) Pr.

3) Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam (BLHA), Rep. 37, Berlitt-Kötzlin Nr. 977, fol. 1 u. 2.


Titel: Konflikte und Arbeitskämpfe
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 12. Januar 2007, 13:18:22
Zurück zu heutigen Konflikten:

Zitat
50 Kündigungen bei der Asklepios Service

Verdi: Betriebsrat sollte verhindert werden


Vom 11.01.2007
 
red. 50 Kündigungen auf einen Streich - Die im Biebricher Parkfeld ansässige Asklepios Service GmbH Wiesbaden steht nach Angaben der Gewerkschaft Verdi "ab sofort ohne Mitarbeiter" da. Mit Stichtag 28. Februar sei am Montag allen Beschäftigten eine außerordentliche Kündigung ausgehändigt worden.

Laut Verdi hatte der Konzernbetriebsrat Asklepios einen Wahlvorstand für die Wiesbadener Niederlassung installiert, um auch dort einen Betriebsrat wählen zu können. Nachdem der Wahlvorstand die Mitarbeiter darüber informiert hatte, dass Ende Februar eine Betriebsratswahl stattfinden werde und sie sich nun als Kandidaten bewerben sollten, wurde laut Verdi am Montag seitens der Arbeitgeberseite eine Mitarbeiterversammlung einberufen. Die Mitglieder des Wahlvorstandes seien darüber jedoch nicht informiert worden. Auf der besagten Mitarbeiterversammlung habe Geschäftsführer Martin Merbitz darüber informiert, dass bereits seit 2005 geplant sei Veränderungen im Unternehmen vorzunehmen. Nun gäbe es eine Möglichkeit und der Betrieb würde zum 28. Februar eingestellt.

Anschließend wurde laut Verdi jeder Mitarbeiter einzeln in das Büro des Arbeitgebers gebeten und erhielt dort seine außerordentliche Kündigung ausgehändigt. Der Erhalt musste durch Unterschrift bestätigt werden, sagt die Gewerkschaft. Einige Beschäftigte hätten berichtet, dass sie im Anschluss einen neuen Arbeitsvertrag hätten unterschreiben können. Der Inhalt des Vertrages sei jedoch nicht bekannt, da dieser noch nicht ausgehändigt wurde, "trotz bereits geleisteter Unterschrift des Einzelnen", wie Verdi betont. Den im Wahlvorstand aktiven Kollegen seien ebenfalls die Kündigungen zugestellt worden, heißt es abschließend seitens der Gewerkschaft.

Wiesbadener Tageblatt


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 12. Januar 2007, 19:18:02
12.01.07 - Krankenschwestern in Simbabwe schließen sich dem Ärztestreik an
Im südafrikanischen Simbabwe haben sich die Krankenschwestern der staatlichen Krankenhäuser dem seit drei Wochen andauernden Ärztestreik angeschlossen. Die Hauptforderung sind Lohnerhöhungen, die angesichts einer Inflationsrate auf Jahresbasis von 1.200% im Dezember bitter nötig sind. Simbabwe ist das Land mit der höchsten Inflationsrate auf der Welt und wird durch seinen diktatorischen Präsidenten in Grund und Boden gewirtschaftet.


Titel: Konflikte und Arbeitskämpfe
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 13. Januar 2007, 02:14:22
Die Lidl-Antigewerkschaftsseuche breitet sich erfolgreich aus und entmündigt Belegschaften. Diese Untenehmen erklären sich damit feierlich zu Sklavenhalterbuden der schlimmsten Sorte. Das haben wir der asozialen, schwarzen CDU-Truppe zu verdanken, daß sich unternehmerische Verantwortungslosigkeit und Mitarbeiterfeindlichkeit breit macht. Die Beschäftigten werden jetzt in aller Öffentlichkeit zur Handelsware degradiert, von der man sich bei Überschreiten eines sozialen Verfallsdatum ungestraft trennen kann. Und da verlangen Unternehmerschurken noch Firmenloyalität? Sie können bestenfalls nur Dienst nach Vorschrift verlangen, alles in Grenzen des Arbeitsvertrags und kein Zentimeter mehr. Pünktlich zum vertraglichem Arbeitsschluß müssen Skalpell, Tupfer und Zange aus den Händen fallen.

Ich wette, Kündigungsschutzklagen hätten in jedem Fall Erfolg, denn Betriebsratswahlen sind keine außerordentlichen Entlassungsgründe. Nur wer will freiwillig in so einer Sklavenhalterbude noch arbeiten?

Solche Firmen sollte man in aller Öffentlichkeit auf schwarze Listen setzen, damit nie wieder dort ein Bewerber sich meldet. Diese Firma sollte am besten und mit größtmöglichem Tempo in den Bankrott gejagd werden.

siehe auch http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/objekt.php3?artikel_id=2670599 (http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/objekt.php3?artikel_id=2670599)

ManOfConstantSorrow Verweis auf das Wiesbadener Tageblatt ist falsch. MainRheiner.de wär's gewesen http://www.main-rheiner.de/region/objekt.php3?artikel_id=2668753


Titel: Konflikte und Arbeitskämpfe
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 13. Januar 2007, 15:31:08
JK,
hab´s hier gefunden:

http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/objekt.php3?artikel_id=2668753


Titel: Konflikte und Arbeitskämpfe
Beitrag von: uwenutz am 13. Januar 2007, 20:13:39
So schlimm es erst einmal für die Betroffenen ist, es ist weniger die erkennbare Entmündigung von Belegschaftsangehörigen, die einem Kopfzerbrechen machen wird als vielmehr die Gefahr welche aus der eventuellen Legalität ausgesprochener außerordentlichen Kündigungen erwachsen könnte, hieße es doch letztendlich, jeglicher Arbeitsvertrag wäre jederzeit einseitig aufkündbar, ergo wertlos, Makulatur.
Sollte niemand dies ernsthaft in Frage stellen, ist die Lunte gelegt und entzündet.

Vertragliches Verändern ist dann gleich einer Veränderungskündigung gepaart als außerordentliche Kündigung der Todesstoss rechtstaatlicher Auseinandersetzungen vertraglichen Nehmens und Gebens und als solches der auf privatwirtschaftlicher Basis erweiterter Kontrahierungskonterfei zur Nutzung geheuchelter Willenserklärungen ähnlich einer im Voraus festzulegender Abfindungsklausel im AV, da  ein „Waffengleichstand“ im Voraus nicht bestand und in Zukunft weniger denn je bestehen wird.

Angebot und Nachfrage schreiben ergo weitere MTV, Tarifautonomien werden zur Farce ähnlich der im GG festgehaltenen freien Berufswahl vs. der im Agendawahn festgelegten „freien“ Entscheidungsfindung MAE ja oder Hungern.


Titel: Konflikte und Arbeitskämpfe
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 14. Januar 2007, 03:25:35
Labournet: VI.Internationales / USA / Arbeits- und Lebensbedingungen

Bei Versuchen, betriebliche Gewerkschaftsorganisationen zu gründen, wird jede/r Fünfte entlassen...

...und die USA sind eine bürgerliche Demokratie und die kapitalistische Globalisierung samt Abwärtsschraube passiert einfach so... Wie dem nachgeholfen wird, ist in dem (englischen) Papier "Dropping the Ax: Illegal Firings During Union Election Campaigns" von John Schmitt und Ben Zipperer nachzulesen, das am 4. Januar 2007 beim Center for Economic and Policy Research veröffentlicht wurde:

http://tinyurl.com/y8my2z


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 21. Januar 2007, 11:40:57
20.01.07  
Am Donnerstag traten die Ärzte, Psychologen verschiedener Krankenhäuser in Norwegen in den Streik. Es geht um höhere Gehälter, wobei das Angebot die verschiedenen Berufsgruppen unterschiedlich behandelte. Deswegen hat die Gewerkschaft für Akademiker im Gesundheitswesen die Ausweitung des Streiks angekündigt.


Titel: Konflikte und Arbeitskämpfe
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 21. Januar 2007, 11:44:19
Zitat
Original von ManOfConstantSorrow

10.01.07 – Streikverbot für Blutspendedienste
Gestern haben die Arbeitsgerichte in Münster und Düsseldorf den Streik der Beschäftigten des Blutspendedienstes West des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) untersagt. Mit einer einstweiligen Verfügung wurde der Streik verboten. Seit dem 4. Januar streiken 250 DRK-Beschäftigte für die Übernahme des Tarifvertrages des öffentlichen Dienstes. Laut Gericht gilt das Streikverbot in Münster für 8 und in Düsseldorf für 14 Tage. Zur Begründung hieß es, der Vorrat an Blutkonserven müsste wieder aufgefüllt werden. Vertreter von Verdi erklärten dazu, eine Notfallbesetzung wäre immer gegeben gewesen.
(rf-news)



17.01.07 – Streik beim Blutspendedienst wird fortgesetzt
Gestern gab das Landesarbeitsgericht (LAG) in Hamm der Gewerkschaft Verdi teilweise recht. Das LAG erlaubte den Streik beim Blutspendedienst West (BSD) unter der Voraussetzung, dass die notfallmedizinische Versorgung sicherzustellen ist. Gestern schon hatten 100 Gewerkschafter in Hagen den Streik wieder aufgenommen.


Titel: Helios-Kliniken zahlen bis zu 18 Prozent mehr Lohn
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 22. Januar 2007, 19:25:58
„Für die meisten Beschäftigten der Helios-Klinken gibt es ab sofort mehr Geld. Der Krankenhausbetreiber, der an zwei Berliner Standorten knapp 3000 Leute beschäftigt, einigte sich jetzt erstmals mit der Gewerkschaft Verdi auf einen bundesweit gültigen Tarifvertrag. Danach bekommen Ärzte bis zu 18 Prozent mehr Lohn, bei den übrigen Beschäftigten steigen die Bezüge schrittweise um bis zu 450 Euro…“

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/archiv/18.01.2007/3027245.asp


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 05. März 2007, 14:08:46
Das Arbeitsgericht Hannover hat am 9.Februar drei Mitglieder des Betriebsrates der Firma Klinikum Wahrendorff GmbH aus der Arbeitnehmervertretung ausgeschlossen. Zu dem Gerichtstermin erschienen neben den ca. 25 ProzessbeobachterInnen etwa 50 Führungskräfte und Angestellte der Firma Wahrendorff GmbH, die wohl größtenteils eigens von der Arbeit befreit wurden und von firmeneigenen Bussen als „Stimmungsmacher“ herangekarrt wurden. Die Firma verdient ihr Geld mit der Betreuung und Behandlung von psychisch erkrankten Menschen. Mit 222 vollstationären und 55 teilstationären Planbetten sowie 680 Wohnplätzen zählt sie zu den größten privaten psychiatrischen Kliniken in Europa.

http://www.fau.org/ortsgruppen/hannover/gs/privatisierung/art_070212-180855
http://www.fau.org/ortsgruppen/hannover/gs/privatisierung/art_070212-180604


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 16. März 2007, 19:41:45
Ein dreitägiger Streik wurde ab Mittwoch, den 14. März von den Gewerkschaften an Schulen und gesundheitszentren ausgerufen - und offensichtlich auch weitgehend befolgt, denn Unterricht fand keiner statt und die Zentren funktionierten nur für Notfälle. An den - wenigen - Schulen im Niger arbeiten 24.000 LehrerInnen auf Vertragsbasis und nur 4.000 sind fest angestellt - um die Einkommensverbesserungen für erstere geht es bei der Auseinandersetzung, sie verdienen 80 Dollar im Monat an den Grundschulen und 120 an höheren Schulen. An den Gesundheitszentren geht es für 6.000 Krankenschwestern und mehrere Tausend Laborkräfte neben Lohnerhöhungen vor allem um die Verbesserung von Arbeitsbedingungen.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 16. März 2007, 20:01:21
Zitat
15.03.06: Heute erhielt der Duisburger Klinikchef Reinhard Isenberg durch das Landesarbeitsgericht Düsseldorf erneut per Urteil bestätigt, dass die Kollegin und aktive Gewerkschafterin Ute Kellert sofort wieder an ihren Arbeitsplatz zurück kann. Trotz der Entscheidung des Duisburger Arbeitsgerichts auf Weiterbeschäftigung hatte der Geschäftsführer der Kollegin weiter Hausverbot erteilt und dafür bereits über 1.000 Euro Zwangsgelder zahlen müssen - neben den mehr als 300.000 Euro Kosten aller Prozesse, die im Lauf des vergangenen Jahres aus der Klinikkasse geplündert wurden. Viele erinnern sich, dass vor genau einem Jahr sechs Vertrauensleuten des Klinikums gekündigt wurde, weil sie gegen den angedrohten Rausschmiss der Azubis mit etwa 300 Gewerkschaftern protestiert hatten. Fünf Kolleginnen und Kollegen arbeiten seit Herbst 2006 bereits wieder.

Zitat
16.03.07

Liebe Freundinnen, liebe Freunde!

Ute Kellert erreichen zur Zeit ganz viele Mails und Telefonate, in denen ihr zu ihrem Sieg vor dem Landesarbeitsgericht gratuliert wird. Sie bedankt sich ganz herzlich, hat aber keine Zeit, die Mails alle zu beantworten. Sie hat heute morgen ihre Arbeitskraft im Klinikum angeboten, was jedoch abgelehnt wurde. Vielmehr wurde das Hausverbot aufrechterhalten. Nachdem der Gerichtsvollzieher 13.500 Euro Zwangsgeld von Isenberg eintreiben wollte und wohl auch eingetrieben hat, kam heute nachmittag die Retourkutsche: Ute Kellert wurde erneut gekündigt!

Bereits gestern wurde einer weiteren Kollegin, Monique Djata, eine Abmahnung ausgesprochen, weil sie auf einer Betriebsversammlung für Ute Kellert das Wort ergriffen hat.

rf-news


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: classwar am 23. März 2007, 18:44:32
Rund 20 GewerkschafterInnen der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, des DGB-Ortskartells Lehrte und der Freien ArbeiterInnen Union Hannover (FAU) protestierten am 14.März mit einer Aktion in Hannovers Innenstadt gegen die Praktiken der Geschäftsleitung der Klinikum Wahrendorff GmbH.

Das Klinikum in Sehnde-Ilten (bei Hannover) ist mit 785 Beschäftigten, 222 vollstationären und 55 teilstationären Planbetten sowie 680 Wohnplätzen eine der größten privaten psychiatrischen Kliniken Europas.

Seit Jahren versucht die Geschäftsleitung, die Rechte der Beschäftigten zu beschneiden, geht gegen gewerkschaftliche Organierungsversuche und kämpferische Betriebsräte vor.

Seit 1994 werden Betriebsräte immer wieder mit Abmahnungen und Kündigungen überzogen. Zehn außerordentlichen Kündigungsverfahren laufen derzeit gegen Angehörige der ver.di-Liste des vor gut einem Jahr gewählten Betriebsrats. Hinzu kommen drei Ausschlussverfahren. Eine gewerkschaftliche Organisierung der Belegschaft ist nicht erwünscht.

Alle halbherzigen Versuche von hauptamtlichen ver.di-FunktionärInnen verlaufen schnell wieder im Sande. Auch wenn es immer wieder Ansätze zur Aktivierung der vielen ver.di-Mitglieder seitens der kleinen Betriebsgruppe gibt, ist daraus bisher kaum etwas erwachsen. Das Klima ist von Angst geprägt. Die Unzufriedenheit ist groß, doch trauen sich viele Beschäftigte nicht, gegen die Zustände anzugehen. Die meisten setzen auf die Arbeit des Betriebsrats und delegieren damit ihre eigene Verantwortung weg.

Die Protestaktion fand anlässlich der 3. Jahreshauptversammlung vor dem Karstens Hotel Luisenhof in Hannover statt. Dabei forderten die GewerkschafterInnen die Klinikleitung auf, ihre Angriffe gegen die kämpferische Gewerkschaftsliste des Betriebsrats unverzüglich einzustellen und die Wahrnehmung gewerkschaftlicher Rechte durch die Beschäftigten zu akzeptieren. Zudem solle sie endlich eine fundierte Stellungnahme zur Ausarbeitung des Betriebsrats, "Betrachtung der aktuellen wirtschaftlichen Situation der Klinikum Wahrendorff GmbH Stichttag 2006", abgeben, die seit mehr als acht Monaten fällig ist. Bisher hat es die Geschäftsleitung sogar versäumt, eine Bilanz für 2005 vorzulegen.

Zu der Jahreshauptversammlung war neben Klinikumsmitarbeitern als Gastredner der FDP-Landesvorsitzende und Vorsitzende der FDP-Fraktion im Nds. Landtag, Dr. Phillip Rössler, geladen. Rund 75 Gäste, darunter Stationsleitungen und Heimleitungen sowie leitende Ärzte, nahmen daran teil.

Nandor Pouget


Gewerkschaft Gesundheitsberufe (GGB)
c/o Freie Arbeiter- und Arbeiterinnen Union (FAU-IAA)
-Anarchosyndikalistische Gewerkschaft-
Lokalföderation Hannover
Kornstr. 28-30
30167 Hannover

E-mail: ggb-hannover(a)fau.org

http://www.fau.org/ortsgruppen/hannover/


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: abgehängtesPrekariat am 24. März 2007, 09:03:10
Ja, es ist nicht mehr zu ertragen, wie in privatisierten Kliniken und Pflegeeinrichtungen mit den Mitarbeitern umgesprungen wird!!!

Das Klima ist in der Tat von Angst geprägt.

Die persönliche Schmerz- und Belastungsgrenze der Mitarbeiter ist weit überzogen.

Ein Gehalt von 1100,- Euro brutto für eine examinierte Pflegekraft an der Tagesordnung.

Noch schlimmer dürften die Zustände in der häuslichen Krankenpflege sein. Dort werden die examinierten Kräfte zunehmend durch Hilfskräfte ersetzt, die willkürlich aus Hartz 4 rekrutiert werden und mit einer lächerlichen 200 Stunden Qualifizierung an den Start gehen.
Dies auch noch unter Bedingungen, bei dem jedem normalen Menschen die Lust an der Arbeit vergeht.

Hier tut Aufklärung dringend Not!!

Die Ghettoisierung der Alten, Kranken, und sonstiger Randgruppen ist nicht mehr zu übersehen.

Leider gibt es auch bei Chefduzen Mitglieder, die glauben, die Mißstände im Gesundheitssystem noch an den Ärzten und Pflegekräfte auslassen zu können, ohne mal die Ursachen zu betrachten.

Ob hier aber Vertreter der FDP unbedingt hilfreich sind mag ich doch sehr zu bezweifeln!!


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: Hartzhetzer am 24. März 2007, 10:55:52
Hallo @abgehängtesPrekariat das soll jetzt kein Hinterhältiger, Feiger Angriff sein. Ich möchte das Kriegsbeil vergraben und mit dir vernünftig diskutieren.

Zitat
Ja, es ist nicht mehr zu ertragen, wie in privatisierten Kliniken und Pflegeeinrichtungen mit den Mitarbeitern umgesprungen wird!!!

Das Klima ist in der Tat von Angst geprägt.

Die persönliche Schmerz- und Belastungsgrenze der Mitarbeiter ist weit überzogen.

Ein Gehalt von 1100,- Euro brutto für eine examinierte Pflegekraft an der Tagesordnung.

Noch schlimmer dürften die Zustände in der häuslichen Krankenpflege sein. Dort werden die examinierten Kräfte zunehmend durch Hilfskräfte ersetzt, die willkürlich aus Hartz 4 rekrutiert werden und mit einer lächerlichen 200 Stunden Qualifizierung an den Start gehen.
Dies auch noch unter Bedingungen, bei dem jedem normalen Menschen die Lust an der Arbeit vergeht.

Hier tut Aufklärung dringend Not!!

Die Ghettoisierung der Alten, Kranken, und sonstiger Randgruppen ist nicht mehr zu übersehen.

Da gebe ich dir recht, ich habe selber ein halbes Jahr als Pflegehelfer in der Altenpflege gearbeitet. Wenn jemand der Kollegen krank wurde mussten wir den Frühdienst einfach zu dritt erledigen. Was bedeutete das man innerhalb von 2 ein halb Stunden ca 15 zum Teil schwerst Pflegebedürftige Heimbewohner waschen, anziehen und für das Frühstück vorbereiten musste.
Und auch viele Ärzte müssen Teilweise Dienste über 24 Stunden schieben:

Zitat
Ein stinknormaler 28-Stunden-Tag
Bereitschaftsdienst von Ärzten gilt ab sofort als Arbeitszeit. Doch auch nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes müssen die Ärzte Überstunden machen. Vor allem viele junge Mediziner sind auf ein paar Euro extra im Monat angewiesen. Mit dem täglichen Stress müssen sie leben.

München - Mittwoch. 9 Uhr. Nach 27 Stunden, 16 hektisch gepafften Zigaretten, nach zwei Herzinfarkten, 20 Minuten Schlaf, zwei Klammerpflastern, einer Miesmuschel-Vergiftung, 31 Metern Mullbinde und einem Schlaganfall ist es vorbei. Christine Kovats wippt auf dem abgewetzten, blauen Schreibtischstuhl hin und her, als könnte das kaum hörbare Knarzen der Lehne den Schlaf noch für einen Augenblick vertreiben. Alltag in der Notaufnahme des Krankenhauses Harlaching. Noch eine Zigarette. Dann die Übergabe an den Frühdienst. Wenn nichts dazwischen kommt, kann sie in ein paar Minuten gehen. Ein letztes Mal konzentrieren.

[url]http://www.a-b-p.de/xist4c/web/Ein-stinknormaler-28-Stunden-Tag_id_2294_.htm;jsessionid=BABF293F3057C088EFAE1FA3F624CCF7[/url]

Aber eine Sache sehe ich dann doch anders:

Zitat
Leider gibt es auch bei Chefduzen Mitglieder, die glauben, die Mißstände im Gesundheitssystem noch an den Ärzten und Pflegekräfte auslassen zu können, ohne mal die Ursachen zu betrachten.

Haben die Opfer der Ursachen kein Recht sich zur wehr zu setzen? 8o

Gegen wenn sollen sie den vorgehen, wenn nicht gegen ihre behandelnden Ärzte? Sollen sie aus Rücksichtnahme einfach alles mit sich geschehen lassen?

Mal ein Beispiel was ich frei erfinde @abgehängtesPrekariat:

Deine Oma ist Bewohnerin eines Altenheims in dem ich als Pflegekraft arbeite. Du bist, wie ich aus deinen Worten schließe ja selbst in der Pflege tätig. Ich bin Früh morgens dabei deine Oma zu waschen und auf einmal klingelt es (Notklingel am Bett). Niemand außer mir befindet sich aus den oben erwähnten gründen (durch Einsparungen) in dem entsprechenden Wohnbereich. Ich weiß genau das der Heimbewohner der gerade klingelt unbedingt geduscht werden möchte, außerdem weiß ich, das wenn ich nicht reagiere er versucht allein in das Bad zu gelangen. Das wiederum würde einen Sturz zur Folge haben, da er nicht mehr in der Lage ist ohne Hilfe über längere Strecken zu gehen.
Also muss ich ganz schnell in sein Zimmer eilen um ihn zu beruhigen. Deine Oma setze ich auf den Toilettenstuhl an das Waschbecken und sage ihr das ich in 5 Minuten wieder da bin und sie die Zeit für die Morgentoilette nutzen soll. Ich erinnere sie auch nochmal schön sitzen zu bleiben damit sie nicht stürzt.
Ich gehe daraufhin sofort zu dem Heimbewohner der geklingelt hat. Während ich weg bin versucht deine Oma an ihre Zahnbürste zu gelangen, weil sie sich halt die Zähne putzen will. Dazu muss sie aber aufstehen, obwohl sie das ohne Hilfe nicht mehr kann. Das tut sie dann auch und stürzt dabei. Die Folge davon ist eine Querschnittslähmung bei deiner Oma.

Würdest du nun sagen, der Mann hat halt Stress gehabt, es war ein blöder Zufall wofür er nichts konnte. Meine Oma tut mir zwar leid, aber der Pfleger kann ja nun wirklich nichts dafür. Schließlich arbeite ich selbst im Gesundheitswesen und weiß ja wie hart es dort ist.

Oder würdest du mich in dem Moment versuchen für den Sturz deiner Oma zur Verantwortung zu ziehen?

Und bitte beurteile jetzt nicht Begriffe wie "ich" oder "meine Oma" sondern nur die fiktive Situation als solches.


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: abgehängtesPrekariat am 24. März 2007, 11:30:58
Nun gut, da Du das Kriegsbeil begraben willst, antworte ich Dir gerne.

Nur am Rande, die Folge von solchen Stürzen ist viel öfter ein "Schenkelhalsbruch", wovon sich viele betagte Leute nie mehr erholen.

Weiterhin kann ich Dir versichern, daß gerade das Thema Sturzprophylaxe sehr beachtet wird.

Ansonsten würde ich in der konkreten Situation mit Sicherheit das Gespräch zu den Pflegekräften suchen.

Aber warum sollte ich hier weiter gegen das Pflegepersonal vorgehen?

Weil sich die Pflegekraft nicht entscheiden konnte, ob sie lieber den Patient A oder den Patient B auf die Fresse fliegen läßt?

Wo ist hier ein Versagen der Pflegekraft?


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: Hartzhetzer am 24. März 2007, 14:47:09
OK, das Beispiel war nicht ganz so einleuchtend, für das auf was ich eigentlich hinaus wollte. Die besten Beispiele schreibt halt das wirkliche Leben. Daher habe ich mich einmal im Web umgeschaut und eine Interessante Webseite (http://www.aerztepfusch-linkliste.de/) gefunden. Einen speziellen Fall werde ich als Zitat hier einfügen:

Zitat
Irrfahrt, kein KKH hilft, Tochter tot!
Einstelldatum: 06.03.2007
Alle Unterlagen sind verschwunden, nichts ist mehr aufzufinden! Warum wohl?

Es wurden, nach unserem Wissensstand, fünf ! - 5 -Kliniken angefahren! Niemand fühlte sich verantwortlich, überall wurde unsere schwerkranke Tochter, der Rettungswagen abgewiesen!

Warum?!

Es ist der 27. Mai xxxx Unsere 13-jährige Tochter J. sieht blass aus, fühlt sich nicht gut - sowie der Beginn einer Erkältung.
Wir beschließen, da das Wochenende vor der Tür steht, gleich am nächsten Morgen zur Hausärztin zu gehen.
In zwei benachbarten Orten sind Fälle von bakterieller Meningitis aufgetreten, die aber rechtzeitig erkannt und behandelt wurden, dies wussten wir und wollten daher sicher gehen. Die Ärztin welche meine Tochter untersuchte verordnete 2 Tage schulfrei und pflanzliche Grippemittel.
Die Medizin aus der Apotheke geholt, eingenommen, wir hoffen das es ihr bald besser geht. Allerdings mag sie nichts essen, trinkt nur Tee und legt sich hin. Morgen wird es schon besser werden, so unsere Hoffnung.
Etwa gegen 20.30 Uhr hören wir Geräusche im Kinderzimmer. Unsere Tochter ist aus dem Bett gefallen und reagiert nicht mehr, liegt regungslos am Boden.
In Panik und ohne einen klaren Gedanken verfassen zu können rufen wir den Notarzt, die Bereitschaft und die Kinderärztin.
Nach 21.00 Uhr trifft der Notarzt ein - die Krankenpfleger machen sich lustig -"Die Kleine ist bestimmt zugekifft"!
Einer von uns Eltern will mitfahren, wird allerdings aus unbegreiflichen Gründen abgewiesen. Wir sollen so in einer Stunde anrufen! In Panik packen wir Sachen zusammen und telefonieren in stündlichen Abschnitten, immer wieder mit anderen - völlig entgegengesetzten Kliniken - ohne Erfolg.
Es wurden, nach unserem Wissensstand, fünf ! - 5 -Kliniken angefahren!
Niemand fühlte sich verantwortlich, überall wurde unsere schwerkranke Tochter, der Rettungswagen abgewiesen!
Erst am Morgen des 28. 05. xxxx wird unsere Tochter vom Kinderkrankenhaus, in dem sie gegen 2.30 Uhr angekommen sein muss, auf die Intensivstation verlegt.

(früh gegen 9.30 Uhr!)

Am gleichen Tag, bereits um 8.00 Uhr steht das Gesundheitsamt vor der Tür, "Verdacht bestätigt - Meningitis B - alle Kontaktpersonen zum Arzt!" Wir waren geschockt! Erst gestern hatte doch die Hausärztin nichts festgestellt - oder - wurde hier schlampig diagnostiziert?
Im Krankenhaus angekommen teilt man uns mit was mit unserer Tochter geschehen ist:
"Auf der Fahrt hatte Ihre Tochter schon einen Herzstillstand - der Gesundheitszustand ist sehr schlecht - das Gehirn ist völlig zugeschwollen"! Warum? Warum unsere Tochter? Warum dies alles, wir waren doch sofort zur Hausärztin?!
Für eine Woche war nun die Intensivstation unser Zuhause - Danke allen die uns das ermöglicht haben, nicht geholfen haben oder helfen konnten! Es fällt mir unendlich schwer diese Zeilen überhaupt zu schreiben, bin es aber meiner Tochter schuldig.
Am 04. 06. ist unsere Tochter dann verstorben.
"Warum sind wir nicht selbst ins nächste Krankenhaus gefahren!? Dies sind die quälenden Fragen die uns bis heute begleiten.
Sie hätte durch die lebensnotwendige Erstversorgung gute Heilungserfolge gehabt! So sagten uns zumindest Menschen die etwas von der Krankheit verstehen.
Ein Jahr lang haben wir alles mögliche versucht, die Landesärztekammer angeschrieben,
bis heute keine Antwort!
Ständiger Briefwechsel - zuletzt mit dem Justizminister - immer die Antwort:

Bitte um Geduld!!!

Dann waren wir es leid und suchten einen Rechtsanwalt auf und stellten Strafantrag.
Was mussten wir nun erfahren?
Alle Unterlagen sind verschwunden, nichts ist mehr aufzufinden! Warum wohl??
Gibt es hier etwas zu verbergen?
Selbst der Tonbandmitschnitt der Rettungsleitstelle war, dann mal wieder nicht - verschwunden!
Was wird hier für ein Spiel auf dem Rücken unserer toten Tochter gespielt?
Wer führt hier Regie?
Wer hat Ähnliches erlebt? Wer kann mir helfen?
Mir geht es ganz sicher nicht um irgendwelches schei.... Geld, meine Tochter ist tot und ich will wissen warum sie sterben musste?!
Warum wurde sie nicht sofort in das nächste Krankenhaus gefahren? Warum diese Odyssee?
Warum?
Sollte sich ein seriöser Sender für diesen Fall interessieren, schreiben Sie bitte an die Betreiber des Privaten Netzwerk Medizingeschädigter, ich möchte diese Sauerei an die Öffentlichkeit bringen!

Eine trauernde und wütende Mutter



Was würdest du machen wenn es deine Tochter wäre?


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: abgehängtesPrekariat am 24. März 2007, 16:25:52
Jo, super gutes Beispiel!
Hatte schon öfter erwähnt, daß hier auf Bild-Zeitungs-Level diskutiert wird.

Da ich auch die Rettung aus dem FF kenne, behaupte ich hier mal ganz klar, daß sich die Ereignisse so nicht zugetragen haben können.

Es kann immer mal ein Versagen einzelner Mitarbeiter geben auch im medizinischen Bereich.

Aber solche Storys sind doch zumindest in dem geschilderten Verlauf frei erfunden!!

Ich kann Dir garantieren, daß bei dem so geschilderten Ereignis zahlreiche Köpfe zur Verantwortung gezogen worden wären!


Noch ein paar Anmerkungen zu den vielen eingespielten Zitate!

Es gehört nicht zu einer guten Diskussion irgendwelche Zitate aus dem Internet einzuspielen, dessen Wahrheitsgehalt nicht nachvollziehbar ist!!

Trifft zwar bisher noch nicht für dieses Thema zu aber es gehört ebenso wenig zu einer guten Diskussion, aus den Postings anderer Mitnutzer, ständig nur einzelne Sätze zu zitieren, umso bewußt den Gesamtkontext falsch darzustellen. Leider ist auch das von einzelnen Mitgliedern hier gängige Praxis.


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: Kuddel am 24. März 2007, 17:13:06
Menno abgehängtesPrekariat, was für ein Problem hast Du?

Du könntest sagen, Du hältst das Beispiel für unwahr und willst deshalb nicht antworten.

Aber ständig mit Deiner unglaublichen Fach- und Sachkompetenz zu posen und gleichzeitig jedem Gegenüber ein Bildzeitungsniveau zu attestieren ist ein schlechter Diskussionsstil, bzw. keiner.


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: abgehängtesPrekariat am 24. März 2007, 17:24:37
@Kuddel

jo, da gebe ich Dir voll und ganz recht!!

Die Frage, warum ich hier mir die Mühe mache irgendwelchen Schwachköppen zu antworten ist mehr als berechtigt!!


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: Kuddel am 24. März 2007, 18:29:07
Dann schenk Dir das doch in Zukunft, Du Intelligenzbestie.


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: Hartzhetzer am 24. März 2007, 19:01:52
He @abgehängtesPrekariat hättest du mal das unterstrichene Wort Webseite angeklickt wärst du an die Quelle meiner Angaben gelangt. Und dort hättest du die Frau direkt anschreiben und fragen können ob die Sache wahr ist.

Aber ich habe das für dich schon erledigt, der Text ist hier im Zitat zu lesen:

Zitat
Liebe Mike, der Tot deiner Tochter tut mir Wahnsinnig leid. Wenn du real bist bitte ich dich unter folgenden Link Dich zu dem Thema zu äußern.
[url]http://www.chefduzen.de/thread.php?postid=62071#post62071[/url]
Dort gibt es jemanden der Behauptet das was du geschrieben hast sei Bildzeitungsniveau und frei erfunden. Dieser jemand ist der Meinung das es keine Ärztefehler gibt und die betroffenen immer selbst daran Schuld sind.

Informationen aus den Hut zaubern ist bei so einem Thema wirklich nicht angebracht, das wäre billig von mir, so mal ich wirklich an einer ernsthaften Diskussion mit dir Interessiert bin.

Zitat
Original abgehängtesPrekariat
Die Frage, warum ich hier mir die Mühe mache irgendwelchen Schwachköppen zu antworten ist mehr als berechtigt!!

Bitte lass uns nicht auf dieser Basis reden, das bringt doch niemanden wirklich weiter. Wir haben es doch beide erlebt.


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: abgehängtesPrekariat am 24. März 2007, 19:59:36
@Hartzhetzer


Sorry, jetzt muß ich Dir doch mal sagen, welche kleine perverse Drecksau du doch bist. Paßt ja auch sehr gut zu Leuten, die zum Vergasen aufrufen!!!

Bevor ich Dir dieses erkläre, zunächst einmal ein paar Worte an Mike, sofern es diese geben sollte:

Liebe Maike

ich weiß nicht, was an dieser traurigen Geschichte wahr ist!?
Die Ereignisse können sich halt nicht in der geschilderten Art und Weise zugetragen haben. Sollte es ein Fehler eines einzelnen Beteiligten gegeben haben, so wäre es auch gut diesen zu finden und zu benennen.
Keinenfalls werde ich hier öffentlich mit Dir schreiben!!
Dies verbietet mir meine Professionalität.


So, und nun zu dir lieber Hartzhetzer

Falls Du richtig gelesen haben solltest, habe ich geschrieben, daß sich die Ereignisse nicht in der geschilderten Art und Weise zugetragen haben können.

Keinenfalls habe ich abgestritten, daß hier ein junger Mensch verstorben ist!!

Nun zu glauben, die Angehörigen in diese Diskussion, in der es Dir ja nur darum geht Dein krankhaftes Tun und Handeln zu verteitigen, einbeziehen zu können, spiegelt die Perversion Deiner Denkweise!!


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: Hartzhetzer am 24. März 2007, 20:41:12
Es geht doch nur um eines, dir zu Erklären das es wirklich Menschen gibt die Schaden durch ärztliches Versagen genommen haben.
Den Ärzte sind auch nur Menschen und können deshalb durchaus falsche Entscheidungen treffen wie zB. bei @Tupelo oder @Scallpel.

Zitat
Original abgehängtesPrekariat
Leider gibt es auch bei Chefduzen Mitglieder, die glauben, die Mißstände im Gesundheitssystem noch an den Ärzten und Pflegekräfte auslassen zu können, ohne mal die Ursachen zu betrachten.

Was glaubst du wird Maike dazu sagen?

Zitat
Original abgehängtesPrekariat
Ich kann Dir garantieren, daß bei dem so geschilderten Ereignis zahlreiche Köpfe zur Verantwortung gezogen worden wären!

Wie kannst du das garantieren? Wodurch? Was war zum Beispiel damals mit Contergan in der BRD? Die Herstellerfirma Chemie Grünenthal gibt es heute  noch und verkauft Thalidomid als Mittel gegen Lebra in der 3. Welt.
Ist das etwa zur Verantwortung ziehen?

Aber du kannst gerne hier (http://www.tierversuchsgegner.org/Contergan/contergan-folgen.html) nachlesen  wenn du mir nicht glaubst.

Zitat
Original abgehängtesPrekariat
Dies verbietet mir meine Professionalität.

Zitat
Original abgehängtesPrekariat
Sorry, jetzt muß ich Dir doch mal sagen, welche kleine perverse Drecksau du doch bist. Paßt ja auch sehr gut zu Leuten, die zum Vergasen aufrufen!!!
Wenn das professionell sein soll, naja,  ?(


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: nihil am 11. Mai 2007, 15:16:48
Hier die letzte News vom Konflikt in dem privaten Klinikum Wahrendorff:Beschäftigte erklagen Tarifgehalt und Rücknahme von Kündigungen

FAU News 03.05.07

    Geschäftsleitung des Klinikum Wahrendorff erlebt schwere Niederlage
    ... Zuerst wurde die Klage auf Entlohnung nach dem Tarifvertrag für private Krankenanstalten (PKA) für 6 Angestellte ... positiv entschieden. Einige der Klagen waren Musterklagen für weitere individualrechtliche Klagen. Insgesamt wird sich somit das Urteil auf etwa 30 Beschäftigte auswirken. Die Kläger hatten sich Ende 2004 geweigert, die Ihnen von der Geschäftsleitung aufgedrängten Hausverträge zu unterzeichnen. Damals wurde den Beschäftigten der privatpsychiatrischen Klinik mit Änderungskündigungen gedroht. Mehr als 90% der Beschäftigten ließen sich von der Geschäftsleitung überreden und unterzeichneten die Verträge, die für viele MitarbeiterInnen beispielsweise beinhalten, dass sie de facto künftig auf Lohnerhöhungen verzichten. Ein Haustarif kam damals mit keiner Gewerkschaft zustande. ... Im Wahlgang Ende 2005 entschieden sich dann bei der Betriebsratswahl etwa 70% der WählerInnen für eine kämpferische Gewerkschaftsliste. Die neu gewählte ver.di- Liste „Courage“ wurde von Beginn an mit Gerichtverfahren überschüttet. Nebenbei mussten die ver.di- BetriebsrätInnen mit 10 außerordentlichen Kündigungen und einem Ausschlussverfahren gegen drei ihrer Mitglieder leben. ... Am 3.Mai [wies] ... die 3.Kammer des Arbeitsgerichts Hannover ... auch das letzte Kündigungsbegehren gegen das Betriebsratsmitglied [Bernard Buschemöhle] als unbegründet zurück. Damit wären neun der zehn von der Geschäftsleitung angestrebten Zustimmungsersetzungen wie Seifenblasen zerplatzt.

Link der Fau: http://www.fau.org/ortsgruppen/hannover/art_070503-174309

Beste Grüße,

nihil


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: nihil am 13. Mai 2007, 20:16:16
Hi,

bei den Michels Kliniken bist Du schon mit 1100 € dabei. Führungskräfte (Leitenede Oberschwester) erhalten bis zu 1200 €. Dazu eine gratis mini Wohnung im Keller.

Beste Grüße,

nihil


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: nihil am 19. Mai 2007, 12:32:36
"Die Angst geht um im Klinikum Wahrendorff Privatisierungen im Gesundheitswesen: Neuer Eigentümer der Psychiatrischen Klinik bei Hannover spielt Wildwest

Von Mona Grosche
Einschüchterung, Bespitzelung, Angst – das ist kein Szenario aus einem Mafiafilm, sondern Alltag für rund 800 Beschäftigte im Klinikum Wahrendorff in Sehnde-Ilten bei Hannover.
1993 wurde die psychiatrische Privatklinik Wahrendorff – europaweit eine der größten mit knapp 300 Betten und 680 Wohnplätzen – verkauft. Seither spielt Dr. Matthias Wilkening als neuer Betreiber eine Vorreiterrolle in Sachen neoliberaler Umstrukturierung im Gesundheitssektor..."

http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=109834&IDC=42


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 22. Mai 2007, 22:56:27
22.5.07  
Rund zwei Drittel aller Ärzte in polnischen Krankenhäusern sind in den Streik getreten, um eine 100-prozentige Gehaltserhöhung und eine Reform des staatlichen Gesundheitswesens durchzusetzen. Polnische Ärzte verdienen im Durchschnitt 350 Euro. Rund 200 Krankenhäuser bieten nur einen Notdienst an.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 22. Juni 2007, 08:38:41
21.06.07  
Am Dienstag demonstrierten in der polnischen Hauptstadt Warschau 20.000 Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen für ihre Lohnforderungen und höhere staatliche Gesundheitsausgaben. Krankenschwestern und Hebammen unterstützten den seit fünf Wochen dauernden Ärztestreik. Eine Reihe von Demonstrantinnen harrte vor dem Präsidentenpalast auch die Nacht über aus, weil sie sich nicht mit leeren Händen abspeisen lassen wollte. Am frühen Mittwoch setzte der Präsident Polizei gegen die Frauen ein und ließ sie gewaltsam entfernen.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 25. Juni 2007, 12:48:45
„In Warschau streiken seit Wochen Hunderte Angehörige des staatlichen Gesundheitswesens. Ihr Protest richtet sich gegen schlechte Bezahlung und Arbeitsbedingungen. Eine Krankenschwester verdient nach über 30jährigem Dienst nicht einmal 300 Euro. Am Mittwoch morgen griffen in Warschau fast 400 Polizisten eine Straßenblockade streikender Schwestern an, die die Durchgangsstraße vor der Kanzlei des polnischen Regierungschefs Jaroslaw Kaczynski (PiS) okkupierten. Die Demonstranten hatten sich dazu entschlossen, nachdem sie den Kontakt zu ihrer vierköpfigen Delegation verloren hatten, die dem Premier eine Petition überreichen sollte…“

http://www.jungewelt.de/2007/06-21/031.php


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 29. Juni 2007, 17:26:19
Zitat
Der Amtssitz des Premiers wird belagert

In das Warschauer Zeltdorf der streikenden Krankenschwestern wollen jetzt auch die protestierenden Ärzte ziehen


VON KNUT KROHN

Izabella Szczepaniak ist entsetzt. "Sie haben uns wie Kriminelle behandelt", sagt die Präsidentin der polnischen Krankenschwesternvereinigung, "wie Hooligans in einem Stadion." Einige Frauen seien mit Gummiknüppeln geprügelt worden. Die Polizei widerspricht, es sei "nur ein Minimum an Gewalt" angewendet worden. Zudem sei die Demonstration nicht angemeldet und somit illegal gewesen.

Die Krankenschwestern protestieren gegen die schlechten Bedingungen und die miserable Bezahlung im Gesundheitswesen. Eine Krankenschwester verdient nach über 30 Dienstjahren nicht einmal 300 Euro im Monat. Die Regierung hat angeboten, die Bezahlung in den kommenden drei Jahren um jeweils 15 Prozent anzuheben. Die Demonstrantinnen weisen dies zurück, da ihre Löhne von Haus aus viel zu niedrig seien.

Der brutale Einsatz der Beamten in der vergangenen Woche hat die Solidarität der Krankenschwestern nur noch weiter gestärkt. Das Protestdorf vor dem Gebäude des Premierministers in Warschau ist auf weit über 100 Zelte angewachsen.

Die Proteste begannen vor einigen Tagen mit einem Marsch von mehreren tausend Krankenschwestern durch die Warschauer Innenstadt. Die Lage eskalierte, als das Gerücht aufkam, dass eine vierköpfige Delegation, die Premierminister Jaroslaw Kaczynski eine Petition überreichen wollte, verhaftet worden sei. Danach blockierten die Frauen die Durchgangsstraße vor dem Amtssitz des Premiers, woraufhin die Polizei hart durchgriff.

Später stellte sich heraus, dass die vier Krankenschwestern sich in einem Raum des Gebäudes verbarrikadiert hatten. Nach einem Treffen mit Premierminister Kaczynski am Dienstagabend, während dem es zu keiner Einigung gekommen war, verließ die Delegation den Amtssitz des Premiers.

Die Krankenschwestern sind selbst überrascht von der Welle der Solidarität im Land. Immer wieder bringen wildfremde Leute Essen, Decken und Schlafsäcke in das provisorische Zeltdorf. Inzwischen haben sich die Bergarbeiter dem Protest in Warschau angeschlossen. Auch sie klagen schon seit Jahren über unannehmbare Arbeitsbedingungen.

Auch die Ärzte, die schon seit sechs Wochen im Ausstand sind und eine bessere Bezahlung verlangen, haben angekündigt, ihr Streikzentrum in die Zeltstadt vor den Amtssitz des Premiers zu verlegen. Die Ärzte wollen eine Verdopplung ihres Gehalts erreichen, das derzeit je nach Fachrichtung zwischen 340 und 790 Euro liegt.

Durch den Streik der Krankenschwestern und der Ärzte steht in Polen das Gesundheitssystem fast still. Inzwischen haben bereits über 280 Krankenhäuser in ganz Polen die Arbeit zeitweise eingestellt. Lediglich ein Notfalldienst wird aufrechterhalten. In fast 50 Krankenhäusern haben ganze Belegschaften gekündigt. Kommentar des Premiers: Die Protestierenden nähmen mit ihrer Aktion den Tod von tausenden Menschen in Kauf.

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?sid=&em_cnt=1163009


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 04. Juli 2007, 19:10:40
An die
Streikenden Krankenhausbeschäftigten in Polen
Vorsitzende des Vorstands der Gewerkschaft OZZPiP
Dorota Gardias
biuro@ozzpip.org.pl

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Der Kongress der Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken mit 100 Teilnehmern solidarisiert sich mit Euerem Streik für eine 30% Lohnerhöhung.

Wir sind beeindruckt von Euerer Entschlossenheit und Ausdauer.

In Deutschland machen wir konkrete Erfahrungen damit, dass arbeitslose oder in Polen völlig unterbezahlte Krankenschwestern gezwungenermaßen als moderne Haussklavinnen in der häuslichen Pflege arbeiten müssen. Die Arbeitgeber nutzen das wiederum für Lohndumping hierzulande.

Die kapitalistische Globalisierung und die EU sind einzig und alleine im Profitinteresse der Unternehmer. Das öffentliche Gesundheitswesen und der gesamte öffentliche Dienst werden überall zerschlagen, privatisiert und unter massiven Lohndruck gesetzt. Auch in Deutschland sind Krankenhausbeschäftigte immer mehr gezwungen sich zur Wehr zu setzen. Im letzten Jahr haben sie gegen eine unbezahlte Arbeitszeitverlängerung gestreikt.

Gegen das international organisierte Lohndumping der Unternehmer und ihrer Regierungen müssen wir die internationale Solidarität und den länderübergreifenden gewerkschaftlichen Kampf setzen.

Wir stehen ganz auf Euerer Seite und wünschen Euch Erfolg. Hoch die internationale Solidarität.



Solidaritätserklärung an die Streikenden Krankenhausbeschäftigten in Polen, von der Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken (IVG), beschlossen auf dem 9. IVG-Kongress in Stuttgart am 1. Juli 2007


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 13. Juli 2007, 12:35:02
Am letzten Freitag bekamen die streikenden Krankenschwestern Unterstützung von ihren KollegInnen aus anderen Gewerkschaften. 2.200 kamen und besuchten sie in ihrem Camp direkt vor dem Regierungsgebäude. Am heutigen Dienstag [10.07.2007] soll wieder weiterverhandelt werden. Auch viele Krankenhausärzte streiken, machen Dienst-nach-Vorschrift oder helfen nur noch in Notfällen. 200 von ihnen sollen laut einem Bericht der AFP in den Hungerstreik getreten sein. Mittlerweile schlägt die Stimmung im Land allerdings um. Die Presse beschreibt sie z.T „als vom Teufel besessen“, genau wie Premier Kaczyski, der sie ebenfalls als „Satan“ bezeichnet und sagt, dass „wir uns von ihnen nicht terrorisieren lassen“.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: geschfreak am 13. Juli 2007, 17:29:52
Zitat
Original von ManOfConstantSorrow
Am letzten Freitag bekamen die streikenden Krankenschwestern Unterstützung von ihren KollegInnen aus anderen Gewerkschaften. 2.200 kamen und besuchten sie in ihrem Camp direkt vor dem Regierungsgebäude. Am heutigen Dienstag [10.07.2007] soll wieder weiterverhandelt werden. Auch viele Krankenhausärzte streiken, machen Dienst-nach-Vorschrift oder helfen nur noch in Notfällen. 200 von ihnen sollen laut einem Bericht der AFP in den Hungerstreik getreten sein. Mittlerweile schlägt die Stimmung im Land allerdings um. Die Presse beschreibt sie z.T „als vom Teufel besessen“, genau wie Premier Kaczyski, der sie ebenfalls als „Satan“ bezeichnet und sagt, dass „wir uns von ihnen nicht terrorisieren lassen“.

Das ist von der Wirtschaft nicht gewollt, wenn die Belegschaft um ihre Rechte kämpft. ABER NUR SO KOMMEN WIR ZUM ZIEL!


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Lukas am 13. Juli 2007, 21:48:01
Ich finde schützenhife wirklich doll, denn wenn jeder mitmacht kommt man auch ans Ziel!


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: geschfreak am 13. Juli 2007, 21:52:17
Zitat
Original von Lukas
Ich finde schützenhife wirklich doll, denn wenn jeder mitmacht kommt man auch ans Ziel!

So sehe ich das auch. Nach dem Motto: "GEMEINSAM SIND WIR STARK!"


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 14. Juli 2007, 16:51:37
Bulgarien: Forderung nach höheren Löhnen

14.07.07: Seit gestern stehen über 2.000 Beschäftigte in Bulgariens größtem Krankenhaus in Sofia im unbefristeten Streik. Sie fordern höhere Löhne und Reformen im Gesundheitswesen.

Die Beschäftigten im staatlichen Pirogov-Krankenhaus protestieren seit mehreren Wochen gegen die niedrige Bezahlung und das Fehlen bzw. den veralteten Zustand medizinischer Ausrüstung. Diese Ausrüstung "ist 30 bis 40 Jahre alt und eine Gefahr für die Patienten", so Dr. Svetozar Sardovski, der Sprecher des Streikkomitees. Die Ärzte erhalten dort ca. 250 Euro monatlich, das Pflegepersonal noch weniger.
Das Gesundheitsministerium hat den Streik für illegal erklärt, es will ihn gerichtlich verbieten lassen.

Auch Bergarbeiter, Rentner und Lehrer verlangen zurzeit in Bulgarien höhere Einkommen und bessere Arbeits- bzw. Lebensbedingungen. Die Regierung lehnt mit der Begründung ab, die den Arbeitern und Angestellten in sämtlichen EU-Ländern bestens bekannt sein dürfte: Damit würde die Wirtschaft gefährdet.

rf-news


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: nihil am 14. Juli 2007, 17:12:27
Aktuelles vom Klinikum Wahrendorff:

"Das Klinikum Wahrendorff in Sehnde-Ilten ist dank der Öffentlichkeitsarbeit die die GGB in den letzten Monaten entfaltete und der Unterstützung, die sie dabei von einer Vielzahl von gewerkschaftlichen Gruppen und Einzelpersonen erhielt keine unbekannte Größe mehr....Mittlerweile drohen allerdings schon neuerliche Angriffe auf die Beschäftigten, die auch indirekt Auswirkungen auf die PatientInnen zur Folge haben werden. So wird derzeit über den Entwurf eines sogenannten "Verhaltenskodex" verhandelt...Die GGB sieht in diesem "Kodex" einen massiven Eingriff in die Persönlichkeitsrechte von PatientInnen und Beschäftigten..."

Details stehen in dem aktuellsten Artikel von GGB Referent Pouget. Man kann sich die Zeitschrift DA bei der FAU bestellen oder einfach über den folgenden Link im Net lesen. Der Artikel steht gleich auf der ersten Seite.


http://www.fau.org/fau_medien/da/DA_182/da_182.pdf


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 14. Juli 2007, 17:53:10
"Fachkrankenhaus für die Seele"
 :kotze> :kotze> :kotze>

Wie schön wenn hier weitergehender diskutiert wird als traditionell "gewerkschaftlich" wo es nur um klassische Themen der Arbeitsbedingungen geht. Es geht in Wirklichkeit um mehr. Arbeit und Unterdrückung. Widerstand und seelische Heilung. Und diverse Querverbindungen und weitere Fragen.

Wie z.B. hier: http://www.chefduzen.de/thread.php?threadid=10091&sid=


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: nihil am 14. Juli 2007, 18:54:11
Die Gewerkschaft Gesundheitsberufe (GGB) Hannover ist eine unabhängige Gewerkschaft ... eine GGB-Betriebsgruppe aufzubauen: dem Klinikum Wahrendorff ...

http://www.ungesundleben.de/privatisierung/index.php/Gewerkschaft_Gesundheitsberufe_(GGB)


Aber der vorgeschlagene Verhaltenskodex im Klinikum Wahrendorff sprengt natürlich den Rahmen.


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: BakuRock am 14. Juli 2007, 21:09:34
@nihil,

unter deinem Link ist noch nichts eingetragen. Aber vielleicht ist die folgende Seite die bessere:

http://www.ungesundleben.de/privatisierung/index.php/Hauptseite


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: nihil am 15. Juli 2007, 08:45:20
@bakurock,


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: geschfreak am 15. Juli 2007, 16:12:24
Zitat
Original von nihil
@bakurock,

danke für den Link. Von der Hauptseite aus kann man die Gewerkschaft Gesundheitsberufe oder die Beiträge zum Klinikum Wahrendorff gut erreichen.

Ich bin auch gegen die Privatisierung der Klinik.


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: jensen-ex am 16. Juli 2007, 04:49:24
Zitat
Original von jensen-ex
Zitat
Original von geschfreak

Es ist einfach nur traurig, daß viele junge Menschen, die die hohen Studiengebühren nicht bezahlen können, von dem Studium ausgeschlossen werden!!  :aggressiv>

hallo geschfreak,

du tust in diesem forum niemenschem einen gefallen, wenn du zu jedem scheiss ''ja, dieser meinung bin ich auch'' postest, insbesondere, wenn du das zu jedem verdammten scheisspost in diesem forum tust. lass doch einfach mal die essenz dessen, das in den jeweiligen posts zum ausdruck kommt, auf dich wirken. hör mal, wir, die wir hier öfter posten, kommen halbwegs gut zurecht, auch wenn wir auf leute von draußen warten. ich finde tatkräftiges mithelfen total okay, aber 30 posts pd absetzen (profil geschfreak) finde ich anstrengend. bitte endlich ne art von mitte finden und nur zu sachen posten, zu denen mensch halbwegs nen bezug findet.

lg jens


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 19. Juli 2007, 13:48:08
Am Sonntag, dem 15.07.2007, haben die Krankenschwestern und die Ärzte ihr fast einmonatiges Sit-In beendet und das Zeltdorf nahe dem Regierungssitz in Warszawa (Warschau) geräumt. Ihr ursprüngliches Ziel, nämlich eine erhebliche Gehaltssteigerung haben sie verfehlt, trotzdem sprechen sie von einem Erfolg. „Es ist ein Erfolg, weil wir gezeigt haben, dass wir geschlossen auftreten können, fähig sind uns zu organisieren und dass wir die Unterstützung der Gesellschaft haben“, wird Barbara Wysocka, eine Krankenschwester aus Gdansk von AP zitiert. Die Gewerkschaft liess verlauten, dass der Protest nicht zu Ende sei und im September fortgeführt werde, obwohl die Regierung bereits für das nächste Jahr eine Gehaltssteigerung angekündigt hat. Für dieses Jahr sei eine Erhöhung nicht möglich, da die Staatsfinanzen dies nicht zuließen, so die Regierung.


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: nihil am 19. Juli 2007, 23:52:07
Zitat
Original von geschfreak
Zitat
Original von nihil
@bakurock,


Ich bin auch gegen die Privatisierung der Klinik.


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: BakuRock am 20. Juli 2007, 00:42:33
Zitat
Original von nihil
Die Klinikum Wahrendorff GmbH ist bereits seit 1862 in privaten Händen. Aber erst seit 1994 in den Händen von Dr. Mathias Wilkening, dem irren Psychiater, der da unbehelligt von irgendwelchen Kontrollorganen schalten und walten kann. Wir möchten daher verstaatlicht werden, der Klinikum Region Hannover gGmbH zugeschlagen werden oder zumindest einen Betreiber der von Sozialbetrug Abstand nimmt und sich zur Abwechslung Gedanken um seine Patienten macht.

Sag mal, nihil, seid ihr (ich gehe mal davon aus, dass deine Meinung nicht nur die des Pflegepersonals ist) - seid ihr in der Lage, diesen "irren Psychiater" "auszubooten", oder ihn voruebergehend zu "isolieren"?

Wenn der, wie du schreibst, unbehelligt von allen Kontrollorganen schalten und walten kann, dann ist er doch sehr isoliert. Oder wie setzt der "Irre" sich den vielen Beschaeftigten gegenueber durch? Ich moechte jetzt nicht zynisch verstanden werden wollen. Aber diese Frage beschaeftigt mich von Anfang des Threads. Wie kann solche "Minderheit" gegen den Willen der Menschen agieren, die er eigentlich braucht, um ueberhaupt agieren zu koennen?

Oder anders gefragt: WOZU braucht ihr DEN eigentlich?


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: nihil am 21. Juli 2007, 12:51:31
@bakuRock

Ein Problem ist ein Problem.


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: nihil am 22. Juli 2007, 22:55:19
"Im Klinikum Wahrendorff [sollen]... Beschäftigte [ihre] Liebesbeziehungen offenlegen

Sehnde-Ilten, 20.07.2007. Dass Beschäftigte und PatientInnen im Klinikum Wahrendorff bei Hannover vor keinen Nachstellungen und Unterstellungen sicher sind, wird dieser Tage wieder deutlich demonstriert...Nach diesem... [Verhaltenskodex]...soll es Beschäftigten untersagt sein, freundschaftliche, sexuelle oder andere, nicht professionelle Beziehungen zu Schutzbefohlenen zu unterhalten. Diese Weisung erstreckt sich ausdrücklich auch über die Entlassung der PatientInnen und BewohnerInnen hinaus. Da die Formulierung absolut ist, fallen...auch sämtliche Verbindungen zu Lebens- oder EhepartnerInnen, Kindern, FreundInnen oder KollegInnen darunter, sobald sie die Klinik einmal als PatientIn betreten haben. Der „Kodex“ fordert zudem, dass Liebesbeziehungen unter KollegInnen ebenfalls transparent gemacht werden sollen. Die Gewerkschaft Gesundheitsberufe Hannover (GGB) sieht in diesem „Kodex“ einen massiven Eingriff in die Persönlichkeitsrechte von PatientInnen und Beschäftigten...Laut „Kodex“ wird den Beschäftigten außerdem ein absolutes Redeverbot über „klinikinterne“ Angelegenheiten außerhalb des Kreises der Klinikbeschäftigten abverlangt. Dieses gilt auch gegenüber den eigenen Angehörigen. Aufgrund der schwammigen Formulierung fallen dann nicht nur tatsächliche Betriebsgeheimnisse darunter, sondern jedwede Informationen, beispielsweise über die Arbeitsbedingungen..."


http://www.fau.org/ortsgruppen/hannover/gs/privatisierung/art_070722-111624


 Meldung vom Juli 2007.

    ..."Verhaltenskodex" Präambel:
    Ich erkenne den folgenden Verhaltenskodex als Bestandteil meines Arbeitsvertrages an und weiß, dass jede Nichtbeachtung des Verhaltenskodexes durch mich ein Verstoß gegen die Vertrags- und Dienstpflichten ist...
    Die Patient/innen und Bewohner/innen der Klinikum Wahrendorff GmbH sind Schutzbefohlene...Zu Schutzbefohlenen besteht grundsätzlich eine professionelle Beziehung. Mir ist die Aufnahme einer freundschaftlichen, sexuellen oder andersgearteten, nicht professionellen Beziehung untersagt. Jede andere als eine professionelle Beziehungsaufnahme zu Schutzbefohlenen ist mir sowohl während der Behandlung/Unterbringung, als auch danach untersagt...Ich schulde den Kolleg/innen aller Berufsgruppen Respekt und übe keine unsachliche Kritik an deren Arbeit. In der Zusammenarbeit verhalte ich mich loyal...Die Aufnahme einer partnerschaftlichen Beziehung mit einer/einem Kolleg/in erfordert einen verantwortlichen und transparenten Umgang ...Klinikinterne Angelegenheiten werden nur im Kreis der Klinikmitarbeiter/innen, nicht aber mit Patient/innen, Bewohner/innen oder Angehörigen besprochen. Zum Schutz der Privatsphäre von Mitarbeiter/innen ist mir jegliche Weitergabe von persönlichen Informationen untersagt...Ich habe eine Vorbildfunktion im Auftreten und in der Kleidung gegenüber den Patient/innen, Bewohner/innen und Angehörigen oder Außenstehenden... Falls Fehler auftreten, werde ich diese am Arbeitsplatz offen mit... dem Vorgesetzten diskutieren..."

http://www.ungesundleben.org/privatisierung/index.php/Verhaltenskodex_Klinikum_Wahrendorff


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 23. Juli 2007, 18:18:12
Seit mehreren Monaten dauern die Ausstände in Polens Gesundheitswesen schon an. Zur Zeit werden annähernd 300 der 800 Kliniken des Landes bestreikt. Die Tarifgespräche der Gewerkschaften des Gesundheitssektors mit dem zuständigen Minister Zbigniew Religa gestalten sich dabei äußerst schwierig, da die Standpunkte der Tarifparteien sehr weit auseinander liegen. Die Ärzte fordern eine Verdopplung ihres Gehalts, während Religa lediglich eine Lohnerhöhung von 15 Prozent für die nächsten drei Jahre anbietet…

http://www.jungewelt.de/2007/07-20/043.php


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pinnswin am 28. Juli 2007, 07:49:38
Über Asklepius und Co gabs auch einen Bericht bei Panorama/ard.


Titel: Labournet: Dienstleistung: Gesundheitswesen > Konflikte und Arbeitskämpfe; Klinikum Wahrendorff GmbH
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 28. Juli 2007, 12:08:51
Labournet:

IV. Branchen > Dienstleistung: Gesundheitswesen

Initiative zur Vernetzung von Betriebsgruppen im Gesundheitswesen stößt in den Amper Kliniken auf Repression seitens der Klinikleitung!

„Der Aufruf zu oben erwähnter Initiative wurde von den Stationen entfernt.

Da dieser auch im Personalwohnheim hing und dies ein Verstoss gegen die Hausordnung ist, wurde die Jugend- und Auszubildenden Vertretung (JAV) zur Geschäftsführung zitiert und unter Druck gesetzt Namen zu nennen. Ferner wurden Infos von http://www.ungesundleben.org über die Struktur der Rhön AG dem Wirtschaftsauschuß und Betriebsrat vorgelegt, rechtliche Schritte und die Weitergabe an den Verfassungsschutz angekündigt…“

Meldung bei ungesundleben vom Juli 2007
http://www.ungesundleben.org/privatisierung/index.php/Betriebsgruppe_AmperKliniken#Initiative_zur_Vernetzung_von_Betriebsgruppen_im_Gesundheitswesen_st.C3.B6.C3.9Ft_in_den_Amper_Kliniken_auf_Repression_seitens_der_Klinikleitung.21

V. Branchen > Dienstleistung: Gesundheitswesen > Konflikte und Arbeitskämpfe; Klinikum Wahrendorff GmbH

Nachgelegt: Kontaktverbot per Arbeitsvertrag

...Das Klinikum Wahrendorff in Sehnde-Ilten ist dank der Öffentlichkeitsarbeit die die GGB in den letzten Monaten entfaltete und der Unterstützung, die sie dabei von einer Vielzahl von gewerkschaftlichen Gruppen und Einzelpersonen erhielt keine unbekannte Größe mehr....Mittlerweile drohen allerdings schon neuerliche Angriffe auf die Beschäftigten, die auch indirekt Auswirkungen auf die PatientInnen zur Folge haben werden. So wird derzeit über den Entwurf eines sogenannten Verhaltenskodex" verhandelt...Die GGB sieht in diesem "Kodex" einen massiven Eingriff in die Persönlichkeitsrechte von PatientInnen und Beschäftigten...

Meldung aus der Direkten Aktion vom Juli 2007 bei Ungesundleben.org
http://www.ungesundleben.org/privatisierung/index.php/Klinikum_Wahrendorff#.22Verhaltenskodex.22

Siehe dazu auch den Entwurf des "Verhaltenskodex"

Der Entwurf bei Ungesundleben.org vom 10.2.2007 im Wortlaut http://www.ungesundleben.org/privatisierung/index.php/Verhaltenskodex_Klinikum_Wahrendorff


Titel: Labournet: Dienstleistung: Gesundheitswesen > Konflikte und Arbeitskämpfe; Klinikum Wahrendorff GmbH
Beitrag von: Pinnswin am 30. Juli 2007, 11:53:45
Verhaltenskodex - Allg. Grundregeln
Zitat
... §3 -  Ich beachte die Regelung, dass mir bzw. allen anderen Mitarbeiter/innen jedweder Konsum von Alkohol oder anderen Substanzmitteln, exklusive Nikotin, während der Arbeitszeit untersagt ist.

$4 Ich achte auf adäquate Kleiddung im Dienst. Sie darf nicht zu freizügig oder zu leger sein. Ich habe eine Vorbildfunktion im Auftreten und in der Kleidung gegenüber den Patient/innen, Bewohner/innen und Angehörigen oder Außenstehenden.


Das sollte man auch für den Bundestag einführen, nicht, das Kurt Beck noch auf die Idee kommt, im Tanga zur -"Arbeit"- zu erscheinen.

(http://s.rimg.info/74dbebccb6a5945d1fa9c17afa372b84.gif) (http://smiles.rc-welt.com/smile.6256.html)


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: nihil am 03. August 2007, 18:11:01
@baku rock



http://www.taz.de/index.php?id=nord-aktuell&dig=2007/07/31/a0045&id=934&cHash=781a05e9c4



"...Bekannt wurden die Praktiken auf der Station AST 2, einer geschlossenen Akutstation für Menschen ab 55, als Mitarbeiter anderer Bereiche dorthin versetzt wurden ... Kritiker sehen die aktuellen Misshandlungen als direkte Folge der Unternehmenspolitik: "Hier werden Vorgesetzte nicht nach Qualifikation ausgesucht, sondern danach, dass sie die Linie der Klinikleitung umsetzen" ... "Bei 24 statt 19 vorgesehenen Patienten, von denen einige fixiert sind, und das bei dauernder Unterbesetzung - man bräuchte eigentlich Rollschuhe, um von einem Patienten zum nächsten zu hetzen", beschreibt Nandor Pouget von der GGB (Gewerkschaft Gesundheitsberufe) seine Erfahrungen in Wahrendorff...."


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 14. August 2007, 13:10:56
Seoul: Nach 28-tägigem Streik von tausenden an vier Krankenhäusern (die zur Yonsei-Uniklinik gehören) gab es eine Einigung zwischen Management und Gewerkschaft u.a. auf 3-prozentige Gehaltserhöhung und bessere Sozialleistungen. Vor allem sollen die Arbeitsbedingungen für befristet Beschäftigte verbessert werden.


Titel: Protestaktion gegen Klinikbetreiber in Hannover
Beitrag von: BakuRock am 21. August 2007, 20:59:01
Zitat
Original von nihil
"........................
Die Ereignisse überschlagen sich mittlerweile, doch wie wird man denn Arfred Jeske und Dr. Mathias Wilkening los?

Nihil


@Nihil - Schickt diese Typen zum Teufel!

Die Fahrradwerker in Nordhausen sollten m. E. jetzt ueber ihren eigenen Schatten springen. Solidaritaetsbekundungen haben sie reichlich erhalten.

Aber auch bei euch koennte die Solidaritaet Energie fuer einen wichtigen Schritt liefern: Uebernehmt die Bude in Selbstverwaltung. Hier mal aus Argentinien vom 21.08.07 - Labournet:

Zitat
Gesundheitsgenossenschaft Junín - Über eine von den Beschäftigten
angeeignete Klinik in Argentinien

Im November 2006 hatte Alix Arnold im express über die Situation
selbstverwalteter Fabriken in Argentinien berichtet, wo in den Mühen des
Überlebens zwar manche internen Errungenschaften wieder verloren gegangen
sind, aber dennoch tausende ArbeiterInnen die Erfahrung gemacht haben,
dass sie in der Lage sind, autonom zu handeln und dass noch viel mehr
Menschen die Bewegung mitbekommen und mit Sympathie begleitet haben. Dies
auch oder gerade im Fall einer von den Beschäftigten angeeigneten ehemals
privaten Klinik in Cordoba, die nun als Gesundheitsgenossenschaft mit
sozialmedizinischem Ansatz organisiert ist. Wir dokumentieren hier einen
Bericht von Dora de la Vega, die bei der »Cooperativa de Trabajo de la
Salud Junín« angestellt ist�
[url]http://www.labournet.de/internationales/ar/vega.html[/url]


Titel: eine von den Beschäftigten angeeignete Klinik in Argentinien
Beitrag von: Kuddel am 22. August 2007, 10:45:22
Im November 2006 hatte Alix Arnold im express über die Situation selbstverwalteter Fabriken in Argentinien berichtet, wo in den Mühen des Überlebens zwar manche internen Errungenschaften wieder verloren gegangen sind, aber dennoch tausende ArbeiterInnen die Erfahrung gemacht haben, dass sie in der Lage sind, autonom zu handeln und dass noch viel mehr Menschen die Bewegung mitbekommen und mit Sympathie begleitet haben. Dies auch oder gerade im Fall einer von den Beschäftigten angeeigneten ehemals privaten Klinik in Cordoba, die nun als Gesundheitsgenossenschaft mit sozialmedizinischem Ansatz organisiert ist.

http://www.labournet.de/internationales/ar/vega.html


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 25. August 2007, 20:32:22
Seit vielen Wochen dauert nun schon der Streik in Polens Krankenhäusern - manche schreiben auch die Streiks, weil Ärzte und Krankenschwestern zunehmend getrennte Wege gehen - ohne dass ein Ende in Sicht wäre. Ebenso dauert auch die Hetzkampagne der Regierung an. Auf dem bisherigen Höhepunkt der Auseinandersetzung wurde die Hälfte der 800 Krankenhäuser Polens bestreikt.


Titel: Labournet: Dienstleistung: Gesundheitswesen > Konflikte und Arbeitskämpfe; Klinikum Wahrendorff GmbH
Beitrag von: nihil am 07. September 2007, 16:06:07
Zitat
B.§1 Haltung zu Kolleg/innen und kollegiales Verhalten... Die Aufnahme einer partnerschaftlichen Beziehung mit einer/einem Kolleg/in erfordert einen... transparenten Umgang.



Siehe dazu auch:

"...Im Klinikum Wahrendorff sollen Beschäftigte Liebesbeziehungen offenlegen... Dass Beschäftigte und PatientInnen im Klinikum Wahrendorff bei Hannover vor keinen Nachstellungen und Unterstellungen sicher sind, wird dieser Tage wieder deutlich demonstriert...Nach diesem „Kodex“-Entwurf soll es Beschäftigten untersagt sein, freundschaftliche, ... oder andere, nicht professionelle Beziehungen zu Schutzbefohlenen zu unterhalten. Diese Weisung erstreckt sich ausdrücklich auch über die Entlassung der PatientInnen und BewohnerInnen hinaus. Da die Formulierung absolut ist, fallen theoretisch auch sämtliche Verbindungen zu Lebens- oder EhepartnerInnen, Kindern, FreundInnen oder KollegInnen darunter, sobald sie die Klinik einmal als PatientIn betreten haben. Der „Kodex“ fordert zudem, dass Liebesbeziehungen unter KollegInnen ebenfalls transparent gemacht werden sollen. Die Gewerkschaft Gesundheitsberufe Hannover (GGB) sieht in diesem „Kodex“ einen massiven Eingriff in die Persönlichkeitsrechte von PatientInnen und Beschäftigten und damit einen Verstoß gegen verfassungsmäßig garantierte Rechte.
Laut „Kodex“ wird den Beschäftigten außerdem ein absolutes Redeverbot über „klinikinterne“ Angelegenheiten außerhalb des Kreises der Klinikbeschäftigten abverlangt. Dieses gilt auch gegenüber den eigenen Angehörigen. Aufgrund der schwammigen Formulierung fallen dann nicht nur tatsächliche Betriebsgeheimnisse darunter, sondern jedwede Informationen, beispielsweise über die Arbeitsbedingungen.
... Gegen Beschäftigte, die in ihrer Freizeit Beziehungen zu ehemaligen PatientInnen unterhalten oder unterhalten haben, gehen Vorgesetzte unter Berufung auf den „Kodex“ derzeit in massiver und einschüchternder Art und Weise vor..."

http://www.fau.org/ortsgruppen/hannover/gs/privatisierung/art_070722-111624


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 17. September 2007, 15:51:59
Zitat
Aktionswochenende in den Amper Kliniken

Das Aktionswochenende der FAU zu den Arbeitsbedingungen in den Amper Kliniken ist mit einer Veranstaltung in Dachau und in München sowie einer Kundgebung in Dachau erfolgreich durchgeführt worden. Jeweils 15 Menschen nahmen an den beiden Veranstaltungen teil und ca. 25 Teilnehmer waren auf der Kundgebung am Dachauer Bahnhofsplatz…


http://www.faum.de/news.php?extend.48


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 03. Oktober 2007, 10:44:03
In Polen streiken Ärzte seit Wochen für eine Gehaltserhöhung von rund zwei Monatsgehältern und bessere Arbeitsbedingungen. Daraufhin erhielten Tausende von Ärzten die Kündigung. Viele erschienen deswegen gestern nicht zur Arbeit. Die Ärzte argumentieren, angesichts der Gelder für die Kriege in Irak und Afghanistan sei es eine Lüge, der Staat könne ihnen keine Gehaltserhöhung zahlen. Im Durchschnitt kommt ein Arzt auf etwa 650 Euo monatlich.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: flipper am 03. Oktober 2007, 23:06:50
sollen unsere praxen hier übernehmen und die deutschen monopolmindestlohnquacksalber dürfen in die USA, mal sehen wie lange ihre praxen mit deutscher "kundenfreundlichkeit" da überleben, da müssense ihr geld nämich verdienen  X(
da werden die ganz schnell vom golfplatz in die U.S. sozialhilfe fahren ;)


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 06. Oktober 2007, 21:31:50
Die Krankenschwester Karen Reissmann wurde von der Leitung einer Psychiatrischen Klinik im britischen Manchester entlassen, weil sie den Widerstand gegen Entlassungen bis hin zu einigen Streiks organisiert hatte. Die Klinikleitung strebt jetzt eine Verurteilung an. Die Gewerkschaft Unison hat ihr die volle Solidarität zugesichert.
(rf-news)


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Eivisskat am 09. Oktober 2007, 07:34:23
..."Die Sicherheit der Patientenversorgung in deutschen Krankenhäusern steht auf dem Spiel.

 Grund ist die durch diverse »Gesundheitsreformen« unter Verantwortung von CDU, FDP, SPD und Grünen herbeigeführte chronische Unterfinanzierung der Kliniken.

 »Die wirtschaftliche Lage ist extrem angespannt – Einnahmen und Kosten klaffen immer weiter auseinander«, konstatierte Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) anläßlich der Vorstellung des »Krankenhausbarometers 2007« am Montag in Berlin vor Journalisten.
Nach der repräsentativen Studie schreiben ein Drittel der Häuser Verluste. Kliniken mit ausgeglichenen Ergebnissen erreichen diese »nur unter extremen Anstrengungen«

Die Belastungen für die Kliniken seien »nicht mehr zu verkraften«, so Baum in seinem Fazit. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre seien mehr als 150000 Arbeitsplätze abgebaut worden – bei derzeit noch rund einer Million Beschäftigter. »Die 17 Millionen Patienten merken dies längst«, so Baum weiter.

»Die nächste Stufe führt in die Rationierung der Versorgung, die schon heute spürbar ist.« Noch sei das medizinische Niveau zwar hoch, doch wenn den Kliniken mangels Erträgen Geld für Investitionen fehle, werde das »künftig auch Auswirkungen auf die medizinische Ausstattung haben«. Baum forderte die Bundesregierung auf, die Sparauflagen zurückzunehmen: »Wir sind in Not, wir brauchen Hilfe.«

Laut DKG-Studie planen 37,7 Prozent der Krankenhäuser einen Stellenabbau bei Verwaltung und Pflege. Elf Prozent erklärten, sie wollten auch Arbeitsplätze von Ärzten abbauen, weitere 28,2 Prozent müßten dadurch Geld sparen, daß sie freiwerdende Arztstellen zumindest zeitweise nicht wieder besetzen.

 Elf Prozent aller Häuser haben bislang nach DKG-Angaben zur Vermeidung »existenzbedrohender Probleme« Notlagentarifverträge abgeschlossen – mit Einbußen der Mitarbeiter beim Weihnachtsgeld und zum Teil auch bei der Grundvergütung. In Ostdeutschland sei dies in fast jedem fünften Krankenhaus der Fall, so Baum. Weitere acht Prozent planten derzeit bundesweit solche Verträge.

Jährlich gingen rund 30 bis 40 Häuser als eigenständige Kliniken verloren, weil sie schließen oder fusionieren müssen. Die Krankenhausversorgung müsse aber auch in der Fläche gesichert werden. Es könne nicht sein, daß eine Schwangere zur Entbindung bis zu 50 Kilometer ins Krankenhaus fahren müsse, kritisierte der Vertreter der Klinikträger.

Die DKG sieht die Ursachen vor allem in der Umstellung der Krankenhausvergütung auf das sogenannte Fallpauschalensystem, die bis 2009 abgeschlossen sein soll. Seit 2004 können die Kliniken bei den Krankenkassen nicht mehr die tatsächlich erbrachten Leistungen nach Tagessätzen abrechnen, sondern nach einem Katalog festgesetzte Pauschalbeträge. Die Folgen: höherer Verwaltungsaufwand, kürzere Verweildauer, ein verschärfter »Wettbewerb« unter den Kliniken. Außerdem befördert das System Tendenzen, Patienten nicht sachgerecht zu behandeln: Einerseits schafft es Anreize, sich auf standardisierte, einfache Fälle zu konzentrieren, andererseits fördert es die Entwicklung, aufwendige Eingriffe durchzuführen und abzurechnen– ganz gleich, ob sie der Patient überhaupt braucht.

Dazu kämen Kostensteigerungen wie die Tariferhöhungen für Klinik ärzte, die Mehrwertsteuererhöhung, Energiepreissteigerungen sowie Mehrkosten durch das neue Arbeitszeitrecht. Für 2008 erwarten 42 Prozent der Krankenhäuser den Angaben zufolge nochmals eine schlechtere wirtschaftliche Situation als 2007."...
http://www.jungewelt.de/2007/10-09/043.php

 :wallbash> :kotze>


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Eivisskat am 11. Oktober 2007, 21:19:11
http://www.mopo.de/2007/20071012/hamburg/panorama/so_krank_sind_unsere_krankenhaeuser.html

So krank sind unsere Krankenhäuser
Nach Skandal im "Albertinen": Ver.di und der Ärztepräsident Montgomery prangern katastrophale Arbeitsbedingungen an

Die kleine Marcella, ein Einzelfall? Oder wirft das Schicksal des zehnjährigen Mädchens vielmehr ein Schlaglicht auf den Zustand des deutschen Gesundheitssystems? Marcella war nach einem schweren Fahrradunfall mit Brüchen und Prellungen in die Notaufnahme des Albertinen-Krankenhauses gekommen - dort aber von der diensthabenden Ärztin ohne jede Behandlung abgewiesen worden (MOPO berichtete). Inzwischen hat das LKA gegen die 27-jährige Medizinerin ein Ermittlungsverfahren wegen unterlassener Hilfeleistung eingeleitet. Der Sprecher des Krankenhauses spricht von einem Einzelfall, von menschlichem Versagen. Dass die Ärztin vielleicht völlig überfordert war und unter Stress ihre Fehlentscheidung getroffen haben könnte, davon will er nichts wissen.

Schwestern, Pfleger, aber auch Krankenhausärzte gehen inzwischen regelrecht auf dem Zahnfleisch - so prangert es ver.di an. Immer weniger Personal, immer mehr Arbeit. Das unter solch einem Druck Fehler passieren, sei kein Wunder, so ver.di-Krankenhaus-Experte Michael Stock. Als Ursache sieht er einerseits die Gesundheitsreform, andererseits die Privatisierung von Krankenhäusern. Denn die Träger wollten Profite machen - auf Kosten des Personals und damit auf dem Rücken der Patienten.

Irma W. (86), eine Rentnerin aus Bahrenfeld, kam im Juli ins AK Altona. In einer Notoperation retteten die Ärzte ihr das Leben. Dafür ist sie zwar auch sehr dankbar, aber was sie dann auf der Pflegestation erlebte, sei eine "Horrorzeit" gewesen. Es gab auf der Station nur zwei Schwestern, manchmal sogar nur eine. "Und den Druck haben sie uns spüren lassen. Als ich Durchfall bekam und mehrfach das Bett voll machte, da brüllte mich eine Schwester an ... Morgens beim Bettenmachen wurde ich angefaucht, doch mal mitzuhelfen. Sie sei schließlich ganz allein und es gäbe auch noch andere Patienten."

Ein anderes Beispiel: das UKE. Eine Schwester, die ungenannt bleiben will, berichtet unter Tränen, dass sie oft nicht mehr könne. Etliche Abteilungen seien derart unterbesetzt, dass regelmäßig so genannte Überlastungsanzeigen geschrieben würden: Darin teilen die Kollegen der Leitung mit, dass sie sich nicht mehr in der Lage sähen, mit derart wenig Personal die Patienten so zu pflegen, wie es medizinisch nötig wäre. Juristisch sind sie damit aus dem Schneider, geben die Verantwortung weiter - "aber", so die Schwester, "damit ist doch den Kranken kein bisschen geholfen!"

Insider des UKE sprechen davon, dass die Arbeitsbelastung des Personals in den letzten Jahren um 30 Prozent zugenommen habe. Die Situation werde immer schlimmer: Personalrat Andreas Horn sagt, dass das UKE auf Grund hoher Schulden gezwungen sei, jährlich noch mindestens 120 bis 150 Vollzeitkräfte abzubauen.

Wohin das alles führt? Dazu, dass die stationäre Versorgung regelrecht ausblutet. Frank Ulrich Montgomery, Chef der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, spricht von "katastrophalen Arbeitsbedingungen" an deutschen Krankenhäusern. Georg Baum, Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, appelliert an die Politik: Der Sparzwang gefährde die Versorgung der Patienten akut -°und kann vielleicht sogar Menschenleben kosten. Eine Krankenschwester ging gegenüber der MOPO so weit, mehrere Todesfälle in ihrer Klinik auf Überlastung des Personals zurückzuführen.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: beickmann am 11. Oktober 2007, 22:29:54
11.10.2007: Die Redaktion
Fortsetzung des Privatisierungsdramas

Die Hamburger Krankenhäuser sind zu 74,9 Prozent an den Gesundheitskonzern Asklepios verkauft worden. Auch die Alten- und Pflegeheime von pflegen&wohnen gehören nicht mehr der Öffentlichen Hand, sondern sind nunmehr im Eigentum des privaten Pflegeunternehmens Vitanas. Der CDU-Senat hat diese Privatisierungen gegen das deutliche Votum in einem Volksentscheid und trotz Protesten der Belegschaften durchgezogen.

mehr ...


Quelle:http://www.hier-ist-die-linke-hamburg.de/cms/website.php


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Eivisskat am 29. Oktober 2007, 13:47:09
"Streik war gestern: Finnlands Pflegekräfte setzen auf eine radikale Methode im Tarifstreit um mehr Gehalt. 13.000 drohen damit, alle am selben Tag zu kündigen."...
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,513592,00.html


Titel: Tausende Krankenschwestern drohen mit Massenkündigung......
Beitrag von: BakuRock am 29. Oktober 2007, 19:47:38
....... neu aus dem Labournet:

Zitat
Finnland

Tausende Krankenschwestern drohen mit Massenkündigung

„Streik war gestern: Finnlands Pflegekräfte setzen auf eine radikale
Methode im Tarifstreit um mehr Gehalt. 13.000 drohen damit, alle am selben
Tag zu kündigen. 13.000 Krankenschwestern und Pfleger - das ist nicht
wenig in einem Land, das insgesamt nur 32.500 Schwestern und Pfleger hat.
Vor allem, wenn genau diese 13.000 Krankenhausmitarbeiter beschließen,
ihre Lohnforderungen mit einem ungewöhnlichen Mittel Nachdruck zu
verleihen: Sie wollen nicht streiken, sondern gleich ganz kündigen - und
das alle am gleichen Tag. Genau damit drohen derzeit die knapp 13.000
Krankenschwestern und -pfleger in Finnland, sollten ihre Forderungen im
kommenden Tarifvertrag nicht erfüllt werden. Schriftlich haben sie sich
deshalb verpflichtet, in diesem Fall am 19. November gleichzeitig zu
kündigen…“ Artikel von André Anwar, Stockholm, in Spiegel-Online vom
29.10.2007
[url]http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,513592,00.html[/url]


Titel: Tausende Krankenschwestern drohen mit Massenkündigung......
Beitrag von: regenwurm am 18. November 2007, 12:27:13
In Finnland droht ein Chaos in den Spitälern. Alle Krankenschwestern wollen ab diesem Montag nicht mehr zur Arbeit erscheinen. Die Regierung will sie nun dazu zwingen.

Finnlands Spitäler bereiten sich auf den Ausnahmezustand vor. Am Freitag sind Patienten per Helikopter nach Schweden evakuiert worden. Auch für die Versorgung von Frühgeborenen wurden Kliniken in Uppsala und Stockholm angefragt. 13 000 finnische Krankenschwestern, etwa 40 Prozent des gesamten Pflegepersonals, unterschrieben vor einem Monat ein Formular ihrer Gewerkschaft Tehys, auf dem sie ihre Kündigung aussprachen, sofern nicht bis zum 19. November eine Einigung im Lohnstreit erzielt werde.

Quelle (und mehr)  (http://www.nzz.ch/nachrichten/international/13_000_krankenschwestern_kuendigen_1.586342.html)


Titel: Tausende Krankenschwestern drohen mit Massenkündigung......
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 21. November 2007, 12:23:08
20.11.07 - Gestern wurde in Finnland ein neuer Tarifvertrag für Krankenschwestern abgeschlossen, der Lohnerhöhungen zwischen 22 und 28 Prozent innerhalb der nächsten vier Jahre vorsieht. Vorausgegangen war das Ultimatum von über 12.000 Krankenschwestern (40 Prozent des gesamten Pflegepersonals), zum heutigen Tag  zu kündigen. Die Gewerkschaftsgliederungen müssen dem Abschluss allerdings noch zustimmen.


Titel: Tausende Krankenschwestern drohen mit Massenkündigung......
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 21. November 2007, 12:57:35
LabourNet:
Zitat
Die Verhandlungskommissionen einigten sich auf einen neuen Tarifvertrag, der allerdings nur für Mitglieder der Gewerkschaft TEHY gilt. Zusammenfassend gilt: Die Krankenschwestern in Finnland haben eine in dem neuen Tarifvertrag mit 4-jähriger Laufzeit Gehaltssteigerung zwischen 22% und 28% erstreikt. Dies bedeutet eine Erhöhung des monatlichen Einkommens zwischen 350 und 650 Euro pro Monat. Einen Weihnachtsbonus gibt's auch, 270 Euro.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 25. November 2007, 14:46:25
Ungarn: Am vergangenen Mittwoch hatten vor allem die beiden Eisenbahnergewerkschaften erneute Streiks angekündigt - weil die Regierung in den Gesprächen mit den Gewerkschaften keine Bereitschaft zeigte, auf ihre sogenannten Reformen der Kranken- und Rentenversicherung zu verzichten. Aber auch Lehrer in Budapest, Krankenhauspersonal in grossen Kliniken und zahlreiche weitere öffentliche Bedienstete traten in kürzere und längere Streiks.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 18. Dezember 2007, 18:18:30
Zitat
Für uns gibt es keine Alternative. Wir müssen beweisen, dass wir in der Lage sind für unsere Forderungen zu streiken. Denn eines ist klar: Wir brauchen einfach deutlich mehr Geld.(...)
Wo es geht, muss die Zusammenarbeit mit dem Marburger Bund, der ebenfalls in Tarifauseinandersetzung steht, praktiziert werden, d.h. gemeinsam gestreikt werden. Und schließlich braucht es auch Druck auf die Gewerkschaft, damit der am Ende der Auseinandersetzung stehende Kompromiss reale und deutliche Verbesserungen unserer Lage mit sich bringt.

Belegschaftszeitung Die Weisse Fabrik (http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/gw/weissefabrik65.pdf)


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 20. Dezember 2007, 20:48:12
20.12.07 - 4.000 Beschäftigte der Krankenhäuser im australischen Bundesstaat Victoria sind in einen 24-stündigen Streik für höhere Löhne getreten. An dem Streik beteiligten sich Spezialisten wie Radiologen, Physiotherapeuten usw., um den Krankenhausbetrieb zum Erliegen zu bringen. Bei der Auseinandersetzung geht es auch um die Anerkennung der gewerkschaftlichen Rechte.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 30. Dezember 2007, 12:04:59
In Spanien wollen im Januar Kliniken, die eine Lizenz für die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen haben, eine Woche aus Protest streiken. Die Kliniken protestieren gegen Druck von Gesundheitsbehörden und militanten katholischen  Abtreibungsgegnern, die Kliniken wegen "illegaler Abtreibungen" verklagen. In Spanien ist der Schwangerschaftsabbruch nur bei "Gefährdung der psychischen und physischen Gesundheit der Schwangeren" erlaubt.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 25. Januar 2008, 20:08:40
25.01.08 - Am Mittwoch begannen die Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen des westafrikanischen Staates Senegal einen zweitägigen Streik. Sie wollen damit sechs Forderungen durchsetzen. Dazu gehört unter anderem die Zahlung eines Mietzuschusses, Leistungszulagen und die Einstufung der Beschäftigten im nationalen Gesundheitswesen.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 13. Februar 2008, 20:57:37
Zitat
In Bayern rief ver.di für Donnerstag und Freitag an 53 Kliniken mehr als 5 500 Beschäftigte zu Arbeitsniederlegungen auf. Schwerpunkte sollen zunächst Augsburg, München und Rosenheim sein. „Nach den am Montag und Dienstag de facto ergebnislos verlaufenen Verhandlungen bleibt uns keine andere Wahl“, erklärte Landesbezirksleiter Josef Falbisoner. Das Angebot der Arbeitgeber sei „scheinheilig“ und grenze „an versuchte Volksverdummung“.

In Nordrhein-Westfalen will die Gewerkschaft am Donnerstag rund 50 öffentliche Kliniken, Senioreneinrichtungen und Pflegeheime bestreiken. Schwerpunkt der Aktionen werde Ostwestfalen sein, sagte ein Sprecher. Voraussichtlich würden sich mehrere tausend Beschäftigte an den mehrstündigen Warnstreiks beteiligen. Dadurch werde es zu Verzögerungen und Einschränkungen in den betroffenen Einrichtungen kommen. „Aber niemand muss um sein leibliches Wohl fürchten“, betonte der Verdi-Sprecher.

Auch in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Bremen rief die Gewerkschaft die Beschäftigten von Krankenhäusern und Kliniken zu Warnstreiks auf. In Hessen sollen hauptsächlich Krankenhäuser der Allgemeinversorgung betroffen sein, wie Verdi-Landesbezirksleiter Jürgen Bothner erklärte. In Hamburg sind laut Verdi zunächst nur kleinere Aktionen geplant. (...)

Auch in Schleswig-Holstein soll es am Donnerstag und Freitag erste Warnstreiks in Kliniken geben.

Zitat
In Berlin sind die Beschäftigten des Jüdischen Krankenhauses für Donnerstag zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Hintergrund ist die Tarifflucht der Klinik durch den Austritt aus dem Arbeitgeberverband im Jahr 2005. Neu Eingestellte werden seitdem zu schlechteren Bedingungen beschäftigt.

http://www.handelsblatt.com/News/Politik/Deutschland/_pv/doc_page/2/_p/200050/_t/ft/_b/1390619/default.aspx/warnstreikwelle-rollt-an.html


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 14. Februar 2008, 10:29:50
Früher galt es als unmöglich im Krankenhaus zu streiken.
Daß die Kliniken jetzt zu einer Speerspitze der Kämpfe im öffentlichen Dienst geworden sind, ist schon erstaunlich.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Eivisskat am 14. Februar 2008, 22:22:06
Zitat

Zu viel Stress in den Kliniken!

Hamburg
Wer schwer krank ist, erwartet eine korrekte Behandlung. Doch das ist immer häufiger Glücksache. Fünf Krankenschwestern und -pfleger schlagen Alarm: "Die Versorgung ist nicht mehr gewährleistet!"

"Wenn alle Intensiv-Betten voll sind und ein neuer Patient kommt, muss einer gehen - der, von dem man glaubt, dass er am wenigsten krank ist", so die Krankenschwester einer Intensivstation. Ist das lebensgefährlich? "Patienten werden verlegt, die man besser nicht verlegen sollte. Man hat ein schlechtes Gewissen."

Die Folge ist ein "Ping-Pong-Spiel". Denn die schwer Kranken landen auf einer normalen Station - wo sich teils nur ein Pfleger um 35 Kranke kümmern muss. Mit Glück ist noch ein Azubi da. Der muss dann Tätigkeiten übernehmen, die er eigentlich nicht machen darf. "Die schweren Fälle gehen unter, Gefahren werden nicht erkannt. Es passiert, dass die gerade verlegten einen Tag später erneut auf der Intensivstation landen und wiederbelebt werden müssen." Oder ihr Zustand hat sich so verschlechtert, dass ein anderer Intensivpatient weichen muss - und das Pokern mit der Gesundheit weiter geht. "Drehtüreffekt", so die Mitarbeiter.

"Der Konzern will Gewinn machen. Die einzige Möglichkeit ist es, die Fallzahlen hoch zu jagen", so ein Pfleger. Das Ergebnis: Für einen Blinddarmpatienten gibt es zum Beispiel nur fünf Tage Geld von der Kasse. Danach macht die Klinik ein "Verlustgeschäft". "Patienten werden dann mit offener Wunde weggeschickt."

Die Situation sei zwar bei den meisten Kliniken ähnlich. Doch bei dem ehemaligen städtischen Kliniken spitzt sich die Lage derzeit zu. Denn rund 2000 Angestellte, ein Sechstel der Belegschaft, macht von seinem Recht Gebrauch, zur Stadt zu wechseln. Doch die "Rückkehrer" sind gerade die erfahrenen und hoch qualifizierten Mitarbeiter. "Die werden dann durch unqualifizierte Zeitarbeiter ersetzt", so ein Pfleger, der Transplantationspatienten betreut. "Man kann nur hoffen, dass nichts passiert." Denn Spenderorgane werden häufig abgelehnt. "Manche Arzneien müssen auf 30 Minuten genau genommen werden, damit sich die Überlebensrate stark verbessert."

Schuld am Betreuungsnotstand ist der Kostendruck. "Asklepios will 2010 an die Börse", so ein Pfleger.
Seitdem werden Überstunden angehäuft, Mitarbeiter aus freien Tagen zu Noteinsätzen geholt oder schlicht keine Pausen mehr gemacht. Dazu müssen die Pfleger immer mehr ärztliche Aufgaben machen und sich gleichzeitig um frische Wäsche, Essen und die Bürokratie kümmern.

Die Angestellten habe die Schnauze voll. Denn seit vier Jahren gab's auch keine Lohnerhöhungen mehr. Das Grundgehalt stagniert bei 2400 Euro Brutto. "Das funktioniert nur noch, weil wir uns unter moralischen Druck setzen". Wenn schon nicht mehr Personal, dann soll es zumindest mehr Geld geben. Acht Prozent wie im Öffentlichen Dienst, fordern auch die Klinikangestellten. Gestern haben sie in der Innenstadt erstmals dafür demonstriert.

[url]http://www.mopo.de/2008/20080215/hamburg/panorama/zu_viel_stress_in_den_kliniken.html[/url]



Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 17. Februar 2008, 13:47:08
Ich durfte den Warnstreik letzte Woche selbst miterleben. Ich wurde im Klinikum Bremen Mitte aufgenommen. Auf allen Gängen und Fahrstuhltüren hingen die fotokopierten Plakte:

Zitat
Warnstreik
Unsere Forderung: 8% - mindestens 200 Euro mehr!

Das "Angebot der Arbeitgeber" - eine Mogelpackung!


Die angebotenen 5% - was bedeutet das?

Die Laufzeit soll 24 Monate betrage - da macht pro Jahr nur 2,15%

Die monatliche Zulage von 35 Euro nvom letzten Jahr sollen eingerechnet werden - das macht: - 1,4%

Die 40-Std. Woche soll wieder eingeführt werden - das entspricht - 3,9%

Für MitarbeiterInnen der kommunalen Kliniken soll es nur eine Gehaltsverbesserung geben, wenn sich die Kliniken das leisten können.

Unterm Strich bedeutet das Arbeitgeberangebot ein Minus von ca. 3%!

Deshalb: Raus mit Euch zum Warnstreik!


Es kamen etwa 200 Leute vor die Tür.
Ein selbstgemaltes Transparent: Uns reicht's! (mit gemalter geballter Faust)
Widerstand gegen Lohnraub und Personalklau!

T-Shirts wurden verteilt: vorne drauf: Alles wird teurer (Verschiedene Shirts mit verschiedenen Produkten/Prozentzahlen)
hinten: Wir auch!.
Bunte Mischung an Leuten, Hausarbeiter in Blaumännern, Hilfskräfte und Pflegepersonal. Einige sind mit den Shirts auch wieder auf Station gegangen. cool.

Als Patient kann man nur gutheißen, wenn sich Widerstand gegen das Runterwirtschaften des Gesundheitssystems entwickelt.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 25. Februar 2008, 12:33:41
Zitat
Kieler Nachrichten vom 25.02.2008  
Erneut Warnstreiks am Uniklinikum in Lübeck und Kiel

Lübeck/Kiel (dpa/lno) - Beschäftigte des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) sind am Montag erneut in einen Warnstreik getreten. In Lübeck demonstrierten nach Angaben der Gewerkschaft ver.di rund 800 Menschen vor dem Hotel, in dem die Tarifgespräche zwischen dem Vorstand des UKSH und ver.di fortgesetzt wurden. In Kiel hätten am Morgen rund 500 Beschäftigte des Klinikums vorübergehend die Arbeit niedergelegt, sagte ein Sprecher. Mit den Warnstreiks wollen die Mitarbeiter ihre Forderungen nach einem Tarifvertrag für die nichtwissenschaftlichen Beschäftigten des UKSH unterstreichen.


Titel: Linke organisiert Befragung zum Ärztemangel
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 08. März 2008, 14:17:30
Sächsische Zeitung, vom 4. März 2008

Linke organisiert Befragung zum Ärztemangel

Dresden. Die Linksfraktion will herausfinden, wie gravierend der Ärztemangel im Freistaat ist. Dafür sollen 100000 Fragebögen in Sachsen verteilt werden. Die Ergebnisse der Befragung sollen im Mai auf einer Konferenz vorgestellt werden. Darüber informierte die Landtagsfraktion gestern. Gleichzeitig kündigte sie an, morgen zwei Anträge zum Ausbau von Polikliniken und zum flächendeckenden Einsatz von Gemeindeschwestern ins Parlament einzubringen.

Die Linken reagieren damit auf einen „besorgniserregenden Ärztemangel in Sachsen“. Eine EU-Studie gehe momentan von 500 bis 600 fehlenden Ärzten in Sachsen aus. Besonders bei Augenärzten und Orthopäden sei es in bestimmten Regionen sehr schwierig, einen Termin zu bekommen. Auch wärden aktuelle Versorgungskriterien dem gestiegenen Durchschnittsalter der Menschen im Lande nicht Rechnung tragen. „Durch die Staatsregierung muss endlich ein gesundheitspolitischer Ruck gehen“, forderte Fraktionschef André Hahn. Nach Ansicht der Linken sei Gesundheitsministerin Helma Orosz (CDU) „weit von einer realistischen Lageeinschätzung entfernt“.

(SZ/cl)


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 14. März 2008, 19:59:49
Zitat
Schleswig-Holstein

Urabstimmung am UKSH: 99,3 Prozent wollen Streik

 
Im Tauziehen um einen Tarifvertrag für die nichtwissenschaftlichen Mitarbeiter am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) rückt ein unbefristeter Arbeitskampf immer näher. In einer Urabstimmung votierten 99,3 Prozent der Mitglieder für einen Streik, wie die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di am Freitag in Kiel mitteilte. Insgesamt 83 Prozent hätten sich an dem Votum beteiligt. Eine Schlichtung ist ver.di zufolge nun nicht mehr möglich: "Das UKSH und die Landesregierung sollen einfach ein vernünftiges Angebot auf den Tisch legen, um den Streik zu verhindern. Wir sind dann sicher gesprächsbereit." In den kommenden Tagen will die Tarifkommission eine Streikstrategie entwickeln.

Der UKSH-Aufsichtsratsvorsitzende Jost de Jager sagte, es gebe angesichts des Arbeitgeberangebots keine Berechtigung für einen Streik. Ein "Tarifkampf auf dem Rücken der Patienten" verbiete sich. Das Angebot zur Einsetzung eines Schlichters gelte weiter.

Verhandlungen für gescheitert erklärt

Die Gewerkschaft hatte die Verhandlungen für die insgesamt mehr als 6.500 Beschäftigten an den beiden Standorten in Kiel und Lübeck in der vergangenen Woche für gescheitert erklärt. Ver.di fordert für die Mitarbeiter bis 2015 eine Beschäftigungsabsicherung sowie ein einheitliches Tarifgefüge. Die Gewerkschaft dringt zudem auf eine Lohnsteigerung in Höhe von 2,9 Prozent. Nach ihrer Ansicht wären bei einer Privatisierung oder Ausgliederung Jobs in Gefahr.


http://www1.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/uksh18.html


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 16. April 2008, 11:58:35
Zitat
In Dänemark sind 75.000 Beschäftigte aus dem Gesundheits- und Sozialsektor in einen unbefristeten Streik getreten. Wie die Gewerkschaft FOA in Kopenhagen mitteilte, sind Kindergärten, Altenheime und Krankenhäuser betroffen. Bei den Ende vergangener Woche gescheiterten Tarifverhandlungen hatte die staatliche Arbeitgeberseite Einkommenserhöhungen von 12,8 Prozent für die kommenden drei Jahre angeboten. Die dänischen Gewerkschaften verlangen mindestens 15 Prozent, um den Abstand zur besseren Bezahlung in der Privatwirtschaft zu verringern.
dlf-nachrichten 16.4.08


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 21. April 2008, 15:27:36
Seit Mitte vergangener Woche streiken in Dänemark 90.000 Pflegekräfte in Krankenhäusern, Kindergärten und Altenheimen für 15 Prozent mehr Lohn innerhalb der nächsten drei Jahre. Der staatliche Pflegebereich ist ein typischer Frauenberuf und wird deutlich schlechter bezahlt. Auch in Schweden wollen die Krankenschwestern für höhere Löhne streiken.


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 22. Mai 2008, 17:08:29
Indonesien    22.5.08    

 
Tangerang: Ca. 200 Angestellte des privaten Honoris Moderland-Krankenhaus traten in den Streik, und zwar Ärzte, Laborpersonal, Krankenschwestern, Krankenwagenfahrer. Das ist ein Drittel der Belegschaft. Sie fordern Gehaltserhöhung, Auszahlung der Überstundenzuschläge, die seit zwei Jahren nicht gezahlt werden, und die Erfüllung gesetzlicher Vorschriften, wie Menstruationsurlaub und Jahresurlaub. Wegen des Streiks konnten keine neuen Patienten aufgenommen werden.

Quelle: tempointeraktif, 22.5.08


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 27. Mai 2008, 10:49:59
Zitat
Belegschaft des Krankenhauses Leer beendet Streik

Die Belegschaft des Kreiskrankenhauses Leer hat mit einem zweitägigen Streik ihrer Forderung nach der Übernahme der Tarifeinigung für den öffentlichen Dienst Nachdruck verliehen. "Wir sind mit der Beteiligung sehr zufrieden", sagte am Freitag der Verhandlungsführer der Gewerkschaft ver.di, Ralf Pollmann. Die Aktion hatte nach Angaben der Gewerkschaft am Donnerstag mit der Frühschicht um 5.30 Uhr begonnen und sollte bis zum Ende der Spätschicht am Freitag dauern. Bislang habe es von der Arbeitgeberseite keine Reaktion gegeben, sagte Pollmann. Mit dem Ausstand wollen die 550 Mitarbeiter der 222-Betten-Klinik erreichen, dass die vor Kurzem errungene Tarifeinigung im öffentlichen Dienst auch für sie gilt.

Der Verhandlungsführer der Gewerkschaft, Ralf Pollmann, hatte weitere Streiks in der kommenden Woche nicht ausgeschlossen, sollte die Geschäftsführung nicht auf die Forderungen der Mitarbeiter eingehen. "Wir haben immer noch die Hoffnung, dass die Klinikleitung einlenkt", sagte Pollmann am Donnerstag.
Landkreis zeigt Unverständnis

Der Landkreis hatte schon vor dem Streik sein Unverständnis über die Aktion zum Ausdruck gebracht. Der angebotene Haustarifvertrag sei "mindestens gleichwertig, wenn nicht sogar besser" als der von der Gewerkschaft jüngst ausgehandelte Flächentarif. Der Haustarifvertrag schließe betriebsbedingte Kündigungen für die gesamte Belegschaft aus. Zudem seien Arbeitszeiten, Prämien und die Laufzeit des Vertrags vergleichbar.

http://www1.ndr.de/wirtschaft/streikinleer2.html



Zitat
Wieder Streik im Krankenhaus Leer
 
Mitarbeiter des Kreiskrankenhauses Leer sind am Dienstag erneut in einen ganztägigen Streit getreten. "Der Ausstand hat planmäßig mit der Frühschicht um 5.30 Uhr begonnen", sagte der Verhandlungsführer der Gewerkschaft ver.di, Ralf Pollmann. Etwa 80 bis 100 der insgesamt 550 Mitarbeiter würden sich an der Aktion beteiligen, weil ein Notdienst aufrecht zu erhalten sei. "Wir wollen die Krankenhausleitung wirtschaftlich treffen, nicht die Patienten", betonte Pollmann.

Schon am Montag hatten viele Beschäftigte ihre Arbeit niedergelegt. Betroffen waren nach ver.di-Angaben die OP-Pflege, die Anästhesie und die Zentralsterilisation. Auch für Donnerstag ist ein Streik angekündigt.

Streiks könnten noch ausgeweitet werden

Ver.di denke zudem darüber nach, den Ausstand auszuweiten, da die Geschäftsleitung bisher im Tarifkonflikt nicht eingelenkt habe, berichtete NDR 1 Niedersachsen. Die Gewerkschaft fordert, dass die kürzlich erzielte Einigung im öffentlichen Dienst auch für die 550 Mitarbeiter des Kreiskrankenhauses gelten soll. Das Kreiskrankenhaus sei der einzige Arbeitgeber im Umkreis, der statt eines Flächentarifvertrags nur einen Haustarifvertrag anbiete. "Wir fordern hier nichts Exotisches, sondern nur das, was ringsherum Standard ist", sagte Pollmann. Bereits am 8. und 9. Mai hatte es Streiks in der Klinik gegeben.

Der Landkreis Leer teilte mit, der angebotene Haustarifvertrag sei mindestens gleichwertig und biete den entscheidenden Vorteil, dass er anders als der Flächentarifvertrag betriebsbedingte Kündigungen ausschließe.

http://www1.ndr.de/wirtschaft/streikinleer4.html


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 12. Juni 2008, 13:24:33
Krankenschwestern in Dänemark setzen Streik fort

12.06.08 - Die dänischen Krankenschwestern setzen ihren achtwöchigen Streik fort. Sie fordern 15 Prozent mehr Lohn. Ein "letztes Angebot" der Regierung in Höhe von 12,8 Prozent wiesen sie zurück


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 26. Juni 2008, 10:51:12
Streik-Gefahr in Kliniken

Berlin. In deutschen Kliniken kündigen sich neue Streiks an. Ein ungewöhnlich breites Bündnis aus Ärzten, Gewerkschaften, kommunalen Arbeitgebern und Pflegekräften rief am Mittwoch zur "Rettung der Krankenhäuser" auf und kritisierte die Politik scharf.

"Das Maß ist voll", betonte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Rudolf Kösters: "Wir gehen jetzt auf die Straße." Für den 25. September ist eine Großdemonstration vor dem Brandenburger Tor in Berlin geplant. An diesem Tag wollen die meisten Hospitäler nur eine Notfallbesetzung anbieten.

Ein "Spar-Diktat" der Politik sowie Mehrausgaben wegen steigender Energiekosten und höherer Tarifabschlüsse hätten den Sektor an den Rand des Ruins getrieben, beklagte Kösters. Mittlerweile schreibe fast ein Drittel aller rund 2100 Krankenhäuser rote Zahlen. Die Vizepräsidentin des Deutschen Städtetages, Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU), warnte davor, Kliniken "ausbluten" zu lassen.

Ärztekammer-Vize Frank Ulrich Montgomery kritisierte, das Anfang der 90er Jahre eingeführte System der Budget-Deckelung für die Kliniken sei "für die Zukunftssicherung untauglich" geworden. Die vom Gesetzgeber festgelegten Beschränkungen lassen den Kliniken nach Darstellung des Aktionsbündnisses "null Chance", auf zahlreiche Kostensteigerungen zu reagieren. Damit werde die Versorgung der Patienten gefährdet, warnte Montgomery.

Die Proteste kommen nicht zufällig. Seit Monaten wird um die künftige Finanzierung der Kliniken gerungen - sowohl innerhalb der großen Koalition als auch mit den Ländern. Letztere werden dafür kritisiert, dass sie sich immer mehr aus ihrer Finanzierungsverpflichtung für die Krankenhäuser zurückzögen. Die Krankenkassen bezichtigen die Länder, sie hätten ihre Investitionen in die Kliniken systematisch gekappt: von 3,9 Milliarden Euro im Jahr 1993 auf 2,7 Milliarden 2006. Die Spitzenverbände der Kassen werfen aber auch der Krankenhaus-Lobby vor, ihre "Finanznot" übertrieben darzustellen und "einseitige", undifferenzierte Daten zu verwenden. Es gebe viele Beispiele dafür, dass gut geführte Hospitäler auch wirtschaftlich arbeiten könnten.

Eine rege Diskussion haben auch jüngste Ankündigungen von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) ausgelöst. Wenn Schmidt Milliardensummen für die Einstellung tausender neuer Pflegekräfte verspreche, müsse sie auch sagen, wo das Geld herkommen solle, mahnen die Kassen. Der Chef der DienstleistungsgewerkschaftVerdi, Frank Bsirske, hatte dazu gestern ein Rezept parat: Zur Notrettung der Krankenhäuser sollten die Beitragssätze zur gesetzlichen Krankenversicherung um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte angehoben werden.

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?sid=&em_cnt=1357758


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 19. Juli 2008, 12:32:14
Zitat
Die Gesundheitsministerkonferenz der Länder in Plön am 2./3. Juli war auch der Beginn der Kampagne von ver.di „Der Deckel muss weg“ in der Öffentlichkeit. So wurde die Konferenz in Plön von ca. 3.000 Krankenhausbeschäftigten mit einer Kundgebung und den Forderungen „Mehr Geld für Krankenhäuser, mehr Personal und Erhalt der Solidarsysteme“ begleitet. Dazu gab es Aktionen und Kundgebungen in verschiedenen Städten, z.B. in Bremen und Stuttgart. Bemerkenswert an dieser Kampagne ist der Schulterschluss der Gewerkschaft mit den fälschlich so genannten „Arbeitgebern“, dem Städtetag, den Krankenhausträgern, dem deutschen Pflegerat sowie verschiedenen Berufsverbänden der Pflege und der ÄrztInnen. Gemeinsam wurde ein Bündnis gegründet und die Kampagne entwickelt, die ihren Höhepunkt am 25. September 2008 mit einer bundesweiten Demonstration in Berlin haben soll. Die „Arbeitgeber“ selbst wollen für Fahrt und Freistellung der Beschäftigten in den Krankenhäusern sorgen, damit endlich mehr Geld ins Gesundheitssystem fließt!...


http://www.arbeitermacht.de/ni/ni131/deckel.htm


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 23. Juli 2008, 12:37:08
 Proteste in Regensburg  
Klinikmitarbeiter schlagen Alarm

(http://www.br-online.de/content/cms/Universalseite/2008/07/21/cumulus/BR-online-Publikation--165372-20080722130310.gif)

Die Krankenhäuser in Bayern stehen nach eigenen Angaben vor dem finanziellen Kollaps. Bei einer zentralen Protestkundgebung in Regensburg sprachen Klinik-Vertreter vor rund 5.000 Beschäftigten von einer drohenden Etatlücke von 750 Millionen Euro.

http://www.br-online.de/aktuell/klinikmitarbeiter-protest-regensburg-ID121665085688.xml


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 01. August 2008, 12:07:05
IG Bau-Newsletter 26/2008 - 1. August 2008: IG BAU deckt Missstände beim Gesundheits- und Arbeitsschutz auf - Putzkräfte als Wegwerfartikel behandelt (http://www.igbau.de/db/v2/newsletter.pl?nid=118&did=8534&sid=13334-6161181-1217581225.51548)

Die Berliner Charité hat ihren Skandal. Ein Großteil der Reinigungskräfte arbeitet ohne Impfschutz. Viele Putzkräfte werden zudem ohne die vorgeschriebene Untersuchung durch den Betriebsarzt zur Arbeit in die Klinik geschickt. Sie kommen so an Krankenbetten und in sensible Bereiche wie Operationssäle. Das hat jetzt die Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU in Berlin aufgedeckt.

„Es sind Zustände, die zum Himmel schreien“, sagt Mirko Hawighorst, der IG BAU-Branchensekretär für die Gebäudereinigung in Berlin. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen die fürs Putzen zuständige Charité Facility Management GmbH (CFM): „In den meisten Fällen gibt es keine ordentliche Einweisung für die Reinigungskräfte. Das sind oft bestenfalls‚ Turbo-Einweisungen am grünen Tisch’. Die neuen Reinigungskräfte müssen dann unterschreiben, dass sie über alles informiert wurden. Und das war’s ...“ Von einer gründlichen Aufklärung über die Gefahren in einer Klinik und beim Umgang mit Spezial-Reinigern könne keine Rede sein.

Dabei putzen die Reinigungskräfte – so die IG BAU - auch in ganz heiklen Klinikbereichen: auf Intensiv-, Infektions-, Onkologie- und Hämatologiestationen zum Beispiel. „Dazu braucht man Know-how – solides Grundwissen über Hygiene. Genau das wird den Reinigungskräften aber vorenthalten. Sie werden von der CFM regelrecht ins kalte Wasser geschmissen“, so Mirko Hawighorst. Das sei ein „Ding der Unmöglichkeit“. Die Putzkräfte arbeiteten schließlich im Umfeld von Patienten mit hohem Infektionsrisiko. Gleichzeitig müssten die Beschäftigten Tag für Tag mit infektiösem Material hantieren.

Die IG BAU zeigte auf ihrer Pressekonferenz in Berlin Video-Einspieler. Darin berichten Arbeitnehmer von teilweise haarsträubenden und erschreckenden Erlebnissen, die sie als CFM-Beschäftigte gemacht haben. Ein Mann schildert seinen Arbeitsalltag so: „Im Keller wurden die Möppe gewaschen. Ich habe sie in Tüten bekommen. Und dann musste ich sie halt auskippen und in die Waschmaschine reinmachen, wobei ich keine Handschuhe hatte und keine Impfungen. Unter anderem kamen auch blutige Möppe an.“ Immer wieder hätten Kanülen in den Wischmöppen gesteckt. Dabei habe er sich auch gestochen.

„Das ist skandalös“, sagt Lothar Nätebusch. Der Berliner IG BAU-Bezirksverbandsvorsitzende wirft der CFM vor, die Gesundheit ihrer Beschäftigten bewusst leichtfertig aufs Spiel zu setzen. In einer Klinik wie der Charité sei die Infektionsgefahr enorm. Das HI-Virus und Hepatitis A-, B- oder C-Viren seien quasi ständig präsent. „Gegen Hepatitis A und B kann man sich Impfen. Die komplette Schutzimpfung kostet rund 200 Euro. Es ist ein Trauerspiel, dass der CFM viele Putzkräfte dieses Geld offensichtlich nicht wert sind“, sagt Lothar Nätebusch. Dabei habe der Arbeitgeber die Pflicht, im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen Impfungen anzubieten. „Es ist beschämend, dass sich die CFM hier – offensichtlich aus reiner Profitgier – drückt“, so Nätebusch.

Diesen Vorwurf untermauerte die IG BAU mit Fakten: Nach einer internen Liste, in die die Gebäudereiniger-Gewerkschaft Einblick nehmen konnte, hatten bis vor kurzem beispielsweise im Virchow-Klinikum lediglich acht von 354 CFM-Mitarbeitern eine Schutzimpfung. Seit 2006 sind dort nach den vorliegenden Informationen neu eingestellte Reinigungskräfte nicht mehr geimpft worden.
Beim Campus Charité Mitte waren laut Unterlagen lediglich 60 CFM-Beschäftigte geimpft, 141 Reinigungskräfte dagegen nicht. Und im Campus Benjamin Franklin arbeiteten den Informationen zufolge 233 CFM-Angestellte ohne Schutzimpfung. Lediglich 25 waren geimpft.

Die IG BAU forderte Charité und CFM heute auf, allen Reinigungskräften sofort einen umfassenden Impfschutz anzubieten und eine ausgiebige Einweisung in den Hygieneplan und in die jeweiligen Arbeitsbereiche zu machen. Die Gebäudereiniger-Gewerkschaft warf der CFM vor, nicht nur beim Arbeits- und Gesundheitsschutz die Interessen der Beschäftigten zu ignorieren. „Die CFM arbeitet nach dem Prinzip: Hire and Fire“, sagt Hannes Rosenbaum. Der stellvertretende Regionalleiter der IG BAU Berlin-Brandenburg sprach von „Wild-West-Methoden“, die an der Charité herrschten. Das betreffe – wie auch beim mangelnden Gesundheitsschutz – alle Einrichtungen: den Campus Charité Mitte, den Campus Benjamin Franklin, den Campus Virchow-Klinikum und den Campus Berlin Buch.

„Für die CFM-Reinigungskräfte gibt es oft nur Verträge für fünf oder sechs Monate. Wer einen Ein-Jahres-Vertrag hat, hat schon das große Los gezogen“, sagt Hannes Rosenbaum. Die CFM lasse ihre Beschäftigten „zappeln“. „Bis zum letzten Tag wissen viele nicht, ob sie weiterbeschäftigt werden oder am nächsten Morgen auf der Straße stehen. Das betreibt die CFM mit System: Da herrscht das System der Angst“, so der IG BAU-Vize von Berlin Brandenburg.

Die CFM lasse nichts unversucht, ihre Beschäftigten einzuschüchtern, so Rosenbaum. Auslaufende Arbeitsverträge würden systematisch genutzt, um Druck auf die Putzkräfte auszuüben. „So setzt die CFM schlechtere Vertragskonditionen durch. Und das bedeutet: mehr putzen fürs gleiche Geld. Das ist der Zwang zum Turbo-Putzen“, so IG BAU-Vize-Regionalleiter Hannes Rosenbaum. Das sei „Lohndrückerei“. Die CFM laufe dabei Gefahr, den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn auszuhebeln. Sollte es nur den leisesten Verdacht auf Dumpinglöhne geben, werde die IG BAU als Gebäudereiniger-Gewerkschaft den Zoll alarmieren.

„Ein System der Angst, enormer Arbeitsdruck und die Tatsache, dass sich die CFM wenig um die Gesundheit ihrer Beschäftigten kümmert – unterm Strich bleibt da die erschreckende Erkenntnis: Die Reinigungskräfte fühlen sich von der CFM wie Wegwerfartikel behandelt“, sagt Hannes Rosenbaum. Die IG BAU werde sich in den kommenden Wochen intensiv um die „Zustände in der Charité“ kümmern. Ziel der Gebäudereiniger-Gewerkschaft sei es, gemeinsam mit dem Betriebsrat einen ordentlichen Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie ordentliche, dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse mit fairer Entlohnung zu schaffen.

Der Video-Einspieler läuft ab Freitag, 1. August 2008, ca. 13.00 Uhr auch hier (http://www.igbau.de/db/v2/frameset.pl?sid=8529). Zum Abspielen einfach auf das Kamera-Symbol unter dem Artikel klicken.

Welt-online: Charité-Reinigungskräfte - Hohes gesundheitliches Risiko (http://newsticker.welt.de/index.php?channel=ver&module=dpa&id=18482892)

Statements von CFM-Beschäftigten (http://www.igbau.de/db/v2/download.pl/Statements_von_CFM_Beschaeftigten.pdf?file=Statements_von_CFM_Beschaeftigten.pdf&did=6353&nl=1)

Unfallversicherung - Regeln Gesundheitsschutz (http://www.igbau.de/db/v2/download.pl/Unfallversicherung___Gesundheitsschutz.pdf?file=Unfallversicherung___Gesundheitsschutz.pdf&did=6354&nl=1)


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 07. August 2008, 19:49:07
Krankenhaus von unten (http://www.netzwerk-verdi.de/63.0.html)


Titel: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 24. August 2008, 19:33:13
15.08.08 - Am Dienstag traten die Ärzte und das Krankenhauspersonal der 77 staatlichen Krankenhäuser in der argentinischen Provinz Buenos Aires in einen 48-stündigen Streik. Sie verlangen eine Erhöhung der Gesundheitsausgaben, höhere Gehälter und eine Verbesserung der angespannten Personalsituation. Nach Angaben von Alejandra Garcia, Mitglied der Krankenhausgewerkschaft, arbeiteten in ihrem Krankenhaus vor zehn Jahren noch 460 Kräfte. Heute sind es nur noch 260.


Titel: Re: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 22. November 2008, 18:28:23
Zitat
Kritische Nachbetrachtung zur Großdemonstration in Berlin am 25. 9. 08

Laut Pressenangaben protestierten dort 130.000 Klinikbeschäsftigte aus dem gesamten Bundesgebiet. Aufgerufen hatte dazu ein „Aktionsbündnis Rettung der Krankenhäuser“. Dieses setzte sich aus dem üblichen gewerkschaftlichen Klimbim, ver.di / dbb Tarifunion, der Arbeiterwohlfahrt, dem Deutschen Pflegerat und der Gegenseite, den Arbeit“gebern“, zusammen (Deutsche Krankenhausgesellschaft, Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, Verband der Krankenhausdirektoren).
Ziel des ganzen war vom Staat eine bessere finanzielle Situation für die Kliniken zu fordern. Es sollte Schluss gemacht werden mit der Deckelung des Krankenhaus Budgets.

Die ver.di verbucht die Aktion sicherlich als Erfolg, da mehr als doppelt so viele TeilnehmerInnen anreisten, als erwartet. Sie stellte massenhaft Busse zur Verfügung. Und auch die Klinikbetreiber ließen sich nicht lumpen. Mancherorts wurde den MitarbeiterInnen sogar ein freier Tag in Aussicht gestellt, sollten sie an der Demonstration teilnehmen. Das spricht schon Bände.
(...)
Diese Masse der KollegInnen wurde hauptsächlich von den Gewerkschaften agitiert und auch optisch von dieser ausgestattet. Viele waren auch zum ersten Mal auf einer Demonstration. Es gab selbst gemalte Schilder und Transparente, die sich aber inhaltlich nur mit dem Motto konform stellten. Insgesamt verhielt sich die Masse komplett passiv.
(...)
Dennoch hat sich für uns gezeigt, dass viele nach alternativen Ansätzen zur klassischen Gewerkschaftsarbeit bzw. „-politik“ suchen oder heimlich damit liebäugeln. Mit diesem Bündnis haben sich die Gewerkschaften keinen Gefallen getan. In Berlin hat sich nur die Kluft zwischen den Bossen & Gewerkschaftsführern auf der einen und den Beschäftigten auf der anderen Seite verdeutlicht. Es ist durchaus ein Erlebnis mit 130.000 KollegInnen gemeinsam zusammen zu stehen. Wenn allerdings die Inhalte nur um des Bündnis Willen derart zurecht gedreht werden, verzerrt das noch mehr als die Realität. Montgomery vom Marburger Bund meinte in der abschließenden Rede, dass wir uns alle bald wieder sehen werden. Wer´s glaubt? Eine Kollegin aus den Amper Kliniken sagte auf der Rückfahrt, dass auf die Aktion eigentlich jetzt ein Streik folgen müsste. Damit hat sie vollkommen recht! Aber den Staat trifft ein Ausstand eher nicht. Es trifft immer den Arbeit“geber“. Und die haben ja mit uns gemeinsam, geistig nicht körperlich, mit demonstriert. Schon verrückt.......

Deshalb:

Wir erkennen weder Sozialpartnerschaft noch Friedenspflicht an

Das Einzige, dass wir anerkennen sind die Bedürfnisse unserer KollegInnen

Für uns wird Gesundheit nie zur Ware

Ob in öffentlichen oder privatisierten Einrichtungen, der Gegner steht fest

KEIN BURGFRIEDEN MIT DEM KAPITAL

Die Befreiung der ArbeiterInnen kann nur das Werk der ArbeiterInnen selbst sein


Unabhängige Betriebsgruppe AmperKliniken


http://www.ungesundleben.org/privatisierung/index.php/Betriebsgruppe_AmperKliniken#Kritische_Nachbetrachtung_zur_Gro.C3.9Fdemonstration_in_Berlin_am_25._9._08


Zitat
Uni-Klinika Gießen und Marburg (Rhön): Hohe Investitionen, hohe Gewinne, hohe Leistungsverdichtung, Lohnsenkungen

http://www.ungesundleben.org/privatisierung/index.php/Uni-Klinika_Gie%C3%9Fen_und_Marburg#Hohe_Investitionen.2C_hohe_Gewinne.2C_hohe_Leistungsverdichtung.2C_Lohnsenkungen

Zitat
Das Klinikum Wahrendorff GmbH ist östlich der Landeshauptstadt Hannover gelegen, und ist eine private Psychiatrie-Einrichtung...Ende 2005 stand der neu gewählte Betriebsrat, viele Mitglieder davon aus der ver.di-Wahlliste „Courage“. Von Beginn sei der neugewählte Betriebsrat mit Gerichtverfahren überschüttet worden. Unter den Gerichtsverfahren war auch der Angriff gegen Neuwahlen des Betriebsrates. Verantwortlich für das Überziehen mit Gerichtsverfahren sei im Laufe der Zeit auch der geschäftleitungsnahe Betriebsrat "Dialog/Zukunft" gewesen. Mit dabei gewesen sei die Orts-Bürgermeisterin von Ilten, Gisela Neuse (SPD)...

http://forum.mobbing-gegner.de/viewtopic.php?p=2413.html

Zitat
"Hannover/Ilten, den 3.10.08. In das durch die Gewerkschaft Gesundheitsberufe Hannover (GGB) angestrebte Strafverfahren wegen des Verdachts der Behinderung und versuchten Behinderung der Betriebsratsarbeit gegen die Geschäftsführer der Wahrendorffschen Privatpsychiatrie Dr. Matthias Wilkening, Alfred Jeske sowie gegen die das Klinikum vertretende Anwältin Elisabeth Mysegades kommt nun Bewegung.(...)Die Polizei ermittelt nun also im Klinikum Wahrendorff..."

http://www.fau.org/ortsgruppen/hannover/gs/privatisierung/art_081010-224940
Zitat
Frankreichs Notärzte warnen vor Todesfällen bei geplantem Streik
Donnerstag, 20. November 2008

Paris –  Frankreichs Notärzte haben vor Todesfällen bei ihrem geplanten Streik im Dezember gewarnt. Jahrelang habe das Personal in den Notaufnahmen es hingenommen, trotz Arbeitsniederlegungen zum Dienst eingeteilt und verpflichtet zu werden, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Notärzteverbandes AMUF, Régis Garrigue, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Paris.

“Wir sind nicht mehr glaubwürdig, diesmal weigern wir uns.“ Wenn die Notärzte zu Monatsbeginn in den Ausstand träten, werde es Tote geben, warnte der Arzt. Der Verband protestiert gegen schlechte Arbeitsbedingungen und die geplante Schließung von Notaufnahmen und Bereitschaftsstellen.

Während es immer weniger Mittel gebe, müssten die Mediziner immer mehr Patienten versorgen, sagte der AMUF-Vorsitzende Patrick Pelloux. „Drei Viertel der Notärzte sind 'ausgebrannt', es reicht.“ © afp/aerzteblatt.de

http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=34464




Titel: Re: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 22. November 2008, 19:56:14
Ursachen, warum die Kosten im Gesundheitswesen ausufern:
  • Mittlerweile erhalten AG das 4. Steuer- und Beitragsgeschenk von der Großen Koalition im Rahmen der Steuer- und Gesundheitsreform. Wenn jetzt die Kosten im Gesundheitswesen und der Krankenversicherung weiter steigen, dann auch deswegen, weil AG sich völlig aus der Finanzierung der medizinischen Betreuung ausklinken und die Finanzierung nur noch auf den Buckel der AN und Bürger abladen, sich selbst aber seitwärts in die Büsche schlagen und das um so schneller, je mehr sie in den Betrieben die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsklima verschlechtern, den Arbeits-, Gesundheits- und Brandschutz verschlampen, das Arbeitstempo erhöhen, für psychischen Stress und Mobbing sorgen.
  • Es gibt unsinnige Beitragsbemessungsgrenzen, die nur dem einen Zweck dienen, daß Beschäftigte der oberen Einkommensgruppen von einer gerechten Beitragsbeteiligung verschont werden, obwohl sie viel leistungsfähiger sind, finanzielle Lasten zu tragen.
  • Ganze Berufsgruppen schrauben sich ihre Versicherungs- und Beitragsrisiken herunter, weil sie in unsolidarischen, egoistischen Privatversicherungen und eigenen Versorgungswerken Mitglied sind oder sich wie Politiker, Abgeordnete, Beamte, Freiberufler und Selbstständige durch den Steuerzahler beitragsfrei aushalten lassen. Deshalb ist es längst an der Zeit für eine Bürgerversicherung nach Schweizer Vorbild.
  • Privatisierung der medizinischen Einrichtungen und  Krankenversicherung läuft auf Personalreduzierung und Lohndrückerei hinaus bei gleichzeitiger Zunahme der Arbeiten auf das verbliebene Restpersonal.
  • Sofern Tarifsysteme in der Arbeitsvergütung existierten, so werden Sie durch Wegekeln von ver.di und Einschleusen von Ablegern christlicher Gewerkschaften in Medizineinrichtungen und von Rettungsdiensten gefördert. Berühmtberüchtigt ist der DHV.
  • Die Ärzte machen mit ihren Lobbygruppen wie dem Marburger Bund ihre eingene Standes- und Lohnpolitik auf Kosten anderer medizinischer Berufsgruppen und auf Kosten der Versicherten und Patienten. Ärzte lassen sich staatlich ausbilden und suchen sich nach Erlangen ihres Berufstitels die Rosinen in der Karriereentwicklung raus. Sie müssen keine gesellschaftlich notwendigen Einsatzverpflichtungen eingehen, erstmal dort für zwei bis fünf Jahre dort tätig zu werden, wo sie dringend gebraucht werden. Sie können gleich dorthin verduften, wo der Zaster ordentlich klingelt und wenn es die Auslandsflucht ist. Man sollte dann von diesen Herrschaften eine Rückzahlungspflicht für die Ausbildungskosten verlangen, wenn sie sich ins Ausland absetzen. Das ist nur recht und billig.
  • Wenn es Ärzten nicht passt, sich an die Spielregeln kassenärztlicher Versorgung zu halten, dann erpressen Sie Patienten nur unter den Bedingungen einer kostenträchtigen Privatbehandlung medizinisch zu versorgen. Das sie dabei ihre eigene medizinische Ethik verletzen, ist ihnen egal. Der Eid des Hippokrates ist nur hinterlich dabei. Ich beschreibe das jetzt mal umgekehrt genauso absolutistisch überzogen wie es die Medien mit der Sozialschmarotzerei von Arbeitslosen macht.
  • Die Kalkulationsysteme zur Preisbildung medizinischer Behandlungsmaßnahmen sind verschleiert, intransparent. Die Pharmaindustrie, die Ärzteschaft, die Apothekerverbände, die Kassenärtliche Bundesvereinigung haben an der Offenlegung der Preiskalkulationen den Krankenkassen und den Versicherten gegenüber kein Interesse. 
  • Wir haben eine unsinne Anzahl von Krankenversicherungen mit unterschiedlicher technischer Ausstattung und unterschiedlichen Organisationssystemen. Zusammenschlüssen der Kranken- und Pflegeversicherungen werden nötig und die Standardisierung der technischen Ausrüstungen und Vereinheitlichung der Organisationsstrukturen.
  • Private Kranken- und Rentenversicherungen sind abzuschaffen, da sie den Egoismus fördern und sich nur die Rosinen unter der Klientel raussuchen.
  • Wir haben zu viele niedergelassene Privatärzte statt Polikliniken und Praxisgemeinschaften. Jeder einzelne niedergelassene Arzt staffiert sich technisch unsinnig aus, wobei der Auslastungsgrad duieser Technik bescheiden aussieht. In Polikliniken, und Praxisgemeinschaften nutzt man die Medizin- und Labortechnik effektiver. Das gleiche trifft für Krankenhäuser zu. Wir brauchen neben der allgemeinmedizinischen Behandkungsbereichen in Krankenhäusern durch Errichtung von Krankenhausverbundsystemen die medizinische Spezialisierung.
  • Es gibt weder eine Positiv- noch Negativliste von zugelassenen Medikamenten und pharmazeutischen Produkten, sondern das unsinnige Wirkstoffprinzip mit den erheblich negativen Nebenwirkungen von behandelnden Patienten. Auch die Aufrechterhaltung und Tricksereien der Pharmaindustrie von Patent- und Lizenzrechten wird nicht angegangen.
  • Die Pharmaindustrie schmiert die Ärzteschaft mit Fortbildungsmaßnahmen und Urlaubsreisen, wobei die sich dann verpflichtet fühlen, exklusive Lieferverträge mit Pharmaprodukten einzugehen. Die Pharmaindustrie liefert gleichzeitig manipulierte Bestellsoftware an die Ärzte. Es gibt keine neutrale Stelle, die für die Ärztefortbildung und Praxisausstattung zuständig ist.
  • Wird die Medizintechnik defekt, so werden nicht die defekten Teile der Medizintechnik repariert, sondern gleich ganze Baugruppen komplett ausgewechselt oder das komplette Gerät ausgetauscht, wo ein großer Teil davon völlig intakt ist.
Das nur Mal eine aus dem Stehgreif ausgesuchte Liste, die zeigt, wieviel Luft zum richtigen Sparen im Gesundheitswesen und den Krankenversicherungen noch drin steckt. Keiner der Entscheidungsträger ist aber willens Standpunkt zu beziehen und sinnvolle Einsparungen zum Nutzen der Steuer- und Beitragszahler durchzusetzen. Es gibt zuviel Lobbygruppen und Wirtschaftsunternehmen im Pharma- und Medizinbereich, die ihre Macht sich nicht streitig machen lassen.


Titel: Krankenhauspersonal streikt bei Besuch von Sarkozy
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 09. Januar 2009, 10:03:34
Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy wird bei seinem morgigen Besuch zur Einweihung des neuen Straßburger Krankenhauses von streikenden Angestellten empfangen. Ein Teil der 2700 Mitarbeiter in der Klinik habe bereits mit dem Protest gegen Personalabbau, Überlastung und reduzierte Mittel begonnen, sagte heute ein Gewerkschaftssprecher. Die öffentlichen Krankenhäuser Straßburgs seien zur Rentabilität verpflichtet, hätten jedoch ein Defizit von 30 Millionen Euro angesammelt.

http://www.tv-suedbaden.de/default.aspx?ID=2973&showNews=330795http://www.tv-suedbaden.de/default.aspx?ID=2973&showNews=330795


Titel: Re: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 17. Januar 2009, 20:14:59

Freitag, 16. Januar 2009 08:46
Streik an der Uni-Klinik

An der Ulmer Uniklinik streiken heute die Azubis und Praktikanten. Hintergrund für den ganztägigen Warnstreik sind die Tarifverhandlungen für die vier baden-württembergischen Unikliniken, die heute in Freiburg beginnen.

Dorthin fahren die Streikenden auch per Bus. Die Gewerkschaft ver.di fordert für die Azubis, Praktikanten und Schüler 160 Euro mehr im Monat, die festangestellten Arbeitnehmer sollen 350 Euro mehr bekommen. Angesichts der hohen Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln sei die Forderung durchaus berechtigt, so Gewerkschaftssekretärin Ilka Ulrich. Zuletzt hatte es im letzten Jahr 2,9 Prozent mehr gegeben.

http://www.kanal8.de/default.aspx?ID=3982&showNews=334435


Titel: Warnstreik an der Uniklinik in Freiburg
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 19. Januar 2009, 19:09:44


Freiburg, 19.01.09: Am 16. Januar begannen die Tarifverhandlungen zwischen den vier baden-württembergischen Unikliniken und der Gewerkschaft Verdi. 150 Azubis aus Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm beteiligten sich am Warnstreik. Vor dem Verhandlungsort, der Uniklinik-Kantine in Freiburg, gab es eine Kundgebung mit ca. 250 Beschäftigten.

Die Klinik-Vorstände machten kein Angebot und meinten zur Forderung der Klinik-Beschäftigten, diese seinen "überzogen". Dafür wurde der Uniklinik-Vorstand kräftig ausgepfiffen. Verdi fordert eine Lohnerhöhung um monatlich 350 Euro unter anderem für Krankenschwestern, Pfleger und Medizintechniker. Auszubildende sollen 160 Euro mehr bekommen.

Die Stimmung unter den Kundgebungsteilnehmern war gut, kämpferische Reden gab es von den Jugend- und Auszubildendenvertretungen, Teilnehmern der Tarifkommission und dem Personalratsvorsitzenden der Uniklinik Freiburg. Der nächste Warnstreik wird voraussichtlich am Donnerstag, 22. Januar, stattfinden.


Titel: Re: Warnstreik an der Uniklinik in Freiburg
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 20. Januar 2009, 11:24:54
Freiburg, 19.01.09: Am 16. Januar begannen die Tarifverhandlungen zwischen den vier baden-württembergischen Unikliniken und der Gewerkschaft Verdi. 150 Azubis aus Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm beteiligten sich am Warnstreik. Vor dem Verhandlungsort, der Uniklinik-Kantine in Freiburg, gab es eine Kundgebung mit ca. 250 Beschäftigten.

Die Klinik-Vorstände machten kein Angebot und meinten zur Forderung der Klinik-Beschäftigten, diese seinen "überzogen". Dafür wurde der Uniklinik-Vorstand kräftig ausgepfiffen. Verdi fordert eine Lohnerhöhung um monatlich 350 Euro unter anderem für Krankenschwestern, Pfleger und Medizintechniker. Auszubildende sollen 160 Euro mehr bekommen.

Die Stimmung unter den Kundgebungsteilnehmern war gut, kämpferische Reden gab es von den Jugend- und Auszubildendenvertretungen, Teilnehmern der Tarifkommission und dem Personalratsvorsitzenden der Uniklinik Freiburg. Der nächste Warnstreik wird voraussichtlich am Donnerstag, 22. Januar, stattfinden.

Die Kehrseite der Medaille:

Sind solche Agenturmeldungen Langzeitarbeitslosen von Vorteil? Sollen die Hurra brüllen, daß es diesen Menschen, die noch in Lohn und Brot stehen, besser gehen wird, derweil man selbst Monat um Monat als Nicht-lLeistungsberechtigter angesehen wird, aber immer dafür zu sorgen hat, daß die Kontendeckung auf dem eigenen Girokonto ausreicht, wenn die Krankenversicherung Monat um Monat die KV- und PV-Beiträge abbucht?

Und wehe, zum Abbuchungstag ist das Konto nicht gedeckt, dann erhält man von seiner KV sofort die Kündigung. Woher man die Finanzen hernimmt, ist sowohl den AG, den Arbeitsagenturen, der Krankenversicherung, anderen Abkassierern und diesen Streikenden scheißegal. Die Streiks bedeuten für uns Arbeitslosen baldige Beitragserhöhungen, denn die AG haben ihre Beitragslasten vom Gesetzgeber einfrieren lassen und weitere Steigerungen auf die AN abgewälzt. Und da KV und PV angeblich eine Solidargemeinschaft darstellen, holen sich die Krankenkassen die durch Lohn- und Gehaltserrhöhung bedingten Beitragslasten von ihrer "Solidargemeinschaft" wieder, sie reichen diese Kosten nur durch.

Und dann muß man noch zwischen AN, Arbeitslosen im Leistungsbezug und Arbeitslosen ohne Leistungsbezug eine klare soziale Trennungs- und Belastungslinie ziehen. AN und in Leistungsbezug stehende Arbeitslose bezahlen ihren AN-Beitragsanteile zur KV und PV. Ihr Regelsatz wird dabei nicht zusätzlich angetastet. Von einem Gleichgewicht an sozialer Belastung zwischen AG und AN bzw. Arbeitslosen im oder ohne Leistungsbezug kann man seit Jahrzehnten schon lange nicht mehr reden, betrachtet man sich die Liste der nicht mehr von Krankenkassen im Leistungskatalog anerkannten Medikamente, Behandlungsmaßnahmen, betrachtet man sich die Vielzahl der Zuzahlungen, der Praxisgebühr und der Nötigung durch behandelten Ärzten von krankenkassenfinanzierten Leistungen abzusehen und mit Privatrechnungen gleich die Patienten/Versicherten zu erpressen.

Nach § 240 SGB V wird einem Arbeitslosen, der nicht im Leistungsbezug steht, vom Gesetzgeber - also den Arschlochabgeordneten im Bundestag ein fiktives Bruttomonatseinkommen vorgerechnet, um die KV- und PV-Beiträge ermitteln und in Rechnung stellen zu können. Das fiktive Bruttomonatseinkommen erhält der Arbeitslose ohne Leistungsbezug aber von Niemandem. Ist ein von den Arschlochbundestagsabgeordneten ausgesonnes Hirngespinst, um sich das Recht herauszunehmen, diese Personengruppe gleich heftig abzuzocken mit der Langzeitwirkung, sie schnellstmöglich arm zu machen und zu verelenden. Im Gegenzug gibt es keinerlei bessere amtliche und aktive Arbeitsvermittlung, um schnell wieder aus dem finanziellem Dilemma herauszukommen. Man ist nunmal lt. Eingruppierung durch McKinsley und Roland Berger den Betreuungskunden gleichgestellt. Jahrelanges Ausnehmen wie die Weihnachtsgänse, in den Selbstmord jagen und als menschlicher Sondermüll mit dem großspurigen Menschenwürde-Artikel des GG entsorgen.

Und nun aufgemerkt: Einem Arbeitslosen außerhalb des Leistungsbezugs werden gleich die AN- und AG-Beitragsanteile zur KV und PV abgezogen. Dazu kommen eben die Zuzahlungen, Praxisgebühren und die ärztliche Nötigung, erforderliche Behandlungsmaßnahmen statt krankenversichert besser privat zu bezahlen.

Da dürfte es für Jeden nachvollziehbar werden, daß man sich über solche Streikmeldungen nicht vor lauter Freude auf die Schenkel haut. Wenn von den Gebeutelten eine Personengruppe etwas mehr an Lohn und Sozialleistungen zugestanden wird, dann zahlen daß gewiß nicht die Schönen, Reichen, Promis oder Unternehmer, sondern die Masse Derjenigen, die unterhalb den in Lohn und Brot stehenden AN sich befinden. So geht's nunmal zu in einer Ausbeuter- und Unterdrückungsgesellschaft.

Und genau diese Zustände haben auch die bekloppten DDR-Wähler zu verantworten, die ihr Kreuz bei dem CDU-Scheißhaufen auf den Wahlscheinen setzten. Das sollten sich diese Leute mal vor Augen halten und die Verantwortung für ihr damaliges Fehlverhalten übernehmen. Die CDU-Wähler im Westen sind dabei keinen Deut besser. Auch sie sind verantwortlich für den sozialen Niedergang bei ihren Mitmenschen.

Von wegen die Starken tragen mehr an sozialen Lasten ?????


Titel: Re: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 20. Januar 2009, 17:57:52


Tübingen (Korrespondenz), 20.01.09: Das ist einer der Sprüche, die gegen die "Finanzkrise auf unserem Konto" in der Tarifrunde bei den Unikliniken Baden-Württembergs die Runde machen. Über die Festgeldforderung sind die Arbeitgeber hell entsetzt: das könne niemand zahlen, könne nicht "refinanziert" werden, würde weitere Stellen kosten und überhaupt - in der Krise so hohe Forderungen, das geht ja gar nicht.

Wer hat uns je "refinanziert"? Seit Jahren hängen die Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitswesen hinter der allgemeinen Lohnentwicklung zurück, 50.000 Pflegestellen wurden trotzdem vernichtet und inzwischen sind Pflegekräfte oft schon Mangelware.

Die verbliebenen schuften sich kaputt und wollen jetzt mal was tun gegen ihre chronische private Finanzkrise. Die Antwort der Arbeitgeber war "kein" Angebot. Also ist am Donnerstag der erste Warnstreik. Dazu muss noch kräftig mobilisiert werden, denn der Druck ist riesig, allerdings auch der Unmut. Packen wir´s an!

(http://www.rf-news.de/2009/kw04/unser-konjunkturprogramm-350-euro-fuer-alle-160-fuer-die-azubis/image_mini)


Titel: Re: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 23. Januar 2009, 15:54:24
Streik bei Uni-Kliniken: 350 Euro für alle
Tübingen

400 Warnstreiker/innen am Tübinger Uni-Klinikum wollen Konjunkturspritze auf der Gehaltsabrechnung sehen.


(http://tagblatt.de/nix.gif)

Am Warnstreik der vier Uni-Klinika in Baden-Württemberg am Donnerstag beteiligten sich auch rund 400 Mitarbeiter/innen der Tübinger Uni-Kliniken. Sie forderten einen monatlichen Aufschlag von 350 Euro für alle.

Für Auszubildende sollen es 160 Euro sowie eine tarifliche Qualitätsvereinbarung für die Ausbildung sein. Ihre Forderungen skandierten sie am Donnerstagmorgen bei einer Demonstration von der Frauenklinik zum Schnarrenberg-Klinikum und vor dem dortigen Casino. „Wir werden solange auf die Straße gehen, bis wir ein Ergebnis haben, mit dem wir zufrieden sind“, rief Angela Hauser, die Personalratsvorsitzende des Klinikums, unter Beifall.

„Wir haben schwierige Zeiten auch deshalb, weil die Beschäftigten nicht genug Geld in der Tasche haben“, sagte Hannelore Herrmann, Tarifsekretärin im Verdi-Landesbezirk Baden-Württemberg. „Das Konjunkturprogramm der Bundesregierung muss von der Lohnseite her gestützt werden – sonst verpufft es.“

Auch Martin Gross, Geschäftsführer der Verdi-Bezirksverwaltung Neckar-Alb, der SPD-Bundestagskandidat Martin Rosemann, der Linken-Europa-Abgeordnete Tobias Pflüger und seine Berliner Bundestagskollegin Heike Hänsel unterstützen die Forderungen der Klinikums-Mitarbeiter. „Das Uni-Klinikum hat 24 Millionen Euro Rücklage. Man könnte sagen, das ist euch entzogen worden“, rief der Reutlinger Verdi-Sekretär Klaus Biener.

Baumaßnahmen solle die Landesregierung finanzieren und nicht aus dem Lohntopf der Beschäftigten abzweigen, forderte der Gewerkschafter. „Gute Arbeit braucht guten Lohn“, sagte Martin Rosemann. Am heutigen Freitag soll ein erstes Angebot der Länder-Arbeitgeber an die Tarifkommission gehen. Am 30. Januar sind Tarifverhandlungen in Stuttgart angesetzt.

http://tagblatt.de/2865978


Titel: Re: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 23. Januar 2009, 20:02:02
Wohin führt die Klientelpolitik der CDU/CSU/FDP/SPD im Gesundheits- und Sozialversicherungsbereich?

Statt dass die Beitragsbelastung gesenkt wird, die Kostentreiber kalt gestellt und strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden, ist der Gesundheitsfonds von den Regierungsparteien so gestaltet worden, das er für diese Regierungsklientel zum Selbstbedienungsladen verkommt. Ihnen ist es scheißegal, daß sie als Kostentreiber die SV-Beiträge auch in Zukunft in die Höhe jagen.

Zu diesen Kostentreibern zählen die Pharmaindustrie, die Ärzteverbände, die Apothekerverbände, die Hersteller von Medizintechnik, die Krankenhäuser, die Rettungs- und Krankentransportdienste, die Krankenkassen selber, um nur einige davon zu nennen.

Aktuell gehen Vertreter von Krankenversicherungen bei Ärzteverbänden und niedergelassenen Ärzten hausieren, um dort mit unseriösen Schmiergeldangeboten die Behandlungseinstufung, die Diagnosecodierung ihrer Patienten Richtung chronischer Erkrankungen zu manipulieren. Je schwerwiegender und langanhaltender die Behandlung, desto mehr Zuwendungen erhalten die am Gesundheitsfonds begünstigenden Seiten. Und da zählt momentan nur das Prinzip: Wer zuerst kommt mahlt zuerst und kann das Meiste abstauben. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, der hat das Nachsehen und geht Pleite. Das ist eben der soziale und finanzielle Schaden am gesundheitlichem Versorgungssystem, wenn man auf konkurrierde Privatwirtschaft statt Bürgerversicherung setzt und die Gesundheit zur Handelsware macht. Konkurrenzkampf hat in bestimmten Volkswirtschaftsbereichen nichts zu suchen und dazu zählt eben das Gesundheitswesen, die Kranken-, Pflege-, Renten- und Unfallversicherung.

So mißbraucht man auch das Hausarztmodell, von dem auf einmal die Gesundheits-Trulla nichts mehr wissen will. So schafft man Monopolstrukturen wie in der Energieversorgung von Merkels Gnaden.



ARD/SWR, Sendung "Report Mainz" vom 19.01.2009: Verhökerte Patienten - Fragwürdige Deals zwischen Ärzten und Krankenhäusern (http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=4293808/1fgp91g/index.html)

Wie das geht, dass eine Hand die andere wäscht, das zeigen wir Ihnen jetzt. In unserem Fall funktioniert es so: Ein Krankenhaus sagt zu einem Arzt, wenn Du künftig Deine Patienten alle zu mir schickst, dann soll das Dein Schaden nicht sein.

Ein klarer Verstoß gegen die ärztliche Berufsordnung. Denn da heißt es: Ärztinnen und Ärzten ist es nicht gestattet, für die Zuweisung von Patientinnen und Patienten ein Entgelt oder andere Vorteile sich versprechen oder gewähren zu lassen.

Monika Anthes zeigt, wie diese klare Regelung unterlaufen wird. Zum Schaden von uns allen.

Bericht:

Alltag in Arztpraxen. Die Patientin muss operiert werden. Der Arzt empfiehlt ein bestimmtes Krankenhaus. Sie vertraut seinem Rat.

Doch was, wenn hinter dem Rat finanzielle Interessen stecken? Wenn eine Klinik dem Arzt Geld für die Überweisung bezahlt? Das ist verboten und dennoch versuchen Ärzte und Krankenhäuser immer wieder dieses Verbot zu umgehen.

REPORT MAINZ wurde eine Rahmenvereinbarung zwischen einem Ärztenetz und zwei Krankenhäusern zugespielt. Durch eine „enge qualitative Verzahnung“ solle eine „wirtschaftliche Versorgung der Patienten erreicht“ werden.

Was steckt dahinter? Wir fahren nach Rimbach im Odenwald, hier ist die Praxis von Dr. Martin Pielsticker. Er hat den Vertrag ausgehandelt. Für alle Ärzte, die mitmachen gilt: Wenn sie einen Patienten zur Operation in eines der Kooperationskrankenhäuser schicken, beauftragt das Krankenhaus den Hausarzt im Gegenzug bestimmte Untersuchungen vor und nach der OP durchzuführen.
Das sei für alle Beteiligten nur von Vorteil:

O-Ton, Dr. Martin Pielsticker, Hausarzt:

»Wir haben theoretisch den Vorteil der Verdienstmöglichkeit, der Extraverdienstmöglichkeit. Das Krankenhaus hat den Vorteil, dass die Patienten kürzer liegen können, und der Patienten hat den Vorteil das er nicht für jegliche Nachbehandlung oder Voruntersuchung ins Krankenhaus muss, sondern die heimatnah bei seinem Hausarzt machen kann.«

Kürzere Liegezeiten und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus und Hausarzt. Klingt gut. Doch eines macht uns skeptisch: Finanziell profitieren vor allem Hausärzte wie Dr. Pielsticker von dem Deal. Der Vertrag mit den Krankenhäusern ermöglicht ihm zusätzliche Einnahmen.

Krankenhäuser und Ärzte bekommen normalerweise ihr Geld für die Behandlung von Kassenpatienten ausschließlich von den Krankenkassen.

Durch den Vertrag wird festgelegt, dass das Krankenhaus den Arzt direkt für Untersuchungen bezahlt und zwar nach dem attraktiven Tarif für Privatpatienten.

Schickt der Arzt seine Patienten in ein Krankenhaus, mit dem er keinen Vertrag hat, dann bekommt er nichts extra bezahlt. Es lohnt sich also die Patienten in das Kooperationskrankenhaus zu schicken.

Wir bitten den renommierten Medizinrechtler Rudolf Ratzel den Vertrag für uns zu prüfen. Seit Jahren beschäftigt sich der Fachanwalt mit versteckten Zuweisungsprämien. Sein Urteil:

O-Ton, Rudolf Ratzel, Fachanwalt für Medizinrecht:

»Meiner Auffassung nach handelt es sich um ein reines Zuweisermodell, eine Fangprämie, eine Kopfprämie, die nach meiner Meinung sowohl gegen die Berufsordnung verstößt, als auch wettbewerbsrechtlich mehr als bedenklich ist.«

Frage: Und von Bestechung oder Zuweisungsprämie wollen Sie nichts hören?

O-Ton, Dr. Martin Pielsticker, Hausarzt:

»Überhaupt nicht. Ich würde nie einen Patienten zuweisen und dafür Geld annehmen, hat auch nichts damit zu tun. Sondern wir verdienen unser Geld lediglich mit den Leistungen, die wir erbringen.«

Doch auch die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs sieht die Verträge kritisch:

O-Ton, Christiane Köber, Wettbewerbszentrale:

»Die Regelung zur Gebührenordnung stellen eine verschleierte Zuweiserpauschale dar. Damit sollen Patientenströme in die Krankenhäuser gelenkt werden mit unfairen Wettbewerbsmethoden. Die Wettbewerbszentrale hat das abgemahnt, da die von uns geforderte Unterlassungserklärung aber nicht abgegeben wurde, werden wir jetzt Klage erheben.«

In der Region tobt ein harter Wettbewerb. Für viele Kliniken geht es ums Überleben. Die Krankenhäuser sind auf die Überweisungen der Hausärzte angewiesen. Und die würden ihre Position teilweise schamlos ausnutzen. Wer nicht mitmachen wolle, dem werde gedroht, das berichtet uns der Geschäftsführer des Heilig-Geist-Krankenhauses in Bensheim.

O-Ton, Bernhard Franzreb, Geschäftsführer Kath. Klinikverbund Südhessen:

»Uns ist ein entsprechender Vertrag angeboten worden und wir haben ganz deutlich gesagt bekommen, dass wenn wir an einer solchen Vereinbarung nicht teilnehmen, dass man unter Umständen auch die Patienten nicht zu uns schicken wird.«

Versteckte Zuweisungsprämien unter dem Deckmäntelchen einer besseren Versorgung? Was wissen die Patienten davon? Nachfrage beim Kreiskrankenhaus Bergstraße in Heppenheim:

Frage: Haben Sie die Patienten hier oder die Öffentlichkeit informiert über diese Verträge?

O-Ton, Stephan Allmann, Geschäftsführer Kreiskrankenhaus Bergstraße:

»Nein.«

Frage: Das heißt, das sind Verträge, die zwischen Ihnen und den Ärzten liefen, von denen die Patienten auch nichts wissen?

O-Ton, Stephan Allmann, Geschäftsführer Kreiskrankenhaus Bergstraße:

»Ja, Patienten wissen das nicht, aber die Patienten werden über ihren niedergelassenen Arzt natürlich informiert, dass Voruntersuchungen durchgeführt werden.«

Frage: Wissen die Patienten, dass sie bei den Krankenhäusern, mit denen Sie kooperieren, mehr Geld verdienen, als bei den anderen?

O-Ton, Dr. Martin Pielsticker, Hausarzt:

»Die Patienten wissen vermutlich nicht. Wie soll ich das sagen. Also die Patienten werden über die Vergütung im einzelnen nicht informiert.«

Die Patienten ahnen demnach also nichts von dem Abkommen. Wir zeigen unsere Recherchen dem Präsidenten der bundesweit tätigen Patientenschutzorganisation DGVP.

O-Ton, Wolfram-Armin Candidus, Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten:

»Das ist Bestechung und auch Korruption, aber, besser gesagt, es ist eine Provision, die der Arzt erhält von der Klinik, damit die Klinik eine bessere Belegungsrate bringt. Und diese Provision bezahlt der Bürger aus den Beiträgen, die er der Krankenkasse gibt, und weiß nichts davon, dass sein Geld in dieser Form missbraucht wird. Und letztendlich leidet die Qualität der Versorgung darunter, weil nicht nach den Kriterien der besten Versorgung entschieden wird, sondern nach den Kriterien, wo läuft das Geld am besten.«

O-Ton, Stephan Allmann, Geschäftsführer Kreiskrankenhaus Bergstraße:

»Es ist ja nicht so das nur unser Krankenhaus diese Kooperationsform gewählt hat, sondern das ist ja bundesweit und auch landesweit, auch überregional hier eine gängige Kooperationsform.«

O-Ton, Rudolf Ratzel, Fachanwalt für Medizinrecht:

»Es ist leider kein Einzelfall, sondern seit ungefähr zwei bis drei Jahren ein zunehmendes Phänomen, das man durchaus auch als Seuche bezeichnen könnte.«

Bundesweit werden also solche Verträge geschlossen, hinter dem Rücken der Patienten und auf ihre Kosten.

Alle Sendetermine:
19.01.2009, 21.45 Uhr, REPORT MAINZ, Das Erste


Titel: Re: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 23. Januar 2009, 20:32:03
Das kommt für den beitragzahlenden Bürger und Patienten raus, wenn die Horden des Marburger Bundes unter Montgomerys Herrschaft gestreikt hatten - es entwickelt sich eine gierige Ärztelobby, die von CDU/CSU/FDP/SPD bedient wird. Kein Wunder Polit- und Wirtschaftsfilz der Leistungsmafiaelite blüht und gedeiht. Gebt diesen Ärzte den kleinen Finger, dann reißen Sie Dir den ganzen Arm raus:

ARD/NDR, Sendung "Panorama" vom 22. Januar 2009: Gesundheitsfonds - wie Ärzte und Kassen nach der Reform abkassieren (http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/panoramakrankenkassen100.html)

Die bayerischen Hausärzte haben es zuerst erkannt: Die Gesundheitsreform hat sie mächtiger gemacht. Seit dem 1. Januar sind die Krankenkassen auf ihre Kooperation angewiesen. Denn nur wenn die Ärzte ihren Patienten möglichst viele chronische Erkrankungen attestieren, erhalten die Kassen hohe Zahlungen aus dem Gesundheitsfonds.

Einige Ärzte nutzen diese Abhängigkeit nun für ihre Honorarverhandlungen mit den Kassen aus. Interne Schreiben des bayerischen Hausärzteverbandes legen nahe: Die Ärzte setzen die Krankenkassen unter Druck. Wer von den Medizinern lukrative Diagnosen will, muss entsprechende Honorare zahlen. Der Patient wird zum Spielball – mit unangenehmen Nebenwirkungen.

Siehe auch: Experte: Bayerische Hausärzte bereichern sich durch Gesundheitsfonds (http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/panoramakrankenkassen102.html),

Durch die neuen Regelungen im Gesundheitssystem hat der Bayerische Hausärzteverband bei der AOK eine massive Honorarerhöhung durchsetzen können. Als "Gegenleistung" für die Honorarerhöhung hat der Ärzteverband der Krankenkasse offenbar eine "entsprechende Codierung" versprochen. Dies belegt ein dem ARD-Magazin Panorama vorliegendes internes Schreiben des Verbandes vom 17. Dezember 2008.

"Codierung" als "Gegenleistung" impliziert im Zusammenhang mit der Gesundheitsreform, dass die Hausärzte die Diagnose möglichst vieler chronisch Kranker in Aussicht stellen. Auf diese Codierungen sind die Krankenkassen seit Einführung der Gesundheitsreform dringend angewiesen, da von ihnen die Zahlungen aus dem Gesundheitsfonds abhängen. Diese Abhängigkeit der Kassen von den Diagnosen der Ärzte hat der Bayerische Hausärzteverband bei der Aushandlung des Vertrages nach dem so genannten "Hausarztmodell" nun offenbar ausgenutzt. "Insofern bereichern sich die Hausärzte an der Gesundheitsreform", so der renommierte Gesundheitsökonom Prof. Gerd Glaeske zu Panorama. Der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes, Wolfgang Hoppenthaller, betont, die Ärzte seines Verbandes würden ausschließlich korrekt codieren.

Abschreckende Wirkung von Sanktionen?
Während der Verhandlungen hatte der Verband deutlich mit einem Diagnoseboykott gedroht, sollte sich die AOK Bayern nicht auf die Forderungen der Hausärzte einlassen: "Wir werden die AOK erst dann unterstützen, wenn ein Hausarztvertrag (...) neu mit uns unterzeichnet ist." Gesundheitsökonom Prof. Gerd Glaeske hält dies für "Erpressung".

Das Bundesgesundheitsministerium hält solche Absprachen nur für eine Drohung, setzt darauf, dass die Ärzte sie nicht wahr machen, und verlässt sich auf die abschreckende Wirkung von Sanktionen. Sonst, so Staatsminister Klaus Theo Schröder in Panorama, "könnten Ärzte am Ende gar ihre Kassenzulassung und damit ihre Existenz verlieren".

Wolfgang Hoppenthaller bestätigt, dass sein Verband beim Codieren denjenigen Vertragspartner bevorzugt behandele, "der mir auch einen Vertrag gibt und mein existenzielles Überleben sichert". Die AOK Bayern wollte sich in Panorama nicht zu den Verhandlungen äußern und erklärt ansonsten, Falschcodierungen abzulehnen.

Schreiben des bayerischen Hausärzteverbands als PDF-Dokument (http://daserste.ndr.de/panorama/media/gesundheitsfonds144.pdf)

Schreiben von Wolfgang Hoppenthaller als PDF-Dokument (http://daserste.ndr.de/panorama/media/gesundheitsfonds146.pdf)



Titel: Re: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 27. Januar 2009, 16:07:53
Herr Kühnel!
Allgemeine Kritik am Gesundheitswesen gehört nicht in den Thread für Arbeitskämpfe im Krankenhaus!!!

Zitat
Warnstreik an der Uniklinik Köln

Streik an der Uniklinik Köln - am Mittwoch, 28. Januar, läuft von 5 Uhr morgens bis 22 Uhr abends in dem Krankenhaus ein Warnstreik, teilten die aufrufenden Gewerkschaften mit. Patienten müssten mit längeren Wartezeiten rechnen.


Zu dem Streik an der Uniklinik Köln rufen der gewerkschaftliche Dachverband von Gewerkschaften des öffentlichen Diensts und des privaten Dienstleistungssektors DBB-Tarifunion zusammen mit dem Verband der Landes-Beamten, -Angestellten und -Arbeiter Nordrhein-Westfalen (VDLA) auf. Für Patienten könne der Warnstreik zu längeren Wartezeiten führen. Obwohl die medizinische Grundversorgung durch Notdienstvereinbarungen gesichert sei, werde empfohlen, möglichst auf andere Krankenhäuser im Stadtgebiet auszuweichen.

Der Warnstreik richtet sich laut Presseinformation gegen die Verweigerungspolitik der Arbeitgeber während der aktuellen Tarifrunde für den öffentlichen Dienst. Die Kölner Aktion sei Teil einer landesweiten Arbeitskampfmaßnahme an den Unikliniken in NRW. Insgesamt gehe es darum, die Einkommensschere zwischen öffentlichem Dienst und Privatwirtschaft sowie Bund und Kommunen auf der einen und den Ländern auf der anderen Seite zu schließen.

"Die Arbeitgeber sind am Zug. Wir haben keine Zeit für Taktik und Rituale", sagt DBB-Vorsitzender Frank Stöhr. "Wie wollen die Arbeitgeber einer Krankenschwester im Uniklinikum erklären, dass sie gegenüber der Kollegin im städtischen Krankenhaus – bei gleicher Arbeit – inzwischen einen Einkommensrückstand von über 130 Euro hat?" Es gelte, diesen Rückstand aufzuholen – acht Prozent mehr Einkommen seien auch angesichts der Wirtschaftskrise zu rechtfertigen.

"Beamte und Tarifbeschäftigte in den Ländern haben drei Nullrunden hinter sich. Drei Jahre lang wurden die Gehälter nicht linear erhöht", sagt DBB-Bundesvorsitzender Peter Heesen. "Gerade in Krisenzeiten aber ist der Staat auf gute und leistungsbereite Mitarbeiter angewiesen. Daher ist unsere Forderung auch in Krisenzeiten angemessen."

"Angesichts der Milliardengeschenke der Finanzminister an die Banken ist der Unmut der Beschäftigten groß, wenn der Vorsitzende der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Hartmut Möllring bereits im Vorfeld die Lohnforderung als unangemessen zurückweist und zwei Verhandlungsrunden lang an dieser ,Strategie' festhält, sagt Martina Kanis, zuständige Koordinatorin der örtlichen Streikleitung an der Uniklinik Köln: "Die Beschäftigten sind auf einen Arbeitskampf vorbereitet." Sollten sich die Arbeitgeber weiterhin einem Tarifkompromiss verweigern, werde die Streikaktion in Köln fortgesetzt.

http://www.koeln.de/koeln/warnstreik_an_der_uniklinik_koeln_122908.html


Titel: Umfrage: 80 % der Pflegekräfte unzufrieden
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 04. Februar 2009, 10:56:40
Nach einer Umfrage des Deutschen Berufsverbands für Pflegekräfte halten 80 Prozent der Pfleger die Personalausstattung in ihrem Arbeitsbereich für nicht ausreichend. Jede dritte Krankenschwester denkt fast täglich daran, ihren Beruf aufzugeben. Zwei Drittel sind der Meinung, dass sich die Qualität der Pflege im vergangenen Jahr verschlechtert hat.


Titel: Re: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 09. Februar 2009, 12:39:14
Donnerstag von 5 bis 22 Uhr

Erneuter Warnstreik an der Uniklinik

Erneuter Streik an der Uniklinik Köln - am Donnerstag, 12. Februar, läuft von 5 Uhr morgens bis 22 Uhr abends in dem Krankenhaus ein Warnstreik, teilten die aufrufenden Gewerkschaften mit. Patienten müssten mit längeren Wartezeiten rechnen.

Zu dem Streik an der Uniklinik Köln rufen der gewerkschaftliche Dachverband von Gewerkschaften des öffentlichen Diensts und des privaten Dienstleistungssektors DBB-Tarifunion zusammen mit dem Verband der Landes-Beamten, -Angestellten und -Arbeiter Nordrhein-Westfalen (VDLA) auf. Für Patienten könne der Warnstreik zu längeren Wartezeiten führen. Obwohl die medizinische Grundversorgung durch Notdienstvereinbarungen gesichert sei, werde empfohlen, möglichst auf andere Krankenhäuser im Stadtgebiet auszuweichen.

Gemeinsam mit Kollegen aus anderen Unikliniken in NRW wollen die Beschäftigten ab 8:30 Uhr in einem Demonstrationszug zu einer Abschlusskundgebung am Heumarkt gelangen. Bereits am 28. Januar hatte ein ganztägiger Arbeitskampf stattgefunden.

Der Warnstreik richtet sich laut Presseinformation gegen die Verweigerungspolitik der Arbeitgeber während der aktuellen Tarifrunde für den öffentlichen Dienst. Die Kölner Aktion sei Teil einer landesweiten Arbeitskampfmaßnahme an den Unikliniken in NRW. Insgesamt gehe es darum, die Einkommensschere zwischen öffentlichem Dienst und Privatwirtschaft sowie Bund und Kommunen auf der einen und den Ländern auf der anderen Seite zu schließen.

http://www.koeln.de/koeln/erneuter_warnstreik_an_der_uniklinik_128447.html


Titel: Re: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 16. Februar 2009, 13:23:56
Median-Kliniken unter Spitzelverdacht: Gesamtbetriebsratsvorsitzender bekommt Besuch von Detektiven, Manteltarifverhandlungen als Grund vermutet

http://www.mt-online.de/mt/lokales/nachbarschaft/bad_oeynhausen/?sid=d543b1f97574d6a0c2f90f80c45c884d&cnt=2831557


Titel: Re: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Nina1979 am 17. März 2009, 15:20:46
Mal zum Thema unruhige Krankenhäuser mal ein paar Details zu einer in Schleswig-Holstein zu findenen Entbindungsstation:

Im Jan. 09 habe ich nach 12 Tagen überfälligkeit entbunden. Durch diese Überfälligkeit konnte ich das Treiben täglich beobachten:

- es waren chronisch zu wenig Endbindungsräume zur Verfügung...
- es standen nicht genug CTGs und Räume fürs CTG zur Verfügung um die werdenen Mütter gut zu betreuen...
- für eine PDA stand nur ein Entbindungszimmer zur Verfügung... War dieser besetzt oder brauchte eine andere werdene Mütter diesen dringender hieß es "Pech gehabt"... Oft wurden Mütter noch während der Entbindung in ein anderes Entbindungszimmer oder gar in den CTG-Raum zur Entbindung gebracht... Meinetwegen musste eine andere im Wannenzimmer auf der Pritsche entbinden weil sie für mich das Entbindungszimmer brauchten...
- ein Notkaiserschnitt wurde gerne mal schnell im Entbindungszimmer gemacht, da der Entbindungs-OP schon besetzt war... Wäre mir auch fast passiert... Aber am Ende hab ich unser Würmchen doch ganz normal auf die Welt gekriegt...
- pro Schwangere kommen 5 bis 10 Minuten Untersuchung am Tag... Kein Wunder dass sie da Fehler machen und die Meßdaten nicht stimmen  ???
- an Feiertagen waren die Stationen personell chronisch unterbesetzt...
- Schwangere mit Terminen zur Geburtseinleitung wurden wieder nach Hause geschickt... Ich musste 3 Stunden warten bis ich endlich an den Wehentropf angeschlossen wurde... Da lag an meiner Behaarlichkeit... Ansonsten hätte ich wieder nach Hause gehen können...

Und nach der Entbindung geht der Horror dann oft auf der Wochenstation weiter... Diese sind oft chronisch überfüllt und die Schwestern haben keine Zeit zur Pflege oder beim Stillen zu unterstützen... Hier habe ich nach einer Nacht die Flucht ergriffen...

Mein Mitleid mit den Ärzten und Hebammen die unter solchen Bedingungen arbeiten müssen!!!


Titel: Re: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 02. April 2009, 09:48:31
Zitat
»Ohne Streik geht es nicht mehr« im Tarifkampf

1500 Beschäftigte des Uniklinikums demonstrierten am Tag des Warnstreiks.

 
Kaum zu übersehen war gestern Vormittag in der Innenstadt die ver.di-Forderung nach neun Prozent mehr Gehalt: Vom Klinikum zogen die Warnstreik-Teilnehmer über den Anlagenring zu den Hessenhallen und sorgten zeitweise für Staus. (Foto: Schepp)
Gießen (kw). »Ohne Streik geht es heute nicht mehr. Wenn ihr wollt, könnt ihr gewinnen!« Es gebe viele gute Argumente dafür, dass die Beschäftigten des privatisierten Uniklinikums Gießen und Marburg mehr Geld wollen. Diese reichten aber nicht mehr aus im Tarifkampf. Das sagte Hauptredner Günter Busch von der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) Baden-Württemberg gestern in die Hessenhallen. Dort hatten sich nach einem Zug durch die Innenstadt nach Schätzungen der Veranstalter rund 1500 Teilnehmer eines eintägigen Warnstreiks aus den beiden Klinikumsstandorten versammelt. Diese »beeindruckende« Demonstration bringe die Rhön Klinikum AG hoffentlich endlich in Bewegung, hieß es. Deren Geschäftsführung erklärte in einer Mitteilung erneut, der Warnstreik sei aus ihrer Sicht »nicht nachvollziehbar«.

 Die Patientenversorgung im Klinikum war über eine Notdienstvereinbarung gesichert, viele mussten aber längere Wartezeiten hinnehmen.

 Ver.di hatte die rund 6500 nicht-ärztlichen Beschäftigten des Klinikums zum Warnstreik aufgerufen, um die Forderung nach neun Prozent oder mindestens 200 Euro mehr Gehalt zu untermauern. Gewerkschaftsvertreter zeigten sich mit der Resonanz sehr zufrieden. »Wir ackern uns den Buckel krumm und bekommen nur ein Minimum« oder »Unsere Kinder leiden Not - Meder, mach ein Angebot« stand unter anderem auf den Transparenten, mit denen die Schwestern, Pfleger oder Verwaltungskräfte über den Anlagenring in die Hessenhallen zogen und damit erhebliche Staus verursachten.

http://www.giessener-allgemeine.de/Home/Stadt/Uebersicht/Ohne-Streik-geht-es-nicht-mehr-im-Tarifkampf-_arid,99020_regid,1_puid,1_pageid,113.html

Zitat
800 Klinikumsbedienstete streiken in Gießen

von Sabine Glinkevor
 Gießen | Mehr als 800 Beschäftigte des Universitätsklinikums Gießen-Marburg haben heute morgen die Arbeit niedergelegt und sind für höhere Löhne und Gehälter in Streik getreten. Sie zogen demonstrierend mit Trillerpfeifen und Transparenten durch die Innenstadt und forderten deutliche Einkommensverbesserungen. Die Abschlusskundgebung fand in der Gießener Hessenhalle statt. "Die Stimmung ist geladen", so ver.di-Verhandlungsführer Georg Schulze-Ziehaus.
 Seit dem 17. Februar verhandelt ver.di mit der Rhön-Klinikum AG über einen neuen Tarifvertrag für die rund 6500 Beschäftigten. Der alte Tarifvertrag ist am Dienstag erst ausgelaufen. Die Gewerkschaft fordert neun Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro monatlich. Nach Auskunft von ver.di stocken die Verhandlungen derzeit wegen weit auseinanderliegender Auffassungen in "Strukturfragen" des Tarifvertrages. Zusätzlich gibt es Streit über die tarifliche Absicherung von rund 300 Beschäftigten der klinikeigenen Servicegesellschaft. Die letzte Verhandlungsrunde am 24. März verlief ohne Ergebnis. Die nächste Verhandlungsrunde ist für Donnerstag, 9. April, geplant.
 Die Geschäftsführung der Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH kann den Warnstreik von ver.di jedoch nicht nachvollziehen. "Aus unserer Sicht sind die Gespräche bislang konstruktiv verlaufen. Ich verstehe den Warnstreik zum jetzigen Zeitpunkt nicht", so Gerald Meder, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Rhön-Klinikum AG und Verhandlungsführer.
 
ver.di hat nach Angaben des Vorstandes nur den Vergütungstarifvertrag gekündigt. Dennoch sei die Geschäftsführung auf den Wunsch von ver.di eingegangen, zusätzlich über einen 16-Punkte umfassenden Forderungskatalog zum Mantel- und Eingruppierungstarifvertrag zu verhandeln, obwohl diese noch eine Laufzeit bis Ende 2010 hätten. Unter anderem habe man in den Verhandlungen Zugeständnisse in Fragen der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gemacht, die über gesetzliche und bestehende tarifvertragliche Ansprüche hinausgehen, sowie Zulagen für Mitarbeiter in bestimmten ambulanten Bereichen angeboten.
 Aus Sicht der Geschäftsführung steht die aktuelle Forderung von ver.di in keinem Verhältnis zur gesamtwirtschaftlichen Lage und den aktuellen Tarifabschlüssen, insbesondere auch mit ver.di und in Hessen. Zu bedenken sei dabei auch, dass die Rhön-Klinikum AG das Universitätsklinikum aus den roten Zahlen geführt habe und insgesamt 465 Millionen Euro in das Universitätsklinikum Gießen/Marburg investiere.
 Die Geschäftsführung setzt auf die Rückkehr von ver.di zu konstruktiven Verhandlungen. "Wir sind bereit, die Tarifverhandlungen zügig zu Ende zu führen", macht Joseph Rohrer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, deutlich.

http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/10280/800-klinikumsbedienstete-streiken-in-giessen/


Titel: Re: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: nihil am 17. April 2009, 16:14:55


April 2009

Einigung mit dem Land Niedersachsen

Fragwürdige Gewinnverschiebungen

    "Geschäftsleitung feiert sich auf Mitarbeiterversammlung - Beschäftigte erhalten weiterhin keine Lohnerhöhungen – Gewinnverschiebungen in Wilkening-Firmen? Sehnde/Ilten, den 21.03.09. Nach einem mehr als zehn Jahre dauernden Rechtsstreit vor den Verwaltungsgerichten haben sich jetzt das Land Niedersachsen und die Klinikum Wahrendorff GmbH in einem Vergleich auf verbindliche Pflegesätze geeinigt...

    Mit Beifall sei die Mitteilung der Geschäftsführung aufgenommen worden, dass die zuvor nur bis 2011 zugesicherte Besitzstandswahrung bei den Gehältern der schon vor 2004 im Betrieb Beschäftigten nun unbefristet gelten solle. Die Beschäftigten mit Besitzstandswahrung verzichten seit 2004 auf weitere Lohnerhöhungen. „Der Durchbruch in den Pflegesatzverhandlungen ist einem jungen Mitarbeiter zu verdanken“, lobte Dr. Wilkening den Mitfünfziger Dr. Brase. Mitgeschäftsleiter Alfred Jeske dankte Wilkening emotional sichtlich aufgewühlt für dessen Verdienste um die Iltener Privatpsychiatrie. Zuletzt fiel Angelika Klettke, ehemalige Listenführerin der geschäftsleitungsnahen Betriebsratsfraktion, Dr. Matthias Wilkening um den Hals. - Ende gut, alles gut?...

    Nach einer Ausarbeitung des Betriebsrats stellten sich die vorgeblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Klinikum Wahrendorff GmbH als eine Folge von massiven Gewinnverschiebungen zugunsten von anderen Firmen des Geschäftsleiters Dr. Matthias Wilkening heraus, z.B. zugunsten der M2 Wilkening Immobilien GmbH & Co. KG. Allein diese Immobilienfirma hat inzwischen ein Eigenkapital von über 51 Mio. € angesammelt. Rechnet man die gezogenen Abschreibungen auf die Gebäude hinzu, könnten es auch 70 bis 80 Mio. € sein. Diese Einnahmen könnten somit aus Sozialhilfemitteln bzw. Steuergeldern bezahlt worden sein(3)...."


FAU News vom 14.04.09


http://www.fau.org/ortsgruppen/hannover/gs/privatisierung/art_090415-002028


Dr. Wilkening, Dr. Brase und Alfred Jeske feierten vieleicht im klinikeigenen Whiskyclub...
http://www.rudolfs-inn.de/

und abends gings vielleicht ins klinikeigene Designerhotel...
http://www.hotel-wiehberg.de/

 ;)



Titel: Re: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 16. Mai 2009, 10:02:03
Aufsichtsratssitzung in Bremerhaven
Proteste am Krankenhaus Reinkenheide


Rund 100 Krankenschwestern und Pfleger des Bremerhavener Klinikums Reinkenheide haben am Donnerstagmittag gegen die finanzielle Schlechterstellung von Pflegepersonal in ihrem Krankenhaus protestiert. Im Klinikum Reinkenheide arbeiten zur Zeit etwa 1.800 Menschen. 70 Vollzeitstellen wurden in den vergangenen vier Jahren bereits gestrichen wurden, 30 Arbeitsplätze von Pflegekräften sollen in schlechter bezahlte "Helferstellen" umgewandelt werden. Auf einer Tagung des Aufsichtsrates am Donnerstagnachmittag im Bremerhavener Fischereihafen stand das Thema auf der Tagesordnung. Im Aufsichtsrat sitzt auch Bremerhavens Sozialdezernent Melf Grantz (SPD). Er äußerte Verständnis für die Proteste, appellierte aber darüber hinaus an die examinierten Pflegekräfte, "flexibler zu arbeiten".

http://www.radiobremen.de/politik/nachrichten/politikgesundheitreinkenheide100.html


Titel: Re: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: nihil am 23. Mai 2009, 14:23:01
Arbeitgeber mischt bei Betriebsrat mit:

"Eklat im Betriebsrat der Klinikum Wahrendorff GmbH

Dr. Brase trifft sich heimlich mit arbeitgebernaher Liste

FAU News vom 08.05.09

    Geschäftsleitungsnahe Liste „Neustart“ trifft sich konspirativ mit Geschäftsleiter Brase – Umstrittene Personalien und weitere heikle betriebsinterne Themen werden im Restaurant „Baki“ diskutiert – Neustart-Sprecher Möller hält die Vorgänge für „normale Fraktionsarbeit“

    "Ilten, den 08.05.09. Am 24. April wurden im Klinikum Wahrendorff Flugblätter der Verdi-Betriebsgruppe verteilt, in denen der Minderheitsgruppe im Betriebsrat, der Liste „Neustart“, ein „skandalöses Verständnis von Betriebsratsarbeit“ und „ein immenser Vertrauensbruch“ vorgeworfen werden. Der Betriebsgruppe sei aufgefallen, dass „die Geschäftsleitung über Inhalte und Sachverhalte der Betriebsratsarbeit sehr gut informiert ist“, heißt es in dem brisanten Flugblatt (1).


   Zuvor hatten sich mehrere „Neustart“- Mitglieder mit Geschäftsführer Dr. Rainer Brase im Restaurant „Baki“ im nahen Örtchen Bilm getroffen und dort über die Situation im Betriebsrat gesprochen, ohne ihre KollegInnen von Verdi zu informieren (2). Laut dem Flugblatt der Verdi-Betriebsgruppe wurden dort folgende Betriebsratsinterna besprochen: „Darstellung des Dilemmas im BR, besonders in den Ausschüssen, durch bestehende Mehrheitsverhältnisse…“, „Geschäftsleitung hat die Möglichkeit darzustellen, wie sie die Zusammenarbeit empfindet und welche Erwartungen sie an die zukünftige Zusammenarbeit hat“ oder “Wie steht die Liste "Neustart“ zu umstrittenen Personalien…“ (1)...
    „Neustart“-Aktivistin Tertel erstattete sogar eiligst Strafanzeige gegen den Betriebsratsvorsitzenden. Völger und seine Stellvertreterin Monika Pätzold fühlen sich dagegen „menschlich völlig enttäuscht“..."

http://www.fau.org/ortsgruppen/hannover/gs/privatisierung/art_090508-213101



Titel: Re: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 24. Mai 2009, 10:33:00
Proteste von Beschäftigten des Gesundheitswesens und Patienten in Los Angeles gegen Scharzeneggers Kürzungen:

(http://la.indymedia.org/uploads/2009/05/img_7069.jpgmid.jpg)
(http://la.indymedia.org/uploads/2009/05/img_7281.jpgmid.jpg)
(http://la.indymedia.org/uploads/2009/05/img_7261.jpgmid.jpg)
(http://la.indymedia.org/uploads/2009/05/img_7565.jpgmid.jpg)
(http://la.indymedia.org/uploads/2009/05/img_7002.jpgmid.jpg)
(http://la.indymedia.org/uploads/2009/05/img_7615.jpgmid.jpg)


Titel: Re: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 20. Juni 2009, 10:44:42
Zitat
Mehrere - Proteste gegen Tarifflucht des Krankenhauses St. Georg

Leipzig (ddp-lsc) Mehrere Hundert Beschäftigte des städtischen Klinikums St Georg in Leipzig wollen heute gegen den Austritt der Klinik aus dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) protestieren.


Leipzig (ddp-lsc). Mehrere Hundert Beschäftigte des städtischen Klinikums St. Georg in Leipzig wollen heute gegen den Austritt der Klinik aus dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) protestieren. Es seien bereits mehr als 1000 Unterschriften gegen diese Tarifflucht gesammelt worden, sagte die Verantwortliche bei der Gewerkschaft ver.di. Gabriele Meyer. Diese Unterschriften sollen dem Aufsichtsrat am Mittwoch überreicht werden, wenn das Gremium über den Ausstieg aus dem Tarifverband beraten will.

Das St. Georg wäre nach Gewerkschaftsangaben das erste größere städtische Unternehmen in Leipzig, das sich aus dem Tarifverbund lösen würde.

ddp/lmh/muc


Url zum Artikel: http://www.ad-hoc-news.de/mehrere-proteste-gegen-tarifflucht-des-krankenhauses-st--/de/Wirtschaft-Boerse/Wirtschaft/20292222


Titel: Re: Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 14. Juli 2009, 09:47:19
Zitat
»Er setzt Leiharbeiter ein und verweigert das Gespräch«

Beschäftigte einer Privatklinik seit Wochen in unbefristetem Streik. Eigentümer findet Tarifverträge unzeitgemäß.

 
Gespräch mit Volker Hoppmann
Interview: Claudia Wangerin


Volker Hoppmann ist Sekretär der Gewerkschaft ver.di im Fachbereich Gesundheit und soziale Dienste im Bezirk Herford-Minden-Lippe in Nordrhein-Westfalen



Die Beschäftigten der »Lippischen Nervenklinik Dr. Spernau« sind bereits am 30. April in den Streik getreten und fordern einen Tarifvertrag. Wie ungewöhnlich ist der tariflose Zustand für Klinikbeschäftigte?

Das ist die Ausnahme. Allerdings handelt es sich hier um eine relativ kleine Privatklinik mit rund 100 Beschäftigten. Aber sie übernimmt einen Teil der Akutversorgung in der Region, nämlich den psychiatrischen Teil. Die anderen Krankenhäuser in der Region haben alle öffentliche Träger.


Wie groß ist die Lohndifferenz im Vergleich zu tariflich bezahltem Pflegepersonal?

Da die Arbeitsverträge individuell ausgehandelt sind, verdienen die Mitarbeiter der Lippischen Nervenklinik bei gleicher Qualifikation 250 bis 400 Euro weniger als die tariflich bezahlten Mitarbeiter anderer Krankenhäuser. Wie viel weniger der einzelne verdient, hängt von den Marktbedingungen zu dem Zeitpunkt ab, als der Arbeitsvertrag geschlossen wurde. 80 Prozent des Pflegepersonals sind in der Gewerkschaft ver.di organisiert.

Was hat sich seit Beginn des Streiks bewegt?
Bewegt hat sich leider sehr wenig. In den ersten drei Wochen haben die Beschäftigten tageweise die Arbeit niedergelegt, danach sind wir in den unbefristeten Streik getreten. Fünf Wochen lang wurde dann ununterbrochen gestreikt. Jetzt haben wir den Arbeitskampf aus taktischen Gründen seit zwei Wochen ausgesetzt. Wir wollen den Streik aber noch diese Woche wieder aufnehmen.

Der Arbeitgeber weigert sich nach wie vor, mit uns Tarifverhandlungen aufzunehmen. Der Eigentümer und Geschäftsführer Dr. Spernau setzt Leiharbeiter ein und war bisher nicht zu Gesprächen bereit. Aus Prinzip nicht. Nicht nur, weil es ihm im Moment zu teuer ist, auf unsere Forderungen einzugehen. Er vertritt das auch auf gesellschaftspolitischer Ebene.

Was meinen Sie damit?
Er hat öffentliche Erklärungen dazu abgegeben, daß er Tarifverträge nicht mehr für zeitgemäß hält. Unternehmer müßten jederzeit die Möglichkeit haben, die Lohnkosten zu senken, wenn der Markt es erfordert. Das ist seine Begründung dafür, daß er mit den Beschäftigten, die bei ver.di organisiert sind, nicht redet. Vor dem Streik hatten sie fast eineinhalb Jahre versucht, mit ihm auf Augenhöhe zu verhandeln. Dabei gibt es im Gesundheitswesen feste Pflegesätze. Er kann nicht so tun, als hätte man da keine Sicherheiten. Und krank werden die Leute auch unfreiwillig – in diesem Bereich kann einem ja nicht die Kundschaft wegbrechen.

Wenn sein Beispiel Schule machen würde, könnte das durchaus zur Absenkung der Pflegesätze führen.
Das ist der zweite Aspekt: In den Pflegesatzverhandlungen mit den Krankenkassen können die Unternehmen ohne Tarifbindung eine Abwärtsspirale in Gang setzen, weil die tariflich gebundenen Einrichtungen dann vorgehalten bekommen, daß andere die Leistungen günstiger anbieten.

Die Standardkritik an jedem Streik im Gesundheitswesen ist, daß dies zu Lasten der Patienten gehe. Was haben Sie unternommen, um das zu vermeiden?

Wir wollten mit dem Geschäftsführer eine Notdienstvereinbarung schließen. Die hat er aber nicht zustande kommen lassen, sondern sofort auf Leiharbeiter gesetzt. Darunter leidet allerdings die Qualität der Versorgung, weil die Leiharbeiter kaum Erfahrung im psychiatrischen Bereich haben. Das scheint aber den Arbeitgeber nicht zu stören. Er hat wortwörtlich gesagt: Ihr könnt drei Jahre streiken, ihr werdet bei mir keinen Tarifvertrag kriegen. Das Problem ist in diesem Bereich, daß die Arbeitgeber im Streikfall von den Kostenträgern weiterhin ihr Geld kassieren.

Aus welchen Gründen wurde der Streik für zwei Wochen ausgesetzt?
Der Arbeitgeber hat Verträge mit Leiharbeitsfirmen geschlossen, aus denen er nicht so schnell herauskommt. Wenn die Beschäftigten zwischendurch mal zwei Wochen zur Arbeit kommen, hat er doppelte Personalkosten. Dadurch konnten wir ökonomischen Druck aufbauen.

http://www.jungewelt.de/2009/07-14/026.php (http://www.jungewelt.de/2009/07-14/026.php)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 18. August 2009, 11:51:18
Zitat
150 Frauen und Männer streiken am Dachauer Krankenhaus

Dachau - 150 Frauen und Männer haben sich am Montag nach Angaben der Gewerkschaft Verdi am Warnstreik am Klinikum Dachau beteiligt. Sie fordern zwölf Prozent mehr Lohn.

Der Streiktag war geprägt von gegenseitigen Vorwürfen. Laut Verdi habe Klinikleiter Uwe Schmid Streikwillige eingeschüchtert. Den Beschäftigten seien Konsequenzen angedroht worden, sollten sie sich an der Arbeitsniederlegung beteiligen. Schmid wiederum bezeichnet es als „rücksichtslos“ von Verdi, das Klinikpersonal gerade beim erhöhten Notfallaufkommen während des Volksfests zum Streik aufzurufen. „Das ist nichts als plumpe Mitgliederwerbung. Es ist verwerflich, mit den absurden Forderungen illusorische Erwartungen bei den Mitarbeitern zu wecken.“

Auf einer Wiese am Klinikum Dachau formierten sich die Streikenden, dort machten sie ihrem Ärger mit Megaphonen und Trillerpfeifen Luft. Sie suchten aber auch das Gespräch mit den Patienten. Diese standen gestern in der Physiotherapie vor geschlossenen Türen. In den übrigen Abteilungen war ihre Versorgung gesichert.

Im Zuge des Kampfes um ein „faires Gehalt“ prangerten die Streikenden manchen Missstand an. So legte Pfleger Thomas Günnel beispielsweise offen, dass es in der neuen Intensivstation, die in sechs Wochen in Betrieb gehen wird, 39 Stellen geben müsste. 33 werden es aber nur sein. Günnel und seine Kollegen schieben darum mehr, aber kürzere Schichten. Günnel: „Ich empfinde das so, als würde mein Jahresurlaub um fünf Tage gekürzt.“

Neben mehr Gehalt wollen die Angestellten auch eine Jahressonderzahlung garantiert haben und nicht mehr eine bloße Ergebnisbeteiligung. Der satte Gewinn der Rhön AG werde durch ständige Neuinvestitionen geschmälert. So würden die Mitarbeiter ausgetrickst. 2008 machte der Konzern einen Gewinn von knapp 123 Millionen Euro, 2009 sollen es 130 Millionen werden.

Am Donnerstag wollen sich beide Parteien noch einmal an einen Tisch setzen. (mm)

http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/frauen-maenner-streiken-dachauer-krankenhaus-444842.html (http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/frauen-maenner-streiken-dachauer-krankenhaus-444842.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: BakuRock am 07. September 2009, 00:57:51
Zitat
Marburger Bund: DRK-Kliniken sperren Ärzte aus
06.09., 15:09 Uhr

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hat der Geschäftsführung der DRK-Kliniken Berlin Rechtsbruch vorgeworfen. Sie habe die für Montag (7. September) geplante Urabstimmung auf dem Gelände der Klinik-Standorte untersagt, kritisierte am Sonntag der Chef des Marburger Bundes in Berlin-Brandenburg, Kilian Tegethoff. Er kündigte an, dass die Urabstimmung deshalb vor dem Klinikgelände stattfinden werde.

Der Aussperrungsversuch sei an «Arroganz und Dummheit» kaum mehr zu überbieten, betonte Tegethoff. Die Geschäftsführung irre, wenn sie glaube, die Ärzte «von der Wahrnehmung ihres demokratischen Grundrechts abhalten zu können. Mit jeder «Provokation» steige die Streikbereitschaft weiter an.

Der Marburger Bund fordert nach eigenen Angaben von den DRK-Kliniken die Übernahme der Regelungen, die mit dem Vivantes-Konzern auf der Basis einer 42-Stunden-Woche abgeschlossen wurden. Die DRK-Kliniken Berlin sind ein gemeinnütziger Verbund mit über 3300 Mitarbeitern und bestehen aus fünf Krankenhäusern und einem Pflegeheim in Westend, Köpenick, Mitte, Dahlem und Mariendorf.
© ddp


Zitat
Urabstimmung an DRK-Kliniken beginnt
07.09., 00:43 Uhr

Im Tarifkonflikt zwischen der Ärztegewerkschaft Marburger Bund und den DRK-Kliniken Berlin stehen die Zeichen auf Streik. Heute morgen beginnt an drei Standorten eine Urabstimmung. Da sie nach Angaben des Marburger Bundes von der Geschäftsführung der Kliniken in den Häusern untersagt wurde, votieren die Ärzte vor dem jeweiligen Gelände.

Der Marburger Bund fordert nach eigenen Angaben von den DRK-Kliniken die Übernahme der Regelungen, die mit dem Vivantes-Konzern auf der Basis einer 42-Stunden-Woche abgeschlossen wurden. Die DRK-Kliniken Berlin sind ein gemeinnütziger Verbund mit über 3300 Mitarbeitern und bestehen aus fünf Krankenhäusern und einem Pflegeheim in Westend, Köpenick, Mitte, Dahlem und Mariendorf.
© ddp


Quelle: http://www.berlinonline.de/aktuelles/berlin/detail_ddp_2522770170.php (http://www.berlinonline.de/aktuelles/berlin/detail_ddp_2522770170.php)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: BakuRock am 08. September 2009, 15:53:59
Zitat
Ärzte an DRK-Kliniken stimmen für Streik
08.09., 13:13 Uhr

Bei einer Urabstimmung haben sich die Ärzte der Berliner DRK-Kliniken für einen Streik ausgesprochen. 99,5 Prozent der beim Marburger Bund organisierten Mediziner hätten am Montag für Arbeitskampfmaßnahmen votiert, teilte ein Sprecher des Bundesverbandes der Gewerkschaft mit. Über das weitere Vorgehen will der Marburger Bund am Mittwoch in Berlin informieren.

Die Geschäftsführung der DRK-Kliniken hatte am Montag mitgeteilt, dass sie dem Marburger Bund die gleiche Lösung angeboten habe, die bereits mit der Gewerkschaft ver.di getroffen worden sei. Diese sehe ein Stufenkonzept für nicht-ärztliche Mitarbeiter und auch für Ärzte vor, bei dem zum 1. Oktober 2009 und zum 1. Juli 2010 die Vergütung zwischen 6 und 15 Prozent angehoben werde. Das liegt den Kliniken zufolge «deutlich über den in Berlin geltenden tariflichen Bezahlungen».

Als «lächerlich» bezeichnete ein Sprecher des Marburger Bundes das Angebot. «Das ist unterhalb dessen, was wir fordern und was an anderen Kliniken üblich ist.» Nach Ansicht der Gewerkschaft hat ver.di zudem kein Mandat, für die Ärzte zu sprechen.
© ddp


Quelle: http://www.berlinonline.de/aktuelles/berlin/detail_ddp_2522770170.php (http://www.berlinonline.de/aktuelles/berlin/detail_ddp_2522770170.php)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: BakuRock am 11. September 2009, 16:11:50
Zitat
Ärzte an den DRK-Kliniken streiken
11.09., 00:47 Uhr

Die Ärzte der DRK-Kliniken in Berlin legen heute die Arbeit nieder. Das teilte der Marburger Bund mit, der die angestellten und beamteten Ärzte in Deutschland vertritt. In einer Urabstimmung am Montag hatten den Angaben zufolge 99,5 Prozent der Ärzte für einen Streik gestimmt.

Die Ärzte wollen um 10.00 Uhr unter dem Motto «Vivantes, wir kommen» vom DRK-Klinikum Mitte zum Vivantes Humboldt-Klinikum marschieren. Dort ist für 13.00 Uhr die Abschlusskundgebung geplant. Erwartet werden den Angaben zufolge etwa 250 Ärzte, die sich an den DRK-Kliniken vom Marburger Bund vertreten lassen.

Hintergrund sind Tarifauseinandersetzungen mit der DRK-Geschäftsführung. Diese hatte am Montag mitgeteilt, dass sie dem Marburger Bund die gleiche Lösung angeboten habe, die bereits mit der Gewerkschaft ver.di getroffen worden sei. Diese sehe ein Stufenkonzept für nicht-ärztliche Mitarbeiter und auch für Ärzte vor, bei dem zum 1. Oktober 2009 und zum 1. Juli 2010 die Vergütung zwischen 6 und 15 Prozent angehoben werde.

Ein Sprecher des Marburger Bundes wies das Angebot als «lächerlich» zurück. Es würde im Vergleich zum Verdienst der Kollegen an den landeseigenen Vivantes-Kliniken rund zehn Prozent weniger bezogen auf das Gesamtjahr 2009 bedeuten.
© ddp


Quelle: http://www.berlinonline.de/aktuelles/berlin/detail_ddp_2526228790.php (http://www.berlinonline.de/aktuelles/berlin/detail_ddp_2526228790.php)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 11. September 2009, 18:44:00
Der Marburger Bund ist eine Klientelvertretung der cdu/fdp-orientierten, besserverdienenden Bescheißärzte und keine Gewerkschaft. Sie ist damit nicht berechtigt, zu Streiks aufzurufen. Diese Ärzte, die durch die letzten Streiks schon durchschnittlich 17% Gehaltssteigerungen eingesackt hatten (Durchschnittsjahresgehalt eines Arztes 147.000 Euro/Jahr), nehmen ihre Patienten in Geiselhaft und heulen ihnen unbegründet Krokodilstränen vor. Die Quittung werden alle Patienten über ihre Krankenversicherungen in Gestalt höherer SV-Beiträge, Zuzahlungen und aufgezwungener Privatbehandlungen bekommen. Welcher tariflich bezahlte AN erhält vergleichbare Lohnsteigerungen, von prekär Beschäftigten, 1-Euro- und Minijobbern ganz zu schweigen. Dort steigen die Löhne höchstens um 2 bis 3% und dann muß man noch die Vergütungshöhen in Euro als Bezugsbasis betrachen. Ärzte jammern auf hohem Niveau völlig unbegründet.

Geb den Ärzten den kleinen Finger und sie reißen Dir den ganzen Arm raus - im übertragenen Sinn auf ihre Lohn- und Gehaltszahlung zu verstehen. Im Gegenzug werden Pflegekräfte und normales Krankenhauspersonal gezwungen, Scheintarifverträge zu Niedriglohnbedingungen durch die cdu-Scheingewerkschaft DHV zu akzeptieren. Ist das Personal, z.B. beim DRK-Rettungsdienst nicht einverstanden, machen die Chefs gleich die ganze Rettungsdienstniederlassung dicht und entlassen die Belegsdchaft.

ARD/WDR, Sendung Monitor Nr. 597 vom 13.08.2009: FDP und Ärzte - Wahlkampf in Wartezimmern (http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2009/0813/fdp.php5)

mit Videopodcast auf der Monitor-Internetseite und downloadbares Sendemanuskript.

ZDF, Sendung "Frontal 21" vom 08.09.2009: Verkaufte Patienten - Fangprämien für Ärzte (http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/25/0,1872,7873305,00.html)

mit Videopodcast auf der Frontal-Internetseite und downloadbarem Sendemanuskript

Montgomery vom Marburger Bund ist ein Ärtzelobbyist und Befürworter der kostenverschleiernden Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Letztere ist in Europa einmalig und völlig überflüssig.

Re: Gesundheitsfonds fördert Korruption (http://www.chefduzen.de/index.php/topic,17615.msg173531.html#msg173531)

Report München vom 06.07.2009, 21:45 Uhr: Millionengewinne durch Mogelpackungen?

MDR, Sendung "exakt" vom 25.08.2009: DRK Borna - Gezielte Insolvenz? (http://www.mdr.de/exakt/6633157.html)

Das DRK in Borna sollte einen Tarifvertrag einer Gewerkschaft übergestülpt bekommen, den die Mitarbeiter ablehnten. Plötzlich war das Rote Kreuz in Borna insolvent und viele langjährige Mitarbeiter verloren ihren Job.

MDR, Sendung "exakt": Unbequeme Belegschaft - Kalkuliertes Ende des DRK-Rettungsdienstes Borna? (http://www.mdr.de/exakt/6632221-hintergrund-6633157.html)

Wenn Ärzte sparen wollen, dann muß es Schluß sein mit der Förderung privat niedergelassener Ärzte. Wozu braucht jeder privat niedergelassene Arzt eine Luxisausstattung seiner Praxis mit Medizintechnik, einen großen Medikamentenvorrat und mehrere Arzthelferinnen. Besser sind kommunale Polikliniken mit einer gemeinsamen Anschaffung der Medizintechnik, einem Labor, physiotherapeutische Betreuungen, ein gemeinsames Medikamentenlager. Da werden pro Praxis innerhalb der Poliklinik die Kreditbelastungen erheblich niedriger und die Auslastung höher. Eine andere Betriebs- und Arbeitsorganisation eben als ärztliche Gemeinschaft ist viel effektiver und volkswirtschaftlich sparsamer - auch für die Krankenkassen, Versicherten und Patientem. Ärzte sollten ihre raffende Geschäftstätigkeit sein lassen und besser betriebs- und volkswirtschaftlich denken und handeln.

Privat niedergelassene Ärzte und Polikliniken ist wie der Vergleich mittelalterlicher Kleinstaaterei mit einer großen Republik. Bei Polikliniken oder Gemeinschaftspraxen ist der Zwang zur Privatpatientenbetreuung erheblich geringer, um auf seine Kostendeckung zu kommen.


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Eivisskat am 15. September 2009, 07:03:50
Zitat
Wie Ärzte abkassieren - Immer mehr verdienen sich nebenbei eine goldene Nase

Geld gegen Patient: Nach diesem Prinzip haben Hamburger Kliniken eine bislang unbekannte Anzahl von Ärzten geschmiert. Seit Wochen sorgen die sogenannten "Fangprämien", mit denen Krankenhäuser sich bei niedergelassenen Medizinern eine Überweisung erkauften (MOPO berichtete), für Schlagzeilen. Doch die "Götter in Weiß" lassen sich nicht nur von Kliniken bestechen. Die illegalen, aber auch legalen Nebeneinkünfte von Ärzten stellen deutschlandweit ein ganzes System dar.

Eigentlich werden die rund 140000 Praxisärzte in Deutschland für ihre Patienten von den Krankenkassen bezahlt. Schon lange klagen sie aber, dass das nicht reicht, und zogen deshalb in den vergangenen Monaten immer wieder auf die Straße. Tatsächlich haben die Mediziner parallel zu ihrem offiziellen Honorar aber auch noch verdeckte Methoden zur Geldvermehrung.

Zu den illegalen Aktivitäten zählen:

- Kick-back-Geschäfte. Dabei handelt es sich um Deals zwischen Ärzten und Kliniken, aber auch beispielsweise zwischen Internisten und Röntgenärzten, Dentisten und Zahnlaboren, Orthopäden und Schuhmachern.

- Lancierte Studien, bei denen die Pharmaindustrie Ärzte gegen Geld mit der Erprobung von Arzneien beauftragt. Die Ergebnisse werden dann als wissenschaftliche Befunde ausgegeben.

- Verschreibung bestimmter Medikamente gegen Geld oder gegen Geschenke. Im sogenannten Trommsdorff-Skandal erhielten bis zu 480 Ärzte in Deutschland (zehn in Hamburg) Flachbildschirme, iPods, DVD-Rekorder, Navigationssysteme, Laptops und Computer für die Verordnung eines Blutdrucksenkers. Im Solvay-Skandal gab's gegen Rezepte Geld und Reisen.

- Krank machen: Andere Ärzte machten ihre Patienten auf Druck einzelner Kassen auf dem Papier kränker, als diese waren, damit die Kassen mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds bekamen.

- Bezahlte Vertreterbesuche: nur für den Empfang gibt's ein Honorar.

Aber auch beim offiziellen Honorar wird getrickst:

- Abrechnung zusätzlicher Leistungen: Die Ärzte stellen der Kasse Extrabehandlungen in Rechnung, die sie gar nicht geleistet haben. Oft sind das Beratungsgespräche.

- Doppelabrechnungen: Im Jahr 2002 kassierten eine Reihe von Chirurgen 500 bis 700 Mark von Patienten für Gelenkoperationen mit Lasergeräten, obwohl die Kassen die Operationen voll vergütet hatten.

- Abrechnung Verstorbener: Besonders makaber handelten Ärzte, die Leistungen für bereits verstorbene Patienten bei der Kasse in Rechnung stellten.

- Unnötige Zusatzuntersuchungen: Die Ärzte überreden ihre Patienten zu teuren Extra-behandlungen (Individuelle Gesundheitsleistungen, IGeL), die diese aus eigener Tasche bezahlen, die medizinisch aber unnötig sind.

- Missbrauch von Versichertenkarten: Ein Beispiel dazu hat Transparency International veröffentlicht. Eine Frau, die in einer Arztpraxis nur kurz zur Toilette wollte, musste ihre Krankenkassenkarte vorlegen. Der Arzt rechnete anschließend eine Behandlung wegen Durchfalls ab.

Nach Angaben von Ermittlern ist die Korruption im Gesundheitswesen an der Tagesordnung. "Ich bin immer wieder entsetzt, dass bei vielen Ärzten jegliches Unrechtsbewusstsein fehlt", so Staatsanwalt Alexander Badle von der "Ermittlungsgruppe Betrug und Korruption im Gesundheitswesen".

Laut Transparency International entsteht dem Gesundheitssystem ein jährlicher Schaden von bis zu 20 Milliarden Euro.

Allerdings: Nicht alle bezahlten Nebentätigkeiten von Medizinern sind illegal. Erlaubt sind Leistungen für Unternehmen oder Universitäten wie:

- Vorträge

- Bücher oder Artikel veröffentlichen

- Beratung

- Klinische Prüfung

- Anwendungsbeobachtungen

- Alles nur, sofern es einen schriftlichen Vertrag gibt, die Vergütung in Geld erfolgt und der erbrachten Leistung entspricht.

Info:
Das dürfen Ärzte

In Paragraf 33, Absatz 2 ("Arzt und Industrie") der Ärztlichen Berufsordnung heißt es "Die Annahme von Werbegaben oder anderen Vorteilen ist untersagt, sofern der Wert nicht geringfügig ist." Ergänzend dazu legt Paragraf 34 fest "Dem Arzt ist es nicht gestattet, für die Verordnung von Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln oder Medizinprodukten eine Vergütung oder andere Vorteile für sich oder Dritte zu fordern, sich oder Dritten versprechen zu lassen oder anzunehmen."

(MOPO vom 15.09.2009 [url]http://www.mopo.de/2009/20090915/hamburg/politik/wie_aerzte_abkassieren.html[/url] ([url]http://www.mopo.de/2009/20090915/hamburg/politik/wie_aerzte_abkassieren.html[/url])


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 15. September 2009, 13:31:04
Die Ärzteskandale sind auch eine der Ursachen für steigende Gebühren der Kranken- und Pflegeversicherung, wobei die AG-Anteile eingefroren wurden und nur die AN-Beitragsanteile künftig steigen werden.

Und zu welcher politischen Klientel zählen Ärzte?

Sie sind die Hätschelkinder der Unternehmer- und Leistungseliteparteien CDU/CSU/FDP.


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 13. November 2009, 13:41:11
DEMO der Gesundheits- & SozialarbeiterInnen in Wien

http://www.chefduzen.at/viewtopic.php?f=62&t=1215&sid=02affda4884a0eff7879d3f539577341#p3304 (http://www.chefduzen.at/viewtopic.php?f=62&t=1215&sid=02affda4884a0eff7879d3f539577341#p3304)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 26. November 2009, 17:04:46
Zitat
Pflegekräfte sind auf Streik eingestellt
Gewerkschaft strebt vor allem faire Bezahlung von Überstunden an


NÜRNBERG - Die Vorzeichen stehen schon auf Streik: 150.000 Beschäftige der kommunalen Kliniken in Bayern wollen im Januar 2010 mehr Lohn und eine bessere Bezahlung von Überstunden fordern.

«Wir werden bei der Tarifrunde nichts geschenkt bekommen«, sagte Dominik Schirmer, Gesundheitsexperte bei ver.di Bayern. Er geht bereits jetzt davon aus, dass es wohl Warnstreiks an mindestens 70 bayerischen Kliniken geben wird.

Entlastung in der Pflege gefordert


In Nürnberg haben 60 Betriebsräte mit dem Bundesvorstand von ver.di ihre Forderungen für Entlastungen in der Pflege diskutiert. Bei der Tarifrunde für den Öffentlichen Dienst wollen sie neben Lohnerhöhungen auch eine gerechte Bezahlung von Mehrarbeit verlangen. Allein am Klinikum Nürnberg seien derzeit 200.000 Überstunden aufgelaufen, sagte Schirmer. Pausenzeiten und freie Tagen seien nicht einzuhalten, weil die Personaldecke zu dünn ist. Beschlossen werden die Forderungen am 15. Dezember.

Claudia Freilinger
24.11.2009

http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1128148&kat=27&man=3 (http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1128148&kat=27&man=3)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Eivisskat am 06. Dezember 2009, 23:42:23
Zitat
Zitat
Aufstand bei Asklepios- Klinikkonzern will Gründung eines neuen Betriebsrats verhindern - mit rüden Methoden.

Hamburg: Gewerkschafter beim Klinikkonzern "Asklepios" sind Kummer gewohnt. Erst Anfang des Jahres wurde zum Beispiel die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Katharina Ries-Heidtke Opfer eines bis heute nicht aufgeklärten Lauschangriffs mit Wanzen (MOPO berichtete). Jetzt plagen die Arbeitnehmervertreterin neue Sorgen: In einer Tochterfirma von "Asklepios Kliniken Hamburg" (ehemals Landesbetrieb Krankenhaus) will das Management mit rüden Methoden die Gründung eines Betriebsrats verhindern. Lidl und Schlecker lassen grüßen!

Es geht um die "Dienstleistungsgesellschaft DLG". Diese hat 450 Beschäftigte, die in den fünf Hamburger Kliniken vor allem im Küchendienst oder in der Gebäudereinigung zum Einsatz kommen. Fünf Jahre nach Gründung der DLG hatten sich fünf Mitarbeiter für den Wahlvorstand - der Vorstufe eines Betriebsrats - aufstellen lassen. Alle kamen aus Barmbek. Doch nach wenigen Wochen hatten vier der fünf Kandidaten ihre Bewerbung wieder zurückgezogen. Zu stark war der Druck des Managements, zu cholerisch das Auftreten des dortigen Objektleiters.

So soll ein Kandidat beispielsweise in die Spätschicht versetzt worden sein, mit der Folge dass er sich nicht mehr um seine behinderte Schwester kümmern kann. Ein anderer Bewerber, so schildert es Ver.di, wurde indirekt unter Druck gesetzt: Der Arbeitsvertrag seiner Frau würde nicht verlängert, wenn er kandidieren würde. In einem dritten Fall wurde ein Raucher wegen angeblichen Zigarettenkonsums außerhalb der Pausen abgemahnt - obwohl er sich nichts zu Schulden habe kommen lassen. Nur der designierte Vorsitzende des Betriebsrats ließ sich auch durch Psychoterror nicht von einer Kandidatur abbringen. Folge: Sein Bereich, die Logistik, wurde aus der DLG überraschend und komplett ausgegliedert - offiziell begründete "Asklepios" dies mit wirtschaftlichen Überlegungen.

Marco Paschke, Ver.di-Gewerkschaftssekretär: "Es hat noch viele weitere Beispiele gegeben. Mitarbeiter sind so eingeschüchtert, dass sie anfangen zu weinen, wenn man sie nur auf das Thema anspricht. Die Einschüchterung hat System." Ver.di prüft mittlerweile sogar eine Strafanzeige gegen den Objektleiter in Barmbek.

"Asklepios" selbst will sich auf MOPO-Anfrage nicht zu den Vorgängen äußern. Wie notwendig ein Betriebsrat wäre, lässt sich beispielsweise daran ablesen, wie die DLG mit kranken Mitarbeitern umgeht: Fällt ein Angestellter aus und erfüllt so nicht die vorgesehene Wochenarbeitszeit, sinkt sein Stundenlohn für die geleistete Arbeit. Will er in dem Monat auf den vollen Verdienst kommen, so muss er beispielsweise am Wochenende nacharbeiten.


[url]http://www.mopo.de/2009/20091207/hamburg/panorama/aufstand_bei_asklepios.html[/url] ([url]http://www.mopo.de/2009/20091207/hamburg/panorama/aufstand_bei_asklepios.html[/url])


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: rendolf am 14. Dezember 2009, 23:01:26
Es sind nicht nur die Ärzte,haupsächlich ist es die Verwaltung die eine gesundung des Systems verhindert. Sicher sind die Ärzte auch mehr oder weniger daran beteiligt, aber die meisten haben auch nur noch einen Zeitvertrag. Deshalb spielen sie den Verwaltungschefs in die Hand.

Komme gerade aus einer REHA, da wurden nur Resourcen verwaltet und nicht die leiden der Leute.
Ein gutes Beispiel ist http://www.klinikbewertungen.de/klinik-forum/erfahrung-mit-paul-ehrlich-klinik-homburg-bad-homburg (http://www.klinikbewertungen.de/klinik-forum/erfahrung-mit-paul-ehrlich-klinik-homburg-bad-homburg)  es ist zum ko..... wie die mit den Patienten umgehen.


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Carpe Noctem am 15. Dezember 2009, 15:10:24
es ist zum ko..... wie die mit den Patienten umgehen.

Da kenne ich auch ein Beispiel. Ich musste auf Geheiss meines HNO 2006 eine OP in der Uniklinik durchführen lassen. Das Ohr wurde für eine Gehörgangmanipulation abgetrennt und sollte nach der OP wieder anwachsen. Leider hat der besoffene Pfleger den Verband so schlampig angelegt, dass mein Ohr neben dem Kinn hing und 90° vom Kopf abstand. Als ich sagte dass ich vorher anders ausgesehen hatte, erwiderte die genervte Schwester, ich sei noch breit von der Narkose und benehme mich wie ein Psychotiker. Herzlichen Dank. Folglich nötigte ich das Personal mir Verbandszeug zu geben und legte mir einen neuen Verband selbst an, nicht ohne vorher mein Ohr zu richten. Der Arzt hatte natürlich die ganzen 3 Tage meines Aufenthaltes keine Zeit. Eine AU an meinen Arbeitgeber zu faxen damit ich nicht wegen unentschuldigten Fehlens gefeuert werde, das liess alle kalt. Nein, keine Zeit. Ich soll bei der Entlassung in der Verwaltung eine AU abholen und mit der Post schicken. Oder die Angehörigen sollen das regeln. Ohne Aussenkontakte ist man da aufgeschmissen, genau wie im Knast. Mein bester Kumpel hat mir abends Pizza mitgebracht weil der Frass zum Rückwärtsessen war.

In manchen Krankenhäusern ist der Umgang mit den Patienten erst der Anfang. Ich ging jemanden in der Psychiatrie besuchen. Hab extra abgewartet bis offiziell Besuchszeit ist. Die Pfleger fragten mich jedes Mal, wer ich sei und was ich da zu suchen hätte! Als ich gehen wollte hielten sich alle Pfleger in der Küche auf um das Abendessen vorzubereiten. Es huschte nur eine selten zu bestaunende Tierart über den Flur, nämlich ein Arzt. Ich: "Ich möchte gehen, können Sie mir bitte die Tür aufschliessen?" (Es handelte sich um eine geschlossene Station). Arzt: "Wer sind SIE denn? Die neue Patientin?" - Ich: "Nein, ich bin hier nur zu Gast und möchte nach Hause" - Arzt: "Das sagen alle" (warum wohl?) - und wech war er... Der Patient den ich besucht habe, bemerkte daraufhin spitzfindig: "Jetzt weisste wie is das mit nem Stempel auffer Stirn" *grins*

Grüsse - CN


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 20. März 2010, 16:41:43
Zitat
Streik in den Kliniken der Damp Holding

Die Gewerkschaft Ver.di hat Mitarbeiter des Krankenhauskonzerns Damp Holding zu einem Warnstreik für mehr Lohn und Gesundheitsschutz aufgerufen.Am Montagmorgen sollen von 7.00 Uhr an rund 2000 Krankenschwestern, Ärzte, Physiotherapeuten und Erzieher in Damp, Schleswig, Kiel und Wismar ihre Arbeit ganztägig niederlegen.In Hamburg, Lehmrade, Ahrenshoop und Stralsund dauert der Warnstreik zwei Stunden.Operationen fallen aus, den Betrieb sichert ein Notdienst-Team. In Damp (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ist eine Kundgebung geplant.

Die Gewerkschaft Ver.di hat Mitarbeiter des Krankenhauskonzerns Damp Holding zu einem Warnstreik für mehr Lohn und Gesundheitsschutz aufgerufen. Am Montagmorgen sollen von 7.00 Uhr an rund 2000 Krankenschwestern, Ärzte, Physiotherapeuten und Erzieher in Damp, Schleswig, Kiel und Wismar ihre Arbeit ganztägig niederlegen.

In Hamburg, Lehmrade, Ahrenshoop und Stralsund dauert der Warnstreik zwei Stunden. Operationen fallen aus, den Betrieb sichert ein Notdienst-Team. In Damp (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ist eine Kundgebung geplant. Die Tarifverhandlungen dauerten schon fast acht Monate, sagte Ver.di-Verhandlungsführer Oliver Dilcher am Freitag in Kiel.

Das Krankenhausunternehmen beschäftigt insgesamt etwa 7800 Mitarbeiter und führt elf Akut- und Rehakliniken im Norden. lno
http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/article6853858/Streik-in-den-Kliniken-der-Damp-Holding.html (http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/article6853858/Streik-in-den-Kliniken-der-Damp-Holding.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 08. Mai 2010, 20:04:43
Zitat
Minneapolis: Krankenschwestern demonstrieren für neuen Tarifvertrag

08.05.10 - Am Donnerstag beteiligten sich tausende Krankenschwestern in Minneapolis und St. Paul an Protesten vor mehreren Krankenhäusern. Zur Zeit wird über einen neuen Tarifvertrag verhandelt. Umstritten ist vor allem, dass die Krankenhäuser eine höhere Flexibilisierung durchsetzen wollen. So sollen die Schwestern je nach Bedarf in den verschiedenen Hospitälern eingesetzt  werden können.
http://www.rf-news.de/2010/kw18/08.05.10-minneapolis-krankenschwestern-demonstrieren-fuer-neuen-tarifvertrag (http://www.rf-news.de/2010/kw18/08.05.10-minneapolis-krankenschwestern-demonstrieren-fuer-neuen-tarifvertrag)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 27. Mai 2010, 17:47:24
Zitat
6.000 bei Demo für Krankenhaus in Staßfurt

In Staßfurt in Sachsen-Anhalt gingen am Mittwochabend 6.000 Menschen auf die Straße und protestierten dagegen, dass der Klinikstandort Staßfurt weiter geschwächt werden soll. Das Klinikkonzept des Salzlandkreises sieht die Schließung der Chirurgie in Staßfurt vor. Es war die größte Demonstration in der Stadt seit dem Ende der DDR.
http://www.rf-news.de/2010/kw21/27.05.10-6.000-demonstrieren-in-stassfurt-fuer-krankenhaus (http://www.rf-news.de/2010/kw21/27.05.10-6.000-demonstrieren-in-stassfurt-fuer-krankenhaus)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 29. Mai 2010, 22:00:00
Zitat
Streik am Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikum

Potsdam (dpa/bb) - Am Ernst-von-Bergmann-Klinikum in Potsdam streikt seit Donnerstag das Service-Personal. Die für Gebäudereinigung und Patiententransport zuständigen rund 350 Beschäftigten seien am Morgen in einen zunächst zweitägigen Ausstand getreten, sagte der Sekretär der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Ivo Litschke. Die in der Service-Gesellschaft der Klinikum Ernst von Bergmann gGmbH angestellten Mitarbeiter fordern einen Tarifvertrag mit einem Mindestlohn von 7,50 Euro. Zudem verlangt eine Gruppe ausgegliederter Beschäftigter einen Überleitungstarifvertrag.
http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/regioline_nt/berlinbrandenburg_nt/article7815104/Streik-am-Potsdamer-Ernst-von-Bergmann-Klinikum.html (http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/regioline_nt/berlinbrandenburg_nt/article7815104/Streik-am-Potsdamer-Ernst-von-Bergmann-Klinikum.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 14. Juni 2010, 13:19:55
12.000 Krankenschwestern streikten in Minnesota

Im US-Bundesstaat Minnesota führten am 10. Juni 12.000 Krankenschwestern einen eintägigen Streik durch im Kampf um die Verteidigung ihrer Arbeitsbedingungen. Betroffen von dem Streik waren 14 Krankenhäuser in der Region Minneapolis-St. Paul. Die Krankenschwestern wehren sich gegen die Versuche der Klinikkonzerne, die "Produktivität und Flexibilität" zu steigern, was nur auf Kosten der Arbeitsbelastung des Personals und der Gesundheit der Patienten gehen kann. Es war der bisher größte Streik von Krankenschwestern in den USA.

http://www.rf-news.de/2010/kw24/14.06.10-12.000-krankenschwestern-streikten-in-minnesota (http://www.rf-news.de/2010/kw24/14.06.10-12.000-krankenschwestern-streikten-in-minnesota)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 23. Juni 2010, 19:10:31
Zitat
Hamburger Kliniken - Tausend Mitarbeiter im Warnstreik
Die Gewerkschaft Ver.di fordert für die rund 17.000 Beschäftigten 3,5 Prozent mehr Lohn. Der Streik betrifft fast alle großen Hamburger Kliniken.

([url]http://www.abendblatt.de/multimedia/archive/00468/HHKlinikstreik_3_HA_468130b.jpg[/url])
Hamburg. Rund 1000 Beschäftigte von Hamburger Kliniken haben am Mittwoch ihre Arbeit vorübergehend niedergelegt. Mit dem Warnstreik von 6.00 bis 10.00 Uhr sollte der Forderung nach höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen Nachdruck verliehen werden, teilte die Gewerkschaft Verdi mit. An einer Kundgebung vor dem Universitätskrankenhaus Eppendorf mit dem Hamburger Verdi-Vorsitzenden Wolfgang Rose beteiligten sich rund 800 Beschäftigte.
([url]http://www.abendblatt.de/multimedia/archive/00468/HHKlinikstreik_8_HA_468111b.jpg[/url])
http://www.abendblatt.de/hamburg/kommunales/article1542783/Hamburger-Kliniken-Tausend-Mitarbeiter-im-Warnstreik.html (http://www.abendblatt.de/hamburg/kommunales/article1542783/Hamburger-Kliniken-Tausend-Mitarbeiter-im-Warnstreik.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 21. August 2010, 11:51:54
Zitat
Südafrika
Vor Hospitälern brennt der Müll

Südafrikas Staatsdiener fordern einen kräftigen Lohnzuschlag. Polizisten gehen mit Wasserwerfern gegen die Streikenden vor.


([url]http://www.fr-online.de/image/view/2010/7/20/-/4576000/highRes/2668287/-/maxh/480/maxw/480/-/Protest+vor+einem+Krankenhaus+in+Soweto..jpg[/url])
Protest vor einem Krankenhaus in Soweto.


Der seit drei Tagen währende Streik für höhere Löhne am Kap der Guten Hoffnung eskaliert. Nachdem der Ausstand von mehr als eine Million Beschäftigten des öffentlichen Diensts bereits am Donnerstag zu Behinderungen von Krankenhäusern, Schulen sowie des Straßenverkehrs vor allem in den Ballungszentren des Landes führte und die Polizei an mehreren Orten mit Wasserwerfern und Gummigeschossen gegen Streikende vorgegangen war, verschärften sich die Auseinandersetzungen am Freitag.

Vor dem Helen-Joseph-Hospital in Johannesburg zündeten Streikende Müllhaufen an: Erneut setzte die Polizei Wasserwerfer ein. Die Zufahrt zu einem Krankenhaus in der Provinz KwaZulu-Natal wurde blockiert: In praktisch allen staatlichen Hospitälern des Landes soll es zu erheblichen Behinderungen gekommen sein. Rettungssanitäter teilten mit, ein Mann, dessen Hand bei einem Unfall abgetrennt wurde, sei am Freitag von zwei Krankenhäusern bei Johannesburg abgewiesen worden. In mehreren Hospitälern werden inzwischen Sanitäter der Armee eingesetzt.

Auch in zahlreichen staatlichen Schulen geschahen Einschüchterungen und Gewalttätigkeiten. In den Schwarzensiedlungen sind so gut wie alle Bildungseinrichtungen inzwischen geschlossen.

Die Gewerkschaft fordert 8,5 Prozent mehr Lohn sowie einen monatlichen Mietzuschuss von umgerechnet über 100 Euro – deutlich mehr als die gegenwärtig bei knapp über vier Prozent liegende Inflationsrate nahelegen würde. Die Regierung bot sieben Prozent sowie andere Vergünstigungen an, die zusammengenommen einer Erhöhung des Gehalts von 8,4 Prozent entsprechen.

Schon jetzt wird sich der südafrikanische Staat in diesem Jahr vor allem wegen der Investitionen im Zusammenhang mit der Fußball-WM mit 6,7 Prozent des Bruttosozialproduktes neu verschulden müssen: Die zusätzlichen Lohnzahlungen würden den Haushalt mit weiteren 500 Millionen Euro belasten, teilte der Minister für Öffentliche Dienste, Richard Baloyi, mit. Die Regierung kündigte an, die von ihr vorgeschlagene Gehaltserhöhung auch ohne Einigung mit den Gewerkschaften einzuführen – weiterhin Streikenden droht dann die Kündigung.

Umstrittener Streik

In der Öffentlichkeit ist der Streik heftig umstritten. Ökonomen verweisen darauf, dass eine Lohnerhöhung um das Doppelte der Inflationsrate in der gegenwärtig noch schwachen Konjunktur und angesichts einer Arbeitslosenquote von offiziell mehr als 25 Prozent „unvernünftig“ sei: Eigentlich, so der Ökonom Mike Schüssler im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau, müssten die Arbeitskosten unter solchen Bedingungen sinken. Andererseits wird jedoch auf die riesigen Differenzen in den Gehältern zwischen öffentlichen Bediensteten und Regierungsmitgliedern verwiesen: Während eine Krankenschwester mit einem Monatseinkommen von rund 500 Euro auszukommen hat, kann ein Angestellter in einem Ministerium mit dem 15-fachen Betrag rechnen. Zeitungskommentatoren kritisieren, dass die Regierung das Geld an den falschen Stellen ausgebe.

Der Streik in der Autoindustrie, in den die 16000 Beschäftigten der Branche Anfang vergangener Woche getreten waren, ist unterdessen am Freitag beendet worden. Gewerkschaften und Arbeitnehmer einigten sich auf eine Gehaltserhöhung von zehn Prozent.
http://www.fr-online.de/wirtschaft/vor-hospitaelern-brennt-der-muell/-/1472780/4576002/-/index.html (http://www.fr-online.de/wirtschaft/vor-hospitaelern-brennt-der-muell/-/1472780/4576002/-/index.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 12. Oktober 2010, 17:16:39
Uniklinikum Erlangen plant fristlose Kündigung des PR-Vorsitzenden. Ein Armutszeugnis für die Uniklinik
„Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Absicht des Uniklinikums Erlangen, den langjährigen Personalratsvorsitzenden Hajo Ehnes kündigen zu wollen. Diese Absicht hatte die Verwaltung dem Personalrat Ende August mitgeteilt. Nachdem der hierfür die Zustimmung verweigert hat, liegt die Sache nun beim Verwaltungsgericht in Ansbach…“

http://www.buschtrommler.info/downloads/38.pdf (http://www.buschtrommler.info/downloads/38.pdf)
http://www.buschtrommler.info/downloads/ehnes/soli-ehnes.pdf (http://www.buschtrommler.info/downloads/ehnes/soli-ehnes.pdf)
http://www.buschtrommler.info/downloads/ehnes/Solidaritaetserklaerung.doc (http://www.buschtrommler.info/downloads/ehnes/Solidaritaetserklaerung.doc)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 14. Oktober 2010, 19:55:00
Zitat
Klinikum Darmstadt
Rebellion im Krankenhaus

Mitarbeiter des Klinikums Darmstadt protestieren gegen ihren neuen Chef. Eine Gruppe von mehreren Mitarbeitern hat sich an die Frankfurter Rundschau gewandt. Sie befürchten, dass Gerhard Becker das Klinikum noch tiefer in die roten Zahlen stürzt.


Bei den Mitarbeitern des Klinikums Darmstadt rumort es. Seit März hat das städtische Krankenhaus, das schon jahrelang Defizite in Millionenhöhe schreibt, einen neuen Geschäftsführer: Gerhard Becker. Der Endvierziger versteht sich mehr als Managertyp denn als Verwaltungsmensch. Als jemand, der anpackt und keine langen Diskussionen will. Im Gegensatz zu früheren Klinikchefs fährt er einen Dienstwagen. Er ist angetreten, um zu sparen. Daraus machen er und Darmstadts Klinikdezernent Dierk Molter (FDP) keinen Hehl. Ihr Businessplan gibt vor, ab Mitte 2013 schwarze Zahlen zu schreiben.

Die Unruhe in der Belegschaft ist dementsprechend groß. Eine Gruppe von mehreren Mitarbeitern hat sich an die Frankfurter Rundschau gewandt. Sie befürchten, dass Becker das Klinikum noch tiefer in die roten Zahlen stürzt. „Die Realität und die jetzt zu erwartende Entwicklung erscheinen uns sehr bedenklich“, sagt eine Mitarbeiterin (Name der Redaktion bekannt). Es seien Schritte eingeleitet, die, „statt aus den roten Zahlen zu führen, möglicherweise das Gegenteil bewirken und letztlich zu einem Verkauf des Klinikums an einen privaten Träger führen können“.

Zitat
Die Klinik

Das Klinikum Darmstadt hat rund 880 Betten und 2000 Mitarbeiter. Es hat eine vergleichbare Größe mit anderen städtischen Kliniken im Rhein-Main-Gebiet, etwa Wiesbaden und Offenbach. Schwerpunkte des Maximalversorgers, der fast alle medizinischen Bereiche abdeckt, sind die Behandlung von Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Neue Rechtsform: Im Juni 2009 erhielt das Krankenhaus eine neue Rechtsform. Zuvor war es ein Eigenbetrieb der Stadt Darmstadt, seitdem ist es eine GmbH. Ein Großteil der Entscheidungen muss seitdem nicht mehr vom Stadtparlament, sondern nur noch von einem zwölfköpfigen Aufsichtsrat getroffen werden. Der rot-grün-gelbe Magistrat versprach sich dadurch schnellere Entscheidungswege. Die Linksfraktion, die nun nicht mehr mitkontrolliert, sah darin einen ersten Schritt zur Privatisierung.

Defizite: Für 2009 wies das Klinikum ein Minus von rund zwei Millionen Euro auf. 2008 betrug das Defizit vier Millionen, 2007 zwei Millionen Euro. frs


Die Gruppe bescheinigt Becker einen „absolutistischen Führungsstil“. Bei Besetzungen von leitenden Positionen bediene er sich aus einem Netzwerk von Leuten, das er sich als früherer Arbeitsdirektor der börsennotierten Mediclin AG sowie als Verwaltungschef der Unikliniken Hamburg-Eppendorf und Düsseldorf aufgebaut habe. Es sei zu befürchten, dass das Darmstädter Klinikum „eine weitere Versorgungsstation für ihn und seine Seilschaft“ werde, sagt eine Mitarbeiterin. Die Gruppe vermutet hinter drei wichtigen Neubesetzungen (Pflegedienstleiterin, Technischer Direktor, Verwaltungsdirektor) Leute aus Beckers „Netzwerk“.

Dezernent Molter weist diese Darstellung zurück: Besetzungen leitender Positionen kontrollierten krankenhausinterne Gremien und der Aufsichtsrat. Und Becker beteuert, er kenne nur den neuen Verwaltungsdirektor aus seiner Zeit bei der Mediclin AG. Dass dieser in Darmstadt eingestellt werde, resultiere allein aus dessen Qualitäten. Der Leitende ärztliche Direktor, Martin Welte, pflichtet Becker bei: Unter 40 Bewerbern sei der betreffende Kandidat „einfach der Beste“ gewesen.

Der Vorsitzende des Personalrats, Georg Faust, führt die Kritik aus Mitarbeiter-Kreisen auf den starken Umbruch zurück, den das Klinikum derzeit erfahre. Das sorge für Irritationen, auch „der neue Stil, das schnellere Tempo“, das Becker mitbringe.

Becker weist auf Wettbewerbsdruck hin


Becker räumt ein, dass er sich bei der Erfüllung seines Auftrags, das Klinikum aus den roten Zahlen zu führen, nicht bei allen beliebt mache. Er weist auf den enormen Wettbewerbsdruck hin, unter dem Krankenhäuser heute stünden. Seine Mitarbeiter würden aber immer noch nach Tarif bezahlt, was auch so bleiben solle. Ein Abbau von Stellen sei – außer in der Logistik – derzeit nicht geplant, auch kein weiteres Outsourcing. Schon vor Beckers Zeit wurden Catering, Wäscherei und Reinigung ausgegründet. Mitarbeiter dort werden untertariflich bezahlt. Es gebe keine Pläne für eine Privatisierung. Dann verlöre auch er schließlich seinen Job.
http://www.fr-online.de/rhein-main/rebellion-im-krankenhaus/-/1472796/4745282/-/index.html (http://www.fr-online.de/rhein-main/rebellion-im-krankenhaus/-/1472796/4745282/-/index.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 27. Oktober 2010, 18:22:29
Heidelberg: 650 Mitarbeiter streiken an Uniklinik

27.10.10, 14:21

Heidelberg. In Heidelberg haben heute rund 650 Mitarbeiter der Universitätsklinik aus Protest gegen den bisherigen Verlauf der Tarifverhandlungen gestreikt. Das teilte die Gewerkschaft Verdi mit. Die Klinik machte keine genauen Angaben zu den Auswirkungen des Warnstreiks. "Die meisten geplanten Operationen mussten aber verschoben werden", sagte eine Sprecherin. Eine Verdi-Sprecherin bewertete den Streik an der Heidelberger Uniklinik als "Riesenerfolg". Auch in Tübingen, Freiburg und Ulm fanden an den Unikliniken Streiks statt. Insgesamt beteiligten sich nach Verdi-Angaben 2000 Mitarbeiter an der Aktion, wodurch rund 400 Operationen ausfallen mussten. Notfälle seien in den vier Kliniken aber weiter behandelt worden. (jaz/dpa)

http://www.morgenweb.de/region/rhein_neckar_ticker/Mannheimer_Morgen/15039_Heidelberg:_650_Mitarbeiter_streiken_an_Uniklinik_.html (http://www.morgenweb.de/region/rhein_neckar_ticker/Mannheimer_Morgen/15039_Heidelberg:_650_Mitarbeiter_streiken_an_Uniklinik_.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 12. Dezember 2010, 20:24:53
flugblatt, gefunden auf der webseite der unabhängigen betriebsgruppe amperkliniken dachau:
" RHÖN KLINIKUM AG – AMPER KLINIKEN AG – UND DIE BESCHÄFTIGTEN
Bis zum Jahr 2030 soll sich, nach einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 23.11., die Zahl der
pflegebedürftigen Menschen in der BRD um 50% steigern (Bayern 54,7%). Die Gewerkschaft verdi errechnete
im Oktober, dass durch die mit der Gesundheitsreform verbundenen Einsparungen 50.000 Stellen im
Gesundheitsbereich abgebaut werden.
Die durch die Finanzkrise bereits geschwächten Kommunen könnten dadurch noch weiter in die Enge
getrieben werden – sollten sie überhaupt noch Träger ihrer Krankenhäuser sein. Diesen Umstand machen
sich Klinik-Konzerne wie Rhön, Asklepios, Sana etc. zum Vorteil, indem sie durch die finanzielle Fähigkeit zur
Übernahme ihren Einfluss weiter und weiter ausbauen.
RHÖN KLINIKUM AG
Die Rhön AG übernahm 2005 die Kliniken Dachau und Markt Indersdorf. Mittlerweile hält sie einem Anteil von
95% (die restlichen 5% verblieben beim Landkreis). 2009 erwirtschaftete sie konzernweit einen Gewinn von
131,7 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2010 waren es 71 Mio., für das gesamte Jahr wird eine Steigerung
auf 145 Mio. Euro erwartet. Auch wenn diese Zahlen die Vorstellungskraft eines Menschen mit „normalem“
Einkommen strapazieren, lässt sich bereits erahnen, dass finanzielle Schwäche hier nicht das Thema zu sein
scheint – im Gegenteil.
Die Rhön AG verfährt nach dem sog. „Flussprinzip“, d.h. sie organisiert die Stationen ihrer Kliniken nach dem
Grad des Aufwandes der zu Versorgenden. So sollen Bereiche mit vermeintlich weniger Aufwand auch mit
weniger (qualifiziertem) Personal auskommen. Der ärztliche Sektor ist ausreichend bis gut besetzt, die
restlichen Berufsgruppen mit einer Fachausbildung, hier v.a. die Pflege als größte Gruppe, werden auf ein
Minimum reduziert und mit angelernten Hilfsberufen kompensiert.
AMPER KLINIKEN AG
Die Dachauer Kliniken nehmen in zweierlei Hinsicht eine besondere Stellung ein. An Hand der Bettenzahl
gehören sie zu den 10 größten konzerneigenen Kliniken. Zum einen hat die Klinikleitung bei der Gründung der
(damals lankreiseigenen) AG begonnen Unter GmbHs zu errichten, um Gruppen von Beschäftigten zu deren
Nachteil auszugliedern: KDI Service GmbH, Amper Medico GmbH, MiCura Pflegedienst. Zum anderen wurde
mit explizit repressivem Habitus jeglicher Versuch dies theoretisch wie praktisch zu kritisieren unterbunden.
Waren 2001 noch 1100 Menschen bei der AG beschäftigt sind es heute knapp 780. Zwischen 2004 und 2006
wurden v.a. Stellen in der Pflege abgebaut. Die Folgen waren massive Arbeitsverdichtung, hohe Überstunden
und krankheitsbedingte Ausfälle, was uns und unsere KollegInnen körperlich wie mental langfristig zermürbt
hat. Und als ob das alles nicht genug wäre, zog ein 2006 in Kraft tretender „Haustarifvertrag“ zusätzlich noch
Lohnkürzungen nach sich. Eine Differenz zum Tarifvertrag im öffentlichen Dienst kann sich monatlich, je nach
Eingruppierung, bei 200 Euro Netto belaufen. 2007 wurde mit dem „Patienten Service“ eine weitere
Berufsgruppe geschaffen, die wiederum durch Stellenstreichungen in der Pflege finanziert wurde. Die über 50
KollegInnen des Service sind bei KDI GmbH angestellt, erhalten nur Teilzeitverträge (max. 75%), haben
keinen Tarifvertrag, bekommen keine Zuschläge für Arbeiten am Wochenende oder an Feiertagen und auch
hier wird Widerspenstigkeit mit Druck von oben begegnet. Dieses Beispiel verdeutlicht wie man 2 Fliegen mit
einer Klappe schlägt: KollegInnen nachhaltig voneinander spalten und durch Lohndumping noch Geld zu
sparen.
Aktuell ist fast jede Station unterbesetzt, auf mehreren wird mit LeiharbeiterInnen gearbeitet. Da die
schlechten Arbeitsbedingungen mittlerweile kein Geheimnis mehr sind, ist es auch schwierig geworden neues
Personal zu bekommen und auch zu halten. Zwar werden zur Zeit wieder unbefristete Verträge ausgestellt,
aber die Fluktuation, v.a. junger KollegInnen, ist nach wie vor hoch (auch wenn dies von der Klinikleitung
vehement bestritten wird). Das Haus platzt von der Bettenbelegung aus allen Nähen und erwirtschaftet jährlich
mehr Gewinn. Diese Situation ist nicht neu, aber wir werden sie auch weiter nicht akzeptieren. Traditionelle
Stellvertretungspolitik lehnen wir ab. Wir sprechen für uns selbst und handeln unmittelbar.
Wir wehren uns
Dachauer Klinikbeschäftigte http://www.betriebsgruppen.de/bgak (http://www.betriebsgruppen.de/bgak) "


siehe auch: http://www.betriebsgruppen.de (http://www.betriebsgruppen.de)  http://www.ungesundleben.org/privatisierung/index.php/Amper_Kliniken_AG (http://www.ungesundleben.org/privatisierung/index.php/Amper_Kliniken_AG) http://www.weisse-fabrik.de (http://www.weisse-fabrik.de)
http://www.netzwerk-verdi.de (http://www.netzwerk-verdi.de) http://www.fau.org/syndikate/gesundheit/ (http://www.fau.org/syndikate/gesundheit/)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 16. Januar 2011, 13:42:55
Zitat
Sana-Mitarbeiter kämpfen um ihre Jobs

([url]http://www.ln-online.de/images/meldungen/98_0_7316828_1_frsana_7_420.jpg[/url])

Lübeck - 102 Angestellten der Lübecker Sana-Kliniken soll Ende 2011 gekündigt werden. Der Betriebsrat und Politiker sind empört über die Pläne..


Janet Gerndt nimmt einen hastigen Zug aus der Zigarette und wischt sich einen Regentropfen aus dem Gesicht. Gemeinsam mit vier Kollegen steht die 40-jährige Leiterin des Sana-Patiententransports vor dem Haupteingang des Klinikums in Lübeck. Dass ihre dünne Jacke nicht ganz wetterfest ist, stört die Sana-Angestellte nicht. Nicht heute, denn Gerndt ist wütend, sie will Dampf ablassen. 102 Angestellte sollen zum Ende des Jahres ihren Job verlieren, Jana Gerndt und ihre vier Kollegen stehen mit auf der Abschussliste. „Wir sind alle nicht mehr die Jüngsten und haben Häuser und Kredite abzubezahlen. Die Chance auf einen neuen Job in Lübeck ist für uns gleich null“, befürchtet sie.

Ragnar Kruse (37), Betriebsratsmitglied und 15 Jahre in der Klinik tätig, pflichtet bei: „Geschäftsführer Abel ist knallhart und verhält sich seinen Mitarbeitern gegenüber nicht sozial. Dabei ist das sogar eine Vorschrift im Sana-Leitfaden.“ Kruse glaubt, dass der Stammbelegschaft nach der Kündigung ein neuer Vertrag einer Sana-Tochterfirma vorgelegt werden soll. Neuangestellte verdienen bereits jetzt lediglich 1286 Euro brutto. 30 Prozent weniger als die Bezüge der Belegschaft mit alten Verträgen. „Und die will Herr Abel natürlich loswerden. Das ist Erpressung“, sagt Stefan Wisser. Der 50-Jährige sitzt bei der Sana-Klinik in der Verwaltung und feierte am 1. Januar sein 25-jähriges Dienstjubiläum. Mit der drohenden Kündigung will er sich nicht abfinden. „Wir kämpfen um unsere Jobs.“

Unterstützung erhalten Gerndt, Wisser & Co. dabei auch von Kollegen, die von den Sparmaßnahmen der Sana-Klinik nicht betroffen sind. Krankenpfleger Lars-Erik Theunert (28) hat gerade einen unbefristeten Vertrag bekommen, er zeigt sich solidarisch: „Die Kollegen machen einen Super-Job unter enormem Druck. Eine Entlassung kann kaum aufgefangen werden.“

„Ein verheerender Fall, typisch für eine Privatisierung“, sagt SPD-Politiker Wolfgang Baasch, der für die Stadt im Aufsichtsrat der Sana-Kliniken Lübeck sitzt. Der Kostendruck, der mit der Privatisierung entstanden sei, „ist für Sana offenbar nicht auszuhalten“. Sanas Weg, Mitarbeiter für deutlich weniger Geld nach der Entlassung wieder ins Haus zu holen, sei kein Zukunftsmodell. „Ich hoffe, dass wir noch Wege finden, um zu verhindern, dass 100 Mitarbeiter zum Jahresende freigesetzt werden.“

Die komplette Trennung von Dienstleistungsbereichen oder das Outsourcing in Töchtergesellschaften sind in der schleswig-holsteinischen Krankenhaus-Landschaft seit Jahren an der Tagesordnung. „Was bleibt den Kliniken unter den herrschenden politischen Bedingungen und dem wachsenden Kostendruck anderes übrig?“, fragt Bernd Krämer, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein. Eine Wäscherei in Glückstadt (Kreis Steinburg) musste im vergangenen Herbst dichtmachen, weil das landeseigene Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) ihr den Auftrag entzog. 120 Mitarbeiter verloren ihren Job. Lübecks Krankenhaus-Wäsche wird seitdem in Rostock billiger gereinigt. Barbara Kempe, Sprecherin der Sanakliniken Ostholstein, bestätigt: „Wir haben uns schon vor Jahren Dienstleister ins Haus geholt.“ Meistens handele es sich um Schwestergesellschaften, zum Beispiel den Sana Catering Service. Lübecks Betriebsrats-Vize Johannes Wolgast sieht solche Entwicklungen mit Grausen: „In solchen Gesellschaften dürfen wir dann für 30 Prozent weniger Gehalt wieder anfangen!“

Empörung auch bei Gabriele Gröschl-Bahr, der Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat der Sanakliniken AG: „Unerträglich, was in Lübeck passiert. Das ist kein Umgang mit den Beschäftigten.“ Das gesamte Sana-Personal an den Standorten Lübeck und Travemünde habe in den vergangenen Jahren noch solidarisch auf einen Teil seines Weihnachtsgelds verzichtet, um Entlassungen zu verhindern. Sana-Geschäftsführer Klaus Abel sagte gestern, er sei weiter daran interessiert, „die beste Lösung für diese Situation zu finden“. Er bedauere, dass der Betriebsrat, „offenbar den Weg des konstruktiven Miteinanders verlassen hat“.
Von Jan Wulf und Curd Tönnemann
http://www.ln-online.de/artikel/2915146 (http://www.ln-online.de/artikel/2915146)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 16. Februar 2011, 19:19:41
Zitat
Unikliniken bereiten sich auf Streik vor

Essen (Korrespondenz), 16.02.11: Am 4. Februar startete offiziell die Tarifrunde im öffentlichen Dienst der Länder.


Betroffen sind davon ca. 800.000 Beschäftigte, darunter wir sogenannten nichtwissenschaftlich Beschäftigten der sechs Universitätskliniken von NRW  und 1,24 Millionen Beamte, auf die das Verhandlungsergebnis dann übertragen werden soll. Die Bundestarifkommission hat eine Erhöhung der bisherigen Entgelte von 50 € plus 3% beschlossen, auch für Auszubildende. Obwohl diese Forderung in unseren Augen schon niedrig genug ist, steht nach Aussage des Vorsitzenden der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Hartmut Möllring, für Personalkostenerhöhungen nur ein Prozent zur Verfügung. Diese Tarifrunde wird deshalb nicht leicht, zumal der TdL-Bereich noch wenig gewerkschaftlich organisiert ist, kaum Streikerfahrung hat und in kleine Bereiche zersplittert ist. Die Unikliniken sind da noch mit am größten und haben dadurch auch eine wichtige Rolle in der Tarifauseinandersetzung, zumal Beamte nicht einmal ein Streikrecht bei Tarifverhandlungen haben.

Wir werden deshalb die Tarifrunde vor allem nutzen, um weitere Gewerkschaftsmitglieder für ver.di zu gewinnen und unsere Vertrauensleutearbeit zu stärken. Trotzdem müssen wir uns nicht kleiner machen, als wir sind. Schließlich sind wir stolz darauf, dass wir 2006 in einem 16wöchigen Streik unsere damalige Forderung nach einem Tarifvertrag durchgesetzt haben. Auch jetzt bereiten wir uns auf einen Streik vor. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 24./25. Februar statt. Deshalb machen die betroffenen Betriebe in dieser Woche Aktionen, um die Kolleginnen und Kollegen dafür zu mobilisieren.
http://www.rf-news.de/2011/kw07/unikliniken-bereiten-sich-auf-streik-vor (http://www.rf-news.de/2011/kw07/unikliniken-bereiten-sich-auf-streik-vor)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 16. Februar 2011, 19:23:18
Zitat
Charité vor Streik?
Berlins Uniklinikum steuert auf großen Tarifkonflikt zu. Ver.di fordert Anschluß ans TvÖD-Niveau. Vorstand will 18 Millionen Euro einsparen

Von Jörn Boewe

([url]http://www.jungewelt.de/serveImage.php?id=29819&type=o[/url])
Charité-Mitarbeiter beim letzten Streik am 12. September
2006 vor dem ­Bettenhochhaus in Berlin-Mitte

Wenn in Berlin Abgeordnetenhauswahlen anstehen, wird an der Charité gestreikt. So war es 2006, und dieses Jahr, 2011, deutet wieder alles darauf hin. An der Charité, dem Berliner Universitätsklinikum, werden am heutigen Mittwoch die Tarifverhandlungen für die rund 13000 Beschäftigten in Pflege, Technik und Verwaltung fortgesetzt. Das letzte Treffen war kurz vor Weihnachten ergebnislos verlaufen. Ein Angebot der Geschäftsführung, die Gehälter 2011 um ein Prozent anzuheben, hatte die Gewerkschaft als unverhandelbar zurückgewiesen.

Ver.di ist in die Mitte November aufgenommenen Verhandlungen nicht mit einer Prozentforderung hineingegangen, sondern verlangt 300 Euro mehr Gehalt für alle Vollzeitbeschäftigten. Wie die Tarifkommission ausgerechnet hat, entspricht dies etwa der durchschnittlichen Lohndifferenz zu Angestellten in kommunalen Krankenhäusern. »Das ist ziemlich genau das, was eine Pflegekraft nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst bekommt«, erklärte der ver.di-Betriebsgruppenvorsitzende und Personalrat Carsten Becker im Gespräch mit junge Welt.
Abgehängte Hauptstadt
Durch den Ausstieg der »rot-rot« regierten Hauptstadt aus der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) im Jahr 2002 war Deutschlands größtes Uniklinikum (wie alle anderen Landesbeschäftigten in Berlin auch) ab 2003 von der Einkommensentwicklung des öffentlichen Dienstes außerhalb Berlins abgekoppelt worden. Erst 2006 gelang es der Gewerkschaft, nach einer langen Auseinandersetzung und einem zweiwöchigen Erzwingungsstreik, den tariflosen Zustand zu beenden. Der Haustarifvertrag, den die Beschäftigten damals erkämpften, trat 2007 in Kraft und sah eine Anhebung um 4,4 Prozent gegenüber 2003 vor. Dies entsprach dem Niveau des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst (TvöD) von 2005. Allerdings kam die Erhöhung in mehreren Stufen. Der TvÖD-Stand von 2005 war mehr oder weniger erst 2009 erreicht.

»Wir wollen mit dieser Runde den Anschluß an das Bundesniveau erreichen«, bekräftigte Becker am Dienstag auf Nachfrage. Bei der Entgeltvereinbarung strebe man eine kurze Laufzeit an, »um in Zukunft wieder in denselben Zeittakt zu kommen wie die bundesweite Tarifbewegung«. Zugleich fordert die Gewerkschaft, bestehende Unterschiede zwischen Beschäftigten aus Ost und West, etwa beim Kündigungsschutz, zu beseitigen. Außerdem sollen die Arbeitszeiten und Urlaubsregelungen Thema der Gespräche werden.

»Wir rechnen nicht damit, daß wir einen Tarifabschluß ohne Arbeitskampf geschenkt bekommen«, sagte Becker. »Aber die Kampfbereitschaft der Kolleginnen und Kollegen ist hoch.« Ver.di habe sich festgelegt, »keine langen Verhandlungen über sich ergehen zu lassen«. Auf einen konkreten Zeitrahmen wollte sich der Gewerkschafter gestern nicht festlegen. Er machte aber deutlich: Wenn im Frühjahr kein Ergebnis zustandekommt, stehen für die Charité die Zeichen auf Streik.
Drohende Zerschlagung
Am 18. September stimmen die Berliner über die Zusammensetzung des künftigen Landesparlaments ab. Für ver.di ist dies zweifellos eine günstige Konstellation, denn es ist nicht anzunehmen, daß sich SPD und Linke wenige Monate vor den Wahlen mit einem langen Streik konfrontieren lassen wollen. Weniger günstig ist die strukturelle Situation: Wie das gesamte Gesundheitswesen ist die Charité chronisch unterfinanziert. Im vergangenen Jahr lag das Defizit bei 19,9 Millionen Euro. »Für 2011 sind zusätzliche Einsparungen von 18 Millionen Euro (ganzjährig) zu identifizieren, um ›handlungsfähig‹ zu bleiben«, heißt es in einem internen Arbeitspapier der Geschäftsführung. »Alle Bereiche« würden dazu »einen zusätzlichen Beitrag leisten müssen«. Über allem hängt immer noch das Damoklesschwert einer Zerschlagung und teilweisen Privatisierung: »Ohne ausgeglichenes Ergebnis droht eine kompromißlose Restrukturierung ohne Einfluß durch die Charité und mit unabsehbaren Folgen«, wird in dem Dokument ausgeführt. Ende Januar hatte sich Charité-Vorstandschef Karl Max Einhäupl für eine Umwandlung des Klinikums in eine Aktiengesellschaft ausgesprochen. Der Vorteil bestehe darin, »daß die Charité kreditfähig wäre und wir uns nicht mehr alles vom Parlament und den Senatsverwaltungen genehmigen lassen müßten«, sagte seine Sprecherin Stefanie Winde der Berliner Zeitung. Joachim Bovelet, der Geschäftsführer des anderen landeseigenen Klinikkonzerns, der Vivantes GmbH, hatte dies für sein Haus bereits im vergangenen Jahr gefordert.

Während Bovelet aber einen Teil der Aktien an private Investoren verkaufen würde, sollten die Charité-Anteile nach den Plänen Einhäupls zu 100 Prozent in Landesbesitz bleiben. Einhäupl gilt auch unter den Beschäftigten als entschiedener Gegner einer Zerschlagung des Uniklinikums. Unter Gewerkschaftern stößt die Idee auf wenig Begeisterung. Ver.di sieht hier eher die Gefahr einer Aufspaltung des Klinikums in verschiedene betriebswirtschaftlich »eigenständige« Bereiche, weitere Ausgliederungen und Teilprivatisierungen.
http://www.jungewelt.de/serveImage.php?id=29819&type=o (http://www.jungewelt.de/serveImage.php?id=29819&type=o)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 15. März 2011, 12:20:09
Zitat
Warnstreiks an der Charité – Längere Wartezeiten für Patienten

Am Dienstag haben Warnstreiks an der Berliner Charité begonnen. Zunächst legten die Reinigungskräfte ihre Arbeit nieder. Eine Stunde später schlossen sich Pfleger und Krankenschwestern dem Streik an. Diese Arbeitskampfmaßnahmen werden den ganzen Tag über, bis 18.00 Uhr, andauern.

Betroffen sind die Standorte Mitte, Wedding und Steglitz. Für die Dauer des Streiks wurde ein Notdienst eingerichtet, der lebensbedrohliche Krankheitsfälle behandelt.

Patienten müssen lange Wartezeiten einkalkulieren, da auch die Bereiche Notaufnahme, Operation und Intensivstationen an dem Streik beteiligt sind.

Die Gewerkschaft ver.di fordert in dieser Auseinandersetzung mehr Lohn für die Beschäftigten. Nach ersten Angaben will man eine Erhöhung um durchschnittlich 300 Euro durchsetzen.
http://www.stadtmorgen.de/wirtschaft/warnstreiks-an-der-charite-%E2%80%93-langere-wartezeiten-fur-patienten/10604.html (http://www.stadtmorgen.de/wirtschaft/warnstreiks-an-der-charite-%E2%80%93-langere-wartezeiten-fur-patienten/10604.html)


Titel: Mexiko: Streiks im Gesundheitswesen
Beitrag von: Kuddel am 16. März 2011, 19:53:38
Am 8. und 9. März streikten in mehreren mexikanischen Provinzen Ärzte, Krankenschwestern und Verwaltungspersonal 48 Stunden lang für bessere Arbeitsbedingungen und Lohnanpassungen. In Aguascalientes beteiligten sich 4.000, in Tamaulipas 1.200, 7.000 in Oaxaca und 1.400 in Chihuahua. In manchen Kliniken bzw. Sanitätsstationen gab es Betriebsbesetzungen, außerdem kam es zu Straßenblockaden. Die Gewerkschaft SNTSA wirft der Bundesregierung vor, dass sie der Hälfte der Beschäftigten die Anhebung der Löhne seit 2007 vorenthält.

http://www.rf-news.de/2011/kw11/15.03.11-mexico-streiks-im-gesundheitswesen (http://www.rf-news.de/2011/kw11/15.03.11-mexico-streiks-im-gesundheitswesen)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 17. März 2011, 14:21:44
Zitat
"Der Frust der Mitarbeiter war noch nie so groß"

Von Ina Brzoska

Die Entscheidung ist ihr nicht leicht gefallen. Jana Marlow (48) hat sich zuallererst versichert, dass es den Frühchen gut geht, dass zumindest eine Notversorgung gewährleistet ist. Sie arbeitet in der Geburtsklinik am Campus Mitte, in einem der sensibelsten Bereiche der Charité.

Doch statt um sechs Uhr morgens Berge von Wäsche zu waschen, die Mülltonnen zu leeren oder den Boden zu desinfizieren, hat Marlow zur Trillerpfeife gegriffen. Jetzt steht sie vor dem Bettenhaus mit ihren Kolleginnen und protestiert. An diesem Tag geht es auch um ihr Wohl, um eine sichere berufliche Zukunft.
Nur etwas mehr als Hartz IV

Die Reinickendorferin ist eine von mehreren Hundert Streikenden, die an der Charité für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Laut Ver.di sind es 2000 Arbeitnehmer, protestiert wird am Bettenhaus, vor dem Virchow-Klinikum und am Campus Steglitz. Reinigungs- oder Sicherheitskräfte, Krankenschwestern oder Männer aus dem Transport, die ihrer Wut Luft machen. Sie pusten in ihre Trillerpfeifen, blockieren die Zufahrtswege. Sie schimpfen auf die Charité: "Pleite- oder Schuldenladen", haben sie auf Transparente geschrieben. Die Arbeitnehmer wollen Druck machen, denn noch laufen die Tarifverhandlungen. Sie fordern mehr Urlaub, weniger Überstunden, und sie fordern vor allem: höhere Löhne.

Ver.di, die dbb-Tarifunion und die IG Bauen-Agrar-Umwelt haben zum Streik aufgerufen. "Die Frustration unter den Mitarbeitern war noch nie so groß wie jetzt", sagte Andreas Splanemann, Streikführer von Ver.di. Die Gewerkschaften fordern trotz der angespannten finanziellen Lage der Charité jeweils 300 Euro mehr Lohn im Pflege- und Technikbereich für rund 10 000 Beschäftigte. Damit soll der Einkommensrückstand zu anderen Berliner Krankenhäusern von 14 Prozent ausgeglichen werden. Am heutigen Mittwoch gehen die Verhandlungen in die nächste Runde, die Charité zeigt sich kooperationsbereit, schlägt eine Anbindung an die Tarife des öffentlichen Dienstes über einen definierten Zeitraum in verschiedenen Angleichungsschritten vor.

Es sind Forderungen, die die Charité in einer äußerst schwierigen Wirtschaftslage treffen. Die Charité will erstmals schwarze Zahlen schreiben, 2010 lag der Verlust bei 17,7 Millionen Euro. Jüngst wurde die gesamte Führungsetage dazu aufgerufen, auf fünf Prozent des Gehalts zu verzichten. Im Februar überwies das Uniklinikum seinen Mitarbeitern erstmals das Gehalt zwei Wochen später, zum Ende des Monats. Liquidität, so betont es Charité-Chef Karl Max Einhäupl stets, sei enorm wichtig, um dringend notwendige Sanierungen in maroden Kliniken vorzunehmen. Nur so könne die Charité auf lange Sicht wieder gesunden.

Marlow hingegen findet, dass eine Gehaltserhöhung längst überfällig ist. Sie demonstriert gegen die schlechten Arbeitsbedingungen bei der Charité Facility Management (CFM), einer Tochterfirma, die 2006 gegründet wurde, um Kosten zu sparen. "Ich habe eine 40-Stunden-Woche, sechs Wochenenden arbeite ich, um eines frei zu bekommen", sagt Jana Marlow. Am Ende des Monats bliebe ihr kaum mehr als einem Hartz-IV-Empfänger. Doch bislang zeigt sich die CFM nicht gesprächsbereit. "Ver.di hat mehrere Angebote unterbreitet, sie setzen sich noch nicht mal mit uns an einen Tisch", sagen die Gewerkschafter. Wenn der Tarifvertrag zustande käme, gebe es 9,10 Euro für Marlow und die Kollegen von der Reinigung, rund 40 Cent mehr. "Unsere Motivation würde damit enorm steigen", sagen sie.

Auch viele Hundert Angestellte am Virchow-Klinikum klagen über steigende Arbeitsbelastungen. Krankenschwestern sprechen von unhaltbaren Hygienebedingungen, von Behandlungsfehlern, die passieren, weil das Personal überlastet und übermüdet ist. An diesem Tag arbeiten viele von ihnen überhaupt nicht, denn der Streik dauert von sechs Uhr in der Früh bis 18 Uhr am Abend. An der Charité können deshalb in vielen Bereichen nur noch Notfälle versorgt werden. Chirurgische Eingriffe werden verschoben, OP- und Röntgensäle bleiben leer. Auf Intensivstationen müssen Ärzte die Kranken selbst von einer Etage in die nächste bringen und sogar die Räumlichkeiten reinigen. Laut Carsten Becker, dem Gesamtpersonalrat der Charité, hat das Uniklinikum eine Million Euro pro Streiktag eingeplant.
Vivantes wirbt Fachkräfte ab

Achim Jörres, Chef der Inneren Medizin am Virchow-Klinikum, will nicht auf die Streikenden schimpfen. Vor einigen Monaten war es der Marburger Bund, der Ärzte zu Protesten mobilisierte und auf diese Weise zwölf Prozent mehr Lohn rausholte. Jörres findet es nur gerecht, dass nun das Pflege- und Technikpersonal für mehr Gehalt demonstriert. "Ohne motivierte Krankenschwestern und gut ausgebildete Pfleger läuft hier nichts, sie sind der Goldstaub der Charité", sagt er. Vor allem Krankenschwestern und Pflegekräfte müsse man an das Haus binden. "Viele wandern zu Vivantes ab, dort verdienen sie wesentlich besser", sagt Jörres. Ein Kollege berichtet, dass teilweise sogar Prämien von 2000 Euro bezahlt würden, weil auf dem Markt kaum noch gute Kräfte zu finden seien.
http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1576836/Der-Frust-der-Mitarbeiter-war-noch-nie-so-gross.html (http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1576836/Der-Frust-der-Mitarbeiter-war-noch-nie-so-gross.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 19. März 2011, 15:20:05
Zitat
4.000 Krankenhaus-Mitarbeiter demonstrieren für mehr Personal

Stuttgart (dapd-bwb). Rund 4.000 Beschäftigte baden-württembergischer Krankenhäuser haben am Donnerstag in Stuttgart für mehr Personal demonstriert. Die Teilnehmer der landesweiten Demonstration seien aus öffentlichen, kirchlichen und privaten Einrichtungen gekommen, teilte die Gewerkschaft ver.di mit.

Sie forderten, das Land müsse seinen Verpflichtungen nachkommen und die Krankenhaus-Investitionen verdoppeln, um die Arbeitsbelastungen abzubauen und eine gute Patientenversorgung sicherzustellen. Gesundheitsministerin Monika Stolz (CDU) wies die Kritik an ihrem Haus zurück.

Auf der Hauptkundgebung forderte ver.di-Landesbezirksleiterin Leni Breymaier: "Das Land Baden-Württemberg hat die Beschäftigten der Kliniken viel zu lange im Regen stehen lassen. Damit muss Schluss sein." Die Demonstranten untermauerten ihre Forderungen mit 10.000 Unterschriften, die aufgereiht auf einer Wäscheleine dem Sozialministerium übergeben wurden.

Der Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, Ulrich Clever, unterstützte nach eigenen Angaben den Protest, der von ver.di, der betrieblichen Interessenvertretungen der Krankenhäuser (BIV) und dem Marburger Bund organisiert wurde.

Pro Jahr fehlten mehr als 200 Millionen Euro bei der Investitionsförderung im Südwesten. Aktuell würden in Deutschland 46 Prozent der Krankenhausinvestitionen durch die Krankenhäuser selbst finanziert, obwohl dies Aufgabe der Bundesländer sei. Diese Gelder fehlten den Kliniken, um ausreichend Personalstellen zur Verfügung zu stellen, erklärte Clever.

Gesundheitsministerin Stolz entgegnete: "In Baden-Württemberg wird aktuell für den Bereich der Krankenhausinvestitionsfinanzierung so viel Geld ausgegeben wie nie zuvor", sagte sie. Allein in dem Zeitraum 2009 bis 2011 seien 79 Großprojekte mit rund 700 Millionen Euro über das Zukunftsinvestitionsprogramm und die jährlichen Krankenhausbauprogramme gefördert worden.

Zusätzlich würden jährlich rund 150 Millionen Euro über die Pauschalförderung unter anderem für die Wiederbeschaffung von Einrichtungs- und Ausstattungsgegenständen zur Verfügung gestellt.

"Unstrittig ist natürlich, dass - wie in anderen Bereichen auch - jederzeit mehr Geld ausgegeben werden könnte. Der Scheck muss aber auch gedeckt sein", sagte die Minister
http://www.boulevard-baden.de/ueberregionales/baden-wuerttemberg/2011/03/17/4-000-krankenhaus-mitarbeiter-demonstrieren-fur-mehr-personal-2-337094 (http://www.boulevard-baden.de/ueberregionales/baden-wuerttemberg/2011/03/17/4-000-krankenhaus-mitarbeiter-demonstrieren-fur-mehr-personal-2-337094)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 30. März 2011, 00:42:54
Treffen der Beschäftigten aus den Krankenhäusern und dem Gesundheitsbereich in Norddeutschland
Einladung
am Donnerstag, den 14. April 2011 um 19 Uhr
im Bürgerzentrum Vahr, Berliner Freiheit 10-12

Liebe Kolleginnen und liebe Kollegen,

die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern haben sich in den letzten Jahren massiv verschlechtert und der Druck auf uns Beschäftigte hat enorm zugenommen.
Das Personal wurde v.a. in der Pflege stark abgebaut und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Dadurch kommt es zur Arbeitsverdichtung und steigenden Arbeitsbelastung für uns KollegInnen.

Uns reicht´s!!!
Wir wollen uns zur Wehr setzen! Wir haben nichts mehr zu verlieren!

Lest mehr!
Einladung Treffen in Bremen März 2011: http://www.betriebsgruppen.de/bgunsreichts/uploads/einladung2011.pdf (http://www.betriebsgruppen.de/bgunsreichts/uploads/einladung2011.pdf)

Quelle: http://www.betriebsgruppen.de/bgunsreichts/ (http://www.betriebsgruppen.de/bgunsreichts/)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 30. März 2011, 16:24:22
Indonesien:

Garut, Westjawa: Etwa 800 PflegerInnen des Öffentlichen Krankenhauses streikten für die Auszahlung von diversen Zulagen, die ihnen gesetzlich zustehen. Seit Juli 2010 wurde nicht mehr bezahlt. (Galamedia, detikNews, Liputan6)
Jayapura, Westpapua: Am 14.3.11 waren 1500 PflegerInnen und Hebammen im Öffentlichen Krankenhaus in Streik getreten, nachdem die Provinzverwaltung eine Lohnkürzung angekündigt hatte. Die Polizei verhaftete daraufhin 9 Frauen in ihren Wohnungen. Sie sind offenbar noch in Haft (Scoop (Neuseeland), 18. und 30.3.11)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 04. April 2011, 23:37:30
05.04.2011 / Inland / Seite 5Inhalt
Druck muß weg
Krankenhausbeschäftigte machen miese Arbeitsbedingungen zum Thema. Ver.di plant bundesweite Kampagne
Von Daniel Behruzi
Pfleger haben kaum Zeit für Patienten
Pfleger haben kaum Zeit für Patienten
Foto: AP
Der Deckel muß weg.« Unter diesem Motto hatte ver.di 2008 bundesweit zu Protesten mobilisiert, um die Budgetdeckelung und Unterfinanzierung der Krankenhäuser zu bekämpfen. Das hatte teilweise Erfolg. Doch schon drei Jahre später sind die Verbesserungen wieder Makulatur, die Arbeitsbedingungen in den Kliniken noch unerträglicher als zuvor. Daher hat die Gewerkschaft einen Diskussionsprozeß begonnen, an dessen Ende eine Tarifauseinandersetzung um diese Frage stehen könnte.

Am heutigen Dienstag werden mehrere hundert Krankenhausbeschäftigte aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland in Mannheim zusammenkommen. Es ist die letzte von insgesamt fünf Regionalkonferenzen, die in den vergangenen Wochen landauf, landab stattgefunden haben. Dabei wird nicht nur der in vielen Kliniken herrschende Personalmangel thematisiert. Es geht vor allem um Alternativen – und wie diese durchgesetzt werden können. »Neu ist, daß die Forderungen, wie die Belastung durch tarifliche Regelungen begrenzt werden kann, aus dem intensiven Austausch unter den Betroffenen heraus entwickelt werden«, erläuterte Volker Mörbe, Sprecher der ver.di-Vertrauensleute im Klinikum Stuttgart, gegenüber junge Welt. Die Beschäftigten aller Krankenhausträger und aus sämtlichen Berufsgruppen sind dazu eingeladen.

Am Ende des mehrmonatigen Diskussionsprozesses – Beschlüsse sollen auf einer bundesweiten Konferenz am 28. Juni in Kassel gefällt werden – könnte eine Auseinandersetzung um Tarifverträge stehen. Bei Löhnen und Arbeitszeiten ist ver.di zwar grundsätzlich in der Friedenspflicht, die Gestaltung der sonstigen Arbeitsbedingungen ist im Moment aber zum Teil nicht geregelt, könnte daher auch Gegenstand von Arbeitskämpfen bis hin zum Streik sein. Vorstellbar sind Forderungen nach einer Mindestbesetzung von Stationen, individuellen Rechten bei Überlastung oder auch Formen der Arbeitszeitverkürzung zur Entlastung der Beschäftigten. »Da ist vieles möglich, entscheiden müssen das die Betroffenen«, betonte Mörbe.

In jedem Fall muß sich in den Kliniken etwas ändern – und zwar schnell und drastisch. Denn die enorme Arbeitsbelastung führt dazu, daß immer mehr Pflegende selbst krank werden oder den Job aufgeben. Insbesondere in OPs und auf Intensivstationen herrscht ein eklatanter Fachkräftemangel. Zum Teil werben sich die Häuser qualifizierte Mitarbeiter gegenseitig ab, ködern sie mit Zulagen und Vergünstigungen. »Das ist eigentlich eine ideale Situation, um tarifliche Verbesserungen durchzusetzen«, meinte Mörbe und warnt: »Wenn wir das nicht tun, geht uns infolge individueller Regelungen mehr und mehr die Tarifhoheit verloren.«

Bei der Kampagne im Jahr 2008 habe sich gezeigt, daß Verbesserungen eher gemeinsam als im einzelnen Betrieb durchgesetzt werden könnten, so der Gewerkschafter. Allerdings sind die Errungenschaften dieser Aktivitäten – beim Höhepunkt demonstrierten 130000 Krankenhausbeschäftigte in Berlin – schon wieder fast vollständig beseitigt. Von den versprochenen 17000 zusätzlichen Pflegestellen wurden nur einige tausend tatsächlich besetzt. Auch die strukturelle Unterfinanzierung besteht fort. Zwar war seinerzeit beschlossen worden, die Entwicklung der Zuschüsse an einer speziell errechneten Teuerungsrate für Kliniken zu orientieren. Diese wird von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) allerdings nicht veröffentlicht. Statt dessen hat er die Krankenhausfinanzierung wie in der Vergangenheit an der allgemeinen Lohnsteigerung bemessen – und diese noch unterschritten. Obwohl sich die Ausgaben der Kliniken laut ver.di unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes um 3,5 bis 4,0 Prozent erhöht haben, steigen die Budgets 2011 lediglich um 0,9 Prozent. Die Folge ist eine Unterfinanzierung von 2,5 Milliarden Euro, was etwa 50000 Stellen entspricht. Hinzu kommt, daß die Bundesländer oftmals ihrer Verpflichtung nicht nachkommen, notwendige Baumaßnahmen vollständig zu finanzieren. Viele Häuser kompensieren das mit Mitteln, die eigentlich für die Pflege vorgesehen sind. Allein in Baden-Württemberg werden dadurch etwa 5500 Stellen bei allen Berufsgruppen nicht besetzt.

»Die Situation in den Kliniken muß wieder zum politischen Thema in der Öffentlichkeit werden«, forderte Mörbe. Der Stuttgarter Gewerkschafter ist zuversichtlich, daß die Bereitschaft und Durchsetzungsfähigkeit in den Belegschaften vorhanden ist, um Verbesserungen zu erreichen. Welche das genau sein sollen, wird die ver.di-interne Debatte der kommenden Wochen zeigen.
http://www.jungewelt.de/2011/04-05/035.php (http://www.jungewelt.de/2011/04-05/035.php)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 12. April 2011, 18:44:38
Zitat
Pflegekräfte streiken und protestieren Beschäftigte bei Helios, Charité und Diakonie

wollen bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld


Berlin - In den Helios-Kliniken in Buch und Zehlendorf wollen Schwestern und Krankenpfleger am heutigen Mittwoch die Arbeit niederlegen. In Dahlem sind zudem Proteste von Altenpflegern der Diakonie geplant. Nach monatelangen, ergebnislosen Tarifverhandlungen mit Helios ruft die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten bundesweit in 17 Kliniken der Kette zu Warnstreiks auf: In den Berliner Helios-Häusern soll von 6.30 bis 8.30 Uhr (Buch) und von 13 bis 15 Uhr (Emil von Behring, Zehlendorf) gestreikt werden. Notdienstvereinbarungen wurden getroffen.

Verdi fordert höhere Löhne und mehr Nachtzuschlag, was ein Einkommensplus von sieben Prozent ergibt.

Derzeit verdient eine Vollzeit-Krankenschwester bei Helios im Schnitt 2650 Euro brutto im Monat. Verdi vertritt Pflegekräfte, Techniker und Verwaltungsmitarbeiter. Helios gehört zum börsennotierten Konzern Fresenius. Am 18. April wollen Verdi und Klinikleitung weiterverhandeln.

Auch die Verhandlungen zwischen Helios und der Ärztegewerkschaft Marburger Bund drohen zu scheitern. Die Mediziner am Helios-Klinikum in Buch sind erst diesen Montag in einen rund zweistündigen Warnstreik getreten. Die Ärztegewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Lohn und ebenfalls bessere Vergütung der Nachtarbeit. Kürzlich hatten sich bundesweit fast 700 Helios-Ärzte bei der Konzernleitung über steigenden Arbeitsdruck beschwert. Das Klinikum Buch beschäftigt 2000 Mitarbeiter, in Zehlendorf sind es rund 550.

In der größten Universitätsklinik Europas laufen inzwischen Vorbereitungen für einen Vollstreik. Nach Tagesspiegel-Information wird am 2. Mai mit einem unbefristeten Ausstand der Pflegekräfte begonnen. Eine Charité-Schwester verdient im Schnitt knapp 2500 Euro brutto im Monat, Verdi fordert – wie anderenorts üblich – 300 Euro mehr. Die Tarifverhandlungen zwischen Verdi und der Charité-Leitung für die 10 000 nichtärztlichen Beschäftigten waren kürzlich gescheitert. Verdi hatte daraufhin eine Urabstimmung eingeleitet. Die Stimmen werden am heutigen Mittwoch ausgezählt. Es wird mit einer Zustimmungsrate für den Streik von weit mehr als den benötigten 75 Prozent gerechnet.

Bessere Bezahlung fordern auch Beschäftigte der rund 50 Diakonie-Stationen. Laut Detlef Seeger von der Mitarbeitervertretung haben Pflegekräfte im ambulanten Dienst gegenüber Kollegen in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern der Diakonie Einkommenseinbußen bis zu 25 Prozent, da sie weniger Gehalt und weniger Zuschläge bekommen. Etliche Pflegestationen weigerten sich, vereinbarte Einkommenserhöhungen zu zahlen.Der Einstiegslohn einer angelernten Pflegekraft liege bei 9,17 Euro, sagte Kerstin Myrus von der Diakonie-Station Südstern. Nach Angaben von Verdi sind viele Beschäftigte auf ergänzende Leistungen nach Hartz IV angewiesen.

Am heutigen Mittwoch tagt der Diakonische Rat in Dahlem; parallel dazu hat Verdi am Mittag zu einer Protestaktion aufgerufen. Hannes Heine/Sigrid Kneist
http://www.tagesspiegel.de/berlin/pflegekraefte-streiken-und-protestieren-beschaeftigte-bei-helios-charite-und-diakonie/4053566.html (http://www.tagesspiegel.de/berlin/pflegekraefte-streiken-und-protestieren-beschaeftigte-bei-helios-charite-und-diakonie/4053566.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 14. April 2011, 13:57:33
Klinikum Bremen Mitte: Aufruf zum Boykott

Im April 2011 sorgt ein von Unbekannten vor oder im Klinikum Bremen Mitte ausgelegtes Flugblatt für Wirbel. Überschrieben ist das Flugblatt mit Aufruf zum Boykott. Im Text werden die KollegInnen aufgefordert, sich nur noch um die reine Patientenversorgung zu kümmern. Ungesundleben erhielt anonym eine Kopie des Flugblatts
http://www.ungesundleben.org/downloads/bremen_april2011.pdf (http://www.ungesundleben.org/downloads/bremen_april2011.pdf)


Die Rote Karte für neue Arbeitszeiten am KBM Bremen! Bei jeder Schweinerei ist die Pflegedirektion dabei!

„Seit einigen Monaten versucht die Krankenhausdirektion mal wieder, neue Arbeitszeiten gegen den Willen der Beschäftigten durchzudrücken. (…) Seit Oktober 2009 haben sich die Arbeitsbedingungen auf den Stationen weiter massiv verschlechtert und der Druck auf uns Beschäftigte hat enorm zugenommen. Das Personal wurde v.a. in der Pflege inzwischen noch weiter stark abgebaut und ein Ende ist noch nicht abzusehen . Dadurch kommt es zur steigenden Arbeitsverdichtung und Arbeitsbelastung für uns. Durch diesen Stress werden die KollegInnen zwangsläufig krank . Die Krankheitsraten steigen und steigen . Die wenigen Verbliebenen müssen noch mehr schuften bis auch sie fix und fertig sind und ebenfalls krank werden. (…)Wir fordern den Betriebsrat auf, jede Änderung der Dienstzeiten abzulehnen. Die geplante Arbeitszeitveränderung in der Pflege werden wir nicht hinnehmen! Uns reicht`s ! Wir haben nichts mehr zu verlieren!“ uns reicht`s-Flugblatt Nr. 27 vom April 2011:
http://www.betriebsgruppen.de/bgunsreichts/uploads/unsreichts26_2010.pdf (http://www.betriebsgruppen.de/bgunsreichts/uploads/unsreichts26_2010.pdf)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 22. April 2011, 12:44:02
Zitat
Beschäftige der Berliner Charité stimmen für unbefristeten Streik
Von Lucas Adler
22. April 2011

Die Krankenhausbeschäftigten in Berlin haben von den ständigen Kürzungen des rot-roten Senats endgültig die Nase voll. Am Universitätsklinikum Charité stimmten in einer Urabstimmung 93 Prozent der Mitglieder der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) für einen unbefristeten Streik, der voraussichtlich am 2. Mai beginnen soll.

Ver.di verhandelt für die rund 10.000 nichtärztlichen Beschäftigten seit etwa fünf Monaten mit dem landeseigenen Unternehmen über einen neuen Tarifvertrag. Nach fast zehn Jahren unter rot-roter Leitung liegen die mittleren Einkommen an der Charité etwa 14 Prozent unter denen vergleichbarer Kliniken. Eine Krankenschwester an der Charité verdient im Durchschnitt etwa 2.500 Euro brutto im Monat. Zu dem ständig sinkenden Einkommen kommt eine seit Jahren anwachsende Arbeitsbelastung durch Arbeitsintensivierung und zusätzlichem Stellenabbau hinzu, welche die Beschäftigten an die Grenze ihrer Belastungsfähigkeit bringt.

Seit der rot-rote Senat im Jahre 2003 aus den Arbeitgeberverbänden ausgetreten ist, um die Einkommen unter das bundesweit tariflich geregelte Niveau drücken zu können, haben die Beschäftigten der Charité jährlich 20 Millionen Euro eingebüßt. Trotzdem hat der Senat die Landeszuschüsse für Forschung und Lehre um 98 Millionen Euro gekürzt und weitere 40 Millionen Euro Einsparungen pro Jahr von den Beschäftigten gefordert.

Ein Großteil der nichtmedizinischen und nichtpflegerischen Leistungen (z.B. Catering, Reinigung und Logistik) wurde zudem vor einigen Jahren in die eigens zu diesem Zweck gegründete Charité Facility Management GmbH (CFM) ausgegliedert, um weitere 20 Millionen Euro im Jahr einzusparen. Die dort inzwischen 2.200 Beschäftigten erbringen diese Einsparungen durch geringere Einkommen und schlechtere Arbeitsbedingungen. Die Charité selbst hält nur 51 Prozent an der CFM, die restlichen 49 Prozent sind im Besitz der VDH Health Care Services GbR, hinter der sich die Dussmann-Gruppe, Hellmann Worldwide Logistics und die Fresenius-Tochter Vamed Deutschland verbergen.

Die aktuelle Forderung von ver.di sieht lediglich 300 Euro mehr pro Monat für die nichtärztlichen Beschäftigten der Charité vor, um die Einkommenslücke zu anderen Krankenhäusern zu schließen. Der Vorsitzende der ver.di-Betriebsgruppe Carsten Becker signalisierte in der jungen Welt zudem seine Bereitschaft, diesen Betrag schrittweise zu erreichen: „Mindestens hundert Euro müssen in diesem Jahr drin sein.” Demnach würde ver.di also erneut ihre Unterschrift unter einen völlig unzureichenden Abschluss setzen und damit sämtliche weitergehenden Arbeitskämpfe weit hinter die im September anstehenden Abgeordnetenhauswahlen in Berlin vertagen.

Die Beschäftigten können bereits auf einige Erfahrungen der vergangenen Jahre zurückblicken, wenn es um die enge Zusammenarbeit der Gewerkschaften mit dem rot-roten Senat geht. Bei sämtlichen Angriffen des Senats auf die Arbeitsbedingungen an der Charité hat ver.di jede wirkliche Opposition sabotiert und damit die Durchsetzung der Kürzungen sichergestellt.

Zuerst hatte die Gewerkschaft unnötig lange den für die Klinik finanziell überaus vorteilhaften Zustand der Tariflosigkeit erhalten, indem sie auf die Verzögerungstaktik des Senats einging und sage und schreibe 26 erfolglose Verhandlungsrunden akzeptierte. Erst im September 2006 sah sie sich genötigt, auf die Wut und Empörung der Beschäftigten mit einem Streik zu reagieren, um Dampf abzulassen.

Dieser Streik wurde dann auf Sparflamme geführt. Nur ein Zehntel der Beschäftigten wurde überhaupt in den Streik einbezogen, und das nicht einmal zeitgleich. Nach nur acht Werktagen wurde der Streik ausgesetzt und mit der Unterschrift unter einen Absenkungstarifvertrag umgehend beendet. Der Jahrzehnte lang geltende BAT (Bundesangestelltentarifvertrag) wurde durch den deutlich schlechteren TVöD (Tarifvertrag öffentlicher Dienst) ersetzt. Minimale Einkommenserhöhungen, die angesichts der Preissteigerungen und Einsparungen in anderen Bereichen keine waren, sollten die Beschäftigten ruhig stellen, während die Klinikleitung in Absprache mit dem rot-roten Senat weitere drastische Kürzungen vorbereitete.

Zu den jetzigen Tarifverhandlungen kam es nicht zuletzt, weil viele Beschäftigte mit dem Ergebnis von damals sehr unzufrieden sind. In einer Mitarbeiterbefragung, die ver.di im Juni 2010 an der Charité durchführte, wurde von 96 Prozent der Befragten dem Thema „Entgelt” eine „hohe Priorität” bescheinigt. Zweitwichtigstes Thema für die Befragten war mit 94 Prozent die „Arbeitsplatzsicherheit”. Dem Thema „Tarifvertrag” hingegen maßen nur 63 Prozent der Befragten eine „hohe Priorität” und 18 Prozent sogar explizit eine „geringe Priorität” bei.

Die derzeitigen Verhandlungen begannen im November 2010. Obwohl sich der Senat mit seinem Angebot bislang nicht groß bewegt hat, rief die Gewerkschaft erst jetzt zu einer Urabstimmung über einen unbefristeten Streik auf. Dabei hatte schon vor etwa einem Monat ein kurzer Warnstreik die große Kampfbereitschaft der Beschäftigten sowie die breite Unterstützung für ihre Forderungen unter den Ärzten und den Beschäftigten der CFM gezeigt. Allerdings hat ver.di die Tarifverhandlungen bei der CFM bislang strikt von denen an der Charité getrennt, so dass die Belegschaften voraussichtlich auch nicht gemeinsam in den Streik treten werden.

Was die Ärzte betrifft, so lassen sich diese seit Ende 2005 ohnehin nicht mehr von dieser Gewerkschaft vertreten. Weil sie sich dem Lohndiktat von ver.di nicht länger beugen wollten, sah sich ihre Ärztevertretung Marburger Bund im September 2005 genötigt, ver.di die 50 Jahre alte Verhandlungsvollmacht für Tarifabschlüsse zu entziehen und in Zukunft eigenständige Verhandlungen zu führen.

Von ver.di wird diese verständliche Reaktion auf ihre eigene verräterische Rolle seitdem benutzt, um die einzelnen Beschäftigungsgruppen zu spalten und voneinander zu isolieren. Immer wieder rechtfertigt die Gewerkschaft ihre eigenen miesen Abschlüsse mit dem üblen Vorwurf, die Ärzte hätten sich auf Kosten der anderen Beschäftigungsgruppen bereichert.

Doch auch der Marburger Bund kann der Logik seiner rein gewerkschaftlichen Perspektive nicht entkommen und daher keine wirkliche Antwort auf die Interessen der Ärzte geben. Er trug seinen Teil zur Spaltung der Beschäftigten im Gesundheitsbereich bei, indem er am letzten Tag der Urabstimmung bei der Charité plötzlich die mehrmonatigen Tarifverhandlungen mit den privaten Helios-Kliniken in Berlin zu einem Abschluss brachte.

Für die Beschäftigten an der Charité sollte die Bilanz der Gewerkschaften eine deutliche Warnung sein. Um die Angriffe rot-roten Senats zurückschlagen zu können, müssen sie sich von der Kontrolle der Gewerkschaften befreien und unabhängige Komitees zur Verteidigung ihrer Interessen aufbauen. Es sollte ver.di nicht erlaubt werden, einen halbherzigen Streik zu organisieren, nur um diesen nach wenigen Tagen mit einem miesen Abschluss auszuverkaufen.

Letztlich stehen die Beschäftigten vor politischen Aufgaben, die den Aufbau einer eigenen politischen Organisation erforderlich machen, welche die Interessen der Gesellschaft vor die Profitinteressen der Wirtschaft stellt.
http://www.wsws.org/de/2011/apr2011/char-a22.shtml (http://www.wsws.org/de/2011/apr2011/char-a22.shtml)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 04. Mai 2011, 12:09:12
Zitat
Berliner Charité: Bericht eines streikenden Kollegen vom ersten Tag

Seit Montag läuft im Berliner Universitätsklinikum Charité ein unbefristeter Vollstreik der Pflegekräfte. Verdi hat die Kollegen aller drei Campi (Mitte, Virchow und Benjamin Franklin) inklusive Notaufnahmen, Funktionsbereichen, Intensivstationen und Operationseinheiten sowie die Servicebereiche der Charité Facility Management GmbH (CFM) zum Ausstand aufgerufen. Nach vier ergebnislosen Verhandlungsrunden waren die Tarifgespräche mit der in staatlicher Trägerschaft befindlichen Klinik Ende März für gescheitert erklärt worden – die Gewerkschaft fordert für das nichtärztliche Personal monatlich 300 Euro mehr sowie deutliche Verbesserungen in den Bereichen Arbeitszeit, Befreiungen und Gesundheitsschutz. Außerdem soll ein Tarifvertrag für die Tochter CFM erkämpft werden. Mehr dazu gibt es unter anderem hier [url]http://www.sozialismus.info/?sid=4219[/url] ([url]http://www.sozialismus.info/?sid=4219[/url]) und hier [url]http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/gw/charite.html[/url] ([url]http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/gw/charite.html[/url]) . Was  passiert wirklich beim Streik am größten Universitätsklinikum Europas? Hier dokumentiert der Bericht eines streikenden Kollegen vom ersten Tag:

Das Zentrum der Vorbereitung durch die Gewerkschaften war das Virchow-Klinikum. Dort gab es wohl auch eine gute Beteiligung. Aber auch in Mitte und mit einigem Abstand dann die Beteiligung in Steglitz.

Es wurde zwischen der Charité und den Gewerkschaften eine Notdienstvereinbarung abgeschlossen. Diese sieht vor Teilschließungen 3 Tage und komplette Schließungen von Stationen 7 Tage vorher anzukündigen. In den ITS- und OP- Bereichen liegen die Sperrspitzen und dort versuchte ver.di und gkl anzusetzen. Aber die Oberärzte und vielleicht auch die Etagen darüber hielten sich nicht an die Abmachungen. Das heißt: ver.di kündigte an, dass die Pflege eine komplette ITS bestreikt und die Betten zu sind – aber die Ärzte sorgten dafür, dass etliche Patienten doch da waren. Gab einiges böses Blut. Es ging sogar so weit, dass irgend ein Oberarzt die Polizei holen wollte. Das gab etwas Gelächter.

In den peripheren Stationen herrschte aber reichlich Verwirrung darüber, wie man den Streik umsetzt. Auf meiner Station sorgten wir für eine Schließung von 15 Betten, zehn werden für wichtige Therapien weiter gefahren. Wir drohen den Ärzten mit Rückübertragung aller auf das Pflegepersonal abgewälzten medizinischen Tätigkeiten, also etwa Blutabnahme, Blutdruckmessen, Verbände, Infusionen… Das schaffen die wenigen Ärzte kaum und sie sind gezwungen zu reagieren. Mehrere Kollegen traten dann auch den Gewerkschaften bei. Die zahlen Streikgeld auch für die Neulinge.

Auf anderen Stationen ist es aber schwieriger. So auf meiner alten Station zum Beispiel, dort gibt es kein Team mehr. Lauter neue Leute, ständig wechselnd mit Zeitverträgen etc. Und so knapp besetzt, dass eigentlich schon aus Personalmangel die Hälfte der Station geschlossen werden müsste. Aber es wird voll durchgezogen, die Leute haben Angst den Personalrat zu informieren oder Überlastanzeigen zu schreiben. Oder sie sind zu blöd, sich zu wehren. Die Chefs freuen sich.

Viele Stationen delegieren einen großen Teil der Arztaufgaben zurück, aber es ist von Schicht zu Schicht abhängig, wie durchsetzungsfähig die gerade anwesenden Kollegen sind. Bei einigen war es auch eher so, dass die Ärzte die Bettensperrung durchgesetzt haben – und nicht die eigentlich streikende Pflege.

Mit etlichen Abrechnungskräften (MDAs) habe ich auch gesprochen. Sie sitzen sehr vereinzelt in kleinen Büros und es ist schwer für sie wegen dieser Vereinzelung in den Streik zu gehen. Aber gerade ehemalige Schwestern, die umgeschult wurden, waren dann doch bereit, das Büro abzuschließen.

Die Gespräche überall waren stark davon geprägt, dass viele Kollegen einfach ahnungslos sind bezüglich ihrer Rechte und Möglichkeiten des Arbeitskampfes. Von weiter gehenden Aktionen kann man da nur schweigen. Auch ein hohes Maß an autoritärem Denken wird immer wieder sichtbar. Das Krankenhaus ist halt wie eine Armee, unglaublich hierarchisch: „Darf ich streiken, liebe Leitung? Wie streiken wir, liebe Stationsleitung?“

Die Leitungen profitieren davon. Der ärztliche Direktor verkündete sein Verständnis, erklärte, nur Menschen sollen nicht zu Schaden kommen. Ähnliches hört man von diversen Pflege- und vielen Stationsleitungen. Alle finden den Streik toll und wichtig, sagen sie – aber auch, dass sie die Streikenden trotzdem aufschreiben müssten. Und die Leitungen sprechen mit den Ärzten und anderen Berufsgruppen, wie denn der Streik geregelt wird, wer runter auf die Straße zur Kundgebung darf und wer Patienten versorgen muss. Die Chefs wollen dann auch bestimmen, wann es genug ist und der Streik auf Station beendet werden muss. Sie wollen kontrollieren was gesprochen wird. Sie wollen die Kontrolle behalten. Und wir Pflegekräfte machen es ihnen auch recht leicht in unserer Naivität.

Auf unserer Station habe ich die Bettenschließung der Streikleitung angekündigt, damit die Chefs informiert werden – das ist in der Notvereinbarung so geregelt. Dabei gab ich der Streikleitung im Campus Benjamin Franklin auch unsere Forderung bekannt, dass die Streikzeit bezahlt werden muss von der Charité, denn wir holen den Chefs mit dem Ausstand die Kastanien aus dem Feuer. Sie wollen ja auch gute Leute haben und die kommen nur wenn die Kohle stimmt. Außerdem handeln wir aus sozialer Verantwortung für unsere Patienten. Das fanden die lustig, man könne sich ja vieles Wünschen… Sie wären froh, wenn es eine Tarifangleichung bis 2014 gibt. Erinnert man sich an die Äußerung des verdi-Betriebsgruppenvorsitzenden Carsten Becker, dass die Lohnerhöhung von 300 Euro auch über mehrere Jahre gestreckt werden könne, wird klar, dass verdi und dbb-Gewerkschaft gkl nicht lange streiken wollen.

Am Montag gab es eine Demo zur Rushhour an den drei Campis, es zeigte sich eine ganz gute Stimmung, aber die Lautsprecheranlage war miserabel, die Kollegen hatten nur Trillerpfeifen, es wurden keine Parolen, keine Forderungen skandiert. Abgesehen von den beiden Kollegen der MLPD, die fleißig sangen: „Eins zwei drei und vier – streiken, das tun wir.“ Am Dienstag soll es ab 15.30 eine große Demo von Mitte und vom Virchow nach Wedding geben.

Die CFM, 51-prozentige Tochter der Charité, ist seit fünf Jahren ohne Tarif. Auch dort wird seit Montag gestreikt. Aber seit Tagen berichten Kollegen, dass angeblich IG-BAU- Funktionäre sie angesprochen und ihnen erklärt haben sollen, dass der Streik nicht erlaubt ist und sie fristlos gekündigt werden, wenn sie sich beteiligen. Tatsächlich waren viele Frauen der Reinigung zum Beispiel stark irritiert und beteiligten sich nicht. Sie waren aber beim Warnstreik vor vier Wochen durchaus dabei. Rückfragen bei den Anwälten der Gewerkschaft gkl ergaben, dass es keine Probleme mit der Rechtmäßigkeit des Streiks gibt. Ob es wirklich IG-BAU-Leute waren und warum die das tun, ist bisher unklar. Jedenfalls war es eine gelungene Sabotage des Streiks bei der CFM. (1)

Die regionalen Medien berichten sehr wohlwollend vom ersten Streiktag. „Pfleger in Wut“ titelte BZ und die Abendschau fand auch alles ganz toll. Mal schauen wie lange sie bei dieser Meinung bleiben. Aber wie gesagt, ich befürchte ein schnelles Ende des Streiks, wenn Verhandlungen aufgenommen werden – wie schon 2006, mit allen Folgen. Wer verhandelt ohne zu streiken, der wird auch nichts durchsetzen. Und ist der Arbeitskampf erst einmal ausgesetzt, wird es viel schwerer, ihn wieder zum Laufen zu bringen.


(1) In der Jungen Welt vom Montag schreibt Jörn Boewe dazu: "Die ohnehin komplizierte Situation bei der CFM, mit der tiefen Spaltung der Belegschaft in Beschäftigte erster und zweiter Klasse, wird verschärft, da die drei dort vertreten Gewerkschaften ver.di, dbb und IG BAU derzeit nicht an einem Strang ziehen. Die IG BAU, die die Gebäudereiniger organisiert, hatte ihren Mitgliedern in einem Flugblatt sogar abgeraten, sich am Arbeitskampf zu beteiligen. Offenbar schätzt ihr Bundesvorstand das rechtliche Risiko als zu hoch ein. Hintergrund ist ein Formfehler: Seit Jahren fordern die drei Gewerkschaften die CFM-Geschäftsführung zu Gesprächen über die Beendigung des tariflosen Zustands auf, haben es aber versäumt, das Unternehmen offiziell zur Aufnahme von Tarifverhandlungen aufzufordern. Nach Ansicht der IG BAU könnte die CFM Beschäftigte und Gewerkschaften im Falle eines Arbeitskampfs mit Schadenersatzforderungen überziehen. Gerüchten, die IG BAU habe die Beschäftigten dazu aufgerufen, den Streik der anderen Gewerkschaften zu unterlaufen, wies der stellvertetende IG-BAU-Regionalleiter Dirk Kuske am Montag auf jW-Nachfrage entschieden zurück. (...) Jetzt wolle man in enger Absprache mit den anderen Gewerkschaften die rechtlichen Voraussetzungen für einen Arbeitskampf so schnell wie möglich schaffen."


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 11. Mai 2011, 19:50:10
Zitat
CFM-Streik eskaliert
Charité-Tochter verweigert Notdienstvereinbarung mit Gewerkschaften

Von Jörn Boewe
Die Geschäftsführung der bestreikten Charité-Tochter CFM GmbH weigert sich, eine Notdienstvereinbarung mit den Gewerkschaften ver.di und gkl/dbb abzuschließen. Ver.di bezeichnete die Haltung des Unternehmens, das am Berliner Uniklinikum für Dienstleistungen wie Blut- und Krankentransporte zuständig ist, in einer am Mittwoch verbreiteten Erklärung als »gänzlich unverantwortlich«.

In einer derartigen Vereinbarung wird üblicherweise festgelegt, welche Bereiche der medizinischen Serviceleistungen bei einem Arbeitskampf als Minimalabsicherung weitergeführt werden müssen, um die Gesundheit und das Leben der Patienten nicht zu gefährden. Eine Stellungnahme der CFM war gestern bis Redaktionsschluß nicht zu erhalten. Die 2005 ausgegliederte, teilprivatisierte und seither tariflose Charité Facility Mangement wird seit dem 2. Mai bestreikt. In der ver.di-Erklärung wird gemutmaßt, die CFM-Geschäftsführung weigere sich, eine Vereinbarung mit den Gewerkschaften zu unterzeichnen, um ihre ablehnende Haltung gegenüber den Gewerkschaften zu untermauern und »keinen Tarifvertrag abschließen zu müssen«.

Auch am zehnten Streiktag in Folge gebe es hinsichtlich der Beteiligung der Beschäftigten am Arbeitskampf »Zuwächse«, erklärte ver.di-Sekretär Uwe Ostendorff gegenüber jW. »Es schließen sich nach wie vor immer noch Leute an.« Konkrete Zahlen nannte der Gewerkschafter nicht. Die CFM hätte Schwierigkeiten, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten: »Vorgesetzte schieben Kranke durch die Gegend, die Charité muß Krankenschwestern auffordern, Toilettenpapier mitzubringen, LKW-Fahrer werden als Blutboten eingesetzt.« Zudem habe die CFM »jede Menge Leiharbeiter« für Streikbrucharbeiten geordert.

Sein Kollege Aaron Williams, Vorsitzender der Betriebsgruppe der dbb-Gewerkschaft gkl, bestätigte dieses Bild. Durch die Verweigerung der Notdienstvereinbarung werde die Situation »langsam gefährlich«. Die Gewerkschaften würden derzeit in besonders sensiblen Bereichen »noch eine Art freiwilligen Notdienst« absichern, so etwa in der für Energieversorgung und Brandalarme zuständigen Leitwarte. Beide Gewerkschaften kündigten an, den Ausstand noch auszuweiten. Für Freitag ist eine Demonstration der Beschäftigten zum SPD-Landesparteitag geplant. Treffpunkt ist 15.30 Uhr vor dem CFM-Gebäude am Robert-Koch-Platz
http://www.jungewelt.de/2011/05-12/006.php (http://www.jungewelt.de/2011/05-12/006.php)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 17. Mai 2011, 21:02:01
- ver.di-Kampagne "Der Druck muss raus! Gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen im Krankenhaus !": http://www.der-druck-muss-raus.de (http://www.der-druck-muss-raus.de)
- (ausgesetzter) streik an der charité berlin: offene verdi-mitgliederversammlung lehnt verhandlungsstand mit zweidrittelmehrheit ab: http://charite-subcutan.npage.eu/ (http://charite-subcutan.npage.eu/)
 siehe auch : http://www.lafontaines-linke.de/2011/05/charite-keine-ruhe-streik-versammlung-cfm-pflegepersonal/ (http://www.lafontaines-linke.de/2011/05/charite-keine-ruhe-streik-versammlung-cfm-pflegepersonal/)
- 9. Juli 2011 in Köln: Demo "Mehr Personal in Gesundheitseinrichtungen!" siehe: http://www.menschenwuerdigepflege.de/ (http://www.menschenwuerdigepflege.de/)
- interaktive umfrage des "dbfk" zu nadelstichverletzungen: http://equestionnaire.de/index.php?q=8479&qq=5f4e5221513993cd277b7200d34a7d371305663293 (http://equestionnaire.de/index.php?q=8479&qq=5f4e5221513993cd277b7200d34a7d371305663293)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 11. Juni 2011, 20:39:01
Zitat
Streik wirkt – auch im Krankenhaus

Berliner Charité-Beschäftigte erkämpfen sich Verbesserungen - Bilanz und Verlauf des Arbeitskampf

„Die Mächtigen erscheinen nur groß, weil wir auf unseren Knien sind – lasst uns aufstehen!“ Dieses Zitat des irischen Arbeiterführers James Larkin war das Motto des bedeutendsten Streiks in einem Krankenhaus in der Geschichte der Bundesrepublik. Im Mai streikten über 2.000 Beschäftigte der Charité in Berlin für eine Angleichung ihres Einkommens an das Bundesniveau. Im 300. Jahr des Bestehens der Charité wurde die Forderung nach einer Lohnerhöhung von 300 Euro aufgestellt: „300 Jahre – 300 Euro“!

von Sascha Stanicic, Berlin

Das Ergebnis bedeutet eine materielle Verbesserung für die Beschäftigten. Es zeigt, dass es sich lohnt zu kämpfen. Allein die 150 Euro mehr ab 1. Juli bedeuten für die Mehrheit der Beschäftigten zum Beispiel eine Gehaltserhöhung von fünf bis sieben Prozent – das Ergebnis liegt auf das Jahr 2011 gerechnet weit über dem, was ver.di in der vergangenen Tarifrunde für die Länderbeschäftigten erreicht hatte. Bis 2014 werden die Einkommen für die meisten Entgeltgruppen in drei Schritten an das Bundesniveau angeglichen. Die Festgeldforderung verhalf gerade den unteren Lohngruppen zu deutlichen Lohnzuwächsen; und da es keine bescheidene Forderung war, konnten auch Beschäftigte höherer Lohngruppen mobilisiert werden.

Bis Ende 2012 werden zudem die Beschäftigten im Ostteil der Stadt auch beim Kündigungsschutz und der Jahressonderzahlung ihren WestkollegInnen gleichgestellt. Außerdem gibt es gewisse Verbesserungen der Arbeitsbedingungen, wie die volle Schichtzulage für Teilzeitbeschäftigte.

Debatte um Annahme des Ergebnisses

Trotzdem war die Annahme dieses Ergebnisses umstritten. Betriebliche Streikleiter, wie Carsten Becker und Stephan Gummert, hatten sich für eine Ablehnung und Wiederaufnahme des am 6. Mai ausgesetzten Streiks ausgesprochen; vor allem weil sie eine schnellere Anpassung des Einkommens an das Bundesniveau und eine kürzere Laufzeit des Tarifvertrags forderten. Diese geht bis 2016. In einer Stellungnahme bezeichneten sie dies als den Versuch des Arbeitgebers, „eine kampfstarke und selbstbewusste Belegschaft (...) fünfeinhalb Jahre in Geiselhaft zu nehmen“. Denn während der Laufzeit gilt Friedenspflicht und Streiks sind schwer möglich.

Sehr gut besuchte ver.di-Mitgliederversammlungen waren dieser Argumentation gefolgt und hatten mit 70 Prozent für eine Wiederaufnahme des Streiks votiert. Da-raufhin wurde eine Mitgliederbefragung aller ver.di-Mitglieder eingeleitet, die dann eine 75-Prozent-Mehrheit für die Annahme des Verhandlungsergebnisses erbrachte.

Wie ist das zu erklären? Offensichtlich drückt das Abstimmungsergebnis aus, dass wesentliche materielle Verbesserungen erreicht wurden und vielen KollegInnen die Bedeutung der langen Laufzeit des Tarifvertrags nicht klar war. Der Befragung lag aber auch keine gleichberechtigte Informierung der Mitglieder über die verschiedenen Argumente und Positionen zugrunde. Der ver.di-Apparat hatte es abgelehnt, ein Positionspapier für Streikfortsetzung an die Mitglieder zu schicken, so dass diese nur eine einseitig positive Darstellung des Verhandlungsergebnisses mitgeteilt bekamen, in der auf die lange Laufzeit nicht klar hingewiesen wurde und das Votum der Mitgliederversammlung nicht erwähnt wurde. Das Signal, dass die Gewerkschaft nicht hinter einer Fortsetzung des Streiks steht, war deutlich. Das untergräbt das Selbstbewusstsein, streiken zu können.
Frage der Streikaussetzung

Schon die Aussetzung des Streiks nach einer Woche rief Kontroversen hervor, vor allem weil dadurch die gemeinsame Streikfront der Charité- und CFM-Beschäftigten beendet wurde. Die CFM (Charité Facility Management) ist die ausgegliederte Dienstleistungsfirma, bei der es gar keinen Tarifvertrag gibt. Die CFM-Beschäftigten waren zeitgleich in den Ausstand getreten und hatten diesen noch eine Woche länger geführt, bis sie die Zusage auf Tarifgespräche erhielten. Die Streikunterbrechung an der Charité basierte auf einem Arbeitgeberangebot, das von vielen KollegInnen als Verhandlungsgrundlage betrachtet wurde und auf der Sorge, dass eine Fortsetzung des extrem wirkungsvollen Streiks nicht auf dem hohen Niveau möglich war. Sie wurde auf Streikversammlungen von den Streikenden beschlossen (siehe dazu verschiedene Texte auf [url=http://www.sozialismus.info]www.sozialismus.info[/url] ([url]http://www.sozialismus.info[/url])).

Im Streik mussten 90 Prozent der Operationen abgesagt werden und 50 Prozent der Betten waren nicht belegt. Die täglichen Verluste für die Charité lagen bei circa einer Million Euro.
Rolle von ver.di

Jetzt kommt es darauf an, die große Streikbeteiligung in die Stärkung einer kämpferischen ver.di-Betriebsgruppe zu verwandeln. Während des Streiks sind 700 neue Mitglieder in die Gewerkschaft eingetreten. Das zeigt: Wenn Gewerkschaften kämpfen und ihr Gebrauchswert für Beschäftigte deutlich wird, gewinnen sie auch Mitglieder.

Damit Kämpfe, wie die Streiks bei der Charité und CFM, nicht die Ausnahme bleiben, müssen sich kritische und kämpferische KollegInnen zusammenschließen, um gemeinsam für demokratische und kämpferische Gewerkschaften zu kämpfen.
Wie weiter?

Die nächsten Kämpfe an der Charité und anderen Krankenhäusern stehen an. ver.di bereitet eine Kampagne zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern vor, die unter dem Titel „Der Druck muss raus“ laufen wird. Das erinnert an die Kampagne „Der Deckel muss weg“, die im September 2008 zu einer Massendemonstration von mehr als 100.000 Beschäftigten geführt hatte, dann aber nicht gesteigert wurde. Diesmal sollte zum Beispiel durch den Kampf für einen Tarifvertrag zur Personalbemessung eine bundesweite Streikfähigkeit erlangt werden. Denn das haben die Charité-Beschäftigten bewiesen: Macht- und wirkungsvolle Streiks sind auch in Krankenhäusern möglich!

Eine beispielhafte Streikwoche bei der Charité

Wann hat es das schon einmal gegeben? Ein unbefristeter Vollstreik in einem Krankenhaus, noch dazu in einem Universitätsklinikum mit über 10.000 nichtärztlichen Beschäftigten! Der zeitgleich geführte Kampf von Beschäftigten der Charité und der ausgegliederten CFM hielt Berlin über Tage hinweg in Atem.
von Krischan Friesecke und Aron Amm, Berlin

Die Ausgangsbedingungen waren denkbar schwer. In der Bundeshauptstadt hatte der „rot-rote“ Senat 2003 den Tarifvertrag für das Land Berlin einseitig gekündigt. Den Beschäftigten wurden Lohnkürzungen aufgebürdet, jahrelang standen Stellenstreichungen auf der Agenda. 2006 kam es zudem zur Ausgründung der seither tariflosen CFM (Charité Facility Mangement), die heute 2.150 KollegInnen zählt.

Vor diesem Hintergrund wurde unter Führung der ver.di-Betriebsgruppe an der Charité bereits 2006 ein zweiwöchiger Erzwingungsstreik durchgezogen, der allerdings bei weitem nicht die Zahl von Streikenden wie 2011 erreichte. Damals war gerade das OP-Personal das Rückgrat des Kampfes. Durchgesetzt wurde vor fünf Jahren schließlich ein Tarifvertrag, der eine weitgehende Angleichung der zuvor sehr unterschiedlichen Arbeits- und Entlohnungsbedingungen vorsah.

Zwar konnte man dem Spardiktat des Senats Paroli bieten. Allerdings blieben die Löhne weit unter dem Niveau anderer Kliniken in Berlin und im Bund. So lag das nichtärztliche Personal an den drei Standorten in Steglitz, Mitte und Wedding vor dem Streik 2011 monatlich 300 Euro unter dem bundesweiten Branchenniveau – die Charité-Belegschaft verdiente also 14 Prozent weniger als ihre KollegInnen in anderen Häusern (wie bei Vivantes in Berlin).

„300 Jahre – 300 Euro“

„Wir retten und pflegen unsere Patienten und für die Arbeit kriegen wir einen Arschtritt“, empört sich Elke Thorwarth aus der Anästhesie- und Intensivpflege. Zwei Krankenschwestern am Weddinger Virchow-Klinikum berichten, dass auf ihrer Station jeder zweite Kollege noch einen Nebenjob macht. „Vom Lohn bei der Charité kommt man zwar irgendwie über die Runden. Aber wenn man sich mal einen schönen Urlaub oder ein Auto leisten will, dann kommt man mit dem Geld nicht hin.“

Folglich ist die Forderung nach 300 Euro mehr zum 300. Geburtstag des Uniklinikums zentral. Es handelt sich um eine Festgeldforderung, wofür linke GewerkschafterInnen seit Jahren argumentieren, weil davon gerade die unteren Lohngruppen profitieren. „Wir fordern dies auch vor dem Hintergrund von Entgeltsteigerungen beim ärztlichen Dienst von 14,9 Prozent in den letzten zwei Jahren“, so Stephan Gummert von der ver.di-Betriebsgruppe*. Eckpunkte des Forderungskatalogs sind zudem: keine Unterschiede zwischen Ost und West im Tarifvertrag, bessere Vergütung der Nachtarbeit, tarifliche Besserstellung von Teilzeitkräften, Übernahme der Azubis und Vergütung auf dem Niveau des Öffentlichen Dienstes. Die CFM-Beschäftigten, die mit Charité-KollegInnen eine gemeinsame Streikfront bilden wollen, haben das Ziel, überhaupt erstmal einen Tarifvertrag zu erkämpfen.

Warnstreik

Am Dienstag, den 15. März versammeln sich schon in den Morgenstunden mehrere hundert Beschäftigte vor dem Eingang des Bettenhochhauses auf dem Campus Mitte zu einer Auftaktkundgebung. Im Lauf des Tages werden über 2.000 Streikende gezählt. Carsten Becker, ver.di-Betriebsgruppenvorsitzender* (und SAV-Mitglied) berichtet, dass praktisch sämtliche Abteilungen an allen drei Standorten vom Arbeitskampf betroffen sind. Der eintägige Warnstreik dient der ver.di-Betriebsgruppe als Stimmungsbarometer und Mobilisierungshilfe für den eigentlichen Streik Anfang Mai.

„Als wir im März mit der Warnstreikmobilisierung begonnen haben, fühlte ich mich wie ein Fackelträger, der nur noch zur bereits gelegten Zündschnur gehen musste“, sagt Stephan Gummert gegenüber der „Solidarität“. „Viele Bereiche nutzen mittlerweile aktiv die Möglichkeiten zur Selbstinformation. Eine Facebook-Gruppe, die wir anlässlich der drohenden Auseinandersetzung etablierten, explodierte im Warnstreikverlauf von acht auf über 300 Mitglieder.“ In der Folgezeit verdoppelt sich die Zahl noch einmal.

Angesichts dieser „explosiven Grundstimmung“, so Gummert, überrascht dann auch das Votum von 92,9 Prozent für Streik nicht. Bei der CFM stimmen sogar 95 Prozent für den Ausstand.

1. Mai

Alles scheint so wie immer. Auf der „Straße des 17. Juni“ liegt der Geruch von Bratwurst und Bier in der Luft. Auch der Letzte, der sich von den Beiträgen auf der DGB-Bühne noch irgendwas erhofft hat, wendet sich – diesmal vom Geblubber des Grünen-Mitglieds Annelie Buntenbach aus dem DGB-Vorstand – gelangweilt ab. Fast nur noch Gewerkschaftshauptamtliche und SPD-Spitzenpolitiker, darunter der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit mit einem Dutzend Bodygards, tummeln sich vor der Bühne. Dann plötzlich wendet sich das Blatt. Zehn Charité-KollegInnen beleben mit ihren Schildern und Transparenten für Lohnerhöhung und einen CFM-Tarifvertrag die Kundgebung. Carsten Becker und Kati Ziemer von der ver.di-Betriebsgruppe verkünden den Streikbeginn für den nächsten Morgen und stimmen Sprechchöre an. Mehr und mehr KollegInnen kriegen mit, dass es sich lohnt, doch nochmal zur Bühne zu kommen. Nur Wowereit ist weg.

Erster Streiktag

Montag, der 2. Mai: Von 6 Uhr früh an befinden sich alle drei Standorte im Ausstand. Ein Drittel aller Betten, fast alle OP-Säle werden an diesem Tag bestreikt. Kurz nach sieben Uhr überrascht eine Theatergruppe die Streikenden des Bettenhauses in Mitte und führt im Foyer das halbstündige Stück „Raus bist du noch lange nicht“ über die Fabrikbesetzung von INNSE in Mailand 2008/2009 auf.

Eine halbe Stunde später kann Carsten Becker bereits auf der ersten Kundgebung verkünden: „Wir haben es geschafft, Kollegen aus allen Bereichen herauszuholen. In der Kinderklinik werden fast 50 Prozent der Betten bestreikt. Dort wurde von den Kaufmännern schon gesagt, dass es angesichts der Streikkosten besser gewesen wäre, gleich das Geld, das den Forderungen entspricht, zu bezahlen.“ Im Lauf des Tages wird festgestellt, dass sich gut 2.000 Beschäftigte am Streik beteiligen. Weil es im Vorfeld Kündigungsdrohungen gab, trägt jeder ein Namensschild. Nun heißen alle „Schwester Sonnenschein“ oder „Pfleger Immerfroh“.

Aber von oben wird bereits am ersten Streikvormittag Druck gemacht. So in Steglitz, wie Uwe Ostendorff mitteilt: „Laut Vereinbarung sollten heute sieben Operationen stattfinden, nun sind schon neun angefragt und es ist noch nicht mal Mittag“ („ver.di-publik“, Mai 2011). Nachdem Carsten Becker davon Wind bekommt, ruft er dazu auf, auch im Bettenhaus nochmal über die Stationen zu gehen. Das Ergebnis: 70 weitere Betten können am Dienstag geschlossen werden.

Um 14 Uhr werden an allen drei Standorten Streikversammlungen abgehalten. Im Anschluss finden Stadtteil-Demonstrationen statt. Versammlungen und Demos werden in den Folgetagen feste Bestandteile des Streiks.

Zweiter Streiktag

Die Streikfront steht. „Wir haben in allen Bereichen noch eine Schippe draufgelegt“, so Carsten Becker. Neben einem Demozug zum Vorstand der Charité am Standort Mitte werden Transparente gemalt und weitere öffentliche Aktionen diskutiert.

Höhepunkt des zweiten Streiktags ist ein Sternmarsch von den Standorten Mitte und Wedding zum Sitz von Bayer-Schering, einem der größten Pharmakonzerne weltweit (auch Streikende vom weiter entfernt gelegenen Benjamin Franklin in Steglitz stoßen dazu). Mit der gemeinsamen Kundgebung wird für ein kollektives Gefühl der Stärke gesorgt. 2.500 KollegInnen nehmen an einer der kämpferischsten Streik-Demonstrationen seit langer Zeit teil. Eine Demo mit Gänsehaut-Faktor: Hunderte von Streikenden gehen zusammen auf die Knie, um sich dann lautstark zu erheben – nach dem Motto des diesjährigen Charité-Arbeitskampfs: „The great only appear great, because we are on our knees – Let us rise“.

Von der LINKEN sind nur wenige bei dieser Großdemo.

Dritter Streiktag

Nach der Großdemo am Dienstag ist die Stimmung bestens. Mittlerweile stoßen auch mehr CFM-Beschäftigte dazu. Zu Beginn des Ausstands sah es hier noch etwas mau aus. Mehrere KollegInnen der CFM schildern in Gesprächen, wie sie von den Vorgesetzten schikaniert werden. In der von der CFM betriebenen Küche sollen sogar illegalerweise Leiharbeiter eingesetzt werden. Eine unrühmliche Rolle spielt die Gewerkschaft IG BAU, die überwiegend Reinigungs- und Transportkräfte organisiert. Sie unterstützt den Streik nicht und nennt ihn sogar „illegal“.

„Rösler raus! Rösler raus!“ skandieren mittags 200 KollegInnen, die den Noch-Gesundheitsminister abpassen, nachdem er die Ausstellung im Medizinhistorischen Museum eröffnet hat. Titel der Ausstellung ist bezeichnenderweise: „Who cares?“

Zeitgleich findet das erste Gespräch mit den Arbeitgebern seit Beginn der Arbeitsniederlegung statt. Ein ernsthaftes Angebot wird aber nicht unterbreitet.

Nachmittags wieder Kiez-Demonstrationen: In Steglitz tauchen ein halbes Dutzend KollegInnen von der Betriebszeitung „Alternative“ bei Daimler-Marienfelde auf. Matthias Bender hält ein Grußwort, Adressen werden ausgetauscht.

Die Streikenden gehen jeden Tag nach draußen. Leider nutzt die ver.di-Spitze ihre Möglichkeiten nicht. Sie hätte es in der Hand, über eine stadtweite Öffentlichkeitskampagne mit Zehntausenden von Flugblättern und Plakaten die Argumente der Belegschaft bekannt zu machen. Sie könnte KollegInnen anderer Bereiche mobilisieren – zum Beispiel, um vor den Zentralen von SPD und LINKE sowie dem Roten Rathaus Krach zu schlagen.

Vierter Streiktag

Von 3.200 Betten werden jetzt 1.540 bestreikt! Viele KollegInnen sind aktiv, aber nur wenige gehören zu den AktivistInnen, die den Streik konkret organisieren. Carsten Becker ist kaum ansprechbar, eines seiner Handys bimmelt immer. Mal geht es um die Notfallversorgung, mal um die Einschüchterung von Streikenden, mal um Chefärzte, die Stress machen. Gut wäre es, wenn noch mehr KollegInnen in die Organisierung des Ausstands einbezogen werden könnten – zum Beispiel über die Bildung von Aktionsgruppen oder einen Delegiertenrat aus VertreterInnen der einzelnen Stationen zur Unterstützung der Streikleitung. So wäre es vielleicht auch möglich, zusätzlich zu den Streikversammlungen mehr Diskussionen zu befördern. Aber bevor VertreterInnen der Streikleitung sich darüber auch nur einen Kopf machen können, klingelt schon wieder ein Mobiltelefon. Gerade deshalb wäre die Einbeziehung weiterer KollegInnen in die Streikorganisation umso wichtiger. Natürlich leichter gesagt als getan. Trotzdem wichtige Fragen für die Vorbereitung und Durchführung, auch von künftigen Kämpfen.

Andere Krankenhäuser sind inzwischen überfüllt. Schlaganfall-Patienten müssen bereits mehrere Kliniken anfahren, um irgendwo unterzukommen.

Am größten Standort, im Wedding, werden täglich Streiklieder gesungen, dort wird sogar das Tanzbein geschwungen. Wie jeden Tag demonstriert man auch heute nachmittag wieder mit hunderten Streikenden lautstark und lebendig über die See- und Müllerstraße: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Löhne klaut!“ Oder: „Die CFM, das ist ein Hohn, sie zahlt nur einen Sklavenlohn!“ PassantInnen winken und grüßen mit nach oben gestreckten Daumen. Plötzlich wird der Zug gestoppt. „Alarm, der Patient bricht zusammen.“ Die beiden im Krankenhausbett mittransportierten Puppen werden von Pflegern herzmassiert, Beatmungsbälger gedrückt.

In Mitte organisieren SAV-Mitglieder ein kleines „Streik-Kino“, in dem Videos bisheriger Aktionen gezeigt werden.

Auch 200 Studierende führen an diesem Tag eine Solidaritätsdemonstration durch.

Fünfter Streiktag

In der Nacht bewegt sich der Arbeitgeber deutlich. Allerdings will er von der ver.di-Verhandlungskommission bis sieben Uhr morgens eine Antwort. Das lehnt die Streikleitung ab, weil sie Streikversammlungen einberufen möchte, um dort gemeinsam mit den KollegInnen über eine Streik-Aussetzung und die Wiederaufnahme von Verhandlungen zu entscheiden. Das Ultimatum des Arbeitgebers wird auf 12 Uhr verlängert.

Am Vormittag finden an allen drei Standorten Streikversammlungen statt. Hauptproblem ist die von der Arbeitgeberseite geschaffene Spaltung der Belegschaft durch das Outsourcing der CFM; diese Spaltung wird von oben weiter genutzt, in dem die von den CFM-Beschäftigten geforderten Verhandlungen für einen eigenen Tarifvertrag weiter ausgeschlagen werden. Darum kommt es auf den Versammlungen zu lebhaften und zum Teil kontroversen Diskussionen. In Steglitz wird für eine Fortsetzung des Ausstands gestimmt, in Mitte und Wedding entscheidet sich die Mehrheit der Stationen für die Aussetzung des Streiks und die Wiederaufnahme von Verhandlungen.

Bei der CFM wird der Streik eine weitere Woche fortgesetzt, Proteste vor Miteigentümer Dussmann und beim SPD-Parteitag organisiert, zudem wird ein Solidaritätskomitee gegründet. Dann sichert der Arbeitgeber Tarifgespräche zu.

Zu der Frage, ob das Aussetzen des Charité-Streiks richtig oder falsch war, siehe auch die SAV-Stellungnahmen unter [url=http://www.sozialismus.info/charite]www.sozialismus.info/charite[/url] ([url]http://www.sozialismus.info/charite[/url]). Zum Verlauf der Vehandlungen, den ver.di-Mitgliederversammlungen, der schriftlichen Abstimmung und dem aktuellen Stand bei der CFM siehe Seite 8.

Was in jedem Fall bleibt, ist ein „ungewöhnlich heftiger Streik“, so der ärztliche Direktor an der Charité, Ulrich Frei in der „Ärzte-Zeitung“. Da 90 Prozent der OPs ausfielen, konnte auch in einem Krankenhaus-Ausstand ökonomischer Druck ausgeübt werden. Die erste Mai-Woche markiert einen „historischen Streik“, so Stephan Gummert. Es gilt, alle Lehren daraus zu ziehen und diesen Kampf für künftige Auseinandersetzungen zu nutzen.
http://www.sozialismus.info/?sid=4277 (http://www.sozialismus.info/?sid=4277)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 20. Juni 2011, 19:58:44
Zitat
Wieder Streik am Klinikum Chemnitz

Rund 50 Beschäftigte des Klinikums Chemnitz haben am Montagmorgen ihre Arbeit niedergelegt. Wie die Gewerkschaft ver.di mitteilte, wollen sie den ganzen Tag streiken. Dem Klinikum zufolge hat der Warnstreik keine größeren Auswirkungen auf die Patienten.


Ver.di fordert für rund 2.400 nichtärztliche Beschäftigte einen einheitlichen Tarifvertrag. Er soll sowohl für Pfleger, Schwestern und das gesamte Servicepersonal gelten. Die Gewerkschaft will, dass die Mitarbeiter bis spätestens 2013 einheitlich bezahlt werden. Ver.di-Sprecher Harald Krause sagte, wenn der Arbeitgeber in den nächsten zwei Wochen nicht mit einem akzeptablen Angebot aufwarte, würden die Mitarbeiter zu einer Urabstimmung für einen unbefristeten Streik aufgerufen.

Klinikleitung: Forderungen übersteigen Leistungsfähigkeit

Seit über einem Jahr wird über einen Haustarifvertrag verhandelt, bislang ohne Ergebnis. Ver.di zufolge gab es bereits zwölf Verhandlungsrunden. Der Sprecher des Klinikums, Uwe Kreißig, hatte das Verhalten der Klinikleitung nach der letzten gescheiterten Verhandlungsrunde verteidigt. Es sei vor einiger Zeit schon fast eine Einigung erzielt worden. Allerdings habe ver.di dann neue Forderungen gestellt, die die Leistungsfähigkeit des Klinikums übersteigen würden.

Ver.di wirft Klinikleitung Entsolidarisierung der Belegschaft vor

Die Gewerkschaft wirft der Klinikleitung vor, mit drei verschiedenen Vergütungssystemen die Entsolidarisierung innerhalb der nichtärztlichen Belegschaft zu betreiben. Die Gehälter und Anstellungsbedingungen lägen inzwischen weit unter dem Durchschnitt vergleichbarer Häuser. Dem widerspricht die Klinikleitung. Die Personalkosten lägen mit derzeit etwa 64 Prozent deutlich über denen der privaten Klinikketten. Das Klinikum Chemnitz ist das zweitgrößte Krankenhaus Ostdeutschlands.
http://www.mdr.de/sachsen/8739579.html (http://www.mdr.de/sachsen/8739579.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 01. Juli 2011, 10:32:42
Flugblatt aus Bremen zu Überlastungsanzeigen: http://bmf.blogsport.de/2011/06/14/neues-zur-situation-in-den-krankenhaeusern/ (http://bmf.blogsport.de/2011/06/14/neues-zur-situation-in-den-krankenhaeusern/)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 28. Juli 2011, 03:51:47
"antigen" nr. 4, herausgegeben von der unabhängigen betriebsgruppe amperkliniken dachau: http://www.betriebsgruppen.de/bgak/uploads/antigen-07-11-s1.pdf (http://www.betriebsgruppen.de/bgak/uploads/antigen-07-11-s1.pdf)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 28. August 2011, 06:26:14
Interview mit der unabhängigen Betriebsgruppe AmperKliniken Dachau: http://www.ungesundleben.de/interview_bgak (http://www.ungesundleben.de/interview_bgak)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 28. August 2011, 21:03:45
Solidaritätskomitee für die Beschäftigten des "Charité Facility Management" (bis heute nicht nach Tarif bezahlt) der Charité Berlin: https://cfmsolikomitee.wordpress.com/ (https://cfmsolikomitee.wordpress.com/)

02.09.2011
Ver.di ruft zur Urabstimmung auf
Berlin. Ver.di ruft nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen für die rund 2000 Beschäftigten der Charité Facility Management GmbH (CFM) in der Zeit vom 5. bis 7. September 2011 zur Urabstimmung über Arbeitskampfmaßnahmen auf. Die seit Ende Mai 2011 mit der CFM-Geschäftsführung geführten Verhandlungen über die Einführung eines Manteltarifvertrages sowie einer einheitlichen Entgeltordnung haben bisher zu keinem Ergebnis geführt. Ver.di fordert unter anderem eine Entgelterhöhung um 168 Euro pro Monat für alle Beschäftigten. Mit einem Ergebnis der Urabstimmung ist am 8. September 2011 zu rechnen.

Quelle: http://www.jungewelt.de/2011/09-02/035.php (http://www.jungewelt.de/2011/09-02/035.php)



Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 08. September 2011, 22:49:05
CFM-Beschäftigte stimmen für Streik
Berlin. 98,6 Prozent der ver.di-Mitglieder in der Berliner Charité-Tochter CFM haben sich für einen unbefristeten Streik ausgesprochen. Das Ergebnis der Urabstimmung wurde am Mittwoch abend bekannt. »Die Vorbereitungen für einen möglichen Streik laufen auf Hochtouren«, erklärte ver.di-Sekretärin und Verhandlungsführerin Sylvi Krisch im Anschluß an die Bekanntgabe. Das Unternehmen sei über das Abstimmungsergebnis und die Einleitung von Arbeitskampfmaßnahmen informiert worden. »Wenn die Arbeitgeberseite nicht noch in letzter Minute einlenkt, werden in den nächsten Tagen die Beschäftigten der Charité Facility Management GmbH zum unbefristeten Streik aufrufen.« Über den Beginn des Ausstandes werde ver.di »zeitnah« informieren. (jW) Quelle: http://www.jungewelt.de/2011/09-09/032.php (http://www.jungewelt.de/2011/09-09/032.php)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 13. September 2011, 12:57:44
Zitat
Lohn-"Willkür" - Charité-Mitarbeiter streiken
 Von Eva Lindner

Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen haben Reinigungskräfte, Rettungsassistenten und Küchenhilfen der Berliner Charité Ernst gemacht und bestreiken ihren Arbeitsplatz. Auswirkungen auf Patienten gebe es aber nicht.


Ungerechte Bezahlung, zu wenig Urlaub, niedrige Löhne: Erneut sind die Mitarbeiter in Europas größtem Krankenhausbetrieb in den Arbeitskampf getreten. 250 der 1800 Beschäftigten der Charité Facility Management GmbH (CFM) kamen Montag Morgen um fünf Uhr nicht zur Frühschicht, sondern stellten sich mit Plakaten, Trillerpfeifen und Fahnen auf den Campus in Mitte. Reinigungskräfte, Rettungsassistenten, Küchenhilfen, Sicherheitsleute und Laborassistenten wollen nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen auf unbestimmte Zeit streiken. 99 Prozent der Verdi-Mitglieder hätten für den Streik gestimmt. Ihre Forderungen: Tarifverträge und 168 Euro mehr Monatslohn für die Mitarbeiter.

Keine Nachteile für Patienten

Laut CFM-Sprecherin Lena Weith habe der Streik „keinerlei Auswirkungen auf die Patienten“. Alle vorgesehenen Operationen hätten planmäßig stattfinden können. Bereits im Mai hatten Beschäftigte der CFM sowie Pflegepersonal der Charité für bessere Arbeitsbedingungen gekämpft. Seitdem verhandelt Verdi mit der Geschäftsführung über die Einführung eines Tarifvertrages und eine einheitliche Bezahlung für die CFM-Beschäftigten. Den ersten Streik hatte Verdi für die Verhandlungen ausgesetzt, diesmal jedoch wollen sie bis zur Einigung streiken. 2006 hatte die Charité die Servicekräfte an die CFM ausgegliedert, um Kosten zu sparen. Die Gesellschaft gehört der Charité und privaten Dienstleistungsunternehmen. Die Mitarbeiter erledigen unterschiedliche Aufgaben, von einfachen Dienstleistungen wie Essensausgabe bis zu hochqualifizierten Tätigkeiten. Für die 1800 Mitarbeiter der CFM gibt es keinen Tarifvertrag. Ihre 700 Kollegen, die die Charité der CFM stellt, kommen in den Genuss des Charité-Tarifvertrages. Das Geschäftsjahr 2010 hatte CFM erfolgreich abgeschlossen. Der Gewinn belief sich laut Jahresbericht auf 414000 Euro.

„Es regt uns auf, wenn der eine Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes 955 Euro im Monat verdient und sein Kollege 1200 Euro“, sagt Streikführerin Sylvi Krisch, „hier herrscht ein hohes Maß an Willkür.“ CFM-Mitarbeiter wie Kristina Schmalz und Aaron Williams bekämen etwa 30 Prozent weniger als Charitébeschäftigte mit Tarifvertrag.

Von Willkür könne keine Rede sein, sagt CFM-Sprecherin Weith. „Wir zahlen Löhne, die auf Tarifniveau der Branche liegen.“ Außerdem sei die Grenze des wirtschaftlich Machbaren erreicht. Denn CFM habe die Löhne bereits zum Teil erhöht und die Urlaubs- und Arbeitsbedingungen verbessert. So bekämen Mitarbeiter in der OP-Reinigung bereits 9,10Euro pro Stunde statt 8,67 Euro.

„Die Zahlen täuschen“, sagt Sylvi Krisch von Verdi. „Die Erhöhung betrifft nur eine geringe Anzahl der 700 Leute, die in der Reinigung angestellt sind.“ Generell mache CFM Scheinangebote, um Lohnerhöhungen bei Zuschlägen wieder einzusparen. Viele Beschäftigte müssten zusätzlich Hartz IV beantragen.

Nach Ansicht der Berliner Linke-Fraktion verhält sich die CFM-Geschäftsführung „inakzeptabel“. „Immer noch werden in dem Unternehmen Tarifstrukturen geduldet, die teilweise unter dem Mindestlohn liegen“, kritisiert der gesundheitspolitische Sprecher der Linken, Wolfgang Albers. Auch Mario Czaja, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU, ist für eine schnelle Einigung mit Tarifverträgen. „Jeder Tag, an dem die Mitarbeiter nicht tätig sind, kostet die Charité viel Geld.“
http://www.morgenpost.de/berlin/article1761918/Lohn-Willkuer-Charite-Mitarbeiter-streiken.html (http://www.morgenpost.de/berlin/article1761918/Lohn-Willkuer-Charite-Mitarbeiter-streiken.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 03. Oktober 2011, 14:23:23
17.10.11 20:00 Frankfurt/M.
Kliniken in Not! Personalmangel, fehlende Wertschätzung und Schlechte Bezahlung

Die Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern werden immer härter. Das gefährdet die Gesundheit der Beschäftigten und der patientInnen. Dagegen regt sich Widerstand. Verdi will eine bundesweite Kampagne für die Verbesserung der arbeitsbedingungen führen. Dass Widerstand möglich ist, zeigt ein erfolgreicher Streik Arbeitskampf am Berliner Uniklinikum Charite. Auf der Veranstaltung sollen die Situation in Frankfurter Kliniken, der Streik an der Berliner Charite und die Verdi-Kampagne diskutiert werden.

Mit M. Wiemer (Betriebsrat Klinikum Höchst) (angefragt), Carsten Becker, Vorsitzender verdi-Betriebsgruppe und Streikleiter, Charité Berlin und einem Vertreter der verdi-Betriebsgruppe der Uni-Klinik Frankfurt (angefragt)

Veranstalter: Linkes Forum Frankfurt, SAV - Solzialistische Alternative, isl – internationale sozialistische linke in Zusammenarbeit mit dem Club Voltaire
Eintritt frei - Spenden erwünscht!

Quelle: http://www.club-voltaire.de/cv_frankfurt_org/veranstaltungen/veranstaltungen/va-1042 (http://www.club-voltaire.de/cv_frankfurt_org/veranstaltungen/veranstaltungen/va-1042)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 09. Oktober 2011, 13:09:32
Samstag, 15. Oktober: Solidaritätsdemonstration mit den streiks an der Charité und bei Alpenland Berlin; beginn  um  10 Uhr 30 an der Weltzeituhr/Alexanderplatz. nähere infos: http://cfmsolikomitee.wordpress.com/ (http://cfmsolikomitee.wordpress.com/)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 14. Februar 2012, 10:32:45
Zitat
Warnstreik in Damp-Kliniken gestartet

([url]http://www.ndr.de/regional/mecklenburg-vorpommern/damp117_v-contentgross.jpg[/url])
Auch am Hanse-Klinikum Stralsund soll es am Dienstag zu einem
ganztägigen Warnstreik kommen.


Die geplante Übernahme der Damp-Krankenhäuser durch den Helios-Konzern wird durch einen Tarifkonflikt überschattet. Mit Beginn der heutigen Frühschicht folgten Mitarbeiter an sieben norddeutschen Standorten einem Aufruf der Gewerkschaft ver.di und traten in einen ganztägigen Warnstreik. Betroffen sind die Damp-Häuser in Hamburg (Endo-Klinik), Kiel, Schleswig, Damp und Lehmrade. In Mecklenburg-Vorpommern sind zudem Mitarbeiter am Hanse-Klinikum Stralsund und der Reha-Klinik in Ahrenshoop zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. In der Innenstadt von Schleswig soll es am Vormittag eine Protestkundgebung geben.

Ver.di will kurz vor dem Vollzug der Übernahme für die 5.600 tarifvertraglich Beschäftigten noch einen neuen Tarifvertrag erreichen. Die Forderungen: 7,5 Prozent mehr Gehalt, ein Weihnachtsgeld und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. Doch die Damp Holding lehnt Tarifverhandlungen in der Übergangsphase ab.

"Eskalation nicht nachvollziehbar"


"Die von ver.di ohne Grund herbeigeführte Eskalation ist nicht nachvollziehbar", teilte die Damp Holding AG in Hamburg mit. In dieser Phase des Übergangs schließe das Management nach üblicher Praxis keine Verträge ab, "die langfristig und wesentlich zu einer zusätzlichen Belastung des Unternehmens führen können". Das gelte insbesondere für Tarifverträge. Nach der erfolgten Übernahme werde der neue Hauptaktionär, die Helios Kliniken GmbH, "selbstverständlich" entsprechende Tarifverhandlungen aufnehmen.

Die Stimmung ist angeheizt

Ver.di-Verhandlungsführer Oliver Dilcher kritisierte, immer noch sei offen, welchen Kurs Helios tatsächlich gehen werde. Äußerungen eines Vorstandsmitglieds, eine Konzerntochter künftig ohne Tarifbindung führen zu wollen, hätten die Stimmung angeheizt. "Wir kannten den künftigen Mehrheitsaktionär als harten, aber bislang seriösen Tarifpartner." Die Kartellbehörden müssen der geplanten Übernahme noch zustimmen. Diese Zustimmung sei aber absehbar, so dass voraussichtlich im zweiten Quartal 2012 Helios die Damp-Einrichtungen übernehmen dürfe, sagte ein Damp-Sprecher.

Während des ganztägigen Warnstreiks versorgt laut ver.di ein Notdienst die Patienten - laut Konzernleitung "zu jeder Zeit und in vollem Umfang".
http://www.ndr.de/regional/dampwarnstreik101.html (http://www.ndr.de/regional/dampwarnstreik101.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 01. März 2012, 12:46:59
Zitat
Damp-Mitarbeiter streiken

In drei Bundesländern haben am Donnerstagmorgen an Krankenhäusern des Damp Konzerns zweitägige Warnstreiks begonnen. Das bestätigte Verdi-Verhandlungsführer Oliver Dilcher der Nachrichtenagentur dpa.


Kiel/Stralsund. Betroffene Standorte in Schleswig-Holstein sind Damp, Schönhagen, Schleswig und Kiel, in Mecklenburg-Vorpommern sind es Ahrenshoop und Stralsund. Zudem wird die Endo-Klinik in Hamburg bestreikt. Nach Verdi-Anhaben soll während der Arbeitsniederlegungen ein Notdienst die Patienten versorgen. Der Ausstand soll bis zum Ende der Spätschicht am Freitag dauern.

Bereits vor gut zwei Wochen hatten sich mehr als 2000 Beschäftigte an einem eintägigen Warnstreik beteiligt. Verdi will vor der Übernahme der Damp-Einrichtungen durch die Helios Kliniken GmbH für 5600 tarifvertraglich Beschäftigte noch einen neuen Tarifvertrag erreichen. Die Damp Holding lehnt Tarifverhandlungen zurzeit ab. Im Übergang zu einem neuen Hauptaktionär sei dies unüblich.
http://www.kn-online.de/Schleswig-Holstein/Wirtschaft/Damp-Mitarbeiter-streiken (http://www.kn-online.de/Schleswig-Holstein/Wirtschaft/Damp-Mitarbeiter-streiken)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 12. März 2012, 18:20:52
Zitat
Streik in Eifelhöhen-Klinik geplant

Von Bernhard Romanowski

Die letzte Tariferhöhung für die Beschäftigten liegt drei Jahre zurück. Seit vergangenem Sommer sind laut Gewerkschaft vergeblich Tarifverhandlungen um Entgelterhöhungen mit der Eifelhöhen-Klinik geführt worden.

Nettersheim-Marmagen - Das derzeit herrschende Streikwetter hat nun anscheinend auch die Eifel erreicht. Die Gewerkschaft Verdi ruft die Beschäftigten der Eifelhöhen-Klinik für Mittwoch, 14. März, in der Zeit von 10 bis 14 Uhr zu einem Warnstreik auf.
(...)
http://www.ksta.de/html/artikel/1331298647609.shtml (http://www.ksta.de/html/artikel/1331298647609.shtml)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 18. April 2012, 20:52:14
in baden-würrtemberg, wo aufgrund der zersplitterung der tariflandschaft separat für die dortigen uni-kliniken verhandelt wird, könnte es zu streiks kommen.
Zitat
19.04.2012 / Inland / Seite 5Inhalt
Warnstreik an Unikliniken
Baden-Württemberg: Ver.di überrascht von Beteiligung an Arbeitskampf. Angebot der Krankenhausbetreiber »nicht verhandlungsfähig«
Von Mirko Knoche
Proteste des Pflegepersonals an der Uniklinik Freiburg am Dienst
Proteste des Pflegepersonals an der Uniklinik Freiburg am Dienstag
Die Gewerkschaft war selbst überrascht. Fast 4000 Beschäftigte der vier Unikliniken Baden-Württembergs waren am Dienstag dem Aufruf zum Warnstreik gefolgt. Sie wollten den Druck erhöhen, denn am gestrigen Mittwoch verhandelten ver.di und Klinikleitungen über einen neuen Tarifvertrag. 6,9 Prozent mehr Geld, mindestens jedoch 250 Euro pro Person verlangen die Angestellten. Die Auszubildenden sollen unbefristet übernommen werden und um 100 Euro erhöhte Vergütungen bekommen. Gestern legten die Krankenhäuser ein Angebot vor. Nach Gewerkschaftsangaben belief es sich auf weniger als zwei Prozent. Ein ver.di-Sprecher bewertete die Offerte gegenüber junge Welt als »nicht verhandlungsfähig«.

In Heidelberg, Tübingen und Freiburg hatten am Dienstag jeweils 1000 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt, in Ulm waren es 700. In den Universitätskliniken des Landes arbeiten 25000 Menschen, zum Teil in mehreren Schichten. Dennoch gilt die Streikbeteiligung von weniger als 4000 Angestellten als hoch. Gewerkschafter sprechen besonders beim Plegepersonal von einem »Helfersyndrom«. Dieses betreue die Patienten oft aufopfernd weiter, obwohl ein Arbeitskampf nicht nur die Bezahlung, sondern auch die Pflegesituation verbessern könne. In den Kantinen, Wäschereien und Hausmeistereien ist die Bereitschaft, die Arbeit niederzulegen, traditionell deutlich höher. »Spitzenbehandlungen für Patienten durch Spitzenleistungen des Personals müssen sich in der Bezahlung widerspiegeln«, betonte ver.di-Landesbezirksleiterin Leni Breymaier am Dienstag in Tübingen.

Die Klinikangestellten hätten sich »trotz des massiven Drucks ihrer Arbeitgeber nicht einschüchtern lassen und ein klares Signal gesendet«, sagte ver.di-Verhandlungsführer Günter Busch vorgestern in Heidelberg, »sie sind bereit, für einen guten und zügigen Tarifabschluß zu kämpfen«. Nachdem die Gewerkschaft am Mittwoch das Zwei-Prozent-Angebot der Krankenhausleitungen zurückgewiesen hatte, berieten die Klinikchefs noch am Verhandlungsort in der Stuttgarter Liederhalle, ob sie nachlegen wollen. Falls es keine Nachbesserungen gebe, werde ein unbefristeter Streik wahrscheinlicher, war aus der baden-württembergischen ver.di-Zentrale zu vernehmen. Die Entscheidung trifft die Tarifkommission am kommenden Montag. Ver.di brach die Verhandlungen am Mittwoch nachmittag ab.

Am Dienstag beteiligten sich in Heidelberg außerdem 100 Angestellte der Evangelischen Stadtmission am Ausstand. Hier fordert ver.di den Betreiber, das Diakonische Werk Baden, auf, erstmals überhaupt einen Tarifvertrag abzuschließen, und zwar auf dem Niveau der Unikliniken. Bislang gilt im kirchlichen Krankenhaus nur eine deutlich schlechtere Arbeitsvertragsrichtlinie. Die Klerikalen beschreiten den »dritten Weg«, nach dem Bezahlung und Arbeitsbedingungen ohne Tarifparteien »einvernehmlich« zwischen Kirche und Beschäftigten ausgehandelt werden. Die Diakonie beruft sich dabei auf die Fortgeltung der Weimarer Reichsverfassung für den Klerus. Die Gewerkschaft bestreitet, daß dadurch das Grundrecht auf Tarifautonomie ausgehebelt werde. Nun soll die strittige Frage faktisch durch einen Arbeitskampf entschieden werden.

An der ver.di-Tarifrunde sind die Ärzte der Unikliniken nicht beteiligt. Für sie gilt ein Vertrag des Marburger Bunds mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder. Im vergangenen November einigten sich beide auf 3,6 Prozent mehr Gehalt mit einer Laufzeit von 16 Monaten sowie deutlich höhere Nachtzuschläge.


http://www.jungewelt.de/2012/04-19/034.php (http://www.jungewelt.de/2012/04-19/034.php)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 23. April 2012, 18:06:01
Zitat
Uniklinik Freiburg droht unbefristeter Streik

Die Große Tarifkommission von ver.di ruft zur Urabstimmung auf


Die Große Tarifkommission von ver.di hat heute im Tarifkonflikt an den Unikliniken zu einer Urabstimmung aufgerufen. Die Verhandlungskommission hatte einstimmig beschlossen das Scheitern der Verhandlungen zu erklären und die Urabstimmung für einen Streik einzuläuten. Ein unbefristeter Arbeitskampf an den Unikliniken in Freiburg, Ulm, Tübingen und Heidelberg könnte Anfang Mai beginnen. Ver.di fordert für die rund 25.000 Beschäftigten eine Lohnerhöhung von 6,9 Prozent, mindestens jedoch 250 Euro mehr.
http://www.tv-suedbaden.de/Aktuelles/Suedbaden/Freiburg/Artikel/1150324/Uniklinik-Freiburg-droht-unbefristeter-Streik/# (http://www.tv-suedbaden.de/Aktuelles/Suedbaden/Freiburg/Artikel/1150324/Uniklinik-Freiburg-droht-unbefristeter-Streik/#)!prettyPhoto


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 23. Mai 2012, 19:25:05
Zitat
Streik legt Essensversorgung im Klinikum Chemnitz lahm

Am Klinikum Chemnitz wollen heute die Mitarbeiter der Essensversorgung erneut die Arbeit niederlegen. Die Gewerkschaft ver.di kündigte einen ganztätigen Streik an, der von 3.30 Uhr bis 20.00 Uhr dauern soll. Die Patienten des Klinikums müssen mit massiven Einschränkungen im Catering rechnen. Wahrscheinlich wird es bei allen Hauptmahlzeiten nur eine Art Notversorgung geben. Rund 260 Beschäftigte der Klinik Catering Chemnitz (KCC) GmbH sind zum Streik aufgerufen.

Mit der Aktion will die Gewerkschaft den Druck auf die KCC-Geschäftsführung weiter erhöhen und die Aufnahme von Verhandlungen über einen Haustarifvertrag erzwingen. Der Arbeitgeber lehnt das ab und droht mit dem Abbau von Arbeitsplätzen, der im Falle einer deutlichen Lohnsteigerung unvermeidlich sei. Nach Angaben der Gewerkschaft liegen die Löhne bis zu 35 Prozent unter den im Klinik-Tarifvertrag geregelten Gehältern. Weil der Bereich Speiseversorgung ausgegliedert wurde, können die Catering-Mitarbeiter nicht die Bedingungen des Klinik-Tarifvertrages einfordern. Die KCC GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der Klinikum Chemnitz gGmbH, die wiederum zu 100 Prozent der Stadt Chemnitz gehört.

Vor knapp zwei Wochen hatte es bereits einen ersten Warnstreik gegeben. Etwa die Hälfte der KCC-Mitarbeiter legte von 3.30 Uhr bis 8.00 Uhr die Arbeit nieder. Erhebliche Einschränkungen bei der Essensversorgung waren die Folge. Der Arbeitgeber ließ sich davon zunächst nicht beeindrucken. Nach wie vor ist keine Lösung des Tarifstreits in Sicht.
http://news-chemnitz.de/streik_legt_essensversorgung_im_klinikum_chemnitz_lahm-361 (http://news-chemnitz.de/streik_legt_essensversorgung_im_klinikum_chemnitz_lahm-361)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 09. Juni 2012, 12:19:34
Zitat
Damp-Gruppe: Tarifgespräche gescheitert

([url]http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/damp115_v-contentgross.jpg[/url])

Die Tarifgespräche bei den Damp-Kliniken sind endgültig gescheitert. Das letzte Treffen vor der Urabstimmung ist am Donnerstag ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Das teilten die Gewerkschaft ver.di und der neue Betreiber Helios am Freitag mit. Ein Gewerkschaftssprecher sagte der NDR 1 Welle Nord, das Angebot von Helios sei unakzeptabel. Am kommenden Mittwoch und Donnerstag stimmen die Mitarbeiter des Klinikkonzerns Damp über einen unbefristeten Streik ab. Während der zweitägigen Urabstimmung sind die Beschäftigten aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. Ein Notdienst soll die Patienten versorgen.

Kritik von ver.di

Beim Damp-Konzern schwelt seit Monaten ein Tarifkonflikt, weil die Helios Kliniken GmbH als neuer Eigentümer die Fortschreibung des Tarifvertrags für die 5.600 Mitarbeiter in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern ablehnt. Der Helios-Konzern hatte kurz nach der Übernahme allen Dienstleistern zum Quartalsende gekündigt, insgesamt 1.800 Verträge. Darunter Handwerker und Reinigungsunternehmen, aber auch Seelsorger und mehrere hundert Honorarärzte. Das hatte viele Betroffene empört. Die Unternehmensführung hat sich zwar jetzt für ihr Vorgehen entschuldigt, die Gewerkschaft bleibt aber kritisch.
http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/helios125.html (http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/helios125.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 18. Juni 2012, 17:30:15
Zitat
Streit in der norddeutschen Gesundheitsbranche
Verband aus dem Hut gezaubert

In den norddeutschen Damp-Kliniken soll ein Streik für einen neuen Tarifvertrag sorgen. Einige Häuser haben längst einen - sagt der Arbeitgeber
von Kai Von Appen


In den Damp-Kliniken in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern steht ein Streik der Krankenschwestern, Pfleger und Laboranten bevor: Bei einer Urabstimmung der Gewerkschaft Ver.di sprachen sich 86,18 Prozent der Teilnehmenden für einen unbefristeten Arbeitskampf aus. Zuvor hatten mehrere Warnstreiks aus Sicht der Gewerkschaft keine Wirkung gezeigt: „Wir haben es inzwischen mit einer knallharten Auseinandersetzung zu tun“, sagt Ver.di-Verhandlungsführer Oliver Dilcher.

Die Damp-Holding AG war Mitte März von der Helios GmbH übernommen worden, die nun 94,7 Prozent der Anteile an den Damp-Kliniken an acht Standorten hält. Helios ist wiederum eine Tochter des bundesweit größten Klinikkonzerns Fresenius. Aus kartellrechtlichen Gründen musste das zu Damp gehörende Hanse-Klinikum Wismar an die Sana Kliniken AG veräußert werden.

Ende 2011 lief bei der Damp-Holding ein zuvor seit Jahren gültiger Haustarifvertrag aus. Seither versucht Ver.di für 5.600 Krankenschwestern, Pfleger und Laboranten einen neuen Vertrag abzuschließen. Die Gewerkschaft fordert um 7,5 Prozent, mindestens aber 200 Euro monatlich höhere Bezüge sowie eine Sicherung der Jobs im Servicebereich. „Der Helios-Vorstand versucht mit allen Mitteln sein Sparprogramm durchzusetzen“, sagt Verhandlungsführer Dilcher.

Von dem angekündigten Streik ausgenommen sind vorerst zwei Kliniken in Schleswig: Während dort bereits die Urabstimmung lief, gab der Helios-Konzern bekannt, dass die beiden Häuser im kommunalen Arbeitgeberverband des Öffentlichen Dienstes organisiert seien.

Nach Ende des Damp-Konzerntarifvertrags „finden sozusagen automatisch die Tarifverträge des Öffentlichen Dienstes auf die Arbeitsverhältnisse Anwendung“, sagt Florian Friedel, Geschäftsführer des Helios Klinikum Schleswig. Ver.di setzte die Urabstimmung aus, „um juristisch zu prüfen“, ob die Angestellten tatsächlich dem Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes (TVÖD) unterliegen.

Für Gewerkschafter Dilcher ist der Vorstoß der Helios-Geschäftsführung eine „juristische Trickserei“, um die Beschäftigten „in die Friedenspflicht zu bekommen“. Aus seiner Sicht hat der Konflikt um den Konzerntarifvertrag Vorrang vor dem TVÖD. „Wenn wir zu dem Ergebnis kommen, das ist juristisch nicht einwandfrei, werden wir auch dort streiken“, so Dilcher.

Helios-Regionalgeschäftsführer Jörg Reschke geht davon aus, dass bei einem Streik die Notdienstvereinbarungen greifen, um eine Minimalversorgung der Patienten sicherzustellen. Und sprach zugleich Drohgebärden aus: „Mehr Gehalt und ein überlanger Streik“, so Reschke, „werden Arbeitsplätze kosten.“
http://www.taz.de/Streit-in-der-norddeutschen-Gesundheitsbranche-/ (http://www.taz.de/Streit-in-der-norddeutschen-Gesundheitsbranche-/)!95615/


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 18. Juni 2012, 21:55:52
Zitat
19.06.2012 / Inland /
Protestauftakt
Am Berliner Uniklinikum Charité startet ver.di Kampagne zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen
Von Daniel Behruzi

Der Druck muß raus!« – unter diesem Motto haben Beschäftigte der Berliner Charité am Montag nachmittag gegen Arbeitsüberlastung und Personalmangel demonstriert. An allen drei Standorten des Berliner Uniklinikums – Campus Mitte, Virchow und Benjamin Franklin – hatte ver.di zu Protestkundgebungen aufgerufen. Zugleich forderte die Gewerkschaft den Charité-Vorstand zu Tarifverhandlungen zum Gesundheitsschutz, zur personellen Mindestbesetzung sowie zur Verbesserung der Ausbildungsqualität auf.

»Die Personalsituation ist extrem angespannt – das geht so nicht weiter«, erklärte Carsten Becker, Sprecher der ver.di-Betriebsgruppe an der Charité, am Montag gegenüber junge Welt. Das Faß zum Überlaufen gebracht habe eine kürzlich bekanntgewordene Anweisung der Klinikleitung, kein Leasingpersonal mehr anzufordern und Engpässe statt dessen mit »eigenen personellen Ressourcen« zu überbrücken (siehe jW vom 5. Juni). Dem jW vorliegenden Dokument zufolge sollen künftig »Poolmitarbeiter und Auszubildende« sowie andere Stammbeschäftigte einspringen, um die Pflege bei Ausfällen aufrechtzuerhalten. »Die hohen Leasingkosten sind seit langem bekannt, dennoch wurde Stammpersonal abgebaut«, kritisierte Becker. »Die Zitrone ist ausgequetscht – eine weitere Zunahme der Arbeitsbelastung ist absolut nicht hinnehmbar.«

Laut ver.di haben die gut 4000 Pfleger an der Charité schon jetzt insgesamt mehr als 100000 Überstunden angesammelt. Ohne Leasingkräfte würde sich diese Situation noch verschlimmern. »Wir wollen die Rücknahme des Leasingverbots, vor allem aber fordern wir deutlich mehr reguläre Stellen«, betonte Becker. Bei fehlendem Personal müßten im Zweifelsfall Betten geschlossen werden. Die ver.di-Betriebsgruppe an der Charité hat sich zum Ziel gesetzt, der Überlastung per Tarifvertrag Grenzen zu setzen, was sie aus Gewerkschaftssicht bundesweit zum Vorreiter macht. Auch in anderen Kliniken wird seit einiger Zeit darüber diskutiert, eine Tarifkampagne zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu starten.
Aktion "Ich lese die junge Welt, weil wir - die junge Welt und ich - dasselbe wollen."
Giesbert Kalus, Wildau

Nach Beckers Vorstellungen könnte man sich dabei an anderen euro­päischen Ländern orientieren. So sei es international üblich, auf Intensivstationen ein Verhältnis von mindestens einem Pfleger pro zwei Patienten festzuschreiben. Auf normalen Pflegestationen liege diese Relation in Schweden bei eins zu zwölf, in der Schweiz bei eins zu acht. »Es gibt keinen Grund dafür, daß die reiche Bundesrepublik hinter diese internationalen Standards zurückfällt«, meinte Becker.

Nach ihrem sehr erfolgreichen Streik im vergangenen Jahr – durch den zeitweise fast die Hälfte der rund 3200 Betten geschlossen und 90 Prozent der Operationen abgesagt werden mußten – sehen sich die Gewerkschafter an Berlins Universitätsklinikum gut für die anstehende Auseinandersetzung gerüstet. Bereits jetzt hätten die aktuellen Proteste Wirkung gezeigt, berichtete Becker. Beispielsweise sei die gesetzeswidrige Anweisung zurückgenommen worden, Krankenpflegeschüler bei Engpässen einzusetzen. »Der Widerstand wirkt, jetzt erhöhen wir den Druck«, so der ver.di-Mann. Um Tarifverträge durchzusetzen, die verbindliche Mindeststandards beim Personal festschreiben, wird aber sicherlich ein langwieriger und harter Konflikt nötig sein. Die Kundgebungen vom Montag waren dafür ein erfolgreicher Auftakt.

[url=http://www.charite.verdi.de]www.charite.verdi.de[/url] ([url]http://www.charite.verdi.de[/url])


Quelle: http://www.jungewelt.de/2012/06-19/060.php (http://www.jungewelt.de/2012/06-19/060.php)

die im artikel angesprochene bundesweite tarifkampagne: http://www.der-druck-muss-raus.de/ (http://www.der-druck-muss-raus.de/)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 21. Juni 2012, 12:08:09
Zitat
Streik an Endo-Klinik begonnen

Hamburg (dpa/lno) - An der Hamburger Endo-Klinik wird gestreikt. Der Ausstand habe um 06.00 Uhr begonnen, bestätigte Michael Stock von der Gewerkschaft Verdi der dpa. Der Streik in Hamburg ist der erste in einer Reihe von Arbeitsniederlegungen, die Verdi an den Damp-Kliniken plant. Die Endo-Klinik zählt ebenso zur Damp-Gruppe wie weitere Standorte in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, etwa Kiel und Stralsund.

In der vergangenen Woche hatte sich bei einer Urabstimmung eine Mehrheit von 86 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder für einen unbefristeten Streik angesprochen. Die Damp-Kliniken waren im März von der Helios Kliniken GmbH übernommen worden. Am Mittwoch war ein Gespräch zwischen Verdi und Helios ergebnislos geblieben. Die Gewerkschaft fordert 7,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 200 Euro monatlich, eine einheitliche Jahressonderzahlung sowie Arbeitsplatzsicherheit für Servicekräfte.
http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/regioline_nt/hamburgschleswigholstein_nt/article106642648/Streik-an-Endo-Klinik-begonnen.html (http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/regioline_nt/hamburgschleswigholstein_nt/article106642648/Streik-an-Endo-Klinik-begonnen.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 21. Juni 2012, 13:39:23
Zitat
Proteste an Ulmer Klinik

Was die Beschäftigten des RKU befürchten

([url]http://bilder.augsburger-allgemeine.de/img/20657291-1340183870000/topTeaser_crop_KAYA8737.JPG.jpg[/url])

Die 750 Beschäftigten der Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm (RKU) befürchten eine Auslagerung von Arbeitsplätzen und den Einsatz von Leiharbeiten. Daher wollen sie am Mittwoch in einer "aktiven Mittagspause" vor der Klinik protestieren, wie die Gewerkschaft Verdi am Dienstag mitteilte. Hintergrund ist eine Wirtschaftlichkeitsprüfung beider Gesellschafter - dem Universitätsklinikum und dem privaten Klinikkonzern Sana. "Das ist ein ganz normaler Vorgang", sagte eine RKU-Sprecherin. Ergebnisse werde es in einigen Wochen geben, bis dahin sei alles Spekulation. "Das steht im Moment auf keinem berechtigtem Fundament." Die RKU-Beschäftigen befürchten auch eine schlechtere Qualität bei der Versorgung von Patienten. Es ist bereits die zweite Protestaktion.
http://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Proteste-an-Ulmer-Klinik-id20657296.html (http://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Proteste-an-Ulmer-Klinik-id20657296.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 22. Juni 2012, 12:40:15
Zitat
Tarif-Konflikt in Damp
Verträge mit Service gekündigt – 1000 Mitarbeiter betroffen

Der Tarif-Konflikt zwischen der Gewerkschaft Verdi und den Helios Kliniken um die Damp-Kliniken wird mit immer härteren Mitteln ausgetragen.


Damp/Berlin. Nächste Stufe der Eskalation im Tarif-Konflikt an den Damp-Kliniken: Die Krankenhäuser und Einrichtungen der ehemaligen Damp-Gruppe, die zur Helios Kliniken GmbH gehören, haben nach mehreren Warnstreiks und dem gerade begonnenen unbefristeten Streik sämtliche Verträge mit der Zentralen Service-Gesellschaft Damp (ZSG) gekündigt. 1000 Mitarbeitern sei daraufhin vorsorglich von der ZSG gekündigt worden, teilte Helios am Freitag mit. Die Gewerkschaft Verdi reagierte mit Empörung und stellte die Rechtmäßigkeit der Kündigungen infrage.

Die ZSG sei wegen der Streiks nicht mehr in der Lage, ihre vertraglich vereinbarten Leistungen zu erbringen, sagte der Helios-Regionalgeschäftsführer Nord-West, Jörg Reschke. Die Kliniken sähen sich daher gezwungen, erforderliche Dienstleistungen anderweitig zu beauftragen. Die Dienstleistungsverträge mit der ZSG seien am Mittwoch außerordentlich unter Einräumung einer Auslauffrist zum 31. Juli 2012 gekündigt worden. Wenn der Streikkonflikt bis dahin gelöst werde, werde man die Rücknahme der Kündigungen prüfen, so Reschke weiter. Die Service-Gesellschaft ist etwa für Reinigung und Verpflegung zuständig.

„Wir werden jetzt direkt mit der Verhandlung zu einem freiwilligen Sozialplan beginnen, in der nächsten Woche“, sagte Reschke. Was die Kündigungen für den einzelnen Mitarbeiter bedeuteten, sei Helios bewusst. „Aber wir haben letztlich keine andere Möglichkeit, weil die Forderungen der Gewerkschaft außerhalb jeglichen Rahmens sind. Die Kliniken werden durch die Streiks derart lahmgelegt, dass externe Dienstleister beschäftigt werden müssen. Wir werden uns dafür einsetzen, dass möglichst vielen ZSG-Mitarbeitern neue Jobs angeboten werden.“

Als „so was von verwerflich“ und „schändliche Reaktion“ bezeichnete Verdi-Verhandlungsführer Oliver Dilcher die Kündigungen. Sie beträfen gerade die Armen, die Menschen, die mit dem Kampf für bessere Bezahlung ein grundgesetzliches Recht in Anspruch genommen hätten. Recht, das nun mit Füßen getreten werde. „Sie erwischen einen geschockten Gewerkschaftssekretär.“ Dilcher zweifelte zudem die Rechtmäßigkeit der Kündigungen an. Sollten die Kündigungen bereits ausgesprochen worden sein, seien sie rechtswidrig, weil der Betriebsrat nicht gehört worden sei. Verdi werde am Wochenende beraten, wie weiter vorzugehen sei. Die am Mittwoch abgebrochenen Gespräche zwischen Helios und Verdi wollen beide Seiten weiter wie vereinbart am Montag in Berlin fortsetzen.

Unterdessen begann am frühen Morgen an der Helios-Klinik Kiel der Streik der Beschäftigten. Die Mitarbeiter wollten sich zu einem Streikfrühstück treffen. Die Arbeitsniederlegungen würden wie geplant fortgesetzt, sagte Dilcher. Am Montag und Dienstag sind Ausstände am Standort Schleswig geplant. Für die Patienten wurde eine Notdienstversorgung eingerichtet.
http://www.abendblatt.de/region/schleswig-holstein/article2315792/Vertraege-mit-Service-gekuendigt-1000-Mitarbeiter-betroffen.html (http://www.abendblatt.de/region/schleswig-holstein/article2315792/Vertraege-mit-Service-gekuendigt-1000-Mitarbeiter-betroffen.html)



Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Nick N. am 22. Juni 2012, 22:25:40
Was ich daran nicht verstehe:
Zitat
Die Krankenhäuser und Einrichtungen der ehemaligen Damp-Gruppe, die zur Helios Kliniken GmbH gehören, haben nach mehreren Warnstreiks und dem gerade begonnenen unbefristeten Streik sämtliche Verträge mit der Zentralen Service-Gesellschaft Damp (ZSG) gekündigt.
Diese "Zentrale Service-Gesellschaft Damp" ist offenbar ein Personaldienstleister, der durch die Streiks jetzt out-of-business ist. Das ist doch gut?!?! Das heißt doch nicht, daß die Arbeitsplätze futsch sind, denn die Arbeit muß ja nach wie vor gemacht werden?!? Jetzt geschockt in die Defensive zu gehen und zu sagen: "Neinnein, sooo war das doch nicht gemeint!", damit schmeißt man doch den ganzen Erfolg weg?


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Eivisskat am 24. Juni 2012, 23:46:59
Zitat
Gefeuert, weil sie streikten - Endo-Klinik wirft 100 Leute raus!

Schock bei den Mitarbeitern der Endo-Klinik: Einen Tag nach ihrem Streik haben die mehr als 100 Küchen-, Reinigungs- und Service-Kräfte des Kiez-Krankenhauses am Freitag ihre Kündigung erhalten. Eine ungewöhnlich scharfe Reaktion des Helios-Konzerns auf den Ausstand des Personals.

Yeter Dogan arbeitet seit fünf Jahren in der OP-Reinigung. Sie erlebte mit, wie alle Service-Mitarbeiter vor einiger Zeit in das Tochterunternehmen Zentrale Service-Gesellschaft (ZSG) ausgegliedert wurden – mit dem Zweck, niedrigere Löhne zahlen zu können. Dabei ist Helios einer der größten Klinikbetreiber Deutschlands! 1100 Euro netto verdient Yeter Dogan im Monat. Kaum genug zum Leben für die alleinerziehende Mutter zweier Kinder. Am Donnerstag hatte die 40-Jährige mit ihren Kollegen gestreikt.

„Wir wollen 7,5 Prozent mehr Lohn und einen Tarifvertrag“, so Dogan, die auch Betriebsratsvorsitzende ist. Am Freitag dann der Schock: Den mehr als 100 ZSG-Mitarbeitern wurde gekündigt. Deutschlandweit sind 1000 Mitarbeiter betroffen. Begründung: Durch den Streik sei die ZSG nicht in der Lage, „ihre vertraglich vereinbarten Leistungen zu erbringen“, heißt es in den Kündigungsschreiben. „Wegen der Streiks wird in den Kliniken nicht mehr in vollem Umfang gereinigt und gekocht“, sagt auch Jörg Reschke von der Helios Regionalführung. Man sei daher gezwungen, die Dienstleistungen anderweitig zu vergeben.

Die Gewerkschaft spricht von „Erpressung“. Schließlich habe es während des Streiks einen Notdienst gegeben. Ver.di-Sekretär Michael Stock: „So etwas habe ich noch nie erlebt. Wir haben große Zweifel, ob diese Kündigungen rechtswirksam sind.“ Gerade die Schwächsten seien betroffen. Für Montag sind Gespräche mit Helios geplant. Sollten die scheitern, will Ver.di eine Kündigungsschutzklage vorbereiten.


[url]http://www.mopo.de/nachrichten/gefeuert--weil-sie-streikten-endo-klinik-wirft-100-leute-raus-,5067140,16454386.html[/url] ([url]http://www.mopo.de/nachrichten/gefeuert--weil-sie-streikten-endo-klinik-wirft-100-leute-raus-,5067140,16454386.html[/url])



Zitat
Am Freitag kam die Kündigung - Damp-Kliniken werfen rund 1000 Beschäftigte raus. Ver.di empfiehlt Widerspruch

Es steht ein harter Kampf bevor. Rund 1000 Beschäftigte der norddeutschen Damp-Kliniken erhielten am Freitag morgen die Kündigung. Offenkundig, um einen gerade begonnenen Arbeitskampf zu unterlaufen, wie die Gewerkschaft ver.di vermutet. Bundesvorstandsmitglied Ellen Paschke erklärte am selben Tag: »Dieses Vorgehen ist erkennbar rechtswidrig.« Weder sei zuvor der Betriebsrat informiert worden, noch gebe es Gründe, um fristlose Kündigungen auszusprechen. Die Maßnahme ziele ausschließlich darauf ab, von den Angestellten »einen Streikverzicht zu erpressen«.

 Die Gewerkschaft hatte für den 13. und 14. Juni zur Urabstimmung über einen unbefristeten Arbeitskampf um mehr Geld aufgerufen. 86 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder sprachen sich dabei für einen Streik aus. Bei der Damp-Gruppe arbeiten 5600 Menschen. Für die Zentrale Service-Gesellschaft (ZSG) hatte die Geschäftsführung erst gar keine Offerte vorgelegt. Die Firma habe keine Zukunft, sagte der Damp-Vorstand nach Gewerkschaftsangaben. Die 1000 Angestellten der Wäschereien, Hausmeistereien und Kantinen sollten demnach nur noch »marktübliche Löhne« erhalten, was faktisch erhebliche Gehaltsverluste bedeutet. Am Freitag flatterte den ZSG-Beschäftigten dann die Kündigung ins Haus. Ver.di empfiehlt allen betroffenen Kollegen, dagegen Widerspruch einzulegen. Die Gewerkschaft und der Betriebsrat würden sich juristisch gegen die Massenentlassung wehren, sagte Verhandlungsführer Oliver Dilcher im Gespräch mit jW.

 Letzten Donnerstag waren das Service- und das Pflegepersonal der Hamburger Endo-Klinik in den Ausstand getreten, am Freitag die Kollegen in Kiel. Für den heutigen Montag und den morgigen Dienstag sind Arbeitsniederlegungen in Schleswig geplant, für Mittwoch in Damp. Die Gewerkschaft fordert 7,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro mehr pro Person. Am heutigen Montag gehen die Verhandlungen mit dem Damp-Management weiter, morgen entscheidet die Tarifkommission über das weitere Vorgehen. Falls es heute zu keiner Einigung kommt, könnten ab Mittwoch auch die Krankenhäuser der Gesellschaft in Mecklenburg-Vorpommern bestreikt werden.

 Damp gehört seit Mitte März zur Helios-Gruppe, die mit dem Aufkauf der Schön-Kliniken zum Marktführer unter den privaten Krankenhäusern werden will. Ver.di hatte den Gehaltstarifvertrag bereits zum Jahresende 2011 gekündigt und vergeblich auf ein Angebot gewartet. Die Damp-Geschäftsführung hatte das damals unter Verweis auf den ausstehenden Aufkauf durch Helios abgelehnt.

Doch seit das Geschäft besiegelt wurde, hat sich am Verhandlungstisch wenig bewegt. »Unsere Forderungen werden regelrecht ignoriert«, sagte Streikleiter Oliver Dilcher nach einem fruchtlosen Sondierungsgespräch am 7. Juni. Die Unternehmensleitung habe die Übernahme des Abschlusses im öffentlichen Dienst angeboten. Das bedeutet für die meisten Beschäftigten jedoch eine Nullrunde, weil die Zuwächse erstens gedeckelt würden und zweitens der bisherige Haustarif bereits jetzt über dem Branchentarif läge, so Dilcher. Den Kollegen bleibe gar keine andere Wahl, als in den Ausstand zu treten


[url]http://www.jungewelt.de/2012/06-25/033.php[/url] ([url]http://www.jungewelt.de/2012/06-25/033.php[/url])


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 30. Juni 2012, 11:56:51
Zitat
Bei der Berliner Charité stehen die Zeichen wieder auf Sturm

Thema: CFM-Streik, Gesundheit, Solidarität 114, veröffentlicht: 30.06.2012

Auf dem Silbertablett

Die Charité in Berlin steht nur ein Jahr nach dem großen Streik vom Mai 2011 vor einer erneuten Tarifauseinandersetzung. Ging es letztes Jahr noch um klassische Entgelt- und manteltarifliche Forderungen, steht nun der Gesundheitsschutz im Mittelpunkt. Die Charité könnte bundesweit das erste Krankenhaus sein, das auf Basis der „Druck muss raus!“-Kampagne von ver.di eine Tarifauseinandersetzung führt.
von Stephan Gummert, Mitglied der ver.di-Betriebsgruppe an der Charité Berlin*

Eigentlich veröffentlichte die Charité im ersten Quartal nur Jubelmeldungen. Trotz Streik und Tarifsteigerungen wurde ein Jahresplus 2011 von acht Millionen Euro erzielt. Einmal Blut geleckt zwingt die Politik die Charité für das Jahr 2012 erstmals statt eines ausgeglichenen Jahresergebnisses mehrere Millionen Überschuss anzustreben. Das übliche Mittel dafür sollen weitere Arbeitsverdichtung und weiterer Personalabbau sein.
Radikale Maßnahmen der Charité-Leitung

Zur Jahresmitte sieht die Charité ihren angestrebten Millionenüberschuss in Gefahr und hat nun den Pflegedienst ins Visier genommen. Personalkostenüberschreitungen im Pflegedienst bei gleichzeitiger Kostensteigerung durch externe Leiharbeit seien Hauptübel der akuten Misere.

Pflegedirektion und pflegerische Centrumsleitungen (die Charité zergliedert sich in mehrere bettenführende Centren) erarbeiteten einen Maßnahmenkatalog, der seit 1. Juni in Kraft ist und zu massiven Widerständen bei Pflegenden und Auszubildenden führt. Ein de facto Einstellungsstopp bei Stammkräften bei dem gleichzeitigen Versuch, externe Leiharbeit zu drosseln, führt zu verordneter Unterbesetzung auf vielen Stationen. Ausfälle sollen aus eigenen Ressourcen – also mit Überstunden und durch rechtswidrigen Einsatz von Auszubildenden – kompensiert werden. Ohnehin schon überplante Beschäftigte sollen durch Nebenabreden zum Arbeitsvertrag zur weiteren Selbstausbeutung überredet werden. Sogar Betten- und Stationsschließungen gehören zum Maßnahmenkatalog.
Vereint im Widerstand

Als die Maßnahmen in Leitungskreisen bekannt gemacht wurden, vergingen nur wenige Tage und eine breite Front des Widerstands formierte sich. Selbst aus der pflegerischen Führungsebene sind kritische Töne über die Unmöglichkeit der Umsetzung solcher Maßnahmen zu hören.

Personalräte sowie die Jugend- und Auszubildenden-Vertretung reagierten schnell und konsequent. Die Maßnahmen wurden in einem Flugblatt der Gewerkschaft ver.di breit im Betrieb und in der Berliner Öffentlichkeit bekannt gemacht. Während eines gut besuchten Pflegekongresses der beiden größten öffentlichen Krankenhausträger begannen die ersten Aktionen gegen den Maßnahmenkatalog. Es folgten ein Fernsehbericht in der „Berliner Abendschau“ und eine Mobilisierung zu Charité-weiten Kundgebungen.
Willkommen in der Tarifauseinandersetzung 2012

Die ver.di-Betriebsgruppe an der Charité bewies einmal mehr ihre Schlagkraft, denn die 2011 etablierten und erprobten Strukturen konnten fast sofort und angemessen auf die Charité-Provokation reagieren. Nach schneller Öffentlichkeitsarbeit wurde eine Stimmung an die ver,di-Tarifkommission gemeldet, die Insider mit der kurz vor dem Streik 2011 verglichen. Arbeitshetze und Unterbesetzung auf den Stationen und in den Funktionsbereichen in der gesamten Klinik beförderten und beschleunigten gewerkschaftsinterne Abstimmungsprozesse.

Auf den Charité-weiten Kundgebungen am 18. Juni ließen die Streikführer des Jahres 2011 die Katze aus dem Sack. Zum Zeitpunkt der Kundgebungen um 15 Uhr hatte der Charité-Vorstand bereits seit vier Stunden die Aufforderung der Gewerkschaft ver.di zu Tarifverhandlungen über Mindestbesetzung, Gesundheitsschutz und Ausbildungsqualität auf dem Tisch. Die Charité ist somit die erste Klinik in Deutschland, die zu diesen Themen eine Auseinandersetzung führen wird.
Zentrale Forderungen

Unter dem Beifall der Beschäftigten wurden einige zentrale Forderungen öffentlich gemacht.

Mehr Personal ins Krankenhaus! Auf den Intensivstationen soll ein Betreuungsschlüssel von einer Pflegekraft für maximal zwei Patienten und bei entsprechendem Aufwand sogar eine 1:1-Betreuung durchgesetzt werden.

In den Normalpflegebereichen soll nicht mehr allein Nachtdienst gemacht werden.

Umfangreiche Ideen zum Gesundheitsschutz liegen vor. Es sollen tarifliche Instrumente zu deren Durchsetzung geschaffen werden, die auch Räume für Selbstorganisation und Entwicklung aus den Teams heraus ermöglichen.

Es sollen die Arbeitsbedingungen älterer Beschäftigter verbessert werden. So fordert ver.di eine Nachtdienstbefreiung für ältere Pflegekräfte, die nicht zu Versetzungen und Herabgruppierungen führt.

Regelungen zur Altersteilzeit und zur Verbesserung der Situation der Auszubildenden sollen durchgekämpft werden. Im Ausbildungsbereich gibt es dazu einen völlig separaten Forderungskatalog, dessen Schilderung den Rahmen hier sprengen würde.

Die Gewerkschaft beginnt an der Charité einen wichtigen Kampf im Gesundheitswesen. Es gilt nun dafür Sorge zu tragen, dass sie nicht allein bleibt. ver.di bietet über die „Druck muss raus“-Bewegung eine überregionale und trägerübergreifende Plattform für solche Kämpfe. Nutzen wir diese!

„Die hohen Leasingkosten sind seit langem bekannt, dennoch wurde Stammpersonal abgebaut. Die Zitrone ist ausgequetscht – eine weitere Zunahme der Arbeitsbelastung ist absolut nicht hinnehmbar“

Carsten Becker, Sprecher der ver.di-Betriebsgruppe an der Charité* („junge Welt“ vom 19. Juni) [url=http://www.charite.verdi.de]www.charite.verdi.de[/url] ([url]http://www.charite.verdi.de[/url])

Erfolgreicher Charité-Streik 2011

Bei dem fünftägigen Vollstreik im Mai vergangenen Jahres erreichten die über 2.000 Streikenden, dass zeitweise fast die Hälfte der rund 3.200 Betten geschlossen und 90 Prozent der Operationen abgesagt werden mussten. Das Ergebnis stellt eine materielle Verbesserung für die Beschäftigten dar. So bedeuten allein die 150 Euro mehr seit 1. Juli 2011 für die Mehrheit eine Gehaltserhöhung von fünf bis sieben Prozent. Bis 2014 werden die Einkommen für die meisten Entgeltgruppen an das Bundesniveau angeglichen. Daneben wurden noch mehrere weitere Fortschritte erzielt. Allerdings ist unter anderem die lange Laufzeit des Tarifvertrags (bis 2016) ein Schwachpunkt.
Ausführliche Artikel über den Arbeitskampf und das Ergebnis unter [url=http://www.sozialismus.info/charite]www.sozialismus.info/charite[/url] ([url]http://www.sozialismus.info/charite[/url]).

*Angabe zur Funktion dient nur zur Kenntlichmachung der Person


Quelle: http://www.sozialismus.info/?sid=4922 (http://www.sozialismus.info/?sid=4922)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 30. Juni 2012, 19:08:42
Demo und Kungebung in Kiel waren beeindruckend und mit astreiner Stimmung. Von den Veranstaltern hieß es, es seien 3500 Teilnehmer, meine Schätzung lag jedoch niedriger. Beachtlich war, daß Leute von verschiedenen Gewerkschaften da waren und Delgationen von anderen Kliniken, nicht nur aus Schleswig-Holstein. Und alles, was man hier so an Linken Organisationen kennt, auch Leute aus der linksradikalen Szene waren dabei. So eine Mischung bei der Demo ist selten. Politische Vertreter aller im Landtag vertetenen Parteien ließen es sich nehmen bei diesem Protest gesehen zu werden. Statt vieler Worte hier eine Fotostrecke...

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Frank Bsirske ist natürlich Profi. Er schafft es eine verbalradikale Rede zu halten, ohne daß man auf die Idee kommen würde, wie oft er sich schon als Arbeiterverräter profiliert hat.

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Danach redete auch SPD Ministerpräsident Torsten Albig begeleitet von Zwischenrufen wie "Wer hat Hartz IV eingeführt?" und "Heuchler! Heuchler!". Vielleicht ist er wirklich politisch so naiv, wie seine Rede. Wie auch immer, in jedem Falle daneben. Der Virsitzende de NGG Franz-Josef Möllenberg erzählte von dem Streik beim Suppenhersteller Zamek und versprach volle Solidarität. Die Zusammenarbeit verschiedener Gewerkschaften ist alles andere als selbstverständlich.

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Mir gefiel die Rede einer Verdifunktionärin aus Berlin gut, deren Namen ich nicht mitbekommen habe. Sie strafte Albig Lügen indem sie beschrieb, daß der Konzern sehr wohl weiß, was er da tut. Recht und Moral werden mit Füßen getreten, Arbeiter- und Gewerkschaftsrechte werden ausgehebelt, alles um Willen des Profits. Sie sagte, es gebe inzwischen mehr privatisierte Krankenhäuser in Deutschland, als in den USA. Als dann aber der Landesvorsitzende der SPD Schleswig-Holstein Ralf Stegner auch noch reden sollte, verließ ich fluchtartig die Kundgebung.


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Eivisskat am 04. Juli 2012, 06:32:37
Zitat
Kündigungs-Skandal Helios: "Warum haben Sie 100 Leute der Endo-Klinik entlassen, Herr Reschke?"

In einem nie da gewesenen, unerhörten Akt hat der Helios-Konzern, einer der größten Klinikbetreiber Deutschlands, 1000 Menschen entlassen – weil sie gestreikt haben. 100 Menschen sind in der Hamburger Endo-Klinik betroffen.

Die MOPO sprach mit Regionalgeschäftsführer Jörg Reschke.

MOPO: Sie haben 1000 Menschen rausgeworfen, weil sie streikten. Laut Ver.di ist das rechtswidrig.


weiter:
[url]http://www.mopo.de/nachrichten/kuendigungs-skandal-helios-warum-haben-sie-100-leute-der-endo-klinik-entlassen--herr-reschke-,5067140,16520246.html[/url] ([url]http://www.mopo.de/nachrichten/kuendigungs-skandal-helios-warum-haben-sie-100-leute-der-endo-klinik-entlassen--herr-reschke-,5067140,16520246.html[/url])




Zitat
"Wir erleben hier aber auch gerade einen Tarif-Konflikt in bislang unbekanntem Ausmaß. Dies liegt vor allem daran, dass die gewerkschaftliche Organisation der Mitarbeiter mit erheblichen finanziellen Anreizen verbunden ist."




Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Pinnswin am 04. Juli 2012, 06:42:53
http://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/laender-geben-immer-weniger-fuer-kliniken-aus-901387.php (http://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/laender-geben-immer-weniger-fuer-kliniken-aus-901387.php)

Länder geben immer weniger für Kliniken aus
Zitat
02.07.2012

Die Bundesländer geben immer weniger Geld für ihre Kliniken aus. Die
gesetzlichen Krankenkassen haben nunmehr den Eindruck, dass sie die
fehlenden Investitionen zulasten der Versicherten ausgleichen müssen.
Denn die Krankenhäuser verlangen zunehmend mehr Geld von den Kassen.
Gegen diese Entwicklung setzt sich nun der Spitzenverband der
gesetzlichen Krankenkassen zur Wehr. Sie fordern mehr Geld von den
Ländern für die Klinikinvestitionen.

Zwischen 2001 und 2011 haben die Länder rund 20 Prozent weniger für
Kliniken ausgegeben, als zuvor. Das ergeht aus den Daten der Arbeitsgemeinschaften
der Obersten Landesgesundheitsbehörden. Vor allem für Sanierungen oder
dem Kauf von medizinischen Großgeräten sind die Zahlungen von ehemals
3,4 Milliarden Euro auf 2,7 Milliarden Euro geschrumpft. Im selben
Zeitraum sind jedoch die Ausgaben der Krankenkassen für Kliniken um
33 Prozent auf 60,8 Milliarden Euro gestiegen. Damit erreichten die
Krankenhauskosten der Kassen ein Rekordniveau.

Bundesländer kommen ihren Zahlungsverpflichtungen immer weniger nach ...


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: counselor am 04. Juli 2012, 07:06:28
"Damit darf Fresenius/Helios nicht durchkommen!"

Hamburg (Korrespondenz), 02.07.12: Über 3.500 Menschen haben am 30. Juni an den Gewerkschaften Verdi und NGG organisierten Demonstration teilgenommen. Sie richtete sich gegen die Entlassungen von 1.000 Kolleginnen und Kollegen der zur Damp-Gruppe gehörenden ZSG (Zentrale Service-Gesellschaft), die zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen von Damp (Fresenius/Helios) für ihre gewerkschaftlichen Forderungen im Streik stehen. Mit den brutalen Entlassungen hat dieser Tarifkampf politischen Charakter bekommen, geht es doch darum, den Angriff auf das gewerkschaftliche Streikrecht zurück zu schlagen ...

Quelle: RF News (http://www.rf-news.de/2012/kw27/damit-darf-fresenius-helios-nicht-durchkommen)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Rudolf Rocker am 04. Juli 2012, 10:23:58
Vielleicht sollte da mal eine Delegation der spanischen Bergarbeiter vorbeikommen? ::)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 04. Juli 2012, 17:10:29
aus dem "ver.di-Mitgliedernetz":

Zitat
ver.di-Pressemitteilung vom 4.7.2012:
ver.di und NGG haben mit dem Gesundheitskonzern Fresenius Helios in der Nacht zu Mittwoch eine Tarifeinigung für die rund 5.600 Beschäftigten der norddeutschen Klinikgruppe Damp erreicht. Helios bietet per Tarifvertrag allen Beschäftigten der Zentralen Service-Gesellschaft (ZSG) die Weiterbeschäftigung bis zu 18 Monaten zu bisherigen Konditionen an. Die rund 1.000 Kündigungen sind damit vom Tisch.

Außerdem behalten Service-Beschäftigte ihre bisherigen Entgelte auch bei einem Wechsel in neue Servicegesellschaften. Für diejenigen, die dort keinen Arbeitsplatz finden, wird eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft eingerichtet. Betriebsbedingte Kündigungen sind in dieser Zeit ausgeschlossen. „Dieses Ergebnis ist vor allem der Entschlossenheit der Beschäftigten und der Unterstützung von Öffentlichkeit, Patienten und Politik zu verdanken“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Ellen Paschke am Mittwochmorgen in Berlin.

Für die Beschäftigten der Akutkliniken und Rehaeinrichtungen gibt es eine Reihe von Verbesserungen. Für die Rehakliniken wurde rückwirkend zum 1. Mai 2012 eine Gehaltserhöhung von 3,5 Prozent vereinbart, zusätzlich 1,4 Prozent ab 1. Januar 2013. Dies gilt auch für das Therapiezentrum Stralsund, das in den Tarifvertrag einbezogen wird. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Akutkliniken erhalten Tariferhöhungen analog zu den Regelungen für den öffentlichen Dienst: zunächst 3,5 Prozent mehr rückwirkend zum 1. Mai 2012 und zwei weitere Erhöhungen von jeweils 1,4 Prozent zum 1. Januar und zum
1. August 2013. Beschäftigte der Kliniken, deren Entgelte oberhalb des Tarifniveaus des öffentlichen Dienstes liegen, profitieren jeweils zur Hälfte von den Erhöhungen. Für die Akutkliniken wurde zudem eine finanzielle Aufwertung der Fachpflege (Intensiv, OP, Anästhesie) vereinbart.

Auch beim Weihnachtsgeld gibt es teils spürbare Verbesserungen. In den Akutkliniken beträgt es für die Entgeltgruppen 1 bis 8: 80 Prozent, für die Entgeltgruppen 9 bis 12: 70 Prozent, für die Entgeltgruppen 13 bis 15: 50 Prozent. In den Rehaeinrichtungen beträgt das Weihnachtsgeld künftig 80 Prozent eines Monatsgehalts inklusive Zuschläge. Dies ist für einen Großteil der Beschäftigten eine deutliche Erhöhung, teilweise sogar eine Verdoppelung. Außerdem gaben die Arbeitgeber den Gewerkschaften für die beiden neuen Helios-Servicegesellschaften in Norddeutschland eine Verhandlungszusage zur tariflichen Absicherung von Arbeits- und Entlohnungsbedingungen aller Service-Beschäftigten.

„Nach einer außergewöhnlich harten Auseinandersetzung haben wir mit der Tarifeinigung in der Damp-Gruppe die Grundlage für weiterhin gute Gesundheitsversorgung und zuverlässige Serviceleistungen zu existenzsichernden und fairen Entgelten gelegt“, betonte Paschke. „Es ist gut, dass Fresenius Helios mit diesem Abschluss die qualitativ hochwertige Leistung der Beschäftigten anerkennt.“ Die Verhandlungskommission empfiehlt der Tarifkommission die Annahme des Ergebnisses, im Anschluss stimmen die Gewerkschaftsmitglieder bei Damp in einer zweiten Urabstimmung über die Einigung ab. Die Streiks werden ab dem morgigen Donnerstag eingestellt.


hier noch eine aktuelle information zum seit mehr als einem Jahr andauernden Tarifkonflikt bei den Wicker-Kliniken in Hessen:

Zitat
Private Kliniken
Kliniken des Wicker-Konzerns
Viel erreicht und noch viel zu tun

Lohnerhöhung: erreicht, Tarifvertrag: in Bearbeitung

https://gesundheit-soziales-hessen.verdi.de/aktuelles-aus-dem-fb-03/archiv-2012-01-halbjahr/pm-2012-06-25



Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Rudolf Rocker am 04. Juli 2012, 17:16:05
Diese "Erhöhung" deckt doch nicht mal die Reallohnverluste, oder?


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: admin am 25. Juli 2012, 12:32:16
Zitat
Erste Folgen im Tarifstreit an Sylter Klinik

([url]http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/asklepios119_v-contentgross.jpg[/url])
Streikende Mitarbeiter der Sylter Nordseeklinik

 Etwa 70 der 420 Klinik-Beschäftigten haben sich an einer Protestaktion beteiligt. Im Tarifstreit an der Nordseeklinik in Westerland auf Sylt zieht der Betreiber Asklepios erste Konsequenzen: Alle Geburten sollen aufs Festland verlegt werden. Lediglich Notfälle könnten noch in der Geburtshilfe versorgt werden. Asklepios macht den Streik der Mitarbeiter dafür verantwortlich. Zuvor hatte das Unternehmen angedroht, die Reha-Klinik in Westerland zu schließen. Ob es dazu kommt, will Asklepios in Kürze entscheiden. Die Gewerkschaft ver.di hält das für eine leere Drohung, um Druck aufzubauen. Sie hatte für Dienstag zu einer Kundgebung aufgerufen. Am Vormittag versammelten sich etwa 70 der 420 Mitarbeiter vor dem Krankenhaus, um gegen Asklepios zu protestieren.

Ärzte-Kritik an Asklepios

Aus Sicht der Sylter Gynäkologen sind nicht die streikenden Mitarbeiter schuld an der Situation, sondern die Geschäftsführung der Klinik. Die Mediziner berichteten der NDR 1 Welle Nord, dass schon Wochen vor dem Streik die Geburtsstation geschlossen wurde. Die Mütter und Neugeborenen wurden seitdem in der Chirurgie des Inselkrankenhauses behandelt. Für die Ärzte ist es unzumutbar, dass Schwangere nun mit dem Hubschrauber nach Niebüll oder Flensburg geflogen werden müssen.

Drohende Schließung


Nach Angaben von Asklepios nehmen derzeit drei Prüfer der Deutschen Rentenversicherung (DRV) die Reha-Klinik genau unter die Lupe. Sie befragen Patienten, wie sie medizinisch versorgt werden, ob das Essen schmeckt und wie oft die Zimmer gereinigt werden. Asklepios befürchtet, dass die Prüfer Mängel feststellen, weil derzeit viele Behandlungen ausfallen und nicht mehr so gründlich geputzt wird. Der Klinik-Betreiber macht dafür den Streik verantwortlich und geht davon aus, dass die DRV keine Patienten mehr nach Sylt schicken wird. Asklepios-Sprecher Rudi Schmidt sagte der NDR 1 Welle Nord: "Der Reha-Klinik droht aufgrund des Streiks der kurzfristige Entzug der Belegung durch die DRV und damit das Ende. Möglicherweise müssen wir schon am Mittwoch die Schließung bekanntgeben."

Ver.di: "Klinik ist gesund"


Die Gewerkschaft hält das für eine leere Drohung. Ursula Rummel vom ver.di-Bezirk Westküste sprach von einem unglaublichen Vorgang, die Klinik sei "gesund". "Die Stimmung liegt zwischen Empörung und Fassungslosigkeit angesichts dieser Kaltschnäuzigkeit." Lieber werde eine gesunde Klinik geschlossen als Tarifverhandlungen geführt. Die Situation sei mit der jüngsten Auseinandersetzung an den Damp-Kliniken vergleichbar, bei denen Mitarbeitern zunächst gekündigt worden war. "Wir warten nun darauf, wie Asklepios reagiert." Die Deutsche Rentenversicherung will sich im laufenden Verfahren nicht äußern.

Streikbrecher vom Festland


Asklepios versucht nun, sogenannte Streikbrecher aus Kliniken vom Festland auf die Insel zu holen. Ein entsprechender Rundbrief an die Mitarbeiter liegt der NDR 1 Welle Nord und dem Schleswig-Holstein Magazin vor. Beschäftigten, die während des Streiks auf Sylt aushelfen, wird eine Prämie von 200 Euro pro Tag sowie freie Kost und Logis auf Sylt und die Anreise auf die Insel angeboten. "Wir versuchen natürlich, Unterstützung von Kollegen anderer Asklepios Kliniken zu bekommen. Die Zahl dieser Helfer beläuft sich auf etwa fünf Prozent der Klinik-Belegschaft, also rund zwei Dutzend", sagt Asklepios-Sprecher Schmidt. Die Mitarbeiter vor Ort sprechen von etwa 35 Streikbrechern.

Kein Ergebnis im Tarifstreit in Sicht


Ver.di fordert eine Lohnerhöhung von 14,5 Prozent und den Abschluss eines Tarifvertrags. Asklepios-Sprecher Schmidt erklärte, das medizinische Personal habe bereits eine Lohnerhöhung erhalten: "Seit Juni zahlt die Klinik von sich aus dem Personal, das direkt in den medizinischen Behandlungsprozess eingebunden ist, 3,5 Prozent mehr Gehalt." Das nicht-medizinische Personal aus dem Service-Bereich habe keine derartige Lohnerhöhung bekommen, weil es bereits jetzt zwischen 13 und 30 Prozent über den Vergleichslöhnen auf der Insel liege. Das Reinigungspersonal verdiene pro Stunde zwischen 10 und 12 Euro, vereinzelt sogar bis zu 15 Euro.
http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/asklepios123.html (http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/asklepios123.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 30. Juli 2012, 11:32:09
Zitat
Schwerin und Leezen
Servicepersonal von Helios-Kliniken im Warnstreik

In den Helios Kliniken Schwerin und der Helios Reha-Klinik Leezen treten heute die Service-Mitarbeiter in einen ganztägigen Warnstreik.


([url]http://www.abendblatt.de/multimedia/archive/01229/streik_HA_Bilder___1229644c.jpg[/url])

Schwerin. Die Service-Mitarbeiter der Helios Kliniken Schwerin und der Helios Reha-Klinik Leezen treten heute in einen ganztägigen Warnstreik. Wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte, will sie für die rund 650 Mitarbeiter der Servicegesellschaft Helios Service Nord GmbH (HSN) einen Haustarifvertrag durchsetzen. Helios lehne die Aufnahme von Tarifgesprächen ab, teilte Verdi-Fachbereichssekretärin Diana Markiwitz mit. Die Beschäftigten fordern mit dem Warnstreik den Arbeitgeber auf, an den Verhandlungstisch zu kommen.

Die Beschäftigten der Service GmbH arbeiten laut Gewerkschaft unter anderem in der Küche, der Reinigung, dem Service auf Station, im Hol- und Bringedienst und im Lager. Ihre Einkommen sind weit von einem existenzsichernden Lohn entfernt. So erhalten sie in der Helios Klinik Schwerin einen Einstiegs-Stundenlohn von 6,39 Euro, später 6,90 oder 7,63 Euro.

Schwerin ist mit 500 Mitarbeitern der weitaus größte Standort der Servicegesellschaft. Neben Leezen bei Schwerin gibt es mehrere kleine Standorte in Schleswig-Holstein und Hamburg.
http://www.abendblatt.de/region/article2354398/Servicepersonal-von-Helios-Kliniken-im-Warnstreik.html (http://www.abendblatt.de/region/article2354398/Servicepersonal-von-Helios-Kliniken-im-Warnstreik.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 01. August 2012, 19:48:33
Zitat
Auslagerungen
Ulmer RKU-Klinik droht Streik

Wegen befürchteter Auslagerungen und Jobstreichungen an den Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm (RKU) wollen Betriebsrat, Gewerkschaft und Mitarbeiter am 1. August über weitere Proteste beraten.


Nach Ver.di-Angaben sind alle 77 Beschäftigten der Service-Bereiche wie Speisesaal und Haustechnik betroffen. Das wär mehr als jeder Zehnte der 750 RKU-Mitarbeiter. Befürchtet wird zudem der Einsatz von Leiharbeitern.

Auf Basis einer Wirtschaftlichkeitsprüfung beider Gesellschafter - dem Universitätsklinikum und dem privaten Klinikkonzern Sana – sprach die RKU-Leitung bisher von notwendigen Veränderungen. In einer Mitteilung heißt es: "Professionalität der Servicequalität und Kostenvergleiche geben Anlass zum Handeln."

Die Prüfung habe ergeben, "dass die Serviceleistungen durch externe Fachdienstleister effizienter und auch deutlich günstiger erbracht werden können", erklärte Geschäftsführer Uwe Gretscher ohne Details zu nennen. Die Einrichtung stehe in starkem Wettbewerb zu anderen Anbietern.

Seit Wochen protestieren viele der RKU-Mitarbeiter in ihren Mittagspausen wegen erwarteter Kündigungen, ein Streik sei nicht mehr auszuschließen. Am Mittwoch kommt die Belegschaft in einer außerordentlichen Versammlung des Betriebsrates zusammen.
http://www.welt.de/regionales/stuttgart/article108429150/Ulmer-RKU-Klinik-droht-Streik.html (http://www.welt.de/regionales/stuttgart/article108429150/Ulmer-RKU-Klinik-droht-Streik.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 16. August 2012, 19:33:22
Zitat
Schwerin und Leezen
Servicepersonal von Helios-Kliniken streikt erneut

Die Servicegesellschaft der Helios-Kliniken legt in Schwerin und Leezen für zwei Tage die Arbeit nieder. Dritter Warnstreik innerhalb von zwei Wochen.


([url]http://www.abendblatt.de/multimedia/archive/01229/streik_HA_Bilder___1229867c.jpg[/url])

Ein zweitägiger Warnstreik hat am Mittwoch bei der Helios-Servicegesellschaft der Kliniken Schwerin und Leezen begonnen. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi beteiligen sich 110 der gut 500 Mitarbeiter. Bereits am Dienstag habe eine Urabstimmung über einen unbefristeten Streik begonnen, sagte Verdi-Sprecherin Diana Markiwitz. Das Ergebnis soll am Freitag vorliegen. Sollten 75 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder in der Belegschaft für Streik stimmen, könne es schon kommende Woche zur unbefristeten Arbeitsniederlegung kommen.

Anlass für die Aktion ist Verdi zufolge, dass der Klinikkonzern Tarifverhandlungen für die Aufsplittung der Servicegesellschaft in fünf einzelne Gesellschaften abgelehnt hat. Die Aufsplittung ist für Anfang September vorgesehen. Die Mitarbeiter der Servicegesellschaft arbeiten in Küche, Reinigung, Lager sowie Hol- und Bringedienst. Der Einstiegslohn liegt Verdi zufolge aktuell bei 6,39 Euro.

Der Warnstreik ist bereits der dritte innerhalb von zweieinhalb Wochen. Am Dienstag vergangener Woche hatten sich rund 200 Servicemitarbeiter am Warnstreik beteiligt.
http://www.abendblatt.de/region/article2370787/Servicepersonal-von-Helios-Kliniken-streikt-erneut.html (http://www.abendblatt.de/region/article2370787/Servicepersonal-von-Helios-Kliniken-streikt-erneut.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 21. August 2012, 19:51:33
Zitat
22.08.2012 / Inland /
»Der Ton wird rauher«
Viele private Klinikbetreiber setzen auf Konfrontation mit ihren Belegschaften, um Lohnerhöhungen zu vermeiden. Streiks und Repression bei Helios und Asklepios
Von Daniel Behruzi

Die Arbeitskonflikte bei privaten Klinikbetreibern häufen sich. Bei der Helios Service Nord GmbH (HSN) begann am Dienstag ein unbefristeter Streik. Damit wollen die Gewerkschaften ver.di und IG BAU den Helios-Konzern zwingen, Tarifverhandlungen für seine norddeutsche Servicetochter aufzunehmen. Bislang sind die Einkommen und Arbeitsbedingungen bei HSN tariflich nicht geregelt. Gleiches gilt für die zum Asklepios-Konzern gehörende Nordseeklinik Sylt. In beiden Fällen beklagt ver.di ein extrem konfrontatives und teilweise illegales Vorgehen der Geschäftsleitungen.

An der Sylter Nordseeklinik war Dienstag bereits der 21. Streiktag. Seit dem 4. Juli legen die Beschäftigten verschiedener Bereiche immer wieder tageweise die Arbeit nieder, um das Unternehmen zur Aufnahme von Tarifverhandlungen zu zwingen. Aktuell liegen die Löhne und Gehälter auf der Insel nach Gewerkschaftsangaben rund 14,5 Prozent unter dem Niveau des Flächentarifs für den öffentlichen Dienst. An den Arbeitsniederlegungen haben sich laut ver.di insgesamt rund 130 Beschäftigte beteiligt – über ein Drittel des nichtärztlichen Personals. Die Asklepios-Manager stellen dennoch auf stur. »Der Arbeitgeber versucht, den Streik auszusitzen«, berichtete ver.di-Sekretärin Ursula Rummel am Dienstag gegenüber junge Welt. Ganz untätig ist die Asklepios-Spitze allerdings nicht. Im Gegenteil läßt sie nichts unversucht, den Streik zu brechen. So erhielten die streikenden Mitarbeiter der Bäderabteilung zu Wochenbeginn ein Schreiben, in dem das Unternehmen erklärte, ihre Arbeitskraft werde bis Ende August nicht mehr zu benötigt. Soll heißen: Die Betroffenen werden ausgesperrt.

»Damit hat das Vorgehen gegen den Streik eine neue Qualität erreicht«, meinte Rummel. Schon vorher hatte der Konzern gezielt zum Streikbruch mobilisiert. Bundesweit wurden Mitarbeiter in Asklepios-Standorten mit freier Kost und Logis sowie Prämien nach Sylt gelockt, um ihre streikenden Kollegen zu ersetzen. Allein in der Bäderabteilung sind laut ver.di zwölf Streikbrecher im Einsatz, die neben kostenloser Verpflegung, Unterkunft und Fahrtkosten eine Prämie von 200 Euro pro Arbeitstag erhielten. Insgesamt arbeiten laut ver.di etwa 25 bis 30 betriebsfremde Personen in der Nordseeklinik.

»Die Einschüchterungsversuche schlagen fehl«, ist Rummel überzeugt. »Jede dieser Aktionen motiviert die Streikenden noch mehr.« Die Gewerkschafterin kündigte die Prüfung juristischer Schritte gegen die nun ausgesprochenen Aussperrungen an. Ellen Paschke, im ver.di-Bundesvorstand für Gesundheitsberufe zuständig, reagierte empört auf den jüngsten Eskalationsschritt der Asklepios-Spitze. »Die fortgesetzten Rechtsverstöße lassen die Zweifel wachsen, ob der Asklepios-Konzern geeignet ist, überhaupt Kliniken und Reha-Einrichtungen zu betreiben«, erklärte sie am Montag in Berlin.

Eine ähnliche Härte zeigt der Asklepios-Konkurrent Helios bei seinem ebenfalls in Norddeutschland tätigen Tochterunternehmen HSN. Unmittelbar nach einem ersten Warnstreik teilte das Management der Belegschaft Anfang August mit, die HSN kurzfristig in fünf separate Gesellschaften aufzuspalten. Nach Überzeugung der Betriebsräte soll der Arbeitskampf auf diese Weise unterlaufen werden.

Als Reaktion rufen ver.di und IG BAU die HSN-Mitarbeiter in Schwerin und Leezen seit Dienstag zu unbefristeten Arbeitsniederlegungen auf. Zum Auftakt haben sich daran nach Gewerkschaftsangaben rund 110 Beschäftigte beteiligt. »Der Streik hat in allen Bereichen Auswirkungen«, zeigte sich ver.di-Sekretärin Diana Markiwitz auf jW-Nachfrage überzeugt. Küchenbeschäftigte, Mitarbeiter des Hol- und Bringedienstes, Putzfrauen und Stationsassistenten – aus allen Abteilungen haben sich ihr zufolge Kollegen dem Ausstand angeschlossen, um die Geschäftsleitung an den Verhandlungstisch zu zwingen. Ziel der Gewerkschaft ist es u.a., einen Entgelttarifvertrag mit einem Einstiegslohn von mindestens zehn Euro pro Stunde durchzusetzen. Zur Zeit liegen die untersten Stundenlöhne bei 6,39 bzw. 6,90 Euro.

Bis Ende des Monats sollen die Arbeitsniederlegungen weitergehen. Was dann passiert, ist unklar. Denn bereits zum 1. September sollen die insgesamt rund 650 Beschäftigten auf fünf formal eigenständige Unternehmen aufgeteilt werden. »Wir werden nach intensiver Rücksprache mit den Kolleginnen und Kollegen entscheiden, wie wir weiter vorgehen«, kündigte Markiwitz an. Rein rechtlich könnte die Gewerkschaft den Streik nach Auflösung der HSN nicht einfach fortsetzen. Zunächst müßte ver.di die fünf Firmen deshalb wohl jeweils zur Aufnahme von Tarifverhandlungen auffordern. Jetzt sollen aber erst einmal die letzten beiden Augustwochen genutzt werden, um den Druck zu erhöhen. »Die Streikenden sagen einhellig: Wir haben nichts mehr zu verlieren«, so Markiwitz.

Jan Jurczyk, Sprecher des ver.di-Bundesvorstands, beobachtet die Entwicklungen in den Privatkliniken mit Sorge. Offenbar orientierten sich die Manager verschiedener Häuser bei ihrem kompromißlosen Vorgehen aneinander. »Der Ton und die Umgangsformen sind bei einigen privaten Klinikbetreibern deutlich rauer geworden«, erklärte er im jW-Gespräch. »Immer häufiger brechen die Geschäftsleitungen Konflikte mit ihren Beschäftigten vom Zaun, zu Lasten der Arbeits- und Einkommensbedingungen.« Die Betroffenen und ver.di würden dem weiterhin entschlossen entgegentreten.


http://www.jungewelt.de/2012/08-22/039.php (http://www.jungewelt.de/2012/08-22/039.php)

bemerkenswert, was sich Asklepios die Streikbrechertätigkeit kosten lässt.


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: dagobert am 04. September 2012, 22:54:21
bemerkenswert, was sich Asklepios die Streikbrechertätigkeit kosten lässt.

Wenn es gelingt die Belegschaften zu spalten, dann lohnt sich das langfristig.  kotz


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 16. September 2012, 18:04:48
Interview zum Jahrestag des Streiks

Steven Neubach arbeitet im Krankentransport am Standort Mitte bei der Charité Facility Management GmbH (CFM), Tochterfirma der Charité. Am 12. September 2011 trat er gemeinsam mit vielen seiner Kolleginnen und Kollegen in den Streik – die darauffolgenden Verhandlungen dauern bis heute an. Wir haben ein Interview mit ihm über die aktuelle Situation und die Lehren des Streiks geführt. Ein Interview von Stefan Schneider mit Steven Neubach auf Indymedia vom 12.09.2012: http://de.indymedia.org/2012/09/334794.shtml (http://de.indymedia.org/2012/09/334794.shtml)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 20. September 2012, 21:43:14
Zitat
Das „Schwarzbuch CFM-Streik“ – eine kritische Bilanz von 13 Wochen Streik in einem prekarisierten Betrieb

online lesbar unter http://www.klassegegenklasse.org/broschure-streik-gegen-prekarisierung/ (http://www.klassegegenklasse.org/broschure-streik-gegen-prekarisierung/)

Zitat
Mehr Personal soll her
Charité Berlin: Ver.di fordert Tarifvertrag über Mindestbesetzung in der Krankenpflege. Regelung hätte Pilotcharakter für Bundesrepublik

ganzer artikel unter https://linksunten.indymedia.org/de/node/67392 (https://linksunten.indymedia.org/de/node/67392)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 24. Oktober 2012, 17:46:10
Südafrika

Zitat
Kamwi stemmt sich gegen Streik
Krankenpfleger fühlen sich von Regierung und von Gewerkschaften verlassen

Das Gesundheitspersonal der Staatskrankenhäuser von Windhoek lässt sich nicht länger beschwichtigen und vertrösten und droht mit Streik. Vertreter werden vorerst direkt an Premierminister Nahas Angula herantreten, der für den Staatsdienst zuständig ist.


Windhoek – „Seid Ihr böse auf mich?“ wollte Gesundheitsminister Dr. Richard Kamwi gestern im brechend vollen Saal der Krankenpfleger von Katutura wissen. „Ja!“ brüllte die gesamte Belegschaft ihn an...
http://www.az.com.na/politik/kamwi-stemmt-sich-gegen-streik.157668.php (http://www.az.com.na/politik/kamwi-stemmt-sich-gegen-streik.157668.php)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 06. November 2012, 16:20:23
Milano/Italien: 10.000 demonstrieren gegen Entlassungen im Krankenhaus San Raffaele: http://www.usi-ait.org/index.php/component/content/article/55-ospedale-san-raffaele-milano/439-continua-la-lotta-al-san-raffaele (http://www.usi-ait.org/index.php/component/content/article/55-ospedale-san-raffaele-milano/439-continua-la-lotta-al-san-raffaele)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 09. Dezember 2012, 15:15:09
Krankenhausstreiks in Madrid werden fortgesetzt

Die Privatisierung von Krankenhäusern ist einer der genialen Geschäftspläne auch der spanischen Regierung und die Verwaltung von Großmadrid sozusagen das Flagschiff dieser Idee Es gab schon mehrere große Proteste und Streiktage, jetzt haben alle beteiligten Gewerkschaften für den 19. und 20. Dezember zu zwei weiteren Streiktagen aufgerufen. SATSE, CC.OO, AMYTS, CSIT-UP, UGT und USAE, sowie die CSI-F gehen unter anderem davon aus, dass die geplanten Maßnahmen etwa 8.000 Arbeitsplätze kosten könnten: Vor allem in der Kritik steht die - auch anderswo berüchtigte und bekannte - Maßnahme, den gesamten Sanitär- und Hygienebereich auszulagern (auf dass die Krankenhaustode noch mehr zunehmen...) schreibt die Redaktion von kaosenlared in dem Beitrag "Los sindicatos convocan dos jornadas más de huelga sanitaria en Madrid" http://www.kaosenlared.net/component/k2/item/39695-los-sindicatos-convocan-dos-jornadas-m%C3%A1s-de-huelga-sanitaria-en-madrid.html (http://www.kaosenlared.net/component/k2/item/39695-los-sindicatos-convocan-dos-jornadas-m%C3%A1s-de-huelga-sanitaria-en-madrid.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 10. Dezember 2012, 11:42:55
Zitat
Protest-Kampagne
Kliniken hängen am Tropf


Die Belegschaften von 13 Krankenhäusern in Schleswig-Holstein gehen auf die Straße: Am Donnerstag beginnen sie in Kiel ihre Protest-Kampagne „Über (das) Leben im Krankenhaus“. Das Ziel: mehr Geld für die Krankenhäuser, damit diese mehr Pflegepersonal einstellen können. Auch ein Streik scheint nicht ausgeschlossen.
http://www.kn-online.de/Schleswig-Holstein/Wirtschaft/Kliniken-haengen-am-Tropf (http://www.kn-online.de/Schleswig-Holstein/Wirtschaft/Kliniken-haengen-am-Tropf)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 19. Dezember 2012, 20:00:34
Zitat
Streik der Krankenschwestern in Israel: Gefahr für die Gesundheit?

Tausende von Kleinkindern und Babies können laut der Israelischen Gesellschaft für Pädiatrie nicht gegen Pocken, Hepatitis und Masern geimpft werden. Nach siebzehn Streiktagen befürchten Gesundheitsexperten, dass bei einer längeren Streikdauer Tausende von Operationen aufgeschoben werden müssen.

Seit der Streik der 28.000 Krankenschwestern in Krankenhäusern und Gesundheitszentren begann, wurden keine Impfungen mehr an Erwachsenen und Kindern durchgeführt. Wohlhabendere behelfen sich mittlerweile auf eigene Kosten.

Das zentrale Arbeitsgericht Israels hat keine beschränkenden Verfügungen erlassen, nachdem das Finanzministerium seine ursprüngliche Klage zurückgezogen hatte. Vor Gericht hatten die Krankenschwester erfolgreich mit dem Argument argumentiert, dass das Ministerium nicht ernsthaft verhandeln wolle.
http://www.shortnews.de/id/1000465/streik-der-krankenschwestern-in-israel-gefahr-fur-die-gesundheit (http://www.shortnews.de/id/1000465/streik-der-krankenschwestern-in-israel-gefahr-fur-die-gesundheit)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 22. Dezember 2012, 13:39:01
Zitat
Streik im Neuenburger Spital "La Providence" / Staatlich gedecktes Lohndumping verhindern

Bern (ots) - Was in der ganzen Schweizer Wirtschaft selbstverständlich ist, soll in Neuenburg ausser Kraft gesetzt werden? Im Neuenburger Gesundheitswesen besteht ein kantonaler Gesamtarbeitsvertrag unter dem Namen "Santé 21", der für alle Spitäler, für die meisten Alters- und Pflegeheime, ja selbst für die Neuenburger Spitex gilt. Gemäss geltendem Recht muss ein Spital, das vom Kanton Subventionen und auf die kantonale Spitalliste will, diesen Branchen-GAV einhalten. In allen anderen Branchen ist das ebenso: Wenn der Staat mit Steuergeldern Güter, Bauaufträge oder andere Leistungen einkauft, so darf er damit nicht Lohndumping betreiben. Er muss vom Lieferanten verlangen, dass die orts- und branchenüblichen Anstellungsbedingungen eingehalten werden. Die Privatspitalgruppe Genolier Swiss Medical Network GSMN will in Neuenburg das Spital "La Providence" aufkaufen. Auf Befehl von Genolier hat das Spital den Branchen-Gesamtarbeitsvertrag aufgekündigt und will die Löhne und Anstellungsbedingungen verschlechtern. Wer sich wehrt, dem wird mit Entlassung gedroht. Gleichzeitig verlangt das Spital vom Kanton zusätzliche Subventionen. Bisher lässt der Neuenburger Regierungsrat das Spital gewähren, will es weiter auf der Spitalliste führen und stellt sogar zusätzliche Subventionen in Aussicht, obwohl der GAV nicht mehr eingehalten wird. Bleibt der Regierungsrat bei seiner Haltung, gefährdet dies die Gesundheitsversorgung. Zur Bewältigung des anhaltenden Personalmangels und der sich aus demografischen Gründen verschärft, müssen in der Schweiz jährlich 10'000 Arbeitskräfte rekrutiert werden. Das kann nur gelingen, wenn dem Personal gute und sichere Arbeitsbedingungen geboten werden. Machen aber die Neuenburger Verhältnisse Schule, würde sich der Personalmangel verschärfen und die Gesundheitsversorgung für die ganze Bevölkerung verschlechtern. Die Angestellten des Spitals wehren sich seit Ende November mit einem Streik. Das kantonale Parlament hat am 5. Dezember eine dringliche Motion beschlossen, welche den Regierungsrat auffordert, das geltende Recht umzusetzen und die Einhaltung des GAV zu verlangen. Morgen Mittwoch tagt der Regierungsrat zu diesem Thema. Heute Dienstagabend, 17.30 Uhr, protestieren die Streikenden mit Unterstützung der Gewerkschaften gegen das drohende Lohndumping. Die Gewerkschaftsdachverbände SGB und Travail.Suisse bekräftigen ihre Solidarität und Unterstützung für die Streikenden von "La Providence". Der Kampf der Streikenden ist exemplarisch, die bisherige Haltung des Regierungsrates inakzeptabel. Das staatlich gedeckte und subventionierte Lohndumping und ein sich zuspitzender Personalmangel dürfen nicht zugelassen werden. Die Dachverbände appellieren an den Neuenburger Regierungsrat, das geltende Recht umzusetzen: Wer auf die Spitalliste will und zusätzliche Subventionen erhalten soll, muss den Branchen-GAV einhalten. Alles andere setzt den sozialen Frieden aufs Spiel.

Weitere Unterlagen: [url]http://www.sgb.ch/themen/arbeit/loehne-und-vertragspolitik/artikel/details/streik-im-neuenburger-spital-la-providen[/url] ([url]http://www.sgb.ch/themen/arbeit/loehne-und-vertragspolitik/artikel/details/streik-im-neuenburger-spital-la-providen[/url]) ce/

Originaltext: Schweizerischer Gewerkschaftsbund SGB Digitale Medienmappe: [url]http://www.presseportal.ch/de/pm/100003695[/url] ([url]http://www.presseportal.ch/de/pm/100003695[/url]) Medienmappe via RSS : [url]http://www.presseportal.ch/de/rss/pm_100003695.rss2[/url] ([url]http://www.presseportal.ch/de/rss/pm_100003695.rss2[/url])
http://de.finance.yahoo.com/nachrichten/streik-im-neuenburger-spital-la-providence-staatlich-gedecktes-000000784.html (http://de.finance.yahoo.com/nachrichten/streik-im-neuenburger-spital-la-providence-staatlich-gedecktes-000000784.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 23. Dezember 2012, 14:25:44
Kenia
Krankenschwestern streiken in der dritten Woche


Es waren die nahezu schon üblichen Reaktionen: Der Minister drohte allen streikenden Krankenschwestern in öffentlichen Krankenhäusern mit Entlassung, die Medien sekundierten mit in diesem Zusammenhang üblichen Horrorstories: Es hat nichts genutzt, der Streik geht weiter – unter anderem um die Einstellung neuer Krankenschwestern, denn von den rund 50.000 werden in den nächsten zwei Jahren etwa 25% in Rente gehen, aber auch um bessere Ausstattung der Krankenhäuser, um faire Entlohnung und Gewerkschaftsrechte. Beide beteiligte Gewerkschaften zeigten sich einig, sowohl die Kenya National Union of Nurses als auch die Kenya Progressive Nurses Union  wollen weiter streiken, berichtet in http://www.citizennews.co.ke/news/2012/local/item/6528-nurses%E2%80%99-strike-continue-amid-ministry%E2%80%99s-threats (http://www.citizennews.co.ke/news/2012/local/item/6528-nurses%E2%80%99-strike-continue-amid-ministry%E2%80%99s-threats)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 16. Januar 2013, 17:09:11
Streik im Neuenburger Spital La Providence (Schweiz):

http://www.ungesundleben.org/privatisierung/index.php/Internationale_Nachrichten_2013 (http://www.ungesundleben.org/privatisierung/index.php/Internationale_Nachrichten_2013)

Petition zur Unterstützung: http://www.solidarite-laprovidence.ch/?page_id=2 (http://www.solidarite-laprovidence.ch/?page_id=2)

Arbeitskämpfe in italienischen Krankenhäusern: http://www.fau.org/artikel/art_130112-084038 (http://www.fau.org/artikel/art_130112-084038)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 13. Februar 2013, 18:04:54
Streik in Paracelsus-Klinik: Zwei Stationen geschlossen
Die Fahrt zur Paracelsus-Zentrale nach Osnabrück hat nichts als vage Antworten gebracht


(http://www.freiepresse.de/DYNIMG/31/41/4203141_W700.jpg)
Während ein Teil der streikenden Klinikmitarbeiter in die Konzern-Zentrale nach Osnabrück gefahren ist, um ihre Forderungen dem Aufsichtsrat vorzutragen, haben die anderen den Streik vor der Reichenbacher Paracelsus-Klinik fortgeführt. Zwei Stationen wurden bereits geschlossen.

Reichenbach. Seit sechs Werktagen wehren sich die Klinikmitarbeiter in einem Arbeitsstreik dagegen, dass sie zwischen 13 und 23 Prozent weniger Lohn als ihre Kollegen in der Zwickauer Paracelsus-Klinik bekommen. Jetzt wurde sowohl die Kurzliegerstation als auch die urologische Station geschlossen, teilte Jan Halsema von der Streikleitung mit. Die Patientenversorgung ist abgesichert und auch Notfälle werden behandelt", sagt er. Allerdings werden seit Beginn des Streiks keine Patienten mehr aufgenommen und keine Operationen durchgeführt. Deshalb seien die beiden Stationen auch leer. Jeden Tag werde neu entschieden, wie die einzelnen Stationen personell besetzt werden. "Die Mitarbeiter würden gern wieder ihre Arbeit machen, doch sie sind hoch motiviert, weiter zu streiken bis es ein vernünftiges Angebot von Arbeitgeberseite gibt", sagt der Krankenpfleger, der die Streikleitung mit zwei Kollegen übernommen hat.

Das kann dauern: Am Dienstag sind 22 Streikende in die Konzern-Zentrale nach Osnabrück gefahren, um dem Aufsichtsrat ihre Forderungen dazulegen. "Es soll uns ein verbessertes Angebot gemacht werden, aber ein Zeitpunkt wurde nicht genannt", sagt Gewerkschaftsvertreterin Simone Bovensiepen. "Deshalb werden wir solange streiken, bis ein Angebot vorliegt", bekräftigte sie.

Im Krankenhaus ist die Situation mittlerweile so verschärft, dass die Ärzte persönlich Pflegearbeiten wie Blut abnehmen, Verbände wechseln und Betten schieben übernehmen müssen. "Zum Glück stehen die Ärzte hinter uns. Das ist eine große Entlastung für die Mitarbeiter", sagt Halsema. Dennoch plagt ihn und die anderen Streikenden das schlechte Gewissen - sowohl den Kollegen auf Station als auch den Patienten gegenüber. "Ohne die Kollegen, die jetzt arbeiten, könnten wir den Streik nicht durchführen", sagt er und hofft, dass am Mittwoch ein Angebot gemacht wird. Wann der neue Vorschlag aus der Paracelsus-Zentrale kommt, sei noch unklar, "doch wir reden nicht von Wochen, sondern von wenigen Tagen", teilte eine Sprecherin des Konzerns mit.

Zuletzt hatte der Arbeitgeber den Beschäftigten angeboten, sie ab Juli in einen Tarifvertrag überzuleiten und den Lohn stufenweise bis 2015 an die Vergütungen der Zwickauer Kollegen anzupassen. Derzeit verdienen die Reichenbacher monatlich zwischen 320 und 530 Euro weniger. Deshalb wollen die Beschäftigten die sofortige Angleichung.
 
erschienen am 12.02.2013 ( Von Cornelia Hennersdorf )

http://www.freiepresse.de/LOKALES/VOGTLAND/Streik-in-Paracelsus-Klinik-Zwei-Stationen-geschlossen-artikel8263182.php (http://www.freiepresse.de/LOKALES/VOGTLAND/Streik-in-Paracelsus-Klinik-Zwei-Stationen-geschlossen-artikel8263182.php)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 13. Februar 2013, 20:36:41
Zitat
Hannover
Bult: Streik im Kindernkrankenhaus

Beim ersten Warnstreik in der Geschichte des Kinderkrankenhauses auf der Bult gab es eine hohe Beteiligung. Rund 250 Krankenschwestern haben für "Gleichen Lohn für gleiche Arbeit" demonstriert.


([url]http://www.neuepresse.de/var/storage/images/np/hannover/meine-stadt/bult-streik-im-kindernkrankenhaus/33113285-1-ger-DE/Bult-Streik-im-Kindernkrankenhaus_ArtikelQuer.jpg[/url])

Hannover. Verdi fordert eine höhere Einmalzahlung als 150 Euro für 2012. Ab 2013 soll der Lohn für das nicht-ärztliche Personal zwar um 3,4 Prozent steigen, anders als der Arbeitgeber wünscht sich Verdi aber nur eine Laufzeit des neuen Haustarifvertrages bis Mitte 2014. Der Arbeitgeber hält Januar 2015 für angemessen.

Am meisten erzürne die Mitarbeiter, so Verdi-Sekretärin Brigitte Horn, dass der Arbeitgeber „nach Gutsherrenart“ eine ihm genehme Tarifsteigerung angewiesen habe, ohne dass am Verhandlungstisch eine Einigung erzielt worden sei. „Dadurch wird der normale Weg von Tarifverhandlungen einseitig durch den Arbeitgeber verlassen“, so Horn. Thomas Beushausen, Chef des Kinderkrankenhauses, stellt das anders dar: „Verdi ist die Antwort auf unser Angebot schuldig geblieben. Warum sollen die Mitarbeiter deshalb noch länger auf die Lohnerhöhung warten.“ Der Kranken- hauschef sieht den Tarifkonflikt in der unzureichenden Refinanzierung der Kosten seitens der Kassen begründet. „Im Grunde liegt das Problem in Berlin beim Gesetzgeber“, sagt Beushausen.
http://www.neuepresse.de/Hannover/Meine-Stadt/Bult-Streik-im-Kindernkrankenhaus (http://www.neuepresse.de/Hannover/Meine-Stadt/Bult-Streik-im-Kindernkrankenhaus)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 28. Februar 2013, 18:13:38
Zitat
Nach Erhebungen der Gewerkschaft ver.di fehlen in deutschen Krankenhäusern bundesweit insgesamt 162.000 Vollzeitstellen, um eine gute Versorgung der Patienten und gute Arbeitsbedingungen der Beschäftigten sicherzustellen. Das hat die Hochrechnung einer Stichprobe unter insgesamt bundesweit 200 Krankenhäusern ergeben, die ver.di am 19. Februar 2013 erhoben hat.
[...]
Es handelte sich um eine Befragungsaktion bei der wir unter den Beschäftigten ermittelten, wie viel Personal nach ihrem professionellen Selbstverständnis und ihrer Alltagserfahrung in den Krankenhäusern zusätzlich benötigt wird, um unter dem Ziel „Wir wollen gute Arbeit machen“ Patient/innen gut versorgen zu können (patientennahe Bereiche) bzw. die eigenen Aufgaben im Krankenhaus gut erledigen zu können (alle anderen Bereiche).

http://www.der-druck-muss-raus.de/news/politik/deutschen-krankenhaeusern-fehlen-162000-stellen (http://www.der-druck-muss-raus.de/news/politik/deutschen-krankenhaeusern-fehlen-162000-stellen)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 09. März 2013, 04:37:06
Zitat
NEWSLETTER März 2013 – von KollegInnen für KollegInnen
UNS REICHT'S SCHON LANG!
Wir haben es satt, dass....
– wir ständig in Unterbesetzung arbeiten
– wir - auch in Unterbesetzung - laufend Betten einschieben müssen, mehr PatientInnen
versorgen müssen als die Bettenkapazität eigentlich zulässt
– wir Krankheitsausfälle immer aus eigener Kraft kompensieren sollen
– die Zeit für die PatientInnen immer knapper wird und wir wie am Fließband schuften
– wir jeden Monat im Dienstplan mit mehr Stunden eingeplant werden, als wir tatsächlich laut
Arbeitsvertrag leisten müssen
– wir ständig in unserem Frei angerufen werden, ob wir einspringen können
– man uns dauernd sagt, dass man kein Personal findet und uns auf den Sankt Nimmerleinstag
vertröstet
– wir dann auch noch in der Zeitung lesen, wie toll und „wirtschaftlich erfolgreich“ unser
Krankenhaus doch wäre
– wir uns für Überlastungsanzeigen rechtfertigen sollen
– finanzielle Aspekte PatientInnen und Beschäftigten übergeordnet sind
– wir für die Profite der Rhön Klinikum AG langsam aber sicher körperlich und seelisch
kaputt gehen
All das sind genug Gründe, warum eine Kooperation von uns Beschäftigten nicht mehr
vorausgesetzt werden kann. Statt hier die Ereignisse der letzten 12 Monate durchzukauen, sollten
wir den Blick in die Zukunft richten. Denn so wie es ist kann es nicht bleiben.
Unsere Beschwerden – schriftlich wie mündlich – hatten keinerlei Maßnahmen zur Folge. Wir
lassen uns nicht länger vertrösten und hinhalten. Wir müssen selbst etwas tun!
Wir fordern alle KollegInnen auf:
Geht zu Teambesprechungen und stellt gemeinsam Forderungen auf
Schreibt Überlastungsanzeigen – sichert Euch ab und macht nur noch reine PatientInnenversorgung
Schreibt Überstunden auch wirklich auf – schenkt nichts mehr her – uns schenkt man auch nichts
Tauscht Euch unter den Stationen aus – seid solidarisch – wir sitzen alle im selben Boot
Geht zu Betriebsvollversammlungen und erzählt wie es wirklich ist
Lasst uns kreativ werden und aus der Reihe tanzen
Zusammen sind wir unausstehlich!
WIR WOLLEN STREIKEN
Unabhängige Betriebsgruppe Amper Kliniken Dachau
[url=http://www.betriebsgruppen.de/bgak]www.betriebsgruppen.de/bgak[/url] ([url]http://www.betriebsgruppen.de/bgak[/url])
Infos zu Privatisierung und Konflikten im Gesundheitswesen [url=http://www.ungesundleben.org/privatisierung]www.ungesundleben.org/privatisierung[/url] ([url]http://www.ungesundleben.org/privatisierung[/url])

http://betriebsgruppen.de/bgak/index.html (http://betriebsgruppen.de/bgak/index.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 13. März 2013, 18:58:24
Zitat
([url]http://cdn1.salzburg24.at/2013/03/052-600x400.jpg[/url])

Der Streik in den oberösterreichischen Ordensspitälern hat am Mittwoch zu keinem erhöhten Patientenaufkommen in den Landeskrankenhäusern geführt.

Das teilte der Spitalsträger des Landes, die gespag, am Nachmittag auf APA-Anfrage mit. Auch seien im Vorfeld keine Operationen oder andere Eingriffe von den Ordens- in die Landeshäuser verlegt worden. Zur Sicherheit habe man aber mehr Personal vorgehalten, so eine Sprecherin.

Im vom Streik betroffenen Krankenhaus der Elisabethinen in Linz habe es eingeschränkten Betrieb gegeben, berichtete der Ärztliche Leiter Stefan Meusburger. Unter anderem wurde nur in einem von sieben Sälen operiert, Ambulanztermine seien selektiv wahrgenommen worden. Er bekundete grundsätzliches Verständnis, dass die Mitarbeiter eine entsprechende Entlohnung wollen. Die Krankenhaus-Leitung sehe den Streik aber nicht als probates Mittel, diese Forderung durchzusetzen.

Gesundheitsreferent LH Josef Pühringer (V) kündigte am Mittwoch an, dass er mit den Vertretern der Orden in den nächsten Tagen nochmals die Situation ausloten werde, ehe man wieder Gespräche mit der Gewerkschaft aufnehme. Mittel- bis langfristig sei es nötig, die Mitarbeiter unabhängig von den Rechtsträgern oder Eigentümern der Krankenhäuser gleich zu entlohnen. Gemeinsam mit dem Sprecher der Ordensspitäler, Peter Ausweger, appellierte er an die Arbeitnehmervertretung, sich zu bewegen.

Die Gewerkschaft, die die rund 10.000 Beschäftigten der acht Ordensspitäler vertritt, verlangt nach einem “Abspeisen” unter der Inflationsrate im vierten Jahr in Folge eine Teuerungsabgeltung oder eine unbefristete Verkürzung der Wochenarbeitszeit von derzeit 40 auf 39 Stunden. Beim Angebot der Gegenseite, das nicht angenommen wurde, handle es sich um “ein sogenanntes Jahres-Achtundvierzigstel, also nur 50 Minuten Zeitguthaben bei 40 Stunden Arbeit, gleichzeitig eine Abwertung der Überstundenzuschläge und eine geringere Bezahlung der Rufbereitschaft”. Laut Berechnungen ergebe dieses Paket ein Reallohnminus, so Verhandlungsführerin Sonja Reitinger.
http://www.salzburg24.at/streik-sturm-auf-landeskrankenhaeuser-blieb-aus/3516641 (http://www.salzburg24.at/streik-sturm-auf-landeskrankenhaeuser-blieb-aus/3516641)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 10. April 2013, 12:24:09
Zitat
Beschäftigte des Uniklinikums Gießen-Marburg fordern mehr Geld. Mit einem Warnstreik verstärken sie den Druck - und bekommen dabei prominente Unterstützung.

Mehrere hundert Beschäftigte des privatisierten Uniklinikums Gießen-Marburg haben am Dienstag ihre Arbeit niedergelegt und für höhere Gehälter demonstriert. Die Gewerkschaft Verdi sprach von rund 1000 Mitarbeitern, die sich an beiden Standorten an dem ganztägigen Warnstreik beteiligten. Etwa 900 zogen laut Polizei am Mittag bei einem Protestmarsch durch Gießen. Mit dem ganztätigen Ausstand sollte der Druck in den laufenden Tarifverhandlungen erhöht werden.

Der Streik hatte spürbare Auswirkungen auf den Krankenhausbetrieb: Zahlreiche geplante Operationen mussten verschoben werden, wie Kliniksprecher Frank Steibli berichtete. Ein Notdienst wurde eingerichtet, um Patienten weiterhin versorgen zu können.

Verdi-Verhandlungsführer Georg Schulze-Ziehaus sprach von einer hohen Streikbereitschaft. Das sei ein deutliches Signal an die Klinikleitung. Bei der Kundgebung in Gießen sprach auch der Verdi-Bundesvorsitzende Frank Bsirske. Die Gewerkschaft fordert für die mehr als 6000 nicht-wissenschaftlichen Beschäftigten die Erhöhung der Gehälter um einen Sockelbetrag von 150 Euro und weitere vier Prozent.

Die Geschäftsführung argumentiert, vor dem Hintergrund der wirtschaftlich angespannten Situation seien die Forderungen nicht finanzierbar. Die Leitung hatte Zeitpunkt und Ausmaß des Warnstreiks kritisiert. „Wir gehen weiter davon aus, dass wir am Verhandlungstisch eine Lösung finden und setzen auf den 19. April“, sagte Steibli. An dem Tag steht die vierte Verhandlungsrunde an.

Bereits Mitte März hatte es den Warnstreik geben sollen. Der Ausstand wurde aber nach einer Massenkarambolage in Mittelhessen auf der Autobahn 45 mit 38 Verletzten abgesagt. Insgesamt hat das Uniklinikum nach eigenen Angaben rund 9700 Beschäftigte.

http://www.fr-online.de/rhein-main/uniklinikum-giessen-marburg-warnstreik-am-uniklinikum,1472796,22320280.html (http://www.fr-online.de/rhein-main/uniklinikum-giessen-marburg-warnstreik-am-uniklinikum,1472796,22320280.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 13. April 2013, 17:23:58
Zitat
Streik an Hohenloher Kliniken und Seniorenzentren

Von Barbara Griesinger

Hohenlohe - Seit heute Morgen um 5.30 Uhr streikt das nichtärztliche Personal an den beiden Klinikstandorten des Hohenloher Krankenhauses in Künzelsau und Öhringen. Außerdem hat das Pflegepersonal an den sieben kreiseigenen Altenheimen der Hohenloher Seniorenbetreuung GmbH die Arbeit niedergelegt. 

Der Streik dauert den ganzen Tag an. Streikposten bleiben bis zum Schichtwechsel um 14 Uhr vor Ort in Künzelsau und Öhringen. Geplante Operationen fallen aus. Gegen 8.30 Uhr ist vor dem Krankenhaus in Künzelsau eine kurze Kundgebung geplant.

Demo

Außerdem ist für Samstag, 13. April, eine Demonstration mit Kundgebung in Öhringen angekündigt, in der Verdi die Bevölkerung über die Hintergründe des Streiks aufklären will. Die Demonstranten sammeln sich am Samstagvormittag um 10.30 Uhr bei der Kultura und machen sich auf den Weg zum Öhringer Hafenmarkt. Dort erklären betroffene Mitarbeiter der Klinik und der Altenheime um 11 Uhr der Bevölkerung ihre Situation. Ziel der Kundgebung ist, bei der Bevölkerung um Unterstützung und Solidarität für die nichtärztlichen Mitarbeiter im Streik zu werben.

Noch einmal betont Marianne Kugler-Wendt, es sei ein "unglaublicher Vorgang", dass der neue Geschäftsführer der Hohenloher Krankenhaus GmbH, Dr. Andor Toth, den Verhandlungsstand, der mit seinem Vorgänger erreicht worden sei, nicht akzeptiere. Er wolle nicht nur grundsätzlich weg vom TVÖD, dessen Erhöhungen der Haustarif im Hohenloher Krankenhaus bislang mit Zeitversatz übernimmt. Er kündige zudem auf 30. September auch den Manteltarif auf.

Im Interview mit der Hohenloher Zeitung betonte Landrat Helmut M. Jahn zum Thema Übernahme des Klinikdefizits durch den Landkreis: "Die Zielsetzung ist klar: Das Krankenhaus muss auf eigenen Füßen stehen. Das heißt, es gibt die Vorgabe für den Geschäftsführer ein positives Klinikergebnis zu erwirtschaften. Von meinem Grundverständnis her kann es nicht sein, dass der Landkreis in die Bresche springt.
http://www.stimme.de/hohenlohe/nachrichten/Streik-an-Hohenloher-Kliniken-und-Seniorenzentren;art1919,2771084 (http://www.stimme.de/hohenlohe/nachrichten/Streik-an-Hohenloher-Kliniken-und-Seniorenzentren;art1919,2771084)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 18. April 2013, 11:01:28
Zitat
Athen: Proteste gegen Kürzungen

In Griechenland haben Ärzte und Krankenschwestern gestreikt. Sie klagen über Missstände im Gesundheitssytem für die sie die Kürzungen verantwortlich machen. Beamte schlossen sich der Demonstration an. Sie protestierten gegen die geplanten Entlassungen. Die Regierung will bis zu 15.000 Stellen streichen.
http://de.euronews.com/2013/04/17/athen-proteste-gegen-kuerzungen/ (http://de.euronews.com/2013/04/17/athen-proteste-gegen-kuerzungen/)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 24. April 2013, 10:04:38
Zitat
Kampf für neue Kollegen im Klinikum Saar

Über 200 Beschäftigte des Knappschaftsklinikums Saar in Püttlingen und Schüler der benachbarten Krankenpflegeschule demonstrierten am Dienstag vor der Klinik gegen den Personalnotstand. Die Arbeitsüberlastung sei unerträglich geworden und es müssten unbedingt neue Kollegen eingestellt werden. Die Aktion war Teil einer Aktionswoche der Gewerkschaft Verdi, um auf Missstände in den deutschen Krankenhäusern aufmerksam zu machen.
http://www.rf-news.de/2013/kw16/18.04.13-kampf-fuer-neue-kollegen-im-klinikum-saar (http://www.rf-news.de/2013/kw16/18.04.13-kampf-fuer-neue-kollegen-im-klinikum-saar)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 26. April 2013, 10:11:10
Zitat
Worker Center Initiative Freiburg (Arbeitstitel) lädt ein
29. April 20 Uhr | Treffen "Gesundheitssektor"

Die Uniklinik ist mit fast 10000 ArbeiterInnen der größte Arbeitgeber der Stadt. Der sog. Gesundheitssektor ist überhaupt einer der größten "Wirtschaftsbereiche" der Stadt. Hier finden sich alle möglichen Ausbeutungsverhältnisse - vom sog. Normalarbeitsverhältnis bis hin zu prekären Jobs. Ende letzten Jahres sind Pläne bekannt geworden, die mehr Neubauten und weniger Personal an der Uniklinik bedeuten würden – seit dem ist Einiges passiert. Ausgehend von einem Bericht zur Situation an der Uniklinik, wollen wir aber eine breitere Bestandsaufnahme des "Gesundheitssektors" versuchen: wer arbeitet wo unter welchen Bedingungen, welche sog. "Gesundheit" wird da produziert...

Wir laden alle ArbeiterInnen des "Gesundheitssektor" und Interessierte für den 29.4. um 20 Uhr ein: Strandcafe im Grethergelände (Adlerstrasse 12)

https://linksunten.indymedia.org/de/node/84186 (https://linksunten.indymedia.org/de/node/84186)
http://www.fau.org/ortsgruppen/freiburg/art_130420-212519 (http://www.fau.org/ortsgruppen/freiburg/art_130420-212519)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 16. Mai 2013, 13:42:12
Zitat
Protestaktion am Freiburger Uniklinikum

([url]http://www.rf-news.de/2013/kw20/protestaktion-am-freiburegr-uniklinikum/image[/url])

Freiburg (Korrespondenz), 15.05.13: Gegen die angekündigte Streichung von 10 Prozent der Pflegestellen am Freiburger Uniklinikum zogen am Dienstag über 100 Beschäftigte in Arbeitskleidung und mit bunten Transparenten vors Freiburger Rathaus. Folgende Meinungen wurden auf der Protestkundgebung geäußert.

Luisa, Reinigungskraft: "Wir können unsere Arbeit nicht richtig machen, weil wir nicht mehr mit dem Herzen dabei sind. Die Patienten brauchen jemanden, der ihnen zuhört, sie aufmuntert. Immer mehr von meinen Kollegen werden krank wegen der Arbeitsbelastung. Dagegen zu protestieren, macht Mut."

Eine Krankenschwester und Stationsleiterin: "Tagtäglich müssen wir wichtige Dinge wie das Umlagern von Patienten zurückstellen, weil wir sonst die vital gefährdeten Menschen nicht versorgen könnten. Ständig solche Prioritäten setzen zu müssen, geht an die Substanz. ..."

Zwei Kolleginnen einer Intensivstation: "Unsere Station hat 4.800 Überstunden aufgebaut. Wir Beschäftigte sollen die Neubauten finanzieren, damit die Klinik lukrativer wird. Krankenhäuser werden mittlerweile als Profitunternehmen gesehen. Dabei ist Gesundheit doch ein Bereich, wo es um den Menschen gehen soll. Wir müssen unbedingt weiter protestieren und auf die Straße gehen."

Auch an der Uniklinik in Freiburg bahnt sich ein Stimmungsumschwung an. Die Patientenversorgung wird immer miserabler, wenn mit weniger Beschäftigten auf den Stationen gearbeitet wird, die durch den zunehmenden Stress dann selber auch krank werden. Dieser Arbeitshetze wird zunehmend der Kampf angesagt.
http://www.rf-news.de/2013/kw20/protestaktion-am-freiburegr-uniklinikum (http://www.rf-news.de/2013/kw20/protestaktion-am-freiburegr-uniklinikum)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 05. Juni 2013, 17:34:52
Zitat
Streik bei Asklepios für höhere Löhne

100 Servicemitarbeiter fordern einen einheitlichen Haustarifvertrag. Doch die Unternehmensleitung lehnt weitere Verhandlungen ab
Von Hanna-Lotte Mikuteit

Sie haben Trillerpfeifen mitgebracht, Fahnen und ein großes Transparent. "Keine 2-Klassenbelegschaft bei Asklepios" steht darauf. "Wir kämpfen für faire Löhne auch im Servicebereich", sagt Holger Schoop und lässt einen ohrenbetäubenden Pfiff erklingen. Wenn sich Wut in Dezibel messen lassen würde, wäre die Obergrenze fast erreicht: Riesenwut. Gemeinsam mit etwa 100 anderen Servicemitarbeitern der Asklepios Kliniken steht Schoop vor dem Eingang des AK St. Georg an der Langen Reihe. Es sind Reinigungskräfte, Wachleute, Küchenhilfen, Lagerarbeiter aus allen Häusern. Schoop ist im Bereich Hol- und Bringservice in Rissen tätig. "Ich bekomme 9,01 Euro pro Stunde", sagt der 48-jährige Familienvater, "nach allen Abzügen habe ich 1170 Euro am Monatsende, für einen Vollzeitjob. Das ist zu wenig."

Bereits zum dritten Mal seit Mitte Mai hat Ver.di zu einem Warnstreik aufgerufen. Die Gewerkschaft fordert einen Haustarifvertrag für die Tochterfirma Asklepios Services Hamburg (ASH). Der Klinikkonzern, an dem die Stadt Hamburg mit 25,1 Prozent beteiligt ist, lehnt das ab. "Nach wie vor gibt es keine Bereitschaft, die 900 Beschäftigten angemessen zu entlohnen", kritisiert Björn Krings von Ver.di. Die Gewerkschaft will unter anderem Einstiegslöhne zwischen 9,50 Euro und 10,60 sowie eine Jahressonderzahlung von 900 Euro durchsetzen. In den bisherigen Verhandlungsrunden hatte die Unternehmensleitung einzig Lohnsteigerungen von 13 bis 14 Cent pro Stunde angeboten. Laut Krings herrscht in den einzelnen Kliniken inzwischen enorme Unruhe. "Es wären noch mehr ASH-Mitarbeiter auf der Straße, wenn nicht die Hälfte befristete Verträge hätte."

Nach der Privatisierung des Hamburger Landesbetriebes Krankenhäuser 2007 waren die Servicebereiche in Tochterfirmen des Asklepios-Konzerns ausgelagert worden. Die Folge: Der Tarifvertrag der Hamburger Krankenhäuser muss nicht angewendet werden. Im Reinigungsbereich etwa wird der hier gültige Mindeststundenlohn von neun Euro gezahlt, in der Logistik gibt es Pauschalentgelte von 1400 bis 1600 Euro im Monat. Zusätzliche Leistungen wie Zuschläge oder Urlaubsgeld fehlten in vielen Fällen. "Löhne, die bis zu 50 Prozent niedriger sind als der Krankenhaustarif, bleiben für uns inakzeptabel", sagt Gewerkschaftler Krings und verweist auf einen Konzerngewinn von 60 Millionen Euro für 2012.

Margerit Amori verdient 1100 Euro im Monat. Seit zwei Jahren arbeitet sie als Servicekraft im Klinikum Nord, ist etwa für Essenverteilung zuständig. Die Schichten gehen von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends - mit zwei Stunden Pause. "Harte Arbeit, wenig Geld", sagt die 48-Jährige, während sie mit den anderen Demonstranten über den Steindamm zieht. Viele Kollegen hätten Zweitjobs oder seien auf Hartz IV angewiesen. Auch Amori denkt darüber nach.

So geht es vielen. Küchenhelfer Harald Lünstedts Bruttostundenlohn liegt bei 8,38 Euro. Das geht aus Gehaltsabrechnungen hervor, die dem Abendblatt vorliegen. Das ist unterhalb des Landesmindestlohns, der in Hamburg von 10. Juni an in Kraft tritt. Pikant: Die Unternehmensführung hatte weitere tarifliche Reglungen bislang mit dem Hinweis zurückgewiesen, dass Asklepios bereits 2012 den Mindestlohn von 8,50 Euro auch in Bereichen mit geringeren Abschlüssen eingeführt habe. Der Konzern sagte eine Prüfung des Falls zu. Es gebe eine klare Vorgabe, dass alle Verträge auf 8,50 Euro umgestellt sein sollten.

"Mein Eindruck ist, dass in der ASH eine Hand nicht weiß, was die andere tut", sagt Krings. Gerade deshalb sei ein einheitlicher Tarifvertrag erforderlich. Für weitere Unruhe sorgen derzeit Pläne für eine Strukturveränderung im Servicebereich. Danach soll die ASH aufgelöst und stattdessen sollen vier neue Gesellschaften für die Gewerke Reinigung, Logistik, Küche und Wachdienst/Empfang gebildet werden. Folgen für die Beschäftigen ungewiss.

Vor diesem Hintergrund forderten Betriebsrat und Gewerkschaft die Politik erneut auf, sich für faire Löhne im Servicebereich des Klinikkonzerns einzusetzen. Vor knapp zwei Wochen hatten die Beschäftigten eine entsprechende Resolution an den Senat übergeben. "Wir nehmen das zur Kenntnis, werden es aber nicht kommentieren", hieß es auf Nachfrage in der zuständigen Gesundheitsbehörde. Ver.di kündigte unterdessen eine Ausweitung des Streiks an, sollte die Unternehmensleitung sich nicht bewegen. Krings: "Zum ersten Mal wird ein Solidaritätsstreik aus dem Bereich der Pflege vorbereitet."
http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article116823148/Streik-bei-Asklepios-fuer-hoehere-Loehne.html (http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article116823148/Streik-bei-Asklepios-fuer-hoehere-Loehne.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 18. Juni 2013, 18:50:13
Zitat
Trotz sommerlichen Wetters Proteste in Göttingen.

Heute protestierten ca. 30 interessierte Bürgerinnen und Bürger vor dem Fachklinikum Asklepios in Göttingen gegen die Verschlechterungen bei der PatientInnenversorgung und der Arbeitsbedingungen. Dafür versammelten sie sich schweigend vor dem Haupteingang und zeigten ihre mitgebrachten Schilder und Transparente mit Aufschriften wie: „ Bessere Bedingungen für alle“ und „Solidarität“. Danach drehten sie eine Runde über das Gelände und verteilten Flyer. „Wir haben uns bewusst für eine sehr ruhige Aktion entschieden, weil wir niemanden bei seiner Genesung stören wollen.“, sagte Oliver Winterbach, einer der Protestierenden. „Unser Ziel war es, zu zeigen, dass es Menschen in dieser Stadt nicht egal ist, wie die Versorgung von PatientInnen organisiert ist und dass wir solidarisch sind mit Menschen, die für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen.“ Immer wieder bezogen sich AktivistInnen auf den offen Brief der Assistenzärzte und -ärztinnen des Asklepios, in dem diese die Verschlechterungen in der Klinik seit der Privatisierung anprangerten.


Trotz des ruhigen Auftretens der Aktivisten rief ein Vertreter des Asklepios sofort die Polizei. Dazu Winterbach: „Das Asklepios muss lernen mit öffentlicher Kritik umzugehen, immerhin übernehmen sie eine gesellschaftliche Aufgabe und es ist notwendig, dass ihre rigide Sparpolitik von der Öffentlichkeit kritisch begleitet wird.“
https://linksunten.indymedia.org/de/node/89219


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 18. Juli 2013, 17:17:21
Zitat
„Mehr von uns ist besser für alle“
12. Juli 2013

Bündnis „Berlinerinnen und Berliner für mehr Personal im Krankenhaus“ gegründet

Mit circa einhundert Anwesenden sprengte die Beteiligung am Gründungstreffen des Bündnisses „Berlinerinnen und Berlin für mehr Personal im Krankenhaus“ alle Erwartungen. Der Versammlungsraum in der ver.di Bundeszentrale war brechend voll, als Dana Lützkendorf für die ver.di-Betriebsgruppe am Universitätsklinikum Charité die Anwesenden begrüßte und darlegte, dass es um die Schaffung eines Mitmach-Bündnisses geht.

Von Sascha Stanicic

Hintergrund der Bündnis-Gründung sind die Tarifverhandlungen an der Charité. Hier fordert die Gewerkschaft ver.di einen Tarifvertrag zur Mindestbesetzung. Die KollegInnen an Europas größter Universitätsklinik wollen nicht warten, bis es (möglicherweise) zu einer gesetzlich festgelegten Personalbemessung kommt und marschieren voran, um eine tarifliche Regelung zu erkämpfen. Damit wollen sie gleichzeitig Beispiel für andere Krankenhausbelegschaften sein und den politischen Kampf für eine gesetzliche Regelung stärken.

Die Beteiligung an der Veranstaltung war breit aufgestellt. Neben Beschäftigten der Charité und vom Charité Facility Management (CFM) waren, eine Reihe von ver.di-Mitgliedern aus verschiedenen Fachbereichen und Mitgliedern der Partei DIE LINKE, eine Vertreterin der jungen GEW Berlin und andere GewerkschafterInnen anwesend, Aktive aus dem Solidaritätskomitee für die CFM-Beschäftigten und vom Forum Betriebe, Gewerkschaften und soziale Bewegungen, eine Gruppe von Medizin-Studierenden, linke Gruppen, weitere Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen. Sogar Jusos, „Gewerkschaftsgrüne“ und Christliche Arbeitnehmerschaft hatten VertreterInnen geschickt.

Stephan Gummert, Personalrat und Gewerkschaftsvertreter an der Charité, nannte die Entwicklung für Beschäftigte eine „Brutalisierung der Arbeitsbedingungen“ und legte ausführlich und eindrucksvoll die inakzeptable Personalsituation in den Charité-Kliniken dar. 300 Vollzeitstellen fehlen dort, was für die Beschäftigten oftmals unerträgliche Arbeitsbelastungen bedeutet. Basierend auf internationalen Studien legte er dar, dass „Unterbesetzung tötet“, weil die Mortalitätsrate mit sinkendem Personalstand in Krankenhäusern steigt. Seine Schlussfolgerung: das Gesundheitssystem versagt!

Conny Koop von der ver.di Betriebsgruppe trug dann eine Reihe von konkreten Beispielen aus den verschiedenen Stationen und Funktionsbereichen für die Überlastung der KollegInnen vor, die unter den Anwesenden zu ungläubigem Kopfschütteln und großen Augen führten. Eine Kollegin einer Entbindungsstation fasste ihre Erfahrungen mit dem Begriff „gefährliche Pflege“ zusammen.

Ver.di fordert für das Pflegepersonal eine Quote von einer Pflegekraft auf fünf PatientInnen auf einer Normalstation, ein Verhältnis von 1:2 auf Intensivstationen und „keine Nacht allein“ für Pflegekräfte in der Nachtschicht. Die Leiterin des zuständigen Fachbereichs 3 von ver.di Berlin/Brandenburg, Meike Jäger, wies darauf hin, dass Krankenhausbeschäftigte bundesweit auf die Auseinandersetzung in Berlin schauen und diese einen Beispielcharakter hat.

Das Bündnis wird mit einem Massenflugblatt und Unterschriftenlisten in den nächsten Wochen auf die Straßen und Plätze ziehen, um die Forderungen der Charité-Beschäftigten bekannt zu machen und Unterstützung zu mobilisieren. Eine Webseite wird eingerichtet und Veranstaltungen sind geplant. In vier Arbeitsgruppen wurden Ideen gesammelt und Pläne geschmiedet. Das Thema soll in die anderen ver.di Fachbereiche, DGB-Gewerkschaften und Parteien getragen werden. Der Bundestagswahlkampf soll genutzt werden, um den Druck auf die politisch Verantwortlichen zu erhöhen. Eine Verknüpfung mit den Arbeitskämpfen im Einzelhandel und der Berliner LehrerInnen wurde ebenso angeregt, wie der Aufbau von Verbindungen zu Patientenvertretungen.

Die Versammlung war ein gelungener Auftakt für die Organisierung breiter gesellschaftlicher Unterstützung für die Tarifforderungen von ver.di an der Charité.

Kontakt zum Bündnis: charite.buendnis@gmail.com

[url=http://www.facebook.com/ver.di.charite.buendnis]www.facebook.com/ver.di.charite.buendnis[/url] ([url]http://www.facebook.com/ver.di.charite.buendnis[/url])


Quelle: http://www.sozialismus.info/2013/07/mehr-von-uns-ist-besser-fuer-alle/ (http://www.sozialismus.info/2013/07/mehr-von-uns-ist-besser-fuer-alle/)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 29. Juli 2013, 00:33:47

Betriebszeitungen/ -flugschriften:

einen überblick zu konflikten, aktivitäten und aktionen von beschäftigten im gesundheitssektor versucht die unabhängige betriebsgruppe amperkliniken dachau in der juli-ausgabe der flugschrift "antigen" zu geben:
http://www.betriebsgruppen.de/bgak/download/Antigen_Nr_6_Juli_2013.pdf (http://www.betriebsgruppen.de/bgak/download/Antigen_Nr_6_Juli_2013.pdf)

"Die rote Kanüle", Zeitung der unabhängigen betriebsgruppe "wir wehren uns" (gesundheit nord bremen): http://www.betriebsgruppen.de/wirwehrenuns/download/RoteKan_le2.pdf (http://www.betriebsgruppen.de/wirwehrenuns/download/RoteKan_le2.pdf)

bg "uns reicht`s" (ebendort): http://www.betriebsgruppen.de/bgunsreichts/download/unsreichts33_0513.pdf (http://www.betriebsgruppen.de/bgunsreichts/download/unsreichts33_0513.pdf)





Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 21. September 2013, 13:42:46
Zitat
Streik am Nordhäuser Klinikum: Gespräche

Landrätin Birgit Keller ist heute zu den streikenden Mitarbeitern des Südharz Klinikums gegangen. "Das Streikrecht ist ein wichtiges Grundrecht von Arbeitnehmern", sagte Birgit Keller. Sie sprach sich dafür aus, die Tarifverhandlungen fortzusetzen...


([url]http://www.nnz-online.de/_daten/cache/464_223839_0918_82828011.jpg[/url])
Keller vor dem Klinikum (Foto: J. Piper)

Eindeutig positionierte sich die Landrätin, die den Landkreis als Mehrheitsgesellschafter vertritt, gegen eine Privatisierung des Klinikums. "Lassen Sie uns gemeinsam für ein Südharz Klinikum in kommunaler Trägerschaft eintreten. In ganz Europa läuft ein erbarmungsloser Kampf um Krankenhäuser. Unser kommunales Klinikum ist ein hohes Gut für unsere Region und beispielgebend für Thüringen, Deutschland und Europa", so Landrätin Keller.

"Ich appelliere an Sie, die Mitarbeiter, die Gewerkschaft und die Geschäftsführung, sich nicht auf ein risikobehaftetes Spiel einzulassen, dass das Klinikum in seiner Gesamtheit gefährdet." Lohnsteigerungen müssen aus betriebswirtschaftlicher Perspektive auch finanzierbar sein, so Keller. Das machte die Landrätin bei den Streikenden und in einem anschließenden Treffen mit der Geschäftsführung deutlich. Mit der Geschäftsführung ist sich Landrätin Keller einig, das dargestellt werden muss, welches Entwicklungspotential die Leitung des Klinikums auch in längerfristiger Perspektive sieht.

"Im Unterschied zu privat geführten Krankenhäusern werden im kommunalen Südharz Klinikum alle Dienstleistungen aus einer Hand erbracht", sagt Birgit Keller. "Bei uns stehen nicht Gewinne für Aktionäre im Vordergrund. Unser Klinikum arbeitet eben nicht in Richtung Maximalprofit, sondern für eine Maximalversorgung der Bevölkerung."
http://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=134445 (http://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=134445)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 07. Oktober 2013, 00:09:10
Zitat
Aktivisten unterstützen Arbeitskämpfe

Immer häufiger unterstützen linke Aktivisten Arbeitskämpfe mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen und zivilem Ungehorsam

»Wenn die Pflegerinnen zur Toilette müssen, lassen sie die Tür offen, damit sie die Patienten im Auge behalten, weil alleine auf der Station sind.« Mit solch drastischen Worten schilderten Ulla  Hedemann und Carsten Becker von der verdi-Betriebsgruppe der Charite kürzlich auf einer Veranstaltung die Arbeitssituation in dem Berliner Klinikum.  Die Beschäftigten sprechen von griechischen Verhältnissen  und haben sich zum Widerstand entschlossen. Seit Monaten organisieren sie Kundgebungen und andere öffentlichkeitswirksame  Aktionen. Sie fordern einen Tarifvertrag, in dem die Mindestbesetzung neu geregelt ist. Das wäre  ein Beitrag für die Gesundheit der Krankenhausmitarbeiter  und der Patienten, betonen  Becker und Hedemann.         Sie hätten sich von ihrer Gewerkschaft mehr Engagement erhofft.  „Uns wird vom verdi-Bundesvorstand immer wieder zu verstehen gegeben, dass wir nicht die einzige Klinik mit Personalproblemen seien, erklärt Becker. „Wir sind aber eine der wenigen Kliniken, in denen sich die Belegschaft gegen die Arbeitsbedingungen wehrt“, kontern  der Gewerkschafter. Für diese Haltung kommt Anerkennung und Unterstützung von Teilen der Interventionistischen Linken. Das Bündnis der außerparlamentarischen Linken hat eine Arbeitsgruppe gegründet, die die Forderungen der Belegschaft mit Kundgebungen, Infoständen und Flashmobs unterstützt. „Unser Knowhow ist die Erfahrung mit zivilen Ungehorsam“, erklärt Anna,  eine Aktivistin der Unterstützungsgruppe,  die ihren vollständigen Namen nicht in der Zeitung lesen will.         Für sie sei es wichtig,  bei Belegschaftstreffen den Mitarbeitern zuzuhören. In Teilen der außerparlamentarischen Linken hätte es am Anfang  kritische Fragen gegeben, ob man sich damit nicht  der reformistischen verdi-Politik unterordne. Nach  den Kontakten  mit der Belegschaft ist sich Anne sicher, dass es sehr wohl radikal ist, wenn sich eine Pflegerin gegen ihre Arbeitsbedingungen wehrt und dafür sogar zum Streik bereit sei.      Noch allerdings laufen die Tarifverhandlungen und Belegschaft sowie Unterstützer sorgen mit ungewöhnlichen Aktionen für die Öffentlichkeit.
Anne sieht in dem  Widerstand an der Charite ein Beispiel, dass ansteckend wirken kann.     Schließlich sind schlechte Arbeitsbedingungen heute weit verbreitet. Daher wurde auf der Veranstaltung auch eine  Verbindung zur Situation im Einzelhandel gezogen. Auch dort wehren sich die Beschäftigten, wie im Pflegebereich hauptsächlich Frauen, gegen eine Ausweitung des  Niedriglohnsektors in der Branche. Auch die durch die  längeren  Ladenöffnungszeiten erfolgen längeren Arbeitszeiten sind für die Beschäftigten ein Ärgernis. Zur Unterstützung des Verkaufspersonals haben sich in den letzten Wochen Unterstützergruppen gebildet, die mit ungewöhnlichen Aktionen aufgefallen sind. So staunten Kunden nicht schlecht, als sie am 22.September  vor einer H &M-Filiale in Berlin-Mitte  am Eingang von Menschen begrüßt wurden, die mit ihnen über die Folgen des verkaufsoffenen Sonntags für die Beschäftigten reden wollten.
[url]https://www.neues-deutschland.de/artikel/834393.aktivisten-unterstuetzen-arbeitskaempfe.html[/url] ([url]https://www.neues-deutschland.de/artikel/834393.aktivisten-unterstuetzen-arbeitskaempfe.html[/url])
Peter Nowak

http://peter-nowak-journalist.de/2013/09/29/aktivisten-unterstutzen-arbeitskampfe/ (http://peter-nowak-journalist.de/2013/09/29/aktivisten-unterstutzen-arbeitskampfe/)

Zitat
Demonstration "Pflege braucht Zukunft"

Datum: 17.Oktober.2013

Beginn: 15:00

Ende: 18:00

Ort: Neustädter Bahnhof Dresden

 

 

    mehr Angebote zur Entlastung von Angehörigen

    ein Pflegezeitgesetz mit verbesserten Ansprüchen für Pflegende

    höhere Entgelte für ambulante Pflegeleistungen

    mehr Pflegepersonal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen

    weniger Bürokratie im Pflegealltag


Das Allgemeine Syndikat Dresden FAU IAA wird mit Freunden einen kleinen libertären Block auf der Demo bilden und eigene Flugblätter mitbringen.

https://www.libertaeres-netzwerk.org/gruppen/allgemeines-syndikat/termine/?tx_cal_controller (https://www.libertaeres-netzwerk.org/gruppen/allgemeines-syndikat/termine/?tx_cal_controller)[view]=event&tx_cal_controller[type]=tx_cal_phpicalendar&tx_cal_controller[uid]=317&tx_cal_controller[lastview]=view-list|page_id-220&tx_cal_controller[year]=2013&tx_cal_controller[month]=10&tx_cal_controller[day]=17&cHash=6c663c9cef465d565adaf12c74cb171c


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 15. Oktober 2013, 14:19:52
Zitat
Proteste gegen Klinikkollaps

Saarbrücken. Am Sonnabend haben rund 4000 Menschen in Saarbrücken für mehr Personal und eine ausreichende Finanzierung der Krankenhäuser demonstriert. Die Demonstration – zu der die Gewerkschaft ver.di, die Saarländische Krankenhausgesellschaft (SKG) und viele andere Organisationen aufgerufen hatten (siehe jW vom 10. Oktober) – war den Initiatoren zufolge »die größte Gesundheitsdemonstration, die das Saarland je gesehen hat«. Sylvia Bühler vom ver.di-Bundesvorstand sagte, die Krankenhausbeschäftigten seien an der Grenze ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit angekommen. »Die Arbeitsbelastung ist nicht mehr zumutbar. Die Krankenhäuser brauchen mehr Personal, um die Aufgaben in der geforderten Qualität zu leisten.«

Bewußt hatten ver.di und SKG die Demonstration noch vor Beginn der offiziellen Koalitionsverhandlungen in Berlin angesetzt, um die künftigen Regierungsparteien von Beginn an unter Druck zu setzen. Die Aktion sei »ein starkes Signal«, das von dem kleinen Bundesland im Südwesten an Berlin ausgehe, so Bühler. SKG-Chef Alfons Vogtel kritisierte im Landtag die Ankündigung der großen Koalition im Saarland, die Investitionszuschüsse für die Kliniken um weitere 3,7 Millionen Euro zu kürzen. Die Häuser könnten nicht mehr beim Personal sparen. Wenn es so weitergehe, stehe jede zweite Klinik vor dem Aus. (dab)
http://www.jungewelt.de/2013/10-15/008.php (http://www.jungewelt.de/2013/10-15/008.php)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 28. Oktober 2013, 22:49:57
Zitat
Aktive Mittagspause gegen Leiharbeit
Lübben. Die Beschäftigten der Asklepios-Fachklinik im brandenburgischen Lübben demonstrieren am heutigen Dienstag zum vierten Mal während der Mittagspause gegen Leiharbeit und Scheinwerkverträge. Unter dem Motto »Süße Arbeitsbedingungen, sonst gibt’s saure Arbeitnehmer!« hat die ver.di-Betriebsgruppe alle Beschäftigten zu einer aktiven Mittagspause aufgerufen. Bei den Asklepios­kliniken in Teupitz und in Lübben werden jeweils rund ein Drittel der Angestellten durch die konzerneigenen Leiharbeitsfirmen beschäftigt. Sie erhalten rund 20 Prozent weniger Entgelt, als der Stammbelegschaft nach dem ver.di-Tarifvertrag zusteht.

http://www.jungewelt.de/2013/10-29/005.php (http://www.jungewelt.de/2013/10-29/005.php)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 11. März 2014, 21:15:43
Zitat
Deutliche Warnung
Beschäftigte des Berliner Uniklinikums Charité planen Warnstreik mit Stationsschließungen. Ziel sind personelle Mindeststandards per Tarifvertrag
Herbert Wulff
Warnstreiks in Krankenhäusern sind normalerweise eine recht harmlose Angelegenheit. Zumeist beteiligt sich eine überschaubare Zahl von Beschäftigten für wenige Stunden an einer Protest­aktion oder einer Demo. Die Patientenversorgung wird per Notbesetzung aufrechterhalten, was wegen der ohnehin ausgedünnten Personaldecke kaum einen Unterschied macht.

Am Berliner Uniklinikum Charité soll das am 17. März aber ganz anders sein. Für diesen Tag ruft ver.di zu Arbeitsniederlegungen auf, um der Forderung nach personellen Mindeststandards Nachdruck zu verleihen. Bereits jetzt hat die Gewerkschaft angekündigt, daß zehn Stationen und etliche Betten wegen der Aktion nicht belegt werden können.

Die seit Monaten laufende Tarifauseinandersetzung an der Charité ist in verschiedener Hinsicht außergewöhnlich. Das betrifft auch den Gegenstand des Konflikts: Die Gewerkschaft kämpft nicht wie sonst üblich für mehr Lohn und Gehalt, sondern für mehr Personal. Ver.di fordert, per Tarifvertrag festzuschreiben, wieviel Personal in welchem Bereich mindestens vorhanden sein muß. Auf einer »Normalstation« soll eine Pflegekraft künftig für höchstens fünf Patienten zuständig sein. Auf Intensivstationen soll das Verhältnis eins zu zwei, in besonders schweren Fällen eins zu eins betragen. Zudem wollen die Gewerkschafter durchsetzen, daß in den Nachtschichten keine Krankenschwester mehr allein auf ihrer Station Dienst tun muß.

Darüber wird an Europas größtem Uniklinikum nun seit geraumer Zeit verhandelt. Zu Beginn bestritt die Geschäftsleitung, daß es überhaupt Tarifverhandlungen zu personellen Mindeststandards geben darf, da dies ein »Eingriff in die unternehmerische Freiheit« sei. Davon sind die Klinikmanager mittlerweile abgerückt. In den Gesprächen haben sie auch immer wieder den Eindruck erweckt, zu einem Kompromiß bereit zu sein. Doch ein konkretes Angebot blieben die Vertreter des dem Land Berlin gehörenden Krankenhauses bislang schuldig, zuletzt bei Verhandlungen am 26. Februar. Ver.di sprach daraufhin von einem »Affront« und kündigte Aktionen an.

Am Dienstag hat die Gewerkschaft dies konkretisiert: Für kommenden Montag ruft sie die Beschäftigten zur ganztägigen Arbeitsniederlegung auf. Zugleich überreichte ver.di der Charité-Spitze eine Liste von Bereichen, in denen die Streikbereitschaft so groß ist, daß Teile oder die gesamte Station geschlossen werden müssen. »Wir sind durch die Bereiche gegangen und haben die Kolleginnen und Kollegen konkret gefragt, in welchem Umfang sie sich am Warnstreik beteiligen möchten«, berichtete ver.di-Betriebsgruppensprecher Carsten Becker am Dienstag gegenüber junge Welt. »Das Ergebnis ist überwältigend.«

In der Tat wäre ein Ausstand im angekündigten Umfang sicher der größte Warnstreik, den es in einem deutschen Krankenhaus jemals gab. Neben zehn Komplettschließungen soll es demnach in etlichen Stationen zur sogenannten Stillegung von Betten kommen. Laut Becker haben noch mehr Bereiche ihre Beteiligung zugesagt als zu Beginn des Erzwingungsstreiks 2011. In dem damals einwöchigen Arbeitskampf hatte ver.di an der Charité bis zu 90 Prozent der Operationen und fast der Hälfte der 3200 Betten verhindert. Der wirtschaftliche Schaden war beträchtlich und veranlaßte die Klinikleitung, den ver.di-Forderungen nach deutlichen Gehaltsverbesserungen nachzugeben.

Damals wie heute muß die Geschäftsleitung im Streikfall dafür Sorge tragen, daß die genannten Stationen geräumt, die Patienten verlegt und die Betten nicht neu vergeben werden. Das schreibt eine zwischen ver.di und Charité geschlossene Notdienstvereinbarung fest. Demnach muß aber die Gewerkschaft die Stillegung von Betten mindestens drei, die Schließung von Stationen wenigstens sechs Tage vorher ankündigen. Der Klinikleitung bleibt noch eine Möglichkeit, den Arbeitskampf zumindest hinauszuschieben: Sie könnte die Schlichtung anrufen. Dadurch wäre es ver.di vorübergehend untersagt, zu Arbeitsniederlegungen aufzurufen.

»Unser Ziel ist die dringend nötige Entlastung der Beschäftigten durch die Einstellung zusätzlicher Kräfte«, erklärte Becker. »Die Kolleginnen und Kollegen haben schon jetzt deutlich gemacht, daß sie bereit sind, dafür zu kämpfen. Ich kann der Charité nur raten, dem endlich nachzugeben.« Eine Verbesserung der Personalsituation sei schließlich nicht nur im Interesse der Beschäftigten, sondern auch einer qualitativ hochwertigen Krankenversorgung, so der Gewerkschafter.

Tatsächlich ist der Zusammenhang zwischen fehlenden Pflegekräften und schlechter Patientenversorgung vielfach nachgewiesen. So kommt beispielsweise eine aktuelle Untersuchung der University of Pennsylvania zu dem Schluß, daß übermäßige Arbeitsbelastung die Todesraten im Krankenhaus deutlich nach oben treibt. Der im Fachmagazin The Lancet veröffentlichten Studie zufolge erhöht jeder Patient, den eine Krankenschwester zusätzlich versorgt, das Todesfallrisiko um sieben Prozent.

Nicht nur an der Charité, auch anderswo ist die Personalsituation in den Kliniken desaströs. Nach ver.di-Berechnungen fehlen in den Krankenhäusern bundesweit 162000 Beschäftigte, allein 70000 davon in der Pflege. Die Gewerkschaft fordert deshalb ein Gesetz, das den Häusern personelle Mindeststandards verbindlich vorschreibt. Der Konflikt an der Charité könnte diesem Anliegen noch einmal große Aufmerksamkeit bescheren.

http://www.jungewelt.de/2014/03-12/026.php?print=1 (http://www.jungewelt.de/2014/03-12/026.php?print=1)

seite des solidaritätsbündnisses: http://www.mehr-krankenhauspersonal.de (http://www.mehr-krankenhauspersonal.de)

Edit: den im zitierten artikel angekündigten (warn)streik hat es nicht gegeben, da die "arbeitgeber"seite ein sogenanntes schlichtungsverfahren angerufen hat, dieses soll wohl spätestens ende mai enden.


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 12. April 2014, 17:06:42
Zitat
Streik an Unikliniken
Verdi ruft für Mittwoch erneut zum Ausstand auf

Erneut ruft Verdi die Mitarbeiter der Unikliniken in Baden-Württemberg zum Streik auf. Am Mittwoch müssen sich Patienten in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm daher auf den Ausstand einstellen.


Stuttgart - Die Patienten der Unikliniken in Baden-Württemberg müssen sich an diesem Mittwoch auf Warnstreiks einstellen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ruft zu mehrstündigen Arbeitsniederlegungen auf, um die Arbeitgeber zu einem Angebot in den zweiten Tarifgesprächen am Dienstag kommender Woche zu bewegen. Örtlich seien Kundgebungen geplant, teilte Verdi weiter mit. Es müsse mit Einschränkungen im Klinikbetrieb gerechnet werden. Betroffen könnten mehrere tausend Kranke sein; denn die Klinken an den Standorten Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm haben laut Baden-Württembergischer Krankenhausgesellschaft insgesamt rund 6300 Betten.

Sockelbeitrag von 120 Euro und zusätzlich drei Prozent gefordert

Die Gewerkschaft fordert für die rund 25.000 nicht-ärztlichen Beschäftigten - von der Krankenschwester bis zum Laboranten - einen Sockelbetrag von 120 Euro und zusätzlich drei Prozent. Die Laufzeit soll zwölf Monate betragen. Für alle Beschäftigen einschließlich der Auszubildenden soll es 30 Tage Jahresurlaub geben. Außerdem sollen alle Auszubildenden übernommen werden.

Der Verhandlungsführer der Gewerkschaft, Günter Busch, warnte die Arbeitgeber vor ausgedehnteren Warnstreiks, sollten sie kein verhandlungsfähiges Angebot mitbringen. In der ersten Verhandlungsrunde am 1. April hatten die Arbeitgeber keine Offerte vorgelegt. Die Ärzte fallen als Landesbeschäftigte unter die Tarifbestimmungen des Landes.
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.streik-an-unikliniken-verdi-ruft-fuer-mittwoch-erneut-zum-ausstand-auf.0ab68f38-89b8-4d47-b5e5-d0bd84ec8f6d.html (http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.streik-an-unikliniken-verdi-ruft-fuer-mittwoch-erneut-zum-ausstand-auf.0ab68f38-89b8-4d47-b5e5-d0bd84ec8f6d.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 15. Mai 2014, 01:19:47
der termin ist zwar schon vorüber, aber wie es scheint überlegen leute in kiel, dem berliner beispiel zu folgen:
Zitat
Pflegenotstand am UK S-H beenden!

Für viele Beschäftigte in der Pflege und den Funktionsdiensten ist das Alltag: zu wenig Personal,
Arbeit, die kaum zu schaffen ist, keine Freizeit, vollflexible Dienstpläne, Überlastung und absoluter Stress. In Schleswig-Holstein fehlen tausende Arbeitsplätze für Pflegekräfte. Auch am UK S-H ist die Situation dramatisch. Die unerträgliche Situation in der Pflege ist allen bekannt: dem Vorstand, dem Eigentümer und der Landespolitik. Alle schauen weg. Seit Jahren fordert die Gewerkschaft ver.di eine gesetzliche Personalbemessung und führt darüber hinaus Gespräche mit dem Land Schleswig-Holstein.

Jetzt ist die Zeit zum Handeln. So kann es nicht weiter gehen!
Deshalb wollen wir einen Tarifvertrag zur Personalbemessung Pflege am UK S-H verhandeln und durchsetzen. Unser Ziel: tariflich geregelte und festgesetzte Standards bei der Personalbemessung.
Beispielsweise an der Berliner Charité laufen derzeit solche Verhandlungen.
Hier gibt es Beispiele, wie es gehen kann.

ver.di will den Arbeitgeber zu Tarifverhandlungen auffordern.
Dafür brauchen wir eure Unterstützung!
Deshalb laden wir zum Informationstreffen am 7. Mai 2014, 16 Uhr,
DGB-Haus Kiel, Legienstraße 22, Garbesaal

Wir wollen über den Verlauf der Verhandlungen an der Charité Berlin oder im Paracelsus-Konzern sowie den Stand der politischen Gespräche mit der Bundesregierung berichten. Wir wollen uns über mögliche UK S-H-spezifische Forderungen austauschen.
Und: Wir wollen eine ver.di-Tarifkommission Pflege bilden.

http://nord.verdi.de/branchen-und-berufe/gesundheit-soziale-dienste-wohlfahrt-und-kirchen/++co++9dd1b918-d9e1-11e3-ab77-525400248a66 (http://nord.verdi.de/branchen-und-berufe/gesundheit-soziale-dienste-wohlfahrt-und-kirchen/++co++9dd1b918-d9e1-11e3-ab77-525400248a66)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 15. Mai 2014, 01:39:46
aus "Das Rote Tuch" Nr. 63, April 2014:
Zitat
Uni-Klinikum Essen: Zwangsversetzung? Nein danke!

Seit Januar wehren sich 6 Krankenschwestern der HNO-Station O3 am Essener Uniklinikum gegen ihre Zwangsversetzung. Die Leitung des Klinikums will sie in verschiedene andere Stationen versetzen, und dafür neue Pfleger auf die O3 holen. Und zwar deshalb, weil das alte Team sich nicht alles gefallen lässt. Weil sie sich zum Beispiel weigern, ständig an ihren freien Tagen angerufen und gedrängt zu werden, doch arbeiten zu kommen, wenn – wieder einmal – nicht genug Personal da ist. Weil sie sich weigern, den massiven Personalmangel auf ihren Knochen auszubaden.
Die Kolleginnen wollen sich die Zwangsversetzung nicht gefallen lassen. In diesem großen Klinikum mit den vielen Gebäuden, in denen man oft schon die Kollegen im Nachbargebäude nicht mehr kennt, gehen sie nach ihrer Arbeit zu anderen Stationen, um ihre Lage bekannt zu machen und Unterschriften gegen ihre Versetzung zu sammeln. Die Unterstützung ist groß, und viele Kollegen sagen auch: Wogegen ihr euch wehrt, davon sind wir alle betroffen. Diese Botschaft werden die Beschäftigten zusammen mit den Unterschriften der Leitung überbringen.
Und wenn man bedenkt, dass die Leitung all das gemacht hat, um den Zusammenhalt auf der O3 zu brechen und zu verhindern, dass er auf anderen Stationen Schule macht, dann haben die Kolleginnen eigentlich schon heute gewonnen.

Quelle: http://www.bund-revolutionaerer-arbeiter.org/spip.php?article438 (http://www.bund-revolutionaerer-arbeiter.org/spip.php?article438)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 06. Juni 2014, 21:43:49
Zitat
Berliner Charité: Tarifvertrag für mehr Personal gilt als Testlauf für gute Arbeit und Pflege

Carsten Becker ist Sprecher der ver.di-Betriebsgruppe und Mitglied der gewerkschaftlichen Verhandlungskommission am Berliner Uniklinikum Charité. Mit ihm sprach Daniel Behruzi über den Stand des Tarifkonflikts.
Wochenlang hat man in der Öffentlichkeit kaum etwas vom Tarifkonflikt um mehr Personal am Berliner Uniklinikum Charité mitbekommen. Nun gibt es eine Einigung. Wie ist das gekommen?

Der Grund für die relative Stille war das Schlichtungsabkommen, auf das die Arbeitgeber zu Beginn der Verhandlungen bestanden hatten. Während der Schlichtungsphase durfte es demnach keine Kommunikation nach außen geben. Wir hatten in diesen Gesprächen harte Auseinandersetzungen, da die Diskrepanz zwischen den Forderungen von ver.di und den Angeboten des Arbeitgebers sehr groß war. Der Kompromiss sieht vor, in einer nur bis Ende 2014 laufenden Vereinbarung Maßnahmen zur Verbesserung der Situation zu testen. Die Charité-Leitung sagt verbindlich zu, in dieser Zeit 80 zusätzliche Pflegekräfte einzustellen.
80 neue Stellen bei rund 3.500 Vollkräften im Pflege- und Funktionsdienst der Charité – reicht das aus, um der Überlastung der Beschäftigten ein Ende zu setzen?

Ganz gewiss nicht. Das gibt selbst der Arbeitgeber zu. Die 80 zusätzlichen Vollkräfte können keinesfalls das Ende der Fahnenstange sein, sondern nur der erste Schritt zu einer wirklichen Verbesserung der Situa­tion. Die nun erzielte Vereinbarung ist dennoch ein wichtiger Erfolg: Damit wird weiterem Personalabbau ein Riegel vorgeschoben, die 80 Stellen müssen tatsächlich oben drauf kommen. Wir haben bis Jahresende die Möglichkeit zu erproben, was nötig ist, um die Überlastung im Interesse von Beschäftigten und Patienten zu beenden.

Das ist auch aus einem ganz praktischen Grund sinnvoll: Es gibt bislang in keinem Krankenhaus einen Tarifvertrag über Personalstandards. Nun können wir ausprobieren, wie das funktioniert. Und zum Jahreswechsel haben wir alle Karten in der Hand, auf Grundlage dieser Erfahrungen weitere Verbesserungen durchzusetzen. Dies ist also nicht das Ende der Auseinandersetzung um genügend Personal, sondern ein wichtiger Zwischenschritt.
Was passiert, wenn zum Jahresende klar ist: Die 80 Stellen haben nicht gereicht, um die Arbeitsbedingungen grundlegend zu verbessern?

Dann liegt die Pistole auf dem Tisch. Die Friedenspflicht läuft am 31. Dezember aus. Die von den Schlichtern gesetzte Messlatte ist: Es muss “eine wirksame Entlastung des Personals” geben. Daran werden wir die Realität messen.
Eine paritätisch besetzte Gesundheitskommission soll über die Verteilung der zusätzlichen Stellen entscheiden. Was hat es damit auf sich?

Das ist ein Novum: Gewerkschaft und Belegschaft können mit darüber entscheiden, wo diese Pflegekräfte eingesetzt werden. Mit Ultimaten und sogenannten Notruf-Aktionen haben in den vergangenen Monaten etliche Stationen und Bereiche dem Arbeitgeber angezeigt, dass sie dringend Entlastung brauchen. Nun bekommen wir Einfluss darauf, dass dort auch wirklich gehandelt wird. Alle Kolleginnen und Kollegen sind jetzt aufgefordert, ihre Bedarfe anzumelden. Sie müssen sagen, wieviel Personal im Früh-, Spät- und Nachtdienst benötigt wird, um gute Arbeit und gute Pflege zu gewährleisten. Das wird der Maßstab für die Verhandlungen über das weitere Vorgehen im kommenden Jahr.

Als ver.di an der Charité die Tarifforderung nach personellen Mindeststandards 2012 aufstellte, hielt die Klinikleitung das noch für einen Verstoß gegen die “unternehmerische Freiheit” und das Grundgesetz.

Das hat sich nun wohl erledigt. Wir haben bewiesen, dass tarifliche Regelungen für bessere Arbeitsbedingungen möglich und durchsetzbar sind. Jetzt müssen wir ausprobieren, welche Maßnahmen notwendig sind für einen Tarifvertrag, der allen Beschäftigten Entlastung bringt. Zugleich können wir gemeinsam mit anderen Häusern den Druck für eine gesetzliche Personalbemessung erhöhen.

Wir konnten mit dem Tarifkonflikt an der Charité dazu beitragen, das Thema Personalmangel in Krankenhäusern in den Medien und in der Politik zu platzieren. Konkret machen wir Druck dafür, dass das Land Berlin zum Vorreiter wird und gesetzliche Mindeststandards beim Personal festschreibt. Letztlich brauchen wir ein solches Gesetz auf Bundesebene. Betriebliche Auseinandersetzungen wie an der Charité können helfen, dafür Druck zu entwickeln.

Quelle: http://www.sozialismus.info/2014/06/erster-schritt-zu-wirklicher-verbesserung/ (http://www.sozialismus.info/2014/06/erster-schritt-zu-wirklicher-verbesserung/)
siehe auch: http://www.jungewelt.de/2014/06-05/006.php?print=1 (http://www.jungewelt.de/2014/06-05/006.php?print=1)
und http://www.labournet.de/category/branchen/dienstleistungen/gesund/gesund-arbeitskampf-divers/charite/ (http://www.labournet.de/category/branchen/dienstleistungen/gesund/gesund-arbeitskampf-divers/charite/)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 25. Juni 2014, 11:19:26
zwei veranstaltungen in kassel

Zitat
Pflege am Boden?
Politische und gewerkschaftliche Strategien gegen den Pflegenotstand in Krankenhäusern

Ratschlag der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
 Freitag | 27. Juni 2014 | 11 bis 17 Uhr
Philipp-Scheidemann-Haus | Holländische Str. 72–74 | 34127 Kassel



aus dem programm

Zitat
     13:45 – 15:30 Workshops 


Workshop I: Vom Ultimatum bis zum Streik: Arbeitskonflikte gegen den Pflegenotstand organisieren und gewinnen
Aktion Notruf und Tarifvertrag für Mindestpersonalbemessung – Carsten Becker und Ulla Hedemann (ver.di-Betriebsgruppenvorstand Charité Berlin)
Personalmangel mit Stations- und Bettenschließungen beantworten – Brigitte Schuhmacher (Personalrätin und ver.di-Vertrauensfrau im Klinikum Stuttgart)
Die Kampfform Ultimatum bei Arbeitsüberlastung und Personalnot – Michael Quetting (Gewerkschaftssekretär ver.di Region Saar Trier)
Moderation: Jutta Krellmann (MdB DIE LINKE)

gesamtes programm unter http://linksfraktion.de/krankenhausratschlag (http://linksfraktion.de/krankenhausratschlag)

Zitat
Sa, 28.06.2014 10:00
ver.di Nordhessen | Kölnische Straße 81| 34117 Kassel
Vernetzungstreffen der Krankenhäuser

Die ver.di Betriebsgruppe der Charité lädt alle Interessierten zu einem Erfahrungsaustausch über den tariflichen Kampf für mehr Personal im Krankenhaus ein.

http://mehr-krankenhauspersonal.de/1378 (http://mehr-krankenhauspersonal.de/1378)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 13. August 2014, 14:54:11
Zitat
Eifelhöhen-Klinik Marmagen
Warnstreik für höheren Lohn


([url]http://www.ksta.de/image/view/2014/6/22/27918950,28190023,dmFlashTeaserRes,ne-warnstreik1.jpg[/url])
Zwei Stunden lang demonstrierten rund 100 Mitarbeiter der Eifelhöhen-Klinik in Marmagen für eine bessere Vergütung. Unterstützt wurden sie dabei von der Gewerkschaft Verdi.

Mitarbeiter der Eifelhöhen-Klinik haben am Dienstag für höhere Löhne demonstriert. Die rund 100 Beschäftigten forderten Zuwachs um 3,5 Prozent. Der Klinikbetrieb kam nicht zum Erliegen, aber etliche Therapien fielen aus.  Von Günter Hochgürtel

Nettersheim-Marmagen. Die Mitarbeiter der Eifelhöhen-Klinik in Marmagen zeigten sich am Dienstag kampfbereit. Unter Führung der Gewerkschaft Verdi hatte der Betriebsrat zu einem Warnstreik aufgerufen. Mehr als 100 Beschäftigte bauten sich von 11 bis 13 Uhr vor der Klinik mit Spruchbändern auf, um ihrer Forderung nach mehr Lohn Nachdruck zu verleihen.

Bis zum vergangenen Jahr gab es noch einen gültigen Tarifvertrag, der zwischen der Geschäftsleitung der Eifelhöhen-Klinik und der Belegschaft vereinbart worden war. In den übrigen vier Kliniken, die noch zum Aktien-Konzern gehören, gab es gar keinen Tarifvertrag. Da vor Kurzem die Geschäftsführung in Marmagen wechselte, war der Betriebsrat mit seinen höheren Gehaltsforderungen bislang nicht durchgedrungen. „Man hat den Beschäftigten bisher nur eine Einmalzahlung von 500 Euro angeboten. Das ist ein Witz“, sagte Arbeitnehmervertreterin Birgit Wöstemeyer. Sie und ihre Kollegen fordern eine Lohnerhöhung von 3,5 Prozent, mindestens jedoch die Übernahme des Tarifabschlusses im öffentlichen Dienst. Der sieht im ersten Jahr drei Prozent und im zweiten Jahr weitere 2,4 Prozent mehr Gehalt vor. „Wir sind beim Warnstreik auch von etlichen unserer Patienten unterstützt worden“, erklärte Wöstemeyer auf Anfrage.

Der Klinikbetrieb kam durch die Streikaktion nicht zum Erliegen, aber etliche Therapien fielen schon aus. „Unsere Lohnentwicklung liegt in den letzten 15 Jahren sehr weit hinter der allgemeinen Entwicklung im Gesundheitswesen“, heißt es in einem Verdi-Flugblatt. Seit 1999 sei die Vergütung einer Krankenschwester oder eines Therapeuten nur um 3,5 Prozent gestiegen. Der allgemeine Kaufkraftverlust bis 2013 habe dagegen 23,9 Prozent betragen.
http://www.ksta.de/nettersheim/eifelhoehen-klinik-marmagen-warnstreik-fuer-hoeheren-lohn,15189156,27918766.html (http://www.ksta.de/nettersheim/eifelhoehen-klinik-marmagen-warnstreik-fuer-hoeheren-lohn,15189156,27918766.html)


Zitat
Eifelhöhen-Klinik
Erneuter Streik für höhere Löhne

Mitarbeiter der Eifelhöhen-Klinik in Marmagen sind am Dienstag erneut für eine Tariferhöhung auf die Straße gegangen. Das Angebot der Geschäftsführung über eine Einmalzahlung wurde entschieden abgelehnt.
Von Stephan Everling

([url]http://www.ksta.de/image/view/2014/7/12/28105206,28542456,dmFlashTeaserRes,2014-08-12_Ne_Marmagen_Warnstreik_1.jpg[/url])

Nettersheim-Marmagen.  Mit Trillerpfeifen und Lautsprechern zog die Gewerkschaft Verdi in einem Kundgebungszug von der Eifelhöhen-Klinik auf den Eiffelplatz, um dort beim Wochenmarkt für ihre Lohnforderungen zu demonstrieren. Dabei blieb sie nicht wirkungslos, auch wenn die spontane Reaktion nicht die erwünschte gewesen sein dürfte. Denn eine Rinderherde war derart erschrocken über die lärmende Demonstration, dass sie durchging und ein Tier sogar ausbrach. Doch die rinderaffinen Eifeler Streikenden fingen den Flüchtling schnell wieder ein und reparierten flugs den Zaun.

([url]http://www.ksta.de/image/view/28104996,28542335,highRes,maxh,480,maxw,480,71-72663381%253A+Mit+Transparen+%252812.08.2014_17%253A19%253A50%253A981%2529.jpg[/url])
Mit Transparenten zogen die Mitarbeiter der Eifelhöhen-Klinik am Dienstagmorgen durch Marmagen.
Foto: Everling

Der Warnstreik war anberaumt worden, da Verhandlungen von Verdi mit dem Arbeitgeber nicht zu einer Einigung geführt hatten. „Uns ist eine Einmalzahlung von 500 Euro angeboten worden“, berichtete Birgit Wöstemeyer, Betriebsratsvorsitzende. Das würde die Beschäftigten von der allgemeinen Lohnentwicklung abkoppeln, fuhr sie fort. Insgesamt sei in den vergangenen 15 Jahren der Tariflohn an der Eifelhöhen-Klinik nur um im Schnitt 2,5 Prozent gestiegen, rechnete Gewerkschaftssekretär Arno Appelhoff vor. 2012 habe es eine Lohnerhöhung gegeben, „davor aber zwölf Jahre nichts“, beklagte Wöstemeyer. Um nicht nur Lärm zu machen, hatten die Physiotherapeuten kostenlose Gesundheitsangebote für die Marmagener Bevölkerung im Gepäck. Auch die Musik der „Quetschemänn“, die an jedem Dienstag den Wochenmarkt mit Akkordeonmusik beschallen, wurde von den Gewerkschaftern freudig begrüßt.

„Bei einer Betriebsversammlung ist das Angebot der Geschäftsleitung einer Einmalzahlung einhellig abgelehnt worden“, erzählte Wöstemeyer. Diese 500 Euro würden wirkungslos verpuffen, meinte sie. Richtige Verhandlungen habe es bisher nicht gegeben, berichtete Appelhoff. Er forderte eine Tariferhöhung entsprechend dem Öffentlichen Dienst, also drei Prozent im ersten Jahr und 2,4 Prozent im zweiten.

Demnächst sollen ganztägige Streiks erfolgen. Doch Geschäftsführer Rüdiger Pfeifer sieht dafür keinen Spielraum: „Die Klinik schafft das wirtschaftlich nicht.“ Seit März hat er die Nachfolge von Dr. Michael Nolte angetreten und sieht jede Menge Baustellen. Auch wenn zur Zeit die Belegung gut sei, könne sich das auch ganz schnell wieder ändern, befürchtet er. „Ich habe auch eine Verantwortung für die Arbeitsplätze und möchte nicht im November die ersten Entlassungslisten ausfüllen müssen“, sagt er. Er habe der Gewerkschaft bereits vergeblich vorgeschlagen, einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer zu beauftragen, die Zahlen zu überprüfen. Für das Frühjahr könnte er sich Tarifverhandlungen vorstellen, doch das werde von der Gewerkschaft nicht gewünscht. „Mit diesem Kurs gefährdet Verdi Arbeitsplätze in der Eifel“, sagt er. Außerdem wolle er den Manteltarifvertrag neu verhandeln. „Da stehen Regelungen drin, die sind längst nicht mehr EU-konform“, beklagt er.
http://www.ksta.de/nettersheim/eifelhoehen-klinik-erneuter-streik-fuer-hoehere-loehne,15189156,28104998.html (http://www.ksta.de/nettersheim/eifelhoehen-klinik-erneuter-streik-fuer-hoehere-loehne,15189156,28104998.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 04. November 2014, 23:32:05
Zitat
Holpriger Testlauf

Berliner Charité: Bislang keine ausreichende Entlastung durch Tarifvertrag

Verzögerungen, Unzufriedenheit, Konflikte. Die Umsetzung des Tarifvertrags für mehr Personal an der Charité läuft schleppend. »Mit der Vereinbarung wollten wir testen, ob die vom Arbeitgeber vorgeschlagenen Maßnahmen tatsächlich zu einer wirksamen Entlastung der Beschäftigten führen«, erläutert Dana Lützkendorf von der ver.di-Betriebsgruppe.

Danach sieht es im Moment nicht aus. Von den 80 Vollkräften, die das Berliner Uniklinikum laut Vertrag in Pflege- und Funktionsdiensten bis zum Jahresende zusätzlich einstellen muss, sind auf den Stationen und in den Bereichen bislang noch nicht viele angekommen. Zugleich versucht das Management immer wieder, an anderer Stelle zu kürzen.

Schon bis zur Unterschrift war es ein langer Weg: Erst Ende September gab der Aufsichtsrat endgültig grünes Licht für die schon im Juni ausgehandelte »mehrgliedrige Vereinbarung«. Neben den Verzögerungen sorgte die Charité-Spitze auch anderweitig für Unmut. Statt wie vorgesehen unbefristet wollte sie Auszubildende plötzlich nur noch befristet übernehmen. Erst als ver.di Proteste ankündigte, lenkte das Management ein.

»Von einer spürbaren Entlastung der Beschäftigten sind wir noch meilenweit entfernt und es ist nicht abzusehen, dass dieses Ziel zum Jahresende erreicht wird. Wahrscheinlich müssen wir dann deshalb erneut Druck machen. Die Kolleginnen und Kollegen sind dazu bereit.«

Grit Wolf, Neurologie, Campus Virchow

 

 

Kürzungen abgewehrt

Für noch mehr Empörung sorgten Pläne, etwa jede sechste der 120 Stellen in der Medizinischen Dokumentationsassistenz abzubauen. Die Betroffenen wehrten sich mit wöchentlichen Protestaktionen und einer Unterschriftensammlung, die binnen zwei Wochen 2.000 Beschäftigte aller Berufe unterzeichneten. Auch hier machte die Geschäftsleitung daraufhin einen Rückzieher und stoppte die Kürzungen bis auf weiteres.

Bei der Einstellung zusätzlicher Pflegekräfte – Kern des Tarifvertrags – gibt es ebenfalls Probleme. Zwar arbeiten Gewerkschafts- und Charité-Vertreter in der neu geschaffenen, paritätisch besetzten Gesundheitskommission konstruktiv zusammen. So hat das Gremium bereits sogenannte Brennpunktbereiche identifiziert und die Verteilung neuer Stellen beschlossen. Doch davon wurde bislang nur wenig umgesetzt.

Abzüglich der Fluktuation sind kaum neue Kollegen eingestellt worden, berichtet Lützkendorf. »Die Charité bekommt allein 600 Initiativ-bewerbungen pro Jahr. Warum ist es da so schwer, die Leute einzustellen?«, fragt die Gewerkschafterin. Auch die bereits im November vergangenen Jahres versprochenen Neueinstellungen für den Nachtdienst bringen keine ausreichende Entlastung. Eine neue Pflegekraft für den Nachtdienst wird von der Charité auf vier Stationen aufgeteilt. »Das heißt, man hat mal eine zweistündige Entlastung, aber der Grundsatz ›Keine Nacht allein‹ ist längst nicht eingelöst«, betont Grit Wolf, die ebenfalls in der ver.di-Betriebsgruppe aktiv ist. Eine Verbes-serung der Situation in den nicht-pflegerischen Bereichen – die in der Vereinbarung gleichfalls als Ziel formuliert ist – sei zudem überhaupt nicht in Sicht.

»Der Kurzzeit-Tarifvertrag ist ein wichtiger Testlauf. Meine Erkenntnisse daraus sind: Erstens brauchen wir klare und nachprüfbare Besetzungsregeln für jede Schicht. Zweitens müssen Sanktionen greifen, wenn der Arbeitgeber seine Zusagen nicht einhält.«

Dana Lützkendorf, Krankenschwester

 

 

Verhandlungen ab November

Ab Mitte November wollen Management und Gewerkschaft gemeinsam Bilanz ziehen und über weitere Maßnahmen zur Entlastung der Beschäftigten verhandeln. Vor dem Hintergrund der bisherigen Entwicklung könnte die Luft am Verhandlungstisch allerdings schnell dünn werden.
https://drei.verdi.de/2014/ausgabe-52/aktiv/seite-6/holpriger-testlauf


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 27. April 2015, 10:12:42
Zitat
Es geht um mehr

Charité-Streik An der Berliner Charité streiken die Beschäftigten für mehr Pflegepersonal und machen damit auf ein grundsätzliches Problem des Gesundheitssystems aufmerksam


...
Der Personalabbau an der Charité lässt sich auch an den Zahlen ablesen, die die Klinik in ihren Jahresberichten veröffentlicht. Demnach sank die Zahl der Vollkräfte im Krankenpflegedienst zwischen 2005 und 2014 von rund 2.567 auf rund 2.411 im Jahr 2014. Zugleich stieg jedoch die Zahl der stationären Fälle und um rund zehn Prozent auf 139.311.

„Immer mehr Patienten in kürzerer Zeit", bringt Grit Wolf die Zahlen auf den Punkt. Die Gesundheits- und Krankenpflegerin an der Charité sitzt als Ver.di-Mitglied auch in der Tarifkommission der Charité. Auf ihren Berufsalltag hat die zunehmende Unterbesetzung starke Auswirkungen: „Wir haben kaum mehr Zeit für Gespräche mit Patienten, kaum mehr Zeit für Anleitungen, die wichtig sind, wenn die Patienten wieder nach Hause entlassen werden. Wir sind immer kurz angebunden und verbreiten Hektik." Um das auszugleichen, arbeiteten viele Pflegekräfte in ihrer Pause und würden Überstunden machen. Die Pflegekräfte haben die Wahl, ihren Berufsethos über Bord zu werfen, oder die zusätzliche Belastung zu schultern. Aus Kreisen der Pfleger heißt es, dass viele Kollegen nur noch teilzeit arbeiteten oder häufiger erkrankten.

Die Charité zeigte sich von dem angekündigten Warnstreik überrascht.
...
„Seit Mitte der 90er Jahre erleben wir einen erheblichen Stellenabbau beim Pflegepersonal der Krankenhäuser. Das geht bis hin zur Unterversorgung in vielen Bereichen und ist ein bundesweites Problem", fasst Michael Simon, Professor für Gesundheitssystem und Gesundheitspolitik an der Hochschule Hannover die Entwicklung zusammen.

Sie ist Folge gesundheitspolitischer Entscheidungen, die die Kosten im Gesundheitssystem eindämmen und kalkulierbarer machen sollten, jedoch auch dazu führten, dass Krankenhäuser unter größeren wirtschaftlichen Druck gerieten.

So wurde beispielsweise 1996 die sogenannte Pflegepersonal-Regelung (PPR) abgeschafft. Diese hatte bis dahin dafür gesorgt, dass der Bedarf an Pflegern anhand der Patienten eines Krankenhauses errechnet wurde. Mit der Abschaffung der PPR setzte der Abbau von Pflegestellen im Krankenhaus ein.

Die Pfleger selbst sehen eine weitere zentrale Ursache für die derzeitige Überlastung an deutschen Kliniken in der sogenannten Fallpauschale, die 2004 eingeführt wurde.
...
https://www.freitag.de/autoren/bennyk/es-geht-um-mehr (https://www.freitag.de/autoren/bennyk/es-geht-um-mehr)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 15. Juni 2015, 13:38:51
Zitat
Charité-Konflikt
Streik an Charité könnte massiv werden

Der Streik an der Charité wird wohl nicht mehr abgewendet – und massiver ausfallen, als erwartet. Verdi erklärt, die Universitätsklinik habe Spielräume.


Der Streik an der Charité wird wohl nicht mehr abgewendet – und massiver ausfallen, als erwartet. Ab 22. Juni müssten „Stationen im zweistelligen Bereich“ geschlossen werden, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Meike Jäger am Freitag, weil sich so viele Schwestern und Pfleger streikbereit gemeldet hätten. Dies könnte bedeuten, dass schon am ersten Tag 800 der 3000 Charité-Krankenbetten nicht belegt werden. Die Gewerkschaft ruft ab 22. Juni alle Beschäftigten der landeseigenen Universitätsklinik zum unbefristeten Streik auf. Wie viele Mitglieder man an der Charité habe, sagte Jäger nicht. Bekannt ist, dass der in der Pflege oft niedrige gewerkschaftliche Organisationsgrad an der Charité höher ist.

Die Ärzte haben einen eigenen Tarifvertrag, streiken werden Schwestern, Pfleger und Techniker. Sie fordern mehr Personal. Für die Normalpflege soll eine Schwester fünf statt bisher im Schnitt zehn Patienten betreuen. Denn dies bedeute Überstunden und Überlastung: Nicht der Streik, hieß es am Freitag, sondern der Normalzustand gefährde die Patienten. Pro Streiktag gehen der Charité mindestens 500.000 Euro für abgesagte Behandlungen verloren. Der Klinikvorstand hatte erklärt, die Forderungen ergeben insgesamt 600 neue Stellen – bei derzeit 4200 Pflegekräften. Die kostete bis zu 35 Millionen Euro im Jahr. Bei Verdi wies man daraufhin, dass das gerade 2,5 Prozent des Gesamtbudgets entspricht.

Verdi: Charité hat Spielraum für Verbesserungen

Angesichts des Präzedenzcharakters dieser Tarifrunde hatten Kenner erwartet, dass der Senat oder Bundespolitiker eine Lösung vermitteln. Charité-Aufsichtsratschefin und Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte: Das Verhandeln der Verträge und Ausloten der Möglichkeiten sei im Rahmen der Tarifautonomie die Aufgabe der Tarifparteien. Sie erklärte erneut, laut Bundesregelungen haben die Krankenkassen das Personal zu finanzieren. Dies betonen auch Krankenhausgesellschaft und Charité-Vorstand. Die Verdi-Verhandler weisen daraufhin, Charité und Land hätten aber eben auch Spielraum. „Die Charité hat auch hausgemachte Probleme“, sagte Jäger. Die vielen Einzelzentren auf den drei Campussen funktionierten zuweilen wie „kleine Königreiche“, was Synergien koste. Wegen fehlender Medizinischer Dokumentationsassistenten könne die Klinik zudem nicht alle Fallpauschalen bei den Kassen abrechnen. Ein Charité-Sprecher sagte, beides stimme nicht; Geld gehe nicht verloren.

Ein Beitrag des Landes zur Deeskalation könnte sein, dass der Senat dem Charité-Vorstand gestattet, das Jahresplus von 7,5 Millionen Euro für Pflegestellen auszugeben. Außerdem könnten Sondermittel quasi als Vorleistung für angestrebte Gesetzesänderungen erwogen werden: Die Charité hätte dann Personalstandards in der Aussicht darauf gesetzt, dass sich die Bundespolitik auf eine bessere Versorgung aller Kliniken verpflichtet. Die kürzlich beschlossene Krankenhausreform gilt vielen in der Branche zwar als Enttäuschung. Aus dem ebenfalls neuen Versorgungsstärkungsgesetz aber ließe sich womöglich mehr Geld für die Hochschulambulanzen generieren.

Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres soll künftig mit Bund über Hochschulen verhandeln

Derweil wurde Scheeres am Freitag auf der Kultusministerkonferenz zur Verhandlungsführerin bestimmt: Mit ihren Amtskollegen aus Bayern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Hamburg handelt sie mit dem Bund die Mittel für die Hochschulmedizin aus. Wolfgang Albers (Linke), Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Abgeordnetenhaus, sagte: Über den Tarifstreit hinaus müssten gesetzliche Personalschlüssel her, damit Sparen „nicht auf die Beschäftigten und damit letztlich auf die Patienten abgeladen“ werden könne. Schwestern und Pfleger anderer Kliniken haben Grußadressen an ihre Charité-Kollegen geschickt, kommenden Freitag will der Schauspieler Rolf Becker bei einer Solidaritätsveranstaltung für die Charité-Pflegekräfte auftreten.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/charite-konflikt-streik-an-charite-koennte-massiv-werden/11911710.html (http://www.tagesspiegel.de/berlin/charite-konflikt-streik-an-charite-koennte-massiv-werden/11911710.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 22. Juni 2015, 12:19:26
Zitat
Arbeitskampf im Krankenhaus
Streik um Streik

An der Charité beginnt ein unbefristeter Streik – die Klinikleitung versucht ihn gerichtlich zu verhindern. Etwa tausend OPs werden abgesagt.


Nun also doch: Mit der Frühschicht am heutigen Montag beginnt der Streik an der Charité. Krankenschwestern, Pfleger und weitere Beschäftigte treten in den Ausstand – unbefristet. Wegen des Streiks sollen allein in der ersten Woche etwa 1000 geplante Operationen abgesagt werden, lebensnotwendige Operationen finden aber statt. Mehr als 20 Stationen der Klinik sollen geschlossen werden. Die streikenden Krankenhausmitarbeiter streiken nicht für ein höheres Gehalt, sondern für bessere Arbeitsbedingungen.

Bis zum letzten Moment versucht die Leitung der Charité, den Streik gerichtlich zu verbieten. Am Freitag scheiterte eine einstweilige Verfügung beim Arbeitsgericht. Die Charité argumentierte, dass die Personalausstattung tariflich geregelt sei und der Streik deshalb gegen die Friedenspflicht verstoße. Außerdem sei durch die Schließung vieler Stationen die Versorgung der Patienten gefährdet. Das Gericht lehnte es jedoch sowohl ab, den Streik ganz zu verbieten, als auch den Streik auf weniger Stationen zu beschränken. Es verwies auf den Notfallplan, der die Notversorgung der Patienten sicherstellt.

Ein Pfleger auf zehn Patienten

„Nicht der Streik, sondern der Alltag gefährdet das Wohl der Patienten“, meint Stephan Gummert. Der 44-jährige ist Pfleger auf der kardiologischen Station im Virchow-Klinikum, das zur Charité gehört. Gummert erzählt, dass er im Monat durchschnittlich auf 25 Überstunden, also etwa drei Arbeitstage komme. Auf seiner Station käme häufig nur ein Pfleger auf zehn Patienten. Gummert und seine Kollegen wollen durch den Streik ein Betreuungsverhältnis von sieben zu eins erreichen.

Seit 1998 arbeitet Gunnert auf der Station, seit dem hätten sich die Arbeitsbedingungen „hanebüchen verschlechtert.“ Auf der Station mit 31 Betten seien sie tagsüber zu dritt, am Wochenende und nachts nur zwei Pfleger. „Gerade die jungen Kollegen hatten jahrelang Angst vor der Nachtschicht“, so Gummert. Am gestrigen Sonntag ist er damit beschäftigt, die Räumung seiner Station vorzubereiten. Er und seine Kollegen werden ab Montag streiken. Am frühen Morgen sollen die letzten Patienten auf andere Stationen verteilt und die Station geschlossen werden.
Kämpferischer Kalle Kunkel

Trotzdem ist unklar, ob der Streik wie geplant und in vollem Umfang stattfinden wird. Nach der Entscheidung des Arbeitsgerichts am Freitag legt die Leitung der Charité nun Berufung vor dem Landesarbeitsgericht ein. Wann über die Berufung entscheiden wird, ist noch unklar. Die Charité wollte sich auf Anfrage der taz erst im Laufe des heutigen Montags zu ihrem weiteren Vorgehen äußern. Da die Berufung jedoch keine aufschiebende Wirkung hat, könnte der Streik erst im Nachhinein eingeschränkt werden. „Die Charité sollte besser mit den politisch Verantwortlichen sprechen, statt den Streik zu torpedieren“, sagte Kalle Kunkel, der als Gewerkschaftssekretär von verdi für den Streik zuständig ist, und nahm damit auch die Berliner Politik in die Verantwortung. Im Aufsichtsrat der Charité sitzen sowohl die Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres als auch Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen.

Kunkel ist zuversichtlich, dass trotz der sehr kurzfristigen Entscheidung des Gerichts viele Pfleger in den Streik treten werden. „Die Kollegen sind jetzt noch wütender“, so Kunkel. Weil der Notfallplan eingehalten werden muss, könnten gar nicht alle streiken, die wollten. Den Versuch der Charité, den Streik gerichtlich zu verhindern, da sonst das Wohl der Patienten gefährdet sei, kritisierte Kunkel: „Jahrelang hat man die Notrufe der Pfleger ignoriert.“

Für Dienstag planen Gewerkschaft und Streikende eine Kundgebung vor dem Brandenburger Tor.
http://www.taz.de/Arbeitskampf-im-Krankenhaus/ (http://www.taz.de/Arbeitskampf-im-Krankenhaus/)!5205460/


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 25. Juni 2015, 09:11:10
Zitat
Gesundheitswesen
Protestaktion gegen Pflegenotstand

([url]http://www.fr-online.de/image/view/2015/5/24/31033020,33753516,dmFlashTeaserRes,IMGL5522_250615_4c.jpg[/url])

162.000 Beschäftigte fehlen nach Einschätzung von Verdi in den Kliniken, darunter 70.000 in der Pflege. Die bundesweite Aktion gegen den Pflegenotstand in den Krankenhäusern erfreut sich reger Beteiligung.


Zum Auftakt der Gesundheitsministerkonferenz der Länder in Bad Dürkheim hat Verdi zu der bisher größten Protestaktion im Gesundheitswesen aufgerufen: Zwischen 13 und 13.10 Uhr beteiligten sich am Mittwoch allein in Hessen die Pflegekräfte von über 75 Krankenhäusern, wie der zuständige Verdi-Sekretär, Stefan Röhrhoff, auf Anfrage erklärte. In der Zeit von 13 bis 13.10 Uhr findet in der Pflege die sogenannte Übergabe statt: Der Spätdienst wechselt den Frühdienst ab. Dadurch hoffte Verdi auf eine besonders gute Beteiligung.

„Unsere Erwartungen wurden übertroffen“, berichtete Röhrhoff, und auch die für die Rhein-Main-Region zuständige Sekretärin Hilke Sauthof-Schäfer war mit der Teilnehmerzahl sehr zufrieden. Mit dabei waren unter anderem das Klinikum in Höchst, die Uniklinik, die Krankenhäuser in Offenbach, Hanau, Langen und die Hochtaunuskliniken.

Bundesweit erhielt jeder Teilnehmer eine Nummer zwischen 1 und 162.000. Die Zahlen sollen den Personalmangel symbolisieren, denn 162.000 Beschäftigte fehlen nach Einschätzung von Verdi in den Kliniken, darunter 70.000 in der Pflege.

„Der Frust ist enorm groß“, sagte Röhrhoff. Es gebe „Überstunden ohne Ende“. In der Industrie würde das kein Arbeitgeber durchhalten. Verdi fordert unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Belastungen auf den einzelnen Stationen einen Pflegeschlüssel, also eine Vorgabe, wie viele Pflegekräfte für welche Anzahl von Patienten zuständig sind.
Kreisverband der Grünen unterstützt Protest

Die Enttäuschung über den am 11. Juni vorgestellten Entwurf des Krankenhaus-Strukturgesetzes ist aber nicht nur bei den Beschäftigten und der Gewerkschaft groß. Der Entwurf sieht nach Angaben von Verdi keine grundlegende Verbesserung, sondern nur maximal drei Stellen mehr pro Krankenhaus in der Pflege vor.

Nicht wenige Arbeitgeber teilen die Kritik an diesem Entwurf. Nach Einschätzung des Klinikverbundes Hessen ist von dem neuen Gesetz „keine Entlastung und Verbesserung der Situation von Pflegekräften und anderen Berufsgruppen in Krankenhäusern zu erwarten“.

Der Kreisverband der Grünen unterstützt die Verdi-Aktion. „Als Gesellschaft müssen wir endlich anerkennen, dass für Pfleger und Pflegerinnen mehr Geld aufgewendet werden muss, damit auch der Nachwuchs langfristig gesichert ist“, schrieben die Vorstandssprecher Marina Ploghaus und Bastian Bergerhoff am Mittwoch in einer Pressemitteilung.
http://www.fr-online.de/rhein-main/gesundheitswesen-protestaktion-gegen-pflegenotstand,1472796,31032978.html (http://www.fr-online.de/rhein-main/gesundheitswesen-protestaktion-gegen-pflegenotstand,1472796,31032978.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 20. September 2015, 23:08:13
ver.di hat eine Petition an den Bundestag für eine gesetzliche Personalbemessung in Krankenhäusern gestartet. Ziel ist -wie u.a. bei der Petition gegen Sanktionen im SGB II geschehen- mindestens 50.000 Unterzeichnende innerhalb der Frist zu gewinnen.

Die Petition kann online unterzeichnet werden unter: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2015/_08/_21/Petition_60583.nc.html (https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2015/_08/_21/Petition_60583.nc.html)

Möglichkeit Unterschriftenlisten in Papierform auszudrucken (gibt es sicherlich auch zum mitnehmen in den Gewerkschaftsbüros): http://www.der-druck-muss-raus.de/die-krankenhauspetition/unterschriftenliste-info-und-hinweise (http://www.der-druck-muss-raus.de/die-krankenhauspetition/unterschriftenliste-info-und-hinweise)


Zitat
Text der Petition

Die Krankenhauspetition für mehr Personal
Wir fordern vom Bundestag ein Gesetz zur Personalbemessung im Krankenhaus, das regeln soll, dass der reale Personalbedarf ermittelt wird sowie, dass die benötigten Stellen in allen Bereichen des Krankenhauses geschaffen und zweckgebunden außerhalb der Fallpauschalen finanziert werden. Das Pflegestellenförderprogramm im aktuellen Krankenhausstrukturgesetzentwurf reicht nicht, um eine sichere Patient/innenversorgung zu gewährleisten.
Begründung
Gefährlicher Personalmangel im Krankenhaus
Wer in den letzten Jahren zur Behandlung im Krankenhaus war oder dort Angehörige besucht hat, weiß: Das Personal in deutschen Krankenhäusern ist überlastet. Für notwendige Pflege- und Hygienemaßnahmen ist nicht genügend Zeit. Das hat einen Grund: Nach ver.di-Hochrechungen fehlen 162.000 Stellen an Krankenhäusern, davon alleine 70.000 in der Pflege. Diese werden dringend benötigt, um eine gute Versorgung der Patient/innen sicherzustellen. Denn die Zahl der Patient/innen und die Schwere der Erkrankungen nehmen zu. In Pflege, Therapie und Reinigung wurden zur gleichen Zeit aber massiv Stellen abgebaut. Während in der Schweiz eine Pflegefachkraft 5,5 Patient/innen versorgt und in Polen 9,3, ist eine Pflegekraft in Deutschland für 10,3 Patient/innen zuständig. Damit ist Deutschland europäisches Schlusslicht. Jede/r dritte Patient/in wird Opfer von Komplikationen oder muss krank wieder nach Hause gehen. Der Personalmangel kann sogar lebensgefährlich sein: Eine britische Studie belegt, dass das Risiko, in einem Krankenhaus zu sterben, bei einer schlechteren personellen Betreuung um 26 Prozent erhöht ist. Nicht nur die Patient/innen, auch das Personal leidet unter den Zuständen: Die starke körperliche und emotionale Belastung führt zu Burn-Out und anderen Erkrankungen. Krankenhäuser werden kaputt gespart – und wir alle zahlen dafür mit unserer Gesundheit. Das Gesetz der Ökonomie wird über das Gebot der Menschlichkeit gestellt.

Protestbewegung wächst
In den letzten Monaten haben hunderttausende Krankenhausbeschäftigte und Unterstützer/innen für mehr Personal im Krankenhaus demonstriert, Protestaktionen gestartet und gestreikt. Die Bewegung wächst und zeigt erste Erfolge. Immer mehr Politiker/innen nehmen die Sorgen der Krankenhausbeschäftigten und der Bevölkerung wahr. Uns reichen aber keine Versprechungen, wir wollen eine gesetzliche Regelung für ausreichend Personal im Krankenhaus. Nur so kann eine gute Versorgung der Patient/innen sichergestellt werden.

Geht nicht? Geht doch!
Im Bereich der Psychiatrien gibt es bereits eine Personalverordnung. Diese funktioniert und ist finanzierbar. Sie sichert Qualitätsstandards. In den 1990er-Jahren führte die „Pflegepersonalregelung“ in Krankenhäusern innerhalb von zwei Jahren zu 21.000 zusätzlichen Stellen im Pflegebereich. Diese Regelung wurde aber nach wenigen Jahren wieder außer Kraft gesetzt.

Gesetzliche Personalbemessung jetzt!
ver.di fordert eine wissenschaftlich gestützte und bedarfsgerechte Personalermittlung bis 2017 in allen deutschen Krankenhäusern, zunächst für die Pflege und dann für alle anderen Berufsgruppen. Das geforderte Gesetz soll den Einsatz des Personalbemessungsinstruments, dessen Kontrolle sowie die benötigte Finanzierung regeln. Die Finanzierung muss außerhalb der Fallpauschalen erfolgen und zweckgebunden sein. Der Bedarf soll pro Krankenhaus ermittelt werden und auch die Kontrollen sollen in jedem Krankenhaus stattfinden.


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 21. September 2015, 08:20:56
Zitat
Wolfsburg
Klinikum: Proteste gegen Reform

Mitarbeiter des Klinikums Wolfsburg protestieren gegen den Entwurf des Krankenhausstrukturgesetzes. Sie beteiligen sich am Mittwoch, 23. September, um 13 Uhr, an einem bundesweiten Aktionstag gegen die geplante Reform.


([url]http://www.waz-online.de/var/storage/images/waz-az/wolfsburg/stadt-wolfsburg/klinikum-proteste-gegen-reform/282595167-1-ger-DE/Klinikum-Proteste-gegen-Reform_pdaArticleWide.jpg[/url])
„Aktive Mittagspause“: Zuletzt hatte es im Juni Proteste am Wolfsburger Klinikum gegeben. Diesmal wollen Mitarbeiter Luftballons steigen lassen.

Unter anderem lassen sie Luftballons steigen und legen eine "aktive Mittagspause" ein.

„Stellvertretend für alle werden 15 Kollegen am Brandenburger Tor in Berlin an der zentralen Protestaktion teilnehmen“, kündigt Klinikumssprecher Thomas Helmke an. Insgesamt werden über 10.000 Krankenhausmitarbeiter aus der gesamten Bundesrepublik bei der Aktion erwartet. Aber auch in Wolfsburg soll ein Zeichen gesetzt werden: Die Mitarbeiter werden um 13 Uhr eine „Aktive Mittagspause“ einlegen. Unter dem Motto „Wir gehen in die Luft“ wollen sie vor dem Klinikum Luftballons steigen lassen, um auf die Unzulänglichkeiten der Reform hinzuweisen.

„Das geplante Gesetz ist keine Reform, es verschlechtert unsere Situation, statt sie zu verbessern“, macht Klinikumsdirektor Wilken Köster deutlich. So würde der Versorgungszuschlag von 0,8 Prozent wegfallen und es gäbe Kürzungen bei der jährlichen Vergütungsanpassung. Auch für die in Niedersachsen bestehende Investitionslücke von 1,5 Milliarden Euro biete das Gesetz keine nachhaltige Lösung. Dabei sei es wichtig, einen Weg zu finden, der eine vollständige Finanzierung der Personal- und Sachkosten der Krankenhäuser sowie notwendiger Investitionen schafft, meint Köster: Nur so könne „eine qualitativ hochwertige Versorgung der Bevölkerung mit stationären Krankenhausleistungen“ sichergestellt werden.
http://www.waz-online.de/Wolfsburg/Stadt-Wolfsburg/Klinikum-Proteste-gegen-Reform (http://www.waz-online.de/Wolfsburg/Stadt-Wolfsburg/Klinikum-Proteste-gegen-Reform)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 25. September 2015, 18:12:44
Zitat
Proteste gegen Klinikreform

Auch in Stuttgart sind Krankenhausbeschäftigte bei einer bundesweiten Aktion gegen die geplanten Klinikreform der Bundesregierung auf die Straße gegangen. Kritiker werfen Gesundheitsminister Gröhe vor, mit seinen Plänen ein weiteres Kliniksterben zu provozieren. Die Krankenhausbeschäftigten wollen keine weiteren Einbußen hinnehmen.


([url]http://cdn1.stuttgarter-zeitung.de/media.media.be3e50c6-3330-4a61-9b53-fd2333d3eee5.normalized.jpeg[/url])

Mit hunderten grüner Luftballons und Transparenten protestierten am Mittwoch Mitarbeiter verschiedener Krankenhäuser der Region Stuttgart auf dem Schlossplatz gegen die geplante Krankenhausreform der Bundesregierung. Das Vorhaben von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sei ein geschickt getarnter Versuch, die Krankenhäuser weiter „auszuhungern“ und so Kliniken und Betten zu reduzieren, kritisierte Stuttgarts Krankenhausbürgermeister Werner Wölfle (Grüne). An der bundesweiten Protestaktion in vielen Städten der Republik beteiligten sich mehrere tausend Klinikbeschäftigte. In Stuttgart waren es laut Polizei etwa 400.

Nicht nur von Stuttgarter Kliniken waren Mitarbeiter auf den Schlossplatz gekommen, auch aus Sindelfingen oder Esslingen waren Beschäftigte angereist. Auf Protesttafeln („Auch Krankenhäuser sind systemrelevant“, „Diese Reform belastet das Personal“) machten sie ihrem Ärger Luft. „Für alles ist Geld da, aber nicht für Gesundheit“, erklärte Margit Weinmann, die im Patientenmanagement des städtischen Klinikums arbeitet. Ihre Erfahrung der vergangenen Jahre: „Es werden immer mehr Stellen eingespart, die verbleibenden Leute haben immer mehr Arbeit. Es darf kein Geld mehr gestrichen werden.“

Seit Jahren werden Stellen gestrichen

„Die Krankenhäuser sind völlig unterfinanziert“, ist auch die Meinung von Thomas Lepke, der im Robert-Bosch-Krankenhaus in der EDV arbeitet. „Immer mehr Personalstellen werden gestrichen, es zählt nur noch die Optimierung“, kritisierte Lepke. Katrin Schröder, die als OP-Schwester in der Charlottenklinik für Augenheilkunde tätig ist, erklärte: „Personalkürzungen sind auch im OP ein Thema.“ Die Folge sind immer mehr Überstunden für die Beschäftigten. „Die Arbeitsbelastung hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen“, erklärte die OP-Schwester.

Peter Stöckel, der am Standort Sindelfingen des Klinikverbunds Südwest arbeitet, erläuterte dies beispielhaft. Als er Anfang der 1990er Jahre in der Pflege angefangen habe, seien auf einer Station vier bis fünf Vollzeitkräfte für 27 Patienten zuständig gewesen, heute seien es noch zwei. „Aber nur, wenn’s gut läuft, selbst dafür gibt es keine Garantie“, erzählte Stöckel, der zehn Jahre Stationsleiter war. Dazu komme ein enormer Dokumentationsaufwand: „Die Leute haben keine Zeit mehr das auszuüben, was sie gelernt haben.“

Kritiker fürchten: Reform wird Probleme verschärfen

Die geschilderte Entwicklung wird sich durch die geplante Krankenhausreform nochmals deutlich verschärfen, befürchten Kritiker. Die Arbeitsbedingungen des Personals und damit der Service für die Patienten werden sich verschlechtern, sagte Krankenhausbürgermeister Wölfle. Insgesamt werde den 230 Kliniken im Land etwa 125 Millionen Euro durch die Reform entzogen. Beim Diakonie-Klinikum würden alleine durch die Streichung des sogenannten Versorgungszuschlags etwa 650 000 Euro im Jahr entfallen, beim Klinikum Esslingen geht es um etwa eine Millionen Euro, beim Klinikum der Stadt Stuttgart um zwei Millionen Euro. „Das wäre fatal“, sagte Bernd Sieber vom Klinikum Esslingen. Und die genannten Zahlen umfassten nur etwa die Hälfte der befürchteten Kürzungen, machte Ralf-Michael Schmitz deutlich, der Geschäftsführer des städtischen Klinikums. Bernd Rühle, Geschäftsführer des Diakonie-Klinikums, erläuterte, dass schon heute der sogenannte Landesbasisfallwert, auf dessen Grundlage die Vergütungen berechnet werden, nicht die Tarifsteigerungen abdecke. „Weitere Kürzungen darf man dem Personal nicht zumuten“, sagte Rühle. „An der Stellschraube Personal kann man nicht mehr drehen – wir sind am Limit“, betonte Andrea Kiefer vom Bundesverband für Pflegeberufe (DBfK). Dass freilich alle Kürzungen auf den Personaletat durchschlagen, machte Ralf-Michael Schmitz deutlich: Die Personalkosten machen etwa zwei Drittel der Ausgaben in Krankenhäusern aus.

AOK-Landeschef widerspricht

AOK-Landeschef Christopher Hermann nannte die bundesweite Aktion dagegen eine „unsachliche Kampagne“ der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Die Betriebskostenfinanzierung der Krankenhäuser sei ausreichend. Defizite und unnötige Mengenausweitungen seien auf ineffiziente Krankenhausstrukturen und die unzureichende Finanzierung der Investitionen durch die Länder zurückzuführen.
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.krankenhaeuser-proteste-gegen-klinikreform.1b71042e-5375-414d-9303-9419808f9526.html (http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.krankenhaeuser-proteste-gegen-klinikreform.1b71042e-5375-414d-9303-9419808f9526.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Bowie am 27. September 2015, 09:58:58
Luftballons als Kampfmittel gegen die Gesundheitsindustrie?
Hat sich Verdi das ausgedacht?
Als Steigerung Wattebäuschchenwerfen gegen den Arbeitgeber!


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: dagobert am 27. September 2015, 17:11:06
Als Steigerung Wattebäuschchenwerfen gegen den Arbeitgeber!
Selbstverständlich, es soll ja schließlich nicht weh tun.
Wo kämen wir denn sonst hin?  >:D


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 14. Oktober 2015, 17:51:10
Zitat
Demo in Kiel
Krankenhaussterben im Land befürchtet

Gemeinsamer Protest von Klinikpersonal, Ärzten und Krankenhausbetreibern: Sie befürchten weitere Kürzungen bei der ohnehin chronischen Unterfinanzierung der Krankenhäuser. Stein des Anstoßes ist der Entwurf für ein geplantes Bundesgesetz.


([url]http://www.kn-online.de/var/storage/images/kn/news/aktuelle-nachrichten-kiel/nachrichten-aus-kiel/krankenhaussterben-in-schlewig-holstein-befuerchtet-demo-in-kiel/300909017-1-ger-DE/Krankenhaussterben-im-Land-befuerchtet_pdaArticleWide.jpg[/url])

Vor einem Krankenhaussterben in Schleswig-Holstein haben Klinikmitarbeiter und Arbeitgeber bei einer gemeinsamen Demonstration in Kiel gewarnt. Rund 500 Menschen beteiligten sich nach Angaben der Polizei und der Gewerkschaft Verdi an der Protestaktion am Mittwoch. Aufgerufen hatte zu der Kundgebung die Schleswig-Holsteinische Allianz für die Krankenhäuser. Neben Verdi und der Krankenhausgesellschaft als Arbeitgeberverband wird die Allianz von zahlreichen weiteren Organisationen wie der Diakonie, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband oder dem Marburger Bund unterstützt.

Im Zentrum der Kritik steht das von der Bundesregierung geplante Krankenhausstrukturgesetz, das die Finanzierung der Krankenhäuser künftig regeln soll. Die Kliniken dürften nicht die Sparschweine der Nation sein, hieß es auf der Kundgebung vor dem Rathaus. Die geplante Finanzierung sei unzureichend, es drohe weiterer Personalabbau und noch mehr Arbeitsverdichtung, was zu einer schlechten Patientenversorgung führen werde. Die Krankenhausgesellschaft kritisiert eine permanente Unterfinanzierung der Personal- und Sachkostensteigerungen in den Kliniken. Das künftige Gesetz sehe bei wenigen punktuellen Verbesserungen massive finanzielle Kürzungen vor.

Nach Einschätzung von Verdi lässt der bisherige Entwurf kleineren und mittleren Krankenhäusern keine Zukunftschancen. Große Konzerne seien wegen ihrer Kapitalkraft im Vorteil. Der Wettbewerb werde durch Personalabbau auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen, kritisierte Verdi-Landesfachbereichsleiter Steffen Kühhirt. Verdi fordert, dass die Personalausstattung von Klinikabteilungen gesetzlich geregelt werde. Dies sei bisher nicht der Fall. Es gebe nur Empfehlungen.

Das Krankenhausstrukturgesetz solle die Qualität verbessern. „Was als Qualitätssicherung daher kommt, ist in Wahrheit ein Programm, Krankenhäuser zu schließen und die Kapazitäten zu reduzieren“, berichtete Kühhirt. Das werde vor allem Krankenhäuser in kommunaler Trägerschaft treffen, weil sie nicht die Finanzkraft privater Krankenhäuser hätten.

Laut Verdi fehlen bundesweit 162 000 Stellen in den Krankenhäusern, allein in Schleswig-Holstein 3000 Stellen, vor allem in der Pflege. Scharf kritisierte Verdi das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein: Es sei ein Skandal, dass das landeseigene Uniklinikum — wieder einmal - mit schlechten Beispiel vorangehe. „Dort werden hunderte Stellen in der Pflege abgebaut aus wirtschaftlichen Gründen — und das, obwohl die Qualität schon jetzt im Keller ist und die Beschäftigten permanent überlastet sind“, kritisierte Kühhirt.

Der schleswig-holsteinische Marburger-Bund-Chef, der geriatrische Chefarzt Henrik Herrmann vom Westküstenklinikum in Brunsbüttel, forderte: „Krankenhäuser müssen durch eine sichere und ausreichende Finanzausstattung in die Lage versetzt werden, ihrer Verantwortung gegenüber ihren Patienten und ihren Beschäftigten nachkommen zu können.“ Eine vernünftige Qualität medizinischer und pflegerischer Leistungen sei nur mit entsprechendem Personal möglich.
http://www.kn-online.de/News/Aktuelle-Nachrichten-Kiel/Nachrichten-aus-Kiel/Krankenhaussterben-in-Schlewig-Holstein-befuerchtet-Demo-in-Kiel (http://www.kn-online.de/News/Aktuelle-Nachrichten-Kiel/Nachrichten-aus-Kiel/Krankenhaussterben-in-Schlewig-Holstein-befuerchtet-Demo-in-Kiel)

Klar, ich bin gegen Kürzungen. Ich bin aber wenig begeistert, wenn ich sehe, wie Arbeitgeber und Belegschaften gemeinsam demonstrieren.
Ich erinnere, wie damals HDW Arbeiter in von der Gewerkschaft organiserten Demos zum Landeshaus zogen, um für den Konzern staatliche Zuschüsse zu fordern. Das Ganze fand während der Arbeitszeit statt und wurde vom Arbeitgeber bezahlt.


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 20. August 2016, 14:22:46
Zitat
Als Kommunistischer Aufbau sind wir auf die kürzlich gegründete ‘Initiative Kämpferische Pflege’ (IKP) aufmerksam geworden. Dabei handelt es sich um einen klassenkämpferischen Organisierungsansatz von Pflegerinnen und Pflegern aus verschiedenen Arbeitsbereichen und Krankenhäusern. Wir drucken in dieser Ausgabe ein Interview der IKP mit zwei KollegInnen aus dem Krankenhaus ab, sowie einen kapitalismuskritischen Artikel dieser Initiative. Bitte sendet Rückmeldungen direkt an die Initiative unter organisierte.pflege[a]gmx.de

Zitat
Aus der weißen Fabrik – Interview mit zwei KrankenpflegerInnen

http://komaufbau.org/aus-der-weisen-fabrik-interview-mit-zwei-krankenpflegerinnen/ (http://komaufbau.org/aus-der-weisen-fabrik-interview-mit-zwei-krankenpflegerinnen/)
Zitat
Gute Pflege im Kapitalismus?!

http://komaufbau.org/gute-pflege-im-kapitalismus/ (http://komaufbau.org/gute-pflege-im-kapitalismus/)



Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 28. August 2016, 12:28:04
Zitat
Berliner Landesunternehmen
In Tochterfirmen der Kliniken droht Streik

Eigentlich hatte sich die Lage beruhigt, als die Charité sich verpflichtete mehr Schwestern und Pfleger einzustellen. Doch nun droht Streik bei einer Tochterfirma - und auch bei Vivantes.


([url]http://www.tagesspiegel.de/images/aerzte-stimmen-ueber-krankenhaus-streik-ab/14456522/1-format6001.jpg[/url])
Arbeitskämpfe gab es in den Berliner Kliniken öfter. An der Charité das erste Mal 2006, zu sehen auf dem Bild, zuletzt 2015.

In den Berliner Kliniken spitzt sich der Streit um die Tochterfirmen zu. Zunächst geht es um Reinigungskräfte, Hausmeister und Boten der Charité. Sie sind oft bei der „Charité Facility Management“ (CFM) beschäftigt, die geringere Löhne zahlt, als die landeseigene Universitätsklinik selbst. Für die meisten der mehr als 2000 CFM-Mitarbeiter gilt kein Tarifvertrag. Kalle Kunkel von der Gewerkschaft Verdi sagte: „Angesicht der Spaltungsversuche der CFM-Geschäftsführung sind Streiks nicht ausgeschlossen.“

Man orientiere sich an branchenüblichen Löhnen, reagierte ein CFM-Sprecher, höhere Forderungen gefährdeten die Wettbewerbsfähigkeit der Firma. Der Charité-Haustarif sei außerdem auf Ärzte und Pflegekräfte ausgerichtet. Zuletzt gab es Schlagzeilen, als die Charité dem bundesweit ersten Tarifvertrag für mehr Personal zustimmte. Die gewerkschaftlich organisierten Pflegekräfte der Klinik hatten 2015 nicht für mehr Lohn, sondern für mehr Kollegen gestreikt. Zuvor bestimmten Überstunden und Stress den Alltag auf den Stationen.

Kürzlich hatten sich auch 90 Prozent der Verdi-Mitglieder in der wichtigsten Tochterfirma der landeseigenen Vivantes-Kliniken für Streik ausgesprochen. Für 250 jener 900 Service-Beschäftigten gilt kein Tarifvertrag. Verdi fordert, dass alle 15.000 Vivantes-Beschäftigten nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes bezahlt werden. Der Vivantes-Vorstand hat nun bis Anfang nächster Woche Zeit zu reagieren. Ein SPD-Landesparteitag hatte 2015 beschlossen, Ausgliederungen aus Landesunternehmen sollten rückgängig gemacht werden.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-landesunternehmen-in-tochterfirmen-der-kliniken-droht-streik/14456060.html# (http://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-landesunternehmen-in-tochterfirmen-der-kliniken-droht-streik/14456060.html#)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 08. September 2016, 20:17:03
Zitat
Warnstreik an der Charité CFM und Solidemo am 07.09.2016: Für Löhne die zum Leben reichen! Gegen Tarifflucht und prekäre Beschäftigung an der Charité

([url]http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2016/09/cfm_streikdemo070916.jpg[/url])

Warnstreik an der Charité CFM und Solidemo am 07.09.2016: Für Löhne die zum Leben reichen! Gegen Tarifflucht und prekäre Beschäftigung an der CharitéIn der Service-Tochter der Charité, der Charité Facility Management (CFM) arbeiten viele Beschäftigte zu Löhnen, die nicht zum Leben reichen. Deshalb streiken sie am 7.9. für mehr Lohn: “Wir streiken für gute Löhne an der Charité. Denn die CFM (ausgegründete Charité Facility Management) gehört zur Charité. Wir machen Charité möglich. Die CFM wurde auf Grund einer Entscheidung des Berliner Senats gegründet. Er ist also mit verantwortlich für unsere Niedriglöhne. Deshalb tragen wir unseren Streik heute auch zu den politisch Verantwortlichen am Roten Rathaus.” Aufruf der Verdi Betriebsgruppe CFM unterstützt vom Bündnis Berlinerinnen und Berliner für mehr Personal im Krankenhaus. Siehe dazu Infos und Aufrufe:
http://www.labournet.de/branchen/dienstleistungen/gesund/gesund-arbeitskampf-divers/charite/warnstreik-an-der-charite-cfm-und-solidemo-am-07-09-2016-fuer-loehne-die-zum-leben-reichen-gegen-tarifflucht-und-prekaere-beschaeftigung-an-der-charite/#more-103923 (http://www.labournet.de/branchen/dienstleistungen/gesund/gesund-arbeitskampf-divers/charite/warnstreik-an-der-charite-cfm-und-solidemo-am-07-09-2016-fuer-loehne-die-zum-leben-reichen-gegen-tarifflucht-und-prekaere-beschaeftigung-an-der-charite/#more-103923)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 05. November 2016, 15:11:59
Zitat
Beschäftigte der Helios Amper Kliniken Dachau fordern mehr Personal


Die Botschaft war klar, der Andrang groß. Über 80 Klinikbeschäftigte stellten auf einer Podiumsdiskussion am 25.10.2016 im völlig überfüllten Café Gramsci in Dachau eine Forderung gegenüber der Helios Unternehmensführung nach mehr Personal und eine Sperrung von Betten bis dahin auf.

Die Unabhängige Betriebsgruppe am Klinikum lud zu der Veranstaltung mit Matthias Gramlich (Unabhängige Betriebsgruppe), Stefan Löwl (Landrat, Mitglied des Aufsichtsrats) und Claus Dieter Möbs (Bettriebsratsvorsitzender), ein. Bereits Anfang Oktober wurden die KollegInnen seitens der Betriebsgruppe in einem Flugblatt aufgefordert, dafür zu sorgen das ständige Arbeiten in Unterbesetzung nicht mehr zu dulden, stattdessen zusammen zu halten und für mehr Personal zu kämpfen. Mitte Oktober griff auch die Presse den Personalmangel und die schlechten hygienischen Zustände im Klinikum auf.

Im Februar 2014 übernahm die zum Gesundheitskonzern Fresenius gehörende Helios Klinken GmbH den Großteil ihres Konkurrenten Rhön Klinikum AG, zu der auch die Amper Kliniken in Dachau und Markt Indersdorf zählten. Seitdem ist Helios der größte Klinikkonzern in Europa. Helios steht in dem Ruf, seine Beschäftigten auszupressen und wird für seinen autoritären Führungsstil kritisiert. Es wird gespart an allen Ecken und Enden, um die angestrebte Gewinnspanne von 15% EBIT zu erreichen. So geschah es auch in Dachau, einer der fünf wirtschaftlich erfolgreichsten Kliniken innerhalb der 53 Rhön Kliniken. Die Arbeitsbelastung war bereits hier enorm, der Personalmangel existenziell. Mit der Übernahme durch Helios verschärfte sich Lage binnen zwei Jahren. Die Beschäftigten sind reiner Spielball der Konzerninteressen.

Am 21.10. musste Dachauer Klinikgeschäftsführer Engelbrecht im Kreistag über die Missstände berichten. Der Landkreis hält 5,1% Anteile an der Amper Kliniken AG. Dort wurde ein 7 Punkte Programm vorgelegt. Ein externer Dienstleister erledigt seit Mitte Oktober Reinigungsarbeiten, die zuvor im Juli der völlig überlasteten Pflege übertragen wurden.

Auf der Podiumsdiskussion wurden die Missstände, die in der Presse nur oberflächlich geschildert wurden, detailliert zur Sprache gebracht: Unbesetzte Stellen in Pflege, Service Personal und Reinigung. Dienstpläne mit bereits eingeplanten Überstunden, massive Krankheitsausfälle, Arbeiten mit zwei Pflegekräften weniger bei vollem Programm, PatientInnen, die nicht mehr versorgt und überwacht werden können, Herabwürdigens Verhalten der Helios Pflegedienstleitung, Einschüchterungen und Abmahnungen. Verstöße gegen geltendes Recht, wie mündliche Kündigung einer Krankenschwester im Januar, die Verplanung des Urlaubs des Reinigungspersonals. Die Liste war endlos. Gerade in dem Geflecht aus konzerneigenen Untergesellschaften gesellt sich Lohndumping zu freier Interpretation der Gesetzeslage. Von nachträglich geänderten Dienstplänen bis zu prophylaktischen Abmahnungen um die Leute unten zu halten.

Landrat Löwl war sichtlich erschrocken von dem Bild, das ihm dort von den Beschäftigten in den vielen Wortmeldungen dargeboten wurde. Helios führt seine Kliniken alle nach dem gleichen straffen Prinzip. Dachau ist kein Einzelfall, aber ein Spezialfall, durch die Anteile des Landkreises und die Rechtsform der AG. Die Veranstaltung wurde nach über zwei Stunden beendet, aber es hätte noch einmal so lang weiter gehen können. Das Café Gramsci war völlig überfüllt, Leute standen bis vor die Tür und hinter der Theke. Es war beeindruckend zu sehen, wie viele KollegInnen kamen und sich auch zu Wort meldeten. Man spürte, dass hier das Eis gebrochen war, dass man sich gegenseitig ermutigt fühlte und dass alle gemeinsame Interessen haben. Dies mündete in der wiederholten Forderung umgehend Betten zu sperren und mehr Personal in den genannten Berufsgruppen, v.a. in der Pflege, einzustellen. Nun gilt es dran zu bleiben, da Helios nicht für seine Nachgiebigkeit bekannt ist. Aber jetzt ist auch klar: Die Beschäftigten lassen sich nicht länger hinhalten. Die Veranstaltung war eine Initialzündung zu neuem Selbstbewusstsein und wiedergewonnenem Gemeinschaftsgefühl. Jetzt wird der Spieß umgedreht. Jetzt bekommt Helios Druck.

http://www.fau.org/artikel/art_161029-180645 (http://www.fau.org/artikel/art_161029-180645)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 07. November 2016, 12:53:37
In der Süddeutschen Zeitung und im Münchner Merkur sind zwei ausführliche Berichte über die o.g. Podiumsdiskussion veröffentlicht, die zu lesen sich lohnt.

Zitat
Klinikbelegschaft rechnet mit Unternehmensführung ab

Auf einer Podiumsdiskussion über die pflegerische Qualität des Dachauer Klinikums forden Mitarbeiter einen Aufnahmestopp für Patienten.
Von Wolfgang Eitler, Dachau

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/dachau-klinikbelegschaft-rechnet-mit-unternehmensfuehrung-ab-1.3223485 (http://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/dachau-klinikbelegschaft-rechnet-mit-unternehmensfuehrung-ab-1.3223485)

Zitat
Desaströse Zustände im Dachauer Krankenhaus

Dachau - Bei einer Podiumsdiskussion am Dienstagabend haben sich die Pflegekräfte des Helios Amper-Klinikums Dachau Gehör verschafft. Folgt man ihren Angaben, dann herrschen im Krankenhaus oben auf dem Weblinger Hang desaströse Zustände.

http://www.merkur.de/lokales/dachau/dachau/desastroese-zustaende-dachauer-krankenhaus-podiumsdiskussion-caf-gramsci-6908852.html (http://www.merkur.de/lokales/dachau/dachau/desastroese-zustaende-dachauer-krankenhaus-podiumsdiskussion-caf-gramsci-6908852.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Fritz Linow am 06. Dezember 2016, 10:19:04
Zitat
Pflege-Demonstration in Siegen

Pflegekräfte und Ärzte haben am Abend (05.12.2016) gegen die schlechten Arbeitsbedingungen in ihrer Branche mobil gemacht. Etwa 100 Leute versammelten sich auf dem Scheinerplatz zu einer Kundgebung.

Die Pflegekräfte setzen sich für eine bessere Bezahlung und mehr Wertschätzung für ihre Arbeit ein. Sie beklagen, die Situation in Krankenhäusern und Pflegeheimen sei mittlerweile gefährlich, sowohl für die Patienten, als auch die Pfleger. Weil immer mehr Personal eingespart wird, könne die Arbeit nicht mehr sorgfältig gemacht werden.

http://www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/demonstration-pflegekraefte-siegen100.html (http://www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/demonstration-pflegekraefte-siegen100.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 14. Dezember 2016, 18:03:17
Zitat
Protest in Griechenland
Pfleger mauern Gesundheitsministerium zu

In Athen mauern wütende Angestellte den Eingang des Gesundheitsministeriums zu. Sie protestieren damit gegen die dramatischen Zustände im Gesundheitssystem. Das Leben von Patienten sei in Gefahr, sagen sie.


(https://pbs.twimg.com/media/CznlJk8XUAAnGej.jpg)

Aus Protest gegen Gehaltskürzungen und Personalmangel haben Beschäftigte des griechischen Gesundheitssystems und Gewerkschafter den Eingang des Gesundheitsministeriums in Athen mit Zementblöcken zugemauert.

 "Das machen wir symbolisch. So wie die Lage jetzt ist, brauchen wir gar kein Gesundheitsministerium", sagte ein Gewerkschaftssprecher Reportern griechischer Fernsehsender, die die Aktion zeigten. Wegen des Personalmangels und der Einsparungen sei das Leben der Patienten in Gefahr. Das gesamte Gesundheitssystem breche zusammen, hieß es weiter.

Regierungschef Alexis Tsipras hatte in den vergangenen Tagen versprochen, 5000 neue Stellen für Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger zu schaffen. Wegen der dramatischen Finanzlage waren in den vergangenen sechs Jahren kaum neue Ärzte und Pfleger eingestellt worden. Zudem sind Tausende griechische Ärzte und Krankenpfleger ausgewandert.
http://www.n-tv.de/panorama/Pfleger-mauern-Gesundheitsministerium-zu-article19321766.html (http://www.n-tv.de/panorama/Pfleger-mauern-Gesundheitsministerium-zu-article19321766.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 24. Dezember 2016, 21:07:32
Dass in den weissen Fabriken Stress und Arbeitshetze herrschen ist Allgemeinwissen.
Profitieren möchte davon nun auch die Bundeswehr:

(https://abload.de/img/san-kampagnenmotiv-2-2ishh.jpg) (http://abload.de/image.php?img=san-kampagnenmotiv-2-2ishh.jpg)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 20. Februar 2017, 00:31:47
Zitat
Fresenius Helios ist der Umsatzstärksten Klinikkonzern Deutschlands. Die Beschäftigten am Dachauer Standort leiden unter gnadenloser Arbeitsintensivierung und Outsourcing. Interview mit Matthias Gramlich von der Unabhängigen Betriebsgruppe.

https://www.direkteaktion.org/2017-2/ich-meine-damit-streik (https://www.direkteaktion.org/2017-2/ich-meine-damit-streik)

bzw. ungekürzt hier: http://projekte.free.de/faum/fau-m/index.php/de/kaempfe-kampagnen/amperkliniken/aktuelles/177-helios-klinikum-dachau-jegliche-kritik-wird-ausgesessen-interview-mit-betriebsgruppenmitglied (http://projekte.free.de/faum/fau-m/index.php/de/kaempfe-kampagnen/amperkliniken/aktuelles/177-helios-klinikum-dachau-jegliche-kritik-wird-ausgesessen-interview-mit-betriebsgruppenmitglied)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 09. März 2017, 05:33:10
Zitat
Die UZ sprach mit Kati Ziemer, Gesamtpersonalrätin Charité und Betriebsrätin CFM (Charité Facility Management) über den Stand der Umsetzung des „Tarifvertrag Personalbemessung“ an der Charité und die bundesweite Kampagne von ver.di zum „Tarifvertrag Entlastung“

(...)

UZ: Wie ist der Stand der Umsetzung des Tarifvertrages an der Charité? Wie findet Personalbemessung statt, wie wird die Einhaltung kontrolliert und auf welche Widerstände stoßen die Kolleginnen und Kollegen? Ist mit dem Abschluss der Tarifverhandlungen der Kampf um die Durchsetzung bzw. Umsetzung des Tarifvertrages schon beendet?

Kati Ziemer: Die Umsetzung gestaltet sich seit Beginn der Laufzeit äußerst schwierig. Zum Einen ist dem Arbeitgeber nicht ganz klar gewesen, welche Aufgabe mit der Berechnung der Personalkennzahlen auf ihn zukam. Zum Anderen haben die Kolleginnen und Kollegen große Hoffnungen auf die positive Veränderung ihrer Arbeitssituationen gelegt.
Auf dem Papier standen die Zahlen, aber in der Realität ist es unglaublich schwer, das geforderte Personal zu finden. Es ist ein deutschlandweites Problem, dass viel zu wenig gut geschultes Fachpersonal zu finden ist, das unter diesen Bedingungen arbeiten möchte. Die Dimension ist mit dem Tarifvertrag sehr klar geworden. Hier prallen die Kennzahlen des Wirtschaftsplanes der Haushaltsverantwortlichen jeder einzelnen Klinik der Charité auf die Forderungen aus dem TV.
Klare Forderung aus dem TV: Wenn nicht ausreichend Personal vorhanden ist, dann müssen die Leistungen eingeschränkt werden. Das bedeutet weniger Operationen, weniger Patienten, heißt weniger Umsatz, eventuell keine schwarze Null! Das ist der wunde Punkt im Konzern Charité. Dieses positive Ergebnis wurde bisher genutzt, um längst fällige Investitionen an der baulichen Substanz durchzuführen.

(...)

http://www.unsere-zeit.de/de/4909/wirtschaft_soziales/4879/Personalbemessung-bei-der-Charit%C3%A9.htm (http://www.unsere-zeit.de/de/4909/wirtschaft_soziales/4879/Personalbemessung-bei-der-Charit%C3%A9.htm)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: xyu am 20. März 2017, 13:13:18
interessanter artikel, der aufzeigt wie die von den streikenden beabsichtigten folgen des gefeierten tariftvertrags an der charité berlin konkret ins leere laufen gelassen wurrden, u.a. durch den abbau von leiharbeiterInnen.

Zitat
Arbeitsbedingungen bei der Charité
Krankenhaus bleibt krank

Der Tarifvertrag, der Mindestbesetzung der Stationen vorschreibt, wird nicht eingehalten, kritisiert Verdi und will nachbessern. Erneut droht ein Streik.

Trotz Vereinbarung zu Mindestbesetzung: PflegerInnen der Charité weiter chronisch überlastet Foto: dpa

An der Charité droht ab Sommer erneut ein Arbeitskampf. Nach Ansicht von Verdi hält sich die Arbeitgeberseite in vielen Punkten nicht an den im vorigen Jahr abgeschlossenen Tarifvertrag. So lautete der Tenor einer Bilanzpressekonferenz am Mittwoch. Die Gewerkschaft will daher den zum 30. Juni auslaufenden Vertrag nachbessern.

Doch die Gegenseite weigert sich. „Die Charité lehnt es ab, erneut das Versuchsfeld der Tarifpolitik von Verdi zu sein für ein bundespolitisches Gesundheitsproblem“, sagte der Ärztliche Direktor Ulrich Frei der taz. Dann werde man eben streiken, erwiderte Carsten Becker, Verdi-Betriebsgruppenleiter der Klinik. „Die Signale der Beschäftigten sind ganz klar.“
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Im April 2016 hatten die landeseigene Klinik und die Gewerkschaft nach jahrelangen Verhandlungen und mehreren Streiks einen viel beachteten Tarifvertrag abgeschlossen. Darin wurde erstmals eine Mindestausstattung mit Personal für Intensivmedizin, stationäre Krankenpflege und Kinderklinik festgelegt sowie eine Aufstockung der Nachtdienste um bis zu 40 Stellen vereinbart. Zudem wurden abgemacht, dass bei Personalmangel Leiharbeitskräfte anzufordern oder Betten zu sperren sind, um eine Überlastung der Mitarbeiter zu vermeiden.

Der Abschluss wurde damals von CDU bis Linkspartei als Novum mit bundesweiter Signalwirkung gefeiert. Tatsächlich will inzwischen sogar die Große Koalition im Bund Untergrenzen für die personelle Ausstattung von Kliniken vorschreiben, wie Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vorige Woche erklärte. Auch Verdi lobt: „Der Tarifvertrag war ein guter und erster Einstieg in die Debatte um gute Arbeit im Krankenhaus“, so Gewerkschaftssekretär Kalle Kunkel am Mittwoch. Es sei schön, dass es jetzt bundesweit Nachahmer gebe. Aber: Die Vereinbarung kranke grundsätzlich daran, dass sie keinerlei Sanktionen vorsehe, wenn sich eine Seite nicht daran hält.
Stellen beim Nachtdienst reduziert statt aufgestockt

Genau das wirft Verdi der Charité vor: So habe sie bis heute keine Zahlen vorgelegt, wie viel Personal für die Intensivmedizin zur Verfügung stehen. Bei 50 Prozent der Normalstationen fehle mindestens eine Pflegekraft; auf knapp 30 Prozent der Stationen „werden zwischen 10 und 25 Prozent weniger Pflegekräfte eingesetzt als durch den Tarifvertrag vorgesehen“, so Kunkel. Zudem sei die Zahl der Nachtdienststellen nicht aufgestockt, sondern sogar um 20 Stellen reduziert worden.

Was dies für die Mitarbeiter bedeutet, schilderte Krankenpflegerin Astrid Rischawy-Mariano so: „Wir werden häufig gebeten, kurzfristig in anderen Stationen auszuhelfen. Aber das reißt ein Loch in einer anderen Station.“ Wenn jemand krank sei, gebe es keinen Ersatz, „Betten werden nicht gesperrt, alles läuft ganz normal.“ So habe eine Pflegekraft dann tagsüber teils 15 bis 16 PatientInnen zu versorgen – statt wie vorgesehen 8 bis 9.
Armin Thomaß, Pfleger

„Es ist ein täglicher Kampf um jedes Bett“

Auch Armin Thomaß, Pfleger auf der Intensivstation und Mitglied der Verdi-Tarifkommission, berichtete: „Es ist ein täglicher Kampf um jedes Bett.“ Wenn Personal auf einer Station fehlt, könne man nicht einfach Leiharbeiter anfordern, sondern müsse eine komplizierte Bürokratie in Gang setzen – mit dem Ergebnis, dass Ersatzpersonal zu spät oder gar nicht kommt. Und wenn Betten gesperrt werden müssten, um Personal zu entlasten, verhindere dies häufig der kaufmännische Direktor mit dem Argument, man brauche die Einnahmen.
Leiharbeit massiv abgebaut

Eine der Ursachen für den eklatanten Personalmangel ist aus Verdi-Sicht, dass die Charité zwar mehr Personal eingestellt, gleichzeitig aber massiv Leiharbeit abgebaut habe. Das sei „absolut unverständlich“, so Kunkel, solange man nicht genug festes Personal habe, um die vertraglich festgelegte Personalausstattung überhaupt zu erreichen.

Dagegen lobt der Ärztliche Direktor Frei, die Charité habe „trotz der schwierigen Arbeitsmarktlage mehr als 200 Vollkräfte in Pflege- und Funktionsdienst eingestellt“. Und man werde auch die absehbar notwendigen weiteren 70 Kräfte einstellen. Die Gewerkschaft sei nur unzufrieden, „weil ihr kurzfristige Eingriffe in Personalführung und Bettenkapazität verweigert wurden“.

Verdi hofft nun auf ein Machtwort der Politik. Kommende Woche tagt der Charité-Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender der Regierende Bürgermeister ist. Im vorigen Jahr hätten alle den Vertrag gelobt, erinnert Kunkel: „Wir werden sehen, wie die Politik nun dazu steht.“

http://taz.de/Arbeitsbedingungen-bei-der-Charite/ (http://taz.de/Arbeitsbedingungen-bei-der-Charite/)!5389603/


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 21. Mai 2017, 18:45:24
Zitat
Verdi ruft zu fünftägigem Streik an der Charité auf

An der Berliner Charité eskaliert die Auseinandersetzung um Lohnforderungen für die Beschäftigten der Charité-Servicetochter CFM. Die Gewerkschaft Verdi rief zu Arbeitsniederlegungen auf, die bis Sonntag andauern sollen.

Er rechne damit, dass sich zum Auftakt am Mittwoch rund 150 Mitarbeiter daran beteiligen, sagte Verdi-Verhandlungsführer Kalle Kunkel. Die Gewerkschaft fordert eine Angleichung der Löhne von CFM-Angestellten an die Gehälter der Charité-Beschäftigten.

Momentan gebe es einen Lohnunterschied von 30 bis 40 Prozent, sagte Kunkel. Die Streikmaßnahmen beeinträchtigten vor allem die Krankentransporte und die Stations- und OP-Versorgung.
http://www.bz-berlin.de/berlin/mitte/verdi-ruft-zu-fuenftaegigem-streik-an-der-charite-auf (http://www.bz-berlin.de/berlin/mitte/verdi-ruft-zu-fuenftaegigem-streik-an-der-charite-auf)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 15. August 2017, 18:48:39
Zitat
Streik für Personal - und Kritik an der Bundespolitik

Am Dienstag streiken Charité-Pflegekräfte. Es geht erneut um mehr Personal. Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach (SPD) kritisiert die Bundesregierung.


Die Debatte um die Zukunft der Charité spitzt sich zu. Am Dienstag werden wegen angekündigter Streiks Behandlungen verschoben, während die Klinik nun auch im Bundestagswahlkampf eine Rolle spielt – und dabei einen Streit um die Finanzierung der Kliniken zwischen CDU und SPD auslösen dürfte. Der nicht ausgestandene Tarifkonflikt trägt dazu bei. Die Gewerkschaft Verdi ruft die Pflegekräfte für den 8. August an den Standorten in Mitte, Wedding und Steglitz zum Kurzausstand auf – die Patienten sind informiert. Termine wurden verschoben, Notfälle werden versorgt.
http://www.tagesspiegel.de/politik/charite-im-bundestagswahlkampf-streik-fuer-personal-und-kritik-an-der-bundespolitik/20153066.html (http://www.tagesspiegel.de/politik/charite-im-bundestagswahlkampf-streik-fuer-personal-und-kritik-an-der-bundespolitik/20153066.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Fritz Linow am 01. September 2017, 19:23:51
Am 12.9.17 ist Aktionstag zur Händedesinfektion in Krankenhäusern. Eigentlich schon traurig genug, dass man auf grundlegende Schutzmaßnahmen aufmerksam machen muss:

Zitat
Alle wissen, dass die Händedesinfektion das A und O bei der Vermeidung nosokomialer Infektionen ist. Alle wissen aber auch: dafür fehlt die Zeit. Insgesamt etwa zwei Stunden braucht eine Pflegekraft pro Schicht durchschnittlich für die vorgeschriebene Desinfektion. Doch wenn sie sich diese Zeit für die Desinfektion nimmt, fällt notgedrungen etwas anderes weg. Diesen Skandal machen wir sichtbar. (…)

https://gesundheit-soziales-bayern.verdi.de/branchen/krankenhaeuser/++co++dfbe1648-840e-11e7-9ccb-525400940f89 (https://gesundheit-soziales-bayern.verdi.de/branchen/krankenhaeuser/++co++dfbe1648-840e-11e7-9ccb-525400940f89)

Noch trauriger ist das, was gerade in der Schweiz getestet wird, wobei das Ergebnis auch nicht ohne ist:

Zitat
17.8.17
Smarte Kameras überwachen Krankenhaushygiene

EPFL-Forscher [url]http://epfl.ch[/url] ([url]http://epfl.ch[/url]) setzen gegen lästige Infektionen mit Krankenhauskeimen in Europas Spitälern statt menschlichen Kontrolleuren auf eine smarte Kombination aus raumerfassenden Tiefenkameras und Algorithmen, die selbständig die Handhygiene in Krankenhäusern überwachen. (…) "Ich halte nicht sehr viel davon, die Handhygiene mit Kameras zu kontrollieren. Das geht mir zu sehr in Richtung Überwachung und wäre den betreffenden Personen sicherlich unangenehm", gibt der Mediziner zu bedenken. (…) Das Ergebnis ist ernüchternd: Von insgesamt 170 Personen, die ein Zimmer betreten haben, haben nur 30 die Desinfektionsverteiler benutzt.

https://www.wallstreet-online.de/nachricht/9830148-smarte-kameras-ueberwachen-krankenhaushygiene (https://www.wallstreet-online.de/nachricht/9830148-smarte-kameras-ueberwachen-krankenhaushygiene)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 19. September 2017, 16:56:53
Zitat
Ver.di ruft zu Warnstreiks an Kliniken auf

Berlin: Die Gewerkschaft Verdi hat Klinikbeschäftigte in mehreren Bundesländern für heute zu Warnstreiks aufgerufen. Betroffen sind unter anderen auch Krankenhäuser in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Mit den Arbeitsniederlegungen soll nach Angaben von Verdi gegen eine schlechte Personalausstattung in den Krankenhäusern protestiert werden. Die Beschäftigten seien dadurch permanent überlastet, erklärte Bundesvorstandsmitglied Bühler. Die Gewerkschaft fordert deshalb, im Tarifvertrag eine Untergrenze für die Personalstärke an Kliniken festzulegen.
NDR Info 19.09.2017 13:00 Uhr


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 27. September 2017, 10:58:25
Zitat
Düsseldorf
Jede dritte OP an der Uniklinik wegen Streik verschoben


([url]http://bc03.rp-online.de/polopoly_fs/verwendung-zusammenhang-tarifstreit-uniklinik-2017-1.7091749.1505833511[/url]!httpImage/1337263809.jpg_gen/derivatives/d540x303/1337263809.jpg)

An der Uniklinik in Düsseldorf wird gestreikt. Rund 400 Mitarbeiter haben am Dienstag die Arbeit niedergelegt. Vor allem die Patienten leiden unter den Engpässen, sagt ein Kliniksprecher. Verdi verteidigt die Aktion.


Seit 6 Uhr am Dienstagmorgen läuft der Streik am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD). Rund 400 bis 450 Mitarbeiter sind dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi gefolgt, schätzt Wolfgang Cremer, NRW-Fachbereichsleiter Gesundheit und Soziales.

Laut Kliniksprecher Stefan Dreising leiden die Patienten unter dem Streik. "Das Augenfälligste ist wohl die eingeschränkte Speiseversorgung", sagt Dreising. Weil in der Küche 35 Mitarbeiter die Arbeit niedergelegt haben, kann keine Auswahl an Speisen angeboten werden, es gibt lediglich einen Eintopf zum Mittagessen – einmal mit und einmal ohne Fleisch.

Um wenigstens die Notversorgung aufrecht zu erhalten, seien am Montag noch Mitarbeiter aus dem Einkaufsbereich geschult worden, die am Dienstag in der Küche aushelfen. Die Cafeteria für die Beschäftigten bleibt komplett geschlossen. Auch im medizinischen Bereich wird gestreikt, einige Operationen müssen verschoben werden. Laut Dreising können etwa ein Drittel Operationen weniger durchgeführt werden als an einem normalen Tag, die dringlichen Operationen würden aber stattfinden. Außerdem bleibt auch die Kita der Klinik geschlossen, beim Patiententransport kommt es aufgrund des Ausstands zu langen Wartezeiten.

Weitere Streiks nicht ausgeschlossen

Der Streik läuft noch bis Mittwochmorgen, 6 Uhr. Danach wird sich der Betrieb am UKD wieder relativ schnell normalisieren, hofft Kliniksprecher Dreising. In der Küche kann es allerdings noch ein wenig länger dauern, bis alles wieder den gewohnten Gang geht. Denn Vorbereitungen, die normalerweise am Dienstag für den Mittwoch getroffen werden, bleiben aufgrund des Streiks liegen.

Weitere Streiks an der Uniklinik sind laut Verdi nicht ausgeschlossen. Im Tarifkonflikt um die beiden Tochtergesellschaften GKD (u.a. Reinigung und IT) und UKM (Handwerker, Fahrdienste, Pförtner) sei dieser Warnstreik bereits der siebte. "Hier kommt es jetzt ganz stark darauf an, wie der Arbeitgeber reagiert", sagt Verdi-Vertreter Cremer. Eine weitere Eskalation des Konflikts sei nicht ausgeschlossen. Die Mitarbeiter des Krankenhauses wollen mit einem 24-stündigen Ausstand auf ihre schwierigen Arbeitsbedingungen hinweisen.

Im Konflikt um einen Entlastungsvertrag für das medizinische Personal ist der Streik am Dienstag das erste Signal seitens der Gewerkschaft. Hier will Verdi erst einmal abwarten, ob sich in den kommenden Wochen Gespräche zwischen den Parteien ergeben.

Die Fronten scheinen zumindest auf den ersten Blick verhärtet. Kliniksprecher Stefan Dreising sagt: "Das ist ein Streik, ausgetragen auf dem Rücken der Patienten." Verdi-Fachbereichsleiter Wolfgang Cremer hält dagegen, die Beschäftigen würden lediglich ihr Grundrecht auf Streik wahrnehmen.
http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/streik-an-uniklinik-duesseldorf-jede-dritte-op-verschoben-aid-1.7091306 (http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/streik-an-uniklinik-duesseldorf-jede-dritte-op-verschoben-aid-1.7091306)


Zitat
Augsburg
400 Mitarbeiter aus dem Klinikum streiken für mehr Personal

Die Beschäftigten im Pflegebereich fordern Mindeststandards für die Besetzung von Stationen und bessere Ausbildungsbedingungen.


([url]http://bilder.augsburger-allgemeine.de/img/augsburg/crop42773116/3477213985-ctopTeaser/WYS2393.jpg[/url])

Rund 400 Beschäftigte des Augsburger Klinikums sind heute in den Warnstreik getreten. Die Gewerkschaft Verdi hatte die Klinikmitarbeiter zum ganztägigen Arbeitskampf aufgerufen, weil der Vorstand des Klinikums sich nach ihren Angaben geweigert hatte, Tarifverhandlungen für Entlastung des Klinikpersonals aufzunehmen. Die Gewerkschaft fordert eine Mindestpersonalausstattung, einen Belastungsausgleich und die Verbesserung der Ausbildungsbedingungen.

Durch den Streik waren nach Angaben von Verdi 13 von 32 Operationssäle geschlossen und etwa 200 von 1751 Krankenhausbetten betroffen. Eine Gefährdung der Patienten wurde durch eine Notdienstvereinbarung ausgeschlossen, die zwischen Verdi und dem Arbeitgeber abgeschlossen wurde.

„Mehr Personal auch nach der Wahl“


Die Demonstration führte die Mitarbeiter vom Plärrer zum Rathausplatz. „Mehr Personal auch nach der Wahl“ oder „Jeder Tag ist ein Kampf und wir kämpfen ihn für bessere Bedingungen in der Pflege“ stand unter anderem auf den Transparenten. Stefan Jagel von Verdi Augsburg stellte fest, dass die Situation in den Krankenhäusern nahe am Kollabieren sei. „Überall kracht es im System. Unsere Geduld ist am Ende“, sagte er. Schwester Renate, 61, schilderte, dass sie teilweise zu zweit die Pflege auf einer Station mit 44 Patienten bewerkstelligen müssten. Die Personaldecke sei so dünn, dass niemand mehr einspringen würde, wenn mal ein Kollege krank ist. So ergeht es auch einer Krankenschwester aus der Kardiologie. Den Nachtdienst müsse sie teilweise alleine stemmen, so die 30-Jährige. „Mein ganzes Leben kann ich unter den Umständen nicht ganztags arbeiten“, sagte sie auf dem Rathausplatz. Es sei einfach zu anstrengend. Kollegen würden zehn Tage durcharbeiten, um nach einer zweitägigen Pause wieder zehn Tage am Stück zu arbeiten. „Die Folge ist, dass keine Zeit mehr für Pflege bleibt“, betonte Jagel. Nach den Koalitionsverhandlungen bräuchte es eine Gesamtlösung für die Pflegekräfte im Krankenhaus und vor allem auch eine Mindestbesetzungsregel.
http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/400-Mitarbeiter-aus-dem-Klinikum-streiken-fuer-mehr-Personal-id42773121.html (http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/400-Mitarbeiter-aus-dem-Klinikum-streiken-fuer-mehr-Personal-id42773121.html)

Zitat
Charité
Streik der Pfleger geht am Montag weiter

([url]http://www.berliner-kurier.de/image/28491298/2x1/940/470/9a06dd88a450f954b70c1364de0a54c7/XY/streikende-der-charit%C3%A9.jpg[/url])

Wieder müssen sich Patienten auf die Absage ihres OP-Termins und andere Einschränkungen einstellen: Der Streik der Pflegekräfte an der Berliner Charité geht nächste Woche weiter. Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten von Montag (2. Oktober) an zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. „Wir erwarten, dass die Charité endlich mit einem verbesserten Angebot an den Verhandlungstisch zurückkehrt“, erklärte Carsten Becker von der Verdi-Tarifkommission am Dienstag.

Europas größte Universitätsklinik war bereits in der vergangenen Woche durchgehend bestreikt worden. Die Leitung musste deshalb einen Teil der planbaren Operationen absagen, auch einige Stationen waren geschlossen. Verdi hatte den Ausstand zuletzt nur ausgesetzt.

In dem Streit geht es nicht um die Vergütung der Pflegekräfte, sondern um die Einhaltung von Mindestbesetzungen. Dies will die Gewerkschaft auch einklagen können. Der Arbeitgeber lehnt das ab - er verweist auf den Fachkräftemangel und Bemühungen, mit denen das benötigte Personal nach und nach gewonnen werden soll.
http://www.berliner-kurier.de/28491278 (http://www.berliner-kurier.de/28491278) 


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Fritz Linow am 08. Oktober 2017, 12:46:33
Zitat
8.10.17
 Gesundheitssystem in Polen

Hungern für bessere Arbeitsbedingungen

Fachärzte verdienen in Polen etwa 700 Euro im Monat. Weil viele davon nicht leben können, arbeiten sie in mehreren Krankenhäusern - bis zur völligen Überarbeitung. Seit einer Woche protestieren 20 junge Ärztinnen mit einem Hungerstreik gegen diese Bedingungen. (...)

http://www.tagesschau.de/ausland/hungerstreik-aerzte-polen-101.html (http://www.tagesschau.de/ausland/hungerstreik-aerzte-polen-101.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 25. Oktober 2017, 15:12:07
Zitat
Krakau, Breslau, Danzig
Mehr polnische Ärzte treten in Hungerstreik

Erst begannen Nachwuchsärzte in Warschau zu hungern, um auf schlechte  Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen. Nun protestieren auch Mediziner in anderen polnischen Städten.


([url]http://cdn3.spiegel.de/images/image-1205496-860_poster_16x9-sxsk-1205496.jpg[/url])

Seit fünf Tagen hat Marcin Radoch nichts gegessen. Der Assistenzarzt ist in den Hungerstreik getreten, um gegen schlechte Arbeitsbedingungen an polnischen Krankenhäusern zu protestieren. Er campiert mit 19 Kollegen im Erdgeschoss der Warschauer Uni-Kinderklinik. "Es gibt zu wenig Personal, zu wenig Geld und Unmengen an Bürokratie", sagte Radoch der Nachrichtenagentur dpa.

Vor mehr als drei Wochen begannen polnische Nachwuchsärzte damit, sich gegen ein System aufzulehnen, das in ihren Augen nicht mehr funktionieren kann, weil es stark unterfinanziert ist. Wegen Überarbeitung sind mehrere Mediziner nach Angaben des polnischen Ärzteverbands in diesem Jahr im Dienst gestorben.

Zunächst hatten Ärzte in Warschau ihre Arbeit niedergelegt. Inzwischen hat sich der Protest auf Kliniken in Krakau, Lodz, Stettin, Breslau und Danzig ausgeweitet, wie die Vereinigung der Nachwuchsärzte mitteilt, die den Hungerstreik organisiert.

Um Solidarität mit den Assistenzärzten zu bekunden, riefen Kollegen der Region um Krakau für diesen Mittwoch zur Protestaktion "Tag ohne Arzt" auf. Ihren Dienst wollten die Ärzte auf Notfälle beschränken.

18 Tage im Monat 24-Stunden-Schichten

Die Mediziner fordern die Regierung dazu auf, die Gehälter aufzustocken und mehr Geld für das Gesundheitssystem auszugeben. Die Mittel sollten binnen drei Jahren auf 6,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen, fordern sie. Die Regierung schlägt dagegen vor, die Mittel bis 2025 auf 6 Prozent von bisher 4,7 Prozent zu erhöhen.

Radoch ist an bis zu 18 Tagen im Monat 24 Stunden am Stück im Dienst und operiert. "Weil die Gehälter so niedrig sind, müssen wir so viel arbeiten, um davon leben zu können", sagt der Assistenzarzt, der im zweiten Jahr umgerechnet 520 Euro netto verdient. "Davon kann ich in Warschau schon als Alleinstehender kaum leben."

Der Hungerstreik der Nachwuchsärzte wird auch vom Verband medizinischer Berufe und Polens Ärztekammer (NIL) unterstützt. "Ein überarbeiteter Arzt ist wie gar kein Arzt", schrieb der NIL-Vorsitzende Maciej Hamankiewicz in einem Brief an die hungernden Ärzte.

Kranke nicht richtig versorgt

"Wir kämpfen nicht nur für uns, sondern vor allem für die Patienten", sagt Assistenzarzt Radoch. "Es ist nicht normal, dass Kranke nicht richtig versorgt werden können, weil es nicht genug Ärzte und Krankenschwestern gibt."

Den Assistenzärzten zufolge kommen in Polen auf 1000 Einwohner im Schnitt 24,6 medizinische Angestellte wie Ärzte oder Krankenschwestern - eine der EU-weit niedrigsten Quoten. In Deutschland liege sie bei 61,2.

Fehlendes Geld und Personal würden in polnischen Kliniken oft zu langen Wartezeiten führen. Patienten warteten zum Beispiel rund eineinhalb Jahre oder mehr darauf, sich einen Leistenbruch operieren zu lassen, sagt Radoch. An seinem Protestlager hat eine Patientin einen Blumenstrauß hinterlassen. "Danke für alles, was ihr für uns tut", steht darauf.
http://www.spiegel.de/lebenundlernen/job/aerzte-in-polen-mehr-mediziner-treten-in-hungerstreik-a-1174587.html (http://www.spiegel.de/lebenundlernen/job/aerzte-in-polen-mehr-mediziner-treten-in-hungerstreik-a-1174587.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 29. Oktober 2017, 12:39:00
Zitat
Gesundheitssystem in Osteuropa 
Diagnose: chronische Unterversorgung

In Polen hat sich der Protest junger Ärzte aufs ganze Land ausgeweitet. Auch anderswo im Osten der EU revoltieren Mediziner gegen den desolaten Zustand der Gesundheitssysteme - oder wandern ab.


Von Keno Verseck


([url]http://cdn2.spiegel.de/images/image-1206845-860_poster_16x9-orpn-1206845.jpg[/url])
Junge Ärzte protestieren am 14. Oktober 2017 in Warschau

Am Anfang waren es nur einige wenige junge Ärzte. Sie campierten auf Isomatten im Foyer einer Warschauer Kinderklinik. Auf ihren Transparenten stand: "Hungerstreik!" Es ging um die miserablen Arbeitsbedingungen für Assistenzärzte.

Nun, knapp vier Wochen später, finden solche Aktionen in allen größeren Städten Polens statt: Ob in Breslau, Danzig, Krakau oder Stettin - überall treten junge Ärzte in den Hungerstreik, demonstrieren Medizinstudenten, unterschreiben Ärztevereinigungen oder private Arztpraxen Solidaritätsaufrufe mit den Streikenden.

Thema ist längst nicht mehr nur die extreme Arbeitsbelastung. Beim "Protest der Ärzte", wie er in den Medien heißt, geht es inzwischen ganz allgemein um den schlechten Zustand des polnischen Gesundheitswesens.

Denn das ist völlig unterfinanziert, in Krankenhäusern herrscht drastischer Personalmangel. Patienten müssten sogar auf einfache Untersuchungen wie Röntgen oft tagelang warten, sagt der 33-jährige Chirurg Krzysztof Halabuz, Vorsitzender des Verbands der Assistenzärzte und einer der Organisatoren der Proteste.

Viele medizinische Einrichtungen seien schlecht ausgestattet und seit Langem nicht renoviert worden, mitunter mangele es sogar an Hygieneartikeln wie Toilettenpapier. "Wir haben eins der schlechtesten Gesundheitssysteme der gesamten Europäischen Union", sagt Halabuz.

Notlagen auch woanders

Polen ist nicht das einzige Land im Osten der EU, in dem Angestellte des Gesundheitswesens derzeit protestieren.

    In Rumänien gingen vergangene Woche Tausende Ärzte und Pfleger gegen Lohn- und Zuschlagskürzungen auf die Straße.

    Am vergangenen Mittwoch schlossen in Tschechien aus Protest gegen die schlechte Bezahlung zahlreiche Haus- und niedergelassene Fachärzte vorübergehend ihre Praxen.

    In Bulgarien streikten in den vergangenen Tagen und Wochen Angestellte mehrerer Kliniken, weil sie seit Monaten keinen Lohn erhalten haben.
    In Lettland wollen die Hausärzte Tariferhöhungen mit einem sogenannten "langsamen" Streik erkämpfen - sie versorgen nur eine geringe Anzahl von Patienten pro Tag.

In fast allen Ländern der Region ist der Zustand der Gesundheitssysteme mangelhaft bis desaströs. Mit Ausnahme Tschechiens, der Slowakei und Sloweniens liegt der Anteil der öffentlichen Ausgaben für das Gesundheitswesen in den osteuropäischen EU-Staaten unter fünf Prozent des Bruttosozialproduktes - gegenüber dem EU-Durchschnitt von acht Prozent.

Im führenden europäischen Qualitätsindex für das Gesundheitswesen, dem Health Consumer Index, bildet diese Gruppe ebenfalls das Schlusslicht. Die drei letzten Plätze unter den EU-Mitgliedern belegen Polen, Rumänien und Bulgarien.

Die chronische Unterfinanzierung hat dazu geführt, dass Ärzte und Pfleger seit Jahren in westliche Länder abwandern, wo sie ein Vielfaches ihrer einheimischen Löhne verdienen, die oft nur wenige Hundert Euro betragen. Da etwa in Deutschland medizinisches Personal händeringend gesucht wird, hat kaum jemand Probleme, Arbeit zu finden. Manchmal bezahlen medizinische Einrichtungen sogar Sprachkurse.

Außerdem gibt es in fast allen osteuropäischen Herkunftsländern zahlreiche Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, medizinische Arbeitskräfte nach Deutschland oder in andere westliche Staaten zu vermitteln. Das Geschäft mit dem Exodus floriert.

Kliniken machen dicht

Die Folgen der Abwanderung bekam Ungarn diesen Sommer zu spüren: Wegen Personalmangels mussten mehrere Krankenhäuser in Budapest und zwei weiteren Städten erstmals ganze Abteilungen zeitweise schließen. So machte die Universitätsklinik im südungarischen Szeged im Juli und August eine Abteilung für Geriatrie und chronisch Kranke dicht, weil nicht genügend Pflegepersonal zur Verfügung stand.

Gewundert hat es den Arzt Péter Álmos nicht. Der 37-Jährige arbeitet an der Universitätsklinik in Szeged als Psychiater. Viele seiner Kollegen sind in den vergangenen Jahren ins Ausland gegangen. "Ab und zu werden die Löhne von Ärzten und Pflegern ein wenig erhöht, so wie das im November wieder der Fall sein wird, aber das kann die Abwanderung nicht aufhalten", sagt Álmos. Denn der jetzigen Regierung fehle der politische Wille zu grundlegenden Reformen. So gebe es zum Beispiel viel zu wenig ambulante Behandlungsmöglichkeiten.

Álmos gründete zusammen mit Kollegen Ende 2015 die Initiative "1001 Ärzte gegen Dankesgeld" - ein Forum gegen Korruption und Reformstau im Gesundheitswesen. Der Name spielt darauf an, dass unterbezahlte Ärzte in Ungarn häufig Geldgeschenke von Patienten annehmen.

Die Initiative stieß auf unerwartet große Resonanz, doch die Appelle an Regierung und Behörden blieben bisher ohne großes Echo. "Im Grunde genommen hat nach der Wende in Ungarn kein Wandel im Gesundheitswesen stattgefunden", sagt Álmos.

"In Polen sehe ich keine Zukunft"


Ähnliches gilt auch im Nachbarland Rumänien. Dort sind einige universitäre Zentren wie Bukarest oder die siebenbürgische Metropole Klausenburg (Cluj-Napoca) medizinisch vergleichsweise gut ausgestattet. In der Provinz hingegen mangelt es überall an Personal und Ausrüstung.

Allerdings dürfe man nicht alle Missstände nur auf die Unterfinanzierung schieben, sagt Bogdan Tanase, 39, der als Chirurg am Onkologischen Institut Bukarest arbeitet und Vorsitzender der "Ärzteallianz" ist, einer Organisation für Reformen im Gesundheitswesen.

Paradoxerweise gebe es auch eine systematische Ressourcenverschwendung, sagt Tanase. Etwa bei der Anschaffung teurer medizinischer Ausrüstungen, bei der häufig Schmiergeld von Lieferanten an korrupte Krankenhausleitungen fließe. Zudem seien auch informelle Zahlungen von Patienten an Ärzte nach wie vor weit verbreitet.

Für ein besseres Gesundheitswesen demonstriert derzeit auch Daniel Luszczewski in Warschau. Der 26-Jährige hat gerade sein Medizinstudium abgeschlossen und arbeitet als Arzt im Praktikum. Er verdient umgerechnet 420 Euro im Monat - inklusive Nachtzuschläge, bei 50 Wochenstunden Arbeit.

Damit er Miete und andere Lebenshaltungskosten bezahlen kann, jobbt Luszczewski nebenbei noch 30 Stunden in der Woche für ein Medienunternehmen, für das er Artikel aus der deutschen Presse sichtet und zusammenfasst.

Obwohl er sich derzeit am "Protest der Ärzte" beteiligt, ist er schon jetzt fast sicher, dass er Polen eines Tages verlassen und in Deutschland arbeiten wird. "Wenn sich im Gesundheitswesen nichts ändert", sagt Luszczewski, "dann sehe ich hier in Polen keine Zukunft."
http://www.spiegel.de/lebenundlernen/job/aerzte-protestieren-in-polen-tschechien-bulgarien-kranke-heiler-a-1175017.html (http://www.spiegel.de/lebenundlernen/job/aerzte-protestieren-in-polen-tschechien-bulgarien-kranke-heiler-a-1175017.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Fritz Linow am 29. Oktober 2017, 13:10:56
Diese Schmiergeldzahlungen an Ärzte scheinen gängige Praxis zu sein, sozusagen als private Privatversicherung:

Zitat
28.10.17
(...)
Wer Griechenland kennt, geht dagegen meist davon aus, dass in der Regel in Krankenhäusern diese inhumane Art der Erpressung mit dem Wohl der Patienten eher die Regel als die Ausnahme ist. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Es gibt in der Medizinwelt des Landes auch im achten Jahr der Krise immer noch Ärzte, die Fakelaki einfordern. Zahlreichen, zu Monatslöhnen von knapp 1.500 Euro in Achtzigstundenwochen um das Leben ihrer Patienten ringenden Ärzten steht eine Gruppe wohlsituierter und vernetzter, korrupter Mediziner gegenüber.

2014 wurde jedenfalls im Krankenhaus Evangelismos ein leitender Kardiochirurg erwischt, als er 1.500 Euro in einem erpressten Fakelaki entgegennahm. Es gab zudem Anschuldigungen, dass der Mediziner Wochen zuvor von einem schwerkranken Rentner aus Evia 2.000 Euro erpresst hatte.
(...)
https://www.heise.de/tp/features/Gewaltaktionen-in-Athen-3874739.html (https://www.heise.de/tp/features/Gewaltaktionen-in-Athen-3874739.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Fritz Linow am 30. Oktober 2017, 20:04:08
Zitat
30.10.17
Polnische Ärzte beenden Hungerstreik

WARSCHAU. Polnische Assistenzärzte haben einen rund einmonatigen Hungerstreik für bessere Arbeitsbedingungen beendet und neue Protestmaßnahmen angekündigt. Die Nachwuchsmediziner würden nur noch die gesetzlich erlaubte Stundenanzahl arbeiten, kündigte der Verband der Assistenzärzte am Montag in Warschau an. Demnach unterschreiben viele Mediziner bei Arbeitsantritt eine Klausel, die sie zu zusätzlicher Arbeit verpflichte. "Diese Klausel werden wir nun massenhaft verweigern", sagte der Vize-Verbandschef der Nachwuchsmediziner, Jaroslaw Bilinski, in Warschau. Der Verband beklagt zu wenig Geld und Personal. Mehrere Mediziner seien in diesem Jahr bereits an Überarbeitung gestorben, hieß es.

Mit den rechtswidrigen Arbeitsbedingungen sei nun Schluss, sagte Bilinski. "Wir hören auf, erschöpft zu sein und Löcher im System zu stopfen." Er fügte hinzu: "Wir beenden den Hungerprotest, aber nicht dem Kampf um die Idee." Am 2. Oktober waren 20 Assistenzärzte im Warschauer Uni-Kinderklinikum in den Hungerstreik getreten, Kollegen landesweit schlossen sich ihnen an. Sie fordern die Regierung auf, die Ausgaben für das Gesundheitssystem innerhalb von drei Jahren von etwa 4,7 auf 6,8 Prozent des Bruttoinlandprodukts zu erhöhen. Auch die Gehälter müssten steigen. Die Nachwuchsärzte könnten von einem Monatslohn von etwa 500 Euro oft kaum leben und wanderten aus, hieß es. Die Regierung schlägt bislang vor, die Gesundheitsausgaben bis 2025 auf sechs Prozent anzuheben. Für 2018 ist eine Kürzung der Mittel geplant.(dpa)
https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/ausbildung/article/946498/proteste-polnische-aerzte-beenden-hungerstreik.html (https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/ausbildung/article/946498/proteste-polnische-aerzte-beenden-hungerstreik.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Fritz Linow am 07. November 2017, 18:09:43
Zitat
7.11.17
Einstweilige Verfügung beantragt: Gewerkschaft sagt Streiks vorerst ab

Eigentlich wollten die Pflegekräfte an den Uniklinika Tübingen und Freiburg am Mittwoch und Donnerstag die Arbeit niederlegen. Für den UKT-Vorstand ist das nicht nachvollziehbar: Er ging gerichtlich gegen den Streik vor und beantragte eine einstweilige Verfügung. Auch ohne Verhandlung darüber zog die Gewerkschaft daraufhin zurück. (...)

http://www.tagblatt.de/Nachrichten/Einstweilige-Verfuegung-beantragt-Gewerkschaft-sagt-Streiks-vorerst-ab-352514.html (http://www.tagblatt.de/Nachrichten/Einstweilige-Verfuegung-beantragt-Gewerkschaft-sagt-Streiks-vorerst-ab-352514.html)

Dieses Einknicken vor dem "Streikrecht" widert mich an.


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: counselor am 07. November 2017, 18:42:18
Dieses Einknicken vor dem "Streikrecht" widert mich an.
Die Gewerkschaft kann keinen verbotenen Streik führen, weil sie sich da schadenersatzpflichtig macht. Einen über das Streikrecht hinaus gehenden Streik müssen die Beschäftigten selbst organisieren.


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 07. November 2017, 19:05:24
Absolut richtig. Die Gewerkschaften haben nie ihren Mitgliedern beigebracht, nicht einmal mitgeteilt, daß das selbstständige Kämpfen sinnvoll oder nötig sein kann. Die Gewerkschaften wollen als Vertreter der Belegschaften dastehen und fürchten ein eigenständiges Handeln von Arbeitern. Das müssen die Arbeiter selbst lernen, bzw. es wäre eine Aufgabe von Linken, dieses Wissen zu verbreiten.


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: eichkatz am 08. November 2017, 15:52:09
Absolut richtig. Die Gewerkschaften haben nie ihren Mitgliedern beigebracht, nicht einmal mitgeteilt, daß das selbstständige Kämpfen sinnvoll oder nötig sein kann. Die Gewerkschaften wollen als Vertreter der Belegschaften dastehen und fürchten ein eigenständiges Handeln von Arbeitern. Das müssen die Arbeiter selbst lernen, bzw. es wäre eine Aufgabe von Linken, dieses Wissen zu verbreiten.

Stimmt schon. Aber genau diese sozialpartnerschaftliche Stellvertreterei fällt den Gewerkschaften jetzt auf die Füße, auch denen, die weder die Gesellschaft noch die Betriebe grundlegend verändern wollen. Gerade in vielen Dienstleistungsbereichen, auch den Krankenhäusern seit Einführung der Fallpauschalen, rechnet es sich für die Unternehmen nicht mehr, die Gewerkschaft als Co-Manager_innen ins Boot zu holen. Und das System der Fallpauschalen (DRG) zwingt kirchlichen und auch staatlichen Krankenhäusern wie in Tübingen oder Freiburg (Uni-Klinika) dieselbe Logik auf.

Das bringt die Gewerkschaften schon langsam zum Lernen, sie werden in den Konflikt gezwungen. Aber es sind auch gute Leute aktiv, die vielleicht in einer Situation an Handlungsspielraum gewinnen, wo halbwegs erträgliche Arbeitsbedingungen über institutionelle Deals nicht mehr erreichbar sind.
 
Beispiele für solche Lernprozesse im Gesundheitsbereich: Über die "Tarifberater_innen" setzt ver.di wieder mehr auf einen Quasi-Vertrauensleutekörper. Mit der "Aktion Notruf" an der Charité Berlin wurden Beschäftigte aufgerufen, sich durch organisierte Überlastungsanzeigen der steigenden Arbeitsintensität zu verweigern - in Zusammenspiel mit Personalrat und Betriebsgruppe. In Tübingen oder Freiburg macht ver.di wieder Organizing-Versuche. Die Gewerkschaft ist in Unterstützungsbündnissen aktiv; es gibt eine gute, offene Zusammenarbeit (mein persönlicher Eindruck).

Im Übrigen: Der Antrag auf einstweilige Verfügung dreht sich nicht um den Kern des Ganzen, die Personalbemessung auf den Stationen. Hierzu wird es sicherlich noch einige Streiks geben.


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Fritz Linow am 09. November 2017, 22:58:51
Eichkatz:
Ich teile deinen Optimismus nicht so ganz, auch wenn ich mir natürlich auch wünsche, dass es im Pflegebereich mal so richtig rummst. Gerade in einer Situation, wo die Pflegekräfte in einer optimalen Verhandlungsposition sind, wäre es wichtig, auch mal Wege außerhalb der üblichen Bahnen zu gehen.

Ein Tarifvertrag ist ein strategischer Gnadenakt von den „Arbeitgebern“. Dabei geht es darum, dass  du gerade mal soviel bekommst, dass es dem Geber nicht schadet und vor allem darum, dass dir das Gefühl der langfristigen Sicherheit gegeben wird, damit du nicht aufmuckst. Unter anderem haben die Hamburger Hafenstreiks um 1900 herum zu dieser Erkenntnis seitens der Geber geführt.

Je mehr Sicherheit ich dem „Arbeitnehmer“ suggeriere, desto mehr Sicherheit habe ich in meinem Geschäftsgebahren.

Daraus folgte ein Arbeits- und Tarifrecht, das sich ausschließlich nach den Bedürfnissen der Ausbeuter richtet. Hand in Hand mit dem Staat, der das Eigentum des Einzelnen garantiert, wurde daraus das Konstrukt der Unternehmenshaftung im Schadensfall, das im Zweifel auf die Gewerkschaften zurückfällt, wenn sie eben diesem Konstrukt nicht Folge leisten. Und genau darin liegt das Problem: Der DGB (und auch Verdi) erkennt diese rechtliche Situation grundsätzlich an. Da kann noch so viel erfolgreiches Organizing geschehen, noch so viele Mitglieder mögen gewonnen werden, die ganze Struktur der DGB-Gewerkschaften ist letztendlich hörig.

Selbst wenn neue Problemfelder an die DGB-Gewerkschaften herangetragen werden, so halte ich es für zweifelhaft, dass dadurch ein Automatismus entsteht, wodurch sie gezwungen sind, eine positive Antwort darauf zu geben. Eine negative Antwort ist wahrscheinlicher, weil sie immer unabkömmlicher werden, um aus dem sehr großen Ärger der Beschäftigten einen sehr kleinen zu machen.

Das mag von Ort zu Ort verschieden sein und wäre dann wohl regional strukturbedingt.


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Fritz Linow am 26. November 2017, 19:58:29
Zitat
14.11.17
Mit angezogener Handbremse

Die Gewerkschaft ver.di hat im Arbeitskampf von Beschäftigten in zwei Berliner Krankenhäusern Vertrauen verspielt
(...)

http://www.akweb.de/ak_s/ak632/21.htm (http://www.akweb.de/ak_s/ak632/21.htm)

Die Schlussfolgerung, dass man die Gewerkschaften zurückerobern müsse, ist ja nun auch ein alter Hut. Warum nicht mal etwas anderes machen?


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 26. November 2017, 20:31:15
Das ist das Problem mit den Altlinken und ihrem Blick auf betriebliche Kämpfe.
Sie kennen nichts anderes als die gerwerkschaftlichen Rituale.
Wenn man mit einfachen Beschäftigten redet, kommt man oftmals weiter, als in der Diskussion mit den Altlinken.
Es mangelt aber eben an offenen Diskussionsrunden, die sich nicht allein um Tarifrunden und gewerkschaftliche Forderungen drehen. Eine solche Basis muß erst einmal geschaffen werden. Dann sind aber oftmals die linken Hansel zur Stelle und wollen sich solche Strukturen unter den Nagel reißen. Bei den Pflegebündnissen ist die DKP ziemlich reingeprescht.


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: counselor am 27. November 2017, 05:32:11
Ich halte es für illusorisch, dass man Gewerkschaften zurückerobern kann. Den hauptamtlichen reformistischen Apparat kann man nicht einfach verdrängen.


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Rudolf Rocker am 27. November 2017, 08:01:24
Da müsste es dann schon eine Rebellion an der Basis geben. Und da die Leute eher aus der Gewerkschaft austreten, als zu rebellieren, wird das wohl schwierig!


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 04. Dezember 2017, 20:50:37
Aus einem Mailverteiler:


Liebe KollegInnen,

ab kommenden Mittwoch 6.12. werden die Beschäftigten der Helios Amper
Kliniken Dachau und Markt Indersdorf in einen unbefristeten Erzwingungsstreik treten.

97,6% stimmten in einer Urabstimmung dafür.
Ein Ergebnis das keine Fragen offen lässt.


Beginn ist Mittwoch 6.12. 6:00 Uhr bis vorerst Freitag 8.12. 22:00 Uhr.
Über das Wochenende soll der Konzernführung die Möglichkeit gegeben
werden, der Forderung einer verbindlichen personellen Mindestbesetzung
zur Entlastung der KollegInnen nachzukommen. Da dies zum jetzigen
Zeitpunkt nicht sehr wahrscheinlich ist, kann mit einer Weiterführung
der Arbeitskampfmaßnahmen gerechnet werden.

Fresenius-Helios ist ein unnachgiebiger Gegner. Daher muss der
Arbeitskampf ebenso unnachgiebig geführt werden. Die KollegInnen können
dabei jede erdenkliche Unterstützung gebrauchen. Zeigt Solidarität,
kommt vorbei zu den Streikposten, verfasst Solidaritätsschreiben, macht
Aktionen vor Helios Kliniken in eurer Nähe.

Hintergründe und Vorgeschichte:
http://www.labournet.de/branchen/dienstleistungen/gesund/gesund-arbeit/solidaritaet-statt-leistungsdruck-fuer-profite-warnstreik-den-helios-amper-kliniken-dachau/ (http://www.labournet.de/branchen/dienstleistungen/gesund/gesund-arbeit/solidaritaet-statt-leistungsdruck-fuer-profite-warnstreik-den-helios-amper-kliniken-dachau/)

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/in-der-kritik-pflegestufe-rot-1.3771157 (http://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/in-der-kritik-pflegestufe-rot-1.3771157)

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/streikam-dachauer-krankenhaus-wild-entschlossen-1.3723618 (http://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/streikam-dachauer-krankenhaus-wild-entschlossen-1.3723618)

Unabhängige Betriebsgruppe am Helios Klinikum Dachau
http://betriebsgruppen.de/bgak/index.html (http://betriebsgruppen.de/bgak/index.html)


Adressen für Solidarität:

Unabhängige Betriebsgruppe Helios Klinikum Dachau  
betriebsgruppe.amperkliniken@yahoo.de
FAU München:
Sektion Gesundheits- und Sozialberufe  faum-gesundheit@fau.org
Lokalföderation München  faum@fau.org

Adressen von Helios Kliniken:
Helios Amper Klinikum Dachau, Krankenhausstr. 15, 85221 Dachau
Helios Klinik Indersdorf, Maroldstraße 45, 85229 Markt Indersdorf
Helios Klinikum München West, Steinerweg 5, 81241 München
Helios Klinik München Perlach, Schmidbauerstraße 44, 81737 München
Helios Klinik Kipfenberg, Konrad-Regler-Straße 1, 85110 Kipfenberg
Fresenius Vamed Gesundheitszentrum Oberndorf Salzburg, Paracelsusstraße
37, 5110 Oberndorf

Zulieferer der Helios Region Süd:
Fresenius Kabi, Niederlassung München, Robert-Bosch-Str. 11, 85748
Garching


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 09. Dezember 2017, 11:59:09
Diese Meldung ist schon ein paar Tage alt... (5.12.)

Zitat
Achtung! Wichtig! An Alle!

Mitteilung der Unabhängigen Betriebsgruppe:


Helios hat heute 13:00 Uhr per einstweiliger Verfügung den ab morgen
geplanten Streik verbieten lassen. Genauere Gründe sind uns bisher nicht
bekannt. Im Anhang eine PM der verdi. Gegen die Verfügung wurde
Widerspruch erlassen.

Damit hat sich Helios erneut in die Schlagzeilen gebracht, wenn es darum
geht die Rechte und Belange ihrer Beschäftigten mit Füßen zu treten.
Dass herkömmliche Arbeitskampfmethoden Europas größtem Klinikkonzern
immer noch zu weit gehen, ist keine Überraschung. Überraschend ist
allerdings, dass man ohne weiteres einen Streik verbieten kann.

verdi Mitglieder und Betriebsaktive werden sich morgen beraten. Wir
werden nicht den Kopf in den Sand stecken. Und wir werden uns auch von
niemandem bremsen lassen, sondern unsere Wut in die Öffentlichkeit
bringen.

Dieses Urteil ist nicht haltbar, der Streik wird kommen und er wird mit
aller Härte ausgefochten werden. Die Verhältnisse waren noch nie so klar
wie heute.


"Nur wer sich bewegt, spürt seine Fesseln" (Rosa Luxemburg)


Der Text von Verdi:

Zitat
HELIOS - Mit juristischen Mitteln gegen Entlastung.
Die HELIOS Amper Kliniken AG reicht einstweilige Verfügung
ein.

Das Arbeitsgericht München hat einer einstweiligen Verfügung
der HELIOS Amper Kliniken AG kurzfristig stattgegeben. Die
Gewerkschaft ver.di sagte daraufhin ihren für den 6. bis 8. November
geplanten Arbeitskampf ab. „Mit ihrem Vorgehen haben
sich die Arbeitgeber keinen Gefallen getan“, erklärte ver.di-Verhandlungsführer
Robert Hinke: „Es geht nicht um Paragrafen, es
geht um Menschen. Menschen, die gepflegt werden, und Menschen,
die diese Pflege unter immer schlechteren Bedingungen
tagtäglich leisten. 97% haben für Streikmaßnahmen gestimmt!
Ein klares Signal, welches mit juristischen Formeln nicht ignoriert
werden kann. Die Übrigen drei Prozent dürften nunmehr
überzeugt sein, dass es so nicht weitergehen kann.“ Die Gewerkschaft
ver.di erklärte bereits, sich nicht durch „juristische Winkelzüge“
von einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen abhalten
zu lassen.

„HELIOS arbeite mit allen Mitteln“, so auch der Münchner Betreuungssekretär
Christian Reischl. „Nach der Strategie des Aussitzens
folgt nunmehr, in letzter Sekunde, eine einstweilige Verfügung über
einen Frankfurter Anwalt“. Auf gut vorbereiteten 188 Seiten hat man
eine Phalanx an allerlei juristischen Argumenten aufgeboten, um die
Richter dazu zu bewegen, den Arbeitskampf zu verbieten. Anstatt gemeinsam
mit uns nach Lösungen zur Entlastung des Personals zu suchen,
wird nach juristischen Mitteln gegriffen. „Es brodelt auf den Stationen“,
erläutert Reischl. Aus seiner Sicht geht „der Kampf um Entlastung“
jetzt „erst richtig los.“

Die Gewerkschaft ver.di wird sich noch morgen Abend mit ihrer Tarifkommission
und Streikdelegierten treffen um die nächsten Schritte zu beraten.
Als positiv wertet ver.di, dass sich das Arbeitsgericht nicht dem eigentlichen
Anliegen der Arbeitgeberseite angeschlossen hat, die vorgelegte
Notdienstvereinbarung als Eingriff in die unternehmerische Freiheit
zu werten. Ob die gewerkschaftlichen Forderungen mit bestehenden
tariflichen Regelungen kollidieren lässt sich nach Auffassung von
ver.di klären und problemlos lösen. Das schriftliche Urteil steht noch aus.
„Es darf als sicher gelten“, so Hinke, „der Arbeitskampf ist nur aufgeschoben,
nicht aufgehoben. Wir lassen aus durch juristische Kniffe nicht
aushebeln.“

Weitere Informationen:
ver.di Bayern
Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kir
chen


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Fritz Linow am 14. Dezember 2017, 22:31:59
Zitat
13.12.2017
1.200 streiken an Tübinger Uniklinik – morgen Warnstreik in Freiburg

An der Tübinger Uniklinik sind 1.200 Beschäftigte heute im Warnstreik. Seit Beginn der Frühschicht um sechs Uhr wird die Arbeit niedergelegt, das Ende des Streiks ist am späten Abend. Aufgrund der Notdienstvereinbarung, die die Behandlung von Notfällen, lebensnotwendige Maßnahmen wie Tumor-Operationen oder die Behandlung schwerer Fälle in den Kinderkrankenstationen zulässt, konnten mehrere hundert Beschäftigte heute ihr Streikrecht nicht wahrnehmen. Auf 85 von 96 Stationen wird heute nur im Wochenendmodus gearbeitet, die Hälfte der Operationen musste verschoben werden.(...)
https://bawue.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++139f1a1e-dfec-11e7-96c9-525400423e78

Wäre mal interessant, wie sich Notdienstvereinbarung und Wochenendmodus überhaupt noch vom Alltag unterscheiden.


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Fritz Linow am 29. Dezember 2017, 18:52:55
Zitat
29.12.17
Keine Entlastung – Beschäftigte brüskiert

Helios Amper Kliniken Dachau: verdi legt Arbeitskampf auf Eis

Es geht um mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und um eine grundlegende Wertschätzung der Kolleginnen und Kollegen. Und obwohl nichts davon bisher erreicht wurde, hat die Gewerkschaft verdi nun den Arbeitskampf vorerst auf Eis gelegt. Nach dem skandalösen Verbot eines unbefristeten Streiks Anfang Dezember, konnte verdi eine finanzielle Offerte nicht ausschlagen. Trotz nie dagewesener Geschlossenheit und Kampfeswillen der Kolleginnen und Kollegen.
(...)
https://www.fau.org/artikel/art_171228-143729 (https://www.fau.org/artikel/art_171228-143729)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 03. Januar 2018, 17:19:13
Zitat
Tausende Ärzte verweigern Überstunden

In Polen hält der Protest der Ärzte gegen ihre Arbeitsbedingungen an.


Rund 5.000 Mediziner hätten eine Vertragsklausel gekündigt, die sie zu Überstunden verpflichte, teilte die Vereinigung polnischer Assistenzärzte mit. Dadurch sei der Betrieb an mehreren Kliniken im Land erheblich beeinträchtigt. Das Gesundheitsministerium in Warschau teilte dagegen mit, die Lage sei unter Kontrolle.

Die Ärzte protestieren seit Oktober gegen ihre Arbeitsbedingungen. Auftakt bildete ein mehrwöchiger Hungerstreik in Warschau. Das Gesundheitswesen in Polen ist chronisch unterfinanziert. Viele Patienten müssen oft monatelang auf Behandlungen und Operationen warten.
http://www.deutschlandfunk.de/polen-tausende-aerzte-verweigern-ueberstunden.2932.de.html?drn:news_id=834713 (http://www.deutschlandfunk.de/polen-tausende-aerzte-verweigern-ueberstunden.2932.de.html?drn:news_id=834713)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Fritz Linow am 04. Februar 2018, 23:30:34
Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Reichstag, Erwin Rüddel (CDU), weiß, wie der Pflegenotstand zu beheben ist:

(https://abload.de/img/erwinrueddel4eqo1.png) (http://abload.de/image.php?img=erwinrueddel4eqo1.png)

Unter #twitternwierueddel wird dieser rheinländischen Karnevalsnase nun kräftig eingeheizt. Wäre ja mal ganz nett, wenn sich der Unmut darüber nicht nur online, sondern auch mal ganz konkret im Alltag ausdrücken würde.


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: admin am 12. Februar 2018, 14:22:47
Nicht online, sondern ganz konkret war eine Veranstaltung in Kiel zu den Arbeitsbedingungen in der Pflege:

https://uksh-blog.netzwerkit.de/2018/01/17/veranstaltung-in-kiel-am-4-2/


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 25. Februar 2018, 14:15:28
Zitat
Ariane Müller, Krankenschwester

deutsch  | 12 min  |  2018

Ariane Müller arbeitet seit 43 Jahren im Krankenhaus und engagiert sich seit Jahrzehnten für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Personal. 2005 hat sie im Bremer Klinikum Mitte die Betriebsgruppe "Uns reicht's Bremen" mitgegründet, und 2017 das Pflegebündnis Bremen.

"Wichtig ist, dass wir uns bundesweit vernetzen, und ich persönlich bin mir sicher, dass wir es nicht mit einfachen Forderungen erreichen, indem wir an bestimmte Stellen, z.B. hier in Bremen an den Bremer Senat, appellieren, sondern wir müssen Druck erzeugen. Und in meinen Augen geht das nur, wenn wir flächendeckend, auch bundesweit Streiks organisieren. Nur diese Sprache versteh'n se."

https://labournet.us13.list-manage.com/track/click?u=aad840f755c59eb83507caa26&id=ab9b74e678&e=e025a64fe1


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Fritz Linow am 14. April 2018, 21:26:56
Zitat
Die ver.di Tarifkommission hat an diesem Mittwoch entscheiden. An den Unikliniken in Baden-Württemberg wird es einen Tarifvertrag auf Probe, der nach 6 Monaten wieder kündbar ist, geben.
Sachen gibt's.
Zitat
Über die Entscheidung der Tarifkommission, das Kräfteverhältnis und den Stand der Organisierung am Uniklinikum haben wir mit Alex gesprochen - mit einer Unterbrechung - seit 30 Jahren Krankenpfleger an der Uniklinik, langjähriger Beobachter der Entwicklungen in der weißen Fabrik und aktiv in der Freiburger worker center Initiative. Er hat auch in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift wildcat einen Artikel über die Tarifkampagne im Krankenhaus geschrieben.
https://rdl.de/beitrag/gewerkschaft-kein-hebel-um-politisch-soziale-bewegung-aufzubauen (https://rdl.de/beitrag/gewerkschaft-kein-hebel-um-politisch-soziale-bewegung-aufzubauen)

Der darin verlinkte Artikel aus der wildcat ist lesenswert:
https://www.wildcat-www.de/aktuell/a107_klinik.html (https://www.wildcat-www.de/aktuell/a107_klinik.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Fritz Linow am 08. Juni 2018, 08:24:55
Zitat
Nach nicht einmal einem Tag ist der Streik im Pflegeheim «Les parcs du troisième âge» in Bartringen bereits wieder beendet. «Angesichts dieser Streikbewegung, die – entgegen den Versprechungen der Gewerkschaften – unsere Bewohner in ernsthafte Gefahr gebracht hätte, sehen wir uns gezwungen, die Lohnforderungen zu akzeptieren», sagte Normi Barnig, der ärztliche Direktor der Betreuungseinrichtung.(...)

http://www.lessentiel.lu/de/luxemburg/story/Direktion-lenkt-ein-Streik-in-Pflegeheim-beendet-25532334 (http://www.lessentiel.lu/de/luxemburg/story/Direktion-lenkt-ein-Streik-in-Pflegeheim-beendet-25532334)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: tleary am 21. Juni 2018, 15:15:32
Was lehrt uns das? - Sozialer und gesellschaftlicher Fortschritt ist nur gegen "die da oben" zu erzielen.


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 15. August 2018, 19:01:13
Presseschau zur Krankenhaus-Streikbewegung 2018

https://uksh-blog.netzwerkit.de/2018/08/13/streikwelle/#more-711


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: counselor am 19. August 2018, 11:22:43
Zitat
Düsseldorf - Streik in Uniklinik: So wirkt sich der Personalmangel auf die Arbeit aus

Düsseldorf. Es sei „ein grausamer Streik“, hat die Leitung der Düsseldorfer Uniklinik in dieser Woche verlauten lassen. Ein Streik, der auf Kosten der Patienten gehe. Manuela Filzing (Name geändert) kann darüber nur den Kopf schütteln. „Hier geht es nicht um Geld oder um uns“, sagt die Krankenschwester. „Uns geht es gerade um die Patientensicherheit.“ Und die könne sie nicht mehr gewährleisten, wenn der Streik keinen Erfolg hat.


Quelle: http://www.wz.de/home/politik/nrw/streik-in-uniklinik-so-wirkt-sich-der-personalmangel-auf-die-arbeit-aus-1.2747268 (http://www.wz.de/home/politik/nrw/streik-in-uniklinik-so-wirkt-sich-der-personalmangel-auf-die-arbeit-aus-1.2747268)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 13. September 2018, 14:42:03
Das nenn ich Zustimmung!

Zitat
Knapp 98 Prozent für unbefristeten Streik an Uniklinik in Homburg
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/97834/Knapp-98-Prozent-fuer-unbefristeten-Streik-an-Uniklinik-in-Homburg (https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/97834/Knapp-98-Prozent-fuer-unbefristeten-Streik-an-Uniklinik-in-Homburg)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Fritz Linow am 19. September 2018, 11:36:53
Zitat
(...)
Nach Berechnungen von ver.di wäre das Personal in deutschen Krankenhäusern bereits am 22. Oktober aufgebraucht, wenn eine sichere Patientenversorgung durch eine angemessene Schichtbesetzung mit dem derzeit vorhandenen Personal gewährleistet würde. Um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, ruft ver.di die Beschäftigten dazu auf, am Dienstag, dem 23. Oktober, ein Zeichen zu setzen und ihren Arbeitgebern anzukündigen, an diesem Tag nicht aus dem Dienstplanfrei einzuspringen.(...)
https://www.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++1c5e3158-ba7f-11e8-9f43-525400940f89 (https://www.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++1c5e3158-ba7f-11e8-9f43-525400940f89)

Diese weichgespülten Kuschelaktionen muss man nun wirklich nicht mehr ernst nehmen.


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 06. November 2018, 17:15:35
Zitat
Streik an der Charité
Physio- und Ergotherapeuten fordern Bezahlung nach Tarif

An der Universitätsklinik wollen Physio- und Ergotherapeuten schon in einigen Tagen die Arbeit niederlegen: Die Charité-Tochterfirma CPPZ zahle zu wenig.


Wieder Arbeitskampf an der Charité - nach Tagesspiegel-Informationen streiken Physio- und Ergotherapeuten in der nächsten Woche. Dabei dürften Hunderte Termine mit Patienten ausfallen. Intern wird damit gerechnet, dass sich fast die Hälfte der 170 Therapeuten an einem eintägigen Ausstand beteiligt. Die zuständige Gewerkschaft Verdi bestätigte am Donnerstag lediglich, dass es bald einen Arbeitskampf gebe, ohne Zeit und Umfang zu nennen.

Öfter Streit in Tochterfirmen


Die meisten Physio- und Ergotherapeuten an der Universitätsklinik arbeiten für die Tochterfirma CPPZ und erhalten bis zu 800 Euro Monatsbrutto weniger als die Stammangestellten, für die gleiche Tätigkeit. Letztere werden nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes (TvöD) bezahlt. Der Charité-Vorstand bot ihnen zwar mehr Geld an, aber nicht den TvöD der Stammbelegschaft.

In Tochterfirmen eskalierten Tarifverhandlungen vergleichsweise oft. Die rot-rot-grüne Koalition kündigte 2016 die Rekommunalisierung solcher Ausgliederungen an – nun soll tatsächlich eine andere Charité-Tochter, die CFM, wieder Landeseigentum werden. Seit der Gründung der Firma für rund 2000 Wachleute, Reinigungskräfte und Hausmeister 2006 halten private Geldgeber 49 Prozent der Anteile. Auch die CFM zahlt bislang knapper als im Charité-Stammhaus üblich.

Verstieß der Senat gegen das Gesetz?


Der Senat zwang die landeseigene Universitätsklinik lange auf einen Sparkurs. Der nun weitgehend ausgeglichene Haushalt ist schon durch den Rückkauf der CFM gefährdet. Deshalb zögert der Charité-Vorstand mit Blick auf die Therapeuten. Vielleicht bekommen die Hilfe von der Justiz. „Nach unseren Informationen liegt kein Beschluss des Abgeordnetenhauses zur Ausgliederung der Therapeuten und Masseure vor, wie vom Universitätsmedizingesetz gefordert“, sagt Verdi-Verhandler Kalle Kunkel. „Wir fordern den Senat auf, zu prüfen, ob die Gründung der CPPZ illegal war.“ Die Charité ist einer der größten Arbeitgeber Berlins und Motor für Forschung und Industrie in der Region.
https://www.tagesspiegel.de/berlin/streik-an-der-charite-physio-und-ergotherapeuten-fordern-bezahlung-nach-tarif/23257574.html (https://www.tagesspiegel.de/berlin/streik-an-der-charite-physio-und-ergotherapeuten-fordern-bezahlung-nach-tarif/23257574.html)


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 19. November 2018, 16:15:29
Zitat
Bei Celenus tobt der Kampf um die öffentliche Meinung

Streik-Gegner und Befürworter wenden sich mit Appellen an die Öffentlichkeit und aneinander.


(https://media101.thueringer-allgemeine.de/content/47/43/91/5I/4743915ITOMV4DB_V4AXTFPHMFDKVQBZCCMUPH516112018203/D0R0029954216.JPG)

Bad Langensalza. Viereinhalb Monate – mit kurzen Unterbrechungen – dauert nun schon der unbefristete Streik an der Celenus-Rehaklinik an der Salza, die Auseinandersetzung selbst gärt schon wesentlich länger. Ein Ende ist nicht in Sicht. Nun scheint der Streit in die nächste Phase zu gehen: Mit offenen Briefen ringen die Gegner und Befürworter des Streiks um die öffentliche Meinung. Sie zeigen auch, dass die Belegschaft gespalten ist in der Frage, wie der Konflikt gelöst werden kann.

Am Samstag vor einer Woche erschien in unser Zeitung ein „Offener Brief der Mitarbeiter der Celenus Klinik in Bad Langensalza“. Dabei handelte es sich um eine bezahlte Anzeige, deren Inhalt alleine der Auftraggeber bestimmt. Unterzeichnet war das Schreiben von einem leitenden Oberarzt und „über 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“ der Klinik.

Der Inhalt: Ein Appell an die Streikenden, die Gewerkschaft Verdi, die Politik, Medien und Bürger Bad Langensalzas. Der Tenor: Die 20 Streikenden seien gegenüber 120 Arbeitenden nur ein geringer Teil der Belegschaft. Mehrheitlich habe man sich entschieden, strittige Fragen nicht mit einem Tarifvertrag, sondern mit einer Verbesserung einer bereits bestehenden Betriebsvereinbarung zu lösen – dies gelte auch für Lohnfragen.

Angegriffen wurde der Betriebsrat, der den Streik schüre. „Das ist schade, aber wir werden unseren Weg auch ohne Betriebsrat gehen“, hieß es in dem Brief. Politiker aller Ebenen wurden aufgefordert, sich im Gespräch mit Mitarbeitern selbst ein genaueres Bild zu machen. Nach wie vor würden in der Klinik „sehr zufriedene Patienten“ behandelt, alle Vorgaben beachtet. Dennoch stünden wegen des Streiks Betten leer.

Den Medien wurde pauschal einseitige Berichterstattung und ein Aufpeitschen der Lage bis zum „Rufmord“ vorgeworfen. In dem Brief wurde schlussendlich ein Ende des Streiks gefordert.

Diese Woche erreichte unsere Redaktion ein Schreiben, das von drei Celenus-Beschäftigen unterzeichnet ist „im Namen von über 40 Streikenden und Gleichgesinnten“, wie eine der Unterzeichnerinnen sagt. Während es im offenen Brief hieß: „Wir sind auch da und wir sind mehr“ , heißt es in der Erwiderung: „Wir sind da und wir sind mehr als ihr denkt.“

Denn nur die Hälfte der 120 Mitarbeiter habe den offenen Brief unterzeichnet, was zeige, „dass längst nicht alle einer Meinung sind“. Auch in diesem Schreiben wird dem Tarifstreit „mittlerweile tatsächlich ein erschreckendes Ausmaß“ attestiert.

Betriebsrat sei nicht für Tariffragen zuständig


Schuld daran sei aber nicht der Betriebsrat. Denn der sei gar nicht für Entgeltverhandlungen zuständig.

Schuld sei vielmehr, dass die Geschäftsleitung der Klinik jedes Gespräch mit der Gewerkschaft verweigere und stattdessen „lieber zu Mitteln wie Einschüchterung, Aussperrung und sogar Kündigung“ greife.

Dabei sei es ein Grundrecht, für einen Entgelttarifvertrag zu streiken. Auch der Teil der Belegschaft, der hinter diesem Schreiben stehe, „wäre lieber für unsere Patienten da, um sie zu pflegen und zu behandeln, so wie wir es über bereits zwei Jahrzehnte mit viel Engagement getan haben“. Aber es gehe um angemessenen Bedingungen, zu denen ein Tarifvertrag gehöre.

Er bedeute „Rechtssicherheit für beide Seiten“. Nicht zuletzt sei in der Celenus-Klinik in Bad Blankenburg vor kurzem ein Tarifvertrag unterzeichnet worden: „Warum nicht auch bei uns?“

Zum Schluss appellieren die Unterzeichner an das Management von Celenus „die wiederholten Gesprächsangebote von Verdi“ anzunehmen: „Sonst steht der gute Ruf dieser Klinik, die wir mit aufgebaut haben und die uns am Herzen liegt, tatsächlich auf dem Spiel. Redet mit uns!“

In einem ebenfalls diese Woche erschienenen Flugblatt der Gewerkschaft wird dies unterstrichen: Der Arbeitgeber habe auf keines der vielen Verdi-Angebote zu Gesprächen reagiert. Auch die vorgeschlagene Schlichtung sei abgelehnt worden. „Ausdrücklich wiederholen wir unsere sämtlichen Gesprächsangebote“, so die Gewerkschaft.
https://muehlhausen.thueringer-allgemeine.de/web/muehlhausen/startseite/detail/-/specific/Bei-Celenus-tobt-der-Kampf-um-die-oeffentliche-Meinung-1457772398


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Fritz Linow am 29. November 2018, 22:50:19
Zitat
28.11.18
Arbeitskampf am Uni-Klinikum Jena
(...)
Die Demo wirft dennoch gewisse Fragen auf. Neben streikenden Arbeiter*innen und Gewerkschafter*innen hatte ver.di auch zahlreiche Politiker*innen eingeladen, um Reden zu halten. Es sprachen der neue FDP-Oberbürgermeister Jenas Thomas Nitzsche, die Thüringer Gesundheitsministerin Heike Werner von der SPD (wohl eher LINKE)und weitere Stadträte und Landtagsabgeordnete. Darüber hinaus durfte die FDP neben der Linkspartei und der SPD bei der Abschlusskundgebung sogar einen Infostand machen. Damit hatte ver.di eben die politischen Kräfte eingeladen, die auf Bundes- wie Landesebene für den Pflegenotstand direkt verantwortlich sind. Entsprechend kam es während der Abschlusskundgebung von Seiten einiger Arbeiter*innen zu Unmutsbekundungen und Zwischenrufen. Geht die ver.di–Strategie hier auf, durch das enge Bündnis mit der herrschenden Politik Verbesserungen durchzuklüngeln, oder führt die Beteiligung von Politiker*innen nicht eher zu einer Beschwichtigung, dazu, dass den Arbeiter*innen falsche Hoffnungen gemacht werden und diese sich auf genau jene Politiker*innen verlassen, die an der ganzen Misere schuld sind?
(...)
https://direkteaktion.org/der-kampf-der-gesundheits-arbeiterinnen/


Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Fritz Linow am 30. November 2018, 23:20:03
Zitat
29.11.18
Drei Monate nach dem Ende der Streiks an der Uniklinik Düsseldorf spüren viele Mitarbeiter noch keine Entlastung. Die Klinik begründet das unter anderem damit, dass sie auf dem Markt kurzfristig nicht so viele Pflegekräfte findet.

Bisher wurden erst 20 Pflegekräfte eingestellt. 50 sind bis Ende des Jahres vereinbart. Auch würde die verabredete Entlastung nicht auf allen Stationen konsequent umgesetzt, kritisiert der Personalrat. (...)
"Die Uniklinik tut bislang zu wenig, damit sich wirklich dauerhaft was verbessert." Innerhalb der Belegschaft habe sich die Stimmung wieder etwas beruhigt, so Böhmer. Kollegen, die nicht gestreikt hatten, hätten sich von den Protestlern im Alltagsbetrieb im Stich gelassen gefühlt.
https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/entlastung-uniklinik-duesseldorf-102.html

Hauptsache, es hat sich die Stimmung etwas beruhigt. Nicht auszudenken, was wäre, wenn Streikschlichtung und Personaltratsdeppen nicht solchen Einfluss auf die Belegschaft hätten. Natürlich gibt es nicht genügend Pflegekräfte, also müssen Betten gesperrt werden, langfristig, damit es den korrupten Kapitaleignern samt Anhang ans Eingemachte geht. Die Beschäftigten wissen das, Verdi macht Kleckermatschaktionen, wenn überhaupt.



Titel: Re:Unruhige Krankenhäuser?
Beitrag von: Kuddel am 14. Dezember 2018, 12:10:49
Zitat
Altmark-Klinikum
Lautstarker Protest gegen Tarif-Ausstieg

(https://www.volksstimme.de/storyimage/MA/20181214/ARTIKEL/181219170/AR/0/AR-181219170.jpg&MaxW=505&ImageVersion=default&NCS_modified=20181214071623)

 Beschäftigte des Altmark-Klinikums haben in Magdeburg gegen einen Ausstieg aus dem öffenlichen Tarifvertrag demonstriert.


Von Antje Mewes

Magdeburg l Rund 70 Mitarbeiter des Altmark-Klinikums haben gestern Morgen in Magdeburg lautstark ihren Unmut zum Ausdruck gebracht. Sie protestierten vor dem Sitz der Salus-Altmark-Holding gegen den Ausstieg aus dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes. Im Vorfeld war deutlich geworden, dass der Aufsichtsrat der Gesellschaft plant, im Kommunalen Arbeitgeberverband nur noch eine Gastmitgliedschaft anzustreben. Das Gremium tagte an dem Vormittag.

Die Betriebsräte verdeutlichten, worum es ihnen geht. Die Krankenhäuser seien unzureichend finanziert. Gerade am Altmark-Klinikum gebe es mit den inzwischen 20 Jahre alten Bettenhäusern einen hohen Investitionsbedarf, der nicht mal im Ansatz mit den Zuweisungen vom Land ausgeglichen werde. Die Einzelförderung reiche nicht mehr.

Die wirtschaftlichen Probleme sollten nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden, und das würde ein Ausstieg aus dem öffentlichen Tarifvertrag bedeuten. Sie forderten den Aufsichtsrat auf, den Beschluss nicht zu fassen.

Beschäftigte sauer

„Die Beschäftigten sind stink sauer“, erklärte Gewerkschaftssekretär Jens Berek. Die Gewerkschaft ver.di hatte den Protest unterstützt. Zu diesem Zeitpunkt gab es bei den Demonstranten „noch ein Fünkchen Hoffnung“. Doch dieses sollte sich nicht bestätigen. Der Aufsichtsrat sprach sich mehrheitlich für eine Gastmitgliedschaft des Altmark-Klinikums im Kommunalen Arbeitgeberverband Sachsen-Anhalt aus. Damit fällt die Bindung an den Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes weg.

In einem Gespräch mit Betriebsräten hatte die Vorsitzende des Aufsichtsrates, Staatssekretärin Beate Bröcker, für eine Kultur des Miteinanders bei der weiteren Tarifvertragsentwicklung geworben, wie die Pressesprecherin der Holding, Franka Petzke, mitteilt. Sie sagte wörtlich: „Es geht um die wettbewerbs- und zukunftsfähige Weiterentwicklung des Altmark-Klinikums“, und verwies darauf, dass Veränderungen dafür unverzichtbar seien.

Situation schwierig

Bröcker habe eingeräumt, dass die aktuelle Situation in der Krankenhausfinanzierung schwierig ist. Die Diskussion über Veränderungen dahingehend müsse weiterhin geführt werden. Ein flexiblerer Tarifvertrag sei aber in jedem Fall sinnvoll, auch unter „verbesserten Rahmenbedingungen“. Mittelfristig werde ein einheitliches System mit der Salus GmbH, die ebenfalls zur Holding gehört, angestrebt.

Die Betriebsräte wollten gestern erst einmal abwarten. Gewerkschaftssekretär Berek schloss mittelfristig weitere Protestaktionen nicht aus.
https://www.volksstimme.de/lokal/salzwedel/altmark-klinikum-lautstarker-protest-gegen-tarif-ausstieg (https://www.volksstimme.de/lokal/salzwedel/altmark-klinikum-lautstarker-protest-gegen-tarif-ausstieg)