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Autor Thema: Stage-Hands  (Gelesen 22060 mal)
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Kuddel


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« Antworten #25 am: 18. Oktober 2010, 13:00:48 »

Zitat
Orchestermusiker brechen Auftritte vorzeitig ab

Ein Meistersinger ohne Sangesgrundlage? Die Berliner Orchester haben die Arbeit niedergelegt, um bessere Arbeitszeiten und Verdienste zu erstreiten. Die Fronten sind verhärtet.



Opernbesuche sind in diesen Tagen in Berlin ein ganz besonderes Erlebnis,
da die Orchester nicht alle Stücke komplett spielen

Wer es am Sonntag nicht rechtzeitig zur „Tiefland“-Vorstellung um 18 Uhr in die Deutsche Oper geschafft hatte, konnte aufatmen: Die Aufführung begann eine halbe Stunde später, das Orchester streikte. Kein Einzelfall. Eine Woche zuvor mussten Publikum und Tänzer bei „Schwanensee“ nach der Pause aufs Orchester verzichten, die Ballett-Aufführung in der Deutschen Oper ging mit Klavierbegleitung weiter. Und sollten demnächst die mehr als fünfstündigen „Meistersinger von Nürnberg“ in der Komischen Oper im letzten Teil bestreikt werden, dann könnte man angesichts des verkürzten Abends wenigstens noch zu einer zivilen Zeit essen gehen.

Opernbesuche sind also in diesen Tagen in Berlin ein ganz besonderes Erlebnis. Und zwar ausnahmsweise nicht wegen einer vermeintlich skandalösen Regie, sondern allein deshalb, weil man nicht genau weiß, was einen musikalisch erwartet. Wobei es, ein völlig neuer Aspekt, ja zumindest eine Inszenierung an der Komischen Oper gibt, die gewissermaßen streikresistent ist, weil Regisseur Nicolas Stemann in „La Périchole“ das Orchester mitten in den schwungvollsten Jacques-Offenbach-Klängen inne halten lässt. Es wäre tatsächlich schwer zu erkennen, was regievorgegeben und was streikbedingt ist.
http://www.morgenpost.de/kultur/article1421675/Orchestermusiker-brechen-Auftritte-vorzeitig-ab.html

Zitat
Streik - Oper will Musiker aus Polen einfliegen

Die Musiker der Berliner Opernhäuser drohen mit Streik - die Deutsche Oper plant vor: Man überlege, Orchester aus dem Ausland zu engagieren.


Im Tarifkampf der Berliner Opernorchester denkt die Deutsche Oper an den Einsatz ausländischer Musiker gegen Streiks im eigenen Haus. „Wir überlegen, ob man Orchester aus anderen Ländern wie Polen oder Rumänien einfliegen kann“, sagte Pressesprecher Felix Schnieder-Henninger. Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) warnte vor einer solchen Maßnahme: „Öl ins Feuer zu gießen ist kontraproduktiv.“

Am Sonntagabend hatte das Orchester der Deutschen Oper bei einer Aufführung von „Tiefland“ nur bis zur Pause gespielt. Der zweite Akt wurde mit Klavier begleitet. Das Land Berlin und die DOV streiten, ob in Zukunft Musiker unentgeltlich in den jeweils anderen Orchestern der Berliner Opernstiftung als Aushilfe spielen sollen.
http://www.morgenpost.de/kultur/article1426525/Streik-Oper-will-Musiker-aus-Polen-einfliegen.html
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Kuddel


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« Antworten #26 am: 19. Oktober 2010, 15:59:48 »

Zitat
Streik an Berliner Bühnen
Deutsche Oper will verhandeln
Im Tarifkampf der Berliner Bühnen widersprach die Deutsche Oper Äußerungen, der Einsatz von ausländischen Musikern als Streikbrecher sei geplant. Am Sonntag hatte das Orchester der Oper nur bis zur Pause gespielt.
http://www.ftd.de/lifestyle/entertainment/:streik-an-berliner-buehnen-deutsche-oper-will-verhandeln/50183896.html
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Kuddel


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« Antworten #27 am: 20. Oktober 2010, 18:15:20 »

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Thalia-Theater Halle
Proteste von Verband und Gewerkschaft


Halle (Saale)/MZ/AHI. Der Widerstand gegen die Schließung des Thalia-Theaters in Halle findet weitere Unterstützung: Nachdem zuvor die Betriebs- und Personalräte von Bühnen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in Leipzig gegen die Kürzungspläne an ihren Häusern protestiert hatten, meldete sich am Dienstag auch der sachsen-anhaltische Berufsverband Bildender Künstler zu Wort. Er fordert, "gerade vor dem Hintergrund beständiger Einschränkungen im Kulturbereich, dieses Bildungsangebot weiterhin bestehen zu lassen - es mit Blick auf die Zukunft der hier heranwachsenden Generation eher noch zu erweitern!"

Bei der von der Gewerkschaft ver.di organisierten Demonstration in Leipzig hatten die Teilnehmer analog zu den Banken einen Rettungsschirm für Theater, Bühnen und Orchester gefordert. "Kunst und Kultur sind unverzichtbar für die Gesellschaft und daher systemrelevant", heißt es in dem Appell. Ein hochwertiges kulturelles Angebot gehöre zur öffentlichen Daseinsvorsorge und müsse daher Pflichtaufgabe sein. "Keine Stadt, kein Landkreis und kein Bundesland können ihre finanziellen Probleme auf Kosten der Kultur lösen."

Unterdessen wartet der Vorstand der Kinder- und Jugendtheaterorganisation Assitej weiter auf Antworten auf jenes Protestschreiben, das er an die Aufsichtsratsmitglieder der Kultur GmbH Halle verschickt hat. Wie Geschäftsführerin Meike Fechner erklärte, stehe man für konzeptionelle Beratung weiter zur Verfügung - gerade die inhaltliche Debatte über das "nicht zu ersetzende Angebot" fehle derzeit. Am Mittwoch will die Assitej gemeinsam mit dem Deutschen Kinder- und Jugendtheaterzentrum einen Offenen Brief vorlegen.
http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1287466811284
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Kuddel


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« Antworten #28 am: 23. Oktober 2010, 12:34:56 »

Zitat
Worum es beim Orchesterstreik wirklich geht
Von Volker Blech

Die Berliner Orchester streiken derzeit um bessere Arbeitszeiten. Deshalb brechen manche Stücke nach der Hälfte ab. Ein Ende der Halb-Opern ist noch nicht in Sicht, denn das Ultimatum der Opernstiftung ist nun abgelaufen.


Das Ultimatum der Opernstiftung, dem Arbeitgeber der drei Opernorchester lief ins Leere. Die Gewerkschaft auf der anderen Seite, die Deutsche Orchester-Vereinigung (DOV), hat das Berliner Angebot abgelehnt. Ein „Spitzengespräch zeitnah“ sei jetzt vereinbart, versichert Operngeneraldirektor Peter F. Raddatz. Es gäbe Verhandlungsspielräume, räumt er ein. Bis dahin kann es jeden Abend in den Opernhäusern und im Konzerthaus – es geht um vier der sieben Berliner Klangkörper – zum Streik kommen. So die DOV will.

Eigentlich passt so viel Aufbegehren gar nicht mehr zum gesättigten, befriedeten Berliner Opernbetrieb. Zum Vergleich sei an eine Geschichte aus dem Jahre 1830 erinnert, als das Brüsseler Publikum nach der Vorstellung von Aubers „Die Stumme von Portici“ wütend von der Oper zum Rathaus zog. Die durch die Opernaufführung ausgelösten Unruhen gegen die ungeliebte niederländische Herrschaft führten schließlich zur Unabhängigkeit Belgiens. Wenn dieser Tage, wie in der Deutschen Oper geschehen, die Musiker in der Pause streikend ihre Instrumente zusammen packen und das zahlende, treue Publikum vergrämt in sich hinein brummelt, dann stehen auf der Tagesordnung ganz banale Tarifverhandlungen. Es geht, zumindest auf den ersten Blick, nicht um Ungerechtigkeiten oder künstlerische Revolutionen, sondern um „positive Signale“ bezüglich der Arbeits- und Vergütungsbedingungen von Orchestermusikern.
http://www.morgenpost.de/kultur/article1430890/Worum-es-beim-Orchesterstreik-wirklich-geht.html
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Kuddel


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« Antworten #29 am: 18. Februar 2011, 15:41:59 »

Zitat
Berliner Opernmusiker - künftige Leiharbeiter?
Zum Streik der Berliner Opernorchester

Von Bernd Reinhardt
18. Februar 2011

Schon Monate dauern die Tarifauseinandersetzungen zwischen den Orchestern der Berliner Opernstiftung (Komische Oper, Staatsoper, Deutsche Oper) sowie dem Konzerthausorchester und dem Deutschen Bühnenverein. Teilweise bestreikten die Musiker die Vorstellungen. Opern begannen später oder wurden nach der Pause nur noch vom Klavier begleitet. Seit der Aussetzung der Streiks über Weihnachten ist es ruhig geworden.

Die Musiker wollen eine bessere Bezahlung, die dem Tarif vergleichbarer Spitzenorchester im Bundesgebiet entspricht. Dort verdienen die Kollegen an die 12 Prozent mehr. Die Berliner Musiker wollen erreichen, dass der neue bundesweite Flächentarifvertrag für Deutsche Kulturorchester, seit Januar 2010 in Kraft, auch wieder für die Berliner Orchester der Opernstiftung gilt. Dann wäre auch die bis dahin übliche Ankoppelung ihrer Gehälter an die Tarifentwicklung des Öffentlichen Dienstes wieder gewährleistet.

Beidem entzog sich das Land Berlin 2003 durch seinen Ausstieg aus dem öffentlichen Arbeitgeberverband unter dem damaligen und heutigen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), dem damaligen Wirtschaftssenator Gregor Gysi (PDS/Linke), Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) und dem Senator für Wissenschaft, Forschung und Kultur Thomas Flierl (PDS/Linke). Dies kostete nicht nur die Berliner öffentlich Beschäftigten, die bald einen gesonderten Berliner Tarifvertrag akzeptieren mussten, 10 Prozent ihres Einkommens. Auch die Gehälter der Berliner Opernorchester und des Konzerthausorchesters wurden bis heute auf dem tariflichen Stand von 2002 eingefroren.

Bereits vor über zehn Jahren unter Kultursenator Stölzl (CDU) wurde in der „Kulturhauptstadt Berlin“ über eine „Opernreform“ diskutiert. Es gab die Überlegung, eines der drei Opernhäuser zu schließen oder zwei Häuser miteinander zu verschmelzen. Der Spiegel schrieb im Jahr 2000 in diesem Zusammenhang von 353 geplanten Stellenstreichungen, darunter 77 Musikerstellen (fast ein gesamtes Orchester). Anvisiert waren auch neue Lohntarife. Im Jahr 2004 wurde die „Stiftung Oper in Berlin“ gegründet, eine öffentlich-rechtliche Stiftung, „zur Sicherung der Betriebe“, die neben den drei Opernhäusern auch das staatliche Ballett umfasste.

Im vergangenen Jahr äußerte sich der Trompeter Matthias Kamps in der Presse zur Situation an der Komischen Oper: „Gerade wir in der Komischen Oper haben einen riesigen Sparbeitrag von einer Million Euro jährlich geleistet, seitdem die Stiftung Oper in Berlin ins Leben gerufen wurde. Fünf Stellen wurden gestrichen, Gehälter neu eingestellter Musikerinnen und Musiker wurden gekürzt, unsere Gehälter werden Monat für Monat später ausgezahlt, und eine zusätzliche Sparsumme muss jedes Jahr aus dem laufenden Budget des Orchesters erbracht werden.“

Dass die Gründung der Opernstiftung lediglich darauf abzielte, die gescheiterten Fusionsvorstellungen des CDU-Kultursenators durch eine rot-rote Hintertür durchzusetzen, zeigt nicht nur die Gründung einer Zentralen Theaterwerkstatt, die die vorherigen theatereigenen Werkstätten ablöste, sondern auch ein Punkt der derzeitigen Tarifauseinandersetzung, gegen den sich die Musiker vehement wehren.

Bisher bekamen Musiker es honoriert, wenn sie neben ihrem Dienst in anderen Orchestern aushalfen. Dies soll in Zukunft nach den Vorstellungen der Arbeitgeber nur noch unentgeltlich möglich sein. Die Musiker befürchten zu Recht, dass es dabei zu Stellenabbau und Arbeitsplatzverlusten kommt. Es sei natürlich bequemer, so Kamps, „sich einen Musiker für umsonst in einem anderen Orchester auszuleihen, als einen dringend benötigten Musiker neu einzustellen“. Letztlich würde das „auf eine Oper mit drei verschiedenen Spielstätten“ hinauslaufen, heißt es besorgt in einem Musiker-Internetforum. Das wäre ein „Musiker-Pool, aus dem, je nach Bedarf, in Leiharbeiter-Manier für die einzelnen Häuser geschöpft wird“.

Ein Kosten sparender Musiker-Stellenpool hätte künstlerische Konsequenzen. Jedes Orchester ist ein sensibler Organismus, dessen spezielle Qualität das Ergebnis eines jahrelangen, man kann ohne Übertreibung sagen, jahrzehntelangen Reifeprozesses ist. Mit ständig wechselnden Musikern und Dirigenten ist diese Qualität nicht zu halten. Auch der Leistungsdruck auf die Musiker steigt durch Aushilfsdienste per Dienstanweisung. Bisher hilft nur ein geringer Teil der Spitzenmusiker in anderen Orchestern aus, weil deren unterschiedliches Repertoire auch zusätzliche, aufwendige Vorbereitungszeit auf dem Instrument erfordert.

Der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der auch Kultursenator und Vorsitzender des Stiftungsrats der Berliner Opernstiftung ist, zeigte für die Proteste der Musiker keinerlei Verständnis. Auch die Presse, wenn sie denn über den Arbeitskampf berichtete, war mehrheitlich verwundert bis empört über die „privilegierten“ Opernmusiker. Sie versuchte, die Orchestermusiker demagogisch gegen die schlechter bezahlten Musiker der freien Szene auszuspielen, die die Opernmusiker jedoch teilweise unterstützen.

Die Geschäftsleitung der Deutschen Oper reagierte besonders scharf und drohte, aus Rumänien Musiker als Streikbrecher einfliegen zu lassen.

Die Streikaktionen der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), die kleine Gewerkschaft der Orchestermusiker, waren allerdings eher halbherzig organisiert und hatten vor allem symbolischen Charakter. Auch der Änderung der Aushilfsklausel hatte die Gewerkschaft längst zugestimmt, nämlich schon 2009 im bundesweiten Flächentarifvertrag. Das wusste auch die Geschäftsleitung der Deutschen Oper. Dennoch wurde eine öffentliche Schlammschlacht ausgetragen, die der DOV eine Militanz andichtete, die die Gewerkschaft überhaupt nicht besitzt.

Denn die von der Politik getroffenen Entscheidungen sind für die DOV, wie für jede andere Gewerkschaft, die akzeptierte Grundlage ihrer Protestaktionen. So erklärte Gerald Mertens von der DOV gegenüber der WSWS, es sei eine politische Entscheidung, drei Opernhäuser in Berlin zu haben, die Politik müsse auch entscheiden, welche Qualität der Orchester sie wolle. Im Klartext bedeutet dies, dass die Gewerkschaft (natürlich unter Protest) alle Entscheidungen der Politik mitträgt. So ist die DOV durchaus mitverantwortlich für die Kürzungen in der Kultur.

Seit 1992 sind deutschlandweit 35 Orchester geschlossen worden, 27 davon im Osten Deutschlands. Musiker-Planstellen sanken in der Zeit von 12.159 auf unter 10.000, was einem Stellenabbau von 35 Prozent im Osten und 7 Prozent im Westen entspricht.

Ende 2008 beklagte die DOV die deutschlandweite Situation: „Junge Musiker werden seit drei Jahren in vielen Orchestern mit schlechteren Verträgen eingestellt (abgesenkte Vergütung, Erhöhung der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit um 50 (!) Prozent). An etlichen Orchesterstandorten verzichten Musiker sogar schon seit Jahren auf Gehalt, um ihr Orchester in Stadt und Region zu erhalten und Arbeitsplätze zu sichern.“

2008 kam es zu den größten Orchesterstreiks seit den 1950er Jahren. Zwei Jahre später warnte der „Leipziger Appell der Betriebs- und Personalräte an Theatern und Bühnen in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt“ die Politik: „Die Sparpotentiale sind ausgeschöpft! Ohne Einschnitte in die künstlerische Substanz sind weitere Kürzungen nicht mehr möglich.“

Das klingt weniger nach Kampfansage als nach Warnung vor der steigenden Wut der Beschäftigten. Generell werden Kürzungen in der Kultur von Gewerkschaften und Betriebsräten nicht abgelehnt. So erinnerte ein von etlichen Gewerkschaftsfunktionären und Betriebsräten unterzeichnetes, an den Berliner Bürgermeister gerichtetes Papier vom November 2009 an die Kooperationswilligkeit der Orchestergewerkschaft während der vorangegangenen Jahre: „Dies war seinerzeit für die Beschäftigten vor dem Hintergrund der schwierigen finanziellen Lage nachzuvollziehen und wurde als Beitrag zur Konsolidierung mitgetragen. Dennoch haben sich die Künstler nach Kräften und mit Erfolg bemüht, Berlin als wesentlichen kulturellen Standort zu stärken [...].“

Die DOV zeigt mit ihren Erklärungen, dass sie sich mehr um regionale Wirtschaftsstandorte Sorgen macht, als um die Künstler. Die Verteidigung sogenannter „Kulturstandorte“ heizt den Konkurrenzkampf an und fördert wie in der Industrie Billigarbeit, Stellenabbau und Spaltung der Beschäftigten. Momentan betrachtet die DOV den niedrigeren Lohn der Berliner Opernmusiker als Standortnachteil, weil junge Spitzenmusiker sich nach besser bezahlten Stellen in anderen Orchestern umsehen. Das gilt selbst innerhalb der Opernstiftung, begünstigt durch den speziellen Hausvertrag, der vor Jahren für das Orchester der Staatsoper unter dem berühmten Dirigenten Daniel Barenboim ausgehandelt wurde.

Offenbar gibt es noch andere Berliner „Standortnachteile“, die nun mit dem neuen Tarifvertrag behoben werden sollen. In einer gemeinsamen Presseerklärung vom 17. Dezember 2009 stellten DOV und Deutscher Bühnenverein gemeinsam fest, dass etliche Neuerungen in den neuen Flächentarifvertrag aufgenommen worden sind, „die den veränderten Umständen Rechnung tragen, unter denen heute ein Orchester tätig ist. So wurde insbesondere die Gestaltung der Arbeitszeit flexibilisiert, [...] und Kooperationsmöglichkeiten zwischen den Orchestern verstärkt.“

Bezüglich der Berliner Musiker sind sich DOV und Deutscher Bühnenverein weitgehend einig. Rückwirkend zum Januar 2010 soll es rund 4,5 Prozent mehr Lohn geben, zuzüglich 65 Euro monatlich. Bis 2014 sollen die Löhne der Musiker dem Tarif des öffentlichen Dienstes von Berlin entsprechen, 2017 der bundesweite Standard erreicht sein (beim Konzerthausorchester gibt es Abweichungen in Details).

Andere Lohnbestandteile werden dagegen drastisch gekürzt. Zum zwischen DOV und Bühnenverein ausgehandelten Vertrag gehören auch die Streichung des Urlaubsgeldes, die Kürzung des 13. Monatsgehaltes und das Einfrieren bestimmter Ortszuschläge. Dafür soll es zwei einmalige Ausgleichszahlungen von je 300 Euro geben. Die neue Aushilferegelung soll nicht erst mit Inkrafttreten des neuen Flächentarifvertrags 2017, sondern schon ab der Spielzeit 2015/16 in Kraft treten, ein Entgegenkommen der Gewerkschaft für ein paar lächerliche Prozent weniger Kürzung beim 13. Monatsgehalt. Derzeit werden 82 Prozent gezahlt. Statt der vom Bühnenverein ursprünglich geforderten Absenkung auf 72 Prozent sollen die Musiker zukünftig 79 Prozent erhalten.

Es ist zweifelhaft, ob die Berliner Opernmusiker unter diesen Voraussetzungen etwas gewinnen werden. Musiker fragen sich im Internet besorgt, ob die finanziellen Zugeständnisse der Arbeitgeber überhaupt ausreichen, um die tariflich festgelegten Kürzungen damit auszugleichen. Einen zusätzlich schlechten Beigeschmack bekommt das Ganze, wenn man sich vor Augen führt, dass der Tariftrend im Öffentlichen Dienst eher in Richtung Stagnation bzw. Reallohnsenkung geht. Mit der Einigung auf die späte Übernahme des bundesweiten Flächentarifvertrages im Jahre 2017 folgt die DOV dem Tarifabschluss von ver.di vom Oktober 2010, der unter Berücksichtigung der „besonderen Lage in Berlin“, in der angeblich gespart werden müsse, zustande gekommen war.

Schon während der Streiks äußerten Musiker Unzufriedenheit über die schlechte Information der Gewerkschaft. Man fände „so gut wie keine konkreten Informationen, weder auf der Website der DOV, noch anderswo, was genau verhandelt wird“. Dass sich die DOV „bei Ankopplung an den Flächentarifvertrag mit den gegenseitigen kostenlosen Aushilfen einverstanden erklärt“, erfuhren die Musiker scheinbar auch erst aus der Presse. „Das kann’s ja dann auch nicht sein. Für ein bisschen mehr Kohle wird der Ast abgesägt, auf dem wir sitzen“, äußert ein Trompeter.

Die Orchester, die in Kürze über den Vertrag abstimmen, werden sich hoffentlich gegen den geplanten Abschluss stellen. Es besteht die reale Gefahr, dass sich der Tarifabschluss mit der neuen Aushilferegelung als Türöffner zur Durchsetzung schlechterer Arbeitsbedingungen und künftiger Kürzungen erweist. Die DOV spielt die Bedeutung der Aushilfeklausel herunter, sie sei nur ein kleiner Baustein im Tarifgefüge und bundesweit noch nie angewendet worden, so Gerald Mertens gegenüber der WSWS.
http://www.wsws.org/de/2011/feb2011/oper-f18.shtml
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Kuddel


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« Antworten #30 am: 03. Oktober 2013, 10:13:40 »

Zitat
Orchester-Proteste: Streik statt Probe



Warnstreik statt Sinfoniekonzert. Im Rahmen einer bundesweiten Protestaktion sind am Montag auch Orchestermusiker in Mecklenburg-Vorpommern auf die Straße gegangen. Rund 60 Musiker der Mecklenburgischen Staatskapelle haben in Schwerin gegen Stellenabbau und für Tariflöhne demonstriert. Sie verschoben für den halbstündigen Warnstreik vor dem Theater die Generalprobe für ein Sinfoniekonzert, sagte eine Sprecherin der Deutschen Orchestervereinigung (DOV).

Weniger Geld, weniger Arbeitszeit


Für die Schweriner Staatskapelle waren erst vor zwei Wochen Einsparungen vereinbart worden. Die Musiker verzichten auf 15,6 Prozent Einkommen bei zehn Prozent Arbeitszeitverkürzung. Die Zahl der Vollzeitstellen im drittältesten Orchester Deutschlands soll von jetzt 68 auf 58 bis zum Jahr 2020 sinken.

Proteste in Rostock und Vorpommern

In Rostock haben rund 70 Orchestermitarbeiter die Probe für die Premiere von "Madame Butterfly" unterbrochen und sich zum Warnstreik vor dem Theater versammelt. In Greifswald und Stralsund beteiligten sich zusammen rund 50 Orchestermusiker des Theaters Vorpommern an der Aktion. Den Lohnforderungen der Gewerkschaft schlossen sie sich aber nicht an, für sie gilt seit längerem ein Haustarifvertrag.
http://www.ndr.de/regional/mecklenburg-vorpommern/orchester181.html
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« Antworten #31 am: 03. Oktober 2013, 10:18:59 »

Zitat
Hamburger Philharmoniker drohen mit Streik

Orchestermusiker der Hamburger Staatsoper beklagen Stellenabbau und ausbleibende Lohnerhöhungen. Sollten die Tarifgespräche mit den Arbeitgebern scheitern, drohen ab Ende Oktober erste Vorstellungen auszufallen.




Hamburg. Die Hamburger Philharmoniker wissen am Besten, was eine gute Sinfonie ausmacht. Kurz bevor der Kontrabass schweigt und die Posaune verstummt, dreht das Orchester vor dem Finale richtig auf. In diesem Fall komponieren sie jedoch ihr eigenes Arrangement - ganz ohne Instrumente.

Am Montag traten die Philharmoniker der Hamburger Staatsoper im Rahmen eines deutschlandweiten Aktionstages in einen kurzzeitigen Warnstreik, um noch einmal lautstark auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Rund 50 Musiker demonstrierten vor dem Gebäude an der Dammtorstraße gegen Orchester- und Musikerstellenabbau. Gleichzeitig forderten sie, die seit 2010 ausgebliebenen Tariferhöhungen für die betroffenen Staats- und Kommunalorchester nachzuholen.

Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) als Gewerkschaft der deutschen Orchestermusiker, will mit dem Warnstreik den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. "Seit 2010 hat es keine Lohnerhöhung mehr gegeben", sagte DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens dem Abendblatt. In der vergangenen Woche hatte das Bundesarbeitsgericht entschieden, dass die Staats- und Kommunalorchester keinen einklagbaren Rechtsanspruch mehr auf die Lohnerhöhungen des öffentlichen Dienstes haben. Seitdem stehen die Zeichen auf Sturm.

Am Dienstag beginnen in Berlin zwischen der DOV und dem Deutschen Bühnenverein für die Arbeitgeber Tarifgespräche, ob und wie die Lohnabschlüsse des öffentlichen Dienstes rückwirkend seit 2010 auf die Staats- und Kommunalorchester übertragen werden können. Drei Verhandlungstage sind im Oktober angesetzt.

Gleichzeitig fordern die deutschen Orchester, den Musikerstellenabbau einzustellen. "Das Maß ist jetzt voll", sagte Gerald Mertens. "Es muss endlich Schluss sein mit dem Orchester- und Musikerstellenabbau in Deutschland. Unser weltweit einmaliges Kulturerbe ist massiv gefährdet." Allein in den letzten 20 Jahren seien von ehemals 168 Orchestern 37 verschwunden.

Bei den Warnstreiks vom Montag handelt es sich nach Auskunft der Orchestervereinigung um "einen einmaligen Auftakt". Lediglich die Proben seien abgesagt worden. Sollte es jedoch mit dem Deutschen Bühnenverein zu keiner Einigung kommen, drohen ab Ende Oktober erste Vorstellungen in Hamburg auszufallen. Dann könnte es im Orchestergraben womöglich für längere Zeit still bleiben.
http://www.abendblatt.de/hamburg/hamburg-mitte/article120546943/Hamburger-Philharmoniker-drohen-mit-Streik.html
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« Antworten #32 am: 03. Oktober 2013, 10:57:20 »

Zitat
Carnegie Hall sagt wegen Streik Eröffnungsgala ab

Vier Stunden vor der feierlichen Eröffnung musste das geplante Konzert des Philadelphia Orchestra abgesagt werden. Die Bühnenarbeiter protestierten mit einer aufblasbaren Ratte gegen die Gehaltspolitik.


Die diesjährige Eröffnungsgala der New Yorker Carnegie Hall ist ausgefallen: Die berühmte Konzerthalle hätte am Mittwoch den Beginn der neuen Konzertsaison feiern sollen. Das Philadelphia Orchestra unter Yannick Nezet-Seguin wollte Werke von Pjotr Iljitsch Tschaikowski und Maurice Ravel spielen. Doch aus der geplanten Gala wurde nichts. Nur vier Stunden vor Beginn musste die Feier abgesagt werden, denn die Bühnenarbeiter der Carnegie Hall sind ohne Vorwarnung in den Streik getreten. Sie hatten zudem vor der Konzerthalle eine mehrere Meter hohe aufblasbare Ratte als Protest gegen die Gehaltspolitik der Kultureinrichtung errichtet.

Bühnenarbeiter und Carnegie Hall streiten um neue Gehälter. Dabei sind die Verträge vieler Angestellter höchst lukrativ. Einige Bühnenarbeiter verdienen mehr als die Musiker. Die "New York Times" berichtete, dass die Gehälter teils bei 400.000 Dollar (300 000 Euro) Jahreseinkommen liegen. Das ist mehr, als der Finanzdirektors der Konzerthalle verdient. Das Management wollte neue Verträge deutlich darunter ansetzen, womit die Bühnenarbeiter nicht einverstanden sind.

Laut Carnegie Hall ist es der erste Streik in der 122-jährigen Geschichte von Amerikas wohl bekanntester Konzerthalle.

New York City Opera ist bankrott

Einer anderen New Yorker Bühne machten Finanzprobleme erst diese Woche den Garaus. Am Dienstag musste die New York City Opera (NYCO ) Bankrott anmelden. Ein letzter Aufruf zu dringend benötigten Spenden habe nicht die erforderlichen sieben Millionen Dollar (rund fünf Millionen Euro) eingebracht, erklärte die Sprecherin der zweitgrößten Oper der Stadt.

In der 70-jährigen Geschichte der NYCO standen einige spätere Stars auf der Bühne des Opernhauses: Hier begann etwa 1966 die Sangeskarriere von Placido Domingo.

Die NYCO leidet jedoch seit Jahren unter wirtschaftlichen Problemen. 2010 musste die Oper aus dem Lincoln Center in Manhattan ausziehen und die Zahl ihrer Produktionen verringern. Am Samstag fand mit "Anna Nicole" die letzte Aufführung an der Brooklyn Academy of Music (BAM) statt, an deren Ende einige Musiker in Tränen aufgelöst waren.
http://diepresse.com/home/kultur/klassik/1460326/Carnegie-Hall-sagt-wegen-Streik-Eroeffnungsgala-ab?from=gl.home_kultur
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« Antworten #33 am: 12. März 2017, 21:48:33 »

Zitat
Die Belegschaft des E-Werk Kulturzentrums Erlangen bittet um Eure Solidarität!
100% Kultur verdient 100% Bezahlung




Niedriglohn? Nicht mehr mit uns!“Das E-Werk Erlangen belebt seit 35 Jahren mit seinen breit gefächerten Angeboten die Altstadt Erlangens. Jedoch bekommen die Mitarbeiter des Hauses nur zwischen 67% und 80% des Lohns des Tarifvertrag öffentlicher Dienst, wie er sonst in der städtisch finanzierten Kulturbrache, Theatern, Museen etc. häufig üblich ist. Zuletzt wurde die Tariferhöhung im Februar 2017 um 2,35% nicht umgesetzt. Der Betriebsrat des E-Werks setzt sich daher seit geraumer Zeit für eine Zuschusserhöhung ein, die fest an die Löhne gebunden ist. Am 15.03. sollen die Ergebnisse einer Wirtschaftlichkeits- und Organisationsprüfung im Kultur- und Freizeitausschuss veröffentlicht werden. Und an diesem Tag will auch die Belegschaft des E-Werks vor dem Rathaus präsent sein, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen und eine Kundgebung durchführen. Wir finden das absolut unterstützenswert und rufen auch euch dazu auf, mit uns gemeinsam eure Solidarität mit den ArbeiterInnen des E-Werks auszudrücken. 100% Kultur verdient 100% Bezahlung!

Die Kundgebung findet am 15.3.2017 zwischen 16 und 20 Uhr am Rathaus Erlangen statt.
Aufruf der Intiative solidarischer ArbeiterInnen
http://www.labournet.de/?p=113190


http://www.infranken.de/regional/erlangenhoechstadt/Im-E-Werk-in-Erlangen-wird-Protest-laut;art215,2549969
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Fritz Linow


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« Antworten #34 am: 31. Juli 2017, 14:31:34 »

Zitat
31.7.17
Wie haben sich die Arbeitsbedingungen von freien Stagehands & Technikern verändert?

Crew are people too – so schrieb es die Band Nickelback schon 2004 auf die T-Shirts, die als Dank für die harte Arbeit den Mitgliedern der jeweils örtlichen Crew zum Abbau geschenkt wurden. Damals schon, vorher auch und nun 10 Jahre später erst recht, fragen sich viele der Stagehands/Aufbauhelfer und der Veranstaltungstechniker, ob dieser Spruch stimmen kann.
(...)
„… Mehr als ein Nebenjob ist [das] in dieser Branche nicht, bei unseren Leistungen sind wir unterbezahlte Deppen.
(...)
Viele Crew-Agenturen stellten auf Arbeitnehmerüberlassung – also die Vermittlung Angestellter – um. Die Veranstalterverbände riefen ihre Mitglieder ausdrücklich dazu auf, Stagehands nur noch im Rahmen der Zeitarbeit zuzulassen.
(...)
Dies führt zu den teilweise hitzigen Diskussionen unter Stagehands und Technikern, die täglich geführt werden, zu innerer Kündigung, Desinteresse, Frust und Unzufriedenheit und somit belastenden Lebensumständen, die bereits zu einigen Todesfällen führten.

http://www.event-partner.de/business/kontroverse-arbeitsbedingungen-von-freien-stagehands-technikern/
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