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Autor Thema: Heimkinder....  (Gelesen 764122 mal)
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Martin Mitchell


Beiträge: 1333


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« Antworten #1225 am: 12. November 2017, 02:48:27 »

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Zitat
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[ QUELLE: http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Pharmaverband-verurteilt-Medikamentenversuche,medikamentenversuche148.html ]

Stand: 10.11.2017 17:00 Uhr - Lesezeit: ca. 3 Min.

Pharmaverband verurteilt Medikamentenversuche

[ An dieser Stelle ein Foto: „Herman Kortland erwartet, dass die Pharmafirmen sich einer finanziellen Entschädigung der Opfer nicht verweigern.“ ]

Am ehemaligen Landeskrankenhaus Schleswig haben Ärzte in den 50er- bis 70er-Jahren zahlreiche Versuchsreihen an Kindern und psychisch Kranken durchgeführt - mit tausenden unfreiwilligen Probanden. Die Medikamentenversuche waren nach heutigen Maßstäben "eindeutig rechtswidrig" und "moralisch nicht zu vertreten". So bewertet der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) Rechercheergebnisse des NDR Schleswig-Holstein. Auf eine mögliche finanzielle Wiedergutmachung angesprochen, erklärte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Hermann Kortland: "Da gehe ich jetzt mal ins Wort: Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Unternehmen in so klaren Fällen, wo es auch nachgewiesen ist und wo sie es auch zugeben, einer Entschädigung nicht zustimmen."

Mindestens 40 Versuchsreihen durchgeführt

Nach Recherchen des NDR Schleswig-Holstein haben Schleswiger Ärzte zwischen 1953 und 1977 in mindestens 40 Versuchsreihen Arzneimittel im damaligen Landeskrankenhaus an Kindern und psychisch Kranken getestet. Betroffen waren demnach mehr als 3.000 Probanden. In den Versuchen traten in zahlreichen Fällen schwere Nebenwirkungen auf. So geht es aus historischen Fachaufsätzen der Mediziner hervor.

Aufsätze belegen Zusammenarbeit mit Pharmafirmen

[ An dieser Stelle ein Foto: „Ein Gebäude des ehemaligen Landeskrankenhauses Schleswig. Die Psychiatrie war bis 2005 in Landesbesitz.“ ]

Die Präparate wurden den Recherchen zufolge teilweise vor Markteinführung erprobt. Sie stammten von großen Pharmakonzernen wie Merck, Bayer, Janssen, Roche oder Novartis beziehungsweise deren Vorgängern-Unternehmen. Die Fachaufsätze der Ärzte belegen eine direkte Zusammenarbeit zwischen Schleswiger Medizinern und Pharmafirmen. So bedankte sich einer der Ärzte bei Bayer und dem Novartis-Vorgänger Ciba für die "großzügige Überlassung von Versuchsmengen".

Ein Kollege bedankt sich bei der Industrie für die Gelegenheit, "dieses oder jenes Medikament kritisch zu erproben". Ein weiterer Arzt veröffentlichte gemeinsam mit "dem Ressort Medizin der Bayer AG Wuppertal" eine Forschungsstudie. Das Verhalten der Ärzte bewerten Medizinrechtler als eindeutig rechtswidrig. Für Pharmafirmen gibt es erst seit Ende der 70er-Jahre rechtliche Regelungen.

Konzerne reagieren abweisend

Die Pharmakonzerne reagierten abweisend auf Fragen zu einer finanziellen Entschädigung für die Opfer. Die Firma Janssen sieht "keinen Hinweis darauf", selbst Auftraggeber von Studien gewesen zu sein. In einer früheren Stellungnahme hatte das Unternehmen die Versuche in Schleswig noch als "Grundlage der Zulassung" für das Medikament Imap bezeichnet. Roche teilte mit, die Frage der Entschädigung sei spekulativ. Dem Unternehmen seien keine Studien bekannt, für die es "ursächlich verantwortlich" sei. Merck antwortete, die Frage nach Entschädigung stelle sich nicht, weil das Unternehmen nicht rechtswidrig gehandelt habe. Novartis sieht die Verantwortung bei den Ärzten in Schleswig. Vom Bayer-Konzern, dessen Medikamente in Schleswig besonders häufig getestet wurden, gab es keine konkrete Antwort auf die Frage nach einer Entschädigung.

NDR berichtet ausführlich über Recherchen

Zu den Medikamentenversuchen in Schleswig hat ein Reporterteam des NDR knapp eineinhalb Jahre recherchiert - und dafür historische Fachaufsätze ausgewertet sowie mit Betroffenen und Experten gesprochen. Die Ergebnisse haben die Autoren in einer Multimedia-Dokumentation aufbereitet [ Siehe @ http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Wie-Kinder-zu-Versuchsobjekten-wurden,medikamente326.html#page=5&anim=slide ]. Am Sonntag [, 12. November 2017 ] ab 18 Uhr sendet NDR 1 Welle Nord in der Sendung "Zur Sache" ein 30-minütiges Feature zu den Recherchen mit anschließender Diskussion. Das NDR Fernsehen zeigt am Montag, 13. November [2017], um 22.45 Uhr die Dokumentation "Vergessene Seelen. Wie Kinder zu Versuchsobjekten wurden".

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Not only must justice be done; it must also be seen to be done.
Recht muss nicht nur gesprochen werden, es muss auch wahrnehmbar sein, dass Recht gesprochen wird.
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Martin Mitchell


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« Antworten #1226 am: 15. November 2017, 11:17:08 »

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Aufruf und Stellungnahme von dem Evangelischen Pfarrer i.R. Dierk Schäfer, Diplom-Pädagoge und Diplom-Psychologe, in seinem Blog, Dierk Schaefers Blog vom Di. 14.10.2017, um 22:45 Uhr (MEZ/CET), betitelt »Die Sieger schreiben die Geschichte.« @ https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/11/14/die-sieger-schreiben-die-geschichte/ :

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Die Sieger schreiben die Geschichte.

von dierkschaefer

Das stimmt immer noch. Doch nicht ganz.

»Zeitzeugen gesucht!

Für den Bayerischen Rundfunk recherchieren wir über Medikamententests an Heimkindern. Wir sind auf der Suche nach Menschen, vorzugsweise aus Bayern, die sich an Medikamentengaben erinnern können: Haben Sie den Verdacht, dass an Ihnen Experimente für die Pharmaindustrie? gemacht wurden? Können Sie sich erinnern, solchen Tests Ihr Einverständnis gegeben zu haben? Oder gab es Medikamentengaben, die Sie sich im Nachhinein nicht erklären können, beispielsweise weil Sie nicht krank waren und trotzdem Medikamente bekommen haben?

Für unsere Recherche würden wir auch gerne mit ehemaligen Mitarbeitern von Kinderheimen sprechen, die sich erinnern können, Medikamente zu Testzwecken verabreicht zu haben.

Wir möchten allen Spuren nachgehen, nach Möglichkeit die Verantwortlichen konfrontieren und Unrecht aufdecken.

Sie erreichen uns unter den E-Mail-Adressen Christiane.Hawranek@br.de und Simon.Plentinger@br.de «


Zeitzeugen, Betroffene, Opfer schreiben Geschichte von unten. Die wird meist nicht gedruckt, aber das Internet ist ein großes Archiv und jeder kann dort Spuren hinterlassen, Spuren, die lästig sind für die Gewinner. https://dierkschaefer.wordpress.com/2010/09/09/wenn-die-ohrenzeugen-der-augenzeugen-verstummt-sind-beginnt-die-geschichtsschreibung/ Wenn dann noch jemand kommt, der über diese Spuren in größerem Rahmen berichten will – und die Mittel dazu hat – wird Geschichte lebendig. Das Buch von Peter Wensierski war so ein Weckruf und brachte die Geschichte der Kinder in kirchlichen und staatlichen Heimen ins Bewußtsein der Öffentlichkeit. All die Leugnungs- und Vertuschungsversuche der Täternachfolger liefen ins Leere, auch ihre Drohungen. Doch außer Öffentlichkeit ist nicht viel gewesen, denn am Runden Tisch unter der „Moderation“ von Antje Vollmer konnten Staat und Kirche in Tätergemeinschaft das für sie Schlimmste verhindern: Eine Entschädigung der ehemaligen Heimkinder. https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/01/31/der-runde-tisch-heimkinder-und-der-erfolg-der-politikerin-dr-antje-vollmer/

Aber das Vertuschen hat aufgehört. Die Täter stehen im Rampenlicht – und sie machen durch die Bank eine schlechte Figur.

Im Aufruf des Bayrischen Rundfunks geht es um Kinder als Versuchskaninchen. Schon am Runden Tisch war die Rede von Medikamentengaben, die nichts mit einer Krankheit der Kinder zu tun hatten. Doch wie beim Thema Zwangsarbeit war Frau Vollmer auch dafür taub. Sie schützte die Täter. Nachdem nun Sylvia Wagner mit ihrer Arbeit dieses dunkle Kapitel publiziert hat, http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-42079/04_Wagner_Heime.pdf liegen auch diese Verbrechen offen zutage. Ich habe hier im Blog bereits im Februar 2016 darüber berichtet. https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/02/03/demenz-die-medikamente-dafuer-wurden-an-heimkindern-getestet/ , im September folgte https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/09/19/kinder-als-versuchskaninchen/ . Der Forschungsbericht von Sylvia Wagner wurde im Juni publiziert.

Am Freitag voriger Woche haben wir Helmut Jacob das letzte Geleit gegeben. Es war ihm sehr wichtig, dass die Verbrechen an den Heimkindern nicht in Vergessenheit geraten.


Ich bitte darum die Leser meines Blogs, den Aufruf des Bayrischen Rundfunks zu verbreiten und alle von den Medikamentenversuchen Betroffenen, von ihren Erfahrungen zu berichten, auch wenn nicht mehr dabei herauskommt, als das alles herauskommt.

dierkschaefer | 14. November 2017 um 22:45 | Tags: heimkinder, Heimkinder-Forschung, Medikamententests, Mediziner, Nazi-Tradition, Pharmaindustrie, schutzbefohlene, Versuchskaninchen, | Kategorien: BRD, Christentum, Deutschland, Ethik, Firmenethik, Geschichte, Gesellschaft, heimkinder, Journalismus, Justiz, Kinder, Kinderheime, Kinderrechte, Kindeswohl, kirchen, Korruption, Kriminalität, Kriminologie, Medien, Menschenrechte, Moral, News, Politik, Recht, Religion, Soziologie, Täter, Wissenschaft, | URL: https://wp.me/pulUf-2vS
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« Antworten #1227 am: 23. Dezember 2017, 01:04:09 »

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Das Bethel-eigene Freistatt und der gleichnamige Film

Dieser wichtige Film wurde auch im Ausland gezeigt!

Die Hölle von Freistatt

FILM REVIEW FOR THIS FILM IN ENGLISH: http://www.imdb.com/title/tt3127698/reviews

Zitat
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[ FREISTATT (2015) = ] SANCTUARY (2015)

User Reviews

[The] Truth about the way kids are treated by a Sadist world

17 July 2017 | by idaaning

Thanks [Marc] Brummund for such an excellent work! There should be more such courageous people who can tell the truth [to] the face of a super-hypocrite society in which we live. We live in a society which has no shortage of Sadists and very unfortunately children are the softest sufferer. I spent a year and half in a Missionary School in West Bengal, Kolkata. I was luckier than Wolfgang [in FREISTATT in Germany] [in this film] because my mother protected me; she did listen to me when I came home for summer vacations and complained that I will die if I go back to the mission. The film is actually so realistic, unlike what many reviewers here feel [on this Internet-platform: http://www.imdb.com/title/tt3127698/reviews (8 reviews altogether so far)]. I know that because I had been in a similar institution, though thousands of kilometres away [in another country on a different continent]. I remember how cruel had been many people in my locality after I returned from the coveted missionary school. There were many who asked why I returned, some suggested that I was kicked out. So I can understand why Wolfgang hit the neighbour he met on the street after he left him home without meeting his mother. Rest assured that such terrible places [like FREISTATT] are still there [i.e., do still exist] in almost every country [of the world] and will be there as long as we don't properly learn to treat others of our own species respectfully.

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Die Freistätter-Webseite http://www.wohnungslos.info/ bleibt jedoch von den heute für FREISTATT verantwortlichen Leuten weiterhin für Australien gesperrt und ich selbst habe den FILM "FREISTATT", hier in Australien (wo ich seit dem 24. März 1964 ansässig bin), bisher auch nicht sehen können/dürfen.
Wobei sie doch die Freistätter-Webseite http://ww.wohnungslos.info/ ganz einfach auch für Australien freischalten könnten und – zusätzlich – auch den Film von dort aus permanent streamen könnten. – Wollen diese aber auch heutigen dortigen Heuchler jedoch einfach nicht.

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« Letzte Änderung: 23. Dezember 2017, 05:25:07 von Martin Mitchell » Gespeichert

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Onkel Tom


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« Antworten #1228 am: 23. Dezember 2017, 16:27:46 »

Moin Martin.

Sei nicht sauer darauf, das Du www.wohnungslos.info in Australien nicht
einsehen kannst. Habe rein geschaut und es ist dort eine "soziale-Bemühens"
und "Christlich katholisch heile Welt" präsent. (Caritas-Style)

Dein Wunsch, das der Film Freistatt dort online gehen sollte, passt dem
Admin C bestimmt garnicht..

Hast nix verpasst  Wink
« Letzte Änderung: 23. Dezember 2017, 16:30:57 von Onkel Tom » Gespeichert
Martin Mitchell


Beiträge: 1333


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« Antworten #1229 am: 06. Januar 2018, 05:36:30 »

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REPORTAGE & DOKUMENTATION (eine Produktion des öffentlich-rechtlichen Senders NORDEUTSCHER RUNDFUNK) über die westdeutsche Bethel-eigene Fürsorgehölle "FREISTATT" in der auch Martin MITCHELL eingesperrt war und gezwangsarbeitet wurde in den frühen 1960er Jahren, bevor es ihm gelang im Alter von 17 Jahren und 9 Monaten nach Australien zu entkommen/auszuwandern.
Anscheinend wurde diese Dokumentation über "FREISTATT" und über den gleichnamigen Film "FREISTATT" schon mehrmals im Jahre 2017 im deutschsprachigen Fernsehen gezeigt:
"Endstation Freistatt – Das Erziehungslager im Moor" (Mi. 12.04.2017) @ http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/endstation-freistatt-106.html (Länge: 43 Min. und 44 Sek.) (anscheinend auch verschiedentlich auf YouTube verfügbar)


Zitat
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Endstation Freistatt – Das Erziehungslager im Moor



@ http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/freistatt-106~_v-standard644_baa8ce.jpg

[ Echtes schwarz-weiß Original-Foto des manuellen Torfstechens im Freistätter Wietingsmoor, betitelt: „Heimkinder als billige Arbeitskräfte beim Torfstechen im Moor]

Es ist eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte, die oft unvorstellbaren Lebensbedingungen, unter denen Tausende von Kindern und Jugendlichen in den 1950er- und 1960er-Jahren in kirchlichen Heimen und staatlichen Fürsorgeanstalten aufwuchsen.

Bis heute wird dieses Thema in der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt. Dabei leiden die meisten der ehemaligen Heimkinder noch heute unter den Folgen der teilweise brutalen Züchtigung.

Wer nicht folgte, wurde verprügelt

Eines dieser Häuser war die Anstalt Freistatt im Kreis Diepholz. Abgelegen von der nächsten Ortschaft wurden die Jugendlichen hier als billige Arbeitskräfte in der Schlosserei oder beim Torfstechen im Moor eingesetzt. Wer nicht spurte, wurde von den Diakonen verprügelt und trug fortan selbst beim Kirchgang Kettenhosen, die nur Trippelschritte ermöglichten.

Bis Anfang der 1970er-Jahre herrschten in der Zweigstelle der Bodelschwinghschen Anstalten Bethel [halbwegs zwischen Diepholz und Sulingen, in Niedersachsen, in der Bundesrepuublik Deutschland] diese Zustände. Und noch heute leiden die damals dort "verwahrten" jungen Menschen an den Folgen.

[ Farbfoto eines der jetzt älteren ex-Freistätter Ehemaligen Heimkinder, betitelt: „Wolfgang Rosenkötter, ehemaliger "Zögling" in Freistatt.“ ]

Der Dokumentarfilm erzählt auf berührende Weise die Geschichte von drei ehemaligen "Zöglingen" und zeigt, wie die Zeit in Freistatt ihr Leben bis heute geprägt hat. Wolfgang Rosenkötter ist einer von ihnen. Er verbrachte Ende der 1950er-Jahre 13 Monate in Freistatt. Eine Zeit, von der er heute sagt, dass sie für ihn "die Hölle auf Erden war".

Trauer, Wut und Scham

Mehrmals floh er aus Freistatt zu seinem Vater. Doch der glaubte ihm nicht, wenn er von den schlimmen Erlebnissen berichtete und brachte ihn immer wieder zurück in das christliche Heim. Die Autoritätshörigkeit der Elterngeneration und die aufkeimende Rebellion der Jugendlichen, in Heimen wie Freistatt traten diese Konflikte besonders deutlich zutage.

Parallel zu den persönlichen Lebensgeschichten der ehemaligen Zöglinge skizziert der Film anhand von Archivaufnahmen und Interviews mit Zeitzeugen (darunter unter anderem die ehemalige RAF-Terroristin Astrid Proll) die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit: Wirtschaftswunder und Verdrängung der Nazizeit treffen auf Rock'n'Roll und Jugendliche, die sich als "Halbstarke" gegen die starren Strukturen auflehnen.

Untrennbar mit der 68er-Generation verbunden

Mit der Studentenbewegung kam erstmals auch Kritik an den Verhältnissen in den Kinder- und Jugendheimen auf. Ein besonderer Schwerpunkt des Films liegt dabei auf dem Engagement der späteren RAF-Terroristen Ulrike Meinhof, Andreas Baader und Astrid Proll für die Fürsorgezöglinge. Dabei wird aufgezeigt, dass die Geschichte der Heimkinder auch ein Stück Nachkriegsgeschichte und untrennbar mit der 68er-Generation verbunden ist.

Erst Anfang der 1970er-Jahre veränderten sich im Zuge der allgemeinen Liberalisierung der Gesellschaft auch in Freistatt die Verhältnisse, zu spät für Menschen wie Wolfgang Rosenkötter. Trauer, Wut und Scham darüber, ein Heimkind gewesen zu sein, trägt er noch immer in sich. Doch seit einigen Jahren kann er über die Erlebnisse offen sprechen. Heute ist er als Ombudsmann nicht nur Ansprechpartner für Jugendliche, die in Heimen leben. Auf seiner Lebensgeschichte beruht auch der Spielfilm "Freistatt", der im Sommer 2015 in die Kinos kam.

Ein Film von Sascha Schmidt

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Martin Mitchell


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« Antworten #1230 am: 08. Januar 2018, 08:22:07 »

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NUTZFUND:

Ich habe gerade noch zwei weitere schwarz-weiß Original-Fotos – zwei historische Fotos – der Torfgewinnung und Torftransportation in Freistatt im Internet gefunden. Man kann diese Original-Fotos, dort, wo ich ich sie gefunden habe, mit einem einzigen Klick, auch ganz, ganz groß vergrößern! Und dies sind zwei weitere Fotos, die man natürlich ebenso „Heimkinder als billige Arbeitskräfte bei der Torfgewinnung im Moor“ betiteln kann.



@ https://www.nordmedia.de/images/cut/79856/121659/1920/1437/Arbeit%20im%20Moor2.jpg



@ https://www.nordmedia.de/images/cut/79856/121660/1920/1437/Arbeit%20im%20Moor3.jpg

Und diese beiden zusätzlichen Fotos sind bisher nur hier im Internet zu finden:

@ https://www.nordmedia.de/pages/service/produktionsspiegel/subpages/endstation_freistatt_-_das_erziehungslager_im_moor/index.html


Wer diese Fotos wann aufgenommen hat ist heute nicht mehr festzustellen.
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Rudolf Rocker
Waldkauz


Beiträge: 12652



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« Antworten #1231 am: 14. Januar 2018, 18:24:40 »

Zitat
Heimkinder als Versuchskaninchen missbraucht

http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Heimkinder-als-Versuchskaninchen-missbraucht-,medikamentenversuche150.html
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
Onkel Tom


Beiträge: 3325



« Antworten #1232 am: 15. Januar 2018, 11:16:38 »

Die Erzieher und Erzieherinnen können sich anbei keinesfalls damit herausreden,
das sie von den Sauereien nix gewusst hätten !!
Ihnen muss das bekannt gewesen sein, sonst hätten sie nicht damit drohen können
a la "Wenn Du das nicht machst, was ich jetzt von Dir will, musst Du zum Arzt und
kommst nach Gerresheim."

In Gerresheim im Kreis Düsseldorf was die nächstgelegene Psychiatrie von Solingen.
Alternativ gab es noch eine in Langenfeld. In meiner Heimzeit habe ich es nur einmal
(1977) mitbekommen, das ein "Zögling" im Kinderheim St.Heribert wegen Renitenz in
die Psyciatrie nach Langenfeld abgeschoben wurde.

Uns war derzeit nur bewusst, da kommen "Bekloppte" rein und denen geht es
schlechter wie im Heim.

Wie ich mit 14 anfing aus Heimen aus zu reißen, lernte ich den SSK kennen
und fand dort Unterschlupf.
Dort erfuhr ich mehr über das Heim- und Psychiatriewesen.

Dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) ging es in erster Lienie darum,
Missstände zu vertuschen und Störungen im Bezug Geld mit Heiminsassen
zu machen, zu vermeiden. Betroffene waren dort nur ein "Aktenfall"..

Das SSK = Sozialistische Selbsthilfe Köln entstand durch "Gewissenhafte
Sozialarbeiter" und Ausreißer_innen, die Häuser besetzten und damit
Flüchtige aus Heimen und Psychiatrie Unterkunft und weitere Hilfe, wie
"schleichenden Medikamennteentzug" zu bieten.

Das Psychiatriewesen war damals sehr großzügig mit der (Zwangs)verabreichung
von Haldol-Verbindungen. Ein kalter Entzug konnte lebensbedrohlich ausarten und
ich vermute, das Haldol und Leponex in der Psychiatrie Brockdorf als
Tötungswerkzeug zum Einsatz kam.

Die Erlebniserzählungen frisch ausgerissener Betroffenen waren so schrecklich,
das mann es kaum glauben konnte. Doch anhand der Vielzahl von Betroffenen,
die alle ähnlich erzählten, ging der SSK mit seiner längerfristigen Soforthilfeaktion
"Graul" der Sache auf dem Grund. Es konnte nicht viel bewiesen werden, doch
das Ausmaß des Verbrechens konnte zumindest teilweise sichtbar gemacht werden.

Das die Polizei Dein Freund und Helfer sei, habe ich in der Zeit schon als
Ammenmärchen begriffen, da sie Außreißer dorthin zurück brachten, von wo
sie geflohen sind. Peter Adler, den Name werde ich nie vergessen, war ein
Aktivist gegen Missstände, wurde durch Zufall von den Bullen kontrolliert und
regelrecht "zurück verschleppt" 2 Tage später war er tot.. In der Psychiatrie
Düren ums Leben gekommen.

 Embarrassed

Wem das weiter interessiert, kann mal nach "Menschen wie Vieh gehalten"
suchen. Aber VORSICHT. Nix für schwache Nerven.

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