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Autor Thema: Antifa  (Gelesen 13514 mal)
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ManOfConstantSorrow


Beiträge: 6334


« Antworten #25 am: 19. September 2015, 12:40:31 »

Aus aktuellem Anlaß:

Ich halte eine Antifapolitik, die sich allein in der Gegnerschaft zu Nazis definiert, für hilflos und zu begrenzt.

Im Rückblick auf die 90er Jahre, die offene rassistische Gewalt, die Pogrome und die Taten des NSU, sollten wir Konsequenzen ziehen.
Heute wissen wir, daß Kohl das rassistische Klima wollte und brauchte, um die sozialen Verwerfungen der deutschen Vereinigung nicht in offen ausgetragene soziale Konflikte münden zu lassen. Es gelungen einen sozialen Widerstand zu verhindern und die Unterschichten gegeneinder auszuspielen. Linke und rechte Jugendliche hauten einander auf die Glocke. Sozial Abgehängte tobten ihren Frust an sozial noch schwächeren Migranten aus. Einige vereinfachten es noch weiter und machten daraus einen Konflikt Ost gegen West. An diesem Klischee stricken Politik und Medien weiter:
Zitat
Gewalttaten aus Fremdenhass werden überproportional in den östlichen Bundesländern und Berlin verübt - zu diesem Ergebnis kommt laut einem Bericht der "Mitteldeutschen Zeitung" das Bundesinnenministerium.
https://www.tagesschau.de/inland/rassismus-gewalttaten-101.html
Wir sollten dabei nicht vergessen, daß die wichtigsten rechtsradikalen Führer und Ausbilder aus dem Westen kamen.
Zitat
Die Rechten von Heilbronn und Jena
Ein rechtsradikaler „Geheimbund“ in Heilbronn, dessen Mitglieder es verstärkt nach Jena zieht – die Akten zu den NSU-Morden werfen nach wie vor jede Menge Fragen auf.
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.nsu-affaere-die-rechten-von-heilbronn-und-jena.eadc0dcb-0b8d-4183-94df-3216efca92f0.html
Wir hatten zu der Zeit auch noch die schrecklichen "Menschenketten", in denen Sozialarbeiter, Lehrer, Pfaffen, Ottonormalspießer und Bullen händchenhaltend ein "Zeichen gegen Rechts" setzten. Jugendliche, die gegen die Elterngeneration und die Gesellschaft rebellioeren wollten, hatten damit ihre ideale Gegenkultur bei den Rechten gefunden, womit man all die Vertreter der verhaßten Gesellschaft wunderbar provozieren konnte.

Am schlimmsten empfand ich die Definition eines Faschos als glatzköpfige, prollige Hohlbirne. Genau da liegt vielleicht der größte Fehler der Antifapolitik der 90er und ich befürchte, dieser Fehler wird  gerade wiederholt. Ein Autor des Freitag teilt diese Einschätzung:
Zitat
Der Naziproll- ein dankbares Opfer

Über die Teilschuld der Politik, Gesellschaft und Kultur an dem aktuellen Aufschwung des rechten Terrors


Der Mob, das Pack und die Rechtsradikalen sind nur einige der Bezeichnungen, die diese Menschen, die dort prügeln und anzünden, bekommen. Anti-Nazi-Seiten wie Hooligans Gegen Satzbau machen bei Facebook auf die geringe Intelligenz der Nazis aufmerksam – als wäre eine hohe Intelligenz der Verdienst einer Person.

Natürlich –  auf das Bild des dummen Nazis ist sich schnell geeinigt. Angela Merkel verurteilt diese Taten ähnlich wie Sigmar Gabriel, ohne sich selbst zu einer Teilschuld zu bekennen. Bekannte Entertainer engagieren sich gegen "den Mob" und sogar der ein oder andere Kolumnist der "die Welt" lässt durchblicken, dass es nicht zu tolerieren ist, Asylheime anzuzünden.

Doch macht man es sich mit diesem Bild sehr einfach. Der Mob hat Angst. Das Pack hat Angst vor der spätestens seit den Hartz- Reformen einsetzenden Entsolidarisierung. Es hat Existenzangst vor dem Verschwinden in der vermeintlichen Bedeutungslosigkeit.

...die Sozialdemokratie hat sich seit Anfang des Jahrtausends in den Urlaub verabschiedet und das Proletariat bleibt, von einer sich medial aufspielenden Minderheit diskreditiert, mit seinen Ängsten zurück.

Doch wie eine Facebook-Freundin letztens treffend formulierte, jedes arme Schwein sucht sich ein noch ärmeres Schwein, auf das es mit dem Finger zeigen kann.

Und so kam es wie es kommen musste. Durch das Schauspiel der Politik und Medien der letzten Jahre wurden neue Feindbilder geschaffen, die scheinbar selbst dem Proletariat gefährlich werden könnten, das geht von Ausländer über nichtmännliche Geschlechter bis hin zu Homosexuellen, die jetzt sogar heiraten wollen.
https://www.freitag.de/autoren/nberliner/der-naziproll-ein-dankbares-opfer

Eine Antifapolitik, die ihre Arbeit als Kampf von links gegen rechts versteht, ist zum Scheitern verurteilt. Es ist notwendig einen Kampf von unten gegen oben zu organisieren. Wenn es nicht gelingt den Kampf gegen rechts mit dem Kampf gegen soziale Angriffe zu verbinden, werden wir nicht weiterkommen.

Gerade in dem Netzwerk verschwörungstheoretischer und (manchmal getarnter) rechtsradikaler Netzprojekte ist es gelungen ein Welbild zu zeichnen, in dem die Medien, die Bildungsinstitutionen und "die Politik" (inklusive Merkel) als "links" dargestellt werden ("linker Mainstream").  So sehen die sozial Abgehängten in den aggressiv auftretenden Rechten ihren logischen Bündnispartner gegen ihr Unwohlsein in den herrschenden Verhältnissen.

Wir müssen nicht nur verbal klarmachen, daß die Angriffe auf die einfachen Menschen von Kapital, Staat und den Rechten gleichzeitig kommen. Wenn es uns nicht gelingt eine soziale Notwehr mit dem Kampf gegen Rechts zu verbinden, sehe ich die Rechten weiter im Aufwind.



Zum Abschluß ein weiterer Auszug aus dem Feitag Artikel:
Zitat
Bei Dieter Nuhr ist klar, dass der Islam der Barbarei entspricht, die zwangsläufig zu Tod, Kriminalität und Unordnung führt. Durch ständige Reproduktion dieser Feindbilder, verfestigten sie sich zunehmend im kollektiven Gedächtnis.

Genau diese Skizzierungen des Ausländers, geprägt durch Presse und Politik haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass das passiert, was passieren musste. Die ärmsten zeigen auf Jene, die noch weniger, als sie selbst haben und verdammen sie. Unterstützt in ihren Feindbildern und allein gelassen mit ihren Sorgen von Politik und Presse.

Wenn wir die Schuldigen für die brennenden Flüchtlingsheime suchen wollen, sollten wir vielleicht nicht auf den Naziproll mit Pipi in der Hose schauen, auch nicht auf Ralph Ruthes skizzierte "Dummel" oder auf die schimpfende Omi in Freital.

Stattdessen sollten diese Bilder lieber von einem Horst Seehofer, einem Bernd Lucke, einem Dieter Nuhr und einer Angela Merkel geziert sein, durch deren Ideologien und Reden diese vorurteilsbehafteten Feindbilder überhaupt erst entstehen konnten.

Etwas tiefgründiger möchte ich bei dieser Argumentation noch auf diesen Radiobeitrag hinweisen: http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/kolumnen-sendungen/generator/warum-unsere-gesellschaft-die-armen-verachtet-100.html


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« Antworten #26 am: 19. September 2015, 13:35:50 »

Du sprichst jetzt von bürgerlicher Antifapolitik, oder?
Die linkradikale Antifa hat immer auf den Zusammenhang zwischen Staat, Kapital und Faschismus hingewiesen.

Zitat
Linke und rechte Jugendliche hauten einander auf die Glocke.
Scheinbar hast Du in den neunziger Jahren keinen aktiven Widerstand gegen Faschisten geleistet (und zwar im Westen).
Ich hab es getan und hatte mit 18 Jahren zwei Mordanschläge hinter mir. Also erzähl mir hier nichts von "auf die Glocke hauen"! Angry
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« Antworten #27 am: 19. September 2015, 14:11:37 »

Scheinbar hast Du in den neunziger Jahren keinen aktiven Widerstand gegen Faschisten geleistet (und zwar im Westen).
Tolle Ferndiagnose.  rolleyes Bin von 2 Faschos krankenhausreif getreten worden, weil ich ihren Marsch mit deutschen Gruß durch den Bus kommentiert habe. Die wurden gefaßt, kamen vor Gericht. Einer von ihnen ging dafür in den Knast. Das Schmerzensgeld hab ich nie von ihnen gekriegt. Haben einfach nicht gezahlt. War nicht pfändbar, da sie arbeitslos waren. Ich habe keine Lust dir aufzulisten, bei welchen praktischen Aktionen mit dabei war. Es waren nicht wenige.

Zitat
Die linkradikale Antifa hat immer auf den Zusammenhang zwischen Staat, Kapital und Faschismus hingewiesen.
Verbal, ja.
In Italien gab es in den 70er und 80er Jahren militante Jugendgruppen, die Hinterhofausbeuter und Leiharbeitsklitschen aufgemischt haben, wenn sie ihre Mitarbeiter um den Lohn betrogen haben. Solch einen praktischen und handfesten Widerstand kenne ich aus Deutschland nicht.
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« Antworten #28 am: 19. September 2015, 15:15:52 »

Zitat
In Italien gab es in den 70er und 80er Jahren militante Jugendgruppen, die Hinterhofausbeuter und Leiharbeitsklitschen aufgemischt haben, wenn sie ihre Mitarbeiter um den Lohn betrogen haben. Solch einen praktischen und handfesten Widerstand kenne ich aus Deutschland nicht.

Weil sie in den 90ern permanent Angriffen von Nazis ausgesetzt waren? Wer hat da noch Zeit für sowas?
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« Antworten #29 am: 19. September 2015, 15:20:33 »

Es hat im Moment wenig von einer Diskussion, sondern eher von einem angepißten Kontern.
Zitat
Weil sie in den 90ern permanent Angriffen von Nazis ausgesetzt waren? Wer hat da noch Zeit für sowas?
Wenn wir für etwas anderes "keine Zeit" mehr haben, haben wir bereits verloren.
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« Antworten #30 am: 19. September 2015, 15:25:23 »

P.S.:
Zitat
In Italien gab es in den 70er und 80er Jahren militante Jugendgruppen, die Hinterhofausbeuter und Leiharbeitsklitschen aufgemischt haben, wenn sie ihre Mitarbeiter um den Lohn betrogen haben.
Gleichzeitig gab es härteste Auseindersetzungen mit Faschos, bei denen Blut floß.
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« Antworten #31 am: 19. September 2015, 15:39:51 »

Zitat
Gleichzeitig gab es härteste Auseindersetzungen mit Faschos, bei denen Blut floß.

Tödlicher Hass - 137 Todesopfer rechter Gewalt
http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/toedlicher-hass-137-todesopfer-rechter-gewalt-0166





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« Antworten #32 am: 19. September 2015, 17:12:59 »

Rudi, das ist mir nicht unbekannt. Das waren zumeist tödliche Überfalle von Rechten auf Migranten, Obdachlose und Behinderte.
In Italien gab es eine ganze Reihe Toter bei Zusammenstößen zwischen Rechten und Antifas.
In Griechenland wird ständig Blut vergossen von den Rechten. Nicht nur den Deutschen Medien ist das keine Erwähnung wert, es wird auch von den griechischen Medien totgeschwiegen. Es sind zumeist nur namenslose Migranten. Erst bei dem Tod eines "Weißen", dem giechischen Rapper Killah P. (Pavlos Fyssas) gab es eine breitere Berichterstattung.

Wir sollten aufhören einander zu belehren. Ich habe nie etwas gegen den militanten antifaschistischen Kampf gesagt.
Ich versuchte im wesentlichen 2 Dinge klarzustellen:
Rassismus und faschistische Tendenzen sind nicht nur beim gewöhnlichen Straßenfascho gefährlich, sondern mindestens ebenso bei der vom sozialen Abstieg bedrohten Mittelschicht, bei Hetzkommentaren der Mainstreammedien, Typen wie Schäuble und de Maiziere, Unternehmerverbänden etc..

Wenn aber die verwirrten Menschen der Unterschicht von Linken angepöbelt werden, wegen ihre blöden Sprüche und idiotischen Grundhältung, ohne daß es von Linken Angriffe gegen unmenschliche Sachbearbeiter, Vermieter und Ausbeuter gibt, so lange werden die Linken als Gegner gesehen und die Rechten haben weiter Zulauf.
« Letzte Änderung: 19. September 2015, 18:12:58 von ManOfConstantSorrow » Gespeichert

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« Antworten #33 am: 19. September 2015, 18:00:03 »

Ich glaube wir meinen sowieso das Gleiche, drücken uns aber unterschiedlich aus und ich mach grade ein Fass auf wo gar keins ist!
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« Antworten #34 am: 19. September 2015, 18:11:25 »

Zitat
ich mach grade ein Fass auf wo gar keins ist!

Die Fähigkeit hätt ich aber auch gern!
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« Antworten #35 am: 19. September 2015, 19:10:35 »

Dafür braucht man jahrelanges Training!
Auf jeden Fall sollten wir dieses Thema mal bei einem echten Fässchen im Real- Live besprechen!
Diskussionen im Internet krieg ich einfach nicht hin!  Embarrassed

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« Letzte Änderung: 19. September 2015, 21:21:50 von Rudolf Rocker » Gespeichert

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« Antworten #36 am: 18. Dezember 2016, 14:24:41 »

Der rechte Sumpf ist nicht zu ignorieren. Er wird zum Teil des Mainstreams und die Herrschende Klasse scheint ein interesse an einem Erstarken faschistischer Bewegungen zu haben.

Wir sollten weiter über Strategien der Gegenwehr diskutieren.
Ich hoffe, daß es möglich ist, ohne sich bei ständig in die Wolle zu kriegen.
Ich halte eine Vielfalt an antifaschistischen Vorgehensweisen für notwendig.
Neben dem militanten Antifaschismus muß es auch eine Auseinandersetzung um die Köpfe geben.
Man muß sich mit den Leuten auseinandersetzen, die gelegentlich Scheiße quatschen, aber noch längst keine eingefleischten Nazis sind.
Es wäre dumm, wenn wir diese Leute den rechten Propagandisten überlassen würden.
Den Verirrten und Verwirrten muß man eine Chance geben, ihre Meinung und ihr Weltbild zu ändern.

Hier ein Extrembeispiel (Artikel von mir gekürzt):

Zitat


Es ist schwer, Daryl Davis nicht zu mögen. Der Schwarze mit dem breiten Grinsen und dem gemütlichen Burger-Bauch ist ein geborener Entertainer. Er hat oft mit Größen wie Muddy Waters, Chuck Berry und Little Richard gespielt. Wenn er sich ans Klavier setzt und loslegt, ist es unmöglich, sich von seinem Boogie Woogie und seinem Blues nicht mitreißen zu lassen. Sogar eingefleischte Rassisten wippen dann mit den Füßen, und so kommt es, dass Daryl Davis seine erste Bekanntschaft mit den Geheimbündlern des Ku Klux Klans macht: Bei einem Konzert mit seiner Country-Band in der »Silver Dollar Lounge« in einem Truck Stop in Maryland ist er nicht nur der einzige Schwarze auf der Bühne, sondern im ganzen Lokal. »Schwarze gehen da normalerweise nicht rein«, sagt Daryl Davis, 58. Umso überraschter ist er, als ein Mittvierziger aufspringt, ihm die Hand auf die Schulter legt und sagt, nie zuvor habe er einen Schwarzen gehört, der so gut Klavier spiele wie Rock'n'Roll-Legende Jerry Lee Lewis. »Na, was glaubst du denn, von wem Jerry das Spielen gelernt hat?« entgegnet Davis, »Natürlich von schwarzen Musikern! Ich bin mit Jerry befreundet, seit ich 13 bin.«

Dass der Pianist sein Idol kennt, beeindruckt den Mann so sehr, dass er ihn auf einen Drink einlädt. Der neue Fan gesteht, er habe noch nie mit einem Schwarzen an einem Tisch gesessen. »Warum nicht?« fragt Davis. Seine Barbekanntschaft zieht seine Ku-Klux-Klan-Karte aus der Tasche. Davis vergeht das Lachen. »Oha, jetzt wird es Ernst«, erinnert er sich an den Moment. Die beiden tauschen trotzdem Telefonnummern aus, der Musik-Fan kommt fortan zu seinen Konzerten und bringt seine Klan-Freunde mit.

Es ist der Beginn einer Freundschaft, die den gesamten Ku Klux Klan in Maryland erledigen wird, aber das wissen sie damals, Anfang der Achtzigerjahre, noch nicht.

Davis lädt Kelly auf seine Konzerte ein, und Kelly kommt mit seinen Klan-Freunden. Davis bringt seine eigenen Freunde mit, um Kelly in Dialoge zu verwickeln. »Ich wollte, dass er mit anderen Leuten spricht; dass er versteht, dass ich nicht der einzige bin. Ich war nicht darauf aus, mit den Klan-Leuten Freundschaft zu schließen, sondern herauszufinden: Warum hasst ihr mich, obwohl ihr mich nicht kennt?«  

Es ist eben schwer, jemanden zu hassen, den man gut kennt. Kelly kehrt schließlich dem Ku Klux Klan den Rücken; Davis wird sogar Patenonkel seiner Tochter. »Er glaubt heute nicht mehr, was er damals gesagt hat«, erklärt Davis. Kelly gibt Davis seine Klan Roben, die Roben des Imperial Wizard. Davis freundet sich mit allen drei Klan-Führern von Maryland an, und sie alle hängen ihre Roben an den Haken, als sie den Klan verlassen, genau wie zwei Dutzend weitere Klan-Leute. »Das war das Ende des Klans in Maryland«, freut sich Davis. »Es gibt dort heute keinen KKK mehr. Immer wieder versucht mal einer, den Klan dort wiederzubeleben, aber das hält nie lange.«  

 Die Begegnungen hätten ja auch anders ausgehen können – Davis hätte seine Dialogbereitschaft durchaus mit dem Leben bezahlen können.

Gerade da sei der Dialog am allerwichtigsten, findet Davis. »Wenn man nur zu den Leuten predigt, die ohnehin die eigenen Ansichten teilen, was soll dann dabei heraus kommen? Ich kann mich mit anderen Menschen zusammensetzen, die keine Rassisten sind, und wir können uns darüber unterhalten, wie schlimm Rassismus ist, aber verändern tut sich dadurch nichts.«

An dieser Stelle zieht Davis gerne seine zwei Dutzend Klan-Roben aus dem Schrank und sagt: »Schau, das habe ich gemacht, um dem Rassismus einen Denkzettel zu verpassen. Ich habe die Roben und Hauben von mehr als zwei Dutzend Menschen in meinem Schrank, die ihre Ansichten geändert haben, weil ich mich mit ihnen an einen Tisch gesetzt habe.
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/45368/Ein-schwarzer-Pianist-entmachtet-den-Ku-Klux-Klan

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Kuddel


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« Antworten #37 am: 23. August 2017, 18:19:34 »

Nach Charlottesville, USA:
Zitat
Diese Ausbreitung hat auch dazu geführt, dass über den antifaschistischen Kampf diskutiert wird, auch etwa über die Frage, welchen Beitrag die Gewerkschaftsbewegung dazu leisten kann – und muss. Die ILWU Lokal 10 (San Francisco), Dockergewerkschaft an der Pazifik-Küste Nordamerikas, hat dabei nun eine massive Initiative begonnen. In dem Artikel „San Francisco dockers call strike to confront white nationalist rally“ am 21. August 2017 bei libcom.org https://libcom.org/news/san-francisco-dockers-call-strike-confront-white-nationalist-rally-21082017 wird von dem entsprechenden Beschluss der Mitgliederversammlung des Lokal 10 berichtet, der unter Verweis auf anwachsende faschistische Umtriebe und die Tradition der Gewerkschaft zum Streik am 26. August aufruft, dem Tag an dem eine neuerliche Provokation stattfinden soll, in Form einer Demonstration, bei der die Oath Keepers den Sicherheitsdienst übernehmen soll: Eine schwerbewaffnete Miliz ehemaliger Soldaten und Polizisten.
http://www.labournet.de/?p=120460
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Kuddel


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« Antworten #38 am: 04. Oktober 2017, 18:52:30 »

Wenn man Antifaschismus mit Hand und Fuß betreiben will, sollte man den Faschismus verstehen.

Es ist das ungezogene, hemmungslose Kind des Kapitalismus.

Zur Geschichte des Faschismus
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Die Wirtschaftspolitischen Ziele der FDP sind nahezu identisch mit denen der AfD oder NPD.
Die rechtsradikalen Organisationen wollen das gleiche, sie sind bei den Mitteln der Durchsetzung nur weniger wählerisch.
Sie aktivieren auch Straßengewalt und die Mittel des Terrors. Obwohl da die Grenzen zu staatlichen Institutionen sowieso verschwimmen, wie wir seit dem NSU wissen...
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Fritz Linow


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« Antworten #39 am: 04. November 2017, 01:05:24 »

Der ehemalige Bassist der Naziband „Noie Werte“ versucht mal wieder, mit Hilfe von Compact eine nationalsozialistische Gewerkschaft zu initiieren. Da haben sich unter anderem bei Daimler auch schon einige Erfahrungen angesammelt.

Das ist eine höchstgefährliche Saat, die zusammen mit anderen teutonischen „Arbeitnehmervertretungen“ aus dem Umfeld der AfD aufgehen könnte. Deren Ansprache ist schlicht und deutlich und verfänglich. Ob man sich bei der Bekämpfung in den Betrieben auf den DGB verlassen sollte, ist fraglich. Daher ist eine Diskussion darüber notwendig, wie und in welcher Form sich antifaschistische Arbeit positiv auf Betriebe auswirken kann, so dass es erst gar nicht mehr dazu kommt, dass Nazis auf Betriebsratslisten gewählt werden.
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Kuddel


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« Antworten #40 am: 06. Juni 2018, 19:40:08 »

Bei Fußball und Antifa denkt man meist an den FC St.Pauli.

Ich denke an Mo Salah!

Zitat
Auf dem Basar in Kairo gibt es Devotionalien an jedem Stand: Batteriebetriebene Salah-Spielzeugfiguren aus Plastik, Kuschelkissen mit schmachtenden Salah-Augen für weibliche Fans, Sammelbildchen für Kinder. Ein Friseur rasiert den Männern das Konterfei von Mo Salah auf den Hinterkopf. Und die Laternenhändler im Ramadan haben im diesjährigen Fastenmonat quasi nur noch ein Motiv

"Die meistverkaufte Ramadan-Laterne in diesem Jahr ist die mit einem Salah-Bild", erzählt ein Händler. "Die kaufen wirklich alle!"

Selbst britische Hardcore Liverpool-Fans, die normalerweise nicht für ihre Ausländerbegeisterung bekannt sind, grölen angesichts der Torrekorde von Mo Salah: "Wenn du weiter Tore schießt, werde ich auch ein Muslim und will in einer Moschee sitzen".

Übrigens: Bei der ägyptischen Präsidentschaftswahl vor rund zwei Monaten waren auffällig viele Stimmen ungültig: rund eine Million Ägypter, hieß es in Berichten, strichen die Namen des Präsidenten und seines Herausforderer durch und schrieben ihren Wunschkandidaten auf den Stimmzettel: "Mohammed Salah for president".
http://www.deutschlandfunk.de/mo-salah-aegypten-feiert-den-star-der-champions-league.1346.de.html?dram:article_id=418867

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Fritz Linow


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« Antworten #41 am: 12. Juni 2018, 16:00:18 »

Bei Fußball und Antifa denkt man meist an den FC St.Pauli.

Ich denke an Mo Salah!

(...)


Naja, solange diese Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft nicht in Größenwahn endet...
Zitat
Für Aufsehen kurz vor dem WM-Start sorgt jetzt Mohamed Salah. Der Superstar der ägyptischen Nationalmannschaft machte Fotos mit dem tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow.

http://www.sportbuzzer.de/artikel/agypten-star-salah-macht-fotos-mit-tschetschenischem-machthaber/

Ich denke, dass weder Pauli noch irgendwelche Supermillionärstars besonders wichtig für das Thema Antifa und Fußball sind. All die ehrenamtlichen Jugendtrainer, die den Bengels nebenbei verklickern, dass es egal ist, woher jemand kommt, fallen halt leider unter die Aufmerksamkeitsschwelle. 
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