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Wat Noch => Theoriebereich => Thema gestartet von: GotthilfFischer am 12. Februar 2003, 19:50:13



Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: GotthilfFischer am 12. Februar 2003, 19:50:13
Ich schlage eine Extra-Rubrik über Gewerkschaften und deren Politik vor.

Hier ein paar offizielle Zahlen:
1991 hatten die DGB Gewerkschaften knapp 12Millionen Mitglieder, ein Jahrzehnt später waren es unter 8 Millionen.

Interessant ist, daß Kampfkraft und gewerkschaftliche Organisiertheit nicht identisch sind.

In Deutschland sind etwa 27% der Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert.
In Frankreich, wo zahlreiche, schlagkräftige und erfolgreiche Arbeitskämpfe stattfinden sind nur 9% organisiert, noch weniger als in den USA (13,5%).


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: am 27. Mai 2003, 13:16:23
vielleicht geht´s in frankreich radikaler ab, weil da die gewerschaften nicht im weg stehen :lol:  :wink:  :D


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Andy1000 am 30. Januar 2006, 21:23:48
Gewerkschaften sind wichtig.
Ohne hätten wir wohl zustände wie in China.
Das sollten wir nie vergessen.
Was mir bei den Gewerkschaften so Stinkt, ist dass dies sich um die Interesse Ihrer Mitglieder erst an (spätestens) zweiter Stelle kümmern. Ich erinnere an die vielen Skandale der letzten Jahre. Auch hätte ich gegen ALG2 mehr Gegenwehr erwartet, nachdem hier die SPD uns alle verraten und verkauft hat.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Mimir am 30. Januar 2006, 21:52:13
Wo sind denn die meisten Gewerkschafter politisch beheimatet?
Doch wohl in der SPD.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: LinksDenker am 30. Januar 2006, 23:17:45
KwTm


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Kettensägenmassaker am 31. Januar 2006, 02:04:44
Werft nicht gleich die Flinte ins Korn, die organisierte Arbeiterklasse verdient und verträgt Kritik:

"Deutschland war das klassische Land des (...) Organisationsdünkels. Um Organisation willen hatte man (...) die Aktionsfähigkeit der Bewegung preisgegeben. (...) Die Organisation der revolutionären Aktionen muß und kann eben nur in der Revolution selbst gelernt werden, wie das Schwimmen nur im Wasser gelernt wird. Dazu ist die geschichtliche Erfahrung da! Aber man soll eben aus der Erfahrung auch lernen."

Rosa Luxemburg (8.1.1919)


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Abstrampler am 31. Januar 2006, 02:23:47
Auch wenn es nicht ganz zum Thema passt, wollte ich dennoch etwas anmerken.

Klar finde ich ne Gewerkschaft wichtig, sie halfen mit unser Land zu einem Hochlohnland ( auch für Hilfsarbeiter ) zu machen.
Je höher die Löhne stiegen, umso höher stiegen aber auch die Mieten, kommunale Gebühren/Steuern( Abwasser, Müll, Kfz-Steuer etc), Gas, Strom, und was auch immer.

Alle haben sie von den hohen Löhnen profitiert, darum frage ich mich nun folgendes:

Haben diese mit den Gewerkschaften erkämpften Lohnerhöhungen wirklich den Arbeitern genutzt, wenn doch dadurch die Mieten stiegen und Abgabe stiegen?

Warum habe ich das Gefühl, das in Zeiten in welcher die Löhne eher fallen als steigen, das ganze nicht umgekehrt funktioniert?

Ich meine, warum fallen nicht die Mietpreise Kfz-Steuern, Abwassergebühren, Schorsteinfeger-Zwangsabgaben .....

Wer kämpft denn dafür, daß diese Belastungen Stück für Stück wieder abgebaut werden?
Wäre das nicht auch eine Aufgabe einer Gewerkschaften, oder soll das der paritätische Wohlfahrtsverband alleine machen?

Ich denke die Gewerkschaft sollte sich in Zeiten, in welchen es nur noch sehr schwer ist Löhne zu halten oder Lohnerhöhungen durchzusetzen, sich darauf besinnen an den Abbau der Belastungen mitzuwirken, denn so hat am Ende auch der Arbeiter/Arbeitslose/Rentner/bzw. Familien mehr Geld in der Tasche.

MfG


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 31. Januar 2006, 02:36:07
Zitat
Andy1000 schreibt
Gewerkschaften sind wichtig.
Ohne hätten wir wohl zustände wie in China.
Das sollten wir nie vergessen.

Ich muß hier Andi 1000 rechtgeben.

Natürlich wurden die Gewerkschaften nach dem Krieg von den Allierten eingesetzt um für soziale Kontrolle und Ruhe im Land zu sorgen.
Sie waren und sind stets bemüht um "Sozialpartnerschaft", wo doch Partnerschaft mit den Ausbeutern das Letzte ist, was wir brauchen.

Aber die Gewerkschaften trugen auch die großen Streikwellen der 70er und 80er Jahre mit, weil hier ein Bewußstein und Kampfeswillen herrschte, daß man auch notfalls ohne Gewerkschaften gekämpft hätte. (In den 50er Jahren z.B. gab es einen wilden Streik bei HDW-Kiel. Die Gewerkschaften hängten sich nachträglich ran, erklärten es für ihre Sache und setzten dann bundesweit die sofortige Lohnfortzahlung im Krankheitsfall durch.)

Die Gewerkschaften sind nicht gewillt zu kämpfen.
Es wäre aber dumm und falsch sie für den Feind zu halten.

Im Moment gibt die IGM bei dem AEG-Streik nicht das schlechteste Bild ab. Das liegt daran, daß auch außergewerkschaftlich diskutiert und organisiert wird und die Arbeiter einfach stocksauer sind und nichts zu verlieren haben. Da ist es dann das schlaueste sich mit dem Kampfgeist der Arbeiter zu schmücken, den man nichteinmal selbst organisiert hat.

Nach langer, langer Zeit könnte es nun mal wieder zu einem größeren Arbeitskampf im Öffentlichen Dienst kommen. Hier scheint sich VERDI auch zu bemühen um den Massenaustritten von Gewerkschaftsmitgliedern Einhalt zu gebieten. Sonst droht der ganze Laden zu implodieren und auch die schönen Pöstchen der Gewerkschaftsfunktionäre wären futsch.

Die Gewerkschaften haben trotz allem eine große Autorität be der Bevölkerung (auch wenn die Medien das Gegenteil behaupten) und können sehr viele mobilisieren (wenn sie nur wollen). Es gibt massenhaft Leute in der Gewerkschaft, die hassen die Politik der Gewerkschaftsführung. Sie sind trotzdem Mitglied, weil es keine Alternative gibt. So sind viele Vertrauensleute in wilden Streiks aktiv und kämpfen gegen den Willen ihrer Gewerkschaft. Keinen Kontakt zu solchen Leuten zu haben und auf den Schutz, den eine solche Organisation auch bietet zu verzichten wäre fatal.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: LinksDenker am 31. Januar 2006, 03:05:24
KwTm


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: jensen am 31. Januar 2006, 03:57:03
(.)


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 04. Februar 2006, 14:08:20
Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut des DGB (WSI) hat für das Jahr 2005 eine Steigerung der Tarifeinkommen im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt von 1,6% berechnet. Die effektiven Bruttoeinkommen stiegen aber lediglich um 0,5%. Die Ursache ist, dass die Tariflohnerhöhungen in vielen Betrieben überhaupt nicht ankommen, weil sich immer weniger Unternehmen an die Tarifverträge halten ober diese unter Ausnutzung von Öffnungsklauseln in den Tarifverträgen sogar noch unterbieten. Die Folge ist ein starker Rückgang der Realeinkommen durch gestiegene Abgaben und die Inflation.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 16. Mai 2006, 12:39:20
Dringender Protestaufruf: Funktionsverbote für Vertrauensleute und Betriebsräte der Stuttgarter „Alternative“
IGM behindert Mandatsträger bei DaimlerChrysler in Ausübung demokratischer Rechte


Special „Demokratie live - »alternative« werden ausgeschlossen“  (http://www.labournet.de/news/2006/montag1505.html)

Mit einem „Notruf“ haben sich die „alternativen“ an die gewerkschaftliche Öffentlichkeit gewandt und diese Ausschlusspolitik kritisiert:

Zitat
Wir bitten um Proteste an die IGM-Ortsverwaltungen, den Betriebsratsvorsitzenden in Untertürkheim und den Vorstand der IG Metall:

IGM Esslingen, z.H. Sieghard Bender und Mitglieder des Ortsvorstands: Fax: (0711) 93 18 05-34, mail: esslingen@igmetall.de

IGM Stuttgart, z.H. Hans Baur und Mitglieder des Ortsvorstands: Fax: (0711) 162 78 49, mail: stuttgart@igmetall.de

Helmut Lense, BR-Vorsitzender Untertürkheim: Fax (0711) 175 33 20

IGM-Vorstand, z.H. Jürgen Peters, Berthold Huber: Fax: (069) 6693-2843


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 07. Juni 2006, 12:45:48
„Viele Jahre nach dem Mauerfall, eitern immer noch die Trümmer in den Köpfen vom DGB Vorstand und entwickeln sich zu Narben, welche gegenüber den Beschäftigten im Osten - als tiefe Schluchten einer Stigmatisierung vorgeführt werden. Untermalt wird der Erfolg: "Damit haben wir für Tarif- und Sozialstandards in der Branche eine untere Haltelinie eingezogen", durch den DGB-Verhandlungsführer Reinhard Dombre. Er zog damit nicht nur die untere Haltelinie, sondern offerierte auch die Stellung vom DGB zu den ostdeutschen Arbeitnehmern und förderte die Spaltung zwischen Ost und West…“ Kommentar im Sozialticker vom 1.6.06  

http://www.sozialticker.com/dgb-foerdert-lohndumping-im-osten.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: faulpelz am 07. Juni 2006, 23:25:12
...in Deutschland sind sie leider total lahm. Das liegt meiner Meinung nach an den verkrusteten Strukturen, an der Geschichte der (Nicht-)Arbeitskämpfe seit 1933 und an ihren Mitgliedern, die natürlich auch zum kämpfen bereit sein müssen.

Trotzdem haben wir Flächentarifverträge, Kündigunsschutz und eine Streikkasse. Da können sich kämpferische(re) Gewerkschaften beispielsweise in Südeuropa mal eine Scheibe abschneiden.

Meine These ist jedoch eine pessimistische. Trotz relativ breiter Organisierung der Arbeiterklasse werden die Angriffe auf unsere Lebensbedingungen durch das Kapital erst einmal nicht abgewehrt werden können. Mit oder ohne Gewerkschaften. Nach dem Faschismus und jahrzehntelangem Klassenkompromiss wissen die Arbeiter nicht mehr wie man angemessen streikt. Zudem verhindert eine in diesem Land weit verbreitete Autoritätshörigkeit schon die kleinsten widerständigen Aktionen.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: faulpelz am 07. Juni 2006, 23:28:09
Die kämpferischen Traditionen in der Autoindustrie und einige in Kleinstfabriken hin und wieder auch wild aufflammenden Kämpfe sind natürlich immer wieder aufmunternde Ausnahmen, aber eben leider nur Ausnahmen.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Möwe am 08. Juni 2006, 01:10:21
Der DGB und seine Untergewerkschaften sind doch mit seiner Hierachischen Ordnung, der Bürokratie und des ganzes Vorsitzendengeplänken völlig nutzlos.
Sie vertreten einen doch nur in Rechtsangelegenheiten und organisieren öfter mal ne Demo. Die kämpferischen Reden der Vorsitzenden verhallen schnell.
Naja, kenne da noch die FAU, ne schwestergewerkschaft der Berühmten C.N.T. die kennt wohl der eine oder andere.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: hotte am 08. Juni 2006, 01:30:28
Ein wenig habe ich damit ein Problem. Ich meine folgendes: viele der hier geschriebenen Beträge stimmen wohl, daß Problem oder der Status Quo ist also erkannt. Jeder weiß hier etwas von den Problemen zu berichten, die uns bedrücken. Und ich sage ausdrücklich das es so ist, ich sehe das ja auch so.

Aber da ist doch irgendwie die Frage nach einer LÖSUNG des Problems.

Wie könnte die denn jetzt wohl aussehen?

Abschaffung aller Gewerkschaften?
Aufteilung der privaten Vermögen?
Staatliche Kontrolle der privaten Unternehmen?
Beschlagnahme von Sparguthaben?
Mindestlohn von 15,-€ ?
Abschaffung des Marburger Bund?
Abschaffung der vielen gesetzlichen Kassen und Ersatz mit EINER EINZIGEN Kasse?
Stornierung des Auftrages über 180 EUROFIGHTER?
Abschaffung des Beamtentums?
Abschaffung des Pensionsrechts?
Abschaffung der Abgeordnetenimmunität?
Abschaffung der EU und Wiedereinführung der DM?
Abschaffung der EU und Wiedereinführung der OST-MARK?
Bau einer Mauer um uns herum?

Also, liebe Schreiber hier, wie wollt ihr es schaffen, AUCH NUR EINEN EINZIGEN DER OBIGEN PUNKTE ZU VERÄNDERN??

Das wirkliche Problem ist doch: wir schaffen es nicht einmal uns bei der ARGE durchzusetzen und unser Recht zu bekommen...


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: faulpelz am 08. Juni 2006, 17:43:51
@Möwe: Die FAU kenne ich auch, inhaltlich mögen die mir sicherlich auch näher stehen als jede Einzelgewerkschaft des DGB, aber wenn ich ein Problem am Arbeitsplatz habe, dann bin ich froh unter dem Dachverband des DGB zu sein und nicht bei der FAU.
Wie können die mir denn helfen? Die können vielleicht etwas Ärger machen, aber ist mir dann damit geholfen!? Was glaubst du wieviel Eindruck das bei meinem Chef machen wird wenn ich dem sage: Hey, ich bin in der FAU, verarsch mich lieber nicht!
Richtig... gar keinen.

Ehrlich gesagt wäre es mir lieber wenn die Genossen die bei der FAU sind sich auch im DGB engagieren würden, den Laden von innen aufzumischen halte ich perspektivisch für sinnvoller als zu sektieren.

@hotte: Du hast Recht, man braucht Angebote wie etwas besser zu machen ist.  

Ein Mindestlohn von 10 - 15 Euro wären für den Anfang nicht schlecht. Genau wie eine bedingungslose Sozialhilfe auf hohem finanziellen Niveau.

Zu finanzieren wäre das über eine massive Erhöhung der Erbschaftssteuer. Es sind nämlich vor Allem die Erbschaften über die sich die ungleiche Verteilung der Produktionmittel immer stärker reproduziert. Abgesehen natürlich vom alltäglichen kapitalistischen Wettbewerb.

Wenn das immer noch nicht ausreicht muss darauf gedrängt werden wichtige Wirtschaftszweige zu vergemeinschaften, bzw. zu verstaatlichen. Dann wäre garantiert genug Schotter am Start um Schulden zu bezahlen, Sozialhilfe auf allerhöchstem Niveau zu realisieren und Renten auszuzahlen. Von der kostenlosen medizinischen Versorgung für Alle ganz zu schweigen.

Um das zu erreichen würde ich sagen ist die Auflösung der Gewerkschaften keine gute Idee, schon eher eine Radikalisierung derselben und eine Umstrukturierung des Aufbaus hin zu einer Basisorganisation, die trotzdem handlungsfähig und gut organisiert ist. Zudem wäre das Erkämpfen des politischen Streikrechts angebracht.

So, das wäre zumindest mal ein guter Anfang. Reicht das erstmal an Vorschlägen?


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 12. Juni 2006, 21:30:27
„Der DGB Bezirk Berlin-Brandenburg möchte seine Kulturarbeit und die hauptamtliche Betreuung seiner Antirassismus-Website einstellen. Die Schriftstellerin und Gewerkschaftssekretärin Esther Dischereit soll Ende Juni 2006 arbeitslos werden. Mit ihrer Entlassung will der DGB Bezirk Berlin-Brandenburg seine Kulturarbeit und die hauptamtliche Betreuung seines Antirassismus Angebots im Internet (http://www.respekt.dgb.de) aufgeben. Ein Gütetermin vor dem Arbeitsgericht verlief am 22. Mai 2006 ergebnislos. Die Kündigung unterschrieb der DGB-Bundesvorsitzende Michael Sommer selbst, heißt es im DGB Haus in Berlin…“ Artikel von Martin Jander erschienen im Informationsdienst gegen Rechtsextremismus  (idgr.de):

http://www.idgr.de/news/2006/n060606.php

And dieser Stelle sei daran erinnert, daß im vergangenen Jahr eine Studie belegte, daß etwa jedes 3. Gewerkschaftsmitglied eine rassistische Gesinnung hat.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Mimir am 12. Juni 2006, 21:40:34
Das ist der normale Durchschnitt
verborgen unter einer dünnen Schicht Aufgeklärtheit und Liberalismus lauert der meiner Ansicht  bei mehr als der Hälfte.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 15. Juni 2006, 15:10:18
Stuttgart. Am 13.06.06 fand der nunmehr siebte Arbeitsgerichtsprozess von Ulrich Schirmer gegen Porsche statt. Nach seinem Sieg beim Bundesarbeitsgericht versucht der Porsche-Vorstand jetzt, unter Mißachtung dieses Urteils, die Zermürbungstaktik gegen die kämpferischen Kollegen fortzusetzen. Dabei wird von Porsche nicht einmal versucht, neue Gründe beizubringen. Außer einem: Der Betriebsratsvorsitzende Uwe Hück habe jetzt auch schriftlich gegenüber der Geschäftsleitung festgestellt, dass Ulrich Schirmer - bzw. der Solidaritätskreis - den 'Betriebsfrieden störe'. Damit ist die Kumpanei von Hück und Porschechef Wiedeking nun auch noch aktenkundig geworden. Die neue Kündigung sollte auch damit begründet werden, dass nicht zu erwarten sei, dass Ulrich Schirmer sich aus dem 'Dunstkreis' des Solidaritätskomitees lösen würde. Seine aktive Mitarbeit im Solidaritätskreis soll Grund genug sein, die Kündigungen aufrechtzuerhalten bzw. einfach neue nachzuschieben.

Das Gericht konnte der Begründung nicht folgen, wonach Ulrich Schirmer für alle Veröffentlichungen - von wem auch immer - über den Fall zuzurechnen seien. Auch hatte das Gericht in den Flugblättern nichts gefunden, was inhaltlich eine Kündigung rechtfertigen würde. - So machte der Richter klar, dass die Porsche-Kündigung keine Aussicht auf Erfolg hat und schlug den Porsche-Justitiaren vor, die Kündigung doch zurückzuziehen. Die lehnten jedoch ab.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 28. August 2006, 14:00:15
Ich werde hier nicht müde zu wiederholen, daß es absolut wichtig ist Strukturen neben den Gewerkschaften aufzubauen, die unabhängig diskutieren und agieren können. In vielen anderen Ländern gibt es bereits Basisgruppen in denen sich Leute, die nicht in Gewerkschaften sind, mit frustrierten Gewerkschaftsmitgliedern zusammenkommen und auch verschiedendste politische Strömungen treffen dort aufeinander.

Diesen Basisgruppen gelingt es manchmal erheblichen Einfluß auf Kämpfe zu nehmen, in einigen Fällen nehmen sie sogar den nicht kampfbereiten Gewerkschaften die Führung aus den Hand:

Zitat
Iberia-Beschäftigte besetzen Flugbahn in Barcelona: "Wir haben die Kontrolle verloren"

Zunächst war es wie so oft: Im Konkurrenzkampf hatte die Unternehmensleitung von Iberia einen jener besonders einfallsreichen Sparpläne entwickelt, der die Denkgrenze kapitalistischer Manager bestimmen muss - Kürzungen, outsourcing und Entlassungen querbeet. Dann war es weiterhin wie so oft: Die Gewerkschaften (in diesem Falle die beiden grossen Verbände CCOO und UGT) machten sich überflüssig, indem sie im Prinzip zustimmten, sozial abgefedert natürlich. Dann aber war es ganz anders: etwa 1.000 der 2.500 Beschäftigten des Bodenpersonals der Iberia im Flughafen El Prat (Barcelona) besetzten am 28. Juli die Start- und Landebahnen. Und während die Meinungsmaschinen des Bürgertums aufjaulten und Debatten um eine Einschränkung des Streikrechts lostreten wollen, während Verbraucherverbände Klagen gegen Unternehmen und Beschäftigte einreichen, gesteht ein düpierter Gewerkschaftsbürokrat ein, die "Kontrolle" verloren zu haben. Sein Problem, meinen BasisaktivistInnen und Gewerkschaftsoppositionelle.
[url]http://www.labournet.de/internationales/es/elprat.html[/url]


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Lichtkämpfer am 30. August 2006, 09:43:32
Ich selbst bin Gewerkschaftsmitglied und meine daß unsere Gewerkschaften den Blick für ihre eigentliche Aufgabe verloren haben. Das drückt sich unterschiedlich aus. Am schlimmsten ist die IG BCE da wir 1:1 SPD komforme Politik umgesetzt, da sehe ich überhaupt keinen Unterschied mehr zwischen AG und Gewerkschaft. Einige an der Basis wozu ich mich auch zähle, sind darum bemüht eine Rückbesinnung auf die Wurzeln zu diskutieren. Das Problem ist die meisten Delegierten auf Gewerkschaftstagen wissen noch nicht mal wozu sie gewählt sind. Die applaudieren bei allem. Das macht die Sache schwer. Bezeichnend ist daß im Tarifkonflikt der Bahn Schröder als Schlichter der AN Seite ernannt wurde, da macht man den Bock zum Gärtner.
Ich persönlich habe nichts dagegen wenn sich Strukturen ausserhalb der Gewerkschaften bilden. Doch auch wir erwerbslose sollten innerhalb der Gewerkschaften Dampf machen. Auch wenn es total schwer ist.
Letzlich werden wir nur dann in unseren Bemühungen Erfolg haben, wenn wir unseren Kontakt zu den noch Arbeitenden vertiefen und da habe ich den Eindruck daß das nicht alle Gewerkschaften möchten.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 30. August 2006, 11:48:56
Das ist doch wirklich nichts Neues.

Gemeinsam mit der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie und der Treuhandanstald hat die Salzgitter AG die ostdeutsche Kaliindustrie zerschlagen. Man wollte die westdeutschen Kaliarbeitsplätze den ostdeutschen gegenüber hochleben lassen. Das ist Sieger- und Besatzerverhalten auf seitens der westdeutschen Berufskollegen und Gewerkschaften. Die Hungerstreiks der Kumpel von Bischofferode dürften so Manchem in Erinnerung sein.

Bischofferode im Eichsfeld - 31. Dezember 1993 Schließung des Kaliwerkes „Thomas Müntzer“

Zwischen 1990 und 1993 wurden unter der Regie der Treuhandanstalt über 1.000 Arbeitsplätze abgebaut. Für 700 verbliebene Kumpel erfolgte die Stilllegung nach großen Protesten im Zuge der Übernahme durch einen westdeutschen Investoren. Heute sind noch rund 100 Beschäftigte auf dem Bergwerk tätig um es zu sichern und für die endgültige Aufgabe vorzubereiten.

Vielleicht hat jemand den Film "Verkauftes Land" gesehen. Da wird das mehr als deutlich.

ARD/NDR, Verkauftes Land, Fernsehfilm 2003 (http://www.wdr.de/tv/fernsehfilm/0320_filmausgabe.phtml?id=556)

Musik: Hans P. Ströer
Kamera: Johannes Anders
Buch: Claudius Crönert
Regie: Horst Königstein

"KLAUS SCHUCHT tritt 1991 mit über 60 Jahren seinen Dienst als Vorstandsmitglied der Treuhandanstalt an. Der junge FRANK PAULY wird sein Assistent und Referent. Schnell zeichnen sich unterschiedliche Motivationen ab: Schucht, der Patriot, der Preuße, wendet all seine Kraft für das Gelingen der Wiedervereinigung auf. Pauly sieht den Job bei der Treuhand als Sprungbrett für seine noch recht junge Karriere.

Schucht Auftrag ist klar: die Privatisierung der ostdeutschen Betriebe im Bereich Bergbau, Energie und Chemie. Daß die westdeutsche Wirtschaft, aus der er stammt, - von der er eine Reihe der führenden Vertreter kennt, mitzieht, steht für ihn außer Frage. Was für ein Irrtum.

Die westdeutschen Managern sehen in den Neuen Ländern allein einen großen Markt. Am Entstehen einer konkurrierenden Produktion haben sie keinerlei Interesse. Investitionen, Arbeitsplätze, Verantwortung? Fehlanzeige. "Der Patriotismus meiner Aktionäre hört an ihrem Geldbeutel auf," sagt einer von ihnen kühl.

Schucht erweist sich als gewiefter Verhandlungspartner. Nur hat die andere Seite allzu oft das bessere Blatt. Vor allem ist sie bereit, es bis zum letzten auszureizen. Gewaltiger politischer Druck gehört schon bald genauso zu Schuchts Erfahrungen wie die schiere Erpreßung, deren Opfer er wird.

Natürlich: die Erfolge sind da, die Leuna-Werke werden privatisiert, der Kalibergbau gesamtdeutsch vereint, und die Stromversorgung wird auf eine solide Basis gestellt.. Doch Schucht muß erkennen, wie hoch der Preis ist. Hunderttausende von Arbeitsplätzen gehen verloren, ganze Regionen veröden.

„VERKAUFTES LAND“ erzählt eine deutsche Geschichte. Der Film zeigt den Ausverkauf der früheren DDR aus der Sicht eines Mannes, der bitter erkennen muß, daß sich seine Ideale überlebt haben. Klaus Schucht fühlte sich dem Gemeinwohl verpflichtet. Heute klingt diese Begriff wie ein Relikt, - wie die fremde Vokabel einer alten, verlorengegangenen Sprache.

Über die Person Schuchts hinaus unternimmt der Film den Versuch, Macht und Grenzen der nach wie vor umstrittenen Treuhandanstalt aufzuzeigen. Dabei werden die Zeitläufte Anfang der 90er Jahre in den Neuen Ländern wieder lebendig."

Die Welt: Auf der Suche nach den Helden der Einheit - Verkauftes Land (http://www.welt.de/data/2003/12/05/206410.html?prx=1)

"... Da es aber ganz ohne Helden - so sind die Menschen nun mal - nicht geht, hat der Norddeutsche Rundfunk sich einen gebacken. Er heißt Klaus Schucht und war von 1991 bis 1995 Treuhandvorstand für Energie, Chemie und Bergbau. Als solcher überführte er unter anderem die ostdeutsche Stromindustrie, den Chemiekomplex Leuna und die Kali-Kombinate in die Marktwirtschaft. Bischofferode, Hungerstreik - wir erinnern uns.

"Verkauftes Land - Dokudrama über die Zeit der Treuhand" heißt die Produktion (Erstausstrahlung im NDR-Fernsehen am 6.12., 21.45 Uhr) - womit der grundlegende Antagonismus der Geschichte, wie die Autoren Claudius Körber und Michael Esser sie sehen, auch schon umrissen ist. Da sind die einen, die Herren des West-Geldes, die am liebsten die ganze Zone dichtmachen würden und ihre Verkaufstheken lediglich nach Osten verlängern wollen. Und da ist der andere, Klaus Schucht, der Held, der eine Produktionswelt im Osten erhalten beziehungsweise neu erstehen lassen will. Eine Welt, und da ist der Film sehr anschaulich gedreht, die schon auseinander fällt, wenn jemand zu laut hustet.

Klaus Schucht muss ein leiser gewesen sein, und so spielt ihn Rudolf Kowalski auch. Den wenigen Text mit knappsten Gesten begleitend, lässt Kowalski das Bild eines Mannes entstehen, der den Lebenskampf vor allem als Schlacht gegen sich selbst gelernt hat. Pflichtbewusstsein, preußische Disziplin, unermüdlicher Arbeitseinsatz, Verzicht. Nicht standesgemäß in der S-Klasse, sondern in der Mittelklasse fährt der erfahrene Ruhrkohle-Manager auf die Betriebshöfe, die oft kurz darauf menschenleer und geschlossen wurden. "Ich kenne die Zahlen noch nicht", ist einer der wenigen Sätze des NDR-Schucht, an die man sich nach Betrachten des Films erinnert.

Und da ist der Gesichtseindruck einer stillen Verzweiflung, die nie zum Ausbruch kommt, wenn der Treuhand-Vorstand Schucht wieder einmal am Telefon erfährt, auf welche Art und Weise er die Vertreter von West-Investoren zu bedienen hat, die sich in seinem Dienstzimmer wie spanische Konquistadoren vor der Indio-Hütte aufbauen.

Dass dieser Mann ein Geheimnis hat, ist von der ersten Minute seines Auftritts an klar - und man erfährt sogar, welches es ist. Schucht war Napola-Schüler, wurde also in einem Nazi-Elite-Institut als Kind gedrillt, nahm noch als Jugendlicher am Endkampf um Berlin teil, durfte danach lange nicht erkennen lassen, aus welcher Welt er kam, und hat das nie wirklich überwunden. Auch als Treuhand-Vorstand darf er nicht zeigen, wer er eigentlich ist oder, besser gesagt, was für ein Retter er eigentlich sein will. Denn von ihm wird strikte Pflichterfüllung erwartet. Und das heißt: den westdeutschen Stromerzeugern nicht dabei in die Quere zu kommen, wie sie ihr Versorgungsmonopol beschützt vor ausländischer Investorenkonkurrenz auf den Osten ausdehnen. Die westdeutsche Chemieindustrie nicht dabei zu stören, den Ost-Kali-Bergbau zu schließen, damit im Westen keine Arbeitsplätze verloren gehen. Den Chemiekomplex Leuna-Bitterfeld mit Milliardengeschenken an die französische Staatswirtschaft zu verschenken, damit von einst 40 000 Beschäftigten ganze 900 ihren Arbeitsplatz behalten. Selten hat jemand so eindrücklich lautlos mit den Zähnen geknirscht, wie Kowalski seinen Schucht das tun lässt - ein Miles Davis des Fernsehspiels: Ganz groß im Weglassen von Tönen dieser Rudolf Kowalski.

Dem Helden Schucht ergeht es, wie es Helden ergeht, die sich an die Vorschriften halten: Er wird noch zu Lebzeiten - Schucht starb 2001 mit 70 Jahren - hoch dekoriert. Für die Leuna-Privatisierung bekam er den Pour le Mérite, was ihn nach Aussagen seiner Frau tatsächlich beeindruckt haben soll, trotz des jämmerlichen Staatsschauspiels, das mit der Leuna-Konversion offenbar einherging. Auch wenn der Film nicht näher auf die nie bewiesenen Bestechungsvorwürfe im Zusammenhang mit Leuna eingeht, es wird zumindest erwähnt, dass 90 Millionen Mark an Bestechungsgeldern geflossen sein sollen. Wer bestochen wurde? Niemand weiß es, vielleicht noch nicht einmal der wirkliche Schucht, der seine Hinterlassenschaft auf Jahrzehnte versiegelte, indem er seine persönlichen Aufzeichnungen und Handakten dem Bundesarchiv vermachte und auf diese Weise seine Wahrheit der unmittelbaren Nachwelt vorenthielt.

Dass der Film-Schucht genommen hat, erscheint ausgeschlossen. Der hat nur gegeben - seine Kraft, seine Erfahrung, ja auch seine Liebe zum Vaterland, das ihn mit der so schweren Bürde einer zerstörten Jugend ins Leben entließ. Ein gebrochener Held steht am Ende jenes doch bemerkenswerten Fernsehspiels.

Warum der Film dem Publikum des Ersten Fernsehprogramms erst in einem Jahr gezeigt werden soll, wissen nur die Programmgötter der ARD - oder die Rechtsabteilung. Jedenfalls empfiehlt es sich, nicht auf den zweiten Ausstrahlungstermin des koproduzierenden Westdeutschen Rundfunks (WDR III, 8.12., 23.15 Uhr) zu vertrauen. Wegen der Rechtsabteilung von BASF, RWE, Thyssen und anderen. Die könnten auf die Idee kommen, die massiven Anwürfe gegen westdeutsche Firmen im Film als Tatsachenbehauptungen misszuverstehen und zu beklagen. Auch so kann man Helden machen - aus Filmemachern, in diesem Fall dann verhinderte Helden."

Jetzt baut man Kali unterirdisch vom Westen kommend auf ostdeutscher Seite ab.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: handkey am 30. August 2006, 12:14:02
@lichtkämpfer:
Kling für mich voll nach dem richtigen Ansatz.

Dabei isses mir wenig wichtig, wie sich diese Basisgruppen nennen, solange sie sich miteinander vernetzen und eben föderale mandatierte Strukturen entwickeln, die nicht schon wieder irgendein Macht auf irgendwelche Zentralaffen konzentriert

@faulpelz:
Vielleicht geht es darum, zu begreifen, daß dieser Kampf direkt vor ort von Kollegen und solidarischen Kollegen anderer Sparten geführt werden muss, den Vorwurf des Sektierens stellen eher diejenigen, welche die Abwiegelungsmechanik der offiziellen Gewerkschaften, die dem Betriebsfrieden des BetrVerfG das Wort reden.

Selber in solch einer Lokalföderation, bin ich der Ansicht, daß es nicht die Namen und Symbole sind, die uns befreien, sondern die Menschen und ihre Taten.

Also spricht nix dagegen, wenn Du deine kämpferischen KollegINNen vor Ort anhältst, sich SELBST zu organisieren, und sich meinetwegen "Supermarktarbeiter Dortmunds" zu nennen, ohne daß man gleich wieder irgend jemand "beitritt"- vernetzen kann mensch sich dann mit den Gruppen, die sonst noch kämpfen, selbstmurmelnd auch mit FAUistas, Libertären oder wasde sonst so an korrekten Kollegen kennst.
Gruß, Handkey


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Ragnarök am 30. August 2006, 12:39:39
Zitat
Original von Lichtkämpfer
Ich selbst bin Gewerkschaftsmitglied und meine daß unsere Gewerkschaften den Blick für ihre eigentliche Aufgabe verloren haben. Das drückt sich unterschiedlich aus. Am schlimmsten ist die IG BCE da wir 1:1 SPD komforme Politik umgesetzt, da sehe ich überhaupt keinen Unterschied mehr zwischen AG und Gewerkschaft. Einige an der Basis wozu ich mich auch zähle, sind darum bemüht eine Rückbesinnung auf die Wurzeln zu diskutieren. Das Problem ist die meisten Delegierten auf Gewerkschaftstagen wissen noch nicht mal wozu sie gewählt sind. Die applaudieren bei allem. Das macht die Sache schwer. Bezeichnend ist daß im Tarifkonflikt der Bahn Schröder als Schlichter der AN Seite ernannt wurde, da macht man den Bock zum Gärtner.
Ich persönlich habe nichts dagegen wenn sich Strukturen ausserhalb der Gewerkschaften bilden. Doch auch wir erwerbslose sollten innerhalb der Gewerkschaften Dampf machen. Auch wenn es total schwer ist.
Letzlich werden wir nur dann in unseren Bemühungen Erfolg haben, wenn wir unseren Kontakt zu den noch Arbeitenden vertiefen und da habe ich den Eindruck daß das nicht alle Gewerkschaften möchten.

Da würde ich noch weiter gehen, Hoch die (Gewerkschafts-) Bonzen, an jeden Baum einen!  :D

Gewerkschaften sind trotzdem wichtig benötigen aber personelle und strukturelle Reformen.

Ich bin vor Jahren ausgetreten beim DGB und der DGB Rechtsschutz GmbH.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: fbk am 30. August 2006, 17:22:50
Die Basisgruppen sind in den ersten Ansätzen bereits vorhanden, ob sie nun „gemeinsam leben – anders arbeiten“ oder „anders leben – gemeinsam arbeiten“ oder wie auch immer heißen. Der Bedarf ist da, die Anfänge sind da. Selbst die Gruppen der Montagsdemonstranten können als solche Ansätze mit einbezogen werden. Alle die, die diese verruchte Gesellschaft zum Teufel jagen wollen, gehören zum Netzwerk. Nur eines dürfen sie nicht: Spalten. Und da gibt es nun wieder jede Menge Erfahrungen. Kompetenzen- und Machtgerangel sind ebenso hinderlich wie Einigkeit verhindernd. In allen stürmischen und gesellschaftsverändernden Zeiten waren sie es, die wirkliche Verbesserungen ausschlossen.

Die vorhandenen Gewerkschaften könnten genutzt werden, wenn sie sich von ihren opportunistischen Führungskräften lösten. Wahrscheinlich ist es günstiger doch neue syndikalistische Strukturen zu schaffen, einfach weil die herkömmlichen unbeweglich und korrumpiert sind. In neuen Strukturen wären die wichtigen lokalen Verbindungen zwischen Arbeitern in Unternehmungen und denen, die erwerbslos sind gleich von Anbeginn an zu schaffen. Eine Organisationseinheit unabhängig von WASG,PDS, SPD, BBW, XXY...sollte sich konstituieren. Und als gutes Beispiel vorangehen: Alles, fast alles wird ehrenamtlich gemacht.

Hallo ragnarök, warum willst Du immer Menschen an die Bäume hängen? Möchtest Du von anderen so behandelt werden? Diejenigen, welche ehrlich etwas Besseres anstreben, können nur der Auffassung sein, dass ein Leben etwas Heiliges ist.
Wenn Leute mit Deiner Auffassung sich durchsetzen, dann wird sich die Geschichte zum x. Male wiederholen. Und altes Unrecht mit neuem Unrecht „vergolten“. Etwas Besseres ist das jedoch niemals.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 27. November 2006, 13:32:47
La Poste (Frankreich): CNT verboten!

Nach nun 20 Jahren ihrer Existenz, ist die Föderation der CNT PTT (Gewerkschaft der Post-ArbeiterInnen) jetzt bei "La Poste" verboten. Dies ist die Konsequenz einer Vereinbarung zwischen dem Management und den Bossen von "La Poste" und den Gewerkschaften, die repräsentativ genannt werden, aber nichtsdestoweniger eine Minderheit darstellen - CFDT, FO, CFTC, UNSA und CGT.

Die Ironie dabei ist, dass diese Vereinbarung mit den Worten unterschrieben wurde "den sozialen Dialog zu vereinfachen und zu entwickeln" (durch die Knebelung jeden Protestes?!). Danach zögerte "La Poste" nicht einen Pariser Genossen mit 15 Tagen unbezahltem "Urlaub" zu bestrafen, weil er CNT-Flugblätter an seinem Arbeitsplatz verteilte. Andere ArbeiterInnen wurden bedroht.

Der CNT nach, ist dies Klassenkampf, der den Syndikalisums attackiert, einen Syndikalismus, der sich der Restrukturierung und Privatisierung widersetzt. Kein Zweifel, dass dies nur ein Schritt hin zur völligen Zensur allen Protests in allen Sektoren der Gesellschaft ist. Bald werden andere Öffentlichen Dienste attackiert werden, vom privaten Sektor ganz zu schweigen! Nur Mainstream-Gewerkschaften sollen überleben, die sich diesen Angriffen auf die ArbeiterInnen nicht widersetzen.

http://www.chefduzen.at/viewtopic.php?t=245&sid=


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Kater am 22. Dezember 2006, 00:08:43
IW und die Mitgliederzahl in den Gewerkschaften

Zitat
Nur noch jeder fünfte Arbeitnehmer in Gewerkschaft
Mittwoch 20. Dezember 2006, 12:55 Uhr

Köln (dpa) - Nur noch jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland ist nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Mitglied einer Gewerkschaft. In Westdeutschland seien zuletzt (2004) noch 21 Prozent der Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert gewesen, in Ostdeutschland 18 Prozent.

Das teilte das arbeitgebernahe IW unter Berufung auf die alle zwei Jahre erstellte Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) mit, für die 3000 Bürger befragt worden waren.

1980 sei noch ein Drittel der westdeutschen abhängig Beschäftigten Gewerkschaftsmitglied gewesen.

Die Legitimation der Gewerkschaften als Sprachrohr der Belegschaften stehe damit «auf immer wackligeren Füßen», meinte das Institut.

Unter den Berufseinsteigern bis 30 Jahre sank der Organisationsgrad in Westdeutschland seit Anfang der 80er Jahre um elf Prozentpunkte auf durchschnittlich 15 Prozent in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts (2000-2004). Gewerkschaftmüde sind laut IW auch die Beschäftigten der Generation 50 plus, von denen noch 23,4 einer Gewerkschaft angehörten. Hingegen sei in der Gruppe der 41- bis 50-Jährigen nur ein leichter Rückgang auf rund 30 Prozent zu verzeichnen.

Besonders deutlich war das Abwandern bei den männlichen Vollzeitbeschäftigten in den alten Ländern - ihr Organisationsgrad sank der Umfrage zufolge von 39 auf 26 Prozent. Bei den Angestellten seien mit 15 Prozent besonders wenig, bei den Beamten mit 40 Prozent besonders viele Menschen im Besitz eines Gewerkschaftsausweises.

Von Ende 1995 bis Ende 2005 hat sich den IW-Angaben zufolge die Zahl der DGB-Gewerkschaftsmitglieder von 9,4 auf 6,8 Millionen Menschen verringert. Dabei kehrten der IG Metall, ver.di oder der IG Bergbau, Chemie, Energie gerade diejenigen den Rücken, die die Gewerkschaften vertreten, also die Arbeitnehmer. Das komme aber in den Spitzen der Gewerkschaften kaum zur Sprache. In der Zählung des Brutto-Organisationsgrads berücksichtigen die Gewerkschaften auch Mitglieder wie Studenten, Rentner und Arbeitslose und kämen damit zu höheren Ergebnissen als die ALLBUS-Umfrage, hieß es beim IW.


http://de.news.yahoo.com/20122006/3/jeder-fuenfte-arbeitnehmer-gewerkschaft.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: SyndiCat am 14. Januar 2007, 03:55:19
Zitat
Original von faulpelz
(...) Wie können die mir denn helfen? Die können vielleicht etwas Ärger machen, aber ist mir dann damit geholfen!? Was glaubst du wieviel Eindruck das bei meinem Chef machen wird wenn ich dem sage: Hey, ich bin in der FAU, verarsch mich lieber nicht!
Richtig... gar keinen


Keine Ahnung, in was für einem Schuppen du knechten musst. Als jemand der sowohl bei der FAU (weil da mein Herz schlägt) als auch bei ver.di (Rechtsschutzversicherung mit fünf Buchstaben und einem Punkt) Mitglied ist, sehe ich das differenzierter. Ich habe mehrmals erlebt, dass Bosse vor der Drohung mit Öffentlichkeit, Pickets und Anschwärzen bei den Kunden ganz schnell in die Knie gegangen sind. Du kannst dir sicherlich vorstellen, dass die nicht von ver.di kam. Wenn du konkret Ärger hast, bekommst du von einer DGB-Gewerkschaft bestenfalls einen Anwalt und bist ansonsten alleine mit deinem Problem. Von der FAU bekommst du (erstmal) keinen Anwalt, dafür aber konkrete Solidarität und die Bereitschaft der anderen, deinem Chef auf die Pelle zu rücken. Dafür wird aber auch von dir selbst erwartet, dass du dabei bist, wenn eine deiner Genossinnen Stress mit ihrem Ausbeuter hat. So läuft das im  Anarchosyndikat (http://www.anarchosyndikat.de).


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 17. Januar 2007, 07:31:48
Labournet: VIII. Diskussion > Gewerkschaften > Innergewerkschaftliche Demokratie >
Ausschlussverfahren: Es traf die Falschen – Dieter Stutz und René Bichler sollen aus der IGM ausgeschlossen werden

Duldet die IG-Metall gewalttätige (MAN-) Funktionäre im Betriebsrat?

„Die IG-Metall reagiert bisher nicht auf Fragen nach gewalttätigen Auseinandersetzungen von Gewerkschaftsfunktionären im MAN Betriebsrat in Salzgitter, als könne man Schweigen auch als Duldung mißverstehen…“

Beitrag von valter auf Netzwerk-IT vom 12.01.2007
http://www.netzwerkit.de/Members/valter/firmennachrichten/folder.2005-05-23.1055139666/news20070112-001


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 29. Januar 2007, 12:12:51
Die Löhne und Gehälter in Deutschland sind das zweite Jahr in Folge geringer gestiegen als die Inflation. Wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte, verdienten Angestellte im vergangenen Jahr im Schnitt 1,2 Prozent mehr als 2005 - das war der geringste Zuwachs seit 1995.

http://www.handelsblatt.com/news/Politik/Konjunkturdaten/_pv/_p/200053/_t/ft/_b/1217179/default.aspx/lohnzuwachs-wieder-unter-der-inflationsrate.html

Deutschland ist übrigens das einzige Land in Europa, in dem die Lohnstückkosten um 7% gesunken sind.

Die Gewerkschaften sind nicht einmal in der Lage oder bereit auch nur einen Status quo zu erhalten. Freie Bahn für's Kapital.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 31. Januar 2007, 15:53:46
Labournet: I. Branchen > Bergbau und Energie

Dinosaurierdemo

„Man fühlt sich in die 1970er Jahre versetzt, jene Zeiten, als westdeutsche Gewerkschaften für neue Atomkraftwerke auf die Straße gingen.

Für den 7. Februar ruft die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di die Beschäftigten der Energiewirtschaft und der kommunalen Versorgungsbetriebe zu einer Demonstration nach Berlin auf. Aber nicht gegen die allgegenwärtige Privatisierungswelle und die Liberalisierung des Strommarktes, mit der vielerorts die Stadtwerke zerschlagen werden, richtet sich der Protest, sondern gegen den Klimaschutz. Die deutsche Energiewirtschaft werde durch „unfaire Auflagen beim Emissionshandel“ benachteiligt, heißt es im Aufruf zu der erwähnten Demonstration…“

Artikel von Wolfgang Pomrehn vom 29.01.2007
http://www.labournet.de/branchen/bergbau/dinosaurierdemo.html (http://www.labournet.de/branchen/bergbau/dinosaurierdemo.html)

Siehe dazu auch: Demonstration am 7. Februar 2007 in Berlin, Potsdamer Platz, Beginn 12:00 Uhr

Unter dem Motto "Energiewirtschaft in Deutschland erhalten" ruft ver.di zu einer bundesweiten Demonstration auf.

Siehe dazu die Informationen zur Demonstration von ver.di (pdf)
http://ver-und-entsorgung.verdi.de/energiewirtschaft/energiepolitik/data/Aufruf%20zur%20Demonstration (http://ver-und-entsorgung.verdi.de/energiewirtschaft/energiepolitik/data/Aufruf%20zur%20Demonstration)

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Es wird statt unfair, Schindluder mit Emmissionszertifikaten durch die Energiekonzerne betrieben - ein moderner Ablaßhandel für noch mehr Umweltverschmutzung und eine Extraprofitquelle, wobei keine Leistung dieser Unternehmehmen dahinter steckt, mit Segen der Bundesregierung:

ARD/WDR, Sendung MONITOR Nr. 557 am 4. Januar 2007: Das Märchen vom vorbildlichen Klimaschützer Deutschland (http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=854&sid=158)

"... Aber: sie können sich billig freikaufen. Wie im Mittelalter mit den Ablassbriefen: Sündigen - zahlen - vergeben - und weitermachen wie bisher. Öko-Engel Deutschland? Nein, da stinkt noch einiges zum Himmel." ..."

"... Jedes EU-Land setzt eine Obergrenze für den jährlichen CO2-Ausstoß aus Kraftwerken und Industrie fest. Wenn ein Unternehmen mehr CO2 verursacht, muss es so genannte Emissionszertifikate hinzukaufen, eine Art Verschmutzungsgutschein für teures Geld. Doch Deutschland hat die Grenze so großzügig festgelegt, dass sogar noch mehr CO2 ausgestoßen werden darf. Statt den Ausstoß zu deckeln, darf die Atmosphäre mit CO2 vollgepumpt werden. ..."

"... Auf Nachfrage von MONITOR hat das Amt jetzt eine Liste der größten CO2-Verursacher erstellt: Die ersten fünf Plätze werden alle von Braunkohlekraftwerken belegt. Im Besitz der Stromkonzerne RWE und Vattenfall. Die meisten davon aus Nordrhein-Westfalen.

Die Kraftwerke aller fünf großen deutschen Stromkonzerne zusammen sind die schlimmsten Klimasünder im ganzen Land. Sie verursachen im Jahr so viele CO2-Emissionen wie 130 Millionen PKW. Das wären fast dreimal so viele Autos wie es in Deutschland gibt. Trotzdem haben RWE & Co beim Klimaschutz nicht viel zu befürchten: Sie haben Sonderregeln für den Bau neuer Kraftwerke durchgesetzt. Zum Beispiel für den Neubau des RWE-Braunkohlekraftwerks Neurath bei Köln. 14 Jahre lang, so die Pläne der Bundesregierung, soll das Kraftwerk von allen Auflagen zum Klimaschutz ausgenommen sein. 14 Jahre, in denen es seinen CO2-Ausstoß um keine einzige Tonne verringern müsste. ..."

"... Was die Stromkonzerne aus dem Klimaschutz machen dürfen, klingt wie ein Schurkenstück. Sie haben sogar einen Trick gefunden, wie sie vom Emissionshandel auch noch profitieren, ohne etwas fürs Klima zu tun: Sie nutzen ihre Monopolstellung. Obwohl sie vom Staat die Emissionszertifikate umsonst bekommen, schlagen sie die angeblichen Kosten dafür auf die Stromrechnung drauf. ..."

"... Regine Günther, Umweltstiftung WWF: "Der WWF hat rausgefunden, dass die großen Stromkonzerne jährlich durch den Emissionshandel vier bis acht Milliarden Euro Zusatzprofite machen. Dieses Geld zahlen die Verbraucher über erhöhte Strompreise. Gleichzeitig wurden die gleichen Konzerne von der Politik von fast jeder Verpflichtung für den Klimaschutz freigestellt. Es kann doch nicht sein, dass die kleinen Leute alles zahlen und die großen Konzerne nichts tun und abkassieren." ..."


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 31. Januar 2007, 19:14:41
Labournet: XIII. Diskussion > Gewerkschaftsstrategien > Debatten der real existierenden Gewerkschaften in Deutschland

Bundesjugendkonferenz der IG Metall 2007

a) Gegenwehr gefordert. Kritik auf Bundesjugendkonferenz der IG Metall: Zu wenig und zu später Widerstand der Gewerkschaft gegen Regierungspolitik.
Zusätzliche Ausbildungsplätze als Tarifforderung?

Artikel von Daniel Behruzi, Sprockhövel, in junge Welt vom 27.01.2007
http://www.jungewelt.de/2007/01-27/042.php

b) Keine Lust auf Häuserkampf?

Beim Bundesjugendkongreß der IG Metall wurde viel gestritten – auch über den Dauerbrenner »Verbetrieblichung« der Tarifpolitik.

Artikel von Daniel Behruzi, Sprockhövel, in junge Welt vom 29.01.2007
http://www.jungewelt.de/2007/01-29/033.php

c) Freiheit ist mehr

Sonderseite der IG Metall-Jugend zur 20. Jugendkonferenz der IG Metall
http://jugend.igmetall.de/content.igmjugend/content.igmjugend.15/index.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 15. Februar 2007, 18:37:40
Siemens hat offenbar jahrelang eine dem Management gewogene Arbeitnehmerorganisation gepäppelt, um den Einfluss der IG Metall zurückzudrängen. Der Vorsitzende der auffällig zahmen Gruppe war zusammen mit Siemens an Firmen beteiligt und erhielt Geld für mehrere Dienstleistungen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,466618,00.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Pinnswin am 15. Februar 2007, 19:11:37
Zitat
DGB fordert Quote bei Rente ab 67

Der DGB will einer Rente mit 67 zustimmen, wenn diese an eine Quote gekoppelt ist.

DGB-Chef Sommer sagte in der „Heilbronner Stimme“, die Rente mit 67 sei nur möglich, wenn mindestens die Hälfte aller 55-56-jährigen sozialversicherungspflichtig Arbeiten. Das treffe aber nicht mal auf 30% zu. Steige diese Quote nicht deutlich, sei „die Rente mit 67 für die meisten Betroffenen unzumutbar“.

Bundessozialminister Müntefering kritisierte die Gewerkschaftsproteste indes in der „Finacial Times Deutschland“ als „einseitig und unehrlich“.


aus: MDR-Text vom 15.02.2007, S. 117

Wieso fangen die an, über die Rente ab 67 zu verhandeln? ?(

Das geht besser (http://www.das-geht-besser.dgb.de/) - da stehts noch anders.
Zitat
26. Februar: Aktionstag „Nein zur Rente mit 67!“


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: TagX am 15. Februar 2007, 22:23:08
Hi Pinnswin,

alles wie immer mit dem "Sozial"partner D"G"B.
Und dazu kommt: Was ist mit den anderen 50% der 55-56-jährigen?

Also hier kannst du nur noch ko...


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 16. Februar 2007, 01:04:58
Zitat
Original von TagX
Hi Pinnswin,

alles wie immer mit dem "Sozial"partner D"G"B.
.......................
Also hier kannst du nur noch ko...

Was erwarten wir? - Dass dieser Funktionaersapparat funktioniert! - Das erwarten wir!

Vor Jahren habe ich gefordert die DGB-"Gewerkschaften" moegen sich restlos aufloesen und aus der Not heraus, von der "Basis" her, sich neue Gewerkschaften (im Sinne des Wortes) gruenden = RAUSGEMOBBT!


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: TagX am 23. Februar 2007, 01:00:33
Zitat
Ver.di hat 150000 Mitglieder ohne Job

Berlin. Die Gewerkschaften wollen sich stärker für Erwerbslose öffnen. Durch die Massenarbeitslosigkeit nehme auch der Druck auf die Beschäftigten zu, sagte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung des Buches »Recht auf Arbeit– Recht auf Faulheit«. Deshalb gehe es um gemeinsame Interessen. »Die Gewerkschaften haben dazugelernt«, meinte Bsirske mit Blick auf die Entwicklung seit den 80er Jahren. Zur Zeit sind bei ver.di 150000 Erwerbslose organisiert.

(AP/jW)

Quelle: http://www.jungewelt.de/2007/02-23/047.php

»Die Gewerkschaften haben dazugelernt«  ?(


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 27. Februar 2007, 23:25:23
Labournet: XIII. Diskussion > Gewerkschaften > Debatten der real existierenden Gewerkschaften > Gewerkschaften und neue Dienstleistungen am Beispiel Call Center

Callcenter - Branchenübergreifende Solidarität als Voraussetzung erfolgreicher Interessenvertretung

„Bisher ist es den deutschen Gewerkschaften kaum gelungen, in den seit den 1990erJahre boomenden Callcentern Fuß zu fassen. In den allermeisten Callcentern ist der Organisationsgrad weiterhin gering. Als besonders problematisch erweist sich, dass die Aufteilung der Organisationsarbeit in die einzelnen Fachbereiche den Unternehmens- und Marktbeziehungen nicht angemessen ist. Nur wenn es der Gewerkschaft gelingt, branchenübergreifende Solidarität zwischen den Beschäftigten zu fördern, wird eine wirkungsvolle kollektive Interessenvertretung in Zukunft möglich sein. Dazu ist es wichtig nicht nur eine Stellvertreterpolitik zu machen, sondern Möglichkeiten der Selbstorganisation zu fördern…“

Artikel von Hajo Holst bei ver.di Perspektiven ohne Datum
http://perspektiven.verdi.de/gewerk_persp/branchenuebergreifende_solidaritaet

XIV. Diskussion > Gewerkschaften > Debatte der Gewerkschaftsstrategien > Innergewerkschaftliche Demokratie

Direkter und demokratischer aufstellen

„Wer, wenn nicht die Gewerkschaften, können zur Gestaltung von geregelten, verlässlichen Arbeits- und Lebensbedingungen beitragen? Eine Antwort auf Eberhard Schmidt und ein Plädoyer für direkte Demokratie…“

Artikel von Klaus-Dieter Schwettscher bei ver.di Perspektiven ohne Datum
http://perspektiven.verdi.de/gewerk_persp/demokr_aufstellen

XV. Diskussion > Gewerkschaften > Debatte der Gewerkschaftsstrategien > Zielgruppen der Gewerkschaftsarbeit > Organisierung der Prekären

Selbstorganisierung fördern

„Das Job-Wachstum während des zurückliegenden Jahrzehnts bedeutete vor allem einen Zuwachs an flexiblen, überwiegend prekären Beschäftigungsverhältnissen. Das Phänomen der Prekarität lenkt die Aufmerksamkeit auf die Wiederkehr sozialer Unsicherheit in die an sich reichen und sicheren Gesellschaften des Westens. Die Gewerkschaften sind gut beraten, eine wirksame Politik der Entprekarisierung zu entwickeln…“

Artikel von Prof. Klaus Dörre bei ver.di Perspektiven ohne Datum
http://perspektiven.verdi.de/gewerk_persp/selbstorganisierung


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Heatfield am 28. Februar 2007, 00:05:33
Zitat
Direkter und demokratischer aufstellen

Nee, lieber gleich Arbeiterräte, keine Vermittlung durch Institutionen. Wer kennt die Arbeitsbedingungen besser als die Arbeiter?


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 02. März 2007, 03:19:18
I. Diskussion > Gewerkschaften > Mitbestimmung - Erfolgs- und Exportschlager? > Euro- und Weltbetriebsräte

Die Chancen der Eurobetriebsräte

„Daimler-Chrysler und Deutsche Bank haben einen, Allianz und Airbus auch - einen Eurobetriebsrat. "Kein Schönwetterjob", warnt der IG-Metall-Infodienst Direkt. Erst in der Krise erweise sich, ob die guten Vorsätze wirklich belastbar sind. Genau das schien zuletzt bei Airbus nicht der Fall zu sein, als die Betriebsräte in Hamburg die nationale Karte zogen und über fehlende Kooperationsbereitschaft ihrer Kollegen in Toulouse schimpften…“

Eine Zeitschriften-Rundschau von Hermannus Pfeiffer in Frankfurter Rundschau vom 27.02.2007
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/?em_cnt=1083425

XII. Diskussion > Gewerkschaften > Selbstverständnis der Gewerkschaften - die Zukunftsdebatte

Erfüllungsgehilfen. Die Linke und ihr Problem mit der Abwicklung des Sozialstaats

Diskussionsbeitrag von Thomas Jakobs, Reinhard Schaupeter, Iris von Wernitz und Alex Zollmann in der in Linkezeitung vom 24.12.2006, zu erst erschienen in hlz - Zeitschrift der GEW Hamburg 8-9/05 47 http://www.linkezeitung.de/cms/content/view/1487/38/

Es ist eine Erwiderung auf:

Politische Perspektiven der Gewerkschaften zwischen Opposition und Kooperation. Für eine neue Debatte über alte Grundwerte

Beitrag von Ingrid Kurz-Scherf/Bodo Zeuner, erschienen in Gewerkschaftliche Monatshefte 3/01, S. 147ff und seit dem im LabourNet verfügbar
http://www.labournet.de/diskussion/gewerkschaft/grundwerte.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 04. März 2007, 00:29:01
Zitat
Original Heatfield Nee, lieber gleich Arbeiterräte, keine Vermittlung durch Institutionen. Wer kennt die Arbeitsbedingungen besser als die Arbeiter?

DITO!!!

Volle Zustimmung - und es gibt inzwischen eine Reihe namhafter Betriebskollektive, die ohne Not ueber eine Uebernahme ihrer Produktionsstaetten und der Produktionsmittel nachdenken - nicht im Kaemmerlein der Betriebsraete, sondern schon mal laut in der Betriebskantine - geil das ....

P.s.: Lieber joachimkuehnel, kuerzere Auszuege aus den bekannten, und von wohl fast jedem von uns gelesenen Infos waeren, zumindestens mir, angenehmer. Stattdessen wuerden mich deine persoenlichen Kommentare viel mehr interessieren. Bin kein Freund von persoenlichen Ansprachen, aber es fiel mir die Seltenheit deiner persoenlichen Meinungen, im Gegensatz zu anderen Listlingen, auf. Oder liegt das an der Technik des Quotens? - das es sich vermischt?

Nix fuer ungut .....


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 14. März 2007, 13:28:54
„Die Siemens AG soll mehrere Millionen Euro an eine Betriebsräte-Organisaton gezahlt haben, um sich deren Wohlwollen zu erkaufen. Das berichtet heute die Süddeutsche Zeitung. Seit mehreren Wochen sitze der Vorsitzende und Mitgründer der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB), Wilhelm Schelsky, in Untersuchungshaft, nachdem anrüchige Geschäfte bekannt wurden. Er soll von Siemens 14,75 Millionen Euro als Beratungs- und Dienstleistunghonorar ohne angemessene Gegenleistung erhalten haben. Mittlerweile gingen die Nürnberger Ermittler davon aus, dass mehr als 2,5 Millionen Euro an die AUB weitergeflossen seien. Schelskys Anwalt bestreite die Vorwürfe, heißt es in dem Bericht…“

http://www.heise.de/newsticker/meldung/86602

Skandal folgt auf Skandal seit der Neuen Heimat Geschichte.

Folgt ein reinigendes Gewitter, eine klärende Diskussion?
Wird des Stall ausgemistet?

Was kann denn noch schlimmeres kommen als der Beweis, daß Gewerkschaftsfunktionäre nicht im Auftrag der Mitglieder handeln, sondern im Auftrag des Gegners?

Es scheint die eigentliche Aufgabe der Gewerkschaften nicht mehr hinterfragt zu werden. Man schweigt es lieber tot. Fürchtet um seinen eigenen Posten. Der Apparat scheint ebenso bankrott wie die politischen Parteien. Da glaubt auch keiner mehr an irgendwas und achtet nur noch auf die eigene Karriere, die Pfründe...

...und wartet auf den nächsten Skandal.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 14. März 2007, 17:45:02
Zitat
Original von ManOfConstantSorrow
Zitat
..............
Folgt ein reinigendes Gewitter, eine klärende Diskussion?
 Wird des Stall ausgemistet?
 Was kann denn noch schlimmeres kommen als der Beweis, daß Gewerkschaftsfunktionäre nicht im Auftrag der Mitglieder handeln, sondern im Auftrag des Gegners?
 Es scheint die eigentliche Aufgabe der Gewerkschaften nicht mehr hinterfragt zu werden. Man schweigt es lieber tot. Fürchtet um seinen eigenen Posten. Der Apparat scheint ebenso bankrott wie die politischen Parteien. Da glaubt auch keiner mehr an irgendwas und achtet nur noch auf die eigene Karriere, die Pfründe...
 ...und wartet auf den nächsten Skandal.


Und gerade diese Erkenntnisse provozieren ja, mit Nachdruck folgende Einschaetzung nochmals anzuhaengen:

Zitat
Original von Heatfield
Zitat
Direkter und demokratischer aufstellen
Nee, lieber gleich Arbeiterraete, keine Vermittlung durch Institutionen. Wer kennt die Arbeitsbedingungen besser als die Arbeiter?

Und erneut ein DITO von meiner Seite....


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: cosa am 15. März 2007, 06:34:45
ich finde es schwierig über kurzfristige gewerkschaftspolitik bzw. -strategien zu diskutieren, wenn nicht die grundsätzliche, langfristige strategie bzw. die allgemeinen lösungsvorschläge zu aktuellen problemen entwickelt sind. das kurzfristige müsste schließlich einen schritt in die langfristige richtung beinhalten. dadurch könnten auch kurzfristige ideen und deren nutzen eingeschätzt werden.

z.b. ist es leicht daher gesagt, dass es sinnvoll ist, wenn irgendwo leute betriebskollektive gründen wollen, die zur not auch die produktionsstätte übernehmen würden, aber wie sinnvoll ist das, was bringt das?

ps: ich möchte die ausgangsforderung in diesem thread nach einem gesonderten bereich für gewerkschaftspolitik, der gleichzeitig auch endlich einen theorie-bereich auf diesem board schaffen würde/müsste, bekräftigen.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 15. März 2007, 12:33:37
Zitat
Original von cosa
............................
ps: ich möchte die ausgangsforderung in diesem thread nach einem gesonderten bereich für gewerkschaftspolitik, der gleichzeitig auch endlich einen theorie-bereich auf diesem board schaffen würde/müsste, bekräftigen.


Nun, warum das Rad neu erfinden?

Queerbeet-Diskussionen: http://www.labournet.de/diskussion/index.html

Schräg an den etablierten "Gewerkschaften" (Funktionären) vorbei: http://www.netzwerkit.de

Und Zukunftsweisend: http://www.fau.org


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: cosa am 15. März 2007, 14:38:51
danke. aber ich konnte auf diesen seiten kein diskussionsforum finden und darum geht es mir. eine diskussion allein durch beiträge wie sie z.b. bei labournet gesammelt werden, ist selbstverständlich qualitativ hochwertiger als es beiträge in einem forum sind, aber sie schließen eben auch die beiträge von menschen aus, die nicht gleich einen ganzen essay schreiben können/wollen.

da ist die fau eben nicht zukunftsweisend. man müsste meinen die fau würde aufgrund ihrer minimalen größe das internet für ein diskussionsspektrum, das ihrem anspruch als gewerkschaft gerecht wird, nutzen, um einerseits zu fragen was syndikalismus heute bedeuten kann (die 2, 3 diskussionsbeiträge dazu, die ich vor etwa 4 jahren mitbekam, können beim besten willen nur ein einstieg in eine auseinandersetzung gewesen sein) und andererseits ihre mitglieder ein wenig zusammmen zu bringen, die sonst eher isoliert in ihren kleinen grüppchen verstreut in ihren städten hocken.
die kommunikation funktioniert da aber nicht mal, wenn man dem webmaster eine mail mit beiträgen für die website schickt.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 15. März 2007, 22:57:22
Zitat
Original von cosa
danke. aber ich konnte auf diesen seiten kein diskussionsforum finden und darum geht es mir. eine diskussion allein durch beitr?ge wie sie z.b. bei labournet gesammelt werden, ist selbstverst?ndlich qualitativ hochwertiger als es beitr?ge in einem forum sind, aber sie schlie?en eben auch die beitr?ge von menschen aus, die nicht gleich einen ganzen essay schreiben k?nnen/wollen.

So gesehen, hast du Recht - diese Argumente kann ich nicht entkraeften ...

Zitat
weiter von cosa
"...da ist die fau eben nicht zukunftsweisend. man m?sste meinen die fau w?rde aufgrund ihrer minimalen gr??e das internet f?r ein diskussionsspektrum, das ihrem anspruch als gewerkschaft gerecht wird, nutzen, um einerseits zu fragen was syndikalismus heute bedeuten kann (die 2, 3 diskussionsbeitr?ge dazu, die ich vor etwa 4 jahren mitbekam, k?nnen beim besten willen nur ein einstieg in eine auseinandersetzung gewesen sein) ...."

Dein "andererseits" ist wohl die Vorbedingung fuer Ergebnisse im o.zitierten Absatz.

Zitat
weiter von cosa
"..... und andererseits ihre mitglieder ein wenig zusammmen zu bringen, die sonst eher isoliert in ihren kleinen gr?ppchen verstreut in ihren st?dten hocken....."

Hier gehe ich mal nur auf die OnlineVernetzung ein. Alle anderen strukturellen Eigenschaften ergeben sich aus den Grundsaetzen und der Satzung der FAU.

Die FAU ist im Moment dabei, ihre Vernetzung weiter auszubauen. Sie besitzt Newsgroups zum Informationsaustausch.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: cosa am 20. März 2007, 17:29:03
den beginn der online vernetzung vor ein paar jahren habe ich noch mitbekommen. wenn intern diskutiert wird, ist das selbstverständlich begrüßenswert. für interessierte außenstehende und leute mit ähnlichen oder verwandten ideen/ansätzen, wäre ein öffentliches board schön. das ist nicht mal unbedingt die sache der fau so eins zu schaffen - das kann im grunde jeder - aber nach dem selbst das kf geschlossen wurde, wäre ein neues board für diskussionen "links" von volksstaat mal wieder angebracht.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 26. März 2007, 16:11:12
Zitat
„…Peter Hartz beschreibt den Umgang zwischen Betriebsrat und Konzernleitung exakt so, wie die linksradikale Kritik die Mitbestimmung immer beschrieben hat: Für Hartz sind Betriebsräte und die Gewerkschafter in den Betrieben die unverzichtbaren Transmissionsriemen zwischen Werksleitung und Belegschaft. Hartz wird nicht müde klarzumachen, dass ohne die Mobilisierung der gewählten Arbeitnehmervertreter Geschäftsleitungen in großen Unternehmen keine Chance haben, ihre Pläne umzusetzen…“


http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/?sid=&em_cnt=1101662


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 27. März 2007, 18:01:36
Zitat
Zentralvorstand Johannes Feldmayer sitzt in Untersuchungshaft. Das bestätigte das Unternehmen. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Nürnberg erneut mehrere Standorte des Konzerns in München, Nürnberg und Erlangen durchsucht hat. Es geht um die Bestechung von Arbeitnehmervertretern.


http://www.handelsblatt.com/news/default.aspx


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 30. Mai 2007, 11:18:09
Zitat
„Ich war verdeckt für Siemens tätig“

Der kürzlich zurückgetretene Chef der Arbeitnehmer-Organisation AUB belastet die Siemens-Führung schwer: Wilhelm Schelsky behauptet, im Auftrag des Konzerns gehandelt und dafür Millionen kassiert zu haben. Das Pikante dabei: Schelsky saß im Betriebsrat und sollte eigentlich die Mitarbeiter vertreten.


http://www.handelsblatt.com/news/Unternehmen/Industrie/_pv/_p/200038/_t/ft/_b/1274442/default.aspx/ich-war-verdeckt-fuer-siemens-taetig.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 30. Mai 2007, 15:53:06
@ManOf  Zumindest Dein letztes Posting ist im "Bild"-Stil hingeworfen, jeder der das kurz überfliegt bekommt von Dir eingetrichtert: Die Gewerkschaft war/ist gekauft!

Das in diesem Fall von Siemens eine "Gegengewerkschaft" finanziert und aufgebaut wurde, um speziell die damals starke IG Metall zurückzudrängen, versteht durch Deinen Beitrag leider keiner.

Für mich in doppelter Hinsicht traurig, weil erstens muss gerade ICH jetzt hier die Gewerkschaften "verteitigen" und nicht zuletzt bestätigt diese Scharzweißpropaganda die Argumente der Gegner...


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 30. Mai 2007, 17:12:34
Zitat
Uhl ist wegen Beihilfe zur Untreue und der Abgabe falscher eidesstattlicher Versicherungen angeklagt. Am 14. Juni beginnt in Braunschweig der Prozess. Ein Blick auf die Zeugenliste reicht aus um zu erahnen, was ihm dort droht: In der Anklageschrift sind 21 Namen aufgeführt, darunter auch die von Prostituierten und Bordellbetreibern. Mindestens eine, so viel steht schon fest, kann sich an Uhl als Kunde bei einer Sex-Party in Hannover noch sehr gut erinnern.

So ist es wohl mehr die Angst vor einer hochnotpeinlichen Gerichtsverhandlung als späte Einsicht, die den langjährigen VW-Betriebsrat und heutigen Abgeordneten Uhl zu seinem Eingeständnis treibt. "Im Umgang mit den in diesem Zusammenhang gegen mich erhobenen Vorwürfen habe ich nicht die Wahrheit gesagt", erklärte er hölzern. Seine Versicherungen seien "zu erheblichen Teilen falsch". Ein Geständnis kann Uhl den Auftritt der Damen vor Gericht - man erinnert sich an den Prozess gegen Ex-VW-Vorstand Peter Hartz - nun möglicherweise ersparen.

Schwer belastet worden war Uhl vor allem durch die Aussagen des ehemaligen Hartz-Mitarbeiters Klaus-Joachim Gebauer, einer Schlüsselfigur in dem VW-Skandal. Gebauer hatte Ende September 2005 im stern-Interview gesagt, neben Betriebsratschef Klaus Volkert und Hartz selbst habe auch "ein Kollege, der heute für die SPD im Bundestag sitzt", zum "Kreis der Eingeweihten" gehört, denen er regelmäßig Prostituierte zugeführt habe. Uhl hatte dies bestritten und zudem erklärt, er habe sich "auch sonst nicht auf Firmenkosten mit Prostituierten vergnügt". In presserechtlichen Verfahren kam Uhl damit zunächst durch, und der stern durfte über den Fall nicht mehr berichten. Derjenige, der im Unrecht war, bekam Recht. Der stern und andere, die über Uhls Verfehlung berichtet hatten, einen Maulkorb.

http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/unternehmen/:Kommentar-Die-Angst-VW-Prostituierten/590058.html

Uhl ist nicht nur Sozialdemokrat, sondern auch IGM Betriebsrat. Ich finde es paßt wie Arsch auf Eimer!

Du hältst das wahrscheinlich für reaktionäre BILD Propaganda.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 30. Mai 2007, 18:20:10
„Ich war verdeckt für Siemens tätig“

Da geht es um Wilhelm Schelsky von Siemens, was hat das mit Uhl von VW zu tun? Zu viel Bild gelesen?

Ich wiederhole, berechtigte Kritik ja, neoliberale Propoganda NEIN!


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 30. Mai 2007, 18:26:05
Zitat
Die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger, kurz AUB, ist eine Arbeitnehmerorganisation, die sich als Gegenpol zu den etablierten Gewerkschaften versteht. Gemeinhin gilt die AUB als unternehmensfreundlich; sie selbst bezeichnet sich als „ideologiefrei“. Nach eigenen Angaben hat die AUB 32 000 Mitglieder – was man bei der konkurrierenden IG Metall für dreifach übertrieben hält.

Jetzt muss ich Dir noch Deinen eigenen Link vor die Nase halten!!!


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 30. Mai 2007, 18:31:24
Zitat
Die IG Metall hatte im April wegen der ihrer Ansicht nach illegalen Begünstigung der AUB bei Betriebsratswahlen Strafanzeige erstattet. „Wir haben den Verdacht und Indizien dafür, dass die AUB durch das Unternehmen Siemens finanziert wurde, um eine Art Gegen-Gewerkschaft zur IG Metall aufzubauen“, hatte Gewerkschaftschef Jürgen Peters dies begründet. Der Gesamtbetriebsrat von Siemens schloss sich dem Vorstoß der IG Metall an.

ManOFConstantSorrow, wer hat hier aufgeklärt? Eine Gewerkschaft und ein Betriebsrat - wie passt das bloß in Dein zementiertes Weltbild?

So macht das keinen Spass...


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 30. Mai 2007, 18:39:29
Und noch einmal ich (es geht um Dein Posting von heute!)

Du zitierst das HANDELSBLATT und dann auch noch überallemstehend den STERN - und den Spiegel nennt ihr (die Meinungsführer bei chefduzen) neoliberal, Du (ManOfConstantSorrow) kannst mich mal!!!

PS: Bei Zitaten kenne ich (alfred) keine Tabus, aber lesen muss ich sie schon, bevor ich sie zitiere!


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 30. Mai 2007, 19:17:03
Na, dann sind ja die regelmäßigen Besäufnisse auf die unverbrüchliche Freudschaft zwischen DDR- und SU-Politikern, -Gewerkschaftsfunktionären und -Jugendverbandsfunktionären die reinsten, unverfänglichen Kinderpartys, wenn man so was aus kapitalistischer Sensationspresse liest.

Wo soll da Vertrauen zwischen Volk, der Basis und den Gewerkschafts- und Parteifunktionären, Anspruch auf demokratische, freiheitliche, rechtsstaatliche Verhältnisse herkommen, wenn das Volk fortgesetzt und wiederholt

belogen, betrogen, bestohlen und enteignet wird.

Armseeliges Deutschland und Abklatsch einer 150jährigen Arbeiterbewegung. Letztere ist gänzlich im Eimer, aus und vorbei. Geld, Macht und Vitamin B verdirbt den Charakter.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 30. Mai 2007, 19:19:12
AUB = wie eine christliche Parteigewerkschaft der CDU/CSU/FDP und der AG-Verbände


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 30. Mai 2007, 19:29:24
Letzter Beitrag bei "grosse fresse und nichts dahinter,,,,,,,," und jetzt auf Antwort erstellen hier, da bin ich mal gespannt Herr M. !!!

Als bekennender Dylanologe verweise ich darauf, das Dein Acount wohl von dem blindem Mann mit der Geige, Mr. Dick Burnett abstammt - sei Dir deiner Ahnen bewusst und poste wohlüberlegt...


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 30. Mai 2007, 20:21:28
Ich habe 2 Beispiele hintereinander gepostet.

Der Zusammenhang: 2x Arbeiterverrat!

Darst erste mal durch die gelbe Gewerkschaft AUB,
das zweite Mal durch die DGB Gewerkschaft IGM.

Was taugt die Kritik der IGM an der AUB, wenn sie sich der selben Vergehen schuldig macht?

Mir ist es scheißegal welcher Politiker oder welcher Gewerkschafter in welchen Puff geht!

Es kommt mir allein darauf an wen sie vertreten.
Zitat
So macht das keinen Spass...

Wenn Arbeitervertreter die Interessen ihrer Feinde vertreten, dann ist mir der Spaß schon längst und lange vergangen!

Es gibt hier ein ganz gewaltiges Problem! All die Riesenskandale um DGB Gewerkschaften sind nicht nur mit Hilfe der Gewerkschaftsfeinde an die Öffentlichkeit geraten, sie wurden niemals innerhalb der Gewerkschaftsstrukturen nur annähernd aufgearbeitet.

Waren die Argumente der Gewerkschaftsfeinde falsch? Nein, verdammt nochmal, waren sie leider nicht! Es gab nie die notwendigen Umstrukturierungen in dem verfilzten Apparat, nur ein paar absolut unvermeidbare Wechsel einiger Funktionäre, die durch die bürgerliche Presse und die Gerichte erzwungen wurden. Jede Kritik mit dem Ziel die Gewerkschaft zu einer brauchbaren Kampforganisation ihrer Mitglieder zu machen wurden mit dem Argument abgebügelt, man wolle der Gewerkschaft nur schaden und spiele nur so den Reaktionären zu...

Genau diesen Dreck bekomme ich von Dir zu hören! Natürlich ist der STERN ein Drecksblatt, aber glaubst du den Beschuldigungen nicht???
Sag es mir!
Das HANDELSBLATT ist ein Postille der Gegenseite, die ich jedoch für durchaus seriös halte!

Wenn die Gewerkschaften nicht in der Lage sind ihre eigenen Fehlentscheidungen und Verbrechen aufzuarbeiten, dann sollte die Arbeiterbewegung (dazu zähle ich auch dieses Forum) dies versuchen zu tun. Wenn wir überlegen wie wir denn kämpfen können, dann müssen wir auch bedenken, wie nicht und mit wem nicht.

Was willst Du? Du beschimpfst mich dafür Roß und Reiter beim Verrat aus eigenen Reihen benannt zu haben. Soll ich das Maul halten die die Verarsche schlucken!

Ich hab noch mehr, was ich am DGB nicht schlucken will!!!!
http://www.labournet.de/diskussion/gewerkschaft/mitb/unbestechlich.html
http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/allg/gewerkschaft.html
http://de.news.yahoo.com/14042007/3/gewerkschaften-rufen-protest-g8-gipfel.html
http://www.labournet.de/igm-akint.berlin/dokumente/manuela-zukunft.html
ach, das könnte endlos werden....


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 30. Mai 2007, 21:09:14
Ob Wilhelm Schelsky 'gelb' ist, weiß ich nicht. Wenn AUB, wie J. Kuehnel behauptet, zu den Christen gehört, seit wann sind Christen 'gelb'?

Wenn ein Arschloch von Betriebsrat (igm-Mitglied) sich an VW verkauft, gibt Dir, ManOFConstantSorrow, das noch lange nicht das Recht ihn in den selben Topf zu werfen wie einen von Siemens gekauften Nobody, der mit viel Geld erst einmal eine Arbeitnehmervertretung aufbauen soll, um irgendwann eine Pseudogewerkschaft darstellen zu können. Du kannst gern Gewerkschafter anprangern, die DrecK am Stecken haben, aber faule Äpfel mit matten Glühbirnen vergleichen, dass darfst Du eindeutig nicht!

Dein Beitrag zu Siemens hat NICHTS mit Gewerkschaften zu tun, also grenze solche offensichtlichen Sachen zukünftig gefälligst ab - Bild-Zeitung-Brüllereien sieht man überall, darauf kann dieses Forum sicher verzichten.

Auf eine Grundsatzdiskussion lasse ich mich jetzt hier und heute nicht ein, weil mir die Zeit und die Nerven fehlen. Ich habe mir auch Deine Links noch nicht angeguckt - werde das am WE nachholen.

Und höre endlich auf, alle Arbeitnehmervertretungen und Gewerkschaften in einen Pott zu werfen - greife Dir einzelne Beispiele heraus und zerpflücke sie, sonst machst Du Dich lächerlich. Findest Du gut was Cockpit bei Lufthansa macht? Soll dieses Beispiel Schule machen, den Starken ein starke Vertretung, dem Rest die Arschkarte??? Die Jungs sind nicht gekauft, nur was hat das Bodenpersonal davon, wenn ein paar hundert Piloten satt verdienen.

Ich breche jetzt ab, weil ich morgen beizeiten leiharbeiten gehen muss. Schlimm genug, wenn ein Prekärer hier die alten Gewerkschaften verteitigen muss, die bisher eben nichts für die Prekären getan haben - nur Deine Statements sind einfach untragbar!

Meine Antwort auf Deine eventuelle Antwort kommt dann morgen abend...


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 30. Mai 2007, 21:17:34
Zitat
Original von alfred
Findest Du gut was Cockpit bei Lufthansa macht?
[SIZE=30]JA!!!!!!!![/SIZE]


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 30. Mai 2007, 21:20:37
Na dann gute Nacht, der Straßenkehrer hat keine Lobby, weil Du ihn bezahlen müsstest und Du nicht willst, dass er mehr verdient, weil Du es aus eigener Tasche bezahlen müsstest...


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 30. Mai 2007, 21:22:52
Soweit ist es mit der Solidarität gekommen!

Den Piloten mehr, denen am Boden nichts!

Scheiße bin ich enttäuscht von Dir!!!  :(


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 31. Mai 2007, 00:59:41
Das Wörtchen wie heißt nicht gleich, sondern vergleichbar, im Sinne ähnlich oder mit derselben Funktion. Feiner, aber wichtiger Unterschied in der Nuance. Das Kapital war schon immer erfinderisch, das Volk zu verarschen. Kein Mittel und kein Weg ist ihm zu schlecht.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 31. Mai 2007, 19:47:30
Zitat
Aderlass bei der Arbeitnehmervertretung AUB: Wegen der Affäre um Millionenzahlungen von Siemens haben erste Betriebsräte die Vereinigung verlassen. "In einer solchen Organisation haben wir nichts verloren", teilten sie mit.
link (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,485951,00.html)


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: classwar am 07. Juni 2007, 12:20:31
Am 18. Mai 2007 fand in München eine Solidaritätsdemonstration für die streikenden Telekom-Beschäftigten statt, zu der ver.di aufgerufen hatte. An der Demonstration beteiligten sich KollegInnen der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft "Freie ArbeiterInnen Union" (FAU), unter ihnen Mitglieder der Betriebsgruppe AmperKliniken.

Im Verlauf der Demonstration unternahm es der stellvertretende Geschäftsführer von ver.di München, Ernst Edhofer, die KollegInnen der FAU aus der Demonstration zu drängen. Unter Androhung der Ingewahrsamnahme durch die anwesende Polizei wurden die KollegInnen gezwungen, den Demonstrationszug zu verlassen. Die KollegInnen gingen dann seitlich der Demonstration bis zur Abschlusskundgebung mit.

Wir finden diese Behandlung der KollegInnen unerträglich und sehen darin einen Verstoß gegen die demokratischen Prinzipien, die die Grundlagen jeder gewerkschaftlichen Arbeit bilden – auch der von ver.di. Die FAU ist eine demokratisch organisierte Gewerkschaft. Ebenso wie ver.di tritt sie für eine Gesellschaft ein, in der Menschen in Würde und frei von Existenzängsten und Unterdrückung leben können. Gravierende Unterschiede bestehen in den Auffassungen darüber, wie dieses Ziel erreicht werden kann und welche wirtschaftlichen Strukturen zu seiner Verwirklichung nötig sind. Werden solche unterschiedlichen Auffassungen nicht respektiert, so kann das Ziel selbst nicht erreicht werden.

Wir erklären uns mit den KollegInnen der FAU solidarisch und fordern die Geschäftsführung von ver.di München sowie den ver.di Bundesvorstand auf, sich öffentlich vom Vorgehen Ernst Edhofers auf der Demonstration in München zu distanzieren und die FAU als legitimen Teil der Gewerkschaftsbewegung anzuerkennen.


UnterzeichnerInnen

    * Maike Arft-Jacobi, Hamburg
    * Dieter Wegner, Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg, ver.di-Mitglied
    * Mag Wompel, LabourNet Germany, ver.di-Mitglied
    * Harald Schmitt, TEAM UTE , IWW Mitglied
    * Gerald Meier-Zagar , Mitgl. im KoKreis des Netzwerks linke Opposition (NLO) Hamburg, Mitgl. der GEW
    * Karen Steinle, ver.di-Mitglied

Weitere UnterzeichnerInnen: Schreibt eine E-Mail an info@ungesundleben.org oder tragt Euch direkt hier ein: http://www.ungesundleben.org/soli


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Schraubenwelle am 07. Juni 2007, 18:47:59
Sorry ich hab nich studiert kann mir mal jemand sagen mit einfachen Worten was das ist ???

Anarchosyndikalistischen  Gewerkschaft. ?(

Sowas aussprechen kann ich erst bei einer schönen Grillfeier und 2 Kasten Hopfengetränk.  :]


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Kater am 07. Juni 2007, 20:29:40
guckst du hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Anarchosyndikalismus


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 11. Juni 2007, 22:00:02
Da ist mir mein Rechner abgeraucht und jetzt muß ich feststellen, daß ich nicht nur beleidigt wurde, sondern, daß politisch gefährlicher Scheiß hier lange Zeit unwidersprochen stehengeblieben ist.

Ich will jetzt mal ausholen.
Ich war längere Zeit mit Betriebsarbeit außerhalb gewerkschaftlicher Strukturen aktiv. Auf einige dieser Initiativen bin ich noch heute stolz, weil sie überraschend erfolgreich waren. Heute hat mich der Blues des ökonomischen Existenzkampfes schon so weit bei den Eiern gekriegt, daß meine einzigen Lebenszeichen sich darauf beschränken mich in diesem Forum gelegentlich verbalradikal zu geben.

Auch wenn es mir in erster Linie auf wirkliches Handeln ankommt, ist es mir mit Gesagtem verdammt ernst.

Sicherlich muß man sich gegen plumpe antigewerkschaftliche Propaganda wehren. Aber genauso schlimm ist es die notwendige Kritik an einer grundsätzlich falschen Politik der DGB Gewerkschaften zu diffamieren.

Aber man muß einfach so grundsätzliche Fragen stellen wofür und für wen Gewerkschaften da sind. Der DGB wurde nach dem 2. Weltkrieg von den Alliierten (federführend Großbritannien) aufgebaut um die Kontrolle über das Proletariat zu halten und daß die Forderungen niemals die Machtverhältnisse in Frage stellen, bestenfalls darf man etwas mehr Lohn verhandeln. Aber selbst die Rolle als Abwiegeler ist überholt. So wie die SPD nicht mehr als (sowieso eher niemals) ernstzunehmende Arbeiterpartei erkennbar ist, so möchte man bei unseren Gewerkschaften glauben, sie wären direkt eine Abteilung des Unternehmerverbandes.

Wenn nun das herauskommt, was man schon immer befürchtet hat, nämlich, daß sie sich haben ganz plump kaufen lassen, frage ich mich, was denn die Konsequenzen daraus sein sollen. alfred zieht die Konsequenz daraus jeden einen BILD-Leser zu nennen, der diese Tatsache ausspricht.

Aber alfred weiß sowieso nicht recht, was er will. Zum Telekomstreik sagte er folgendes:

Zitat
Eben wegen der Pfründesicherung habe ich ja so Bauchschmerzen, was diesen Streik angeht...

Der Ausdruck "Pfründesicherung" zeigt, wieweit er schon die verbreitete Propaganda der Spaltung verinnerlicht hat. Ich habe mich bereits mit Joachim Kühnel über das selbe Thema gestritten: Es ist notwendig sich nicht spalten zu lassen.

Was wollt Ihr verdammt nochmal aufrechterhalten? Ein einheitliches Proletariat, das es niemals gegeben hat und das es seit Subunternehmen und Leiharbeit schon gar nicht mehr gibt?

Eine gute Vertretung der Arbeiterklasse? Wer war das? Wer soll das sein?

Du willst nicht zweifeln an dem Weg einer verroteten und korrupten Organisation. Ich würd mir auch wünschen, da gäbe es was... ich mag daran nur nicht glauben...

Und nun, wer sind denn "WIR"???
Du sagst, die Piloten keinesfalls.
JK sagt, die Ärzte und Beamten auch nicht.

Die herrschende Klasse ist solch eine verschwindend kleine Clique aber wir sind damit beschäftigt festzustellen, wer alles nicht zu uns gehört.

Solange wir nicht lernen zusammenzustehen, haben wir schon vor jeder Auseinandersetzung verloren. Wir müssen akzeptieren, daß diejenigen, die noch ein halbwegs vernünftiges Leben führen können, auch ein Recht haben dieses zu verteidigen.

Es ist einfach zum Kotzen wenn gefordert wird, daß jeder erstmal in das gleiche Loch gezogen werden muß in dem man selbst hängt, statt zu überlegen, wie man gemeinsam da herauskommt.

Das wollte ich dem bekennenden Dylantologen um die Ohren hauen, der die Worte seines Meisters scheinbar kein Stück verstanden hat:

Zitat
While one who sings with his tongue on fire
Gargles in the rat race choir
Bent out of shape from society's pliers
Cares not to come up any higher
But rather get you down in the hole
That he's in.
Bob Dylan

It's allright Ma (I am only bleeding)[/SIZE]


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 11. Juni 2007, 23:57:24
Hallo MOCS, ich hatte mich schon gewundert, nichts mehr von Dir zu hören. Pauschal beleidigen tue ich niemanden, auch Dich nicht. So wie Dein Zitat hingeworfen war, ist das Bildzeitungsniveau gewesen, dabei bleibe ich.

Ich werde im Laufe der Woche auf Deinen Beitrag eingehen. Ich denke schon, dass ich weiß was ich will und noch wichtiger, was ich nicht will.

Im selben Song heißt es aber auch:

Zitat
While them that defend what they cannot see
With a killer's pride, security
It blows the minds most bitterly
For them that think death's honesty
Won't fall upon them naturally
Life sometimes
Must get lonely

Bob Dylan - It's allright Ma (I am only bleeding).

Fühle Dich angesprochen, eine gute Nacht wünscht alfred...


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: rendolf am 12. Juni 2007, 00:45:48
Zitat
Original von ManOfConstantSorrow

Solange wir nicht lernen zusammenzustehen, haben wir schon vor jeder Auseinandersetzung verloren. Wir müssen akzeptieren, daß diejenigen, die noch ein halbwegs vernünftiges Leben führen können, auch ein Recht haben dieses zu verteidigen.

Es ist einfach zum Kotzen wenn gefordert wird, daß jeder erstmal in das gleiche Loch gezogen werden muß in dem man selbst hängt, statt zu überlegen, wie man gemeinsam da herauskommt.

Leider passiert das immer wieder, es hat den anschein das sich einige noch gut dabei fühlen aufs letzte Hemd ausgezogen zu werden und dann noch gesagt bekommen " ab morgen das ganze für 1euro weniger " .:(


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Kater am 12. Juni 2007, 02:56:37
mal aus nem ähnlichen Zusammenhang und anderem Forum geklaut:

Zitat
wenn ich hier die zielgerichtete wut sehe, wo man sich auf den stürzt, der es nur einen hauch besser hat, dann erinnert mich das an krabben. weiß jemand, warum da nie ein deckel auf den eimer mit den gefangenen krabben muss? jeder krabbe zieht die andere nach unten, um selbst nach oben zu kommen.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 12. Juni 2007, 16:30:39
Zitat
@ManOf Zumindest Dein letztes Posting ist im "Bild"-Stil hingeworfen, jeder der das kurz überfliegt bekommt von Dir eingetrichtert: Die Gewerkschaft war/ist gekauft!
Das war mein Orginalzitat, ich glaube nicht, dass ich Dich dort 'Bild-Leser' genannt habe.

Zitat
Aber genauso schlimm ist es die notwendige Kritik an einer grundsätzlich falschen Politik der DGB Gewerkschaften zu diffamieren.
Es geht ja eben nicht um eine DGB Gewerkschaft. Gegen sachliche Kritik am DGB habe ich nichts, im Gegenteil, da wüde ich eine Menge mit beisteuern wollen. Der blinde Hass hier bei chefduzen.de auf alles gewerkschaftliche ist allerdings einfach unerträglich und da meine ich NICHT explizit Dich MOCS.

Telekom: Ich hatte meine 'Bauchschmerzen' dargelegt. Einmal der unterirdische Service am Kunden (eigene Erfahrungen) und die bisherige ungleiche Behandlung der Mitarbeiter. Es wurden schon etliche Mitarbeiter vor Jahren ausgelagert, wo blieb da die öffentliche/gewerkschaftliche Solidarität? Und Neueinsteiger oder ausgelernte Azubis wurden bisher auch deutlich schlechter gestellt als die Alteingesessenen. DAS meinte ich mit der 'Pfründesicherung' für die wenigen, die bisher nicht gelitten haben.

Lufthansa: Ich kann es NICHT gutheißen, wenn eine sich privilegiert fühlende Minderheit eine eigene Vertretung "Cockpit" gründet und die große Mehrheit der Mitarbeiter am Boden liegen lässt. Was Du da bejubelst ist für mich purster Neoliberalismus. Das ist genauso wie wenn bei einem Müllauto der Fahrer plötzlich 30 Prozent mehr Lohn kriegt (weil sich ohne Ihn kein Rad dreht, er einen Führerschein hat usw.), die Müllmänner hinten im Regen aber nur 2,9 Prozent! Ich habe ausdrücklich NICHTS gegen einen besseren Ausgangslohn der Piloten gegenüber dem restlichen Personal. Nur eine Sonderstellung so unverschämt auszunutzen, um extrem mehr Mammon herauszuholen, verträgt sich leider nicht mit meinem Weltbild...

Übrigens hast Du mein Telekomzitat aus dem Zusammenhang gerissen einfach so hingeworfen, eben genau so wie das Siemenszitat über die gekaufte Arbeitnehmervertretung - diese Art und Weise meinte ich mit 'Bild-Stil' - warst Du jetzt deswegen beleidigt, oder mit was genau bin ich Deinem Ehrgefühl zu nahe getreten? Was genau ist/war der 'gefährliche politische Scheiß' den ich geschrieben habe?

Zitat
Der Ausdruck "Pfründesicherung" zeigt, wieweit er schon die verbreitete Propaganda der Spaltung verinnerlicht hat. Ich habe mich bereits mit Joachim Kühnel über das selbe Thema gestritten: Es ist notwendig sich nicht spalten zu lassen.
Hat Cockpit jetzt nicht die Belegschaft gespaltet? Was ging denn bei der Telekom die letzten Jahre ab? Keine Spaltung der Arbeitnehmer (T-Punkt-Entgelte, Ausgliederungen usw.)?

Von wem soll ich mich jetzt heute und hier als Leiharbeiter vertreten lassen? Ich vertrete mich selbst mit Hilfe einer "alten" Gewerkschaft - nenne mir EINE Alternative die adhoc zur Verfügung steht, mit auch nur annähernd den gleichen Möglichkeiten!!! Sage es mir bitte, ohne Gestotter ala "man könnte ja" oder "man sollte"!

Zitat
Und nun, wer sind denn "WIR"???
Wenn ich "WIR" gesagt haben sollte, dann meine ich ALLE Arbeitnehmer, also auch die Piloten,angestellte Ärzte und natürlich auch Beamte.

Zitat
Es ist einfach zum Kotzen wenn gefordert wird, daß jeder erstmal in das gleiche Loch gezogen werden muß in dem man selbst hängt, statt zu überlegen, wie man gemeinsam da herauskommt.
Ich wüßte nicht, dass ich das jemals gefordert hätte. Ich hatte Dein leichtfertiges Hinwerfen von Zitaten kritisiert. Dein in einen Topf werfen von verschiedenen Sachen. Und eben die Sache mit Cockpit, die ich nicht in Ordnung finde.

Ich denke nicht, dass ich von Deinen anderen Ausführungen allzuweit entfernt liege.

Viele Grüsse


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 15. Juni 2007, 16:11:15
Hier werfe ich nochmal im BILD-Stil ein Zitat aus der neoliberalen Dreckspostille SPIEGEL über eine unbdeutende Randfigur der Gewerkschaften hin:

Zitat
In der VW-Affäre um Sexpartys und Lustreisen auf Firmenkosten hat der niedersächsische SPD-Landtagsabgeordnete Günter Lenz sein Mandat niedergelegt.(...)Gegen Lenz ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue. Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe geht es in dem Ermittlungsverfahren um etwa ein halbes Dutzend von Volkswagen finanzierter Betriebsratsveranstaltungen mit Prostituierten.(...)Lenz ist auch Vorsitzender des Betriebsrates von VW Nutzfahrzeuge in Hannover sowie Aufsichtsratsmitglied bei Volkswagen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,488803,00.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 16. Juni 2007, 14:27:11
Korrekt zitiert!

Die "Bild" hätte, im Gegensatz zu ManOf, ein reißerisches kurzes fettes Balkenzitat drüber gesetzt. Lenz ist IGMetall (also DGB) und SPD-Mitglied, außerdem Betriebsrat bei VW.

Komisch finde ich nur, dass "Bild" "Bild" ist, der "Spiegel" aber eine 'neoliberale Dreckspostille'...  ?(


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 20. Juni 2007, 13:53:43
alfred, ja besagter Dylantext ist schon der Hammer, fast wie die Bibel, wo man zu jeder Lebenslage nen Spruch findet:

Zitat
And if my thought-dreams could be seen
They'd probably put my head in a guillotine
But it's alright, Ma, it's life, and life only.

Dylan


Dein vorletztes Posting war ja recht versöhnlich, doch muß ich noch einen Kommentar loswerden, denn mir ein antisolidarisches Verhalten vorzuwerfen halte ich schlicht und ergreifend für infam.

Auch halte ich es für unwahr, daß die Mehrheit der chefduzen-user eine gewerkschaftsfeindliche Haltung hat. Die Menschen haben ein offenes Auge und können noch 1+1 zusammenzählen. Heraus kommt Enttäuschung und Verbitterung, daß die Gewerkschaften nicht das tun, was sie doch eigentlich tun müßten: Die Interessen der Beschäftigten vertreten. Ich habe die Pressemeldungen nicht aus Gründen der Diffamierung zusammengestellt, sondern um Fakten zusammenzutragen um sich ein Bild von den Verhältnissen und unseren "Vertretern" zu machen. Es ist schlichtweg eine Katastrophe wenn es schwer fällt den Unterschied zwischen der von der Firmenleitung aufgebauten Pseudogewerkschaft AUB und der IGM zu erkennen.

Wir sollten alles mögliche in Frage stellen. Auch die astronomische Bezahlung höherer Gewerkschaftsfunktionäre. Die haben keinerlei Schimmer wie es uns eigentlich geht. Es ist natürlich richtig, daß Betriebsräte einen Teil ihrer Arbeitszeit freigestellt bekommen um sich um die Belange der Kollegen zu kümmern, doch bin ich gegen die vollständige Freistellung von Betriebsräten. Die vergessen einfach zu schnell wie es ist an einer Maschine zu stehen. Und auf welcher Seite sie stehen.

Es sind nicht alle so und ich mache da durchaus Unterschiede. Ich schätze natürlich den chefduzer karl., der soweit ich es verstanden habe bezahler IGM Funktionär ist und natürlich die LabourNetaktivisten Helmut Weiss, Ralf Pandorf und Mag Wompel, die nicht nur VERDI Mitglieder sind sondern eine höchst aktive Rolle innerhalb der Gewerkschaft spielen.

Und ganz besonders "Pepp" (Jupp Bergmann), der leider vor 2 Jahren gestorben ist. Ich habe ihn schon in den 80er jahren kennengelernt und habe mir von Ihm oft anhören müssen, daß ich mich als Autonomer oder Anarcho zuwenig um Betriebs und Gewerkschaftspolitik kümmern würde. Er war ein kleiner, bescheidener, freundlicher und gleichzeitig radikaler Mensch:
Zitat
Aus einem der Briefe, die uns auf die Nachricht von Pepps Tod erreichten:

»es ist nur eine begegnung gewesen, aber jupp wird in meiner erinnerung präsent bleiben. ich spüre immer noch seinen aufmerksamen blick. in dem kurzen gespräch damals glaubte ich, auf die instinkte zu stoßen, die aus der erfahrung kommen, dass die illegalität zu einem teil der realität werden kann. ich freute mich später noch manchmal, wenn du mir erzähltest, an jupps klugheit.«

Das »kurze Gespräch«, das wenig mehr als zwei Stunden gedauert hatte, fand am 10. Januar 2001 in einer Besucherzelle der Justizvollzugsanstalt Bruchsal statt. Der Absender des Briefes heißt Christian Klar.

Pepp war bis zu seinem Tod Mitglied im gewerkschaftlichen »Arbeitskreis für politische Gefangene«. 1993 war der Arbeitskreis auf Anregung von Pepp gegründet worden. Mit einem Weihnachtspaket für die in Lübeck inhaftierten Irmgard Möller, Hanna Krabbe und Christine Kuby hatte es angefangen: Ein Weihnachtspaket?
Ja, ein Weihnachtspaket. Müssen wir nicht erst mit den Kolleginnen und Kollegen über unser Verhältnis zu den politischen Gefangenen diskutieren?
Was wollt ihr da diskutieren? Wir bitten um Spenden für ein Weihnachtspaket – die Diskussion wird sich schon ergeben.
Von den 40 KollegInnen der IG-Medien-Sitzung verließ nach dem Antrag über die Hälfte den Raum. Die verbleibenden schickten das Paket: »Einen Gruß in die Zellen – wir denken an Euch«.

Dem Paket folgten Besuche. Aufgrund der Initiativen unterschiedlicher Gruppen kamen die drei in Lübeck inhaftierten Frauen ein Jahr später frei.
Sieben Jahre danach, 2001 auf dem letzten Gewerkschaftstag der IG Medien, stimmte knapp die Hälfte der Bundesdelegierten für einen Antrag des Hamburger Ar-beitskreises, die letzten Gefangenen der RAF freizulassen.

Die Methoden der RAF waren für Pepp keineswegs vereinbar mit denen der Arbeiterbewegung: »Wir achten jedes Leben, auch das des politischen Gegners. Aber sie sind angetreten gegen die, die auch uns gegenüberstehen, deshalb müssen wir sie ’rausholen. Es gibt keine Menschen, die keine Fehler machen – das wären Heilige.« Hinzu kam für ihn, was er mit einem Zitat aus Hölderlin’s Empedokles benannte: »Allein zu sein und ohne Götter, ist der Tod«. Das »ohne Götter« bedeutete für ihn »ohne Perspektive«.


Dieser Mensch und Gewerkschaftsaktivist hat mich beeindruckt und geprägt. Ich möchte jedem hier empfehlen sich die Zeit zu nehmen die Berichte über sein Leben zu lesen die die Gruppe Arbeiterpolitik (http://www.arbeiterpolitik.de/) in einer Extraausgabe veröffentlicht hat. Als pdf-Download hier (http://www.arbeiterpolitik.de/Zeitungen/PDF/2005/arpo-3-2005-Beilage.pdf) runterzuladen.

Aber zurück zum Thema.
Warum ich den Kampf der Piloten für absolut unterstützenswert halte?
Es gibt immer jemanden, dem es schlechter geht. Das darf kein Grund sein nicht zu kämpfen. Erstmal muß man lernen zu kämpfen. Erst dann muß man versuchen Kämpfe zu vernetzen und auch für Leute mitzukämpfen, die die Unterstützung brauchen.

Was tat Verdi als die Piloten streikten?
Verdi organisierte die Spaltung der Flugbediensteten, kämpfte gegen den mutigen Schritt der Piloten und organisierte eine Demo gegen den Streik.

Sorry, aber das ist derart hassenswert, daß es einen sofortigen Gewerkschaftsaustritt rechtfertigt. Auch LabourNet kritisierte diese verdi-Aktion aufs schärfste.

Ich wünschte mir, wir könnten auf diese Organisationen bauen aber es ist wohl notwendig anzuerkennen, daß wir im Moment schwächer sind als befürchtet. Wir müssen nahzu bei Null beginnen.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 21. Juni 2007, 00:52:05
Zitat
An' though the rules of the road have been lodged
It's only people's games that you got to dodge
And it's alright, Ma, I can make it.
Songtexte die uns berührten (http://www.chefduzen.de/thread.php?postid=71986#post71986)

Karl ist Rentner (früher Betriebsrat) und damit zahlendes IGM-Mitglied. Habe ihn bei einem ZOOM--Workshop kennen gelernt und habe großen Respekt vor ihm. Er lebt für die Organisation der Zeitarbeiter, obwohl es ihm eigentlich egal sein könnte...


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 30. Juni 2007, 21:01:46
Es ist nicht nur das Klassenbewußtsein in diesem Land ziemlich auf den Hund gekommen, das Wissen über Klassenkämpfe scheint auch weitgehend getilgt.

Das könnte auch der Grund für manchmal sehr wirre Diskussionen (z.B. Telekom) in diesem Forum sein.

Z.B. das Argument, daß das Ausschlaggebende für den Erfolg von Kämpfen der Grad der gewerkschaftlichen Organsierung ist, halte ich für Unsinn. Niemals erkämpfen Gewerkschaften etwas, sondern immer die Arbeiter. Gewerkschaften können die Kämpfe organisieren (oder nicht) und sie führen die Verhandlungen.

Bis es endlich gelang den Ostblock in die Knie zu zwingen hatte die herrschende Klasse es nicht nur mit einem permanent recht hohen Level an  Arbeitskämpfen zu tun, sondern auch mit der Angst die Arbeiter könnten das Kapitalistische System selbst in Frage stellen. So wurden viele Forderungen aus heutiger Sicht überraschend schnell erfüllt. Nach dem Fall der Mauer geht es uns dafür richtig an den Kragen.

Und die Gewerkschaften sahen sich seinerzeit oft gezwungen Forderungen zu übernehmen und auf bestehende Kämpfe einfach aufzuspringen um nicht die Rolle der Verhandlungsführer zu verlieren.

Der längste Streik in der Geschichte der Bundesrepublik begann als wilder Streik der Kieler Werftarbeiter 1956, die wegen der schlechteren Bezahlung als ihre hamburger Kollegen (beim gleichen Arbeitgeber) die Arbeit niederlegten. Der Streik wurde zu einer Streikwelle, die MaK schloß sich an und Bohn und Kähler. Die IG Metall sah sich gezwungen auf diese Bewegung aufzuspringen. Die Streiks wurden ausgeweitet und mit ihnen wurde die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall durchgesetzt.

In den 70er Jahren kochte auch die Arbeiterwut über und die Gewerkschaften verloren für eine Zeit die Kontrolle über die Kämpfe. In der ersten Jahreshälfte von 1973 gab es in der Metallbranche Tarifabschlüsse, die in der Realität einen Lohnabbau darstellten. Bei der anschließenden Urabstimmung im NRW-Metallbereich stimmten deswegen über 50% mit Nein. Etwa einen Monat später gingen die Belegschaften bei Hoesch, unter Führung der Vertrauensleute, in den Streik, um die ursprüngliche Forderung von 11% durchzusetzen und den Lohnabbau zu verhindern. Diesem Beispiel folgten dann zuerst die Arbeiter von Mannesmann, dann die bei Rheinstahl, Opel, Philips, Küppersbusch-AEG und auch Ford. Gerade der Ford-Streik ist interessant, denn der wurde hauptsächlich von Migranten (meist Türken) getragen und die Panik der Hüter des sozialen Friedens war enorm, weil es ohne Gewerkschaft und sogar ohne die bekannten linken Gruppen geschah. Die Bundesregierung und Verbände warnten vor einer "Politisierung" der ausländischen Arbeitskräfte. Willy Brandt forderte die Streikenden auf "in die Arme der Gewerkschaft zurückzukehren". (Bei wikipedia gibt es einen informativen Bericht über den Wilden Streik bei Ford (http://de.wikipedia.org/wiki/Wilder_Streik_bei_Ford_(1973)).)

Der OPEL Streik 2004 in Bochum war ebenfass ein wilder Streik, der europaweit auf die OPEL Produktion Auswirkungen hatte und die Herrschenden das fürchten lehrte, weil eine für Deutschlaund kaum vorstellbare Sympathiewell für einen kollektiven Rechtsbruch über das Land schwappte. Dieser Streik wurde von der IG Metall verraten.

Es ist eine Tatsache, daß die Gewerkschaftsbasis keinerlei Kontrolle über die  Politik der Gewerkschaft hat. Erst Kampfbereitschaft in Betrieben hat zum Umlenken des Gewerkschaftsapparats geführt.

Ich werde nicht müde zu wiederholen, daß es absolut essentiell ist unabhängig über Arbeit und ihre Bedingung zu diskutiern sowie über Möglichkeiten zu kämpfen und das, wenn nötig, auch unabhängig.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 01. Juli 2007, 00:08:04
....... und, das muss auch so bleiben!

Zitat
Z.B. das Argument, daß das Ausschlaggebende für den Erfolg von Kämpfen der Grad der gewerkschaftlichen Organsierung ist, halte ich für Unsinn. Niemals erkämpfen Gewerkschaften etwas, sondern immer die Arbeiter. Gewerkschaften können die Kämpfe organisieren (oder nicht) und sie führen die Verhandlungen.

@MOCS - Mit deiner hier getaetigten Aussage treibst du Augenwischerei: Du zeichnest die Gewerkschaft als den einen Teil, und die Arbeiter als den anderen. Doch es bleibt wie in der Ueberschrift beschrieben. Gewerkschaft entsteht aus gemeinsamen Interessen der Arbeiter. Eine echte Gewerkschaft kann also niemals den Interessen der ArbeitnehmerINNen entgegenwirken, oder, eben nicht in deren Interessen wirksam werden.

Alles andere sind definitiv keine Gewerkschaften, sonder Interessenvertretungen anderer Kraefte, als der der ArbeiterINNen.
Oder anders gesagt:
Ein Apparat, der nicht den Interessen der ArbeiterINNen folgt, ist definitiv keine Gewerkschaft!

Deshalb ist dieser Satz von dir voellig unschluessig:

Zitat
Es ist eine Tatsache, daß die Gewerkschaftsbasis keinerlei Kontrolle über die Politik der Gewerkschaft hat.

Es ist eine Tatsache, dass die ArbeiterINNen keine Kontrolle ueber den hauptamtlichen Apparat hat, aber deshalb sind die Arbeiter in ihrem gemeinsamen Willen selbst eine Gewerkschaft - und der Apparat eben, ist keine Gewerkschaft (es sei denn, er vertritt seine eigenen Interessen - gross genug ist er ja!).

Zitat
Ich werde nicht müde zu wiederholen, daß es absolut essentiell ist unabhängig über Arbeit und ihre Bedingung zu diskutiern sowie über Möglichkeiten zu kämpfen und das, wenn nötig, auch unabhängig.

Du meinst jetzt sicher - unabhaengig - vom hauptamtlichen Apparat?!

Hoffnung keimt  :rolleyes:


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Schrubberbude am 01. Juli 2007, 01:55:34
Nach meinen Erfahrungen fängt gewerkschaftliches Übel bei den
Betriebsräten an. Oft ist dieser schon den Gefälligkeiten des
Unternehmers erliegen; einzelne neu gewählte Betriebsratsmitglieder
können sich gegen die Alten nicht durchsetzen oder verfallen sehr
schnell den neuen Gefälligkeiten und Privilegien, die das Amt und
der Unternehmer ihnen bietet, oder steigen aus.
Vielen Mitarbeitern ist dieser Sachverhalt bewußt, können aber nicht
anders wählen, weil auch der Nachwuchs es eher auf die Gefälligkeiten
abgesehen hat, als das es ihm auf Mitarbeitervertretung ankommt.
Neben Gefälligkeiten und Privilegien sei noch der Prestigegewinn
erwähnt.
Selten hab ich "Gewerkschaftler aus Idealismus" kennengelernt; aber es
gibt sie (noch).

Sich selbst zur Wahl aufstellen zulassen um die Mitarbeiter zu vertreten
kommt nicht in Frage. Man müsste nicht nur gegen den Unternehmer
sondern auch in den eigenen Reihen zum "Kampf" antreten. Eher tritt
man vor lauter Enttäuschung aus. Beides birgt Mobbinggefahr.

Den besten Spruch seitens eines Betriebsrates hörte ich vor einem
Solidaritätsstreik; er ging durch die Abteilungen und forderte auf:
"Nun haut mal rein, der Streik darf sich nicht zu sehr auf die Produktion
auswirken."

Dennoch kann eine Mitgliedschaft sinnvoll sein, z.B. bei Rechtsberatung
 ...

Ob meine Erfahrungen die Regel sind, entzieht sich natürlich meiner
Kenntnis.

Gruss aus der Schrubberbude.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 01. Juli 2007, 13:37:07
@MannDesPermanentenJammerns: "wirr", "gaga", "Umlügen" - Du teilst ganz schön aus! Was genau erwartest Du von einem linken Forum? Das alle immer nur auf einen vorher von Dir festgelegten Sachverhalt gleichgeschaltet einprügeln müssen? Kann es sein, dass Du auf vorsichtige Zwischenfragen, die auf die eine oder andere Ungereimtheit Deiner allgemeingültigen und sehr oft autoritären Ansichten allergisch reagierst? Und noch wichtiger, findest Du das wirklich korrekt? Ich lasse mich ja äußerst selten auf Grundsatzdiskussionen ein, nur wird es eben manchmal unerträglich, wenn drei oder vier eigentlich geschätzte Mitbürger, ohne auch nur einmal über den Tellerrand zu gucken, auf einen "Feind" einprügeln (ja, ich muss es "hetzen" nennen) ohne auch nur ein Gegenargument überhaupt zulassen zu wollen. Wie viel Verbitterung muss in einem solchem Menschen wuchern? Ich habe Dir gestern wieder einmal einen Songtext gewidmet...

@Schrubberbude: Dir würde ich raten, Deinen Wohn- u. Arbeitssitz in den Osten dieses Landes zu verlegen. Dort herrschen für Deine Ansichten extrem paradiesische Zustände - es gibt kaum Betriebsräte und Gewerkschaften sind vorallem bei den Arbeitnehmern nicht erwünscht. Dort kannst Du Dich für sehr wenig Lohn sozusagen selbst vertreten und außerdem kannst du Dich nach Deinen eigenen Vorstellungen ausbeuten lassen. Ich werde den Rest des Tages mit Kopfschütteln verbringen...


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 01. Juli 2007, 14:27:15
Zitat
Sich selbst zur Wahl aufstellen zulassen um die Mitarbeiter zu vertreten
kommt nicht in Frage. Man müsste nicht nur gegen den Unternehmer
sondern auch in den eigenen Reihen zum "Kampf" antreten. Eher tritt
man vor lauter Enttäuschung aus. Beides birgt Mobbinggefahr.

Geschätzte 98 Prozent Deiner Landsleute (im handlungsfähigem Lebensalter) denken ähnlich, schön mitschwimmen, ab und an ein bißchen schimpfen aber bloß nichts aktiv unternehmen (man könnte ja scheitern, oder sich überanstrengen, oder schräg angeguckt werden, oder...)!


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Einheitsfront am 01. Juli 2007, 14:27:36
alfred, ich widerspreche deiner Behauptung, daß Betriebsräte und Gewerkschaften bei Arbeitnehmer unbeliebt sind, noch dazu besonders in Ostdeutschland.

Dazu eine persönliche Erfahrung:

Jeder Betriebsrat, den ich erleben durfte, hat letztendlich jegliche Schweinerei gegen die Beschäftigten mit abgesegnet oder aber nicht verhindern können (wollen?). Aus dieser Tatsache heraus ist für mich erkennbar, daß ich solche Betriebsräte für die Durchsetzung meiner Interessen nicht brauche, weil der Effekt derselbe ist, als wenn sie nicht existieren würden. Und das ist genau die Sinnfrage, die ich mir als Beschäftigter stelle.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 01. Juli 2007, 14:39:15
Jeder ist in erster Linie von seiner Umgebung geprägt - in meiner Umgebung gibt es kaum Firmen mit Betriebsräten, ergo ist meine daraus gewonnene Lebensweisheit: Lieber ein schlechter Betriebsrat, als gar kein Betriebsrat! Schön (ironiefrei), wenn es hier Leute gibt die andere Erfahrungen gemacht haben. Mir kamen noch keine erfolgreichen Beispiele unter, wo Alternativorganisationsformen ansatzweise zum Erfolg geführt haben, weshalb MOCSs Theorien für mich Theorien bleiben werden...

@Einheitsfront: Was ich aber NIE verstehen werde: Wenn man nicht zufrieden ist, warum kandidiert man dann nicht selbst für einen Betriebsratsposten, um die Sache besser anzugehen?


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 01. Juli 2007, 19:34:48
@BakuRock
@alfred
@Einheitsfront
@Schrubberbude

Ich will und kann euch in den wesentlichen Punkten nicht widersprechen.


alfred, ich habe nie behauptet nicht verbittert zu sein. Mit einer Dauerwut kombiniert mit Verzweiflung herumzurennen fühlt sich auch nicht sonderlich gesund an. Aber die Sicht auf die Welt einfach auszuschalten bin ich weder in der Lage noch Willens.

Ich bin nicht nur deprimiert durch den Blick auf die Verhältnisse (global) sondern manchmal schon dann, wenn ich die Diskussion hier im Forum verfolge.

Meine Verzeiflung entsteht nicht durch den Blick auf die herrschende Klasse (denn die macht nur das was sie in ihrer Stelle tun muß), sondern beim Blick auf meinesgleichen. Wir sind die Mehrheit und es wäre ein leichtes den bisherigen Lauf der Dinge zu stoppen. Doch wir halten die Räder prächtig am Laufen unter die wir langsam geraten.

Ich versuche zu verstehen was los ist und wie dieses zu ändern ist. Heute bin ich über das aktuelle Zitat des Schauspielers Rolf Becker gestolpert: "Was tun angesichts des Angriffs des Kapitals? Zurückweichen mäßigt unsere politischen Gegner nicht, sondern erhöht ihre Aggressivität. Sie führen den Klassenkampf, vor dem sie uns warnen. Das gilt es bewußt zu machen - anhand von konkreten Erfahrungen und mit Hilfe des diffamierten und diskreditierten Erbes der Arbeiterbewegung."

Ich bin sicherlich kein Gewerkschaftsfeind.
aber BakuRock
Zitat
Ein Apparat, der nicht den Interessen der ArbeiterINNen folgt, ist definitiv keine Gewerkschaft!
Willst Du sagen die DGB Gewerkschaften sind keine? Sie haben es nicht nur versäumt Widerstand gegen die Einführung der Zeitarbeit und von Hartz IV zu organisieren, sie waren aktiv an deren Einführung beteiligt.

Die massenhaften Mitgliederverluste der Gewerkschaften führe ich nicht darauf zurück, daß die Leute einfach nur Hans Werner Sinn und der Bild Zeitung glauben, sondern weil sie durchaus sich die Gewerkschaften ansehen und diese nicht mehr als Vertreter ihrer Interessen betrachten, sondern bestenfalls als Rechtsschutzversicherung.

alfred, warum konterst du stets so plump, wenn man etwas kritisiert? Dann soll man plötzlich selbst dagegen vor Gericht ziehen oder selbst dagegen kandidieren. Vielleicht will und kann man nicht. Aber man sollte solche Erkenntnisse einfach mal so stehenlassen. Welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind, das ist erst der nächste Schritt.

Ich versuche mich aus dem Gefühl der Hoffnungslosigkeit herauszuziehen durch einen möglichst klaren Blick auf die Zustände egal wie schmerzhaft dies kurzfristig sein mag. Eine Antwort auf die Verhältnisse kann man nur auf deren Realität entwickeln und nicht auf Wunschvorstellungen. Und um eine Antwort zu entwickeln schaue ich mir auch bereits gemachte (historische) Erfahrungen an.

Du sagst, das sind alles Theorien, die nur Theorien bleiben. (Übrigens: Wir befinden uns um Theorieforum bei chefduzen.)

Ich denke: Einen Schritt nach dem Anderen. Ich weiß, ich sülz' zur Zeit eine Menge daher hier im Forum. Ich versuche laut nachzudenken in der Hoffnung auch auf Kritik von anderen. Das Ziel ist jedoch sehr wohl auf Sicht zu etwas Konkretem und Praktischem zu kommen. Ich betrachte dieses nicht als Elfenfeinturmspielchen. Ich beschäftige mich mit diesen Dingen nicht erst seit gestern. Ich versuche meine Erkenntnisse auch im wirklichen Leben aunzwenden. Ich bin oft mit praktischen Aktivitäten auf die Fresse geflogen. Ich kann mich aber auch an ein paar Lichblicke erinnern. Ich war aktiv daran beteiligt außergewerkschaftlich einen relativ großen Arbeitskampf zu organisieren. Die Gewerkschaft sah sich genötigt nachträglich aufzuspringen und der Kampf war weitgehend erfolgreich. Zugegeben, das ist inzwischen fast 20 Jahre her.

Ich suche nach neuen Ansätzen.




P.S.:alfred, hab den Songtext natürlich längst gesehen. Konnte auch was damit anfangen.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Schrubberbude am 01. Juli 2007, 19:42:24
@alfred: Mein Einschrieb beschreibt lediglich meine Erfahrungen über
Stimmungen in einigen Betrieben; mit meinen Ansichten hat er
wenig zutun. Mitschwimmen liegt mir nicht besonders; allein
Windmühlen an zwei Fronten anzugehen macht aber wenig Sinn.
Warum sind deiner Ansicht nach Gewerkschaften im Osten des
Landes bei Arbeitnehmern nicht erwünscht?


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 01. Juli 2007, 20:55:12
@MOCS, das meine Konter plump sind, ist mir nicht bewußt - allerdings war mir auch nicht aufgefallen, dass wir hier gerade im Theorieforum sind, also 'lasse' ich das jetzt 'einfach mal so stehen'...

@Schrubberbude & @Einheitsfront, als ZAN komme ich in nicht wenige Firmen (von 10 bis 600 Mitarbeitern in meinem Fall). Im Osten sind nur ganz selten welche mit Betriebsrat bei (im Westen die größeren haben meist einen). Sowohl bei den ZAN, als auch bei den Festangestellten (Ost) besteht eigentlich so gut wie kein Interesse, etwas gegen ihr Elend zu unternehmen. Den Gewerkschaften schlägt ein regelrechter Hass entgegen, woran das liegt, weiß ich auch nicht - die frühere Zwangsmitgliedschaft im FDGB oder die "erfolgreiche" Medienhetze??? Die Bild liegt übrigens in Ost und West in ausnahmslos jedem Pausenraum! Das sind natürlich auch nur persönliche Erfahrungen, aber in Sachen Instandhaltung kommt man eigentlich in Firmen der verschiedensten Branchen (Haupteinsatzgebiete Bayern, Sachsen, Thüringen, also tiefschwarze Gebiete  :()...


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 01. Juli 2007, 21:50:13
....... sind die darin organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen.

Im obigen Posting habe ich dargelegt, was ich unter Gewerkschaft verstehe.

Zitat
ich schrieb:
Es ist eine Tatsache, dass die ArbeiterINNen keine Kontrolle ueber den hauptamtlichen Apparat hat, aber deshalb sind die Arbeiter in ihrem gemeinsamen Willen selbst eine Gewerkschaft - und der Apparat eben, ist keine Gewerkschaft

Zitat
du schriebst:
Ich bin sicherlich kein Gewerkschaftsfeind.
aber BakuRock
Zitat
Zitat:
Ein Apparat, der nicht den Interessen der ArbeiterINNen folgt, ist definitiv keine Gewerkschaft!

Willst Du sagen die DGB Gewerkschaften sind keine? Sie haben es nicht nur versäumt Widerstand gegen die Einführung der Zeitarbeit und von Hartz IV zu organisieren, sie waren aktiv an deren Einführung beteiligt.

Die massenhaften Mitgliederverluste der Gewerkschaften führe ich nicht darauf zurück, daß die Leute einfach nur Hans Werner Sinn und der Bild Zeitung glauben, sondern weil sie durchaus sich die Gewerkschaften ansehen und diese nicht mehr als Vertreter ihrer Interessen betrachten, sondern bestenfalls als Rechtsschutzversicherung.

Du hast die Fragen doch schon selbst beantwortet.

Ergaenzend: Der hauptamtliche Apparat, also ab Gewerkschaftssekretaer aufwaerts, ist einfach zu sehr verfilzt und verwoben in der inneren Nabelschau. Selbst wenn Einzelne versuchen etwas im Interesse der Mitglieder durchzusetzen, werden sie ganz schnell des internen Kampfes gegen den eigenen Apparat, der nicht anders als eine Bundesbehoerde agiert, ueberdruessig und werfen die Flinte ins Korn. (Mir stehen da jedenfalls die Traenen in den Augen vor Wut und Ohnmacht).

Der Schritt zu einer DienstleistungsVersicherung war leider ein viel zu optimistischer Schritt - es war damals abzusehen, dass die Totschlagpolitik der Wirtschaft auf dem gebiet der ehem. DDR zu einem Rueckfallzieher in Richtung Westen werden wird - der Osten war das Uebungsfeld - ganz Europa ist nun das Schlachtfeld.
Angesichts dieser sich deutlich abzeichnenden Entwicklung (schon kurz nach der Wende) war die Waffenniederlegung des DGB, wie die Resignation eines Schafes im Angesicht des zaehnefletschenden Wolfes - jetzt reisst er..........

Diese verheerende Fehleinschaetzung kam m.E. aus den obersten Etagen des DGB. Nun kann man lange ausgiebig spekulieren, woran das lag. Aber ich denke, das war die leidige Verquickung (auch per Parteibuch) der Gewerkschaftsspitzen und der (SPD)-Spitzenpolitiker. Diese Verbandelungen sind einfach mal die allerschlechtesten Ratgeber fuer eine geschwaechte Arbeiterklasse. Zu hochmuetig, und damit zu optimistisch wurde die "rote" Zukunft vom zukuenftigen Kanzler Schroeder und seinen Freunden in den Gewerkschaftsspitzen beleuchtet.

Zitat
alfred schrieb:
Den Gewerkschaften schlägt ein regelrechter Hass entgegen, woran das liegt, weiß ich auch nicht - die frühere Zwangsmitgliedschaft im FDGB oder die "erfolgreiche" Medienhetze???

Beides, wuerde ich sagen. Der FDGB stand unter der Knute der SED. Es gab politische und personelle Verquickungen. Parallelen dazu sehen die ehem. Gewerkschaftsmitglieder im Osten auch im DGB (wie ich ja oben schrub). Der FDGB war keine kaempfende Gewerkschaft, der DGB hat sich im falschen Moment von seiner Kampffaehigkeit verabschiedet (mental).

Die Medien tun, gleichgeschaltet wie sie sind, ihr uebriges, indem sie der werten leserschaft einhaemmern, dass diese soziale marktwirtschaft die "antiquvierten" Klassenkaempfe nicht noetig hat. Man solle sich ruhig mal die ausser- Gewerkschaftlichen Einigungen zwischen den Beschaeftigten und den Geschaeftsleitungen dieser und jener Firma ansehen - nur Vorteile, und wenn Nachteiel, dann um die Firma vor dem Ruin zu bewahren ...... Also auch im Interesse der beschaeftigten.

Allerdings scheint nun langsam keiner mehr diese Idiotie glauben wollen - dennoch zu spaet - meine ich. Die hauptamtlichen Molochs der DGB-Gewerkschaften haben mit ihrem Tun den Glauben in der Arbeiterklasse zerstoert. Deshalb werde ich nicht muede, immer wieder die Gruendung neuer gewerkschaftlicher Strukturen "aus der Not heraus" anzuregen. Von unten, ohne Verquickung zu Parteien oder Aufsichtsraeten, ohne Hauptamtliche und nur mit imperativen mandaten ausgestattete Raete.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 04. Juli 2007, 19:13:59
(http://www.labournet.de/branchen/auto/dc/berlin/keinekritik.gif)

Seit der Betriebsversammlung am 21. März 2007 werden die Betriebsräte Mustafa Efe und Martin Franke wegen ihrer Kritik an ERA zunehmend wegen „Spaltung“ seitens der Betriebsratsmehrheit und der IG Metall kritisiert, zum Rücktritt aus dem BR aufgefordert und von Hauptamtlichen der Gewerkschaft mit Funktionsverbot und Ausschluß aus der IG Metall bedroht.

http://www.labournet.de/branchen/auto/dc/berlin/index.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 13. Juli 2007, 12:36:17
Die direkte Verquickung von Gewerkschaftsarbeit mit unternehmerischen Interessen ist weiter ungebrochen:

Zitat
IG Metall sichert die Karriere
Von Stefan Menzel

Die Arbeit für eine Gewerkschaft kann manchmal sehr karrierefördernd sein – besonders im VW-Konzern als Vertreter der IG Metall. Das jüngste Beispiel: Elke Eller, 44, die im Moment noch in der Frankfurter IG-Metall-Zentrale die gewerkschaftsnahe Otto-Brenner-Stiftung führt.   

DÜSSELDORF. Der Wolfsburger Autokonzern gab gestern bekannt, dass die studierte Ökonomin zum 1. Oktober neuer Personalvorstand bei der Finanzierungstochter VW Financial Services wird. Der Karrieresprung in den Vorstand einer wichtigen VW-Tochter wird für Elke Eller allerdings mit dem Verzicht auf einen anderen wichtigen Posten verbunden sein. Seit 2001 sitzt sie an einem zentralen Schalthebel: Sie ist einer der IG-Metall-Vertreter im VW-Aufsichtsrat.

http://www.handelsblatt.com/news/Karriere/Koepfe/_pv/_p/200811/_t/ft/_b/1293636/default.aspx/ig-metall-sichert-die-karriere.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 14. August 2007, 13:28:29
Die Bahngewerkschaft Transnet hat eingeräumt, dass sie im Zuge der Auseinandersetzung um einen Tarifvertrag der Lokführer deutlich Mitglieder an die streitbare Gewerkschaft der Lokführer (GDL) verliert. "Wir haben inzwischen 700 Mitglieder an die GDL verloren", erklärte der Chef der Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen. Umgekehrt seien aber auch 200 Mitglieder der GDL zur Transnet gewechselt.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 23. September 2007, 20:12:41
Videotexttafel 119, MDR, So 23.09.07 20:05:19

DGB verliert weiter Mitglieder

Die Gewerkschaften in Deutschland müssen weiter Mitgliederschwund verkraften. DGB-Chef Sommer sagte, 2006 sei die Mitgliederzahl um fast 200.000 zurückgegangen.

Insgesamt habe der Schwund in den vergangenen zehn Jahren 2,4 Mio. Mitglieder betragen. Er rechne erst 2010 mit einer Kehrtwende. Auch die Gewerkschaft ver.di muss einen Rückgang hinnehmen. Finanzvorstand Herzberg sagte, er rechne für dieses Jahr mit einem Schwund von drei Prozent.
Zurzeit sind rund 30 Prozent der 6,5 Mio. Gewerkschaftsmitglieder in Deutschland Rentner oder Arbeitslose.

-------------------------------------------------------

Und lernen die DGB-Gewerkschaften aus der Mitgliederflucht etwas und ziehen ihre Lehren?

Nein, sie kleben weiter an ihrer SPD-Arbeiterverrätermutterpartei statt ihr in den Achtern zu treten.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 06. Oktober 2007, 22:15:01
chefduzen ist auch eher ein Spiegel der realen Verhältnisse, als daß sich hier eine besonders fortschrittliche Minderheit tummelt.

Ein politisches Bewußtsein muß sich erst noch entwickeln.

Es ist schon erstaunlich, daß man von Ausgebeuteten vernehmen muß, das die Forderung der Lokführer ihren Lohn nur annähernd an den Europäischen Durchschnitt angleichen zu wollen ausverschämt sei.

Ich kann es auch nur schwer schlucken, wenn ansonsten kämpferische Chefduzer die Unterwerfung unter den gewerkschaftlichen Mainstream (Lohnverzicht und Akzeptanz von Hartz IV) als "Solidarität" bezeichnen, wogegen die Minderheit, die noch bereit ist mit gewerkschaftlichen Mitteln zu kämpfen, statt schom im Vorfeld einzuknicken, als unsolidarische "Spalter" diffamiert wird.

In der Gesellschaft wird nur noch wenig diskutiert, es verläuft sehr einseitig und geht von den Medien aus. Bei chefduzen werden diese Dinge noch diskutiert. Immerhin.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 30. Oktober 2007, 02:47:04
Zitat
Original von ManOfConstantSorrow
..................................
In der Gesellschaft wird nur noch wenig diskutiert, es verläuft sehr einseitig und geht von den Medien aus. Bei chefduzen werden diese Dinge noch diskutiert. Immerhin.


......... begruendet sich unter anderem auch hieraus:

http://www.watchblog.de/

und es gibt immer wieder Typen, die sich "billig" machen.........  :kotze>

Selbst in unserer "aufgeklaerten" Gesellschaft scheint Fronarbeit beliebt zu sein - was fuer Menschen? Was stecken da fuer Charaktere dahinter? Wie tief muss mensch sich buecken koennen....... um sowas alles mitmachen zu koennen. Wieviel "Untertan" steckt in uns Menschen eigentlich drin?

Folgt die Frage: Wessen Geistes Kind muessen diejenigen sein, die sich "Untertanen" schaffen/erzwingen? Warum laesst sich jemensch "untertanen" und warum hat jemensch das Gelueste, sich ueber andere (Gefuehle, Gedanken, Willen usw.) hinwegzusetzen? Warum hat ein mensch Spass/Erlebnis/Genugtuung? gar am Tode eines anderen?

Diese Mechanismen wirken auch in die tiefsten Winkel des derzeitigen "gesellschaftlichen Miteinanders" - auch wenn der Nachbar es nicht zugeben will, hat er doch Freude daran, dass mensch die Reifen zerstochen wurden/die Waschmaschine kaputt ging/das Kind ueberfahren wurde/die Katze ersaeuft im Pool schwimmt/der Staatsanwalt klopft/keine bezahlte Arbeit gefunden wird........... na, und so weiter..........

Wo, verdammt nochmal, ist das Mitgefuehl geblieben, was vor 20 Jahren noch einen Platz in den Herzen hatte? Alles nur noch gegen Geld zu haben?

 :denk>

 :kotze>


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Kater am 30. Oktober 2007, 02:57:45
Zitat
Original von BakuRock
Wo, verdammt nochmal, ist das Mitgefuehl geblieben, was vor 20 Jahren noch einen Platz in den Herzen hatte? Alles nur noch gegen Geld zu haben?

 :denk>

 :kotze>

vor 20 Jahren und heute nicht mehr? Glaube ich nicht dran, klingt mir zu sehr nach "früher war alles besser  :rolleyes:

die Menschen sind heute insgesamt schlechter oder meinst du deine langjährigen (Ü20) Nachbarn  ?(

ist aber beim Thema hier off topic


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Knubbel am 30. Oktober 2007, 23:13:49
Moin.

Wo ich jetzt 31 Jahre in der Organisation bin, möchte ich behaupten: Gewerkschaft bin ich zunächst mal selber. Was die deutschen Gewerkschaften seit 45 zustande gebracht und dann wieder abgebaut haben, brauchen wir hier nicht wieder aufwärmen. Tatsache ist, dass die Fixierung des Apparates auf das Wohlergehen der Sozialdemokraten sich mit Schröder Zwanzigzehn erledigt haben sollte. Deswegen tickt ja Transnet aus, wenn GDL genau das macht, was ÖTV (bei der Straßenreinigung) früher auch machte: da streiken, wo es dem Bild- oder FAZ-Leser wehtut. Die Atomisierung (oder Syndikalisierung) der abhängig Beschäftigten kommt ja gerade durch die Strategie des DGB, sich den Kapitalfraktionen als alles kontrollierender Ordnungsfaktor anzubiedern. Dass die Gegenseite sich heute nicht mal mehr dazu herablässt, überhaupt als Unternehmerverband aufzutreten, dafür lieber Löhne nach Gutsherrenart einzelvertraglich auslobt, haben meine Mitgliedsbeitrags-Konsumierer leider bisher nicht gebacken bekommen. Dass der Hück dem Osterloh auf der Nase herumtanzt, liegt ja auch nur daran, dass die weinerlichen Abteilungen der IGM es schlimm finden, wenn ihnen einer sagt, dass die SPD/IGM/VW_Gesetz- Idylle der Vergangenheit angehört. Insofern sind die derzeitigen Fraktionierungen auf Gewerkschaftsseite nicht schlimm. Sie bewirken die Trennung des SPD-Spreus vom Gewerkschaftsweizen.

gruß kn.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: flipper am 31. Oktober 2007, 09:54:44
das bringt uns aber ned weiter wenn sich der "weizen" dann in nicht gerade linkeren einzelinteressengewerkschaften oder in dubiosen vereinen wie der epunion oder gar in richtigen antigewerkschaften wie der gnbz sammelt  :(


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: handkey am 31. Oktober 2007, 11:41:33
da haste ja gerade die supergelben böse-buben "gewerkschaften" aufgezählt.

Tatsache ist, daß die herkömmliche DGB- Soße eben keine Klassenkampforganisation sondern ne Sozi-alpartnerschaftsklitsche mit- wie Du selber gut recherchieren kannst- Finanzsauereien sondergleichen ist,
(Da gehts um das "Privatisieren" von Arbeitergroschen, :kotze> )

und die im europäischen Rahmen gegen fast jede noch so kleine "Richtungsgewerkschaft"
kämpferisch abstinkt!

ein Döntje:
Was für´n Geräusch entsteht beim Abwürgen eines Streiks?

- bsirrske-


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: flipper am 31. Oktober 2007, 14:59:08
Zitat
Original von handkey
Tatsache ist, daß die herkömmliche DGB- Soße eben keine Klassenkampforganisation sondern ne Sozi-alpartnerschaftsklitsche mit- wie Du selber gut recherchieren kannst- Finanzsauereien sondergleichen ist,
(Da gehts um das "Privatisieren" von Arbeitergroschen, :kotze> )

und die im europäischen Rahmen gegen fast jede noch so kleine "Richtungsgewerkschaft"
kämpferisch abstinkt!

-bei der derzeitigen kräfteverteilung an der front gibt es keine möglichkeit klassenkampfmässig einen ausfallangriff zu starten sonst ist das hinterland ohne jeden schutz dem volldurchbruch des kapitals ausgeliefert. der DGB muss die defensivposition überhaupt erstmal halten können, dabei sollten wir unbedingt helfen, sonst sind wir alle im arsch  :( . sollte ihm das gelingen dann kann er auch wieder auf angriffsposition gehen. aber ich denke solche kriegsgrundlagen sind dir geläufig und wer zu grosse schritte macht verliert die differentielle anpassungsmöglichkeit an die reaktionen des gegners (grundlagen der regelungstechnik, durchaus anwendbar).

"Finanzsauereien" interessieren mich nicht, solange der grösste teil der so gemachten kohle in die gewerkschaftskasse wandert. von mir aus könnense dafür auch mit der mafia geschäfte machen, das haben viele U.S. unions gut hingekriegt. nichts verwerfliches dran.


-ich sagte zur GDL interessengewerkschaft nicht richtungsgewerkschaft französischen stils, das sind 2 paar schuhe. welchen gesamteuropäischen streik kleiner syndikalistengewerkschaften meinst du? hab ich nie von gehört. wohl bedeutungslos.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: handkey am 01. November 2007, 07:56:20
Zitat
"Finanzsauereien" interessieren mich nicht, solange der grösste teil der so gemachten kohle in die gewerkschaftskasse wandert. von mir aus könnense dafür auch mit der mafia geschäfte machen, das haben viele U.S. unions gut hingekriegt. nichts verwerfliches dran.
LOL

was du da schreibst spricht gegen sich selbst. gegen arbeiterinteressen sowieso.- und was die entwicklung der selbstorganisierten und basisgewerkschaftlichen arbeitskämpfe rund um D-land angeht, guck einfach weiter weg, damit deine ideologie nicht ins schwanken gerät.  8)

beispiele gibt´s genug...


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: flipper am 01. November 2007, 09:24:50
Zitat
Original von handkey
beispiele gibt´s genug...

link? ;) gerne auch in fremdsprachen.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 03. November 2007, 01:30:28
Zitat
Original von flipper
Zitat
Original von handkey
beispiele gibt´s genug...


link? ;) gerne auch in fremdsprachen.


Nur ein kleiner Auszug von heute @flipper:

Zitat
Lieber unzivilisiert als servil - Bauarbeiter in Dubai im Streik!

„Der Arbeitsminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Ali bin
Abdullah al-Kaabi bezeichnete das Verhalten streikender, grösstenteils aus
Indien, Pakistan oder Bangladesh stammender Bauarbeiter in Dubai als
“unzivilisiert”, nachdem es dort vorgestern zu Zusammenstössen zwischen
diesen und Bullen gekommen war. Die verschiedenen derzeitigen
Streikaktionen der Kollegen richtet sich gegen die dortigen Hungerlöhne,
miesen Arbeitsbedingungen, schlechten Wohnverhältnisse (die pakistanische
Zeitung The News spricht von “Labour Camps“) und die hohen Fahrpreise …
alles Dinge, welche in zivilisierten (kapitalistischen) Ländern wie den
VAE zum Normalzustand gehören…“ Bericht auf Entdinglichung vom 29.10.2007
[url]http://entdinglichung.wordpress.com/2007/10/29/lieber-unzivilisiert-als-servil-bauarbeiter-in-dubai-im-streik/[/url]

Siehe dazu aktuell:

Striking Workers Released From UAE Jail

“More than 4,000 south Asian workers who had been jailed since a weekend
labor strike were released Wednesday, India's ambassador said, in an
incident that has highlighted labor tensions in this booming city. About
160 other strikers, including 90 Indian nationals, remained in custody in
Dubai's central jail after United Arab Emirates authorities determined
they had participated in violence during the strike, said Tahmiz Ahmad,
the Indian ambassador to the Emirates…” AP-Meldung vom 01.11.2007
[url]http://ap.google.com/article/ALeqM5i8OZ63eSqb1U3YJJGF5qcmJ71BtAD8SKKS500[/url]

XIX. Internationales > Schweiz > Gewerkschaften und Arbeitskämpfe
> >Streikaktionen auf dem Bau

1. November: Streiks auf Baustellen in Zürich und Basel

„Heute Morgen ab 06.00 haben auf ungefähr 250 Baustellen in und um Zürich
und Basel Streiks begonnen. Die Bauarbeiter wehren sich damit gegen die
einseitige Kündigung des Landesmantelvertrages und den vertragslosen
Zustand. Denn ohne Vertrag sind ihre Löhne und Arbeitsbedingungen, ihre
Gesundheit und Sicherheit in Gefahr…“ Pressemitteilung der Unia vom
01.11.2007
[url]http://www.unia.ch/news_aktionen.9.0.html?&no_cache=1&tx_ttnews[/url][tt_news]=3193&tx_ttnews[backPid]=1&cHash=30cfa56d3a

XX. Internationales > Großbritannien > Privatisierung

Floh-Invasionen und die falsche Art von Sonne: Der öffentliche Verkehr in
Grossbritannien liegt darnieder – und über die Begründungen darf man sich
gelegentlich wundern

Ein wunderschön zu lesender Artikel von Georges Waser in der Neuen
Züricher Zeitung vom 22.10.2007 über das, was uns erwartet.
[url]http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/floh-invasionen_und_die_falsche_art_von_sonne_1.572700.html[/url]

Aus dem Text: „…Als 1909 die Linie zwischen London und Fishguard im
walisischen Westen eröffnet wurde, bewältigte der Expresszug die Fahrt –
eine Strecke von 270 Meilen – in 4 Stunden und 28 Minuten. Heute, im
Zeitalter der Hochleistungszüge, dauert die Fahrt vom Londoner Bahnhof
Paddington nach Fishguard ganze 32 Minuten länger. Erstens muss man in
Cardiff umsteigen, zweitens macht der Great Western Express schon zuvor
viermal halt, während der Zug zwischen London und Fishguard einst nur
einmal anhielt. Heute kann die Reise nach Fishguard in erster Klasse je
nach Tag und Tageszeit bis um die 200 Pfund kosten, während man 1909 laut
der Tageszeitung «The Guardian» (umgerechnet auf gegenwärtige
Verhältnisse) dafür weniger als 3 Pfund auslegte. (…) Längst legendär sind
einige der seit 1996 immer häufiger gewordenen Lautsprecheransagen, mit
denen die privaten Gesellschaften ihre verspäteten Züge zu entschuldigen
suchen. Im Winter ist «die falsche Art von Schnee», im Sommer «die falsche
Art von Sonne» die wohl berühmteste Ausrede für Verspätungen; im Herbst
hingegen gelten «Blätter auf den Bahngeleisen» als ein grosses Hindernis.
Aber auch «Schatten auf den Schienen» waren schon ein Grund für
Unpünktlichkeit. Sogar von den stoischen Briten werden solche
unfreiwilligen Bonmots gelegentlich mit Heiterkeit quittiert…“

XXI. Internationales > Italien > soziale Bewegungen

a) Avanti, Programm!

„Die italienische Regierungslinke brachte am Samstag fast eine Million
Menschen auf die Straße. Protestiert wurde gegen prekäre
Arbeitsverhältnisse und Rentenpolitik. Lange wurde in linken Zeitungen
darüber diskutiert, wie regierungskritisch die Demonstration ausfallen
darf. Schließlich setzte sich die Linie des »kritischen Dialogs« mit der
Mitte-Links-Koalition von Ministerpräsident Romano Prodi durch. Die
außerparlamentarische Linke und die Basisgewerkschaften lehnten die
Teilnahme letztlich ab, sie rufen für den 9. November zum Generalstreik
auf…“ Artikel von Catrin Dingler, Rom, in der Jungle-World vom 25.10.2007
[url]http://jungle-world.com/seiten/2007/43/10851.php[/url]

b) Uscire dal vicolo cieco!

„Raus aus der Sackgasse! – Die Bewegung gegen prekäre Arbeitsverhältnisse
und soziale Unsicherheit und für gleiche Rechte für alle BürgerInnen
scheint bislang nur imstande zu sein, das Unbehagen an den derzeitigen
Zuständen zu transportieren und Protest zu organisieren, nicht aber, die
Dinge tatsächlich zu verändern. Zu viele Hindernisse stehen einem
effektiven Fortschritt hinsichtlich der Lage der Prekären entgegen. Die
Regierung von Romano Prodi und die Politik seines Arbeitsministers stellen
ein solches Hindernis dar, doch erweisen sich manche Schranken in der
Bewegung selbst als ebenso tückisch…“  Artikel von Sergio Bologna in der
Jungle-World vom 18.10.2007. Der Text wurde anlässlich des EuroMayday 2007
in Mailand geschrieben und vom Autor für die Jungle World überarbeitet.
[url]http://www.jungle-world.com/seiten/2007/42/10823.php[/url]


Ach ja; Schaue dich im Forum mal ein wenig genauer um - du findest enorm viele Infos dazu: http://www.chefduzen.de/thread.php?postid=87825#post87825

usw.  :Boardsuche>


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 03. November 2007, 18:53:14
Zitat
Original von handkey
Zitat
"Finanzsauereien" interessieren mich nicht, solange der grösste teil der so gemachten kohle in die gewerkschaftskasse wandert. von mir aus könnense dafür auch mit der mafia geschäfte machen, das haben viele U.S. unions gut hingekriegt. nichts verwerfliches dran.
LOL

was du da schreibst spricht gegen sich selbst. gegen arbeiterinteressen sowieso.- und was die entwicklung der selbstorganisierten und basisgewerkschaftlichen arbeitskämpfe rund um D-land angeht, guck einfach weiter weg, damit deine ideologie nicht ins schwanken gerät.  8)

beispiele gibt´s genug...

Die im letzten Beitrag gebrachten Beispiele sind nicht unbedingt 'selbstorganisiert und basisgewerkschaftlich (?)' - es riefen jeweils Gewerkschaften oder sogar Parteien dazu auf. Auch die Gastsklaven in Dubai hörten (nach unzähligen Jahren Sklaverei) erst auf zu arbeiten, als die Rahmenbedingungen (sprich Wechselkurs) nichts mehr übrig liesen - das muss man nicht unbedingt 'selbstorganisiert' nennen...


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: flipper am 04. November 2007, 20:05:12
Zitat
Original von alfred
Die im letzten Beitrag gebrachten Beispiele sind nicht unbedingt 'selbstorganisiert und basisgewerkschaftlich (?)' - es riefen jeweils Gewerkschaften oder sogar Parteien dazu auf. Auch die Gastsklaven in Dubai hörten (nach unzähligen Jahren Sklaverei) erst auf zu arbeiten, als die Rahmenbedingungen (sprich Wechselkurs) nichts mehr übrig liesen - das muss man nicht unbedingt 'selbstorganisiert' nennen...

dito. und ich versteh auch gar ned wieso die 2 wieder angepisst sind, ich hab oben nur die GNBZ und epunion angepisst, die FAU hab ich ned gemeint, die is schon brauchbar um die leute denen der DGB ned passt aufzufangen, das mein ich ehrlich!   :(


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: handkey am 05. November 2007, 20:53:09
@ alfred:
das passt hier zu dem feedback- thema-es gibt ja leider zum Glück noch´n fettes Leben außerhalb Internet-Chefduzen:
Ich stell "zeitnah mal einiges an Kämpfen "von Unten" zusammen und verlinke das hier und stell´s zur Diskussion-
bin einfach hier nich der schnellste...

Aber, denkt doch mal daran, daß die IGM sich beim Opel-Streik so lange auf die Zunge gebissen hat, bis er vorbei war, um erst dann das Wort "Wilder Streik" überhaupt auszusprechen.
(Davon ab, daß die IGM es hinterher geschafft hat, die Kollegen zu den Konditionen maloochen zu lassen, gegen die sie vorher gestreikt haben, um das noch als "IHR" Erfolg zu verkaufen)


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 09. November 2007, 03:02:58
Zitat
Brenner musste schließlich mit dem Paradoxon leben, dass sein gewerkschaftlicher Radikalismus letztlich zu einer Wohlständigkeit auch der Arbeitnehmer führte, die seine genuinen Absichten – Klassenbewusstsein zu schaffen und das sozialistische Endziel anzustreben – zunehmend konterkarierte. Die Erfolge des Aktivismus Brenners trugen zur stärkeren Integration, Zufriedenheit schließlich auch Einpassung der Arbeiter in das marktwirtschaftliche System der Bundesrepublik bei. Je mehr Brenner tarifpolitisch erreichte, desto weiter weg rückte die klassenbewusste, sozialistische Proletarität.
link (http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/702/redaktion_einestages_der_scharfmacher.html)

Eine verdammt gute Einschätzung, die lasse ich mal unkommentiert...


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 23. November 2007, 12:38:50
Leipziger Volkszeitung, vom 19. November 2007

DGB-Chef attackiert Milbradt - Streit um Bündnis für Arbeit / Lucassen: Staatskanzlei macht sich zum Gehilfen der Wirtschaft

Von SVEN HEITKAMP

Dresden. Lange Zeit ging es friedlich zu zwischen der schwarz-roten Koalitionsregierung und dem Deutschen Gewerkschaftsbund. Mit zwei SPD-Ministern, einem davon im Wirtschaftsressort, ließ es sich offenkundig kollegial zusammenarbeiten. Doch seit ein paar Tagen hängt der Haussegen gewaltig schief.

In einem scharfen Brief an Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU), der dieser Zeitung vorliegt, zeigt sich DGB-Chef Hanjo Lucassen „verärgert“ über die Vorgehensweise der Staatskanzlei. Der Regierungschef halte sich nicht an Absprachen, ein wesentliches Element sächsischen Regierungshandelns werde unter seiner Führung bewusst vernachlässigt. Nach einem Treffen mit der CDU-Führung im April habe er noch den Eindruck gehabt, „dass ein neues, positives Kapitel der Beziehungen aufgeschlagen wurde“, so Lucassen. Jetzt aber müsse er „daran zweifeln, ob es ein solches neues Kapitel tatsächlich gibt“.

Zwei Punkte sind es, die den Gewerkschaftsvorsitzenden auf die Palme gebracht haben: Zum einen stehe das sächsische Bündnis für Arbeit quasi vor dem Aus. Im Koalitionsvertrag sei der Pakt von Staatsregierung, Arbeitgebern und Gewerkschaften noch festgeschrieben worden. Mittlerweile stelle sich ihm aber die Frage, ob die Allianz „noch existent ist und von der Staatsregierung gefördert wird“, so Lucassen.

Fortgesetzt werden sollte das Bündnis ursprünglich in der „Stiftung für Innovation und Arbeit“, die jedoch wieder aufgelöst wurde.

Eine Nachfolgeeinrichtung sei „dringend notwendig“, aber leider nicht in Sicht, beklagt Lucassen. „Alle haben damals genickt, doch jetzt dümpelt das Thema vor sich hin.“ Wenn das Anliegen zwischen verschiedenen Ministerien hin- und hergeschoben werde, müsse der Ministerpräsident „ein Machtwort sprechen“, verlangt der DGB-Chef. Er erwarte „konkrete und unverzügliche Schritte“.

Zum anderen empört den Gewerkschafter der Umgang mit der geplanten Kontakt- und Beratungsstelle für die Europäischen Strukturfonds. Die Einrichtung sollte die Wirtschafts- und Sozialpartner von der Diakonie über den Städte- und Gemeindetag bis zum Tourismusverband unterstützen. „Nunmehr müssen wir erfahren, dass auf Druck des Arbeitgeberverbandes VSW die Vorbereitungen für die Errichtung der Beratungsstelle von der Staatskanzlei gestoppt wurden“, schreibt Lucassen und legt nach: „Wir hoffen nicht, dass sich die Staatskanzlei zum einseitigen Erfüllungsgehilfen des Arbeitgeberverbandes macht.“ Die Regierung vernachlässige sträflich die Interessen von Arbeitnehmern und Wirtschaft.

Die Staatskanzlei wies die Kritik auf Anfrage jedoch zurück. Bei den Themen werde „nichts verschleppt“, so Regierungssprecher Peter Zimmermann. Die Staatskanzlei bemühe sich in verschiedenen Gesprächen darum, „zwischen den unterschiedlichen Beteiligten einen Konsens herzustellen“.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 29. November 2007, 21:09:46
DGB Kassel straft das Forum Gewerkschaften Kassel wegen GDL-Unterstützung ab

Großen Unmut beim DGB erregte offenbar das Flugblatt "Wer schädigt eigentlich die Volkswirtschaft?" herausgegeben vom Forum Gewerkschaften Kassel. Der Flyer wurde ca. 1000 mal am Bahnhof Kassel Wilhelmshöhe während des Streiks der Lokführer verteilt und auf diversen Homepages, unter anderem beim LabourNet Germany, verlinkt bzw. eingestellt. Nun schreiben uns diese KollegInnen an: „… Das Forum Gewerkschaften Kassel hat - neben anderen Initiativen und gewerkschaftsnahen Gruppen - seit 1999 seine Post-c/o-Adresse im Kasseler DGB-Haus. Offenbar auf Druck der Gewerkschaft Transnet hat der DGB- Regionalvorstand Nordhessen jetzt beschlossen, uns ab sofort diese c/o-Adresse zu entziehen. Die formale Begründung ist, wir hätten eine Gewerkschaft außerhalb des DGB unterstützt. (…) Ferner wurden wir aufgefordert, das Flugblatt auf Euren Homepages zurückzuziehen. Natürlich wollen und können wir keinen Einfluß auf Informationen nehmen, die Euch - wie unser Fluggblatt - übermittelt wurden. Wir möchten Euch aber bitten, den bisherigen Flyer gegen den Flyer in der Anlage auszutauschen: Der Text ist identisch; lediglich die c/o- Adresse ist weggelassen…“ Die KollegInnen haben selbstverständlich gegen diesen Beschluß Widerspruch eingelegt und wollen sich politisch dagegen wehren.

Das Flugblatt (http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/tw/bahn/kasselsoli_neu.pdf)

Der Vorsitzende der DGB-Region Nordhessen war heute für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, deshalb begnügen wir uns an dieser Stelle mit dem „Motto der Woche“ von Detlef Hensche (in jW vom 22.11.2007): „Streikenden fällt man nicht in den Rücken.“


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: handkey am 01. Dezember 2007, 17:01:53
DGB Funktionäre sind Streikenden und Streikwilligen schon in den Rücken gefallen, als ich noch gaanz jung und blöd war...


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 12. Dezember 2007, 13:11:50
Zitat
MILLIONEN-DEBATTE
BASF-Betriebsrat findet hohe Managergehälter in Ordnung


Ungewöhnliche Schützenhilfe für Deutschlands Manager: Während Politiker die hohen Chef-Einkommen anprangern, verteidigt der Betriebsrat der BASF die Vergütungspraxis.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,522820,00.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Schrubberbude am 12. Dezember 2007, 21:45:16
Zitat
BASF-Betriebsrat findet hohe Managergehälter in Ordnung
Möglich, dass er prozentual daran beteiligt ist.


Gruss aus der Schrubberbude.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 15. Dezember 2007, 01:11:46
Zitat
Original von Schrubberbude
Zitat
BASF-Betriebsrat findet hohe Managergehälter in Ordnung
Möglich, dass er prozentual daran beteiligt ist.


Gruss aus der Schrubberbude.

Das war schon immer so: Wenn ein Schwein auffallend "artig" ist, bekommt es einen "Schlag" mehr........

..... Schweinefrass - verdammter!!!  :evil:


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 15. Dezember 2007, 01:26:04
Die Betriebsräte, die von der

IG Bergbau, Chemie, Energie
Vorsitzender: Hubertus Schmoldt
Königsworther Platz 6
30167 Hannover
Telefon 0511-7631-0
Telefax 0511-7631-713
http://www.igbce.de/

beeinflusst werden, sind sowieso von den Chemie-AG-Verbänden geschmiert und bestochen.

Schmoldt selbst ist der größte falsche Fuffziger - ein echter Arbeiterverräter.

Er ist Mitglied des Aufsichtsrates der Bayer AG, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der E.ON AG, der BP und weiterer Unternehmen.

siehe auch

http://de.wikipedia.org/wiki/Hubertus_Schmoldt

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/maechtigste/0,2828,245232,00.html

http://www.vsp-vernetzt.de/soz/0007023.htm

http://www.zeit.de/2003/05/Schmoldt-Kasten

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/591385/

http://blog.wiwo.de/aufwiedervorlage/eintrag.php?id=8

„Ich lehne einen einheitlichen Mindestlohn ab, weil damit die Tarifautonomie ausgehebelt würde“

sagte Hubertus Schmoldt, Vorsitzender der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), dem Handelsblatt.

Schmoldt für Kombilohnmodell
08.04.2004

Der Chef der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Hubertus Schmoldt, schlägt zur Sicherung von Arbeitsplätzen in Deutschland ein Kombilohnmodell vor.

http://37sechsblog.de/?p=373


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Krokos am 15. Dezember 2007, 01:32:07
gut das du das gepostet hast, ich wollte gerade dort hin wechseln....


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 15. Dezember 2007, 02:07:54
Wenn ein "echter Gewerkschafter" von Tarifautonomie spricht - so meint er die "unbeeinflussbare" (aber sehr einschraenkbare) Autonomie zum Kampf (auch Streik) fuer bessere Bedingungen fuer hungrige Arbeitersklaven............

Wenn ein "falscher Fuffziger" von Tarifautonomie spricht - so meint er die unbeeinflussbare und voellig enthemmbare Autonomie zum Kampf (auch Aussperrung/Pruegel/Entlassung/Ermordung von Gewerkschaftern) fuer bessere Bedingungen fuer Gewinnmaximierung..........

...... Es scheint:
David gegen Goliath - oder lassen wir endlich mal die Raeder still stehen........???


......... Die Gewinnmaximierung geht dadurch natuerlich den Bach runter!


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Krokos am 15. Dezember 2007, 15:39:10
Zitat
Original von joachimkuehnel
Die Betriebsräte, die von der

IG Bergbau, Chemie, Energie
Vorsitzender: Hubertus Schmoldt
Königsworther Platz 6
30167 Hannover
Telefon 0511-7631-0
Telefax 0511-7631-713
[url]http://www.igbce.de/[/url]

beeinflusst werden, sind sowieso von den Chemie-AG-Verbänden geschmiert und bestochen.

Schmoldt selbst ist der größte falsche Fuffziger - ein echter Arbeiterverräter.

Er ist Mitglied des Aufsichtsrates der Bayer AG, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der E.ON AG, der BP und weiterer Unternehmen.

siehe auch

[url]http://de.wikipedia.org/wiki/Hubertus_Schmoldt[/url]

[url]http://www.manager-magazin.de/unternehmen/maechtigste/0,2828,245232,00.html[/url]

[url]http://www.vsp-vernetzt.de/soz/0007023.htm[/url]

[url]http://www.zeit.de/2003/05/Schmoldt-Kasten[/url]

[url]http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/591385/[/url]

[url]http://blog.wiwo.de/aufwiedervorlage/eintrag.php?id=8[/url]

„Ich lehne einen einheitlichen Mindestlohn ab, weil damit die Tarifautonomie ausgehebelt würde“

sagte Hubertus Schmoldt, Vorsitzender der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), dem Handelsblatt.

Schmoldt für Kombilohnmodell
08.04.2004

Der Chef der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Hubertus Schmoldt, schlägt zur Sicherung von Arbeitsplätzen in Deutschland ein Kombilohnmodell vor.

[url]http://37sechsblog.de/?p=373[/url]


wobei man das nicht so pauschal sagen sollte, ich kenne zumindesestens einen Betriebsrat von denen den man aufgrund seines Handelns nicht nachsagen könnte dass er geschmiert sei, im Gegenteil !

Naja dazu später mehr, will die konkrete Situation nicht näher erklären...aber wie gesagt dazu später mehr.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 15. Dezember 2007, 17:25:20
Das Märchen von der Tarifautonomie ist eine vom Kapital angezündete Nebelkerze zur Verarschung der Bevölkerung, um ihr einen Rest von Vertrauen in das Soziale einer angeblich verbliebenen sozialen Marktwirtschaft aus Zeiten eines Ludwig Erhards und Karl Schillers zu geben. Dieses Märchen von der sozialen Marktwirtschaft bzw. Sozialpartnerschaft war zwangsweise nötig, der westdeutschen Bevölkerung solange vorzugaukeln wie es als soziales Vorbild das sozialistisches Lager gab.

Ab der erfolgreichen Zerschlagung der ostdeutschen und osteuropäischen "Kolonien" samt den eingekauften neuen Sklaven durch Zwangsvereinigung und -anschluß durch die Machenschaften der Kohlarschlochregierung und ihrer Wirtschaftsschlachterei Treuhandanstalt, die unter Kontrolle der westdeutschen Banken, AG-Verbände und Unternehmensberatungen standen, war das Soziale an einer Marktwirtschaft grundsätzlich in den besetzten Kolonien und in den eigenen Altländern nicht mehr nötig.

Jetzt galt es die ostdeutsche und osteuropäische Wirtschaft materiell und finanziell auszuplündern, auszuschlachten, sich die Filetstücke recht- oder unrechtmäßig anzueignen und unliebsame Konkurrenz niederzumachen. Die Bevölkerung aus diesen Regionen und Ländern war nur lästige Zugabe und mußte auf lange Sicht arm gemacht und beschissen werden. Nachdem das gelungen war, wendete man diese Politik des Verarmens und Verelendens an der eigenen Bevölkerung in den Altländern mit Erfolg bei fehlendem Widerstand an.

Und die westdeutschen Parteiengewerkschaften, die dem christlichen Abendland der Unternehmensparteien CDU, CSU, FDP und die der SPD-Arbeiterverräterpartei nahe stehen, haben ihren Teil dazu beigetragen, einige dicke Scheiben abzuschneiden und sich einzuverleiben.

Um die Verwirklichung von sozialer Gerechtigkeit ging es nie den Gewerkschaften in der BRD, sondern nur um die Absicherung der Pfründe für die Funktionäre und die Bindung der Mitglieder, um die Machtpositionen und die Finanzkraft halbwegs aufrechtzuerhalten.

Das Motto der Politiker, Unternehmerbosse und Gewerkschaften:

Nach uns die Sintflut und bis dahin soviel abstauben, einsacken wie möglich und sich der Verantwortung entziehen für die von Ihnen angerichteten betrieblichen und volkswirtschaftlichen Schäden. Ansonsten muß die Bevölkerung in verschiedene soziale Interessengruppen zersplittert und separiert werden, die sich gegenseitig bekämpfen statt gegen ihren gemeinsamen Hauptfeind - das nationale und internationale Banken- und Wirtschaftskapital mitsamt ihre medialen Ideologen, Politkaspern und ausführenden Beamtenbütteln vorzugehen - eben die altbewährte Politik des Kapitals vom Herrschen und Teilen - gebe dem einen Bevölkerungsteil ein bissel mehr und dem anderen ein bissel weniger, damit sie sich gegenseitig zerfleischen und solange bleibt das Kapital ungeschoren an den Schalthebeln der Macht und betreibt seine Ausbeuterei und Unterdrückung des eigenen und anderer Völker ungeschoren weiter.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 15. Dezember 2007, 17:40:12
Krokos, ich erinnere in diesem Zusammenhang an das Zusammenwirken der Salzgitter AG und der Gewerkschaft BCE wie sie nach der Zwangsvereinigung nur für den Erhalt westdeutscher, aber nicht für den Erhalt der ostdeutschen Arbeitsplätze im Kalibergbau eintraten.

Stichwort: Bischofferode und die Machenschaften von BCE, Salzgitter AG und die vergebliche Abwehrhaltung eines der Treuhandfunktionäre - Schucht.

Mit der Sanierung der ostdeutschen Kaliindustrie und des Braunkohlenbergbaus hat sich die BCE nicht mit Ruhm bekleckert und nicht um den Erhalt dieser Arbeitsplätze gekümmert wie es im Gegensatz um die stark subventionierten Steinkohlenarbeitsplätze im Ruhrgebiet ging. Die Kumpels im Ruhrgebiet konnten sehr schnell und plötzlich bei der BCE und bei den Bonner Politikern auf der Matte stehen und für Schaden sorgen, wogegen die ostdeutschen Bergarbeiter einen längeren Anmarschweg hatten, organisatorisch gespalten wurden und ihrer ehemaligen, eigenen Gewerkschaften beraubt wurden.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: zweimal am 15. Dezember 2007, 18:38:53
Zitat
Original von joachimkuehnel



Nachdem das gelungen war, wendete man diese Politik des Verarmens und Verelendens an der eigenen Bevölkerung in den Altländern mit Erfolg bei fehlendem Widerstand an.






das ist doch nicht erst seit 1989 so - ok, vorher konnte man nicht so ganz einfach wie heute


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 15. Dezember 2007, 19:42:41
Ich halte es für nötig genau hinzuschauen und da wo nötig, klar und deutlich zu kritisieren. Die Gewerkschaften sind kein einheitlicher, monolitischer Block mit einer einheitlichen Politik. In jeder Gewerkschaft gibt es auch gute Leute mit denen es lohnt zusammenzuarbeiten. Auch finde ich verdi mit ihrem Streiks im Einzelhandel im Moment für vorbildlich.

Alle in einen Pott zu schmeißen und pure Gewerkschaftfeindlichkeit halte ich für falsch und gefährlich.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 16. Dezember 2007, 00:41:51
Zitat
Original von ManOfConstantSorrow
Ich halte es für nötig genau hinzuschauen und da wo nötig, klar und deutlich zu kritisieren. ...................................
..........................................
Alle in einen Pott zu schmeißen und pure Gewerkschaftfeindlichkeit halte ich für falsch und gefährlich.

Deshalb auch die o.g. klare Unterscheidung vom echten Gewerkschafter zum falschen Fuffziger. Es gibt die aufrechten Kaempfer auch in den DGB-Gewerkschaften. Nur leider werden diese und deren Meinungen/Einstellungen/Kampfeswillen in den verfilzten Apparaten einfach zerrieben!

Wenn diese Leute erkannt werden, sollten wir alle uns mit ihnen solidarisieren, sie unterstuetzen, aber dennoch nicht alle Hoffnungen auf sie ablasten und alternative Loesungswege aus unseren Reihen bevorzugen.

Ansonsten bleibe ich der Meinung: Gewerkschaft ist nicht das, was sich dazu erklaert und von der Gegenseite anerkannt wird, Gewerkschaften sind die Zusammenschluesse von Betroffenen mit einem gemeinsamen Ziel! Unabhaengig vom Willen der Gegenseite oder eines Gesetzgebers!

Legitimiert zu sein provoziert immer die Frage: Vom wem wird was/wer "legitimiert"?...... und - zu was?


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Krokos am 16. Dezember 2007, 00:57:23
aber zu behaupten dass alle Betriebsräte von denen geschmiert wären, das ist schon etwas übertrieben.
Ich denke in jeder Gewerkschaft gibt es einige falsche Fuffziger und das ist auch völlig normal.
Was aber nicht normal ist, dass ausgerechnet der Vorsitzende ein falscher Fuffziger ist...


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 16. Dezember 2007, 01:10:03
Zitat
Original von Krokos
....................................
Was aber nicht normal ist, dass ausgerechnet der Vorsitzende ein falscher Fuffziger ist...

Wenn ein Vorsitzender ein falscher Fuffziuger ist - und es als solches erkannt wurde, dann ist es die oberste Aufgabe der Mitglieder und deren Delegierter, diesen falschen Fuffziger des Amtes zu entheben.......


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 16. Dezember 2007, 12:35:02
Zitat
Original von BakuRock
Zitat
Original von Krokos
....................................
Was aber nicht normal ist, dass ausgerechnet der Vorsitzende ein falscher Fuffziger ist...

Wenn ein Vorsitzender ein falscher Fuffziuger ist - und es als solches erkannt wurde, dann ist es die oberste Aufgabe der Mitglieder und deren Delegierter, diesen falschen Fuffziger des Amtes zu entheben.......

Da liegt die Antwort gleich auf der Hand:

Johann Wolfgang von Goethe, Faust, Tragöde I. Teil, Studierzimmer

"... Mephistopheles.

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie,
Und grün des Lebens goldner Baum. ..."


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 27. Januar 2008, 14:16:28
Ein weiteres Kapitel des gewerkschaftlichen Gruselprogramms:

Interview mit Martina Perreng, Juristin beim DGB zum Thema "Überstunden" in der Süddeutschen:

Zitat
Wer pünktlich geht, macht sich überflüssig


Empfielt sie zu kuschen?

Zitat
SZ:  Wie kann man sich wehren?
Perreng:  Um sich zu wehren, fehlt Arbeitnehmern die Marktmacht.
http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/artikel/722/154324/2/

Was???? Den "Arbeitnehmern" fehlt die Marktmacht??????
Es gäbe keinen Markt würden die Arbeiter ihre Arbeit verweigern.
Alle Macht liegt bei den Arbeitern! Sie nutzen sie nur nicht.

Und die Gewerkschaften organisieren keinen Kampf und somit keinerlei Macht.

Dann kann man auch über fehlende Macht jammern.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 29. Januar 2008, 14:59:37
„…Immer mehr Betriebsräte versuchen, mit eigenen Vorschlägen in die Offensive zu kommen – frei nach dem Slogan der IG Metall »Besser statt billig«. (..) Das Ergebnis sind häufig Vorschläge zur Effektivierung der Arbeitsabläufe. So soll eine betriebliche Lohndiskussion vermieden werden, die zur Kürzung von tariflichen Löhnen oder Zuschlägen führt. (..) Hier denken viele Betriebsräte fast schon unternehmerisch – diese Form des »Co-Management« dient dem Erhalt der Arbeitsplätze und ergibt sich aus dem Vorschlagsrecht zur Beschäftigungssicherung nach § 92 a BetrVG. (..) Das Beispiel Nokia macht aber auch deutlich: Tiefgreifende gesetzliche Schranken bei Verlagerung und Massenentlassungen existieren nicht. Die Einsicht des Unternehmens ist entscheidend. Das bedeutet in der Praxis meist, das Verzögerung das Einzige ist, was ein Betriebsrat gegen eine rücksichtslose Geschäftsführung maximal erreichen kann.“

http://www.neues-deutschland.de/artikel/122885.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 13. Februar 2008, 21:48:55
Zitat
Im Prozess um Lustreisen und Korruption bei VW droht Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert eine mehrjährige Gefängnisstrafe. Volkert ist wegen Anstiftung zur Untreue in 48 Fällen angeklagt. Besonders schwer wiegen laut Staatsanwaltschaft die Sobnderboni von insgesamt fast zwei Millionen Euro, die er über mehrere Jahre hinweg erhalten habe.

http://www.handelsblatt.com/News/Unternehmen/Industrie/_pv/_p/200038/_t/ft/_b/1390607/default.aspx/volkert-droht-hohe-haftstrafe.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 13. Februar 2008, 21:55:09
Und ein, zwei, drei wird man gegen ein kleines Schmiergeld ans Gericht die Verurteilung wieder milde ausfallen lassen. Esser, Ackermann, Hartz und Co. machen es vor! Recht von der Klassenjustiz muß man sich eben leisten können. Und viele Arbeitslose und AN können sich das Recht nicht leisten, auch wenn sie Recht haben.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 21. Februar 2008, 11:46:32
Zitat
In der chemischen Industrie ist der erste große Tarifabschluss dieses Jahres perfekt.

Die 550 000 Beschäftigten erhalten 3,6 Prozent mehr Geld – für eine Laufzeit von 13 Monaten. Für einen Monat zuvor erhalten sie zudem eine pauschale Einmalzahlung von 70 Euro. Darüber hinaus gibt es für 13 Monate jeweils eine flexible Einmalzahlung von 0,7 Prozent. Das sieht der Tarifabschluss vor, auf den sich Arbeitgeber und Gewerkschaft IG BCE am Donnerstag in Lahnstein geeinigt haben. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von insgesamt 14 Monaten.

http://www.focus.de/finanzen/news/tarifabschluss_aid_50027.html

Zitat
BASF will Dividende um 30 Prozent erhöhen

Der Chemiekonzern BASF will die Dividende deutlich erhöhen und plant einen Aktiensplit im Verhältnis eins zu zwei. Auch für die Zukunft macht das Unternehmen den Aktionären Hoffnung. Doch die Anleger sind schwer zu begeistern: Wie auch Analysten haben sie sich offenbar vom vierten Quartal mehr versprochen.

http://www.handelsblatt.com/News/Unternehmen/Industrie/_pv/_p/200038/_t/ft/_b/1394084/default.aspx/basf-will-dividende-um-30-prozent-erhoehen.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 21. Februar 2008, 16:47:20
Mag Wompel im LabourNet:

Zitat
Die Gewerkschaftsstrukturen sind im Allgemeinen hierarchisch und widerspiegeln den Kapitalismus des 19.Jahrhunderts, zu dessen Bekämpfung sie aufgebaut wurden.

Welche Information wem und wann zur Verfügung gestellt wird, wird normalerweise von den offiziellen Gewerkschaften im Voraus definiert. Der Dienstweg muß unter allen Umständen eingehalten, jeder Arbeitskampf von oben organisiert und von oben wieder abgepfiffen werden.

Klassisches Beispiel für den unterschiedlichen Ansatz zwischen den Gewerkschaftsbürokratien und dem LabourNet Germany sind daher Tarifverhandlungen. Während die „einfachen Gewerkschaftsmitglieder “ in der Regel die aufgestellte Tarifforderung aus der Presse erfahren, vielleicht auch einmal zu Warnstreiks herauskommandiert werden und abschließend das Tarifergebnis mitgeteilt bekommen, bemüht sich das LabourNet um die Anregung der aktiven Beteiligung aller Gewerkschaftsmitglieder und ihre Mitbestimmung über alle Schritte von der Forderung bis hin zur Annahme oder Ablehnung des Ergebnisses sowie nachträgliche kritische Debatte der angewandten Strategien. Wobei v.a. der letzte Punkt, sich auch wirklich kritisch mit dem Erreichten auseinander zu setzen, von den Gewerkschaften im Allgemeinen unterdrückt wird.


http://www.labournet.de/ueberuns/medienbuch.pdf


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 22. Februar 2008, 13:14:35
Zitat
Der frühere Betriebsratschef des Volkswagen-Konzerns, Klaus Volkert, muss ins Gefängnis. Das Landgericht Braunschweig verurteilte ihn im VW-Korruptionsprozess wegen Beihilfe und Anstiftung zur Untreue zu zwei Jahren und neun Monaten Haft. Ex-Personalmanager Klaus- Joachim Gebauer bekam eine Bewährungsstrafe.

http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/unternehmen/:VW-Aff%E4re-Volkert-Gef%E4ngnis/611958.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Kater am 06. April 2008, 17:39:04
Zitat
Aldi soll Gewerkschaft unterstützt haben

Ein neuer Fall von Einflussnahme auf Arbeitnehmer-Organisationen? Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" soll die Supermarktkette Aldi der Gewerkschaft AUB einen Mitarbeiter zur Schulung von Betriebsräten finanziert haben.

München - Im Zentrum der Affäre soll Wilhelm Schelsky stehen, der ehemalige Chef der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB). Schelsky, früher Betriebsrat bei Siemens, sitzt seit Februar 2007 in Untersuchungshaft. Er soll insgesamt rund 50 Millionen Euro von Siemens erhalten haben, um die Gewerkschaft AUB zu einem arbeitgeberfreundlichen Gegengewicht der IG Metall auszubauen.

Bei ihren Ermittlungen gegen Schelsky nun stieß die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" auf dessen finanzielle Verbindung zu Aldi, genauer: zu Aldi Nord. Die Staatsanwaltschaft und die Sonderkommission "Amigo" der Kriminalpolizei Nürnberg ermitteln bereits seit Ende 2006 in der sogenannten AUB-Affäre gegen zahlreiche Beschuldigte, unter anderem frühere Siemens-Manager.

Die Zeitung berichtet, Schelsky habe in den Vernehmungen der Justiz zugegeben, dass die Supermarktkette über eine Essener Anwaltskanzlei mit 120.000 Euro pro Jahr Mike B., einen AUB-Mitarbeiter, finanziert habe. Dieser soll sich um Schulungen von Aldi-Betriebsräten gekümmert haben. Zu SPIEGEL ONLINE sagte der Justizsprecher des Oberlandesgerichtsbezirks Nürnberg, Andreas Quentin, er wolle sich derzeit dazu nicht erklären.

Die Aldi Einkauf GmbH bestätigte laut "SZ" die Zahlungen. Sie seien bis 2006 erfolgt. Aldi-Nord-Betriebsräte hätten Schelsky und die AUB als vertrauenswürdige Alternative zur Gewerkschaft Verdi präsentiert. Man habe Schelsky bis zu seiner Verhaftung für einen legitim handelnden "Gewerkschaftsvorsitzenden AUB" gehalten, ließ sich die Aldi Einkauf GmbH von der "SZ" zitieren. Es sei bei der Zusammenarbeit nicht darum gegangen, die Betriebsratsarbeit bei Aldi Nord zu behindern, nur die Gewerkschaft AUB habe interessiert.

Die Personalkosten von Mike B. habe man übernommen, um insbesondere Schulungen in Ostdeutschland zu ermöglichen. Nach Angaben der Aldi Einkauf GmbH gegenüber der "SZ" erfolgten die Zahlungen an eine private Firma von Schelsky, die nach Kenntnis von Aldi die Verwaltung der AUB übernommen hatte.

Warum liefen die Zahlungen über einen Anwalt der Supermarktkette? Der "SZ" zufolge erklärte die Aldi Einkauf GmbH: "Wir haben die Zahlungen nicht direkt vorgenommen, um so dem Eindruck entgegenzutreten, wir würden die Schulungen beeinflussen." Das sei auch nicht der Fall gewesen. "Nach unserer Kenntnis fand die Tätigkeit von Herrn B. bei den Betriebsräten uneingeschränkte Zustimmung", wird Aldi zitiert.

Die Aldi Einkauf Gmbh Nord war am Sonntag für SPIEGEL ONLINE nicht erreichbar. Auch der Anwalt von Schelsky war für SPIEGEL ONLINE nicht erreichbar.

Mit Anklageerhebung gegen Schelsky wegen der mutmaßlichen Millionenzahlungen von Siemens ist noch in der ersten Jahreshälfte 2008 zu rechnen. Konkret werden dem Ex-Betriebsrat Beihilfe zur Untreue und Steuerstraftaten vorgeworfen.


http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,545698,00.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 06. April 2008, 19:53:49
Die AUB und die christlichen Gewerkschaften sind in dem Sinne keine Interessenvertreter der Erwerbstätigen und Arbeitslosen, sondern gekaufte Spießgesellen der AG-Verbände, die so tun als ob sie sich für AN-Interessen einsetzen. Es sind CDU-CSU-Parteibefehlsempfänger.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Kater am 13. April 2008, 17:52:11
Zitat
Meuterei im Gewerkschaftslager
von Maike Rademaker (Berlin)

Dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) steht ein radikaler Umbau bevor. Nach zwölf Jahren Diskussion müsse die DGB-Reform "endlich angepackt werden", sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber in Frankfurt. Doch der Konflikt darüber dürfte sich nun verschärfen.

Die Initiative geht dabei von den Mitgliedsgewerkschaften aus. Die IG Metall wolle noch bis zum Sommer ein Eckpunktepapier vorlegen, wie man die Entwicklung der Dachorganisation sehe, so Huber. Die mitgliederstärkste Gewerkschaft Deutschlands ist dabei nach Informationen der FTD inzwischen federführend vom DGB-Bundesvorstand beauftragt, die Positionen der sieben anderen Gewerkschaften einzuholen.

Die Gewerkschaften sind über das Ausmaß des Umbaus allerdings tief gespalten. Während ein Flügel an einem starken politischen Dachverband festhält, möchte ein anderer Flügel den Dachverband abschaffen. "Ich stelle den DGB nicht infrage", betonte Huber. "Wenn jetzt nicht gehandelt wird, wird uns die Wirklichkeit zum Handeln zwingen", sagte der IG-Metall-Chef.

Hubers Vorstoß ist ein deutlicher Appell an die Gewerkschaftskollegen, sich rasch auf eine Reformlinie zu einigen. Dabei setzte er auch DGB-Chef Michael Sommer indirekt unter Druck: "Wenn Sommer sich an die Spitze der Diskussion setzt, wird ihn die IG Metall nicht im Stich lassen." Der DGB-Chef gilt als isoliert, der Dachverband als politisch schwach. Auf dem Bundeskongress erhielt Sommer mit 78,4 Prozent der Stimmen zuletzt ein schlechtes Ergebnis.

Reformbedarf gibt es allein durch die finanzielle Situation des Verbands. Die Einzelorganisationen führen zwölf Prozent ihrer Jahreseinnahmen an den DGB ab. "Ich fürchte den Tag, an dem die erste Gewerkschaft sagt, sie könne die zwölf Prozent nicht zahlen", sagte Huber. Alle DGB-Gewerkschaften leiden unter Mitgliederschwund.

Unpolitischer Kurs
"Wir müssen uns fragen, welche Aufgaben ein DGB mit wenig Mitgliedern hat", sagte Huber. Dazu gehöre die Entscheidung, ob man dem DGB neue politische Aufgaben und Verantwortung zuweise oder die Koordination der Mitglieder die Hauptaufgabe sei. Seiner eigenen Gewerkschaft hat der im Herbst frisch gewählte Huber bereits einen unpolitischen Kurs verordnet. Überragendes Ziel ist die Mitgliederwerbung. "Für die IG Metall entscheidet sich die Zukunft im Betrieb, nicht auf der Straße", sagte er. Man wolle künftig brachliegende Mitgliederpotenziale in einzelnen Branchen erschließen, kündigte Huber an.

Die öffentliche Wahrnehmung des DGB wird dagegen von Streitigkeiten seiner Mitglieder dominiert. So beharkten sich Verdi, IG Metall und IG BCE in den vergangenen Jahren mehrfach öffentlich über politische Strategien der SPD oder den gesetzlichen Mindestlohn.

Der DGB konnte weder mit der Kampagne für einen gesetzlichen Mindestlohn noch mit dem Kampf gegen die Rente mit 67 politisch punkten. Weiteren Reformdruck gibt es durch die Tendenz zu Spartengewerkschaften wie der Lokführerorganisation GDL, die nicht im DGB ist, und dem Christlichen Gewerkschaftsbund (CGB), mit dem vor allem im Osten die Arbeitgeberverbände zunehmend verhandeln.

Der DGB hat sich zwar seit 2006 auf regionaler Ebene restrukturiert. Auf weitere, grundlegende Reformen haben sich die Mitglieder aber trotz jahrelanger Debatten nie einigen können. Ursache der Lähmung ist dabei auch die gestiegene Machtfülle einzelner Mitglieder: Seit Mitte der 90er-Jahre gab es zahlreiche Fusionen der Gewerkschaften.


http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Meuterei%20Gewerkschaftslager/341140.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 25. April 2008, 16:12:58
Gewerkschaftliche Niedriglohnpolitik: Verdi setzt auf prozentuale Steigerungen statt auf Festbetragsforderungen – zum Nachteil der Geringverdiener

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27791/1.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Kater am 30. April 2008, 17:57:25
Zitat
Kritik am Gewerkschaftsriesen

Berlin (ddp). Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) steckt nach Auffassung von Fachleuten in einer Existenzkrise. Der Politikwissenschaftler Josef Esser sagte der Nachrichtenagentur ddp: «Der DGB hat kaum noch eine Funktion und wird von den Großgewerkschaften fast nicht mehr ernst genommen.» Sollten sich die Strukturen nicht ändern, laufe der Dachverband Gefahr, vollkommen überflüssig zu werden. Auch mehrere Mitgliedsgewerkschaften hatten angekündigt, den DGB radikal umbauen zu wollen. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach verteidigte den Verband am Mittwoch gegen Kritik.

Esser sagte, der DGB müsste eigentlich die Aufgabe übernehmen, die Interessen und Stimmen der Gewerkschaften zu bündeln. Dies gelinge dem Verband jedoch immer weniger, er sei mittlerweile «sehr schwach». «Daran ist der DGB aber nicht allein schuld», betonte der Frankfurter Professor. Die Einzelgewerkschaften sprächen «mit unterschiedlichen Zungen» und folgten oft einem eigenständigen Kurs. Viele hätten das Vertrauen in den Dachverband verloren. Der DGB habe sich im Gegenzug nicht immer ausreichend um die Mitgliedsverbände gekümmert. «Das ist ein schleichender Prozess», sagte Esser. Ein «starker» DGB sei jedoch sehr wichtig.

Die IG Metall und die Chemiegewerkschaft IGBCE hatten vor wenigen Tagen offen eine Neuausrichtung des Spitzenverbandes gefordert. Der DGB müsse schlagkräftiger und in der Öffentlichkeit präsenter werden und gegenüber der Politik als «ernst zu nehmender Gesprächspartner» auftreten, lautete die Kritik. Auch teure Parallelstrukturen müssten abgeschafft werden.

Buntenbach verteidigte ihren Verband gegen die Angriffe. Als politische Vertretung und Dachverband habe der DGB nach wie vor große Unterstützung in den Gewerkschaften. Die Diskussion um einen Umbau der Organisation laufe. Bis zum Jahresende sollten Ergebnisse vorliegen.

Der DGB hat in den vergangenen zehn Jahren rund ein Viertel seiner Mitglieder verloren. Heute haben die acht großen Einzelgewerkschaften des Dachverbandes zusammen noch rund 6,4 Millionen Mitglieder. Einige der Einzelgewerkschaften sprechen jedoch von einer «Trendwende» bei ihrer Mitgliederentwicklung.

Die IG Bauen, Agrar und Umwelt (IG Bau), die seit 1997 mehr als 46 Prozent ihrer Beitragszahler verloren hat, konnte ihren Mitgliederschwund im ersten Quartal 2008 bremsen. Eine leichte Erholung verzeichnete auch die IGBCE. Die IG Metall, mit 2,3 Millionen Mitgliedern die größte Einzelgewerkschaft unter dem DGB-Dach, büßte im ersten Quartal 2008 rund 6000 Mitglieder ein - und verbuchte damit nach eigener Auffassung einen Erfolg. «Wir haben die Talsohle durchschritten», sagte eine Sprecherin.

Gewerkschaftsforscher Esser bremste auch in der Hinsicht den Optimismus. «Generell von einer Trendwende zu reden, halte ich für sehr übertrieben», sagte er und fügte hinzu: «Der Mitgliedsschwund ist keineswegs gestoppt, er ist nur geringer geworden.» Es gebe zwar einige positive Entwicklungen. So hätten die Gewerkschaften durch mehrere erfolgreiche Tarifabschlüsse in den vergangenen Monaten an Attraktivität gewonnen. Auch das Klima in der Bevölkerung habe sich gewandelt. Angesichts der Probleme auf dem Arbeitsmarkt würden die Gewerkschaften positiver wahrgenommen.

Trotzdem seien viele Menschen auch angesichts der Missstände nicht in Gewerkschaften organisiert. Gerade in den großen Bereichen des Niedriglohnsektors und der Zeitarbeitsbranche gebe es noch «riesige gewerkschaftsfreie Zonen». «Dabei hätten gerade diese Arbeitnehmer die Unterstützung am meisten nötig», sagte Esser.


http://de.news.yahoo.com/ddp/20080430/tde-kritik-am-gewerkschaftsriesen-96c1d74.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 01. Mai 2008, 09:45:49
Zitat
Gewerkschaftsgerangel bei der Lufthansa: Beim Flugkonzern buhlen ein halbes Dutzend Organisationen um die Gunst der Mitarbeiter. Das führt inzwischen zu bizarren Szenen - wie jetzt bei einer Demonstration, als Mitglieder der einen Arbeitnehmergruppe gegen die andere demonstrierten.

(...)

Bei der Lufthansa buhlen schon ein halbes Dutzend Organisationen um die Gunst der Mitarbeiter. Ver.di vertritt das Boden- und Kabinenpersonal, die VC die Piloten, Ufo verhandelt für die Flugbegleiter. Hinzu kommen Abspaltungen wie "Kabine Klar", "Mitarbeiter für Mitarbeiter" oder "Vereinigung Boden".


link (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,550790,00.html)


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 01. Mai 2008, 15:04:05
Vielleicht gründet man noch wegen der Vielfalt und Ausgewogenheit eine weitere, überflüssige Gewerkschaft, z.B. die des Schutzpatrons St. Christophorus.

Gläubige führen bis heute Bilder von dem Schutzpatron der Reisenden im Fahrzeug mit. Auf das Flugwesen kann man das durchaus ausweiten, ist ja auch ein Fahrzeug..
  • Die Notarzthubschrauber des ÖAMTC in Österreich heißen Christophorus (siehe Christophorus Flugrettungsverein). Rettungshubschrauber haben in Deutschland den BOS-Funk-Rufnamen Christoph.
  • In Deutschland verkehrte seit den 60er Jahren bis 2007 ein Autoreisezug Düsseldorf - München mit dem Namen „Christophorus-Express“
  • Das Kundenmagazin des Sportwagenherstellers Porsche trägt den Namen „Christophorus“.
  • Das Versicherungswesen beruft sich auch auf Christophorus:
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vergibt seit 1957 den Christophorus-Autorenpreis für hervorragende publizistische Leistungen auf dem Gebiet Sicherheit im Straßenverkehr. Seitdem wurden bereits über 150 Verlage und Rundfunkanstalten sowie über 600 Journalisten und Schriftsteller ausgezeichnet. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Der GDV verfolgt damit das Ziel, das Engagement von Presse und Rundfunk im Bereich der Verkehrssicherheit zu fördern und durch aufklärende Artikel zur Vermeidung von Unfällen beizutragen.Christophorus-Stiftung

[/list]Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Christophorus


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Kater am 09. Mai 2008, 15:46:06
Zitat
Große Unzufriedenheit bei Gewerkschaftsmitgliedern laut Umfrage

Essen (AP) Mehr als eine Million Gewerkschaftsmitglieder sind einer DGB-Umfrage zufolge unzufrieden mit ihrer Organisation. Dies geht nach einem Bericht der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» aus einer Infratest-Erhebung im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes hervor. «Jedes 4. Mitglied (24 Prozent) ist als gefährdet einzustufen», knapp die Hälfte davon mit Blick auf einen möglichen Gewerkschaftsaustritt «stark gefährdet», heißt es demnach in der Auswertung der Umfrage, die der Zeitung nach eigenen Angaben vorliegt.

Der DGB bestätigte auf AP-Nachfrage die Existenz der Studie, wollte sich zu Details zunächst jedoch nicht äußern. Die Umfrage sei aber nicht so negativ ausgefallen wie dargestellt, sagte DGB-Sprecherin Claudia Falk. Sie habe beispielsweise ergeben, dass drei Viertel der Befragten ihren Kollegen eine Mitgliedschaft in der Gewerkschaft empfehlen würden. Ein Teil der Ergebnisse sei auch in der aktuellen Ausgabe des DGB-Magazins «einblick» veröffentlicht worden. Ansonsten handele es sich jedoch um eine interne Studie «um zu sehen, wo stehen wir».

Die Zeitung berichtete unter Berufung auf die Analyse, unter den «gefährdeten» Mitgliedern befänden sich «überdurchschnittlich viele, die beruflich erfolgreich sind», wie Facharbeiter und Gesellen. Diese Mitglieder hielten die Bemühungen, die Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern, für sich selbst für nicht so bedeutsam. Seit 1994 seien die DGB-Gewerkschaften um 1,7 Millionen Mitglieder auf 4,3 Millionen geschrumpft, schrieb das Blatt. DGB-Sprecherin Falk betonte dagegen, die Mitgliederzahl liege bei rund 6,4 Millionen.

Kritik an geringem Erfolg bei Tarifverhandlungen

Die unzufriedenen Mitglieder werfen dem Bericht zufolge den Gewerkschaften vor, ihre Schutzfunktion zu vernachlässigen, die Arbeitswirklichkeit nicht zu kennen und sich zu wenig um die Beschäftigten in den Betrieben zu kümmern. Zudem bemühten sie sich nicht genug um den Erhalt der Arbeitsplätze, hätten zu geringen Erfolg bei Tarifverhandlungen und verträten die Interessen der Arbeitnehmer nur unzureichend.

Dass die «gefährdeten» Mitglieder noch nicht ausgetreten sind, sei vor allem auf die Rechtsberatung der Gewerkschaften und auf persönliche Kontakte zu Betriebsräten zurückzuführen, zitierte das Blatt die Analyse. Auch die Bemühungen der Gewerkschaften um die Altersvorsorge zähle zu den «Rest-Ankern», die diese «gefährdeten» Mitglieder noch an die Gewerkschaften binde.

Allerdings zeige die Umfrage auch, dass die Gewerkschaften unter Nicht-Mitgliedern beträchtliches Potenzial hätten, um neue Mitglieder zu werben. Zwar zeigten 26 Prozent der Nicht-Mitglieder Distanz, 55 Prozent stünden den Gewerkschaften jedoch eher neutral gegenüber. 19 Prozent sähen sich sogar nahe bei den Gewerkschaften.

Frauen beklagen mangelnden Einsatz für Familien

Besonders unter Frauen, Auszubildenden, Arbeitnehmern in Teilzeit und unsicherer Beschäftigung sowie bei den unter 40-Jährigen besteht demnach eine positive Haltung zu den Gewerkschaften und ihrer Arbeit. Dennoch hätten viele erklärt, es zahle sich für sie nicht aus, Mitglied zu werden. Vor allem Frauen hätten kritisiert, dass sich die Gewerkschaften zu wenig für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzten, schrieb die Zeitung.


http://de.news.yahoo.com/ap/20080509/tde-groe-unzufriedenheit-bei-gewerkschaf-3fc80be.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 16. Mai 2008, 16:22:00
Um es nicht bei einer vagen Unzufriedenheit bleiben zu lassen, die leicht zur Resignation führen, hier ein paar Konkretisierungen:

1. Es muß eine Möglichkeit gefunden werden, daß die Gewerkschaft nicht gegen den Willen der Basis Arbeitskämpfe abblasen/abwürgen kann.

2. Lohnforderungen sollen nicht länger prozentual erfolgen, wobei hauptsächlich die oberen Lohngruppen proftieren. Festgeldforderungen sind die richtige Alternative!

3. Korruption findet nicht allein durch "Lustreisen" und Prostituierte statt. Die vollständige Freistellung von Betriebsräten ist bereits eine Korrumpierung. Viele tun dann alles um bloß nicht zurück in die Produktion gehen zu müssen. Ich kenne einen Betriebsrat, der sich geweigert hat, die Freistellung anzunehmen. Er ist zurück an die Maschine gegangen, um den Kontakt zu den Kollegen und ihren Interessen nicht zu verlieren. Er nahm sich nur die Zeit, die er zur Beratung und zur notwendigen Büroarbeit brauchte. Die Vollständige Freistellung und weitere Privilegien für Betriebsräte sind abzuschaffen!


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 16. Mai 2008, 16:37:11
Ab einer bestimmten Betriebsgröße kann man nicht mehr ehrenamtlich Betriebsrat spielen, sondern muß in ernsthafter hauptamtlicher Funktion Betriebsratsaufgaben ausüben. Siehe auch gewerkschaftliche Wahlordnungen zu Betriebsräten.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 16. Mai 2008, 16:50:30
Das halte ich für Unsinn. Selbst in der Autoindustrie könnten Betriebsräte die Aufgaben, sich Überblick zu verschaffen und notwendig Organisationsarbeit zu verrichten, untereinader aufteilen. Von den Freigestellten wurden ja genau diese Aufgaben nicht mehr vernünftig erfüllt, trotz ausreicheder Zeit; im Gegenteil, von ihnen wurden nur die Pläne des Mangements abgenickt und den Ex-Kollegen gegenüber schöngeredet.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 21. Mai 2008, 14:18:01
Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken
Herbstkongress am 25./26. Oktober 2008 in Frankfurt/M.
Vorläufiger Titel:
"Gewerkschaftspolitik – Über die Sozialpartnerschaft hinaus zur vollen Kooperation?!"


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 24. Mai 2008, 18:40:06
Es wird ja fast schon dadaistisch, wie sich die Gewerkschaften selbst darstellen.

Erinnert man sich nicht mehr im Ansatz daran, daß man mal eine Kampforganisation war?

Jetzt ist es bestenfalls Dienstleistung.

Eine Hüpfburg zum 1. Mai.

Und jetzt der FAIR-Leih-Truck "Mit 300 PS für gleiche Bezahlung"
(http://www.gleichearbeit-gleichesgeld.de/w/gfx/large/ig-metall/truck1.jpg)

Ein irre teurer Sattelschlepper mit Showroom, irgendwo zwischen Loveparade und Verkaufsshow einer Handyfirma.

Soooo will man Leiharbeiter organisieren??????


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Kater am 30. Mai 2008, 18:04:26
Zitat
Am 27. Mai 2008 wurde in Berlin ein seit 1997 leer stehendes Haus der Gewerkschaft ver.di besetzt. Der Versuch der Besetzer_innen mit der Dienstleistungsgewerkschaft zu verhandeln scheiterte an deren fehlender Gesprächsbereitschaft. Ver.di erstattete Strafanzeige, woraufhin das Haus von 300 Polizist_innen geräumt wurde. Hierbei gingen die Polizeikräfte vor allem gegen einigen hundert vor dem Haus stehenden Sympathisat_innen mit brutaler Gewalt vor.


http://www.chefduzen.de/thread.php?postid=128643#post128643


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: beickmann am 30. Mai 2008, 18:52:02
Die Gewerkschaften in Deutschland stehen doch längst auf der anderen Seite.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 31. Mai 2008, 01:58:00
Zitat
Original von beickmann
Die Gewerkschaften in Deutschland stehen doch längst auf der anderen Seite.

Nochmals: Trennt bitte immer zwischen den Hauptamtlichen (bezahlten) "Gewerkschaftern" und den echten, aufrichtigen Gewerkschaftern an der Basis!

"Gewerkschaft" ist immer der Zusammenschluss von ArbeiterInnen mit gleichen Interessen, die sich gegen die Machenschaften von Machtgeilen und Raffgierigen wehren wollen. Der Begriff (das Wort) "Gewerkschaft" sollte nicht auch noch verunglimpft und negativ belegt werden. Allzu oft ist in der Vergangenheit schon so Einiges an Begriffen durch Missbrauch von Idioten fast unbrauchbar gemacht worden.

Deshalb, @beickmann, differenzier bitte zwischen den Hauptamtlichen und den Engagierten.

Die wahren Gewerkschaften sind die sich selbst findenden und organisierenden Belegschaften der Betriebe - also die ArbeiterInnen. Alles andere ist Taeuschung! und mediale Irrefuehrung.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 27. Juni 2008, 13:06:24
Zitat
Endzweck Rentabilität

TARIFPOLITIK*Plädoyer für eine nüchterne Einschätzung des gewerkschaftlichen Nachfrageoptimismus


Autos kaufen keine Autos" - auf diese Kurzformel, die ausgerechnet vom Erzkapitalisten Henry Ford stammt, wird bei ver.di die bei den Gewerkschaften allgemein so beliebte "Kaufkrafttheorie" des Lohns gebracht. Eine auf den ersten Blick attraktive und eingängige Lösung der wirtschaftspolitischen Probleme, verknüpft sie doch den Wohlstand der Arbeitnehmer mittels Lohnerhöhungen mit den Profitaussichten des Kapitals. Eitel Sonnenschein allerorten! Wären da nicht die Unternehmer, die borniert einzelwirtschaftlich denken und Lohnsteigerungen nur als Kostenerhöhungen betrachten wollen - nicht aber ihre volkswirtschaftlich segensreiche Funktion der Nachfragesteigerung sehen können.

Vorweg: Es geht hier nicht darum, die Berechtigung von Lohnforderungen in Zeiten eines dramatisch gefallenen Nettoreallohns bei gleichzeitig explodierenden Gewinnen in Frage zu stellen. Lohnerhöhungen, die zumindest das Produktivitäts- und Inflationswachstum voll ausschöpfen, sind eine Voraussetzung volkswirtschaftlicher Dynamik. Auch kann eine kontinuierliche Senkung des Lohnniveaus tatsächlich Teil einer katastrophalen Deflationsspirale sein, die die Volkwirtschaft insgesamt nach unten zieht. Und es geht hier auch nicht darum, notwendige staatliche Ausgaben für die soziale Sicherheit, notwendige Investitionen in die mehr und mehr verrottende Infrastruktur oder Mittel zur Behebung der Bildungs- und Forschungsmisere anzuzweifeln.

Worum geht es dann? Es geht um berechtigte Zweifel. Die immer wieder und nicht nur von ver.di propagierte Funktion des Lohns als Nachfragefaktor im Konjunkturaufschwung, die behauptete nachhaltige Steigerung der Binnennachfrage durch Lohnerhöhungen blendet wichtige Argumente aus.

Schon die Statistik belehrt uns eines Besseren: In den neun- bis elfjährigen Zyklen der (west-)deutschen Wirtschaft seit 1950 ging im volkswirtschaftlichen Wachstum immer der Anstieg der Investitionen dem Anstieg der Löhne voraus. Weil dies so ist, sind diese umgekehrt auch immer vor einer Krise am höchsten gewesen. Sind sie deshalb Ursache der Krise, wie die Gegenseite behauptet? Natürlich nicht. Die Löhne sind ja nicht die unabhängige Variable im Wirtschaftswachstum, sondern die abhängige.

Das hat schon ein Klassiker der politischen Ökonomie gezeigt: Karl Marx. Wenn jene "Ritter vom gesunden und einfachen Menschenverstand", wie der Mann aus Trier die Nachfragetheoretiker verspottete, behaupten, "die Arbeiterklasse erhalte einen zu geringen Teil ihres eignen Produkts, und dem Übelstand werde mithin abgeholfen, sobald sie größeren Anteil davon empfängt, ihr Arbeitslohn folglich wächst, so ist nur zu bemerken, dass die Krisen jedes Mal gerade vorbereitet werden durch eine Periode, worin der Arbeitslohn allgemein steigt und die Arbeiterklasse realiter größeren Anteil an dem für Konsumtion bestimmten Teil des jährlichen Produkts erhält". (MEW 24, Bd. II, S. 409)

Aufgrund ihrer Entscheidung über die Verwendung von Profiten - Investition oder Sparen - haben es vielmehr die Unternehmen selbst in der Hand, ihre Nachfragebedingungen durch zusätzliche Investitionen zu bestimmen. Das würde zusätzliche Nachfrage nach Produktionsmitteln und unter Umständen eine Nachfrage nach mehr Arbeitskräften sowie dadurch dann auch eine steigende Nachfrage nach Konsumgütern bedeuten. Wie die Entscheidungen der Kapitalisten ausfallen, das hängt von ihren Profiterwartungen ab - und davon, ob sich mit alternativen Auslandsdirektinvestitionen oder spekulativen Anlagemöglichkeiten nicht noch mehr herausschlagen lässt.

Die Unternehmen haben es so selbst in der Hand, ihre eigenen inländischen Nachfrageverhältnisse nach Produktionsmitteln und Konsumgütern durch die Verwendung der Profite zu bestimmen. Sie könnten sich, wie es der Ökonom Michael Kalecki einmal sagte, am eigenen Zopf aus dem Sumpf ziehen. Sie sind aber dabei selbst "Getriebene", abhängig vom Verhalten ihrer "feindlichen Brüder" (den kapitalistischen Konkurrenten) und dem daraus resultierenden Konjunkturzyklus.

Umgekehrt ist eine Erhöhung der Löhne in Krisenzeiten keine Garantie einer zusätzlichen Nachfrage. Zunächst ist fraglich, ob bessere Einkommen bei dem dann erhöhten Druck eines überfüllten Arbeitsmarktes überhaupt durchsetzbar sind. Zumal sich das Ungleichgewicht zwischen Kapital und Arbeit gerade auch durch die mögliche Drohung der Abwanderung ins Ausland weiter zu Ungunsten der Beschäftigten verschoben hat.

Darüber hinaus sollte nicht vernachlässigt werden, dass auch Arbeitnehmer als Konsumenten "einzelwirtschaftlich" handeln - und zwar mit Recht. Sie werden in Krisenzeiten aus Sicherheitsgründen wohl eher ihre Sparquote erhöhen, statt das Geld in zusätzlichen Konsum zu stecken. Nachfrage- und Angebotsseite bilden also ein zusammenhängendes System, das vorrangig durch die Verwertungsinteressen der Kapitaleigner reguliert wird. Und Nachfragepolitik - sei es durch Lohnpolitik oder Staatsausgaben - kann nicht erfolgreich sein, wenn die Angebotsseite für die Unternehmen unprofitable Strukturen aufweist und die Profiterwartungen zugleich nachhaltig eingeschränkt werden. Denn im real existierenden Kapitalismus ist Endzweck der Produktion die Rentabilität und - dies kann man bedauern - nicht der Konsum.

Jürgen Hoffmann ist Professor im Fachbereich Soziologie an der Hamburger Universität, Fakultät für Wirtschaft und Sozialwissenschaften, Department Wirtschaft und Politik (ex HWP) sowie wissenschaftlicher Berater des Europäischen Gewerkschaftsinstituts in Brüssel.

http://www.freitag.de/2008/26/08260502.php


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Schraubenwelle am 27. Juni 2008, 14:31:39
Ich denke der Beitrag von BakuRock  sollten sich einige hier echt mal zu Gemüte führen.
Er hat mit der Aussage teilweise Recht.

Mir ist aufgefallen das Leute aus den neuen Bundesländern regelrecht Panik haben vor Gewerkschaften.
Ich frage mich warum...es hat doch nichts aber rein gar nichts mehr mit dem FDGB zu tun.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 28. Juni 2008, 17:12:50
Was gab es nicht alles Basisdemokratische im FDGB?

Arbeiterversorgung (Betriebsessen und -kantinen, betriebliches Wohnungswesen), Arbeiterwohngenossenschaft (AWG), Arbeiter- und Bauernfakultät (ABF) als Berufsweiterbildungseinrichtung, BGL, AGL, Vertrauensleute, Arbeitsschutzkommissionen (ASK) und Arbeitsschutzinspektionen, Arbeitsschutzobleute, Ärzteberatungskommission, Betriebsgesundheitswesen, Betriebserholungsheime, Betriebsferienlager, Kurkommissionen, Feriendienst und Feriendienstkommissionen,Freiwillige Zusatzrentenversicherung (FZRV), Kassen der gegenseitigen Hilfe (KdgH), Kinderferienlager und -kommissionen, Patenschaftsbetriebe, -schulen und Patenschaftsschulklassen, Schonarbeitsplätze, Beschwerdekommissionen der SV, Konfliktkommissionen, Schiedskommissionen, Arbeitsgesetzbuch, was es grundsätzlich in der BRD überhaupt bis heute nicht gibt, gesetzliche Sozial- und Rentenversicherung, betriebliche Freizeit- und Sportzirkel, Betriebssportgemeinschaften (BSGs), Gewerkschafts- und Betriebsbibliotheken, Kulturhäuser, Arbeiterfestspiele,Sozialversicherungsausweis (SV-Ausweis) ...

Wie sagt man immer so mit geflügelten Worten?

Es war nicht alles schlecht in der DDR ... Nur der Westen hat vieles Erhaltenswerte absichtlich und unnötig zerschlagen, damit er seinen eigenen Stempel aufdrücken konnte. Wenn er so könnte wie er wollte, würde er ein Erinnerungsverbot an alles Gute an die DDR verhängen und diese Erinnerungen unter Strafe stellen. Als Richter könnte man dann Wolf Biermann einsetzen, der bei widerspenstigen Ex-Ossis eine Gehirntransplantation verordnet: Ostgehirn raus - Westgehirn mit hoher Abstoßungsrate rein. Die Abstoßung bewirkt ein baldiges Lebensende, ganz nach dem Wahlspruch wie bei den weißen, Land klauenden Siedlern in Nordamerika: "Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer!" oder frei nach dem Slogan der Treuhandanstalt und Helmut Kohl: "Nur ein toter Ossi ist ein guter Ossi!"

Frei nach dem Ost-Kabarettisten Uwe Steimle (http://www.uwesteimle.de/index.php) alias Günther Zieschong von der Dresdner Herkuleskeule: "Erst wenn der letzte Ossi aus dem Grundbuch gelöscht ist, dann ist die Einheit vollendet!"

(http://www.uwesteimle.de/shop_fotos/dvd_guentheralleinzuhaus.jpg)

DVD - "Günther allein zu Haus"

Die DVD „Unsere Besten“ (Tom Pauls & Uwe Steimle) gehörte und gehört zu unseren Verkaufschalgern. Uwe Steimle (http://de.wikipedia.org/wiki/Uwe_Steimle) hat die Figur Günther Zieschongs aus der Ostalgie- Serie des mdr fortgeführt und weiter- entwickelt. Seit einigen Jahren „tingelt“ er mit dem Programm durch zumeist ausverkaufte Stadthallen und Theater. Als Langzeitarbeitsloser und ehemaliger Parteisekretär wird ihm der Posten eines Kirchenführers angeboten. Im hektischen, vorweihnachtlichen Home-Training kommt alles durcheinander. Heftige Sprüche (die innere Einheit ist dann vollendet, wenn der letzte Ostdeutsche aus dem Grundbuch gelöscht ist) wechseln mit purer Verzweiflung bei Puppenweihnacht mit Ernst Busch oder einer Hausordnung mit J.S: Bach– ein Kabarettabend der besonderen Güte mit hoher Haltbarkeitsdauer. Ausgezeichnet mit dem "Salzburger Stier"- einer der höchsten Auszeichnungen im deutschsprachigen Kabarett.

Den Vertrieb der hier (http://www.uwesteimle.de/shop.php) aufgelisteten Medien übernimmt die Firma Buschfunk (http://buschfunk.shopstudio.de/cgi-bin/buschfunk).

Uwe Steimle und Tom Pauls (in der Rolle der Ilse Bähnert) - beide Herkuleskeule (http://www.herkuleskeule.de/), kann man getrost als Volksschauspieler nennen, die dem Volk richtig aufs Maul schauen. Steimle hat Gott sei Dank noch kein Bundesverdienstkreuz erhalten. das hat er auch nicht nötig, wie so manch anderer Künstler.

Tom Pauls und Uwe Steimle erinnern mich an ein anderes Kabarettistenpaar von der Herkuleskeule - an Gustav und Erich (Hans Glauche).


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 28. Juni 2008, 17:26:01
Panik vor den DGB-Branchengewerkschaften kann man schnell bekommen, wenn man deren Hörigkeit und Verquickung zur antikommunistisch eingestellten SPD sieht und schnell mitbekommt, daß eine ganze Reihe dieser Gewerkschaftsfunktionäre als SPD-Bundestagsabgeordnete ihr Händchen für Hartz IV mit erhoben haben.

Und noch schneller bekommt man Herzrasen, sieht man die christlichen Parteigewerkschaften der CDU, die Ost-AN vertreten wollen, wobei die wenigsten bzw. keine Mitglieder im Osten in den christlichen Gewerkschaften anzutreffen sind.

Da kratzt man sich doch schnell mal am Hinterkopf, wozu man noch Gewerkschaften braucht. Man braucht sie sehr wohl, aber in der Besetzung mit seriösen, klassenstandpunktfesten Funktionären und Mitgliedern und das dringender denn je. Ein gewisser Reinigungsprozeß haben die Branchengewerkschaften des DGB bereits erfahren, indem Funktionäre Richtung WSAG und später Richtung der Linken gingen und Funktionäre, die in der SPD im linken Flügel sich befinden.

Und nicht zu vergessen: Es gibt noch solche CDU-Mitglieder, die noch der katholischen Soziallehre anhängen und deren Werte hochhalten wie Heiner Geißler und Norbert Blüm.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Pittiplatsch am 28. Juni 2008, 18:18:45
Ja der Blüm ist ein großer Prophet. Gruß Pitti


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 28. Juni 2008, 20:51:10
Nu klar ist er das. Seine Pension war immer sicher.

(http://wdrblog.de/glossenblog/images/bluem_g.jpg)


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 29. Juni 2008, 13:49:40
Nächstes Urteil gegen Gewerkschaftsrechte

Die Kette der gewerkschaftsfeindlichen Urteile des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) reißt nicht ab. In einem am Donnerstag bekanntgegebenen Urteil heißt es, das luxemburgische Arbeitsrecht stehe im Widerspruch zur Entsenderichtlinie und Dienstleistungsfreiheit und müsse daher geändert werden. Wer Arbeitnehmer nach Luxemburg entsendet, ist bislang u. a. dazu verpflichtet, dort übliche Tariflöhne zu zahlen. Die Europaabgeordnete der Linken Sahra Wagenknecht bezeichnete das Urteil als »Freibrief für Sozialdumping«. DGB-Chef Michael Sommer erklärte, »die Gewerkschaften in ganz Europa« würden dies »nicht hinnehmen«. Das Urteil sei das vierte in Folge, »in dem der EuGH nationale Schutzrechte für entsandte Beschäftigte aushebele«...

http://www.jungewelt.de/2008/06-20/065.php


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 30. Juni 2008, 19:07:48
Wenn es darum geht, für Unternehmer in Europa gleiche wirtschaftliche, finanzielle, für das Betriebsrisiko senkende Konkurrenzbedingungen zur Profitmaximierung zu schaffen, sind sich die Agenda-Horden von Bolkestein und Co. einig.

Wenn es sich um die Schaffung von sozialen und arbeitsrechtlich weit auseinanderstehende, sich widersprechende und gegenseitig hemmende oder blockierende Bedingungen zu schaffen, zu erweitern und nicht abzuschaffen, ist sich die gleiche Klientel darüber einig, den europäischen Völkern soviel Hürden wie möglich aufzutürmen wie es nur geht. Und noch besser, man hetzt sie aufeinander.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: antonov am 30. Juni 2008, 20:32:06
@ schraubenwelle

wieso sollten die menschen in den neuen bundesländern angst vor den gewerkschaften haben ?

die frage ist doch, was haben die gewerkschaften für die menschen grosses getan ?

ich hab auch keine gute meinung von den gewerkschaften

und nun sagt der chef vom DGB auch noch das die gewerkschaften in ganz europa dieses nicht hinnehmen würden

die böse böse EU

auf wen warten die denn bei den gewerkschaften ?

wieso wird kein europaweiter streik organisiert ?

warten die beim DGB bis einige zehntausende arbeiter denen die bude einrennen, damit die mal ihren arsch bewegen  ?


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 30. Juni 2008, 22:11:06
Wie war das noch gleich?

Gewerkschaften und proletarischer Internationalismus (http://www.geocities.com/komakml/pr/pr15_grundbegriffe_proletInternat.htm)?


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 15. Juli 2008, 14:35:25
Der IG Metall-Vorsitzende Berthold Huber sprach sich auf der Tagung der Großen Tarifkommission NRW gegen die Aufstellung eines Festgeld- oder Sockelbetrages bei der Entgelttarifrunde aus, der insbesondere Beschäftigten der unteren Entgeltgruppen zu Gute käme. Huber "rechtfertigte" sich damit, dass bei einem derartigen Tarifabschluss die Arbeitsplätze gefährdet würden, weil dann die Produktion zu teuer und zum Beispiel nach China verlagert würde.
 :kotze>


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 15. Juli 2008, 15:09:02
Ist Huber der nächste Hansen, der sich auf die AG-Seite schlägt?


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 15. Juli 2008, 15:18:21
Zitat
Nach unwidersprochener Aussage des MLPD-Vorsitzenden Stefan Engel war Huber bis 1979 Mitglied „bei uns“, also wahrscheinlich in der MLPD-Vorläuferpartei Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands.
(Wikipedia)

Vom Maoisten zum Büttel des Kapitals. So eine Art Joschka Fischer.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 15. Juli 2008, 17:27:07
Wikipedia: Berthold Huber (http://de.wikipedia.org/wiki/Berthold_Huber)


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 30. Juli 2008, 20:58:45
Mit den Gewerkschaften verhält es sich ähnlich, wie mit den Parteien. Sie verlieren ihre ursprüngliche Rolle und massenhaft Mitglieder. Es gibt Neugründungen gelber Gewerkschaften und Vertretungen einzelner Berufsgruppen haben Zulauf.

Die Situation sieht im Moment alles andere, als vielversprechend aus. Ich versuche in den nächten Tagen meinen Eindruck der Situation und Entwicklungen zu beschreiben. Ich würde mich auch über weitere Beiträge und eine Diskussion freuen. Es geht um etwas verdammt Wesentliches. Die bestehenden Gewerkschaften sind niemals revolutionär gewesen, doch ein Vacuum an der Stelle, wo sie standen und wo eine kämpferische Organisation der Klasse sein sollte, können wir keinesfalls begrüßen. Wir merken zur Zeit nur den freien Fall unserer Lebensbedingungen und ich wundere mich wenig, daß die Diskussion machmal gereizt ist bei der Feststellung, daß sich die Reste einer Vertretung nur noch weiter zersplittert, und wir weitgehend schutzlos dastehen...


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 31. Juli 2008, 02:07:45
Zitat
Original von ManOfConstantSorrow
...........................................
Es geht um etwas verdammt Wesentliches. Die bestehenden Gewerkschaften sind niemals revolutionär gewesen, doch ein Vacuum an der Stelle, wo sie standen und wo eine kämpferische Organisation der Klasse sein sollte, können wir keinesfalls begrüßen. ........

Es scheint so, als wenn ein kurzes Vacuum vonnoeten ist - naemlich genau in der Zeit, in der sich die herkoemmlichen "Gewerkschaften" endlich vom hauptamtlichen Vertretersystem verabschieden und sich echte Gewerkschaften, aus der Not heraus, von Unten bilden - die ArbeiterInnen endlich erkennen, dass sie sehr starke und breite Schultern haben und sie eine Menge erreichen koennten, wenn sie diese zusammen schliessen. Und endlich begriffen wird, dass es moeglich ist die "Muehle" in eigene Verantwortung zu uebernehmen. Die Produktionsmittel/staetten gehoeren endlich in ArbeiterInnen-Haende.

Zitat
Original von ManOfConstantSorrow
..............
Wir merken zur Zeit nur den freien Fall unserer Lebensbedingungen und ich wundere mich wenig, daß die Diskussion machmal gereizt ist bei der Feststellung, daß sich die Reste einer Vertretung nur noch weiter zersplittert, und wir weitgehend schutzlos dastehen...

Keineswegs muessen wir schutzlos dastehen, wenn es keine "Vertretung" (DGB-Hauptamtliche) mehr geben sollte. Wie oben beschrieben besteht die Moeglichkeit, die "Produktionsmittel" - die Muehlen - in eigene Verantwortung zu uebernehmen. Ich glaube fest daran, dass Arbeiter und Arbeiterinnen sehr wohl in der Lage sind ihre eigenen Geschicke auch selbst zu regeln.

Warum denn nicht mal den Schritt des Forderns von Geld/Machthabern ueberspringen, und diese einfach vor den Toren stehen lassen und selbst agieren - den "Laden" regeln - die Gueter verteilen - das Leben organisieren?


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Kater am 04. August 2008, 17:01:59
ein paar infos zu Gewerkschaftsvertretern in Aufsichtsräten

Zitat
Mit zweierlei Maß

Frankfurt/Main (AP) Frank Bsirske hat seinen Fehler eingestanden. Die Kosten für die Erste-Klasse-Flüge in den Urlaub will der ver.di-Chef nach dem massiven Druck der vergangenen Tage selbst übernehmen. Er habe die Brisanz unterschätzt, sagte er der «Bild»-Zeitung, die den vermeintlichen Skandal auch aufgetan hatte. Und doch klagte er, dass in seinem Fall mit zweierlei Maß gemessen werde. Schließlich stehe das Kontingent an Freiflügen allen Aufsichtsratsmitgliedern der Lufthansa zu - Vertretern der Arbeitnehmer und der Anteilseigner gleichermaßen.

In Deutschland müssen die Arbeitnehmer per Gesetz ab einer bestimmten Unternehmensgröße an der Mitbestimmung beteiligt werden. Gegenstand der so genannten Unternehmensmitbestimmung sind die unternehmerischen Entscheidungen, die im Aufsichtsrat von Kapitalgesellschaften fallen, also etwa die Bestellung und Abberufung des Vorstandes, die Überwachung der Geschäftsführung und die Prüfung der Bücher.

Die Liste der prominenten Gewerkschaftsvertreter in Aufsichtsräten ist lang: IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt sitzt etwa bei Bayer und E.ON, der bayerische IG-Metall-Vorsitzende Werner Neugebauer bei BMW, ver.di-Vorstand Uwe Foullong bei der Commerzbank, DGB-Chef Michael Sommer bei Postbank und Telekom, und auch der in die Kritik geratene Bsirske hat neben seinem Posten als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei der Lufthansa noch ein Mandat beim Energiekonzern RWE.

Aufsichstratsposten sind lukrativ - laut einer Erhebung der «Welt am Sonntag» für das Jahr 2007 verdiente ein Aufsichtsratsmitglied bei einem DAX-Konzern im Schnitt 124.510 Euro, die Vorsitzenden erhielten demnach durchschnittlich 297.000 Euro.

Doch während die Vertreter der Anteilseigner über ihre Einkünfte aus dieser Tätigkeit weitgehend frei verfügen können, führen die Arbeitnehmervertreter die so genannten Tantiemen zum allergrößten Teil an die Gewerkschaft ab. Die Kontrolle ist relativ einfach und effektiv, schließlich ist in der Regel leicht einsehbar, wer über ein entsprechendes Aufsichtsratsmandat verfügt und wie hoch dieses dotiert ist.

«Die Tatsache, dass Arbeitnehmervertreter keine nennenswerten Einkünfte aus ihrer Aufsichtsratstätigkeit beziehen, macht sie frei in ihren Entscheidungen», sagt der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel der Nachrichtenagentur AP.

Der Leiter des Instituts für Arbeit und Wirtschaft (IAW) in Bremen vertrat selbst die Interessen der Arbeitnehmer unter anderem im Aufsichtsrat der Allianz und der Salzgitter AG. Mit dem abgeführten Geld würden bei den Gewerkschaften unter anderem Vertreter geschult, die dann wiederum die Interessen der Arbeitnehmer in Aufsichtsräten verträten. «Dieses Recycling der Honorare halte ich für eine sehr gute Idee», sagt er.

Geldwerte Vorteile als Problem

Problematisch wird es bei so genannten geldwerten Vorteilen. Einige Energiekonzerne gewährten Aufsichtsratsmitglieder beim Strom Rabatte, wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtete. Hotels böten Gratisübernachtungen an, und früher habe es für Mitglieder des Kontrollgremiums bei Automobilunternehmen auch mal einen neuen, fast kostenlosen Wagen gegeben. Diese Zeiten sind mittlerweile vorbei - weitgehend zumindest, wie die Freiflüge Bsirskes zeigen.

«Das ist ein Überbleibsel der Pfründeökonomie», sagt Hickel und fordert die Abschaffung aller geldwerten Vorteile für Aufsichtsratsmitglieder. Zudem solle ein Verhaltenskodex für alle Mitglieder solcher Gremien geschaffen werden - also nicht nur für die Gewerkschafter.

Grundsätzlich gebe es ein Spannungsfeld zwischen den Interessen der Arbeitnehmer und denen des Unternehmens, denen die Mitglieder des Aufsichtsrats verpflichtet seien. Dieser Konflikt dürfe aber nicht dazu führen, dass die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in Aufsichtsräten eingeschränkt werde. Oft könnten die Arbeitnehmer die Interessen des Unternehmens sogar besser vertreten, etwa bei geplanten Übernahmen oder wenn es darum gehe, die Motivation der Mitarbeiter zu stärken.


http://de.news.yahoo.com/ap/20080804/tde-mit-zweierlei-ma-e65a892.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 20. August 2008, 14:05:43
Zitat
neu im LabourNet Germany am Dienstag, 19. August 2008:

Putzleute bangen um ihren Job

„Eine Gesellschaft kündigt die Verträge mit einem anderen Unternehmen, das
daraufhin womöglich etliche Mitarbeiter entlässt. Verzwickt wird das
Ganze, wenn der DGB in die Sache verwickelt ist - oder zumindest den
Anstoß für diese Kettenreaktion gegeben hat. Aber der Reihe nach: Für alle
Gewerkschaftshäuser ist die DGB-eigene Vermögensverwaltungs- und
Treuhand-Gesellschaft des Deutschen Gewerkschaftsbundes (VTG des DGB)
zuständig. Diese hat für die Verwaltung der Häuser eine private Firma
zwischengeschaltet: die RGM Gebäudemanagement mit Sitz in Dortmund. Nun
bangen nach Auskunft von RGM-Betriebsratschef Peter Reinhold 57
Angestellte um ihren Job…“ Artikel von Meike Kolodziejczyk in der
Frankfurter Rundschau vom 19.08.2008
[url]http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/1562897_Dicke-Luft-im-DGB-Haus.html[/url]


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 20. August 2008, 14:30:08
.... neu im LabourNet Germany am Dienstag, 19. August 2008:

Zitat
„Der Tarifkampf der Lokführer gegen die Deutsche Bahn hat gezeigt, welche
Schlagkraft auch kleinste Gewerkschaften haben können: Mit effektiven
Streiks und überzogenen Forderungen lehren sie sowohl Arbeitgeber das
Fürchten als auch Gewerkschaftsgrößen wie Ver.di. Doch mit den
Zwergenaufständen könnte es bald vorbei sein…“ Artikel von Stefan von
Borstel und Flora Wisdorff in Die Welt vom 13. August 2008
[url]http://www.welt.de/wirtschaft/arti2323382/Politik_soll_Splitter-Gewerkschaften_verbieten.html[/url]


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 20. August 2008, 14:40:34
Wer kleinen, radikalen, wild gewordenen Splittergewerkschaften und -parteien das Wort redet, der spielt den Unternehmern in die Hände, weil nach dem Prinzip der mittelalterlichen Zünfte und Gilden nur jeder Berufsstand für sich und auf Kosten der anderen Berufe sich kleine Vorteile verschafft. Wenn es soziale Unterschiede zwischen den Berufen einer Branche und über die Branchen hinweg und über die Regionen hinweg gibt, dann gibt es ein Hauen und Stechen zwischen den Klientelgewerkschaften, aber nicht gegen die Unternehmer, die diese sozialen Unterschiede erst organisiert haben und deshalb weder ungeschoren an der Macht bleiben.

Klientelgewerkschaften sind wie einzelne Finger, die der Unternehmer jederzeit einen nach dem anderen brechen kann, bevor sie sich zu einer geschlossenen Faust ballen können.

Wir brauchen große Branchengewerkschaften, die mehrere Berufsgruppen übergreifend vereinen und nicht den Mist von Splittergewerkschaften.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 24. August 2008, 13:34:13
Vor Ewigkeiten hatte ich ein paar Gedanken zu den Gewerkschaften angekündigt, doch hatt' ich nie Zeit gefunden...

Die Frage, wie man die Auseinandersetzung zwischen Kapital und Arbeit führt und wie man sich dazu organisiert, halte ich für 100x bedeutender, als wer bei den nächsten Bundestagswahlen gewinnt!

Die Gewerkschaften waren in Deutschland noch nie sonderlich kämpferisch, geschweige denn revolutionär. Als sie 1920 zum Generalstreik aufriefen, liefen sie der Stimmung einer stark politisierten Arbeiterschaft hinterher. Immerhin führte dieser Generalstreik zum Scheitern des Kapp-Putsches. Der sozialpartnerschaftliche Kuschelkurs mit dem Kapital und der Antikommunismus führten zu eine Spaltung. Die Gründung der Revolutionären Gewerkschaftsopposition RGO 1930 hatte jedoch nie den erhofften Erfolg als konsequent klassenkämperische Organisation, der Organisierungsgrad war relativ niedrig und viele Mitgleider hatten bereits ihren Job verloren und konnten innerhalb der Betriebe nichts mehr ausrichten.

Nach Faschismus und Krieg waren die Alliierten daran interssiert, daß die Arbeiterschaft in Deutschland nicht zu einem unkontrollierbaren Faktor wird und sie waren am Aufbau des DGB beteiligt. Es dauerte nich lange bis die Gewerkschaften kommunistische Mitglieder ausschloß. Als die große Koalition 1968 mit der Einführung der Notstandsgesetze die Aushebelung der Verfassung (z.B. bei Aufständen) ermöglichte, weigerten sich die Gewerkschaften sich einem aktiven Widerstand anzuschließen. Insgesamt gab es jedoch bis in die 80er Jahre ein hohes Niveau an Klassenkämfen. Es gab einfach eine vielzahl linker und kommunistischer Gruppen, die (egal wie klein sie waren) in den Betrieben verankert waren und Einfluß auf das politische Bewußtsein, auf Diskussionen und auf Orgnisierung von Kämpfen hatten. 1973 kam es zu einer großen Welle wilder Streiks, von der nicht nur die Gewerkschaften, sondern teilweise auch die linken Organisationen überrascht wurden. Der legendäre Ford-Streik wurde vorwiegend von türkischen "Gastarbeitern" getragen, was von der bürgerlichen Presse mit der rassistischen Kampagne gegen "Türken Terror" beantwortet wurde, sogar unterstützt von Deutschen IGM Betriebsräten. In Folge der explosiven gesellschaftlichen Atmoshäre und der Angst die Kontrolle über das Geschehen in den Betrieben zu verlieren, sahen sich die Gewerkschaften gezwungen, sich selbst kämpferisch zu geben und sich auch an die Spitze von Kämpfen zu stellen, die sie selbst nicht organisiert hatten. Die Gewerkschaftslinken sahen sich im Aufwind. Nachdem die Linke sich in den 70ern in diverse K-Gruppen zersplittert hat, wurde der Klassenkampf in den 80ern ad acta gelegt. Die GRÜNEN hatten andere Themen und die Autonomen kannten nur noch den Militärisch-industriellen-Komplex und erfanden plötzlich etwas, wie eine "politische Klasse".

Der Mauerfall wurde zum Waterloo der westdeutschen Linken, man verstand die Welt nicht mehr und ohne Not und völlig kampflos trat man von der politischen Bühne.

Ich habe nichts über die Rolle der Gewerkschaften in der DDR gesagt, nicht nur, weil ich darüber zu wenig weiß, sondern, weil sie jetzt keine Rolle mehr spielen, Geschichte sind, denn das System DGB wurde dem Osten aufgestülpt. Es gab eine gewaltige Eintrittswelle, denn man hielt diese Organisationen für die passende Antwort auf die neue Situation. Der DGB verschätzte sich auch mit seiner Aufblähung des Apparats, der gewerkschaftlich Boom war nur von kurzer Dauer. Die neuen Betriebsräte begannen sich informell zu vernetzen um sich gegen die Abwicklung der Ostbetriebe wirkungsvoller zu wehren. Als sich dann aber herausstellte, daß dieses Netzwerk nicht nur keine Unterstützung vom DGB erhielt, sondern teilweise sogar von ihm sabotiert wurde, war Schluß mit der gewerkschaftlichen Euphorie. Es folgten Austrittswellen bei den Gewerkschaften. Übriggeblieben ist eine Atmosphäre der Ratlosigkeit, der Vereinzelung, der Resignation.

Im Westen kommt etwas anderes hinzu. Es gab früher eine enge kulturelle Verbundenheit mit den Gewerkschaften. Sie waren Teil des eigenen Lebens und Lebensgefühls, zusammen mit Sportverein, Schützenverein und Spielmannzug. Beendet wurde das Leben mit einer Todesanzeige und einem Kranz vom Ortsverband. Ich bin nicht sonderlich traurig darüber, daß diese spießge Machokultur fast vollständig der Erosion zum Opfer gefallen ist.

Wo es den Gewerkschaften an linkem Gegenwind fehlt, scheint ihnen selbst der Realitätssinn abhanden gekommen zu sein. Die ans Tageslicht gekommenen innergewerkschaftlichen Skandale haben nie zu einer Selbstreinigung geführt, nie versuchte man eine Wiederholung unmöglich zu machen. Man nimmt die Korruption bei Gewerkschaftfunktionären genauso hin, wie das Doping im Radsport. Die Hinnahme der Einführung der Leiharbeit und das Mittragen der Agenda 2010 (incl. Hartz IV), das untergräbt die eigenen Grundfeste. Die Massenabwanderung aus den Gewerkschaften hat zu einer Situation geführt, in der die Gewerkschaftskassen austrocknen und die gutbezahlten hohen Funktionäre um ihre angenehmen Jobs fürchten. Die Gewerkschaft als Arbeitgeber entläßt nun erstmal Reinigungskräfte der Gewerkschaftshäuser. Ich befürchte, die jetzt anlaufende Kampagne zur Organisierung von Leiharbeitern ist mehr von dem Interesse geprägt, neue zahlende Mitglieder zu rekrutieren, denn von einem erstgemeinten Interesse an der Situation der Zeitarbeiter.

Wenn ich die selbstherrliche, und wirklichkeitsferne gewerkschaftliche Führungsriege sehe, mit ihrem verkrusteten, korrupten Apparat, dann wünsche ich mir, sie versinken gemeinsam mit der SPD in der Bedeutungslosigkeit und fahren zur Hölle.

Man muß aber vorsichtig sein. Was haben wir? Was bleibt uns? Welch Chancen gibt es? Wenn man sich die FAU anschaut, muß man zugeben, egal wie positiv man ihre Ideen einschätzen mag, daß sie bisher nicht sonderlich groß und damit auch nicht sehr einflußreich ist. Viele Linke und Linksradikale mögen zwar eine sehr vernünftige und gewerkschaftskritische Haltung haben, doch ihre Praxis ist sehr dürftig. Die Aktionen sind meist kurzatmig, die Aktivisten verschwinden oft schon nach wenigen Rückschlägen und nach kurzer Zeit von der Bühne. Es gibt hingegen Tausende in den Betrieben, die seit Ewigkeiten eine sehr sinnvolle Arbeit innerhalb der gewerkschaftlichen Strukturen machen. Diese Leute sollte man keinesfalls mit den Gewerkschaften und schon gar nicht mit deren Führungsriege gleichsetzen. Ich schätze die Leute weitaus mehr, als all die Linken, die zwar sehr wahre Sachen sagen, bei der undankbaren praktischen Arbeit stets fehlen.

Wir sollten auch nicht vergessen, welch (theoretisches) Mobilisierungspotential die Gewerkschaften noch haben. Die Großdemos nach Berlin brachten vielleicht 30.000, als von linken Gruppierungen aufgerufen wurde. Als der DGB sich bei der Mobilisierung in letzter Minute beteiligte, waren es gleich hundertausend. Würde der DGB zu einer Demo aufrufen mit den Forderungen, mit denen die Linkspartei in den Wahlkampf zieht (Truppen raus aus Afghanistan! Weg mit Hartz IV!), kämen wohl ne halbe Million zusammen. Nur wird der DGB nie dazu aufrufen...

Ich habe letzt mit Leuten gesprochen, die seit Jahrzehnten als Gewerkschaftslinke aktiv sind. Sie waren absolut deprimiert. Sie wollen aber nicht das Handtuch werfen.

Grundsätzlich würde ich eher zu einer Gewerkschaftsmitgliedschaft raten. Man kann sie ja zumindest als Rechtsschutzversicherung nutzen und taugt auch zur Beratung bei Prolemen im Betrieb. Es zwingt einen auch keiner mit der Mitgliedschaft sein eigenes Hirn abzuschalten. Man sollte die Möglichkeit selbständig zu denken und zu handeln nie nehmen lassen. Ich möchte an ein schönes Beispiel aus Dänemark erinnern: gewerkschaftlich organsierte Betriebsräte handelten kollektiv gegen den Willen der Gewerkschaft. 1985 gelang ihnen ein wilder Generalstreik! Man verabredete sich und an einem Morgen standen morgens die Betriebsräte und Vertrauensleute vor den Werkstoren um den Kollegen mitzuteilen, daß heute nicht gearbeitet wird. Das Funktionieren dieser Aktion war enorm, das sonst so ruhige kleine Land kam ordentlich in Fahrt man legte gleich so manchen Polizeiwagen aufs Dach. Wir sollten jetzt mit verschiedenen Ideen und Organisationvorstellungen uns nicht zerfleischen oder uns gar als Gegner sehen. Menschen sind in der Lage sich zu ändern und auch aus alten Konzepten auszubrechen. In vielen anderen Ländern gibt es Basisgruppen in denen bei Auseinandersetzungen nicht nur Leute aus den Stammbelegschaften zusammenfinden, sondern auch diejenigen aus Fremdfirmen/Subunternehmen, Angehörige und Leute aus dem Stadteil und andere außenstehende Unterstützer. Ich halte genau das für ein Vorbild für uns. Wir sollten offen sein für einander und im ständigen Austausch bleiben. Es gibt keinen Grund zum Konkurenzkampf zwischen gewerkschaftlich organsierten oder unabhängigen. Es ist kein spezifisch deutsches Problem. Weltweit sind die Gewerkschaften meist nicht dazu bereit die Kämpfe zu organiseren, die nötig sind. Die Idee der Basisgruppen (http://www.labournet.de/internationales/usa/gewerkschaft.html) wird auch innerhalb der Gewerkschaften in den USA diskutiert...

So tut es mir leid, wenn ich hier öfter mit alfred aneinander geraten bin, obwohl wir wohl kaum unterschiedliche Interessen haben. Es geht um eine Verbesserung der Lebensverhältnisse nicht nur für Leiharbeiter. Es gibt da sicher nicht den goldenen Weg oder die einfache Lösung. Man kann sich über den Weg streiten, aber hoffentlich nicht zerstreiten...

Ich hasse es, wenn man man Niederlagen als Siege verkauft. Wir müssen einfach anerkennen, daß es in den letzen Jahren die Lohnerhöhungen meist von einer stärkeren Teuerungsrate aufgefressen wurden, daß die Arbeit verdichtet wurde, alle möglichen Sonderleistungen gestrichen wurden und die Wochenarbeitszeit wieder erhöht wurde... Ganz zu schweigen von den Erwerbslosen, die nicht nur in Armut geworfen, sondern noch sytematisch von den Behörden erniedrigt werden.

Ich hasse aber auch all die heiße Luft, die auf die deprimierende Situation folgt. Man wünscht sich Aufstände oder den Generalstreik, nur finden sich wenige, die auch bereit sind die ersten praktischen Schritte zu machen, sei es, ein Treffen zu organisieren oder auch nur eins zu besuchen. Ich will mich da nicht ganz ausnehmen. Ich rede auch mehr, als ich tue. Aber allein vom Warten auf besseren Zeiten wird sich  kaum etwas bessern.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 25. August 2008, 17:14:53
Zitat
Dabei haben sie [die Gewerkschaften] den Boom [der Zeitarbeit] selbst mit auf den Weg gebracht. DGB-Chef Sommer war im Jahr 2003 mit dabei, als die Arbeitnehmervertreter dem damaligen SPD-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement grünes Licht für die Lockerung der Regeln für Leiharbeit gaben. Die Liberalisierung sollte mit dazu beitragen, die hohe Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, weil Firmen schneller Beschäftigung schaffen, wenn sie sich nicht langfristig binden müssen. Das hat funktioniert. Das Heer an Zeitarbeitern war von den Gewerkschaften jedoch nicht vorgesehen. „Die Zeitarbeit sollte doch nicht zur Dauereinrichtung werden“, sagt Sommer rückblickend – und wohl ein bisschen mit schlechtem Gewissen. „Wir haben mit manchen Entwicklungen nicht gerechnet“, gesteht er.

http://www.welt.de/wirtschaft/arti2368424/Zeitarbeit_ist_der_grosse_Schrecken_des_DGB.html


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Ziggy am 25. August 2008, 19:38:26
Der gute Herr Sommer kann sich sein scheinheiliges Gewissen sparen.
ALLE seriösen Experten haben genau diese Konsequenzen der Hartz-Gesetze und der Lockerung der Zeitarbeit vorhergesagt: Den riesigen Niedriglohnsektor, die Ausbreitung der Armut, der Abbau der Sozialsysteme ... man musste wahrlich kein Experte sein, um das selbst zu erkennen. All diese warnenden Stimmen, auch und gerade innerhalb der SPD und der Gewerkschaften, die Leute an der Basis, wurden zum Schweigen gebracht, bedroht, beschimpft und gemobbt, was ja bekanntermaßen zur Abspaltung und zur Gründung der WASG führte.

Aber die bezahlten Experten der Lobbyisten, die Sinns und ihr geballter Unsinn, die werden hofiert als "Weise".

Sommer ist ein falscher Fuffzger, er hat sich bis heute nicht von den Hartz-Gesetzen und der Agenda-Politik distanziert, genau wie Bsirske ein reiner Maulheld, der auf Kundgebungen große Reden schwingt. Den Mitgliederschwund bei den Gewerkschaften hat er persönlich mit zu verantworten. Solche Typen taugen nur als Laternenmännchen, sonst nichts.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 25. August 2008, 22:36:21
Zitat
Original von Ziggy
... Solche Typen taugen nur als Laternenmännchen, sonst nichts.


Wie soll ich das Laternenmännchen jetzt genau verstehen, ein Nachtwächter oder ein Ampelmännchen?

Nachtwächterlied (http://www.kulturumsonst.com/volkslieder/nachtwaechterlied.php)

Hört, ihr Leut, und laßt euch sagen:
unsre Glock hat Zehn geschlagen!
Zehn Gebote setzt Gott ein,
dass wir soll´n gehorsam sein!
Menschenwachen kann nichts nützen,
Gott muss wachen, Gott muss schützen.
Herr, durch deine Güt und Macht,
schenk uns eine gute Nacht!

Hört ihr Leut, und lasst Euch sagen:
unsre Glock hat Elf geschlagen!
Elf der Jünger blieben treu,
hilf, dass wir im Tod ohn Reu!
Menschenwachen kann nichts nützen,
Gott muss wachen, Gott muss schützen.
Herr, durch deine Güt und Macht,
schenk uns eine gute Nacht!

Hört ihr Leut, und lasst Euch sagen:
unsre Glock hat Zwölf geschlagen!
Zwölf, das ist das Ziel der Zeit,
Mensch bedenk die Ewigkeit!
Menschenwachen kann nichts nützen,
Gott muss wachen, Gott muss schützen.
Herr, durch deine Güt und Macht,
schenk uns eine gute Nacht!

Hört ihr Leut, und lasst Euch sagen:
unsre Glock hat Eins geschlagen!
Eins ist allein der ein´ge Gott,
der uns trägt in aller Not.
Menschenwachen kann nichts nützen,
Gott muss wachen, Gott muss schützen.
Herr, durch deine Güt und Macht,
schenk uns eine gute Nacht!

Hört ihr Leut, und lasst Euch sagen:
unsre Glock hat Zwei geschlagen!
Zwei Weg' hat der Mensch vor sich,
Herr, den rechten führe mich!
Menschenwachen kann nichts nützen,
Gott muss wachen, Gott muss schützen.
Herr, durch deine Güt und Macht,
schenk uns eine gute Nacht!

Hört ihr Leut, und lasst Euch sagen:
unsre Glock hat Drei geschlagen!
Drei ist eins, was göttlich heisst,
Vater, Sohn, und heiliger Geist.
Menschenwachen kann nichts nützen,
Gott muss wachen, Gott muss schützen.
Herr, durch deine Güt und Macht,
schenk uns eine gute Nacht!

Hört ihr Leut, und lasst Euch sagen:
unsre Glock hat Vier geschlagen!
Vierfach ist das Ackerfeld,
Mensch wie ist dein Herz bestellt?
Auf ermuntert eure Sinnen,
denn es weicht die Nacht von hinnen.
Danket Gott, der uns die Nacht
hat so väterlich bewacht!

Musik: Autor unbekannt
Text: Autor unbekannt
Bearbeitung: Detlef Cordes.

Beim ostdeutschen Ampelmännchen sollte man am besten die grüne Version nehmen, die SPD-hörigen oder -abhängigen und neoliberal gefärbten Gewerkschaftsfunktionärslobbyisten kraftig mit weit ausladenden Schritt eine Acht ins Hemde tritt.

Besonders Not tut so ein Tritt bei Gewerkschaftsfunktionären, denen es zu gut geht, die nicht alles offenlegen und da nicht nur ihre Einkommenslage aus Zusatz- und Nebenjobs und Sitzungsgeldern. Viele aus diesen erlauchten Kreisen haben vergessen, wem sie verpflichtet sind, wo ihre sozialen Wurzeln einst lagen.

Es betrifft auch die nötige Offenlegung von geheimgehaltenen Untersuchungsstudien, die über die Motivation der Ex-Gewerkschaftsmitglieder Auskunft geben, warum sie massenhaft ihrem Interessenvertreter fluchtartig den Rücken kehren. Fehlende Mitglieder wirken sich finanziell negativ auf die gewerkschaftliche Schlagkraft, Organisierbarkeit aus.

Wer informiert ist, kann gegensteuernd handeln. Wer nicht informiert ist, steht schnell auf verlorenen Posten (Efant perdú) - siehe weiter unten):

MDR, Sendung "Fakt" vom 11.08.2008, 21:45 Uhr: Der Zusatzjob der Gewerkschafter (http://www.mdr.de/fakt/aktuell/5688117.html)

Das Sendemanuskript zum Thema: Der Zusatzjob der Gewerkschafter (http://www.mdr.de/fakt/5689186.html)

Wohin fließen die Aufsichtsrats-Tantiemen der Gewerkschafter?

Gewerkschafter in Aufsichtsräten müssen einen großen Teil ihrer Tantiemen abgeben. Nutznießer ist vor allem die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung. Das Geld fließt aber auch in das Bildungswerk "Gewerkschaftspolitische Bildung gGmbH" von ver.di (20 Prozent) und das Erholungswerk "Heinrich Imbusch" der IG Bergbau-Chemie-Energie (10 Prozent).

Hintergrund: Die Einkünfte der Gewerkschaftschefs (http://www.mdr.de/fakt/aktuell/5684899-hintergrund-5688117.html)

Hintergrund - DGB-Regeln: Tantiemen für Gewerkschafter (http://www.mdr.de/fakt/aktuell/5688466-hintergrund-5688117.html)

Wenn Gewerkschafter als Arbeitnehmervertreter in Unternehmensvorstände gewählt werden, bekommen sie, wie jedes andere Aufsichtsratsmitglied auch, eine Aufwandsentschädigung. Die setzt sich häufig zusammen aus Tantiemen, Sachleistungen und dem so genannten Sitzungsgeld, das die Aufsichtsratsmitglieder pro Treffen bekommen.

Großteil der Tantiemen wird abgeführt

Den Großteil der Tantiemen müssen Arbeitnehmervertreter in Aufsichtsräten an gemeinnützige Einrichtungen wie die Hans-Böckler-Stiftung abführen. Die Höhe der abzuführenden Beträge hat der DGB-Bundesausschuss im Oktober 2005 klar geregelt.

Gemäß dieser Regelung steht den Gewerkschaftern im Aufsichtsrat ein bestimmter Sockelbetrag zu. Von diesem Sockelbetrag müssen sie nur 10 Prozent abführen. Bei einfachen Aufsichtsratsmitgliedern liegt dieser Sockelbetrag bei 3500 Euro, bei stellvertretenden Vorsitzenden bei 5250 Euro und bei Aufsichtsratsvorsitzenden bei 7000 Euro pro Jahr. Von allem, was über diesen Beträgen liegt, müssen die Arbeitnehmervertreter 90 Prozent abführen.

Ohne Zustimmung in diese Klausel können Gewerkschafter nicht in Aufsichtsräte gewählt werden.

Sitzungsgelder und Sachleistungen

Die Regelungen des DGB beziehen sich allerdings explizit nur auf die Tantiemen. Das Sitzungsgeld, das die Arbeitnehmervertreter bekommen, können sie komplett behalten. Und Sachleistungen wie ein Jahresticket von der Bahn im Wert von mehr als 5000 Euro werden auch nicht berücksichtigt.

Zuletzt aktualisiert: 11. August 2008, 19:05 Uhr

Enfant Perdú
Heinrich Heine

Verlorner Posten in dem Freiheitskriege,
Hielt ich seit dreißig Jahren treulich aus.
Ich kämpfe ohne Hoffnung, daß ich siege,
Ich wußte, nie komm ich gesund nach Haus.

Ich wachte Tag und Nacht - Ich konnt nicht schlafen,
Wie in dem Lagerzelt der Freunde Schar -
(Auch hielt das laute Schnarchen dieser Braven
Mich wach, wenn ich ein bißchen schlummrig war).

In jenen Nächten hat Langweil' ergriffen
Mich oft, auch Furcht - (nur Narren fürchten nichts) -
Sie zu verscheuchen, hab ich dann gepfiffen
Die frechen Reime eines Spottgedichts.

Ja, wachsam stand ich, das Gewehr im Arme,
Und nahte irgendein verdächt'ger Gauch,
So schoß ich gut und jagt ihm eine warme,
Brühwarme Kugel in den schnöden Bauch.

Mitunter freilich mocht es sich ereignen.
Daß solch ein schlechter Gauch gleichfalls sehr gut
Zu schießen wußte - ach, ich kann's nicht leugnen -
Die Wunden klaffen - es verströmt mein Blut.

Ein Posten ist vakant! - Die Wunden klaffen -
Der eine fällt, die andern rücken nach -
Doch fall ich unbesiegt, und meine Waffen
Sind nicht gebrochen - nur mein Herze brach.

aus: Klaus Briegleb: Heinrich Heine. Sämtliche Werke, Bd. 6. Hanser Verlag, München: 1968ff, S. 120-121.

Entstehungsdatum: vor 1851


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Kater am 25. August 2008, 23:31:20
da habe ich auch noch zwei „Laternenmännchen“-Lieder anzubieten:

Erich Mühsam: Der Revoluzzer
Der deutschen Sozialdemokratie gewidmet

War einmal ein Revoluzzer,
Im Zivilstand Lampenputzer;
Ging im Revoluzzerschritt
Mit den Revoluzzern mit.

Und er schrie: 'Ich revolüzze!'
Und die Revoluzzermütze
Schob er auf das linke Ohr,
Kam sich höchst gefährlich vor.

Doch die Revoluzzer schritten
Mitten in der Straßen Mitten,
Wo er sonst unverdrutzt
Alle Gaslaternen putzt.

Sie vom Boden zu entfernen,
Rupft man die Gaslaternen
Aus dem Straßenpflaster aus,
Zwecks des Barrikadenbaus.

Aber unser Revoluzzer Schrie:
'Ich bin der Lampenputzer
Diesen guten Leuchtelichts.
Bitte, bitte, tut ihm nichts!

Wenn wir ihn' das Licht ausdrehen,
Kann kein Bürger nichts mehr sehen,
Laßt die Lampen stehen, ich bitt!
Denn sonst spiel ich nicht mehr mit!'

Doch die Revoluzzer lachten,
Und die Gaslaternen krachten,
Und der Lampenputzer schlich
Fort und weinte bitterlich.

Dann ist er zu Haus geblieben
Und hat dort ein Buch geschrieben:
Nämlich wie man revoluzzt
Und dabei noch Lampen putzt.



Die erste Hymne der französischen Revolution:

Ça ira - Les aristocrats à la laterne

Ah ! das geht ran, das geht ran, das geht ran,
Die Aristokraten an die Laterne!
Ah, das geht ran, das geht ran, das geht ran,
Die Aristokraten, hängt sie dran!

Und wenn sie alle hängen, marsch,
Haut man ihnen die Schippe vor’n Arsch.
Ah ! das geht ran, das geht ran, das geht ran...

Ah ! das geht ran, das geht ran, das geht ran,
Trotz Aristokraten, und trotz diesem Regen;
Ah ! das geht ran, das geht ran, das geht ran,
Werden wir auch naß, lange hält’s nicht an.

Das rinnt nur so, rinnt nur so, rinnt nur so
In den Hals beim Heimweg vom Marsfeld;
Das rinnt nur so, rinnt nur so, rinnt nur so,
Ich bin naß bis auf die Haut – und froh.

Was macht’s, naß zu werden, wenn ihr wißt,
Daß das für die Freiheit ist?
Wenn’s regnete Hellebarden,
Die mich durchnäßten, und meine Kameraden,
Noch viel lauter schrie ich, ho:
Das rinnt nur so, rinnt nur so, rinnt nur so.

Urfassung April 1790 - Musik von Bécourt


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Ziggy am 26. August 2008, 05:59:28
Zitat
Original von joachimkuehnel
Zitat
Original von Ziggy
... Solche Typen taugen nur als Laternenmännchen, sonst nichts.

Wie soll ich das Laternenmännchen jetzt genau verstehen, ein Nachtwächter oder ein Ampelmännchen?
Ein Männchen, das an einer Laterne hängt.
Meinetwegen auch an einer Ampel ...  :D


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: milly am 26. August 2008, 06:29:09
@kater
ich find´s wunderschön... zu lernen daß alles schon da war unter anderen bedingungen ...



@ziggy
bei deiner fatalistischen lebenshaltung frage ich mich: warum gehst du nicht einfach wandern anstatt alles schöne und konstruktive in diesem forum kaputt zu machen zu versuchen.....

wenn ich du wäre, würd ich doch meine zeit garnicht hier verschwenden. ich würde wandern gehen, ab und zu mal in meiner funktion als br die klappe aufreissen und mich meinen interessen widmen (welche anscheindend nicht vorhanden sind)...

ab und zu würde ich hier mal nachlesen aber den teufel würde ich tun, den leuten dauernd irgendwas zu vermiesen!!!
wenn ich befürchten müsste, dass sie in ein offenes messer rennen, würde ich das kundtun. wenn ich sehe daß da was wächst würde ich das unterstützen.

vielleicht würde ich auch erstmal ne auszeit brauchen und überhaupt nicht davon wissen wollen. oder/und mich auch ganz hiervon verabschieden....

kann ja alles sein...

was für mich gar nicht sein könnte wäre wenn ich der meinung wäre daß eh` alles wurscht und sowieso jeder der letzte depp wäre, daß ich dann ANDERE MENSCHEN mit in meinen strudel der zerstörung hineinziehen würde.

da komm`ich her und da will ich nicht mehr hin.

hast`n auftrag?! sag an...

ich bin nur ehrlich, du nervst mich langsam aber mit der zeit ziemlich gewaltig...

lg
milly


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Ziggy am 26. August 2008, 08:28:57
@milly

Zitat
@ziggy  bei deiner fatalistischen lebenshaltung frage ich mich: warum gehst du nicht einfach wandern anstatt alles schöne und konstruktive in diesem forum kaputt zu machen zu versuchen.....
Du bist wohl jetzt vollends verblödet.

Zitat
was für mich gar nicht sein könnte wäre wenn ich der meinung wäre daß eh` alles wurscht und sowieso jeder der letzte depp wäre, daß ich dann ANDERE MENSCHEN mit in meinen strudel der zerstörung hineinziehen würde.
Wo haste denn das her? Stand das am Boden einer Flasche?

Nimm deine Pillen und lass mich in Ruhe mit deinem Gesülze.

Bin übrigens kein br, wie kommst du darauf? Kaffeesatz?

Zitat
ich bin nur ehrlich, du nervst mich langsam aber mit der zeit ziemlich gewaltig...
Dito.

Wenn du'n Problem mit mir hast, gib mir deine Adresse, wir klären das.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 30. August 2008, 16:11:03
Es soll wahrlich niemand so tun, als seien die Folgen der Gewerkschaftspolitik nicht vorherzusehen gewesen. Die Zustimmung des DGB zu Hartz IV und Co. wurde schon zum Zeitpunkt der Entscheidung sehr treffend eingeschätzt:

Zitat
Mit der Zustimmung zu den Hartz’schen Verheißungen amputieren sich die Gewerkschaften selbst. Sie verlassen das Feld des eigenständigen und selbstbewußten agierens. Sie mutieren zum Transmisionsriemen des Kanzleramtes und des Arbeitsministeriums.


Der ganze Text aus dem Jahr 2002 (http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/modelle/hartz/frech.html) ist absolut lesenswert.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 30. August 2008, 16:36:34
Das war 2002 die von Labournet richtig beschriebene Haltung der DGB-Zentrale mitsamt ihrer Branchenableger.

Welchen Status Quo haben wir in Zeiten des Aufschwungswunders von Schwarz-Rot festzustellen?

Massenhaft gibt es eine Abstimmung mit den Füssen gegen die SPD und gegen den DGB und gegen die christlichen Gewerkschaften, so wie man es bestenfalls zu Zeiten der grünen DDR-Grenze bis zum 13.08.1961 erlebten. Viele sind zur WSAG und weiter zu den Linken übergelaufen und es soll bei den Gewerkschaften und in der SPD noch paar linke Flügel geben. Offenbar sind diese Flügel aber erlahmt.

Fehlt nur noch, daß SPD und DGB Telefon-Kaltakquise über Callcenter für sich machen oder Werbeflyers mit versprochenen Gewinnauslosungen in Briefkästen werfen, DGB- und SPD-Kaffeefahrten veranstalten oder mit einer Werbe-Road-Show durch die deutsche Prärie touren, um auf Mitgliederfang zu gehen. Als Gallionsfigur können sie ja den Gottschalk und Jauch einkaufen.

Wenn das eintritt, sind DGB und SPD völlig auf den Hund(t) und Henkel gekommen!!! Aber bis dahin finden wir so manchen DGB- und SPD-Funktionär garantiert auf Managerposten in der Wirtschaft wieder und/oder die Heuschrecken und Scientology unterwanderten die beiden. Gewöhnlich verlassen Ratten immer rechtzeitig sinkende Schiffe.

Ein trauriges Bild von einer reformistischen und revisionistischen Arschkriecherführung der Arbeiterbewegung, die kapitalgefällig und immer antikommunistisch handelt. Das beide den Sozialismus wollen muß man stark bezweifeln, da sie gegen die Dominanz privatwirtschaftlichen Eigentums an Produktionsmitteln nichts einzuwenden haben, solange sie selbst davon einen Nutzen als Tendenzbetrieb haben.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 12. September 2008, 22:14:22
Wie wird denn eigentlich hier die sonst zu recht kritisierte Küngelei von Arbeitnehmervertretern und Aufsichtsräten im Falle Porsche/VW gesehen?

Machtränkeleien der Oligarchenseite mal außen vor, läuft doch ad hoc alles in Richtung Arbeiter, oder? Brüssel soll ausgebremst werden, was meiner Meinung nach nicht gelingen wird und Supermann Wiedeking soll vom wirklichem Geldadel eins vor den Bug bekommen (das wird wirkungsvoll geschehen werden).

Was mich extrem stört ist, dass der Aktienpreis in wirklichkeitsfremde Dimensionen getrieben wird (heute 212Euro!!!), wobei Porsche sich über Call-Optionen dumm und dämlich verdient, obwohl sie selbst ja durch ihre Aktienkäufe den Kurs treiben um auf 50+1 zu kommen. Wo bleibt da die Börsenaufsicht, zwecks Insiderbereicherung???

Wenn es noch keiner festgestellt haben sollte, teile ich es Euch hiermit mit, dass der niedersächsische Steuerzahler der extrem Angeschissene sein wird, weil dieser Depp von Landesvater angekündigt hat zukaufen zu wollen, um die Sperrminorität erhalten zu können - also wird der dumme Wulff einige Milliarden Steuergelder "investieren" um vo 20 auf 25% zu kommen, nur um dann zuzusehen wie der Aktienkurs von 250 (?) auf unter 100 rauschen wird, aber liebe Chefduzer, er wird dies für das Volk getan haben werden...


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Kater am 12. September 2008, 23:43:39
vielleicht sollte man Wolfsburg angesichts dieser Betriebsgemeinschaft wieder zurückbenennen in Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben wie "Wolfsburg" von der Gründung am 1. Juli 1938 bis zum 25. Mai 1945 offiziell genannt wurde...  :rolleyes:

http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfsburg


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: jobless0815 am 12. September 2008, 23:49:24
Zitat
Original von alfred...
Wenn es noch keiner festgestellt haben sollte, teile ich es Euch hiermit mit, dass der niedersächsische Steuerzahler der extrem Angeschissene sein wird, weil dieser Depp von Landesvater angekündigt hat zukaufen zu wollen, um die Sperrminorität erhalten zu können - also wird der dumme Wulff einige Milliarden Steuergelder "investieren" um vo 20 auf 25% zu kommen, nur um dann zuzusehen wie der Aktienkurs von 250 (?) auf unter 100 rauschen wird, aber liebe Chefduzer, er wird dies für das Volk getan haben werden...

Schau schau, Alfred gibt Börsentips :D
Ich guck mal was ich aufm Konto hab :tongue: :D.

Sollen Wulf u. ich noch ein paar Puts :lesen> kaufen (?).

:D


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 13. September 2008, 02:13:43
Was ich mich jetzt ganz besorgt frage ist: Was, verdammt nochmal, hat das mit Gewerkschaft zu tun?

O.T. ! .......


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 13. September 2008, 09:20:10
Hallo besorgter Baku,

eigentlich war meine Intention mal richtig Aktuelles in die trockene Theoriedebatte zu bringen, was einen Blick in die nähere Zukunft mit einschließen sollte - weil in der theoretisch-nachträglichen Analyse sind wir alle schlauer.

Auf allen Kanälen war gestern fröhliche Kungelei von Politik, Arbeitnehmervertretern (@Baku: GEWERKSCHAFTEN) und Aufsichtsräten (@Baku: Wirtschafts-, Politik- u. GEWERKSCHAFTsvertretern) zu bestaunen.

Aber Baku, Asche auf mein Haupt, ich hatte gestern keine Zeit mehr meinen on-toppic-Beitrag inhaltlich und rechtschreiblich nachzueditieren - mein Pfleger kam und entriß mir die Tastatur...

 :(

Eigentlich wollte ich nur eine Anregung zur fröhlichen Gewerkschaftsdebatte einbringen, denn nichts steht doch so für die alte "Deutschland-AG", wie das System Volkswagen. Trotz teils korrupter und gut entlohnter Gewerkschaftsvertreter (bis in den Aufsichtsrat hinein) profitiert auch der kleinste Arbeitnehmer bei VW davon (Festangestellte und Leiharbeiter). Ich wäre jedenfalls gern dort beschäftigt und die 99,blumenkohl prozentige IGMetallzugehörigkeitsquote wäre das letzte was mich stören würde. Nun kommt aber der böse Kapitalist (Porsche) und der neoliberale Oberlehrer (Brüssel) und bedrohen dieses Biotop der Glückseeligkeit...

@jobless0815, irgendwie hast Du meine Tipps nicht verstanden. Erst müssen Wulff (und Du) Calls kaufen - nämlich genau so lange wie Porsche oder Niedersachsen Aktien benötigen und erst dann sollten alle auf Puts umswitschen...

edit: :wallbash> Danke joblessnullachtfünfzehn für die korrekte 'Intention'!  :tischkante>


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: jobless0815 am 13. September 2008, 12:32:29
Zitat

@jobless0815, irgendwie hast Du meine Tipps nicht verstanden. Erst müssen Wulff (und Du) Calls kaufen - nämlich genau so lange wie Porsche oder Niedersachsen Aktien benötigen und erst dann sollten alle auf Puts umswitschen...

Auch noch doppelt kassieren. Gier lieber Alfred, weisst du doch, ist der schlechteste Ratgeber ;)

Und dann noch, aus aktuellem Anlass:  das Wort IntenTion, im Sinne von Absicht, Zielsetzung etc., schreibt man mit "t", auch wenn es an einer Stelle wie ein "s" ausgesprochen wird.

Nur well ich mal woanders ein "s" zu wenig hatte, musst du nicht gleich hier eins an der völlig falschen Stelle setzen.


 :P    :)    :tongue:    :]

 :cheer:


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 13. September 2008, 12:59:14
Und im Hintergrund sitzt Piech als graue Eminenz, wo Wedekind auch mit diesem Piech-Familienclan verbandelt ist und beide machen feste Kasse. Deren langfristige Strategie ist es doch aus dem noch niedersächsisch kontrolliertem halbstaatlichem Volkswagenkonzern ein weltweites Piech-Privatimperium zu machen, daß Regierungen und andere Wirtschaftsunternehmen nach freiem Belieben machtpolitisch erpressen kann.

Phoenix-Dokumentation vom 02.07.2007: Die Macht, die Gier und der Größenwahn (http://www.phoenix.de/die_macht_die_gier_und_der_groessenwahn/2007/07/02/0/136936.1.htm)

"... Der eine: Ferdinand Piech, Techniker und menschenscheuer Milliardenerbe. Er ist und war die treibende Kraft bei VW. Ohne ihn geht nichts. Piech verwirklicht derzeit einen alten Traum der Familie Porsche: Der Enkel des VW-Gründers Ferdinand Porsche führt Porsche und VW wieder zusammen. ...

... Sein Ziel lässt Piech dabei nicht aus dem Auge. Jetzt wächst zusammen, was für die Familien eigentlich schon seit dem Dritten Reich zusammengehörte: VW und Porsche, ein Imperium. Der Aktienkurs hat sich unterdessen verdoppelt. ..."

Piech hat die Funktion eines Mafia-Paten. des Patrone.

"... Piëch kann ungemütlich werden, seine Harmoniebedürfnis ist sehr begrenzt. Unter anderem hasst er Drückeberger, Wichtigtuer und Manager, die sich gegenseitig in die wichtigen Jobs hochloben. Zusammengefasst: Er mag viele und vieles nicht. Sein Führungsstil ist feudalistisch. Ein Borderliner der Macht mit ungewöhnlicher Witterung für Gefahren. ..."

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/955/151575/4/

"... Der alte Piëch scheut schriftliche Vereinbarungen. Wirklich Wichtiges erledigt er im Stillen, mündlich. ..."

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/955/151575/5/

telebörse.de: Neues Imperium - Piechs Traum fast perfekt (http://www.teleboerse.de/Neues_Imperium_Piechs_Traum_fast_perfekt/030320082418/928589.html)

Deutschlandradio: Piech außer Kontrolle (http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kommentar/616926/)


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 18. September 2008, 21:08:29
Dieses Spektakel war die größte Demonstration der VW Arbeiter in der Konzerngeschichte.

Da sieht man welch Mobilisierungsmacht (zumindest in dieser Branche) die Gewerkschaften noch besitzen. Und wozu nutzen sie diese Macht? Zum Wohl der Belegschaft? Nein, nur zum Mitmischen bei einer Fehde zwischen zwei Kapitalisten mit aufgebrähtem Ego, zweier Sonnenkönige. Welcher von den Beiden an der Spitze sitzt, dürfte für die Bandarbeiter keinen allzu großen Unterschied machen.

Alfred erwähnte die eher vorbildlichen Arbeitsbedingungen der VW Arbeiter. Im Vergleich zu dem, was inzwischen Gang und Gäbe ist, sind die wirklich hervorragend. Die Gewerkschaften hatten dies mit ihrem sozialpartnerschaftlichen Kurs ausgehandelt. Sie sorgen für eine handzahme, fleißige Belgschaft, dafür garantiert das Unternehmen überdurchschnittliche Arbeitsbedingungen. Das gilt jedoch für einen immer kleiner werdenden Kreis. Die alte Stammbelegschaft. Die Arbeiter, die in den letzten Jahren hinzukamen, hatten schon einen weitaus schlechteren Status, doch immernoch Lichtjahre besser, als der der Leiharbeiter.

Die IGM hätte durchaus die Möglichkeit zu Kämpfen zu mobilisieren, von denen auch alle profitieren, die alte Stammbelegschaft, die neuen VW Arbeiter und die der Fremdfirmen. Nur scheint man bei der IGM da kein Interesse dran zu zeigen.

Kann man die Gewerkschaft zwingen, endlich mit den notwendigen Schritten zu einem Kampf zu beginnen?

Ich wüßte nicht wie. Ich sehe nur, wie sie den Ast absägt, auf dem sie sitzt. Sie verliert Mitgleider und Autorität. So macht man sich Stück für Stück überflüssig.


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Kater am 24. September 2008, 13:40:53
WDR, Mittwoch, 24. September 2008, 23:15 - 01:11  

Zitat
Kollege Otto  
Dokumentarspiel, Deutschland 1991

Vor 20 Jahren, 1988, berichtete ein großes Nachrichtenmagazin über Bilanzmanipulationen und Vermögensverschiebungen beim gewerkschaftseigenen Coop-Konzern, in der Folge wurde eine Verschuldung von fünf Milliarden D-Mark bekannt. In der Summe hatte der co op-Vorstand mehrere Banken um zwei Milliarden D-Mark geprellt.

Aus diesem Anlass wiederholt der WDR Heinrich Breloers dokumentarischen Fernsehfilm über den größten Gewerkschaftsskandal der Bundesrepublik. 1988 wurden der Unternehmensleitung des gewerkschaftseigenen Konzerns Coop massive Bilanzfälschungen und Betrug nachgewiesen. In seinem aus Dokumentar- und Spielteilen zusammengesetzten Film interessiert sich der Regisseur für die Entwicklungsgeschichte des Skandals, wie aus der genossenschaftlichen Idee der Gewerkschaftsbetriebe eine auf Raffgier und Bereicherung gründende Betriebspolitik wurde. Hauptfigur ist der Vorstandsvorsitzende der Coop, Bernd Otto, der in den Spielszenen glänzend von Rainer Hunold dargestellt wird.


http://dyninet.wdr.de/inetepg/ObjekteZurSendung.asp?Sendung=2904828&bookmark=http://www.wdr.de/epg/sqlepg/f0924t.html&Pos=69


Titel: Gewerkschaften
Beitrag von: Bowie am 25. September 2008, 21:09:07
Wie kapitalistisch ist der DGB? Die Geschäftspraktiken der DGB-Gewerkschaften und ihre Einbindung in Unternehmen und Politik werfen unbequeme Fragen auf.

http://labournet.de/diskussion/gewerkschaft/real/hansenmarcks.html


Titel: dju Berlin-Brandenb. fordert Rücktritt von Malte Hinz als dju-Bundesvorsitzenden
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 10. Dezember 2008, 13:29:59
Zitat
Wer sich an der Umsetzung des Kahlschlagkonzepts von WAZ-Superchefredakteur Reitz auch noch beteiligt, kann als dju-Bundesvorsitzender nicht mehr die Interessen der von Kündigung bedrohten Kolleginnen und Kollegen vertreten - auch nicht der Kollegen von Süddeutscher Zeitung, von G+J, vom Berliner Verlag, vom Handelsblatt oder anderswo." Hinz solle auch umgehend alle weiteren Ämter in der Gewerkschaft niederlegen...

http://dju-berlinbb.verdi.de/


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 10. Dezember 2008, 18:39:52
Wo sind denn die meisten Gewerkschafter politisch beheimatet?
Doch wohl in der SPD.

... und die Gewerkschaftsfunktionäre sitzen im deutschen Bundestag in der SPD-Fraktion, hatten während der Basta-Schröder-Regierung für den Hartzmist alle die Händchen zustimmend gehoben. Und ihnen gefällt es in Aufsichtsräten, Verwaltungs- und Firmenvorständen so gut, daß sie sich von Unternehmern mit allmöglichen Annehmlichkeiten und Privilegien ausstatten lassen.

Und jetzt die grossen Jammerarien der gleichen Funktionäre in Talkrunden wie schlecht denn Leih- und Zeitarbeit, Minijobs usw. sind. So ein verlogenes Verhalten wirkt wie bei einem Kirchenfürsten, der Wasser predigt, aber heimlich Wein säuft, Hurerei betreibt und sich den Wanst vollstopft.


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 11. Dezember 2008, 02:17:19
jokues blindwuetige Rundumschlaege sind ja meist unangebracht und mit Schaum vorm Maul, aber hier scheint das mal zu passen. - Das Gezerre geht weiter und der Wechsel (die Berufung/Bestechung) zum Chef ...... Redakteur ist schon ein Paradigmenwechsel der betroffenen Person. Das erinnert doch ziemlich an den "Chefgewerkschafter" einer gewissen Bahnergewerkschaft.

Geht denn solchen Typen voellig das Gefuehl ab, auf welcher Seite sie stehen? Woher sie kommen und weshalb sie mal Gewerkschafter geworden sind? Da werden sie dann noch von Leuten gestuetzt und bestaerkt (oder es wird in den Allerwertesten gekrochen, um spaeter mal eigene Vorteile zu haben?), die Monat fuer Monat die Mitgliederbeitraege auf ihren Konten, als "Lohn" getarnt, fuer sich verbrauchen koennen. Die geben dann sowas von sich (Auszug):

Zitat
Dieses Schreiben ging vor der Veröffentlichung der Pressemeldung der dju Berlin-Brandenburg an Malte Hinz. Deren öffentliche Rücktritts-Forderung erscheint uns in jeder Hinsicht überflüssig und verfehlt. Dies ist nicht Haltung des Fachbereichs Medien in ver.di und es gibt dafür auch keinerlei Grundlage in den bisherigen internen Äußerungen des dju-Bundesvorstands. Malte Hinz ist mit großer Mehrheit in die Funktion des dju-Bundesvorsitzenden gewählt worden, jeden Versuch,   ihn jetzt persönlich beschädigen zu wollen,   weisen wir zurück.

Falls es in der dju Bedenken hinsichtlich der Doppelfunktion von Malte Hinz als dju-Bundesvorsitzender und als Chefredakteurs der WR gibt, dann kann das in den dafür zuständigen Gremien der dju eingebracht werden. Das ist der richtige Ort – und zwar im Beisein von Malte.

Gleichzeitig wollen wir an dieser Stelle aus unserer Sicht Position beziehen: Für uns schließen sich diese beiden Aufgaben nicht grundsätzlich aus.


Die Quadratur des Kreises? - in Zeiten der Rezessionen?

Quelle: http://dju.verdi.de/aktuell/themen/waz


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 23. Dezember 2008, 19:08:59
also ich bin nach 20 jahren aus einer dgb gewerkschaft ausgetreten. die ändern sich nicht. bei lichte betrachtet schaden sie mehr als sie nützen. ihre aufgabe ist es den sozialen frieden zu bewahren. ich wurde mitglied in der gewerkschaft IWW genannt die wobblies. da können die mitglieder selbstbestimmen. und es wird kein träger hauptamtlichen aperat durchgefüttert der sich mehr mit sich selbst als mit den sorgen der mitgliederinnen beschäftigt.


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: jobless0815 am 28. Dezember 2008, 16:13:43
... und es wird kein träger hauptamtlichen aperat durchgefüttert der sich mehr mit sich selbst als mit den sorgen der mitgliederinnen beschäftigt.


So sollte es eigentlich sein. Aber meine Erfahrung ist: vorher wird man umgarnt und hofiert als potentielles Mitglied, fliessen die
Beträge erst mal, gibts höchstes noch ne Zeitschrift: wie beim Energieversorger oder der IHK oder... .



Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 28. Dezember 2008, 17:58:41
er keine hauptamtlichen durchfüttern will muß halt viel selber machen. "uns aus dem elend zu erlößen können wir nur selber tun"
in frankfurt hat sich gerade eine betriebsgruppe gebildet. jetzt wird ein fest geplant um kohle für einen anwalt usw. zu bunkern. die mitglieder entscheiden selbst. das gibt selbstbewustsein. die dgb gewerkschaften lassen eigeninitiative nur begrenzt zu. desshalb gehen sie unter


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 03. März 2009, 18:58:59
Ich habe kürzlich gleich von einer Reihe Leuten mitbekommen, deren (vorsichtig ausgedrückt) sehr gewerkschaftskritische Haltung mir seit langem bekannt war, daß sie alle Mitglied einer Gewerkschaft sind. Ich war mehr als überrascht. Sie erklärten das mit einer rein taktischen Haltung. Es kann manchmal von Vorteil sein, wenn man bei einem Auftritt (z.B. bei einer Streikversammlung) sagen kann, man kommt von der und der Gewerkschaft. Kontakte, Verteiler, Zugang zu Versammlungräumlichkeiten gehören wohl auch zu den "taktischen" Gründen.

Auch überrascht war ich, daß viele von ihnen von der Gewerkschaft als "Rechtsschutzversicherung" sehr wenig halten. Aus der Erfahrung mit gewerkschaftlicher Rechtsvertretung, mit den unmotivierten und unfähigen Anwälten (daß sie erst 10 min vor Prozeßbeginn sich erstmalig den Fall ansehen, ist keine Seltenheit) brachte sie dazu zusätzlich eine private Rechtsschutzversicherung abzuschließen um so zumindest mit einem Anwalt eigener Wahl arbeiten zu können.


Titel: "Unvereinbarkeitsbeschlüsse"
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 29. März 2009, 11:01:50
  "Essen steht auf" protestiert gegen IG-Metall-Ausschlussdrohung

27.03.09 - Das überparteiliche Kommunalwahlbündnis "Essen steht auf" protestiert gegen die Drohung der Essener IG-Metall-Führung, seine Mitglieder und Kommunalwahlkandidaten Yazgülü Kahraman-Meister und Horst Dotten aus der Gewerkschaft auszuschließen, weil sie ebenfalls auf der Offenen Liste der MLPD zur Bundestagswahl kandidieren. In der Pressemitteilung von "Essen steht auf" heißt es:

"'Mit seiner Drohung setzt sich der Ortsvorstand über den letzten Gewerkschaftstag der IG Metall hinweg, der erklärt hat, die sog. Unvereinbarkeitsbeschlüsse endlich abzuschaffen, und den Vorstand damit beauftragt hat, das umzusetzen', so Ratsherr Dietrich Keil, selbst IG-Metall-Mitglied. 'Wir stehen am Beginn einer tiefen Wirtschaftskrise, in der die Belegschaften Zusammenhalt und Kampfkraft brauchen. Ausgerechnet jetzt will Essens IG-Metall-Chef Bruno Neumann ihre Kampfkraft und Einheit durch den Ausschluss kämpferischer Kollegen schwächen? Das nützt nur den Unternehmern.'

Frau Kahraman-Meister, Vertrauensleutekörperleiterin bei Kennametal-Widia, tritt bei der Kommunalwahl im Wahlkreis 31 (Kray) an, Horst Dotten, Betriebsrat und Vertrauensmann bei ECS, im Wahlkreis 12 (Frohnhausen). 'Wir sind stolz darauf, solche aktiven Gewerkschafter in unseren Reihen zu haben', so Keil weiter. 'Für Essen steht AUF ist es ein Grundrecht, dass jede(r) unabhängig von Parteizugehörigkeit und Weltanschauung auf antifaschistischer Grundlage Mitglied einer Gewerkschaft sein kann. Der Sozialismus gehört zur Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung und nicht ausgeschlossen. Deshalb fordern wir die sofortige Rücknahme der Ausschlussdrohung gegen unsere Mitglieder.'"


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 29. März 2009, 12:51:52
bist du aber in der cdu oder spd wirst du von der gewerkschaft mit offenen armen aufgenommen. so "vertreten" sie die arbeiter.desshalb lieber die eigenen interessen selbst vertreten www.wobblies.de


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 29. März 2009, 13:02:52
bist du aber in der cdu oder spd wirst du von der gewerkschaft mit offenen armen aufgenommen. so "vertreten" sie die arbeiter.desshalb lieber die eigenen interessen selbst vertreten www.wobblies.de

Die Schlagkraft hat kein einzelner AN oder Arbeitsloser. Statt der verlogenen CDU- und SPD-verseuchten Gewerkschaften, brauchen wir echte, basisdemokratische, linke Gewerkschaften.

Seht Euch doch an, was die CDU- und SPD-Gewerkschaftsfunktionäre mit ihren Bundestagsmandaten für sozialen Schaden anrichten, wo sie fleißig bei Abstimmungen und fraktiontreu ihre Pfötchen heben - für den Sozialabbau, den sie ständig immer schlechter reformieren.

Wer braucht denn noch solche Interessenvertreter?

Allein kann man nichts ausrichten - deshalb braucht's linke Gewerkschaften, die noch im Sinne von August Bebel und Wilhelm Liebknecht handeln, den einstigen Gründervätern der Ur-SPD.

Spätestens ab Bewilligung der Kriegskredite zum Bau der kaiserlichen Panzerkreuzer durch die SPD kann man die SPD in die Tonne treten. Ab diesem Zeitpunkt verrät und verarscht die SPD ständig die Arbeiterbewegung. Sie ruft ganz offen zur Ermordung von Arbeiterführern auf: So erteilte Friedrich Ebert 1919 dem Noske und der ihm unterstellten Freikorps (rechtsorientierte Gliederung der Reichswehr) den Mordauftrag gegen Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg.

Der Berliner SPD-Polizeipräsident Zörgiebel ließ am 1. Mai 1929 auf demonstrierende, unbewaffnete Arbeiter schießen. Dafür bekam Zörgiebel 1953 in der Adenauer-BRD das Bundesverdienstkreuz.


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 01. April 2009, 19:01:12
Mein Kommentar: Lohnwucher, Klagen gegen Hungerlöhne und die kneifende Haltung der gewerkschaftlichen DGB-Rechtschutz GmbH - nicht akzeptabel, würdelos und beschämend!!!

Wir sind weit gekommen, wenn der DGB-Rechtsschutz von Klagen gegen Hungerlöhne abrät, weil Arbeitsrichter sich auf undiskutaple, ortsübliche Hungerlöhne als Rechtsgrundlage einschießen, die dann zum Rechtsmaßstab erklärt werden, von denen man zusätzlich die 33 1/3 Lohnabzug toleriert und danach sie erst als Lohnwucher deklariert. So was kann man nicht mal mit gesundem Menschenverstand und Logik erklären.

Ich möchte den Richter und Anwalt mal mit seinem Beamtensold sehen, wenn der mit Stundenlöhnen zwischen 2 bis 4 Euro brutto ausfallen würde. Aber vor einem sozialen Abstieg bis auf Alg II schützt sie die BRAGO - die Bundesgebührenordnung der Rechtsanwälte bzw. ihr Nachfolger das RVG - das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz - sozusagen die brancheneinheitliche und bundesweit, flächendeckende, verbindliche Eingruppierungsunterlage. Die würden nicht erst so ein scheinheiliges, bürokratisches Rechtsschmierentheater mit der Ortsüblichkeit von Arbeitsvergütungen abziehen, sondern mit solchen Dienstherrn gleich kurzen Prozeß machen. Aber leider sind sie diesem Hungerlohnniveau nicht ausgeliefert und so inszenieren sie eben neoliberales Schmierentheater in Gerichtssäalen. Man könnte meinen, sie handeln so wie verlogene, hinterhältige katholische Priester, die ein gottgefälliges Werk vorgauckeln oder Unternehmer, die christliche Nächstenliebe des Lohn- und Gehaltkürzens zelebrieren.

Der Fall Emily und die unseelige, nicht zu akzeptierende asoziale, mittelalterliche Rechtssprechungspraxis mit der Verdachtskündigung war so ein Vorgeschmack neoliberaler Unternehmerrechtssprechung. Wenn man die politische Einstellung der vorsitzenden Richterin im Emilyfall näher beleuchtet und ihre Vortragsreihen vor unternehmensnahen Interessenverbänden verfolgt wie man Arbeitsrecht zum Nachteil von AN auslegen kann, dann wird es klar, wohin die Rechtskarre fährt. Der nachfolgende Trend, Hungerlöhne als ortsübliche Löhne für rechtmäßig zu erklären, ist ein weiteres Beispiel aus dem juristischem Tollhaus kapitalistischer Ausbeuter- und Unterdrückerrechtssprechung. Schön das der DGB-Rechtsschutz noch den Schwanz einzieht und mit den Achseln zuckt.

Kann es daran liegen, daß Gewerkschaften samt ihre Mitglieder und die SPD, in dessen Fahrwasser sie schwimmen, nicht manns genug sind, gegen tariffreihe Branchen und tariffreie, territoriale Regionen anzukämpfen?

Sie haben über Jahrzehnte diese Branchen und Regionen dem lohnmäßigem Verfall ausgeliefert und kneifen jetzt, unter Bedingungen der Finanzkrise, steigender Verbraucherpreise, sinkender Sozialstandards und steigender Inflation ein seriöses, leistungsorientiertes Lohn- und Gehaltsniveau durch Tarifkämpfe und gesetzliche Grundlagen, durch eine seriöse Klassifizierung der Bewertung von Arbeitsaufgaben nach aktuellen arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen durchzusetzen. Wie man sieht, freut's die raffende, räuberische Unternehmerbagage, die CDU/CSU/FDP.

Die Arbeitsrichter schwingen sich gleich gern auf als ihre Rechtsbüttel, das Hungerlohnniveau rechtmäßig einzubetonieren, damit es zu "gefestigter Rechtssprechung" erklärt werden kann. Also die Rechtsorgane sind damit auch von den Unternehmern eingekauft und korrumpiert worden. Sie sind kein Stück unabhängig und neutral, sondern höchst parteilich, biedern sich mit ihren Diensten dem Kapital an. Kein Wunder, stellt sich doch die Justiz als gleichberechtigter Partner der selbsternannten bourgeoisen Leistungselite aus Politik und Wirtschaft dar, die ihre "Netzwerke", sprich Amigo- und Klüngelbeziehungen spielen lassen. Man kennt sich untereinander in diesen erlauchten Kreisen und da pinkelt man sich nicht gegenseitig ans Bein.

Sollte wider Erwarten mal ein Gericht wie z.B. der 4. Senat des BSG im Fall der Abschlagsbewertung von Erwerbsminderungsrenten menschen- und volksfreundlich entscheiden, besetzt man eben gleich ganze Gerichte personell neu und reformiert rechtsbeugend über den Deutschen Bundestag schnurstraks gleich entsprechende Gesetzespassagen, nur damit die gesetzlichen Rentenversicherung von millionenschweren Rentennachzahlungen verschont wird.

http://www.mdr.de/umschau/1137065.html - Rentenkassen zahlen immer öfter erst nach Klage

http://www.mdr.de/umschau/6085611.html - Rentenversicherung macht Rückzieher bei Intelligenzrente

http://www.mdr.de/umschau/5925381.html - Warum ein Richter am Bundessozialgericht versetzt wurde

http://www.mdr.de/umschau/3247148.html - Neues BSG-Urteil zu Erwerbsminderungsrenten

http://www.mdr.de/umschau/4148442.html - Nachzahlung für Erwerbsminderungs-Rentner gefährdet

Man bekommt als Bürger so schnell den Eindruck, das man mit Vorsatz volksfeindliche Rechtbeugung durch Politik, Lobbygruppen, Wirtschaft und Justiz vorantreibt. Und daran sind die Unternehmerparteien CDU/CSU/FDP maßgeblich mit beteiligt.

Georg Büchner mit der Flugschrift "Der Hessische Landbote" und die darin befindlichen Juristenkritik läßt grüßen.

Zitat
(§ 99 BetrVG - branchen- und flächendeckende Eingruppierungsverpflichtung, unabhängig von der Betriebsgröße - siehe zum Vergleich - [url]http://www.verfassungen.de/de/ddr/arbeitsgesetzbuch77.htm[/url] - Arbeitsgesetzbuch der DDR, §§ 79 ff.

§ 79. Arbeitsklassifizierung.

Der Betrieb hat gemeinsam mit den Werktätigen bei Veränderungen der Arbeitsbedingungen durch Einführung neuer Technik und Technologien sowie bei der Verbesserung der Arbeitsorganisation zu gewährleisten, daß die Arbeit inhaltsreicher wird und entsprechende Arbeitsaufgaben festgelegt werden. Auf dieser Grundlage sind die Anforderungen an die Qualifikation und Verantwortung der Werktätigen sowie auftretende Arbeitserschwernisse zu ermitteln und mit den Werktätigen die erforderlichen Qualifizierungsmaßnahmen zu vereinbaren sowie Maßnahmen zur schrittweisen Beseitigung der Arbeitserschwernisse zu treffen.

§ 100. Zur Eingruppierung der Arbeitsaufgaben sind zwischen den zuständigen zentralen Staatsorganen und den Zentralvorständen der zuständigen Industriegewerkschaften und Gewerkschaften Eingruppierungsunterlagen als Bestandteile der Rahmenkollektivverträge zu vereinbaren.

§ 101. (1) Die Lohn bzw. Gehaltsgruppe für die mit dem Werktätigen vereinbarte Arbeitsaufgabe ergibt sich aus den Eingruppierungsunterlagen. Wird eine Arbeitsaufgabe von den Eingruppierungsunterlagen nicht unmittelbar erfaßt, ist die zutreffende Lohn bzw. Gehaltsgruppe entsprechend den rahmenkollektivvertraglichen Festlegungen zwischen dem Betriebsleiter und der Betriebsgewerkschaftsleitung zu vereinbaren:

(2) Die im Betrieb vorhandenen Arbeitsaufgaben sind mit den zutreffenden Lohn- bzw. Gehaltsgruppen und der erforderlichen Qualifikation in einer Liste oder in anderer geeigneter Form zu erfassen.

(3) Für eine Arbeitsaufgabe ist auch dann nur eine Lohn- bzw. Gehaltsgruppe festzulegen, wenn sie Teilaufgaben mit unterschiedlichem Kompliziertheitsgrad enthält. Für bestimmte Bereiche kann in den Rahmenkollektivverträgen eine andere Regelung getroffen werden, wenn es die Besonderheit der Arbeit erfordert.

§ 102. (1) Der Werktätige hat Anspruch auf Lohn nach der Lohn- oder Gehaltsgruppe der vereinbarten Arbeitsaufgabe.

(2) Der Betrieb ist verpflichtet, mit dem Werktätigen eine Arbeitsaufgabe zu vereinbaren, für die er den erforderlichen Qualifikationsgrad eines entsprechenden Ausbildungsberufes besitzt. Ist der erforderliche Qualifikationsgrad noch nicht vorhanden, hat der Betrieb den Werktätigen für die Qualifizierung zu gewinnen und ihm den Abschluß eines entsprechenden Qualifizierungsvertrages anzubieten.

(3) In Rechtsvorschriften kann festgelegt werden, daß Werktätige mit langjähriger Berufserfahrung den erforderlichen Qualifikationsgrad nicht besonders nachweisen müssen, wenn sie durch ihre Leistungen zeigen, daß sie die für die Ausführung der Arbeitsaufgabe festgelegte Qualifikation besitzen.

-----------------------------------------------------------

In der DDR waren die beschriebenen Eingruppierungen von Arbeitsaufgaben, lt. zentralen Eingruppierungskatalogen flächendeckend und brachenweit, wenn nicht sogar branchen- oder flächenübergreifend rechtsverbindlich für jedermann, wenn er das Anforderungsprofil der eingruppierten Arbeitsaufgabe erfüllte. Z.B. war ein Schlosser in der Metallurgie, dem Schlosser im Maschinen- und Werkzeugbau, im Landmaschinenbau in der Arbeitsbewertung und damit in der Arbeitsvergütung gleichgestellt, weil die grundsätzlichen Arbeitsanforderungen kerntypisch gleich waren. In der BRD dagegen will man die Belegschaften auseinanderdividieren, spalten oder frei nach Gesicht um Löhne und Gehälter feilschen wie auf arabischen Basaren. Das widerspricht jeglichen Grundsätzen objektiver Arbeitsbewertung, widerspricht dem Leistungs- und Lohnverteilungsprinzip - Gleiche Arbeit für gleichen Lohn!!!)


MDR, Sendung "Umschau" vom 31.03.2009, 20:15 Uhr: Gute Chancen auf angemessenen Lohn im Einzelhandel (?????!!!!!) (http://www.mdr.de/umschau/6250716.html)

Mein Kommentar: Die Frage- und Ausrufezeichen mußte ich setzen, weil man diese Überschrift in Zweifel ziehen muß.

Klagen auf angemessenen Lohn sind in Deutschland nach Aussagen von Arbeitsrechtlern eher die Ausnahme. Der Erfolgschancen hängen von der Branche und der Region ab. Der Grund: Die Richter orientieren sich bei ihrer Bewertung am ortsüblich gezahlten Lohn. Das ist aber nicht immer der Tariflohn. Im Einzelhandel gab es jetzt Urteile zugunsten der Verkäuferinnen.

Ursula G. arbeitete als geringfügig Beschäftigte beim Textildiscounter Kik in Nordrhein-Westfalen (NRW). Der Arbeitgeber zahlte ihr einen Stundenlohn von 5,20 Euro. Das erschienen ihr und der Gewerkschaft zu wenig. Der NRW-Tarifvertrag sieht mehr als 12 Euro vor. Die Richter des Landesarbeitsgerichtes Hamm urteilten, dass ihr mindestens 8,21 Euro zustehen. Weniger sei sittenwidrig und Lohnwucher, was bedeutet, dass der gezahlte Lohn weniger als zwei Drittel des ortsüblichen Lohns beträgt. (LAG Hamm 18.03.2009, Az. 6 Sa 1284/08).

"Auffälliges Missverhältnis"

Ähnlich verlief die Klage einer Verkäuferin vor dem Arbeitsgericht Rostock. Sie hatte den Beruf gelernt und konnte mit Berufserfahrung aufwarten, verdiente aber 6,61 Euro pro Stunde. Das Gericht urteilte, dass ein Stundenlohn unter 7,22 Euro in diesem Fall unzulässig ist. In der Rostocker Urteilsbegründung hieß es ähnlich wie im Fall von Ursula G., dass der gezahlte Lohn ein "auffälliges Missverhältnis" von Leistung und Entgelt darstelle. Dies sei nach § 612 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches sittenwidrig (ArbG Rostock Az. 2 Ca 442/08).

Tariflohn nicht überall geeigneter Maßstab

Erfolgreich waren diese Klagen nur, weil die Richter als Maßstab für den ortsüblichen Lohn den Tariflohn definiert hatten. Das machen sie, wenn man nachweisen kann, dass mehr als die Hälfte der Beschäftigten in der gleichen Branche und der gleichen Region Tariflohn beziehen. Nach Einschätzung von Manfred Landmann von der Gewerkschaft "Nahrung Genuss Gaststätten" (NGG) ist dieser Bewertungsmaßstab in den Neuen Bundesländern problematisch:

Zitat
"Da im Osten oft kein Tariflohn gezahlt wird, schauen die Richter, was vor Ort tatsächlich gezahlt wird. Und das ist meist viel weniger. Aber erst dann, wenn dieser sehr viel niedrigere Lohn nochmals um ein Drittel unterschritten wird, sprechen die Richter im Osten von sittenwidrigen Löhnen."
 
Manfred Landmann, Gewerkschaft "Nahrung Genuss Gaststätten"


Nach den Angaben des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gelten derzeit nur für 40 Prozent der Beschäftigten in den Neuen Bundesländern Branchentarifverträge und für 56 Prozent der in Westdeutschland.


Nicht jede Klage hat Aussicht auf Erfolg
Anders als im Einzelhandel sieht es im Osten in anderen Branchen aus. Mitarbeiter einer Großbäckerei in Thüringen (Mein Kommentar: Im Sendebeitrag ging es um die Firma Entebrot) klagten auf angemessene Bezahlung. Seit 1993 bekamen sie den gleichen Stundenlohn in Höhe von 4,96 Euro. Obwohl der Tariflohn bei zirka neun Euro liegt, ist ein Stundenlohn von 4,96 nicht sittenwidrig, so die Richter des Arbeitsgerichtes Gera. Begründet wurde dies damit, dass kaum ein Unternehmen Tarif zahlt und fast alle in der Branche ebenso niedrige Löhne anbieten.

Wann Gewerkschaften von Klagen abraten

Ähnliche Erfahrungen sammelte die NGG auch in anderen Fällen. Aus diesem Grund raten sie auch hilfesuchenden Kollegen von einer Klage ab, zum Beispiel Nicole W. aus Leipzig. Die Frau arbeitete in der Gastronomie und erhielt von ihrem Arbeitgeber einen Stundenlohn von 3,47 Euro. Als sich Nicole W. an die Gewerkschaft wandte, riet man von einer Klage wegen Lohnwucher ab. Der Grund: In der sächsischen Gastronomie wird kaum nach Tarif bezahlt. Stattdessen bekommen sehr viele Köche eine ähnlich geringe Bezahlung wie Nicole W. Die Richter hätten diesen schlechten Durchschnitt zum Maßstab für ihre Bewertung genommen. Oft herrscht Angst

Doch auch, wenn die Erfolgschancen wie im Einzelhandel sehr gut stehen, gibt es beim Einklagen des angemessenen Lohns ein anderes Problem: Kaum eine Verkäuferin oder ein Verkäufer traut sich dies. Deutlich wurde dies, als Umschau-Reporter eine Gewerkschafterin in Dresdner Kik-Filialen begleiteten. Die Frau bot den Kolleginnen Hilfe an, doch sie stieß dabei auf Angst und Ablehnung. Einige Kolleginnen waren nicht einmal bereit, ihren Stundenlohn zu nennen.

Zuletzt aktualisiert: 31. März 2009, 18:11 Uhr






Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 01. April 2009, 19:55:23
die NGG ist restlos verkommen. es wird eine kosten nutzenanalyse gemacht. wenn eine wegen der löhne klagt klagen andere auch und das kosten den rechsschutz geld. apropo rechtsschutz. man muss nicht glauben daß NGG einen anwalt nach wahl bezahlt. man wird von dgb rechssekretären vewrtreten die zum teil rattenschlecht sind und immer die gewerkschaftlichen interessen im kopf haben. die sind nicht immer die gleichen wie die der kolleginnen


Titel: Gerichtsurteil anerkennen! DGB Sekretär sofort wieder in Greifswald einsetzen
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 05. Mai 2009, 18:55:00
„… Der Ausschuss für Solidarität mit Thomas Möller ruft alle Gewerkschaftsmitglieder und Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich mit dem Kollegen Möller zu solidarisieren, der einer persönlichen und politischen Intrige zum Opfer fallen soll.
Wir fordern die sofortige Wiedereinsetzung des Kollegen Möller in Greifswald!
Wir fordern den Erhalt des DGB in Greifswald!
Wir fordern die Willensbildung von unten nach oben!
Wir fordern einen politisch unabhängigen DGB!
Wir fordern das uneingeschränkte Recht auf Meinungsfreiheit in den Gewerkschaften!
Wir fordern ein Ende der Beitragsverschwendung für unsinnige Gerichtsverfahren!
Wir fordern mehr Mitsprache der Mitglieder!...“

http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/allg/dgbgreifswald2.html


Titel: Gewerkschaft bat Bahn um Datenabgleiche
Beitrag von: Kater am 16. Mai 2009, 17:13:03
Zitat
Gewerkschaft bat Bahn um Datenabgleiche

Die von einem Datenskandal schwer belastete Deutsche Bahn hat auch für die Gewerkschaft Transnet Datenabgleiche vorgenommen. Transnet wollte Insidern zufolge wissen, ob die Gewerkschaftsmitglieder ihre Mitgliedsbeiträge in der festgelegten Höhe anteilig von ihrem Einkommen entrichtet hätten, wie das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" vorab berichtete. Die Abgleiche sollen in den Jahren 1994 und 1998 stattgefunden haben. Aber auch noch Ende 2008 soll dem Bericht zufolge der damalige Transnet-Boss Lothar Krauß die Bahnführung darum gebeten haben.

Transnet-Funktionäre sollen laut "Spiegel" auch weiter Druck gemacht haben, nachdem sowohl der Datenschutzbeauftragte als auch das Personalressort der Bahn dieses Ansinnen aufgrund neuer datenschutzrechtlicher Bestimmungen abgelehnt hatten. Die Gewerkschaft bestreitet dies demnach. Allerdings bestätigte Transnet dem Magazin die beiden vorherigen Datenabgleiche. Das Verfahren sei seinerzeit im Vorfeld mit dem Bundesdatenschutzbeauftragten erörtert und von diesem auch genehmigt worden, erklärte die Gewerkschaft demnach. Persönliche Daten wie Anschriften oder Kontoverbindungen seien nicht einbezogen worden.

Die Sonderermittler im Datenskandal sehen derweil dem Bericht zufolge weiteren Aufklärungsbedarf. Die Ex-Bundesminister Gerhart Baum (FDP) und Herta Däubler-Gmelin (SPD) forden demnach in der 204 Seiten umfassenden Lang-Version ihrer Untersuchungen weitergehende Ermittlungen. "Wir empfehlen dem Aufsichtsrat, die wegen der Kürze der Zeit und der nur begrenzt zur Verfügung stehenden Aufklärungs- und Ermittlungsinstrumente, die nicht in allen Details zu Ende geführten Prüfungen in Verantwortung des Vorstandes abzuschließen", heiße es in dem Bericht. Darüber hinaus forderten Baum und Däubler-Gmelin das Bahn-Kontrollgremium zu zivilrechtlichen Schritten gegen den ehemaligen Bahn-Vorstand auf.

Die Bahn hatte in den vergangenen Monaten nach und nach eingestanden, im Kampf gegen Korruption die eigenen Mitarbeiter systematisch überprüft und überwacht zu haben. Die Vorgehensweise hatten zuletzt unter anderem die Sonderermittler Däubler-Gmelin und Baum untersucht. Am Mittwoch hatte sich das Unternehmen im Bemühen um einen Neuanfang von mehreren Vorständen und hohen Managern getrennt. Bahn-Aufsichtsratchef Werner Müller betonte zugleich, die Ermittlungen im Konzern hätten gezeigt, dass keinen Vorstand persönlich Schuld in der Affäre treffe. Auf unterer Ebene gibt es laut Bahn jedoch klare Hinweise auch auf strafrechtliche Verstöße.


http://de.news.yahoo.com/2/20090516/tbs-gewerkschaft-bat-bahn-um-datenabglei-f41e315.html


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 16. Mai 2009, 19:28:14
transnet ist doch keine gewerkschaft oder?


Titel: Brisantes Dokument belegt: Vorgehen gegen linke Infostände am 16. Mai von DGB-Sp
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 28. Mai 2009, 17:51:45


27.05.09 - Bei der bundesweiten Demonstration am 16. Mai in Berlin trauten viele Teilnehmer ihren Augen nicht. DGB-Ordner räumen am Breitscheidplatz gewaltsam einen Info-Stand der MLPD und zertrümmern ihn. Damit nicht genug, wird bei der Abschlusskundgebung auf Anweisung von Andrew Walde, SPD-Funktionär und Organisationssekretär des DGB Berlin-Brandenburg, ein weiterer Stand der MLPD von Polizeikräften abgeräumt. In ähnlicher Weise wird dort gegen Infostände anderer linker Organisationen vorgegangen, wird ein Pavillon der SAV zerstört und ein Stand der Linkspartei untersagt bzw. diese zum Abbau des Stands gezwungen. Wer bisher dachte, dass hier lediglich einigen antikommunistisch verhetzten Funktionären die Sicherung durchbrannte, wird nun eines Besseren belehrt.

Inzwischen ist eine Ordner-Anweisung des DGB zum 16. Mai aufgetaucht, die im Internet kursiert und bei "Indymedia" veröffentlicht wurde. Darin heißt es unter anderem:

"Folgende Dinge sind dabei von Wichtigkeit. (...)
3. Wir müssen den Bereich vor der Bühne so freihalten, dass die Gewerkschaftsfahnen und -transparente dort das Bild bestim­men.
4. Wir müssen die Flächen in der Straße des 17. Juni bis zur Siegessäule freihalten von unerwünschten Ständen oder Aktio­nen.
5. Wir erwarten keine Störungen durch rechte Gruppierungen.
6. Wir erwarten massive Störungen durch linke Gruppierungen. Dies können u.a. sein:
- große Transparente bei den Kundgebungen, Demozügen oder der Abschlussveranstaltung,
- unerwünschte Infostände bei den Auftaktkundgebungen oder der Abschlusskundgebung,
- Lautsprecherwagen oder mobile Akku-Anlagen bei den Auftaktkundgebungen, in den Demozügen oder bei der Abschlussveranstaltung.
Wir benötigen daher mindestens 50 Ordner der Berliner Gewerkschaften."

Viele Mitglieder und Funktionäre der DGB-Gewerkschaften protestieren bereits dagegen. So erklärte David Schultz, Mitglied im Landesvorstand der Linkspartei Hamburg, zu dem "absolut nicht tolerierbaren Verhalten" der DGB-Ordner, dass er sich als Gewerkschafter noch nie für etwas so geschämt habe.

Protesterklärungen an den DGB-Bundesvorstand: Henriette-Herz-Platz 2, 10178 Berlin, E-Mail: info.bvv@dgb.de

http://www.rf-news.de/2009/kw22/skandal-aggressives-vorgehen-gegen-linke-infostaende-von-dgb-spitze-angeordnet



Titel: Re: Brisantes Dokument belegt: Vorgehen gegen linke Infostände am 16. Mai von DGB-Sp
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 28. Mai 2009, 18:07:51
27.05.09 - Bei der bundesweiten Demonstration am 16. Mai in Berlin trauten viele Teilnehmer ihren Augen nicht. DGB-Ordner räumen am Breitscheidplatz gewaltsam einen Info-Stand der MLPD und zertrümmern ihn. Damit nicht genug, wird bei der Abschlusskundgebung auf Anweisung von Andrew Walde, SPD-Funktionär und Organisationssekretär des DGB Berlin-Brandenburg, ein weiterer Stand der MLPD von Polizeikräften abgeräumt. In ähnlicher Weise wird dort gegen Infostände anderer linker Organisationen vorgegangen, wird ein Pavillon der SAV zerstört und ein Stand der Linkspartei untersagt bzw. diese zum Abbau des Stands gezwungen. Wer bisher dachte, dass hier lediglich einigen antikommunistisch verhetzten Funktionären die Sicherung durchbrannte, wird nun eines Besseren belehrt....

Nun haben wir also auch eine antikommunistische DGB-Gewerkschaftsfunktionärs-Stasi und die regt sich noch künstlich über den 17. Juni 1953 und die Errichtung der Mauer zum 13. August 1961 auf. Wer antikommunistisch denkt und handelt, ist rechtsradikal und damit ein verkappter Neonazi. Und solche Leute sind noch mit vollem Kadavergehorsam in der SPD und auf den SPD-Fraktionsplätzen in den Parlamenten, in den Aufsichts- und Vorstandsetagen einschlägiger Firmenleitungen. Sie sind verlogene, hinterhältige Diener des Kapitals mit neoliberalem Anstrich und keine Führer der deutschen Arbeiterbewegung mehr.

Scheidemann, Ebert, Noske und Schumacher lassen grüßen!!!

Wir brauchen also auch linke Gewerkschaften, weil auf dem SPD-DGB zunehmend kein Verlaß mehr ist. Die nähern sich in ihrem Verhalten und Charakter den christlichen Gewerkschaften. Ein Zeichen, daß es in diese Richtung geht, sind ihre Unterschriften zu den Hartzgesetzen, zur Leih- und Zeitarbeit.


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 28. Mai 2009, 20:40:50
eine linke gewerkschaft ist gerade am wachsen und zegt erst erfolge
http://www.wobblies.de/?cat=31


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: LibertärerCommie am 29. Mai 2009, 09:27:37
vergisst mir die FAU nicht.   ;)
sie kämpft gerade in berlin gegen das kino babylon und zim bspw. und ist solidarisch mit einem genossen aus zaragossa der von ryanair entlassen wurde. oder einer genossin aus spanien (stadt grad nicht im kopf) die bei starbucks entlassen wurde
weitere aktionen werden sicherlich folgen.
aber an sich egal wo man drin ist, solange es nicht dgb ist. aber anarchistisch denkende menschen und solche die auf die volle selbstverwaltung setzen sollten in der fau sein um vernetzt zu sein.


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 01. Juni 2009, 20:32:50
na werd doch unsere schwestergewerkschaft nicht vergessen.
nur gemeinsam sind wir stark


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 29. Juni 2009, 18:28:48
Bei den Rufen nach Staatshilfe für Opel und Arcandor standen DGB und Betriebsratsvorsitzende an vorderster Front. Zunächst scheint ihre Haltung verständlich: Es ist Gewerkschaftsaufgabe, Beschäftigungsniveau und damit produktive Kapazitäten zu sichern. Nur zu welchem Preis?

Artikel von Jörg Nowak im ND vom 19.06.2009
Aus dem Text:
Zitat
… Mit ihrer faktischen Politik in Sachen Staatshilfen agieren die Gewerkschaften als Avantgarde der Umverteilung von Steuergeldern an private Kapitalisten. Stattdessen müssten Fragen gestellt werden nach der Haftung von Eigentümern (Schickedanz und Co.) mit Privatvermögen und damit nach der Rolle des Privateigentums überhaupt. Das Besondere an dieser Krise scheint zu sein, dass jedes Agieren innerhalb geltender Regeln von Politik und Ökonomie alles nur noch schlimmer macht. Umgekehrt erscheint nur noch als rational, was die Gewerkschaften mit aller Macht verhindern: Die Umsetzung ihrer eigenen Forderungen durch eine politische Bewegung der ArbeiterInnen, die durch Streiks und Betriebsbesetzungen realen Druck aufbauen. Nur so können echte Veränderungen durchgesetzt werden…

http://www.neues-deutschland.de/artikel/150766.avantgarde-der-umverteilung.html


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: Kollege1968 am 01. Juli 2009, 22:26:41
vergisst mir die FAU nicht.   ;)
sie kämpft gerade in berlin gegen das kino babylon und zim bspw. und ist solidarisch mit einem genossen aus zaragossa der von ryanair entlassen wurde. oder einer genossin aus spanien (stadt grad nicht im kopf) die bei starbucks entlassen wurde
weitere aktionen werden sicherlich folgen.
aber an sich egal wo man drin ist, solange es nicht dgb ist. aber anarchistisch denkende menschen und solche die auf die volle selbstverwaltung setzen sollten in der fau sein um vernetzt zu sein.


Tut mir leid, aber das ist zweierlei: Zum einen ist da der berechtigte Kampf der KollegInnen und zum anderen ist da die FAU, die sich anarchistisch wähnt und radikal gibt. In der Tageszeitung junge Welt vom 19. Juni 2009 (http://www.jungewelt.de/2009/06-19/047.php) war unter der Überschrift "Anarchisten fordern Kino-Tarifvertrag" wie folgt zu lesen: "Berlin. Die Geschäftsleitung des Kinos Babylon in Berlin-Mitte lehnt den von der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (FAU) entworfenen Haustarifvertrag ab. Eine von der FAU gestellte Frist habe die Geschäftsführung am Mittwoch verstreichen lassen, teilte die FAU am Donnerstag mit. Die anarchosyndikalistische FAU fordert u.a. Löhne »auf einem würdigen Niveau«, die Umwandlung aller befristeten Verträge in unbefristete und eine »ordentliche Entlohnung« von Praktikanten. Obwohl das Filmtheater mit öffentlichen Mitteln gefördert werde, lägen die Entgelte kaum über dem Hartz-IV-Satz. Die FAU hatte das Babylon Anfang Juni zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Ungeachtet der Ablehnung werde man die Forderungen »mit allen Mitteln durchsetzen«, erklärte ein FAU-Sprecher am Donnerstag. »Wir sind stärkste Gewerkschaft im Betrieb, gut aufgestellt und organisiert.« (jW)"

Was aber unterscheidet die FAU von den DGB-Gewerkschaften? Die Forderung nach einer "ordentlichen Entlohnung" oder etwa die Forderung nach Löhnen auf einem "würdigen Niveau"? Diese "Forderungen" könn(t)en genauso gut vom DGB stammen! Der FAU fällt es natürlich leicht, in die Fußstapfen des langweiligeren großen Bruder DGB zu treten, aber wo ist der grundlegende Unterschied? Auch die FAU-Forderung "Keine Arbeit ohne Lohn" (siehe die gleichnamige Kampagne der FAU) ist schon bezeichnend. Da wird – wie im Fall Babylon - wie selbstverständlich über die Lohnarbeit und den Lohn verhandelt. Die Lohnarbeit als solche steht nicht mehr zur Diskussion, wie auch, wenn es das Geschäft von Gewerkschaften ist, den Preis der Ware Arbeitskraft auszuhandeln. Dabei machen auch anarchosyndikalistische Gewerkschaften keinen Unterschied. Staubsaugervertreter verkaufen Staubsauger,
Versicherungsvertreter verkaufen Versicherungen,
warum sollten ausgerechnet Volks- oder Arbeitervertreter
aus der Art schlagen?


Und was heißt schon „Selbstverwaltung"? "Selbstverwaltung" bedeutet, daß wir es "selbst" tun wollen. Aber das wollen wir doch gar nicht, wir wollen alles hinwegfegen, auf einer ganz neuen Basis errichten und es nicht einfach "selbst verwalten". Derzeit leben wir im Kapitalismus mit seiner demokratischen  Narrenfreiheit. "Selbstverwaltung" steht dazu nicht im Gegensatz oder Widerspruch, sondern ist - in einem gewissen Rahmen - durchaus möglich und auch gewollt. Schädlich ist sie für das Kapitalverhältnis nicht. In Spanien haben die AnarchistInnen auch der "demokratischen Narrenfreiheit" "selbstverwaltete" Betriebe und Kooperativen entgegengehalten. War durchaus vereinbar mit dem Kapitalismus und förderlich für seine Aufrechterhaltung und die Führung des spanischen Krieges. Oder eben Zanon, Brukman, einst in den 1970ern LIP oder Strikebike - das alles ist "Selbstverwaltung". Damit möchte ich als Arbeiter, der dies nicht länger bleiben will, sondern die Klassengesellschaft beenden will, nichts zu tun haben. Ich möchte und kann nicht „selbst verwalten“, was ich abschaffen will, was abgeschafft gehört: das kapitalistische Elend der bürgerlichen Existenz als LohnarbeiterIn, etc. Was soll das sein - „Selbstverwaltung“? Selbstverwaltete Betriebe der Art, wie sie vom Anarchosyndikalismus favorisiert werden? Das wäre und ist aber immer Verwaltung der eigenen Ausbeutung statt ihrer Aufhebung und dem Kampf dagegen!
 8)


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 02. Juli 2009, 17:02:17
die FAU oder der IWW verstehen sich nicht als Vertreter der Arbeiter. Vertreten können diese sich nur sewlbst. Was geboten wird ist solidarität und Hilfestellung. Daß Lohnarbeit scheiße ist sterht auser frage. es gibt sie aber. Um ihre Situation zu verbessern sind der Arbeiterklasse alle Mittel erlaubt.


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: LibertärerCommie am 02. Juli 2009, 20:38:43
man wird den kapitalismus nicht von heut auf morgen abschaffen können. es wird vorstufen zur überwindung geben müssen, vorstufen in form vom lernen. zum lernprozess gehört eben selbstverwaltung. damit leutet man nicht das Ende des kapitalismus ein, aber man macht daraus erfahrungen, wie man es besser machen kann oder was man lassen sollte. in teilen von spanien, wo die cnt im bürgerkrieg dominant war, haben die leute sogar das geld verbrannt, weil sie der auffassung waren, dass man es nicht braucht. bestimmend waren die bedürfnisse jedes einzelnen und nicht wieviel geld man verdienen konnte. das war doch sehr progressiv und weit aus besser als jeder staatskapitalistische versuch einer kp. das die "wirtschaft" auch während kriegshandlungen sehr gut lief und zum teil auch besser ist kein beleg das der weg der gegangen wurde kapitalistisch sei, sondern eher ein beweis das jede form vom kapitalismus nicht klappt.
ähnlich sieht es mit strike-bike oder ähnlichem aus.
zu der "Keine Arbeit ohne Lohn"-kampagne. es war keine kampagne für lohnarbeit. es ist eine kampagne für bezahlte praktikaas. wie schon erwähnt wird man den kapitalismus nicht von heut auf morgen abschaffen können. es ist doch wohl legitim, solange er noch besteht, für verbesserungen zu kämpfen.
außerdem ist der dgb kein großer bruder für fau. die fau kritisiert stark den dgb (zurecht wie ich finde). der große unterschied liegt in der ausrichtung: der dgb kämpft lediglich für bessere bezahlung und lässt zum teil seinen mitgliedern rechtsschutz gewehren (aber auch nicht immer). die fau kämpft für eine andere gesellschaftsform, eben für die anarchie und gegen jede form von ausbeutung und unterdrückung. mit dem dgb wird man den kapitalismus nicht überwinden. der dgb braucht den kapitalismus sogar um eine legitimation zu haben.
ansonsten stimme ich mit Abraxas überein.


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: onlyone am 02. Juli 2009, 21:04:44
vergisst mir die FAU nicht.   ;)
sie kämpft gerade in berlin gegen das kino babylon und zim bspw. und ist solidarisch mit einem genossen aus zaragossa der von ryanair entlassen wurde. oder einer genossin aus spanien (stadt grad nicht im kopf) die bei starbucks entlassen wurde
weitere aktionen werden sicherlich folgen.
aber an sich egal wo man drin ist, solange es nicht dgb ist. aber anarchistisch denkende menschen und solche die auf die volle selbstverwaltung setzen sollten in der fau sein um vernetzt zu sein.


Tut mir leid, aber das ist zweierlei: Zum einen ist da der berechtigte Kampf der KollegInnen und zum anderen ist da die FAU, die sich anarchistisch wähnt und radikal gibt. In der Tageszeitung junge Welt vom 19. Juni 2009 ([url]http://www.jungewelt.de/2009/06-19/047.php[/url]) war unter der Überschrift "Anarchisten fordern Kino-Tarifvertrag" wie folgt zu lesen: "Berlin. Die Geschäftsleitung des Kinos Babylon in Berlin-Mitte lehnt den von der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (FAU) entworfenen Haustarifvertrag ab. Eine von der FAU gestellte Frist habe die Geschäftsführung am Mittwoch verstreichen lassen, teilte die FAU am Donnerstag mit. Die anarchosyndikalistische FAU fordert u.a. Löhne »auf einem würdigen Niveau«, die Umwandlung aller befristeten Verträge in unbefristete und eine »ordentliche Entlohnung« von Praktikanten. Obwohl das Filmtheater mit öffentlichen Mitteln gefördert werde, lägen die Entgelte kaum über dem Hartz-IV-Satz. Die FAU hatte das Babylon Anfang Juni zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Ungeachtet der Ablehnung werde man die Forderungen »mit allen Mitteln durchsetzen«, erklärte ein FAU-Sprecher am Donnerstag. »Wir sind stärkste Gewerkschaft im Betrieb, gut aufgestellt und organisiert.« (jW)"

Was aber unterscheidet die FAU von den DGB-Gewerkschaften? Die Forderung nach einer "ordentlichen Entlohnung" oder etwa die Forderung nach Löhnen auf einem "würdigen Niveau"? Diese "Forderungen" könn(t)en genauso gut vom DGB stammen! Der FAU fällt es natürlich leicht, in die Fußstapfen des langweiligeren großen Bruder DGB zu treten, aber wo ist der grundlegende Unterschied? Auch die FAU-Forderung "Keine Arbeit ohne Lohn" (siehe die gleichnamige Kampagne der FAU) ist schon bezeichnend. Da wird – wie im Fall Babylon - wie selbstverständlich über die Lohnarbeit und den Lohn verhandelt. Die Lohnarbeit als solche steht nicht mehr zur Diskussion, wie auch, wenn es das Geschäft von Gewerkschaften ist, den Preis der Ware Arbeitskraft auszuhandeln. Dabei machen auch anarchosyndikalistische Gewerkschaften keinen Unterschied. Staubsaugervertreter verkaufen Staubsauger,
Versicherungsvertreter verkaufen Versicherungen,
warum sollten ausgerechnet Volks- oder Arbeitervertreter
aus der Art schlagen?


Und was heißt schon „Selbstverwaltung"? "Selbstverwaltung" bedeutet, daß wir es "selbst" tun wollen. Aber das wollen wir doch gar nicht, wir wollen alles hinwegfegen, auf einer ganz neuen Basis errichten und es nicht einfach "selbst verwalten". Derzeit leben wir im Kapitalismus mit seiner demokratischen  Narrenfreiheit. "Selbstverwaltung" steht dazu nicht im Gegensatz oder Widerspruch, sondern ist - in einem gewissen Rahmen - durchaus möglich und auch gewollt. Schädlich ist sie für das Kapitalverhältnis nicht. In Spanien haben die AnarchistInnen auch der "demokratischen Narrenfreiheit" "selbstverwaltete" Betriebe und Kooperativen entgegengehalten. War durchaus vereinbar mit dem Kapitalismus und förderlich für seine Aufrechterhaltung und die Führung des spanischen Krieges. Oder eben Zanon, Brukman, einst in den 1970ern LIP oder Strikebike - das alles ist "Selbstverwaltung". Damit möchte ich als Arbeiter, der dies nicht länger bleiben will, sondern die Klassengesellschaft beenden will, nichts zu tun haben. Ich möchte und kann nicht „selbst verwalten“, was ich abschaffen will, was abgeschafft gehört: das kapitalistische Elend der bürgerlichen Existenz als LohnarbeiterIn, etc. Was soll das sein - „Selbstverwaltung“? Selbstverwaltete Betriebe der Art, wie sie vom Anarchosyndikalismus favorisiert werden? Das wäre und ist aber immer Verwaltung der eigenen Ausbeutung statt ihrer Aufhebung und dem Kampf dagegen!
 8)



@Kollege


Dein Statement gilt es einzurahmen, was ich hiermit gerne getan habe. Danke!


mfg
only


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: Irrlichtprojektor am 02. Juli 2009, 22:12:24
@Only und Kollege, bitte geht raus spielen so lang es noch hell ist, bis dahin sind vielleicht auch meine Kotzkrämpfe abgeklungen.


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 02. Juli 2009, 23:11:04
Forderungen fuer hoehere Loehne und bessere Arbeitsbedingungen zu stellen und durchzusetzen, bedeutet ja nicht automatisch das ersehnte Ziel erreicht zu haben. Beim DGB ist das wohl das hoechste der erreichbaren Ziele. Das Fernziel der FAU ist bekanntlich ein anderes.

Eine Gewerkschaft ist nur so durchsetzungsfaehig, wie zahlreich und ueberzeugt die Mitglieder sind. Dazu gehoert vor allem auch Vertrauen (nicht Vertretung) zueinander. Dieses muss aber bestaendig gefestigt und erneuert werden. Kampagnen wie im Babylon, bei strikebike oder keine-arbeit-ohne-lohn sind bestens geeignet auch schon in der jetzigen Umgebung neue Bekanntschaften mit Menschen aufzubauen und sie ueber die Funktion, die Arbeitsweise und die Ziele der FAU (des Anarchosyndikalismus und der libertaeren Gesellschaft) zu informieren. Und wenn in diesen gemeinsamen Kaempfen auch Teilziele gemeinsam erreicht werden, dann sind das nicht nur gemeinsame Erfolgserlebnisse (die ja jedermensch braucht), es festigt auch das Selbstvertrauen und das gegenseitige Vertrauen. All das werden die "einfachen" Menschen in ueberschaubarer Zeit wohl mehr denn je brauchen.

Nichts zu tun und darauf zu warten das der Kapitalismus von alleine verschwindet, um dann die eigenen Ideen in Ruhe umsetzen zu koennen - solche Haltung provoziert natuerlich solche Zuordnungen, wie sie @irrlicht gerade gepostet hat....


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: Irrlichtprojektor am 03. Juli 2009, 03:12:18
Danke fürs einspringen @Baku

Ich versuche mal nachvollziehend nachzulegen.....

Ich fand es schon bezeichnend, das hier 2 Leute noch nicht mal anzunehmend versuchen eine vernünftige Kritik zu formulieren. Ich habe auch gar kein Interesse inhaltlich groß darauf einzugehen aber dieser fett hervorgehobene Spruch mit den "Arbeitervertretern" schlägt einem den Boden raus und empfinde ihn einfach nur frech. Damit hätte ich vielleicht noch leben können, hätte einfach weiter geklickt und gut wär`s. Nun prangt seid ein paar Tagen groß der Banner auf der Startseite von Chefduzen und verweist auf einen aktuellen Arbeitskampf (http://prekba.blogsport.de/ (http://prekba.blogsport.de/)) einer Belegschaft die in der FAU organisiert ist. Da geht es um ganz konkret Belange, um Löhne, Arbeitsbedingungen usw. und ja auch sicherlich mit um "Organisierung der ArbeiterInnenklasse" im übertragenem Sinne. Vordergründig stehen die eigenen Interessen einer Belegschaft von Babylon und nicht vermeintlicher "Vertreter". Kleiner Exkurs in die Geschichte des anarcho-syndikalismus, ob es noch Topic ist weiß ich nicht aber vielleicht hilft`s ja irgendwie zumindest Pauschalvergleiche abzumildern: sagt der SWR2! Da gibts was auf die Ohren! (http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/-/id=660374/did=4593676/pv=mplayer/vv=popup/nid=660374/1n87tvl/index.html)

Darüber hinaus:
Erinnern wir uns kurz an Sinn und Zweck dieses Forums und was die Initiatoren von Chefduzen in der Vergangenheit "weg-geboxt" haben, damit so etwas auch weiterhin hier möglich ist. Dann fehlen mir einfach die Worte, völliges Unverständnis darüber, dass die Ziele des Forums so unüberlegt torpediert werden. Niemand verlangt Liebesgrüße o.ä. und sicherlich wissen viele wie mühselig es sein kann etwas auf die Beine zu stellen. Sorry, manchmal fliegen einem da einfach die Stöpsel raus, wenn auf dieser Art und Weise einem die Brocken entgegen fliegen.

gruß irrlicht


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 08. Juli 2009, 10:33:30
Ach Kollege,
wohl ein wenig über das Ziel hinausgeschossen. Nur von einer Revolution zu träumen hilft wenig. Man kann nicht erwarten, daß Menschen plötzlich das System abschaffen wollen. Die Betroffenen von Verarmung und Ausbeutung müssen lernen zu kämpfen, sich zu organisieren... Die ersten Schritte dabei können durchaus scheinbar so wenig revolutionere Dinge wie Lohnforderungen sein.

Deine Kritik an der FAU bei dem Thema "Selbstverwaltung" teile ich weitgehend. Es gibt einen nicht kleinen Teil der FAU, der von Kollektiven träumt und die Gefahr nicht sehen will sich dabei nur in die Selbstverwaltung des Elends zu begeben. Ich kenne selbstverwaltete Projekte in denen man sich kollektiv zu einer Arbeitszeitverlängerung und Lohnkürzung entschieden hat. So funktioniert Kapitalismus auch ohne Chefs.

Aber das wurde im Forum bereits mehrfach angesprochen.
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=29.0 (http://www.chefduzen.de/index.php?topic=29.0)
und mehr hier:
http://www.chefduzen.de/index.php?board=73.0 (http://www.chefduzen.de/index.php?board=73.0)
   


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: Kater am 10. Juli 2009, 15:53:14
Zonen der Mitbestimmung
In der Krise treten wieder mehr Arbeitnehmer in die Gewerkschaften ein. Aus Angst um ihren Job behalten das aber viele noch für sich

Auszug:
Zitat
Heute ist er für die kleinen und mittelständischen Unternehmen verantwortlich. Etwa sechshundert gibt es davon in der Region Ost-Brandenburg, 75 haben einen Betriebsrat. "Mitbestimmungszonen", sagt Wied. Die meisten Firmen sind also mitbestimmungsfreie Zonen. In viele bekommen sie seit Jahren keinen Fuß. "Da wird der Chef geduzt und der Gewerkschafter gesiezt", sagt Peter Ernsdorf.

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0710/seite3/0001/index.html (http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0710/seite3/0001/index.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 27. Juli 2009, 19:02:26
Wir sind nicht Opel, Schaeffler, ... Wir hassen die reaktionäre Idee der Betriebsgemeinschaft!

Zitat
Angesichts der momentanen Krise des kapitalistischen Systems blasen die Kapitalisten und ihre willigen Helfer in den Parteien, Gewerkschaftsspitzen und Medien fortwährend in das gleiche Horn: Alle, Arbeiterinnen wie Kapitalisten zusammen, - so heißt es - müssten nun Opfer bringen, um die Betriebe, den Standort Deutschland und angeblich damit die eigenen Arbeitsplätze zu retten. Ein "Wir müssen alle an einem Strang ziehen" ist die Begleitmusik für Lohnkürzungen, Kurzarbeit, ausgesetzte Tariferhöhungen sowie für den verschärften Abbau bereits erkämpfter Rechte und sozialer Leistungen. Im Endeffekt bedeutet dies für die Kolleginnen in den Betrieben: Sie sollen die Folgen der kapitalistischen Krise ausbaden, um die Profite der eigenen Ausbeuter zu schützen. Und nennen wir das Ganze doch beim richtigen Namen: Es ist die Idee der Betriebsgemeinschaft, die es bereits im ersten Weltkrieg und zur Zeit des Nazismus gab. ...

Gewerkschafterinnen und Antifa gemeinsam gegen Dummheit und Reaktion, Flugblatt Nr. 18 vom Mai 2009
http://www.labournet.de/diskussion/rechten/allg/nr18.pdf (http://www.labournet.de/diskussion/rechten/allg/nr18.pdf)


Titel: Re: Gewerkschaften
Beitrag von: Alex22 am 27. Juli 2009, 22:32:14
vergisst mir die FAU nicht.   ;)
......
aber an sich egal wo man drin ist, solange es nicht dgb ist. aber anarchistisch denkende menschen und solche die auf die volle selbstverwaltung setzen sollten in der fau sein um vernetzt zu sein.
Widerspruch!
Du hast die christlichen Gewerkschaften der Arbeitgeber und ihrer Subjekte vergessen.
 ;D


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: LibertärerCommie am 29. Juli 2009, 11:28:42
als würden christen kämpfen. die beten doch nur   ;D


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 29. Juli 2009, 12:50:40
als würden christen kämpfen. die beten doch nur   ;D


Die kämpfen schon ... wenn es um den Erhalt oder Ausdehnung ihrer fetten Pfründe geht. Dann gehen sie über Leichen. Und ihr Gegner ist das Volk.

Zur Auflockerung für unser Arbeitslosendasein - Wenn man das Leben doch so leicht nehmen könnt???

Probier'n wir es einmal:

Schnell kann man Pfründe und Fründe verwechseln und denn ham mer a Problem - nicht mit Houston, sondern mit der Semantik (http://de.wikipedia.org/wiki/Semantik) in der Sproch.

De Höhner - Echte Fründe 2008 (http://www.youtube.com/watch?v=WcNwkmAq0wc#lq-lq2-hq)  ;)

Echte Fründe ston zesamme, ston zesamme su wie eine Jott un Pott
Echte Fründe ston zesamme, eß och dih Jlöck op Jöck un läuf dir fott.
Fründe, Fründe, Fründe en der ...

Die sagen nicht:

de höhner - levve un levve losse (http://www.youtube.com/watch?v=uxeXaaWXJ3o&feature=related#lq-hq)

(Een Sachse hat's schwer kölsch zu versteh'n. Aber manche Brocken kann man sich über 10 Ecken herleiten)

Was ist eigentlich mit Abstand die beliebteste und die unbeliebteste Mundart in Deutschland?

Nu, ... zwei Mundarten - Baierisch und Sächs'sch!

Welcher Dialekt ist (un)cool? (http://www.dasding.de/#http://www.dasding.de/themen/leben/Welcher_20Dialekt_20ist_20_28un_29cool_3F_20/-/id=396/vv=content/dcgrp=0/nid=396/did=153162/1v03mk8/index.html)

Radio- und TV-Beiträge

Die Hessen babbeln, die Schwaben schwätzen... Über 20 verschiedene Dialekte gibt es in Deutschland. Fast jeder spricht einen Dialekt. Und spätestens, wenn man mal in einem anderen Bundesland Urlaub macht, wird einem das auch bewusst.

Im DASDING der Woche Dialekte gehen wir mit Dir auf eine Deutschlandreise und bringen Dir wichtige Sätze bei. Der Rapper Curse erzählt von dem Dialekt, den man nur in seiner Heimatstadt Minden spricht und wir beweisen Dir, dass Musik und Dialekt ganz gut zusammenpassen kann. Außerdem lässt sich DASDING Reporter Philip pfälzisch beibringen, wir testen, ob Sprach-Lern-CDs wirklich was taugen und fragen bei einer Sprachforscherin nach, ob Dialekt sprechen wirklich intelligenter macht.

DasDing.de 2008 (http://www.dasding.de/#http://www.dasding.de/themen/leben/Welcher_20Dialekt_20ist_20_28un_29cool_3F_20/-/id=396/vv=content/dcgrp=0/nid=396/did=153162/1v03mk8/index.html)

Regina Zindler ist mit ihrem Maschendrahtzaun berühmt geworden. Aber nicht, weil der Zaun besonders toll war. Die Leute waren einfach nur von ihrem Sächsisch begeistert. Wir wollten von der DASDING.community wissen, welche Dialekte es euch besonders angetan haben – und dann natürlich auch, welcher denn gar nicht geht!

Science-Fiction auf "Platt"

Hier geht es zur Homepage der Jungs aus dem niedersächsischen Sulingen, die mittlerweile schon ihren dritten plattdeutschen Science-Fiction-Film rund um das Raumschiff "Apparatspot" am Start haben. Hier erfahren Sie alles über die Trilogie, das Making-of, Aufführungsdaten usw. Ein gutes Beispiel dafür, dass Plattdeutsch höchst lebendig ist.

Die Filmemöker - Apparatspott 3 - Dat mokt wie gistern (http://www.apparatspott.de/vcms/index.php)

APPARATSPOTT – DAT MOKT WIE GISTERN ist der dritte plattdeutsche Spielfilm der Sulinger „Filmemoker“. In dieser Episode sorgt ein geheimer Zeittunnel - die Sulinger Tiedröhrn (STR) – für Aufregung. Bei ihrer Vorführung wird die Bürgermeisterin in die Vergangenheit geschickt und geht verloren. Die Regierungsorganisation „B.I.S“ (Buern in Schwatt) beauftragt Käpt’n Kork und sein Apparatspott-Team mit einer Rettungsaktion.

Doch aufgrund größter technischer Probleme sind die Retter bald ebenfalls in vergangenen Epochen entschwunden. Hier treffen unsere Helden auf berühmte Persönlichkeiten und nutzen die Gelegenheit für die eine oder andere Geschichtsverfälschung. Wird das Apparatspott-Team am Ende dann doch noch sich selbst und die Kommunalpolitikerin retten oder ist die dieses Mal gestellte Aufgabe zu gewaltig für die nebenberuflichen Raumfahrer?

Martin Hermann *1964 in Sulingen; Autodidakt und künstlerischer Kopf der „Filmemoker“; APPARAT-SPOTT – DAT MOKT WIE GISTERN entstand in zweieinhalbjähriger Arbeit ausschließlich in der Freizeit.

Trailer (http://www.apparatspott.de/vcms/main.php?cat=15&Session=97637c76170a450d4d14c4efb236fccd)

Platt für Astronauten

Um dem Science-Fiction-Film „De Apparatspott“ folgen zu können, sind folgende Plattdeutsch-Begriffe hilfreich:

- Ruum-Tied-Gerangel -> Störung im Raum/Zeit-Kontinuum
- Bannich Lichtstrohlflink -> Überlichtgeschwindigkeit
- Platt-Snack-Platine -> Sprach-Generator
- Schluckschuppen -> Trinkhalle
- Strohlen -> Beamen
- Strohlen-Apparat -> Transmitter
- Butentrupp -> Außentrupp/Bodentrupp
- Apparatspott -> Elektrischer Einmachtopf

Also heißt „Strohl mi rup, Schrotty“ -> „Beame mich rauf, Schrotty“, und „All'ns klor to'n Ballern“ bedeutet „Alles klar zum Feuern“.

Hier gibt's dann auch noch ein plattdeutsches Wörterbuch (http://www.deutsch-plattdeutsch.de/)

siehe auch ARD/WDR, Sendung "Planet Wissen" vom 03.11.2008: DEUTSCHLANDS DIALEKTE - VON ALLMACHDSDAGGLN BIS ZIMDZIGGEN (http://www.planet-wissen.de/pw/Artikel,,,,,,,59ADD41706F65393E0440003BA5E08BCTV,,,,,,,,,,,,,,,.html)

De Höhner - Lust auf Leben 1996 (http://www.youtube.com/watch?v=F00SdJq9cEc&feature=related#lq-lq2-hq)

De Höhner - Mir jeiht et jot 2008 (http://www.youtube.com/watch?v=2A3FFbqRxZk&feature=related#lq-lq2-hq)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 29. Juli 2009, 14:02:30
als würden christen kämpfen. die beten doch nur   ;D


Zum Thema Christen

Norbert Alich und Jürgen Becker: Ich bin so froh, dass ich nicht evangelisch bin (http://www.youtube.com/watch?v=eqGAT-h_Cjw#lq-lq2-hq-vhq)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 17. August 2009, 16:23:29
GM/Opel-Übernahme: Lug und Trug von Seiten der Betriebsräte und IG Metall

Der Verkauf des europäischen GM/Opel-Konzerns entwickelt sich zu einer regelrechten Übernahmeschlacht, auf der verschiedene Seiten des Kapitals ihre Ziele rücksichtslos verfolgen. Hinter ihnen haben sich unterschiedliche Gruppen aus den Medien und der Politik versammelt. Es geht um politische Macht und nicht zuletzt um Milliarden von Euro aus Steuergeldern, von denen alle Beteiligten sich einen größtmöglichen Anteil in die eigene Tasche stecken wollen. Bezahlen sollen dies die Opel-Beschäftigten mit Werksschließungen, Arbeitsplatzabbau, Lohn- und Rentenkürzungen sowie dem Abbau sozialer Errungenschaften. (…) Für die GM-Beschäftigten in ganz Europa stellen sich ernsthafte Fragen: Was wissen die Gewerkschaften, vor allem die IG Metall und die Betriebsräte? Warum legen sie nicht alle ihre Informationen den Beschäftigten vor? Wann haben sie hinter welchen verschlossen Türen den Abbau von über 20.000 Arbeitsplätzen zugestimmt? Welchen Deal haben sie mit dem Magna-Konzern abgeschlossen? Dessen Plan ist kein Deut besser als der von RHJ. Warum haben sie sich dann aber auf Magna festgelegt?...

http://www.wsws.org/de/2009/aug2009/opel-a12.shtml (http://www.wsws.org/de/2009/aug2009/opel-a12.shtml)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 18. August 2009, 17:38:47
Neues aus der Opel - Anstalt (http://www.youtube.com/watch?v=f4bATW_NOio#lq-hq)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 08. September 2009, 17:06:18
Zitat
IG Metall im Kalten Krieg

Essener Verwaltungsstelle strengt Ausschlußverfahren gegen Aktivisten der maoistischen MLPD an. Unvereinbarkeitsbeschlüsse bleiben in Kraft


Von Herbert Wulff

Angesichts drohender und zum Teil bereits stattfindender Massenentlassungen möchte man meinen, daß die Spitze der Industriegewerkschaft Metall andere Sorgen hat, als gegen linke Aktivisten in den eigenen Reihen vorzugehen. Doch in der Verwaltungsstelle Essen sieht man das offenbar anders. Kürzlich teilte diese zweien ihrer Mitglieder mit, daß gegen sie ein Ausschlußverfahren angestrengt worden sei. Begründet wird dies mit ihrer Bundestagskandidatur auf der offenen Liste der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD), gegen die die im »Kalten Krieg« von der Gewerkschaft erlassenen Unvereinbarkeitsbeschlüsse weiterhin angewandt werden.

Am 13. August bekam Yazgülü Kahraman-Meister, Leiterin des IG-Metall-Vertrauenskörpers in der Essener Niederlassung von Kennametal Widia (ehemals Krupp), Post von ihrer Gewerkschaft. Darin hieß es, die Ortsverwaltung habe beim Vorstand der IG Metall den Antrag gestellt, die langjährige Aktivistin ohne Untersuchungsverfahren auszuschließen, weil sie auf Platz vier der MLPD-Landesliste in Nordrhein-Westfalen für den Bundestag kandidiere. Grundlage dessen ist Paragraph elf der Gewerkschaftssatzung, in dem es heißt: »Der Ausschluß von Mitgliedern ohne Untersuchungsverfahren kann auch erfolgen, wenn sie einer gegnerischen Organisation angehören oder sich an deren gewerkschaftsfeindlichen Aktivitäten beteiligen oder diese unterstützen« Als »gegnerische Organisationen« betrachtet die IG Metall aber nicht nur rechte Gruppen, sondern auch die in maoistischer Tradition stehende MLPD. Bis heute gilt ein Beschluß des Gewerkschaftsbeirates vom 14. Dezember 1982, in dem es heißt: »Die ›Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands« (MLPD) ist eine gewerkschaftsfeindliche Organisation (…) Mitglieder der IGM, die der MLPD angehören oder sich an deren gewerkschaftsfeindlichen Aktivitäten beteiligen oder diese unterstützen, müssen mit dem Ausschluß rechnen.« Grundlage hierfür bilden Beschlüsse über »linksextremistische Gruppen« von 1973 und ’76.

Seit mindestens zehn Jahre gab es immer wieder Versuche, diese Entscheidungen auf Gewerkschaftstagen der IG Metall zu kippen. 2007 hatten in Leipzig vier Verwaltungsstellen beantragt, dieses Relikt des »Kalten Krieges« zu beseitigen. Zwar wurde an diesem Anliegen keinerlei inhaltliche Kritik geäußert, doch empfahl die zuständige Kommission, die Anträge nicht zu beschließen sondern als »Material an den Vorstand« zu verweisen. Der Sprecher der Kommission erklärte laut Wortprotokoll: »Wir sind uns zu 100 Prozent in diesem Saal inhaltlich einig. Aber der Vorstand muß es bearbeiten, der Vorstand (…) muß es im Detail klären.« Mit knapper Mehrheit folgten die Delegierten dieser Empfehlung. Doch danach geschah nichts. Die Überprüfung der Klausel sei »bis dato noch nicht abgeschlossen«, heißt es in einem Antwortschreiben des IG-Metall-Vorstands auf eine entsprechende Anfrage der MLPD. Gerechtfertigt wird die Ausgrenzung der Organisation darin u.a. damit, daß diese laut Verfassungsschutz »nach wie vor der Auffassung ist, daß der Weg zum Sozialismus nur durch die Zerschlagung der bürgerlichen Staatsmacht erreicht werden könne«. Die IG Metall trete hingegen »aktiv für den Bestand der freiheitlich-demokratischen Grundordnung« ein.

Die auch innerhalb der gewerkschaftlichen Linken unterschiedliche beurteilte MLPD hält dem entgegen, dies widerspreche »nicht nur dem Grundgedanken der Einheitsgewerkschaft«, sondern »selbstredend auch den heute europaweit gesetzlich verankerten bürgerlich-demokratischen Rechten«. Die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft sei ein grundlegendes Koalitionsrecht, das unabhängig von Parteizugehörigkeit und Weltanschauung in Anspruch genommen werden könne. Das Frankfurter Landgericht hat dieser Auffassung in einer 2003 getroffenen Entscheidung allerdings widersprochen.

Auch beim Gewerkschaftstag 2003 hatte es bereits den Versuch gegeben, die Satzung zu ändern. Damals hatte die Antragskommission argumentiert, die Unvereinbarkeitsbeschlüsse hätten in der Praxis ohnehin keine Bedeutung, da sie nicht mehr angewendet würden. Das aktuelle Vorgehen der Verwaltungsstelle Essen – von dem nicht nur Kahraman-Meister, sondern auch Horst Dotten, Betriebsrat beim Bauelementehersteller ECS, betroffen ist – führt diese Argumentation ad absurdum. Kahraman-Meisters Kollegen haben jedenfalls kein Verständnis dafür, daß ihre Vertrauenskörperleiterin aus der Gewerkschaft fliegen soll. »Yazgülü wurde von uns Vertrauensleuten in einer demokratischen Wahl mit großer Mehrheit zur VK-Leiterin gewählt. Wir sprechen der Ortsverwaltung das Recht ab, sich hier politisch einzumischen«, so die gewerkschaftlichen Funktionäre in einer Erklärung.

Auch bei Kennametal Widia hat die Belegschaft eigentlich andere Probleme. Am Standort Essen hat der US-Konzern in den vergangenen Monaten mehr als 120 Beschäftigte, die Hälfte von ihnen Leiharbeiter, auf die Straße gesetzt. Der Rest hat wegen Kurzarbeit Lohneinbußen von 150 bis 700 Euro monatlich zu verkraften. Vor diesem Hintergrund sei »Einheit und Solidarität innerhalb unserer Gewerkschaft wichtiger denn je«, so die MLPD.

IG-Metall-Sprecherin Ingrid Gier erklärte auf jW-Nachfrage, der Vorstand werde über die Essener Anträge erst nach Ablauf örtlicher Anhörungsfristen entscheiden. Grundsätzlich stellte sie aber klar, daß die Unvereinbarkeitsbeschlüsse nach wie vor Geltung haben. »Unsere Beschlußlage ist klar, und daran hat sich auch nichts geändert. Das ist die Grundlage für unser Vorgehen«, sagte Gier.

http://www.jungewelt.de/2009/09-01/021.php (http://www.jungewelt.de/2009/09-01/021.php)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 08. September 2009, 17:08:42
Zitat
In den Gewerkschaftszentralen geht die Angst um. Wie wirkt sich die Krise auf die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten aus? Kurzarbeit und die Entscheidung der Unternehmer, Massenentlassungen auf die Zeit nach der Bundestagswahl zu verschieben, haben das Schlimmste bislang abgewendet. Dennoch haben einem Focus-Bericht zufolge in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 30000 Menschen ihre Gewerkschaft verlassen. Das sind sicher keine Massenaustritte aus Empörung über die sozialdemokratische Politik der DGB-Spitzen.

http://www.labournet.de/diskussion/gewerkschaft/real/dgbmitgl09.html (http://www.labournet.de/diskussion/gewerkschaft/real/dgbmitgl09.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 08. September 2009, 18:24:01
der lohn fürs nichtstun


Titel: Selbstverständnis eines Betriebsrats
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 15. September 2009, 14:52:50
Der ehemalige VW Betriebsratsvorsitzende Klaus Volkert sieht nicht ein, warum er für Schmiergeld vom VW Management eine Knaststrafe absitzen soll, denn er habe dem Konzern nicht geschadet, sondern im Gegenteil, er habe ihm genutzt in dem er Streiks verhindert habe.

Da es in den Gewerkschaften keine ernsthafte Aufarbeitung solcher Fälle gibt und ein Klaus Volkert auch kein Einzelfall ist, stelle ich an dieser Stelle ein paar Zitate aus der Presse zusammen:

Zitat
Volkert war vor rund anderthalb Jahren wegen Anstiftung zur Untreue und zur Betriebsratsbegünstigung zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Er will die Aufhebung des Urteils und einen neuen Prozess erreichen.

http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/704515 (http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/704515)


Zitat
Die Richter der Wirtschaftsstrafkammer hatten es als erwiesen angesehen, dass sich Volkert der Anstiftung und Beihilfe zur Untreue sowie des Verstoßes gegen das Betriebsverfassungsgesetz schuldig gemacht hatte. Zwischen 1994 und 2004 verlangte und erhielt er sogenannte Sonderbonuszahlungen in Höhe von rund zwei Millionen Euro.

Volkert ließ sich aber nicht nur selbst über seine Bezüge als Betriebsratsmitglied hinaus bezahlen, er forderte zudem, dass seine brasilianische Geliebte ebenfalls in den Genuss von Zahlungen kommen sollte. Über Scheinverträge, für die es keine tatsächliche Gegenleistung gab, wurden der Frau fast 400.000 Euro zugedacht.

Die Zahlungen an Volkert veranlasste der damalige VW-Personal-Vorstand Peter Hartz – Mitautor der von der rot-grünen Bundesregierung erlassen Reformgesetze für den Arbeitsmarkt (Hartz I bis IV), der deswegen ebenfalls vor Gericht kam.
(...)
Der Anwalt von Volkert hatte Freispruch für seinen Mandanten gefordert. Er verteidigte die Sonderzahlungen, da Volkert mit seiner Arbeit als Betriebsratschef wichtige und für VW Wert schöpfende Aufgaben geleistet habe. Dies hätten auch die damaligen VW-Chefs Ferdinand Piëch und Bernd Pischetsrieder bestätigt.

http://www.welt.de/wirtschaft/article4537195/Ex-Betriebsrat-wehrt-sich-gegen-Lustreisen-Urteil.html (http://www.welt.de/wirtschaft/article4537195/Ex-Betriebsrat-wehrt-sich-gegen-Lustreisen-Urteil.html)



Zitat
In Stichworten hat er sein VW-Leben sorgsam auf kariertes Papier geschrieben. »Win-win-Situation schaffen«, steht da, »kein überholter Klassenkampf«. Klaus Volkerts Win-win-Situation bestand nach Ansicht der Braunschweiger Staatsanwälte darin, dass er vom Vorstand immer mehr Gehalt verlangt habe. Bonus, Sonderbonus, angeblich bekam er bis zu 692000 Euro im Jahr – verteilt über die Jahre fast zwei Millionen Euro Sonderbonus, angeblich ohne sachlichen Grund. »Stinkendes Geld«, sagt die Oberstaatsanwältin Hildegard Wolff.
(...)
Hartz habe, wie auch andere VW-Manager, zu ihm gesagt: »Klaus, wenn Du nicht im Betriebsrat wärst, dann wärst Du bei uns im Topmanagement. Da das aber so nicht ist, gucken wir, wie wir das im Rahmen unserer Möglichkeiten hinkriegen.« Eine Möglichkeit war der Sonderbonus, neben vielen anderen Privilegien. Auf dem kleinen Flughafen in Braunschweig, wo die Jets von VW starten und landen, hatte Volkert einen eigenen Stellplatz für sein Auto. Neben ihm parkten die Vorstände.

Haben Sie sich auf Hartz immer verlassen können? »Ja.«

Auch auf Ferdinand Piëch, den damaligen VW-Vorstandschef? »Ja.«

Als eine dieser Jahreskonferenzen bevorstand, zu der traditionell nur die 130 bis 150 ranghöchsten Manager des weltweiten VW-Konzerns eingeladen werden, habe Piëch gleich zu Beginn seiner Ära als VW-Chef gesagt: »Herr Volkert, ich würde Wert darauf legen, dass Sie dabei sind.«
(...)
Wofür wurde Klaus Volkert belohnt? Sucht man in Volkerts 15-jähriger Zeit als Betriebsratschef nach Punkten, an denen er die Interessen von Arbeitnehmern dem Willen des Vorstands opferte
(...)
Mal hat er den VW-Arbeitern Lohnverzicht zugemutet
(...)
Nein, nicht für Entgegenkommen, für sein »besonderes Engagement« seien ihm Piëch und Hartz dankbar gewesen. »Ich habe Sachen übernommen, die sonst der Vorstand hätte machen müssen.« Auf dem kleinen Dienstweg, ohne Gremien zusammenzutrommeln, habe er Konflikte in den Werken gelöst, damit nicht jeder kleine Betriebsrat gleich zu Piëch rennen musste. Nur keine Unruhe, nur keinen Streik. »Ich hatte ja ein gewisses Gehör bei den Leuten. Ich war auf Augenhöhe mit Piëch.«
(...)
»Mir wäre am liebsten«, habe Hartz zu ihm gesagt, »Du würdest mich bis zu meinem Ruhestand begleiten.«
(...)
Die wenigsten Streiktage unter den großen Autoherstellern habe VW gehabt. Wie oft habe er, Klaus Volkert, streiklustigen Gewerkschaftern in Spanien einen Aufstand ausgeredet

http://www.zeit.de/2007/02/Portraet-Volkert (http://www.zeit.de/2007/02/Portraet-Volkert)


Titel: OPEL/GM
Beitrag von: alfred am 04. November 2009, 15:21:51
GM/Opel-Übernahme: Lug und Trug von Seiten der Betriebsräte und IG Metall

Der Verkauf des europäischen GM/Opel-Konzerns entwickelt sich zu einer regelrechten Übernahmeschlacht, auf der verschiedene Seiten des Kapitals ihre Ziele rücksichtslos verfolgen. Hinter ihnen haben sich unterschiedliche Gruppen aus den Medien und der Politik versammelt. Es geht um politische Macht und nicht zuletzt um Milliarden von Euro aus Steuergeldern, von denen alle Beteiligten sich einen größtmöglichen Anteil in die eigene Tasche stecken wollen. Bezahlen sollen dies die Opel-Beschäftigten mit Werksschließungen, Arbeitsplatzabbau, Lohn- und Rentenkürzungen sowie dem Abbau sozialer Errungenschaften. (…) Für die GM-Beschäftigten in ganz Europa stellen sich ernsthafte Fragen: Was wissen die Gewerkschaften, vor allem die IG Metall und die Betriebsräte? Warum legen sie nicht alle ihre Informationen den Beschäftigten vor? Wann haben sie hinter welchen verschlossen Türen den Abbau von über 20.000 Arbeitsplätzen zugestimmt? Welchen Deal haben sie mit dem Magna-Konzern abgeschlossen? Dessen Plan ist kein Deut besser als der von RHJ. Warum haben sie sich dann aber auf Magna festgelegt?...

[url]http://www.wsws.org/de/2009/aug2009/opel-a12.shtml[/url] ([url]http://www.wsws.org/de/2009/aug2009/opel-a12.shtml[/url])


::) Guten Tag ManOfConstantSorrow, ist dann der heutige Tag für Dich ein Feiertag?

Ich persönlich hatte keine Angst vor den Russen, die im Magnakonzept hofiert wurden. Es ist aber auch egal, Opel bleibt ja nun in amerikanischer Hand und somit alles beim Alten. Ob das die beste aller Lösungen ist - wir werden sehen...



Titel: GM Europe
Beitrag von: alfred am 25. November 2009, 13:21:40
General Motors: 5.300 Arbeitsplätze werden in Deutschland gestrichen (2.400 Stellen in Rüsselsheim, 2.300 in Bochum und jeweils 300 in Eisenach und Kaiserslautern)

Europaweit werden wahrscheinlich weniger Stellen gestrichen als im Magnakonzept vorgesehen, dafür trifft es deutsche Standorte härter. 


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Ziggy am 25. November 2009, 15:39:03
Bittebitte senkt die Löhne, wir arbeiten auch umsonst, wenn  es sein muß ...


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Alex22 am 25. November 2009, 16:19:22
Was solls? Jetzt bauen sie mit weniger Leuten nicht weniger Autos.
Bald ist auch das nicht mehr möglich. Wenn keiner mehr Autos kaufen kann. Achtet mal darauf, wie alt deutsche Autos sind.
Opel gute Nacht!
Ihr arroganten gut Verdiener nicht mehr lange und auch Euch frisst Harz IV!
Wenn Ihr es immer noch nicht kapiert habt, dann schlaft mal weiter. Ihr Wachkomma-Malocher.
 ;D


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Ziggy am 25. November 2009, 17:28:39
Wie ich vorhin im Radio hörte, bekommt der neue Astra das Goldene Lenkrad des ADAC. Trotzdem wird sich das Auto schlecht verkaufen. Zum Einen ist die Prämie gegessen, zum Anderen hat Opel in den Köpfen der Leute stärker als zuvor ein amerikanisches Image, und "amerikanisch" ist ein mehr und mehr negativ besetzter Begriff. Mit dem Begriff Opel assoziiert der deutsche Michel jetzt automatisch Begriffe wie "unsicher, verarscht, Stellenabbau,  ..." .


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 25. November 2009, 21:48:00
Eurest kocht mit immer weniger leuten das Essen da kauft auch keiner mehr autos. wovon auch? so verkaufen sie uns den strick mit dem wir sie hängen


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 21. Dezember 2009, 14:32:51
Meiner Meinung nach sehen einige die FAU zu unkritisch.

Bei wirklich vorbildlichen Aktionen gibt es gleichzeitig bedenkliche Entwicklungen/Strömungen/Ideen in dieser Organisation.
Zitat
([url]http://4.bp.blogspot.com/_yoh2IoH81hw/SyjKQdmcUdI/AAAAAAAAAEU/13xCwp7mphk/s400/bghu2.jpg[/url])
(...)In diesen reaktionären Sumpf hat sich nun leider auch die Hamburger Lokalföderation der Freien ArbeiterInnen Union (FAU) begeben. Sie entblödete sich nicht den Aufruf des antideutschen Spektrums aktiv mit zu unterstützen und an der Antideutschen-Demonstration gut sichtbar mit FAU-Fahnen teilzunehmen. Schon seit längerem ist bekannt das in dieser Gruppe Antideutsche aktiv sind und ob dieses Zustandes gab es immer wieder interne Auseinandersetzungen darüber. Schlussendlich obsiegten die Befürworter und Unterstützer der Antideutschen in der Hamburger Gruppe über die AnarchosyndikalistInnen.

Diese Auseinandersetzungen in der Hamburger FAU waren GenossInnen in anderen Städten insofern bekannt, als das ausgetretene Mitglieder dies innerhalb der FAU bekannt machten und immer wieder darauf hinwiesen, das in der Hamburger FAU Antideutsche den Ton angeben. Diese Hinweise wurden aber zum allergrößten Teil ignoriert und man versteckte sich hinter der „lokalen Autonomie“ der Gruppe, obwohl es sich hier nicht um Angelegenheiten der Selbstbestimmung handelt, sondern um eine Entfernung und Aufkündigung der anarcho-syndikalistischen Arbeitsgrundlage.(...)

http://syndikalismus.wordpress.com/2009/12/15/hamburg-antideutsche-gegen-antiimps/ (http://syndikalismus.wordpress.com/2009/12/15/hamburg-antideutsche-gegen-antiimps/)

http://de.indymedia.org/2009/12/268684.shtml?c=on#comments2 (http://de.indymedia.org/2009/12/268684.shtml?c=on#comments2)

Auch andere problematische Dinge werden zu wenig diskutiert. Es gibt eine starke Strömung, die "Kollektive" automatisch toll findet. "Selbstverwaltete" Klitschen, die doch nur von den Kräften des Marktes abhängig sind... Im Grunde Ich-AGs mit mehreren Leuten. Die dürfen ihre Selbstausbeutung und Verelendung selbst verwalten. Die können ihre Lohnsenkungen (hab ich schon erlebt!) kollektiv beschließen. Da ziehen die Arbeitsämter und die FAU an einem Strang. Hauptsache Arbeit. Die FAU tut's lieber kollektiv. Dem Arbeitsamt isses egal.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 22. Dezember 2009, 02:19:42
STOP @MOCS .....

Zitat
.... Da ziehen die Arbeitsämter und die FAU an einem Strang. Hauptsache Arbeit. Die FAU tut's lieber kollektiv. Dem Arbeitsamt isses egal. ......

..... ich denke hier gehst du zu weit!
(Ich gebe hier meine persoenliche Meinung wieder! Viele Probleme in Hamburg sind mir nicht unbekannt.)

"Die" Freie ArbeiterInnen Union ist eine basisdemokratisch und freiwillig aus den lokalen Zusammenhaengen geschlossene und vernetzte Gewerkschaft. Der "Urkeim" dieser Organisation sind Betriebsgruppen, die sich in ihrem Ziel einig sind und dieses Ziel mit entsprechenden gewerkschaftlichen Mitteln gegen den Willen der "Arbeitgeber" durch zusetzen versuchen.

(Ich kaempfe gerade gegen das Phaenomen, dass alle meine Eingaben ca. zehn Sekunden verzoegert erscheinen.)rscheinen.)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Irrlichtprojektor am 22. Dezember 2009, 10:49:29
Zitat
Was ist Arbeit?

Dem Ergebnis der weiteren Darlegungen vorgreifend, soll an dieser Stelle zur Vermeidung von Mißverständnissen die Verwendung des Begriffes Arbeit im späteren Text grob skizziert werden. Der im Folgenden verwendete Arbeitsbegriff unterscheidet sich von dem derzeit meist im eingangs geschilderten - stark ideologisch geprägten - Sinne verwendeten. Arbeit ist weder synonym mit jeglicher Tätigkeit, die auf Naturbearbeitung abzielt, noch auf entlohnte Arbeit eingeschränkt. Ganz abstrakt gesehen ist Arbeit all diejenige Tätigkeit, die einen außerhalb ihrer konkreten Verrichtung liegenden Zweck hat. Sie umfaßt jegliche Tätigkeit, die in erster Linie der eigenen Existenz und deren Reproduktion wegen verrichtet wird und nicht etwa aus Freude an einer konkreten Aktivität. Dazu gehört in der westlichen, kapitalistischen Gesellschaft zum einen jegliche Lohnarbeit, zum anderen natürlich auch ein Großteil der Hausarbeit sowie der Tätigkeit im sogenannten "informellen Sektor". In anderen Gesellschaften war das (und ist es noch immer bzw. zunehmend wieder) beispielsweise die Tätigkeit von Sklavinnen und Sklaven, Fronarbeit usw.
Der Gegenbegriff zur Arbeit, weiter unten als schöpferische Praxis bezeichnet, meint hingegen ein Tun vorrangig aus Lust am Schaffen, am Tätigsein. Das schließt dabei nicht aus, daß diese Tätigkeit mit Anstrengungen verbunden ist oder daß ihr Produkt der Reproduktion dient.
Auch kann beispielsweise eine Berufstätigkeit vorrangig Arbeit oder eben auch Selbstverwirklichung im Sinne von schöpferischer Praxis sein. Nur wird unter heutigen Bedingungen für die überwiegende Mehrheit der Arbeitsaspekt im Vordergrund stehen. Genausogut ist es denkbar, daß die Tätigkeit nach der eigentlichen Lohnarbeit, also in der Freizeit, Arbeitscharakter annimmt. Nämlich beispielsweise dann, wenn die "Hobby"-Gärtnerin oder der Eigenheimbesitzer ständig an ihrem/seinem Freizeitobjekt "rumwerkeln" muß, nur um dem verinnerlichten Gebot, wonach man werktags nicht auf der faulen Haut liegen darf, Folge zu leisten. Andererseits überwiegt vielleicht bei mancher/manchem etwa im künstlerischen Bereich Tätigen auch heute schon der schöpferische Charakter der Arbeit, der den gleichzeitig vorhandenen Erwerbszweck seiner Tätigkeit zumindest vorübergehend, solange sie hinreichend erfolgreich ist, in den Hintergrund treten läßt.
In jeder Praxis werden wohl immer Elemente von beiden Tätigkeitsformen enthalten sein. Beide Arten von menschlicher Tätigkeit hatten aber in der geschichtlichen Entwicklung einen unterschiedlichen Stellenwert. Diesem Verhältnis soll nun im weiteren nachgegangen werden.


Aus Hauptsache Arbeit? (http://www.arbeitsalltag.de/Texte/Broschue/Inhalt.htm)

Ich würde davon ausgehen das die erwähnten Kollegen sich ebenso damit auseinander gesetzt haben und mir deine verkürzte Kritik, @ManOfConstantSorrow, weniger fundiert erscheint. Persönlich kenne ich nicht dieses, allerdings ein anderes Beispiel, wo Kollegen nach ca. einem guten Jahr selbstverwalteter Tätigkeit, nach anfänglicher Anstrengung verbunden mit sehr wenig Einkommen, mittlerweile finanziell ihren Lebensunterhalt davon bestreiten können und den 6h/Tag eingeführt haben. Erkennbar dem Mammon "Arbeit" etwas entgegen setzen und persönliche Freiräume schaffen.

Die "Hamburger Geschichte" empfinde ich auch etwas seltsam, ich kenne allerdings nicht die Hintergründe und möchte daher nicht unqualifiziert urteilen. Ich halte es für bedeutender, zukünftig zu beobachten wie mit dieser Situation umgegangen wird, statt anhand dieser Meldung eine fragwürdige Sichtweise auf die gesamte FAU zu übertragen. Dein gesamt geäußerter Kontext @ManOfConstantSorrow, scheint mir nach meinem empfinden allerdings sich weniger an inhaltlicher Kritik auszurichten, eher die gesamt FAU "abzuarbeiten". (?)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 22. Dezember 2009, 20:31:07
Zitat
weniger an inhaltlicher Kritik auszurichten, eher die gesamt FAU "abzuarbeiten".
?(
wie kommst Du darauf?
Ich würde mir eine größere und stärkere FAU wünschen. Eine Organisation, die ernstzunehmen ist, wiel sie in der Lage ist sich kritsich mit nicht selbst und eigenen Problemen und Fehlern auseinanderzusetzen.
Wenn die FAU es vorzieht eigene Skandale und innere Widersprüche auszusitzen wie der DGB, wird nicht aus dem Nischendasein heraustreten und hat es auch nicht anders verdient.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Carpe Noctem am 22. Dezember 2009, 21:48:13
Ich würde mir eine größere und stärkere FAU wünschen. Eine Organisation, die ernstzunehmen ist, wiel sie in der Lage ist sich kritsich mit nicht selbst und eigenen Problemen und Fehlern auseinanderzusetzen.
Wenn die FAU es vorzieht eigene Skandale und innere Widersprüche auszusitzen wie der DGB, wird nicht aus dem Nischendasein heraustreten und hat es auch nicht anders verdient.

Gerade die zähe Auseinandersetzung der FAU mit ihren internen Konflikten lähmt aus meiner Sicht die Organisation oft. Die Diskussionen ziehen sich wie Kaugummi, egal ob es um HH geht oder Spaniens Rolle in der IAA. Das liegt aber nicht an Kritikscheu, sondern an der Organisationsstruktur. Im DGB funktioniert vieles top-down, in der FAU nur bottom-up. Das Streben nach dem Konsens kostet auch Zeit. Letztlich führt das alles dazu, dass sich jedes Mitglied wahr- und ernst genommen fühlt. Wir sind nicht "in der FAU", wir SIND die FAU.

Es kann auch keine Ortsgruppe oder Lokalföderation hergehen und HH Vorschriften machen. Es ist Sache der Region Nord oder des Kongresses, über Ausschlüsse von OG oder LF zu diskutieren, bzw. diese zur Rechenschaft zu ziehen. Wenn wir uns hier in der Region West hinsetzen und über das Problem in HH schlaukeksen, bekommen wir unsere Sachen nicht mehr auf die Reihe. Was ich persönlich über HH denke, ist eine andere Baustelle. Letztlich bin ich aber überzeugt dass wir mit Schmoren im eigenen Saft nicht weiter kommen, ebenso bin ich überzeugt dass uns mit dem DGB nichts verbindet ausser dass wir alle unweigerlich zum Klo müssen.

Das Nischendasein verdankt die FAU m.E. ihrem radikalen Ansatz und ihrer starken Betonung der Eigenverantwortung jedes Mitglieds. Menschen sind gewohnt Verantwortung abzugeben, sich vertreten, verwalten und regieren zu lassen. Selbstorganisation und das Nichtauszahlen von Streikgeldern kommen der "westlichen Wertegemeinschaft" und der "deutschen Leidkultur" nicht gerade entgegen. Wir bieten Freiheit, nicht Sicherheit. Was ist das wert? Für mich alles, für viele Kollegen schlicht - nichts. Die haben kleine Kinder, die haben ein Haus zu bezahlen, da ist Sicherheit erstrebenswerter.

Grüsse - CN


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 23. Dezember 2009, 06:32:04
Genau das ist der Punkt. Menschen in deutschland werden schon im kindergarten daran gewöhnt, daß andere für und über sie entscheiden. Bei mir im Betrieb sind alle im IWW organisiert. Der Gedanke du bist der betriebsrat, du musst für uns machen ist extrem stark. Das ist in den dgb gewerkschaften einfacher. man zahlt und andere entscheiden. in der regel schecht aber sie entscheiden. Es ist ein langer prozess solche verhaltensweisen aufzubrechen.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 23. Dezember 2009, 21:36:07
Ich verstehe wenn einiges nervt und anderes schleppend verläuft.

Aber wenn es nicht möglich ist zu reagieren, wenn man die reaktionären Positionen der Antideutschen in eigenen Reihen die eigenen Grundsätze ad absurdum führen läßt, dann ist das ein Offengbarungseid.

Die angesprochenen "Kollektive" sind eine recht zweischneidige Geschichte.
Sicherlich ist es eine begrüßenswerte Sache, wenn Arbeiter die Produktion in eigener Regie übernehmen und wenn sie dabei den Unternehmern die Produktionsmittel entreißen. Bei der LIP Besetzung (Frankreich) wurde die Fabrik nicht nur verbarrikadiert, sondern man flutete die Produktionshalle mit Öl, um den Abransport der Maschinen unmöglich zu machen.

Im argentinischen ZANON
Heart of the Factory - Trailer (http://www.youtube.com/watch?v=iFiaFig47gg#)

besetzten die Arbeiter nicht nur die Fabrik um die Produktion zu übernehmen, sie gingen auch an die Öffentlichkeit und warben um Solidarität...
(http://www.quetzal-leipzig.de/wp-content/uploads/Land/Argentinien/Argentinien_Solidaroekonomie_Zanon_Neuquen_sebastian_hacher_argentina_indymedia_org.jpg)
Und so kamen auch Arbeiter anderer Fabriken, Erwerbslosen- und Stadteilgruppen um sie bei der Verteidigung der Fabrik durch eine polizeiliche Räumung zu unterstützen.
(http://wildcat-www.de/bilder/zanon2.jpg)

Keramikkugeln zur Verteidigung mit dem Katapult...
(http://wildcat-www.de/bilder/cargando.jpg)


Die STRIKE BIKE Aktion fand ich auch hervorragend, als es darum ging den Kampf mit dem Kauf der rotschwarzen Räder zu unterstützen. Aber selbst das Buch "Die neuen Streiks" sieht die weitere Entwicklung kritisch, als dann die Reste des Unternehmens als kleines Kollektiv weitergeführt werden...

Es erinnert mich daran, wie die WILDCAT die polnische Übersetzung ihrer Broschüre über die Selbstverwaltung im Betrieb herausbrachte. Die Ausgabe war im Polen in kürzester Zeit vergriffen. Dort ging man dazu über völlig marode Betriebe zu übernehmen und auf eigene Faust zu führen. Der polnische Staat war begeistert. Man sparte nicht nur den Abriß unrentabler Unternehmen, sondern auch die Kosten für sonst arbeitslosen Arbeiter. Diese Arbeiteten jetzt zu einem Bruchteil ihres bisherigen Lohnes und haben keine Zeit mehr auf "dumme" Gedanken zu kommen...

Um die Interessen von mehreren Leuten ("kollektiv") geführten Selbstausbeutungsbetrieben könnte sich ggf. eine alternative Wirtschaftsvereinigung kümmern, doch ist so etwas sicherlich nicht die Aufgabe einer Gewerkschaft. Ich habe selbst in einem kollektiv geführten Betrieb gearbeitet und war deshalb in einer Initiative gegen Alternativausbeutung aktiv.


Titel: spiegel, sodexo, verdi
Beitrag von: alfred am 09. Januar 2010, 04:02:15
Sodexo verköstigt übrigens auch mich während der gesetzlich vorgeschriebenen Pausenzeiten - auf in die kommenden Tarifrunden. Spiegel, chefduzen.de & Co bilden schon einmal die öffentliche Meinung. Die Sodexo-Angestellten haben genau so viel davon wie ich...

Der Spiegel (http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,670024,00.html)

Zitat
Ver.di fordert fünf Prozent mehr Lohn für den Öffentlichen Dienst. Viele Ver.di-Angestellte müssen dagegen Lohneinbußen hinnehmen.

Wolfgang Schäuble ist lange genug im politischen Geschäft, dass ihn eigentlich nichts mehr wirklich überraschen kann. Auf die Tarifforderung der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di für die rund zwei Millionen Beschäftigten bei Bund und Kommunen reagierte der Bundesfinanzminister dennoch "erschrocken".


Der Staat habe keinerlei Spielraum. Immerhin biete er sichere Jobs, so Schäuble. "Sozial ist, was Kaufkraft schafft", kontert Ver.di-Chef Frank Bsirske.

Fünf Prozent mehr Lohn will die Gewerkschaft für die Staatsdiener rausholen. Schäuble wäre wahrscheinlich auch erschrocken gewesen, wenn die Forderung nur halb so hoch ausgefallen wäre, denn pures Entsetzen gehört nun mal auf beiden Seiten solcher Tarifverhandlungen zum Ritual. Dennoch dürften die Verhandlungen, die am 13. Januar beginnen, so konfliktreich werden wie selten zuvor.

Einerseits sind die öffentlichen Haushalte enorm verschuldet, und die Finanzkrise bürdet ihnen weitere hohe Lasten auf. Würde die Fünf-Prozent-Forderung der Arbeitnehmer realisiert, kostete das Bund und Kommunen weitere 4,6 Milliarden Euro. "Personalabbau und Einschränkungen öffentlicher Dienstleistungen" seien dann unumgänglich, sagt Thomas Böhle, Präsident der kommunalen Arbeitgeber. Bsirske andererseits wettert, dass die Einkommensentwicklung im Öffentlichen Dienst in den vergangenen zehn Jahren chronisch hinter der Entwicklung aller anderen Branchen zurückgeblieben sei.

Doch so generös der Gewerkschaftsführer für die Angestellten im Öffentlichen Dienst ficht, so knauserig springt er mit seinen eigenen Mitarbeitern um. Jüngste Opfer dürften die Ver.di-Beschäftigten in den zahlreichen gewerkschaftlichen Bildungszentren sein - allen voran im "Haus Brannenburg".

"Kultur der produktiven Zusammenarbeit"

Die Einrichtung nahe Rosenheim ist eine von elf Ver.di-Bildungsstätten dieser Art. Durch die Arbeit dort werde "eine Kultur der produktiven Zusammenarbeit und des solidarischen Miteinanders erlebt, die die Identifikation mit Ver.di fördert", lobt die Gewerkschaft sich selbst. Wenn es aber nach dem Willen von Ver.di geht, sollen nahezu alle Beschäftigten zügig in eine neue Gesellschaft ausgelagert und zu schlechteren Konditionen weiterbeschäftigt werden. Auch für die übrigen Bildungsstätten wird in der Ver.di-Zentrale zurzeit an ähnlichen Sparplänen gearbeitet.

Das Auslagern von Mitarbeitern ist in der Wirtschaft gängige Praxis der Kostensenkung - aber eine, die von den Gewerkschaften zugleich heftig bekämpft wird, weil sie zu Lasten der Mitarbeiter geht.

Das aktuelle Vorgehen von Ver.di ist umso bemerkenswerter, als die Gewerkschaft inzwischen Überschüsse erzielt. Weil die Mitglieder über alle Branchen hinweg in den vergangenen zwei Jahren von guten Tarifsteigerungen profitierten, erhöht sich automatisch auch das Beitragsvolumen, denn ein Prozent des Bruttoeinkommens wird direkt an die Gewerkschaft abgeführt.

Personalabbau trotz steigender Einnahmen

2008 hatte die hinter der IG Metall zweitgrößte deutsche Gewerkschaft mit Beitragseinnahmen von 412 Millionen Euro rund 18 Millionen mehr eingenommen als ursprünglich veranschlagt. Für 2009 rechnete Ver.di sogar noch mit etwas höheren Beitragseinnahmen als 2008.

Doch Top-Funktionär Bsirske scheint vorzubauen. Wenn die Wirtschaftskrise 2010 - wie vielfach prognostiziert - den Arbeitsmarkt stärker erfasst, werden auch in etlichen Ver.di-Branchen größere Entlassungsrunden anstehen. Und "wer arbeitslos wird, verlässt Ver.di", so Henrike Greven, Geschäftsführerin des Bezirks Mülheim-Oberhausen. Schon heute stehen der vergleichsweise guten Einnahmesituation enorm gestiegene Kosten gegenüber, auch durch höhere Beitragszahlungen an den Pensions-Sicherungs-Verein.

"Die Lasten der Krise dürfen nicht in erster Linie auf die Erwerbstätigen, die Erwerbslosen und alle, die auf soziale Sicherung angewiesen sind, abgewälzt werden", sagt Bsirske. Doch was er öffentlich propagiert, gilt intern offensichtlich weniger.

Intern gelten andere Regeln

So wurden kürzlich auch einem Teil der Redaktion der Mitgliederzeitschrift "Publik" die festvereinbarten Aufträge entzogen. Grund: Der Etat soll nahezu halbiert werden. Von den elf Mitarbeitern der Redaktion wurden bislang vier als "feste Freie" beschäftigt. Allein diese Praxis war bereits Gegenstand arbeitsgerichtlicher Auseinandersetzungen, da sich ein Teil der Betroffenen als "scheinselbständig" empfand. Ver.di gewann die Prozesse mit dem Argument, die Redakteure hätten sich nicht an Weisungen, Dienstpläne oder Arbeitszeiten halten müssen.

Doch das ist die Theorie. In der Praxis arbeiteten die vier ausschließlich für Ver.di-Publikationen in der Zentrale. Seit Beginn dieses Jahres müssen jene Beschäftigten auf ihre feste Mitarbeit verzichten, darunter eine schwangere Journalistin, für die normalerweise ein besonderer Kündigungsschutz gilt. Doch Ver.di beruft sich darauf, dass der Schutz "nur bei festangestellten Mitarbeiterinnen anzuwenden ist".

Und auch an anderer Stelle nimmt es die Gewerkschaft mit den eigenen Ansprüchen nicht so genau. Die hauseigene Kantine in der Berliner Zentrale lässt Ver.di ausgerechnet von der Firma Sodexo betreiben, einem internationalen Catering-Konzern, der üblicherweise keine Branchen-, sondern Haustarifverträge abschließt, bei denen viele Beschäftigte kaum über den Mindestlohn hinauskommen.
 


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 09. Januar 2010, 09:28:53
Wen wunderts? Die DGB "Gewerkschaften" sind zu versicherungskonzernen verkommen. wie diese  versuchen sie die produktivität zu erhöhen. desshalb werden auch arbeitskämpfe nach betriebswirtschaftlichen vorgaben geführt. was kostet es und was bringt es an erhöten mitgliedsbeiträgen ein. Die mitarbeiterinnen sind dan noch gehalten bei ihrem arbeitgeber mitglied zu werden. perverser kann es doch nicht mehr sein. wer macht dan die tarifverträge für gewerkschaftsmitarbeiterinnen? das system der DGB Gewerkschaften ist einfach nur krank und korrupt


Titel: 5%
Beitrag von: alfred am 10. Januar 2010, 20:22:37
Wen wunderts? Die DGB "Gewerkschaften" sind zu versicherungskonzernen verkommen. wie diese  versuchen sie die produktivität zu erhöhen. desshalb werden auch arbeitskämpfe nach betriebswirtschaftlichen vorgaben geführt. was kostet es und was bringt es an erhöten mitgliedsbeiträgen ein. Die mitarbeiterinnen sind dan noch gehalten bei ihrem arbeitgeber mitglied zu werden. perverser kann es doch nicht mehr sein. wer macht dan die tarifverträge für gewerkschaftsmitarbeiterinnen? das system der DGB Gewerkschaften ist einfach nur krank und korrupt

Ja, eine völlig gerechtfertigte und nachvollziehbare Reaktion Deinerseits.

Das Problem dabei ist nur, dass die Mehrheit der Deutschlandbewohner genauso spricht und denkt wie Du und diese aktuelle Spiegelmeldung einhergeht mit der aktuellen Fünfprozentforderung Verdis.

DGB-Gewerkschaften sind Scheiße! Lohnforderungen in diesen Zeiten unverschämt!

Nicht anders soll die öffentliche Meinung sein und ändern soll sie sich auch nicht wieder - weiter so!


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 11. Januar 2010, 19:57:35
da verstehst du was falsch. ich finde lohnforderungen keinesfalls unverschämt. ich finde nur unverschämt mit 2 prozent abzuschliesen. tarifbettelei bring halt nichts. man muss kämpfen und zwar richtig. die dgb gewerkschaften haben beim kämpfen aber immer die kosten im hinterkopf. in frankreich gibt es kein steikgeld da wird gekämpft biss die kollegen sagen genug.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: alfred am 11. Januar 2010, 20:25:24
Ich verstehe Dich prinzipiell nie falsch! Jetzt mußt Du nur noch realisieren das hier nicht Frankreich sondern Deutschland mit den entsprechenden Einwohnern ist. Ich sehe außerdem, dass uns Deine jahrelange immer gleiche Leier keinen einzigen Millimeter vorangebracht hat, es ist zum Weinen...

Ich denke da eher wie Karl: link (http://www.igmetall-zoom.de/Forum/viewtopic.php?t=3225)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 15. Januar 2010, 14:18:40
DGB-Chef nimmt Merkel vor Kritikern in Schutz

In der Union wird Angela Merkel wegen ihres Führungsstils kritisiert - ausgerechnet der oberste Gewerkschaftschef Michael Sommer unterstützt sie jetzt.

(...)
Sommer: Frau Merkel hat eines auf jeden Fall in der Krise gelernt - besser mit den Gewerkschaften zusammenarbeiten, als gegen sie zu regieren.
(...)
Wir werden eine solche unsoziale Gesundheitspolitik bekämpfen. Als Allererstes werden wir eine eigene Kommission bilden, um die Arbeit der geplanten Regierungskommission kritisch zu hinterfragen.

blablabla

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,671941,00.html (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,671941,00.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 20. Januar 2010, 14:58:39
Zitat
Schwund geht langsamer weiter
Die Gewerkschaften haben auch 2009 Mitglieder verloren


(dpa). Die Wirtschaftskrise hat den Mitgliederschwund bei den Gewerkschaften wieder beschleunigt. Lediglich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) gewannen 2009 unter dem Strich neue Beitragszahler, wie eine dpa-Umfrage am Dienstag ergab. Dagegen schrumpften die anderen sechs DGB-Organisationen weiter. Besonders stark fiel der Rückgang bei der Verkehrsgewerkschaft Transnet mit einem Minus von 3,7 Prozent im Vergleich zu 2008 aus. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gab einen Rückgang von 1,9 Prozent bekannt.

Die größte Arbeitnehmerorganisation IG Metall will am 25. Januar Zahlen nennen. Da sie Exportbranchen wie die Automobilindustrie und den Maschinenbau vertritt, die von der Krise besonders betroffen sind und unter Stellenabbau leiden, dürfte auch sie ein Minus ausweisen. 2008 hatte sich die IG Metall bei 2,3 Millionen Mitgliedern stabilisiert. In der zweitgrößten Gewerkschaft Verdi waren Ende 2009 in mehr als 1000 Berufen rund 2,138 Millionen Männer und Frauen organisiert. Das waren 43 000 (1,93 Prozent) weniger als im Vorjahr – die zweitniedrigste Verlustrate seit der Gründung 2001. In einigen Fachbereichen wie Gesundheit und Bildung sei eine Trendumkehr erreicht worden.

Die drittgrößte DGB-Gewerkschaft, die IG Bergbau, Chemie, Energie (BCE), hatte zum Jahresende noch gut 688 350 Mitglieder. Das waren 12 000 weniger als Ende 2008. Als Gründe für das Minus wurden die steigende Arbeitslosigkeit und die demografische Entwicklung genannt. Die IG Bauen-Agrar-Umwelt (BAU), die in den vergangenen Jahren wegen der Krise am Bau besonders gebeutelt war, konnte den dramatischen Mitgliederschwund abschwächen. Ende 2009 zählte sie 324 000 Beitragszahler – knapp zwei Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Eine IG-BAU-Sprecherin verwies aber auf eine sehr gute Quote von Neuwerbungen. Diese liege bei sieben Prozent, DGB-weit sei sie bei etwas über vier Prozent.

Die Bahngewerkschaft Transnet hatte Ende 2009 noch 219 242 Männer und Frauen in ihren Reihen, 8448 weniger als im Vorjahr. Dies entspricht einem Rückgang von 3,7 Prozent. Ein Transnet-Sprecher führte diese Entwicklung auf die Altersstruktur zurück. Etwa die Hälfte der Transnet-Mitglieder seien Rentner. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) verlor 1125 oder 0,55 Prozent an Mitgliedern und organisiert jetzt noch 204 670 Männer und Frauen.
http://www.neues-deutschland.de/artikel/163043.schwund-geht-langsamer-weiter.htm (http://www.neues-deutschland.de/artikel/163043.schwund-geht-langsamer-weiter.htm)

Gewerkschaften, die die Agenda 2010 und Haertz IV mitunterstützen verraten Grundprinzipien der Arbeiterbewegung. Da sich die Mitglieder durch diese Organisationen immer weniger vertreten sehen, zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung, wie bei der SPD ab: Eine einst Starke politische Kraft manövriert sich selbst in die Bedeutungslosigkeit.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 20. Januar 2010, 17:31:54
nicht alle. Die IWW hat ihren mitgliedestand zwar auf noch niedrtigen nivou doch in 2009 verdoppelt
www.wobblies.de (http://www.wobblies.de)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Aloysius am 20. Januar 2010, 20:45:39
An ihren Taten sollt ihr sie erkennen...

Mir egal, welchen Namen Organisationen tragen, die für Lohndrückerei und Aufgabe von AG-Rechten stimmen - sie tun nichts Gutes mit solchen Stimmen.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 02. Februar 2010, 19:44:54
Vielleicht sollte man froh sein, wenn es der IGM nicht einmal mehr den Schein wahren kann, sie würden die Interessen ihrer Mitgleider vertreten...

Selbst das Springer-Blatt WELT titelt:

Zitat
IG Metall will beim Lohn kuscheln statt kämpfen
http://www.welt.de/wirtschaft/article5978770/IG-Metall-will-beim-Lohn-kuscheln-statt-kaempfen.html (http://www.welt.de/wirtschaft/article5978770/IG-Metall-will-beim-Lohn-kuscheln-statt-kaempfen.html)

Die Alternative?? Daß man auch ohne (eine solche) Gewerkschaft kämpfen kann, hat sich bei Arbeitern in diesem Land noch nicht herumgesprochen...


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 03. Februar 2010, 20:12:10
in Frankreich ist der organisationsgrad eher gering. trotzdem streiken die wie die weltmeister. oder desshalb weil keine gewerkschaft sie bremst??


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 15. Februar 2010, 20:02:44
Die Gruppe "Alternative" bei Daimler Sindelfingen bittet um Solidarität, weil Ihnen ein Ausschlussverfahren aus der IG Metall droht. Das erste Mal in Sindelfingen haben 11 Kandidatinnen und Kandidaten eigenständig die Liste "Alternative" gebildet. Der Protest-Brief gegen die Unterdrückung und den Ausschluss bitten wir an die IG Metall Stuttgart zusenden!

Siehe den Aufruf, darin auch die Hintergründe:
http://www.labournet.de/branchen/auto/dc/sindel/ausschlussprotest.pdf (http://www.labournet.de/branchen/auto/dc/sindel/ausschlussprotest.pdf)

Den Aufruf gibt's auch auf Türkisch
http://www.labournet.de/branchen/auto/dc/sindel/ausschlussprotest_tr.pdf (http://www.labournet.de/branchen/auto/dc/sindel/ausschlussprotest_tr.pdf)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 23. Februar 2010, 17:55:19
Im Sindelfinger Daimler-Werk treten elf Metaller notgedrungen mit eigener Liste als »Alternative« an. Kurz vor der Betriebsratswahl droht die IG Metall aufmüpfigen Mitgliedern im Mercedes-Benz Werk Sindelfingen mit Gewerkschaftsausschluss. Zu Inhalten und Hintergründen werde man sich erst danach äußern. Aktas will dagegen einen Ausschluss nicht hinnehmen: »Wir wollen die Gewerkschaft nicht spalten, sondern stärken und an ihre ureigensten Aufgaben erinnern«
http://www.labournet.de/branchen/auto/dc/sindel/oefinger1.html (http://www.labournet.de/branchen/auto/dc/sindel/oefinger1.html)


Titel: Kanzlerin gibt offenbar Geburtstagsessen für IG-Metall-Chef
Beitrag von: Kater am 06. März 2010, 12:43:23
Happy Birthday Huber...

Zitat
Kanzlerin gibt offenbar Geburtstagsessen für IG-Metall-Chef

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gibt offenbar am 17. März im Kanzleramt ein Essen aus Anlass des 60. Geburtstages von IG-Metall-Chef Berthold Huber. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, findet die Veranstaltung in der gleichen Form statt wie ein Essen aus Anlass des 60. Geburtstages von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Frühjahr 2008, für das Merkel später in die Kritik geriet.

Eingeladen sind dem Bericht zufolge neben Huber und dessen Frau der Chef des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, VW-Chef Martin Winterkorn, Siemens-Chef Peter Löscher und der DGB-Vorsitzende Michael Sommer. Zugesagt hätten auch mehrere Gesamtbetriebsräte großer Konzerne, unter ihnen Opel-Betriebsratschef Klaus Franz. Auch Porsche-Betriebsrat Uwe Hück, der sich im Wahlkampf 2005 noch entschieden für den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eingesetzt hatte, wird demnach an dem Geburtstagsessen teilnehmen.

Aus der Bundesregierung kommen laut "SZ" neben Merkel Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und Kanzleramtschef Ronald Pofalla (beide CDU). Eingeladen soll auch Wirtschaftsminister Rainer Brüderle von der FDP sein. Prominente SPD-Politiker fehlten auf der Liste, obwohl Merkel und SPD-Mitglied Huber die Gästeliste miteinander abgestimmt hätten.

http://de.news.yahoo.com/2/20100306/tts-kanzlerin-gibt-offenbar-geburtstagse-c1b2fc3.html (http://de.news.yahoo.com/2/20100306/tts-kanzlerin-gibt-offenbar-geburtstagse-c1b2fc3.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 06. März 2010, 14:15:52
Da war Kater mal wieder schneller...

Zitat
Nach dem Wahlsieg von Union und FDP im September 2009 teilte der Chef der IG Metall mit: "Ich setze auf die Vernunft von Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin hat bisher gegenüber Arbeitnehmern einen fairen Kurs gefahren." Umgekehrt lobt Merkel seit Monaten die Gewerkschaften für ihr verantwortliches Verhalten in der Wirtschaftskrise. Speziell den Tarifabschluss der Metaller, bei dem zugunsten von Arbeitsplatzsicherung nur geringe Lohnerhöhungen vereinbart wurden, nannte sie vorbildlich.


Zitat
Der IG Metall-Mann steigt auf in die Bewirtungsklasse von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der 2008 eingeladen war. Das ist ehrenvoll für Huber, gut für das Image der Kanzlerin vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen...


Zitat
Auf so viel Gemeinsamkeit lässt sich bald anstoßen, denn Sommer und von der Leyen gehören zu den von Huber und Merkel gemeinsam auserwählten Gästen. Mit dabei auch Metall-Arbeitgeber Martin Kannegiesser, Siemens-Chef Peter Löscher und VW-Chef Martin Winterkorn. Zugesagt haben Betriebsräte großer Konzerne, unter ihnen Merkels absoluter Favorit unter den Arbeitnehmervertretern: Klaus Franz von Opel. Sogar Uwe Hück von Porsche kommt...
http://www.sueddeutsche.de/,ra3m1/wirtschaft/5/505209/text/ (http://www.sueddeutsche.de/,ra3m1/wirtschaft/5/505209/text/)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 21. April 2010, 20:08:32
Hier machen sich schon die bürgerlichen Medien lustig über unsere Gewerkschaften...

Zitat
Konfrontation? Ach was!
Tarifverhandlungen für die Chemiebranche starten


von Ulrich Reitz


Kooperation statt Konfrontation: Bei den Tarifverhandlungen der Chemie-Industrie fordert die Gewerkschaft mehr Geld und sichere Arbeitsplätze - die Arbeitgeber mauern. Einen Streik wird es trotz allem nicht geben. Genauso wie in den Jahren zuvor.


Nichts als Schaumschlägerei: Bis Mittwoch streiten die Tarifparteien in Würzburg um die Zukunft der deutschlandweit 550.000 Beschäftigten in der Chemiebranche...

http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/24/0,3672,8066008,00.html (http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/24/0,3672,8066008,00.html)



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 22. April 2010, 11:31:59
So sieht's aus:

Zitat
Lohnarbeit und Arbeitsk(r)ampf in Deutschland:
7,2 Minuten Streik 2009

Die Streikbeteiligung im Jahr 2009 beträgt (durchschnittlich) eine Pinkelpause an 220 Arbeitstagen.

http://www.scharf-links.de/43.0.html?&tx_ttnews (http://www.scharf-links.de/43.0.html?&tx_ttnews)[tt_news]=9912&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=4ec423ac4c



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 23. April 2010, 21:01:43
Tarifvertrag 2010 NGG- EUREST 2%
2009 gab es nix der Vertrag läuft bis 2011 also 0,7% om Jahr
Die Gewinne explodieren die Gewerkschaft macht nix. Das Personal will kämpfen darf aber nicht.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 25. April 2010, 12:17:47
IGM GewerkschafterInnen droht Ausschluss

Wegen der Kandidatur auf einer klassenkämpferischen Liste zu den Betriebsratswahlen 2010 werden IGM GewerkschafterInnen bei Daimler Berlin von Ausschluss bedroht


Der Ortsvorstand der IG Metall Verwaltungsstelle Berlin hat in dieser Woche auf Antrag ein Untersuchungsverfahren nach § 10 der IG Metallsatzung zur Feststellung von gewerkschaftsschädigendem Verhalten gegen die IG Metallmitglieder der anderen Betriebsratslisten "Alternative" und "Faire Basis" bei Daimler Berlin-Marienfelde eingeleitet. Auch in Sindelfingen und Kassel wurden Ausschlüsse angedroht.
KollegInnen haben einen Solikreis gebildet, der eine Unterschriftensammlung organisiert.

Die Listen können unter  http://www.trend.infopartisan.net/trd0410/t460410.html (http://www.trend.infopartisan.net/trd0410/t460410.html)
runtergeladen werden.
Bei der TREND onlinezeitung gibt es auch weitere Informationen und das Flugblatt des Solikreises zum Verteilen.

DIE UNTERSCHRIFTENLISTEN SOLLEN BIS UM 27.4.2010 AUSGEFÜLLT WERDEN!!!

Soli-Unterschriften zu leisten, ist auch auf der TREND Veranstaltung: Nicht für "linke" Luftschlösser sondern für die soziale Emanzipation kämpfen! am 25. April 2010 um 18.00 Uhr im Café Größenwahn, Kinzigstr. 9, 10245 Berlin möglich. Ein bedrohter Daimler-Kollege wird anwesend sein.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 25. April 2010, 18:24:14
Linke die immer noch glauben die dgb gewerkschaften würden sich jemals ändern sind auf dem Holzweg. In den Gewerkschaften ist die seuche. Mit jedem cdu trottel machen sie gemeinsamme sache. Sind ja fast alle in der spd. Linke dürfen am 1. mai die fahne tragen weil die fetten betrtiebsräte nicht mehr auf die strasse gehen. sobald sie sich aber einmischen werden sie abgekanzelt.
Zum glück gibt es Alternatieven.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: antonov am 27. April 2010, 09:22:08

20.04.2010 | duckhome.de | Jochen Hoff
Es gibt kein Miteinander zwischen Kapital und Arbeit

Es gibt Begriffsmonster wie die Sozialpartnerschaft, die schon seit Jahren durch die Gegend vagabundieren, dadurch natürlich nicht wahrer geworden sind und sich auch nicht mit Nutzinhalt gefüllt haben, aber sie werden wie eine Monstranz immer wieder als schützenswertes Gut in die Höhe gereckt. Allerdings es hat nie eine Sozialpartnerschaft gegeben.

Nach 1945 hatte das Großkapital Sorge sich aus ihren Naziverstrickungen zu befreien und die enormen Arisierungs- und Kriegsgewinne in Sicherheit zu bringen und sowohl vor der Währungsreform als auch den gerechtfertigten Forderungen der Opfer in Sicherheit zu bringen. Gleichzeitig drohte die Gefahr des real existierenden Sozialismus in jenem anderen Deutschland, das sich später DDR nannte.

Angesichts dieser Erfahrungen wurde der Klassenkampf gestoppt und über eine Zeit lang, ein scheinbares WIR gebildet, das Arbeitnehmer und Kapital gegen die Folgen des Kriegs und für den Wiederaufbau zusammenbinden sollte. Das funktionierte zunächst auch ganz gut. Von der Trümmerfrau bis zu den heimkehrenden Soldaten hängten sich alle sofort in die Siele und stemmten den Wiederaufbau, schufen das Wirtschaftswunder, während sich das Kapital erfreut und ein wenig verwundert die Augen rieb.

---> weiter... (http://duckhome.de/tb/archives/7885-Es-gibt-kein-Miteinander-zwischen-Kapital-und-Arbeit.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 17. Mai 2010, 12:34:23
Zitat
Der DGB-Bundeskongress in Berlin bestätigte den 58-jährigen Michael Sommer mit großer Mehrheit im Amt des Vorsitzenden, das er seit acht Jahren innehat. Sommer erhielt 366 von 389 gültigen Stimmen. Das entspricht einer Zustimmung von gut 94 Prozent.
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-05/dgb-wahl-sommer (http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-05/dgb-wahl-sommer)

Wie kann man sowas überhaupt wählen? Sind denn alle Gewerkschaftsfunktionäre hirnamputiert?


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Alex22 am 17. Mai 2010, 14:50:53
....Wie kann man sowas überhaupt wählen? Sind denn alle Gewerkschaftsfunktionäre hirnamputiert?
Nein, sind sie nicht. Sie wissen für wen sie was machen.
Die sie wählenden sind ohne Hirn oder können nicht fragen.  O0


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 17. Mai 2010, 15:19:16
Zitat
Die IG Metall steht vor zahlreichen Problemen: Der Mitgliederschwund wurde immer noch nicht gestoppt, Flächentarifverträge werden gerade in den Zulieferindustrien zu Flickenteppichen, und seit der Krise weht ihr in der Tarifpolitik ein eisiger Wind ins Gesicht. Indessen spekuliert ihre Führung, allen voran der Bundesvorsitzende Berthold Huber, schon mal über neue Modelle der »Mitarbeiterbeteiligung« und preist damit die Gewerkschaft als Juniorpartner des Managements im Ringen um den Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Organisation ist zwischen Co-Management und Klassenkampf hin- und hergerissen, denn gegen den sozialpartnerschaftlichen Kurs des Gewerkschaftsapparates formiert sich Widerstand in den eigenen Reihen, und dies vor allem dort, wo die Beschäftigten die negativen Folgen des Kuschelkurses am stärksten zu spüren bekommen: in den Großbetrieben der Automobilindustrie…
http://jungle-world.com/artikel/2010/19/40904.html (http://jungle-world.com/artikel/2010/19/40904.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 23. Mai 2010, 13:02:12
Zitat
An den anwesenden Präsidenten des Arbeitgeberverbandes Dieter Hundt gewandt lobte der DGB-Chef den "gute Weg", den Unternehmen und Gewerkschaften in den ersten beiden Jahren der Finanz- und Wirtschaftskrise "gemeinsam zurückgelegt" hätten. "Das Zusammenwirken von Betriebsräten und Unternehmensleitungen, unsere Zusammenarbeit zum Beispiel bei der Kurzarbeitergeld-Regelung, die Zusammenarbeit der Tarifvertragsparteien hat die Krise abgefedert und hat Ihnen wie uns geholfen." Gleichzeitig mahnte er den Arbeitgeberpräsidenten, auch in Zukunft nicht auf die Dienste der Gewerkschaften zu verzichten: "Ich kann nur raten: Vergessen Sie das nicht."

Zitat
Im Rahmen der "Zusammenarbeit der Tarifvertragsparteien" verzichteten die beiden größten Industrie-Gewerkschaften, IG Metall (IGM) und IG Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE), 2010 zum ersten Mal seit Jahren auf eine Lohnforderung. Bei Opel und zahlreichen anderen Unternehmen sorgten Gewerkschaften und Betriebsräte dafür, dass Tausende Arbeitsplätze abgebaut und die Löhne massiv gesenkt wurden.Bemerkenswert war auch der Auftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel am ersten Kongresstag.

Zitat
Merkel schwor die Bevölkerung auf weitere Kürzungen ein: "Vor uns liegen sehr, sehr schwere Jahre." Die Gewerkschaftsführer spendeten Beifall, denn sie teilen die Sicht der Regierungschefin. "Uns stehen harte Zeiten bevor", umschrieb dies DGB-Bundesvorstandsmitglied Claus Matecki (IGM).

DGB-Chef Sommer hob sein enges und gutes Verhältnis zu Merkel hervor. Schon im Januar hatte er in Spiegel Online erklärt: "Frau Merkel hat eines auf jeden Fall in der Krise gelernt - besser mit den Gewerkschaften zusammenarbeiten, als gegen sie zu regieren."

Auf dem Kongress verwies er dann nachdrücklich auf sein gutes Verhältnis zur Kanzlerin. "Wir haben eine gemeinsame neue Lebenserfahrung gemacht, die wir lieber nicht hätten", sagte der DGB-Chef. Diese gemeinsame Lebenserfahrung habe aber dazu geführt, dass man vertrauensvoller miteinander umgehe.

Zitat
Sommer ist so überzeugt von der Politik der Klassenzusammenarbeit, dass er sie nicht nur in Deutschland, sondern auch international vorantreibt. In Berlin wohnten dem Bundeskongress 148 Gewerkschaftsfunktionäre aus aller Welt bei. Ende Juni kandidiert Sommer im kanadischen Vancouver als Präsident des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB).

Während die Bundesregierung in allen europäischen Ländern gewaltige Sozialkürzungen und Angriffe auf den Lebensstandard der europäischen Arbeiterklasse durchsetzen will, erklären sich Sommer und seine Funktionärskollegen bereit, die Gewerkschaften in schlagkräftige Organe der Regierung zu verwandeln, um den Widerstand gegen diese Angriffe ins Leere laufen  zu lassen oder zu brechen.
http://www.scharf-links.de/50.0.html?&tx_ttnews (http://www.scharf-links.de/50.0.html?&tx_ttnews)[tt_news]=10392&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=8688a3a165


(http://www.scharf-links.de/uploads/pics/problem-trio_02.jpg)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Alex22 am 23. Mai 2010, 18:54:29
Die Deutschland AG!
Deutschland, Deutschland über alles.....

mal etwas anders
 ;D


Titel: DGB und BDA wollen Streikrecht einschränken
Beitrag von: deutscher Michel am 05. Juni 2010, 14:36:32

20.04.2010 | duckhome.de | Jochen Hoff
Es gibt kein Miteinander zwischen Kapital und Arbeit


aber dafür zwischen Gewerkschaftsdachorganisation und Kapital

Zitat
DGB und BDA wollen Streikrecht einschränken
Gemeinsamer Vorstoß für gesetzliche Regelung gegen Spartengewerkschaften
Von Rainer Balcerowiak

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, und der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, präsentierten am Freitag in Berlin gemeinsame Eckpunkte für ein Tarifvertragsgesetz. Demnach soll in einem Betrieb mit konkurrierenden Tarifverträgen nur derjenige der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern angewendet werden. Für die Dauer dieser vorrangigen Tarifvereinbarung bestünde für alle Gewerkschaften Friedenspflicht. In dieser Zeit wären Arbeitskämpfe demnach ausgeschlossen. Es sei »mehr als problematisch, wenn Belegschaften gespalten und die notwendige Solidargemeinschaft eines Betriebes durch einzelne Funktionseliten und Berufsgruppen gesprengt werden kann«, erklärte Hundt zur Begründung. Unternehmerverbände und Gewerkschaften hätten in den vergangenen Jahren »gemeinsam die Flächentarifverträge modernisiert und flexibilisiert. Diese Tarifordnung wollen wir gemeinsam erhalten.« Auch wolle man verhindern, daß sich zunehmend Spartengewerkschaften bilden.

Sommer warnte vor einer »Zerklüftung der Tariflandschaft«. Das Prinzip »Ein Betrieb – ein Tarifvertrag« habe sich bewährt. Ständige Tarifkonflikte könnten sich die Betriebe zudem nicht leisten.

Hintergrund des Vorstoßes ist die Befürchtung, daß das Bundesarbeitsgericht noch in diesem Jahr in einem Grundsatzurteil die Rechte von Spartengewerkschaften stärken könnte. Deswegen wollen BDA und DGB so schnell wie möglich eine gesetzliche Regelung auf den Weg bringen. Die Resonanz der Politik auf den Vorstoß sei bislang »positiv« gewesen, so Hundt

In der Praxis würde ein solches Gesetz allerdings auch bedeuten, daß beispielsweise die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) in Verkehrsbetrieben, in denen von Transnet/GDBA oder von ver.di abgeschlossene Tarifverträge gelten, keine Arbeitskämpfe für Lokführertarifverträge mehr führen dürfte.

junge Welt ([url]http://anonym.to/?http://www.jungewelt.de/2010/06-05/064.php[/url])



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 22. Juni 2010, 20:34:35
Zitat
Die Feuerwehrleute wollen eine eigene Gewerkschaft haben. Die Tarifparteien sind in heller Aufregung - ein Streik könnten ganze Betriebe stilllegen. Ingo Schäfer ist seit mehr als 20 Jahren bei der Solinger Berufsfeuerwehr und ein Mann der klaren Worte. "Die etablierten Gewerkschaften tun nichts für uns", sagt er. Und bei den Politikern seien die hauptamtlichen Feuerwehrmänner "in Vergessenheit geraten". Damit aber soll möglichst schon in diesem Jahr Schluss sein. Schäfer ist gerade dabei, für die knapp 100.000 Berufs-, Werks-, Betriebs-, und Flughafenfeuerwehrleute eine eigene Gewerkschaft zu gründen - und versetzt damit die Arbeitgeber in helle Aufregung. "Betriebsfeuerwehren könnten künftig ganze Konzerne stilllegen", warnt der Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt...
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/feurwehrleute-heiss-auf-gewerkschaft-mal-brandgefaehrlich-sein-1.961949 (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/feurwehrleute-heiss-auf-gewerkschaft-mal-brandgefaehrlich-sein-1.961949)


Titel: Re:DGB und BDA wollen Streikrecht einschränken
Beitrag von: Abraxas am 23. Juni 2010, 17:21:08

20.04.2010 | duckhome.de | Jochen Hoff
Es gibt kein Miteinander zwischen Kapital und Arbeit


aber dafür zwischen Gewerkschaftsdachorganisation und Kapital

Zitat
DGB und BDA wollen Streikrecht einschränken
Gemeinsamer Vorstoß für gesetzliche Regelung gegen Spartengewerkschaften
Von Rainer Balcerowiak

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, und der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, präsentierten am Freitag in Berlin gemeinsame Eckpunkte für ein Tarifvertragsgesetz. Demnach soll in einem Betrieb mit konkurrierenden Tarifverträgen nur derjenige der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern angewendet werden. Für die Dauer dieser vorrangigen Tarifvereinbarung bestünde für alle Gewerkschaften Friedenspflicht. In dieser Zeit wären Arbeitskämpfe demnach ausgeschlossen. Es sei »mehr als problematisch, wenn Belegschaften gespalten und die notwendige Solidargemeinschaft eines Betriebes durch einzelne Funktionseliten und Berufsgruppen gesprengt werden kann«, erklärte Hundt zur Begründung. Unternehmerverbände und Gewerkschaften hätten in den vergangenen Jahren »gemeinsam die Flächentarifverträge modernisiert und flexibilisiert. Diese Tarifordnung wollen wir gemeinsam erhalten.« Auch wolle man verhindern, daß sich zunehmend Spartengewerkschaften bilden.

Sommer warnte vor einer »Zerklüftung der Tariflandschaft«. Das Prinzip »Ein Betrieb – ein Tarifvertrag« habe sich bewährt. Ständige Tarifkonflikte könnten sich die Betriebe zudem nicht leisten.

Hintergrund des Vorstoßes ist die Befürchtung, daß das Bundesarbeitsgericht noch in diesem Jahr in einem Grundsatzurteil die Rechte von Spartengewerkschaften stärken könnte. Deswegen wollen BDA und DGB so schnell wie möglich eine gesetzliche Regelung auf den Weg bringen. Die Resonanz der Politik auf den Vorstoß sei bislang »positiv« gewesen, so Hundt

In der Praxis würde ein solches Gesetz allerdings auch bedeuten, daß beispielsweise die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) in Verkehrsbetrieben, in denen von Transnet/GDBA oder von ver.di abgeschlossene Tarifverträge gelten, keine Arbeitskämpfe für Lokführertarifverträge mehr führen dürfte.

junge Welt ([url]http://anonym.to/?http://www.jungewelt.de/2010/06-05/064.php[/url])



Man könnte ja auch beschliesen daß der jeweils bessere Tarifvertrag für alle gilt.
Soweit denken die DGB Funktionäre aber nicht. Ihnen geht es nicht um das Wohl der Beschäftigten sondern um die vertreibung der Konkurenz.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 29. Juni 2010, 18:26:05
Zitat
Skandal! DGB und BDA führen Gespräche über Streikrecht! Wir fordern dem DGB auf: lasst eure Finger von jeglicher Streikrechtseinschränkung!

„Wie in unserem NWI-Info Nr. 29 schon kurz gemeldet, planen der DGB und die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) einen gemeinsamen Gesetzesinitiative, um das Streikrecht einzuschränken. Dies ist schon ein merkwürdiges Verständnis von Gewerkschaftspolitik, mit dem Klassengegner gemeinsame Eckpunkte zum Streikrecht vereinbaren zu wollen. Die schärfste Waffe der abhängig Beschäftigten darf sich eine Gewerkschaft nicht vom Klassengegner stumpf schleifen lassen. Dies ist ein Skandal und darf nicht geschehen!..“
http://www.labournet.de/GewLinke/disk/info/streikrecht.pdf (http://www.labournet.de/GewLinke/disk/info/streikrecht.pdf)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Irrlichtprojektor am 29. Juni 2010, 18:41:38
Da fehlen einem echt die Worte....


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Cronos am 29. Juni 2010, 19:05:52
Absolut skandalös sowas!
Zum Glück haben diese miesen Heuchler von der Gewerkschaft heute meinen allerletzten Mitgliedsbeitrag bekommen...


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 29. Juni 2010, 19:17:56
Der DGB ist im Moment dabei, sich ebenso, wie die SPD gänzlich überflüssig zu machen. Er verhält sich so, als wäre er eine Unterorganisation des Unternehmerverbands.

Bei der großen Demo gegen die Sozialkürzungen in Stuttgart am 12. Juni hat der DGB die Unterstützung des Aufrufs an die Bedingung geknüpft, Mitsprache bei der Besetzung der Rednerliste zu haben. Das Ergebnis war radikal: ausgerechnet Vertreter der Politik der Sozialkürzungen von SPD und Grünen wurden eingeladen und Kritiker wurden von der Bühne geschmissen.  Der DGB arbeitete auch gegen "Störer" mit der Polizei zusammen.

Es gab eine Welle der Empörung, auch aus Gewerkschaftskreisen:

http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/aktionen/2010/krise_gews1.pdf (http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/aktionen/2010/krise_gews1.pdf)
http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/aktionen/2010/krise_gews2.pdf (http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/aktionen/2010/krise_gews2.pdf)
http://kopperschlaeger.net/2010/06/von-der-krise-im-sozialstaat-zur-krise-mit-dem-dgb/ (http://kopperschlaeger.net/2010/06/von-der-krise-im-sozialstaat-zur-krise-mit-dem-dgb/)

ob diese hoch genug schwappt, wage ich zu bezweifeln.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 02. Juli 2010, 19:14:36
Da der DGB keine Gewerkschaft ist und seine Mirtgliedsgewerkschaften auch nur korrupt sind habe ich mich für den IWW entschieden. Ohne Gewerkschaft geht auch nicht und wenn dan Internationel organisiert sein. Meckern alleine hilft nix wir brauchen eine Alternative. IWW die Einheiotsgewerkschaft.
www.wobblies.de (http://www.wobblies.de)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 12. Juli 2010, 20:28:27
Nochmal ein Grund zum Kotzen:

Betriebsräte sind am Betteln doch nicht an der Rüstung zu sparen, denn das würde ja tolle Arbeitsplätze gefährden.

Zitat
... In ihrem Aufruf vom 29. Juni warnen die Betriebsratschefs von Unternehmen wie Rheinmetall , EADS und HDW vor überhasteten Kürzungen, die den Technologiestandort Deutschland und hoch qualifizierte Jobs gefährden würden. Zugleich fordern sie die Regierung auf, "mit der Verteidigungsindustrie und den Arbeitnehmervertretungen in einen strategischen Dialog einzusteigen". Dabei müsse es vor allem darum gehen zu klären, wie die "wehrtechnischen Kernfähigkeiten" gesichert werden könnten...
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:guttenbergs-sparplaene-betriebsraete-ruesten-gegen-abruestung/50142805.html (http://www.ftd.de/politik/deutschland/:guttenbergs-sparplaene-betriebsraete-ruesten-gegen-abruestung/50142805.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 17. Juli 2010, 08:46:10
Wären die Henker Im DGB organisiert würde diesereine Kampagne für die wiedereinfürung der Todesstrafe machen


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 22. August 2010, 14:51:53
Zitat
IG Metall protestiert gegen Sparpläne des Verteidigungsministeriums

Berlin: Die IG Metall will möglicherweise mit Streikaktionen beim Rüstungskonzern EADS gegen die Sparpläne des Verteidigungsministeriums protestieren. Wie der FOCUS berichtet, gibt es im Ministerium Überlegungen, etwa ein Fünftel der 180 bestellten Eurofighter nicht abzunehmen. Damit ließen sich etwa drei Milliarden Euro einsparen. Ein Sprecher der IG Metall sagte der Zeitung, sollten die Sparpläne umgesetzt werden, seien im EADS-Werk in Manching Arbeitsplätze in Gefahr. Die Gewerkschaft werde dann zu Streikaktionen aufrufen.
ndrinfo.de Nachrichten 22.08.2010 14:00 Uhr


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 22. August 2010, 15:27:03
Und würden siew die Henker vertreten währen sie für die widereinfdürung der Todesstrafe
was solls? Ihr könnt weiter jammern oder euch organisieren.
www.wobblies.de (http://www.wobblies.de)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 16. Oktober 2010, 18:45:11
Zitat
Verdi wirbt für "Verbraucherfalle"

Peter Mühlbauer 14.10.2010
Die Gewerkschaft kooperiert mit der SEB-Bank, die Kunden Kredite nicht auszahlt und dafür noch eine "Entschädigung" verlangt
Die Gewerkschaft Verdi verschickt derzeit Werbebriefe, in denen sie ein "KontoPaket" und "Finanzdienstleistungen" bei der SEB-Bank bewirbt. Das "KontoPaket", so Wolfgang Kremer von der Verdi Service GmbH, würde sich "Punkt für Punkt" lohnen. Zur Begründung dieser Meinung zählt er Einiges auf, was man auch in den Werbeangeboten anderer Banken findet. Etwas, mit dem sich die SEB-Bank tatsächlich von vielen anderen Geldinstituten abhebt, bleibt in den Werbeschreiben allerdings außen vor: Möglicherweise nicht zuletzt deshalb, weil beispielsweise die Verbraucherzentrale Bremen davor warnt.
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33489/1.html (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33489/1.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 16. Oktober 2010, 20:00:33
Die SEB Bank hat mal der "Gewerkschaft" gehört. Wie hieß die den nur damals?


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 28. Oktober 2010, 19:29:16
Derjenige, der die Produktion kontrolliert, entscheidet über die Zukunft.

Über die Politik der DGB Gewerkschaften und ihrer Führungen ist eingentlich genug gesgt worden. Es gibt aber noch die "Gewerkschaftslinken", die sich in vielen Städten organisert haben. Sie sind sehr offen für gute Ideen und unterstützen Kämpfe international. Doch die meisten von ihnen träumen noch davon mit ausreichend Druck von der Basis die Gewerkschaften reformieren und die Führungen zu einer klassenklämpferischen Politik zwingen zu können. Mehr als 30 Jahre sind sie mit diesem Projekt gescheitert, und eher würde der Papst zugeben, daß Gott tot ist, als daß die Gewerkschaften sich zu einer klassenkämpferischen Politik bewegen ließen.

Bisher haben sich erst die Gewerkschaftslinken in Hamburg, Bremen und Berlin von dem Traum von der Gewerkschaftsreform getrennt, sie benutzen nur noch die Strukturen und  Kontakte, um aktuelle Kämpfe zu organiseren oder zu unterstützen.

Wir brauchen Strukturen, die in Betriebe hineinreichen und welche, die von Dauer sind. Vielleicht lernen die Gewerkschaftslinken in den anderen Städten noch hinzu und vielleicht ist es auch möglich, weitere (und andere) Strukturen aufzubauen.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 29. Oktober 2010, 19:24:40
Den Traum hab ich ausgeträumt


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 29. Dezember 2010, 15:27:50
Zitat
Funktionsverbote gegen alternative Metaller

Im Ausschlussverfahren gegen kritische IG Metaller bei Daimler Berlin hat nun der IG Metallvorstand in Frankfurt entschieden.

Drei Betriebsräte der „Alternative – offene Liste“, die im März 2010 gegen die Liste „IG Metall für Persönlichkeitswahl“ kandidierten, dürfen nach diesem Beschluss zwei Jahre lang keine Funktion für die IG Metall ausüben und nicht an Versammlungen der Gewerkschaft teilnehmen. Gegen einen Betriebsrat der Liste „Faire Basis“ wurde ebenfalls ein Funktionsverbot verhängt. Den anderen 15 KandidatInnen der alternativen Liste (die Mitglieder der IG Metall sind) wurden Rügen erteilt.

von Angelika Teweleit (aktiv in der Soli-Kampagne für vom Ausschluss bedrohte IG Metaller in Berlin)

Die „Alternative“ ist eine Gruppe von KollegInnen, die für eine kämpferische IG Metall eintritt. Anstatt Co-Management zu betreiben und Verzicht zu üben, wollen die KollegInnen eine IG Metall, die konsequent für die Interessen der Beschäftigten eintritt. Sie fordern vom Betriebsrat, keinem Verzicht mehr zuzustimmen. Anstatt sich im Standortwettbewerb erpressen zu lassen und schlechtere Arbeitsbedingungen gegen vermeintlichen Arbeitsplatzerhalt zu akzeptieren, schlagen sie vor, den gemeinsamen Kampf und standortübergreifende Solidariät zu organisieren.

Die drei vom Funktionsverbot betroffenen waren bereits vor 2010 im Betriebsrat in der Opposition. Allerdings wurden ihnen immer wieder Informationen vorenthalten. Anträge der drei wurden meist ohne Diskussion von der IG Metall-Mehrheitsfraktion im Betriebsrat abgeschmettert. Eine konstruktive Zusammenarbeit und Einbeziehung der Minderheitsposition fand nicht statt.

Alternative Liste bei Betriebsratswahl

Vor diesem Hintergrund entschied die Gruppe, mit einer eigenen Liste und auf Grundlage eines eigenen Programms zu den Betriebsratswahlen anzutreten. Von Anfang an reagierte die IG Metall-Mehrheitsfraktion und die Vertrauenskörperleitung mit dem Vorwurf der „Spaltung“. Sie zeigten jedoch keinerlei Reaktion auf die wiederholt vorgebrachte Aufforderung der „Alternative“, die unterschiedlichen Positionen und die Listenaufstellung für eine IG Metall-Liste breit in der Mitgliedschaft zu diskutieren (beispielsweise bei einer Mitgliederversammlung).

Bei der Wahl bekam die „Alternative – offene Liste“ einen Stimmenanteil von 25 Prozent und zog mit fünf KollegInnen in den Betriebsrat, was für den ersten Antritt der Liste ein hervorragendes Ergebnis ist.

Ausschlussdrohung


Nach der Wahl stellten zwei IG Metallmitglieder den Antrag auf ein Untersuchungsverfahren gegen alle 18 IG Metall-Mitglieder auf der alternativen Liste. Im folgenden wurde zunächst eine Untersuchungskommission gebildet – mit je zwei Beisitzern der „Kläger“ sowie der „Beklagten“ und einem Vorsitzenden. Diese Kommission empfahl zunächst mit drei zu zwei Stimmen den Ausschluss der drei Betriebsratskollegen Mustafa Efe, Fehmyie Utku und Martin Franke und Rügen für 15 weitere KollegInnen.

Breite Soli-Kampagne


Schon zu Beginn des Untersuchungsverfahrens hatte sich eine breite Solidariätskampagne von IG MetallerInnen und GewerkschafterInnen gebildet. Auf den Treffen des Solikomitees sammelten sich viele empörte KollegInnen. Auf einer Veranstaltung im Mai kamen 170 TeilnehmerInnen. Ein Kreis von etwa 90 gewerkschaftsnahen Wissenschaftlern, Journalisten und Kulturschaffenden hatte in einem offenen Brief gegen das Verfahren protestiert und vor einem „Rückfall in die 70iger Jahre“ gewarnt. Nach dem Beschluss des Untersuchungsausschusses organisierten KollegInnen bei Daimler und vom Solikomitee Anfang Juni kurzfristig eine Protestaktion vor dem IG Metall-Haus, an der sich 150 KollegInnen von Daimler und anderen IG Metallbetrieben beteiligten. Zudem forderten viele Berliner IG-Metall-Vertrauensleute und Betriebsräte eine IG Metall-Versammlung ein, um das Thema zu diskutieren.

Berliner Ortsvorstand kippt Ausschluss-Empfehlung


Die Solidariätskampagne zeigte Wirkung. Auch wenn die Aufforderung nach breiter Debatte ignoriert wurde, so entschied der Berliner Ortsvorstand der IG Metall immerhin nach langer Beratung, der Ausschluss-Empfehlung nicht zu folgen. Die OV-Mitglieder fürchteten, der Unmut im Daimler Werk oder auch in anderen Betrieben könnte groß sein. Auf keinen Fall dürfe der Eindruck erweckt werden, „kritische Meinungen würden durch das Verhalten des IG

Metall-Ortsvorstands mit Ausgrenzung beantwortet“, hieß es in einer Stellungnahme des Ortsvorstands. Allerdings bezeichnete die Mehrheit des Ortsvorstands die Einreichung der Liste als „gewerkschaftsschädigend“ und empfahl die drei Funktionsverbote. Zu den Vorwürfen der Ausgrenzung der Minderheitenpositionen, dem Vorenthalten von Informationen, äußerte sich der Ortsvorstand bis heute nicht.

Funktionsverbote: undemokratisch

Der IG Metallvorstand in Frankfurt ist im Verfahren das Gremium, das eine Entscheidung trifft. Es ist ein Teilerfolg der Soli-Kampagne, dass die Ausschlüsse verhindert wurden. Doch auch die Funktionsverbote sind ein Skandal. Alle drei „Alternative“ Kollegen wurden 2008 zur Delegiertenversammlung der IG Metall gewählt. Mustafa Efe bekam bei dieser Wahl die meisten Stimmen. Da die nächsten Delegiertenwahlen im Zeitraum des Funktionsverbotes stattfinden, dürften die drei Kollegen laut diesem Beschluss das nächste Mal nicht kandidieren. Somit wird weiterhin eine demokratische Debatte innerhalb der IG Metall über die unterschiedlichen Positionen verhindert. Solche administrativen Maßnahmen sind abzulehnen. Die Gruppe „Alternative“ wird über die weiteren Schritte beraten, um gegen diesen Beschluss vorzugehen.

Untersuchungsverfahren auch in Kassel

Bei Daimler Kassel gibt es ebenfalls ein Untersuchungsverfahren gegen drei IG Metall-Mitglieder, die auf der Liste der dortigen „Alternative“ kandidierten. Es gilt, dagegen ebenfalls Solidariät zu organisieren und administrative Maßnahmen gegen die KollegInnen zu verhindern. Statt Ausgrenzung ist eine breite demokratische Debatte über Programm und Strategie in der IG Metall nötig, wie die Spirale nach unten bei Arbeitsbedingungen und die drohende Vernichtung von Arbeitsplätzen gestoppt werden kann.
http://www.sozialismus.info/?sid=4037 (http://www.sozialismus.info/?sid=4037)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 29. Dezember 2010, 20:13:06
ein moralisch verkommennes Drecksvolk.
Desshalb bin ich nach 20 Jahren aus dem DGB ausgestiegen und heute ein lustiger Wobblie
www.wobblies.de (http://www.wobblies.de)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 12. Januar 2011, 20:13:44
Video über Basisgewerkschaften:

http://kanalb.org/index.php?play_id=2613&modul=Clip (http://kanalb.org/index.php?play_id=2613&modul=Clip)


Titel: bestreikte Gewerkschaft
Beitrag von: Pschiu am 19. Februar 2011, 21:01:34
k.a. ob's hier jemand interessiert, aber in der Schweiz ist gerade etwas lustiges im Gange.
In Bern sind rund 40 Angestellte der Gewerkschaft UNIA im Streik  ;D Ja, ihr habt richtig gehört.

Zitat
Streik bei der Gewerkschaft
Aktualisiert am 17.02.2011

Rund vierzig Gewerkschafter der Unia-Sektion Bern legen ihre Arbeit nieder. Sie protestieren gegen den abgehobenen Führungsstil.
Die Streikenden der Unia-Region Bern werfen der regionalen Gewerkschaftsführung respektlosen Umgang mit dem Personal und autoritäres Gehabe vor. Das erklärten einige der Streikenden am Donnerstag vor den Medien.
http://www.derbund.ch/bern/Streik-bei-der-Gewerkschaft-/story/27746455#kommentar (http://www.derbund.ch/bern/Streik-bei-der-Gewerkschaft-/story/27746455#kommentar)

Ich versprech mir allerdings nichts davon. Der Auslöser des Streiks war die Versetzung eine Funktionärs, dem man die selbe Kritik ("autoritärer Führungsstil") ebenso anhängen kann. Nur hat der wohl viel Sympathie auf der Personalebene. Im Gegensatz zu den höheren Bossen der Zentrale. Aber um viel mehr gehts nicht, jedenfalls soweit ich das einschätzen kann.

Lustig ists trotzdem  :baby:


Titel: Verdi-Arbeitgeber Bsirske: "Dies ist ein sehr ordentliches Ergebnis".
Beitrag von: Kuddel am 13. März 2011, 21:11:45

Die Verdi-Dienstleistungsgewerkschaft beziffert die Tariferhöhung für 2011 mit 2,3 und für 2012 mit 2,55 Prozent. "Dies ist ein sehr ordentliches Ergebnis, mit dem aus heutiger Sicht die Reallöhne der Beschäftigten gesichert werden können", so Frank Bsirske. [1]

Verdi war mit der Forderung nach 3 Prozent in die Verhandlungen gegangen. Die Teuerung betrug zuletzt 2 Prozent. In der Kombination von Einmalzahlung und prozentualer Steigerung ergebe sich ein Plus "in der Jahreswirkung von durchschnittlich 2,3 Prozent", rechnet Verdi aus. [2]

Aus LabourNet.de Germany: Schüler fragen Frank Bsirske. Sind Gewerkschaften denn nicht längst out?  Bei Labournet zitiert aus einen Artikel in 'Springers "Die Welt" vom 18. April 2010:

"Maja: Und wie viel verdienen Sie? Bsirske: Ich verdiene 13.200 Euro im Monat. Fio: Ist Ihre Arbeit mehr wert als die der Putzfrau oder einer Sekretärin? Bsirske: Bei uns ist der Abstand zwischen den einzelnen Angestellten sehr überschaubar. Die Reinigungskräfte kriegen bei Ver.di einen Monatslohn von 1.992 Euro. Eine Verwaltungsangestellte verdient bei uns fast immer rund 3.000 Euro, die Gewerkschaftssekretäre im Schnitt 5.000 Euro. Wenn ihr (wir) das mal mit privaten Firmen vergleichen, zum Beispiel mit der Deutschen Bank, werdet ihr feststellen: Dort verdient der Chef fast 150 Mal so viel wie die Mitarbeiter mit dem niedrigsten Einkommen. Fio: Also ist Ihre Arbeit mehr wert. Bsirske: Ich finde es gerechtfertigt, dass jemand, der an der Spitze einer Organisation mit zwei Millionen Mitgliedern steht und einer Gewerkschaft mit 4.000 Angestellten, mehr verdient als zum Beispiel ein Sekretär mit eingeschränkten Aufgabenbereich. Unterschiedliche Qualifikationen, Belastung und Verantwortung sollten sich auch im Gehalt widerspiegeln. Aber das bitte in einem fairen Rahmen. Ephraim: Sie sollen gegenüber den Ver.di-Mitarbeitern sehr hart sein, wenn die mehr Geld fordern. Bsirske: Natürlich habe ich zwei Rollen. Eine an der Spitze einer Gewerkschaft und einmal als Arbeitgebervertreter. Die Arbeitsbedingungen und Löhne bei Ver.di sind aber sehr gut. Sowohl im Vergleich zu privaten Unternehmen als auch zum Öffentlichen Dienst. Deshalb verstehe ich diese Kritik nicht..." [3]


Quellen: [1] FR, 11.03.2011. Öffentlicher Dienst. Einigung im Tarifstreit erzielt.
http://www.fr-online.de/politik/einigung-im-tarifstreit-erzielt/-/1472596/8037462/-/index.html (http://www.fr-online.de/politik/einigung-im-tarifstreit-erzielt/-/1472596/8037462/-/index.html)
[2] Faz, 11.03.2011. Tarifeinigung im öffentlichen Dienst. Deutlich mehr Geld für die Angestellten der Länder.
http://www.faz.net (http://www.faz.net) ...
[3] Labournet, 08.03.2011. Debatte um den aktuellen Zustand von ver.di:
http://www.labournet.de/diskussion/verdi/zustand.html (http://www.labournet.de/diskussion/verdi/zustand.html)

Siehe: Verdi-Pressemitteilung, 10.03.2011.
Tarifeinigung im öffentlichen Dienst der Länder.
http://presse.verdi.de/pressemitteilungen/showNews?id=f977eeca-4b43-11e0-44b3-001ec9b03e44 (http://presse.verdi.de/pressemitteilungen/showNews?id=f977eeca-4b43-11e0-44b3-001ec9b03e44)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Troll am 14. März 2011, 12:25:02
Zitat
"Angestellte im Öffentlichen Dienst erhalten drei Prozent mehr Lohn"

Anmerkung WL: Frage an die Verhandlungsführer der Gewerkschaften: Bedeuten (die Einmalzahlungen eingerechnet) etwas über 3 Prozent über 2 (!) Jahre bei einer wahrscheinlichen Inflationsrate von 2 Prozent (in zwei Jahren also etwa 4 Prozent) nicht eher eine Reallohnsenkung?

NDS ([url]http://www.nachdenkseiten.de/?p=8642#h01[/url])

Kommt wohl auf die Lesart an.

Nachtrag:
Zitat
Tarifabschluss Länder: völlig unakzeptabel
Stellungnahme des SprecherInnenrats „Netzwerk für eine kämpferische und demokratische ver.di“

Das Tarifergebnis für die 600.000 Beschäftigten der Länder ist völlig unakzeptabel. Die tabellenwirksame Erhöhung um 1,5 Prozent für 2011 bedeutet weder ein „reales Einkommensplus“ (dbb-Vorsitzender Stöhr) noch die „Sicherung der Reallöhne“ (ver.di Bundesvorsitzender Bsirske).

Daran ändert auch die Einmalzahlung von 360€ nichts. Denn für 2011 wird eine Inflationsrate von 2,5 Prozent erwartet (spiegel online 11.3.2011). Darin enthalten sind aber nicht Gebührenerhöhungen und der Anstieg der Krankenkassenbeiträge. Unterm Strich handelt es sich also um einen weiteren Reallohnverlust. ....

Netzwerk für eine kämpferische und demokratische ver.di ([url]http://www.netzwerk-verdi.de/164.0.html#c1403[/url])


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Patrik am 14. März 2011, 14:47:31
Eigentlich haben selbst Arbeitnehmer seit 20 Jahren keine Lobby mehr. Also in dem Fall die Gewerkschaften. Den diese haben sich an die Wirtschaft verkauft. Man sehe sich die scheinheiligen Verhandlungen im Einzelhandel an. Und was sieht man dort? Lohndumping, Zeitarbeit, befristete Jobs, prekäre Jobs aller Art und Weise. Und das ist in anderen Bereichen genauso.

Die haben doch längst kein Druckmittel mehr. Nur die GDL. Da man ja sonst nicht ausweichen kann ausser auf das teure Auto.



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Abraxas am 15. März 2011, 11:46:31
www.wobblies.de (http://www.wobblies.de)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 13. Oktober 2011, 13:30:45
Wulff lobt Gewerkschaften für Lohnzurückhaltung

Der Bundespräsident bedankt sich beim IG-Metall-Kongress in Karlsruhe bei der Gewerkschaft.


http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/wulff-lobt-gewerkschaften-fuer-lohnzurueckhaltung/4735582.html (http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/wulff-lobt-gewerkschaften-fuer-lohnzurueckhaltung/4735582.html)



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 07. Mai 2012, 13:28:31
Zitat
Die Opelaner wollen die Astra-Produktion in Rüsselsheim halten und sind zu weitreichenden Zugeständnissen bereit. Laut eines Medienberichts würden die Mitarbeiter auf Lohn verzichten, wenn sie weiterhin den Astra zusammenschrauben dürfen... erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Gewerkschaftskreisen.
http://www.stern.de/wirtschaft/news/astra-abzug-aus-ruesselsheim-opelaner-zu-weiterem-lohnverzicht-bereit-1823477.html (http://www.stern.de/wirtschaft/news/astra-abzug-aus-ruesselsheim-opelaner-zu-weiterem-lohnverzicht-bereit-1823477.html)

Ich halt's nicht aus!


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Troll am 08. Mai 2012, 10:48:31
Wann kapieren es die Arbeiter endlich das sie seit Jahren von den Arbeitgebern über den Tisch der "Sozialpartnerschaft" gezogen werden, diese Sozialpartnerschaft gibt es seit dem Ende des kalten Krieges nicht mehr.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 08. Mai 2012, 14:21:59
Sowas haben die hier bei einem Phillips- Werk auch abgezogen.
Da hieß es: Entlassungen oder Lohnverzicht!
Dann haben die Mitarbeiter auf ihren Lohn verzichtet und ein Jahr später haben sie die Leute trotzdem rausgeschmissen!


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 08. Mai 2012, 15:40:36
Zitat
Wann kapieren es die Arbeiter endlich...
Vergiß es. Es hieße sein Leben zu ändern. Sein Schicksal selbst bestimmen? Bloß das nicht!
Selbst denken? Auf Treffen und Versammlungen gehen? Sich entscheiden? Sich konsequent verhalten?

Aber nein, nicht doch! Lieber das wiederholen, was in der Talkshow gesagt wurde. In den Worten "Mehr war nicht drin!" des Gewerkschaftsfunktionärs sich die Absolution holen für die eigene Passivität. Alles hinnehmen. Mehr Überstunden. Lohnsenkung. Entlassung. Auffanggesellschaft. Man kann ja nix machen. Die da oben machen eh was sie wollen.
Blabla. Blubblub.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: counselor am 08. Mai 2012, 15:49:34
Vergiß es. Es hieße sein Leben zu ändern. Sein Schicksal selbst bestimmen? Bloß das nicht! Selbst denken? Auf Treffen und Versammlungen gehen? Sich entscheiden? Sich konsequent verhalten?
Leider tut das derzeit nur eine kleine Minderheit von Arbeitern. Aber immerhin gibt es diese Minderheit.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 08. Mai 2012, 15:57:24
Lob der WirtschaftsWoche für IGM-Vors. Huber - dem Redner am 1. Mai auf dem Fischmarkt

Zitat
"IG Metall Held der Arbeit
Berthold Huber hat aus der Gewerkschaft einen Konzern gemacht, der finanzstark, mächtig und einflussreich ist wie nie zuvor".


In der neuesten Ausgabe der Wirtschaftswoche (30.4.12) wird Berthold Huber, Vorsitzender der IG Metall, mit Lob überhäuft.  Sie schreibt anerkennend, daß er "zur Flexibilisierung von Tarifverträgen" schon früh beigetragen habe. Sie danken ihm: "...der Flächentarifvertrag wurde zudem in den vergangenen Jahren spürbar flexibilisiert".
Allen  führenden Gewerkschaftern attestieren sie: "Längst sehen sich die Gewerkschaftsbosse weniger als Klassenkämpfer denn als Co-Manager."

Wie sieht die von Huber organisatorisch umgekrempelte IG Metall aus? Es werden Begriffe gebraucht wie VS-Ratings, ABC-Analysen, Organizingprojekte, Leistungsschecks. In 17 Unitversitäten will die IGM eigene Büros aufbauen "als eine Art ADAC für die Arbeitswelt". Die Bildungsstätten sollen "auf Drei- bis Vier-Sterne-Niveau" gehoben werden.

Wenn das nicht revolutionär ist: Die IGM als ADAC für die Arbeitswelt. Mit VS Ratings (was mag das sein?). Und aus einem Vier-Sterne Niveau heraus den künftigen Kampf gegen den Gegner zu führen - da kommt Freude auf. Wir alten GewerkschafterInnen haben unser Leben falsch gelebt, glaubten wir doch, nur mit Klassenkampf könnten wir der Gegenseite was abringen. Und bräuchten dazu eigene Gewerkschaftshäuser, mit großen Sälen für Versammlungen - die wir nicht teuer anmieten müßten. Wir glaubten, sowas wie "Vier Sterne Niveau" sei großkotzig und bürgerlich und unnütze Verschwendung, uns reiche das abendliche gemütliche Zusammensein mit Diskussionen im Bierkeller. Nun werden wir eines Besseren belehrt, altmodisch und traditionell wie wir sind.

Wir wissen nicht wie Berthold Huber auf Lob und Anerkennung von Kapitalseite reagiert.
Es ist wiederholtes Lob: Auf Gewerkschaftstagen, in den Medien haben Kapitals- und Regierungsvertreter keine Scheu, die deutschen Gewerkschaftsführer, den DGB und die Führungen aller Einzelgewerkschaften ob ihrer vernünftigen Politik zu loben.

Waren sie doch verläßliche Sozialpartner, die Reallöhne in den letzten 15 Jahren zu senken und mitzuhelfen, einen breiten Niedriglohnsektor (Prekariat) zu schaffen. Da wird selbst dem Innenminister Schäuble bange, der jetzt bei den Tarifverhandlungen die IGM anspornt, mal kräftig zuzulangen.

"Die IG Metall, das ist Kapitalismus in seiner schönsten Form",  schreibt die Wirtschaftswoche. Ist das nun Süffisanz oder uneingeschränktes Lob?

Hier der gesamte Artikel von Bert Losse in der WirtschaftsWoche vom 01.05.2012
[url]http://www.wiwo.de/politik/deutschland/gewerkschaften-der-unheimliche-macht-der-ig-metall/6563826.html[/url] ([url]http://www.wiwo.de/politik/deutschland/gewerkschaften-der-unheimliche-macht-der-ig-metall/6563826.html[/url])


Zitat
Berthold Huber als working class heroe - hier am
1. Mai sonst als konstruktiver Verhandlungsführer


Hier die Presseerklärung der IGM zur Rede vom Vors. Huber am 1. Mai in Hamburg
[url]http://www.igmetall.de/cps/rde/xchg/SID-E73367F9-FC69B641/internet/style.xsl/kundgebungen-anlaesslich-des-1-mai-2012-9901.htm[/url] ([url]http://www.igmetall.de/cps/rde/xchg/SID-E73367F9-FC69B641/internet/style.xsl/kundgebungen-anlaesslich-des-1-mai-2012-9901.htm[/url])
Darin sagt Huber: "Wer am Verhandlungstisch nicht konstruktiv ist, der bekommt die Antwort von den Beschäftigten im Betrieb geliefert!".
Ein tiefer Einblick in das Denken des ehemaligen Klassenkämpfers. Aha, der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit kann am Verhandlungstisch gelöst werden - durch konstruktive Verhandlungsführer. Und die Beschäftigten sind so eine Art Tacho oder Thermometer, die eine Anzeigefunktion haben. Und wenn sie ausschlagen, dann wird mit dem Sozialpartner nachverhandelt, kreativ und konstruktiv natürlich.


Zitat
Die Verdienste von Olaf Scholz, Redner in Harburg
Die Verdienste des Redners in Harburg, Olaf Scholz, 1. Bürgermeister der Hansestadt sind nicht weniger spektakulär.
Er war Arbeitsminister in der rot-grünen Koalition (Schröder-Fischer), hat die Agenda 2010, die Rente mit 67 und das Privatisierungsbeschleunigungsgesetz mit auf den Weg gebracht. Es ist weiterhin seinem persöniichen Einsatz  zu verdanken, daß es in der EU keine Equal-Pay-Regelung gibt! Die hat er (zusammen mit seinem britischen Amtskollegen) gegen die übrigen EU-Kollegen verhindert.

Diese ihre  Leistungen und Verdienste haben sie bei ihren Auftritten jedoch nicht erwähnt!

Zitat
Die Verdienste der IG Metall für mehr Rüstung in Deutschland
Berthold Huber redete auf dem Fischmarkt, gegenüber auf dem anderen Elbufer liegt die Werft Blohm und Voß.
Sie baut Fregatten und U-Boote, auch für die Bundesmarine. Das hätte er sicher vor 35 Jahren skandalisiert, als er noch führendes Mitglied beim KABD (Kommunistischen Arbeiterbund Deutschland), heute MLPD war. Heute ist er, wie der IGM-Vorstand für mehr Rüstung!

Unsere Gewerkschaftsführer haben nicht nur Verdienste in Sachen Hartz IV und Flexibilisierung der Arbeitswelt vorzuweisen sondern auch, was die Außen- und Verteidigungspolitik anbelangt: German foreign policy schrieb am 8.9.2011.  "Die Industriegewerkschaft Metall bekennt sich zum Umbau der Bundeswehr zur global operierenden  Interventions- und Besatzungsarmee und fordert eine drastische  Ausweitung der deutschen Rüstungsexporte".
mehr
(Siehe Anhang).

In einer Broschüre der IGM vom Nov. 2010 mit dem Titel: "Perspektiven der deutschen militärischen Schiffsbaukapazitäten im europäischen Kontext" schrieb die jetzige Senatorin und frühere IG Metallvorsitzende in Hamburg, Jutta Blankau ein Vorwort. Hier der link zur Broschüre.
[url]http://www.labournet.de/igm-akint.berlin/dokumente/dgb_kurzreport_perspektiven_militaerischer_schiffbaukapazitaeten-1.pdf[/url] ([url]http://www.labournet.de/igm-akint.berlin/dokumente/dgb_kurzreport_perspektiven_militaerischer_schiffbaukapazitaeten-1.pdf[/url])

"Gute Arbeit für Europa" fordern die DGB-Gewerkschaften 2012 von ihren Mitgliedern, 2004 auferlegten sie ihnen zusammen mit ihren GenossInnen von der SPD die Agenda 2010 und das Privatisierungsbeschleunigungsgesetz mit der Folge von Reallohnsenkungen bis hin zum Abrutschen ins Mittelfeld der EU-Lohnskala. Allerdings mit der -realisierten- Absicht, dadurch eine haushohe  Überlegenheit der deutschen Wirtschaft gegenüber ihren Konkurrenten zu erreichen und die politische und ökonomische Führungsmacht in der EU zu werden.

Politik wird in Deutschland gemacht in einem Dreiklang: Kapital - Regierung - Gewerkschaften.


Das Ziel wird erneut deutlich durch eine Meldung von German foreign policy vom 2.5.12:
"Deutsche Außenpolitik-Experten diskutieren über die Ausgestaltung einer "deutschen Führung" in Europa und der Welt. Deutschland habe "die Aufgabe, in Führung zu gehen", heißt es in der soeben erschienenen neuen Ausgabe der Zeitschrift "Internationale Politik", des einflussreichsten deutschen Fachblattes auf dem Gebiet der Außenpolitik... Um das notwendige politische Gewicht zu erlangen, müsse man die Machtmittel der EU im Sinne einer "'Hebelung' deutscher außenpolitischer Interessen" nutzen. Mit ihrer aktuellen Ausgabe stößt die "Internationale Politik" erstmals eine breitere öffentliche Debatte über die Berliner Hegemonialpolitik an, die bislang zwar ausgeübt, offiziell jedoch bis vor kurzem entschieden abgestritten wurde, um andere EU-Staaten nicht zu demütigen".

mehr
[url]http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58318[/url] ([url]http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58318[/url])


Alle Texte aus dem Flugblatt des Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg, das am 1. Mai in Hamburg auf der DGB-Demo verteilt wurde.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: counselor am 08. Mai 2012, 16:44:17
Zitat
Die Opelaner wollen die Astra-Produktion in Rüsselsheim halten und sind zu weitreichenden Zugeständnissen bereit. Laut eines Medienberichts würden die Mitarbeiter auf Lohn verzichten, wenn sie weiterhin den Astra zusammenschrauben dürfen... erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Gewerkschaftskreisen.
[url]http://www.stern.de/wirtschaft/news/astra-abzug-aus-ruesselsheim-opelaner-zu-weiterem-lohnverzicht-bereit-1823477.html[/url] ([url]http://www.stern.de/wirtschaft/news/astra-abzug-aus-ruesselsheim-opelaner-zu-weiterem-lohnverzicht-bereit-1823477.html[/url])

Ich halt's nicht aus!


Wie rf-news gerade berichtet, haben die Gewerkschaftsspitzen (insbes. der Betriebsrat) kein Mandat zu solchen Äußerungen:

"Allerdings wird in der Presse auch berichtet, dass die Betriebsratsspitze in Rüsselsheim - ohne jegliches Mandat der Kollegen - schon wieder Zugeständnisse in Aussicht stellt, um die Astra-Produktion in Deutschland zu halten. Notfalls "würden die Beschäftigten in Rüsselsheim auf Lohnbestandteile in Höhe von 35 Millionen Euro verzichten und die Effizienz erhöhen, um die Investitionen gegen zu finanzieren", wird der Betriebsrats-Vorsitzende im "Rüsselsheimer Echo" von heute zitiert.

 Bei der derzeitigen Arbeitshetze und der Kampfbereitschaft für die IGM-Tarifforderungen dürfte er mit diesem "Angebot" aber ziemlich alleine stehen. Weder die Mitarbeiteraussprache noch die letzte Betriebsversammlung hat auch nur den Ansatz einer Absichtserklärung für weitere Zugeständnisse der Kollegen an GM/Opel sichtbar werden lassen!"

Quelle: RF News (http://www.rf-news.de/2012/kw19/opel-ruesselsheim-jeder-zweite-arbeitsplatz-gefaehrdet)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Troll am 08. Mai 2012, 16:45:45
Ein Nachtrag zu meinem letzten Beitrag.

Es gab bei uns selbstverständlich nie so etwas wie eine Partnerschaft zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, daß was da so einen Anschein erwecken sollte war ein Konsens zwischen Arbeitgebern und Politik besser zu sein als der Feind im kalten Krieg.

So, jetzt fühl ich mich wohler.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 18. Juni 2012, 18:46:27
Zitat
Seit der Gründung herrschte bei Ver.di noch nie so ein raues Klima. Zu recht! Denn Ver.di macht sich unglaubwürdig, wenn der Öffentlichkeit und den Mitgliedern im öffentlichen Dienst suggeriert wird, gegen die Sparbeschlüsse zu sein, da das unerträgliche Arbeitsbedingungen für die Bediensteten bedeuten würde. Andererseits stimmen Ver.di-Funktionäre mit SPD-Parteibuch den fatalen Kürzungen zu, nur um Genosse Scholz einen Gefallen zu tun.

Es sei nur erinnert, dass es derselbe Olaf Scholz war, der vor acht Jahren als SPD-Generalsekretär unter Bundeskanzler Gerhard Schröder die Agenda 2010 und somit Hartz IV für Millionen durchsetzte und zugleich den Unternehmen Tür und Tor für billige Leiharbeit öffnete.

Das sollten auch Gewerkschafter mit SPD-Parteibuch nicht vergessen, bevor in Hamburg zu allem Ja gesagt wird, ohne an die gravierenden Folgen zu denken.
http://www.taz.de/Kommentar-Sparpolitik/ (http://www.taz.de/Kommentar-Sparpolitik/)!95479/


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 08. Februar 2013, 22:41:12
Ich habe stets versucht nicht ins neoliberale Horn der Gewerkschaftsfeindlickeit zu stoßen. Ich schätze die Idee der Gewerkschaft (kenne auch die Widersprüche und Grenzen), aber bei diesem DGB fällt mir langsam überhauptnichts mehr ein. Dieser Laden wird allmählich so unerträglich, wie die FDP.

Zitat
Nach dreißig Jahren war mit Thomas de Maizière wieder ein Bundesverteidigungsminister zu Besuch beim Deutschen Gewerkschaftsbund. De Maizière folgte einer Einladung des DGB. Vereinbart wurde eine engere Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und Gewerkschaften…
(aus: DGB-Pressemitteilung vom 5.2.2013)

Zitat
Doch der oberste Dienstherr der Bundeswehr sieht diese als Friedensmissionen: »Die Gewerkschaften sind Teil der Friedensbewegung. Und auch die Bundeswehr ist Teil der Friedensbewegung.« Und DGB-Chef Sommer widersprach nicht. Die Zeit der Konflikte zwischen Gewerkschaften und Bundeswehr ist offenbar vorbei. Sommer vermied jede kritische Bemerkung. »Egal, wie wir zur Frage von Auslandeinsätzen stehen«, man müsse alles dafür tun, »die Soldaten anständig auszurüsten«
http://www.neues-deutschland.de/artikel/812145.dgb-jetzt-teil-der-truppe.html (http://www.neues-deutschland.de/artikel/812145.dgb-jetzt-teil-der-truppe.html)

(http://www.smileygarden.de/smilie/Crazy/50.gif)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 22. Februar 2013, 13:19:26
Zitat
Streik beim Gewerkschaftsbund

DGB-Gewerkschaften fordern für ihre Mitglieder derzeit bis zu 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Mitarbeiter der DGB-Rechtsschutz sollen sich dagegen mit 0,9 Prozent zufrieden geben. Das tun sie nicht und streiken.

Berlin –  Saufe Wein, predige Wasser: Diesen Grundsatz nähert sich überraschend der Deutsche Gewerkschaftsbund an. Denn während DGB-Gewerkschaften wie Verdi und die IG Metall 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt in ihren Branchen für 2013 fordern, mag die DGB-Rechtsschutz GmbH, eine hundertprozentige Tochter des Gewerkschaftsbundes, ihren 730 Angestellten ein lediglich mageres Plus von 0,9 Prozent zugestehen. Der Verband der Gewerkschaftsbeschäftigten (VGB) hat für kommenden Dienstag Warnstreiks in den bundesweit 111 Büros der Rechtsschutz GmbH angekündigt sowie eine Protestkundgebung vor der DGB-Bundeszentrale in Berlin-Mitte. Eine peinliche Sache.

Ebenso peinlich sind die Hintergründe, die aus Sicht des VGB für das unwürdige Lohnangebot verantwortlich sind: Der verbandseigene Rechtsschutz, der die rechtliche Vertretung aller DGB-Gewerkschaftsmitglieder in Prozessen vor Arbeits-, Sozial- und Verwaltungsgerichten übernimmt, wurde 1997 ausgelagert und in eine selbstständige GmbH überführt – ganz wie es andere Arbeitgeber häufig gegen gewerkschaftlichen Widerstand tun. Dabei fasste der DGB immerhin den Beschluss, 40 Prozent der jährlichen Beitragseinnahmen des DGB an die Rechtsschutz GmbH zu überweisen, um die Finanzierung der gewerkschaftlichen Rechtsvertretung dauerhaft zu gewährleisten.

DGB: Kein Spielraum für Tariferhöhungen

Dieser Verpflichtung kam die DGB-Spitze freilich nur teilweise nach: Man bediente sich, so der VGB, „eines ebenso frechen wie durchschaubaren Tricks“: Immer im Herbst nimmt der Gewerkschaftsbund eine bewusst niedrig angesetzte Schätzung der Einnahmen für das kommende Jahr vor, die dann als Basis für den 40-Prozent-Anteil der Rechtsschutz GmbH rechnerisch herangezogen wird.

Die tatsächlichen Einnahmen lagen laut VGB in fast allen Jahren aber über den Schätzungen. Insgesamt mehr als 30 Millionen Euro habe die DGB-Mutter ihrer Rechtsschutz-Tochter auf diese Weise vorenthalten. „Das ist mehr als die Hälfte des 2013er-Jahresbudgets“, heißt es in der Streikankündigung des VGB.

Das Argument des Gewerkschaftsbundes, man sehe angesichts knapper Kassen „keinen Spielraum für größere Tariferhöhungen“, wirkt vor diesem Hintergrund in der Tat eher ulkig. Die innergewerkschaftliche Entgeltrunde wird nach Einschätzung des VGB „noch zu manch interessanter Diskussion unter den Gewerkschaften führen“.

Keine allzu kühne Prognose: Immerhin hat sich die mächtige Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit dem VGB solidarisch erklärt und ruft ebenfalls für den 26. Februar zur Kundgebung vor der DGB-Hauptverwaltung auf.
http://www.fr-online.de/arbeit---soziales/dgb-streik-beim-gewerkschaftsbund,1473632,21911000.html (http://www.fr-online.de/arbeit---soziales/dgb-streik-beim-gewerkschaftsbund,1473632,21911000.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 22. Februar 2013, 18:22:31
Eine wirkliche Sauerei wie der DGB mit Hilfe der Sozialdemokraten die Lohnabhängigen immer mehr in den Rücken rammt! kotz


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: xyu am 26. Februar 2013, 01:03:59
ergänzend dazu:

Zitat
Ganztägiger Warnstreik bei der DGB Rechtsschutz GmbH
25.02.2013

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) ruft die rund 750 Beschäftigten der DGB Rechtsschutz GmbH am Dienstag (26. Februar 2013) zu einem ganztägigen Warnstreik und einer Kundgebung um 14 Uhr vor der DGB-Zentrale am Hackeschen Markt in Berlin auf. Die Arbeitgeberin hatte in der zweiten Verhandlungsrunde im Januar 2013 lediglich Entgelterhöhungen von 0,9 Prozent für 12 Monate angeboten. „Dieses Angebot ist völlig unzureichend; es für nicht weiter verhandelbar zu erklären, ist eine Provokation“, erklärte ver.di-Verhandlungsführer Gerd Denzel. „Die Beschäftigten sind die Zeitspielerei leid und wollen endlich ein verhandlungsfähiges Angebot sehen.“

ver.di fordert 6,5 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von 12 Monaten. Die meisten DGB-Gewerkschaften haben im vergangenen Jahr den Mitgliederrückgang gestoppt und deutlich höhere Beitragseinnahmen erzielt. Der DGB erhält von den Beitragseinnahmen der Einzelgewerkschaften 12 Prozent. Die DGB Rechtsschutz GmbH hiervon wiederum 40 Prozent. „Geld für eine reale Einkommenserhöhung der Beschäftigten ist also vorhanden“, so Denzel.

Die DGB Rechtsschutz GmbH unterhält bundesweit 111 Büros und 48 Service-Points. Allein im Jahre 2011 wurden für rechtsuchende Gewerkschaftmitglieder rund 300 Millionen Euro erstritten.
https://www.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++d8404412-7f37-11e2-96c4-52540059119e (https://www.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++d8404412-7f37-11e2-96c4-52540059119e)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 27. Februar 2013, 12:10:35
27.02.2013 / Titel / Seite 1Inhalt
Ver.di bestreikt den DGB
Mindestens sechs Prozent mehr Lohn fordern DGB-Gewerkschaften. Eigene Mitarbeiter sollen mit 0,9 Prozent zufrieden sein. Diese antworten mit Ausstand
Von Johannes Schulten
Beschäftigte der Rechtsschutz-GmbH demonstrieren vor DGB-Bu
Beschäftigte der Rechtsschutz-GmbH demonstrieren vor DGB-Bundesverwaltung
Foto: Paul Zinken/dpa
Die Gewerkschaften werden die Tarifverhandlungen in diesem Jahr sehr selbstbewußt führen und, falls nötig, auch mit aller Konsequenz.« Gewohnt kämpferischen hatte der DGB-Vorsitzende Michael Sommer im Februar in der Neuen Passauer Presse die Unternehmer auf kommende Streiks eingestimmt. Daß Sommer in seiner Funktion als Arbeitgeber selber zum Ziel eines Arbeitskampfes werden könnte, damit hat er wahrscheinlich nicht gerechnet.

Mit Trillerpfeifen und rot-weißen Westen ausgestattet, demonstrierten am Dienstag etwa 200 Angestellte der DGB-Rechtsschutz-GmbH vor der DGB-Bundesverwaltung in Berlin. Aufgerufen zu dem ungewöhnlichen Warnstreik hatte die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. In den laufenden Tarifverhandlungen bei der hundertprozentigen Tochter des Gewerkschaftsbundes fordert sie 6,5 Prozent mehr Lohn für die gut 750 Beschäftigten; die GmbH des DGB will jedoch nur 0,9 Prozent bezahlen, was die Demonstranten mit Schildersprüchen wie »Mit 0,9 Prozent ist (kein) Sommer zu machen« oder »Sommer, wir vertreten auch dich« quittierten. »Wir wollen so viel, wie die DGB-Gewerkschaften etwa im öffentlichen Dienst oder bei der Deutschen Bahn fordern«, sagte ver.di-Gesamtbetriebsrat Günter Dorsch. »Wo DGB draufsteht, muß auch DGB drinsein.«

Das Problem: Der DGB fühlt sich nicht zuständig. Man sei der falsche Adressat für die Aktionen. »Rechtssekretäre sind keine Beschäftigten des DGB«, erläuterte Vorstandsmitglied Dietmar Hexel, der gleichzeitig stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Rechtsschutz GmbH ist.

Formal hat er recht: 1997 hat der DGB seine Rechtsschutzabteilung outgesourct. Man wollte eigene Strukturen schaffen, und die Anwälte sollten nicht mehr vom jeweiligen Kreisvorstand abhängig sein, hieß es zur Begründung. Doch finanziert wird die Rechtsschutz-GmbH auch weiterhin durch den DGB und ist inzwischen sogar eine hundertprozentige Tochter. Die vertraglich vereinbarte Zahlung von 40 Prozent der jährlichen Beitrags­einnahmen soll den Betrieb der 111 Büros, in denen Gewerkschaftsmitglieder kostenlose Rechtsberatung erhalten, sicherstellen.

Aber dieser Verpflichtung komme der DGB nicht nach, kritisierte Helmut Wagner gegenüber jW. Wagner ist Vorsitzender des Verbandes der Gewerkschaftsbeschäftigten (VGB), einer Art Gewerkschaft in der Gewerkschaft. Vom DGB und seinen Mitgliedsorganisationen wird der VGB allerdings nicht akzeptiert, und auch die Gerichte erkennen ihn nicht als vollwertige Gewerkschaft an. Die Schätzungen der Beitragseinkünfte, die dann als Basis für den 40-Prozent-Anteil der Rechtsschutz-GmbH gelten, werden jeden Herbst vom Gewerkschaftsbund zu gering angesetzt, kritisierte Wagner. Die tatsächlichen Einnahmen lagen laut VGB in fast allen Jahren über den Schätzungen. Insgesamt soll der DGB seiner Rechtsschutz-Tochter so bis zu 30 Millionen Euro vorenthalten haben. Davon ließen sich die Lohnerhöhungen locker finanzieren, sagte auch Günter Dorsch. Für ihn ist der DGB der richtige Adressat der Ak­tion. Der würde die Tarifverhandlungen »massiv beeinflussen«. Ohne das Okay von Michael Sommer ginge in den Runden gar nichts.

Ein Vertreter der Rechtsschutz-GmbH nannte die Summe von 30 Millionen gegenüber jW »falsch«. Es treffe zwar zu, daß mit Planzahlen gearbeitet werde, doch diese würden »jedes Jahr mit den tatsächlichen verrechnet«.

http://www.jungewelt.de/2013/02-27/062.php (http://www.jungewelt.de/2013/02-27/062.php)



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 07. August 2013, 19:51:31
Fracking mit dem DGB und dem Arbeitgeberverband!

Zitat
Der Chemie-Gewerkschaftschef Michael Vassiliadis kämpft gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband BDI für die umstrittene Förderung von Schiefergas in Deutschland
http://www.cicero.de/kapital/chemie-gewerkschafter-ein-fracking-verbot-hilft-keinem/55262 (http://www.cicero.de/kapital/chemie-gewerkschafter-ein-fracking-verbot-hilft-keinem/55262)

 kotz    kotz     kotz


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: admin am 29. August 2013, 17:27:00
Aus der Rundmail Jour Fixe Gewerkschaftslinke HH:

Zitat
Metallindustrie: Tarifparteien offen für niedrigere Einstiegslöhne

"Das ist selten: IG Metall und VDMA können sich geringere Einstiegstarife vorstellen. Die Gewerkschafter wollen, dass es dafür
weniger Werkverträge gibt. Ohne Werkverträge geht’s nicht, sagen die Arbeitgeber..." Artikel von Dietrich Creutzburg in der FAZ online.
[url]http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/metallindustrie-tarifparteien-offen-fuer-niedrigere-einstiegsloehne-12547601.html[/url] ([url]http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/metallindustrie-tarifparteien-offen-fuer-niedrigere-einstiegsloehne-12547601.html[/url])

Anmerkungen:

Dieser informative Artikel stammt aus der FAZ. Falls er von Arbeiterseite geschrieben worden wäre, hätte die Überschrift geheißen: Eine Gewerkschaft läßt sich wieder mal erpressen. Oder zynischer: Eine Gewerkschaft geht ihrer nationalen Pflicht nach. Wie geht die Erpressung? Indem der Gewerkschaftsvorstand gleich als Kapitulant in die Verhandlungen einsteigt. Die Worte dafür sind: "Wir verweigern uns keiner Diskussion", "stimmiges Tarifkonzept für eine zukunftsfähige Elektroindustrie in Deutschland", "die Sicherung einfacher...Tätigkeiten in Deutschland". Schon bei Beginn der Verhandlungen stehen die Opfer fest: Die Neueingestellten! Es wird eine weitere Aufspaltung in den Belegschaften geben. Und das Ergebnis der Verhandlungen wird Herr Wetzel uns noch als Erfolg verkaufen wollen.
 
Die Position des Gegners dagegen ist klar: Das Instrument des Werkvertrags wird nicht eingeschränkt!

Auf der einen Seite ein Kapitulant, auf der anderen Seite ein Klassengegner. So beginnen die Verhandlungen. Das Ergebnis ist von vornherein klar.
Herr Wetzel wird  Herrn Huber als Vorsitzender der IGM nachfolgen. Ob bei der "Wahl" im November auch Delegierte teilnehmen dürfen, die prekär Beschäftigte oder LeiharbeiterInnen sind?

Herr Wetzel bedauert, daß vor sieben Jahren von der IGM der Fehler gemacht worden sei, nicht auf ein entsprechendes Angebot der Arbeitgeber einzugehen. Da hat er seinen Sozialpartner doch glatt um einen Milliardenprofit gebracht.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 22. September 2013, 23:29:49
Nachdem nu der DGB durch die neuen "Zeitarbeitstarifveräge" mt der Menschenhändlerbranche Equal Pay verhindert hat (sicherlich in Anbetracht der Tatsache,daß der DGB selbst Zeitarbeitsfirmen betreibt) würde es mich interessieren, was der IWW , aso die WOBBLIES in Deutschland so treiben? Sind die denn in der Lage gewerkschaftlich zu arbeiten?
Leider gibt deren Internetseite

www.wobblies.de (http://www.wobblies.de)

nicht allzuviel her. Haben die ne eigene Zeitung oder einen Rundbrief? Wie sieht es mit betrieblicher Verankerung aus ?


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 25. September 2013, 00:15:24
JUNGE WELT - die linke Tageszeitung hat morgen eine Sonderbeilage zum Thema "Gewerkschafen" . Erhältlich am Kiosk!

Beilage: gewerkschaften

Am Mittwoch im Abo und am Kiosk: Mit kritischen Berichten zu Werkvertragsverhältnissen, Betrachtungen und Analysen zum Verhältnis von DGB und Spartengewerkschaften sowie zum gewerkschaftlichen Kampf in anderen Ländern.

  Hier im Link  das Inhaltsverzeichnis

http://www.jungewelt.de/beilage/beilage/276 (http://www.jungewelt.de/beilage/beilage/276)



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 25. September 2013, 08:46:06
Zitat
Gewerkschafen


 ;D ;D ;D
Blööööck!


(http://www.barockpinto-wagram.com/Z-pictures/schaf1.gif)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: dagobert am 27. September 2013, 23:49:35
Gewerkschafen
Auf den ersten Blick sieht das aus wie ein gewöhnlicher Tippfehler, auf den zweiten Blick macht es richtig Sinn ...  ;D


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 09. Oktober 2013, 17:51:47
Zitat
Der Betriebsratschef von Siemens gerät in die Kritik. Laut "Süddeutscher Zeitung" kassierte er Ende 2008 eine Gehaltserhöhung um rund 100.000 Euro. Einige Monate zuvor hatte er einen großen Jobabbau abgesegnet. Konzern und Betriebsrat kommentieren die Abfolge der Ereignisse nicht.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/siemens-prueft-gehaltserhoehung-fuer-betriebsratschef-a-926952.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/siemens-prueft-gehaltserhoehung-fuer-betriebsratschef-a-926952.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 23. Dezember 2013, 10:57:47
Was ist nur mit den Gewerkschaften los?
Bisher sahen sie ihre Rolle darin in den Betrieben eine Friedhofsruhe und einen für die Unternehmen störungsfreien Ablauf der Produktion zu gewährleisten und handelten dafür höhere Löhne aus.

Ohne Not scheint damit Schluß zu sein.
Bei Neupack wurde in dem Moment, als der Streik Wirkung zeigte, von der Gewerkschaft ein "Flexi Streik" ausgerufen. Im Klartext heißt das: Als die Lager leer waren und es beim Unternehmen ans Eingemachte ging, rief die Gewerkschaft die Streikenden dazu auf, zurück zur Arbeit zu kehren und erst dann wieder zu streiken, wenn der Unternehmer wieder seine Lager ausreichend gefüllt hat. So wurde der Streik von der Gewerkschaft sabottiert und den Streikenden ihre schärfste Waffe genommen.

Es wiederholt sich:
Zitat
Tarifforderungen
Verdi beendet Streik bei Amazon - vorerst

Die Gewerkschaft Verdi hat ihren Streik um die Arbeitsbedingungen bei dem Online-Händler Amazon beendet. Allerdings könnten schon im neuen Jahr der Arbeitskampf weitergehen.
http://www.stern.de/wirtschaft/news/tarifforderungen-verdi-beendet-streik-bei-amazon-vorerst-2079051.html (http://www.stern.de/wirtschaft/news/tarifforderungen-verdi-beendet-streik-bei-amazon-vorerst-2079051.html)

Gerade in der Vorweihnachtszeit kann man den Konzern empfindlich treffen. Wenn man diese Möglichkeit sausen läßt und einen Kampf auf Zeiten verlegt, in denen dieser kaum Folgen hat, beweist man das eigene Desinteresse an einem wirkungsvollen Kampf.

Diese Gewerkschaften machen sich überlüssig.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Troll am 23. Dezember 2013, 19:51:14
Zitat
Tarifforderungen
Verdi beendet Streik bei Amazon - vorerst


http://media.cdn.edge-cdn.net/zvts/1387550950/videos/videodb/641/videodb_641_44330_3653483_16x9.mp3 (http://media.cdn.edge-cdn.net/zvts/1387550950/videos/videodb/641/videodb_641_44330_3653483_16x9.mp3)


 kotz



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Borg-Praktikant am 23. Dezember 2013, 22:26:17
Gerade in der Vorweihnachtszeit kann man den Konzern empfindlich treffen. Wenn man diese Möglichkeit sausen läßt und einen Kampf auf Zeiten verlegt, in denen dieser kaum Folgen hat, beweist man das eigene Desinteresse an einem wirkungsvollen Kampf.

Wer ist "man"? Die Gewerkschaft?

Der letzte Streik war in der Woche vom 16. bis 21. Dezember. Zählt das nicht als Vorweihnachtszeit? Der Effekt war deswegen klein, weil sich laut stern.de über 95% nicht an den Streiks beteiligt haben: Unter 1000 Streikende bei 9000 Angestellten plus 14000 Jahresendzeit-Aushilfen (http://www.stern.de/wirtschaft/news/verdi-beendet-amazon-streikwoche-weitere-aktionen-offen-2079046.html)

Glaubt ihr, die Streikverweigerung der riesigen Mehrheit kommt daher, dass denen die Gewerkschaft nicht rrrrevolutionär genug ist? "Ja Mann, ich will ja eigentlich schon streiken, aber nur wenn die Arbeiterklasse sich sofort die Produktionsmittel von zumindest der Eurasischen Kontinentalplatte krallt und auf Naturalrechnung nach Konzept Otto Neuraths umstellt" -said nobody ever. Die Leute haben Schiss.

Bsirske mag ja etwas verstrahlt sein, aber der ist auch nicht identisch mit der Gewerkschaft.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: admin am 12. Februar 2014, 18:53:29
Zitat
"Wir erleben nicht das Ende der Marktwirtschaft. Das kann sich auch niemand wünschen, denn sie ist immer noch das beste Wirtschaftssystem, das es gibt...Es geht um eine starke Deformation des Kapitalismus...Zuerst muß die Krise bewältigt werden...Ich unterstütze, was die Regierung tut".
Michael Sommer, DGB-Chef


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 12. Februar 2014, 19:21:38
Keine weiteren Fragen, euer Ehren! >:(


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: dagobert am 13. Februar 2014, 02:02:00
Der hat nichts verstanden.  kotz


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 13. Februar 2014, 03:03:23
Zitat
"Wir erleben nicht das Ende der Marktwirtschaft. Das kann sich auch niemand wünschen, denn sie ist immer noch das beste Wirtschaftssystem, das es gibt...
Michael Sommer, DGB-Chef

Der hat schon recht: Es ist das beste Wirtschaftssystem. - Aber es ist eben nicht das beste Gesellschafts-System.

Da liegt der Hund begraben. Wem nutzt was? Das Wirtschaftssystem nutzt denen, welche die wenigen ein Prozent darstellen, die an diesem System ihren "Reibach" machen (koennen). Ein friedliches, umweltvertraegliches, ehrliches, emphatisches,-usw..... Gesellschaftsmodell kaeme allen zu Gute. Wo kaemen wir denn da hin?  :rolleyes:

Dann waere auch Sommer "einer von vielen".

Er muss nach "Oben" buckeln und nach "Unten" treten, um sein eigenes Ego befriedigen zu koennen und natuerlich auch um sein "Schaerflein" ins Trockene bringen zu koennen.

Das sind die grundlegenden Gegensaetze (Wirtschaftssystem<----->Gesellschaftsmodelle), die entweder wenige befriedigen, oder viele gleich leben lassen.

Und wenn dann auch noch die Rede auf den sog. "Oekologischen Fussabdruck" kommt, dann sehen (nicht nur) solche Leute ihren (derzeitigen) Lebensstandard gefaehrdet - und darum kaempfen sie so erbarmungslos.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Tiefrot am 13. Februar 2014, 10:39:31
Zitat
Und wenn dann auch noch die Rede auf den sog. "Oekologischen Fussabdruck" kommt, dann sehen (nicht nur) solche Leute ihren (derzeitigen) Lebensstandard gefaehrdet - und darum kaempfen sie so erbarmungslos.

Da wirft sich mir eine Frage auf:
Leben wir ewig ? Nein.
Gibt es Dinge des täglichen Gebrauchs, die ewig halten ? Nein.
Ist dieser Materialüberschuß (2 Autos, 5 Fernseher, etc.) nötig ? Nein.

Sich bescheiden würde nicht schaden.  :rolleyes:


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 11. März 2014, 11:13:48
Zitat
Unter den Gewerkschaften ist der Ruf nach einer schnellen Anhebung des noch nicht eingeführten gesetzlichen Mindestlohns umstritten. Die IG BCE wandte sich gegen eine schnelle Erhöhung
http://www.neues-deutschland.de/artikel/926566.schnelle-mindestlohn-erhoehung-ig-bce-kontra-ver-di.html (http://www.neues-deutschland.de/artikel/926566.schnelle-mindestlohn-erhoehung-ig-bce-kontra-ver-di.html)

Wat fürn verkommener Verein...  X(


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 11. März 2014, 11:39:42
Ach guck, die IG BCE mal wieder!
Der Laden ist ja schon beim Neupack- Streik den eigenen Leuten in den Rücken gefallen.
Naja, was soll man von einer Gewerkschaft erwarten die, die sich für den Erhalt der Atomkraft auspricht?


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 13. April 2014, 17:07:53
Hier ein paar Infos darüber, wie es bei der IG BCE funktioniert:

Zitat
Ihr aktueller Chef Michael Vassiliadis beherrscht das Spiel in Perfektion. Der 50-Jährige ist mit Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel befreundet. Auch mit Kanzlerin Angela Merkel, die trotz laufender Koalitionsverhandlungen als Gastrednerin zum Kongress der Chemiegewerkschaft einflog, kann er gut. Die Lebensgefährtin von Vassiliadis ist Yasmin Fahimi. Sie leitete bis zum Jahresanfang die Grundsatzabteilung der IG BCE. Nun ist sie Generalsekretärin der SPD. Schließlich wird mit Reiner Hoffmann der frühere Leiter des mächtigen nordrhein-westfälischen Landesbezirks der IG BCE im Mai zum neuen Boss des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gewählt.
http://www.fr-online.de/meinung/leitartikel-lobbyismus-die-heimliche-lobby,1472602,26823354.html (http://www.fr-online.de/meinung/leitartikel-lobbyismus-die-heimliche-lobby,1472602,26823354.html)

Die IG BCE plädiert auch für weitere Kohleverstromung. Industrielobbyismus in Reinkultur.

 kotz


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 27. April 2014, 20:33:08
Wer glaubt, daß es keinen ekelhafteren Gewerkschaftschef geben kann als den da
(http://images.zeit.de/politik/deutschland/2010-04/sommer/sommer-540x304.jpg)

der hat sich getäuscht.
Denn jetzt kommt der da

(http://www.dgbmedia.de/dgb/20140116_RedeReinerHoffmannJahresauftaktPK_audio_picture.jpeg)

"Reiner Hoffmann, ist offen für mehr Flexibilität beim Renteneintritt" Handelsblatt

"Hoffmann hat Wirtschaftswissenschaften studiert und sich alsbald im Apparat gewerkschaftlicher Institute (Böckler-Stiftung) verdingt. Dann zog es ihn nach Brüssel, wo er von 1994 an fünfzehn Jahre als Direktor des Europäischen Gewerkschaftsinstituts und stellvertretender Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes arbeitete. Hoffmanns Europa-Kompetenz ist das Ass, das ihn als DGB-Chef geeignet sein lässt. Denn nach den vielen Jahren der Euro-Krise haben die Gewerkschaften bemerkt, dass sie wenig Eigenes zu Europa zu melden hatten, abgesehen von ihrer Echofunktion der Europa-Propaganda der Exportindustrie" FAZ

"2009 wurde er Landesbezirksleiter bei der IG Bergbau, Chemie, Energie. Am 12. Mai soll er zum Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gewählt werden." WELT

Die IGBCE ist Kaderschmiede und Karrieresprungbrett der Arbeiterverräter.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 13. Mai 2014, 18:29:51
14.05.2014 / Titel / Seite 1Inhalt

Arbeitszeit kein Thema
Vor 30 Jahren begann der Streik für die 35-Stunden-Woche. Seither haben die DGB-Spitzen den Kampf um Arbeitszeitverkürzung de facto aufgegeben

Von Daniel Behruzi

Heute vor 30 Jahren, am 14. Mai 1984, traten rund 13 000 Metaller in Nordwürttemberg/Nordbaden in den Ausstand wie zuvor bereits ihre Kollegen aus der Druckindustrie. Es war der Beginn eines fast siebenwöchigen Arbeitskampfs, an dessen Ende die schrittweise Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden stand. Seither haben die Gewerkschaftsspitzen die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung de facto aufgegeben. Auch beim DGB-Bundeskongreß in dieser Woche spielt das Thema kaum eine Rolle.

Der Streik für die 35-Stunden-Woche – in dessen Verlauf fast 60 000 Beschäftigte die Arbeit niederlegten und rund 170 000 ausgesperrt wurden – war »die härteste Auseinandersetzung in der Geschichte der IG Metall«, erinnert sich der damalige Verhandlungsführer Ernst Eisenmann. In einer am Dienstag verbreiteten Erklärung bezeichnete der einstige IG-Metall-Bezirksleiter den Arbeitskampf als Akt der Solidarität: »Diejenigen, die beschäftigt waren, haben Solidarität mit denjenigen geübt, die keine Arbeit hatten.« Der heutige Chef der Metallergewerkschaft im Südwesten, Roman Zitzelsberger, sagte über die Auswirkungen der Arbeitszeitverkürzung: »Die 35-Stunden-Woche hat in der Metall- und Elektroindustrie Hunderttausende Arbeitsplätze gesichert und trotz mehrerer Krisen in den 90er-Jahren zu einem Beschäftigungsaufbau beigetragen.«

Das stimmt, obwohl der Tarifvertrag zugleich den Einstieg in eine weitreichende Flexibilisierung der Arbeitszeiten markierte. Baden-Württembergs IG-Metall-Bezirksleiter Zitzelsberger hält sogar das für eine Erfolgsgeschichte. Die in den vergangenen Jahrzehnten geschaffenen Arbeitszeitkonten hätten während der Wirtschaftskrise zwischen 2008 und 2010 dazu beigetragen, den massiven Auftragseinbruch abzufedern, sagte er. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn die Anpassung der Arbeits- an die Betriebsnutzungszeiten führt auch zu einer effektiveren Ausnutzung der Arbeitskräfte – und verhindert somit Einstellungen im Aufschwung. Ganz abgesehen davon, was es für so viele Beschäftigte bedeutet, ihre Lebensgestaltung an den Nachfrageschwankungen des Marktes ausrichten zu müssen.

»Wir brauchen eine neue Debatte über Arbeitszeit, die sich vor allem an den Lebenswirklichkeiten der Menschen orientiert«, fordert Zitzelsberger. Gemeint ist damit nicht die Forderung nach kollektiver Verkürzung der Arbeitszeiten, sondern deren Anpassung an individuelle Bedürfnisse nach vorübergehender Reduzierung. Als Mittel im Kampf gegen die Erwerbslosigkeit haben IG Metall und Co. das Instrument längst aufgegeben. Spätestens seit dem halbherzig geführten – und von westdeutschen Betriebsratsfürsten sabotierten – Streik für die 35-Stunden-Woche im Osten ist Arbeitszeitverkürzung in den Beschäftigtenorganisationen nicht mehr von Bedeutung.

Das zeigt auch der DGB-Kongreß in Berlin. Einen Antrag, der »Arbeitszeitverkürzung und Umverteilung der Erwerbsarbeit (…) zu einem Schwerpunkt der gewerkschaftspolitischen Strategiediskussion« machen wollte, werteten die rund 400 Delegierten lediglich »als Material« – eine Beerdigung zweiter Klasse. Der DGB-Bezirksvorstand Hessen-Thüringen hatte in seiner Antragsbegründung unter anderem darauf hingewiesen, daß sich die tariflichen und tatsächlichen Arbeitszeiten in den vergangenen Jahren verlängert haben. Die Unternehmer bleiben in Sachen Arbeitszeit nämlich nicht untätig – anders als der DGB.

Quelle

http://www.jungewelt.de/2014/05-14/033.php (http://www.jungewelt.de/2014/05-14/033.php)



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 13. Mai 2014, 19:23:39
Alles, was traditionell mal als irgendwie links, kritisch oder sozial galt, hat sich neoliberal gewendet oder es wird erst jetzt klar, daß sie ihr Image zu unrecht so lange aufrecht erhalten konnten.

Die Medien, Stern, Spiegel, Süddeutsche, Frankfürter Rundschau, Taz, alles totaler Dreck der unerträglichsten Sorte.
Wie verkommen die SPD und die Grünen sind, ist ja auch kein Geheimnis.

Aber bei den Gewerkschaften sieht es anders aus. Die Linke hält sie irgendwie für einen Vertretung der Arbeiterklasse, eine Massenorganisation, die auf den falschen Weg gekommen ist und die man von unten her umkrempelm muß um sie in eine kämpferische Organisation zu transformieren. Dieser Glaube hält sich teilweise sogar in linksradikalen Kreisen.

Bevor der DGB klassenkämpferisch wird, erklärt der Papst, daß Gott tot ist.

Die Politik des DGB ist schon immer eine Institution zur Kontolle des Proletariats gewesen. Inzwischen ist diese Organisation (glücklicherweise?) so verkommen, daß sie nicht mehr besser rüberkommt, als die SPD.

Die FR kommentiert:
Zitat
Sie werden nicht mehr als Blockierer und Betonköpfe abgestempelt, wie es vor zehn Jahren üblich war, als Rot-Grün die Rechte von Arbeitslosen beschnitt, den Arbeitsmarkt deregulierte und die Rente mit 67 beschloss. Dieser Großumbau ist erledigt. Nun hört die Politik wieder auf die Gewerkschaften und ist bereit, einzelne Korrekturen in der Sozialpolitik vorzunehmen.
Zitat
Umso erstaunlicher ist die Bescheidenheit der DGB-Spitze. Das Gehalt eines Arbeitnehmers solle zumindest den Lebensunterhalt gewährleisten, heißt es in ihrem Leitantrag zum Thema Arbeit.
Das heißt im Umkehrschluß: Die Bezüge von Erwerbslosen brauchen nicht den Lebensunterhalt zu gewährleisten.

Die FR weiter:
Zitat
DGB-Gewerkschaften fordern die Entmachtung von erfolgreichen Konkurrenz-Gewerkschaften...
Wenn der DGB aber billigt, dass die Politik kleine, starke Gewerkschaften entmachtet, dann sollte er sich nicht wundern, wenn seine Organisationen als nächste an der Reihe sind.

Nichteinmal die FDP hätte eine so ekelige, korrupte Organisation erträumen können...


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: BGS am 14. Mai 2014, 01:34:15
Alles, was traditionell mal als irgendwie links, kritisch oder sozial galt, hat sich neoliberal gewendet oder es wird erst jetzt klar, daß sie ihr Image zu unrecht so lange aufrecht erhalten konnten.

Die Medien, Stern, Spiegel, Süddeutsche, Frankfürter Rundschau, Taz, alles totaler Dreck der unerträglichsten Sorte.
Wie verkommen die SPD und die Grünen sind, ist ja auch kein Geheimnis.

Aber bei den Gewerkschaften sieht es anders aus. Die Linke hält sie irgendwie für einen Vertretung der Arbeiterklasse, eine Massenorganisation, die auf den falschen Weg gekommen ist und die man von unten her umkrempelm muß um sie in eine kämpferische Organisation zu transformieren. Dieser Glaube hält sich teilweise sogar in linksradikalen Kreisen.

Bevor der DGB klassenkämpferisch wird, erklärt der Papst, daß Gott tot ist.

Die Politik des DGB ist schon immer eine Institution zur Kontolle des Proletariats gewesen. Inzwischen ist diese Organisation (glücklicherweise?) so verkommen, daß sie nicht mehr besser rüberkommt, als die SPD.

Die FR kommentiert:
Zitat
Sie werden nicht mehr als Blockierer und Betonköpfe abgestempelt, wie es vor zehn Jahren üblich war, als Rot-Grün die Rechte von Arbeitslosen beschnitt, den Arbeitsmarkt deregulierte und die Rente mit 67 beschloss. Dieser Großumbau ist erledigt. Nun hört die Politik wieder auf die Gewerkschaften und ist bereit, einzelne Korrekturen in der Sozialpolitik vorzunehmen.
Zitat
Umso erstaunlicher ist die Bescheidenheit der DGB-Spitze. Das Gehalt eines Arbeitnehmers solle zumindest den Lebensunterhalt gewährleisten, heißt es in ihrem Leitantrag zum Thema Arbeit.
Das heißt im Umkehrschluß: Die Bezüge von Erwerbslosen brauchen nicht den Lebensunterhalt zu gewährleisten.

Die FR weiter:
Zitat
DGB-Gewerkschaften fordern die Entmachtung von erfolgreichen Konkurrenz-Gewerkschaften...
Wenn der DGB aber billigt, dass die Politik kleine, starke Gewerkschaften entmachtet, dann sollte er sich nicht wundern, wenn seine Organisationen als nächste an der Reihe sind.

Nichteinmal die FDP hätte eine so ekelige, korrupte Organisation erträumen können...

Herzlichen Dank für die Wahrheit.

MfG

BGS



Titel: Sigmar Gabriel beim DGB
Beitrag von: Kuddel am 15. Mai 2014, 16:18:55
Zitat
Sigmar Gabriel sucht beim Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbunds den Schulterschluss mit den Gewerkschaften. Der SPD-Chef hält eine bemerkenswerte Rede - denn im Hauptberuf ist er ja nun Wirtschaftsminister.

„Sommer hat großen Anteil daran, dass Deutschland besser als andere Länder durch die Krise gekommen ist“, sagt Gabriel nun: „Manches wäre unserer Partei erspart geblieben, wenn wir früher auf ihn gehört hätten.“

„Die deutschen Gewerkschaften haben auch an die soziale Marktwirtschaft geglaubt, als selbst ernannte Experten sie diskreditiert haben“, ruft er in den Saal.

Die Tür seines Hauses stehe Gewerkschaftern immer offen, betont er. Mehr noch: „Wir wollen Verbündete sein für die Schaffung guter Arbeit.“

Der neue DGB-Chef Reiner Hoffmann lässt sich nicht lange bitten: „Ich glaube, dass die Schnittmengen gemeinsamer Politik so groß sind wie seit langem nicht mehr“, antwortet er.
http://www.fr-online.de/wirtschaft/sigmar-gabriel-sehnsucht-nach-versoehnung,1472780,27128724.html (http://www.fr-online.de/wirtschaft/sigmar-gabriel-sehnsucht-nach-versoehnung,1472780,27128724.html)

 kotz   kotz    kotz


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 21. Mai 2014, 22:04:37
22.05.2014 / Inland / Seite 5Inhalt

Service »Union-Busting«
Studie: Bekämpfung von Gewerkschaftsarbeit verläuft in Deutschland zunehmend systematischer. Mitverantwortlich dafür ist die Deregulierung des Arbeitsmarktes

Von Claudia Wrobel

In einem Restaurant gehen plötzlich die Lichter aus, Sicherheitskräfte besetzen die Ausgänge und hindern die Angestellten, das Gebäude zu verlassen. Mitarbeiter berichteten, sie seien über mehrere Stunden in der verschlossenen, abgedunkelten Gaststätte festgehalten worden. Unter Androhung einer Anzeige wegen Diebstahls sollen sie dazu aufgefordert worden sein, Kündigungen oder Aufhebungsverträge zu unterschreiben. Was klingt wie eine absurde Vorstellung, ist ein Fallbeispiel, das Elmar Wigand und Werner Rügemer in der Studie »Union-Busting in Deutschland. Die Bekämpfung von Betriebsräten und Gewerkschaften als professionelle Dienstleistung« darstellen. Es ist eine Analyse zu Gewerkschaftszerschlagung, -vermeidung und -vorbeugung, die am heutigen Donnerstag in Berlin präsentiert wird. Sie wurde von der Otto-Brenner-Stiftung, einer Wissenschaftseinrichtung der IG Metall, veröffentlicht. In der Untersuchung beschreiben Rügemer und Wigand Methoden, die bislang vor allem aus den USA bekannt sind. Dort ist die Bekämpfung von Arbeiterorganisationen eine regelrechte Dienstleistung.

Die hiesigen Netzwerke zur Bekämpfung von Beschäftigtenorganisationen seien zwar noch nicht so weit entwickelt, allerdings in Grundzügen schon erkennbar. Dem sei durch die sogenannten Reformen des Arbeitsmarktes und der damit einhergehenden Deregulierungen der Boden bereitet worden. Zwar merken die Autoren an, daß es noch einer genaueren Analyse der Zusammenhänge bedarf, sehen aber einen der Gründe für ein Erstarken antigewerkschaftlicher Praktiken in der Ausgliederung einzelner Arbeitsbereiche. Vorherige Studien haben bereits belegt, daß zwar in Großbetriebe meist eine gedeihliche Betriebsratsarbeit herrscht, deren Gründung in kleineren Firmen dafür aber ungleich schwieriger ist.

Wigand und Rügemer beschreiben, daß auch hierzulande Tendenzen erkennbar seien, die Unternehmen systematisch betriebsratsfrei zu halten bzw. unkritische Beschäftigte in diese Funktionen zu verhelfen, oder solche, die sich für ihre Kollegen einsetzen, wieder loszuwerden. So gebe es bereits Anwaltskanzleien, die diese aggressiven Methoden vorantrieben. Neben den individuellen »Lösungen«, die Unternehmen angeboten werden, gebe es Ratgeber, wie Firmen die »Probleme« selbst in den Griff bekommen können. So wird unter anderem der bekannte Arbeitsrechtler Helmut Naujoks genannt, der im Jahr 2002 das Buch »Kündigung der Unkündbaren« veröffentlichte und auf seiner eigenen Internetseite angibt, seine Hauptaufgabe bestehe darin, »Arbeitgeber vor dem Mißbrauch des Betriebsverfassungsgesetzes durch Betriebsratsmitglieder zu schützen«.

Dessen Methoden werden ebenso beleuchtet wie Unternehmensstiftungen und firmenfinanzierte Hochschuleinrichtungen, die mit »wissenschaftlichen« Analysen die Praxis unterfüttern und legitimieren. Außerdem beschreiben die Autoren das Handeln und die Funktion »gelber Gewerkschaften«, die »unter gewerkschaftlicher Tarnkappe mehr oder weniger offensichtlich die Interessen der Unternehmensleitung vertreten«. Diese würden häufig direkt von der Betriebsleitung eingesetzt, zumindest aber von ihr toleriert oder unterstützt.

Greifbar werden die verschiedenen Methoden, wenn die Autoren sie gegen Ende der Untersuchung anhand zweier Fallbeispiele darstellen. Spätestens dann wird deutlich, daß die theoretisch geschilderten Praktiken mittlerweile auch in der BRD Methode haben. So habe das eingangs genannte Beispiel im Jahr 2012 in einer Filiale der Steakhauskette Maredo in Frankfurt am Main stattgefunden. Anders als an vielen anderen Standorten habe es dort bis 2011 einen Betriebsrat gegeben. Die Wahl sei allerdings von der Unternehmensleitung angefochten worden, nachdem die Mitarbeitervertreter einen Mindestlohn von 8,50 Euro gefordert hatten. Die folgende Auseinandersetzung habe sich über mehrere Monate hingezogen, bis die betroffenen Angestellten einen Vergleich mit dem Unternehmen schlossen. In der Zwischenzeit habe Maredo sie durch als Kollegen getarnte Spitzel beschatten lassen und Bagatell-Kündigungen wegen des angeblichen Verzehrs von Brotkanten ausgesprochen. Des weiteren beschreiben die Autoren die Auseinandersetzung beim Softwarekonzern SAP, der bis 2006 der einzige deutsche DAX-Konzern ohne Betriebsrat war.

Rügemer und Wigand geben keine Handlungsempfehlung, sondern wollen eine Debatte anstoßen, da die »Sensibilität für Ungerechtigkeiten am Arbeitsplatz und skandalöse Arbeitsbedingungen« zugenommen habe.

www.otto-brenner-stiftung.de (http://www.otto-brenner-stiftung.de)

www.arbeitsunrecht.de (http://www.arbeitsunrecht.de)

Quelle

http://www.jungewelt.de/2014/05-22/041.php (http://www.jungewelt.de/2014/05-22/041.php)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: dagobert am 22. Mai 2014, 01:17:52
Service »Union-Busting«
Studie: Bekämpfung von Gewerkschaftsarbeit verläuft in Deutschland zunehmend systematischer. Mitverantwortlich dafür ist die Deregulierung des Arbeitsmarktes

http://www.nachdenkseiten.de/?p=21772#h10 (http://www.nachdenkseiten.de/?p=21772#h10)
Dort gibt's auch weiterführende Links zu Infos und zur (kostenfreien) Bestellung der Studie. Eine komplette Online-Version der Studie gibt es offenbar (noch) nicht.

EDIT:
Hatte gestern mein Exemplar in der Post. Fazit nach dem ersten Querlesen:
Alle die etwas mit Gewerkschafts- und / oder Betriebsratsarbeit zu tun haben oder sich dafür interessieren, besorgt euch das Teil!

https://www.otto-brenner-shop.de/publikationen/obs-arbeitshefte/shop/union-busting-in-deutschland-ah77.html (https://www.otto-brenner-shop.de/publikationen/obs-arbeitshefte/shop/union-busting-in-deutschland-ah77.html)
https://www.otto-brenner-stiftung.de/fileadmin/user_data/stiftung/Aktuelles/AH77/AH_77_UnionBusting_Info.pdf (https://www.otto-brenner-stiftung.de/fileadmin/user_data/stiftung/Aktuelles/AH77/AH_77_UnionBusting_Info.pdf)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: admin am 06. Juli 2014, 21:08:22
Weiter oben aus diesem Thread (http://www.chefduzen.de/index.php?topic=80.300 (http://www.chefduzen.de/index.php?topic=80.300))
Zitat
Die Verdienste der IG Metall für mehr Rüstung in Deutschland
Berthold Huber redete auf dem Fischmarkt, gegenüber auf dem anderen Elbufer liegt die Werft Blohm und Voß. Sie baut Fregatten und U-Boote, auch für die Bundesmarine. Das hätte er sicher vor 35 Jahren skandalisiert, als er noch führendes Mitglied beim KABD (Kommunistischen Arbeiterbund Deutschland), heute MLPD war. Heute ist er, wie der IGM-Vorstand für mehr Rüstung!


Unsere Gewerkschaftsführer haben nicht nur Verdienste in Sachen Hartz IV und Flexibilisierung der Arbeitswelt vorzuweisen sondern auch, was die Außen- und Verteidigungspolitik anbelangt: German foreign policy schrieb am 8.9.2011.  "Die Industriegewerkschaft Metall bekennt sich zum Umbau der Bundeswehr zur global operierenden  Interventions- und Besatzungsarmee und fordert eine drastische  Ausweitung der deutschen Rüstungsexporte".


Das war kein Ausrutscher, sondern das ist noch heute "Gewerkschaftspolitik":

Zitat
Waffenfähige Drohnen aus Deutschland
Gewerkschafter für mehr Rüstung

Ein weiterer Sprecher der IG-Metall will die europäische Drohne. Auch Betriebsratschefs machen fordern Waffenexporte.
http://www.taz.de/Waffenfaehige-Drohnen-aus-Deutschland/ (http://www.taz.de/Waffenfaehige-Drohnen-aus-Deutschland/)!141878/


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 06. September 2014, 09:44:30
Hier herrscht scheinbar die Meinung vor, daß die Gewerkschaften unter einer schlechten Führung leiden, die nicht bereit oder in der Lage ist, die Interesse der Mitglieder anständig zu vertreten.

Ich glaube, daß diese Kritik zu kurz greift. Die Schuld liegt nicht allein bei Leuten wie Hoffmann, Bsirske oder Vassiliadis. Schon gleich nach Kriegsende wurde der DGB aufgebaut (auch der CIA hatte seine Daddeln da drin) um eine Organisation zu haben, die eine Unruhe der Arbeiterschaft auffangen und auf ungefährliches Terrain leiten kann. Statt die von Natur aus entgegengesetzten Interessen von Kapital und Arbeit anzuerkennen, wird stets von einer Sozialpartnerschaft geredet. Die Gewerkschaften verhalten sich wie ein Wurmfortsatz der Unternehmerverbände. Sie stützten und stützen die Einführung von Hartz IV und die Ausweitung der Leiharbeit.

Es ist auch das Prinzip schon ein Problem, daß den Eindruck hinterläßt, es gäbe eine Organisation, die die Probleme im Betrieb löst. Ohne die eigene Aktivität der Arbeiter und den Druck, der dadurch entsteht, kann auch die beste Gewerkschaft nichts erreichen. Genau das wird aber nicht gefördert. Im Gegenteil, es besteht kein Interesse an einem selbstständigen Handeln der Belegschaft.

Ein Gewerkschaftsmitglied ist auch nicht automatisch politisch gut drauf. Eine Studie ergab sogar leicht höhere rassistische Tendenzen, als unter dem Durchschnitt der Bevölkerung. Für ein politisches Bewußtsein wären aktive Auseinandersetzungen und eine lebendige Diskussionskultur nötig.

In verschiedenen Betrieben sind Betriebsräte sogar über das Vorhandensein von Leiharbeiter glücklich, denn die werden bei Auftragseinbrüchen zuerst vor die Tür gesetzt und so kann sich die Stammbelegschaft "sicherer" fühlen.


Wir sollten aber nicht vergessen, daß unser Feind das Kapital ist und nicht die Gewerkschaften. Sie sind nur meist kein brauchbares Werkzeug für den Kampf. Wir sollten uns für unabhängige Diskussionen, unabhängiges Denken und unabhängige Kämpfe einsetzten. Das muß man versuchen gemeinsam anzugehen, unabhängig davon, ob jemand in der Gewerkschaft ist oder nicht.
.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: schwarzrot am 06. September 2014, 10:20:41
Das passt ja:

Zitat
Bahnstreik
Gewerkschaftsboss will Lokführer bremsen


DGB-Chef Hoffmann bittet den Beamtenbund um Hilfe im Tarifstreit bei der Deutschen Bahn: Laut "SZ" soll die Lokführergewerkschaft GDL zur Ordnung gerufen werden - sonst drohe ein Imageschaden.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/bahnstreik-der-lokfuehrer-dgb-boss-hoffmann-fuerchtet-imageschaden-a-990174.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/bahnstreik-der-lokfuehrer-dgb-boss-hoffmann-fuerchtet-imageschaden-a-990174.html)

Manchmal möchte ich gewissen leuten nur noch in die fresse hauen.  :(


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 06. September 2014, 15:45:12
Und wer dachte, das der Sommer schon scheiße war (also der EX DGB- Chef; nicht die Jahreszeit) muss jetzt bemerken das es noch schlimmer werden kann!
Wenn die Basis nicht bald aufwacht, wird es bald keine Basis mehr geben! >:(


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: schwarzrot am 12. September 2014, 08:56:38
Spd-Nahles will endlich die kämpferischen gewerkschaften fertigmachen, geht ja nicht, das in diesem land ernsthaft arbeitskämpfe 'vitale Funktionen unsere gesamten Landes lahmlegen', durch sowas beschissenes wie forderungen nach vernünftigen lohn und auskommen.
Danke Spd und DGB!

Zitat
GDL-Urabstimmung über Streik
Der Bahn fehlen die Worte


Die Lokführergewerkschaft fordert mehr Gehalt bei weniger Arbeitszeit – und ist kampfbereit. Kritik kommt von der Bahn, aber auch von Andrea Nahles.

...
Die Tarifverhandlungen mit der bundeseigenen Bahn wurden am 20. August nach der dritten Runde ergebnislos beendet. Die GDL fordert fünf Prozent mehr Geld und zwei Stunden weniger Wochenarbeitszeit. Sie will das nicht nur für Lokführer, sondern auch für Zugbegleiter, Speisewagen-Gastronomen, Lokrangierführer und andere Berufsgruppen durchsetzen. Für diese Beschäftigten hat bislang die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) die Tarifverträge ausgehandelt.

Die GDL lehnte am Donnerstag das jüngste Angebot der Bahn ab, in dem Tarifstreit mit Moderatoren weiterzukommen. Für diese Aufgabe habe die Bahn die Vorsitzenden von Beamtenbund (DBB) und Gewerkschaftsbund (DGB), Klaus Dauderstädt und Reiner Hoffmann, vorgeschlagen, teilte die GDL mit.

Warum werden nicht gleich Grube (Bahn) und Nahles (sozialverräterpartei) als 'moderatoren' vorgeschlagen, das wäre ähnlich neutral, wie die vorgeschlagenen vorsitzenden von DBB und DGB!
Zitat
Wenig Kompromissbereitschaft

Die Bahn sei aber nicht von ihren „Einschränkungen und Vorbedingungen“ abgerückt. Sie habe zudem ihre fundamentalen Positionen gegen Tarifpluralität und Koalitionsfreiheit wiederholt, heißt es in der GDL-Erklärung. „Auf Zeit spielen und dabei weiter vom Zugpersonal Überstunden verlangen, wird es mit der GDL jedoch nicht geben“, sagte Weselsky.

...

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) bekräftigte angesichts der Streiks von Lokführern und Piloten ihre Absicht, in Kürze einen Gesetzentwurf zur Tarifeinheit vorzulegen. Viele Menschen zeigten Unverständnis für diese Streiks, sagte sie im Bundestag. Das Prinzip „ein Betrieb, ein Tarifvertrag“ solle in Deutschland wieder gelten.

Grundsätzlich sollte aus Sicht der SPD-Politikerin das Solidaritätsprinzip gelten, nämlich: „Alle streiken gemeinsam für alle.“ Nun schauten wenige nur auf sich, sagte Nahles. Dass einige Spartengewerkschaften im eigenen Interesse „vitale Funktionen unsere gesamten Landes lahmlegen, ist nicht in Ordnung. Es untergräbt ... den Zusammenhalt und unserem Land, und es legt auch die Axt an die Wurzeln der Tarifautonomie.“
http://taz.de/GDL-Urabstimmung-ueber-Streik/!145853/ (http://taz.de/GDL-Urabstimmung-ueber-Streik/!145853/)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 12. September 2014, 11:20:40
DGB und SPD zeigen keinerlei Scham mehr.
Die versuchen nicht einmal mehr arbeitertümelnd aufzutreten, die positionieren sich gut sichtbar auf Seiten der Wirtschaft.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: dagobert am 12. September 2014, 12:08:50
Bin durch Zufall über den aktuellen Entgelttarifvertrag für das Bäckerhandwerk gestolpert:
http://www.biv-wl.de/innungsbaecker/tarifvertraege/entgelttarifvertrag/ (http://www.biv-wl.de/innungsbaecker/tarifvertraege/entgelttarifvertrag/)

Man beachte vor allem die Entgeltgruppe 16 (!) und vergleiche die Stundenlöhne mit den anderen Entgeltgruppen!
Kein Wunder daß die Zahl der Vollzeitjobs immer weiter abnimmt, wenn die Gewerkschaft solche Anreize schafft.
Unfassbar, was die NGG da abgschlossen hat.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 18. September 2014, 10:43:48
Geht's nicht noch etwas ekelhafter!?!

Zitat
TTIP
DGB vollzieht Kehrtwende bei Freihandelsvertrag

Bisher lehnten die Gewerkschaften das transatlantische Abkommen ab. Nun hat SPD-Chef Sigmar Gabriel sie umgestimmt. In einem Positionspapier, das der SZ vorliegt, bekennt sich der Deutsche Gewerkschaftsbund zum TTIP.


Kurz vor dem Parteikonvent der Sozialdemokraten hat SPD-Chef Sigmar Gabriel sich wichtigen Rückhalt für das umstrittene transatlantische Freihandelsabkommen TTIP gesichert.

In einem gemeinsamen Positionspapier mit Gabriels Bundeswirtschaftsministerium bekennt sich der Deutsche Gewerkschaftsbund im Grundsatz zu dem Abkommen. Die Gespräche mit den USA könnten helfen, die Handelsbeziehungen zu intensivieren, heißt es in dem vierseitigen Papier, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt. "Das Abkommen könnte auch dazu beitragen, faire und nachhaltige Handelsregeln global voranzutreiben und Maßstäbe zu setzen."

Seit Monaten beraten EU und USA über den Handelsvertrag. Er soll Zölle weitgehend abschaffen und Standards zwischen beiden Wirtschaftsräumen vereinheitlichen. Geplant ist zudem eine Klausel zum Schutz von Investoren.

Bisher hatten die Gewerkschaften die Verhandlungen meist ablehnend begleitet. IG-Metall-Chef Detlef Wetzel hatte das Abkommen schon im Frühjahr als "gefährlich" bezeichnet und den Abbruch der Gespräche gefordert. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi engagiert sich ebenfalls dagegen, und noch im Juli hatte selbst der DGB-Bundesvorstand gefordert, die Verhandlungen auszusetzen. Auch in der SPD gibt es massive Vorbehalte. An diesem Samstag soll sich ein Parteikonvent damit befassen.
http://www.sueddeutsche.de/politik/ttip-dgb-sagt-ja-aber-zu-freihandelsvertrag-1.2134179 (http://www.sueddeutsche.de/politik/ttip-dgb-sagt-ja-aber-zu-freihandelsvertrag-1.2134179)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Troll am 18. September 2014, 18:13:49
Mit Unterstützung der Agenda 2010 haben sie angefangen sich freiwillig zu entmachten, warum jetzt damit aufhören?


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: schwarzrot am 18. September 2014, 18:32:11
Zitat
TTIP
DGB vollzieht Kehrtwende bei Freihandelsvertrag

Nun hat SPD-Chef Sigmar Gabriel sie umgestimmt.

Ob man 'die' (DGB-hörigen) 'gewerkschaften' überhaupt noch eigenständig nennen kann, weiss ich nicht.
Dazu ist es zu deutlich, dass die ihr fähnchen immer zu sehr in den Spd wind hängen.

Und das fette schwein gabriel hat nun mal entschieden, dass das TIPP gut für 'die wirtschaft', oder besser für ihn als 'wirtschaftsminister' ist.
Also nicht wundern, es sei denn, man wundert sich, dass es immer noch spinner gibt, die die Spd wählen, oder sie gar für 'links' halten.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 12. Dezember 2014, 13:41:48
Mittwoch, 3. Dezember 2014
Interview mit der IWW: „Geht nicht, gibt’s nicht!“ Organisierung im Niedriglohnsektor.

Der allgemeinen Verschlechterung der Lebenslage für alle Lohnabhängigen in der BRD der letzten 25 Jahre konnten die Mainstream Gewerkschaften wie der DGB nichts entgegensetzen – und wollten es eigentlich auch nicht so richtig.
 Aber auch von linker (gewerkschaftlicher) Seite waren die Versuche dem etwas entgegen zu setzen, begrenzt. Oft genug scheinen die Organisierungsbemühungen wenig von Erfolg gekrönt zu sein. Viele Linke in der BRD sind deshalb auch der Meinung, dass es gerade im prekären Niedriglohnbereich nicht möglich ist, sich mit KollegInnen zusammen zu organisieren. Das dem nicht so sein muss, zeigen die Erfolge der IWW in den USA, aber auch in der Bundesrepublik. Dazu sprach Mark Richter von der IWW Frankfurt am Main mit Radio Corax. Das Interview könnt ihr euch hier anhören:

Anhören auf soundcloud.com

https://soundcloud.com/iww-frankfurt/interview-zum-organizing-der-iww-im-deutschsprachigen-raum


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 26. März 2015, 15:27:34
Es ist tatsächlich so plump, wie man es sich kaum vorzustellen wagt:

Betriebsräte werden gekauft und die Gewerkschaften spielen mit:

Nach Volkswagen und Siemens ist ThyssenKrupp damit der dritte deutsche Dax-Konzern, bei dem illegale Zahlungen an Betriebsräte öffentlich werden. Pikant ist, dass mehrere der betroffenen Kieler Betriebsräte auch Mitglieder der IG Metall sind. Die Gewerkschaft behauptet, sie habe von den Vorgängen bei HDW nichts gewusst.

weiter:

Dokumente zeigen, dass die Betriebsrätin im Jahr 2011 knapp 5000 Euro pro Monat verdiente, nachdem sie für die Arbeit im Betriebsrat von ihren eigentlichen Aufgaben als technische Zeichnerin freigestellt worden war. Diese ungewöhnlich gute Bezahlung bringt nun einen Dax-Konzern und die mächtige Gewerkschaft IG Metall in Erklärungsnot. Denn sie war kein Einzelfall.

Nach Recherchen der "Welt" bezahlt die Tochterfirma des Essener Stahlkonzerns ThyssenKrupp seit 2005 ihre Betriebsräte illegal. ThyssenKrupp räumt das ein. Offenbar ist nicht ausgeschlossen, dass es auch in anderen ThyssenKrupp-Firmen ähnliche Unregelmäßigkeiten gibt. Der Konzern arbeitet derzeit an einer verbindlichen Richtlinie für die Vergütung aller Betriebsräte. Insgesamt hat ThyssenKrupp rund 1500, jeder zehnte ist freigestellt.

Der langjährige Vorsitzende des Betriebsrats auf der U-Boot-Werft, Ernst-August Kiel, muss sich fragen lassen, welche Rolle er gespielt hat. Das Protokoll der Betriebsratssitzung, in der das illegale einheitliche Monatsgehalt vermerkt wird, trägt seine Unterschrift. Der Rohrschlosser selbst verdiente 2009 rund 5800 Euro im Monat – 1000 Euro mehr, als es die höchste Stufe in der Tariftabelle vorsah.


http://www.welt.de/wirtschaft/article129611598/Thyssen-Betriebsraete-kassieren-illegale-Gehaelter.html (http://www.welt.de/wirtschaft/article129611598/Thyssen-Betriebsraete-kassieren-illegale-Gehaelter.html)



Dieser ganze Drecksverein hat nichts und rein garnichts mit der Vertretung von Arbeiterinteressen zu tun.
Da gibt es nichts zu reformieren. Dieses Pack steht auf der Gegenseite!


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Fritz Linow am 26. März 2015, 16:17:08
Zitat
Dokumente zeigen, dass die Betriebsrätin im Jahr 2011 knapp 5000 Euro pro Monat verdiente, nachdem sie für die Arbeit im Betriebsrat von ihren eigentlichen Aufgaben als technische Zeichnerin freigestellt worden war.


So sieht eine Betriebsrätin der IG Metall bei HDW aus, die 5000 Euro pro Monat verdient:
(http://www11.pic-upload.de/thumb/26.03.15/7tpv3d22w7c.jpg) (http://www.pic-upload.de/view-26524082/HDW_BR.jpg.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Fritz Linow am 15. April 2015, 23:31:31
Der DGB hat sich nicht mehr lieb:

Zitat
15. April 2015, 20:30 Uhr
Gewerkschaften
DGB will enger zusammenarbeiten - ohne Verdi

Zwischen den acht Gewerkschaften des DGB-Dachverbandes gibt es immer wieder Streit um Zuständigkeiten. Oft stehen sich die Industrievertreter und Dienstleistungsgewerkschaften gegenüber.  Bei einem Treffen vereinbaren die vier Industrie-Gewerkschaften eine engere Kooperation - ohne die vier Vereinigungen für Beschäftigte im Dienstleistungsbereich. Warum keine Dienstleistungsgewerkschaftler dabei sind? "Das müssen Sie die fragen", sagte Kirchner von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft.

Seit Langem gibt es Konflikte innerhalb des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), am Mittwoch wurden sie öffentlich demonstriert: Die Vorsitzenden von vier Gewerkschaften sowie der Vorsitzende des DGB stellten eine Vereinbarung vor, die eine Kooperation dieser vier Gewerkschaften ermöglichen soll. Es handelt sich dabei um die IG Metall, die IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), die IG Bau sowie um die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Dem DGB gehören aber insgesamt acht Gewerkschaften an.

Es war eine äußerst ungewöhnliche Veranstaltung, zu der da in ein Berliner Hotel eingeladen wurde. Vermutlich seit Jahrzehnten nicht mehr luden vier DGB-Gewerkschaften plus der Vorsitzende des Dachverbands gemeinsam ein, und normalerweise werden zu Presseterminen zahlreiche Medien gerufen, und dies schriftlich. Hier aber gab es die Einladung, unter vager Angabe des Themas, einen Tag vorher per Telefon, und sie ging auch nur an vier Zeitungen. "Ich begrüße Sie zu unserem . . . äh . . . Gespräch", sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann zu Beginn, nach einer Etikettierung des Termins suchend, bei dem es sich ja ganz gewiss nicht um eine Pressekonferenz handelte. Neben ihm die Vorsitzenden Detlef Wetzel (IG Metall), Michael Vassiliadis (IG BCE), Robert Feiger (IG Bau) und Alexander Kirchner (EVG). Sie repräsentieren 3,4 Millionen von 6,1 Gewerkschaftsmitgliedern.
Vordergründig macht eine solche Kooperationsvereinbarung Sinn. In der Wirtschaft verändern sich die Produktionsprozesse und die Organisation von Betrieben; es macht daher mittlerweile wenig Sinn, "die Welt noch mittels Branchen zu erklären", wie Wetzel sagte. Wenn ein Autohersteller, für den bisher die IG Metall zuständig war, nicht nur den Transport per Bahn, sondern auch die Montage dafür an einen Logistik-Dienstleister vergibt, stellt sich auch für Gewerkschaften wie EVG oder Verdi die Frage, ob die Beschäftigten der Dienstleister nicht im Grunde ihre Klientel sind. Weil die Gewinnung von Mitgliedern aber für tendenziell schrumpfende DGB-Gewerkschaften die wichtigste und die schwierigste Aufgabe ist, hat es immer wieder relativ hässlich ausgetragene Zuständigkeitskonflikte gegeben. Derlei wollen die vier Gewerkschaften nun beenden. Die Vereinbarung regelt, nach welchen Kriterien eine Gewerkschaft die Zuständigkeit für einen Betrieb reklamieren darf und wann es im Streitfall eine Mediation, Vorstandssitzungen oder gar die Anrufung eines Schiedsgerichts geben soll.
Wo ist Bsirske? "Nicht hier."

Das Problem dabei: Die erbittertsten Konflikte haben nicht so sehr IG Metall, IG BCE, IG Bau und EVG miteinander ausgetragen. Sondern sie alle wechselweise mit Verdi. Frage also an die fünf Vorsitzenden: Wo ist Verdi, wo ist deren Chef Frank Bsirske?

Auch Lakonie ist eine Form, etwas auszusagen. Die Gewerkschaftschefs in dem Hotel bemühten sich mehrmals und manchmal auch wortreich, das Harmlose an ihrer Vereinbarung herauszustellen. "Ich sehe darin einen konstruktiven Beitrag zur Stärkung der Zusammenarbeit unter dem Dach des DGB", sagte Hoffmann, der DGB-Chef. "Diese Kooperation ist gegen niemanden gerichtet, sondern nur für uns", sagte Vassiliadis, der Kollege von der IG BCE. "Es gibt eine Offenheit für alle innerhalb des DGB, sich uns anzuschließen", sagte Feiger von der IG Bau. "Wir signalisieren, dass wir eine gemeinsame Philosophie haben", so begann schließlich Kirchner von der EVG. Und machte mit dem Hinweis weiter, dass noch nicht alle Gewerkschaften so weit seien, "auf unsere gemeinsame Basis einsteigen zu können".
Warum? Daraufhin wurde auch Kirchner sehr lakonisch: "Das müssen Sie die fragen."

Der DGB ist in den vergangenen Jahren immer wieder mal aus den Reihen seiner Mitgliedsgewerkschaften infrage gestellt worden; die Kulturen in den acht Organisationen sind recht unterschiedlich. Wie viel vor allem Industrie- und Dienstleistungsgewerkschaften voneinander trennt, wurde auch am Mittwoch immer wieder deutlich. Zum Beispiel in dem scheinbar so harmlosen Satz, mit dem Feiger von der IG Bau die Vereinbarung begründete: "Ein Vertrauensverhältnis ist natürlich elementar für eine solche Herangehensweise."

Anders gesagt: Die vier trauen einander. Den anderen im DGB nicht.


http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gewerkschaften-dgb-will-enger-zusammenarbeiten-ohne-verdi-1.2436698 (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gewerkschaften-dgb-will-enger-zusammenarbeiten-ohne-verdi-1.2436698)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 18. April 2015, 19:32:11


Aus: Ausgabe vom 17.04.2015, Seite 1 / Titel
Spaltpilz im DGB
Affront oder normaler Vorgang? Die vier Gewerkschaften IG Metall, IG BCE, IG BAU und EVG schließen ein Kooperationsabkommen. Andere bleiben außen vor
Von Daniel Behruzi


Es war ein Treffen im ganz kleinen Kreis. Nur einige auserwählte Medienvertreter waren laut Presseberichten vom Donnerstag eingeladen, als die Vorsitzenden der Gewerkschaften IG Metall, IG BCE, IG BAU und EVG gemeinsam mit DGB-Chef Reiner Hoffmann am Mittwoch in Berlin ein Kooperationsabkommen vorstellten. Es soll helfen, Abgrenzungsprobleme zwischen den beteiligten Organisationen zu vermeiden. Zwar informiert, aber nicht offiziell eingeladen, waren die anderen vier DGB-Gewerkschaften ver.di, GEW, GdP und NGG. Diese demonstrierten am Donnerstag Gelassenheit.

Organisationsstreitigkeiten haben innerhalb des DGB zuletzt deutlich zugenommen. Auch politische Meinungsverschiedenheiten werden immer offener ausgetragen – aktuell vor allem über das von der Bundesregierung geplante Gesetz zur »Tarifeinheit«. Während es die Spitzen von IG Metall, IG BCE und DGB begrüßen, sammeln ver.di, GEW und NGG Unterschriften dagegen, da sie darin eine Einschränkung des Streikrechts sehen.

Vor diesem Hintergrund erscheint die Vereinbarung der vier Gewerkschaften als klare Botschaft und als Affront gegenüber ver.di und Co. Sie regelt das Vorgehen für den Fall, dass sich die beteiligten Organisationen um Zuständigkeiten für bestimmte Branchen oder Betriebe streiten. In einem vierstufigen Verfahren sollen zunächst Gewerkschaftsvertreter vor Ort nach einer Lösung suchen. Gelingt das nicht, soll ein Mediationsgremium eingeschaltet werden. Erst wenn es auch dort keine Einigung gibt, geht der Fall an die Bundesvorstände und letztlich vor das DGB-Schiedsgericht.

Kooperationsvereinbarungen zwischen Einzelgewerkschaften seien ein »ganz normaler Vorgang«, sagte GEW-Sprecher Ulf Rödde am Donnerstag auf jW-Nachfrage. Die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft, Marlis Tepe, sei informiert und das Vorgehen beim DGB-Bundesvorstand diskutiert worden. »Wir haben mit keiner der beteiligten Gewerkschaften irgendwelche Überschneidungsfragen. Daher ist das Ganze für uns kein Thema«, erklärte Rödde.

Auch ver.di-Sprecher Christoph Schmitz betonte gegenüber jW, man sehe die Angelegenheit »mit größtmöglicher Gelassenheit«. Der ver. di-Vorsitzende Frank Bsirske sei vorab über die Vereinbarung informiert worden. Darüber, ob sich die Dienstleistungsgewerkschaft selbst daran beteiligen wolle, habe es »weder eine formelle Anfrage noch eine formelle Absage« gegeben, berichtete Schmitz. Der ver.di-Bundesvorstand werde sich »in aller Ruhe« mit dem Thema beschäftigen.

Das zwischen IG Metall, IG BCE, IG BAU und EVG verabredete Verfahren sei auch inhaltlich »nicht sensationell«, sagte der ver.di-Sprecher. »Es war immer schon der normale Umgang, dass man bei Organisationsstreitigkeiten nicht sofort zum DGB-Schiedsgericht geht, sondern erstmal miteinander redet.« Nun werde von den beteiligten Organisationen lediglich ein Mediationsverfahren zwischengeschaltet, das DGB-Schiedsgericht bleibe die letzte Instanz.

Dennoch ist verwunderlich, warum die Industriegewerkschaften und die EVG ein solches Prozedere verabreden, obwohl sie nicht untereinander, sondern vor allem mit ver.di Organisationskonflikte austragen. »Wir signalisieren, dass wir eine gemeinsame Philosophie haben«, hatte EVG-Chef Alexander Kirchner der Süddeutschen Zeitung zufolge bei dem Treffen erklärt. Und: Andere DGB-Gewerkschaften seien noch nicht so weit, »auf unsere gemeinsame Basis einsteigen zu können«. Offenbar sind die Differenzen doch größer als man bei ver.di und GEW öffentlich zugeben möchte.

Quelle

https://www.jungewelt.de/2015/04-17/050.php (https://www.jungewelt.de/2015/04-17/050.php)



Aus: Ausgabe vom 17.04.2015, Seite 8 / Ansichten
Totengräber des DGB
Bündnis konservativer Gewerkschaften

Von Daniel Behruzi

Es hat sich angedeutet. Doch dass es die Chefs der Industriegewerkschaften IG Metall, IG BCE und IG BAU gemeinsam mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) auf eine offene Spaltung des DGB ankommen lassen würden, ist doch überraschend. Vordergründig handelt es sich bei dem am Mittwoch gegenüber handverlesenen Medienvertretern präsentierten Papier um eine Kooperationsvereinbarung, die Abgrenzungsprobleme der beteiligten Organisationen vermeiden helfen soll. Tatsächlich aber ist es eine Kampfansage an die Gewerkschaften im Dienstleistungsbereich, allen voran ver.di. Noch mehr: Die Zukunft des DGB als handlungsfähiger Gewerkschaftsverbund steht auf dem Spiel.

»Diese Kooperation ist gegen niemanden gerichtet, sondern nur für uns«, zitiert die Süddeutsche Zeitung vom Donnerstag den Vorsitzenden der Chemiegewerkschaft (IG BCE), Michael Vassiliadis. Doch diese Aussage darf bezweifelt werden. Wenn sich vier Einzelgewerkschaften zusammentun – und die anderen vier DGB-Organisationen bewusst außen vor lassen – ist das eine klare Botschaft. Sie richtet sich vor allem gegen ver.di. Die 1.000-Berufe-Gewerkschaft steht naturgemäß im Zentrum der Abgrenzungsprobleme. Mit der IG BAU hat sie sich in der Vergangenheit heftig um die Vertretung der Reinigungskräfte in Krankenhäusern gestritten. Während dieser Konflikt weitgehend beigelegt ist, eskaliert die Auseinandersetzung mit der IG Metall zusehends.

Deren Vorsitzender Detlef Wetzel erklärte schon vor seiner Wahl Ende 2013 kategorisch: »Alles, was zur Wertschöpfungskette eines Endprodukts gehört, muss in unserem politischen Fokus sein.« Soll heißen: Die gesamte Lieferkette, sämtliche Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Herstellung von Autos, Maschinen etc. werden von der IG Metall erfasst. Sicherlich macht es Sinn, zum Beispiel bei der Ausgliederung von Unternehmensteilen dafür Sorge zu tragen, dass die direkt Betroffenen in ihrer angestammten Gewerkschaft bleiben können, die ihnen Unterstützung im alten Stammbetrieb verschafft. Doch zu klären sind derlei Fragen nur in solidarisch geführten Verhandlungen.

Offensichtlich ist: Es geht vor allem um das Anliegen der Apparate, die Mitgliedszahlen und damit ihre Finanzkraft zu stabilisieren. Mit dem Interesse der abhängig Beschäftigten als Klasse hat das nichts zu tun. Doch der Konflikt hat auch einen politischen Kern. Die beteiligten Organisationen sind allesamt streng sozialdemokratisch ausgerichtet. Regierungskritische und gesellschaftspolitische Kampagnen lehnen sie anders als ver.di, GEW und NGG kategorisch ab. Auch beim Gesetz zur »Tarifeinheit« wird die politische Spaltung deutlich. Empörend ist, dass sich DGB-Chef Reiner Hoffmann öffentlich auf die Seite einer Fraktion stellt. Er könnte damit zum Totengräber des Gewerkschaftsbundes werden, dem er selbst vorsitzt.

Quelle

https://www.jungewelt.de/2015/04-17/013.php (https://www.jungewelt.de/2015/04-17/013.php)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 18. April 2015, 21:31:59
Die Spaltung des DGB in "regierungstreue" und "nicht regierungstreue" Elemente!
Wenn die Gewerkschaften zerschlagen wurden ist es bis zur Diktatur erfahrungsgemäß nicht mehr weit! :(


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Fritz Linow am 18. April 2015, 22:07:09
Die Spaltung des DGB in "regierungstreue" und "nicht regierungstreue" Elemente!
Wenn die Gewerkschaften zerschlagen wurden ist es bis zur Diktatur erfahrungsgemäß nicht mehr weit! :(


Naja, als Alternative gäbe es ja dann immer noch zum Beispiel die Umweltgewerkschaft, "parteiunabhängig" und überhaupt nicht von der MLPD initiiert. Laut deren Grundsätzen dürfen da auch Vertreter der Klein – und Mittelständischen Industrie Unterstützer sein. Wenn der "regierungstreue" Teil des DGB, was der andere Teil ja so überhaupt nicht ist, also neue Gewerkschaften braucht, dann ist er hier genau richtig:
http://www.umweltgewerkschaft.org (http://www.umweltgewerkschaft.org)

Ein erster Schritt wurde heute in Kiel gemacht: Im Rahmen der TTIP-Proteste heute in Kiel durfte auch ein Vertreter der Umweltgewerkschaft ins Mikrophon plärren, das von der IG-Metall zur Verfügung gestellt worden war.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 20. April 2015, 14:40:24
Montag, 20. April 2015
Offener Brief an die Vorsitzenden der IG Metall „Kein Pakt mit ‚Arbeitgebern‘ und Regierung gegen das Streikrecht!“
Geschrieben von Thomas Trueten in Arbeit und Lohn, Politische Rechte, Politische und gewerkschaftliche Arbeit um 12:15
Die Gesetzesvorlage zur sogenannten „Tarifeinheit“ ist in erster Lesung durch den Bundestag gegangen und soll in Kürze beschlossen werden. Maßgeblich wurde die Gesetzesinitiative durch mehrere Gewerkschaften, insbesondere die IG Metall, unterstützt. Der IG Metall-Vorstand hat mehrfach erklärt, dass er die Gesetzesvorlage für „Tarifeinheit“ begrüßt. Er behauptet, dass dadurch das Streikrecht nicht eingeschränkt würde. Aber zahlreiche Gutachten, einschließlich des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags ebenso wie viele namhaften Arbeitsrechtler/innen bestätigen das Gegenteil. Wenn das Gesetz so durchkommt, gilt: eine Gewerkschaft, die in einem Betrieb nicht die Mehrheit hat, darf weder eigene Tarifverträge für ihre Mitglieder abschließen, noch dafür Streiks oder Warnstreiks organisieren.

Innerhalb der IG Metall gibt es kritische Stellungnahmen gegenüber dem Gesetzesvorhaben, so hat die Delegiertenversammlung der Verwaltungsstelle Wiesbaden-Limburg den Vorstand zur Ablehnung des Gesetzesvorhabens aufgerufen.

Ebenso appellieren nun zahlreiche Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen aus der IG Metall und anderen Gewerkschaften in einem offenen Brief an die Vorsitzenden der IG Metall, Detlef Wetzel und Jörg Hofmann, ihre Position zu ändern, der Gesetzesinitiative ihre Unterstützung zu versagen und das Streikrecht gegen alle Angriffe zu verteidigen. Tarifeinheit müsse über gewerkschaftliche Solidarität erreicht werden, nicht über Kungeln mit den Unternehmern! Dazu wird eine offene Debatte auf allen Ebenen der Gewerkschaft gefordert.

Der Offene Brief wird bis jetzt unterstützt von 78 früheren und aktuellen IGM-Funktionsträgern und Funktionsträgerinnen, 24 weiteren IGM-Mitgliedern und 35  FunktionsträgerInnen und Mitgliedern weiterer Gewerkschaften. Es gehen noch laufend weitere Unterschriften ein.

"Lieber Kollege Wetzel, lieber Kollege Hoffmann,
Ihr habt mehrfach erklärt, dass Ihr, bzw „die IG Metall“ die Gesetzesvorlage für „Tarifeinheit“ begrüßt. Ihr behauptet, dass dadurch das Streikrecht nicht eingeschränkt würde. Aber zahlreiche Gutachten, einschließlich des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags ebenso wie viele namhaften Arbeitsrechtler/innen bestätigen das Gegenteil. Wenn das Gesetz so durchkommt, gilt: eine Gewerkschaft, die in einem Betrieb nicht die Mehrheit hat, darf weder Tarifverträge für ihre Mitglieder abschließen, noch dafür Streiks oder Warnstreiks organisieren.

Zugleich bestätigt die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), dass es ihr darum geht, Streiks auszuschließen: „Arbeitgeber müssen sich darauf verlassen können, dass während der Laufzeit eines Tarifvertrags, der mit der Mehrheitsgewerkschaft abgeschlossen ist …, auch das Arbeitsleben befriedet ist.“ Zugleich machen sie deutlich, dass sie durchaus nicht auf die großen Gewerkschaften setzen: „Auch kleine Gewerkschaften können in den Betrieben Mehrheitsgewerkschaften sein.“

Wir können nicht verstehen, dass Ihr mit denen gemeinsame Sache macht, die seit Jahren das Prinzip „Ein Betrieb – eine Gewerkschaft“ durch Ausgliederungen und Fremdvergabe zunichte machen. Die Initiative der CSU, für die „Daseinsvorsorge“ weitere Einschränkungen des Streikrechts zu verlangen, macht deutlich, was die Unternehmerverbände und ihre Freunde wollen.
Der bekannte Professor für Arbeitsrecht und Gewerkschafter Wolfgang Däubler schätzt das Gesetzesvorhaben so ein: »Die gesetzliche Vorgabe der Tarifeinheit ist der elegante Versuch, Gewerkschaften auszuschalten, ohne sie explizit zu verbieten«. Prof. Däubler hält das Gesetz für grundgesetzwidrig. Außerdem würde es die Flächentarifverträge weiter zersetzen und bestehende Tarifgemeinschaften mittelfristig zerstören.

Deshalb fordern wir Euch auf:
- Versagt dieser Gesetzesinitiative die Unterstützung! Verteidigung des Streikrechts gegen alle Angriffe!
- Tarifeinheit muss über gewerkschaftliche Solidarität erreicht werden, nicht über Kungeln mit den Unternehmern!

Wir fordern eine offene Debatte auf allen Ebenen unserer Gewerkschaft!"

Die Unterschriftensammlung wird durchgeführt von der Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken (IVG). Unterschriften bitte senden an metallertreff@yahoo.de oder Matthias Fritz, Gehrenwaldstr.58, 70327 Stuttgart. Funktionsangaben dienen nur zur Kennzeichnung der Person.

Quelle

http://www.trueten.de/permalink/Offener-Brief-an-die-Vorsitzenden-der-IG-Metall-Kein-Pakt-mit-Arbeitgebern-und-Regierung-gegen-das-Streikrecht (http://www.trueten.de/permalink/Offener-Brief-an-die-Vorsitzenden-der-IG-Metall-Kein-Pakt-mit-Arbeitgebern-und-Regierung-gegen-das-Streikrecht)!.html


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 25. April 2015, 14:12:34
Zitat
Die dümmste Gewerkschaft der Welt

Dieses Wochenende protestieren in Berlin Tausende für die Kohle.


Für wie bescheuert hält die IG BCE dieses Land eigentlich? Die Energiegewerkschaft behauptet allen Ernstes, dass in Deutschland 800.000 Arbeitsplätze gefährdet sind, weil der Bundeswirtschaftsminister eine Abgabe auf ein paar alte, ineffiziente Kohlekraftwerke verlangt, die keinerlei Relevanz für das Energiesystem haben. Was für ein Stuss.
http://www.taz.de/ (http://www.taz.de/)!158815/


Es liegt einige Jahrzehte zurück, da hat die Gewerkschaft eine Pro-Atomstrom organisiert.
Die Proteste Pro-Rüstungsproduktion und -Export tauchen auch in schöner Regelmäßigkeit auf.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 26. April 2015, 11:13:09
Stimmt, ich erinnere mich an "Atomkraft? Ja, bitte!"- Aufkleber von der IG BCE!
Das ist wirklich eine Drecksgewerkschaft!
Erinnern wir uns nur mal daran wie die IG BCE die Neupack- Leute verarscht hat!


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 26. April 2015, 12:32:53
 8o Wow!

Zitat
Berthold Huber
Ein Gewerkschafter führt jetzt Volkswagen

([url]http://www.handelsblatt.com/images/berthold-huber/11689962/2-format2010.jpg[/url])

Der spektakuläre Rücktritt von VW-Patriarch Ferdinand Piëch als Aufsichtsratschef des Autokonzerns rückt Ex-IG-Metall-Chef Berthold Huber ins Rampenlicht. Er wird jetzt die Hauptversammlung des Konzerns leiten.


Das Verhältnis zwischen Volkswagen und Gewerkschaften ist traditionell gut - zuweilen zu gut...
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/berthold-huber-ein-gewerkschafter-fuehrt-jetzt-volkswagen/11689948.html (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/berthold-huber-ein-gewerkschafter-fuehrt-jetzt-volkswagen/11689948.html)

Which side are you on?

www.youtube.com/watch?v=vbddqXib814 (http://www.youtube.com/watch?v=vbddqXib814#)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 29. April 2015, 16:10:57
Zitat
Die Kooperationsvereinbarung der Industriegewerkschaften ist in Wahrheit eine Unterwerfungserklärung

http://norberthaering.de/index.php/de/27-german/news/342-gewerkschaften#weiterlesen (http://norberthaering.de/index.php/de/27-german/news/342-gewerkschaften#weiterlesen)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 05. Mai 2015, 20:41:40
DGB für Friedhofsruhe und gegen Arbeitskampf:

Zitat
Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Reiner Hoffmann, äußerte sich im Deutschlandfunk verständnislos.
«Ich habe kein Verständnis, dass die Verhandlungen abgebrochen wurden letzte Woche, dass man jetzt wieder in den Streik getreten ist», sagte der DGB-Vorsitzende.
http://www.fr-online.de/wirtschaft/dgb-chef-attackiert-lokfuehrergewerkschaft-gdl,27392182,30526458.html (http://www.fr-online.de/wirtschaft/dgb-chef-attackiert-lokfuehrergewerkschaft-gdl,27392182,30526458.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 07. Mai 2015, 21:17:09
MLPD erklärt sich solidarisch mit dem Streik der GDL

07.05.15 - Im Namen der MLPD hat Reinhard Funk folgende Solidaritätserklärung an die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer geschickt:

"Liebe Kolleginnen und Kollegen

Lieber Kollege Claus Weselsky,

die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) erklärt sich mit eurem gewerkschaftlichen Streik solidarisch.

Wir werden alles in unseren Kräften stehende tun, den Kampf um die Anerkennung eurer Gewerkschaftsrechte, gegen die weitere Beschneidung des Streikrechts und für eure berechtigten Forderungen zu unterstützen. Und wir treten entschieden gegen die Hetze in verschiedenen bürgerlichen Medien und von bürgerlichen Politikern gegen den Streik der GDL und gegen dich als ihren Vorsitzenden ein.

Die Verhandlungsführer der Deutschen Bahn spielen auf Zeit, um euch mit der Verabschiedung des geplanten 'Tarifeinheitsgesetzes' ins Leere laufen zu lassen.

Was von der Deutschen Bahn vorexerziert wird und durch das 'Tarifeinheitsgesetz' der Merkel/Gabriel-Regierung rechtlich abgesichert werden soll, ist ein direkter Angriff auf das in Deutschland jetzt schon stark eingeschränkte Streikrecht. Das lehnen wir entschieden ab. Es unterstreicht zugleich die Notwendigkeit des Kampfs für ein allseitiges und vollständiges gesetzliches Streikrecht in Deutschland.

Wir bieten euch an, unsere Internetplattform redaktion@rf-news.de und die Wochenzeitung 'Rote Fahne' für Veröffentlichungen und für Interviews zu nutzen und werden dort auch – wie schon bisher - selbst solidarisch über den Streik der GDL berichten.

Mit solidarischen Grüßen"


Quelle

http://www.rf-news.de/2015/kw19/mlpd-werklaert-sich-solidarisch-mit-dem-streik-der-gdl (http://www.rf-news.de/2015/kw19/mlpd-werklaert-sich-solidarisch-mit-dem-streik-der-gdl)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 18. Mai 2015, 17:55:28
 18.05.2015, 17:10:44 / Inland

Streik ohne Ende
Lokomotivführer legen erneut die Arbeit nieder. Güterverkehr ab Dienstag, Personenverkehr ab Mittwoch im Ausstand. GDL nennt keinen Termin für Beendigung des Ausstands


Bei der Deutschen Bahn AG wird wieder gestreikt. Ab Dienstag um 15.00 Uhr will die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) den Güterverkehr lahmlegen, wenige Stunden später folgt in der Nacht zum Mittwoch dann auch der Personenverkehr. Zwar handle es sich um keinen »unbefristeten Streik«, wie GDL-Chef Claus Weselsky betonte, allerdings werde man das Ende dieses Ausstands erst 48 Stunden vorher ankündigen. Der Streik werde allerdings länger dauern als die vorangegangene Streikrunde, sagte der Gewerkschafter in Berlin. Am 10. Mai war ein fast sechstägiger Ausstand im Personenverkehr zu Ende gegangen. Das war der bisher längste Streik in der 21jährigen Geschichte der Deutschen Bahn AG.

Weselsky sagte, auch während des erneuten Ausstands werde die GDL dem Bahnvorstand jederzeit für Gespräche zur Verfügung stehen. Sollte eine Schlichtung zustande kommen, sei die GDL bereit, den Streik auszusetzen.

Am Wochenende war ein Annäherungsversuch beider Seiten gescheitert. GDL und Bahnvorstand wiesen sich dafür gegenseitig die Schuld zu. »Wir sind lange genug verschaukelt worden«, erklärte Weselsky. Deshalb werde nun »die nächste Eskalationsstufe« gestartet. Die Verantwortung trage die Bahn, die in den Gesprächen bewiesen habe, dass in den Verhandlungen keinerlei Ergebnisse erzielt werden sollten, erklärte die Gewerkschaft. Vielmehr solle der Tarifabschluss bis zum Inkrafttreten des »Tarifeinheitsgesetzes« verschleppt werden.

Diesem Gesetz zufolge, dass die Bundesregierung durch das Parlament peitschen will und das voraussichtlich Anfang Juli in Kraft treten soll, gilt künftig in einem Betrieb nur noch der Tarifvertrag der jeweils größeren Gewerkschaft gelten. Streiks einer kleineren Gewerkschaft wie der GDL für einen eigenen Abschluss wären dann möglicherweise illegal.

Unabhängig vom Streik der GDL will die Bahn »versuchen, am Donnerstag mit der EVG zu einem Abschluss zu kommen«, wie Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber sagte. Die dem DGB angeschlossene Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) dringt auf einen Tarifabschluss für ihre rund 100.000 Mitglieder bei der Bahn an diesem Tag. Für den Fall einer Nichteinigung hat sie ebenfalls mit Streik gedroht. Sie fordert sechs Prozent Einkommenszuwachs, mindestens jedoch 150 Euro pro Monat. Arbeitszeitverkürzungen und Überstundenregelungen, wie sie die GDL fordert, sind für die EVG keine aktuellen Themen. (dpa/Reuters/jW)

Die bisherigen Streiks der GDL:

1. Warnstreik am 1. September: drei Stunden im Personen- und Güterverkehr

2. Warnstreik am 6. September: drei Stunden im Personen- und Güterverkehr

1. Streik nach Urabstimmung am 7./8. Oktober: neun Stunden im Personen- und Güterverkehr

2. Streik am 15./16. Oktober: 14 Stunden im Personen- und Güterverkehr

3. Streik vom 17. bis 20. Oktober: 50 Stunden im Personenverkehr und 61 Stunden im Güterverkehr

4. Streik vom 6. bis 8. November: 64 Stunden im Personenverkehr und 75 Stunden im Güterverkehr

5. Streik vom 21. bis 23. April: 43 Stunden im Personenverkehr und 66 Stunden im Güterverkehr

6. Streik vom 4. bis 10. Mai: bislang längster Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn AG - 127 Stunden im Personenverkehr und 138 Streikstunden im Güterverkehr (dpa/jW)


Quelle

https://www.jungewelt.de/2015/05-19/002.php (https://www.jungewelt.de/2015/05-19/002.php)


Aus RF-News

 18.05.15 - GDL kündigt neuen Streik ab Dienstag an

Am Samstag haben die Vertreter des Bahnvorstands die Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft der Lokführer (GdL) erneut verlassen, obwohl sie bis Sonntag Abend angesetzt waren. Nach einer Mitteilung der GdL verließen die DB-Vertreter, noch während die GdL ein Angebot prüfte, den Tisch und verlangten erneut ultimativ die Unterzeichnung. "Die Deutsche Bahn teilte der GDL schriftlich mit, dass sie keine weiteren Verhandlungen außerhalb eines von ihr selbst diktierten Schlichtungsverfahrens führen werde", heißt es von der GdL. Die Gremien der GdL haben inzwischen beraten. Ab dem morgigen Dienstag wird der Güterverkehr bestreikt, ab Mittwoch zusätzlich der Personenverkehr. Erstmals kündigt die GDL nicht an, wie lange der Streik laufen wird.


Quelle

http://www.rf-news.de/2015/kw21/18.05.15-gdl-kuendigt-neuen-streik-an (http://www.rf-news.de/2015/kw21/18.05.15-gdl-kuendigt-neuen-streik-an)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 22. Mai 2015, 19:23:19
Vorläufiges Ende des Bahnstreiks nach Teilzugeständnis der Deutschen Bahn

22.05.15 - Seit gestern Abend um 19 Uhr haben die Mitglieder der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ihre Arbeit wieder aufgenommen und ihren Streik zunächst beendet. Entscheidend war das Teilzugeständnis der Deutschen Bahn (DB), dass die GDL "für all ihre Mitglieder des Zugpersonals in den DB-Eisenbahnverkehrsunternehmen die Tarifverträge verhandeln und abschließen" kann (Presseerklärung der GDL vom 21. Mai). Doch auch die größere EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft) hat noch keinen Tarifvertrag erzielt und verhandelt weiter.

Dieser 9. GDL-Streik zeigte wie seine Vorgänger durchschlagende Wirkung. Deshalb versuchte die bürgerliche Politik auch ihn zu beenden. Vorausgegangen war eine gesteigerte Hetze gegen die GDL, besonders gegen ihren Vorsitzenden Claus Weselsky. Während die MLPD ihre Solidarität mit dem Streik erklärte, attackierten Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Verkehrsminister Alexander Dobrinth (CSU) ihn und malten "ein Risiko für Deutschlands Wirtschaft" an die Wand. Gemeint waren die Profitinteressen der Monopole, bei denen es inzwischen durch die Bestreikung des Güterverkehrs zu Produktionsausfällen gekommen war. Gegen einen Hetz-Beitrag auf YouTube, der die Lokführer nach Auschwitz in die Gaskammer schicken will, ermittelt inzwischen die Polizei.

Die Tarifforderungen sollen nun vom 27. Mai bis 17. Juni 2015 im Schlichtungsverfahren verhandelt werden. Mit dem Weg der Schlichtung ist allerdings noch nicht die Hinhaltetaktik vom Tisch, den Tarifabschluss bis zum Inkrafttreten des Tarifeinheitsgesetzes hinaus zu zögern.

Dieses Gesetz wurde heute Vormittag im Bundestag verabschiedet, es soll im Sommer in Kraft treten. Mehrere Gewerkschaften haben Verfassungsklage angekündigt. In Betrieben mit mehreren Tarifverträgen für gleiche Beschäftigtengruppen soll demnach nur noch der Vertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern gelten. Damit könnten Streiks kleinerer Gewerkschaften als "unverhältnismäßig" eingestuft werden. Dieser Angriff auf das sowieso unzureichende Streikrecht in Deutschland muss zurückgewiesen werden. Die MLPD lehnt das Tarifeinheitsgesetz grundsätzlich ab - sie fordert ein vollständiges und allseitiges gesetzliches Streikrecht!

Der Ministerpräsident von Brandenburg, Matthias Platzeck (SPD) wurde auf Seiten der Deutschen Bahn und der Ministerpräsident von Thüringen, Bodo Ramelow (Linkspartei) auf Seiten der GDL als Schlichter bestimmt. Die Forderungen der GDL-Kolleginnen und Kollegen nach Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 38 Stunden, Begrenzung der Überstunden auf 50 im Jahr, Erhöhung der Zeitzuschläge für Nachtarbeit und 5 Prozent mehr Lohn sind berechtigt.

Quelle


http://www.rf-news.de/2015/kw21/vorlaeufiges-ende-des-bahnstreiks-nach-teilzugestaendnis-der-deutschen-bahn (http://www.rf-news.de/2015/kw21/vorlaeufiges-ende-des-bahnstreiks-nach-teilzugestaendnis-der-deutschen-bahn)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 23. Mai 2015, 12:58:56

Aus: Ausgabe vom 23.05.2015, Seite 1 / Titel
 
444 Verfassungsfeinde

Mit 444 Ja- bei 126 Nein-Stimmen beschränkt der Bundestag das Grundrecht auf Streik im Namen der »Tarifeinheit«. IG-Metall- und DGB-Spitzen ebenso erfreut wie Konzernvertreter

Von Daniel Behruzi



Der Bundestag hat das Gesetz zur »Tarifeinheit« am Freitag mit 444 Stimmen beschlossen. 126 Abgeordnete votierten mit Nein, 16 enthielten sich. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) behauptete in der Aussprache erneut, die Neuregelung greife nicht ins Streikrecht ein. Vertreter von Linkspartei und Grünen kritisierten das als »Täuschungsmanöver«. »Das Gesetz ist die Einschränkung des Streikrechts kleinerer Gewerkschaften«, betonte der Linke-Fraktionsvizechef Klaus Ernst.

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter stellte in der Debatte klar, dass es der Regierung keineswegs darum gehe, Unterbietungskonkurrenz durch sogenannte christliche Gewerkschaften zu unterbinden. Das Gesetz solle vielmehr verhindern, dass das Tarifniveau infolge einer Überbietungskonkurrenz durch Spartengewerkschaften steigt. Und die SPD stehe an vorderster Front im Kampf dafür, dass das Tarifniveau nicht nach oben gezogen wird, so Hofreiter. An die Adresse der Sozialdemokraten gewandt fragte er: »Schämen Sie sich nicht?«

Gegen solche moralischen Appelle sind sozialdemokratische Parlamentarier mittlerweile immun. Nur eine einzige SPD-Abgeordnete stimmte gegen den Gesetzentwurf: die Oldenburgerin Kerstin Lühmann, Mitglied der rechtslastigen Polizeigewerkschaft DPolG. In der CDU/CSU-Fraktion votierten 16 Abgeordnete dagegen, wohl ebenfalls aus Loyalität gegenüber politisch konservativen Berufsgewerkschaften. Linke und Grüne lehnten das Gesetz geschlossen ab.

Die Reaktionen der Konzernlobbyisten waren am Freitag durchweg positiv. Die Entscheidung sei »ein wichtiger Schritt für die Zukunft der Tarifautonomie«, lobte Ingo Kramer von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Der BDA-Chef fiel bisher nicht gerade als Vorkämpfer des Flächentarifs auf. Mit dem Gesetz werde »das Prinzip ›Ein Betrieb – ein Tarifvertrag‹ endlich wiederhergestellt«, ergänzte »Gesamtmetall«-Chef Rainer Dulger. Er hat sonst nichts gegen unterschiedliche Tarife für Leiharbeiter, Werkvertragsbeschäftigte und andere Prekäre einzuwenden.

Rudolf Henke, Vorsitzender des Marburger Bunds und zugleich CDU-Abgeordneter, wandte sich erneut gegen die Regelung. Mit dem betriebsbezogenen Mehrheitsprinzip schaffe der Gesetzgeber »einen völlig neuen Rechtszustand«, erklärte er in einer Mitteilung. Der Zwang zur »Tarifeinheit« bedeute nicht nur einen Bruch der Verfassung, er werde auch negative Folgen für den Betriebsfrieden haben.

Ebenfalls kritisch äußerte sich der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske, dessen Gewerkschaft gemeinsam mit GEW und NGG in den vergangenen Wochen rund 84.000 Unterschriften gegen das Gesetz gesammelt hatte. Dieses greife zumindest indirekt in das Streikrecht ein und verschärfe die Konkurrenz der Gewerkschaften untereinander, so Bsirske am Freitag gegenüber dpa. »Das stärkt nicht das Tarifvertragssystem, sondern birgt die Gefahr, dass Konzern-, Flächen- und Branchentarifverträge durchlöchert werden.«

Wie recht der ver.di-Vorsitzende mit dieser Einschätzung hat, machte die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) deutlich, mit der ver.di derzeit um die tarifliche Eingruppierung von Erzieherinnen und Sozialarbeitern streitet. VKA-Hauptgeschäftsführer Manfred Hoffmann begrüßte das Gesetz als »Schritt in die richtige Richtung« und forderte zugleich eine stärkere Reglementierung von Arbeitskämpfen in der öffentlichen Daseinsvorsorge


Quelle

https://www.jungewelt.de/2015/05-23/057.php (https://www.jungewelt.de/2015/05-23/057.php)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Tiefrot am 23. Mai 2015, 13:51:19
Wie sich die Geschichten gleichen....... kotz

Der nächste Schritt wäre ja dann ein Verbot von Gewerkschaften außerhalb des DGB.
Beobachten wir es mal weiter.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 23. Mai 2015, 14:30:30
Ja, es ist zum Kotzen! Bei Betrachtung der Drecks SPD in den letzten Jahren verstehe ich die Sozialfaschismusthese der Weimarer Zeit sehr gut!

Bedenken sollte man bei dem ganzem Theater auch, daß unterschiedliche Tarife für Leiharbeiter, Werkvertragsbeschäftigte und andere Prekäre nicht
das Problem oder des DGB waren und sind! Schließlich hat der DGB die Hartz Gesetze befürwortet, saß in der Hartz Kommission mit drinne und bis heute
hält der DGB sich an der Omerta! Das Gesetz des Schweigens! Wir wissen kaum, was in dieser so feinen Runde besprochen wurde! Weiterhin unterhält der DGB weiterhin eigene Zeitarbeitsfirmen und 1 Euro Jobber wurden legal versklavt zum Plakate kleben usw seitens der so gemeinnützigen DGB Institutionen und natürlich auch der SPD.
Der DGB unterhält eigene Zeitarbeitsfirmen und weiterhin hat der DGB durch Zustimmung und Unterschrift der sogenannten Tarifverträge mit den Zeitarbeitsmenschenhändlern, juristisch legal und moralisch ekelerregend, Equal Pay verhindert!
Weiterhin ist das Tarifeinheitsgesetz quasi das Verbot kleinerer Gewerkschaften! Denn was für einen Sinn hat eine Gewerkschaft wenn sie weder Streiken noch Tarife abschließen darf?
Ich persönlich empfinde für diese Arbeiter- und Volksverräter nur zutiefste Verachtung und wünsche ihnen einen Genickschuß oder mindestens ein
schmerzhaftes qualvolles Verrecken an Krebs!




Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Tiefrot am 23. Mai 2015, 21:10:25
Einerseits hatte ich den Kapitalismus ja mal als Pyramidenspiel beschrieben,
bei dem am Ende einer alles hat, der Rest gar nix.
Andererseits, bei systematisch zerstörter Nachfrage wegen unzureichenden Geldmitteln
geht der Kapitalismus zwar nicht kaputt, kommt aber sicher zum Erliegen.
Und dann möchte ich mal sehen, wie lange die Finanzsphäre noch ihre Blasen produziert.
Letztendlich geht es da schon lange nicht mehr um reale Werte, sondern nur um Zahlen auf Papier.

Leute, wenn es nicht mit Hunger und Elend in der Realität verbunden wäre,
könnte ich eigentlich nur noch breit darüber grinsen.  ;D


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 23. Mai 2015, 21:18:15
Zitat
Andererseits, bei systematisch zerstörter Nachfrage wegen unzureichenden Geldmitteln
geht der Kapitalismus zwar nicht kaputt, kommt aber sicher zum Erliegen.

Dir ist aber schon klar, das der Kapitalismus sich dann der Resettaste bedient?
Ein "schöner", großer Krieg und schon wird wieder massenhaft Kohle verdient.
Erst an der Aufrüstung, dann am Krieg selbst und dann am Wiederaufbau!


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 24. Mai 2015, 00:09:06
Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen!

(http://fs2.directupload.net/images/150524/temp/we9a2f4f.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/3997/we9a2f4f_jpg.htm)(http://)

Inzwischen weise ich darauf hin,daß die beleidigende Steigerungsform von "Hurensohn" der Begriff "Sozialdemokrat" ist >:(


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Tiefrot am 24. Mai 2015, 15:15:12
@Rudi, das ist mir durchaus klar.
Hatte es in meiner Tapete bereits anklingen lassen.  ;)

Am Ende liegt es aber an den jeweiligen Bevölkerungen, sich da reinziehen zu lassen.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 13. Juni 2015, 11:46:44
Petition "Aufstand des gewerkschaftlichen Gewissens" mit neuen Zielen 



Petition "Aufstand des gewerkschaftlichen Gewissens" mit neuen Zielen 
 


Sachsen (Korrespondenz), 10.06.15: 10.000 Unterschriften für die Petition "Aufstand des gewerkschaftlichen Gewissens" bis zum IG-Metall-Gewerkschaftstag im Oktober 2015 sind das neue Ziel. Die Online-Petition ist beendet, die Unterschriftensammlung geht jedoch weiter!

Vor Kurzem bedankten sich die Initiatoren der Petition bei vielen der über 4.400 Unterzeichner. Sie schreiben unter anderem: "Wir Initiatoren sind der Meinung, dass diese wichtige Initiative bis zum Gewerkschaftstag der IG Metall im Oktober 2015 intensiv unter unseren KollegInnen weiter geführt werden sollte. Deshalb schlagen wir vor, den Petitionsaufruf weiter zu verbreiten, weitere Unterstützer in den verschiedensten Gewerkschaften zu gewinnen. Nutzen wir gemeinsam jede Gelegenheit, um weitere Unterschriften mit dem Ziel von 10.000 zu erfüllen." (hier weiter lesen)

Tatsächlich ist es ein wichtiges Signal, dass dem IG-Metall-Gewerkschaftstag 10.000 Unterschriften vorgelegt werden, die dokumentieren: "Die IG Metall ist mit 2,3 Millionen Mitgliedern eine der größten Einzelgewerkschaften der Welt. Für sie wäre es Pflicht und Ehrensache gewesen, den Kampf bundesweit und international zu organisieren. Wir waren bereit dazu!… Nie wieder darf sich das wiederholen!" (Auszug aus der Petition)

Die Fortsetzung der Unterschriftensammlung und ihr erfolgreicher Abschluss ist unterstützenswert. Gerade die laufenden Tarifrunden bei ver.di, GEW, der Post, den Eisenbahnern und aktuell der Kampf der Belegschaft von HSP/Dortmund gegen ihre Werkschließung aber auch die Kritiken am "Tarifeinheitsgesetz" oder am "Bündnis für Industrie" sind ein wichtiger Boden, zur Stärkung der kämpferischen Richtung in den Gewerkschaften. Dazu trägt die Unterstützung der Petition ermutigend bei!


Zur Petition und der Unterschriftenliste geht es hier

https://gewerkschaftsgewissen.files.wordpress.com (https://gewerkschaftsgewissen.files.wordpress.com)




Quelle

http://www.rf-news.de/2015/kw24/petition-201e-aufstand-des-gewerkschaftlichen-gewissens201c-geht-weiter (http://www.rf-news.de/2015/kw24/petition-201e-aufstand-des-gewerkschaftlichen-gewissens201c-geht-weiter)



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Bowie am 12. Juli 2015, 00:29:45
Der DGB sagt in einem der reichsten Länder der Welt "von der Arbeit muß man leben können", was nichts anderes bedeutet, als daß Leute ohne Arbeit dieses Recht nicht haben.
(http://www.nrhz.de/flyer/media/11567/HDH_2006-06-26_0024.JPG)

Und die schrecklich verpönte, weil so "radikale" GDL fordert sogar, daß Arbeit "erträglich" sein sollte.
(http://www.taz.de/picture/503217/624/Berlin_13623646yy.jpg)

Wie auf den Hund gekommen kann eine Diskussion über soziale Bedingungen nur sein?



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 12. Juli 2015, 02:39:48
He @Bowie,

irgendwie finde ich in deinem Beitrag den Sinn desselben nicht. Ich bin ganz sicher kein Freund bezahlter Funktionaere, wie die vom DGB. Aber was meinst du denn mit: "... Der DGB sagt in einem der reichsten L�nder der Welt "von der Arbeit mu� man leben k�nnen", was nichts anderes bedeutet, als da� Leute ohne Arbeit dieses Recht nicht haben. ..."

also: 1. was meinst du mit "... einem der reichsten L�nder der Welt ..." - meinst du damit die paar milliardenschweren Familien in D-Land?, oder unterstellst du den Malochern heimlich unter dem Kopfkissen gebunkerte Milliarden?
2. wer spricht Leuten ohne Arbeit hier das Lebensrecht ab? Woher nimmst du diese Schlussfolgerung?

Den Satz: "Und die schrecklich verp�nte, weil so "radikale" GDL fordert sogar, da� Arbeit "ertr�glich" sein sollte.", sehe ich selbstverstaendlich als satirisch gemeint an.

Die plakativen Forderungen der Kolleg*innen auf den Transpis stufe ich allerdings nicht als Diskussion ein - hoechstens als eine Aufforderung dazu.

Wen willst du mit diesem Satz eigentlich treffen?: "Wie auf den Hund gekommen kann eine Diskussion �ber soziale Bedingungen nur sein?..."

Auf welchem Level hast du soziale Bedingungen fuer wen schon diskutiert (ausgehandelt)? - Mit welchem Erfolg?

Vielleicht verstehe ich dann deine Einlassungen hier doch noch  :rolleyes:


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Bowie am 12. Juli 2015, 11:15:23
Was ich mit "einem der reichsten Länder der Welt" meine? Genau das, was ich sage!
Wenn ein Land reich ist, bedeutet es längst nicht, dass all dessen Bürger wohlhabend sind. Wir leben in einem Land, das reich ist und gleichzeitig über eine höchst ungleiche und ungerechte Verteilung dieses Reichtums verfügt. Deshalb regt mich die Politik der Gewerkschaften so auf.
Der DGB hat bei der Politik des Lohndumpings immer brav mitgespielt.
Dazu gehört die Brechmittelforderung, dass man von Arbeit leben können muß. Mit dieser Forderung richtet man sich auf einem Lohnniveau am Existenzminimum ein.
Im übrigen ist es ein gesellschaftlicher Konsenz (den man durchaus hinterfragen kann), dass man für Arbeit mehr als für Erwerbslosigkeit erhalten soll. Wenn Arbeit nur existenzsichernd sein soll, bedeutet es, dass es für Erwerbslosigkeit keine Garantie zur Existenzsicherung gibt.

Ja, mein Kommentar zur GDL war natürlich ironisch. Sie wird als "radikale" Gewerkschaft gehandelt, doch ich kriege das Kotzen, wenn ich sehe, daß deren Forderung auch nur einen fingerbreit über der des DGB liegt. "Erträgliche Arbeitsbedingungen", pah!
Traut sich denn niemand mehr ganz einfach "gute Arbeitsbdingungen" zu fordern?

Zitat
Auf welchem Level hast du soziale Bedingungen fuer wen schon diskutiert (ausgehandelt)? - Mit welchem Erfolg?

Was soll dieser Scheiss schon wieder?
Ich soll hier etwa nichts sagen, weil ich nichts vorbildliches (für mich) ausgehandelt habe? Nein, meine Arbeitsbedingungen sind absolut für'n Arsch!
Ich weiss auch, dass man allein kaum eine Chance hat da herauszukommen. Das kann man nur kollektiv. Z.B. mit Gewerkschaften. Wenn die DGB Gewerkschaften sich auf die Seite der Wirtschaft gestellt haben und auf die Interessen ihrer Mitglieder scheissen, dann ist es schlimm genug. Wenn eine angeblich positive Alternative zu feige ist "gute Arbeitsbedingungen" zu fordern, dann ist aber zappenduster.


(http://4.bp.blogspot.com/-_3cvaLvjSBo/UQWYzws8T1I/AAAAAAAAepo/CE8ufY9LNas/s640/We+don%27t+want+a+bigger+piece+of+the+pie+we%27re+taking+the+whole+fucking+bakery.jpg)




Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: BakuRock am 13. Juli 2015, 00:46:42
Moin Bowie,

du hast ja selbst schon beschrieben worauf ich hinaus wollte: Forderungen aufstellen kann jedermensch/gruppe/gewerkschaft - aber auch den notwendigen Druck (die "Wirkmaechtigkeit") aufbauen zu koennen um die Forderungen durch zu setzen, das ist das Entscheidende. Dazu bedarf es einer Menge Mitglieder und die moeglichst auch noch an den entsprechenden Stellen.

Zitat
... Wenn die DGB Gewerkschaften sich auf die Seite der Wirtschaft gestellt haben und auf die Interessen ihrer Mitglieder scheissen, dann ist es schlimm genug. Wenn eine angeblich positive Alternative zu feige ist "gute Arbeitsbedingungen" zu fordern, dann ist aber zappenduster....

siehe oben!

P.S.: Ich hoffe du erhoehst die Wirkmaechtigkeit (d)einer Gewerkschaft/Berufsverband o.ae. durch deine Mitgliedschaft - moeglichst noch aktiv.....




Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Bowie am 13. Juli 2015, 11:17:29
Baku, mir geht dein sozialdemokratisches Geseire voll auf den Sack.
Ich will nichts mit Leuten oder Organisationen zu tun haben, die dem Menschen ein kleines bißchen mehr Würde oder eine winzigkeit mehr Freiheit zugestehen wollen.

Wenn der Traum von Freiheit und Würde nicht einmal existiert, dann hilft auch keine "Wirkmächtigkeit".


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 14. Juli 2015, 13:29:37
Verrat am Poststreik

Ich bin überrascht, daß das Abwürgen des Poststreiks nicht folgenlos bleibt. Der Streikwille war stärker als erwartet. Der überraschende Abbruch des Streiks und der inakzeptable Abschluß hat nicht nur die Postler geschockt, sondern auch Gewerkschaftmitglieder anderer Branchen. Die Wut entlädt sich weiterhin in Foren, facebook-Gruppen und Leserbriefspalten großer Medien. Das Vertrauen in die Gewerkschaften wurde grundsätzlich erschüttert. Der Aufbau alternativer Strukturen jenseits des DGB sollte der nächste Schritt sein.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 15. Juli 2015, 07:27:54
Aus: Ausgabe vom 14.07.2015, Seite 5 / Inland

IG Metall hält sich raus
Bremer Daimler-Arbeiter klagen gegen Abmahnungen und wollen das Streikrecht erweitern. Doch die Gewerkschaft versagt ihren Mitgliedern die Unterstützung
Von Daniel Behruzi

(http://fs1.directupload.net/images/150715/temp/m55yupsv.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4049/m55yupsv_jpg.htm)(http://)
m Gegensatz zur IG Metall unterstützten Mitarbeiter von Daimler ihre Kollegen am Freitag vor dem Arbeitsgericht Bremen
Foto: Ingo Wagner/dpa

Gütlich klären lässt sich der Konflikt um Abmahnungen beim Autobauer Daimler in Bremen nicht. Das hat sich bei der ersten Verhandlung vor dem örtlichen Arbeitsgericht am vergangenen Freitag sehr schnell herausgestellt. Geklagt hatten 33 Arbeiter, die wegen ihrer Teilnahme an einer Arbeitsniederlegung im Dezember vergangenen Jahres gemaßregelt worden waren (siehe jW vom 17. Juni). Sie wollen den Vermerk aus ihrer Personalakte löschen lassen und berufen sich dabei auf das Grundrecht auf Streik. Ihre Gewerkschaft, die IG Metall, will sie dabei nicht unterstützen.

»Wir wollen nicht einfach, dass die Abmahnungen zurückgenommen werden, sondern dass sich das Recht zum Streiken wandelt«, erklärte Helmut Platow, einer der vier Anwälte der Kläger. Dafür werde man notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gehen. »Streikrecht ist Menschenrecht«, betonte der Jurist. Sein Kollege Benedikt Hopmann ergänzte, mit den Arbeitsniederlegungen hätten die Beschäftigten ein Zeichen setzen wollen. Die Aktion war eine von mehreren, mit denen sich die Bremer Daimler-Belegschaft gegen die Fremdvergabe von Produktionsarbeiten und weitere Arbeitszeitflexibilisierung zur Wehr gesetzt hatten. Die IG Metall hatte zu der spontanen Arbeitsniederlegung nicht aufgerufen.

Auch aus dem nun folgenden Rechtsstreit will sich die Gewerkschaft heraushalten. So hat es der Ortsvorstand der Bremer IG Metall einem jW vorliegenden Schreiben zufolge abgelehnt, den Gewerkschaftsmitgliedern in dieser Sache Rechtsschutz zu gewähren. Begründet wird das vor allem damit, dass das Verfahren ohne Zustimmung der IG Metall begonnen wurde. »Der Rechtsschutz muss in jedem Fall – schon ab der ersten Instanz – vom Vorstand vor Beauftragung des Anwalts gewährt worden sein«, heißt es in dem Schreiben. »Nur in begründeten Ausnahmefällen« könnten bereits entstandene Kosten übernommen werden.

Eine solche Ausnahme will die IG Metall bei der symbolträchtigen Auseinandersetzung offenbar nicht machen, auch nachdem die Bremer Ortsverwaltung das Antragsbegehren an den IG-Metall-Vorstand in Frankfurt am Main zur endgültigen Entscheidung weitergeleitet hat. Das Vorgehen passt zum bisherigen Verhalten des Gewerkschaftsapparats. Dieser hatte dem Ausstand nicht nur seine offizielle Unterstützung verweigert, der örtliche IG-Metall-Bevollmächtigte Volker Stahmann hatte in der Presse wegen des »wilden Streiks« auch von »französischen Verhältnissen« schwadroniert.

»Dass die IG Metall das nicht unterstützt, finde ich einen Skandal«, kritisierte Daimler-Betriebsratsmitglied Gerwin Goldstein beim Arbeitsgericht. Vor der Verhandlung hatten einige Dutzend Gewerkschafter und Unterstützer gegen die Abmahnungen und gegen Lohndumping durch Werkverträge protestiert. Er fürchte, dass die 140 Arbeitsplätze, um die es bei der Protestaktion im Dezember ging, nur der Anfang weiterer Auslagerungen seien, sagte Goldstein. Die Kollegen mit Werkverträgen würden nur halb so viel verdienen wie ihre Kollegen in Festanstellung bei Daimler. Deshalb sei es richtig, gegen die Auslagerungen mit Streiks zu protestieren.

Rechtsanwalt Platow zeigte sich nach der Güteverhandlung im Lokalfernsehen erfreut, dass sich das Gericht für die Argumentation der Kläger offen gezeigt habe. Im Kern geht es um die Frage, ob Arbeitsniederlegungen nur dann legitim sind, wenn eine Gewerkschaft offiziell dazu aufruft. Platow und seine Mitstreiter halten dem entgegen, dass Streik »ein ureigenes Freiheitsrecht der abhängig Beschäftigten« und nicht an einen Gewerkschaftsaufruf gebunden ist. Diese Auffassung wollen die Daimler-Arbeiter und ihre Anwälte juristisch durchsetzen – notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof und auch ohne Hilfe der IG Metall.

Um das Verfahren finanziell durchzustehen, haben die Unterstützer ein Solidaritätskonto eingerichtet: Anja Luers, Berliner Volksbank. Iban: DE 67 1009 0000 5650 0040 02, Stichwort: Streikrecht

Quelle

https://www.jungewelt.de/2015/07-14/038.php (https://www.jungewelt.de/2015/07-14/038.php)



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: dagobert am 15. Juli 2015, 22:22:36
Und wieder einmal bestätigt die IGM alle Vorurteile.  kotz


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 16. Juli 2015, 07:23:04
Die IG Metall Führungist streng antikommunistisch und schließt Marxisten-Leninisten nach kalter Kriegs Manier aus ihren Reihen aus und versagt kämpferischen Betriebsräten wie zB Volker Kraft oder den Offensiv Betriebsratslisteleuten bei Opel Bochum die Solidarität,versucht diese auszuschließen und zu diskreditieren und obendrein machen sie gemeinsame Sache mit den Bossen gegen kämpferische Gewerkschafter.....auch ich war lange IG Metall Mitglied gewesen >:(

Verteidigt und stärkt die IG Metall als Einheitsgewerkschaft!
28.06.10 - Das ist die Überschrift einer aktuellen "Erklärung der MLPD zur Bestätigung und Verschärfung des Unvereinbarkeitsbeschlusses gegen die MLPD, ihre Sympathisanten, Unterstützer und andere klassenkämpferische Kollegen durch den IG-Metall-Vorstand". Im Text heißt es weiter:

1. Unvereinbarkeitsbeschlüsse im Geist des reaktionären KPD-Verbots

Im Geist des reaktionären KPD-Verbots von 1956 gibt es seit den 1970er Jahren in der IG Metall sogenannte Unvereinbarkeitsbeschlüsse (UVB) gegen linke Organisationen und Gruppierungen, die damit zu "gegnerischen Organisationen" erklärt werden. Wer Mitglied einer dieser Organisationen ist bzw. ihre Aktivitäten unterstützt, kann danach ohne Untersuchungsverfahren aus der Gewerkschaft ausgeschlossen werden. Die MLPD und viele Gewerkschafter und Vertreter aus der demokratischen Öffentlichkeit haben gegen dieses Relikt aus der Zeit des "Kalten Krieges" seit Jahren protestiert. Verschiedenste Einzelgewerkschaften wie Ver.di oder NGG haben diese undemokratische Praxis nie übernommen und angewandt, weil sie undemokratisch ist und die Einheitsgewerkschaft zerstört.

2. Starke Einheitsgewerkschaften als Lehre aus der Geschichte

Mit der Einheitsgewerkschaft auf antifaschistischer Grundlage haben kommunistische, sozialdemokratische, christliche und parteilose Gewerkschafter nach dem II. Weltkrieg die Lehren aus dem Faschismus gezogen. Im Widerspruch dazu hielt der IG-Metall-Vorstand an den UVB fest und wandte sie seitdem in den 1980er Jahren ausschließlich gegen die MLPD an.

3. 21. Gewerkschaftstag der IG Metall will UVB abschaffen

Auf dem 21. Gewerkschaftstag der IG Metall 2007 wurden wie auf vergangenen Gewerkschaftstagen auch, Anträge zur Aufhebung der UVB gestellt. Zur Beratung lag der Antrag aus Chemnitz vor, in dem es unter anderem heißt: "Unvereinbarkeitsbeschlüsse gegen Organisationen der linken Richtung sind nicht zeitgemäß und deshalb aufzuheben." Eine Mehrheit stimmte zu, den Antrag als "Material an den Vorstand" zu überweisen, nachdem der Sprecher der Antragskommission erklärt hatte, es gelte "die gleiche Argumentation wie beim letzten Antrag". Dort hatte er erklärt: "Ein Unvereinbarkeitsbeschluss muss im Detail bearbeitet und vom Vorstand beschlossen werden. Deshalb heißt 'Material an den Vorstand' an dieser Stelle nicht, dass wir inhaltlich strittig sind. Wir sind uns zu hundert Prozent in diesem Saal inhaltlich einig." (Nachzulesen im Protokoll, S. 760 ff.) Entgegen diesem klaren Auftrag des Gewerkschaftstags hat der IG-Metall-Vorstand auf seiner Sitzung am 9.2.2010 beschlossen, "den Unvereinbarkeitsbeschluss gegenüber der MLPD aufrechtzuerhalten und die MLPD weiterhin als gegnerische Organisation einzustufen". Selbstherrlich setzt sich der IG-Metall-Vorstand damit über die Delegierten des 21. Gewerkschaftstags hinweg.

4. Für Gewerkschaften als Kampforganisationen

Als Arbeiterpartei setzt sich die MLPD konsequent für starke Gewerkschaften als Kampforganisationen zur Verteidigung und Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen ein. In diesem Sinn sind Genossinnen und Genossen der MLPD seit Jahrzehnten in den Gewerkschaften aktiv, haben Tausende von Mitgliedern für die Gewerkschaften gewonnen, Vertrauenskörper mit aufgebaut und sich als unbestechliche betriebliche und gewerkschaftliche Funktionäre den Respekt und das Vertrauen ihrer Kolleginnen und Kollegen erworben. Die wichtigsten Arbeiterkämpfe in Deutschland sind untrennbar mit dem Namen der MLPD verbunden wie z.B. der Arbeitskampf der Stahlarbeiter in Rheinhausen 1987/88 oder der Opel-Streik in Bochum 2004, der gemeinhin der MLPD zugerechnet wird. Wie passt das alles mit einer angeblichen Gewerkschaftsfeindlichkeit der MLPD zusammen?

5. Für konzernweite Kämpfe über Ländergrenzen hinweg

Die Internationalisierung der Produktion hat den Konkurrenzdruck auf die Arbeiter verschärft. Daraus ergeben sich neue Anforderungen an die Gewerkschaften und es sind auch neue Organisationsformen notwendig. Die MLPD unterstützt deshalb konzernweite Kämpfe der Arbeiter über Ländergrenzen hinweg und fördert Zusammenschlüsse wie z.B. den internationalen Automobilarbeiterratschlag. Der IG-Metall-Vorstand sieht darin "Konkurrenzaktivitäten zu gewerkschaftlichen Strategien". Wenn etwas der gewerkschaftlichen Strategie widerspricht, dann ist es eine bornierte Standortpolitik und die Unterordnung der Arbeiterinteressen unter die Konkurrenzfähigkeit der Konzerne, nicht aber der internationale Zusammenschluss der Arbeiter.

6. Für ein vollständiges und allseitiges gesetzliches Streikrecht


Dafür tritt die MLPD seit 1974 ein! Was in anderen europäischen Ländern selbstverständlich und zum Teil bereits europäisches Recht ist, nämlich das Recht auf Solidaritätsstreiks, politische Streiks und Generalstreik, ist in Deutschland verboten. Selbst gewerkschaftliche Streiks sind durch die Rechtsprechung ganz eng gefasst. Deshalb sind die Arbeiter gezwungen, in bestimmten Situationen selbständig zu streiken. Für die MLPD als Arbeiterpartei ist es selbstverständlich, nicht nur gewerkschaftliche Streiks vorbehaltlos zu unterstützen, sondern den Arbeitern auch zu helfen, gerade solche selbständige Streiks zu führen! Genau das aber macht der IG-Metall-Vorstand der MLPD zum Vorwurf! Damit stellt er sich aber gegen Hunderttausende Arbeiter, die mit selbständigen Streiks einen Lohnnachschlag durchgesetzt, ihre Arbeitsplätze verteidigt oder gegen die Regierung auf die Straße gegangen sind! Der Vorstand der IGM könnte sich einiges von der Bundeskonferenz der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt abgucken, wo die Forderung nach einem politischen Streikrecht sogar in die Satzung aufgenommen wurde.

7. Für eine grundsätzliche gesellschaftliche Alternative

Karl Marx hat die Arbeiter davor gewarnt, sich nur auf den Kampf innerhalb des Kapitalismus zu beschränken, weil damit nur die Wirkungen, nicht aber die Ursachen bekämpft werden. Er rät den Arbeitern deshalb, "auf ihr Banner die revolutionäre Losung (zu) schreiben: Nieder mit dem Lohnsystem!" (K. Marx, "Lohn, Preis, Profit"). Die MLPD vertritt innerhalb der Gewerkschaften diese revolutionäre Richtung und stößt dabei auf ein wachsendes Interesse in den Betrieben und auf der Straße. Genau das aber ist dem IG-Metall-Vorstand ein Dorn im Auge! Deshalb giftet er besonders gegen die wissenschaftliche Notwendigkeit einer Diktatur des Proletariats im Sozialismus, wie sie von Karl Marx als Alternative zur Diktatur der Bourgeoisie begründet wurde! Die Einschätzung von Stalin oder Mao Tsetung kann genauso wenig wie die Anerkennung und Verteidigung des Kapitalismus in Form der "freiheitlich-demokratischen Grundordnung" zur Voraussetzung der Mitgliedschaft in der IG Metall gemacht werden. Wer dies wie der IG-Metall-Vorstand macht, der zerstört die Überparteilichkeit der Gewerkschaft und verwandelt die IG Metall in eine staatstragende Richtungsgewerkschaft.

8. Verfassungsschutz, reaktionäre und faschistoide Kräfte als Kronzeuge
n

Zur Einstufung der MLPD als "gegnerische Organisation" ist sich der IG-Metall-Vorstand nicht zu schade, auch ultrarechte, dem faschistoiden Lager zugerechnete "Wissenschaftler" als Kronzeugen anzuführen. Originalzitate aus Dokumenten der MLPD werden mit übelsten Geheimdienstquellen vermischt.
Die Verleumdung der MLPD als angebliche "Sekte" kommt aus der Feder des "Bundesamtes für Verfassungsschutz" (BfV) und wird unter anderem damit begründet, dass Stefan Engel seit 1982 Parteivorsitzender ist. Es ist allein Sache der MLPD, wen sie als Vorsitzenden wählt. Stefan Engel ist seit 37 Jahren ununterbrochen Mitglied einer Gewerkschaft. Nach seinem Ausschluss aus der IG Metall ist er aus Protest gegen dieses undemokratische Vorgehen umgehend von den IG Medien, heute Ver.di, aufgenommen worden. Er ist seit seiner Jugend gewerkschaftlich aktiv, war Berater vieler Belegschaften und Kollegen bei Kämpfen und Streiks und hat als MLPD-Vorsitzender dafür gesorgt, dass diese Erfahrungen ausgewertet und der internationalen Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung zur Verfügung gestellt werden. Vom Verfassungsschutz wird jeder verleumdet und als Sonderling dargestellt, der nicht bereit ist, sich mit Pöstchen kaufen zu lassen und sich im kapitalistischen System einzurichten.

9. Welche Rolle spielt der erste Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber?

Der Beschluss zur Bestätigung und Verschärfung des Unvereinbarkeitsbeschlusses gegen die MLPD wurde persönlich von Berthold Huber eingebracht. Berthold Huber war bis 1980 über zwölf Jahre im KABD, einer Vorläuferorganisation der MLPD, organisiert. Er hatte dort auch verantwortliche Funktionen in der Anleitung und Kontrolle der Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit inne. Deshalb weiß er genau, dass das Zerrbild über die MLPD an den Haaren herbeigezogen ist. Würde, wie der IGM-Vorstand behauptet, der demokratische Zentralismus der MLPD ihren Mitgliedern unmöglich machen, Beschlüsse der IGM mitzutragen, hätte Berthold Huber niemals als aktives Parteimitglied zugleich jahrelang Gewerkschaftsfunktionär sein können.
Für die Karriere in der Gewerkschaft hat Berthold Huber nicht nur die Perspektive des Sozialismus verraten, sondern ist dazu übergangen, ihn aktiv zu bekämpfen. Berthold Huber sollte aufhören, sich als Antikommunist über die Herbeiführung solcher Beschlüsse bei wem auch immer anzubiedern. Für solche Ambitionen ist die Einheit der Gewerkschaft zu bedeutend.

10. Der undemokratische Unvereinbarkeitsbeschluss gegen die MLPD muss zurückgenommen werden

Es ist sicher kein Zufall, dass der IG-Metall-Vorstand gerade jetzt die UVB gegen die MLPD verschärft, wo die Krisenhaftigkeit und die Untauglichkeit des Kapitalismus, die grundlegenden Bedürfnisse der Menschheit zu befriedigen, immer offensichtlicher werden. Das Stillhalteabkommen und der Schmusekurs der IGM-Führung mit Kanzlerin Merkel und dem Monopolverband BDI wird mehr und mehr an der gewerkschaftlichen Basis kritisiert. Mit dem eingeleiteten Taktikwechsel zur rigorosen Abwälzung der Krisenlasten durch Regierung und Monopole fürchten die Herrschenden in Deutschland zu Recht Massenkämpfe wie in Griechenland, die zu einer Revolutionierung der Massen beitragen können. Deshalb trifft der Beschluss des IG-Metall-Vorstands auch alle Kolleginnen und Kollegen, die sich für die Gewerkschaften als Kampforganisation einsetzen, die wie die MLPD die Politik der Unterordnung der Gewerkschaften unter das Krisenmanagement von Regierung und Monopole ablehnen und eine gesellschaftliche Perspektive suchen. Wir fordern den IG-Metall-Vorstand auf, im Interesse der Millionen Gewerkschaftsmitglieder und der Stärkung der IG Metall als Kampforganisation den undemokratischen Unvereinbarkeitsbeschluss gegenüber der MLPD zurückzunehmen und dem Beschluss der Delegierten des 21. Gewerkschaftstags endlich nachzukommen.

(Hier kann das Flugblatt als pdf-Datei heruntergeladen oder ausgedruckt werden: im DIN-A-3-Format oder im DIN-A-4-Format)

Quelle

http://www.mlpd.de/2010/verteidigt-und-staerkt-die-ig-metall-als-einheitsgewerkschaft (http://www.mlpd.de/2010/verteidigt-und-staerkt-die-ig-metall-als-einheitsgewerkschaft)


obwohl meine Partei dafür streitet, Mitglied in der IG Metall zu bleiben, habe ich den Verrat der IGM und der anderen DGB Gewerkschaften nicht mehr ausgehalten und auch der Antikommunismus seitens der IGM und die damit verbundene Ausgrenzung ließ mich manchmal glauben, es eher mit Faschisten zu tun zu haben. So ein Mobbing habe ich sonst nie irgendwo erlebt.... kotz


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 16. Juli 2015, 07:30:38
Hier nur eins der vielen jahrelangen Beispiele des Mobbings der IGM und Daimler Führung gegen den kämpferischen Kollegen und Betriebsrat Volker Kraft

 Schallende Ohrfeige für Daimler Untertürkheim: Schwerbehindertenvertreterwahl von 2010 ist unwirksam



Stuttgart (Korrespondenz): Dieses Urteil fällte am 17. Januar die zuständige Kammer des Arbeitsgerichts Stuttgart unter Vorsitz der Richterin Elke Lang nach einem Prozess, der gut ein Jahr dauerte. Volker Kraft – Betriebsratsmitglied der Liste „Offensive Metaller“ und stellvertretender Schwerbehindertenvertreter – und weitere 20 Kollegen, die die Wahl angefochten haben, errangen damit einen wichtigen Erfolg für die gesamte Belegschaft und insbesondere die 1.000 offiziell anerkannten Schwerbehinderten im Werk Untertürkheim.
Die zur Schwerbehindertenvertreterwahl 2010 angetretene Liste um Volker Kraft, der auch für seine Zusammenarbeit mit der MLPD bekannt ist, steht für eine kompetente und kämpferische Schwerbehindertenvertretung, die auch vor einer harten Konfrontation mit der Geschäftsleitung nicht zurückweicht. Sie sollte durch die manipulierte Wahl geschwächt werden. So wurde in einer Nacht- und Nebel-Aktion das Büro des trotz Wahlmanipulation als 4. Stellvertreter gewählten Volker Kraft geräumt und vertrauliche Daten entwendet. Nur um ihn auszuschalten, wurde erklärt, es seien nur noch zwei Stellvertreter nötig, was bei einer Belegschaftsgröße von 20.000 Beschäftigten ein schlechter Witz und vollkommen unüblich ist.
Auf dem gestrigen nun schon 4. Verhandlungstermin brachten Volker Kraft und sein Anwalt Harry Herrmann nochmals die ganze Liste von gravierenden Mängeln und grundlegenden Verstößen bei der Wahl vor. So die nur ihnen verweigerte Einsicht in die Wählerliste, die nicht nur eine wirkliche Wahlwerbung verhinderte, sondern auch die Überprüfung, ob die zur Teilnahme an der Wahl berechtigten Leiharbeiter aufgenommen waren. Darüber hinaus war der Zugang zu den Wahlräumen für Behinderte schwer zugänglich. Eine Schwerbehindertenversammlung, auf der sich die Kandidaten vorstellen konnten, fand erst statt, als die in Form einer Briefwahl durchgeführte schon halb gelaufen war. Die Auszählung wurde vor Ablauf der Wahlfrist begonnen und bei ihr war schließlich die vorgeschriebene Öffentlichkeit nicht wirklich gegeben. Mit diesem letzten Anfechtungsgrund begründete die Kammer des Arbeitsgerichts ihr Urteil.
Es ist vor allem eine schallende Ohrfeige für die Geschäftsleitung des oft übermächtig erscheinenden Weltkonzerns Daimler. Sie stand hinter der unmittelbaren Prozessgegnerin und Schwerbehindertenvertreterin Frau Heidbrink und vertrat diese auch vor Gericht. Frau Heidbrink hat sich nicht nur hergegeben, der Geschäftsleitung Material für Abmahnungen von Volker Kraft und anderen Ersatzbetriebsräten der Liste „Offensive Metaller“ zu liefern. Sie steht mit ihrer auch vom Betriebsratsvorsitzenden Nieke gestützten Klassenzusammenarbeitspolitik eher für eine handzahme Schwerbehindertenvertretung – gegebenenfalls auch auf dem Rücken der Schwerbehinderten selbst.
Nicht umsonst ist selbst die offizielle Zahl der Schwerbehinderten im Werk Untertürkheim seit 2004 von 1.300 auf zirka 1.000 gesunken. Das Hinausdrängen von Schwerbehinderten auch mit der Hilfe willfähriger Schwerbehindertenvertreter ist ein beliebtes Mittel, Arbeitsplätze der sogenannten Stammbelegschaft ohne betriebsbedingte Kündigungen abzubauen und gegebenenfalls mit schlecht bezahlten Leiharbeitern zu besetzen.
Das gestrige Urteil ist jedoch auch eine Niederlage für den Unternehmerverband Südwestmetall, der die unterlegene Daimler AG mit vertreten hat. Es ist damit auch eine wichtige Ermutigung für andere Belegschaften, die um ihre Rechte kämpfen. „Es lohnt sich zu kämpfen“, so brachte es eine Kollegin, die an der Verhandlung teilgenommen hat, auf den Punkt. Und Volker Kraft erklärte gegenüber der „Roten Fahne“ nach dem Prozess: „Das Urteil hat vor allem politische Bedeutung. Die Kollegen verstehen das schon richtig. Nämlich Daimler hat verloren und wir haben gewonnen. Erste Stimmen zeigen mir, dass es ein richtiges Aufatmen gibt, dass die Geschäftsleitung mit ihrer Unterdrückung nicht durchgekommen ist. Das ermutigt viele.“
Das Urteil hat auch deshalb weitere Bedeutung, weil damit von sechs betrieblichen Wahlen bei Daimler Stuttgart im Jahre 2010 drei angefochten sind. Die Betriebsratwahl in der Zentrale musste bereits wiederholt werden. Letzte Woche erklärte das Landesarbeitsgericht als zweite Instanz auch die Wahl der Schwerbehindertenvertreter in der Zentrale rechtskräftig für unwirksam. Mit dem gestrigen Urteil wurde die Schwerbehindertenvertreterwahl im Werk Untertürkheim zum zweiten Mal innerhalb von zehn Jahren für unwirksam erklärt.


Quelle

http://www.mlpd.de/2012/kw03/schallende-ohrfeige-fuer-daimler-untertuerkheim-schwerbehindertenvertreterwahl-von-2010-ist-unwirksam (http://www.mlpd.de/2012/kw03/schallende-ohrfeige-fuer-daimler-untertuerkheim-schwerbehindertenvertreterwahl-von-2010-ist-unwirksam)


oder hier

Daimler Untertürkheim: Volker Kraft mit den meisten Stimmen in die SBV gewählt

Stuttgart (Korrespondenz), 24.11.14: Am 18. November 2014 ergab die Auszählung der Wahl zur Schwerbehindertenvertretung (SBV): mit 209 Stimmen von 401 abgegebenen wurde der Betriebsrat und langjährige SBV-Vertreter Volker Kraft zur "Vertrauensperson" der schwerbehinderten Kollegen gewählt. Herzlichen Glückwunsch!

Dieser Erfolg war hart erkämpft. Denn Daimler und die Betriebsratsspitze wollten genau das verhindern. So gab es seitens der Betriebsratsspitze keine Bereitschaft für ein gemeinsames Vorgehen, wie von Volker Kraft und Kollegen vorgeschlagen. Denn auch bei der SBV-Wahl sollte an der antikommunistischen Gewerkschaftsausschluss-Politik festgehalten werden. Zum ersten Mal schickte auch "Zentrum Automobil e.V." Bewerber ins Rennen, die in der scharfen Kritik stehen, weil Neonazis darin führenden Einfluss haben. Auf die Durchführung der jährlichen Versammlung der Schwerbehinderten wurde verzichtet, wo sich die Kandidaten ihren Wählern vorstellen hätten können.

Die Polarisierung zwischen der Politik des Co-Managements der Betriebsratsspitze sowie der Kritik und kämpferischen Position sollte unterbunden werden. Dies schlug sich in der sehr niedrigen Wahlbeteiligung von nur 37 Prozent nieder und schadete offensichtlich auch den Bewerbern der "IGM-Liste", die allesamt zum ersten Mal kandidierten. Drei von ihnen sowie ein Kandidat von "Zentrum Automobil" wurden als Stellvertreter der Vertrauensperson gewählt.

Nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse zeigten etliche schwerbehinderte Kollegen ihre Freude und Genugtuung, dass mit Volker Kraft ein Vertreter der kämpferischen und klassenkämpferischen Richtung trotz Behinderungen gewonnen hat. In diesem Sinne passt auch, dass die vom Landesgericht für ungültig erklärten SBV-Wahlen von 2010, die wegen Manipulation von 20 Kollegen angefochten wurde, aufgrund der Berufung von Daimler am 18. März 2015 vor dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt verhandelt wird.

(Anm. d. Red.: Durch einen Fehler in der zugeschickten Korrespondenz war im letzten Satz zunächst fälschlicherweise zu lesen, dass der Anwalt von Volker Kraft in Revision gegangen sei.)


Quelle

http://www.rf-news.de/2014/kw48/daimler-untertuerkheim-volker-kraft-mit-den-meisten-stimmen-in-sbv-gewaehlt/?searchterm=volker%20kraft (http://www.rf-news.de/2014/kw48/daimler-untertuerkheim-volker-kraft-mit-den-meisten-stimmen-in-sbv-gewaehlt/?searchterm=volker%20kraft)

unter diesem Link findet man weitere Artikel wie Volker Kraft bekämpft und diffamiert wurde und wird....lest und urteilt selbst!

http://www.rf-news.de/search?SearchableText=volker+kraft (http://www.rf-news.de/search?SearchableText=volker+kraft)



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: schwarzrot am 16. Juli 2015, 07:47:06
2. Starke Einheitsgewerkschaften als Lehre aus der Geschichte

Juhuu! Mit der Mlpd für das 'tarifeinheitsgesetz'!

Dass eine einheitsgewerkschaft (wie alles was zu gross ist, siehe EU, siehe DGB,...) ihre mitglieder viel schlechter, als kleine spartengewerkschaften vertritt, dachte ich wäre hier im forum angekommen.
Aber natürlich nicht bei rappel, der träumt von 'einheitsgewerkschaft', a la DDR, obwohl auch dort jeder sehen konnte, dass die für die interessenvertretung der beschäftigten verheerend ist.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 16. Juli 2015, 08:05:29
Nein,lieber Schwarzrot. Die MLPD lehnt das Tarifeinheitsgesetz ab sowie auch die Klassenzusammenarbeitspolitik der DGB Führung

Siehe hier

 Kritik an „Tarifeinheitsgesetz“ wächst – auch in der IG Metall

Stuttgart (Korrespondenz): Am 21. März fand die Ortsdelegiertenversammlung der IG Metall in Stuttgart statt. Nur ganz knapp verfehlte dort ein Antrag zum Gewerkschaftstag die nötige Mehrheit. Er fordert die IG Metall auf, die Gesetzesvorlage der Bundesregierung zum „Tarifeinheitsgesetz“ als Einschränkung des Streikrechtes zu verhindern. Uwe Meinhardt, der 1. Bevollmächtige der IGM Stuttgart, musste dazu schon seine ganze Rhetorik einsetzen, um eine Mehrheit gegen den Antrag zu bekommen. Er stellte die Spartengewerkschaften als Gefahr für die IG Metall hin, die angeblich in unserem Organisationsbereich „wildern“ würde.

Auf einer gut besuchten Veranstaltung des „Zukunftsforums“ machte der Professor Wolfgang Däubler deutlich, dass die Merkel/Gabriel-Regierung umsetzt, was schon lange zwischen Unternehmerverbänden und den Gewerkschaftsführungen vor allem von IGM und ICBCE ausgehandelt wurde: die kleinen, meist kämpferischen Gewerkschaften sollen kein Recht zum Aushandeln und Erstreiken von Tarifverträgen haben. Gelten soll nur der Tarifvertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern. Damit wird nicht nur das ohnehin auf Tariffragen beschränkte Streikrecht weiter beschnitten, das stellt auch einen Eingriff in das Recht auf Bildung von Koalitionen (Gewerkschaften) dar.

In der Diskussion wurde vertieft, dass die Pläne und Gesetze zur Einschränkung des Streikrechts in der EU auf Forderungen der führenden Konzerne und Banken zurückgehen. Sie reagieren damit auf die Massenproteste und -kämpfe in Südeuropa, aber auch auf Streiks in anderen Ländern. Im Zentrum der Diskussion stand die wachsende Kritik in der IG Metall. Hier muss noch breiter geklärt werden, dass schon allein der Begriff der „Tarifeinheit“ ein Betrug ist. Und zwar von den Kräften, die Arbeiterschaft durch Niedriglöhne sowie Leih- und Werksverträge spalten und angreifen wollen.

Doch was treibt die Gewerkschaftsführer? Ein Redner berichtete, dass der IGM-Tarifabschluss in der Tageszeitung als Ergebnis einer besonnenen Taktik gelobt wurde, im Gegensatz zur „Beton-Streiktaktik“ der GDL. Die Gesetzesvorlage soll also die Klassenzusammenarbeitspolitik stützen. Sie steht aber gerade in der Kritik: unter anderem mit der Petition „Aufstand des gewerkschaftlichen Gewissens: Solidarität mit Bochumer Opelanern!“. Wir brauchen Gewerkschaften als Kampforganisationen – darüber gab es breiten Konsens. Mit großem Interesse wurde der Beitrag eines ver.di-Funktionärs aufgenommen, der davon berichtete, dass nach längerer massiver Kritik von der Basis der Vorstand sich aus den Verhandlungen mit den Unternehmerverbänden zurückziehen und gegen die Gesetzesvorlage positionieren musste.

Dies muss aber in der IGM erst noch konsequent ausgefochten werden – verbunden mit der offensiven Forderung nach einem vollständigen und allseitigen gesetzlichen Streikrecht.


Quelle

http://www.mlpd.de/2015/kw15/kritik-an-tarifeinheitsgesetz-waechst-auch-in-der-ig-metall (http://www.mlpd.de/2015/kw15/kritik-an-tarifeinheitsgesetz-waechst-auch-in-der-ig-metall)


Ob Richtungsgewerkschaften immer schlecht sein müssen, laß ich mal dahingestellt. Ich bin nicht dieser Meinung. Die MLPD kämpft für eine kämpferische Einheitsgewerkschaft wo alle Kollegen sich vereinen gegen die Klassenzusammenarbeitspolitik mit den Bossen. Auch als Lehre der Spaltung der Werktätigen in der Weimarer Zeit und den Faschismus.

Ich persönlich sehe ,daß diverse kommunistische Kollegen schon seid der Gründung des DGB s sozusagen dieses hehre Ziel verfolgten und scheiterten. Die DGB Führung führte die große antikkommunistische Säuberung in der Zeit der Berufsverbote und des Radikalenerlasses durch. Willy Brrandts "Mehr Demokratie wagen" Politik zeigte ihre Früchte......
Der Kampf um den DGB ist meiner Ansicht nach verloren.
trotzdem halt ich es für notwendig,daß alle Kollegen zusammenstehen im Kampf und sich unterstützen. Über weltanschauliche Grenzen sich die Hand reichen in gemeinsamen Aktionen. Einen Finger kann man brechen. 5 Finger sind eine Faust ! ( Ernst Thälmann)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: schwarzrot am 16. Juli 2015, 08:30:08
Nein,lieber Schwarzrot. Die MLPD lehnt das Tarifeinheitsgesetz ab sowie auch die Klassenzusammenarbeitspolitik der DGB Führung
...
Ob Richtungsgewerkschaften immer schlecht sein müssen, laß ich mal dahingestellt. Ich bin nicht dieser Meinung.
Danke für die klarstellung!
Zitat
Die MLPD kämpft für eine kämpferische Einheitsgewerkschaft wo alle Kollegen sich vereinen gegen die Klassenzusammenarbeitspolitik mit den Bossen.
Schade dass ihr nicht 1+1 zusammenzählt: Grosse zentralistisch geführte organisationen, scheissen auf ihre einzelnen mitglieder!
Je grösser eine organisation ist, desto abgehobener ihre führungsriege.
Zitat
Ich persönlich sehe ,daß diverse kommunistische Kollegen schon seid der Gründung des DGB s sozusagen dieses hehre Ziel verfolgten und scheiterten. Die DGB Führung führte die große antikkommunistische Säuberung in der Zeit der Berufsverbote und des Radikalenerlasses durch. Willy Brrandts "Mehr Demokratie wagen" Politik zeigte ihre Früchte......
Der Kampf um den DGB ist meiner Ansicht nach verloren.
trotzdem halt ich es für notwendig,daß alle Kollegen zusammenstehen im Kampf und sich unterstützen. Über weltanschauliche Grenzen sich die Hand reichen in gemeinsamen Aktionen. Einen Finger kann man brechen. 5 Finger sind eine Faust ! ( Ernst Thälmann)
'"Ein Pfeil bricht, zehn Pfeile brechen nicht."  (altes japanisches sprichwort und wohl noch älter als dein 'Thälmann').
Ansonsten hast du recht mit deiner deiner position, dass man kommies und stalinos nicht aus gewerkschaftlichen zusammenhängen ausschliessen sollte, aber kollegen die ständig nerven, muss man das auch mal sagen können.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Hochseefischer am 16. Juli 2015, 18:06:40
Die MLPD kämpft für eine kämpferische Einheitsgewerkschaft wo alle Kollegen sich vereinen gegen die Klassenzusammenarbeitspolitik mit den Bossen. Auch als Lehre der Spaltung der Werktätigen in der Weimarer Zeit und den Faschismus.

Einheitsgewerkschaften unter Führung des Staats? Das hatten wir mal, in der DDR und während der Nazi-Diktatur in Deutschland. Nein, so was kann nicht im Sinne der Erwerbstätigen (und was ist mit den Erwerbslosen?) sein, das kann nur zum Nachteil dieser Gruppen funktionieren. Abgesehen von anderen Grausamkeiten, die es sowohl in der DDR (die Mauer und der Todesstreifen) und während der Nazi-Zeit in Deutschland gab.

Die DDR findest Du, Rappel, natürlich toll. Ich nur im bedingten Maße. In der DDR hätte ich nicht leben wollen. Ich glaube, ich wäre im Knast dort gelandet. Deine RF- und MLPD-Propaganda lese ich erst gar nicht, weil sie mir auf den Keks geht. Aber da wird ja grad in einem anderen Thread drüber geredet.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 16. Juli 2015, 19:04:58
Hochseefischer, ich wünschte die Kritik an Rappels Ansichten wäre fundierter.

Rappel hat nichts davon gesagt, daß der Staat die Gewerkschaften führen soll.
Es mag sein, daß er die DDR verteidigen würde (ich weiß es nicht), aber mal ehrlich, wäre das sooo schlimm? Ich will keine neue DDR, ich schätze jedoch, 90% der griechischen Bevölkerung würde sich heutzutage wünschen unter DDR Bedingungen leben zu dürfen. Und dann kommst du noch mit dem Todesstreifen.  ::) Es ist ein neues Hobby der Freien Westlichen Welt® Mauern zu bauen.  Seit dem Fall der Berliner Mauer wurden weltweit 30 Grenzmauern errichtet oder sind aktuell im Bau. Zusätzliche Mauern werden zwischen armen und reichen Stadtteilen errichtet. Die DDR hat versucht mit ihrer Mauer einen Braindrain zu verhindern, die Auswanderung der gutausgebildeten Menschen, so wie es in allen osteuropäischen und auch südeuropäischen Staaten nun passiert. Das haben zwischen 1961 und 1989 138 Menschen mit ihrem Leben bezahlt.

Und wie sieht es heute mit den Folgen der verheerenden europäischen Einwanderungspolitik aus?

(http://www.br.de/nachrichten/tote-vermisste-fluechtlinge-102.png?version=c9037)

Mindestens 23.000 tote Flüchtlinge seit dem Jahr 2000 bis 2014. 2015 schon 30 mal mehr Tote im Mittelmeer als im Vorjahreszeitraum.

Zitat
Die Gedenkkreuze am Spreeufer neben dem Reichstag sind weg. Eine Künstlergruppe will sie an die EU-Grenze gebracht haben, um auf "neue Mauern um Europa" hinzuweisen.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/protest-gegen-eu-fluechtlingspolitik-in-berlin-aktionskuenstler-entfernen-gedenkkreuze-fuer-mauertote/10923750.html (http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/protest-gegen-eu-fluechtlingspolitik-in-berlin-aktionskuenstler-entfernen-gedenkkreuze-fuer-mauertote/10923750.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Hochseefischer am 16. Juli 2015, 19:27:08
Kuddel, ich kann Deine Kritik an meiner Kritik nachvollziehen. Weiß jetzt grad nicht, was ich da entgegnen sollte, will ich auch nicht. Die innerdeutsche Mauer werde ich aber nicht gutheißen.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 16. Juli 2015, 19:34:50
Ging es hier nicht um Gewerkschaften?


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Hochseefischer am 16. Juli 2015, 19:38:55
Selbstverständlich. Aber so ist das eben: von der Einheitsgewerkschaft zur Mauer zu den Flüchtlingen (auch global betrachtet) und wieder zurück zum Thema.

Ist doch nicht schlimm. Diskussionen im echten Leben führen nicht selten ab einem gewissen Punkt weg vom Hauptthema.

Ist doch kein Schreddern, was wir hier veranstalten. Immer locker bleiben  ;)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 16. Juli 2015, 20:53:49
Immer locker bleiben  ;)


(http://www.smileygarden.de/smilie/Tanzen/smileygarden_tanz_028.gif)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: dagobert am 26. Juli 2015, 17:01:28
Um den anderen Thread (http://www.chefduzen.de/index.php?topic=28852.0) seinem eigentlichen Thema zu überlassen setz ich das mal hier rein.
Naja, ich glaube nicht das ein AG jemanden in einer Gewerkschaft zwangsanmelden kann!

Im Zusammenhang mit den (Un-)christlichen Gewerkschaften hab ich sowas schon mal gelesen.

Es gab auch einen TV Beitrag darüber.

Yep.
http://www.rentenreform-alternative.de/christl-gewerkschaften-mitglieder_frontal21_2-mrz2011.pdf (http://www.rentenreform-alternative.de/christl-gewerkschaften-mitglieder_frontal21_2-mrz2011.pdf)
Zitat
Leiharbeiter in christliche Gewerkschaft gedrängt

http://www.derwesten.de/wirtschaft/leiharbeiter-in-christliche-gewerkschaft-gedraengt-id4388053.html (http://www.derwesten.de/wirtschaft/leiharbeiter-in-christliche-gewerkschaft-gedraengt-id4388053.html)

Hier war das auch schon mal Thema:
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=9351.msg245309#msg245309 (http://www.chefduzen.de/index.php?topic=9351.msg245309#msg245309)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 26. Juli 2015, 17:31:58
Zitat
Nach Einschätzung des Dortmunder Strafrechtlers Tido Park besteht der Verdacht des „gewerbsmäßigen Be­trugs“ durch Artos. Und: „Gewerkschaftsfunktionäre, die sich wissentlich daran beteiligen, begehen jedenfalls eine Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug“.

http://www.derwesten.de/wirtschaft/leiharbeiter-in-christliche-gewerkschaft-gedraengt-id4388053.html (http://www.derwesten.de/wirtschaft/leiharbeiter-in-christliche-gewerkschaft-gedraengt-id4388053.html)

Danke dagobert!
Damit bestätigt sich mein Verdacht, das es sich bei dieser Zwangsanmeldung offenbar um eine Straftat handelt.
Des weiteren muss man leider anmerken, das die meisten LAN wohl nicht dazu gezwungen wurden, sondern wohl zu blöd waren, sich vorher durchzulesen, was sie da unterschreiben.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: dagobert am 26. Juli 2015, 17:44:49
Ich hab noch im Hinterkopf dass es sowas auch ausserhalb der Leiharbeit gab, aber ich hab's noch nicht wiedergefunden.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 26. Juli 2015, 20:21:32
Boah, dieses Pack hat wirklich jegliche Scham verloren...

Zitat
Ein Klima für die Kohle

Große Gewerkschaften trommeln gegen die Energiewende – auch mit Lügen


Die Gewerkschaften haben noch Macht. Monatelang trommelten sie gegen eine Klimaabgabe für alte Kohlekraftwerke, nun wurde der Plan von der Bundesregierung zu den Akten gelegt. Für den Klimaschutz ist das fatal, für die Gewerkschaften zumindest bedenklich.

Die Abgabe entfällt, stattdessen werden einige Kraftwerke in die Reserve genommen. Sie können bei Bedarf wieder hochgefahren werden, die Betreiber bekommen aber schon für den Stand-by-Modus Geld. Weil zudem weniger CO2 gespart wird als mit der Klimaabgabe, will die Bundesregierung die umweltfreundliche Kraft-Wärme-Kopplung und das Energiesparen stärker fördern. Unterm Strich wird es für Strom- und Steuerzahler teurer und für den Klimaschutz noch riskanter.

Das Klimaziel verfehlen

Verantwortlich dafür sind nicht nur Lobbyisten der Kohleindustrie und Unionspolitiker, sondern auch Gewerkschafter mit engem Draht zum SPD-Chef Sigmar Gabriel. Sie sammelten Unterschriften, mobilisierten zur Demo und malten das Schreckgespenst der Deindustrialisierung an die Wand. Überraschenderweise war nicht nur die traditionell kohlefreundliche Energiegewerkschaft IG BCE dabei, sondern auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Unter dem Motto „Für bezahlbaren Strom und gute Arbeitsplätze“ wurden Unterschriften gesammelt. Die Unterzeichner bekennen sich zwar rhetorisch zur Energiewende, sagen aber auch: „Wenn aus ideologischen Motiven Arbeitsplätze aufs Spiel gesetzt werden, dann wehren wir uns mit aller Kraft!“ Was damit gemeint ist, bleibt im Text zwar etwas vage, doch IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis macht daraus keinen Hehl: Er wirbt regelmäßig dafür, dass die Kohlekraftwerke weiterlaufen. Im Zweifel werde Deutschland das Klimaziel eben „um ein paar Jahren verpassen“.

Am Ende sind rund 125.000 Unterschriften zusammengekommen. Unterstützt wurde die Aktion von fast allen DGB-Gewerkschaften. An der Basis war die Begeisterung aber offenbar sehr unterschiedlich: Die IG BCE hat 105.000 Unterschriften gesammelt, in den anderen Gewerkschaften war das Interesse an einem Aufruf gegen die Energiewende offenbar nur gering ausgeprägt. Von Verdi sollen nicht mal 1.000 Mitglieder unterschrieben haben.

Bsirske macht Stimmung

Trotzdem macht Verdi-Chef Frank Bsirske Stimmung gegen die Klimaabgabe. Niemand weiß, warum. Schließlich ist er Grünen-Mitglied...
https://www.freitag.de/autoren/felix-werdermann/ein-klima-fuer-die-kohle (https://www.freitag.de/autoren/felix-werdermann/ein-klima-fuer-die-kohle)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: schwarzrot am 11. August 2015, 14:02:36
Zitat
Hinter den Erwartungen
Studie: Die Gründungsgewerkschaften von ver.di haben durch die Fusion weder an Mitgliedern noch an Kampfkraft gewonnen. Komplexe Struktur erschwert Arbeit

Von Herbert Wulff

Gemeinsam stärker sein. Das wollten die Gewerkschaften Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), Deutsche Postgewerkschaft (DPG), Handel, Banken und Versicherungen (HBV), Deutsche Angestelltengewerkschaft (DAG), und Industriegewerkschaft Medien – Druck und Papier, Publizistik und Kunst (IG Medien), als sie sich 2001 zur Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) zusammenschlossen. Was ist daraus geworden? Ist die »1.000-Berufe-Gewerkschaft« tatsächlich durchsetzungsfähiger als ihre Vorläuferorganisationen? Anja Kirsch von der Berliner FU kommt in einer Studie, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift Industrielle Beziehungen zusammengefasst sind, zum gegenteiligen Ergebnis.

Mehr Menschen wurden durch die Fusion definitiv nicht angesprochen: 1991 zählten die Gründungsgewerkschaften zusammen noch 4,3 Millionen Mitglieder. 2014 war mit gut zwei Millionen weniger als die Hälfte übrig. Gerade in den ersten Jahren nach ver.di-Gründung stieg die Zahl der Austritte an, von 170.990 im Jahr 2001 auf 260.627 drei Jahre später. Die Zahl der jährlichen Eintritte stagnierte hingegen bei rund 100.000. Neben dem Beschäftigungsrückgang in Kernbereichen wie dem öffentlichen Dienst macht Kirsch dafür auch selbstgeschaffene Probleme verantwortlich – zum Beispiel die Unzufriedenheit mit der Einführung des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD).

Dies verweist auf ein weiteres Feld, in dem die vereinte Organisation nicht erfolgreicher wurde: die Tarifpolitik. Verbessert haben sich die Lohnabschlüsse jedenfalls nicht. Vielmehr blieben die von ver.di erreichten Tariferhöhungen in fast allen Jahren unter dem Durchschnitt aller Branchen. Auch eine Annäherung der Abschlüsse in den von ver.di vertretenen Branchen ist nicht festzustellen. Selbst die Beseitigung gewerkschaftlicher Konkurrenz zum Beispiel im Einzelhandel – wo die DAG der DGB-Gewerkschaft HBV früher des öfteren in die Parade fuhr – hat nicht zur Verbesserung der Ergebnisse geführt.
...
http://www.jungewelt.de/2015/08-11/013.php (http://www.jungewelt.de/2015/08-11/013.php)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 11. August 2015, 18:35:39
Die DGB Gewerkschaften verarschen ihre Mitglieder auch vorsätzlich.
Hier mal ein gravierendes Beispiel der IG Metall und ihres breit angekündigten Aktionstages..


IG-Metall-Aktionstag gegen Werkverträge in Automobil-Betrieben



11.08.15 - Am 24. September sollen bundesweit Kundgebungen der IG Metall gegen die "missbräuchliche Anwendung von Werkverträgen in der Automobilindustrie" vor den Betrieben sogenannter OEM-Standorte stattfinden (Original Equipment Manufacturer = Originalausrüstungshersteller). Während in den meisten Branchen damit bestimmte Zulieferer gemeint sind, ist in der Automobilindustrie OEM die übliche Bezeichnung für die Fahrzeughersteller selbst, also für BMW, Ford, Daimler etc. Dazu gehören auch die großen Zulieferfirmen (Bosch, Schäffler usw.) Sie kaufen von anderen Herstellern Produkte bzw. Dienstleistungen, integrieren sie in ihre Autos und verkaufen sie unter dem eigenen Namen weiter.

In mehr als einem Drittel aller Betriebe der Autoindustrie werden zurzeit Werkverträge eingesetzt. Bei BMW in Leipzig wird ca. 30 Prozent der Arbeit von Fremdfirmen geleistet. Auch in vielen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen werden Werkverträge eingesetzt. In der Zentrale von Daimler z.B. arbeiten 25 Prozent aller Beschäftigte auf der Basis von Werkverträgen. Zum Teil werden von den Konzernen extra Firmen geschaffen, mit denen sie dann Werkverträge abschließen.

Die Werkvertrags-Arbeiter haben in der Regel schlechtere Arbeitsbedingungen, erhalten oft weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld und auch keine bezahlten Überstunden. Außerdem sind sie weitgehend rechtlos, z.B. was den Kündigungsschutz betrifft. Sie können deshalb auch leichter zu Streikbrecherarbeiten gezwungen werden. Die Werksverträge werfen ein Schlaglicht auf die Menschenverachtung des kapitalistischen Profitsystems – das gehört ins Zentrum der Kritik. Der bundesweite Aktionstag der IG Metall kann gut dazu genutzt werden, den Kampf gegen den Einsatz von Werkverträgen und die Leiharbeit zum Zwecke des Lohnabbaus und der Spaltung der Arbeiter weiterzuentwickeln.

Deshalb sollte der geplante Aktionstag breit bekannt gemacht werden. Es ist notwendig, in den Betrieben, einzelnen Abteilungen und gewerkschaftlichen Versammlungen darüber zu diskutieren und zu beraten, wie ein mächtiger Aktionstag in der Autobranche mit Aktionen bis zu Streiks und Kundgebungen an allen Standorten geplant und vorbereitet werden kann (mehr dazu in der an diesem Freitag erscheinenden Druckausgabe der "Roten Fahne" - sie kann hier bestellt werden).
 
Quelle

http://www.rf-news.de/2015/kw33/ig-metall-aktionstag-gegen-werkvertraege-in-automobil-betrieben (http://www.rf-news.de/2015/kw33/ig-metall-aktionstag-gegen-werkvertraege-in-automobil-betrieben)


Wir alle wissen, daß der DGB durch die Unterzeichung von Tariverträgen mit Zeitarbeitsmenschenhändlern Equal Pay verhindert hat. Der aufmerksame Frumskollege erinnert sich sicherlich auch daran, daß der DGB eigene Zeitarbeitsfirmen unterhält und sogar in einigen Streikaktionen zugleich über deren eigenen Zeitarbeisfirmen das Streikbrecherpersonal geliefert wurde kotz

Diese Heuchelei ist zum Kotzen. Ich selbs war jahrelang IG Metall Mitglied und arbeitete auch eine zeitlang im Logistikbereich eines großen Automobilkonzernes. Die dortigen IG Metallbetriebsräte waren nicht willens was gegen Outsorcing und Zeitarbeit zu machen. Im Gegenteil wurden sogar von einem BetriebsratsIG Metaller mit SPD Parteibuch Zeitarbeiter angeschwärzt und somit wurden sie gekickt. Auch kam da nichts mit "Equal Pay"....mein Arbeitsbereich war ja schon zu einem Dumpinglohn ausgegliedert an einem Logistikunternehmen. Direkt beim Automobilkonzern hätte ich für die gleiche berufliche Tätigkeit mehr als das Doppelte erhalten....Danke DGB....Danke IG Metall.... >:(


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 15. August 2015, 09:16:04
Im Mai hat die IWW Bremen mit dem Journalisten Peter Nowak eine Veranstaltung zur Gefangenengewerkschaft, Bundesweite Organisation (GG/BO) gemacht.
Für all die, die den Vortrag verpasst haben bieten wir nun einen Tonmitschnitt zum Nachhören an:

http://iww-bremen.org/blog/2015/07/22/tonmitschnitt-gewerkschaft-hinter-gittern/ (http://iww-bremen.org/blog/2015/07/22/tonmitschnitt-gewerkschaft-hinter-gittern/)


weitere Infos zu den Wobblies

www.wobblies.de (http://www.wobblies.de)



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 15. August 2015, 17:13:47
Gewerkschaften starten Kampagne gegen "Union Busting"


15.08.15 - Mulberry ist ein britisches Unternehmen, das Luxusgüter wie Ledertaschen produziert. Stolz proklamieren sie ihre "unternehmerische Sozialverantwortung" (CSR). In ihrem Verhaltenskodex zu globalen Beschaffungsprinzipien ist zu lesen, dass Zulieferer die Rechte der Beschäftigten respektieren müssen, Vereinigungen beizutreten oder solche zu gründen (wie Betriebsräte, Gewerkschaften oder anderen ArbeiterInnen-Vertretungen). Klingt gut, oder?

Außer dass es nicht stimmt. Eine von Mulberrys wichtigsten Zulieferfirmen, SF Leather aus der Türkei, verfolgt derzeit eine Kampagne zu gnadenlosem ‚union busting‘. In den vergangenen Wochen hat das Unternehmen 14 GewerkschafterInnen entlassen und ihnen ihren Job unter der Bedingung neu angeboten, dass sie ihre Gewerkschaftsmitgliedschaft kündigen. Es hat gefordert, dass ein lokales Gericht ein Gewerkschaftstransparent beschlagnahmt und die Gewerkschaft daran hindert, Material zu ihren Aktionen online zu vertreiben. Und sie haben sogar eine Schadensersatzforderung gegenüber der Gewerkschaft eingereicht. Soviel zur sozialen Unternehmensverantwortung. Die Gewerkschaft (Deriteks) und ihr globaler Dachverband (IndustriALL) rufen auf zu einer massiven Online-Kampagne, die ein klares Signal an Mulberry und SF Leather sendet: Nein zu 'union busting'! Bitte nehmen Sie sich einige Minuten Zeit, um heute Ihre Nachricht an Mulberry und SF Leather zu senden: http://www.labourstartcampaigns.net/show_campaign.cgi?c=2809 (http://www.labourstartcampaigns.net/show_campaign.cgi?c=2809) Und bitten Sie Ihre Freunde, Familie und GewerkschaftskollegInnen dies ebenso zu tun.

Vielen Dank! Eric Lee


Quelle

http://www.rf-news.de/2015/kw33/britische-gewerkschaften-starten-kampagne-gegen-union-bustingf-gegen-die-unterdrueckung-von-gewerkschaftsarbeit (http://www.rf-news.de/2015/kw33/britische-gewerkschaften-starten-kampagne-gegen-union-bustingf-gegen-die-unterdrueckung-von-gewerkschaftsarbeit)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 01. September 2015, 21:41:52
Wer hat nochmal Equal Pay verhindert und die Schandverträge mit den Menschenhändlern unterzeichnet?
Wer unterhält selber Zeitarbeitsfirmen und hat sogar schon bei Streiks das Streokbrecherpersonal gestellt? Nur so zur Erinnerung wie der DGB Lügt und Heuchelt!



Aus: Ausgabe vom 02.09.2015, Seite 8 / Ansichten

Nur im Konflikt
IG Metall will Werkverträge regulieren
Von Daniel Behruzi


Werkverträge sind die neue Leiharbeit. Seit Gesetze und Tarifverträge die Ausbeutung von Leiharbeitern etwas schwieriger machen, haben die Unternehmen rasch umgeschaltet: Die Zahl der Leiharbeitsverhältnisse ging zuletzt leicht zurück, die der Beschäftigten in Werkvertragsfirmen steigt kontinuierlich an. Schätzungen zufolge arbeiten mittlerweile rund 2,2 Millionen Menschen in dieser »Branche«. Sie dient dem gleichen Zweck wie in der Leiharbeit: dem Lohndumping. Einst von Stammkräften unter tariflichen Bedingungen ausgeführte Tätigkeiten werden an zumeist tarif- und betriebsratslose Fremdfirmen vergeben. Verschlechterte Arbeitsbedingungen und Einkommen sind ebenso die Folge wie die Untergrabung gewerkschaftlicher Macht.

Die IG Metall will dieses Problem nun angehen. Das ist gut. Am 24. September will sie die Belegschaften der großen Automobilhersteller zu Protesten mobilisieren. Wie schon in der Auseinandersetzung um die Leiharbeit setzt die Industriegewerkschaft damit ihre Organisationsmacht unter den Stammbeschäftigten ein, um die Prekarisierung zu begrenzen. Allerdings wiederholt die IG Metall auch ihre politische Strategie: Werkverträge sollen – wie die Leiharbeit – »reguliert«, das durch sie verursachte Lohndumping begrenzt werden. Davon, die Mobilisierungsfähigkeit der Kernbelegschaften zu nutzen, um Outsourcing zu verhindern, ist keine Rede. Als die Bremer Daimler-Arbeiter das kürzlich auf eigene Faust versuchten, ließ die IG-Metall-Spitze sie im Regen stehen (siehe jW vom 14. Juli 2015).

Die konkreten Forderungen sind wachsweich formuliert. Erkennbar vermeidet es die Gewerkschaftsführung, über den Koalitionsvertrag von Union und SPD hinaus zu gehen. Eigentlich wollte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) noch in diesem Jahr ein Gesetz gegen den Missbrauch von Werkverträgen auf den Weg bringen. Inzwischen ist nur noch von der Veröffentlichung einer Vorlage die Rede. Der Druck von Konzernen und Konservativen zeigt Wirkung. Eine weitere – wenn auch halbherzige – Beschränkung des Niedriglohnsektors wie bei der Leiharbeit ist nicht gewünscht.

Die Metallergewerkschaft wäre schon mit wenig zufrieden. Werkverträge sollen gegenüber Leiharbeit und Solo-Selbständigkeit besser abgegrenzt, Betriebsräte über den Einsatz von Werkvertragsfirmen und die dortigen Bedingungen unterrichtet werden. Von einem erzwingbaren Vetorecht zur Verhinderung von Fremdvergaben spricht man lieber nicht. Will die IG Metall mehr als nur kosmetische Veränderungen, wird großer Druck nötig sein. Ein symbolischer Aktionstag, die Anmietung von Plakatwänden und Appelle der Gesamtbetriebsratschefs werden nicht reichen. Um die Bosse von ihrer Niedriglohnstrategie tatsächlich abzubringen, sind harte betriebliche Konflikte unausweichlich. Ob die IG Metall und vor allem die Betriebsratsspitzen angesichts ihrer sozialpartnerschaftlichen Ausrichtung dazu bereit sind, muss sich erst noch erweisen.

Quelle

https://www.jungewelt.de/2015/09-02/048.php (https://www.jungewelt.de/2015/09-02/048.php)



Aus: Ausgabe vom 02.09.2015, Seite 5 / Inland

Fremdfirmen unter der Haube
Studie der IG Metall belegt enormen Zuwachs von Werkverträgen. Reguläre Beschäftigung wird dadurch verdrängt. Gewerkschaft ruft zu Protest auf
Von Simon Zeise


Es sei »immer das Gleiche«, sagte der zweite IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann am Dienstag. »Wenn ein neuer Arbeitgeberpräsident sein Amt antritt, hat er einen Freischuss.« Arndt Kirchhoff hatte am Montag  als neuer Präsident des »Arbeitgeberverbandes Metall und Elektroindustrie« Nordrhein-Westfalens erst mal niedrigere Einstiegsgehälter für die Branche gefordert. Hofmann hielt dagegen. Mit 14,65 Euro pro Stunde kämen die Auszubildenden lediglich auf ein Nettogehalt von rund 2.000 Euro – und das in einer Hochprofitbranche, so Hofmann. Zusammen mit dem geschäftsführenden IG-Metall-Vorstandsmitglied Christiane Benner stellte er in Berlin eine Studie zur Entwicklung von Werkverträgen vor.

Die IG Metall hat 4.000 Betriebsratsvorsitzende gefragt, welche Auswirkungen Werkverträge auf das Betriebsklima haben. Mehr als zwei Drittel der entsprechenden Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie haben Tätigkeiten ausgegliedert. Das Outsourcing greift nicht nur in der Verwaltung oder in der Betriebskantine, vielmehr sind Kernbereiche der Wertschöpfungskette betroffen. Plastischer veranschaulichte es Benner: »Unter der Motorhaube eines Autos steckt mittlerweile die Arbeit Dutzender Fremdfirmen und Zulieferer.« Beschäftigte arbeiteten für denselben Betrieb und an den gleichen Produkten, aber zu unterschiedlichen Bedingungen, sagte Benner. »Fremdvergabe bedeutet oft Verlust von Tarifverträgen und Mitbestimmung. Das bedroht jahrzehntelang erkämpfte Arbeitnehmerrrechte und damit jeden einzelnen Beschäftigten«, sagte Benner. Dabei gelte: Je größer der Betrieb, desto mehr Arbeiter werden ausgelagert. In Fabriken mit mehr als 1.000 Mitarbeitern sind es 34 Prozent der Beschäftigten.

Jedes fünfte Unternehmen vergibt inzwischen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten fremd. Ingenieure entwickeln nicht mehr Produkte und Prozesse , sondern kontrollieren nur noch die eingekauften Dienstleistungen. »Langfristig riskieren Unternehmen mit Werkverträgen, auch ihre Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit auszulagern«, so Benner weiter.

Auch die Logistik-Tätigkeiten würden in großem Stil ausgegliedert, in großen Konzernen mit bis zu 41 Prozent. Gleichzeitig wachsen die Logistik-Dienstleister immer näher an die Produktion heran. Sie übernehmen etwa die Wartung, Reinigung und Bestückung von Maschinen oder montieren komplette Fahrzeugmodule, die dann an die Produktionsbänder angeliefert werden.

Dabei heiße Auslagerung heute nicht, dass ein Werkvertrag tatsächlich irgendwo draußen vor den Fabriktoren erbracht werde. »Immer häufiger erledigen in denselben Werkhallen Beschäftigte vom beauftragenden Betrieb und Beschäftigte der Werkvertragsfirmen die gleiche Arbeit«, so Benner. Doch die Unterschiede zwischen ihnen sind enorm. Entgelt, Prämienzahlungen, Urlaubsansprüche, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Wochenarbeitszeiten, Altersabsicherung, Arbeits- und Gesundheitsschutz bis hin zu unterschiedlichen Essenspreise in der Werkskantine. 22 Prozent der befragten Betriebsratsvorsitzenden gaben an, dass die Zahl der Werkverträge weiter anwachse.

Der Anteil der Betriebe, die Stammarbeitsplätze so zerstörten, sei in den letzten drei Jahren um fast ein Drittel auf 13 Prozent angestiegen. Bei Großbetrieben über 1.000 Beschäftigten wurden sogar in 20 Prozent der Fälle Stammarbeitsplätze durch Werkverträge ersetzt.

Die Arbeiter in einer Firma wissen oft gar nicht, zu welchem Betrieb ihre Kollegen gehören. Ein Viertel der Befragten hatten keine Informationen über die Gehälter und Arbeitsbedingungen, die in den Werkvertragsfirmen herrschten. Aber eines ist klar: in 73 Prozent der bekannten Fälle gilt, dass die Konditionen für Outgesourcte schlechter sind. Da es keine handhabbare gesetzliche Grundlage gebe, darüber überhaupt Informationen zu erhalten, hätten die IG-Metall-Betriebsräte umständliche Recherchen anstellen müssen. Teilweise mussten sich die Kollegen einzelne Lohnzettel zeigen lassen.

Jörg Hofmann konstatierte, dass es mittlerweile eine Mehrklassengesellschaft in einem Betrieb gebe. Beispielsweise herrschten in der Kontraktlogistik zwischen den einzelnen Arbeitsprozessen drei unterschiedliche Niveaus. Ein tariflich abgesicherter Materialversorger erhalte 15,90 Euro pro Stunde. Sein outgesourcter Kollege 11,74 Euro – wenn er das Glück hat, dass sein Unternehmen einen Speditionstarifvertrag anwendet. Bei denen, wo das nicht der Fall ist, bewegt sich das Entgelt am Rande des Mindestlohns von 8,50 Euro. Vor dessen Einführung wurden etwa bei Daimler Werkverträge mit einer Vergütung von 7,51 Euro angewendet.

Die IG Metall geht gegen den »Missbrauch von Werkverträgen« vor. Im letzten halben Jahr hat sie in der Sparte Kontraktlogistik 15 Betriebsratsgremien bei entsprechenden »Fremdunternehmen« gegründet und dadurch 3.000 neue Mitglieder gewonnen. 50 Firmentarifverträge konnten durchgesetzt werden, was für die dortigen Beschäftigten ein Lohnplus von 20 Prozent einbrachte. Mit der Bayerischen Motorenwerke GmbH (BMW) haben die Metaller sich auf ein »Memorandum of Understanding« verständigt, das nur noch Werkverträge als IG-Metall-Tarifvertrag vorsieht. Für den 24. September hat die IG Metall einen bundesweiten Aktionstag an allen Autofabriken ausgerufen.
Quelle

https://www.jungewelt.de/2015/09-02/057.php (https://www.jungewelt.de/2015/09-02/057.php)



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 02. September 2015, 19:28:39
Aus: Ausgabe vom 03.09.2015, Seite 5 / Inland

Zoff mit dem Ziehsohn
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer schließt interne Kritiker wegen säumiger Beiträge aus. Beide Seiten bewerten Ergebnis der Urabstimmung höchst unterschiedlich
Von Katrin Küfer


Es ist Alltag und in der Regel keine Meldung wert, dass eine Gewerkschaft beitragssäumige Mitglieder nach einem Mahnverfahren ausschließt. Nicht alltäglich sein dürfte indes der jetzt verkündete und mit »hohen Beitragsrückständen« begründete Ausschluss des ehemaligen Vorsitzenden Manfred Schell und vier anderer Mitglieder, darunter drei ehemalige Vizebundesvorsitzende, aus der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL).

»Wer trotz mehrfacher Aufforderung seinen Beitragszahlungen nicht nachkommt, hat keinen Anspruch auf Mitgliedschaft. Dies gilt für jeden«, begründete GDL-Vize Norbert Quitter diesen drastischen Schritt und verwies auf »nicht gezahlte Beiträge im fünfstelligen Bereich«. Schell widersprach und will notfalls auch gerichtlich gegen den Ausschluss vorgehen. Er und andere Ausgeschlossene hätten alle Monatsbeiträge »bis zur Stunde gezahlt«. Es gehe ausschließlich um Sonderbeiträge für die Mitgliederschulung, über deren Verwendung man bislang keinen Nachweis bekommen habe. »Bis heute hat noch keine Schulung stattgefunden«, bemängelte Schell.

Schell hatte bis zu seiner Pensionierung 2008 knapp zwei Jahrzehnte lang die GDL geführt und auf der Zielgeraden seiner Karriere in einer langen Streikbewegung bundesweit für Aufsehen, Solidarität und Polarisierung gesorgt. Anfang 1990 hatte er noch vor der gewerkschaftlichen Konkurrenz in der sich auflösenden DDR interveniert und den Grundstein dafür gelegt, dass die GDL rasch eine breite Mehrheit der Lokführer bei der Deutschen Reichsbahn (Ost) in ihren Reihen organisierte. Den damals zur GDL stoßenden jungen Dresdener Lokführer Claus Weselsky, der bald in den Hauptvorstand gewählt wurde, hatte Schell um die Jahrtausendwende in die Gewerkschaftszentrale nach Frankfurt am Main geholt und über Jahre als »Kronprinz« und Nachfolger aufgebaut. Beide verbindet die CDU-Mitgliedschaft und konservative Ansichten in gesellschaftspolitischen Fragen.

Doch nach Weselskys Antritt als GDL-Chef kühlte das herzliche Verhältnis zwischen dem GDL-Ehrenvorsitzenden Schell und seinem »Ziehsohn« rasch ab. 2013 meldete sich die von Schell und anderen initiierte interne Oppositionsgruppe »Initiative für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der GDL« zu Wort. Ein Auslöser: Damals wurden Sven Grünwoldt und Thorsten Weske, beide von der Generalversammlung (GV) 2012 für die Amtsperiode bis 2017 gewählte stellvertretende Bundesvorsitzende, sowie führende regionale Köpfe der GDL quasi über Nacht aus ihren Positionen entfernt. Die Initiative sprach von einer »Säuberungsaktion« mit »zahlreichen Regel- und Satzungsverstößen«. Die Absetzung von Grünwoldt und Weske sei rechtswidrig, urteilte das Frankfurter Landgericht im Frühjahr 2015. Somit muss die GDL-Kasse nach Stand der Dinge deren Vergütungsansprüche auch für die Restlaufzeit bis zur nächsten ordentlichen GV 2017 begleichen. Nach Schätzungen der Oppositionsgruppe belaufen sich die aus Gerichtsverfahren erwachsenen Kosten auf gut eine halbe Million Euro.

Dem Konflikt dürften in erster Linie nicht persönliche Eitelkeiten, sondern tiefere Differenzen zu Grunde liegen. So kritisiert die Initiative heftig das in der Urabstimmung am Dienstag nach langem Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn bestätigte Schlichtungsergebnis. 94 Prozent der befragten Mitglieder votierten für den Tarifabschluss. »Es zeigt, dass das Zugpersonal in hohem Maße solidarisch ist und geschlossen hinter der GDL und ihren tarifpolitischen Zielen steht. Klarer könnte das Mandat nicht sein«, kommentierte Weselsky das Ergebnis.

Die GDL habe mit ihren starken, durch finanzielle Opfer der streikwilligen Mitglieder getragenen Arbeitsniederlegungen lediglich das erreicht, was das DGB-Mitglied Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ohne Streik vereinbart habe, kritisierte hingegen der nun ebenfalls aus der GDL ausgeschlossene Hamburger Lokführer Volker Siewke. »Nach 419 Stunden Streik und aufwendiger Schlichtung hat die GDL kaum mehr als eine Übernahme des EVG-Tarifs erreichen können«, heißt es auf der Internetseite der Oppositionsgruppe. Mit der Zustimmung zu einer bis 2020 geltenden Regelung, wonach ein verbindliches Schlichtungsverfahren auch von nur einer der Tarifparteien eingeleitet werden kann, habe Weselsky der Deutschen Bahn ein Werkzeug in die Hand gegeben, um angekündigte Streiks durch Einleitung eines Schlichtungsverfahrens zu unterbinden. Der GDL-Chef und seine Anhänger hätten »die Möglichkeit zum kritischen Dialog innerhalb der GDL zugrunde gerichtet«, so Siewke. Schell sieht durch das jüngste Schlichtungsergebnis ein unter seiner Regie 2008 errungenes Alleinstellungsmerkmal zerstört. Damals wurde der GDL auf Grund ihres hohen Organisationsgrades die alleinige Tarifführerschaft für alle DB-Lokführer zugesprochen, während der jüngste GDL-Abschluss zwar für mehr Berufsgruppen, aber nur noch für die in der GDL organisierten Beschäftigten gilt.

Quelle

https://www.jungewelt.de/2015/09-03/022.php (https://www.jungewelt.de/2015/09-03/022.php)



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 23. September 2015, 12:34:01
Und ewig grüßt das Murmeltier.
Und wieder wurde ein Arbeiterverräter an die Gewerkschaftsspitze gewählt.
Zitat
Wahlsieg auf dem Bundeskongress
Bsirske bleibt an der Verdi-Spitze

Frank Bsirske steht für weitere vier Jahre an der Spitze der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

([url]http://www.tagesspiegel.de/images/verdi-bundeskongress-bsirske-wiedergewaehlt/12355730/1-format14.jpeg[/url])

Frank Bsirske ist am Dienstag zum fünften Mal an die Spitze der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gewählt worden. Von den gut 900 Delegierten des Bundeskongresses stimmten 88,5 Prozent für Bsirske, bei der letzten Wahl 2011 hatte Bsirske mehr als 94 Prozent der Stimmen bekommen.
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/wahlsieg-auf-dem-bundeskongress-bsirske-bleibt-an-der-verdi-spitze/12355680.html (http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/wahlsieg-auf-dem-bundeskongress-bsirske-bleibt-an-der-verdi-spitze/12355680.html)

Scheißegal wie weit der Typ in den Arsch des Kapitals kriecht, scheißegal ob der den Streik der Postler verrät und abwürgt, er wird wiedergewählt.
Wer an die Reformierbarkeit der Gewerkschaften glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen. X(


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Fritz Linow am 23. September 2015, 14:55:22
Ich zitiere mal aus dem Tagesprotokoll des Verdi-Bundeskongresses:

Der Kongressleiter:
Zitat
Ich kann dem Kongress erklären, dass der Kollege Frank Bsirske vorgeschlagen ist. Jetzt kommt die Frage an den Kongress, die in der Vergangenheit immer für Heiterkeit gesorgt hat: Gibt es weitere Vorschläge? - Ich stelle fest: Das ist nicht der Fall.

Bsirske scheint alternativlos zu sein, die Basis ist eingeschüchtert. Als Stellvertreterin wurde Andrea Koszic (die mit dem guten Ergebnis beim Poststreik) gewählt.

Koszic:
Zitat
Ich war schon immer eine überzeugte Gewerkschafterin, aber das letzte halbe Jahr hat diese Überzeugung noch viel tiefer in mich hinein gebrannt. Immer schon war mir klar, dass Gewerkschaften etwas Gutes sind. Heute weiß ich, dass diese Demokratie ohne Gewerkschaften keine Zukunft hat, Kolleginnen und Kollegen. (Beifall)


Spätestens nach dem Poststreik weiß man, dass eine Gewerkschaft ohne Demokratie hoffentlich auch keine Zukunft hat.
Der ganze Kongress scheint ein Abnicken des Zentralismus zu sein. Die bisherigen Protokolle geben ganz interessante Einblicke, sind allerdings auch sehr umfangreich.

http://www.file-upload.net/download-10928190/Tagesprotokoll-vom-21.09.2015.pdf.html (http://www.file-upload.net/download-10928190/Tagesprotokoll-vom-21.09.2015.pdf.html)
http://www.file-upload.net/download-10928187/Tagesprotokoll-vom-22.09.2015.pdf.html (http://www.file-upload.net/download-10928187/Tagesprotokoll-vom-22.09.2015.pdf.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Fritz Linow am 23. September 2015, 21:26:50
Mal was aus der Betriebsfibel von Berni Kelb, 1971, und immer noch aktuell:
Zitat
Die Gewerkschaftsführung soll die Macht der Mitglieder gegenüber dem herrschenden System verkörpern. Tatsächlich verkörpert sie aber Macht über die Mitglieder. Für das herrschende System. Sie ist ein Teil des herrschenden Systems geworden. Sie faßt sich eingestandenermaßen als »Ordnungsfaktor« auf, als Stütze der Gesellschaft. Die Macht der Führung über die Mitglieder, von denen sie eigentlich abhängig ist, beruht auf manipuliertem Vertrauen.Dafür wird der hauptamtliche Funktionär bezahlt. Das ist sein Job. Er hat dafür zu sorgen, daß dieses blinde Vertrauen erhalten bleibt. Mit allen Mitteln. Wenn es sein muß, mit List und Betrug. Aufmerksame, mißtrauische Mitglieder gefährden diese Macht.
https://syndikalismus.files.wordpress.com/2010/04/betriebsfibel.pdf (https://syndikalismus.files.wordpress.com/2010/04/betriebsfibel.pdf)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 24. September 2015, 00:17:51
Die Gewerkschaften werden von einer gut verdienenden Funktionärsschicht kontrolliert, die ihr Einkommen aus der Unterdrückung des Klassenkampfs im Interesse der herrschenden Klasse bezieht. Durch Mitbestimmungs- und Betriebsverfassungsgesetz in ein engmaschiges korporatistisches Netz eingebunden, haben sie in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine Schlüsselrolle dabei gespielt, die ehemalige DDR-Industrie abzuwickeln, Arbeitsplätze abzubauen, das Lohnniveau zu senken und einen Niedriglohnsektor aufzubauen, ohne dass es zu sozialen Erhebungen kam. Obwohl die Mitgliederzahl des DGB seit der Wende um die Hälfte gesunken ist, hat sich das Einkommen der Funktionäre erhöht. Politisch und finanziell eng mit Wirtschaft und Staat verbunden, sind sie gegenüber dem Druck der Mitglieder weitgehend immun.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 24. September 2015, 09:08:27
Dazu passend auch diese Nachricht

Großbritannien: General droht Jeremy Corbyn im Falle eines Wahlsieges mit Putsch


Der neue Chef der britischen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, der bei den nächsten Wahlen in fünf Jahren Premierminister werden könnte, verfolgt eine Politik, die stark von den politischen Dogmen des Westens abweicht. Weil er sich gegen die Erneuerung des britischen Nuklearprogramms ausspricht und einen NATO-Austritt Großbritanniens ins Spiel bringt, drohte ein namentlich nicht genannter General der britischen Streitkräfte in der Sunday Times Corbyn nun mit einer „Meuterei“, falls dieser Regierungschef wird. Die offenen Putschdrohungen belegen abermals, dass sich die Demokratie in Europa im fortgeschritten Stadiums des Zerfalls befindet.

Um die Demokratie in Europa ist es nur soweit gut bestellt, wie diese sich in Bahnen bewegt, die den Interessen der Wirtschafts- und Finanzelite nicht zuwider laufen. Was passiert, wenn sich ein Volk in Wahlen für einen anderen Weg, als den vom Mainstream vorgegeben, entscheidet, konnte erst vor wenigen Monaten eindrucksvoll am Beispiel Griechenlands beobachtet werden. Über 60 Prozent der Griechen stimmten gegen neue Sparauflagen der Troika. Im Ergebnis zwang die Euro-Gruppe die griechische Regierung genau diese Sparauflagen in verschärfter Form umzusetzen.

Seit der Wahl Jeremy Corbyns zum neuen Vorsitzenden der britischen Labour-Partei wächst auch auf der Insel die Hoffnung auf einen politischen Wandel. Corbyn fordert nicht nur die Abschaffung von Studiengebühren und die Verstaatlichung des Energie- und Eisenbahnsektors, auch steht der Brite für eine pazifistische Außenpolitik. Selbst ein NATO-Austritt Großbritanniens ist dabei kein Tabu. Corbyn beteiligte sich einst selbst an Demonstrationen gegen den Irak-Krieg, verurteilt offen die Kriegsverbrechen Israels und sieht sich in der Folge massiven Hetzkampagnen in den etablierten Mainstream-Medien ausgesetzt. Auch das deutsche ZDF und sogar die SPD beteiligten sich bereits an der Hatz auf Corbyn.

Eine neue Qualität erreicht die Kampagne gegen den frisch gewählten Labour-Chef nun durch die Veröffentlichung eines Interviews mit einem namentlich nicht genannten General der britischen Armee in der Sunday Times. Der General verkündete, dass die bewaffneten Streikräfte Großbritanniens jeden „in die Schranken weisen“ würden, der es wagt, die Truppe „zu entmannen oder zu verkleinern“.

Im weiteren Gespräch machte der General deutlich, dass dabei jedwede Mittel angewendet werden können und benutzte sogar den Begriff „Meuterei“, was als eine offene Putsch-Drohung verstanden werden kann.

Natürlich kann die Authentizität der Quelle qua Anononymität nicht belegt werden. Auch ein Sprecher Corbyns ließ wissen, dass solch anonyme Verlautbarungen grundsätzlich nicht von der Parteiführung kommentiert werden.

Doch ist es fast zweitrangig, ob in britischen Militärkreisen derartige antidemokratischen Haltungen tatsächlich verbreitet sind, oder ob die Drohungen „lediglich“ von der Mainstream-Presse lanciert wurden, um die britische Wählerschaft einzuschüchtern und Corbyn und seine Anhänger zu demoralisieren. Das Ergebnis bleibt dasselbe:

Im Europa der Banken und Konzerne hat jeder zu wissen, dass er bekämpft wird, sobald er sich gegen das vorherrschende politische Dogma des Neoliberalismus, der Austerität und der aggressiven Militärpolitik wendet. Auch und gerade wenn ein solcher politischer Wandel demokratisch legitimiert ist.

Quelle

http://www.rtdeutsch.com/32562/international/grossbritannien-general-droht-jeremy-corbyn-im-falle-eines-wahlsieges-mit-putsch/ (http://www.rtdeutsch.com/32562/international/grossbritannien-general-droht-jeremy-corbyn-im-falle-eines-wahlsieges-mit-putsch/)



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 24. September 2015, 10:34:42
Oh mann dieser Verschwörungsmüll von RTdeutsch!
Was für ein Schwachsinn!
Nicht genannter britischer General! Hahaha!

Zitat
Der General verkündete, dass die bewaffneten Streikräfte Großbritanniens jeden „in die Schranken weisen“ würden, der es wagt, die Truppe „zu entmannen oder zu verkleinern“.
Echt? Seid 1990 ist die Britische Armee um 100.000 Soldaten verkleinert worden! Hat es da einen Putsch gegeben? Muss ich wohl was verpasst haben.

Müsst ihr denn jeden Scheiß glauben! >:(


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 24. September 2015, 12:48:45
Ich sehe RT Deutsch auch etwas skeptisch. Trotzdem setzte ich den Text hinein als lesenswerten Ansatz. Ich kann nicht beurtelen ob da alles der Wahrheit entspricht oder nicht. Der "ungenannte General" machte mich auch etwas stutzig... habe aber zum Gesamtext eine abgeschlossene Meinung ;)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 24. September 2015, 13:06:46
Mit anderen Worten:
Egal ob die Meldung erlogen ist, hauptsache sie passt dir in den Kram?
Dafür gehen dann die "MLPD- Freunde" auch gerne schon mal bei den "Pegida- Fans" wildern! >:(


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 24. September 2015, 13:11:56
Deine Schlußfolgerung ist nicht richtig,Rockerrudolf.
Ich weiß nicht ob das insgesamt stimmt oder nicht. Aber das Einsetzen im Forum könnte ja evtl. dazu führen, daß ein anderer Leser diese Nachricht auch in einer anderen Zeitung oder Nachrichtenmeldung findet und was Genaueres zu sagen kann.
Der "MLPD Freund" hat mit den Pegidaschwachmaten nichts zu tun.
Mir persönlich schmeckt es nicht,daß RT Deutschland diese Pegidaschwachmaten wohlwollend begleitet und dem Dreckselsässer Foren geboten hat seine rassistische Hetze abzulassen....

RT spanischsprachig hingegen sind politisch weitaus linker und Pegida Spinner hätten dort keine Chance......

Somit scheint der RT Sender von Land zu Land unterschiedlich zu sein


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 24. September 2015, 13:37:34
Warum zitierst Du dann als Linker rechte Medien?
Sowas kann ich absolut nicht nachvollziehen!
Da kannst Du genauso einen Artikel vom KOPP- Verlag verlinken.

Zitat
Wir bekommen ja regelmäßig Interview-Anfragen von Russia Today und dem Partner-Radiosender. Wir haben uns aber dafür entschieden, Propaganda-Sendern keine Interviews zu geben, um uns nicht instrumentalisieren zu lassen. Außerdem möchten wir mit unseren Themen und Positionen nicht neben irgendwelche Rechtsaußen einsortiert werden. Wir bitten auch darum, uns keine Links von RTdeutsch als Quellen zu schicken. Wie wir zu unserem Urteil kommen? Gesunder Menschenverstand und Quellenrecherche
https://netzpolitik.org/2014/warum-wir-keine-interviews-fuer-rtdeutsch-geben/


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 24. September 2015, 13:48:30
Warum zitierst Du dann als Linker rechte Medien?
Sowas kann ich absolut nicht nachvollziehen!

Naja, aber was stellst du dir vor?
Wir kommen nicht anders klar, als mit einer kritischen Nutzung bestehender Medien.
Was wären denn "linke Medien"?
Die TAZ ist längst nicht mehr links. Die JW ist bei internationalen Themen auch mit Vosicht zu genießen.
Bei Indymedia findet man viel Schrott.

Bei allem Ekel zitiere ich schließlich auch Spiegel, Süddeutsche oder FR, wenn ich den Quellen glaube.
Irgendwo rechts sind sie aber auch.

RT deutsch ist doch eher ein Staatsmedium.
Hinter allen Medien stecken Interessen.

Einige sind derart unterirdisch (wie z.B. der KOPP-Verlag), da sollte man die Finger von lassen.
Aber sonst? So einfach ist es jedenfalls nicht...


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 24. September 2015, 14:53:17
Auch die heutige Junge Welt Ausgabe erwähnt Putschistengerüchte...




Aus: Ausgabe vom 24.09.2015, Seite 6 / Ausland

Elitenschreck Corbyn
Für das britische Establishment ist der neue Labour-Vorsitzende eine Gefahr, die notfalls weggeputscht werden muss

Von Christian Bunke/Manchester


Jeremy Corbyn ist gerade einmal eine Woche der gewählte Parteichef der Labour Party. Bis zu den nächsten Wahlen ist es noch fünf Jahre hin, es sei denn, die derzeitige Regierung zerbricht vorher. Doch schon jetzt wird eine mögliche Linksregierung unter der Führung Corbyns mit der Ankündigung eines Militärputsches konfrontiert.

Diese Drohung wurde in der Sunday Times von einem anonym bleibenden General der britischen Streitkräfte ausgesprochen. Die britische Armee werde eine Corbyn-Regierung nicht hinnehmen, sagte er dem Blatt. Und weiter: »Im britischen Militär ist man über diese Möglichkeit sehr aufgeregt. Es könnte einen großen Bruch mit etablierten Konventionen geben. Hochrangige Generäle würden umstrittene Aspekte der Regierungspolitik, wie etwa die Beendigung des Atomwaffenprogramms, den Austritt aus der NATO oder Einsparungen beim Militär und die Senkung der Truppenstärke aggressiv und öffentlich angreifen«

Dabei werde man es nicht belassen, so der Offizier: »Der Generalstab der britischen Armee wird nicht zulassen, dass die Sicherheit dieses Landes durch einen Premierminister in Gefahr gebracht wird. Man wird alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, egal ob fair oder unfair. Es würde massenhafte Rücktritte geben. Außerdem bestünde dann die wirkliche Möglichkeit eines Ereignisses, das man als Meuterei bezeichnen könnte.«

In Großbritannien hat man diese Aussage bislang höflich zur Kenntnis genommen. Die sexuellen Abenteuer, die der Premierminister David Cameron zu seinen Studienzeiten mit einem Schweinekopf gehabt haben soll, waren wohl wichtiger. Das Thema bestimmte am Anfang der Woche alle Medien, nicht nur die Titelseiten der Boulevardzeitungen.

Von seinem Arbeitgeber, dem Verteidigungsministerium, hat der anonyme General nichts Böses zu befürchten. Die Tageszeitung The Independent berichtete am Montag, dass man dort keine Untersuchung zur Identifizierung des Generals starten werde weil diese kaum Aussicht auf Erfolg habe. Eine Identifizierung sei fast unmöglich, so das Blatt.

Im Forum des »Army Rumour Service«, einer Diskussionsplattform britischer Soldaten im Internet, hält man die Sache eher für unter Alkoholeinfluss getätigte unüberlegte Aussagen, die von einem Journalisten in einem Londoner Gentlemen’s Club aufgeschnappt worden seien.

Doch »anonyme Quellen« wollen dem Independent zugetragen haben, dass »die Besorgnis innerhalb des Militärs sehr groß ist. Das allein ist alarmierend. Man muss sich nur anschauen, wie emotional die Armeeführung die NATO verteidigt. Das zeigt uns, wo sie bei diesem Thema steht.«

Jeremy Corbyn war in der ersten Woche seiner Amtszeit mit einer Medienkampagne konfrontiert, deren Hysterie das Niveau der vorangegangenen Wochen noch einmal übertroffen hat. Premierminister David Cameron nannte ihn »eine Bedrohung für die innere Sicherheit«. Für die Eliten Großbritanniens liegt diese Bedrohung in Corbyns erklärter Gegnerschaft zu Sparpolitik und Militarismus.

Die Presse kritisierte Corbyn unter anderem, weil er während einer Gedenkveranstaltung für die Gefallenen der Luftschlacht über Großbritannien im Zweiten Weltkrieg die britische Nationalhymne nicht mitgesungen hatte. Diese Hymne mit dem Titel »God Save the Queen« beinhaltet unter anderem Textstellen, in denen »die Auslöschung der Schotten durch den königlichen Stiefel« gefeiert wird. Als erklärter Republikaner hatte Corbyn darauf keine Lust und verharrte in »respektvoller Stille«.

Ob ernsthaft oder nicht, die Putschfantasien des anonymen Generals sind Ausdruck der durch den Sieg Corbyns um den Parteivorsitz erzeugten Nervosität in den Reihen der Herrschenden. Es ist auch nicht das erste Mal, dass über derlei Dinge nachgedacht wird. Inzwischen ist erwiesen, dass die Labour-Regierung unter Harold Wilson in den 1970er Jahren durch eine Geheimdienstkampagne destabilisiert wurde, während innerhalb des Militärs konkrete Putschpläne ausgearbeitet wurden. Damals wurde mit der »Civil Assistance«-Organisation auch eine paramilitärische Struktur geschaffen. Deren Chef war übrigens Sir Walter Walker, zwischen 1969 und 1972 Befehlshaber der westeuropäischen NATO-Verbände. Der Kreis schließt sich.

Quelle

https://www.jungewelt.de/2015/09-24/023.php (https://www.jungewelt.de/2015/09-24/023.php)



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 24. September 2015, 16:07:04
Okay, ich versuche es mal aufzudröseln:

a) Der russische Propagandasender RTdeutsch berichtet über die angeblichen Putschpläne eines Generals.
b) Die Junge Welt berichtet darüber und gibt als Quelle "The Independent" an.
c) The Independent (https://de.wikipedia.org/wiki/The_Independent) ist eine britische Tageszeitung, die im März 2010  vom russischen Oligarchen Alexander Jewgenjewitsch Lebedew gekauft wurde.

Der Kreis schließt sich!



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 24. September 2015, 17:21:18
Ich sehe nicht, wo sich Kreise schließen sollten.
Der ursprüngliche RT Artikel ist in sich derart vage, daß ich ihn nicht für irgendeine Argumentation nutzen würde.
RT (deutsch) ist ein russischer Staatssender.
jw ist in meinen Augen im internationalen Teil zu rußlandfreundlich.
Nahezu alle deutschen Medien sind rußlandfeindlich.
Der Independent hat in UK den Ruf seriös und linksliberal zu sein, so ähnlich wie die Süddeutsche hierzulande.
Der Oligarch Alexander Lebedew hat, wenn man dem Drecksblatt Spiegel trauen darf, eine oppositionelle Haltung zur russischen Regierung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/oligarch-alexander-lebedew-er-will-sich-aus-russland-zurueckziehen-a-848186.html (http://www.spiegel.de/politik/ausland/oligarch-alexander-lebedew-er-will-sich-aus-russland-zurueckziehen-a-848186.html)
Ich fühle mich verheddert in dem Gewirr an schlechtem Journalismus, der sich irgendwelchen Auftraggebern und Strippenziehern verpflichtet fühlt.

Das hat alles unglaublich viel mit "Gewerkschaften" zu tun.


P.S.:
Putschgedankenspiele werden natürlich hinter geschlossen Türen bei NATO Treffen gespielt. In der Türkei hat man sie auch umgesetzt 1960, 1971 und 1980.
Zitat
Unterstützung durch NATO und USA
Die These, dass der Putsch von der NATO und den USA unterstützt wurde, stützt sich auf drei Argumente: Im Rahmen der OECD leisteten verschiedene NATO-Länder in den 70er und 80er Jahren eine umfangreiche Militär- und Wirtschaftshilfe an die Türkei. Zwischen 1979 und 1982 brachten die OECD-Länder vier Milliarden Dollar an Wirtschaftshilfe auf. Daneben erhielt die Türkei vor und nach dem Militärputsch umfangreiche Militärhilfen. Ende 1981 wurde ein türkisch-amerikanischer Verteidigungsrat gegründet, mit dem die USA die Stationierung der Spezialeinheit schnelle Eingreiftruppe (Rapid Deployment Force = RDF) besonders in Ostanatolien forcieren wollte. Vor allem aber stützt sich die These auf die Art, wie dem US-Präsidenten Jimmy Carter die Botschaft des Putsches überbracht wurde. In seinem Buch 12 Eylül – Saat 4 (12. September, 4 Uhr) beschreibt Mehmet Ali Birand, dass Paul Henze als Berater des Nationalen Sicherheitsrats in den USA dem Präsidenten Carter die Nachricht von dem Putsch mit den Worten „unsere Jungs (in Ankara) haben es gemacht“ (our boys did it) überbrachte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Milit%C3%A4rputsch_in_der_T%C3%BCrkei_1980 (https://de.wikipedia.org/wiki/Milit%C3%A4rputsch_in_der_T%C3%BCrkei_1980)

Die Umsetzung eines Militärputsches in UK, F, oder D halte ich für unwahrscheinlich.



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 24. September 2015, 17:28:36
Frage: Wem nützt eine Meldung darüber, das es angeblich Planungen für einen Putsch in der Britischen Armee gibt, falls ein Linker an die "Macht" kommt?
a) eher den Linken?
b) eher den Rechten?

Und wenn wir diese Frage beantworten können, wissen wir auch, wer diese Informationen verbreitet!

Und zu Lebedew: Nur weil der Typ kein Freund von Putin ist, ist er noch lange kein "Guter"! Der Typ hat mit Sicherheit kein Interesse an einer Linken- Regierung in UK oder sonstwo!

Zitat
Das Forbes Magazine listete ihn im Mai 2008 mit einem Vermögen von 3,1 Milliarden US-Dollar auf Rang 358 der Liste der reichsten Menschen der Welt und zählt ihn damit auch zu den reichsten Russen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Jewgenjewitsch_Lebedew


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 25. September 2015, 09:48:39
Ich hab nochmal ein bißchen rumrecherchiert:
Der Artikel wurde nicht vom Independent veröffentlicht sondern von der Sunday Times (Bild am Sonntag). Die Independent beruft sich auch in ihrem Bericht auf die Sunday Times.
http://www.independent.co.uk/news/uk/politics/british-army-could-stage-mutiny-under-corbyn-says-senior-serving-general-10509742.html (http://www.independent.co.uk/news/uk/politics/british-army-could-stage-mutiny-under-corbyn-says-senior-serving-general-10509742.html)

Ebenso in der Independent ist ein Kommentar erschienen, der wohl ganz gut wiedergibt wie wohl auch innerhalb der BA über das Thema gedacht wird.
http://www.independent.co.uk/voices/comment/if-the-british-army-rises-up-against-anyone-it-wont-be-jeremy-corbyn-10511360.html (http://www.independent.co.uk/voices/comment/if-the-british-army-rises-up-against-anyone-it-wont-be-jeremy-corbyn-10511360.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 28. September 2015, 07:55:34
JVA-Betriebe in Niedersachsen
Häftlinge beklagen Arbeitsbedingungen in Gefängnissen


 Osnabrück. Interessenvertreter von Gefängnisinsassen werfen niedersächsischen Justizvollzugsanstalten (JVA) Ausbeutung von Häftlingen vor. Unternehmen und Landesbehörden betrieben „Billiglöhnerei hinter Gittern“, schreibt die Gefangenen-Gewerkschaft/Bundesweite Organisation (GG/BO) in einer Mitteilung.

Die Organisation stützt sich auf eine eigene Untersuchung. Diese habe ergeben, dass JVA-Insassen zum Nulltarif und sozialabgabenfrei auch für Unternehmen arbeiteten. Man habe Informationen, „die belegen, dass die Arbeitsorganisation in den JVA-Betrieben auf Ertrag und Quote aus ist.“ Dabei würden die beschäftigten Inhaftierten sozial- und arbeitsrechtlich diskriminiert. Die GG/BO fordert für die arbeitenden Gefängnisinsassen den gesetzlichen Mindestlohn und eine Sozialversicherung.

Die 2014 gegründete Organisation führt Beispielbetriebe an, in denen Häftlinge unter den kritisierten Bedingungen in Niedersachsen arbeiten sollen: In den JVA Meppen und Oldenburg etwa würden elektronische Bauteile für den Windkraftanlagenhersteller Enercon aus Aurich zusammengesetzt.Häftlinge der JVA Lingen fertigen laut GG/BO Kunststoffkomponenten für den Autozulieferer OKE in Hörstel. Der Zulieferer Valmet Automotive in Osnabrück beziehe Sicherheitsgurte und Cabriolet-Bowdenzüge, heißt es in der Mitteilung.



Quelle

http://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/621197/haftlinge-beklagen-arbeitsbedingungen-in-gefangnissen (http://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/621197/haftlinge-beklagen-arbeitsbedingungen-in-gefangnissen)





Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Fritz Linow am 28. September 2015, 08:54:59
Die Presseerklärung der GG/BO hat es in sich:

Zitat
PRESSE-MITTEILUNG DER GEFANGENEN-GEWERKSCHAFT/BUNDESWEITE ORGANISATION (GG/BO)
PRESSE-KONTAKT: 0176/68 113 710

Namhafte Unternehmen und Landesbehörden in Niedersachsen nutzen Billiglöhnerei hinter Gittern – Lohn- und Sozialdumping an Gefangenen
Berlin, 28. September 2015

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Auswertung unserer „Aktivierenden Untersuchung“ zur Betriebslandschaft in den Haftanstalten Niedersachsens hat ergeben, dass nicht nur zahlreiche Landesbehörden die Arbeitskraft Inhaftierter zum faktischen Nulltarif verausgaben, sondern auch namhafte Unternehmen in der „Billiglohninsel Knast“ sozialabgabenfrei produzieren lassen.
Von engagierten inhaftierten Gewerkschafter_innen haben wir eine Reihe von Informationen erhalten, die belegen, dass die Arbeitsorganisation in den JVA-Betrieben auf Ertrag und Quote aus ist. Haftanstalten sind Produktionsstätten und Werkshallen, in denen eine umfassende sozial- und arbeitsrechtliche Diskriminierung gegenüber den inhaftierten Beschäftigten stattfindet.

Dass die von den arbeitenden Gefangenen verrichtete Tätigkeit keine „richtige Arbeit“ sei, sondern einem „resozialisierenden Behandlungskonzept“ folge, stellt aus Sicht der GG/BO die große Lebenslüge des bundesdeutschen Strafvollzugs dar. Unser Bundessprecher, Oliver Rast, bringt es auf den Punkt: „Ausbeutung ist keine Wohltat!“ Und weiter führt Rast aus: „Vor dem Hintergrund, dass unter Akkordbedingungen und Pensumsvorgaben Aufträge von Landesbehörden und externen Unternehmen abgearbeitet werden, fordern wir eine faire Entlohnung und soziale Absicherung für unsere inhaftierten Kolleg_innen.“

Über die eigens eingerichtete so genannte Justizvollzugsarbeitsverwaltung (JVAV) wirbt das Land Niedersachsen mit ihrer Ministerin Niewisch-Lennartz (Grüne) mit der staatlich sanktionierten Billiglöhnerei hinter den Gefängnismauern. Auf deren Homepage heißt es wie in einem Werbeprospekt: „Wir sind ein moderner und leistungsstarker Landesbetrieb mit betriebswirtschaftlicher Ausrichtung. Unser Anliegen ist die Stärkung der regionalen Wirtschaft. Hierzu steht Ihnen in unseren Fertigungs- und Lohnarbeitsbetrieben in Niedersachsen ein breites Angebot an Dienstleistungen, Handwerk und industrieller Produktion zur Verfügung.“ ([url]http://www.jva-shop-business.de/[/url] ([url]http://www.jva-shop-business.de/[/url])…/die-arbeitsbetriebe-der-n…) Die BILD-Zeitung, die gemeinhin nicht als besonders gewerkschaftsnah gilt, berichtete bereits vor anderthalb Jahren von den „Millionenumsätzen aus der Knastfabrik“ in Niedersachsen. ([url]http://www.bild.de/[/url] ([url]http://www.bild.de/[/url])…/millionenumsaetze-aus-der-knast-fabrik…)

Folgend wollen wir einige Schlaglichter auf die Betriebswelt hinter Gittern werfen:
Ein aktuelles Beispiel liefert die niedersächsische Justiz selbst. Ein Großteil der Innenausstattung des neu errichteten Justizzentrums in Hannover wurde in den Handwerksbetrieben der JVA Sehnde gefertigt. ([url]http://www.haz.de/[/url] ([url]http://www.haz.de/[/url])…/Nachricht…/Richterbaenke-aus-Sehndes-JVA)
Die Wäscherei der JVA Sehnde wird zudem vom Deutschen Roten Kreuz ausgiebig angesteuert, damit die dort Beschäftigten Kleidung, Bettwäsche und weiteres für etwa ein Dutzend Rettungswachen waschen, mangeln und legen. Und der Waschmaschinenhersteller Miele aus Lehrte bei Hannover lässt die Kleidung von Mitarbeiter_innen waschen und legen.

In der JVA Oldenburg und in der JVA Meppen lässt der größte deutsche Hersteller von Windkraftanlagen Enercon über das Unternehmen ETB Gehrmann aus Oldenburg elektronische Bauteile für Windkraftanlagen zusammensetzen. Pikantes Detail: Der Enercon-Chef Bernhard Aloys Wobben ist als „Betriebsratfresser“ für seine jahrelange Praxis des Union Busting bekannt.

Auftragnehmer der teilprivatisierten JVA Bremervörde ist die BAM PPP JVA Bremervörde Projektgesellschaft, ein Unternehmen der niederländischen Royal BAM Group, das mit einem Jahresumsatz von über acht Milliarden Euro zu einem der größten Baukonzerne Europas zählt.
Der gesamte Verpflegungssektor in der JVA Bremervörde untersteht vertraglich der Dussmann-Gruppe, die u.a. den Küchenbetrieb und externen Einkauf abdeckt. In anderen JVA-Betrieben werden z.B. Fan-Artikel von Bundesligavereinen wie dem FC Bayern München verpackt und an die Handelskette REWE ausgeliefert. Büromaterialien für Geldinstitute wie die Postbank oder die Sparkasse werden in einem weiteren Betrieb der JVA Bremervörde hergestellt.

In der JVA Lingen fabrizieren Gefangene für den Automobilzulieferer OKE Group Kunststoffkomponenten u.a. für die PKW-Marken Audi und Porsche. Die ebenfalls in Osnabrück ansässige Valmet Automotive GmbH vergibt über die JVA Arbeitsaufträge an inhaftierte Beschäftigte, um Sicherheitsgurte und Cabriolet-Bowdenzüge unter Pensumsvorgaben und ständiger Qualitätskontrolle anfertigen zu lassen.

In der JVA Celle tritt das Unternehmen Conpac GmbH & Co.KG an, um Verpackungsmittel aus Papier, Karton und Pappe von Gefangenenhand erstellen zu lassen. Und die Prisma Textil Produktions- und Vertriebs-GmbH nimmt die Produktionsstätte der JVA Celle (und der JVA Sehnde) in Anspruch, um Material für Bügelbrettpolster und -bezüge schneiden und verpacken zu lassen.
Der Plas-tech Spritzgiesstechnik GmbH, die sich im Kunststoffspritzguss und Werkzeugbau einen Namen gemacht hat, ist der Fertigungsort JVA Celle gleichfalls ein Begriff.

Abschließend der Kollege Rast: „Unser Fazit nach der Auswertung der Rückläufe aus der ´Aktivierenden Untersuchung´ fällt klar aus: In den Eigen- und Unternehmerbetrieben in den Haftanstalten Niedersachsens versammeln sich diverse Landesbehörden und externe Unternehmen, die vom beispiellosen Sozial- und Lohndumping an den gefangenen Arbeiter_innen profitieren. Selbst Minimalstandards werden im ´Mikrokosmos Knast´ ausgehebelt. Wir bekräftigen unsere Kernforderungen nach der Einbeziehung der arbeitenden Gefangenen in den allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn und das Sozialversicherungssystem. Zudem wenden wir uns gegen jegliche Einschränkung der im Grundgesetz verankerten Vereinigungs- und Koalitionsfreiheit, die auch für inhaftierte Beschäftigte und Beschäftigungslose gelten.“

Gefangenen-Gewerkschaft/Bundesweite Organisation (GG/BO)

https://www.facebook.com/Gefangenengewerkschaft/posts/408530746016559 (https://www.facebook.com/Gefangenengewerkschaft/posts/408530746016559)
https://www.gefangenengewerkschaft.de (https://www.gefangenengewerkschaft.de)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 28. September 2015, 10:58:37
Ist in etwa das, was man den DDR Knästen (zurecht!) vorgeworfen hat.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 29. September 2015, 10:02:01
Artikel in der Nordwest-Zeitung aus Oldenburg zur Billiglohninsel Knast

In der heutigen Ausgabe der Nordwest-Zeitung ist ein Artikel zum von der GG/BO kritisierten Sozial- und Lohndumping in den Haftanstalten von Niedersachsen veröffentlicht, der zudem auf die GG/BO-Kernforderungen nach der Einbeziehung der inhaftierten Beschäftigten in den allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn und die Sozialversicherung verweist.


Justizvollzug
Klage über „Billiglohninsel Knast“ - Gefangene fühlen sich ausgebeutet – Landesregierung widerspricht

Die „Gefangenen-Gewerkschaft“ prangert Sozial- und Lohndumping in den Anstalten an. Namhafte Unternehmen profitierten davon.

Oldenburg/Hannover In den niedersächsischen Gefängnissen werden Häftlinge als Billig-Arbeitskräfte ausgebeutet – das behauptet jedenfalls die „Gefangenen-Gewerkschaft/Bundesweite Organisation“ (GG/BO) mit Sitz in Berlin.

Die Interessenvertretung beruft sich dabei auf eine eigene Erhebung, nach der die Arbeitsorganisation in den Anstalten „auf Ertrag und Quote aus ist“. Namhafte Unternehmen ließen „in der ,Billiglohninsel Knast‘ sozialabgabenfrei produzieren“, zahlreiche Landesbehörden bedienten sich der Arbeitskraft von Gefangenen „faktisch zum Nulltarif“, so GG/BO-Sprecher Oliver Rast.

Niedersächsische Gefangene, die zur Arbeit verpflichtet sind, bekommen als Arbeitsentgelt einen durchschnittlichen Tagessatz von 12,25 Euro. Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung werden für sie nicht abgeführt. Rast wirft der Landesregierung „eine umfassende sozial- und arbeitsrechtliche Diskriminierung“ der inhaftierten Beschäftigten vor.

In einer zweiseitigen Pressemitteilung führt die GG/BO zahlreiche Beispiele für „beispielloses Sozial- und Lohndumping“ auf. So würden in der JVA Oldenburg und in der JVA Meppen über ein Oldenburger Unternehmen elektronische Bauteile für den Auricher Windkraftanlagenbauer Enercon zusammengesetzt. In der JVA Lingen produzierten Gefangene für einen westfälischen Automobilzulieferer Kunststoffteile, die später in Audi- und Porsche-Fahrzeuge eingebaut würden. In der JVA Celle erstellten sie Papier- und Karton-Verpackungen für ein Hamburger Unternehmen, in der JVA Bremervörde Büromaterialien für Postbank und Sparkassen.

GG/BO-Sprecher Rast: „Vor dem Hintergrund, dass unter Akkordbedingungen und Pensumsvorgaben Aufträge von Landesbehörden und externen Unternehmen abgearbeitet werden, fordern wir eine faire Entlohnung und soziale Absicherung für unsere inhaftierten Kollegen.“

Das niedersächsische Justizministerium sieht das freilich anders: Arbeit und Ausbildung im Justizvollzug dienten „der Vermittlung, Erhaltung und Förderung der Fähigkeiten für eine Erwerbstätigkeit der Gefangenen nach ihrer Entlassung“, teilte ein Sprecher auf Nachfrage mit. „Mit den erwirtschafteten Überschüssen ihrer Arbeit leisten die Gefangenen ihren Beitrag zur Finanzierung der staatlichen Aufwendungen für den Justizvollzug.“

Der Landesbetrieb „JVAV“, dem die Werkstätten der Gefängnisse angeschlossen sind, habe den Auftrag, „alle arbeitsfähigen Gefangenen zu beschäftigen und gleichzeitig ein gutes Wirtschaftsergebnis zu erzielen“, so der Sprecher weiter. Damit es bei Aufträgen von privaten Unternehmen nicht zu Wettbewerbsverzerrungen kommt, werde die „Arbeitskraft leistungsgerecht in Rechnung gestellt“. Die kalkulierten Arbeitslöhne würden dabei den tarifmäßigen oder ortsüblichen Löhnen angepasst.



Quelle

http://www.nwzonline.de/politik/niedersachsen/klage-ueber-billiglohninsel-knast_a_30,1,1957187016.html (http://www.nwzonline.de/politik/niedersachsen/klage-ueber-billiglohninsel-knast_a_30,1,1957187016.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 29. September 2015, 10:25:13
Schwarze Liste der Knast-Profiteure
https://linksunten.indymedia.org/de/node/154082


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Fritz Linow am 30. September 2015, 21:57:51
Hier ein ein weiterer Bericht zur GG/BO mit interessanter Einschätzung des DGB:
Zitat
Das fordert Deutschlands erste Gefangenen-Gewerkschaft

Es ist der Traum eines jeden Arbeitgebers. Ein fleißiger und billiger Arbeitnehmer, der im besten Fall nicht mal kündigen kann. Häftlinge, die in Justizvollzugsanstalten arbeiten, verdienen oft gerade mal ein paar Euro am Tag. Von Mindestlohn können sie nur träumen. Darum ist seit Beginn des Jahres eine Gruppe von Häftlingen und Ex-Häftlingen als Gefangenen-Gewerkschaft deutschlandweit aktiv, auch in Thüringen. Was fordern sie? Wie legitim ist die Gewerkschaft?...

... Es geht um Einzelfälle

Auch hier hält der stellvertretende Landes-DGB-Chef gegen: es komme auf den Zeitraum der Haft an. Aber generell seien Häftlinge nicht von den Sozialversicherungen ausgeschlossen, sagt Sandro Witt: "Das Problem an der Stelle ist: Die Organisation wirft Fragen auf, die Einzelfälle sind. Das muss man auch deutlich machen." Vor dem Interview hatte der stellvertretende Landeschef der DGB, Witt, noch nie von dieser Gewerkschaft gehört und findet diese Fragen hochspannend.

Handelt es sich um eine Gewerkschaft?

Ordnungspolitisch sei es aber keine Gewerkschaft, erklärt Sandro Witt: "Wenn ich es jetzt richtig einordnen soll, es ist ein Versuch sich zu organisieren. Das ist von Artikel 9, Absatz 3 Grundgesetz geschützt. Aber es ist eine Organisationsform, die noch nicht Gewerkschaft ist. Sondern es ist eine Interessensgemeinschaft." Tatsächlich gibt aber auch bei Verdi, einer DGB-Gewerkschaft, bereits Ansprechpartner für arbeitende Häftlinge. In Thüringen haben sich der Gefangenengewerkschaft eine Handvoll Häftlinge angeschlossen. In Untermaßfeld sind es 15 Inhaftierte, einige wenige in Tonna.

http://www.mdr.de/thueringen/gewerkschaft-gefaengnisse100_zc-16f21569_zs-e86155ec.html (http://www.mdr.de/thueringen/gewerkschaft-gefaengnisse100_zc-16f21569_zs-e86155ec.html)

Und das ist der Blog von Sandro Witt, der den Gefangenen keine eigene Gewerkschaft gönnt: DGB-Funktionär und Linke-Fuzzi:
https://sandrowitt.wordpress.com/ (https://sandrowitt.wordpress.com/)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 06. Oktober 2015, 19:43:13
    Ist es nun langweilig die ständig sich wiederholende Horrorshow an die Öffenlichkeit zu zerren, wo Betriebsräte und Gewerkschaft den Unternehmern in den Arsch kriechen?

Zitat
"Ein Team - Eine Familie" - mit diesem Slogan zeigen die IG Metall Wolfsburg, der IG Metall-Betriebsrat und die Belegschaft von Volkswagen, dass sie zusammen stehen. 10 000 T-Shirts, 10 000 Aufkleber und 5000 Buttons verteilt die IG Metall morgen während der Betriebsversammlung von Volkswagen.

([url]http://www.igmetall-wob.de/typo3temp/_processed_/csm_2015-10-06_Erb_Ewald_VW_2de3371a16.jpg[/url])


Zitat
VW: Betriebsrat verteilt 10.000 T-Shirts

Auf die schwerste Krise der Unternehmensgeschichte reagieren die VW-Beschäftigten in Wolfsburg mit einer einmaligen Solidaritäts-Aktion. Zur Betriebsversammlung am nächsten Dienstag im VW-Werk will der Betriebsrat 10.000 T-Shirts und mehrere tausend Buttons verteilen.

... appellierte der Betriebsratschef an die Beschäftigten: „Das Wichtigste ist, dass wir als Belegschaft zusammenstehen. Wir werden diese Krise meistern. Lasst euch nicht entmutigen. Gemeinsam schaffen wir das.“

Neben dem Betriebsrat haben auch einzelne Mitarbeiter zu Aktionen aufgerufen. VW-Mitarbeiterin Britta Enders (45) aus der Lackiererei (Halle 15b) entwarf ein eigenes T-Shirt mit dem Slogan „VW - Vertrauen in eine Weltmarke“.
http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-Betriebsrat-verteilt-10.000-T-Shirts (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/VW-Betriebsrat-verteilt-10.000-T-Shirts)

Zitat
In der Krise stehen die VW-Mitarbeiter noch enger zusammen! Nachdem der Konzern im Zuge der Abgas-Affäre weltweit in die Kritik geraten ist, schwappt Volkswagen im Internet jetzt eine Welle der Solidarität entgegen. Bei Facebook stärken Tausende Mitarbeiter und VW-Fans dem Unternehmen den Rücken.
http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Mitarbeiter-und-Fans-von-VW-Welle-der-Solidaritaet (http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Mitarbeiter-und-Fans-von-VW-Welle-der-Solidaritaet)

Zitat
"Volkswagen ist ein tolles Unternehmen mit tollen Produkten. Und deshalb sind wir stark genug, diese Krise zu meistern", sagte Osterloh.

"Volkswagen hat die Kraft, diese Krise gestärkt hinter sich zu lassen. Das geht nur gemeinsam, Management und Belegschaft", sagte Osterloh unter dem Beifall der Beschäftigten.

 "Wir werden mit großer Konsequenz alles in Frage stellen müssen, was nicht wirtschaftlich ist. Gemeinsam werden wir die Finanzmärkte von der Kraft von Volkswagen überzeugen. Dahinter stehen wir als Belegschaft."
http://www.igmetall-wob.de/meldung/mehr-als-20000-kolleginnen-und-kollegen-auf-der-betriebsversammlung-bei-volkswagen/ (http://www.igmetall-wob.de/meldung/mehr-als-20000-kolleginnen-und-kollegen-auf-der-betriebsversammlung-bei-volkswagen/)


Dieser Kniefall vor den Ausbeutern hat beim DGB Tradition. Erinnert sich noch wer an den Fall Schaeffler?

Zitat
Milliardärin Schaeffler von der Solidarität ihrer Angestellten zu Tränen gerührt

Weil sie sich mit der Übernahme von Continental verkalkuliert hat, will Schaeffler Staatshilfe - Angestellte, Gewerkschafter, lokale Politiker stellen sich hinter die Konzernchefin.


Bedroht von Insolvenz solidarisieren sich Unternehmenschefin und Angestellte und verlangen in neuer Eintracht vom Staat die Rettung des Unternehmens, der Arbeitsplätze und letztlich auch des Vermögens von Frau Schaeffler. Die gerne beschworene unternehmerische Verantwortung, die satte Einkommen und großen Reichtum rechtfertigen soll, spielt plötzlich keine Rolle mehr.

Die größte Demonstration fand mit 8000 Teilnehmern in Herzogenaurach, dem Sitz des Konzerns, unter dem Motto "Auch wir sind Schaeffler" statt. Gewerkschaftler, Bürger, Bürgermeister und Angestellte waren sich einig, die Kritik an der Unternehmensführung zurückzustellen...

Auch die SPD in Form der ehemaligen Familienministerin Renate Schmidt schloss sich dem Wehklagen gegenüber dem Staat und der Solidarität mit der Konzernchefin an: "Es geht nicht um den Pelzmantel von Frau Schaeffler, sondern um den Wintermantel für die Beschäftigten." Soll heißen: Niemand soll sich für die Milliarden von Frau Schaeffler oder deren unternehmerische Verantwortung kümmern.
http://www.heise.de/tp/news/Milliardaerin-Schaeffler-von-der-Solidaritaet-ihrer-Angestellten-zu-Traenen-geruehrt-2028515.html (http://www.heise.de/tp/news/Milliardaerin-Schaeffler-von-der-Solidaritaet-ihrer-Angestellten-zu-Traenen-geruehrt-2028515.html)

Zitat
Schaefflers lösen die Albrechts als reichste Deutsche ab

Die Schaefflers kommen demnach mit ihrem Maschinenbauunternehmen sowie der Beteiligung am Autozulieferer Continental auf ein Vermögen von 21,5 Milliarden Euro.
http://www.t-online.de/wirtschaft/jobs/id_70898904/die-reichsten-deutschen-schaeffler-vor-albrecht.html (http://www.t-online.de/wirtschaft/jobs/id_70898904/die-reichsten-deutschen-schaeffler-vor-albrecht.html)

(http://www.spiegel.de/img/0,1020,1446096,00.jpg) (http://www.tz-online.de/bilder/2009/03/07/95016/472508939-schaeffler_475px_524697.5.jpg)
(http://www.igmetall-nrw.de/fileadmin/news_import/14_06_2013_Solifest_Schaeffler01.JPG)
(http://www.welt.de/multimedia/archive/00611/Schaeffler2_DW_Wirt_611368g.jpg)

Der damalige Thread zum Thema:
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=17892.0 (http://www.chefduzen.de/index.php?topic=17892.0)[/list]


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 06. Oktober 2015, 20:00:54
Woanders werden Manager vermöbelt!
Diese ganze verlogene Scheiße mich mich immer wütender! >:(


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Tiefrot am 06. Oktober 2015, 21:46:52
Meine Fresse ! Jeder merkt, daß der Kahn absäuft und alle bekunden, mit absaufen zu wollen !
Mit Inteligenz hat das doch nichts mehr zu tun !  kotz


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 22. Oktober 2015, 19:36:44
Aus: Ausgabe vom 23.10.2015, Seite 8 / Ansichten

Ade, DGB
IG Metall beschließt Satzungsänderung
Von Daniel Behruzi


Viel ist dieser Tage in Frankfurt am Main, beim Gewerkschaftstag der IG Metall, von »Einheit« die Rede. Der neue IG-Metall-Chef Jörg Hofmann erklärte seine Organisation zum »Gegenmodell zu den Berufsgewerkschaften« und betonte: »Der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit verlangt Einheit und nicht Konkurrenz zwischen den Lohnabhängigen.« Das gilt aber offenbar nur, wenn sich diese Einheit unter den von der IG Metall gesetzten Bedingungen vollzieht. Genau das hat die Industriegewerkschaft nämlich am Mittwoch abend mit einer Satzungsänderung beschlossen. In dem mit großer Mehrheit verabschiedeten Antrag heißt es: »Die Vorschriften der Satzung des DGB und Beschlüsse von Organen des DGB binden die IG Metall insoweit sie der IG-Metall-Satzung oder den Beschlüssen ihrer Organe (Gewerkschaftstag, Beirat, Vorstand) nicht entgegenstehen.« Im Klartext: Die IG Metall folgt den Beschlüssen des Dachverbands nur noch dann, wenn es ihr passt.

Die Kongressleitung verhinderte, dass es zu einer Debatte über diese weitreichende Änderung kommen konnte. Noch vor der ersten Wortmeldung schloss sie eigenmächtig die Rednerliste und ließ nach nur einem kritischen Beitrag keine weiteren Stellungnahmen zu. Dabei hätte diese Frage eine Kontroverse mehr als verdient gehabt. Denn mit dem Beschluss beerdigt die größte Mitgliedsorganisation den DGB als handlungsfähigen Dachverband. Dass die Entscheidung, Beschlüsse des Gewerkschaftsbundes im Zweifelsfall zu ignorieren, wiederum der Satzung des DGB widerspricht, sei nur nebenbei erwähnt.

Kurz zuvor hatte Hofmann gesagt, der Deutsche Gewerkschaftsbund müsse »neu erfunden werden«, und zwar »als Sprachrohr« der Einzelgewerkschaften. Erst mit dem Satzungsbeschluss wird klar, was das heißt: Der DGB ist nur noch ein verlängerter Arm der (großen) Einzelgewerkschaften. Das verleiht dem seit Jahren anhaltenden Bedeutungsverlust des Dachverbands eine neue Qualität. Dies hatte sich bereits vor einigen Monaten angedeutet, als IG Metall, IG BCE, IG BAU und EVG – an ihren Schwestergewerkschaften vorbei – ein Kooperationsabkommen schlossen (siehe jW vom 17. April).

Und nun erklärt die IG Metall ganz offen in ihrer Satzung: Was der DGB beschließt, interessiert uns nicht. Das zielt vor allem auf Entscheidungen des DGB-Schiedsgerichts bei Abgrenzungskonflikten. Damit hat die Metallergewerkschaft das schlichte Prinzip etabliert: Der Stärkere setzt sich durch. Das ist das Gegenteil von Solidarität und Einheit.

Um es klarzustellen: Die neue Politik der IG Metall, auch Zulieferer und Dienstleister zu organisieren, ist richtig. Mehr als das. Sie ist überfällig. Viel zu lange haben die Industriegewerkschaft und vor allem ihre Betriebsräte dabei zugesehen, wie Belegschaften durch Outsourcing und Werkverträge aufgespalten wurden. Die daraus folgenden Abgrenzungsfragen müssen aber solidarisch gelöst werden. In einem starken DGB.

Quelle

https://www.jungewelt.de/2015/10-23/006.php (https://www.jungewelt.de/2015/10-23/006.php)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 22. Oktober 2015, 20:24:37
Zitat
Die daraus folgenden Abgrenzungsfragen müssen aber solidarisch gelöst werden. In einem starken DGB.
Guter Witz! Die Jungs von der DKP scheinen im DGB immer noch sowas wie ihren Gott zu sehen! Peinliche Nummer!

Grade der DGB ist es doch gewesen, der immer wieder ernsthafte gewerkschaftliche Bestrebungen torpediert hat und dafür gesorgt hat, das Deutschland immer mehr zum Niedriglohnland wird.
Dieser unnütze Dinosaurier wird aussterben (genauso wie die DKP) ;D


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 22. Oktober 2015, 21:07:58
Ich dachte mal, Daniel Behruzi wäre ein halbwegs vernünftiger Journalist.
Der ist wohl irgendwo in dern 70er Jahren hängengblieben oder völlig verblödet.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 22. Oktober 2015, 23:03:34
Ja, da gibt es bei der jW leider einige (bei weitem nicht alle) die irgendwo in den 70ern hängengeblieben sind. Grade die für Außenpolitik zuständigen Redakteure scheinen noch nicht mitbekommen zu haben, das es die Sowjetunion nicht mehr gibt! ;D


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 23. Oktober 2015, 07:41:57
Daniel Behruzi ist einer der besten Schreiber bei der Jungen Welt. Man muß ihm ja nicht in allem 100% zustimmen. Ob er in der DKP ist vermag ich nicht zu sagen. Der Einfluß der DKP in der Jungen Welt Redaktion ist meines Erachtens aber schon stark.

Daniel Behruzi verteidigt das Dogma der Einheitsgewerkschaft! In einer Art religiösem Dogma wird ja die Spaltung der Arbeiterorganisationen als ein Haupthindernis in der Verhinderung des deutschen Faschismus gesehen. Daher nach 45 das Dogma der Einheitsgewerkschaft um eine neue faschistische Diktatur zu verhindern und Deutschland mittels einer Wende zum sozialen und demokratischem Fortschritt etc sogar irgendwann im Sozialisms ankommen zu lassen. So ohne Revolution und ohne jemandem weh zu tun. Ganz kuschelig sozusagen. Während der FDGB in der DDR weitaus demokratischer war als der DGB, wird auch heute gerne noch übersehen,daß der DGB ein Produkt des kalten Krieges ist und von Anfang an Kommunisten ausgeschlossen wurden und alle DGB Gewerkschaften antikommunistische Unvereinbarkeitsbeschlüsse haben.Diese wurden ja duch das KPD Verbot und später durch die Berufsverbote des Brandt Regimes immer mehr verschärft! Die DKP war aber innerhalb des DGB s davon ausgenommen.Was auch kein Wunder ist,da die DKP aus einem Deal mit dem Ostblock hin als legale Organisation auftreten konnte. Sie war auch hilfreich andere Kommunisten, die nicht in der DKP waren, aus den Gewerkschaften auszuschließen.
Der DGB in seiner heutigen Form ist selber Ausbeuter als Besitzer von Unternehmen und auch Zeitarbeitsfirmen. Ihm verdanken wir auch die niedrigsten Streiktage in ganz Europa und die Verbandelung der IG Metall mit der Rüstungsindustrie,zB ,ist ein Unding! Der DGB ist heute der Verteidiger der Arbeiteraristokraten und deren Hinterherläufer. Als Klassenkampforganisation ist sie untauglich gemacht worden. Der DGB war selbst in der Hartz Komission dabei und ist auch beteiligt bei den TTIP und CETA Verhandlungen, da TTIP und CETA vom DGB NICHT pauschal abgelehnt werden.
Hier mal eine Kurzusammenfassung zum Begriff Arbeiteraristokratie von Wikipedia

Arbeiteraristokratie

Der Begriff wurde schon von Karl Marx (1818–83) in seinem Werk Das Kapital genutzt, er verstand darunter den „bestbezahlten Teil der Arbeiterklasse, (...) ihre Aristokratie“.[1] Auch Friedrich Engels spricht von einer „Aristokratie in der Arbeiterklasse“, die in den „großen Trades Unions“ ihre Organisationen gefunden hätten. „ie haben es fertiggebracht, sich eine verhältnismäßig komfortable Lage zu erzwingen, und diese Lage akzeptieren sie als endgültig.“[2] Schon 1858 führte Engels in einem Brief an Marx aus, dass „das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen.“[3]

Bei Lenin (1870–1924) wurde die Arbeiteraristokratie zu einem Kampfbegriff im Rahmen seiner Imperialismustheorie und richtete sich vor allem gegen westeuropäische und nordamerikanische Gewerkschafts- und Parteiführer[4] (siehe auch Trade-Unionismus). Lenin definiert die Ursachen und Wirkungen der Entwicklung einer Arbeiteraristokratie folgenderweise: „Ursachen: 1. Ausbeutung der ganzen Welt durch das betreffende Land; 2. seine Monopolstellung auf dem Weltmarkt; 3. sein Kolonialmonopol. Wirkungen: 1. Verbürgerung eines Teils des englischen Proletariats; 2. ein Teil läßt sich von Leuten führen, die von der Bourgeoisie gekauft sind oder zumindest von ihr bezahlt werden.“[5]

Analytisch wird der Begriff teilweise als interne Differenzierung der Arbeiterklasse verstanden. Vor allem in der englischen Sozialgeschichte spielt der an die marxistische Tradition angelehnte Begriff eine wichtige Rolle. Dort wird er auf die nach (klein-)bürgerlicher Respektabilität strebende besonders gut qualifizierte Schicht der Arbeiter angewendet. Diese Diskussion wurde auch für den deutschen Fall geführt. Das Ergebnis war, dass es zwar ebenfalls in Deutschland so etwas wie eine Arbeiteraristokratie im 19. und frühen 20. Jahrhundert gegeben hätte, diese Erscheinung aber weniger ausgeprägt war als in Großbritannien. Wohl auch um ideologische Bezüge zu vermeiden, spielt der Begriff der Arbeiteraristokratie im deutschsprachigen Raum heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Wichtiger wurden Begriffe wie Leistungs-, Funktions- und Werteliten.[6]

Im globalen Maßstab betrachtet, könnte heute auch argumentiert werden, die westlichen Arbeiterklassen nehmen im Gegensatz zu den restlichen Arbeiterklassen auf der Welt die Position der Aristokratie ein.[7]

Quelle

https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiteraristokratie



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 23. Oktober 2015, 08:05:47
Danke für Deine Analyse Rappel!
Das trifft es so ziemlich genau auf den Kopf!
Mit den "Jungs von der DKP" meinte ich auch die jW im allgemeinen und nicht Daniel Behruzi persönlich.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 27. Oktober 2015, 17:58:23
Aus: Ausgabe vom 27.10.2015, Seite 5 / Inland

Einheit und Kampf
Gewerkschaftstag der IG Metall bestätigt Unterstützung für Gesetz zur »Tarifeinheit«. Kritiker warnen vor Einschränkung des Streikrechts
Von Daniel Behruzi


Die Industriegewerkschaft Metall bleibt bei ihrer Unterstützung für das Gesetz zur sogenannten Tarifeinheit. Das haben die knapp 500 Delegierten des 23. ordentlichen Gewerkschaftstags beschlossen, der am Wochenende in Frankfurt am Main zu Ende ging. Kritik daran kam insbesondere aus Niedersachsen. In einem Antrag aus Osnabrück hieß es, eine solidarische Interessenvertretung zu schaffen, sei Aufgabe der Gewerkschaften und nicht der Bundesregierung. Die gesetzliche Regulierung der »Tarifeinheit« führe unweigerlich zur Einschränkung des Streikrechts.

Die zahlreichen Befürworter des Gesetzes argumentierten, das darin verankerte »Mehrheitsprinzip« sei demokratisch und im Interesse der IG Metall. Die in der Praxis bislang nicht angewandte Regelung besagt, dass bei Kollisionen nur Tarifverträge derjenigen Gewerkschaft gelten, die am meisten Mitglieder im Betrieb hat. Und das wird fast immer die IG Metall sein, so die Überzeugung vieler Funktionäre. »Das Tarifeinheitsgesetz hilft uns dabei, stärker zu werden«, sagte Johann Horn, Erster Bevollmächtigter der IG Metall am Audi-Standort Ingolstadt. Roland Stark aus Neckarsulm in Baden-Württemberg warnte in bezug auf Fernwirkungen von Produktionsstillständen in der Autoindustrie: »Eine eventuell entstehende Splitter- oder Klientel- ›Gewerkschaft‹ im Zuschnitt der GDL oder einer Cockpit könnte die komplette Automobilindustrie in Geiselhaft nehmen.«

Martin Roll, Zweiter Bevollmächtigter der Stuttgarter IG Metall, sagte: »Manchmal verwundert es mich, wie viele auch bei uns vor Ort ihren Beschützerinstinkt für die kleinen Spartengewerkschaften auspacken.« Bemerkenswert war allerdings, dass es in sämtlichen Beispielen der Befürworter nicht um die Berufsgewerkschaften, sondern um die »sogenannte Schwestergewerkschaft« ver.di ging. Diese habe in manchen Firmen »Billigtarifverträge« abgeschlossen und die Organisationsbemühungen der IG Metall untergraben, so der Vorwurf.

Robert Sadowsky aus Gelsenkirchen konterte: Wenn es der Regierung tatsächlich um einheitliche Tarifverträge gehe, könne sie zum Beispiel ein Gesetz erlassen, das den Erhalt der Tarifbindung auch bei Ausgliederungen und Werkverträgen sicherstellt. Das stehe jedoch nicht im Gesetz. Auch die Unternehmer hätten »das Tarifeinheitsgesetz nicht deshalb so vehement gefordert, weil sie unsere tarifliche Durchsetzungsmacht fördern wollten«, so der hauptamtliche Gewerkschafter aus dem Ruhrgebiet. Die Solidarität unter den abhängig Beschäftigten könne nur durch politische Überzeugung hergestellt werden, nicht per Gesetz.

»Wenn wir über Grundrechte reden, dann darf es da keine Mehrheitsentscheidung geben«, sagte Nils Knierim, Vertrauenskörperleiter der Salzgitter Flachstahl GmbH. »Es kann doch nicht jemand mit Mehrheit entscheiden, dass wir plötzlich beispielsweise die Gleichbehandlung von Frauen abschaffen.« Individuelle Grundrechte seien nicht von Mehrheitsverhältnissen abhängig.

Das betonte auch der Bevollmächtigte der IG Metall Salzgitter-Peine, Wolfgang Räschke, der auf einen Satz des ehemaligen IG-Metall-Chefs Franz Steinkühler verwies: »Er hat erklärt, dass er Spartengewerkschaften ablehnt, aber ihre Rechte immer bis zum letzten verteidigen würde. Er hat gewarnt: Wenn der Gesetzgeber erst einmal ins Tarifrecht eingreift, dann hört er nicht mehr auf.« Diesen Warnungen zum Trotz lehnten es die Delegierten mehrheitlich ab, sich gegen die gesetzliche Fixierung der »Tarifeinheit« zu positionieren – oder auch nur festzustellen, dass es in der IG Metall unterschiedliche Meinungen zum Thema gibt.

Eine gemeinsame Haltung gab es hingegen zu dem Vorschlag, die Möglichkeiten im Arbeitskampf zu erweitern. So beschlossen die Delegierten einen Leitantrag, mit dem eine neue Eskalationsstufe zwischen Warn- und Erzwingungsstreik eingeführt wird. Denkbar seien beispielsweise »befristete betriebsbezogene (Warn-)Streiks, die mit der Legitimation einer betrieblichen Abstimmung nach Beschluss durch den Vorstand auch eine Streikunterstützung zur Folge hätten«. Das soll die Flexibilität und Beteiligung der Belegschaften in Tarifauseinandersetzungen stärken. Zudem verspricht sich die IG Metall – die in Tarifrunden schon seit vielen Jahren nicht mehr zu regulären Streiks aufgerufen hat – damit ein Argument zur Mitgliedergewinnung.

Spontane Arbeitsniederlegungen, wie sie im Bremer Daimler-Werk im vergangenen Jahr gegen Fremdvergabe stattgefunden haben, sind damit allerdings nicht gemeint. Bremens IG-Metall-Bevollmächtigter Volker Stahmann kanzelte die Protestaktion einiger Daimler-Arbeiter vor dem Gewerkschaftstag – die gewerkschaftliche Unterstützung bei einer Klage gegen Abmahnungen forderten (siehe u. a. jW vom 19. und 22. Oktober) – als »Initiative von Splittergruppen« ab. Nicht nur die Debatte zur »Tarifeinheit« zeigte also: Die alten Reflexe und Machtansprüche funktionieren noch.

Quelle

https://www.jungewelt.de/2015/10-27/046.php (https://www.jungewelt.de/2015/10-27/046.php)



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 27. Oktober 2015, 18:02:01
Und da wir schon bei der guten IG Metall sind....sicherlich ist nicht nur mir schon einige Male eine Fahne der IG Metall auf den Bildern der Pegida Demo in Dresden aufgefallen.....sowie auch VerDi usw wurde drt als Fahne gesichtet.Dazu in der Mopo aus Dresden ein bericht mt Foto.Und dem IGM Sprecher fällt nur Leugung und Mauern ein....ist ne alte Fahne,muß gestohlen sein ( verschwörungstheorie ;D ) usw usf...aber lest selbst...eine ganz miese und traurige Nummer... wie üblich....


Marschiert jetzt auch die IG Metall bei Pegida mit?

Dresden - Bei Twitter wurde am Montag unter dem Hashtag IGMetall heftig diskutiert. Ein PEGIDA-Anhänger stand am Montag mit riesiger IG-Metall-Fahne vor der Semperoper - zum Ärger der Verantwortlichen der Metaller-Gewerkschaft.

weiter im Text

https://mopo24.de/#!nachrichten/dresden-ig-metall-fahne-pegida-semperoper-22221



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Fritz Linow am 19. November 2015, 10:54:37
Im ver.di-Mitgliedernetz ist etwas lustiges passiert. Da gab es jemanden, der sich ziemlich gut mit den Regularien, Statuten, Beschlüssen usw auskannte und immer wieder darauf hingewiesen hat, dass so, wie der Gewerkschaftsrat Entscheidungen fällt, es nicht geht und vor allem gänzlich undemokratisch ist. Er hat das innergewerkschaftliche Demokratieverständnis schlicht und einfach bloßgelegt.
Derjenige wurde nun gesperrt und mundtot gemacht mit der Begründung, unsolidarisch gegenüber den Funktionären zu sein, denen er argumentativ Lüge, Betrug und Verschleierung nachgewiesen hatte.
Die Basis kocht und droht mit Presse. Naja, wird wohl schön unter den Teppich gekehrt werden.
Richtig billig wurde es, als eine Betriebsrätin der Deutschen Post dazwischenplärrte, man möge sich nicht so aufregen über diese Lappalie, während in Paris über 100 Menschen gestorben sind.

Ansonsten gilt natürlich:
Zitat
"Der Austausch untereinander ist die Erfolgsgeschichte des Mitgliedernetzes"


http://fm.apm.ag/verdi_news_wcms/fmpro?-db=verdi_news_wcms.fp5&-lay=e&-format=txtdet.html&-recid=39961&-find (http://fm.apm.ag/verdi_news_wcms/fmpro?-db=verdi_news_wcms.fp5&-lay=e&-format=txtdet.html&-recid=39961&-find)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 15. Januar 2016, 11:42:31
Befördern DGB Gewerkschaften Gewerkschaftsverbote? - ver.di gegen NAG

Nicht zuletzt das Tarifeinheitsgesetz hat es gezeigt, Gewerkschaftsrechte stehen in Deutschland immer wieder zu Disposition, sind gefährdet. In Sachen Tarifeinheit waren die DGB Gewerkschaften gespalten und auch jetzt setzt sich ver.di nicht unbedingt FÜR Gewerkschaftsrechte ein. Die Neue Assekuranz Gewerkschaft (NAG), eine Gewerkschaft für Versicherungsangestellte zieht vor das Bundesverfassungsgericht, da ver.di die NAG nicht zulassen will und das Landesarbeitsgericht Hessen gegen die NAG entschieden hatte. Über das Thema sprachen wir mit Rolf Geffken, Arbeits-, Wirtschaftsrechtler und Autor aus Hamburg.



https://rdl.de/beitrag/bef-rdern-dgb-gewerkschaften-gewerkschaftsverbote-verdi-gegen-nag


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 27. Januar 2016, 10:20:15
Aus: Ausgabe vom 27.01.2016, Seite 14 / Feuilleton

Rotlicht: Einheitsgewerkschaft
Von Daniel Behruzi


Schafft die Einheit!« An diesen Ausruf des hessischen Gewerkschafters und Antifaschisten Wilhelm Leuschner kurz vor seiner Hinrichtung in Berlin-Plötzensee im September 1944 wird stets erinnert, wenn es um die Einheitsgewerkschaft geht. Auch andere, wie der Stuttgarter IG-Metaller Willi Bleicher, hatten immer dazu aufgefordert, die Einheit »wie einen Augapfel« zu hüten. Das Prinzip der Einheitsgewerkschaft war einerseits eine Schlussfolgerung aus den Erfahrungen mit dem deutschen Faschismus. Die Machtübertragung an die Nazis wurde vor allem auch wegen der Spaltung der Arbeiterbewegung möglich. Andererseits war aber der Verweis auf das Einheitsprinzip in der bundesrepublikanischen Geschichte oft auch ein Mittel, Kritiker der sozialdemokratischen Mehrheitslinie als Spalter zu diffamieren.

Der Begriff Einheitsgewerkschaft meint zweierlei: Zum einen die Organisierung der Beschäftigten nicht in Berufsorganisationen, sondern entlang von Branchengrenzen (»Industriegewerkschaften«), zum anderen die gemeinsame Organisation der Arbeiterschaft mit unterschiedlichen weltanschaulichen und politischen Einstellungen. Beides ist auch aus linker Sicht prinzipiell sinnvoll. Wenn zum Beispiel nicht nur Ärzte, sondern alle Beschäftigten des Gesundheitswesens gemeinsam organisiert sind, befördert das zumindest potentiell die Solidarisierung untereinander. Entgegen den Vorstellungen mancher Linker ist auch der separate Aufbau »revolutionärer« Gewerkschaften keine gangbare Abkürzung. Sie schneidet linke Gewerkschafter vielmehr von ihren sozialdemokratisch (oder weiter rechts) orientierten Kolleginnen und Kollegen ab und erschwert so deren Gewinnung für antikapitalistische Positionen.

Allerdings haben die DGB-Gewerkschaften ihren Anspruch auf eine Organisierung der Klasse über politische Strömungen hinweg nie ganz eingelöst. Schon vor dem KPD-Verbot 1956 wurden Kommunisten vielfach »eliminiert«, wie es der damalige Vorsitzende der Baugewerkschaft und spätere Verteidigungsminister Georg Leber (SPD) formulierte. Später, in den 1970er Jahren, traf es vor allem Maoisten, für die in der IG Metall bis heute ein Unvereinbarkeitsbeschluss gilt. De facto tendieren der DGB und seine Mitgliedsorganisationen seit jeher in Richtung sozialdemokratischer Richtungsgewerkschaften. Das Aufkommen der Partei Die Linke hat das ein wenig gelockert, aber nicht grundlegend verändert.

In den vergangenen Jahren sind die Grundlagen der Einheitsgewerkschaft weiter erodiert. Das gilt vor allem für das Branchenprinzip, das durch zweierlei Entwicklungen in Frage gestellt wird: Durch diverse Fusionen von Einzelgewerkschaften im DGB und durch das Erstarken von Berufsverbänden. So handelt es sich bei der »1.000-Berufe-Gewerkschaft« ver.di faktisch um eine Dachorganisation mehrerer Dienstleistungs- und Industriegewerkschaften. Den (ohnehin strukturell schwachen) DGB hat das naturgemäß geschwächt, was nicht zuletzt in den zunehmenden Abgrenzungskonflikten innerhalb des Dachverbands zum Ausdruck kommt – bis hin zum Beschluss der IG Metall, DGB-Beschlüsse nur noch dann anzuerkennen, wenn sie ihr passen.

Offen in Frage gestellt wurde das Branchenprinzip dadurch, dass Berufsorganisationen wie der Marburger Bund und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zu tarifpolitischen Akteuren geworden sind. Dabei beteiligten sich manche Berufsgruppen an Streiks, die zuvor gewerkschaftspolitisch nie in Erscheinung getreten waren. Teilweise verteidigen berufsständische Organisationen wie die GDL die Interessen ihrer Mitglieder sogar besonders konsequent.

Die Herausforderung der etablierten Gewerkschaften durch eine solche Überbietungskonkurrenz hat manch positive Folgen. Ihr unter Verweis auf das eherne Prinzip der Einheitsgewerkschaft die Legitimität abzusprechen, ist falsch. Denn es geht um Einheit im Kampf um gemeinsame Interessen. Nicht um einheitliche Unterordnung unter die »Sachzwänge« des Kapitalismus oder die Bedürfnisse sozialdemokratischer Regierungspolitiker.

Quelle

https://www.jungewelt.de/2016/01-27/117.php (https://www.jungewelt.de/2016/01-27/117.php)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 27. Januar 2016, 11:24:30
Aus: Ausgabe vom 26.01.2016, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

»Einzelne Meinungsführer werden attackiert«
Immer mehr Betriebsräte mit Union-Busting konfrontiert, der systematischen Bekämpfung von Gewerkschaften. Ein Gespräch mit Nils Böhlke
Interview: Markus Bernhardt


(http://fs5.directupload.net/images/160127/temp/udpkeb75.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4246/udpkeb75_jpg.htm)(http://)
»Aktion Arbeitsunrecht e. V.«, hier bei einer Demo vor Textildiscounter Kik, wird auch auf der Konferenz vertreten sein
Foto: Berthold Bronisz/r-mediabase.eu

Ihre Partei veranstaltet am 30. Januar in Hamm eine Tagung zum Thema »Union-Busting«. Was genau ist unter diesem Begriff zu verstehen?

Es handelt sich um die systematische Bekämpfung von Gewerkschaften und Mitbestimmungsorganen in Unternehmen. In den USA gibt es eine richtige Union-Busting-Industrie. Auch in Deutschland gibt es mehr und mehr Fälle, in denen Gewerkschaften und Betriebsräte offensiv bekämpft werden. Häufig werden dabei einzelne Meinungsführer immer wieder attackiert, um diese zu isolieren, zu demoralisieren und um ihre Arbeitsstelle oder zum Aufgeben zu bringen. So sollen sie unschädlich gemacht und gleichzeitig andere eingeschüchtert werden, damit sie nicht ebenfalls aktiv werden.

Handelt es sich beim Union-Busting um ein randständiges Problem, oder erkennen Sie darin eine breiter angelegte Strategie der Unternehmensseite?

Ich würde nicht von einer abgesprochenen oder breiten Strategie der Arbeitgeber sprechen und auch noch nicht von einem Massenphänomen. Aber in Zeiten, in denen die Tarifbindung immer weiter sinkt und die Profitraten immer weniger Spielräume lassen, wollen sich Unternehmen mit allen möglichen Mitteln gegen die Konkurrenz durchsetzen. Tarifverträge und Mitbestimmungsorgane können unter diesen Rahmenbedingungen schnell zum »Wettbewerbsnachteil« werden, der umschifft werden muss. Dabei ist dann für einige jedes Mittel recht, und das machen sich spezialisierte Anwaltsfirmen zunutze und bieten Seminare wie »In Zukunft ohne Betriebsrat« an. Es gibt bislang kaum systematische Untersuchungen über die Verbreitung dieser Praktiken, aber auf der Veranstaltung in Hamm wird einer der Autoren des Buchs »Die Fertigmacher«, Elmar Wigand, von seinen Recherchen berichten. Der Journalist hat zahlreiche Fälle zusammengetragen und sorgt mit dem Blog und dem Verein »Aktion Arbeitsunrecht e. V.« dafür, dass das Thema untersucht wird und auch Aktionen gegen Kanzleien und Unternehmen stattfinden, die Union-Busting betreiben.

Sie sprechen zwar nicht von einem Massenphänomen. Würden Sie trotzdem sagen, die gesetzlich festgeschriebene betriebliche Mitbestimmung wird zunehmend offensiv attackiert?

Ja, wobei die Grenzen hier fließend sind. Jedes Mitbestimmungsorgan muss ständig um Anerkennung und die Einhaltung des Betriebsverfassungsgesetzes und gegebenenfalls abgeschlossener Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen kämpfen. Das ist nichts Besonderes. Wirkliches Union-Busting und Betriebsratsmobbing fängt für mich dort an, wo Unternehmen einzelne Beschäftigte angehen, weil sie sich gewerkschaftlich oder in Mitbestimmungsorganen engagieren, oder dort, wo die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften grundsätzlich abgelehnt wird und diese systematisch bekämpft werden.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

Auf unserer Veranstaltung haben wir Murat Günes eingeladen, der als kämpferischer Betriebsrat der IG Bau, Chemie, Energie von seiner Firma Neupack zahlreiche Kündigungen erhalten hat und von einem Privatdetektiv auf Schritt und Tritt verfolgt wurde, um mögliche Verfehlungen gegen ihn zu verwenden und ihn mürbezumachen. Außerdem haben wir einen Kollegen von ver.di eingeladen, der den Betriebsrat des Zentrallagers des Textildiscounters Kik berät. Dort hat ein Betriebsrat mittlerweile sechs Kündigungen erhalten. Unter anderem weil er der Zeitung der AG »Betrieb und Gewerkschaft« in der Partei Die Linke ein Interview gegeben hat. Die Veranstaltung findet auch deshalb in Hamm statt, weil das Zentrallager von Kik und auch ein Versandzentrum von Amazon sich in unmittelbarer Nähe befinden und somit zahlreiche Betroffene von Union-Busting die Chance haben, zu der Veranstaltung zu kommen.

Welche Forderungen stellt Ihre Partei auf, um die betriebliche Mitbestimmung zu verteidigen und Solidarität mit den angefeindeten Betriebsräten zu üben?

Zunächst einmal wäre es schon hilfreich, wenn die bestehenden Gesetze tatsächlich angewendet werden würden. Es ist eine Straftat, die Arbeit von Betriebsräten zu be- oder gar zu verhindern. Allerdings gibt es bislang nach meiner Kenntnis keinen Fall, wo Unternehmen tatsächlich deswegen bestraft worden wären. Darüber hinaus muss dafür gesorgt werden, dass sich das Herausdrängen von Gewerkschaften aus den Betrieben nicht mehr lohnt. Dafür müsste die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen wieder ausgedehnt werden. Wenn Tarifverträge ohnehin für die gesamte Branche gelten, kann Tarifflucht kein »Wettbewerbsvorteil« mehr sein. Es braucht eine breite gesellschaftliche Stimmung gegen antigewerkschaftliche und mitbestimmungsfeindliche Praktiken.

»Gegen Union-Busting und Betriebsratsmobbing – Solidarität ist unsere stärkste Waffe«, 30. Januar, 11–17 Uhr, Feidik-Forum Hamm, Feidikstr. 27, Hamm

www.dielinke-nrw.de (http://www.dielinke-nrw.de)

Nils Böhlke ist Landessprecher der Arbeitsgemeinschaft »Betrieb und Gewerkschaft« in der Partei Die Linke in Nordrhein-Westfalen

Quelle

https://www.jungewelt.de/2016/01-26/056.php (https://www.jungewelt.de/2016/01-26/056.php)



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: xyu am 05. Februar 2016, 20:46:39
Zitat
Das Göttinger Tageblatt vom 28.1. zitierte den DGB-Vorsitzenden Tölle u.a. mit den Worten „bei allem Gutmenschentum, auch mal aussprechen, dass die Neigung, Flüchtlinge in der Altstadt zu haben, nicht so ausprägt ist“. Insbesondere diese Bemerkung trug zu großer Empörung bei.

6 Jahre lang hat ihn der Leerstand des ehemaligen Göttinger DGB-Hauses nicht gestört. Das Haus wurde am 5.11.2015 besetzt und seitdem vor allem für die Flüchtlingshilfe verwendet. Eigentümer des Hauses ist die VTG , die Vermögensverwaltungs- und Treuhand-Gesellschaft Des Deutschen Gewerkschaftsbundes mbH, Berlin. Offensichtlich hält sich der Vorsitzende des DGB-Niedersachsen/Sachsen-Anhalt Hartmut Tölle irgendwie für die Angelegenheit verantwortlich.

http://goest.de/protest-gegen-DGB-toelle.htm (http://goest.de/protest-gegen-DGB-toelle.htm)

Dort ist auch einiges an Protest aus Gewerkschaftsreihen gegen die Äußerungen des DGB-Bezirksvorsitzenden dokumentiert.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Fritz Linow am 25. Februar 2016, 12:12:32
Und mal wieder der Vorwurf, dass verdi und Betriebsrat bei Fraport schön gelb sind:

Zitat
„Halts Maul und arbeite oder du fliegst raus!
Der Frankfurter Flughafenbetreiber FRAPORT ist ja bekannt für Gier nach Reichtum.
Da interessiert nicht die Gesundheit der Anwohner, da interessiert nur der Profit. Aber auch die eigenen MitarbeiterInnen sind dem Unternehmen anscheinend egal. Sie müssen funktionieren. Damit der Service aber nicht zu teuer wird, hat man kurzerhand eine Tochtergesellschaft gegründet. Die APS Airport Service GmbH ist eine 100 %tige Tochter von Fraport. Dort malochen zu Hungerlöhnen die Menschen welche Flugzeuge beladen. Das unter hohem Arbeitsdruck und zu einem Lohn von dem in Frankfurt nicht zu leben ist. Obwohl man 500 € Prämie versprochen hat, so heute ein Mitarbeiter“ wenn man nicht krank ist, ist der Krankenstand sehr hoch. Damit alles bestens läuft kann sich die Geschäftsleitung auf den gelben VERDI Betriebsrat verlassen. Der beantragt schon mal die Kündigung von Mitarbeitern. Es hat sich jedoch eine Gruppe unter dem Namen AKTIV gegründet welche für den Betriebsrat kandidiert hat und die das Spiel von VERDI und dem Betriebsrat nicht mehr mitmacht. Ein Opfer der Machenschaften wurde der Kollege Erdogan Sedef. Er hat es gewagt den Mund auf zu machen. Auf einer Betriebsversammlung mit 250 Mitarbeitern darunter 150 Türkischsprachige hat er es gewagt Türkisch zu sprechen. Das wurde ihm vom Betriebsrat untersagt. Wenig später bekam er dann die Kündigung. Er soll Flugblätter im Pausenraum ausgelegt haben. Das bestreitet der Kollege aber energisch. Seinen Kündigungsschutzprozess verschleppt die Geschäftsleitung seit einem Jahr. Heute am 23. 02. 16 kam es dann zum Termin vor der 3. Kammer des Arbeitsgerichtes Frankfurt. Ein junger mann der sich sichtlich unwohl in seiner Haut fühlte war als Zeuge geladen. Dieser Ötzkir Anal behauptete das er gesehen hat wie der Kollege Sedef Flugblätter ausgelegt hat. Er selbst habe diese dann gestohlen und weggeworfen. Ein kleiner Dieb als Zeuge ist ja nicht so glaubwürdig. Dass er sich nach seiner Ausage mit anderen zeugen im Flur des Gerichtes abgesprochen hat rundet das ganze dann ab. Der 2. Zeuge streitet die Absprache ab obwohl er von 2 Menschen dabei gesehen und gehört wurde. Also noch ein Lügner?
Zwei weitere Zeugen hatten sich krank gemeldet so dass dem Vorsitzenden nichts anderes übrig blieb als den Termin erneut zu vertagen. Eine Einigung mit Zahlung einer Abfindung lehnt der Kläger Kollege Sedef ab. Ihm geht es um Gerechtigkeit. Auch möchte er seine Kollegen nicht im Stisch lassen die weiter in der Fraporthölle ihre Gesundheit ruinieren. Er will auch weitere Verzögerungen durchstehen obwohl er als Familienvater finanziell kaum über die Runden kommt. Helfen wir dem Kollegen indem wir die Schweinereien von Fraport und dem gelben VERDI Betriebsrat öffentlich machen. Ein betriebsrat der aktiv die Kündigung von Kollegen betreibt gehört abgesetzt.“
https://www.facebook.com/iwwfrankfurt/posts/1029078610482029 (https://www.facebook.com/iwwfrankfurt/posts/1029078610482029)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 24. März 2016, 13:10:33
Gewerkschaftstag der IG Metall -Frieden mit den Kriegstreibern?

23. Ge­werk­schafts­tag der IG Me­tall im Ok­to­ber 2015 in Frank­furt am Main. Zum The­ma Frie­dens­po­li­tik, Rüstungs­kon­ver­si­on und Di­ver­si­fi­ka­ti­on la­gen ihm aus 24 von 155 Geschäfts­stel­len Anträge zur Be­schluss­fas­sung vor. Nach Auf­fas­sung von IGM-Funk­ti­onären ein Fort­schritt ge­genüber nur 3 Anträgen auf dem Ge­werk­schafts­tag vor vier Jah­ren in Karls­ru­he. Der Fort­schritt lässt sich hier­bei al­ler­dings nur an den In­hal­ten und nicht an der Zahl der Anträge (kei­ne 16 % von 155 Geschäfts­stel­len) fest­ma­chen. Dazu gehört eben­so, wie IGM-Vor­stand und Ge­werk­schafts­tag mit die­sem „Fort­schritt“ um­ge­gan­gen sind. Hier­bei wa­ren und sind die Kriegs­be­tei­li­gung der BRD durch die Bun­des­wehr­kampf­einsätze aber auch die Si­cher­heit der Ar­beitsplätze in der Rüstungs­in­dus­trie we­sent­li­che In­hal­te.

Es gab zu die­sen Fra­gen im We­sent­li­chen drei ver­schie­de­ne Stand­punk­te auf dem Ge­werk­schafts­tag.

Ein Min­der­heits­stand­punkt wur­de ver­tre­ten durch ei­nen An­trag, der die Din­ge sehr rich­tig beim Na­men nennt, ge­stellt durch die IGM-Geschäfts­stel­le Frank­furt am Main: „70 Jah­re nach der Be­frei­ung Eu­ro­pas und der Welt vom Zwei­ten Welt­krieg führt Deutsch­land er­neut Krie­ge in al­ler Welt. Die Ge­fahr, dass dies in ei­nen drit­ten Welt­krieg münden kann, ist nicht ge­bannt“.

Ein zwei­ter Stand­punkt, der vie­le Anhänger un­ter den Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen der IGM hat, bis in den Vor­stand hin­ein, be­ruht auf der Auf­fas­sung, der Krieg gin­ge von den Waf­fen aus. Und, um die­ser Ge­fahr ent­ge­gen­zu­tre­ten, müss­ten das Ma­nage­ment des Rüstungs­ka­pi­tals, die Re­gie­rung, ver­tre­ten durch Wirt­schafts- und Kriegs­mi­nis­te­ri­um ge­mein­sam mit Be­triebsräten, Ver­trau­ens­leu­ten und Beschäftig­ten an ei­nen Tisch. Das The­ma und die For­de­rung der IGM hier­bei: Ab­schaf­fung bzw. Ein­schränkung der Rüstungs­pro­duk­ti­on und des Rüstungs­ex­ports – vor al­lem kei­ne Lie­fe­rung von Waf­fen/​Klein­waf­fen – in so­ge­nann­te „Span­nungs­ge­bie­te“.

In­ner­halb der IGM geht es da­bei ins­be­son­de­re um Wie­der­auf­nah­me der Rüstungs­kon­ver­si­ons-De­bat­te. Die Dis­kus­si­on darüber hat nicht nur die Frie­dens­freun­de, son­dern eben­so die IGM-Be­treue­rin­nen und Be­treu­er der Waf­fen­schmie­den mit ih­ren Be­triebsräten auf den Plan und ans Mi­kro­fon ge­ru­fen. Und die ver­tra­ten den drit­ten Stand­punkt: Sie ver­lan­gen vom IGM-Vor­stand, „sich ein­deu­tig zu den Beschäftig­ten in der wehr­tech­ni­schen In­dus­trie zu be­ken­nen“ (S. 93 A 1.139). Do­ro­thee Diehm, 1. Be­vollmäch­tig­te der IGM-Geschäfts­stel­le Freu­den­stadt, hat als Aus­sa­ge der Be­leg­schaft von Heck­ler & Koch auf dem Ge­werk­schafts­tag wie­der­ge­ge­ben: „Die IG Me­tall ist ja so­wie­so ge­gen uns. Die Frie­dens­po­li­tik ist zwar not­wen­dig, aber wir brau­chen eine Al­ter­na­ti­ve, wenn wir kei­ne Pro­duk­ti­on mehr am Stand­ort Obern­dorf ha­ben.“

Aus­ge­hend vom Be­richt der Be­vollmäch­tig­ten ha­ben sich Be­triebs­rat und Be­leg­schaft „bei der öffent­li­chen Dis­kus­si­on we­gen des G 36 Ge­wehrs“ und den An­grif­fen auf die Fir­ma voll auf die Sei­te der Geschäfts­lei­tung ge­stellt. Was eben­so dazu geführt hat, dass die IGM nicht mehr in den Be­trieb rein kommt und die Be­triebsräte für sie nicht mehr zu spre­chen sind. Und: „Die an­de­ren Be­triebsräte am Stand­ort – wir hat­ten ja ei­nen gu­ten Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad – ver­lan­gen auch dazu Ant­wor­ten von der IG Me­tall, wenn wir zum The­ma Frie­den und Abrüstung re­den und da­von, dass in Deutsch­land kei­ne Waf­fen mehr pro­du­ziert wer­den dürfen. Die Kol­le­gen sa­gen hier­zu: ‚An­de­re Fir­men auf der Welt pro­du­zie­ren flott wei­ter. Aber un­se­re Ar­beitsplätze hier ge­hen ver­lo­ren.’“ (Ta­ges­pro­to­kol­le S. 116)

Noch bis in der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit wa­ren die „Ant­wor­ten“ und „Al­ter­na­ti­ven“ von IGM-Vor­stand und zuständi­gen Funk­ti­onären beim Geschäft mit dem Tod: Sich so­fort wie’s Kängu­ru auf die Hin­ter­bei­ne stel­len und los sprin­gen, wenn Rüstungs­aufträge durch Haus­haltskürzun­gen oder sonst wie dro­hen ver­lo­ren zu ge­hen. An die­se Art und Wei­se der „Ar­beits­platz­si­che­rung“ durch die IGM-Führung, wa­ren die Be­leg­schaf­ten in den Rüstungs­be­trie­ben bis­her gewöhnt. Jetzt glau­ben und befürch­ten sie, die Wie­der­auf­nah­me der schon länger zu den Ak­ten ge­leg­ten Kon­ver­si­ons-De­bat­te dreht ih­nen den Nach­schub­hahn zu und sie lan­den da­durch von heut’ auf mor­gen beim Ar­beits­amt. Dass sie dann – wie oben ge­schil­dert – auch noch auf die ei­ge­ne Or­ga­ni­sa­ti­on als mögli­chen Ver­ur­sa­cher los­ge­hen, bleibt nicht aus. Das ist das Er­geb­nis ei­ner ge­woll­ten jah­re­lan­gen Des­ori­en­tie­rungs­po­li­tik des IGM-Vor­stands, bei der der un­versöhn­li­che In­ter­es­sen­ge­gen­satz zwi­schen Ka­pi­tal und Ar­beit durch im­mer neue Bünd­nis­se über­la­gert und ver­schlei­ert wird. Hier­bei wur­den und wer­den nicht nur die Be­triebsräte und Be­leg­schaf­ten aus den Rüstungs­kon­zer­nen auf­ge­for­dert, sich zur Er­ar­bei­tung „ge­mein­sa­mer Pro­jek­te“ im­mer wie­der mit den Ka­pi­ta­lis­ten ins Bett zu le­gen. Wie sol­len sie da noch er­ken­nen, wo und wer der Geg­ner ist, wenn man im Be­trieb so gut zu­sam­men ar­bei­tet und ihre Er­fol­ge, die So­zi­al­part­ner­schaft fei­ert. Das wird zwangsläufig zum ständi­gen An­griff ge­gen sich evtl. bil­den­des Klas­sen­be­wusst­sein, der eben­so ge­eig­net ist, ih­nen auch da­von noch vor­han­de­ne Res­te aus­zu­trei­ben. Vor al­len Din­gen, wenn in der IGM und ge­ne­rell in den Ge­werk­schaf­ten der un­versöhn­li­che In­ter­es­sen­ge­gen­satz zwi­schen Ar­beit und Ka­pi­tal wei­ter tot­ge­schwie­gen wird und kein The­ma mehr ist.

Um den Druck und das Fri­end­ly Fire der De­bat­te zu ka­na­li­sie­ren, hat die An­trags­be­ra­tungs­kom­mis­si­on (ABK) es in zwei Leit­anträge ge­lei­tet, mit de­nen „alle le­ben können“. Letz­te­res gilt ins­be­son­de­re für den An­trag der IGM-Geschäfts­stel­le Augs­burg. Mit ihm woll­te und will die große Mehr­heit, vor al­lem die In­ter­es­sen­ver­tre­ter aus den Rüstungs­be­trie­ben le­ben. Bei ihm geht es vor dem Hin­ter­grund der Tat­sa­che, dass die Ar­bei­te­rin­nen und Ar­bei­ter in an­de­ren Ländern nicht nur ihre Ar­beitsplätze, Woh­nun­gen und ihr Le­ben durch deut­sche Waf­fen ver­lie­ren, um: „Beschäfti­gungs­si­cher­heit in der Si­cher­heits- und Ver­tei­di­gungs­in­dus­trie in Deutsch­land“.
Für jeden etwas – für den Frieden nichts

„Für Frie­den, Kon­ver­si­on und Abrüstung“ – un­ter die­ser Über­schrift hat der Ge­werk­schafts­tag den An­trag der IGM-Re­gi­on Ham­burg (A 1.125) als 1. Leit­an­trag be­schlos­sen. Um ihn im Sin­ne der von den Be­leg­schaf­ten aus der Rüstungs­in­dus­trie geäußer­ten Kri­tik und ge­for­der­ten „Stand­ort­si­che­rung“ an­nah­mefähig zu ma­chen, hat die An­trags­be­ra­tungs­kom­mis­si­on (ABK) dazu fest­ge­stellt: „In dem An­trag steht ,Rück­zug aus al­len auswärti­gen Kampf­einsätzen’. Hier ha­ben wir ein­gefügt: ‚„so­weit sie nicht durch ein UNO-Man­dat le­gi­ti­miert sind’. Das ist der Grund­satz, der von der UNO nach dem Zwei­ten Welt­krieg ge­zo­gen wor­den ist. Es wur­de ein Völker­recht ge­schaf­fen. Es gibt die Möglich­keit der In­ter­ven­ti­on, aber die ist re­strik­tiv und be­grenzt dar­auf, dass es ein UNO-Man­dat gibt und nur, dass es ein UNO-Man­dat gibt. Dar­auf wol­len wir noch ein­mal ver­wei­sen.“

Bei ih­rem Ver­weis hat die ABK ver­ges­sen, die ei­ge­ne Ge­schich­te zu mo­bi­li­sie­ren und dar­auf hin­zu­wei­sen: Die Im­pe­ria­lis­ten sche­ren sich ei­nen Dreck ums Völker­recht und UNO-Man­da­te, wenn sie zur Si­che­rung von Pro­fi­ten, Ab­satz- und Ein­fluss­ge­bie­ten be­schlos­sen ha­ben, über an­de­re Völker her­zu­fal­len. Doch zurück zum nächs­ten Ver­weis der ABK zum An­trag, er lau­tet: „Wir ha­ben den letz­ten Satz ge­stri­chen, in dem es heißt, dass die IG Me­tall eine Kam­pa­gne zur Rüstungs­kon­ver­si­on macht. Für Kam­pa­gnen gibt es be­son­de­re An­for­de­run­gen. Wenn wir dies in dem An­trag be­las­sen hätten, hätten wir Euch vor­schla­gen müssen, den An­trag als Ma­te­ri­al an den Vor­stand zu über­wei­sen. Aber wir woll­ten hier eine kla­re frie­dens­po­li­ti­sche Aus­sa­ge der IG Me­tall ha­ben. Des­halb ha­ben wir die­sen Satz ge­stri­chen und ha­ben an dem Punkt, an dem es dar­um geht, Rüstungs­pro­duk­ti­on zu sen­ken, ein­geführt, wenn es das Ziel und die Vi­si­on der IG Me­tall ist, dass wir kei­ne Rüstungs­pro­duk­ti­on und kei­nen Rüstungs­ex­port ha­ben. Das kann man nur dann durch­set­zen, wenn es welt­weit durch­ge­setzt wird. Des­we­gen ha­ben wir an die­ser Stel­le das Wört­chen ,welt­weit’ ein­gefügt ...“
„Die klaren friedenspolitischen Ziele und Visionen der IGM“

Sie heißen da­mit als „kla­res Si­gnal“ an die Adres­se der Rüstungs­ka­pi­ta­lis­ten: Kei­ne Angst: Die Abrüstungs­kam­pa­gne ist ge­stri­chen und Rüstungs­pro­duk­ti­on und Rüstungs­ex­port sen­ken, das ist nur „welt­weit“ möglich. Da­bei wäre es doch ge­lacht, wenn sich „welt­weit“ nicht im­mer ei­ner fin­den ließe, auf den der deut­sche Im­pe­ria­lis­mus mit dem Fin­ger zei­gen kann, weil er sich nicht an die im An­trag ge­for­der­te „welt­wei­te Abrüstung“ hält. Und als be­son­de­res Zu­geständ­nis kommt hin­zu, dass die IGM durch den Ge­werk­schafts­tags­be­schluss Kampf­einsätze der Bun­des­wehr un­ter Blau­hel­men als Mit­tel zur „Kon­flikt­bewälti­gung“ ak­zep­tiert hat. Mit die­ser „Vi­si­on“ ist die IGM-Führung ge­genüber den Be­leg­schaf­ten aus den Rüstungs­be­trie­ben, aber auch ge­genüber dem Rüstungs­ka­pi­tal aus dem Schnei­der. Den Rüstungs­ka­pi­ta­lis­ten und dem Ka­pi­tal ge­ne­rell, ist da­mit u.a. die Möglich­keit ge­ge­ben – ähn­lich wie beim Streik­ver­zicht in der Ta­rif­aus­ein­an­der­set­zung – Fest­stel­lun­gen zu tref­fen, wie: Mit dem Ver­zicht auf die „Al­ten Ri­tua­le“ hat bei der IGM end­lich auch in der Kriegs­fra­ge die „Ver­nunft ge­siegt“. Wenn es dann wie­der um neue Kriegseinsätze der Bun­des­wehr geht – ge­plant wer­den sie ja am lau­fen­den Band – brau­chen die Ge­werk­schaftsführer nur noch zu ru­fen: Hey So­zi­al­part­ner, ver­giss nicht den Blau­helm auf­zu­set­zen, sonst können wir eu­rem Krieg nicht zu­stim­men. Denn ganz of­fen­sicht­lich war und ist die Be­ru­fung aufs UNO-Man­dat als Schlüssel zum Kriegführen ge­dacht. So hat es je­den­falls der Oberst im Ge­ne­ral­stabs­dienst der Bun­des­wehr, Eber­hard Möschel, be­reits am 28.8.1990 vor­aus­ge­sagt, als er im In­ter­view mit der taz erklärte: „Wenn wir sa­gen, das soll un­ter der Schirm­herr­schaft der UNO statt­fin­den, dann ist das viel leich­ter zu ver­kau­fen.“

Das war noch be­vor die So­zi­al­de­mo­kra­ten 1991 zum x-ten Male „hei­ligs­te Grundsätze“ über Bord ge­schmis­sen und ihre See­le er­neut fürs „Va­ter­land“ ver­kauft ha­ben. Mit ih­rer Zu­stim­mung zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes zum Ein­satz der Bun­des­wehr un­ter UNO-Flag­ge, ha­ben sie da­bei gleich­zei­tig den Weg für Kampf- und Kriegseinsätze vor­be­rei­tet. Hier­bei setzt die Bour­geoi­sie im im­pe­ria­lis­ti­schen Frie­den im­mer noch auf die So­zi­al­de­mo­kra­tie als verläss­lichs­ten und glaubwürdigs­ten Ver­tre­ter. Un­ter ih­rer „Schirm­herr­schaft“ lässt sich dem Volk und vor al­lem der Ar­bei­ter­klas­se und Ar­bei­ter­be­we­gung der Krieg als mehr oder we­ni­ger un­aus­weich­li­che Not­wen­dig­keit „viel leich­ter ver­kau­fen“ und nahe brin­gen. Da­bei müssen die so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Ge­werk­schaftsführer dem Ka­pi­tal ihre Zu­verlässig­keit nicht mehr be­son­ders be­wei­sen. Das ha­ben sie be­reits ab 1914 im ers­ten Welt­krieg ge­tan. Da­bei hat der 1. Vor­sit­zen­de der Ge­ne­ral­kom­mis­si­on der Ge­werk­schaf­ten, Carl Le­gi­en am 2. Au­gust 1914 erklärt: „Wie die Din­ge heu­te lie­gen, hört die De­mo­kra­tie in den Ge­werk­schaf­ten auf ...“ Mit der Fol­ge, die vie­len Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen nicht be­kannt sein dürfte: Auf ih­ren Kon­fe­ren­zen am 2., 5. und 17. Au­gust 1914 be­schlos­sen die Ver­tre­ter der da­ma­li­gen Ge­werk­schaf­ten, dass un­ter ih­rer „Schirm­herr­schaft“ alle Streiks ab­ge­bro­chen wer­den. Die Maßnah­me, um mit dem dar­auf fol­gen­den „Burg­frie­den“ dem deut­schen Im­pe­ria­lis­mus beim Über­fall auf die an­de­ren Länder und beim Er­mor­den der Klas­sen­brüder den Rücken frei zu hal­ten. Das „Reich­s­amt des In­ne­ren“ hat­te den op­por­tu­nis­ti­schen Ge­werk­schaftsführern be­zo­gen auf ihre Fra­ge nach dem Schick­sal der Ge­werk­schaf­ten im Krieg mit­ge­teilt: „Wir den­ken nicht dar­an, ih­nen zu Lei­be zu ge­hen, falls sie uns kei­ne Schwie­rig­kei­ten ma­chen, denn wir sind froh, große Or­ga­ni­sa­tio­nen der Ar­bei­ter­klas­se zu ha­ben, auf die sich die Re­gie­rung bei den not­wen­di­gen Hilfs­maßnah­men stützen kann!“ (Ge­schich­te der deut­schen Ar­bei­ter­be­we­gung, Pe­ri­ode von 1914-1917 – Ka­pi­tel V, Hrsg.: In­sti­tut für Mar­xis­mus-Le­ni­nis­mus, Ber­lin 1967, S. 18)

Das ist heu­te nicht an­ders. Ka­pi­tal und Re­gie­rung sind nach wie vor froh, sich „auf die großen Or­ga­ni­sa­tio­nen der Ar­bei­ter­klas­se, der Ge­werk­schaf­ten“ stützen zu können und sie an ih­rer Sei­te zu wis­sen. Ganz be­son­ders dann, wenn es wie­der wie jetzt, ums Kriegführen des deut­schen Im­pe­ria­lis­mus geht. Ohne die Ar­bei­ter­klas­se, die Zu­stim­mung der brei­ten Mas­sen der Lohn­abhängi­gen, ist da nichts zu ma­chen. Of­fen­sicht­lich ist das 2015 ins Le­ben ge­ru­fe­ne „Bünd­nis für In­dus­trie“ dafür als In­stru­ment zum Mit­hel­fen ge­dacht. Nach dem Wil­len des ehe­ma­li­gen IGM-Vor­sit­zen­den Wet­zel, der sich als „Gründungs­papst“ fei­ern ließ, soll es u.a. den Stand­ort Deutsch­land ge­genüber der Kon­kur­renz si­chern und die Ak­zep­tanz der In­dus­trie und ih­rer Bedürf­nis­se in der Ge­sell­schaft stärken. Die dar­an be­tei­lig­ten Ge­werk­schaftsführer ha­ben da­bei, al­len vor­an IGM-Wet­zel, ab­ge­se­hen von ih­rer sons­ti­gen Bünd­nis­po­li­tik noch ei­nen Zahn zu­ge­legt und frei nach C. Le­gi­en geübt, wie „die De­mo­kra­tie in den Ge­werk­schaf­ten aufhört“. Da­mit ih­nen nie­mand mehr in die Que­re kom­men konn­te, ha­ben sie Mit­glie­dern, Funk­ti­onären und Be­leg­schaf­ten das In­dus­trie-Bünd­nis 2015 ohne Dis­kus­si­on ein­fach über­gestülpt. Da­mit sit­zen sie mit Ka­pi­tal und Re­gie­rung ge­mein­sam an ei­nem Tisch. Hier­bei mit dem Bund der deut­schen In­dus­trie (BDI), in dem mit dem deut­schen Mo­no­pol­ka­pi­tal auch die gan­zen Rüstungs­ka­pi­ta­lis­ten or­ga­ni­siert sind. Für die ist das mit ein Faust­pfand dafür, dass ih­nen vor al­lem beim Kriegführen, die mit im Bünd­nis ver­tre­te­nen In­dus­trie­ge­werk­schaf­ten nicht „zu Lei­be ge­hen“. Bei die­ser Form der Zu­sam­men­ar­beit hal­ten die Ge­werk­schaftsführer die Kriegs­trei­ber im ei­ge­nen Land als „So­zi­al­part­ner“ aus dem Blick- und Schuss­feld. Al­ler­dings mit der Fol­ge, ge­ge­be­nen­falls zur Durch­set­zung ih­rer In­ter­es­sen, zur Si­che­rung des Stand­orts Deutsch­land, wie es im o.g. Bünd­nis heißt, mit in das „Pro­jekt“ Krieg hin­ein­ge­zo­gen zu wer­den.

Im oben be­reits erwähn­ten Frank­fur­ter An­trag wird ge­for­dert: „Die IG Me­tall rückt den Kampf ge­gen den Krieg wie­der mehr in den Mit­tel­punkt ih­res Han­delns. Da­bei rich­tet sie den Blick auf die Kriegs­ge­fah­ren, die von den Herr­schen­den im ei­ge­nen Land aus­ge­hen. Nach dem Mot­to: Zu­erst vor der ei­ge­nen Haustür keh­ren“.

Dafür gab und gibt es wohl noch nicht die rich­ti­gen Be­sen und auch nicht die rich­ti­ge Kehr­ma­schi­ne. Der Ge­werk­schafts­tag hat we­der das eine noch das an­de­re ge­tan. Denn die Kriegs­trei­ber im ei­ge­nen Land sind weit­ge­hend un­ge­scho­ren da­von ge­kom­men. Sich da­mit aus­ein­an­der­zu­set­zen hätte ge­heißen, Karl Lieb­knechts 1915 ge­trof­fe­ne und heu­te nach wie vor rich­ti­ge Fest­stel­lung auf­zu­grei­fen:
„Der Hauptfeind steht im eigenen Land!“

Dazu gehören nicht erst seit Karl Lieb­knecht der 1915 fest­ge­stellt hat, die Waf­fen­schmie­den, das deut­sche Rüstungs­ka­pi­tals – be­kann­ter­maßen mit den Rüstungs­ex­por­ten an drit­ter Stel­le in der Welt. Während die Bun­des­wehr rund um die Welt im Ein­satz ist, schmücken die Rüstungs­ka­pi­ta­lis­ten da­bei heu­te ihr Geschäft mit den ver­harm­lo­sen­den Na­men, wie Si­cher­heits-Wehr- und Ver­tei­di­gungs­in­dus­trie. Na­men, die die Be­dro­hung der BRD, des „Va­ter­lands“ durch äußere Fein­de sug­ge­rie­ren sol­len, ge­gen die wir uns ab­si­chern, weh­ren und ver­tei­di­gen müssen. Eine Ma­sche, auf die sich die Rüstungs­ka­pi­ta­lis­ten – seit es sie gibt – im­mer wie­der heuch­le­risch be­ru­fen, um da­mit die Waf­fen­pro­duk­ti­on an­zu­kur­beln. Gemäß Ge­werk­schafts­tags­be­schluss will die IGM Führung jetzt da­ge­gen an­ge­hen, ohne die „Si­cher­heit der Ar­beitsplätze“ beim Rüstungs­ka­pi­tal zu gefähr­den. Wie oben be­reits ge­nannt, fir­miert der zwei­te Leit­an­trag des­we­gen un­ter dem Ti­tel: „Beschäfti­gungs­si­cher­heit in der Si­cher­heits- und Ver­tei­di­gungs­in­dus­trie in Deutsch­land“.
Spielwiese statt antimilitaristischer Kampf

Dazu ei­ni­ge Punk­te, die mit dem An­trag be­schlos­sen wur­den. Laut IGM-Vor­stand, Be­zirks­lei­tern und sons­ti­gen IGM-Funk­ti­onären wird da­bei in Punkt 5 die wich­tigs­te Aus­sa­ge ge­macht. Im De­zem­ber 2015 wur­de sie von Ro­man Zit­zels­ber­ger, IGM-Be­zirks­lei­ter in Ba­den-Würt­tem­berg, dem Frie­dens­ratschlag als „Va­ri­an­te“ mit mehr „Er­dung“ vor­ge­schla­gen. „Das IG Me­tall-Pro­jekt Kon­ver­si­on und Di­ver­si­fi­ka­ti­on im wehr­tech­ni­schen Be­reich“. Un­ter Punkt 5 des An­trags heißt dazu: „Der IG Me­tall Vor­stand ent­wi­ckelt mit den Ver­trau­ens­leu­ten und Be­triebsräten aus wehr­tech­ni­schen Be­trie­ben so­wie den be­trof­fe­nen Ver­wal­tungs­stel­len ei­nen Leit­fa­den zur Di­ver­si­fi­ka­ti­on und Kon­ver­si­on. Da­bei sind die Er­fah­run­gen der 80er und 90er Jah­re auf­zu­neh­men.“

IGM-Mit­glie­der, Be­triebsräte, Ver­trau­ens­leu­te und Be­leg­schaf­ten wer­den da­mit auf eine Spiel­wie­se zur Ab­len­kung von der Kriegs­ge­fahr ge­schickt, wo­bei die Beschäfti­gung heißt: Er­ar­bei­tung von Hand­lungs­leitfäden für In­no­va­tions- und Di­ver­si­fi­ka­ti­ons­pro­jek­te, über­setzt, Su­che nach Pro­duk­tal­ter­na­ti­ven für die Rüstungs­ka­pi­ta­lis­ten, be­trieb­li­che und re­gio­na­le Work­shops, Aus­wer­tun­gen, Er­stel­lung ge­mein­sa­mer Stra­te­gie­pa­pie­re u.a. Wo­bei noch zu klären wäre, was hier­bei über­haupt ge­werk­schaft­li­che Auf­ga­ben sind. Was da­bei die Er­fah­run­gen der 80er/​90er Jah­re an­geht, wäre es sinn­voll, so­fort die Fin­ger da­von zu las­sen. Dafür lässt man am bes­ten das mit viel Bei­fall wie­der­gewählte und für den Rüstungs­be­reich zuständi­ge IGM-Vor­stand­mit­glied Roh­de zu Wort kom­men. Im Vor­wort zum IGM-Bran­chen­re­port vom 30.07.2010 hat Roh­de z.B. u.a. be­zo­gen auf Rüstungs­kon­ver­si­on fest­ge­stellt: „Si­cher lohnt auch die ehr­li­che Rück­schau. Wir soll­ten auch die Wi­derstände und die Wid­rig­kei­ten be­nen­nen, an de­nen man­che Hoff­nun­gen auf Kon­ver­si­on in den letz­ten Jahr­zehn­ten ge­schei­tert sind. Die kann uns hel­fen, die kom­men­den Her­aus­for­de­run­gen zu be­ste­hen.“

Es ist kei­ne Fra­ge, dass die „Her­aus­for­de­run­gen“, „Wid­rig­kei­ten“ und „Wi­derstände“ auch wei­ter­hin be­ste­hen. Das muss­te auch der Mit­ver­fas­ser des An­trags, der 1. Be­vollmäch­tig­te der IGM-Geschäfts­stel­le Augs­burg, Mi­cha­el Lep­pek, auf dem Ge­werk­schafts­tag wie folgt zu­ge­ben: „An der Stel­le ist auch ganz klar: Es gibt seit 25 Jah­ren ei­nen Struk­tur­wan­del. Er ist po­li­tisch mo­ti­viert. Er ist ge­wollt. Das hat lei­der oft­mals sehr we­nig mit Kon­ver­si­on zu tun; das muss man lei­der auch so sa­gen. Da ist man we­sent­lich we­ni­ger weit, als man sich das ein­mal vor­ge­stellt hat. Ei­gent­lich hat vie­les da­von nicht ge­klappt.” (S. 103 Ta­ges­pro­to­koll)

An sich Grund ge­nug, nicht mehr zu ver­su­chen, mit sol­cher Art Work­shops und was dazu noch gehört, über Jah­re hin­weg Abrüstung durch­zu­set­zen. Sie mögen ja durch­aus manch­mal nütz­lich sein, aber von die­ser „Pro­jekt-Va­ri­an­te“ las­sen sich – wie bis­her schon – we­der Ka­pi­tal noch Re­gie­rung be­ein­dru­cken ge­schwei­ge denn un­ter Druck set­zen. Sie wer­den trotz noch so vie­ler „Kon­ver­si­ons­de­bat­ten“ und Ar­beits­krei­sen wei­ter Rüstung pro­du­zie­ren und ex­por­tie­ren und die Bun­des­wehr um die Welt schi­cken, um Ein­fluss­ge­bie­te, Ab­satzmärkte und Roh­stoff­quel­len zu re­ser­vie­ren und/​oder zu be­set­zen. Was sie brau­chen, ist Druck und ernst­haf­te Ge­gen­wehr aus den Ge­werk­schaf­ten, wo­her soll das sonst kom­men. Dafür müssen wir nicht nur in der IGM ver­su­chen die vor­han­de­ne Kampf­kraft zu mo­bi­li­sie­ren, son­dern eben­so in den übri­gen DGB-Ge­werk­schaf­ten. Natürlich muss dafür die Dis­kus­si­on an der ge­werk­schaft­li­chen Ba­sis in den Be­trie­ben und selbst­verständ­lich mit den Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen in der Rüstungs­in­dus­trie geführt wer­den. Sie „mit­neh­men“, wie das im­mer wie­der auf dem Ge­werk­schafts­tag be­tont wur­de. Hier­bei geht es dar­um, sich nicht auf jah­re­lan­ge Work­shops fest­le­gen zu las­sen, son­dern um in Be­trie­ben und Ver­wal­tun­gen Wi­der­stands­ak­tio­nen, u.a. klei­ne Streiks zu or­ga­ni­sie­ren. Wie z.B. u.a.: 5, 10, 15 Mi­nu­ten während der Ar­beits­zeit ge­gen Bun­des­wehr­einsätze. Zei­chen set­zen für den Frie­den auf Be­triebs­ver­samm­lun­gen, ge­gen De­mo­kra­tie­ab­bau, für Asyl­recht, ge­gen Fa­schis­mus und Krieg, auf­ste­hen ge­gen die Kriegs­trei­ber im ei­ge­nen Land. Das ist nicht leicht, aber kei­ne Fra­ge des Könnens, son­dern des po­li­ti­schen Wol­lens. Dazu gehört auch, was ein Kol­le­ge beim Ge­werk­schafts­tag wie folgt aus­ge­drückt hat: „Wenn wir uns über Rüstung und Krieg un­ter­hal­ten, dann müssen wir uns an ir­gend­ei­nem Punkt auch mal über Ka­pi­ta­lis­mus als Ur­sa­che dafür un­ter­hal­ten.“

Zu die­ser Un­ter­hal­tung müssen wir noch vie­le mehr mit­neh­men, nicht nur die Be­leg­schaf­ten aus den Rüstungs­be­trie­ben. Dazu gehören eben­so un­se­re Ge­werk­schafts­funk­ti­onäre aus Vorständen bis in die Geschäfts­stel­len hin­ein. Von ih­nen müssen wir sol­che Un­ter­hal­tun­gen und Se­mi­na­re for­dern und Ak­tio­nen wie o.g. vor­schla­gen, da­mit Ka­pi­tal und Re­gie­rung un­ter Druck kom­men und un­se­re Klas­se, die Lohn­abhängi­gen da­bei wie­der ler­nen zu kämp­fen und sich wie­der klar ma­chen können, wer un­ser Geg­ner ist. Die not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung, um auch in den Ge­werk­schaf­ten wie­der über den Kampf für die Ab­schaf­fung des ka­pi­ta­lis­ti­schen Sys­tems und eine an­de­re Ge­sell­schafts­ord­nung, wie den So­zia­lis­mus nach­zu­den­ken.

Lud­wig Jost
Blauhelmeinsätze für Vaterland und Kapital

Be­reits vor 20 Jah­ren hat sich Man­fred Wo­dok, da­mals Be­triebs­rats­vor­sit­zen­der der DASA (Daim­ler-Kon­zern), die den Eu­ro­figh­ter baut, Ge­dan­ken darüber ge­macht, was bei Blau­helm­einsätzen rum kommt und dass es da­bei ums „Wohl des deut­schen Vol­kes“ geht. Er wird im Heft Wehr­tech­nik 8/​1996 wie folgt zi­tiert: „Wenn wir kei­ne Beiträge in in­ter­na­tio­na­len mi­litäri­schen Maßnah­men wie z.B. Bos­ni­en und den an­de­ren hinläng­lich be­kann­ten UN-Mis­sio­nen leis­ten können, ge­ben wir deut­sche Po­si­tio­nen im Be­reich der Außen­wirt­schaft und Außen­po­li­tik auf. Die­se Freiräume wer­den selbst­verständ­lich von un­se­ren Part­nern nicht nur po­li­tisch, son­dern ex­trem im wirt­schaft­li­chen Be­reich über­nom­men, zu Las­ten des deut­schen Vol­kes, des­sen Wohl zu meh­ren un­se­re Re­gie­run­gen im­mer wie­der schwören.“

Das sind die Sor­gen man­cher Be­triebs­ratsfürs­ten – dass das deut­sche Ka­pi­tal bei der Neu­auf­tei­lung der Welt zu kurz kom­men könnte! Nein, die ein­zig mögli­che ge­werk­schaft­li­che Po­si­ti­on ist: In­ter­na­tio­na­le So­li­da­rität!

Und wenn schon Blau­helm­einsätze – da könnte man doch glatt mal da­von träumen, dass die UNO Blau­helm­sol­da­ten zum Schutz der Asyl­su­chen­den vor dem fa­schis­ti­schen Mob hier zu uns in die­ses Land sen­det. Das wäre wohl mehr im ge­werk­schaft­li­chen Sin­ne als das Kriegs­ge­schrei von „Kol­le­ge“ Wo­dok. Aber am bes­ten wäre es doch, die Ge­werk­schaf­ten würden den Schutz der Flücht­lin­ge – un­se­rer Kol­le­gen – zu ih­rer Sa­che ma­chen, im Sin­ne der al­ten Lo­sung: „Mach mei­nen Kum­pel nicht an!“
Erkenntnis aus der Vorkriegszeit

Zi­tat aus An­trag 1.133 Lud­wigs­ha­fen Fran­ken­thal:

„Im Juli 1914, Tage vor der Verwüstung der Her­zen und Hir­ne, war ein Be­schluss wie die­ser möglich: ‚Wir er­ken­nen in den Kriegs­trei­be­rei­en die ego­is­ti­schen Ma­chen­schaf­ten des großen Ka­pi­tals, der Rüstungs­in­dus­trie und zahl­rei­cher an­de­rer, mit ihr aufs In­nigs­te ver­floch­te­nen ka­pi­ta­lis­ti­schen In­ter­es­sen.’ (Zi­tat aus Fränki­scher Ta­ges­post Nr. 175, 30. Juli 1914)“
Mahnung

„Das Gedächt­nis der Men­schen für er­dul­de­te Lei­den ist er­staun­lich kurz. Ihre Vor­stel­lungs­ga­be für kom­men­de Lei­den ist fast noch ge­rin­ger. Die Be­schrei­bun­gen, die der New Yor­ker von den Greueln der Atom­bom­be er­hielt, schreck­ten ihn an­schei­nend nur we­nig. Der Ham­bur­ger ist noch um­ringt von Rui­nen, und doch zögert er, die Hand ge­gen ei­nen neu­en Krieg zu er­he­ben. Die welt­wei­ten Schre­cken der vier­zi­ger Jah­re schei­nen ver­ges­sen. Der Re­gen von ges­tern macht uns heu­te nicht naß, sa­gen vie­le.

Die Ab­ge­stumpft­heit ist es, die wir zu bekämp­fen ha­ben, ihr äußers­ter Grad ist der Tod. All­zu vie­le kom­men uns heu­te schon vor wie Tote, wie Leu­te, die schon hin­ter sich ha­ben, was sie vor sich ha­ben, so we­nig tun sie da­ge­gen.

Und doch wird nichts mich da­von über­zeu­gen, dass es aus­sichts­los ist, der Ver­nunft ge­gen ihre Fein­de bei­zu­ste­hen. Laßt uns das tau­send­mal Ge­sag­te im­mer wie­der sa­gen, da­mit es nicht ein­mal zu we­nig ge­sagt wur­de! Laßt uns die War­nun­gen er­neu­ern, und wenn sie schon wie Asche in un­se­rem Mund sind! Denn der Mensch­heit dro­hen Krie­ge, ge­gen wel­che die ver­gan­ge­nen wie arm­se­li­ge Ver­su­che sind, und sie wer­den kom­men ohne je­den Zwei­fel, wenn de­nen, die sie in al­ler Öffent­lich­keit vor­be­rei­ten, nicht die Hände zer­schla­gen wer­den.“

Ber­tolt Brecht, Zum Völker­kong­reß für den Frie­den, 1952.


Quelle

http://kaz-online.de/artikel/frieden-mit-den-kriegstreibern (http://kaz-online.de/artikel/frieden-mit-den-kriegstreibern)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Fritz Linow am 05. April 2016, 15:33:32
Hat jemand vielleicht nähere Informationen oder Links zu dieser neuen Gewerkschaft „Social Peace“ bei BMW und Daimler?

07.03.2016:

Zitat
(...)
Eine neue Gewerkschaft will der IG Metall bei BMW und Daimler Konkurrenz machen
(...)
Gut 700 BMW-Mitarbeiter des Münchner Stammwerks hätten ihren Mitgliederantrag bereits unterzeichnet, so Yilmaz im Gespräch mit der Huffington Post.
(...)
Als Spitze der Organisation, die sich bei den beiden Autobauern als Alternative zur bislang dominanten IG Metall etablieren will, steht neben dem 44-jährigen Yilmaz der Ex-Kanzleramts-Berater Christian Lange (58).
(...)
Im Sindlfinger Daimler-Werk haben nach Gewerkschaftsangaben bereits 2000 Mitarbeiter ihre Aufnahmeanträge unterschrieben.
(...)

http://www.huffingtonpost.de/2016/03/07/neue-gewerkschaft-social-_n_9397652.html (http://www.huffingtonpost.de/2016/03/07/neue-gewerkschaft-social-_n_9397652.html)



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 05. April 2016, 15:47:48
Ich finde dazu nicht mal eine Homepage!
Ebenso gibt es dazu auch nur zwei Meldungen. Die von Dir verlinkte und eine von der BILD.
Ich glaube da ist nicht wirklich was dran!


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Fritz Linow am 05. April 2016, 16:04:53
Für eine Münchhausengewerkschaft wäre das aber schon zu viel der medialen Aufmerksamkeit. Ist wohl eher als Initiative zu verstehen.

Doch noch was gefunden, Geffken mal wieder:
Zitat
Neue Metall - Gewerkschaft ?

Die Initiative "Social Peace" aus München stellt sich vor bei RAT & TAT

Als wir unser RAT & TAT Buch "Streikrecht-Tarifeinheit-Gewerkschaften" um die Jahreswende 2015 / 2016 herausgaben, glaubten einige, das darin auch behandelte Thema der "Gewerkschaftsfreiheit" habe in Deutschland eher eine abstrakte Bedeutung. Doch wie die Initiative von Mitgliedern des Betriebsrates bei BMW München und deren großer Zuspruch in kürzester Zeit zeigen, ist diese Fragestellung von höchster Aktualität. Was tun ? Weiter den Grundsatz der "Einheitsgewerkschaft" so verstehen als dürfe es nur 1 (!) Gewerkschaft geben ? Der wachsenden Zahl unzufriedener Gewerkschaftsmitglieder eine neue Perspektive geben ? Was auch immer die Antwort ist: Eines steht für uns dabei fest. Das Grundrecht auf Gewerkschaftsfreiheit muß gewahrt bleiben. Das gilt für die in der Versicherungsbranche aktive "Neue Assekuranz Gewerkschaft" (NAG) ebenso wie für die bislang vorwiegend in der Automobilindustrie aktive Münchener Initiative "Social Peace" (die inzwischen fast 2000 neue Mitglieder zu verzeichnen hat und inzwischen auch über Anhänger in Norddeutschland zB bei Thyssen in Salzgitter verfügt). Wir haben die Hauptinitiatoren, die Kollegen Murat Yilmaz, langjähriges Betriebsratsmitglied bei BMW und Hans Christian Lange (auch BMW München) gebeten, über ihre Erfahrungen, Motive, Pläne und den aktuellen Stand der Initiative zu berichten. Der Workshop findet statt am Freitag, den 3.6.2016 in der Kanzlei RAT & TAT, Lüneburger Tor 7, 21073 Hamburg. 50m entfernt von der S-Bahn Station Harburg Rathaus. Beginn 15.00 Uhr. Wir beginnen um 15.00 Uhr, da wir genügend Zeit für die An- und Abreise von Kolleginnen aus dem ganzen Bundesgebiet, vor allem aber aus Norddeutschland, aber auch für die Diskussion im Anschluß an die Berichte haben wollen. Wir bitten um Anmeldung unter ratundtat@drgeffken.de bis zum 25.5.2016

=375&tx_ttnews[backPid]=1]http://www.drgeffken.de/index.php?id=34&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=375&tx_ttnews[backPid]=1 (http://www.drgeffken.de/index.php?id=34&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 10. April 2016, 19:32:19
Aus: Ausgabe vom 11.04.2016, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Klimaschutz zu teuer?
IG-Metall-Aktionstag »Stahl ist Zukunft«: Gewerkschaft betreibt Komanagement und schickt ihre Mitglieder auch gegen Umweltauflagen auf die Straße

Von Wolfgang Pomrehn

(http://fs5.directupload.net/images/160410/temp/98tncum3.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4320/98tncum3_jpg.htm)(http://)

Am niedersächsischen Stahlstandort Salzgitter fand schon vergangenen Donnerstag der Auftakt zu zahlreichen Gewerkschaftsveranstaltungen statt
Foto: Sebastian Gollnow/dpa- Bildfunk

Am heutigen Montag werden in der Bundesrepublik Zehntausende Stahlwerker auf die Straße gehen. Die Industriegewerkschaft Metall hat zu einem Aktionstag unter dem Motto »Stahl ist Zukunft« mit Kundgebungen unter anderem in Berlin und Duisburg mobilisiert. In ihrem Aufruf beklagt sie auch »überharte Umweltauflagen«. Sie geht von drohenden Mehrbelastungen der Industrie in Höhe von einer Milliarde Euro jährlich aus. Zum Vergleich: Der Umsatz der Branche betrug im vergangenen Jahr 37,8 Milliarden Euro. Das ist immer noch etwas mehr als vor Beginn des großen Booms in der zweiten Hälfte des letzten Jahrzehnts, der schließlich 2008/2009 ein jähes Ende fand. Nach einem heftigen Einbruch erholte sich die deutsche Stahl­industrie rasch wieder. Doch seit 2011 geht es erneut bergab, wie die Statistiken der Wirtschaftsvereinigung Stahl zeigen.

Dies ist ein deutliches Zeichen dafür, dass auf dem Weltmarkt erhebliche Überkapazitäten existieren, die auf den Preis drücken. Doch die IG Metall scheint sich vor allem auf den Umweltschutz einzuschießen. Kritisiert wird insbesondere die geplante Fortentwicklung des EU-internen Emissionshandels für die Handelsperiode ab 2021.

Worum geht es dabei? Kraft- und Stahlwerke sowie einige andere große Emittenten, seit neuestem auch der Luftverkehr, müssen für den von ihnen verantworteten Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) Zertifikate vorweisen oder eine Strafgebühr zahlen. Die Zertifikate kosten derzeit etwas mehr als fünf Euro pro Tonne CO2 und können bei staatlichen Auktionen oder an der Börse erworben werden. Stahlwerke bekommen allerdings bislang den größten Teil ihrer Zertifikate kostenlos. Dabei werden pro produzierter Tonne Stahl 1,5 Tonnen CO2 ausgestoßen. Für rund 1,32 Tonnen CO2 pro Tonne Stahl erhalten die Unternehmen die Zertifikate gratis zugeteilt.

Den Daten der Deutschen Emis­sionshandelsstelle zufolge konnte die deutsche Eisen- und Stahlindustrie bislang sogar stets alle Emissionen mit kostenlosen Zertifikaten decken. Darauf machte der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) am Sonntag in einer Pressemitteilung aufmerksam. Die großen Stahlproduzenten besitzen laut BUND in großem Umfang überschüssige Zertifikate, sowohl kostenlose als auch billige aus Drittstaaten, mit denen sie einen schwunghaften Handel betreiben und dadurch in den vergangenen Jahren sogar zusätzliche Gewinne generiert haben. »Der Emissionshandel ist für energieintensive Unternehmen bisher ein Goldesel, keine Belastung«, erklärte BUND-Chef Hubert Weiger. Darüber hinaus hätten die Konzerne CO2-Kosten, die sie gar nicht hatten, »zu guten Teilen« an ihre Kunden weitergereicht. Anders als in den meisten anderen EU-Staaten würden energieintensiven Unternehmen in der BRD »zusätzlich die CO2-Kosten mit Strombezug erstattet – aus Mitteln für den Klimaschutz«, kritisierte Weiger.

In den letzten Jahren sind wohl auch wegen dieser günstigen Bedingungen in Deutschland, wo nach Ansicht der IG Metall die »weltweit saubersten Stahlproduzenten« operieren, die Emissionen wieder leicht gestiegen. Das ist folgendermaßen zu erklären: Das Eisen liegt im Erz als Oxid vor, das heißt, in einer chemischen Verbindung mit Sauerstoff, aus der es gelöst werden muss. Dies geschieht im Hochofen traditionell mit Koks, der auch zum Aufschmelzen benötigt wird. Der Koks lässt sich zum Teil auch durch andere, weniger CO2-intensive Mittel ersetzen. Doch wegen des Preisverfalls für Koks und Kohle auf dem Weltmarkt wurde davon in letzter Zeit von hiesigen Herstellern, wie kürzlich die VDI-Nachrichten berichteten, weniger Gebrauch gemacht, daher der Anstieg bei den Emissionen.

Unbill sehen Stahlerzeuger wie auch die IG Metall nun durch die Verhandlungen für das nächste Jahrzehnt am Horizont aufziehen. Zum einen befürchten sie, die EU-Regierungen könnten die Zahl der Gratiszertifikate drastisch reduzieren. Zum anderen ist seit langem klar, dass der Preis, den die Unternehmen für die Verschmutzungsrechte zahlen, viel zu niedrig ist. Durch Verknappung der Zertifikate soll er künftig wieder nach oben getrieben werden. Läge er bei 30 Euro pro Tonne CO2, wie ursprünglich beabsichtigt, könnten viel Kohlekraftwerke schon längst nicht mehr konkurrenzfähig arbeiten. Aber dadurch würde unter anderem der Druck auf die umweltfreundlicheren Gaskraftwerke schwinden und mehr Raum für die Entwicklung von Windkraft- und Solaranlagen geschaffen. Vermutlich würde sogar der Strom für private Haushalte und andere Kleinverbraucher günstiger, weil die sogenannte EEG-Umlage abgesenkt werden könnte. Die wird nämlich paradoxerweise durch den niedrigen Börsenstrompreis in die Höhe getrieben.

Die IG Metall geht davon aus, dass die Verteuerung der Zertifikate der deutschen Stahlindustrie Mehrkosten in Höhe von einer Milliarde Euro bescheren würde. Pro Tonne Stahl wären das 23 Euro. Der Preisverfall für Rohstahl ist zugleich tatsächlich gewaltig. Eine Tonne kostete vor einem Jahr an der Londoner Börse noch 300 US-Dollar (264 Euro nach aktuellem Kurs). Im Winter 2015/2016 waren es nur noch 150 US-Dollar (132 Euro), und seit etwa drei Wochen erzielt das Produkt nur noch 50 US-Dollar (44 Euro) pro Tonne. Da könnten zusätzliche Belastungen von 23 Euro pro Tonne schon schmerzen. Es ist jedoch kaum zu erwarten, dass Abgaben in dieser Höhe Ergebnis der Verhandlungen zwischen den EU-Staaten sein werden. Zudem haben die Preise für Betonstahl sowohl in London als auch an den chinesischen Börsen bereits wieder stark angezogen. Darüber hinaus hat die chinesische Führung in ihrem neuen Fünfjahresplan den Abbau der Überkapazitäten in der Stahlerzeugung des Landes als eines der wichtigsten Ziele festgelegt.

Deutschland ist mit jährlich knapp 43 Millionen Tonnen der größte Rohstahlhersteller der EU. In den ersten drei Monaten 2016 lag die Produktion in etwa auf Vorjahresniveau. Der mit Abstand größte deutsche Standort ist Duisburg, es folgen Eisenhüttenstadt, Salzgitter und Bremen. Die größten hierzulande tätigen Stahlkonzerne sind Thyssen-Krupp, Arcelor-Mittal und Salzgitter AG. Seit 1980 wurde die Zahl der in der Branche Beschäftigten nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl um 70 Prozent auf derzeit 86.000 reduziert. Die Menge des erzeugten Rohstahls blieb annähernd gleich, die hergestellte Walzstahlmenge stieg dagegen um 13 Prozent.

Quelle

http://www.jungewelt.de/2016/04-11/039.php (http://www.jungewelt.de/2016/04-11/039.php)



Aus: Ausgabe vom 11.04.2016, Seite 5 / Inland

CSU-Blockade brechen
In München demonstrierte der DGB für ein Gesetz gegen den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen
Von André Scheer, München


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Klare Worte gegen Lohndumping durch Leiharbeit und Werkverträge am Samstag in München
Foto: Peter Kneffel/dpa- Bildfunk

Gegen Lohndumping und die Spaltung der Belegschaften mittels Werkverträgen und Zeitarbeit demonstrierten am Samstag in der bayerischen Landeshauptstadt mehrere tausend Gewerkschafter. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), dessen Bundesvorstand zu der Kundgebung auf dem Odeonsplatz aufgerufen hatte, sprach anschließend großzügig von 3.000 Teilnehmern, die sich bei Nieselregen und kühlen Temperaturen vor der Feldherrnhalle versammelt hatten. Die Vorsitzenden der Einzelgewerkschaften waren ebenfalls nach München gekommen, um DGB-Chef Reiner Hoffmann den Rücken zu stärken.

Auf der Kundgebung kritisierten die Gewerkschaften, dass die Bundesregierung ein schon im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD vereinbartes Gesetz gegen den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen bis heute nicht auf den Weg gebracht hat. Ein als Kompromiss zwischen dem DGB und Unternehmerverbänden zustande gekommener Entwurf des Bundesarbeitsministeriums, den selbst Hoffmann als »weichgespült« bezeichnete, liegt im Kabinett auf Eis, weil sich die CSU gegen das Gesetz sperrt. Schon im November hatte etwa der Vorsitzende der CSU-Mittelstandsunion, Hans Michelbach, gegen die Pläne aus dem Ministerium von Andrea Nahles (SPD) gewettert: »Alles ist klar geregelt – für weitere Einschränkungen gibt es keinen Bedarf.«

Auf der Kundgebung befand Hoffmann, die bayerische Landespartei rücke »immer weiter an den Rand« und damit »weg von der Mitte der Gesellschaft, weg von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die in Leiharbeit und Werkvertragsarbeit zu miesen Bedingungen schuften müssen«. Bei einem Werkvertrag verpflichtet sich der Beschäftigte nicht, für eine bestimmte Zeit seine Arbeitskraft an den Unternehmer zu verkaufen, sondern eine Arbeitsleistung zu liefern. Er »entscheidet selbst«, wie lange er dafür braucht. Für die Unternehmen ist das eine gute Gelegenheit zur Lohnsenkung und zur Verschlechterung der Arbeitsbedingungen – so gibt es zum Beispiel keinen Anspruch auf Urlaub und andere tarifvertragliche Leistungen. Der DGB-Chef betonte, dass man nicht die Werkverträge »an sich« bekämpfe, sondern deren Missbrauch. »Immer öfter werden Werkverträge konstruiert, um Tarifverträge zu umgehen – vom guten Metall- oder Chemietarif in niedrigere Tarifbereiche oder einfach ganz raus aus der Tarifbindung. Die Betriebsräte sagen, dass mittlerweile in zwei von drei Betrieben Arbeiten über Werkverträge fremdvergeben werden. Ziel ist nichts anderes, als Kosten zu senken, Arbeitszeiten zu erhöhen und errungene Standards zu unterlaufen.«

Bei der Kundgebung am Samstag hatten der DGB und seine Mitgliedsverbände auf einer Seite des Odeonsplatzes dicht an dicht Informationsstände aufgebaut, gegenüber gab es überteuerte Bratwürste, veganen Döner, Bier und Glühwein. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (BCE) verteilte Lebkuchenherzen und Popcorn. Anderswo gab es Regenumhänge und Mützen sowie Unmengen gedrucktes Informationsmaterial. Die Eisenbahngewerkschaft EVG sammelte Unterschriften zur EU-Bürgerinitiative für faire Arbeit. Auch SPD, Die Linke, DKP und andere Organisationen waren mit ihren Fahnen gekommen. Mitglieder von ver.di München solidarisierten sich per Transparent mit ihrem Kollegen Orhan Akman, der von den peruanischen Behörden wegen seiner gewerkschaftlichen Aktivität ausgewiesen worden war (jW berichtete). Am Freitag hatte der bayerische Landesbezirksvorstand der Dienstleistungsgewerkschaft Peru aufgefordert, Akman, der seit 2014 dort lebte, die Rückkehr zu gestatten und seine Arbeit nicht mehr zu behindern.

Während der DGB öffentlich eine positive Bilanz der Kundgebung zog, zeigten sich Gewerkschaftsfunktionäre hinter vorgehaltener Hand unzufrieden. Das Ganze sei eine Werbeaktion für die SPD gewesen, die vom Arbeitsministerium »in Auftrag gegeben« worden sei. Im Gespräch mit junge Welt zeigte sich ein DGB-Sekretär, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen wollte, unzufrieden mit der gesamten Vorbereitung und Mobilisierung, die sehr kurzfristig und mitten in den Osterferien gelaufen sei. Er kritisierte auch die Ausrichtung der Aktion: »Es gibt doch im Bundestag eine Mehrheit für das Gesetz, wir könnten also auch Druck auf die SPD ausüben, den Entwurf dann eben ohne die Zustimmung der CSU einzubringen – aber das ist nicht gewollt«, empörte er sich über die kaum verhüllte Unterstützung der schwächelnden Sozialdemokraten durch die DGB-Spitze. Die deutete auch Hoffmann in seiner Rede an, als er statt weiterer Aktionen nur ankündigte, das Thema in den nächsten Wahlkampf zu tragen.

Quelle

http://www.jungewelt.de/2016/04-11/021.php (http://www.jungewelt.de/2016/04-11/021.php)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 11. April 2016, 22:35:01
Aus: Ausgabe vom 12.04.2016, Seite 2 / Kapital & Arbeit


Stahlhart gegen China
IG-Metall-Aktionstag in Duisburg geißelt Konkurrenz in der Branche

(http://fs5.directupload.net/images/160411/temp/wxvdgspd.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4321/wxvdgspd_jpg.htm)(http://)

IG-Metall-Kundgebung in Duisburg: Bleibt die Frage, was läuft falsch?
Foto: Monika Skolimowska/dpa-Bildfunk

In Duisburg wurde am Montag »Klartext« geredet: »Billigimporte« seien der Untergang für die prägende Branche der Stadt. An Europas wichtigstem Stahlstandort hatten sich Arbeiter, Gewerkschaftsfunktionäre und Politiker zu einem Aktionstag versammelt. Tausende Menschen waren dem Aufruf der IG Metall in die Ruhrpott-Metropole gefolgt, dem Sitz der Stahltochter des BRD-Platzhirsches Thyssen-Krupp.

»Sauberer Stahl ist unsere Zukunft«, stand auf Transparenten. Und was mit »sauber« gemeint war, wurde schnell klar: Die Branche brauche keine Dumpingimporte und keine zu hohen Kosten für saubere Luft, so der Tenor der Proteste. Mit letzterem ist eine in Rede stehende Verteuerung der CO2-Emissionszertifikate durch die EU-Kommission gemeint.

Das Hauptargument richtet sich gegen Chinas Stahlindustrie. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt habe »enorme Überkapazitäten« aufgebaut. Deshalb böten die Chinesen nun Stahl zu Schleuderpreisen an, mit denen keiner konkurrieren könne. So oder ähnlich lautet der Vorwurf von Unternehmensführern, Politikern und Gewerkschaftern in den EU-Staaten. Nicht alle betroffenen Arbeiter glauben das. Denn nicht nur in China gibt es Überkapazitäten, auch anderswo wurde kräftig investiert und modernisiert. Doch die globale Nachfrage wächst nicht, die Preise sinken.

Konzerne, die in der EU produzieren lassen, haben auch ein Problem mit den Lohnkosten. Deren Reduzierung ist für sie kaum möglich. »Arbeitsplatzabbau« wegen »unfairer Konkurrenz« schon eher. Die derzeit praktizierte Aktionseinheit aus Arbeitern, Unternehmern und Politikern ist deshalb befremdlich.

In Duisburg versuchte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die Gratwanderung zwischen Verständnis für die Stahlkocher und den Belangen der Umwelt: Sicherheit für die Arbeitsplätze sei genauso wichtig wie der Klimaschutz, sagte der SPD-Chef auf der Kundgebung. Und natürlich könne man das Problem nicht allein lösen: Eine Konsolidierung der Stahlbranche sei keine Frage nur für Deutschland, fügte er hinzu.

Aktionen gab es auch in Berlin sowie an Stahlstandorten in Thüringen und dem Saarland. (Reuters/jW)

Quelle

https://www.jungewelt.de/2016/04-12/007.php (https://www.jungewelt.de/2016/04-12/007.php)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Nao am 12. April 2016, 17:01:35
Ein pures Desaster.

Ich arbeite u.a. mit Gewerkschaftern daran, eine Arbeitersolidarität mit chinesischen Kollegen aufzubauen. Die ersten Schritte entwickeln sich gut.

Und nun kommt die IGM mit einer fürchterlichen Kampagne und macht alle Ideen internationaler Solidarität zunichte.
Es liegt auf der Hand, daß Arbeiter gemeinsame Interessen haben und sich gegen den Druck durch die Unternehmen wehren müssen, auch grenzüberschreitend.

Stattdessen demonstrieren bei den aktuellen IGM Aktionen Arbeiter und Manager gemeinsam gegen die chinesische Konkurrenz. Und gegen "ungerechte" Umweltauflagen. Es wundert dann auch nicht mehr, daß Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel als Redner bei einer solchen Kundgebung eingeladen war.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Troll am 17. April 2016, 10:31:00
Zitat
Old and busted: Gewerkschaft kämpft für $15 Mindestlohn pro Stunde.

New hotness: Gewerkschaft kämpft gegen $15 Mindestlohn.

Punchline: Es ist die selbe Gewerkschaft, und sie kämpfen gegen den Mindestlohn, den sie selbst erkämpft haben ([url]http://www.theguardian.com/us-news/2016/apr/12/los-angeles-15-dollar-minimum-wage-unions[/url]).

Begründung:

Union leaders argue the amendment would give businesses and unions the freedom to negotiate better agreements, which might include lower wages but could make up the difference in other benefits such as healthcare. They argue that such exemptions might make businesses more open to unionization.

Ja nee, klar.

Quelle: Fefes Blog ([url]https://blog.fefe.de/?ts=a9edfe22[/url])


Embedded journalism
Embedded union
Embedded resistance

Widerstand wird vorab mit dem Herrn und Meister abgesprochen, sonst kann sich der Herrscher womöglich nicht wehren und gerät in die Defensive.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: xyu am 25. April 2016, 21:24:06
zur angesprochenen igm-stahl-demo schreibt die zeitung einer trotzkistischen gruppe richtige sachen:

Zitat
Gemeinsam mit unseren Bossen demonstrieren? Nein, danke!

Am 11. April hat die IG Metall Stahlarbeiter aus ganz Deutschland dazu aufgerufen, „gemeinsam mit den Stahl-Unternehmern“ für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zu demonstrieren. Ja, wirklich: Gemeinsam mit den Bossen von ThyssenKrupp und ArcelorMittal, den Vernichtern von zehntausenden Arbeitsplätzen!
Mit denselben Bossen, die selbst in den Jahren des Stahlbooms und der Rekordgewinne entlassen, ausgelagert und Werke verkauft haben. Und die derzeit die nächsten Fusionen und damit die nächste Vernichtung von Arbeitsplätzen vorbereiten. Es ist, als sollte man gemeinsam mit seinem Henker demonstrieren.

Auch die Forderungen der Demonstration waren die der Unternehmer. Deshalb haben sie den Arbeitern auch den Lohn bezahlt, um demonstrieren zu gehen. Die Stahlbosse wollen nämlich in der EU Ausnahmen bei der CO2-Steuer und Strafzölle für Importstahl aus China durchsetzen, um besser gegenüber ihren ausländischen Konkurrenten dazustehen.
Nicht, dass sie dafür unbedingt die Arbeiter bräuchten. Die Stahlkonzerne haben bessere und direkte Kontakte zu den Politikern in Berlin und Brüssel. Doch die gemeinsame Demonstration war für sie auch eine Gelegenheit, den Boden für die nächsten Entlassungen zu bereiten. Denn im Grunde haben sie den Arbeitern dort erklärt: Wenn es demnächst zu Entlassungen kommt, dann sind nicht wir Schuld, sondern die EU und die Konkurrenz aus China. Obwohl, nebenbei, die chinesischen Importe in Wahrheit nicht einmal 5% der europäischen Stahlproduktion ausmachen.

Und der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel wie auch die IG Metall haben sie dabei unterstützt. Denn alle haben den Arbeitern erzählt, dass sie ihre Arbeitsplätze nur retten könnten, indem sie gemeinsam mit den „deutschen“ und „europäischen“ Stahlbossen gegen die Konkurrenz aus China zusammenstehen.

Es gibt kein schädlicheres Gift für uns Arbeiter und keinen widerwärtigeren Versuch, das Klassenbewusstsein der Arbeiter zu vernebeln und zu zerstören. Wenn man diese Konkurrenz-Logik zu Ende denkt, dann müssten die Arbeiter von Thyssen in Duisburg sich auch freuen, wenn „ihr“ Unternehmen gegen den Konkurren-ten ArcelorMittal gewinnt, das Duisbur-ger Werk von Arcelor zumacht und alle dort arbeitslos werden.
Diese Logik zerstört jede Solidarität unter den Arbeitern und damit das Wichtigste, was wir Arbeiter haben. Mit dieser Logik steht am Ende jeder Arbeiter allein. Es ist ein Verbrechen, wenn eine Gewerkschaft dabei mitmacht.
Weltweit kann derzeit mehr Stahl produziert als verkauft werden. Deshalb liefern sich alle Stahlproduzenten mit Billigpreisen und Strafzöllen eine Schlacht um die Absatzmärkte. Und alle Bosse wollen die Folgen dieses Konkurrenzkampfes auf die Arbeiter und die Allgemeinheit abwälzen.

In China hat dies jetzt schon dramatische Folgen: Bis zu 400.000 Stahlarbeiter sollen dort in nächster Zeit entlassen werden. Und arbeitslos werden in China, das bedeutet sofort Elend, Hunger – und oftmals Hunger für die ganze Familie. Betriebe haben auch angefangen, die Löhne zu kürzen. Seit Monaten kommt es in der Kohle- und Stahlindustrie immer häufiger zu Streiks.

Ganz sicher also sind es nicht die chinesischen Arbeiter, die die Arbeitsplätze in Deutschland zerstören. Die Stahlbosse zerstören sie, weltweit!

Die Arbeiter dürfen sich nicht spalten und ablenken lassen. Sie haben nur eine Chance: Dafür zu kämpfen, dass die Unternehmer ihre Arbeitsplätze und Löhne erhalten. Und falls manche Firmen im Moment tatsächlich keinen Gewinn machen sollten, dann sollen die Stahlbosse die Arbeitsplätze von dem Geld erhalten, das sie Jahre und Jahrzehnte lang an der Ausbeutung der Stahlarbeiter verdient haben und wodurch sie heute vielfach zu den 1% Reichsten der Welt gehören.

http://bund-revolutionaerer-arbeiter.org/spip.php?article842 (http://bund-revolutionaerer-arbeiter.org/spip.php?article842)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: xyu am 03. Mai 2016, 00:36:14
Zitat
Anlass zum Austausch über ihre Sorgen und Nöte finden Lohnarbeitende leider zur Genüge. Wie sollte es auch anders sein, wenn ausgerechnet am heutigen Kampftag der Arbeiter_innenklasse Edeltraud Glänzer, stellvertretende Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), ihrer SPD-Genossin, der amtierenden Arbeits- und Sozialministerin, anerkennend bescheinigte: „Andrea Nahles macht ’nen verdammt guten Job!“.  Ein klareres Statement werden Lohnarbeitende von denen, die vorgeben, ihre Interessen zu vertreten, nur selten bekommen. Es ist, was es ist: Es gleicht einer Kampfansage.
https://ggb.hannover.fau.org/2016/05/01/sag-mir-wo-du-stehst/


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 03. Mai 2016, 06:58:05
Ich sehe hier ein Riesenproblem. Die Gewerkschaften haben sich auf die Seite der Wirtschaft geschlagen und vertreten nicht die Interessen der Belegschaften. Das Forum ist voll mit Meldungen und wütendenden Kommentaren.

Und nun?

Es wenden immer mehr den ekelhaften Gewerkschaftsstrukturen den Rücken zu. Es ist aber nicht so, daß jetzt FAU und IWW den großen Zulauf hätten.
Sie dümpeln weiter auf minimalem Mitgliederniveau vor sich hin.

Ich bin auch nicht sicher, ob alternative Gewerkschaften nun die Antwort sind auf unsere Hilflosigkeit gegenüber dem ungehinderten Vormarsch der Kapitalinteressen. Es wird viel zu wenig nach Möglichkeiten gesucht, betriebliche Auseinandersetzungen zu organisieren. Es ist bei Linken (mit Ausnahme irgendwelcher Dogmatiker alter Schule) ein weißer Fleck auf der Karte. Es könnte auch mit Methoden von sozialen Bewegungen versucht werden. Es könnte die Diskussion und die Organisationsstruktur sich über den Betrieb hinaus entwickeln, z.B. stadtteilbezogen. Forderungen und Unterstützer, die sich auch außerhalb des Rahmens eines Unternehmens bewegen.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 03. Mai 2016, 10:10:16
Zitat
Es wenden immer mehr den ekelhaften Gewerkschaftsstrukturen den Rücken zu. Es ist aber nicht so, daß jetzt FAU und IWW den großen Zulauf hätten.
Sie dümpeln weiter auf minimalem Mitgliederniveau vor sich hin.
Es ist eigentlich schade, das die Kollegen nicht versucht haben, innerhalb der Gewerkschaftsstruktur zu intervenieren. An der Basis trifft man ja auch heute noch hin und wieder Gewerkschafter vom "alten Schlag". Die sind aber mittlerweile so selten, das sie vermutlich unter Artenschutz stehen.
Hätten sich die frustrierten Gewerkschafter nicht in die Vereinzelung begeben sondern sich geschlossen organisiert, hätten sie vermutlich mehr Mitglieder als die eigentlichen Gewerkschaften!


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 03. Mai 2016, 10:25:34
Innerhalb der DGB Strukturen gibt es auch Mobbin gegenüber kämpferischen Kollegen.Weiterhin ist der DGB am Gängelband der SPD. Gerade innerhalb des DGBs gab es ja zwei Wellen der Kommunistenverfolgungen,inklsuive Ausschluß aus gewerkschaft,Mobbing,Denuntiation und sogar Verhaftungen für kommunistische Wiederbetätigung nach dem KPD Verbot.Zuerst unterm Adenauer und Kurt Schumacher Regime,später die Berufsverbote,Radikalenerlaß usw bem Onkel "Mehr Demokratie wagen" Willy Brandt, Davon hat sich der DGB bis heute nicht erholt.In den meisten DGB Gewerkschaften gibt es immer noch Unvereinbarkeitsbeschlüsse gegen Kommunisten, angewandt werden sie nur noch von der IG Metall gegen kommunsitische Betriebsräte,interne Sperrlisten, die es Kommunisten unmöglich macen sollen höhere Funktionen zu haben etc.
Ich persönlich glaube nicht, daß es möglich ist, sich die Gewerkschaften klassenkämpferisch zurückzerobern. Sehr isoliert ist das Ganze hier....allein schon wenn ic dran denke, mit was für einen Hick Hack heute in meiner Stadt überhaupt der DGB unterschriieben hat für eine heuige Veranstaltung,die an das faschistische Massaker im Gewerkschaftshaus in Odessa erinnert, könnte ich kotzen. Da wurde diskutiert ,daß da keine Faschisten gewesen wären,alles unklar ist etc bis hin zu "Man muß aber auch von den Linksradikalen sich distanzieren".... >:(
FAU sind ideologisch zu eng und der IWW ist da etwas offener. Aber ob sich da Leute engagieren,ist abhängig von dne Strukturen vor Ort. Eine ohnmächte Gewerkschaft,ohne Rechtsbeistand und Streikfähigkeit,wirkt auf die meisten normalen Arbeiter eher uninteressant. Die Frage,was die Mitgliedschaft einem konkret bringt,im Betrieb usw. das ist der springende Punkt für die meisten. Es sei denn,man ist da sehr idealistsch geprägt.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: xyu am 15. Mai 2016, 23:16:08
Zitat
Die IG Metall war also in einer Position der Stärke. Warum hat sie sich dennoch mit einem solch schlappen Resultat begnügt – das noch dazu die Möglichkeit zu betrieblichen Abweichungen nach unten bietet? Der Grund wird deutlich, wenn ­IG-Metall-Verhandlungsführer Knut Gieser vom »tarifpolitischen Kurs der wirtschaftlichen Vernunft« spricht. Die gemäßigte Haltung der Gewerkschaftsoberen ergibt sich aus ihrem Ziel, den internationalen Wettbewerbsvorteil der deutschen Industrie zu erhalten. Die katastrophalen Folgen sind überall in Europa zu besichtigen.

http://www.jungewelt.de/2016/05-14/040.php (http://www.jungewelt.de/2016/05-14/040.php)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 16. Mai 2016, 11:44:05
Zitat
Der Grund wird deutlich, wenn ­IG-Metall-Verhandlungsführer Knut Gieser vom »tarifpolitischen Kurs der wirtschaftlichen Vernunft« spricht.

Dieses dreckige Verräterpack! Hat Knut Gieser auch eine Briefkastenfirma in Panama? (http://www.smilies.4-user.de/include/Wut/smilie_wut_117.gif)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: counselor am 16. Mai 2016, 12:13:25
Knut G. hat eine Bilderbuchkarriere in der IGM hinter sich:
http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/thema_nt/article155314626/Gewerkschaftskarriere-wie-aus-dem-Bilderbuch.html (http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/thema_nt/article155314626/Gewerkschaftskarriere-wie-aus-dem-Bilderbuch.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: xyu am 19. Mai 2016, 02:24:12


Ich bin auch nicht sicher, ob alternative Gewerkschaften nun die Antwort sind auf unsere Hilflosigkeit gegenüber dem ungehinderten Vormarsch der Kapitalinteressen. Es wird viel zu wenig nach Möglichkeiten gesucht, betriebliche Auseinandersetzungen zu organisieren. Es ist bei Linken (mit Ausnahme irgendwelcher Dogmatiker alter Schule) ein weißer Fleck auf der Karte. Es könnte auch mit Methoden von sozialen Bewegungen versucht werden. Es könnte die Diskussion und die Organisationsstruktur sich über den Betrieb hinaus entwickeln, z.B. stadtteilbezogen. Forderungen und Unterstützer, die sich auch außerhalb des Rahmens eines Unternehmens bewegen.


Zitat
Der Aufbau von Strukturen, in denen man unabhängig diskutieren kann und auch zu unabhängien Aktionen kommt, halte ich für den wichtigsten Schritt, den wir tun müssen, um den notwendigen Widerstand gegen die gesellschaftlichen Entwicklungen (Verarmung, Entrechtung) zu ermöglichen.


www.chefduzen.de/index.php?topic=24160.msg310807#msg310807 (http://www.chefduzen.de/index.php?topic=24160.msg310807#msg310807)

erstmal, wenn die perspektive ist: baldmöglichst selbst-aufhebung des proletariats [nix mit "my class, my pride"] und deren bedingung, dass sich lohnabhängige zumindest gegen einzelne zumutungen, die mit dem klassenkampf von oben einhergehen, zu wehren gelernt haben, dann ist das sinnvollste:

- es gibt möglichst wenig trennungen (zum beispiel xy-mitglied/ kein xyz-mitglied, was auch oftmals nichts über bewusstsein und praxis aussagt)

-es wird gemeinsam was besprochen und gemacht.

zum zweiten punkt:
ich mag hier noch so radikalinskihaft forenbeiträge verfassen, aber wenn ich etwa ner autoritären direkten chefin gegenüberstehe hab ich oft ein ganz anderes bild abgegeben [im vorteil ist -nur in diesem sinne-, wer frühzeitig gelernt hat bzw. lernen musste, mit harten konfliktsituationen umzugehen].
sehr hilfreich ist dann zu wissen, wie kollegInnen mit geschichten umgehen und sich am besten zu verabreden, sachen nicht zu dulden/ sich zu wehren!

stadtteilarbeit, externe comrades (denn welche vollzeitmalocherInnen haben noch genug kraft übrig?; aber klar: keine federführenden "ngo"-externen), sprengung der betriebsgrenzen, ... alles sinnvoll, und, in jedem fall: die unabhängige diskussion (anderweitig bewegst du dich by the way im rahmen irgendwelcher "statuten", die je nach politischem geschmack der gewerkschafts-amtsträgerInnen mal zum einsatz gebracht, mal umgangen werden).

ob ne i.w.w. oder fau oder auch ver.di-struktur vor ort hilfreich sein bzw. nutzbar gemacht werden kann defensive kämpfe (mit der perspektive offensiver kämpfe im kopf) zu entfachen, dass muss konkret je gemengelage entschieden werden (hab mich bspw. auch jetzt aktiv an der "aufsuchenden mitgliederbefragung" zum ergebnis der tarifrunde im öff. dienst beteiligt und dann aus dem stehgreif zusätzlich, ohne dessen besonderer anhänger zu sein,  das flugblatt [ netzwerk-verdi.de/fileadmin/Material/NwFlugblattTROED2016BundKommunen_20160310.pdf ] des "netzwerk für eine kämpferische und demokratische ver.di" gegeben,  halt um nen kontrapunkt zu den offiziellen verlautbarungen zu setzen) .  

es gibt ja zum beispiel auch betriebsräte, die sinnvolle sachen machen (im gegensatz zu ihrer gesetzlichen aufgabe: der vertrauensvollen zusammenarbeit) - ein krankenhaus-betriebsrat, der glaub ich auch schon öfters drohte, gekündigt zu werden, hat sich etwa auf die konkrete parteiische auslegung von arbeits(zeit)gesetzen spezialisiert und material verfasst, welches mitlerweile sogar bundesweit von verdi unter dem titel "schichtplanfibel" vertrieben wird. prob dabei: was da drinsteht (etwa: eine halbtagskraft muss natürlich nur ein wochenende im monat arbeiten, ne viertelkraft z.b. nur einen samstag oder sonntag) klingt für die übergroße mehrzahl der pflegerInnen extrem utopisch.
ich gehe jetzt mal von aus, dass dieser br das in seinem betrieb versucht hat durchzusetzen, an manch anderem ort wurde halt die "fibel" verteilt.

papier ist geduldig - auch das arbeitszeitgesetz, das mindestlohngesetz und wohl auch die meisten tarifverträge wurden noch nie flächendeckend eingehalten.

soviel steht fest: organisationen, deren liebste beschäftigung es ist, geduldiges papier zu bearbeiten, sind nicht der richtige hebel im klassenkampf.





Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 11. Juli 2016, 09:50:12
Zitat
Protest in Frankfurt
Verdi wird bestreikt


([url]http://www.fr-online.de/image/view/2016/6/11/34487506,38116025,dmFlashTeaserRes,Banken_170616_4c.jpg[/url])
Verdi soll heute bundesweit selbst bestreikt werden. Die Arbeitnehmer sind unzufrieden mit der Gewerkschaft.

Die Gewerkschaft der Gewerkschaftsbeschäftigten (GdG) ruft für Montag zum bundesweiten Streik bei Verdi auf. Grund sind die laufenden Tarifverhandlungen.


Die immer wieder mit Streiks Schlagzeilen machende Dienstleistungsgewerkschaft Verdi soll nun selbst bestreikt werden. Die Gewerkschaft der Gewerkschaftsbeschäftigten (GdG) hat für diesen Montag zu einem bundesweiten Streik aufgerufen. Eine zentrale Protestveranstaltung ist in Frankfurt geplant, wo auch die Verhandlungen stattfinden. Der Protest richtet sich gegen die Haltung von Verdi als Arbeitgeber in laufenden Tarifverhandlungen.

Der GdG-Vorsitzende Bernhard Stracke sagte: "Die Beschäftigten sind wirklich sauer, weil das Angebot der Arbeitgeber unterirdisch ist und die Belastung der Beschäftigten im vergangenen Jahr sehr hoch war." Der Arbeitgeber habe umgerechnet 0,23 Prozent mehr Geld für dieses Jahr geboten, der Gesamtbetriebsrat fordere aber 5 Prozent mehr. Stracke kritisierte auch, dass Verdi-Chef Frank Bsirske «Tarifverträge für alle Beschäftigten in Deutschland fordert, im eigenen Haus dies jedoch ablehnt». (dpa)
http://www.fr-online.de/frankfurt/protest-in-frankfurt-verdi-wird-bestreikt,1472798,34487458.html (http://www.fr-online.de/frankfurt/protest-in-frankfurt-verdi-wird-bestreikt,1472798,34487458.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Fritz Linow am 11. Juli 2016, 11:04:41
Aus der Kommunistischen Volkszeitung 1976:

(http://fs5.directupload.net/images/160711/u4ivh5jl.png) (http://www.directupload.net)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: counselor am 11. Juli 2016, 11:47:17
Kommunistische Volkszeitung,  das war doch der Kommunistische Bund Westdeutschlands. Einige von denen (zB Trittin) haben später steile politische Karrieren im Kapitalismus hingelegt.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Fritz Linow am 14. Juli 2016, 14:02:02
Protest in Frankfurt
Verdi wird bestreikt

Verdi soll heute bundesweit selbst bestreikt werden. Die Arbeitnehmer sind unzufrieden mit der Gewerkschaft.

Die Gewerkschaft der Gewerkschaftsbeschäftigten (GdG) ruft für Montag zum bundesweiten Streik bei Verdi auf. Grund sind die laufenden Tarifverhandlungen.


Ich finde einen Streik gegen eine DGB-Gewerkschaft ja eigentlich ganz sympathisch, aber diese Impression hier vom Streik ist ja wohl für'n Arsch und zeigt, wie tief der Dienstleistungsgedanke an Gewerkschaften in Deutschland verankert ist:

(http://fs5.directupload.net/images/160714/tejxm3ns.png) (http://www.directupload.net)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 15. Juli 2016, 19:21:19
Stahlarbeiter für die Stahlbarone an die Front!

Um nichts an­de­res ging es an den IGM-Ak­ti­ons­ta­gen 7. und 11. April 2016. Die IGM-Führung hat die Be­leg­schaf­ten der Stahl­be­trie­be un­ter dem Mot­to „Stahl ist Zu­kunft“ auf­ge­ru­fen, an die­sen Ta­gen für die „Si­cher­heit ih­rer Ar­beitsplätze“ zu de­mons­trie­ren. Dazu hat sie verkündet: „Die Bran­che er­lebt ein Schick­sals­jahr. Geht sie un­ter, würde der In­dus­trie­stand­ort schwe­ren Scha­den neh­men.“ Wer geht bei so ei­ner Ankündi­gung nicht auf die Straße, um den Un­ter­gang ab­zu­wen­den?

Ent­spre­chend war das Bild auf den Straßen und vor Be­triebs­to­ren, ein Bild, wie wir uns das nicht nur von den Stahl­ar­bei­tern, son­dern von al­len Ge­werk­schaf­ten am 1. Mai und ins­be­son­de­re im­mer dann wünschen, wenn die Re­gie­rung im Auf­trag des Ka­pi­tals ge­gen un­se­re In­ter­es­sen und Rech­te ge­rich­te­te Ge­set­ze im Par­la­ment vor­be­rei­tet oder ver­ab­schie­det. Aber da­von konn­te an die­sen Ta­gen kei­ne Rede sein. Die Stahl­ar­bei­ter ha­ben sich mit der dafür im­mer wie­der als Ve­hi­kel hoch­ge­ju­bel­ten „Ar­beits­platz­si­cher­heit“ vom IGM-Vor­stand vor den Kar­ren der Kon­zern-Bos­se span­nen las­sen. In der Mai-me­tall­zei­tung wird das als Sieg, als Auf­takt für „mehr“ ge­fei­ert. Nach den dort ge­mach­ten An­ga­ben gin­gen hier­bei „in Duis­burg, Ber­lin, Salz­git­ter, an der Saar und an an­de­ren Or­ten mehr als 45.000 Beschäftig­te auf die Straße. Sie for­dern von der Po­li­tik: Ret­tet un­se­re Wer­ke und Ar­beitsplätze.“

Vor­be­rei­tend dazu sind be­reits seit Jah­res­an­fang – mit Schwer­punkt in der Zeit vom 24. bis 29. Ja­nu­ar 2016 – in den Stahl­re­gio­nen be­trieb­li­che Ak­tio­nen ge­lau­fen. Da­bei wur­den und wer­den dazu vom EU-Par­la­ment ver­bil­lig­te bzw. kos­ten­lo­se Emis­si­ons­rech­te und ins­be­son­de­re „Schutz vor un­fai­ren Han­dels­prak­ti­ken“ fürs Stahl­ka­pi­tal ge­for­dert. Ge­hetzt wird da­bei in ers­ter Li­nie ge­gen Chi­na, um von den in der ka­pi­ta­lis­ti­schen Kon­kur­renz lie­gen­den Ur­sa­chen ab­zu­len­ken. Die Stahl­ar­bei­ter in der BRD wer­den hier­bei auf ihre Kol­le­gen in den chi­ne­si­schen Hütten an­ge­setzt. Im Info „di­rekt“ 05/​2016 lässt die IGM dafür z. B. Be­triebsräte aus Stahl­be­trie­ben in Duis­burg, Gröditz, Salz­git­ter und Völklin­gen zu Wort kom­men. Sie alle bestäti­gen, dass die Si­cher­heit ih­rer Ar­beitsplätze vor al­lem durch chi­ne­si­sche „Bil­lig-Stahl-Im­por­te“ und durch die Ver­teue­rung der Zer­ti­fi­ka­te beim Emis­si­ons­han­del be­droht ist (sie­he Kas­ten „Geld dru­cken mit Emis­si­ons­han­del“). Vom Ge­samt-Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den (GBR) Günter Back von Thys­sen-Krupp Steel Eu­ro­pe in Duis­burg wird da­bei be­rich­tet: „Back und sei­ne Kol­le­gen macht es wütend, dass die deut­sche und eu­ropäische Kli­ma­po­li­tik den welt­weit um­welt­freund­lichs­ten Stahl­pro­du­zen­den den To­des­s­toß ver­set­zen könnte und sie ver­drängt würden durch Länder wie Chi­na, die so­wohl schlech­te­re Ar­beits­be­din­gun­gen als auch nied­ri­ge­re Um­welt­stan­dards ha­ben.“ (me­tall­zei­tung Mai 2016, S. 9) Und der Ge­samt-Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de von Saar­stahl Völklin­gen, Ste­phan Ahr, stellt da­bei fest: „Chi­na will Eu­ro­pas Stahl­her­stel­ler mit Preis­dum­ping in die Knie zwin­gen und eine glo­ba­le Mo­no­pol­stel­lung ein­neh­men. Bei der So­lar­bran­che ha­ben wir das schon er­lebt. Das gilt es beim Stahl ab­zu­weh­ren.“

Und im Info „di­rekt“ 03/​2016 erklärt der IGM-Vor­stand: „Am Pran­ger steht Chi­na,das den Welt­markt mit Stahl zu Dum­ping­prei­sen über­flu­tet. Die Volks­re­pu­blik ver­kauft ih­ren staat­lich sub­ven­tio­nier­ten Stahl in Eu­ro­pa zu Prei­sen un­ter den Her­stel­lungs­kos­ten. So lie­gen zum Bei­spiel die chi­ne­si­schen Prei­se für Flach­stahl um bis zu 50 Pro­zent un­ter den eu­ropäischen.“
Schutzzölle und Emissionsrechte gegen „Todesstöße“ und Bedrohung deutscher Standorte

Fol­gen wir der mit die­sen Aus­sa­gen ver­brei­te­ten Pa­nik­ma­che, von evtl. kurz­fris­tig be­vor­ste­hen­den Werks­sch­ließun­gen mit ent­spre­chen­den Ar­beits­platz­ver­lus­ten usw., dann hat der Un­ter­gang Eu­ro­pas kurz be­vor­ge­stan­den. Nach­ge­hol­fen wur­de hier­bei mit Pres­se­mel­dun­gen wie „Stahl­kri­se be­droht Eu­ro­pa“ und der dazu gehören­den Fest­stel­lung: „Mehr als die Hälfte des glo­ba­len Stahls kommt heu­te aus chi­ne­si­schen Hütten. Ten­denz stei­gend. Knapp 400 Mil­lio­nen Ton­nen Stahl, die Chi­na über sei­nen ei­ge­nen Be­darf pro­du­ziert, ge­lang­ten 2015 als Bil­lig-Im­por­te auf den Welt­markt, ar­gu­men­tie­ren Kri­ti­ker – mehr als das Dop­pel­te, was die EU als welt­weit zweit­größter Her­stel­ler im sel­ben Zeit­raum pro­du­zie­ren kann.“ (Eu­rAc­tiv 22.04.2016)

Um et­was ge­gen die­se „Be­dro­hung“ und „Über­flu­tung“ durch „Bil­lig-Stahl“ aus Chi­na zu un­ter­neh­men, hat sich der IGM-Vor­stand mit den ver­ei­nig­ten Stahl­ka­pi­ta­lis­ten, der „Wirt­schafts­ver­ei­ni­gung Stahl“ verbündet und be­reits im Ja­nu­ar 2016 ein „ge­mein­sa­mes Eck­punk­te-Pa­pier“ be­schlos­sen. Auf die­ser Ba­sis sind of­fen­sicht­lich auch die in der Mai-me­tall­zei­tung auf Sei­te 9 ge­nann­ten IGM-For­de­run­gen ent­stan­den. Sie um­fas­sen die fol­gen­den drei Punk­te:

„Die EU-Kom­mis­si­on muss wirk­sa­me Schutzzölle ge­gen Dum­ping­prei­se ausländi­scher Her­stel­ler durch­set­zen, die mit un­fai­ren Prak­ti­ken deut­sche Stand­or­te und Ar­beitsplätze gefähr­den.

Kli­ma­schutz muss um­welt­freund­li­che In­ves­ti­tio­nen be­loh­nen. Der Emis­si­ons­rech­te­han­del darf nicht zu ruinösen Kos­ten­be­las­tun­gen führen, Ar­beitsplätze gefähr­den, und In­ves­ti­tio­nen, auch in Um­welt­schutz unmöglich ma­chen. Die 10 Pro­zent kli­ma­freund­lichs­ten Stahl­wer­ke müssen die Emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­te zu 100 Pro­zent kos­ten­frei er­hal­ten.

Aus Ga­sen, die in der Pro­duk­ti­on ent­ste­hen, Strom zu er­zeu­gen, an­statt sie ab­zu­fa­ckeln, ist um­welt­freund­lich. Ei­gen­strom muss von Um­la­gen nach dem Er­neu­er­ba­re-En­er­gi­en-Ge­setz (EEG) be­freit blei­ben.“
Demos gegen die eigene Geschichte und Erfahrung

Als die Stahl­ar­bei­ter sich für die­se For­de­run­gen von der IGM-Führung vor die Fa­brik­to­re, auf die Straßen und vors Bun­des­kanz­ler­amt nach Ber­lin schlep­pen ließen, ha­ben sie of­fen­sicht­lich ei­nen großen Teil ih­rer ei­ge­nen Ge­schich­te aus den Au­gen ver­lo­ren. Sie hätten sonst drauf kom­men müssen, dass nicht die Stahl­ar­bei­ter in Chi­na ihre Geg­ner sein können. Zu die­ser Ge­schich­te gehören ihre ei­ge­nen Streiks, De­mos und Kund­ge­bun­gen ge­gen die in den Kon­zer­ne­ta­gen vom deut­schen Mo­no­pol­ka­pi­tal be­schlos­se­nen Schließun­gen der Stahl­wer­ke und der da­mit ver­bun­de­nen Ver­nich­tung ih­rer Ar­beitsplätze. Ihre Pro­tes­te wa­ren da­bei mit­ge­tra­gen von der So­li­da­rität zig­tau­sen­der Me­tal­le­rin­nen und Me­tal­ler und vie­len Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen aus an­de­ren Ge­werk­schaf­ten. Dafür sind wir über die Jah­re im­mer wie­der nach Dort­mund, Duis­burg, Rhein­hau­sen und in an­de­re Orte ge­fah­ren. Der Er­in­ne­rung an die­se Zeit ohne Kon­kur­renz aus chi­ne­si­schen Hochöfen kann man nach­hel­fen z.B. bei Wi­ki­pe­dia (https://​de.wi­ki­pe­dia.org/​wiki/​Stahl­kri­se): „Im Zuge des Kon­zen­tra­ti­ons­pro­zes­se in Deutsch­land wur­den die meis­ten Hochöfen des Ruhr­ge­biets ge­schlos­sen. Die Haupt­pro­duk­ti­on wur­de nach Duis­burg ver­la­gert. Der West-Ver­la­ge­rung von Stahl­stand­or­ten im Ruhr­ge­biet an die Rhein­schie­ne ging in den späten 1980er Jah­ren zunächst die Schließung des Krupp-Hütten­werks in Rhein­hau­sen vor­aus, die ers­te mar­kan­te Ak­ti­vität des nach­ma­li­gen Or­ga­ni­sa­tors der Kon­zen­tra­ti­on auf Sei­ten von Krupp, Ger­hard Crom­me.

Die West­fa­lenhütte und die Phönix-Hütte von Hoesch in Dort­mund und die Hen­richshütte von Thys­sen in Hat­tin­gen wur­den ge­schlos­sen und die An­la­gen in die Volks­re­pu­blik Chi­na ver­kauft. Glei­ches ge­schah mit der Ko­ke­rei Kai­ser­stuhl, der da­mals mo­derns­ten Ko­ke­rei Eu­ro­pas, die nach nur we­ni­gen Be­triebs­jah­ren auf­grund der Ver­la­ge­rung der Stahl­er­zeu­gung des Thys­sen­Krupp-Kon­zerns an die Rhein­schie­ne kei­nen Ab­satz mehr hat­te. In Duis­burg-Beecker­werth ent­stand 1993 ein neu­er, mo­der­ner Hoch­ofen, der die Ar­beit sei­ner drei al­ten Vorgänger über­nahm (12.200 Ton­nen Roh­ei­sen pro Tag). Thys­sen kon­zen­trier­te sich be­reits vor sei­ner Fu­si­on mit Krupp-Hoesch auf die Pro­duk­ti­on von Flach­stahl und ver­kauf­te sein Pro­fil­stahl­geschäft. Die­ser Kon­zen­tra­ti­ons­pro­zess kos­te­te vor al­lem im Ruhr­ge­biet eine fünf­stel­li­ge Zahl von Ar­beitsplätzen.“

Im Zu­sam­men­hang mit den IGM-Ak­ti­ons­ta­gen hieß es dazu in ei­nem Ar­ti­kel der Zei­tung jun­ge Welt (jW) vom 11. April 2016: „Von 1980 bis 2015 hat sich die Zahl der Beschäftig­ten in der deut­schen Stahl­in­dus­trie um 70 Pro­zent re­du­ziert, aber her­ge­stellt wird da­bei et­was mehr als vor 35 Jah­ren. Was früher 10 Ar­bei­ter schaff­ten, er­le­di­gen heu­te we­ni­ger als drei.“
„Wir haben die umweltfreundlichste Stahlindustrie der Welt“,

hat der Lei­ter des IGM-Stahlbüros, Hei­ko Ree­se in ei­nem In­ter­view fest­ge­stellt. Dem hat der Bun­des­tag am 12. Mai 2016 Rech­nung ge­tra­gen und be­schlos­sen, wofür die Stahl­ar­bei­ter im April auf die Straße und vor die Be­triebs­to­re ge­gan­gen sind: „Schutz vor Dum­ping­s­tahl aus Chi­na, kos­ten­freie Emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­te für die zehn Pro­zent emis­si­onsärms­ten Stahl­wer­ke und wei­ter­hin Be­frei­ung des Ei­gen­stroms von Um­la­gen nach dem Er­neu­er­ba­re-En­er­gi­en-Ge­setz.“

Da­mit wur­de den BRD-Stahl­mo­no­po­len die Po­si­ti­on ge­genüber der eu­ropäischen und in­ter­na­tio­na­len Kon­kur­renz gestärkt. Den „Stahl­beschäftig­ten“ wird das im IGM-Info 06/​2016 als „ers­te Er­fol­ge ih­rer Kam­pa­gne für die Zu­kunft ih­rer Bran­che“ erklärt.

Es ist ge­ra­de­zu idio­tisch, was die­ser IGM-Vor­stand den Stahl­ar­bei­tern in Veröffent­li­chun­gen als Er­folg ih­rer De­mons­tra­tio­nen un­ter­ju­belt. Wie sol­len denn die Ar­beitsplätze da­durch ge­si­chert wer­den, wenn dem Stahl­ka­pi­tal in der BRD noch mehr kos­ten­lo­se Emis­si­ons­pa­pie­re in den Ra­chen ge­schmis­sen und evtl. Strafzölle auf chi­ne­si­schen Stahl er­ho­ben wer­den? Da­durch wer­den doch die ka­pi­ta­lis­ti­schen Ge­setzmäßig­kei­ten, die Kon­kur­renz der Ka­pi­ta­lis­ten un­ter­ein­an­der nicht aus­ge­he­belt. Auch, wenn Chi­na den Ka­pi­ta­lis­ten welt­weit den Ge­fal­len tun würde, kei­nen Stahl mehr zu ex­por­tie­ren, wären da­mit die Über­pro­duk­ti­ons-Stahl-Ber­ge als mögli­cher „Dum­ping-Stahl“ an­de­rer in der BRD, Öster­reich, Frank­reich, Bel­gi­en, Lu­xem­burg, Großbri­tan­ni­en, Ita­li­en, Schwe­den, den USA oder an­ders­wo nicht aus der Welt.

Aber das ist nicht al­les an Er­fol­gen. Der IGM-Vor­stand hef­tet sich den Be­schluss des Eu­ro­pa­par­la­ments, Chi­na den Sta­tus ei­ner „Markt­wirt­schaft“ zu ver­wei­gern, als Er­folg gleich mit an die Füße. Da­mit ver­sucht die EU, Chi­na in die Enge zu trei­ben, un­ter Druck zu set­zen und für ihre For­de­run­gen gefügig zu ma­chen. „Die Volks­re­pu­blik erfülle we­gen des star­ken staat­li­chen Ein­flus­ses auf die Wirt­schaft nicht die EU-Kri­te­ri­en für die Markt­wirt­schaftsländer, stell­te das Straßbur­ger Par­la­ment am Don­ners­tag fest“ (Spie­gel ON­LINE 12.05.2016.)

Die­ses bevölke­rungs­reichs­te Land der Erde ist nach wie vor ein Sta­chel, der nicht in die Welt­be­herr­schungs­pläne der Mo­no­pol­bour­geoi­sie passt – und das gilt welt­weit. Fürs deut­sche Mo­no­pol­ka­pi­tal – es ist mit BASF, BMW, Mer­ce­des Benz, VW, der Deut­schen Bank, Thys­sen­Krupp, Al­li­anz usw. usw. dort ver­tre­ten, seit das Land für ausländi­sches Ka­pi­tal geöff­net wur­de – geht es nicht um die Si­che­rung von Ar­beitsplätzen in der Stahl­in­dus­trie oder sonst wo. Es geht um den Markt – in an­de­ren Ka­te­go­ri­en kann das Ka­pi­ta­lis­ten­hirn nicht den­ken –, der sich mit 1,37 Mil­li­ar­den Men­schen zur Aus­beu­tung an­bie­tet. Den will der deut­sche Im­pe­ria­lis­mus nicht der Kon­kur­renz aus den USA, Ja­pan oder auch Eu­ro­pa über­las­sen. Schon gar nicht – und da­bei sind sie sich mit ih­ren Kon­kur­ren­ten wie­der ei­nig – darf der von den chi­ne­si­schen Ar­bei­tern, Bau­ern und an­de­ren Werktäti­gen er­ar­bei­te­te Reich­tum die­sen selbst gehören. Und hier­bei geht es eben­so dar­um, mit­zu­mi­schen bei dem Be­stre­ben der Mo­no­pol­bour­geoi­sie welt­weit, auch die­ses Land in die Knie zu zwin­gen, es wie­der ih­ren Ka­pi­tal­ver­wer­tungs­bedürf­nis­sen un­ter­zu­ord­nen und im Kampf um die Vor­herr­schaft auf der Welt da­bei ei­nen möglichst großen Hap­pen für sich selbst ab­zu­ste­cken – das ist es, was die deut­sche Mo­no­pol­bour­geoi­sie in al­ter Tra­di­ti­on um­treibt.

Dafür wer­den alle Re­gis­ter der „fried­li­chen“ In­fil­tra­ti­on ge­zo­gen, Po­li­ti­ker, Di­plo­ma­ten, Stif­tun­gen, In­sti­tu­te, Men­schen­rechts­ver­ei­ne ins Ren­nen ge­schickt – die of­fe­ne mi­litäri­sche Ge­walt als Dro­hung stets im Hin­ter­grund. Nichts an­de­rem dient die­se er­neu­te Hetz-Kam­pa­gne ge­gen Chi­na, die von der IGM-Führung zur Stärkung des deut­schen Im­pe­ria­lis­mus kräftig un­terstützt wird. In dem Zu­sam­men­hang ist an ihre im Fe­bru­ar 2015 ge­mach­te Aus­sa­ge zu er­in­nern: „Die IG Me­tall kann und will wei­ter­hin zum Er­folg der deut­schen Wirt­schaft bei­tra­gen“. Auf die­ser Ba­sis ist das „Bünd­nis für In­dus­trie“ ent­stan­den. Da­bei ist es kein Wun­der, wenn die deut­schen Kon­zer­ne Ge­wehr bei Fuß ste­hen und er­war­ten, mit Hil­fe der Ge­werk­schaftsführer nie­der­reißen zu können, was ih­ren Pro­fit­zie­len als Ar­bei­ter­recht ent­ge­gen­steht. Das ver­bin­det sich mit dem Ziel, al­les, was sich in Chi­na noch in Staats­be­sitz be­fin­det, nach „EU-Rechts­kri­te­ri­en“ zu pri­va­ti­sie­ren und zu zer­schla­gen, was sich das chi­ne­si­sche Volk im Kampf ge­gen sei­ne Aus­beu­ter erkämpft und un­ter so­zia­lis­ti­schen Verhält­nis­sen auf­ge­baut hat. Ein Bei­spiel dafür, wie so et­was dann aus­ge­hen könnte, war die DDR. Auf wel­che Dik­ta­te von Deutsch-Eu­ro­pa sich die chi­ne­si­sche Führung hier­bei letzt­lich einlässt, ist abhängig da­von, wel­che po­li­ti­schen Kräfte sich im chi­ne­si­schen Volk durch­ge­setzt ha­ben – aber auch von un­se­rer So­li­da­rität mit Chi­na!

Für uns muss hier­bei gel­ten: Wir brau­chen kei­ne Bünd­nis­se und Ak­ti­ons­ta­ge, mit de­nen ver­sucht wird, die Ge­werk­schaf­ten zur Durch­set­zung von Ka­pi­tal­in­ter­es­sen zu miss­brau­chen. Wer sich dafür ein­span­nen lässt, hat be­reits ver­lo­ren. Wofür wir in den Ge­werk­schaf­ten kämp­fen müssen, sind z. B. Ak­ti­ons­ta­ge für die Durch­set­zung von Ar­beits­zeit­verkürzung und ge­gen die For­de­rung des Ka­pi­tals an die Re­gie­rung, den 8-Stun­den-Tag ab­zu­schaf­fen, so­wie zur in­ter­na­tio­na­len So­li­da­rität mit un­se­ren grie­chi­schen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen. Ih­nen wird mit Hil­fe der als Sprach­roh­re des deut­schen Im­pe­ria­lis­mus funk­tio­nie­ren­den Kanz­le­rin und Fi­nanz­mi­nis­ter Schäuble z.B. mit Lohn- und Ren­tenkürzun­gen u.v.a.m. das Fell gleich drei­mal über die Oh­ren ge­zo­gen. Glei­ches bzw. Ähn­li­ches gilt für den Kampf un­se­rer französi­schen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen. Sie strei­ken be­reits seit über drei Mo­na­ten im­mer wie­der ge­gen die Re­gie­rung Hol­lan­de, um da­mit zu ver­hin­dern, dass ih­nen eine Ar­beits­rechts-Re­form nach BRD-Schnitt­mus­ter ver­passt wird, ohne dass der DGB ih­nen dazu bis­her sei­ne So­li­da­rität aus­ge­spro­chen hat.

Ge­gen Re­gie­rung und Ka­pi­tal kämp­fen, und in­ter­na­tio­na­le So­li­da­rität üben – das sind un­se­re Auf­ga­ben. Nicht die VR Chi­na be­droht uns mit Er­werbs­lo­sig­keit und Ver­elen­dung, son­dern das­sel­be Ka­pi­tal, das auch die VR Chi­na un­ter sei­ne Knu­te be­kom­men will. Des­halb ist die Ar­bei­ter­lo­sung nicht: Ret­tet Eu­ro­pa! Son­dern: Hände weg von Chi­na!

Lud­wig Jost
Geld drucken mit Emissionshandel

„Das Ziel des Emis­si­ons­han­dels ist ein heh­res: Mit der Be­gren­zung des Treib­haus­gas­aus­s­toßes von In­dus­trie und En­er­gie­wirt­schaft will die EU die Kos­ten für den Kli­ma­schutz möglichst nied­rig hal­ten. Un­ter­neh­men und Ver­brau­cher­prei­se soll­ten nicht übermäßig be­las­tet, die Ab­wan­de­rung von Fir­men ver­hin­dert wer­den. Zehn Jah­re später sind alle Un­ter­neh­men noch da – und freu­en sich über das an­fangs kri­ti­sier­te Kli­ma­schutz­in­stru­ment, denn es be­schert ih­nen sat­te Ge­win­ne. En­er­gie­in­ten­si­ve Un­ter­neh­men aus 19 Ländern ha­ben mit dem EU-Emis­si­ons­han­del von 2008 bis 2014 ins­ge­samt 24 Mil­li­ar­den Euro Zu­satz­ge­win­ne ein­ge­fah­ren. Das geht aus ei­ner Stu­die des Brüsse­ler Thinktanks Car­bon Mar­ket Watch her­vor.

Die deut­sche In­dus­trie pro­fi­tier­te in dem Zeit­raum mit 4,5 Mil­li­ar­den Euro Ge­win­nen am meis­ten. Be­son­ders die großen Play­er im Emis­si­ons­han­dels­geschäft sind Nutz­nießer: die Stahl- und Ze­ment­in­dus­trie so­wie Raf­fi­ne­ri­en und die Erdölche­mie.“

Aus: Neu­es Deutsch­land 29.03.2016

„Der na­tio­na­le Markt genügt ih­rem Aus­beu­tungs­bedürf­nis nicht mehr, sie schafft sich den Welt­markt. Aber die Ent­wick­lung der Verhält­nis­se bleibt nicht na­tio­nal auf ei­nen Staat be­schränkt. In al­len Ländern, die von dem Ka­pi­ta­lis­mus er­grif­fen wer­den, fällt der Ka­pi­ta­lis­ten­klas­se das Schick­sal zu, nach Ab­satz­ge­bie­ten die Welt ab­zu­het­zen. Da­bei ge­ra­ten die Aus­beu­ten­den des ei­nen Lan­des in Wi­der­spruch, in In­ter­es­sen­ge­gen­satz zu den Ka­pi­ta­lis­ten al­ler an­de­ren in Be­tracht kom­men­den Staa­ten. Vom glei­chen in­ter­na­tio­nal ge­wor­de­nen Bedürf­nis nach Ab­satz­ge­bie­ten für ihre Wa­ren ge­peitscht, wird ein wil­der In­ter­es­sen­kampf zwi­schen ih­nen ent­fes­selt. Als herr­schen­de Klas­se aber set­zen die Ka­pi­ta­lis­ten ei­nes Lan­des ihre ei­ge­nen Klas­sen­in­ter­es­sen mit de­nen der ge­sam­ten Na­ti­on gleich und ver­klei­den ihre In­ter­es­sen­ge­gensätze zu der Bour­geoi­sie auswärti­ger Länder als na­tio­na­le Ge­gensätze. Denn so­bald die­se Ge­gensätze sich zu Kämp­fen zu­spit­zen, bedürfen sie der Hil­fe des Pro­le­ta­ri­ats, der Volks­mas­sen, die mit Gut und Blut den ka­pi­ta­lis­ti­schen Ge­winn schir­men sol­len. Der säbel­ras­seln­de Pa­trio­tis­mus der Be­sit­zen­den und Aus­beu­ten­den dem Aus­land ge­genüber ist im letz­ten Grun­de die zeh­ren­de Sor­ge um das Ab­satz­ge­biet, um die Si­che­rung des Mehr­werts. Er flammt da­her bis zur Weißglühhit­ze em­por, wenn sie sich durch ihre ausländi­schen Schwes­tern­klas­sen in ih­rer Plus­ma­che­rei be­droht fühlen. Die pa­trio­ti­sche Phra­se soll dann die Mas­sen über die Tat­sa­che hin­wegtäuschen, dass sie ih­ren Aus­beu­tern und Her­ren die Kas­ta­ni­en aus dem Feu­er ho­len müssen.”

Cla­ra Zet­kin, Un­ser Pa­trio­tis­mus, in: Aus­gewählte Re­den und Schrif­ten Bd. 1, Ber­lin 1957, S. 325 f.
Als herrschende Klasse aber setzen die Kapitalisten eines Landes ihre eigenen Klasseninteressen mit denen der gesamten Nation gleich …

(http://fs5.directupload.net/images/160715/temp/hknzoxjh.png) (http://www.directupload.net/file/d/4417/hknzoxjh_png.htm)(http://)
1987: Stahl­ar­bei­ter ge­gen die Stahl­ba­ro­ne. 164 Tage kämpf­ten sie ge­gen die Schließung von Krupps Hütten­werks Rhein­hau­sen. Auch wenn die­ser Kampf ver­lo­ren ging: Die Er­in­ne­rung an die Kampfmöglich­kei­ten und Kampf­er­fah­run­gen der Ar­bei­ter ge­gen das Ka­pi­tal darf nicht ver­lo­ren ge­hen!

(http://fs5.directupload.net/images/160715/temp/xqtm3f4y.png) (http://www.directupload.net/file/d/4417/xqtm3f4y_png.htm)(http://)
2016: Stahl­ar­bei­ter ge­gen die Volks­re­pu­blik Chi­na an der Sei­te der Stahl­ba­ro­ne. Da kriegt so­gar die IG-Me­tall-Fah­ne Sor­gen­fal­ten. Wer ge­mein­sam mit sei­nem Aus­beu­ter mar­schiert, kann nur ver­lie­ren.


Quelle

http://kaz-online.de/artikel/stahlarbeiter-fuer-die-stahlbarone-an-die-front#seite2 (http://kaz-online.de/artikel/stahlarbeiter-fuer-die-stahlbarone-an-die-front#seite2)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 22. Juli 2016, 10:21:24
Zitat
ver.di lehnt Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft der Gewerkschaftsbeschäftigten (GdG) ab
Entgeltverhandlungen bei ver.di: Ergebnis: 0,73 %


"Obwohl über 1000 der 3000 Beschäftigten von ver.di an rund 50 Standorten bundesweit am 11.07.2016 gestreikt haben, hat die Verhandlungskommission des Gesamtbetriebsrates (GBR) nach nur knapp fünf Stunden ein unter einer Erklärungsfrist bis zum 01.09.2016 stehendes Ergebnis erzielt: Lineare Erhöhung ab 01.09.2016 um 1% und ab 01.11.2017 um weitere 2%. Gefordert hatte der GBR 5 %, mindestens 150 € bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Nun sind im Ergebnis sogar für Juni bis August 2016 drei Null-Monate vorgesehen. Laufzeit vom 01.06.2016 bis 30.09.2018, also 28 Monate. Um die Vergleichbarkeit mit einem „normalen“ 12-Monats-Ergebnis herzustellen (sog. Westrick-Formel), muss man die sich über die gesamte Laufzeit ergebende durchschnittliche Erhöhung von 1,7 % durch die 28 Monate dividieren und dann mit 12 multiplizieren. Daraus ergibt sich die Erhöhung von nur 0,73%. (...) Die GdG wiederholt ihre Forderung nach Tarifverträgen auch für alle Gewerkschaftsbeschäftigten in Deutschland. Für die Beschäftigten von ver.di geht die Phase der Unsicherheit noch weiter. Der Bundesvorstand hat die Allgemeinen Arbeitsbedingungen gekündigt, um unter anderem die Arbeitszeit zu erhöhen."
Pressemitteilung der GdG vom 13.07.2016 (pdf)
http://www.g-d-g.org/dervgb/wp-content/uploads/2016/07/Pressemitteilung-GdG-13.07.2016.pdf (http://www.g-d-g.org/dervgb/wp-content/uploads/2016/07/Pressemitteilung-GdG-13.07.2016.pdf)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: counselor am 22. Juli 2016, 12:59:39
Wirkt auf mich wie ein schlechter Witz, was ver.di da durchzieht! poo


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: xyu am 22. Juli 2016, 23:22:39
Kommunistische Volkszeitung,  das war doch der Kommunistische Bund Westdeutschlands. Einige von denen (zB Trittin) haben später steile politische Karrieren im Kapitalismus hingelegt.
Trittin war nicht beim KBW, sondern beim KB. Ansonsten stimmt der Satz jedoch trotzdem.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 24. Juli 2016, 09:31:57
Aus: Ausgabe vom 23.07.2016, Seite 9 / Kapital & Arbeit

CETA stoppen ist Pflicht
Was der DGB übersieht: Im Freihandelsabkommen zwischen EU und Kanada stehen arbeitsrechtliche Kernelemente zur Disposition
Von Werner Rügemer


(http://fs5.directupload.net/images/160724/temp/expv5fil.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4426/expv5fil_jpg.htm)[img][/img
Trojanisches Pferd: Auch Rechte von Beschäftigten sollen mit CETA geschleift werden
Foto: Nigel Treblin / Reuters

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat das »Freihandelsabkommen« zwischen der Europäischen Union und Kanada (Comprehensive Economic and Trade Agreement, CETA) bereits Ende 2014 in einem Positionspapier als »nicht zustimmungsfähig« bezeichnet. Das ist gut so. Die Kritik des Dachverbandes bezieht sich allerdings nur darauf, dass ein Verstoß gegen die im Vertragskapitel 23 (»Handel und Arbeit«) genannten Kernnormen der Internationalen Arbeitsorganisation der UN (ILO) nicht mit Sanktionen versehen ist. Der DGB übersieht, dass CETA diese Normen noch deutlicher entwertet und dass andere ILO-Essentials gänzlich herausfallen.

Der Gewerkschaftsbund lobt, dass im EU-Kanada-Vertrag »die ILO-Kernnormen« enthalten seien: Das Recht auf freie Gewerkschaften, auf kollektive Tarifverträge, auf Festsetzung eines Mindestalters für die Beschäftigten, das Verbot von Diskriminierungen im Beruf und schließlich die Abschaffung der Zwangsarbeit und von deren schlimmster Form, der Kinderarbeit. Allerdings fehlt eine wesentliche Norm beim ausgehandelten »Freihandelsvertrag«: das Recht auf gleiche Bezahlung von Mann und Frau bei gleicher Arbeit. Das ist dem DGB offenbar nicht aufgefallen. Die Frage drängt sich auf: Warum ist die auch in Deutschland und in der Europäischen Union immer noch fortdauernde Ungleichbehandlung von Frauen keiner Erwähnung wert?

Vom DGB wird zudem nicht moniert: In der CETA-Vereinbarung fehlen alle weiteren ILO-Normen, obwohl diese Kernbestandteile für menschengerechte Arbeitsregelungen beinhalten: Recht auf Kündigungsschutz, auf bezahlten Urlaub und bezahlte Pausen, Recht auf vor Armut schützende Entlohnung, auf Sozialversicherungen, auf Schutz vor Gefahren am Arbeitsplatz, Recht auf Entschädigung bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten usw. In der CETA-Vereinbarung heißt es dagegen: Die Vertragsparteien sollen »akzeptable Mindestbeschäftigungsstandards für Lohn- und Gehaltsempfänger« neu festlegen (CETA-Vertrag, Kapitel 23 »Handel und Arbeit«, Artikel 23.3, 2b).

Aber selbst die erwähnten sieben ILO-Kernnormen werden im Comprehensive Economic and Trade Agreement entwertet. Die Verhandler aus der EU und Kanada beziehen sich zwar auf sie, aber nicht direkt, sondern in der Fassung der »Erklärung (der Internationalen Arbeitsorganisation; W.R.) von 1998 über grundlegende Prinzipien und Rechte bei der Arbeit« und der »Erklärung von 2008 über soziale Gerechtigkeit für eine faire Globalisierung«.

Wenn man auf der Gültigkeit der ILO-Normen bestanden hätte, wären die beiden Erklärungen nicht nötig gewesen: Sie sind Ergebnis der neoliberalen, rhetorisch aufwendigen Umgestaltung von Bestimmungen der UN-Sonderorganisation. Beide Erklärungen klammern folgendes aus: Erstens die Ausführungsbestimmungen, die zu jeder ILO-Norm gehören. Beispielsweise dürfen Unternehmer keine abhängigen, »gelben« Beschäftigtenvertretungen unterstützen. Zweitens die Überprüfung der Einhaltung durch Gremien der Arbeitsorganisation. Somit ersetzt CETA hier die ILO-Gremien und -mechanismen durch eigene, extra geschaffene: durch den »Ausschuss für Handel und nachhaltige Entwicklung« (Artikel 23.8, 3) sowie durch »eine neue Beratungsgruppe für Arbeit und nachhaltige Entwicklung« jeweils in Kanada und in der EU (23.8, 4). Diese sollen den Anforderungen der ILO lediglich »Rechnung tragen« (23.8, 6).

Wenn in diesen Gremien keine zufriedenstellende Lösung gefunden wird, kann eine »Sachverständigengruppe« mit einer eigenen »Schiedsordnung« einberufen werden (23.10, 1 und 2). Außerdem sollen die Vertragsparteien »zur Streitbeilegung jederzeit auf gute Dienste, einen Vergleich oder Mediation zurückgreifen« (23.11, 2). Schließlich kann der Ausschuss für Handel und nachhaltige Entwicklung dem CETA-Regulierungsausschuss Änderungen der in Kapitel 23 festgelegten Verfahren vorschlagen (23.11, 5). Dies ist nichts anderes als die Installation einer eigenen (Schieds-)Gerichtsbarkeit neben den Arbeitsgerichten und der ILO.

Die ILO hat als UN-Sonderorganisation seit ihrer Gründung auch die Aufgabe, die Arbeitsrechtsnormen zu aktualisieren und gegebenenfalls neue zu beschließen. Das schließt der CETA-Vertrag für immer aus.

Übrigens: Im englischen Text heißt es, das Ziel sei »decent work«. Der neu eingeführte Begriff »decent« bedeutet »anständig«. Er ist rechtlich unbestimmt und setzt sich vom menschenrechtlichen Kontext ab. In der deutschen Fassung wird der Begriff beschönigend mit »menschenwürdig« übersetzt – womöglich ein kleines demagogisches Zugeständnis an die wachsende Kritik in Deutschland.

Quelle

https://www.jungewelt.de/2016/07-23/040.php (https://www.jungewelt.de/2016/07-23/040.php)]


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 27. Juli 2016, 21:33:17
 Tarfiverhandlungen
Gewerkschafter streiken bei der Gewerkschaft Verdi
11.07.2016 | 18:53 Uhr


 Frankfurt.   Am Montag haben bundesweit rund 1000 Verdi-Beschäftigte gegen die Gewerkschaft und für höhere Löhne protestiert. Die Gewerkschaft der Gewerkschaftsbeschäftigten (GdG) berichtet von zunehmender Arbeitsbelastung. „Die Leute gehen teilweise auf dem Zahnfleisch“.

Die Gewerkschaft Verdi ist am Montag erstmals selbst von Warnstreiks ihrer Beschäftigten getroffen worden. In mehreren Städten legten Verdi-Mitarbeiter die Arbeit nieder, um für höhere Gehälter zu demonstrieren. Die zentrale Protestkundgebung gab es in Frankfurt, wo die Entgeltverhandlungen für die etwa 3000 Verdi-Beschäftigten stattfanden. Zu den Warnstreiks hatten der Verdi-Gesamtbetriebsrat und die Gewerkschaft der Gewerkschaftsbeschäftigten (GdG) aufgerufen.

Der GdG-Vorsitzende Bernhard Stracke sprach gestern gegenüber der NRZ von zunehmend schwierigen Arbeitsbedingungen bei der Dienstleistungsgewerkschaft: „Die Belastungen sind durch den Personalabbau der vergangenen Jahre enorm geworden, die Leute gehen teilweise auf dem Zahnfleisch.“ Viele Beschäftigte arbeiteten weit mehr als die vereinbarte Wochenarbeitszeit. „Es wird von den Leuten erwartet, dass sie mehr tun.“
GdG-Chef: „Ich bin als Nestbeschmutzer beschimpft worden“

Deswegen, so Stracke, seien viele Verdi-Beschäftigte empört über das erste Angebot der Arbeitgeber, das eine Gehaltserhöhung um ein Prozent zum Ende dieses Jahres und um ein weiteres Prozent im kommenden Jahr vorgesehen habe. Zum Vergleich: Bei den Tarifverhandlungen für den Öffentlichen Dienst hatte Verdi 4,75 Prozent erstritten.

Die aus dem 1994 gegründeten Verband der Gewerkschaftsbeschäftigten (VGB) hervorgegangene GdG hat nach Strackes Angaben insgesamt 1000 Mitglieder und vertritt zehn Prozent der Verdi-Beschäftigten. Damit ist sie zu klein, um am Verhandlungstisch zu sitzen. „Es gibt viele gute Leute, die für uns im Hintergrund arbeiten, aber aufgrund ihrer Funktion nicht den Mut haben, sich zu outen“, sagt Stracke. Er selbst sei aus Gewerkschaftskreisen als „Nestbeschmutzer“ beschimpft worden, nachdem er den Unmut unter den Verdi-Beschäftigten publik gemacht habe.

Neben einer Gehaltserhöhung von 6,5 Prozent fordert die GdG auch einen Tarifvertrag. Für ihn sei es unverständlich, dass Verdi-Chef Frank Bsirske allenthalben Tarifverträge für alle Beschäftigen in Deutschland fordere, dies aber im eigenen Haus ablehne, so Bernhard Stracke. „Es spricht kein Argument gegen einen Tarifvertrag.“
„Wir verhandeln mit uns selbst“

Verdi-Sprecher Jan Jurcyk sagte der NRZ, die GdG habe zumindest am Standort Berlin „keinerlei Basis“ und versuche sich lediglich ins Gespräch zu bringen. Die GdG habe anders als der Gesamtbetriebsrat kein Verhandlungsmandat. „Eine Gewerkschaft unterscheidet sich von normalen Arbeitgebern. Wir verhandeln mit uns selbst. Man kann keine Gewerkschaft in der Gewerkschaft gründen.“ Deswegen gebe es auch keinen Tarifvertrag, der nur von externen Organisationen abgeschlossen werden darf.

An dem Warnstreik nahmen nach GdG-Angaben gestern etwa 1000 Verdi-Beschäftigte teil, also rund ein Drittel der hauptamtlichen Mitarbeiter.

Jan Jessen

Quelle

http://www.derwesten.de/wirtschaft/gewerkschafter-streiken-bei-der-gewerkschaft-verdi-id11998709.html (http://www.derwesten.de/wirtschaft/gewerkschafter-streiken-bei-der-gewerkschaft-verdi-id11998709.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 07. September 2016, 17:46:59
Korruptes Pack!

Zitat
Freihandelsabkommen
DGB schlingert bei Ceta

Hinter den Kulissen des Deutschen Gewerkschaftsbunds bröckelt die Protestfront. So äußert DGB-Chef Hoffmann offene Unterstützung für den Ceta-Kurs der SPD-Spitze.


Der Slogan ist ebenso kurz wie eindeutig. „Stop Ceta TTIP“, steht auf den Plakaten, mit denen ein buntes Bündnis für den 17. September zu Demonstrationen gegen die Freihandelsabkommen der EU mit den USA und Kanada aufruft. Ziemlich weit vorne bei den Unterstützern firmiert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Doch hinter den Kulissen der Arbeitnehmerorganisation ist die Ablehnungsfront zum europäisch-kanadischen Abkommen Ceta keineswegs geschlossen. So äußerte DGB-Chef Reiner Hoffmann am Dienstag offene Unterstützung für den Ceta-Kurs der SPD-Spitze. Später relativierte er seine Aussage.

Der SPD-Vorstand hatte mit großer Mehrheit einen Leitantrag beschlossen, der sich grundsätzlich für Ceta ausspricht. Allerdings seien während des parlamentarischen Verfahrens noch Klarstellungen bei mehreren strittigen Punkten erforderlich. DGB-Chef Hoffmann hatte als Gast an der Gremiensitzung im Willy-Brandt-Haus teilgenommen. Am Dienstag äußerte er sich ganz ähnlich: Beim Investorenschutz, bei der Daseinsvorsorge und der Übernahme der internationalen Kernarbeitsnormen bestehe noch Nachbesserungsbedarf. Grundsätzlich sei er aber dafür, Chancen zu nutzen. Auf die Nachfrage der FR, ob der DGB das SPD-Papier unterstütze, sagte er: „Wir unterstützen das.“

Diese Positionierung besitzt großes politisches Gewicht. An der SPD-Basis herrscht nämlich weiter große Skepsis gegen Ceta. Ein positives Votum des DGB bliebe bei den Kritikern wahrscheinlich nicht ohne Eindruck. Sollte sich der SPD-Parteikonvent am 19. September auf dieses konditionierte „Ja“ verständigen, könnte SPD-Chef und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel im EU-Handelsministerrat dem Vertrag zustimmen und damit den Weg für die parlamentarische Behandlung freimachen.

Am Dienstagnachmittag relativierte Hoffmann seine Äußerungen: „Das SPD-Papier enthält wesentliche Forderungen der Gewerkschaften, die einen ersten Schritt hin zu dem von uns geforderten fairen Handel bedeuten. Insofern begrüßen wir den Beschluss der SPD, diese Forderungen anzuerkennen.“ Dies heiße nicht, dass die Gewerkschaften Ceta in der jetzigen Form zustimmen. Hintergrund sind Meinungsverschiedenheiten zwischen den Einzelgewerkschaften. Während die IG BCE das Ceta-Abkommen offen und die IG Metall es eher verhalten unterstützt, lehnt Verdi den Vertrag ab. Im Anti-Freihandels-Bündnis gebe es „durchaus Nuancen“, hatte Hoffmann eingeräum
http://www.fr-online.de/politik/freihandelsabkommen-dgb-schlingert-bei-ceta,1472596,34715680.html (http://www.fr-online.de/politik/freihandelsabkommen-dgb-schlingert-bei-ceta,1472596,34715680.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 07. September 2016, 18:34:06
Aus: Ausgabe vom 08.09.2016, Seite 1 / Titel

Tür zu für CETA
Ver.di-Chef Frank Bsirske fordert, Handelsabkommen mit Kanada abzulehnen. Wirtschaftsbosse für SPD-Reformpapier
Von Simon Zeise


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Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will die Handelsverträge endlich unterzeichnen
Foto: Fabrizio Bensch / Reuters

Nur noch wenige Tage bis zur Entscheidung. Der 17. September läutet die Proteste gegen das geplante Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Kanada (CETA) sowie den USA (TTIP) ein. Hunderttausende werden in elf Großstädten in Deutschland und Österreich erwartet. Zwei Tage später beraten etwa 200 Funktionäre der SPD auf einem kleinen Parteitag in Wolfsburg über ihre Haltung zu den Wirtschaftsverträgen. Am 22. und 23. September wollen die EU-Handelsminister in Bratislava CETA endgültig beschließen. Nach dem Willen von EU-Kommission und Bundesregierung soll CETA bereits im Oktober vorläufig in Kraft treten.

Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske bekräftigte am Mittwoch in Brüssel die Ablehnung der Gewerkschaften. Der DGB habe »eine klare Beschlusslage, die einstimmig zustande gekommen ist und nach wie vor Gültigkeit hat«, sagte Bsirske gegenüber dpa. »Wir sind für Nachverhandlungen, halten das Abkommen in der jetzt vorliegenden Textfassung für nicht zustimmungsfähig.« Auf Werben von Parteichef und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte die SPD-Spitze zu Wochenbeginn eine Kompromisslinie formuliert: Der Weg zur parlamentarischen Beratung des Vertrags soll freigemacht, Klarstellungen und Verbesserungen sollen dann im parlamentarischen Verfahren erreicht werden. Dieser Vorschlag wird dem SPD-Parteikonvent am 19. September vorgelegt. Bsirske ließ erkennen, dass ihm das nicht ausreicht. »Das am meisten vorkommende Wort ist prüfen«, sagte er zu dem Vorschlag. Dabei heiße es, die Klärung offener Punkte sei »Grundlage« für die Zustimmung der SPD zum Abkommen. Für ihn seien Änderungen jedoch »Voraussetzung«, betonte Bsirske. Auf die Frage, ob Deutschland das Abkommen auf EU-Ebene ablehnen solle, sagte er: »Wenn sich nichts ändert, ja.«

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) begrüßte den Beschluss des SPD-Vorstandes hingegen. CETA sei eines der modernsten »Freihandelsabkommen«, das die EU je verhandelt habe, sagte die BDI-Leiterin für Außenwirtschaftspolitik, Stormy-Annika Mildner, am Mittwoch in Berlin. Die Möglichkeit von Nachverhandlungen beurteilte sie skeptisch. Dies dürfte so kurz vor der geplanten Unterzeichnung des Abkommens beim EU-Kanada-Gipfel im Oktober schwierig werden. Die Bundesregierung rief sie auf, für den Vertrag zu werben.

Eine große Beteiligung an den Demonstrationen am 17. September wird auch deshalb wichtig sein, um den DGB auf Kurs zu halten. Der Vorsitzende der IG BCE, Michael Vassiliadis, hatte bereits seine Zustimmung zu CETA damit begründet, dass Deutschland Exportweltmeister sei. DGB-Chef Reiner Hoffmann hatte am Dienstag gegenüber der Frankfurter Rundschau erklärt: »Das SPD-Papier enthält wesentliche Forderungen der Gewerkschaften, die einen ersten Schritt hin zu dem von uns geforderten fairen Handel bedeuten. Insofern begrüßen wir den Beschluss der SPD, diese Forderungen anzuerkennen.« Dies heiße allerdings nicht, dass die Gewerkschaften CETA in der jetzigen Form zustimmen. Im Bündnis »TTIP und CETA stoppen« gebe es »durchaus Nuancen«. Hoffmann hatte als Gast an der SPD-Gremiensitzung im Willy-Brandt-Haus teilgenommen, auf der das Papier verabschiedet wurde. Noch in dieser Woche wolle Hoffmann nach Kanada fliegen, um sich mit seinem Kollegen Hassan Yussuff vom Canadian Labour Congress über CETA auszutauschen, berichtete der Tagesspiegel am Mittwoch unter Berufung auf Gewerkschaftskreise. Dem Vernehmen nach finde die Reise in Abstimmung mit Sigmar Gabriel statt.

Quelle

https://www.jungewelt.de/2016/09-08/001.php (https://www.jungewelt.de/2016/09-08/001.php)

www.ttip-demo.de (http://www.ttip-demo.de)



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 20. September 2016, 20:35:55
(http://fs5.directupload.net/images/160920/temp/ztno2il6.png) (http://www.directupload.net/file/d/4484/ztno2il6_png.htm)(http://)

Die organisierte Arbeiterbewegung steht weltweit unter Beschuss. Beispiele aus dem Inland, Frankreich, Großbritannien und Südamerika belegen dies.

Morgen erscheint die junge Welt für 1,50 € inkl. der Beilage »Gewerkschaften« am Kiosk und im Bahnhofsbuchhandel.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 07. Oktober 2016, 19:32:56
Aus: Ausgabe vom 08.10.2016, Seite 8 / Inland

»Hoffmanns Haltung ist antigewerkschaftlich«
Der DGB und dessen Vorsitzender wollen die Leiharbeit besser gestalten. Wichtiger wäre, sie abzuschaffen. Gespräch mit Julia Nanninga
Interview: Johannes Supe


(http://fs5.directupload.net/images/161007/temp/tmyb62zb.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4501/tmyb62zb_jpg.htm)(http://)
Vertrauensleute des Mercedes-Benz-Werkes in Bremen protestierten bereits am 24. September gegen die Spaltung ihrer Belegschaft
Foto: Joerg Sarbach/dpa-Bildfunk

»Leiharbeit muss weg – kein Tarifvertrag zur Leiharbeit!«, das fordern Sie von den Gewerkschaften. Am Donnerstag haben Sie eine so benannte Petition an die Bremer DGB-Vorsitzende Annette Düring übergeben. 960 Kollegen aus dem örtlichen Mercedeswerk und dem Bremer Gesamthafenbetrieb hatten unterschrieben. Warum soll der Ende 2016 auslaufende Tarifvertrag zur Leiharbeit nicht verlängert werden?

Das sogenannte Arbeitnehmerüberlassungsgesetz schreibt gleichen Lohn für gleiche Arbeit vor, auch sollen für Leiharbeiter dieselben Arbeitsbedingungen wie für andere Beschäftigte im Betrieb gelten. Allerdings gibt es eine Ausnahmeklausel: In Tarifverträgen kann anderes festgelegt werden. Und genau das ist das Problem. Es wurden weitaus schlechtere Bedingungen für die Leiharbeiter vereinbart, als sie in den Betrieben gelten würden. Das geschah, weil der DGB sich vor christlichen Gewerkschaften fürchtete, die sonst noch schlechtere Verträge abschließen würden. Aber diese Gefahr besteht nicht mehr. Es gibt also keinen Grund, wieder einen Tarifvertrag zur Leiharbeit zu unterzeichnen. Das ist aber nur der Ansatzpunkt unserer Unterschriftenkampagne. Vor allem geht es uns um folgendes: Die Gewerkschaften sollen die Leiharbeit nicht gestalten, sondern bekämpfen. Es muss um Festanstellungen für alle gerungen werden.

Sie selbst arbeiten in einem Bremer Mercedes-Werk. Welche Erfahrung hat die Belegschaft dort mit Leiharbeit gemacht?

Das spielt bei uns eine große Rolle, fast 25 Prozent der Kollegen sind Leiharbeiter. Der Lohnunterschied ist bei Mercedes weniger ein Problem als in anderen Betrieben. Aber man spürt die Mehrklassengesellschaft, die im Betrieb herrscht: Es gibt immer jemanden, der noch mal eine Stufe unter dir steht, nochmal weniger Rechte hat. Diese Kollegen melden sich dann oft freiwillig, wenn es darum geht, eine Sonderschicht zu leisten. Denn sie müssen fürchten, als Leiharbeiter einfach »abbestellt« zu werden. Und obwohl es anders sein sollte, werden die Leiharbeiter oft zu Streikbrechern. Ende 2013 ist das Thema bei uns in Bremen schon einmal hochgekocht. Da gab es hier mehrere kleinere und einen größeren Ausstand gegen Leiharbeit und Fremdvergabe.

Und diese Erfahrungen haben die Kollegen noch heute im Kopf?

In unserem Betrieb ist die Belegschaft über das Thema sehr aufgeklärt. Für die Unterschriftensammlung haben wir vor den Werktoren Listen verteilt, am Ende einer Schicht haben wir sie wieder eingesammelt. Da hat sich gezeigt, dass sehr viele gegen Leiharbeit sind. Auch die Leiharbeiter selbst. Ich sage mal: Für 99,9 Prozent von ihnen ist eine Festanstellung das Ziel.

Wie sind Sie vom Gewerkschaftsbund empfangen worden, als Sie die Petition übergaben?

Die örtliche DGB-Vorsitzende Annette Düring ist eine engagierte Gewerkschafterin, die auch für andere Meinungen offen ist. Sie hat uns freundlich empfangen und will die Unterschriften an den Bundesvorstand des Gewerkschaftsbunds weitergeben.

Aber der zeigt sich doch wenig kampfbereit. Derzeit wird über die Verlängerung des Tarifvertrags verhandelt. Und noch im Februar sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann gegenüber dieser Zeitung: »Wir wollen das Instrument Leiharbeit nicht diskreditieren.« Es diene Unternehmen dazu, Abläufe flexibler gestalten zu können.

Die Aussage ist eine Frechheit, wenn man weiß, in welcher Situation sich Leiharbeiter befinden. Sie werden von Betrieb zu Betrieb geschickt, nur um teilweise nach einer Woche Krankheit wieder abgemeldet zu werden. Für die Belegschaften bedeutet das eine Spaltung, denn es ist stets jemand im Betrieb, der für noch weniger Geld die gleiche Arbeit erledigt. Diese Haltung von Herrn Hoffmann ist aus meiner Sicht antigewerkschaftlich.

Was wollen Sie tun, um das zu ändern?

Wir sammeln auch weiter Unterschriften. Das wird zentral koordiniert von der »Arbeiter- und Gewerkschafterkonferenz gegen den Notstand der Republik«. Zum Beispiel war man schon bei den Kollegen von BMW in München tätig, bei Ford in Köln und in einigen Frankfurter Betrieben. Dabei geht es darum, mit den Arbeitern zu sprechen und sie zu organisieren. Wenn nötig, dient es auch dazu, der eigenen Gewerkschaft einen Arschtritt zu verpassen.

Julia Nanninga arbeitet bei Mercedes in Bremen. Sie ist Mitglied der IG Metall und Betriebsrätin

Quelle

https://www.jungewelt.de/2016/10-08/040.php (https://www.jungewelt.de/2016/10-08/040.php)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 12. Oktober 2016, 16:20:50
Zitat
DGB-Chef wirbt für den Ceta-Handelsvertrag, fordert aber Nachbesserung

Für einen baldigen Start des europäisch-kanadischen Handelsabkommens Ceta wirbt Reiner Hoffmann, der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Im Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT sagte Hoffmann: "Wir wollen Ceta, aber in korrigierter Form." Neben Nachbesserungen beim Investitionsschutz fordern die Gewerkschaften, "den Primat des europäischen Vorsorgeprinzips, den Schutz der Daseinsvorsorge. Und Sanktionen bei Verstößen gegen Umwelt- und Sozialstandards."

Ein nachgebesserter Ceta-Vertrag habe unter anderem "das Potenzial", umstrittene "private Schiedsgerichte zu killen", sagt Hoffmann. Denn durch den Vertrag werde ein neues öffentliches Schiedsgericht  geschaffen, das weltweit als Modell dienen und so eine Alternative zu den von den USA präferierten Schiedsgerichtssystem werden könne.

Hindernisse für die Nachbesserung des Ceta-Vertrages sieht Hoffmann derzeit noch in Brüssel. "Das Problem ist die EU-Kommission in Brüssel", sagt Hoffmann. Dort habe man immer noch nicht gemerkt, dass Europa mit der kanadischen Regierung "jetzt endlich" einen Partner habe, "mit dem wir neue Regeln für eine faire Globalisierung schreiben können." Zugleich lobte er die jüngsten Demonstrationen gegen die EU-Handelspolitik, an denen sich in Deutschland noch im September mehrere hunderttausend Bürger beteiligt hatten. Hoffmann: "Ohne den Druck durch Umweltgruppen, Wohlfahrtsverbände und Gewerkschaften wären wir heute nicht so weit."
http://www.zeit.de/vorabmeldungen/neu-in-der-aktuellen-zeit/seite-16 (http://www.zeit.de/vorabmeldungen/neu-in-der-aktuellen-zeit/seite-16)

Ich glaub, ich spinne.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 12. Oktober 2016, 16:23:42
Zitat
IG Metall zahlt Boni für Mitgliederwerbung

Die IG Metall wirbt offenbar aggressiv um Mitglieder. Das berichten Mitarbeiter des Autoherstellers BMW in der aktuellen Ausgabe der ZEIT. Aus Kreisen der IG Metall erfuhr die Wochenzeitung, dass dahinter auch finanzielle Anreize stehen: "Für Betriebsratsmitglieder und andere Werber gibt es ein Bonussystem."  Wer ausgetretene Mitglieder zurückwirbt, werde demnach genau so belohnt, als wenn er ein Neumitglied wirbt. 

Frühere Vertrauensleute der Gewerkschaft berichten davon, dass es bei BMW für die erfolgreichsten Werber bisweilen Prämien wie eine Türkeireise gebe. In der gesamten IG Metall sei es gang und gäbe, dass es für jedes neue Mitglied meist zehn Euro zum Beispiel in Form von Tankgutscheinen gebe. Das Geld dafür erhielten die regionalen Verwaltungsstellen direkt aus der Frankfurter Zentrale.

Zum Bonussystem teilte die IG Metall mit: "Wie in jeder größeren Organisation gibt es in der IG Metall eine Wertschätzung für aktive Mitglieder und ein Rückhol-Management bei ausgetretenen Mitgliedern."
http://www.zeit.de/vorabmeldungen/neu-in-der-aktuellen-zeit/seite-3 (http://www.zeit.de/vorabmeldungen/neu-in-der-aktuellen-zeit/seite-3)

Die Gewerkschaft ist zu einem schnöden Wirtschaftsunternehmen verkommen.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: dagobert am 12. Oktober 2016, 22:24:40
DGB-Chef wirbt für den Ceta-Handelsvertrag, fordert aber Nachbesserung
Das zeigt, wie weit sich der DGB von den einfachen Arbeitern und Angestellten entfernt hat.  poo

Zitat
Ein nachgebesserter Ceta-Vertrag habe unter anderem "das Potenzial", umstrittene "private Schiedsgerichte zu killen", sagt Hoffmann. Denn durch den Vertrag werde ein neues öffentliches Schiedsgericht  geschaffen, das weltweit als Modell dienen und so eine Alternative zu den von den USA präferierten Schiedsgerichtssystem werden könne.
Angeblich ist Deutschland ein Rechtsstaat mit einer unabhängigen Justiz, also brauchen wir beides nicht.
Zitat
dass Europa mit der kanadischen Regierung "jetzt endlich" einen Partner habe, "mit dem wir neue Regeln für eine faire Globalisierung schreiben können."
Der Typ hat Halluzinationen, der braucht dringend einen Psychiater.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 24. November 2016, 23:16:17
Aus: Ausgabe vom 25.11.2016, Seite 3 / Schwerpunkt

Rollentausch bei Eurowings
Spartenorganisation UFO und Management fordern einheitliche Tarifregelungen. ver.di besteht auf ihrem Recht, eigene Verträge abzuschließen
Von Daniel Behruzi


Die aktuelle Situation im Lufthansa-Konzern und speziell bei der Billigtochter Eurowings erinnert in vielen Facetten an den Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn im vergangenen Jahr. Die Unternehmensleitung setzt auf Verwirrung, schlägt Schlichtungen vor, macht unannehmbare Angebote, rudert wieder zurück und provoziert damit immer wieder Arbeitsniederlegungen. Zugleich konkurrieren verschiedene Gewerkschaften im Betrieb darum, die Beschäftigten tarifpolitisch zu vertreten. Angeheizt werden die Konflikte durch das Gesetz zur »Tarifeinheit«, das die Existenz sogenannter Minderheitsgewerkschaften in Frage stellt.

Alles wie bei der Bahn also – und doch alles anders. Unter den Gewerkschaften scheinen die Rollen vertauscht zu sein: Bei Eurowings ist es die Spartengewerkschaft UFO, die gemeinsam mit dem Management für einheitliche Tarifverträge eintritt. In einem jW vorliegenden Brief an ver.di schreibt UFO-Vorstand Nicoley Baublies, der Abschluss »nicht gleichlautender Tarifverträge für dieselbe Beschäftigtengruppe« stelle »die Arbeitgeberseite vor eine kaum lösbare Herausforderung« und werde auch nicht »dem Interesse der Kolleginnen und Kollegen des fliegenden Personals bei Eurowings gerecht«.

Genau so hatten die Bahn-Spitze und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) seinerzeit argumentiert. Unterschiedliche Tarifregelungen seien nicht umsetzbar, weshalb die Lokführergewerkschaft GDL nur gemeinsam mit der EVG Tarifverträge aushandeln könne. Davon ist nun keine Rede mehr. Die GDL hat sich durchgesetzt und Tarifregelungen für ihre Mitglieder sowohl unter den Lokführern als auch bei den Zugbegleitern erzwungen. Daneben gelten EVG-Vereinbarungen für dieselben Berufsgruppen. Dass der Bahnbetrieb dadurch zusammengebrochen wäre, ist nicht bekannt.

Es ist bemerkenswert, dass nun die Spartenorganisation UFO bei Eurowings auf einheitliche Regelungen pocht, während sich die DGB-Gewerkschaft ver.di ihr Recht nicht nehmen lassen will, eigenständig Verträge zu schließen. »Der Eurowings-Vorstand hat die Arbeitsniederlegung provoziert, weil er, obwohl die Verhandlungen mit ver.di weit vorangeschritten waren, nun darauf beharrt, nur gemeinsam mit ver.di und UFO einen Tarifvertrag bei Eurowings verhandeln zu wollen«, begründete ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle den Streikaufruf vom Dienstag.

Einen unguten Beigeschmack hat es allerdings, dass manche ver.di-Funktionäre auf das Gesetz zur sogenannten Tarifeinheit verweisen, um ihre Ansprüche zu untermauern. So erklärt Carola Werner, Sprecherin der ver.di-Tarifkommission bei Eurowings Kabine, im Interview mit der Gewerkschaftszeitung Verkehrsreport: »Wir sind die Mehrheitsgewerkschaft. Wenn der Arbeitgeber nach Tarifeinheitsgesetz vorginge und auszählen ließe, wäre das schnell geklärt.«

Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske hatte in der Auseinandersetzung um das Gesetz stets betont, seine Gewerkschaft werde dieses nicht nutzen, um gegen konkurrierende Organisationen vorzugehen. In der Verfassungsbeschwerde, die ver.di gegen die gesetzlich verordnete »Tarifeinheit« vorgelegt hat (jW berichtete am 20. Juni), wird auch auf die komplexe Tarifsituation im Lufthansa-Konzern verwiesen.

Es erscheint durchaus möglich, dass die Lufthansa bzw. Eurowings zum Präzedenzfall werden, in dem das »Tarifeinheitsgesetz« tatsächlich zur Anwendung kommt. Das ist seit dessen Inkrafttreten vor eineinhalb Jahren bisher nirgendwo geschehen. Mit gutem Grund. Denn auch im Unternehmerlager dürfte den meisten klar sein, dass die gesetzlich fixierte »Tarifeinheit« – die Minderheitsgewerkschaften de facto das Streikrecht aberkennt – grundgesetzwidrig ist.

Bei Eurowings ist der Verweis auf die »Tarifeinheit« aus ver.di-Sicht eigentlich auch gar nicht nötig. Wenn die Gewerkschaft genug Druck entwickelt und einen guten Tarifvertrag durchsetzt, gilt dieser mindestens für alle ver.di-Mitglieder. Falls das Unternehmen auch mit anderen Organisationen Vereinbarungen abschließt, wird es selbst dafür sorgen, dass diese nicht schlechter sind – damit es nicht zu kompliziert wird und nicht auch die restlichen Beschäftigten zur durchsetzungsfähigeren Gewerkschaft übertreten.

Fakt ist, dass die Unabhängige Flugbegleiterorganisation (UFO) ihren einst großen Rückhalt unter dem Kabinenpersonal bei Eurowings – anders als in anderen Konzernbereichen – verloren hat. Dazu haben unter anderem fast acht Jahre ohne tabellenwirksame Lohnerhöhung und weitere, von UFO akzeptierte Verschlechterungen beigetragen. Entzündet habe sich Unmut gegenüber UFO seinerzeit an Plänen für eine betriebliche Altersversorgung, die allein von den Beschäftigten finanziert werden sollte, wie Werner berichtet.

Mit ambitionierten Forderungen versucht ver.di nun, die Ansprüche ihrer Mitglieder bei Eurowings zu erfüllen und zugleich Standards einzuziehen, die der Billigstrategie des Lufthansa-Vorstands entgegenwirken. Neben einer Erhöhung der Gehälter und Funktionszulagen um sieben Prozent will die Gewerkschaft eine monatliche Zulage von 500 Euro für die Kabinenleitung, die Anhebung der Mehrflugstundenvergütung von 26 auf 30 Euro sowie eine zehnprozentige Provision auf den Bordverkauf durchsetzen. Außerdem will sie erreichen, dass Bodentätigkeiten wie Kabinenreinigung oder Betreuung von Fluggästen bei Abflugsverzögerungen als Dienstzeit gewertet und bezahlt werden.

Der Rollentausch bei Eurowings bringt so manches auch in der Linken gepflegte Klischee ins Wanken. So die Vorstellung, dass Spartengewerkschaften per se kämpferischer als die trägen DGB-Organisationen sind. Politisch fortschrittlicher sind sie ohnehin meist nicht. In einem aktuellen Grundsatzpapier der Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL), zu der sich UFO und andere Spartenorganisationen der Branche zusammengeschlossen haben, heißt es unter der Überschrift »Versäumnisse der Politik«: »Mit Sonderbelastungen wie der Luftverkehrsabgabe, dem Alleingang bei Emissionsrechten oder der Verhängung von Nachtflugverboten, um nur einen kleinen Ausschnitt zu nennen, steht die Branche in einem unfairen Wettbewerb. (…) Das Wachstum der Branche geht nicht zufällig an Europa und insbesondere Deutschland vorbei.« Eine solche Standortpolitik – die die Interessen von Umwelt und Anwohnern ignoriert – ähnelt Stellungnahmen für Braunkohle, Atomkraft und Waffenproduktion, die auch im DGB und den darin zusammengeschlossenen Gewerkschaften immer wieder für Diskussionen sorgen.


Der Streik der Lufthansa-Piloten schlägt erwartungsgemäß auch auf politischer Ebene hohe Wellen. Wie zuletzt beim Arbeitskampf der Lokführer nutzen konservative Politiker die Gelegenheit, um eine Einschränkung des Streikrechts in die öffentliche Debatte zu bringen. So forderte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Michael Fuchs, via Bild (Dienstagausgabe) ein Gesetz zur Zwangsschlichtung. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) müsse hier die Initiative ergreifen. Zwangsschlichtung bedeutet, dass Gewerkschaften und Unternehmen in Tarifauseinandersetzungen verpflichtet werden, sich vor Arbeitskämpfen einem Schlichtungsverfahren zu unterziehen – und womöglich sogar, dass sie dessen Ergebnis anerkennen müssen. Mit dem Konzept der Tarifautonomie sind solche Regelungen nicht zu vereinbaren. Bislang sind Schlichtungsverfahren hierzulande lediglich auf freiwilliger Basis möglich.

»Wer die Tarifbindung ernst nimmt, kann nicht gleichzeitig Zwangsgesetze fordern, die die Beschäftigten in ihren Arbeitskämpfen behindern und zugleich das Grundrecht auf Streik einschränken«, erklärte die gewerkschaftspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Jutta Krellmann, am Donnerstag zu den Ideen von Fuchs. Dessen Vorstoß sei eine »verfassungswidrige Phantasie«, die »jeden Respekt vor der Tarifautonomie missen« lasse.

Der Streik bei Deutschlands größter Fluggesellschaft geht auch am heutigen Freitag weiter. Die Vereinigung Cockpit (VC) hatte am Mittwoch abend angekündigt, den Ausstand noch einen Tag länger fortzusetzen. Am Mittwoch und Donnerstag mussten nach Unternehmensangaben insgesamt rund 1.800 Flüge gestrichen werden. Mehr als 215.000 Passagiere sind bislang betroffen. »Die Forderung der VC nach einer Vergütungserhöhung von mehr als 20 Prozent geht weit über das hinaus, was andere Beschäftigtengruppen erhalten haben«, erklärte Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens.

Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg konterte: »Das Lufthansa-Management zeigt weiterhin keinerlei Bewegung und hat kein verhandlungsfähiges Angebot übermittelt. Der Vorstand lässt nicht nur die eigenen Mitarbeiter, sondern auch die Kunden zunehmend unter dieser kompromisslosen Unternehmenspolitik leiden.« Die Pilotenorganisation fordert nach mehr als fünfeinhalb Jahren ohne Gehaltserhöhung rückwirkend durchschnittlich 3,66 Prozent mehr Geld pro Jahr. (dab)

Quelle

https://www.jungewelt.de/2016/11-25/012.php (https://www.jungewelt.de/2016/11-25/012.php)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 08. Februar 2017, 20:05:50
Aus: Ausgabe vom 09.02.2017, Seite 8 / Inland

»Da trifft Fremdenhass auf Chauvinismus«
Gewerkschaften müssen sich auf verschiedenen Ebenen mit Angriffen von rechts auseinandersetzen. Gespräch mit Detlef Fendt
Interview: Carmela Negrete


Sie sind aktiver Gewerkschafter und engagieren sich gegen rechts. Vor kurzem wurde ihr Auto abgefackelt. Wird es wieder gefährlich in Deutschland?

Der Anschlag auf mein Auto ist zum einen eine individuelle Bedrohung. Aber es war hier im Umfeld auch der achte Übergriff auf Personen, die sich politische gegen rechts engagieren. Ich bin Rentner. Während des Landtagswahlkampfs im vergangenen Jahr habe ich mich mit Genossen immer wieder vor Infoständen der NPD postiert. Da wir immer mit meinem Auto gefahren sind, denke ich, dass die Neonazis es daher identifizieren konnten.

Die NPD hat bei der kommenden Bundestagswahl ja nun wenig Chancen, die AfD aber sehr wohl. Sind die Folgen der »Agenda 2010« der Grund für den Zulauf bei den Rechtspopulisten?

Es ist klar, dass es bestimmte Veränderungen geben musste im sozialen Bereich, aber es hätte nicht diese Agenda sein müssen. Man hätte das Geld anders nutzen müssen. Dann hätten die Menschen nicht rechts gewählt. Aber die Gründe sind vielschichtiger – was im Moment passiert, liegt an der Hilflosigkeit der Menschen, geht aber auch tiefer: Da trifft Fremdenhass auf Chauvinismus.

Was sind die Hauptgründe?

Die Leute haben das Gefühl, dass sie wieder etwas abgeben müssen, was sie hart erarbeitet haben. Und an dem Punkt kam die AfD als Anti-Euro-Partei daher. Zwar mit einer klaren Position gegen die EU, aber allein gestützt auf Wirtschaftsliberalismus. Und das wurde dann in die Flüchtlingsfrage umgemünzt. Das erinnert mich an das, was die Nazis vor 1939 gemacht haben: einen Schuldigen suchen. Das waren damals »die Juden«, und heute sind es die Ausländer.

Haben die Gewerkschaften auf die Asylkrise richtig reagiert?

Sie haben gesagt, dass die Menschen, die hierherkommen, Lohn und Brot erhalten müssen, und keine Kritik an den Flüchtlingen, sondern am Umgang mit ihnen geäußert und an der Bürokratie.

Aber jetzt spricht man zum Beispiel von Ausnahmen vom Mindestlohn für Flüchtlinge.

Was haben die Gewerkschaften mit dem Mindestlohn zu tun? Die Frage, wie hoch dieser sein soll, ist eine politische. Wir können uns dafür höchstens politisch stark machen. Der DGB hat nur 8,50 Euro gefordert, die Partei Die Linke wollte mehr. Aber die Gewerkschaften haben Tarifpolitik zu machen. Und wenn man sich den Organisationsgrad anschaut, muss man sagen, wir haben schon Probleme, Politik für unsere Klientel zu machen. Und die BRD ist nicht so gestrickt, dass die Gewerkschaften Einfluss auf die Regierung hätten. Man macht es sich zu einfach, wenn man sagt, dass die Gewerkschaften mehr hätten tun sollen. Wenn ich mir das sozialpolitische Programm der IG Metall ansehe, das Ideen zur Bürgerversicherung und zur Umverteilung enthält, haben wir zwar Utopien, aber nicht die Kraft, das umzusetzen. Das nächste Problem haben wir aber bereits: Die AfD hat angefangen, eine eigene Arbeiterorganisation aufzubauen: AIDA, »Arbeitnehmer in der AfD«.

Welche Strategie fährt sie?

Sie wollen in den Betrieben eine Basis schaffen, um die »völkischen« Parolen von den Pegida-Demos in die Belegschaften zu holen. Bei den Betriebsratswahlen im kommenden Jahr wollen sie die Listen spalten und in die Gremien kommen. Dabei wollen sie die Macht der Gewerkschaften beschneiden.

Machen rechte Mitglieder in den Gewerkschaften gerade Druck auf die Funktionäre?

In manchen Gegenden etwa von von Sachsen trauen sich einige Funktionäre nicht, öffentlich gegen Pegida aufzutreten, weil sie wissen, dass ein Teil der Belegschaft dort mitmarschiert. Es ist eine interne Auseinandersetzung, die wir führen müssen. In unseren Satzungen steht, dass wir die Demokratisierung der Wirtschaft vorantreiben wollen und dass wir nationalistische Kräfte aus den Betrieben fernhalten. Da müssen wir jetzt Flagge zeigen.

Detlef Fendt arbeitete 47 Jahre bei Daimler und war dort Betriebsrat. Er ist auch Mitglied der DKP


Quelle

https://www.jungewelt.de/2017/02-09/095.php (https://www.jungewelt.de/2017/02-09/095.php)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 17. Februar 2017, 13:14:59
 Interview
An allen Werktagen sind die Läden offen. Das reicht!
Herbert Schedlbauer im Gespräch mit Uwe Foullong
|    Ausgabe vom 17. Februar 2017


eit Jahren währt der Streit zwischen Handel und Gewerkschaft über die Anzahl von verkaufsoffenen Sonntagen. Laut bestehender Verordnung dürfen es bis zu vier im Jahr sein. Geht es nach dem Willen des Deutschen Handelsverbands, soll es zukünftig zehn Sonntage ohne Bedingungen geben.

UZ: ver.di geht in vielen Städten gegen Entscheidungen von Kommunalverwaltungen vor. Grund ist die Ausdehnung von Sonntagsöffnungszeiten. Das Bundesverwaltungsgericht hat im November 2015 in einem Urteil entschieden, dass verkaufsoffene Sonntage eines triftigen Grundes bedürfen. Ein Einkaufsgefühl reicht also nicht mehr alleine. Was müssen dies für Gründe sein?

Uwe Foullong: Die Sonntagsöffnung darf nicht der Hauptanlass sein. Immer wieder werden aber Messen und Stadtteilfeste dazu als Begründung herangezogen. Demnach müssen durch diese Anlässe deutlich mehr Besucher angezogen werden als durch die Ladenöffnungen selbst. Dies ist aber keineswegs während Messen und Marktfesten der Fall, wie immer wieder behauptet wird.

UZ: Geht es den Unternehmen nicht in Wirklichkeit um mehr Profit? Darum, den Sonntag zum normalen Arbeitstag machen?

Uwe Foullong: Die Unternehmer reden nicht über ihren Gewinn. Sie verweisen auf den Umsatz. Dieser Umsatz wäre der Konkurrenz wegen notwendig. Würde man sonntags nicht öffnen, fließe der Umsatz woanders hin. Zusätzlich sagen sie immer, dass dies eine gute Werbung ist. Die Kunden würden das verlangen. Angeführt wird auch, mit den Sonntagsöffnungen könnte man dem Onlinehandel begegnen. Dieses Argument ist völliger Quatsch. Schon jetzt haben viele Einzelhändler einen eigenen, also zusätzlichen Onlineversandhandel.

UZ: Kann man denn Online- und Einzelhandel überhaupt in Verbindung bringen?

Uwe Foullong: Die Menschen, die am Sonntag vom Sofa online Ware bestellen, gehen nicht zum stationären Einzelhandel. Online- oder stationären Handel mache ich doch am Sonntag nicht von der Zeit abhängig. Mal abgesehen davon, dass unsere Läden von Montag bis Samstag über sechzig Stunden geöffnet sind. Insofern befindet sich der Onlinehandel nicht in direkter Konkurrenz zum Handel vor Ort.

UZ: Die Gewerkschaften kämpfen seit Jahren in der Bundesrepublik für den freien Sonntag. Geht es mit dem jetzigen Vorstoß des Deutschen Handelsverbandes nicht generell darum, Arbeit noch flexibler zu machen?

Uwe Foullong: Erst mal will ich an dieser Stelle noch einmal betonen, dass wir als ver.di ein besonderes Interesse daran haben, dass die Sonntagsruhe erhalten bleibt. Weil dies im Grundgesetz geregelt ist. Es geht nicht nur um Sonntagsöffnungen im Einzelhandel. Wir haben eine Entwicklung, dass der Sonntag immer mehr zum normalen Arbeitstag gemacht werden soll. Für alle denkbaren Branchen und Berufe. Nehmen wir den Onlineversand. Da gibt es Versuche, dies auch sonntags zu bewerkstelligen. Zum Beispiel bei Paketdiensten. Oder Callcenter, die rund um die Uhr erreichbar sein sollen. Da sagen wir Stopp. Der Sonntag ist ein Ruhetag. Ausnahmen gibt es natürlich, dort wo sie dringend erforderlich sind. Bei Eisenbahn und ÖPNV, Notdiensten, Polizei und Feuerwehr, Krankenhäusern, der Kultur. Wogegen wir uns wehren müssen ist, dass wir nicht in die „Rund um die Uhr hektische Gesellschaft“ verfallen. Dies wäre absolut schädlich für die gesellschaftliche Entwicklung.

UZ: Um dem Vorhaben des Deutschen Handelsverbandes zu begegnen, bedarf es eines größeren Widerstandes. Setzt ver.di im Angriff der Unternehmer auf die Arbeitsruhe auch auf Bündnispartner?

Uwe Foullong: Ein Partner sind die Kirchen. Sie ziehen mit uns an einem Strang. Aber auch die DGB-Gewerkschaften. Sie unterstützen unsere Positionen in den Gremien. Es gibt dazu Beschlüsse, wie wir wissen. Zuständig, das muss ich jedoch sagen, sind wir in dieser Sache als ver.di. Keine andere Gewerkschaft kann den Klageweg beschreiten. Aber Unterstützung unserer Positionen durch die anderen Gewerkschaften, die Informationen an die dortigen Mitglieder, die ist gegeben. Der Punkt ist, dieses Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes wird nicht im Selbstlauf eingehalten.

UZ: Was heißt dies?

Uwe Foullong: Viele Kommunalverwaltungen lassen es trotz des Urteils des Bundesverwaltungsgerichtes auf eine Konfrontation mit den Gewerkschaften ankommen. Am 2. Februar wurden vom Düsseldorfer Stadtrat mehrheitlich acht Sonntagsöffnungszeiten durchgewunken. Obwohl die angegebenen Anlässe bei weitem nicht die rechtlichen Anforderungen des Bundesverwaltungsgerichts erfüllen.

UZ: Wie wird der ver.di Bezirk Düsseldorf darauf reagieren?

Uwe Foullong: Wir hatten bereits im Vorfeld angekündigt, dass wir dagegen klagen werden. Als wir die Anträge des Einzelhandelsverbandes auf den Tisch bekamen, haben wir sofort dazu eine deutliche Stellungnahme abgegeben. Das Ergebnis: Alle acht Anträge entsprechen nicht den Kriterien des Bundesverwaltungsgerichts mit Urteil vom 15. November 2015. Das haben wir der Stadt Düsseldorf mitgeteilt. Den Stadtrat aufgefordert, selber intensiv zu prüfen, bevor hier eine Entscheidung gefällt wird. Trotzdem wurden alle Anträge genehmigt. Weil dies so geschehen ist, wird es unsere Aufgabe sein, den Klageweg zu beschreiten.

UZ: Die Arbeitsbedingungen haben sich in den letzten Jahren im Einzelhandel immer mehr verschlechtert. Flexibilisierung von Arbeitszeiten, Abbau von Vollzeitkräften wirken sich nachteilig auf die Beschäftigten aus. Wie weit spielen in dieser Auseinandersetzung die Arbeitsbedingungen und der Arbeitsschutz eine Rolle?

Uwe Foullong: Das spielt für uns eine ganz große Rolle. Wir sind ja nicht nur die Wächter des Grundgesetzes und der Rechtsprechung von Gerichten. Wir schauen natürlich auch auf die Praxis. Es gibt ja nicht nur die langen Öffnungszeiten im Einzelhandel. Es gibt auch immer mehr Verkaufsflächen bei gleichzeitigem Personalabbau. Dadurch entsteht ein erhöhter Leistungsdruck in den Betrieben. An allen Werktagen sind die Läden offen. Vier Sonntage im Jahr können maximal hinzukommen. Das reicht. Der Sonntag muss arbeitsfrei bleiben. Anders ist eine Regeneration der Arbeitskraft gar nicht denkbar.

Quelle

http://www.unsere-zeit.de/de/4907/wirtschaft_soziales/4765/An-allen-Werktagen-sind-die-L%C3%A4den-offen-Das-reicht (http://www.unsere-zeit.de/de/4907/wirtschaft_soziales/4765/An-allen-Werktagen-sind-die-L%C3%A4den-offen-Das-reicht)!.htm


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 04. März 2017, 18:09:47
Ich war schon oft entsetzt, was die Gewerkschaften bisher beschlossen haben.
Aber sowas hätte ich mir nie vorstellen können:
Zitat
Burka-Verbot im Tarifvertrag verankert

Das Land Hessen und die Gewerkschaften haben sich auf einen neuen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst geeinigt. Danach bekommen die Landesbeschäftigten mehr Geld, dürfen aber keine Burka tragen.
http://www.fr.de/rhein-main/oeffentlicher-dienst-in-hessen-burka-verbot-im-tarifvertrag-verankert-a-1052713 (http://www.fr.de/rhein-main/oeffentlicher-dienst-in-hessen-burka-verbot-im-tarifvertrag-verankert-a-1052713)

Was kommt als nächstes vom DGB?
Ausländer raus! Deutsche Arbeitsplätze für deutsche Arbeiter!   ???

Diese Kacke ist ja nicht zu ertragen!


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 06. März 2017, 11:16:46
Ich halt's nich aus...

Zitat
Gewerkschaften loben SPD-Reformpläne

DGB und Verdi loben die Vorschläge von Martin Schulz zur Reform des Arbeitslosengeldes.
http://www.fr.de/politik/arbeitslosengeld-gewerkschaften-loben-spd-reformplaene-a-1093833 (http://www.fr.de/politik/arbeitslosengeld-gewerkschaften-loben-spd-reformplaene-a-1093833)

Das ist ja kaum zu toppen!


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 06. März 2017, 11:59:17
Dümm, dümmer, DGB!
Schon der Ansatz ist falsch: Es gibt überhaupt keine Reformen!


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 06. März 2017, 12:45:25
Ich bin klarer Befürworter eines sakulären Staates und möchte keine religiösen Symboliken irgendeiner Art an öffentlichen Gebäuden haben und auch nicht in Bildungseinrichtungen.Religionsunterricht hat an Schulen genausowenig was zu suchen wie Alchemieunterricht oder Wahrsagerei.
Wer solche Kurse machen möchte,soll das in seiner Freizeit machen und auch selber bezahlen.
Die staatliche Finanzierung organisierten Aberglaubens ( Religionsgemeinschaften) geht jährlch in die Milliarden!

Aus diesem Grunde sehe ich das Burkaverbot von VerDi nicht ganz so negativ.

Ich finde Burka auch Scheiße und trage deswegen keine! >:(

Aus Frankreich kenne ich das demonstrative öffentliche Beten der Salafistenbewegung in Schulen und Universitäten sowie auch andere unschönse Sachen.
Dieser Kulturkampf wird auch in der brd von Islamisten vorangetrieben.So zB fnanzieren Ditib und Mili Görus und andere islamistische Bewegungen Journalisten und auch Anwälte,die vorzugsweise Frauen fördern,die öffentlichkeitswirksam Klagen gegen Kopftuchverbote,gemeinsamer Sport-und Schwimmunterricht,Gebetsräume in Schulen,gebetspausen in Arbeitsstätten usw.
Als Verfechter eines sakulären Staates lehne ich das zutiefst ab!


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Fritz Linow am 06. März 2017, 13:05:13
Rein rechtlich wäre ein Burkaverbot nicht durchsetzbar. Durch diese Klausel im Tarifvertrag macht sich der DGB zum Handlanger und zum Toröffner für kommende Regelungen, nach dem Motto „wenn es schon im Tarifvertrag verboten ist, kann man es auch gleich gesetzlich absichern“.
Man kann das auch durch Dienstverordnungen oder Betriebsvereinbarungen regeln oder sich auf Arbeitsschutz oder Hygienerichtlinien z.B. in Krankenhäusern berufen.

Diese Klausel im Tarifvertrag verbietet es, ein Freak zu sein, betrifft kaum jemanden, würde im Zweifelsfall wohl gekippt werden können und ist die falsche Antwort darauf, warum jemand nicht gesehen werden will.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 06. März 2017, 13:09:25
Das ist der Punkt: Warum wird nicht jegliche Art religiöser Symbolik verbannt? Also auch die Kreuze in öffentlichen Gebäuden? Und wenn es ein Burkaverbot im Tarifvertrag gibt; warum dann kein Kreuzverbot oder ein Kipa- Verbot? Und wenn wir schon dabei sind: Warum werden dann Waldorfschulen nicht verboten? Anthroposophie ist auch eine absolut unwissenschaftliche Weltanschauung.
Als Atheist bin ich da absolut bei dir Rappel. Mich stört (nicht bei dir, sondern im Allgemeinen) diese einseitige Forderung, nach einem Burkaverbot, während andere religiöse Symboliken gar nicht zur Diskussion stehen!
Das ganze Thema wird scheinbar nur herangezogen um islamophobe Grundhaltungen bedienen zu können.

Zitat
„Eine Frau aber entehrt ihr Haupt, wenn sie betet oder prophetisch redet und dabei ihr Haupt nicht verhüllt. Sie unterscheidet sich dann in keiner Weise von einer Geschorenen.“
1. Korinther 11,5
Bibel nicht Koran!!


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: dagobert am 06. März 2017, 13:18:39
Zitat
Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) arbeitete als Leiterin einer SPD-Arbeitsgruppe den Vorschlag einer Verlängerung des ALG I aus, wenn sich die Betroffenen weiterqualifizieren. Während einer solchen von der Bundesagentur für Arbeit finanzierten Maßnahme soll demnach ein Arbeitslosengeld Q in gleicher Höhe wie das ALG I gezahlt werden.

http://www.fr.de/politik/arbeitslosengeld-gewerkschaften-loben-spd-reformplaene-a-1093833 (http://www.fr.de/politik/arbeitslosengeld-gewerkschaften-loben-spd-reformplaene-a-1093833)

Mal wieder die komplette Verarsche.
Nichts daran ist neu.

Zitat
SGB III § 136 Anspruch auf Arbeitslosengeld
(1) Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben Anspruch auf Arbeitslosengeld
1. bei Arbeitslosigkeit oder
2. bei beruflicher Weiterbildung.


Auch die Verlängerung bei Weiterbildung ist bereits vorhanden:
Zitat
SGB III § 148 Minderung der Anspruchsdauer
(1) Die Dauer des Anspruchs auf Arbeitslosengeld mindert sich um
1. die Anzahl von Tagen, für die der Anspruch auf Arbeitslosengeld bei Arbeitslosigkeit erfüllt worden ist,
[...]
7. jeweils einen Tag für jeweils zwei Tage, für die ein Anspruch auf Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung nach diesem Buch erfüllt worden ist,


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 06. März 2017, 13:23:19
Es ist inzwischen sogar schon so verrückt,daß in einigen Städten Freidenker und auch diverse Linke,darunter auch sich als Kommunisten verstehende, sich für die Einführung des Religionsunterrichts nach islamischen Bekenntnis in öffentlichen Schulen stark machen und das sogar bejubeln.In meiner Stadt wird das durch DITIB gemacht und was davon zu halten ist,kann man sich selber denken...demnächst Geschichtsunterricht von NPD Lehrer oder direkt Björn Höcke  :P

Natürlich kann irgendwann jede religiöse Gruppe ihren Religionsunterricht in der öffentlichen Schule und Universität fordern.Hare Krishna,Kirche Jesu Christi der letzten Tage ( Mormonen),Zeugen Jehovas, usw usf......das Ganze alimentiert durch Millionengeldern sietens des Staates....oder wer bezahlt zB den Religionslehrer, das Theologiestudium etc...haben die Kirchen etwa nicht genug Geld um sowas selbst zu Finanzieren?Geschweige denn die öffentliche Förderung derer Gebäude,Gebetshäuser und natürlich der Gehälter von Bischöfen und anderer Vertreter des Bodenpersonals des Herren.

Da lobe ich mir persönlich die Freikirchen. Die finanzieren sich hauptsächlich selbst und das ist zumindest ehrlicher.

Ich bin ja persönlich dafür,daß Religion privat gelebt werden darf und die Menschen selbstfinanzierte Gotteshäser,Anbetungsstätten usw haben
dürfen. Gerne auch steuerliich begünstigt seitens des Finazamtes als gemeinnützig und so.

An Schulen,Unis,Gerichten usw haben diese Symboliken nichts zu suchen.
Wobei wenn jemand ein kreuz als Halskette trägt oder auch "das Schwert Alis" ,wi ees vieel Aleviten machen, oder sowa sin der Art,es tolerierbar wäre.

Der Staat selber muß aber auch Säkularismus durchsetzen gegenüber den religiösen Fanatikern!
Das zumindest wäre meine Vorstellung.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 06. März 2017, 13:38:20
Zitat
Der Staat selber muß aber auch Säkularismus durchsetzen gegenüber den religiösen Fanatikern!
Stimmt! Ein Verbot der CSU ist schon lange überfällig! ;D

@dagobert: Falscher Thread??


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: dagobert am 06. März 2017, 13:42:09
@dagobert: Falscher Thread??

Nein, ich bezog mich darauf:
Ich halt's nich aus...

Zitat
Gewerkschaften loben SPD-Reformpläne

DGB und Verdi loben die Vorschläge von Martin Schulz zur Reform des Arbeitslosengeldes.
[url]http://www.fr.de/politik/arbeitslosengeld-gewerkschaften-loben-spd-reformplaene-a-1093833[/url] ([url]http://www.fr.de/politik/arbeitslosengeld-gewerkschaften-loben-spd-reformplaene-a-1093833[/url])

Das ist ja kaum zu toppen!


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 06. März 2017, 14:08:31
Ach so! Das hätte nur so schön in den SPD- Thread gepasst! ;)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Fritz Linow am 06. März 2017, 14:25:17
Zitat
Wenn eine gewerkschaftliche Betätigung als Ziel die Besserstellung eines mit zu den Grundpfeilern der Nation gehörenden Standes im Auge hat und durchführt, wirkt sie nicht nur nicht vaterlands- oder staatsfeindlich, sondern im wahrsten Sinne des Wortes „national“. Hilft sie doch so mit, die sozialen Voraussetzungen zu schaffen, ohne die eine allgemein nationale Erziehung gar nicht zu denken ist. Sie erwirbt sich höchsten Verdienst, indem sie durch Beseitigung sozialer Krebsschäden, sowohl geistigen als aber auch körperlichen Krankheitserregern an den Leib rückt und so zu einer allgemeinen Gesundheit des Volkskörpers mit beiträgt.

Dieses kleine Zitat von 1925 sollte man vielleicht im Hinterkopf haben, wenn man die Positionen des DGB oder DBB betrachtet.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rudolf Rocker am 06. März 2017, 14:38:53
Was Adolf Hitler in "Mein Kampf" formulierte ist heute leider bittere Realität!
Der DGB steht voll hinter den Herrschenden und hat den Verkauf und Verrat der Arbeiterklasse unterstützt und vorangetrieben! Somit ist es auch logisch das er die Spaltung der Erwerbstätigen vorrantreibt. Und dabei sieht man auch immer deutlicher die nationalistische Ausprägung dieses Verreins.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Fritz Linow am 28. März 2017, 20:18:43
Zitat
Ein Bertelsmann beim DGB – Thomas Fischer leitet die DGB-Abteilung Grundsatzangelegenheiten und Gesellschaftspolitik

2014 Thomas Fischer die Leitung der Abteilung Grundsatzangelegenheiten und Gesellschaftspolitik des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) übernommen hatte, war er schon fast 15 Jahre lang in verschiedenen Positionen für die Bertelsmann Stiftung tätig.

Zuletzt leitete er das Büro Brüssel und das Zentrum Internationales der Stiftung. In seiner neuen Position ist er der TOP-Berater für den Vorsitzenden des DGB, Reiner Hoffmann.

Der Wechsel von Thomas Fischer war innerhalb der Gewerkschaften kein Thema, nur ein paar kritische Medien problematisierten dies und wiesen auf die Gefahr der „Bertelsmannisierung“ des DGB hin, was nahelag, denn die Abteilung Grundsatzangelegenheiten und Gesellschaftspolitik ist ja wohl keine Abteilung des DGB die für die Beschaffung von Büroklammern zuständig ist.

Seitdem sind über 2 Jahre vergangen und die Krake Bertelsmann hat sich weiter ausgebreitet. Fast jede Kleinkomune und jedes Schulverwaltungsamt lässt sich von an der Bertelmann Stiftung und deren Unterfirmen beraten und beeinflussen.
(...)

http://gewerkschaftsforum-do.de/ein-bertelsmann-beim-dgb-thomas-fischer-leitet-die-dgb-abteilung-grundsatzangelegenheiten-und-gesellschaftspolitik/ (http://gewerkschaftsforum-do.de/ein-bertelsmann-beim-dgb-thomas-fischer-leitet-die-dgb-abteilung-grundsatzangelegenheiten-und-gesellschaftspolitik/)

Als nächstes bringt McKinsey den DGB auf Vordermann.

Ups, gab es schon 2005:
Zitat
Erst jetzt wird bekannt, daß der DGB-Vorsitzende Ende Januar auf einer Klausurtagung die Hilfe eines Experten in Anspruch genommen hat, um die Spitzenfunktionäre der Gewerkschaften auf eine radikale Wende einzu-schwören.
»Turnaround«, so heißt auch das vor den Gewerkschaftsmitgliedern geheimgehaltene Papier, das Sommers Vertrauensmann auf der Klausurtagung den Spitzenfunktionären präsentierte: Dr. Michael Jung, hochrangiger Spezialist für »Leadership und Organisation« von McKinsey.

http://www.sopos.org/aufsaetze/42349c57d158f/1.phtml (http://www.sopos.org/aufsaetze/42349c57d158f/1.phtml)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 31. März 2017, 09:31:49
Aus: Ausgabe vom 31.03.2017, Seite 12 / Thema

Das Elend des deutschen Trade-Unionismus
Alles für den Standort. Die Gewerkschaften setzen auf »Mitgestaltung« – eine Polemik
Von Theo Wentzke


(http://fs5.directupload.net/images/170331/temp/etkynkm5.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4677/etkynkm5_jpg.htm)(http://)
Wer die Beschäftigungssicherung zum obersten Ziel erklärt, landet schnell bei der Verteidigung des nationalen Standorts – Protest der IG Metall in Duisburg (Nordrhein-Westfalen) gegen geplanten Stellenabbau bei Siemens
Foto: Roland Weihrauch/dpa-Bildfunk

Die deutschen Gewerkschaften widmen sich nach bestem Vermögen der »sozialen Frage«. Sie gehen auch im 21. Jahrhundert in aller Selbstverständlichkeit davon aus, dass die Belange der Lohnabhängigen unter die Räder kommen, wenn diese mit den »Arbeitgebern« des Landes und ihrem Interesse an immer mehr Leistung bei möglichst niedrigen Lohnkosten alleine gelassen werden, sprich: wenn »unternehmerische Willkür« herrscht. Aus diesem Umstand leiten sie ihren Dauerauftrag ab, mittels kämpferischer Eingriffe in die Arbeitsbedingungen die nötigen Korrekturen durchzusetzen, die ein »gutes Leben« mit »guter Arbeit« dann doch möglich machen. Von der Tatsache, dass es um die dafür nötige Solidarität nicht zum Besten steht und die abhängig Beschäftigten in ihrer übergroßen Mehrzahl von ihrem in grauer Vorzeit erstrittenen Recht, für die Erträglichkeit der eigenen Lebensbedingungen kollektiv streiten zu dürfen, wenig wissen wollen, lassen die Gewerkschaften sich nicht beirren: Gegen die Praxis moderner Proletarier, sich als individuelle »Marktteilnehmer« aufzuführen, also gegen die Konkurrenz der Lohnabhängigen um ihr jeweils eigenes Fortkommen, setzen sie die Einsicht, dass genau dafür diese Praxis auch immer wieder einmal unterbrochen werden muss und die Arbeiter gemeinsam gehalten sind, als gewerkschaftliches Kollektiv um die »Marktbedingungen« zu streiten.
»Gerechter Lohn« und »gute Arbeit«

Für diese Einsicht werben deutsche Gewerkschaften mit den Erfolgen, die sie in den alljährlichen Tarifrunden erzielen. So verhelfen sie Metallern, Lokführern usw. sowie öffentlich Bediensteten zu dem, was ihnen allen in der Marktwirtschaft zusteht, nämlich: »Ein gerechter Tagelohn für ein gerechtes Tagwerk«, wie die englische Arbeiterbewegung im frühen 19. Jahrhundert forderte, oder wie es der DGB ausdrückt: »Gute Arbeit«.

Was das genau ist, ist je nach Branche, Lohngruppe und Konjunkturlage ganz unterschiedlich. Die verschiedenen Gewerkschaften nehmen die vorhandene vielfältige »Tariflandschaft« zum selbstverständlichen Ausgangspunkt ihrer »ausdifferenzierten« Forderungen nach Lohngerechtigkeit, von der Erfolgsbranche bis zur Niedriglohngruppe. Wodurch die Arbeiter der verschiedenen Branchen und Betriebe sich die verschiedenen Einkommen »verdient« haben, ist dann wieder für alle gleich: durch ihre verschiedene Leistung an den verschiedenen Sorten von Arbeitsplätzen, die ihre »Arbeitgeber« ihnen bereitgestellt haben. Und wenn es um die Untermauerung der Forderungen nach einem gerechten Lohn geht, sind die Gewerkschaften in keiner Branche um die Kennzeichnung des ungemütlichen Charakters der dafür erbrachten Leistungen verlegen. Verweise auf gesteigerte Anforderungen, geleistete Überstunden, vergangenen Lohnverzicht etc. haben eindeutig den Sinn, die tagtäglich erbrachten Opfer zu präsentieren, die überhaupt den Nutzen hervorbringen, den die Unternehmer daraus ziehen: Die Mühen der Beschäftigten sorgen ebenso für einen kontinuierlichen Bahnverkehr mit kostensparender Unterbesetzung wie für die satten Gewinne der stolzen deutschen Erfolgsbranchen. Hier wie dort belegen Opfer wie Nutzen, worauf es ankommt, nämlich wie wertvoll der betriebliche und gemeinschaftsdienliche Beitrag ist, der die Verbesserung von Arbeitsbedingungen rechtfertigen soll – Dienstbarkeit für die Stifter der Einkommen ist und bleibt eben das Lebenselixier der abhängig Beschäftigten.

Gemäß der feststehenden Aufgabenstellung, die eigenen Forderungen im Interesse derselben »Arbeitgeber« unterzubringen, die mit ihren Ansprüchen an Lohn und Leistung ihre Angestellten traktieren, nehmen vorausschauende Gewerkschafter deren absehbaren Konter selbst vorweg. »Finanzierbar« müssen ihre Forderungen selbstverständlich sein – für die Unternehmen, deren Rechnungen trotz Mehrkosten aufgehen müssen. »Fair« sind deutsche Gewerkschaften als Tarifpartner darin, dass sie vorher prüfen und feststellen, ob die aus der Belegschaft herausgewirtschaftete Ertragslage der Unternehmen auch wirklich den »Schluck aus der Pulle« zulässt.

Indem genau die von ihnen selbst ins Spiel gebrachten Kriterien den Gewerkschaften in den Tarifverhandlungen von den Unternehmern mit umgekehrten Vorzeichen entgegengehalten werden, werden die Forderungen zu der Verhandlungsmasse, als die sie ohnehin konzipiert waren. Man nimmt die Gewerkschaften in ihrer verantwortungsvollen Dienstbereitschaft beim Wort, um ihre Forderungen als »überzogen« zurückzuweisen. Und an der marktwirtschaftlichen Vernunft der »Gegenargumente« kommen die Arbeitervertreter nicht vorbei: Jedes halbe Lohnprozent addieren die wirklichen Herren der Kalkulation mit Kosten und Gewinnen zu Millionensummen, die die kostbaren Arbeitsplätze endgültig unrentabel zu machen drohen. Jedes Zugeständnis in Sachen Arbeitszeit gefährdet die flexible Handhabung von mal mehr, mal weniger Arbeit, die deutsche Unternehmen für ihren Welterfolg unbedingt brauchen. In diesem Rahmen werden die je besonderen Nöte der verschiedenen Lohngruppen, der Azubis etc. möglichst gerecht gegeneinander abgewogen. Und am Ende verdeutlicht eine simple Prozentzahl, inwiefern sie überhaupt nur vergleichbar sind: negativ, über die Gesamtwirkung auf die Kosten, im Verhältnis zu denen all die Arbeitsplätze wirklich »finanzierbar« bleiben.

Für eine solche Einigung mit dem Unternehmerlager sind natürlich auch im Deutschland von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mehr als gute Argumente und Verhandlungsgeschick nötig. Dass Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber nicht wegen der erbrachten Leistungen einen »angemessenen« Lohn zahlen, sondern zu Zugeständnissen immer erst genötigt werden müssen, ist schließlich der Ausgangspunkt, der die Gewerkschaft als Macht auf den Plan ruft. Und der Inhalt dieser Macht besteht nun einmal darin, als Kollektiv der Arbeiter den Beweis antreten zu können, dass diejenigen, die die Arbeitskräfte gewinnbringend um Arbeitsplätze konkurrieren lassen, darin auch von denjenigen abhängig sind, die einen solchen wegen des Lohns unbedingt zum Leben brauchen. Den augenscheinlichen Widerspruch, dass die Lohnabhängigen ihr fair bemessenes und wohlverdientes Recht erstreiten und immer wieder erstreiken müssen, den bleibenden Gegensatz, der darin zum Ausdruck kommt, erledigt eine moderne Gewerkschaft theoretisch mit einem beeindruckenden Unterscheidungsvermögen. Beim kapitalistischen Geschäftsgetriebe unterscheidet die Arbeitervertretung zwischen einem fürs Allgemeinwohl dienlichen Wirtschaftsfortschritt, für den sie sich stark macht, und einem moralisch verwerflichen, bloß privaten Bereicherungsinteresse: »Wir wollen Wachstum, sie wollen Profit.« Die kollektive Macht der Lohnarbeiter richtet sich zwar in der Praxis gegen ihre privaten oder staatlichen Dienstherren, ist aber im Interesse aller, wenn sie dem systematischen Charakterdefizit namens »Profitgier« exakt auf Höhe des grundvernünftigen marktwirtschaftlichen Wachstumsprinzips Grenzen setzt. Diesem widersprüchlichen Kampf darum, die Vereinbarkeit der Interessen von »Arbeitgebern« und »Arbeitnehmern« immerzu neu zu erzwingen, widmen sich deutsche Gewerkschaften mit einer klugen Handhabung des Streiks.

Der unterzieht die Einsicht der Mitglieder in die Notwendigkeit des gewerkschaftlichen Kollektivismus einem Härtetest: Für die Verbesserung ihrer Arbeits- und Entlohnungsbedingungen sollen die Lohnabhängigen temporär auf den Lohn verzichten, auf den für sie alles ankommt. In dieses reichlich widersprüchliche Kalkül der Gewerkschaften geht ein, dass mit der zu erstreitenden Einigung in einer Hinsicht garantiert alles beim alten bleibt: Hinterher muss wieder jeder als Einzelkämpfer an seinem Arbeitsplatz aus dem gemeinsam erstrittenen Ergebnis für sich und gegen die Mitkämpfer im Streik das Beste machen. Um die »Mobilisierungsbereitschaft« ihrer Mitglieder kümmern sich deutsche Gewerkschaften daher vor allem mit der Ausrufung der Solidarität zur »Urtugend«. Damit überführen sie die Einsicht in die Notwendigkeit eines kollektiven Kampfes, für den die Mitglieder einander brauchen, in eine Frage des Anstands, den sie einander schulden. Strapaziert wird diese Tugend von verantwortungsvollen deutschen Gewerkschaften mit der »Ultima Ratio« Streik nur dann, wenn die Unternehmer den Willen zu einer »fairen Einigung« trotz aller wohlmeinenden Warnungen einfach nicht aufbringen. Dann müssen diese zwar zur Räson gerufen werden, sie dürfen dabei aber selbstverständlich nicht um ihren Erfolg gebracht werden, ohne den ja gar nichts mehr zu erstreiten wäre.

Mit welcher Mischung aus Kampf und Einvernehmen auch immer – am Ende steht in jedem Fall ein Tarifvertrag, der die unternehmerische Willkür ausbremst: Moderne Arbeitsplätze werden nach qualitativ und quantitativ unterschiedlichen Leistungsanforderungen genauestens unterschieden, denen dann der jeweiligen Branche gemäß ganz objektiv und verbindlich ein Entgelt zugeordnet wird. Die Tarifordnung nimmt die programmierte Betätigung der unternehmerischen Freiheit während der nun beginnenden Friedenspflicht vorweg, um sicherzustellen, dass es bei allen Veränderungen der Arbeitsplätze und -abläufe, allen Entlassungen und Umgruppierungen nur so, wie vereinbart, zugeht. Alles andere wäre ja Willkür.

Das ist dann eben die Sorte »gutes Leben«, die mit »guter Arbeit« zu haben ist: Dank gewerkschaftlicher Beteiligung findet Ausbeutung von Lohnarbeit heutzutage in einem »objektiven« und mit dem Stempel »sozial gerecht« versehenen Rahmen statt, in dem Unselbständige ihr Interesse an einem möglichst guten Auskommen mit dem Einkommen in aller Freiheit verfolgen können: nämlich durch das Konkurrieren gegeneinander mit der Leistung, die sie zu ihrem eigenen Schaden ganz passiv anzubieten haben. Da fällt es den »Arbeitgebern« leicht, ihren ständig neuen und verschärften Anforderungen die Gestalt von »Chancen« zu geben: Sie finden stets »engagierte Mitarbeiter« für die Arbeitsplätze, die sie permanent gemäß ihrem Profitinteresse renovieren, weil andere Verdienstgelegenheiten nun einmal nicht im Angebot sind. Und so kommt noch jedes vereinbarte Tarifgefüge ziemlich automatisch wieder in die »Schieflage«, die im Folgejahr nach Korrektur durch die Gewerkschaft verlangt.
Arbeitsplatzsicherung

Die Daueraufgabe der gewerkschaftlichen Tarifpolitik, im Kampf um »gute Arbeit« den Angriffen der Unternehmer korrigierend hinterherzulaufen, schließt die bange Frage nach dem »Ob« der Beschäftigung ein: Moderne Gewerkschaften kümmern sich um »Beschäftigungssicherung«. Das ist keine leichte Aufgabe, weil dafür erstens nun einmal die »Arbeitgeber« zuständig sind und sich deren namengebende Tätigkeit zweitens von der Bedrohung derselben Arbeitsplätze nur schwer unterscheiden lässt. Denn wenn Unternehmensführungen Arbeitsplätze abbauen, outsourcen, unbefristet Beschäftigte durch Zeitarbeiter oder Werkverträgler ersetzen oder »Tarifflucht« begehen, um mehr Ertrag zu erwirtschaften, dann mag ihr unausbleiblicher Verweis auf die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit »im Interesse der Arbeitsplätze« noch so verlogen sein: An der Anerkennung dieses Kriteriums als Voraussetzung eines zu erstreitenden »guten Lebens« kommt eine Gewerkschaft einfach nicht vorbei. »Beschäftigungssicherung« bedeutet auch in der Sache nichts anderes als die Sicherung der Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen.

Eine »verantwortliche« Gewerkschaft kann das freilich keinesfalls den Unternehmern überlassen, will sie den Betroffenen »unnötige Härten« ersparen: So viele Entlassungen, wie vorgesehen, sind bestimmt nicht nötig, mit ein bisschen kollektivem Lohnverzicht und Flexibilisierung kann man Arbeitsplätze retten – nämlich genau so lange, wie sie dadurch rentabel bleiben.

Weit verbreitet sind inzwischen Tarifverträge, die »gut für die Beschäftigung« sind. Mit denen leisten die Gewerkschaften ihren Beitrag zum deutschen Beschäftigungswunder: mit Arbeitszeitmodellen, deren Attribut »flexibel« nicht falsch zu verstehen ist; mit moderaten Tarifabschlüssen; mit der Fixierung von Niedriglohngruppen auch in hochrentablen Branchen; mit Entgeltmodellen, die die Bezahlung explizit an den Betriebserfolg koppeln etc. So gehen die Gewerkschaften die gar nicht neuen Anforderungen an, die heute »Globalisierung« und »Digitalisierung« heißen und der traditionellen Logik der Kostenoptimierung zwecks Gewinnmaximierung folgen. Was die Arbeitervertretung in Sachen »Beschäftigungssicherung« überhaupt zu bieten hat, nämlich die sozialfriedliche Abwicklung der nötigen Opfer der Umwälzung aller Beschäftigungsverhältnisse, fällt ganz einfach zusammen mit dem elementarsten Dienst an ihrer Klientel: dem »Erhalt« genau der Arbeitsplätze, die es jeweils gibt, und die genau so ausgestaltet sind, wie es die Unternehmensrechnung gebietet. Wenn die Gewerkschaft mit dieser Tarifpolitik nach eigener Auskunft die »Strahlkraft des Normalarbeitsverhältnisses« sichert, »das sich durch sichere Arbeit, geschützt durch Gesetz und Tarifverträge, festes und ausreichendes Einkommen auszeichnet«, dann lebt diese Strahlkraft ganz sicher nicht von einer nüchternen Prüfung der Frage, wofür diese Einkommen ausreichen und wie sicher und fest sie der Schutz durch Gewerkschaft und Sozialstaat eigentlich macht. Strahlend ist das alles nur im Vergleich zur wachsenden Welt der sogenannten atypischen Beschäftigung.
Ansprechpartner Staat

Diese ist das Resultat von Tarifflucht, des Dauereinsatzes von Zeitarbeit und Kettenbefristung, Minijobs und ausländischen Wanderarbeitern sowie der ausgreifenden Praxis, sogenannte Soloselbständige in der Konkurrenz um den Auftrag für »Werke« aller Art sich gegenseitig unterbieten zu lassen. Das und noch viel mehr ist Arbeitsalltag für ein Prekariat, das den größten Niedriglohnsektor Europas bevölkert: Viel zu tun für eine Gewerkschaft, die ihren Anspruch auf Interessenvertretung auch anno 2017 auf alle Lohnabhängigen erstreckt.

Mit dem bloßen Anspruch müssen deutsche Gewerkschaften sich auch dort nicht begnügen, wo sie über keine wirksamen Ansatzpunkte verfügen. In der »sozialen Marktwirtschaft« kennen sie den Staat als Ansprechpartner, der sich der Leiden der Lohnabhängigen auf seine Weise längst umfassend angenommen hat – denn er will die »soziale Frage« stets im Griff haben. Auf dessen Macht zur Korrektur auch der modernsten prekären Verhältnisse setzt der Deutsche Gewerkschaftsbund und erteilt sich den Auftrag, die Inhaber der Staatsmacht von den vielen Korrekturnotwendigkeiten zu überzeugen. Dass die Politik maßgeblich an der Herbeiführung der beklagten Zustände beteiligt ist, beweist den gewerkschaftlichen Liebhabern des Sozialstaats, wie unentbehrlich sie dafür sind, die Politiker auf den rechten Weg zurückzuführen. Wie robust diese Liebe ist, zeigt sich daran, dass die Gewerkschaften die mit den Hartz-Gesetzen begonnenen »Reformen« des Sozialstaats unter dem irreführenden Begriff der »Deregulierung« fassen: In den neuen Regeln des Arbeitsmarkts, die so eindeutig unternehmerfreundlich ausfallen, sehen sie die Abwesenheit von Regeln; den staatlichen Angriff auf die Interessen der Lohnabhängigen deuten sie als Unterlassung dessen, was doch die eigentliche, schützende Aufgabe des Staates wäre. In ihrem Interesse ist eine »Neuordnung des Arbeitsmarktes durch den Gesetzgeber unerlässlich« – und wofür? – »um unsichere Beschäftigungsverhältnisse zu begrenzen«. Das Leitmotiv: »Sozial ist, was Arbeit schafft« macht sich der DGB zwar nicht zu eigen, hinter seine brutale »Wahrheit« will aber auch er nicht zurück: Der »Missbrauch« von Zeitarbeit, Werkverträgen und Minijobs gehört bekämpft, ihr Gebrauch aber geht in Ordnung, solange deutsche Unternehmen sie für ihr Wachstum brauchen und so »Beschäftigung sichern«. In der Festlegung der richtigen Grenzen durch die Politik liegt das Ziel gewerkschaftlicher Lobbyarbeit.

Und die kennt viele gute Gründe für die Berücksichtigung der sozialen Interessen ihrer Klientel, vor allem aber einen unschlagbaren Einwand gegen unsoziale Fehlgriffe: »Wir dürfen keine Standards aufgeben, weder bei den Arbeitsbedingungen noch beim Mindestlohn. Wir brauchen sie weiterhin als untere Haltelinie, um die Spaltung nicht nur des Arbeitsmarkts, sondern der Gesellschaft zu verhindern.« Das von ihnen betreute »Arbeitnehmer«-Interesse behandeln deutsche Gewerkschafter ziemlich schamlos als durch »Haltelinien« einzuzäunende Restgröße, für die sie als soziale Rechtsanwälte und Wortführer eines gesamtgesellschaftlichen »Wir« gegenüber dem Staat eintreten: Die Begünstigten müssen sich in ihren Umständen aufgehoben sehen und nicht aus der Gemeinschaft ausgeschlossen fühlen! Das ist das elementare demokratisch-marktwirtschaftliche Versprechen der »gesellschaftlichen Teilhabe« – soviel »sozial« muss sein. Dass der von der ansonsten drohenden »sozialen Spaltung« betroffene Staat dann nach seinem Kalkül verbindlich festlegt, wieviel das ist, ist im Preis einer solchen gewerkschaftlichen Interessenvertretung inbegriffen.

Nirgends zeigt sich der gewerkschaftliche Sinn für die Kalkulationen deutlicher als beim gesetzlichen Mindestlohn. Schon in der langjährigen Werbung für das Gesetz zur »Verhinderung von Lohnarmut« führte der DGB die Vorteile an für die Konjunktur, für den fairen Wettbewerb der Unternehmerschaft, für die Entlastung des Staatshaushalts etc. So selbstverständlich gehen die gewerkschaftlichen Anwälte staatlicher Schranken der Lohndrückerei davon aus, dass das von ihnen vertretene Interesse eine abhängige Variable der maßgeblichen Interessen ist; und genauso selbstverständlich ist ihnen, dass die Gewerkschaft selbst den Verschlechterungen der Lebenslage der Lohnabhängigen nichts entgegenzusetzen hat. Was den unternehmerfreundlichen Gehalt der nötigen gesetzlichen Regelung ausmacht, den die heutige Gewerkschaft feiert, so hat Karl Marx den bereits im vorletzten Jahrhundert kritisch auf den Punkt gebracht: »Zum ›Schutz‹ gegen die Schlange ihrer Qualen müssen die Arbeiter ihre Köpfe zusammenrotten und als Klasse ein Staatsgesetz erzwingen, ein übermächtiges gesellschaftliches Hindernis, das sie selbst verhindert, durch freiwilligen Kontrakt mit dem Kapital sich und ihr Geschlecht in Tod und Sklaverei zu verkaufen.« Im Unterschied zur gesetzlichen Beschränkung des Arbeitstages spendiert der moderne Sozialstaat den Mindestlohn nach nur zehn Jahren Überzeugungsarbeit glatt von sich aus. Soviel sozialstaatliche Fürsorge gegen allen Widerstand der Unternehmerschaft bestätigt der Gewerkschaft ihr prinzipiell gutes Bild von der Republik: »Mindestlöhne schaffen würdigere Arbeitsbedingungen. Existenzsichernde Einkommen sind ein Zeichen des Respekts für getane Arbeit.« Das ist sie also, die aktuell-zeitlose Elementarfassung des marktwirtschaftlichen Lohninteresses: Die materielle Wertschätzung der Arbeit muss dem Kriterium genügen, die moralische Wertschätzung zu belegen, die die Arbeit verdient. Dass der Lohn gerade im Interesse der Gewürdigten nicht zu hoch sein darf, stellt der DGB als verantwortungsvolles Mitglied der zuständigen Mindestlohnkommission in Rechnung. Und die gute Nachricht lautet: Die 8,50 Euro haben keine Arbeitsplätze vernichtet und können getrost auf 8,84 Euro angehoben werden.
Lobbyarbeit

Ein Kollateralschaden ihres eigenen Erfolgs bleibt der deutschen Gewerkschaft 2017 allerdings nicht erspart: Als Gewerkschaft macht sie sich tendenziell überflüssig. Mit ihrem unermüdlichen Einsatz für die wohlverdienten Rechte, die der demokratische Staat den »Bürgern am Arbeitsplatz« angedeihen lassen soll, hat sie die Lohnabhängigen erfolgreich zu Bürgern erzogen. So erfolgreich, dass die meinen, mit eben diesen Rechten alles Nötige für ihren alltäglichen Überlebenskampf beisammen zu haben. Sie schließen folglich von allen erfahrenen Härten der Konkurrenz umstandslos darauf, dass die Politik die zuständige Instanz ist, Gerechtigkeit herzustellen. So landet jede Unzufriedenheit bei einem Auftrag an den Staat, entsprechend für »Ordnung« zu sorgen. Nur eine Minderheit lässt sich überhaupt noch mobilisieren und für den Standpunkt gewinnen, als Mitgliederbasis ihrer gewerkschaftlichen Vertretung zu fungieren, also ihre Konkurrenz um eine von oben angeleitete Praxis der Solidarität zu ergänzen. Die große Mehrheit setzt von vornherein darauf, dass sie mit ihren Forderungen bei denen, die die Verhältnisse machen, bei Politik und Unternehmen also, an der richtigen Adresse ist. Die Gewerkschaften im Lande ergänzen, benützen und befördern diese Politisierung der Unzufriedenheit, indem sie jeden Ruf nach dem Staat als Auftrag an sich aufgreifen, als Lobby für die Belange der deutschen Lohnarbeiterschaft beim Staat und als für die soziale Ordnung im Lande mitverantwortliche politische Kraft tätig zu werden. Der DGB ist schließlich das »mit mehr als sechs Millionen Mitgliedern (…) größte politische Netzwerk dieser Republik«, als das er sich – zumal im Wahljahr 2017 – berechtigt sieht und darum bemüht, Einfluss auf die Politik zu nehmen und seine Basis als Wähler zu mobilisieren. Mit ihrem Einsatz leistet die Gewerkschaft im heutigen Deutschland damit ihren nicht geringen Beitrag dazu, die Arbeiter und Angestellten für die deutsche Politik einzunehmen. Dumm nur, dass die erfolgreiche Politisierung ihrer Klientel einer Zweitkarriere des DGB als vorwiegend sozialdemokratische Lobbytruppe entgegensteht. Nicht wenige der »hart arbeitenden Menschen« haben ja so gründlich verstanden, dass sie vor allem anderen einen starken Staat brauchen, dass sie die Frage nach den sozialen Leistungen, die er ihnen schuldet, mit mehr staatlichem Durchgreifen und mehr nationaler Durchsetzung beantwortet wissen wollen – gegen In-, aber vor allem gegen Ausländer, die, anders als sie, nicht das Privileg genießen, zum »deutschen Volk« zu gehören, dem die staatliche Fürsorge zu gelten hat. Der deutschen Gewerkschaftsbewegung wiederum beweist der vor sich gehende Rechtsruck, wie wichtig sie als Wahrerin und Verteidigerin der deutschen Demokratie ist. Die Arbeitervertretung deutet den gehässigen Nationalismus unverdrossen als Ausdruck einer – fehlgeleiteten – sozialen Unzufriedenheit und als Auftrag an sich, diese Unzufriedenheit wieder in Zustimmung zu »unserer« Republik und zu den regierenden Parteien zu überführen: Mehr Sozia­les zur Abwehr von Faschismus. Leicht haben es deutsche Gewerkschaften mit ihrer nationalen Aufgabe noch nie gehabt.

heo Wentzke ist Redakteur der Zeitschrift Gegenstandpunkt. Zuletzt schrieb er an dieser Stelle am 9.2.2017 über die Flüchtlingspolitik des deutschen Imperialismus. Mehr über die »Flexibilität« der Gewerkschaften in der »Arbeitswelt 4.0« ist in Heft 1/2017 der Zeitschrift nachzulesen. Erhältlich unter www.gegenstandpunkt.com (http://www.gegenstandpunkt.com)

Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/308170.das-elend-des-deutschen-trade-unionismus.html (https://www.jungewelt.de/artikel/308170.das-elend-des-deutschen-trade-unionismus.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Fritz Linow am 03. Mai 2017, 22:39:53
Hörenswertes Radio nicht nur zu gewerkschaftlichen Problemfeldern (Leiharbeit, Gentrifizierung, Pflege/Gesundheitsindustrie, Selbstorganisation, Bitches Brew):

Zitat
2.5.17
Die Selbstorganisierung der Abgehängten

Gerade in den unteren Schichten der Gesellschaft wenden sich immer mehr Menschen von der Politik ab. Hartz-IV-Empfänger gehen seltener zur Wahl und beteiligen sich weniger an politischen Debatten, sagt die Forschung. Diese Krise der Demokratie lässt sich nur überwinden, wenn Menschen die Erfahrung machen, dass sich Lebensverhältnisse durch ihr Engagement verändern lassen.

In Gewerkschaften und sozialen Bewegungen experimentiert man deshalb mit sogenannten Organizing-Konzepten. Aktivisten lernen, wie sie Menschen ansprechen, ermutigen und ihnen Fähigkeiten zur Selbstorganisierung vermitteln können. Absicht ist, dass die Betroffenen Wünsche, Ziele und Handlungsstrategien selbst formulieren.

Das Feature erzählt von gewerkschaftlichen Organizern, die Betriebsräte aufbauen, von prekär Beschäftigen, die trotz Angst vor der Entlassung einen Streik selbst organisieren, und von Mieterinitiativen, die sich der Verdrängung aus ihren Wohnungen erfolgreich widersetzt haben.


http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2017/05/02/veraenderung_durch_empowerment_oder_die_dlf_20170502_1915_b712e357.mp3 (http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2017/05/02/veraenderung_durch_empowerment_oder_die_dlf_20170502_1915_b712e357.mp3)

http://www.deutschlandfunk.de/veraenderung-durch-empowerment-die-selbstorganisierung-der.1247.de.html?dram%3Aarticle_id=382458 (http://www.deutschlandfunk.de/veraenderung-durch-empowerment-die-selbstorganisierung-der.1247.de.html?dram%3Aarticle_id=382458)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 12. Mai 2017, 14:46:01
Zitat
Betriebsratsvergütung
Staatsanwalt ermittelt wegen Untreueverdachts bei VW

Erneut nehmen Staatsanwälte Volkswagen unter die Lupe. Sie ermitteln gegen mehrere Top-Manager, darunter Personalvorstand Blessing. Es geht um mögliche Untreue bei Vergütungen für Arbeitnehmervertreter - auch Betriebsratschef Osterloh.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/vw-staatsanwaltschaft-ermittelt-wegen-verdacht-der-untreue-a-1147399.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/vw-staatsanwaltschaft-ermittelt-wegen-verdacht-der-untreue-a-1147399.html)

! No longer available (http://www.youtube.com/watch?v=vbddqXib814#)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Fritz Linow am 15. Juli 2017, 11:59:50
Zitat
Mexiko: Wachsendes Lohngefälle zu anderen autoproduzierenden Ländern

(Mexiko-Stadt, 07. Juli 2017, poonal).- Nach einer Untersuchung der Autonomen Metropolitanen Universität (UAM) und dem Zentrum für Arbeitsforschung und Gewerkschaftsberatung (Cilas) verdienen die Beschäftigten in der mexikanischen Autoindustrie immer weniger als ihre Kolleg*innen anderen Ländern.

Bei gleich geleisteter Arbeit und gleicher Produktivität ist demnach der Lohn in Südkorea inzwischen um das 3,3-fache höher als in Mexiko, in Japan um das 4,5-fache. In Deutschland wird laut der Untersuchung 7,6-mal mehr Lohn in der Autoindustrie gezahlt. Die Arbeitskosten insgesamt sind nach den Ergebnissen der Studie in der Autoindustrie der USA und Kanadas fast fünfmal so hoch, und selbst in Brasilien um das 2,6-fache höher.

Dies erkläre den Boom der Autoindustrie in Mexiko, so die Autor*innen. Neben den Lohnbedingungen führen sie einen „angeblichen Arbeitsfrieden“, sowie ein „perverses von absoluter Simulation bestimmtes Gewerkschafts- und Vertragsmodell“ an, das die Kontrolle der Arbeiter*innen zugunsten der Multis sicherstelle, für die Präferenz der Autobauer bezüglich des Standortes Mexiko an.

Zu dieser Situation führten sogenannte Schutzverträge, die meistens mit dem Gewerkschaftsdachverband CTM und oft noch vor dem Bau einer Autofabrik abgeschlossen würden.
https://www.npla.de/poonal/mexiko-wachsendes-lohngefaelle-zu-anderen-autoproduzierenden-laendern/ (https://www.npla.de/poonal/mexiko-wachsendes-lohngefaelle-zu-anderen-autoproduzierenden-laendern/)

Eine Untersuchung eines perversen von absoluter Simulation bestimmten Gewerkschafts- und Vertragsmodells hierzulande wäre auch mal ganz interessant.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 01. August 2017, 18:54:06
Zitat
Rotlicht: Sozialpartnerschaft
Von Daniel Behruzi

(https://www.jungewelt.de/img/700/97648.jpg)
Noch alle Besserungen ihrer Lage haben die Arbeiter nicht mit dem Kapital partnerschaftlich ausgehandelt, sondern erstreikt

Von Klassenkampf redet das Establishment hierzulande nicht so gerne. Viel besser klingt da: Sozialpartnerschaft. Statt sich zu bekriegen, sollen Kapital und Arbeit »partnerschaftlich« miteinander umgehen. In friedlichen Verhandlungen sollen sie Löhne und Arbeitsbedingungen festlegen, ohne dass es zum Arbeitskampf kommt. Ist dieser ausnahmsweise nicht zu vermeiden, muss er in geordneten Bahnen verlaufen und möglichst rasch wieder beigelegt werden. Angeblich kommt so das Beste für alle dabei heraus.

Der Blick in die Geschichte scheint das zu bestätigen. Ist nicht auch der Lebensstandard der Arbeiterklasse nach dem Krieg unter den »sozialpartnerschaftlichen« Verhältnissen der Bundesrepublik stetig gestiegen? Erreichen Gewerkschaften wie die IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) – für die der Streik nicht mal mehr das »Schwert an der Wand« ist, auf das man gelegentlich zeigt – nicht mehr als kämpferische Formationen, zum Beispiel in Frankreich?

Um zumindest die Fiktion sozia­ler Partnerschaft aufrechtzuerhalten, braucht es eine entsprechende ökonomische Basis. Spätestens wenn die Wirtschaft schwächelt, die Profitmargen zurückgehen und Stellen abgebaut werden, ist Schluss mit lustig. Dann werden soziale Errungenschaften zurückgedreht – mit Hilfe der ehemaligen »Sozialpartner« oder gegen sie. Das heißt für heute und die Zukunft: Die Sozialpartnerschaft steht auf tönernen Füßen. Denn auch Deutschland wird seine Ökonomie nicht dauerhaft auf Kosten anderer Länder stabilisieren können.

Doch auch für die Zeiten des bundesrepublikanischen Nachkriegsaufschwungs ist die Aussagekraft des Begriffs der Sozialpartnerschaft begrenzt. Ob Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, höhere Löhne oder Arbeitszeitverkürzung – Verbesserungen erreichten die Beschäftigten auch damals nicht in erster Linie in friedlichen Verhandlungen, sondern durch (teilweise sehr harte und langwierige) Kämpfe.

Offen ausgetragene Arbeitskonflikte gibt es auch heute – und zwar besonders in einstigen Hochburgen der Sozialpartnerschaft, die im Zuge neoliberaler Politik dereguliert wurden. Das gilt für Bahn, Lufthansa, Flugsicherung und Krankenhäuser ebenso wie für die Post, wo Verdi 2015 wochenlang streikte, um als Verhandlungspartner im Paketdienst nicht ausgebootet zu werden.

»Auf Augenhöhe« wird indes auch in den hochorganisierten Industriebranchen nicht verhandelt. Denn die Verfügungsgewalt über die Produk­tionsmittel – im bürgerlichen Jargon: die »unternehmerische Freiheit« – sorgt in der Regel für eine Machtasymmetrie zulasten der Gewerkschaften, die sie nur durch kräftige Mobilisierung vorübergehend ausgleichen können.

Sozialpartnerschaft ist vor allem eines: ein ideologischer Kampfbegriff. Er impliziert, Unternehmer und Beschäftigte hätten gemeinsame Interessen, zum Beispiel an der »Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit«. Übersetzt heißt das: Die Beschäftigten sollen ihren Bossen dabei helfen, andere Firmen (und damit andere Arbeiter) niederzukonkurrieren. Ist das erfolgreich, fallen vielleicht ein paar Krumen für sie ab. Aber nicht auf Dauer.

Marx geht statt dessen von einem unversöhnlichen Interessengegensatz zwischen Kapital und Arbeit aus. Den Unternehmern ist stets daran gelegen – mehr noch: sie sind wegen der Konkurrenz dazu gezwungen –, die Ausbeutung ihrer Arbeitskräfte zu verschärfen. Zum Beispiel durch die Senkung der (Real-)Löhne, die Verlängerung der Arbeitszeiten oder die Kürzung von Sozialabgaben infolge von Sozialabbau. Dieser Klassenkampf von »oben« ist viel effektiver, wenn denen »da unten« nicht bewusst ist, dass er überhaupt stattfindet. Zum Beispiel, weil ihnen mit Begriffen wie »Sozialpartnerschaft« das Gehirn zugekleistert wird.
https://www.jungewelt.de/artikel/315163.rotlicht-sozialpartnerschaft.html (https://www.jungewelt.de/artikel/315163.rotlicht-sozialpartnerschaft.html)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Troll am 20. Oktober 2017, 18:39:43
Zitat
DGB streitet um Positionierung zu Hartz IV

Bundesvorstand verhinderte Veröffentlichung eines Papiers der eigenen Rechtsabteilung, das die Sanktionspraxis deutlich kritisiert
»Der Deutsche Gewerkschaftsbund ist daher der Auffassung, dass das Sanktionsregime nicht nur das Grundgesetz verletzt, sondern auch aus sozialpolitischen Gründen verfehlt ist.« So deutlich wurde selten von Seiten des DGB die Sanktionspraxis gegen Hartz-IV-Empfänger_innen verurteilt. Doch obwohl die Stellungnahme der Rechtsabteilung des DGB bereits mehrere Monate alt ist, ist sie kaum bekannt. Schließlich hat der DGB-Bundesvorstand eine Veröffentlichung verhindert. Auch der Sozialhilfeverein Tacheles e.V. wurde gebeten, die Stellungnahme nicht zu veröffentlichen, wie deren Geschäftsführer Harald Thome gegenüber »nd« bestätigte. Mittlerweile ist die 23-seitige Stellungnahme allerdings auf der Onlineplattform LabourNet Germany zu finden.
Dass es zu der Stellungnahme kam, ist einem Arbeitsrichter des Sozialgerichts Gera zu verdanken, der die Sanktionen für verfassungswidrig hält und das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingeschaltet hatte. Wie üblich hat diese Instanz Stellungnahmen von sachkundigen Organisationen eingeholt, darunter der DGB. In der Stellungnahme der Rechtsabteilung finden sich sämtliche Argumente der Hartz-IV-Kritiker_innen. Sehr detailliert stellten die Verfasser_innen der Erklärung klar, wie mit den Hartz-IV-Gesetzen ein politisch gewollter Niedriglohnsektor in Deutschland etabliert wurde, der die Rechte von Lohnabhängigen einschränkt.
Quelle: Neues Deutschland ([url]https://www.neues-deutschland.de/artikel/1067445.dgb-streitet-um-positionierung-zu-hartz-iv.html[/url])

Via NDS ([url]http://www.nachdenkseiten.de/?p=40706#h07[/url])


Sozialpartnerschaftlich über die Ohren gehauen, partnerschaftliche Rücksicht bring es halt.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: dagobert am 20. Oktober 2017, 23:52:07
Zitat
»Der Deutsche Gewerkschaftsbund ist daher der Auffassung, dass das Sanktionsregime nicht nur das Grundgesetz verletzt, sondern auch aus sozialpolitischen Gründen verfehlt ist.« So deutlich wurde selten von Seiten des DGB die Sanktionspraxis gegen Hartz-IV-Empfänger_innen verurteilt. Doch obwohl die Stellungnahme der Rechtsabteilung des DGB bereits mehrere Monate alt ist, ist sie kaum bekannt. Schließlich hat der DGB-Bundesvorstand eine Veröffentlichung verhindert. Auch der Sozialhilfeverein Tacheles e.V. wurde gebeten, die Stellungnahme nicht zu veröffentlichen, wie deren Geschäftsführer Harald Thome gegenüber »nd« bestätigte. Mittlerweile ist die 23-seitige Stellungnahme allerdings auf der Onlineplattform LabourNet Germany zu finden.

chefduzen-Leser wissen mehr ... manchmal zumindest.  :D
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=28752.msg330558#msg330558 (http://www.chefduzen.de/index.php?topic=28752.msg330558#msg330558)

Zitat
Dass es zu der Stellungnahme kam, ist einem Arbeitsrichter des Sozialgerichts Gera zu verdanken,

Wer hat diesen Artikel recherchiert?
Das SG Gotha war das.

Wenn ich das richtig sehe, hat Gera nicht mal ein Sozialgericht ... :o
http://www.deutschland-auf-einen-blick.de/thueringen/gerichte/sozialgerichte.php (http://www.deutschland-auf-einen-blick.de/thueringen/gerichte/sozialgerichte.php)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Troll am 21. Oktober 2017, 09:32:06
chefduzen-Leser wissen mehr ... manchmal zumindest.  :D
[url]http://www.chefduzen.de/index.php?topic=28752.msg330558#msg330558[/url] ([url]http://www.chefduzen.de/index.php?topic=28752.msg330558#msg330558[/url])


 (https://www.cosgan.de/images/smilie/muede/d035.gif)

 (https://www.cosgan.de/images/smilie/verschiedene/f045.gif)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 13. Februar 2018, 21:28:05
Aus: Ausgabe vom 14.02.2018, Seite 12   / Thema

Für eine kämpfende Gewerkschaft
Die Interessenvertreter der abhängig Beschäftigten stehen unter Druck. Es ist höchste Zeit für einen Kurswechsel – ein Aufruf


(http://up.picr.de/31820422ve.jpg)(http://)
Der Streik ist noch immer das geeignetste Mittel, um die Interessen der Lohnabhängigen durchzusetzen – Opel-Streik in Rüsselsheim für die Einführung der 35-Stunden-Woche (8. Juni 1984)
Foto: Thomas Wattenberg/picture-alliance/dpa

Die Lage einer wachsenden Zahl von Beschäftigten wird immer prekärer. Gewerkschaftliche Politik erweist sich in der heutigen Form als zunehmend hilflos, von den Bedrohungen auf ökologischer Ebene oder dem Abbau demokratischer Rechte noch ganz abgesehen. Auch die Gewerkschaften selbst kommen immer häufiger unter Druck. So ist es nicht verwunderlich, dass auch aus dem Apparat Stimmen lauter werden, die eine Änderung des aktuellen Kurses fordern.

Es dürfte vor allem die Sorge um die Handlungsfähigkeit und die Zukunft ihrer Organisation sein, die am 21. Oktober 2017 ca. hundert Funktionäre vor allem aus der IG Metall veranlasst hat, mit sieben Thesen eine Kurskorrektur anzumahnen. Sie sprechen sich für eine offensive Gewerkschaftspolitik aus, die den Interessengegensatz zwischen Kapital und Arbeit zum Ausgangspunkt nimmt. Es sollen zweimal im Jahr Vernetzungstreffen stattfinden. Eine begrüßenswerte Initiative. Es ist gut und verdient die Solidarität aller, die starke durchsetzungsfähige Gewerkschaften erhalten oder schaffen wollen, dass dieser notwendige Diskussionsprozess endlich angestoßen wurde.

Auch die Konferenz von »Organisieren–Kämpfen–Gewinnen« (OKG, www.organisieren-gewinnen.de (http://www.organisieren-gewinnen.de)), die Ende Oktober mit ca. 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz unterschiedlichen Branchen stattfand, ist ein Fortschritt. Diese Kolleginnen und Kollegen wollen »eine Bewegung der Störenfriede« aufbauen, sich austauschen und vernetzen und regionale Runden organisieren. Damit kommt neuer Schwung in zum Teil verkrustete gewerkschaftliche Strukturen und Arbeitsweisen.

Die Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken beteiligt sich mit dem hier vorliegenden Text an der neu belebten Diskussion.

In der oberflächlichen Betrachtung des jüngsten IG-Metall-Tarifabschlusses durch die Medien wird ein vollkommen falsches Bild der realen Auswirkungen gezeichnet. Auf das Jahr umgerechnet bringt der Abschluss etwa eine 3,5prozentige Erhöhung der Entgelte. Das deckt gerade mal die Teuerungsrate und einen Teil des Produktivitätsfortschritts ab.

Bei einer befristeten Arbeitszeitabsenkung auf bis zu 28 Stunden gibt es überhaupt keinen Lohnausgleich, nur den Anspruch auf die Absenkung und die Zusage, danach wieder auf die vorherige Arbeitszeit zurückkehren zu können. Faktisch ist dies eine Abkehr vom Ziel des Lohnausgleichs und ein schlechtes Signal für die künftige Tarifpolitik.

Nur wenn das Tarifliche Zusatzgeld (T-ZuG) in Höhe von 27,5 Prozent eines Monatseinkommens in Zeit umgewandelt wird, was nur wegen Kinderbetreuung, Pflege oder Schichtarbeit überhaupt geht, werden zwei Tage mehr gewährt, als die 27,5 Prozent wert sind, nämlich acht statt sechs freie Tage. Also ein ganz kleines Zückerchen für diese drei Beschäftigtengruppen.

Auch sonst wird der neue Vertrag in keiner Weise den objektiven Herausforderungen gerecht, sondern öffnet dem Kapital weitere Türen für eine Differenzierung der Beschäftigtengruppen: In dem Maße, wie einzelne Kolleginnen und Kollegen ihre Arbeitszeit verkürzen, kann die Unternehmensleitung andere länger arbeiten lassen. Die Quoten derjenigen, die länger als 35 Stunden arbeiten, können erhöht werden von 13 Prozent (bzw. 18 Prozent in Baden-Württemberg) bis auf 30 Prozent per Betriebsvereinbarung, wenn ein Fachkräftemangel nachgewiesen werden kann, und auf 50 Prozent (»Strukturquote«) für Technologiebetriebe.

Mit dem Modell des »kollektiven betrieblichen Arbeitszeitvolumens« kann die Geschäftsleitung für jeden Teilzeitbeschäftigten mit anderen Kolleginnen und Kollegen eine Verlängerung auf 40 Stunden vereinbaren. Dafür wird der Chef schon genügend Schwache oder Erpressbare finden. Wenn demnach eine Kollegin auf 20 Stunden reduziert, können die Arbeitsverträge von drei anderen auf 40 Stunden verlängert werden. Im Resultat findet also überhaupt keine Verkürzung der Arbeitszeit der Gesamtbelegschaft statt, sie wird nur anders verteilt. Nicht umsonst sagte der Verhandlungsführer für Südwestmetall, Stefan Wolf: »Wir haben sehr viel bekommen, nämlich sehr viel Öffnung bei den Arbeitszeiten nach oben.«

Klassenpolitische Lage
Konsequente Gewerkschaftspolitik muss von der nüchternen Feststellung ausgehen, dass wir in einer Klassengesellschaft leben. Das Kapital wird nicht durch gute Argumente zu einer anderen Verhaltensweise oder gar zum »Abdanken« gebracht werden können. Im Gegenteil: Die Verwertungslogik des Kapitals führt zu einem ständig sich verschärfenden Konkurrenzkampf, im 21. Jahrhundert auch und gerade vor dem Hintergrund der zweiten großen Globalisierungswelle (die erste war Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts). Je weltumspannender die Verwertungsketten des Kapitals organisiert sind und überall die Absatzmärkte von Konzernen durchdrungen werden, umso brutaler wirkt die Konkurrenz. In der Logik des Kapitals werden deswegen Arbeitsbedingungen prekarisiert und Löhne gedrückt.

Diese Entwicklungen lassen sich nur durch kollektiven Widerstand bremsen bzw. umkehren. Dazu muss aber die gesamte Arbeiterbewegung die Politik des Kapitals als Angriff auf die Klasse der Lohnabhängigen begreifen. Politik des Kapitals heißt dabei zweierlei: zum einen die konkreten Personaleinsparungs- und Prekarisierungsmaßnahmen auf dem Rücken der abhängig Beschäftigten; zum anderen die Politik der Regierung, ganz gleich, welcher Couleur. Schließlich wurde die »Agenda 2010« von einer SPD-geführten Regierung durchgesetzt, was den Widerstand der Gewerkschaften sogar schwächer ausfallen ließ, als er bei einer CDU-Regierung gewesen wäre.

Anfang der 1990er Jahre wurde – besonders in linken Funktionärskreisen – noch ganz stark betont: »Die Kraft kommt von den Wurzeln.«¹ Von dieser Einsicht sind die Gewerkschaftsvorstände heute weit entfernt. Wir erleben seit mindestens 30 Jahren eine Gewerkschaftsbewegung im politischen Rückzug, was nicht nur mit den schärfer gewordenen Angriffen zu tun hat, sondern auch mit der zunehmenden Entpolitisierung und Anpassung der Gewerkschaftsführungen und erheblicher Teile der Hauptamtlichen (aber auch Ehrenamtlichen) in den mittleren und unteren Gremien.

Damit soll nicht übersehen werden, dass es auch Gegenbewegungen zu dieser allgemeinen Tendenz gibt. Aber eine offene und offensive Auseinandersetzung mit den Fehlentwicklungen und mit den zum Teil katastrophalen Positionierungen (vor allem der exportüberschussorientierten und auf Standortpolitik ausgerichteten Funktionäre) findet nicht statt.

Die derzeitig miserablen klassenpolitischen Kräfteverhältnisse werden vor allem durch zwei Faktoren geprägt:

– Es gibt aufgrund der ständig sich beschleunigenden Umwälzungen der Produktionsstrukturen eine wachsende Arbeitsplatzunsicherheit. In großen Teilen der Bevölkerung breiten sich Abstiegsängste aus. Gegen drohende Arbeitsplatzvernichtungen und Prekarisierungsmaßnahmen wird den Gewerkschaften keine ausreichende Handlungsfähigkeit zugetraut. Die Menschen passen sich also an und trauen sich nicht, Widerstand zu leisten. Sie sehen keine Erfolgschancen.

– Der Staat hat vor allem mit der Durchsetzung von Hartz IV die für das Kapital so wichtigen Begleitmaßnahmen beschlossen, die die Angst vor der Erwerbslosigkeit extrem gesteigert haben.

All dies wurde auch dadurch noch verschärft, dass die Gewerkschaften viele dieser Maßnahmen sogar aktiv mitgetragen haben und weiter mittragen. Dies fängt an bei der Riester-Rente und geht bis zum Unterlaufen des Prinzips »gleicher Lohn für gleiche Arbeit« durch die Leiharbeitstarifverträge. Trotz einiger (allerdings insgesamt noch sehr schwacher) Proteste hat die DGB-Tarifgemeinschaft Ende 2016 diese Verträge verlängert.²

Kampf um Arbeitszeitverkürzung
Heute kommt der Geisel Erwerbslosigkeit mehr denn je eine Schlüsselrolle zu. Solange sich auf dem Arbeitsmarkt keine nennenswerte Verschiebung der Kräfteverhältnisse durchsetzen lässt, werden Niedriglohnsektor, Prekarisierungen und Stellenabbau fortgeschrieben und sich verschärfen, während gleichzeitig die Reichen immer reicher werden. Klar muss sein, dass im Kapitalismus die Erwerbslosigkeit nicht zu beseitigen ist, aber es macht schon einen gewaltigen Unterschied, ob die Gewerkschaften mit einem entschlossenen Kampf und auf Kosten der Profite eine Verkürzung der Arbeitszeit durchsetzen und damit die Zahl der Erwerbslosen spürbar reduzieren. Ein solcher Erfolg hätte nicht nur auf dem Arbeitsmarkt bedeutsame Auswirkungen: Die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben würden sich wieder mehr trauen (weil die Angst vor Erwerbslosigkeit geringer würde), und auch weit darüber hinaus würde es der Klasse der Lohnabhängigen wieder Mut machen.

Ein solcher Kampf lässt sich nicht von oben verordnen und auch nicht von unten einfach mal »lostreten«. Das gesellschaftliche Umfeld (nicht nur in den Medien), aber auch und vor allem die innergewerkschaftlichen Kräfteverhältnisse und die sehr starke Skepsis unter den Kolleginnen und Kollegen erfordern einen langen Atem und einen mittel- bis langfristig angelegten Kampf um die Köpfe.

Der Produktivitätsfortschritt in der Metall- und Elektroindustrie betrug in den Jahren 1991 bis 2008 satte 100 Prozent! In der Gesamtwirtschaft waren es in diesem Zeitraum immerhin 35 Prozent.

Wenn gegen die Auswirkungen der Rationalisierung und Digitalisierung nichts unternommen wird, wenn also auf den Produktivitätsfortschritt nicht mit der Verkürzung der Arbeitszeit reagiert wird, erhöht sich die Erwerbslosigkeit (sie liegt heute real bei knapp fünf Millionen), und das Kräfteverhältnis verschlechtert sich weiter.

Was nicht empfehlenswert und was zu vermeiden ist:

Die Lebensarbeitszeitverkürzung ist ein wichtiges Ziel. Mindestens die Rücknahme der Rentenreformen muss weiterhin angestrebt werden. Aber dies hat bei der Reduzierung der Massenerwerbslosigkeit nur einen begrenzten Effekt. (Abgesehen davon, dass diese Verkürzung erst in Jahren greifen würde bzw. von der Politik konterkariert werden kann).³

Das Bemühen um eine Reduzierung der realen Arbeitszeit (Überschreiten der tariflichen Regelungen, Überstunden usw.) darf nicht dem Kampf um eine tarifliche Arbeitszeitverkürzung entgegengestellt werden. Dies sind keine Alternativen, sondern beides muss sich ergänzen.

In diesem Zusammenhang gilt es, vor allem die unzähligen betrieblichen Öffnungsklauseln abzuschaffen. Tariflich gestattet sind diese seit dem Pforzheimer Abkommen (12.2.2004), mit dem in Betrieben mit Innovationsbedarf oder hochqualifizierten Bereichen (was immer die Geschäftsleitung darunter versteht) längere Arbeitszeiten (oft ohne Lohnausgleich) ermöglicht werden. Dies erschwert den gemeinsamen Kampf, und aktive Betriebsräte wissen, wie schwer es ist, sich des Drucks zu erwehren, wenn die Geschäftsleitung entsprechend argumentiert und der Tarifvertrag das zulässt. Der Daimler-Chrysler-Vorstand Günther Fleig schrieb damals in den Stuttgarter Nachrichten (28.2.2004): »Mit diesem Vorstoß sind wir bei den Gewerkschaften in die Tabuzone 35-Stunden-Woche gestoßen (…). Allerdings hätten wir das, was jetzt in der Tarifvereinbarung geregelt wurde, ohne den Tabubruch nicht erreicht (…). Wir haben den gesamten Katalog der Mindestnormen geöffnet. Wenn es die wirtschaftliche Situation des Betriebes erfordert, können sämtliche Standards auf Absenkung überprüft werden, nicht nur die unentgeltliche Verlängerung der Arbeitszeit.«

Worauf wir uns orientieren sollten:

1. Eine Arbeitszeitverkürzung bringt nur dann einen messbaren Erfolg, wenn sie in großen Schritten erfolgt. Es müssen mehrere Stunden in der Woche sein, damit die Unternehmen auch gezwungen sind, neues Personal einzustellen.

2. Ziel sollte deshalb sein, einen vollen Personalausgleich durchzusetzen, damit mehr Kolleginnen und Kollegen eine Anstellung bekommen und die Zahl der Erwerbslosen sinkt. Das gesellschaftspolitische Ziel sollte lauten: Verteilung der Arbeit auf alle Hände und Köpfe! Und auch unabhängig von der Arbeitszeitverkürzung gilt: Es braucht mehr Personal, nicht nur in den Krankenhäusern!

3. Es darf nicht der geringste Zweifel daran aufkommen, dass die Gewerkschaft ohne Wenn und Aber auf einem vollen Entgeltausgleich besteht. Würde die Möglichkeit eines Teillohnverlustes offengelassen, hätte dies einen fatalen Demobilisierungseffekt.

Wie kann das umgesetzt werden?

1. Die Gewerkschaftsbewegung sollte die positiven Erfahrungen von 1984 im Kampf um die 35-Stunden-Woche wieder aufgreifen, als vor allem die IG-Metall-Frauen die Kampagne unter dem Motto führten: »Mehr Zeit zum Leben, Lieben, Lachen, Lernen.«

2. Innerhalb der Gewerkschaften gilt es, die Diskussion weiterzuentwickeln und eine umfassende Informationskampagne unter den Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben anzugehen.

3. Ein breites gesellschaftliches Bündnis sollte aufgebaut werden.

4. Und es braucht eine ergänzende Kampagne: Kampf für eine lebenswerte Grundsicherung.

Konfliktvermeidung
Typisches Kennzeichen bürokratischer Machterhaltungsbestrebungen (auch und gerade in den Gewerkschaften) ist es, größeren gesellschaftlichen Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen. Ja kein Risiko eingehen, sich lieber mit der herrschenden Politik arrangieren, als in einen Kampf einzutreten, dessen Ausgang ungewiss ist.

Aber es sind natürlich nicht nur materielle Überlegungen, die hier eine Rolle spielen. Eine Praxis, welche die Unternehmerideologie zur eigenen macht und unter dem Vorwand der Standortsicherung den gewerkschaftlichen Grundgedanken negiert, nämlich dass es ureigenste Aufgabe der Gewerkschaften ist, die Konkurrenz der abhängig Beschäftigten untereinander zu unterbinden, zerstört auf Dauer die Gewerkschaften.

So setzen sich die Gewerkschaftsvorstände lieber mit den herrschenden Politikern an einen Tisch, als auf die Förderung der Eigenaktivität der Kolleginnen und Kollegen zu setzen. Arbeitskämpfe werden extrem schwer gemacht, nicht zuletzt mit den einschränkenden Regularien für den Beginn eines Streiks wie auch mit der Streikkultur insgesamt. »Denn die Streikgeld-Streikkultur sichert den Gewerkschaften zweifellos die Loyalität der beitragszahlenden Mitglieder – im Positiven: dass sie handeln, wenn die Führung ruft, wie im Negativen: dass sie eben nur dann handeln. Es ist diese Form der Konfliktaustragung, die den Gewerkschaften die Kontrolle über ihre Mitglieder gewährleistet, die aber schon im Arbeitskampf 1984 als Achillesferse der IG Metall erkennbar geworden ist. (…) Vier Jahre braucht die IG Metall, so hieß es damals, um sich vom finanziellen Aderlass des Streiks 1984 zu erholen. So zeigte sich schon in diesem Arbeitskampf, wie schnell die scheinbare Stärke der deutschen Gewerkschaften, ihre prall gefüllten Streikkassen, zur Fessel werden kann.«⁴

Wenn wir das zitieren, dann nicht, weil wir etwa leere Streikkassen gut finden würden. Aber die ausschließliche Fixierung auf eine Streikform, bei der Streikgeld ausgezahlt wird, ist ein gewaltiger Pferdefuß, weil sie die Handlungsfähigkeit und vor allem die Handlungsbereitschaft der Kolleginnen und Kollegen beträchtlich einengt.

Seit den 1990er Jahren hat sich der Konfliktvermeidungskurs noch verschärft. Dies paart sich mit der extrem legalistischen Form gewerkschaftlicher Aktionen. Frank Deppe hat dies als eine der Hauptschwächen der deutschen Gewerkschaftsbewegung bewertet, was wesentlich zu ihrer weitgehenden Machtlosigkeit und mangelnden Attraktivität beiträgt: also Streiks nur nach Einwilligung von oben (und in aller Regel nur nach langwierigem internen Prozedere), keine Besetzungsaktionen usw. Als seinerzeit die Kolleginnen und Kollegen von Daimler in Mettingen (angeführt von der klassenkämpferischen Betriebsgruppe »Alternative«) über die Bundesstraße 10 nach Stuttgart demonstrierten, bekamen so manche Funktionäre auf Bezirks- und Vorstandsebene schon kalte Füße.

Oder dass es fast unvorstellbar ist, etwa den Betrieb zu besetzen, wie dies seinerzeit die Kollegen bei Seibel (Erwitte) taten. Am 10. März 1975 besetzten die Kollegen in diesem Zementwerk spontan den Betrieb und blieben dort fast zwei Monate lang. Die damalige IG Chemie – Papier – Keramik erkannte diesen Streik wenigstens nachträglich an, was bei der heutigen IG BCE undenkbar wäre. Vor allem: keine Erzwingungsstreiks! Streiks sollen immer nur der Gegenseite die Funktionsfähigkeit der Gewerkschaft dokumentieren, wirtschaftlicher Druck soll nur begrenzt ausgeübt werden. Was könnte man alles vom Streik der Kolleginnen bei Pierburg in Neuss aus dem Jahr 1973 lernen!⁵ Aber all dies soll gerade nicht bekannt gemacht oder gefördert werden.

Politischer Streik?
Es lässt sich sehr wohl ableiten, dass das Grundgesetz keineswegs den politischen Streik verbietet, zumindest dann nicht, wenn er (gemäß Artikel 9.3 GG) von einer Vereinigung, die sich »zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen« gebildet hat, geführt wird.⁶ Beim heutigen Stand der Rechtsprechung wäre allerdings ein politischer Streik, der von einer kleinen Gruppe geführt wird, politisches und finanzielles Harakiri. Umgekehrt aber würde sich kein Gericht trauen, gegen Streikende vorzugehen, wenn es sich dabei um Hunderttausende oder gar Millionen handelt. Die Masse wird es bringen, auch hier – und gerade hier – gilt nach wie vor: Rechtsfragen sind Machtfragen.

Wenn demnächst ein Gesetz eingebracht wird, um das bundesdeutsche Streikrecht (bisher gesetzlich kaum kodifiziert) einzuschränken, dann müssen die deutschen Gewerkschaften doch sofort »auf die Barrikaden gehen« und zu massenhaften Protestmaßnahmen aufrufen! Wenn dabei etwa im Verkehrssektor oder vergleichbaren Bereichen dem Ausrufen eines Streiks hohe Hürden aufgelegt werden, dann müssen alle Alarmglocken schrillen, denn ein Angriff auf eine Gewerkschaft (auch auf eine Spartengewerkschaft!) ist ein Angriff auf alle.

Um in unseren politisch angepassten Gewerkschaften wirksam für einen Kurswechsel zu streiten, wird es darauf ankommen, dass sich die kritischen und klassenkämpferischen Elemente koordinieren, sich enger vernetzen und auch durchsetzen, dass sie eine klassenkämpferische Strömung in den Gewerkschaften bilden. Dann können sie als Anziehungspol wirken, und vor allem können sie dann der Anpassung der Vorstände wirksam Alternativen gegenüberstellen.

Die bisherigen »Streikkonferenzen« (im wesentlichen organisiert von der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit Unterstützung der örtlichen/regionalen Strukturen von Verdi und IG Metall) haben zur Vernetzung beigetragen. Die kommenden Streikkonferenzen sollten dem Ziel dienen, einen alternativen Kurs zur Politik der Vorstände auszuarbeiten und in den Gewerkschaften durchzusetzen.

Wenn sich klassenkämpferische Kräfte enger vernetzen und auf eine bessere Organisierung hinwirken wollen, dann sollten folgende gewerkschaftlichen Ziele im Mittelpunkt stehen:

– Breiteste gesellschaftliche Mobilisierungen bei Massenentlassungen (Siemens, Air Berlin usw.)

– Kampf allen Prekarisierungsmaßnahmen und allen Versuchen, den Niedriglohnsektor auszudehnen. Für einen Mindestlohn von heute 12,50 Euro, jährlich anzupassen an die steigenden Lebenshaltungskosten. Kampf allen Umgehungsstrategien, den Mindestlohn nicht zu zahlen.

– Tarifflucht mit gewerkschaftsübergreifenden Mobilisierungen begegnen. Tarifbindung ausweiten. Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen durchsetzen.

– Breite gewerkschaftliche und gesellschaftliche Mobilisierung für einen abschlagsfreien Renteneinstieg mit 60 und Wiederanhebung des Rentenniveaus auf mindestens 53 Prozent.

– Organisierung eines langfristig angelegten Kampfes für eine radikale Arbeitszeitverkürzung bei vollem Entgelt- und Personalausgleich.

– Breiteste gewerkschaftliche und gesellschaftliche Unterstützung für einen »Tarifvertrag Entlastung« (nicht nur in den Krankenhäusern) organisieren.

– Für eine radikale Wende in der Verkehrs- und Infrastrukturpolitik. Raus aus der Autogesellschaft, Konversion der Autoindustrie, Ausbau des ÖPNV und kostenlose Nutzung.

– Vergesellschaftung der großen Konzerne unter Kontrolle der Beschäftigten und der Öffentlichkeit.

Arbeitsausschuss der Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken

Anmerkungen:

1 Martin Kempe: Die Kraft kommt von den Wurzeln, Frankfurt am Main/Wien 1990

2 Gäbe es keinen Tarifvertrag, wäre es mit der Leiharbeit ganz schnell vorbei. Mehr zur Vorbereitung einer Klage Wolfgang Däublers vor dem EUGH unter: www.tinyurl.com/ln4xcgj (http://www.tinyurl.com/ln4xcgj)

3 Siehe hierzu Klaus Pickshaus: Belastungen zeitnah ausgleichen. In: Gudrun Faller (Hg.): Lehrbuch Betriebliche Gesundheitsförderung, Bern 2017, S. 487–496 u. ders.: Rücksichtslos gegen Gesundheit und Leben. Gute Arbeit und Kapitalismuskritik – ein politisches Projekt auf dem Prüfstand, Hamburg 2014

4 Kempe, a. a. O., S. 245 f.

5 Mehr dazu bei: Dieter Braeg (Hg.): Wilder Streik. Das ist Revolution. Der Streik der Arbeiterinnen bei Pierburg in Neuss 1973, Berlin 2013

6 Mehr dazu bei Veit Wilhelmy: Der politische Streik. Materialien zu einem Tabu, Frankfurt am Main 2008



Weitere Infos unter: www.labournet.de/gewlinke (http://www.labournet.de/gewlinke)

Kontakt: forum@gegewi.de

Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/327264.f (https://www.jungewelt.de/artikel/327264.f)ür-eine-kämpfende-gewerkschaft.html


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 01. März 2018, 10:26:17
Gewerkschaften
"Wieso wählen Arbeiter so häufig rechts?"
Vor den Betriebsratswahlen profilieren sich explizit rechte Listen. Doch die größere Gefahr droht Gewerkschaften von innen, sagt der Soziologe Klaus Dörre - und erklärt, weshalb sie gerade deshalb wichtig sind.


 © Jeannette Corbeau   Ein Interview von Florian Diekmann

Am Montag vergangener Woche konnte Pegida-Frontmann Lutz Bachmann bei der wöchentlichen Kundgebung in Dresden einen besonderen Redner ankündigen: Oliver Hilburger, von 1989 bis 2008 Mitglied der Neonazi-Band Noie Werte - und Betriebsrat im Daimler-Werk Untertürkheim sowie Vorsitzender der laut Selbstbezeichnung "oppositionellen Gewerkschaft" Zentrum Automobil.

Knapp zwei Wochen vor Beginn der Betriebsratswahlen, bei denen die Beschäftigten in rund 28.000 privaten Betrieben von Anfang März bis Mitte Mai über rund 180.000 Sitze in den Arbeitnehmergremien abstimmen, kündigte Hilburger an: "Nachdem die AfD in fast allen Parlamenten ist, werden bald auch wir in viele Betriebsratsgremien einziehen." Zentrum selbst werde künftig auch außerhalb der Autobranche aktiv werden.

Für die Dresdner Demonstranten hatte der Zentrum-Chef dazu passend noch eine besondere Neuigkeit: Auch in "einem wichtigen Görlitzer Werk" würden "alternative Kandidaten" antreten. In der ostsächsischen Stadt ist die Zukunft des Siemens-Turbinenwerks und eines Werks des Zugherstellers Bombardier akut gefährdet.

Hilburger und Zentrum haben in den vergangen Wochen große mediale Aufmerksamkeit erhalten. Doch solch explizit rechte Kandidatenlisten verstellen die Sicht auf das eigentliche Phänomen, sagt Klaus Dörre. Im Interview erklärt der Jenaer Sozialwissenschaftler, wo den Gewerkschaften tatsächlich Gefahr von rechts droht und weshalb gerade Arbeiter häufig die AfD wählen.

SPIEGEL ONLINE: Erst wurde die AfD in die Parlamente gewählt - ziehen nun rechte Gewerkschaften in großem Stil in die Betriebsräte ein?

Dörre: Das ist unwahrscheinlich. Diesem "Zentrum Automobil" sind zwar Erfolge in einzelnen Werken einzelner Unternehmen zuzutrauen. Aber über alle Betriebe gesehen treten offenbar nur wenige explizit rechte Listen an. Noch fehlt es an Logistik und Infrastruktur, um flächendeckend zu einer ernsthaften Konkurrenz zu werden.

SPIEGEL ONLINE: Ist die mediale Aufmerksamkeit also übertrieben? Sind diese Gruppen nur ein Randphänomen?

Dörre: Wir sollten diese Gruppen nicht verharmlosen. Sie sind in der äußersten Rechten verankert, und das macht sie gefährlich. Tatsächlich stellen sie ein Randphänomen dar. Das ist aber kein Grund zur Entwarnung. Denn das Hauptproblem ist ein anderes.

SPIEGEL ONLINE: Welches?

Dörre: Die Tatsache, dass bei der Bundestagswahl 15 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder die AfD gewählt haben, im Osten waren es sogar 22 Prozent. Die sind in aller Regel nicht Mitglieder einer rechten Gewerkschaft, sondern in einer des DGB. Das ist dann kein Randphänomen mehr.

SPIEGEL ONLINE: Sie untersuchen seit Jahren die Einstellungen von aktiven Gewerkschaftern, also Betriebsräten und Funktionären. Erst jüngst haben Sie umfangreiche Interviews geführt. Was sind Ihre Erkenntnisse?

Dörre: Es gibt etliche Gewerkschafter und engagierte Betriebsräte, die sich offen zur AfD, zu Pegida und deren Ansichten bekennen. Schockierend ist deren Gewaltaffinität. Kein einziger dieser Gewerkschafter hat sich klar gegen Übergriffe auf Geflüchtete oder Umtriebe selbst ernannter Bürgerwehren positioniert. Gleichzeitig sind das in ihren Unternehmen oft vorbildliche Gewerkschafter, denen können Sie überhaupt nichts vorwerfen. Die leisten ausgezeichnete Betriebsratsarbeit. Und sie stellen sich nicht auf explizit rechten Kandidatenlisten zu Wahl, sondern auf denen der DGB-Gewerkschaften. Die Gewerkschaften sind weniger von außen gefährdet als von innen.

SPIEGEL ONLINE: Haben die Gewerkschaften also versagt?

Dörre: Es wäre falsch, auf die Gewerkschaften einzuprügeln. Bei der Bundestagswahl haben 19 Prozent der Arbeiter für die AfD gestimmt. Die Gewerkschaften sind die einzigen zivilgesellschaftlichen und demokratischen Organisationen, die diese Arbeiter überhaupt noch erreichen. Aber sie sind intern erheblich verunsichert, wie sie mit diesen rechten Strömungen umgehen sollen.

SPIEGEL ONLINE: Wieso wählen ausgerechnet Arbeiter so häufig rechtspopulistisch?

Dörre: Es gibt ein Bündel an Motiven. Ein starkes ist die Wahrnehmung von Lohnungerechtigkeit: Viele haben das Gefühl, in einer Gesellschaft, in der anscheinend ringsherum alles nur besser wird, trotz harter Arbeit selbst nicht genug vom Kuchen abzubekommen. Eng verknüpft damit ist ein zweites Motiv, das im Osten stärker ist, aber auch im Westen existiert. Da kommen dann so Sätze wie: "Wir haben uns viele Jahre hinten angestellt - und jetzt kommen die Flüchtlinge und drängeln sich in der Reihe der Anspruchsberechtigten vor, obwohl sie nie etwas in die Kassen eingezahlt haben."

SPIEGEL ONLINE: Dabei sind die Löhne in den vergangenen Jahren wieder stärker gestiegen - gerade in Betrieben mit Tarifbindung. Fehlt den Arbeitern dafür das Bewusstsein?

Dörre: Eben dieser Vorwurf des "Jammerns auf hohem Niveau" verstärkt das Problem. Ein Beispiel aus unseren Befragungen: In einer Familie mit zwei Kindern arbeiten beide Eltern Vollzeit für je 1700 Euro brutto - wohlgemerkt nach Tarif. Beide brauchen ein Auto, weil sie sonst nicht zur Arbeit kommen. Der Familie bleiben nach Abzug der Fixkosten 1000 Euro im Monat. Davon können Sie nicht in den Urlaub fahren. Solche Lebenslagen werden in der Gesellschaft aber überhaupt nicht wahrgenommen. Soziale Probleme hat man bei uns nur, wenn man ganz arm oder prekär beschäftigt ist.

Doch auch unter Kollegen mit höherem Einkommen gibt es das Empfinden, gesellschaftlich abgewertet zu sein: Arbeiter wirst du nur, wenn du nicht studieren und nicht ins Büro gehen kannst. Gleichzeitig verorten sich alle Arbeiter, auch die mit niedrigen Einkommen, in der Mittelschicht, weil sie oft auch in ihren Betrieben Leute kennen, denen es noch schlechter geht - Leiharbeiter oder befristete Kollegen.

Das alles führt zu dem frustrierenden Gefühl, in der Sozialstruktur festzuhängen: Man hat einerseits etwas zu verlieren, weil man noch weiter absteigen kann, ist aber andererseits ganz weit weg von denen oben, ohne jede Aussicht auf Anschluss.

SPIEGEL ONLINE: Das ist doch grundsätzlich ein Ansatzpunkt für linke Politik. Was können Rechtspopulisten denn da anbieten?

Dörre: Sie bedienen das Bedürfnis nach Anerkennung. Sie werten Arbeiter, die sich kollektiv abgewertet und missachtet fühlen, auf: als Deutsche und Patrioten, als Angehörige nicht einer Klasse, sondern einer Volksgemeinschaft. Im Grunde wollen sie die soziale Frage neu definieren. Der Konflikt besteht für sie nicht mehr zwischen Oben und Unten, zwischen Arbeit und Kapital - sondern im Innen gegen Außen: Die Eindringlinge, die unser Volksvermögen beanspruchen, die müssen raus.

SPIEGEL ONLINE: Aber wie übersetzt sich das in ein rechtes gewerkschaftliches Programm?

Dörre: Das lässt sich an den Zentrum-Betriebsräten bei Daimler gut beobachten. Sie treten vor allem als Kritiker der Globalisierung auf - etwa beim konzerninternen Wettbewerb, dem sich die Werke rund um die Welt jedes Mal stellen müssen, wenn die Entscheidung ansteht, wo ein bestimmtes Modell gebaut werden soll. Der IG-Metall-dominierte Betriebsrat sieht sich dann oft gezwungen, im Gegenzug für die Standortsicherung Kompromisse zulasten der Beschäftigten einzugehen. Diese Linie attackieren die Zentrum-Leute als zu weich - und bedienen den eigentlich linken Gegensatz von Oben und Unten. Für sie gehören aber die etablierten Betriebsräte mit zu den Oberen, zum Establishment. Das sind dann Gewerkschaftsbonzen.

SPIEGEL ONLINE: Verfängt dieser Vorwurf?

Dörre: Das Tückische ist, dass er nicht komplett falsch ist. Nehmen Sie die zum Teil extrem hohen Betriebsratsgehälter bei VW, die gekappt wurden, nachdem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Untreue eingeleitet hat. Die Bezahlung ist bei Daimler und Audi nicht deutlich anders. Gerade in den Konzernen sind Betriebsräte häufig in der Rolle des Co-Managers. Was sie mit dem Arbeitgeber aushandeln, ist für die Belegschaft weder transparent noch nachvollziehbar.

All das ist eigentlich keine rechte Kritik, sondern entspricht exakt dem, was viele linke Gewerkschafter ebenfalls anprangern. Rechtspopulistisch ist jedoch, dass der Gegner außen verortet wird: in den Werken im Ausland, die deutsche Werke bedrohen - und in den Zuwanderern, die von dem leben, was deutsche Arbeitnehmer erwirtschaftet haben.

SPIEGEL ONLINE: Warum sind rechte Betriebsräte trotzdem in einer DGB-Gewerkschaft?

Dörre: Sie sagen: Wir wollen eine Gewerkschaft, die parteipolitisch neutral ist. Sie meinen damit aber, dass die Gewerkschaft ihre rechtspopulistischen bis rechtsextremen Ansichten über Gesellschaft hinnimmt und aufhört, gegen rechts zu mobilisieren. Das aber zielt direkt auf die Wurzeln der Gewerkschaften, den antifaschistischen Grundkonsens, der quasi zu ihrer Gründungsurkunde gehört.

Aber auch die geforderte Neutralität in sozialpolitischen Bereichen, etwa der Sozialhilfe oder Rente, wäre unannehmbar. Es käme zu massenhaften Austritten von Linken und Mitgliedern mit Migrationshintergrund, und das sind nach wie vor die aktiven Kerne der Gewerkschaften. Würden sie den Forderungen ihrer rechten Mitglieder nachkommen, würde es sie zerreißen.

Klaus Dörre lehrt Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Dörre forscht seit den Achtzigerjahren intensiv zu den Einstellungen von Gewerkschaftern.

Quelle

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/rechtspopulismus-unter-gewerkschaftern-das-ist-kein-randphaenomen-a-1195431.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/rechtspopulismus-unter-gewerkschaftern-das-ist-kein-randphaenomen-a-1195431.html)



Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 01. März 2018, 19:44:29
„Keinen Fußbreit den Faschisten – überall! Und besonders im Betrieb!“
Erklärung der deutschen Koordinierungsgruppe der Internationalen Automobilarbeiterkoordination - Die Internationale Automobilarbeiterkoordination in Deutschland zeigt klare Kante gegen die Absicht der faschistoiden AfD, bundesweit eine faschistische Gewerkschaft aufzubauen.

http://www.iawc.info/de/2018/h1/keinen-fussbreit-den-faschisten-ueberall-und-besonders-im-betrieb (http://www.iawc.info/de/2018/h1/keinen-fussbreit-den-faschisten-ueberall-und-besonders-im-betrieb)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Fritz Linow am 20. März 2018, 21:24:30
Interessanter Erfahrungsbericht der FAU Berlin über ihre Entwicklung in den letzten zehn Jahren:

https://berlin.fau.org/news/make-syndicalism-great-again-zehn-jahre-neustart-der-fau-berlin-eine-bilanz
Zitat
(...) Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis die szenige Richtung mit den gewerkschaftlichen Bemühungen in Konflikt geriet. Tatsächlich führte dieser Konflikt letztlich dazu, dass man ab Ende 2007 getrennte Wege ging und sich die gewerkschaftlichen Ansätze entfalten konnten. Die Verbliebenen teilten die Ansicht, dass es formalisierter Strukturen bedarf, auf denen ein komplexer sozialer Organismus – und das wäre eine mitgliederstarke Basisorganisation ja – aufbauen kann. Diese sollten zum einen Handlungsfähigkeit ermöglichen und zum anderen interne Dynamiken in einen produktiven kollektiven Prozess lenken. Auf diese Weise sollte die Struktur auch inklusiver für Menschen werden, die nicht die szenetypischen Verhaltensmuster verinnerlicht haben, die in Affinitätsgruppen häufig zur Voraussetzung gemacht werden. Kurzum: In der FAU Berlin sollte man entlang der gemeinsamen Interessen kämpfen und nicht mehr gegeneinander; sollte die kollektive Entscheidung über den persönlichen Differenzen stehen. (...)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 21. März 2018, 12:10:58
Ich habe den Artikel komplett durchgelesen. Klingt gut. Ich schätze das Prinzip von Basisgewerkschaften.
Ich habe mit der FAU in verschiedenen Städten zusammengearbeitet. Die Erfahrungen waren ernüchternd, teilweise richtiggehend deprimierend.
Immer wieder hatte ich es mit Unzuverlässigkeit zu tun. Mit nicht eingehaltenen Absprachen, mit dem Abbrechen der Kommunikation und organisatorischen Unzulänglichkeiten. Die in dem Artikel erwähnten "szenetypischen Verhaltensmuster" waren stets nervig.

Wenn es der FAU gelingt, sich weiterzuentwickeln wie in Bericht von Ferdi Konun beschrieben, könnte sie zu einer ernstzunehmenden Kraft in der Klassenauseinandersetzung werden. Ich drücke die Dauemen!
 


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 14. Mai 2018, 19:03:50
Zitat
21. Ordentlicher Bundeskongress des DGB:
Lobbyismus statt Klassenanalyse


… Unverkennbar in den vorliegenden Leitanträgen ist die Illusion, mit der Großen Koalition werde alles besser für die arbeitenden Menschen. Praktizierte der Deutsche Gewerkschaftsbund in früheren Jahren schon die „konzertierte Aktion“, so setzt der Bundesvorstand heute auf einen „gesellschaftlichen Zukunftsdialog“, wie immer der aussehen mag. Auf die verschärfte Gangart des Kapitals und die dadurch immer stärkeren gesellschaftlichen Klassengegensätze in Deutschland und Europa antwortet der DGB unverändert mit Sozialpartnerschaft und Lobbyismus...
http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2018/05/dgb2018schedlbauer.pdf (http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2018/05/dgb2018schedlbauer.pdf)

(http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2013/09/umverteilendgb.jpg)

Zitat
Stolz ist Hoffmann auf die neue Nähe zur SPD, die sich seiner Einschätzung nach im Koalitionsvertrag ablesen lässt, der „in wesentlichen Punkten unsere Handschrift trägt“.
https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/wahl-des-vorstands-wie-erfolgreich-ist-dgb-chef-hoffmann/21594672.html (https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/wahl-des-vorstands-wie-erfolgreich-ist-dgb-chef-hoffmann/21594672.html)

Innergewerkschaftliche Demokratie?
Man kann Reiner Hoffmann wählen. Einen Gegenkandidaten gibt es nicht.
Die Delegierten in Berlin bestätigten ihn mit einer Mehrheit von 76,3 Prozent im Amt. Kein dolles Ergebnis.



(https://www.tagesspiegel.de/images/tagesspiegel/21822992/2-formatOriginal.jpg)

Den DGB Gewerkschaften laufen die Mitglieder weg.
Das wäre nicht unbedingt negativ, gäb es eine positive Alternative.

Zur Zeit sind es hauptsächlich die Faschisten, die versuchen das entstandene Vacuum zu füllen.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 15. Mai 2018, 12:46:09
Zitat
Gründung der Internationalen Arbeiter*innen Konföderation (IAK) in Parma

Am 13. Mai 2018 wurde unter minutenlangem Applaus die Gründung der internationalen Gewerkschaftskonföderation IAK in Parma (Italien) vollzogen. Delegierte aus sieben Ländern hatten sich drei Tage über Statuten und Arbeitsschwerpunkte verständigt, um dem globalisierten Kapitalismus und den autoritären Entwicklungen in Europa und den Amerikas endlich eine kämpferische Internationale syndikalistischer Gewerkschaften entgegenzustellen.

Neben der CNT (Spanien), der USI (Italien) und der FAU (Deutschland), sind die IWW (USA und Kanada), ESE (Griechenland), FORA (Argentinien) und die IP (Polen) Gründungsmitglieder der Internationalen Arbeiter*innen Konföderation, die auf Englisch International Labour Confederation heißen wird. Der Gründungskongress von Parma hat in zahlreichen weiteren Gewerkschaften großes Interesse an einem Beitritt geweckt: So nahmen als Beobachter am Kongress die CNT-F (Frankreich), die FOB (Brasilien), der Vrije Bond (Niederlande und Belgien), die GG/BO (Deutschland) und die UVW (England) teil.

Die Gewerkschaftsinternationale hat zum Ziel, die Kämpfe von Arbeiter*innen zu verbinden und die Zusammenarbeit von Betriebsgruppen in den gleichen Branchen und Betrieben über Grenzen hinweg zu ermöglichen. Gemeinsame Workshops und Konferenzen werden Gelegenheiten schaffen, voneinander zu lernen und Arbeitskämpfe zu gewinnen. Der Schwerpunkt soll hierbei zunächst auf den Branchen Gastronomie, Logistik und Bildung liegen. Mit einem gemeinsamen Aktions- und Streiktag am 8. März möchte die IAK zudem feministische Kämpfe in den Mittelpunkt stellen.

Lang lebe die Konföderation!

([url]http://www.fau.org/artikel/art_180513-210727/bild[/url])
http://www.fau.org/artikel/art_180513-210727 (http://www.fau.org/artikel/art_180513-210727)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 04. Juni 2018, 11:44:49
Was für ein Scheiß ist denn das schon wieder?

Zitat
Gewerkschaften distanzieren sich von neuem Feuerwehr-Protest

(https://www.bz-berlin.de/data/uploads/2018/05/feuerwehr-1_1527016202-1024x576.jpg)

 Einige Feuerwehrleute wollen am Freitag erneut protestieren – in Anlehnung an #berlinbrennt. Doch die Gewerkschaften halten von der neuen Aktion wenig.

Die Gewerkschaften wollen mit dem für Freitag angekündigten Protest einiger Berliner Feuerwehrmänner und ihrer Unterstützer nichts zu tun haben. „Die Feuertonne steht im Museum und wird zurzeit nicht wieder brennen“, stellt Stefan Ehricht, der bei der Gewerkschaft Verdi die Interessen der Feuerwehr vertritt, klar.

Hintergrund ist die Ankündigung von Feuerwehrleuten, zwei Protestaktionen zu initiieren: Am Freitag ab 20 Uhr sollen mehrere Mini-Tonnen vor dem Roten Rathaus brennen. Die Aktion soll aber nur 24 Minuten und sieben Sekunden dauern – in Anlehnung an den Rund-um-die-Uhr-Protest der #BerlinBrennt-Bewegung von vor einem Monat.

Danach wollen die Feuerwehrleute und ihre Unterstützer zum Brandenburger Tor ziehen, um dort mehrere Tonnen mit Kollegen aus Bitburg (Rheinland-Pfalz) zu entzünden.

„Die Aktion pausiert“

„Das Erinnern an unsere Mahnwache und den Protest ist okay, und ja, die Situation brennt noch immer. Aber die Aktion #berlinbrennt pausiert, daran gibt es nicht zu rütteln“, so Ehricht zur B.Z.

Man habe der Senatsinnenverwaltung das Versprechen gegeben, so lange die Verhandlungen zu besser Arbeitsbedingungen laufen, den Protest einzustellen. „Es passiert ganz viel im Hintergrund, das können wir uns von einigen wenigen Kollegen nicht kaputt machen lassen.“
https://www.bz-berlin.de/berlin/gewerkschaften-distanzieren-sich-von-neuem-feuerwehr-protest (https://www.bz-berlin.de/berlin/gewerkschaften-distanzieren-sich-von-neuem-feuerwehr-protest)

Gewerkschaft fällt aktiven Kollegen in den Rücken.

Niemals sollte man hinnehmen, daß Gewerkschaften forden Arbeitsniederlegungen oder Proteste einzustellen, um Verhandlungen führen zu können. Arbeitsniederlegungen oder Proteste sind ein notwendiges Druckmittel in Verhandlungen.
Ebesowenig ist es akzeptabel, wenn Gewerkschaften im Geheimen mit dem Management verhandeln. :evil:


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Fritz Linow am 04. Juni 2018, 12:09:19
Zitat
Aber die Aktion #berlinbrennt pausiert, daran gibt es nicht zu rütteln“, so Ehricht zur B.Z.


Der Verdistalino hat sein Handwerk halt gelernt:

(https://abload.de/img/verdistalinow0u55.png) (http://abload.de/image.php?img=verdistalinow0u55.png)


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 18. Juni 2018, 13:52:30
Unabhängige Gewerkschaften gründen eine neue globale Föderation

Im Mai 2018 wurde in Italien die Internationale Arbeiter_innen Konföderation (IAK) gegründet. Sie soll unabhängige Gewerkschaften und Arbeiter_innenorganisationen über Grenzen hinweg vereinigen. Wir haben einige Delegierte des Kongresses nach ihren eigenen Gewerkschaftsaktivitäten und ihren Hoffnungen gefragt, die sie mit der neuen Konföderation verbinden.

Die Londoner Gewerkschaft United Voices of the World (UVW) hat einen Bericht über ihr Erleben der Konferenz geschrieben (auf Englisch und auf Spanisch), den wir hier in Auszügen übersetzt haben:

Delegierte und Beobachter aus Griechenland, Brasilien, Marokko, Bulgarien, den Niederlanden, Belgien, Deutschlang, Italien, Katalonien, Spanien, Polen, den Vereinigten Staaten, Kanada, Frankreich, Österreich und Argentinien schickten Solidaritätsadressen oder nahmen an dem Kongress teil, der am Hauptsitz der unabhängigen italienischen Gewerkschaft USI stattfand.

Der Gedanke hinter der Gewerkschaftskonföderation ist es, die praktische internationale Solidarität unter kämpfenden Arbeiter_innen wieder neu zu entfachen...

Weiter und ein sehenswertes Video (5min): https://de.labournet.tv/unabhaengige-gewerkschaften-gruenden-eine-neue-globale-foederation


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 18. Juni 2018, 20:12:36
Diese sogenannten "unabhängigen Gewerkschaften" sind eine Abspaltung aus der IAA.Die meisten sind weiterhin in der IAA geblieben.
Ich zweifel ob die gefühlte trölfmilliardste Revoluzzervereinigung erfolgreich sein wird für die Weltrevolution.

Die spanische CNT hat sich daran gespalten....keine Ahnung wie es in anderen Ländern lief...in der Regel kümmere ich mich nicht so um Anarchistenkram ...

Es mangelt nicht an Häuptlingen, es mangelt an Indianern.....


Hier der Link der IAA

http://www.iwa-ait.org (http://www.iwa-ait.org)




Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 27. Juni 2018, 08:55:24
Gewerkschaften: Wieso weshalb warum
VON THOMAS GOES


Dass sozialer Fortschritt erkämpft werden muss, ist eine linke Binse – dass die Arbeit in Gewerkschaften dafür zentral ist, hingegen nicht. Besser wäre es.

Wieso brauchen wir Gewerkschaften? Zum einen natürlich, weil unsere Lohn-, Arbeits- und Lebensbedingungen ohne Gewerkschaften weitaus schlechter wären. Die Erfolge der Gewerkschaften im 19. und 20. Jahrhundert basierten zwar zum Teil auf Kompromissen und Zugeständnissen an Unternehmen und Staat, brachten aber den 8-Stunden-Tag, höhere Löhne, Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall und – indirekt – den Sozialstaat mit sich, der trotz allen Defiziten das Leben von Millionen von Menschen entscheidend verbessert hat. Es ist daher kein Wunder, dass sie nun seit Jahrzehnten unter Beschuss von Konzernen und Politikern stehen, die vor allem billige und flexible Arbeiterinnen wollen. Wer sich die Lage in denjenigen Industrieländern anschaut, in denen die Gewerkschaftsbewegung viel schwächer ist, ahnt wohin die Reise auch hier gehen könnte. Das grellste Beispiel ist wohl die Supermacht USA: das Lohnniveau ist niedriger, die Rechte der Beschäftigten schwächer, der Sozialstaat schlecht ausgebaut und die Prekarität weitaus größer als in Deutschland.

Aber das ist nicht der einzige Grund dafür, dass Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit ganz oben auf der linken Agenda stehen sollte. Der zweite ist strategischer Natur: Denn ohne, dass sich Millionen von Menschen ganz unmittelbar für ihre eigenen Interessen einsetzen, Konflikte mit Unternehmen und Staat als ihren Arbeitgebern ausfechten und dabei anfangen sich als bewusster Teil einer gesellschaftlichen Gruppe mit gemeinsamen Interessen zu begreifen, wird es wohl kaum ein sozialistisches Projekt geben, das sich in der buntscheckigen Arbeiterinnenklasse verankern, durchsetzungsfähig und hegemonial werden kann.

Im Boot mit Kapital & Kabinett oder Gegenwehr?
Aber, so wendet die linke Gewerkschaftskritik ein, sind die deutschen Gewerkschaften nicht sozialpartnerschaftliche Vereine, die Interessenwidersprüche befrieden? Sind die Gewerkschaftsführungen nicht in einem Boot mit “Kapital und Kabinett”?

Im Januar 2018 erklärte der Bundesvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffman, seine Unterstützung für eine Neuauflage der Großen Koalition – eine Koalition, die im besten Fall für ein Weiterwandern auf eingetretenen neoliberalen Wegen stand, welche die Lage von abhängig Beschäftigten bisher verschlechtert und prekarisiert hatten, wenngleich es einige kosmetische Nachbesserungen wie die Einführung des deutlich zu niedrigen Mindestlohns gab. Es wiederholte sich damit ein Schauspiel, das bereits eine Legislaturperiode zuvor aufgeführt wurde. So, mag der linke Gewerkschaftskritiker einwenden, ist die deutsche Gewerkschaftsbewegung halt: angepasst, integriert, ausverkauft.

Doch die deutsche Gewerkschaftsbewegung hat auch andere Gesichter. Zum Beispiel die Beschäftigten an den deutschen Standorten des Konzerngiganten Amazon, die sich seit Jahren organisieren, um einen Tarifvertrag durchzusetzen. Aktive arbeiten dabei mit langem Atem, wohlwissend, dass der Konzern sich jeden Millimeter Fortschritt hart abkämpfen lässt. Wenn es ihnen aber gelingt, einen Tarifvertrag durchzusetzen, würde es das Leben von Tausenden Angestellten konkret verändern und die Arbeitsbedingungen in der Branche tiefgreifend verbessern. Diese lebendige Organisierung von unten, der Kampf gegen die Geschäftsleitungen, das Ringen innerhalb der eigenen Belegschaft um Mehrheiten, die Angriffe und die Gegenmanöver von Seiten des Kapitals gehören auch zur Gewerkschaftsbewegung.

Ein anderes Schlaglicht: In einem ostdeutschen Automobilzulieferer bringt eine Kollegin die Idee vor, endlich einen Betriebsrat zu gründen. Sie weiß, dass eine solche Initiative vor wenigen Jahren zum Eklat führte, u.a. aufgrund von antigewerkschaftlicher Mobilisierung aus der Belegschaft, im Rahmen  derer die zuständige Gewerkschaftssekretärin als „rote Fotze“ beschimpft wurde. Die Arbeiterin sucht sich Vertraute, baut eine Gruppe auf, mit der sie die nächsten Schritte geht: Überzeugungsarbeit in der Belegschaft, Konfrontation mit den Vorgesetzten, Marginalisierung der Gegner, erfolgreiche Betriebsratswahlen und schließlich Tarifverhandlungen, die immerhin zu einem besseren Haustarifvertrag führen – und zu dem Bewusstsein, dass die eigenen Interessen gegen die Geschäftsleitung nur durch konfliktbereite Selbstermächtigung gemeinsam mit Kolleginnen durchgesetzt werden können.

Ebenfalls Teil der Gewerkschaftsbewegung sind die, zum Teil über lange Jahre gewachsenen, kritischen Vernetzungen innerhalb einzelner Gewerkschaften, die sowohl für fortschrittlichere politische Inhalte eintreten, als auch für eine kämpferischere, internationalistischere und demokratischere Gewerkschaftspolitik streiten. Dazu gehören konfliktorientierte Kollegenkreise in Betrieben, Vernetzungsinitiativen innerhalb einzelner Branchen, aber auch betriebsferne Einrichtungen wie Labournet oder die Zeitung express.

Rein in die Betriebe? Basics linker Gewerkschaftspolitik
Die Gewerkschaftsbewegung ist also alles andere als einheitlich. Sie versammelt neu formierte Gruppierungen, die sich aktuellen Prekarisierungstendenzen entgegenstellen, und bürokratieaffine Kader, für die aktiver Konflikt nicht mehr zum Teil des Repertoires gehört. Gerade in der radikalen Linken ist es aufgrund von Letzterem keineswegs selbstverständlich, Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit als Teil der eigenen politischen Agenda zu betrachten – geschweige denn als einen besonders wichtigen. Warum sollte das anders sein?

In der Geschichte der sozialistischen und kommunistischen Bewegung hatte die Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit eine weitergehende strategische Bedeutung, die sich vor allem aus der damals vorherrschenden marxistischen Gesellschaftsanalyse ergab. Vereinfacht gesagt, könnte man behaupten: ohne Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, keine erfolgreiche und hegemoniefähige sozialistische Politik. Dafür gibt es mehrere gute Gründe:

Erstens, die Angehörigen der Arbeiterinnenklasse, ob sie es nun wollen oder nicht, werden aufgrund ihrer Klassenlage immer wieder mit Interessenwidersprüchen konfrontiert. Ganz besonders – aber nicht nur – geht es dabei um Ausbeutungsbestrebungen der Unternehmen, die, wie Marx es blumig formulierte, im unstillbaren Werwolfsheißhunger des Kapitals nach Mehrwert und Profit wurzeln. Im Arbeitsleben kehren die Widersprüche, die sich auch aus dem Interesse der Arbeitenden an guten Löhnen, Gesundheit oder Freizeit speisen, immer wieder. Wie dieses Widerspruchspotenzial politisch verarbeitet wird, ist offen, aber es ist strukturell gegeben.

Zweitens, die Arbeiterinnenklasse ist nicht automatisch oder vom Anfang an „vereinigt“. Es gibt soziale Ungleichheiten in ihr und sie ist fragmentiert; sie enthält durch Konkurrenz getriebene Individualisierung und politische Abwertungsideologien wie Rassismus und Sexismus, die weitere Spaltungen hervorbringen. Um zu kämpfen und die Interessen des Kapitals anzugreifen, muss das alles aber nicht von vornherein überwunden sein – Arbeitskämpfe beginnen nicht mit einer blitzsauberen Gesellschaftskritik, sondern mit ganz grundlegenden Forderungen nach Geld, „Respekt“ oder einer erträglichen Arbeitszeitgestaltung. Im Laufe von betrieblichen oder überbetrieblich geführten Kämpfen werden Spaltungslinien jedoch häufig herausgefordert und überwunden (wenn nicht, enden die Auseinandersetzungen oft in Niederlagen), reaktionäre Ideologien erschüttert und sich das Alltagsbewusstsein für politische Lernprozesse geöffnet.

Es stimmt durchaus, dass viele Forderungen der Gewerkschaften nicht antikapitalistisch sind, sondern „nur“ systemkonform und insofern für das Ziel tiefgreifender gesellschaftlicher Wandlungen uninteressant. Ein Kündigungsschutz oder höhere Löhne seien ja auch im Kapitalismus umsetzbar, so die kritischen Kritiker. Dennoch, so könnte man kontern, birgt eine Bewegung für eine kräftige Lohnsteigerung oder eine breite Mobilisierung für Arbeitszeitverkürzung immer noch mehr systemerschütterndes Potenzial in sich, als Großmobilisierungen gegen einen G8-Gipfel (weil Beschäftigte immer noch die Macht besitzen, Produktionsprozesse lahmzulegen). Entscheidend ist außerdem nicht, wo betriebliche bzw. gewerkschaftliche Auseinandersetzungen Halt machen, sondern welche weitergehenden Möglichkeiten in ihnen schlummern. Viele der Zielsetzungen, die in der real existierenden Gewerkschaftsbewegung aufkommen – eine „sozial verantwortliche“ Wirtschaft, eine „humane“ Arbeitswelt oder „gerechte“ Löhne – können gar nicht innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise verwirklicht werden. In diesem Sinne entsteht immer wieder ein – zum Teil diffuser – „konkreter utopischer antikapitalistischer Überschuss“, wie Ernst Bloch es (fast) formulierte. In diesem ganz speziellen Sinne ist jeder Schritt wirklicher Bewegung mehr wert als hundert gut ausgearbeitete Programme.

Das Beste zuletzt: die Arbeiterinnen verfügen auch über Machtquellen, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Und wenn ein entsprechendes politisches Bewusstsein entsteht, könnten sie, zumindest theoretisch, neue Produktionsverhältnisse und eine neue Wirtschaftsweise erkämpfen. Im Wesentlichen ist das die Produktionsmacht, die darin besteht, dass Arbeiterinnen die Produktions- und Arbeitsprozesse unterbrechen können, durch die Kapital verwertet und Profit geschaffen wird; die Arbeitsmarktmacht, die sich daraus ergibt, dass für die Verwertung des Kapitals notwendige Arbeitsqualifikationen möglicherweise auf den Arbeitsmärkten selten sind; und die Organisationsmacht – die Macht der großen Zahl, die entsteht, wenn Arbeiterinnen sich in Gewerkschaften und Parteien zusammenschließen. Diese Formen der Arbeiterinnenmacht sind für eine antikapitalistische Strategie, die nicht allein von moralischer Empörung, sondern von praktischen Möglichkeiten einer sozialistischen Gesellschaft ausgeht, von herausragender Bedeutung.

Gewerkschaften als Einheit von Basis und Bürokratie
Wie einleitend angedeutet wurde, ist die Gewerkschaftsbewegung nicht einheitlich, sondern vielfältig und in sich widersprüchlich. Sofern sie nicht als Anhängsel und Werkzeug der Unternehmen gegründet werden – auch das gibt es – stellen Gewerkschaften immer in einem Mindestmaß gesellschaftliche Gegenmacht gegenüber den Übergriffen des Kapitals. Wenn sie Verträge mit Unternehmen schließen, können sie auch als Ordnungsfaktoren dienen, durch die Klassenkonflikte gebunden, geordnet und befriedet werden können. Gegenmacht und Ordnungsfaktor– das sind nicht Gegensätze, sondern zwei Momente eines dialektischen Widerspruchs. Entscheidend, um den politischen Charakter der Gewerkschaftsbewegung und ihre Rolle in den Klassenkämpfen zu beurteilen, ist, welches Moment des Widerspruchs führend ist. Sozialistinnen sollten darum ringen, ihre Gewerkschaften zu möglichst starken Gegenmächten und schwachen Ordnungsfaktoren zu machen.

Darüber hinaus sind Gewerkschaftsbewegungen ein widersprüchliches Ganzes aus einer volatilen, mal aktiveren, mal passiveren Basis, aus über eine längere Zeit politisch arbeitenden Aktivenkreisen in Betrieben und aus hauptamtlichen Gewerkschaftssekretärinnen. In diesem Ganzen gibt es Machtungleichheiten, die mit der Ausbildung einer Bürokratie einhergehen, die politisch bewusst bearbeitet werden müssen.

Hauptamtliche bilden eine eigene soziale Schicht, eine „Bürokratie unserer Klasse“, wie der US-amerikanische Theoretiker Hal Draper es einmal ausdrückte. Aber so lange es kapitalistische Arbeitsteilung gibt und nur Minderheiten dauerhaft politisch aktiv sind, sind von der Lohnarbeit freigestellte Hauptamtliche eine Errungenschaft, weil sie notwendige Arbeiten erledigen können.

Gleichzeitig bringt diese Bürokratisierung Probleme mit sich, die mit Wissensvorsprüngen und stärkeren Einflussmöglichkeiten zusammenhängen, die hauptberufliche Gewerkschafterinnen haben. Außerdem gibt es immer wieder die Tendenz von Aktivenkreisen, Betriebsräten und Gewerkschaftssekretärinnen, stellvertretend für die Beschäftigten und einfachen Mitglieder zu handeln. Das verstärkt Passivität und indirekt auch Ohnmachtsgefühle. Auf der anderen Seite gibt es bei einfachen Mitgliedern und bei aktiven Beschäftigten keineswegs eine ständig vorhandene Bereitschaft, aktiv zu sein und zu kämpfen. Viele Kolleginnen fordern deshalb ein „Recht auf Stellvertretung“ ein.

OK, wir haben’s kapiert – aber was nun?
Für sozialistische Politik, so hieß es einleitend, muss die Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit eine ganz zentrale Rolle haben. Linke Politik, wenn sie erfolgreich sein will, zielt darauf ab, die gesellschaftlichen und politischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, um gleichzeitig gegen soziale und politische Angriffe, für Verbesserungen und Reformen zu mobilisieren, und sozialistische Produktionsverhältnisse zu erkämpfen.

Notwendig ist dafür ein Bündnis zwischen Arbeiterinnenklasse und verschiedenen Segmenten der Mittelschicht, in dem die Arbeiterinnenklasse impulsgeberin ist – sprich, “hegemonial” wird. Diese Notwendigkeit ergibt sich wiederum aus der vorhin angedeuteten Rolle im Produktionsprozess, die Arbeiterinnen eine einmalige potenzielle gesellschaftliche Macht geben.

Das setzt Selbstorganisierung in der Arbeiterinnenklasse voraus: politische Lernprozesse, durch die Arbeiterinnen stark werden und eine Klassenbewegung neu entsteht. Betriebliche und gewerkschaftliche Kämpfe spielen – das sollte deutlich geworden sein – eine grundlegende Rolle dabei. Denn hegemonial bzw. führend kann nur sein, wer sich seiner selbst bewusst ist, Macht aufgebaut hat, die Interessen von sich und anderen kennt und eine gemeinsame Perspektive öffnet, um sie durchzusetzen. Betriebliche Organisierung – der Aufbau von Gegenmacht von unten – ist sowohl ein erster Schritt als auch eine bleibende Voraussetzung, damit eine solche sozialistische Hegemonie möglich wird.

Das alles wird allein nicht reichen, aber ohne diesen Weg zu gehen, wird sozialistische Politik in der Luft hängen. Die Selbstermächtigung der Ausgebeuteten können wir nur dann stärken, wenn wir selber am Streit für unmittelbare Lebensinteressen teilnehmen. Die Möglichkeiten dafür werden etwa in Auseinandersetzungen bei Amazon, im Krankenhauswesen oder gegen „Union Busting“ sichtbar.

Gewerkschaften alleine werden sicherlich nicht ausreichen, eine andere, humanere Welt zu erlangen – ohne sie fehlt uns aber die potenzielle gesellschaftliche Macht, um große Reformen und Änderungen durchzusetzen. Sozialistinnen sollten daher möglichst Teil dieser betrieblichen und gewerkschaftlichen Lernbewegungen sein. Dazu gehört auch darüber nachzudenken, ob man selbst als “Organizer” aktiv werden kann. Würden heute 5-10 Menschen im Logistiksektor beginnen, sich in ihren Betrieben mit ihren Kolleginnen gemeinsam zu organisieren und sich zu vernetzen, wären kampagnenfähige Strukturen in fünf Jahren eine greifbare Möglichkeit. Damit wäre die Grundlage für Kampagnen für bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen geschaffen, die weit in die Gesellschaft ausstrahlen könnten.

Wo wir Teil betrieblicher Organisierungen und gewerkschaftlicher Kampagnen sind, sollten wir unsere eigene politische Arbeit darauf ausrichten, Selbsttätigkeit und Selbstorganisation zu stärken; in der betrieblichen und überbetrieblichen Gewerkschaftsarbeit Gegenmacht aufzubauen, nicht zu binden; Interessenwidersprüche nicht zu verwischen, sondern über sie aufzuklären und zuzuspitzen; aktiv daran mitzuwirken, eine umfassende Arbeiterinnensolidarität zu schaffen, die nicht am eigenen Betrieb, in der eigenen Branche und im Nationalstaat Halt macht; konkrete Forderungen zu stärken, aber mit einer antikapitalistischen Stoßrichtung zu verbinden – nicht als Propagandaformel („nur der Sozialismus ist unsere Rettung“), sondern als konsequentes Verfolgen und Weitertreiben von Interessen und Forderungen, die in den wirklichen Auseinandersetzungen entstehen.

Thomas Goes
Thomas Goes arbeitet als Soziologe am SOFI Göttingen. Er ist Mitglied der LINKEN und aktiv bei „organisieren – kämpfen – gewinnen“ und bei „Projekt M“

Quelle

https://adamag.de/gewerkschaften-organizing-linke-organisierung?i-like-ada-cookies=1


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: counselor am 27. Juni 2018, 16:54:14
Danke @Rappel. Der Artikel ist wirklich lesenswert.


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: counselor am 17. Juli 2018, 17:48:23
Zitat
Wirtschaftskammer-Obmann fordert ein Verbot der Gewerkschaften

Der Welser Unternehmer ( Resch & Frisch) und Wirtschaftskammer-Obmann Josef Resch sorgt mit einer Aussage in einem Regional-TV-Sender für Irritierung. Resch forderte, dass Gewerkschaften "so wie im Süden der USA" verboten werden.

Quelle: https://kurier.at/chronik/oberoesterreich/wirtschaftskammer-obmann-fordert-ein-verbot-der-gewerkschaften/166.359.805


Titel: Re:Gewerkschaften
Beitrag von: Kuddel am 27. Juli 2018, 09:07:03
Gewerkschaftsaustritt aus der IG Metall in Berlin – nach fast 38 Jahren Gewerkschaftszugehörigkeit

http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2018/07/igm_berlin200718.pdf (http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2018/07/igm_berlin200718.pdf)