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Autor Thema: Selbstständigen droht Armut im Alter  (Gelesen 4121 mal)
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ManOfConstantSorrow


Beiträge: 6157


« am: 28. November 2007, 12:47:23 »

HANDELSBLATT, Mittwoch, 28. November 2007,
Altersvorsorge

Selbstständigen droht Armut im Alter
 
Anders als Arbeiter oder Angestellte müssen die meisten Freiberufler selbst für den Ruhestand vorsorgen. Doch immer weniger nehmen diese Aufgabe ernst. Vielen Selbstständigen droht im Alter der finanzielle Absturz auf das Sozialhilfeniveau, besonders Kleinst-Unternehmern ohne Angestellte. Ist eine Ausweitung der Versicherungspflicht die Lösung?


BERLIN. Einer wachsenden Zahl von Selbstständigen droht nach Einschätzung des Sozialbeirats der Bundesregierung im Alter der finanzielle Absturz auf das Sozialhilfeniveau. Vor allem die inzwischen 2,3 Millionen „Solo-Selbstständigen“, die ohne große Rücklagen und ohne Angestellte arbeiten, betrieben oft „eine unzureichende Altersvorsorge“ und seien damit einem „größeren Risiko von Altersarmut“ ausgesetzt als Angestellte, heißt es im aktuellen Jahresgutachten des Gremiums, dem Vertreter von Arbeitgebern, Gewerkschaften, Wissenschaft und Bundesbank angehören.

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Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
Woki


Beiträge: 781


« Antworten #1 am: 29. November 2007, 06:06:33 »

Muss man anscheinend gar nicht weiter lesen.
Allein dieser Satz sagt doch eigentlich schon alles...
Zitat
Doch immer weniger nehmen diese Aufgabe ernst.
Wenn man "diese Aufgabe" ernsthaft erfüllen will, muss man sich das auch erst mal leisten können.
Und wie die Einkommensentwicklung bei einigen Selbstständigen aussieht, dazu gibts hier im Forum ja den passenden Thread.

Genau so wie bei Otto-Normal-Arbeitnehmer kann man keine Eigenverantwortung fordern, wenn gleichzeitig das notwendige Bare aus dem Portemonee abgezockt wird.

Im Gegensatz zur Politik heißt es beim Normalsterblichen nämlich tatsächlich noch: Man kann kein Geld ausgeben, das man nicht hat. Tongue
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Fullquote ist ganz schlechter Stil...  Tongue
Sung


Beiträge: 214


« Antworten #2 am: 02. Dezember 2007, 19:53:35 »

Das hat Woki schön zusammengefasst. Dazu kommt noch, dass man nicht gegen Arbeitslosigkeit versichert ist. Wenn der Laden nicht mehr läuft, heißt es übergangslos: Willkommen bei der Arge. Und was will die zuerst? Genau: Die Altersvorsorge.
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mupine
Gast
« Antworten #3 am: 09. Dezember 2007, 11:08:32 »

Naja!Nicht nur selbstständigen droht im Alter Armut sondern auch Leiharbeitern und vielen anderen "Niedriglöhnern"...
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Strombolli
Jeheimrat


Beiträge: 6713



« Antworten #4 am: 10. Dezember 2007, 19:05:27 »

Schon Anfang der neunziger Jahre stellte ein Zuschauer während einer MDR Polit Show die Frage, wie denn bitte sich ein gescheiterter Selbstständiger im Alter versorgen solle. Herr (SPD) Vogel sagte in seiner unendlichen Gelassenheit, "dass ja wohl davon auszugehen ist, dass ein Selbstständiger während seiner selbstständigen Tätigkeit genug auf die hohe Kante gelegt hat, dass er davon im Alter leben könne."

Erstens konnten die neuen Selbstständigen der damals fünf neuen Länder noch gar keine Altersversorgung aufbauen, sie SpassVOGEL!
Zweitens ist das Problem 2007 immer noch nicht gelöst. Tausende von Menschen werden in die Selbstständigkeit geschubst, um erstmal aus der Statistik raus-zu-sein und dann gehen sie in die Pleite, ihre Besitztümer werden versteigert (und im FOCUS indirekt "hier sind die tollsten Versteigerungsschnäppchen zu machen" angeboten) und fallen in Depression und kosten Geld, manche begehen auch Selbstmord oder die hartnäckigen leben zurückgezogen weiter und kosten soziale Zuwendungen.

Ne vernünftige Förderung der Selbstständigen und Entlastung von sinnlosen Restriktionen und Abgaben wäre langfristig billiger und sinnvoller.
Aber wer wird denn "nachhaltige" Politik erwarten?

Ich nicht mehr!
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Das Systemmotto: "Gib mir Dein Geld! - Jetzt, Du dreckiges Opfer !!!! - Und habe immer ANGST VOR DEM MORGEN !!!"

"Hört auf, Profite über Menschen zu stellen!" Occupy
Permanent angelogen & VERARSCHT IN DEUTSCHLAND! - Ich habe mit Dir fertig
Kuddel


Beiträge: 9232


« Antworten #5 am: 11. Februar 2017, 19:06:56 »

Zitat
Was tun gegen die Prekarität des Kleinunternehmertums?

Kosten rebellieren II“Fünf Euro netto pro Stunde, mehr war 2009 für fast jeden fünften Solo-Selbstständigen nicht zu verdienen. Einem aktuellen Zeitungsbericht zufolge leben viele der 2,3 Mio. Solopreneure immer noch in prekären Verhältnissen. Offensichtlich hat sich wenig geändert, aber was muss sich ändern, damit auch EinzelunternehmerInnen ihre Existenz langfristig sichern können? (…) Und es klingt ja auch verlockend. Als „Unternehmer in eigener Sache” sein eigener Chef sein, neue Ideen umsetzen und dabei mehr Geld verdienen. Das jedenfalls waren drei der vier wichtigsten Motive, die Solo-Selbstständige 2010 für ihre Existenzgründung anführten. Ihnen zur Seite steht aber noch eine weitere Gruppe Existenzgründer. Sie schlugen den Weg in die Selbstständigkeit ein, weil sie nicht mehr arbeitslos sein wollten, ihnen die Beschäftigungsalternativen fehlten, oder weil sie auf diesem Wege Problemen am vorherigen Arbeitsplatz entgehen wollten. Dafür nahmen sie, wie die andere Gruppe auch, ein höheres Verdienstrisiko und Mehrarbeit in Kauf, oft auch ohne die Frage der sozialen Absicherung im Vorfeld genügend geklärt zu haben. Ob von Optimismus getrieben oder eher aus der Not heraus, Fakt ist, dass die Zahl der Einzelunternehmer/innen seit etwa Mitte der 1990er Jahre stark angestiegen ist und seit 2003 die Zahl der Selbstständigen mit Beschäftigten übersteigt. …


der komplette Bericht: http://www.annotazioni.de/post/1997
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BGS
Polarlicht


Beiträge: 2506



« Antworten #6 am: 26. März 2017, 22:15:05 »

Was sind das nur für Zeiten?!

Zitat
[...] Sie arbeiten als Paketauslieferer Unternehmensberater und Kosmetikerin, sind Kioskbesitzer, Hausmeister, Boutiquenbetreiber. Die Altersvorsorge sparen sie sich, wenn es nicht reicht. Aber an einer Krankenversicherung kommen auch sogenannte Solo-Selbständige nicht vorbei. Ein Problem, denn für viele ist dieser Posten selbst in gesetzlichen Kassen finanziell kaum noch zu stemmen. Die Beiträge fressen auch in gesetzlichen Kassen inzwischen oft die Hälfte der gesamten Einnahmen.

Die Versicherer kennen das Problem, die meisten Beitragsschuldner sind kleine Selbständige. Und es werden immer mehr. Im Dezember 2016 standen die Selbstzahler bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nach Tagesspiegel-Recherchen mit sechs Milliarden Euro in der Kreide. Im Januar des gleichen Jahres betrugen die Außenstände noch 4,48 Milliarden. Im Jahr davor lag der der Wert bei 3,24 Milliarden und 2011 bei lediglich einer Milliarde Euro.

Die Summe der Beitragsrückstände steige leider kontinuierlich an, klagt der GKV-Spitzenverband. Ein Grund dafür sei die „finanzielle Instabilität bei freiwillig versicherten Selbständigen“.

... Das Problem der Solo-Selbständigen mit den Kassenbeiträgen rührt vor allem aus zwei Umständen. Zum einen fehlt ihnen die Arbeitgeberbeteiligung, sie müssen den Krankenversicherungsbeitrag komplett aus eigener Tasche zahlen. Zum andern schert sich die Sozialversicherung nicht groß um ihr Einkommen. Zur Beitragsberechnung wird ihnen einfach ein monatliches Mindesteinkommen unterstellt, von dem viele Kleinunternehmer nur träumen können.

Aktuell liegt es bei 2.231,25 Euro. Macht, mit Krankengeldanspruch und Pflegeversicherung, im Schnitt etwa 407 Euro im Monat für die Krankenkasse. Nur in besonderen Härtefällen, etwa einer Existenzgründerphase, lässt sich die Bemessungsgrenze noch mal um ein weiteres Drittel senken – auf 1487,50 Euro. Die Krankenversicherung will dann durchschnittlich 271 Euro. Weniger geht nicht.

Tatsächlich kommt fast ein Drittel der gesetzlich versicherten Selbständigen - 600.000 von insgesamt 2,16 Millionen - im Schnitt grade mal auf ein Einkommen von 787 Euro im Monat. Zu 82 Prozent handelt es sich dabei um Solo-Selbständige. Diese Gruppe habe durchschnittlich 46,5 Prozent ihrer Einkünfte für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) aufzuwenden, heißt es in einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK aus dem Jahr 2016.

Dass es in der privaten Krankenversicherung (PKV) noch teurer ist – hier zahlt die unterste Einkommensgruppe der Selbständigen im Schnitt 58 Prozent – macht es für die Betroffenen nicht besser.

Nach wie vor unterstelle das Sozialrecht, „dass alle Selbständigen ökonomisch gut gestellt sind und deshalb keiner solidarischen Absicherung bedürfen“, heißt es in der Studie. „Weil das jedoch schon lange eine Fiktion ist, besteht beim Krankenversicherungsschutz gesetzgeberischer Handlungsbedarf.“

...


Aus: "Solo-Selbständige in der Krankenversicherung "Die Beitragslast ist zu hoch"" Rainer Woratschka (08.02.2017)

Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/solo-selbstaendige-in-der-krankenversicherung-die-beitragslast-ist-zu-hoch/19362616.html

MfG

BGS
« Letzte Änderung: 26. März 2017, 22:17:29 von BGS » Gespeichert

"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)
Troll
Abused Frog


Beiträge: 6368



« Antworten #7 am: 06. April 2017, 10:06:29 »

Zu klein um Verluste zu sozialisieren bzw. ausreichend Gewinne zu generieren, aber irgend wer wir schon stolz sein auf die Selbstausbeuter und ihnen anerkennend auf die Schulter klopfen, sie nutzen schließlich "die Chance".
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Dieter Hildebrandt
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