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Autor Thema: Kapitalismus - ein System mit aktivierter Selbstzerstörung  (Gelesen 6320 mal)
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korruption-ohne-grenzen


Beiträge: 166



« am: 17. November 2007, 00:48:10 »

was bedeutet Kapitalismus eigentlich ?

Kapitalismus =

1) Ausbeutung von Natur, Mensch, Tier

a)
Umweltzerstörung:
- Vernichtung der grünen Lunge unseres Planeten
Grund: sinnlose Produkte (z. B. Luxusmöbel), Gewinnung von Anbaufläche für landwirtschaftliche Produkte (z. B. Sojabohnen, Mais etc.)
Folgen: CO2-Anstieg (die fehlenden Bäume binden keinen Kohlenstoff mehr, die Maschinen die zum Fällen der Bäume benutzt werden stoßen CO2 aus, die landwirtschaftliche Bewirtschaftung bedeutet erhöhten CO2- Ausstoß), Vernichtung von Tier- und Pflanzenarten (welche wichtige Funktionen im Kreislauf der Natur haben)
- Ausbeutung der Meere durch übermäßigen Fischfang
Grund: gestiegene Nachfrage für bestimmte Sorten von Fisch, nur noch Fischerei im großen Maßstab ist gewinnbringend
Folgen: Artensterben, Eingriff in die Nahrungskette der im Meer lebenden Tiere (was zusätzlich Arten zerstört)
- Ausbeutung von Rohstoffen: Erdöl, Metalle, Kohle, Baumaterial
Grund: größtenteils sinnlose Industrie benötigt alle Sorten von Rohstoffen (für Maschinen, Fabriken, Infrastruktur, Luxusprodukte wie z. B. Kreuzfahrtschiffe, Luxuskarossen, architektonische ''Wunderwerke'' für Politik und Wirtschaft, z. B. in Berlin zu bestaunen oder auch in anderen Metropolen), Erdöl für Autos, LKW's, Bagger, Schiffe, Generatoren etc. - wie viele davon sind wohl überflüssig ? -, Kohle zur Energiegewinnung
Folgen: Zerstörung des Antlitzes der Erde und damit von Fauna und Flora, Ölkatastrophen, immenser CO2- Anstieg, Klimaerwärmung, Verlust an immensen Gebieten von Natur durch Städtebildung und Infrastruktur

b) Ausbeutung von Mensch und Tier:
- Arbeiter werden benötigt um den Reichen das Leben ''schön und leicht'' zu machen (bei uns), wir selber wiederum leben von der Sklavenarbeit der Menschen in den sog. Entwicklungsländern oder Billiglohnländern
Folgen: wir erleben es tagtäglich
- Tiere werden in Massen ''produziert'', gehalten oder ausgebeutet für unsere Ernährung und unser ''Wohlbefinden'' (Fleisch, Eier, Felle, Pelze, als Futter für andere Tiere, Elfenbein)
Folgen: dieser massive Eingriff in die Tierwelt bringt den natürlichen Kreislauf durcheinander (von der einen Art gibt's zu viele, von der anderen zu wenige, wiederum andere sterben ganz aus)

2) Wirtschaftswachstum

wenn die Wirtschaft wächst bedeutet dies, daß Gewinnung und Verbrauch von Rohstoffen steigen, daß mehr CO2 ausgestoßen wird, daß noch mehr gebaut wird, daß noch mehr sinnlose Produkte (wie z. B. für die Unterhaltungsindustrie)  produziert werden, daß mehr Menschen mehr haben wollen (den größeren Wagen, das größere Fernsehgerät, das größere Haus, ein zusätzlicher Wagen, Vergrößerung des Grundstücks etc.).

Folgen: da alle unter 2) genannten Produkte und Gegenstände irgendwann einmal kaputt gehen oder ersetzt werden müssen bedeutet dies, daß diese recycelt werden oder auf den Müll müssen. Dies wiederum bedeutet einen zusätzlichen Verbrauch von Erdöl (nicht nur für Maschinen, Kunststoffe werden auch daraus hergestellt) und eine weitere Zerstörung der Natur durch zusätzliche Mülldeponien. Da Erdöl begrenzt ist und man nicht alle Maschinen mit Sonnenenergie oder Wasserkraft betreiben kann und Kunststoffe schonmal gar nicht daraus hergestellt werden können führt dies früher oder später zum Einbruch aller Rohstoffreserven und/ oder deren Verwertung. Straßen können nicht mehr gebaut werden, Autos werden zu reinen Schrottobjekten, Häuser zerfallen, Infrastruktur wird zerstört, die Natur kann sich erholen Wink

Wirtschaftswachstum kann also nur von begrenzter Dauer sein und führt zur Zerstörung seiner selbst.

3) Bevölkerungswachstum
- dieses begründet sich teilweise im Kapitalismus (Arbeitskräfte werden benötigt) und führt automatisch zu einer Spaltung der Gesellschaft, vielmehr der gesamten Menschheit in arm und reich, denn der Kapitalismus kann aus den oben genannten Gründen nicht für alle von Vorteil sein.

Folgen: Hunger, Elend, Tod, Krieg, Kulturverlust, Verlust der Menschlichkeit. Kurzum: der Planet geht kaputt, die Selbstzerstörung ist in vollem Gange

wie kann also ein System wie der Kapitalismus, daß sich kontinuierlich selbst zerstört von so vielen Menschen gut geheißen werden ? Tatsache ist, daß fast jedem diese Sachverhalte bekannt sind, aber die Reichen und Mächtigen unserer Erde nicht bereit sind ihren Reichtum und ihre Macht aufzugeben, denn sie müssen ja nicht für die Zukunft planen (nach uns die Sintflut-Denken), und wir, der Rest der Menschheit uns mit dem Alltag einfach abfinden und aufgrund der eigenen Zwänge (wie z. B. der Notwendigkeit zur Nahrungsaufnahme), unserer Gleichgültigkeit gegenüber unserem Heimatplaneten und aus vielen anderen Gründen auch nichts verändern wollen. Der Planet geht kaputt und wir schauen alle dabei zu. Da können die Amis ja davon träumen neue Rohstoffquellen auf dem Mond oder Mars zu erschließen, aber wie realistisch ist das ? Da müßte es schon sowas wie den Warp-Antrieb wie bei Enterprise geben, damit wir mit diesem System weiter kämen. Und das ist nun völlig illusorisch.

wie heißt es doch so schön: die Natur braucht den Menschen nicht, aber der Mensch braucht die Natur - also liegt die Lösung des Problems doch eigentlich auf der Hand, oder ? Wir müssen uns der Natur anpassen und nicht umgekehrt. Wir müssen uns damit abfinden, daß wir nur diesen einen Planeten haben, auf dem der Glaube an ein grenzenloses Wachstum (sowohl in Wirtschaft und Bevölkerung) völlig utopisch ist. Wenn wir uns darüber im Klaren sind müssen wir, die wir bereit sind uns zu ändern, nur noch die richtigen Schlüsse und Konsequenzen ziehen und alles veranlassen, um diesen Planeten noch zu retten und die verursachten Schäden zu beheben.
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mainschwaermer


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« Antworten #1 am: 17. November 2007, 21:14:14 »

wer hatte das noch einmal gesagt... erst wenn der letzte Baum gefällt ist, werdet ihr merken, daß man Geld nicht essen kann?
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euerHofnarr


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« Antworten #2 am: 17. November 2007, 22:08:08 »

ein Aufkleberfabrikant aus den 70ern.
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euerHofnarr


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« Antworten #3 am: 17. November 2007, 22:18:04 »

ist...

... ein goldenes Stück Scheisse. (JBO)
... ein Apfel; aussen glänzend, innen faul. ("Anatomie")
... ein Gefängnis mit goldenen Gitterstäben.
... die Illusion wählen zu können.

... das die Leute denken, dass der Kreislauf von Produktion und Konsum der einzige ist, an den man sein Leben verschwenden kann.
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korruption-ohne-grenzen


Beiträge: 166



« Antworten #4 am: 17. November 2007, 22:36:09 »

Zitat
wer hatte das noch einmal gesagt... erst wenn der letzte Baum gefällt ist, werdet ihr merken, daß man Geld nicht essen kann?


guckst Du hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Weissagung_der_Cree
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korruption-ohne-grenzen


Beiträge: 166



« Antworten #5 am: 18. November 2007, 21:30:57 »

zu Punkt 3), Abschnitt 3:

es ist nicht nur so, daß uns unsere eigenen Bedürfnisse davon abhalten etwas zu verändern. Sind diese Bedürfnisse einmal befriedigt, d.h. haben wir genug zu essen, ein eigenes Dach über dem Kopf, ein Auto, eine Familie, Geld, dann sind wir sogar bereit dieses System zu verteidigen. Unterbewußt ist uns das auch klar. Denn wer kennt sie nicht die klugen Sprüche: ''geh' arbeiten, dann kommst Du auf andere Gedanken.'' Oder: ''nur ein Arbeitsloser kommt auf solche Ideen''. Diese Äußerungen implizieren aber gleichzeitig, daß jeder, der Zeit hat über solche Dinge zu reflektieren, immer zu demselben Schluß kommt: dieses System ist absolute Scheiße. Jemand, der also in eine Situation gerät oder schonmal geraten ist, in der er vom Staat allein gelassen oder gar auf mafiöse Art und Weise ausgebeutet wird/ wurde wird diese Gedanken schonmal zumindest in Ansätzen gehabt haben. Selbst wenn man dann wieder den Weg in die ''Schöne-heile-Welt-Gesellschaft'' zurückfindet wird dieser Eindruck bleiben und man wird vielleicht zu gegeber Zeit bereit sein, die Dinge ''anzupacken''.

Menschen, die diese Erfahrungen nicht machen kommen nicht von alleine auf die Idee, daß der Kapitalismus den Untergang unseres Planeten bedeuten kann. Sie sind (teilweise schon von Geburt an Wink) durch ihre von Geld und Wohlstand geblendeten Sinne unfähig, diese prekäre Situation zu erkennen. Sie sind sogar bereit jeden zu verachten und zu bekämpfen, der das System kritisiert. Deshalb kommt es auch immer erst dann zu Umstürzen, Revolutionen oder einfach nur zu einem Umdenken wenn es genügend Menschen gibt, denen es dreckig geht (sei es durch Massenarbeitslosigkeit, Krieg, Hunger, Armut, Repressionen, Diktatur).

Irgendwann jedoch, wenn es nicht zu einem Umdenken kommen sollte, wird sich das rächen: sei es durch die Klimaerwärmung und die sich durch sie anbahnenden Umweltkatastrophen, durch Rohstoffmangel, durch Überbevölkerung, vielleicht auch durch einen dritten Weltkrieg, oder sogar durch eine Kombination dieser Ereignisse.
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Rote Fraktion
Gast
« Antworten #6 am: 20. November 2007, 15:27:00 »

Das Merkels Reisen in der letzten Zeit nicht grundlos waren, ahnen die meisten schon. Die Besuche bei Bush und Sarkozy dienten vor allem der Vorbereitung des neuen Angriffkrieges der USA gegen den Iran.
Nicht nur das der Dollar immer schwächer wird, auch die sogenannte "Immobilienkrise" zeigen, der Kapitalismus ist auch im Mutterland USA am Ende. Die sogennante "Immobilienkrise" könnte aber auch ganz einfach eine Kriegskrise sein, die USA sind derartig verschuldet, das die "befreundeten" Staaten und ihre Banken die Kriege der USA garantiert mit Krediten mit finanzieren!
Spätestens jetzt, wenn unser Regime beginnt sich an immer mehr Kriegen zu beteiligen, wird es Zeit, dieses Regime zu stürzen, und Merkel und die Mit-Kriegstreiber und Demokratie-Feinde wie Schäuble und Jung endgültig in die Wüste zu schicken.
Einen interessanten Bericht zu den Kriegvorbereitungen mit deutscher Beteiligung lesen Sie hier:

http://politblog.net/krieg-terrorismus/fuehrt-merkel-deutschland-und-europa-in-einen-angriffskrieg-gegen-den-iran.htm

Auch um sonst täglich informiert zu sein sollte man öfter hier rein schauen, anstatt auf die gleichgeschalteten Medien wie SPIEGEL reinzufallen:

http://politblog.net/
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korruption-ohne-grenzen


Beiträge: 166



« Antworten #7 am: 21. November 2007, 11:42:27 »

Zitat
Aktiviert Merkel die Selbstzerstörung?

Nein. Vielmehr gehört sie zu den Leuten, die versuchen sie mit allen Mitteln aufzuhalten, auch wenn dies einen Krieg bedeuten würde, sprich: wieder bei dem ''Adam und Eva'' des Kapitalismus von neuem beginnen. (s. auch Thread Geld)

Andere versuchen die Selbstzerstörung aufzuhalten indem sie vorgeben sie wollen etwas gegen die Umweltzerstörung tun oder sich zum Umweltschutz selbst verpflichen, wobei sich diese Ausdrucksweise erstmal ''gut anhört'' und den unzufriedenen Bürger ''besänftigen'' soll (z. B. die Konzerne, wie neulich Bayer). Aber dies ist schon ein Widerspruch in sich ... Konzerne und Umweltschutz  tongue
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Kuddel


Beiträge: 10274


« Antworten #8 am: 28. März 2011, 14:45:04 »

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ManOfConstantSorrow


Beiträge: 6237


« Antworten #9 am: 23. April 2011, 12:40:35 »

Zitat
"Kapitalismus ist kein naturgegebenes System"
von Johanna Ruzicka


Die US-Historikerin Joyce Appleby erzählt in einem neuen Buch die Geschichte des Kapitalismus. Im Gespräch mit Johanna Ruzicka erläutert sie die wichtigsten Kräfte dieses weiterhin erfolgreichsten aller Systeme.

***

STANDARD: Wie kamen Sie zu der Idee, ein Buch über den Kapitalismus zu schreiben?

Appleby: Nun, ich habe mich mit diesem Thema bereits lange beschäftigt. Ich war immer betroffen von der Art, wie wir, meiner Meinung nach häufig fälschlicherweise, glauben, dass Kapitalismus naturgegeben ist. Dabei ist er kein einheitliches System aus fein säuberlich aufeinander abgestimmten Elementen. Vielmehr ist es eine Ansammlung von Vorgehensweisen und Institutionen, sodass Menschen ihren wirtschaftlichen Interessen nachgehen können. Kapitalismus ist mehr ein soziales, ja kulturelles System denn ein ökonomisches.

STANDARD: Was macht da den Unterschied aus?

Appleby: Ein soziales System kann verändert werden, nach Belieben gestaltet. Es kann modifiziert werden hin zu mehr oder weniger sozialer Ausprägung. Wir tun immer so, als ob Kapitalismus naturgegeben wäre. Wie das Wetter, das wir ja auch nicht regulieren. Dabei ist Kapitalismus ein System, das wir geschaffen haben und das beeinflusst wird von unseren Regeln und Werten.

STANDARD: Aber in den USA denken viele, dass der Kapitalismus aus viel zu vielen Regeln besteht und dass er sich dann am besten entfaltet, wenn er möglichst wenig, am besten gar keine Regulierung hat.

Appleby:  Ja, die Republikaner denken so. Doch wäre es wichtig, dass den Menschen klar wird, dass es ganz bei ihnen liegt, wie sie ihr wirtschaftspolitisches System gestalten.

STANDARD: Der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter meint, dass Kapitalismus schöpferische Zerstörung benötigt. Sind wir gerade wieder in einer solchen Phase ?

Appleby: Was er sagte, ist, dass es bei einer erfolgreichen technologischen Revolution immer auch zu einer Zerstörung des Vorhergehenden kommt. Das war es, was er schöpferische Zerstörung nannte. Schumpeter war ein sehr genauer Beobachter der Gesellschaft. Als erster Ökonom erkannte er die Bedeutung von Innovation in einer Ökonomie.

STANDARD: Europa und die USA haben unterschiedliche Wege eingeschlagen, wie sie ihren Kapitalismus gestalten. Welcher Weg ist der bessere?

Appleby: Man kann das so nicht sagen: Wer ist der Bessere. Ich denke aber, dass gerade jetzt, in der Finanzkrise, Europa einen viel besseren Weg eingeschlagen hat. Es gibt in den USA sehr viele Kräfte, die das soziale Netz, das wir haben, noch weiter ausdünnen wollen. Das wäre natürlich schrecklich. Aber die Europäer müssen erkennen, dass sie einen Preis für ihre soziale Stabilität zahlen. Es ist der Preis, dass es weniger Innovationsfreudigkeit in Europa gibt als in den USA und dass es deshalb auch zu weniger Startup-Firmen kommt.

STANDARD: Wo sehen Sie den Anfang des Kapitalismus. Wo war die erste kapitalistische Gesellschaft?

Appleby: Die Wurzeln dafür liegen im England des 17. Jahrhunderts. Und bei den landwirtschaftlichen Verbesserungen, zu denen es damals gekommen ist. Es kam damals zu Innovationen, die es erlaubten, dass man Arbeitskraft und Geld in andere Bereiche als in die Landwirtschaft stecken konnte. Und es war die Erfindung der Dampfmaschine, die das möglich machte. Nur in England sieht man dieses innovative Momentum. Die Holländer waren zur selben Zeit viel, viel reicher, aber sie haben keine Innovationen gesetzt. Es waren nicht die Handelsausweitungen, die den Kapitalismus ermöglichten.

STANDARD
: Beim Umgang mit der aktuellen Finanzkrise: Hat der Kapitalismus einen guten Job gemacht?

Appleby: Wir sind, denke ich, noch immer zu nahe am Abgrund, um das abschließend beurteilen zu können. In der Vergangenheit wurden viel zu große Wagnisse eingegangen. Die Probleme, die daraus resultieren, haben wir noch nicht geregelt. Aber in Europa gibt es das Bekenntnis zu sozialer Stabilität. Wichtig ist auch, dass die Regierungen eine stärkere Rolle in Wirtschaftsfragen spielen wollen. Das kann zu Reformen führen, die Europa sogar führend im Finanzsektor werden lassen. Aber wir haben die Rezession noch nicht hinter uns gelassen.

JOYCE APPLEBY (82) lehrte viele Jahre Geschichte an der University of California in Los Angeles und war Präsidentin der American Historical Association.

Joyce Appleby: "Die unbarmherzige Revolution" . Murmann Verlag, Hamburg, 686 Seiten, 37 Euro
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24./25.4.2011)
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Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
ProgressiveProletarian


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« Antworten #10 am: 06. Mai 2011, 22:02:43 »

Eine besondere Herausforderung ist, dass sich global - je nach politischen Eigenheiten in anderer Form - ähnliche Prozesse abspielen.

Lesenswertes Fazit aus dem lesenswerten Beitrag von William I. Robinson:

Zitat
The Moral Circuit of Accumulation-Exploitation-Exclusion

One new structural dimension of 21st century global capitalism is the dramatic expansion of the global superfluous population – that portion marginalized and locked out of productive participation in the capitalist economy and constituting some 1/3rd of humanity. The need to assure the social control of this mass of humanity living in a planet of slums gives a powerful impetus to neo-fascist projects and facilitates the transition from social welfare to social control, or police, states. The system becomes ever more violent.

Theoretically stated – under the conditions of capitalist globalization the state’s contradictory functions of accumulation and legitimation cannot both be met. Economic crisis intensifies the problem of legitimation for dominant groups so that accumulation crises such as the present one generates social conflicts and appear as spirally political crises. In essence, the state’s ability to function as a “factor of cohesion” within the social order breaks down to the extent that capitalist globalization and the logic of accumulation or commodification penetrates every aspect of life, so that “cohesion” requires more and more social control.

Displacement and exclusion has accelerated since 2008. The system has abandoned broad sectors of humanity, who are caught in a deadly circuit of accumulation-exploitation-exclusion. The system does not even attempt to incorporate this surplus population, but rather tries to isolate and neutralize its real or potential rebellion, criminalizing the poor and the dispossessed, with tendencies towards genocide in some cases.

As the state abandons efforts to secure legitimacy among broad swaths of the population that have been relegated to surplus – or super-exploited – labor, it resorts to a host of mechanisms of coercive exclusion: mass incarceration and prison-industrial complexes, pervasive policing, manipulation of space in new ways, highly repressive anti-immigrant legislation, and ideological campaigns aimed at seduction and passivity through petty consumption and fantasy.

A 21st fascism would not look like 20th century fascism. Among other things, the ability of dominant groups to control and manipulate space and to exercise an unprecedented control over the mass media, the means of communication and the production of symbolic, images, and messages, means that repression can be more selective (as we see, e.g., in Mexico or Colombia), and also organized juridically so that mass “legal” incarceration takes the place of concentration camps. Moreover, the ability of economic power to determine electoral outcomes allows for 21st century fascism to emerge without a necessary rupture in electoral cycles and a constitutional order.

The United States cannot be characterized at this time as fascist. Nonetheless, all of the conditions and the processes are present and percolating, and the social and political forces behind such a project are mobilizing rapidly. More generally, images in recent years of what such a political project would involve spanned the Israeli invasion of Gaza and ethnic cleansing of the Palestinians, to the scapegoating and criminalization of immigrant workers and the Tea Party movement in the United States, genocide in the Congo, the U.S./United Nations occupation of Haiti, the spread of neo-Nazis and skinheads in Europe, and the intensified Indian repression in occupied Kashmir.

The counterweight to a 21st century fascism must be a coordinated fight-back by the global working class. The only real solution to the crisis of global capitalism is a massive redistribution of wealth and power downward towards the poor majority of humanity. And the only way such redistribution can come about is through mass transnational struggle from below.


Der ganze Artikel: http://www.zcommunications.org/the-crisis-of-global-capitalism-and-the-specter-of-21st-century-fascism-by-william-i-robinson
« Letzte Änderung: 06. Mai 2011, 22:05:20 von ProgressiveProletarian » Gespeichert

IOPS ist eine klassenlose, globale Graswurzelbewegung auf Basis selbstverwalteter, lokaler Gruppen.

http://www.iopsociety.org/de
Kuddel


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« Antworten #11 am: 04. August 2017, 19:09:12 »

Der Kapitalismus erzeugt mit der wachsenden Ungleichheit und der zunehmenden Ungerechtigkeit seine Feinde selbst.
Die Herrschende Klasse hat zunehmend Panik vor der eigenen Bevölkerung.

Zitat
Betonbauten wie Bunker, Gesichtserkennung und Überwachungskameras: Die europäische Stadt erinnert immer mehr an ein Kriegsgebiet
http://www.sueddeutsche.de/kultur/architektur-die-ueberwachte-stadt-1.3614977?reduced=true
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Abused Frog


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« Antworten #12 am: 05. August 2017, 08:52:45 »

Zitat
Die Herrschende Klasse hat zunehmend Panik vor der eigenen Bevölkerung.

Ja, einen größeren Widerstand können sie eigentlich nur noch gewaltsam/blutig niederschlagen, mögliche alternative Wege wurden ja weitgehend aus den politischen Köpfen verbannt bzw. globalisiert unmöglich gemacht.

Es sind ja Verschwörungstheorien wenn behauptet wird der vorangetriebene Ausbau der Sicherheitsinfrastruktur würde gar nicht der Bevölkerung nützen sondern letztlich sogar gegen die Bevölkerung eingesetzt werden, aber nein, garnienicht, niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten.

Dank der Globalisierung wird die Welt zum Dorf, zum Potemkinschen Dorf.

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Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
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« Antworten #13 am: 05. August 2017, 09:54:25 »

Zitat
Es sind ja Verschwörungstheorien wenn behauptet wird der vorangetriebene Ausbau der Sicherheitsinfrastruktur würde gar nicht der Bevölkerung nützen sondern letztlich sogar gegen die Bevölkerung eingesetzt werden, aber nein, garnienicht, niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten.
Ein Beispiel: Die BFE+ Einheiten wurden unter dem Vorwand aufgestellt, man müsse im Falle eines terroristischen Angriffes, bei dem die Angreifer mit Sturmgewehren bewaffnet sind, Polizeieinheiten mit gleichwertiger Bewaffnung haben. Ähnliches galt für SEK- Einheiten.
Und plötzlich sieht man bei den G20- Demonstrationen in HH diese Einheiten mit Sturmgewehren rumlaufen.
Die anderen überwachungstechnischen Maßnahmen wärend des G20 habe ich ja im entsprechenden Thread gepostet.
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
Kuddel


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« Antworten #14 am: 06. Januar 2018, 19:50:40 »

Ein kurzes Beispiel, wie der Kapitalismus in einem Leserbrief einer Provinzeitung beschrieben wird:

Zitat
Ausbeutung überall

Betrifft: Artikel "Ohne Tafeln werden immer mehr Rentner nicht satt", EJZ vom 22. Dezember


Die dpa-Meldung übt sich wieder in Manipulation durch eine verharmlosende Sprache wie "Armut sei der Nährboden für das Gefühl abgehängt zu sein". Wer arm ist, ist abgehängt. Eine offensichtliche Tatsache, keine Gefühlsduselei! Dazu kommt, wie der Verbandsvorsitzende der Tafeln, Herr Brühl, zitiert wird: "Armut ist damit letztlich auch Wegbereiter des Extremismus." Grund genug also für jeden Politiker, dem ein Ende zu bereiten. Aber es bedarf nicht in erster Linie Mut, das Sozialsystem umzustellen, sondern den Willen, und der ist bei Politikern und Parteien der Bundesregierungen der letzten Jahrzehnte nicht vorhanden. Die Lösung wird nicht von den Parteien kommen, die den Schaden angerichtet haben, und auch nicht von denen, die sich alternativ nennen aber den gleichen neoliberalen Kurs weitermachen wollen. Es geht ja nicht um kleine Kurskorrekturen. Wenn laut Oxfam acht Menschen so viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen - ein Verhältnis, das jede reale Vorstellungskraft sprengt - ist doch wohl grundsätzlich einiges in Unordnung.

"Wachstum schafft Arbeitsplätze" lautet die ideologische Propaganda des herrschenden neoliberalen Kapitalismus. Entstanden ist dagegen Ausbeutung am Arbeitsplatz inklusive Krieg um Rohstoffe, Rohstoffverschwendung und Umweltschäden. Wir können nur hoffen, wenn wir selbst handeln.

Reinhard Rengel, Karwitz
https://www.ejz.de/ejz_53_111446088-28-_Ausbeutung-berall.html
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