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Autor Thema: griechenland  (Gelesen 230048 mal)
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ManOfConstantSorrow


Beiträge: 6239


« Antworten #1400 am: 14. Oktober 2016, 19:18:51 »

Wasserprivatisierung in Thessaloniki

! No longer available


(auf Englisch)
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Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
Kuddel


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« Antworten #1401 am: 29. Dezember 2016, 17:34:59 »

Zitat
90 Prozent der Arbeitslosen in Griechenland ohne Hilfe

9 von 10 Arbeitslosen in Griechenland leben am Rand der Gesellschaft, da sie weder Arbeitslosengeld noch sonst eine Beihilfe erhalten.


Die neuen Daten der Nationalen Statistikbehörde (ELSTAT) und des Instituts für Arbeit (INE) der GSEE über die Arbeitslosigkeit in Griechenland sind schockierend: Die Langzeitarbeitslosen, also alle, die 12 Monate oder länger nach Arbeit suchen, stellen 73,8% der Arbeitslosen dar.

Weiter erhalten nur 10% der Arbeitslosen Arbeitslosengeld von dem OAED, während die „erweiterte“ Leistung von 200 Euro im Monat gerade einmal 1,5% der Gesamtheit der Langzeitarbeitslosen erhalten.

Reale Arbeitslosigkeit in Griechenland wird auf über 30% veranschlagt
http://www.griechenland-blog.gr/2016/12/90-prozent-der-arbeitslosen-in-griechenland-ohne-hilfe/2139045/
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Just B U


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« Antworten #1402 am: 05. Januar 2017, 16:58:19 »

Zitat
Ein Brief aus der Kolonie
ebo am 5. Januar 2017 12

[size=10pt]Griechenland ist eine Schulden-Kolonie der Gläubiger – das war schon länger bekannt. Bisher gab es dafür aber noch keine offizielle Beglaubigung. Die hat Athen nun nachgeholt – wie von Finanzminister Schäuble gefordert. Ein Gastbeitrag.

Von Norbert Häring

Euclid Tsakalotos hat am 23. Dezember 2016 einen Brief an den Vorsitzenden der informellen „Eurogruppe“, Jeroen Dijsselbloem, geschrieben. Darin versichert er dem Niederländer, dass die Regierung auf unbestimmte Zeit keine Entscheidung ohne Genehmigung der Statthalter der Gläubiger in Athen treffen werde. Das gilt für alle Entscheidungen, die Geld kosten, auch dann, wenn die vereinbarten Budgetziele übererfüllt werden. Das Ziel ist das gleiche wie im klassischen Kolonialismus: möglichst viel Geld aus der Kolonie herausquetschen.
(...)
[/size]


http://lostineu.eu/kotau-aus-der-kolonie/

Wenn ich könnte wie ich wollte..........aber lassen wir das.
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« Antworten #1403 am: 10. Februar 2017, 10:02:39 »








Griechenland: Die Bauernproteste im ganzen Land nehmen zu

KKE


Tausende Bauern errichteten auch dieses Jahr ihre Protestblockaden an mehreren Hauptverkehrsachsen Griechenlands. Die kleine und mittlere Bauernschaft kämpft gegen die volksfeindliche Politik der Regierung und gegen die Gemeinsame Agrarpolitik der EU, die die Konzentration des Agrarflächen, der landwirtschaftlichen Produktion und des Handels in den Händen einiger weniger kapitalistischer Großbauern beschleunigt.
Mittelpunkt der Aktikonen, die vom Landeskomitee der Bauernblockaden koordiniert werden, ist die starke Blockade in Nikea, die die Bauern Thessaliens mit Hunderten Traktoren außerhalb der Stadt Larissa an der Nationalstraße errichtet haben.
Dutzende Gewerkschaften und Massenorganisationen des Landes solidarisieren sich mit dem Kampf der kleinen und mittleren Bauern. Das Exekutivsekreterariat der PAME ruft die arbeitenden Menschen auf, die Blockaden und die anderen Aktionen der Bauern zu unterstützen.
Der Generalsekretär des ZK der KKE, Dimitris Koutsoumbas, traf sich am 28. Januar mit den Bauern in Arta, die ihre Blockade an der Ionischen Autobahn errichtet hatten, und brachte die Solidarität der KKE mit ihrem Kampf zum Ausdruck.



Im Link mit vielen Fotos und einem Video


http://news.dkp.suhail.uberspace.de/2017/02/griechenland-die-bauernproteste-im-ganzen-land-nehmen-zu/
« Letzte Änderung: 10. Februar 2017, 10:16:09 von Rappelkistenrebell » Gespeichert

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« Antworten #1404 am: 17. Februar 2017, 11:42:05 »

Oh man, ich hoffe es passiert nicht, habe aber schon von Griechen vor Ort gehört, dass es - wenn die Türkei so weitermacht - höchstwahrscheinlich nur eine Frage der Zeit ist bis es "knalllt".  Die könnens einfach nicht lassen.    Shocked



Zitat
Farmakonisi: Turkish gunboat fires live ammunition shots in Greece’ waters

Posted by keeptalkinggreece in Turkey-GR

A gunboat of the Turkish Navy violated Greece’s territorial waters and conducted shots withtagged: exercise, FIR, Greece, live ammunition, TCG Kusadasi, Turkey, violations

Farmakonisi: Turkish gunboat fires live ammunition shots in Greece’ waters

Posted by keeptalkinggreece in Turkey-GR

A gunboat of the Turkish Navy violated Greece’s territorial waters and conducted shots with live ammunition near the islet of Farmakonisi in eastern Aegean Sea. The violation occurred on Friday morning and lasted two hours.

Prior to the exercise, the Turkish general staff had issued a warning (NAVTEX) for sailors and ships. near the islet of Farmakonisi in eastern Aegean Sea. The violation occurred on Friday morning and lasted two hours.

(...)



http://www.keeptalkinggreece.com/2017/02/17/farmakonisi-turkish-gunboat-fires-live-ammunition-shots-in-greece-waters/


Passt wohl auch in den "Neues aus der Türkei"  - Trööt
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« Antworten #1405 am: 17. Februar 2017, 12:07:34 »

Solidarität mit der KKE! Nieder mit den faschistischen Verbrechern und ihren kapitalistischen Hintermännern!


Gerichtsverfahren gegen den kommunistischen Bürgermeister von Patras nach einem Strafantrag der faschistischen Organisation „Chrysi Avgi“

Dem kommunistischen Bürgermeister der Stadt Patras Kostas Peletidis, der am 13. Februar vor Gericht stehen musste, schlägt eine breite Welle der Unterstützung entgegen. Er wird der „Pflichtverletzung im Amt“ beschuldigt, weil er in Umsetzung eines einstimmigen Beschlusses des Stadtrates vom Jahr 2015 die Überlassung städtischer Einrichtungen und Plätze für die Tätigkeit der verbrecherischen Naziorganisation verweigert.

Die Verhandlung gegen den Bürgermeister der viertgrößten Stadt Griechenlands wurde auf den 23. Februar verschoben.

In den frühen Vormittagsstunden des Verhandlungstages versammelten sich vor dem Rathaus Hunderte Menschen, um mit K. Peletidis zu solidarisieren und forderten die Einstellung der Strafverfolgung sowie das Ergreifen von Initiativen in diese Richtung seitens der Regierung und der zuständigen staatlichen Behörden.

Ihre Solidarität mit dem kommunistischen Bürgermeister brachten Hunderte Gewerkschaften, Massenorganisationen, viele Stadtoberhäupter, sowie Stadtparlamente aus anderen Regionen des Landes zum Ausdruck.

Am Verhandlungstag legten die Kommunalbediensteten der Stadt Patras die Arbeit nieder und organisierten eine Solidaritätskundgebung, die sich zu einer kämpferischen Demonstration verwandelte.

Die KKE verurteilte das Verfahren als eine politische Verfolgung seitens der faschistischen verbrecherischen Organisation „Chrysi Avgi“ und beschwerte sich beim Innenminister der SYRIZA-ANEL-Regierung.

Im Link mit einigen Fotos zu sehen

 Wink
Quelle

http://inter.kke.gr/de/articles/Gerichtsverfahren-gegen-den-kommunistischen-Buergermeister-von-Patras-nach-einem-Strafantrag-der-faschistischen-Organisation-Chrysi-Avgi/
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« Antworten #1406 am: 24. Februar 2017, 19:37:32 »

Zitat
dazu: Gläubiger umgehen EU-Recht

Bei ihrem neuen Spar- und Reformdiktat in Griechenland übergehen die Gläubiger offenbar EU-Recht. Denn sie fordern eine Aufweichung des Kündigungsschutzes – und hebeln damit die EU-Sozialcharta aus. […]
Und wie begründet das die EU-Kommission? Ganz einfach: Der Sozialabbau sei sozial, denn andernfalls würde Griechenland endgültig untergehen. Neoliberal ist jetzt sozial.

Quelle:  Lost in Europe via NDS


Sodele, wieder ein herausragender Wert der EU, irgend wann hab ich sie alle beisammen, die Werte.
Und was haben wir heute gelernt, neoliberal ist sozial nach dem Motto "Krieg ist Frieden". Sag mal einer den Verantwortlichen "1984" war als Roman gedacht und nicht als Anleitung.
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« Antworten #1407 am: 25. Februar 2017, 16:51:47 »

Der Versuch, ein Land zugrunde zu richten...

Zitat
Griechenland: Die Wut kocht über – Krankenhausmitarbeiter stürmen Gesundheitsministerium

24.02.2017 • 18:15 Uhr



In Athen haben gestern wütende Krankenhausangestellte versucht, das Gesundheitsministerium zu stürmen. Bei dem Versuch ist es zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Die Angestellten im Gesundheitsministerium mussten sich vor der wütenden Menge verbarrikadieren.

Bei den Krankenhausmitarbeitern handelt es sich größtenteils um Leiharbeiter. Sie werden als Reinigungs- und Küchenkräfte oder Wachpersonal eingesetzt. Sie befürchten, ihre Arbeitsplätze zu verlieren.

Durch die vom IWF aufgesetzten Reformen muss die griechische Regierung harte Sparmaßnahmen umsetzen. Die Renten wurden seit dem Jahr 2011 elf mal gesenkt. Über eine Million Menschen verloren ihren Arbeitsplatz und 40 Prozent der Kinder sind von Armut bedroht. Viele medizinische Einrichtungen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Millionen Menschen haben keine Krankenversicherung.

Das griechische Gesundheitssystem gilt mittlerweile als eines der schlechtesten in ganz Europa.


 

Video:  http://youtu.be/sbnlW_FQ4gw



https://deutsch.rt.com/kurzclips/46934-griechenland-sparma%C3%9Fnahmen/
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Fritz Linow


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« Antworten #1408 am: 20. Juni 2017, 12:51:30 »

Zitat
Schuldenkrise in Griechenland

Deutsche Invest pachtet Hafen von Thessaloniki

Der Hafen von Thessaloniki gilt als Drehkreuz für den ganzen Balkan. Jetzt wird er privatisiert: Ein Konsortium unter deutscher Führung pachtet ihn für die nächsten 40 Jahre. (...)

http://www.spiegel.de/wirtschaft/griechenland-deutsche-invest-pachtet-hafen-von-thessaloniki-a-1152974.html

Der Geschäftsführer von Deutsche Invest Equity Partners GmbH, Alexander-Wilhelm von Mellenthin, holt das nach, worin seine militanten Ahnen so kläglich versagt hatten, zum Beispiel die hier:
Xaver Edmund Karl von Mellenthin, preußischer Offizier
Hans-Joachim von Mellenthin, deutscher Fregattenkapitän
Horst von Mellenthin, deutscher General der Artillerie
Friedrich Wilhelm von Mellenthin, deutscher Generalmajor

Bei der Wahl der Mittel muss man halt mit der Zeit gehen.
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« Antworten #1409 am: 20. Juni 2017, 17:42:24 »

Zitat
Schuldenkrise in Griechenland

Deutsche Invest pachtet Hafen von Thessaloniki

Der Hafen von Thessaloniki gilt als Drehkreuz für den ganzen Balkan. Jetzt wird er privatisiert: Ein Konsortium unter deutscher Führung pachtet ihn für die nächsten 40 Jahre. (...)

Bei der Wahl der Mittel muss man halt mit der Zeit gehen.

Deutschland eben. Die besten... .

MfG

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"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
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« Antworten #1410 am: 21. Juni 2017, 09:16:05 »

Deutschland eben.

Mich ärgert dieser lapidare Spruch, denn er läßt die Recherchen von Fritz untergehen, als wären sie unbedeutend.
Ich verstehe ja, daß man sich gelegentlich über die deutsche Dummkultur und Unkultur auskotzen muß.

Aber hier hat Fritz etwas in wenigen Zeilen auf den Punkt gebracht, was die deutsche und europäische Griechenlandpolitik ausmacht.
Und die Zeilen haben es in sich.

Wir sollten nicht vergessen, die USA haben die Sklaverei nie aufgearbeitet, Frankreich und Großbritannien ebensowenig ihren Kolonialismus.

In den USA sind nicht nur die alten Sklavenahlterclans weiterhin in Machtpositionen, Jahr für Jahr werden hunderte Afroamerikaner von der Polizei erschossen, ohne daß die Beamten dafür zur Rechenschaft gezogen werden. In keinem Land der Welt sitzt ein so großer Teil der Bevölkerung im Knast, die Insassen sind mehrheitlich Farbige und das Knastsystem ist ein privatisiertes Arbeitslagersystem.

Frankreich und Britannien sind weiter in ihren Ex-Kolonien aktiv auf widerlichste Art und Weise. Was man damals Kolonialismus genannt hat, hieß dann Imperialismus, heute geht viel von dem als Globalisierung durch.

Wenn man mit dieser blutgetränkten Geschichte wirklich brechen will, muß man die alten Machtstrukturen angreifen und auflösen. Davon kann nirgendwo die Rede sein. Es scheint sogar, es gibt eine Renaissance der alten Machtverhältnisse und versucht immer weniger zu verheimlichen, daß man sich weiter wie die Sklavenhalter und Kolonialherren aufführt.

In Deutschland ist man so stolz auf seine Aufarbeitung des Faschismus. Es ist auch richtig, daß es beachtlich ist, was, angestoßen durch die 68er Bewegung, alles an die Oberfläche gebracht worden ist. Einiges hatte sogar praktische Konsequenzen. Ja, wir können stolz darauf sein, daß hier viel mehr bewegt wurde als in Spanien oder Italien. Dort hat man noch nicht einmal den ernsthaften Versuch unternommen, den eigenen Faschismus aufzuarbeiten.

Wir können uns aber nicht auf einer Aufarbeitung des Faschismus ausruhen, denn es hat in der Beziehung hier nur einen ersten Schritt gegeben. Der Faschismus lebt in den herrschenden Strukturen weiter. Der deutsche Innenminister ist ein Sproß eines Militaristen- und Faschistenfamilienclans. Die EU wird allmählich zu einem großdeutschen Reich und die Griechenlandpolitik ist, wie Fritz so treffend festellte, die Umsetzung von Hitlers Plänen, nur mit zeitgemäßen Mitteln.

Ein gutes Mittel gegen diese Politik wäre eine wirkungsvolle Griechenlandsolidarität.



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« Antworten #1411 am: 21. Juni 2017, 21:08:23 »

Solidarität mit Griechenland ist mehr als wünschenswert und selbstverständlich.

Wenn es jemanden ärgert, dass satirische Interpunktion und  bewusst eingesetzte Gross‐ und Kleinschreibung verwendet werden, wie bei

„Die besten... .“ statt „Die Besten.“, dann ist es halt so.

Ein „lapidarer Spruch“ sieht anders aus,  nur ganz am Rande.


MfG

BGS



« Letzte Änderung: 21. Juni 2017, 21:18:40 von BGS » Gespeichert

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« Antworten #1412 am: 20. Juli 2017, 09:10:52 »

Zitat
EU bricht Versprechen bei Wasser-Privatisierung (II)

Damals hatte die Initiative „Right to Water“ die EU mit fast zwei Millionen Unterschriften unter Druck gesetzt. Daraufhin zog die Kommission die so genannte Konzessions-Richtline teilweise zurück. Doch das “Recht auf Wasser” gilt immer noch nicht – jedenfalls nicht unter dem Regime der Gläubiger. Nun soll die griechische Regierung Wasserwerke in Athen und in Thessaloniki privatisieren. Die Kritiker fürchten, dass in Griechenland ein Präzedenzfall geschaffen werden soll, um privaten Konzernen doch noch Zugang zum Wassermarkt zu verschaffen.
Quelle: Lost in Europe

Via NDS


Griechenland ist die neoliberale EU-Hure, da darf sich jeder mal bedienen.
Es ist mehr Vorsicht denn je geboten wenn unbeliebte EU-Vorgaben von Bürgern abgewendet wurden, ist ein bißchen wie gefeierte/beklatschte Politikerrücktritte, der Nachfolger wartet schon, und er ist nur der politische Zwilling der prinzipiell weiter macht wie sein Vorgänger. Alternativlosigkeit lässt nun mal nichts anderes zu.
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« Antworten #1413 am: 29. Dezember 2017, 12:33:08 »

Bei allen Katrastrophen dieser Welt, ist Griechenland fast vom Radar verschwunden.

Ein schöner Artikel erinnert an die Katatastrophe europäischer Wirtschaftspolitik:

Zitat
Arbeiten für nichts
Griechenland. Trotz eines leichten Wachstums sind Armut und Sorge überall greifbar

Vera Deleja-Hotko



Die Berliner und Brüsseler Sparpolizei ist hier möglicherweise mit gemeint

Auf den Marmorplatten des Syntagma-Platzes vereint sich Athen. Zur Diskussion, zur Demonstration, zum Streik. Und blickt, den Kopf in den Nacken gelegt, auf das Parlament. Der Regierungssitz selbst schaut starr in den Westen der Stadt. Dort, wo es den Anschein hat, als würde die restriktive Sparpolitik der letzten Jahre Früchte tragen. Nobelboutiquen und Restaurants öffnen ihre Pforten. Die Fußgängerzone ist gefüllt mit Menschen, die in der einen Hand eine Einkaufstasche und in der anderen einen Pappbecher mit Eiskaffee tragen. Abends werden die Schaufenster durch Rollläden verhüllt und davor Schlafsäcke ausgerollt.

Dominierte Griechenland bis vor zwei Jahren die Schlagzeilen hiesiger Zeitungen, wird mittlerweile wenig darüber berichtet. Es werde besser, heißt es. Doch die von Brüssel und Berlin auferlegte Sparpolitik zehrt weiter an den Kräften. Vor allem an der einstigen Mittelschicht. Laut Eurostat sind 35,6 Prozent der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Durch höhere Steuern und gekürzte Löhne bleibt für viele die Finanzierung des Alltags eine existenzielle Frage. Mancher lebt vom Ersparten oder vom Erlös aus dem Verkauf von Besitztümern. Aber auch diese Reserven schwinden. Das grobmaschige Netz des Sozialstaates fängt die Menschen nicht mehr auf, deswegen gehen einige von ihnen einen anderen Weg.

„Wir haben die linkeste Regierung in Europa, und nicht mal die ist links“, sagt Penelope. Sie demonstriert vor dem Sozialministerium gegen die erneute Kürzung der Renten. Vor gut zwei Jahren versprachen Alexis Tsipras und seine Linksallianz Syriza, man wolle Schluss machen mit der „Barbarei des Spardogmas“. Ihn beflügelte die Vision, das Milliardenloch in der Haushaltskasse, das seine Vorgänger hinterlassen hatten, zu versiegeln. Er versprach wieder mehr Sozialleistungen, angemessene Löhne und Renten. Als Tsipras Anfang 2015 bei vorgezogenen Parlamentswahlen den konservativen Antonis Samaras (Nea Dimokratia) ablöste, wurde er als Hoffnungsträger gefeiert. Knapp drei Jahre im Amt unter den EU-Auflagen haben auch ihn zermürbt und an Zuspruch verlieren lassen.

Penelope in Wut

Um sich einen Moment auszuruhen, hat sich Penelope in einer Seitenstraße auf eine Türschwelle gesetzt. Im weißen Haar der 62-Jährigen steckt eine Brille, die an einem Band hängt. Damit sie nicht auf den Boden fällt, wenn sie sich nach vorn beugt oder ein Polizist sie in Gewahrsam nimmt. Am Ende der Demonstration stehen Busse mit vergitterten Fenstern für einen eventuellen Abtransport ins Gefängnis.

Ab und an schlängeln sich junge Griechen an den Protestierenden vorbei, ohne ihnen groß Beachtung zu schenken. Blockaden und Streiks gehören so lange schon zum Alltag. Als Anstoß ihrer Protestkultur erinnern viele Griechen den 6. Dezember 2008, als ein Polizist dreimal auf Alexandros Grigoropoulos schoss, einen 15-Jährigen. Augenzeugen sprachen von gezieltem Mord nach einer verbalen Auseinandersetzung – die Behörden von verirrten Warnschüssen. Zehn Tage lang gingen Autonome, Rentner, Arbeitslose, Akademiker und Jugendliche auf die Straße, um sich gemeinsam gegen die Gewalt der Polizei zu wehren.

Die andauernde Krise sei schlecht für die Menschen, meint Penelope, aber gut für den Zusammenhalt. Mit dem Rücken lehnt die zierliche Dame an einer Eisentür, dem Nebeneingang einer Bank. Ein Mann in Anzug und Krawatte öffnet die Tür. Obwohl Penelope ihn bittet, abzuwarten, bis sie aufgestanden sei, schiebt er sie mit einer brüsken Bewegung beiseite. Sie schüttelt den Kopf. Auf der einen Straßenseite die Bank, auf der anderen das Sozialministerium. Penelope findet, genau hier sei sie richtig mit ihrer Wut, schließlich bekommen sie inzwischen nur noch halb so viel Rente wie bei Ausbruch der Verschuldungskrise 2010, derzeit knapp 800 Euro, die in zwei Jahren noch einmal um neun Prozent schrumpfen sollen. Mit dieser Pension wird nicht allein ihr Leben, sondern teils auch das ihrer Kinder und Enkel bestritten. „Wir müssen die nächste Kürzung verhindern“, sagt sie und reiht sich wieder ein in den Zug der über 60-Jährigen. In einer Hand ein Banner, in der anderen den Gehstock.

Die Familien sind enger zusammengerückt, emotional, vor allem räumlich. Eine Rente muss oft für einen Vier-Personen-Haushalt reichen, wenn weiterhin gut 22 Prozent der Griechen ohne Arbeit sind. Bei den jungen Erwachsenen liegt die Quote gar bei fast 43 Prozent. Ein Jahr kann Arbeitslosengeld bezogen werden, danach ist man auf sich allein gestellt. So etwas wie Sozialhilfe gibt es in Griechenland nicht. Wer einen Job hat, verdient oft nur drei Euro pro Stunde, weniger oder gar nichts.

„Es ist normal geworden, dass man die ersten Monate gratis arbeitet“, sagt Kelly Fanarioti. Danach sei freilich mitnichten garantiert, dass monatlich der Lohn überwiesen wird. Die 30-Jährige ist Journalistin, wuchs in der Stadt Agrinio im Westen Griechenlands auf und lebt seit zwölf Jahren in Athen. Als sie 2010 ihr Studium abschloss und auf eigenen Beinen stehen wollte, war der Arbeitsmarkt gerade zusammengebrochen. Ihre Miete sank, der Lohn auch. In ihren Texten schreibt Kelly über die Erfahrungen junger Erwachsener, die zu einer Zeit in das Arbeitsleben einsteigen wollten, als es deutlich weniger Stellenangebote gab. Kelly atmet tief durch, nimmt einen Schluck von ihrem Café frappé und rutscht an die Kante des Stuhls. „Ich bekomme so viele E-Mails von Jugendlichen, die an Selbstmord denken. Sie wissen einfach nicht mehr, wie sie ihr Leben finanzieren sollen.“ Besonders kurz vor dem Winter. Die Mehrheit der Haushalte habe keine Heizung oder nehme sie nicht in Anspruch wegen der Preise für Öl und Strom, sagt Kelly. Sie könne ihre Klimaanlage nutzen, um zu heizen. Doch reiche das kaum. An kalten Wintertagen trage sie zwei Pullover. „Meine Generation ist eine verlorene Generation.“ Sie werde dennoch in Griechenland bleiben, auch wenn viele ihrer Freunde dem Land bereits den Rücken gekehrt hätten.

Während sich ein Teil der Bevölkerung an den letzten Strohhalm klammert, geht der andere auf Shoppingtour auf dem Immobilienmarkt. Oft bleiben die erworbenen Häuser oder Apartments unbewohnt, aber die Menschen, die auf der Schwelle liegen und ohne Obdach leben, werden stetig mehr. Unter diesen Umständen ist die Hausbesetzer-Szene erstarkt, die leerstehende Gebäude für die Gestrandeten in Beschlag nimmt. Man agiert in kleinen Gruppen, die sich selbst verantworten und durch eigene Ressourcen unterhalten. Zwölf Häuser in Athen wurden als Unterkunft für Geflüchtete besetzt. Darunter das bekannte Hotel City Plaza. Andere Orte wurden zu Hospitälern, Zahnarztpraxen und Gemeinschaftsräumen. Eine autonome Gesundheitsversorgung ist essenziell, wenn die staatliche an ihre Grenzen stößt, öffentliche Krankenhäuser überfüllt und Ärzte überlastet sind. Auf die Frage, wo man am besten hingehe, wenn man krank werde, lautet die Antwort, dass man einfach nicht krank werden dürfe. Nach einem Jahr ohne Arbeit erlischt die Krankenversicherung. Wer dann zum Arzt geht, muss dafür selbst aufkommen.

Laborratte des Kapitalismus


So wie der 53-jährige Konstantinos: Vor acht Jahren büßte er Job und Wohnung ein, zog zu seiner Mutter, scannte Stellenangebote und kassierte vier Jahre lang Absagen. Bereits nach zwölf Monaten bekam er kein Arbeitslosengeld mehr. Also ging er auf den Markt und fragte die Händler, ob sie ihm nicht eine Tomate, Gurke oder Aubergine schenken könnten. Als Gegenleistung würde er sie zum gemeinsamen Mahl einladen – es kamen gut 60 Personen. Mittlerweile kocht Konstantinos in Athen für täglich fast anderthalbtausend Menschen, für Obdachlose und Nicht-Obdachlose, Griechen und Nicht-Griechen, Kinder und Zufallsgäste. Nur nicht für Faschisten, das seien keine Menschen.

„Es gibt immer einen Weg“, heißt es in griechischen Sprichwörtern. An dieser trügerischen Gewissheit hält sich mancher fest und verschleiert seine Not, sei es in der Gemeinschaft oder allein. Die Regierung hofft, dass der Staat ab August 2018 wieder auf eigenen Beinen steht, ohne Notgelder aus den Finanzfonds der Euro-Länder. Um dies zu erreichen, braucht es einen wirtschaftlichen Aufschwung und höhere Steuereinnahmen.

Fällt der Name Tsipras macht Konstantinos eine abfällige Bewegung mit der Hand und beginnt zu lachen, so dass seine Zähne hinter dem dichten Bart zum Vorschein kommen. Er glaube nicht daran, dass sich so schnell etwas ändert. Deswegen werde sein Projekt weiter gebraucht, finanziert durch Kleinspenden. „Wer etwas hat, der wirft ein paar Euro in die Sammelbüchse. Wem das nicht möglich ist, der darf trotzdem bleiben.“ Von NGOs hält er wenig, auch wenn ihm einige schon mehrfach Hilfe angeboten haben, doch will Konstantinos weder Spenden noch Auszeichnungen. Er handle nicht, um Anerkennung zu finden, sondern weil er keine andere Wahl habe. „Ohne mein Projekt bliebe mir nur ein Leben auf der Straße. Griechenland ist nun einmal eine Laborratte des Kapitalismus – eine, die fast schon gestorben ist.“
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/arbeiten-fuer-nichts
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« Antworten #1414 am: 04. Januar 2018, 17:28:05 »

Zitat
Griechenland: Fraport macht Millionenprofit
So macht Kapitalismus Spass

Gewinne schon mit dem ersten "guten Tag" verzeichnet die Bilanz der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport für die 14 profitablen, von ihr 2016 zum Schnäppchenpreis von knapp 1,2 Milliarden Euro erworbenen, griechischen Regionalflughäfen.




 Die Wirtschaftsdaten des Konzerns weisen, laut einem Artikel der genossenschaftlichen Athener Tageszeitung Efimerída ton Syntaktón vom 4.11.2017, für die ersten neun Monate des Jahres einen Umsatz von ca. 180 Millionen Euro für die erst im April 2017 übernommenen Flughäfen aus. In den ersten sechs Monaten seit der Privatisierung brachten die Flughäfen der Fraport einen Gewinn von 108 Millionen Euro, was ungefähr ein Achtel des Gesamtgewinns des Konzerns von 808 Millionen Euro darstellt.

Der Gesamtumsatz der von Fraport betriebenen Flughäfen wird sich laut Aussage von Fraport-Chef Stefan Schulte in diesem Jahr auf ca. 2,9 Milliarden Euro belaufen.

"Wut und intensive politische Fragestellungen rufen die Riesengewinne der Fraport hervor", betont die Vereinigung der Luftfahrtsangestellten (OSYPA), die sich vehement gegen die Privatisierung der gewinnträchtigen Flughäfen gewehrt hatte. In ihrer Erklärung unterstreicht OSYPA, dass die Profite eingefahren wurden, "ohne dass Fraport mit der Aufwertung der Flughäfen auch nur begonnen hat".

Der umstrittene Deal war Ende 2014 von der damaligen Néa Dimokratía-Pasok-Regierung eingefädelt und trotz gegenteiliger Ankündigungen von der jetzigen Syriza-Anel-Regierung 2016 unterschrieben worden. In dem Vertragswerk wird Fraport von den massgeblichen Steuerzahlungen in Griechenland befreit. Darüber hinaus verpflichtet sich der griechische Staat, den Konzern bei etwaigen Streiks und Arbeitskämpfen des Flughafenpersonals für entgangene Gewinne zu entschädigen. Bei zukünftigen tödlichen Arbeitsunfällen auf den Flughäfen sollen die Angehörigen der Getöteten nicht etwa von Fraport, sondern ebenfalls vom griechischen Staat entschädigt werden.

Schluss mit lustig - Polytechnikumsbesetzung 2017

Am 15. November 1973 besetzten aufständische Student*innen und Arbeiter*innen das Polytechnikum in Athen und riefen die Bevölkerung über einen Piratensender zum Widerstand gegen die Obristendiktatur auf. In der Nacht des 17. November stürmte die Armee mit Panzern das besetzte Universitätsgelände und ermordete viele Besetzer*innen. Im Sommer 1974 stürzte die Junta. Die seither stattfindenden jährlichen Gedenkfeierlichkeiten vom 15. bis 17. November sind bis heute politisch umkämpftes Terrain. Wir dokumentieren hier die Erklärung der anarchistischen Besetzer*innen von 2017:

"Die Erinnerung betrachtet den Terror und die Heuchelei der Herrschenden mit Wut. Die Knochen der Toten ertragen es nicht unter Blumen begraben zu werden, die noch am selben Abend verfaulen. Sie warten auf die Umarmung neuer Aufständischer, die sie zu neuem Leben erwecken.

Heute, am 15. November 2017 haben wir das Polytechnikum besetzt um die Revolte, die an vielen Orten der Erde erneut heranwächst, auf die Tagesordnung zu setzen. Die Gründe dafür finden sich an jedem einzelnen Punkt der uns durch Staat und Kapital aufgezwungenen Harmonie und ihres Friedens. (...) Es ist die Armut, die zur Regel wird, damit ihr Ausbeutungssystem weiterbestehen kann. Es ist die polizeiliche Besatzungsarmee und ihr chemischer Krieg, es sind ihre automatischen Waffen und ihre gepanzerten Jeeps. Es sind die Entführungen, ihr Terror und die Verhöre, die sie vorläufige Festnahmen nennen. Es sind die Knäste ihrer Bestrafungsmaschinerie (...). Es sind die Barrieren im öffentlichen Nahverkehr, die elektronische Kontrolle überall. Es ist das Exil der Flucht, die Verbannung der Sammellager, die Verbannung der Abschiebungen. Es sind die Folterungen, die gebrochenen Beine und Arme, es sind die Toten und die Kälte und die Krankheiten in den Polizeiwachen. Es sind die Folterungen der Fremdenpolizei in der Pétrou-Rálli-Strasse und im Hotspot Mória. Es ist die Treibjagd auf die gefangenen Kämpfer*innen, die Antiterrorgesetze, die Verurteilungen zu Jahrzehnten Knast, die politisch geförderte DNA-Alchimie (...).

Es ist die Mode, die empfiehlt unsere Körper nach den Massen der Konzerne auszurichten, es ist die Zwangsprostitution, die tägliche legalisierte Vergewaltigung und die Aburteilung von Gegengewalt zur Verteidigung.

Diese Besetzung, so wie jede Konfrontation mit dem Regime, zerrt den herrschenden Krieg ans Tageslicht. Sie versuchen mit allen Mitteln die gesellschaftliche Realität derjenigen zu verstecken, die vernichtet werden sollen weil sie sich wehren, die vernichtet werden sollen, weil schon ihre Existenz für illegal erklärt wird. Wir akzeptieren es nicht unsichtbar zu leben. Wir akzeptieren es nicht, unser Sein und unser Überleben zu verhandeln. Wir akzeptieren dieses bürgerliche Theater nicht, sind jedoch Teil des Krieges, den Staat und Kapital uns erklärt haben - mit unseren Grundsätzen, ohne Hegemon, in direkter Aktion.

Sie haben eine unter der glatten Oberfläche versteckte Hölle erschaffen, die wir nun ans Tageslicht befördern werden, damit endlich alle Stellung beziehen müssen. Schluss mit der bequemen Unentschlossenheit, Schluss mit dem Vertagen auf morgen. Wieviel Tod, wieviel Wegsperren braucht eine Gesellschaft, um sich ihr absolutes Scheitern in Bezug auf die Freiheit einzugestehen (...)?

Von historischer Bedeutung zur Vergegenwärtigung ist die Rolle der Linken (...).

In ihrem Glauben an den Staat als Werkzeug im Kampf, schlägt die Linke immer im allerletzten Moment, kurz vor dessen Zusammenbruch und der Zuspitzung des Kampfes, Brücken zum System.

Wenn sie es dann nach oben geschafft hat, das erwünschte Stück Macht errungen und ihr die Legalisierung angeboten ist, wird sie zu Fleisch und Blut des selben alten Regimes, das sie bisher bekämpft hatte. Sie bezeichnen den bürgerlichen Frieden als Errungenschaft dieses Kampfes. Setzen wir also keine falschen Hoffnungen in die linken Märchen.

Speziell beim Gedenken an den Polytechnikums-Aufstand hat die Linke auf dem Rücken der Toten ihre Festungen erbaut und die Revolte selbst viele Male den Kräften des Regimes ausgeliefert (...).

Immer dann, wenn der Zusammenstoss mit den Repressionskräften unausweichlich war, um verlorenen Boden gutzumachen, hat die Linke den Rückzug im Namen der fehlenden gesellschaftlichen Legitimität gewählt.

Erst recht die KKE, die in vielen Fällen brutale Gewalt gebrauchte, um Revolten niederzuschlagen. Die ganze bürgerliche Klassengesellschaft und speziell die rechtsradikalen Parteien haben ihr ihre Bewunderung und Dankbarkeit für diesen ausgezeichneten Dienst als Wächter des Regimes ausgedrückt.

Die KKE, die seit Jahrzehnten die Geschichte des Aufstands des Polytechnikums verschachert, glänzte während der Revolte im November 1973 mit Abwesenheit. Sie bezeichnete die Besetzer*innen des Polytechnikums als Provokateure, sogar noch die Toten, deren Tod sie seitdem ordinär versucht für sich zu monopolisieren. (...)

Die KKE, deren Leichenfledderei nicht einmal die Widerstandskämpfer in Frieden ruhen lässt, die sie selbst entwaffnete.

Aus all diesen Gründen haben wir uns entschlossen dem Verschachern des Aufstands ein Ende zu setzen und das Fest der Parteien unmöglich zu machen. Wir werden ein Verfahren verhindern, dass es Ministern, Ministerpräsidenten und anderen ermöglicht, abgeschirmt hinter den schwerbewaffneten Faschisten der griechischen Polizei, Gedenkkränze niederzulegen. Menschen einer Regierung, die, nachdem sie grosse Teile verschiedener Bewegungen methodisch aufgesaugt und entwaffnet hat, vergeblich versucht die Gemeinschaften der Revoltierenden zu zerschlagen.

Die Forderung bleibt die gleiche. Aufstand hier und jetzt. Nieder mit der Macht." (...)


Ralf Dreis / Artikel aus: Graswurzelrevolution Nr. 424, Dezember 2017, www.graswurzel.net
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« Antworten #1415 am: 10. Januar 2018, 19:39:45 »

Zitat
Griechenland
Demonstranten stürmen Büro der Arbeitsministerin

Demonstranten haben in Athen das Arbeitsministerium gestürmt und sind bis in das Büro von Ministerin Achtsioglou gelangt. Dort brüllten sie die zu dem Zeitpunkt anwesende Politikerin an.


Aus Protest gegen eine geplante Einschränkung des Streikrechts in Griechenland haben Demonstranten am Dienstag das Arbeitsministerium gestürmt. Rund 50 von ihnen gelangten bis in das Büro von Arbeitsministerin Effie Achtsioglou und riefen „Schämen Sie sich”, wie ein Augenzeuge berichtete. Vor dem Gebäude im Zentrum Athens hatten sich zuvor insgesamt rund 500 Demonstranten versammelt, die Verbindungen zu einer kommunistisch orientierten Gewerkschaftsgruppe haben.

Ihr Protest richtete sich dagegen, dass die linke Regierung noch am Dienstag Arbeitsrechtsreformen im Sinne von Griechenlands internationalen Geldgebern EU und IWF auf den Weg bringen sollte.
http://www.deutschlandfunkkultur.de/streik-bei-amazon-dgb-chef-hoffman-will-bald.2165.de.html?dram:article_id=407219
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« Antworten #1416 am: 11. Januar 2018, 10:18:33 »

https://www.handelsblatt.com/politik/international/griechenland-demonstranten-stuermen-buero-der-arbeitsministerin/20830224.html
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« Antworten #1417 am: 11. Januar 2018, 12:09:36 »

Und hier aus SPON

Türkische Soldaten in Griechenland
Wenn Erdogans Gunst wichtiger ist als das Menschenrecht
Mit allen Mitteln versucht die griechische Regierung, türkischen Soldaten Asyl zu verwehren. Offenbar sollen die Rechte der Männer geopfert werden, um Erdogan zu besänftigen.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/griechenland-will-asyl-fuer-tuerkischen-soldaten-verhindern-a-1187057.html

Da sieht man wieder,daß die KKE von Anfang an Recht hatte und die Leftiespinner den Verrat in sich tragen.Ähnliches wäre auch von der Linkspartei zu erwarten.Überall wo sie mitreGIERten verrieten sie ihre Wähler.!Der lange Weg der Opportunisten führt in den Arsch der Kapitalisten!!
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« Antworten #1418 am: 11. Januar 2018, 13:36:28 »

Rappel, du stehst wohl auf vereinfachende Weltbilder.
...daß die KKE von Anfang an Recht hatte und die Leftiespinner den Verrat in sich tragen.

Ich bin auch kein Syriza- oder Tsipras-Fan. Aber die KKE für die Lösung aller Probleme zu halten, ist albern.
Die KKE hält sich selbst für allwissend und ist nicht bereit zu Bündnissen oder einem breiten Widerstand aus der Bevölkerung und trägt so zu Spaltungen von Protest und Widerstand bei.
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« Antworten #1419 am: 11. Januar 2018, 14:52:32 »

Hat sich die KKE nicht damals sogar auf die Seite der alten Regierung gestellt?
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
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« Antworten #1420 am: 11. Januar 2018, 15:33:38 »

Kuddel hat natürlich recht-ich liebe mein einfaches Weltbild...das macht es nun mal einfacher Grin


Über die Positionen der KKE kann man sich deutschsprachig in diesem Link gut informieren.
Sie selber und die kommunistische PAME organisieren sehr viel.Wir wären froh wenn in dieser brd nur die Hälfte an Widerstand stattfinden würde.

http://de.kke.gr/de/firstpage/

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« Antworten #1421 am: 12. Januar 2018, 20:49:35 »

Zitat
Ärger um Streikrecht
Streikwelle überrollt Griechenland

Mit Streiks und Protestkundgebungen wehren sich die griechischen Gewerkschaften gegen das jüngste Reform- und Sparpaket der Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras. Am Donnerstag versuchten aufgebrachte Demonstranten, das Finanzministerium in der Athener Innenstadt zu stürmen.




Athen. Am Freitag werden in Athen die U-Bahn, Straßen- und Vorortbahnen bestreikt. Wegen eines Ausstands der Seeleute bleiben auch die Fähren in den Häfen. Dadurch wird die Versorgung zahlreicher Inseln unterbrochen. Der Ausstand gilt zunächst für 24 Stunden, die Matrosen-Gewerkschaft hat aber bereits eine mögliche Verlängerung angedeutet. Für den kommenden Montag, wenn das Parlament über die Maßnahmen abstimmen soll, sind weitere Streiks im öffentlichen Dienst angekündigt. Davon wird auch der Flugverkehr betroffen sein: Die griechischen Fluglotsen wollen am Montagmittag für vier Stunden die Arbeit einstellen. Für den Nachmittag planen die Gewerkschaften eine große Protestkundgebung vor dem Parlamentsgebäude am Athener Syntagmaplatz.

Der 399 Artikel und mehr als 1500 Seiten umfassende Gesetzentwurf, über den die Abgeordneten im Eilverfahren beraten und abstimmen, soll den Weg zur Auszahlung weiterer Kreditraten ebnen. Auf Druck der internationalen Gläubiger muss Griechenland dazu weitere Reformen und Sparmaßnahmen umsetzen. So gibt es Kürzungen beim Kindergeld und anderen Zulagen. Zu den umstrittensten Regelungen gehört eine Änderung des Streikrechts. Danach müssen künftig mindestens 50 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder in einer Urabstimmung zustimmen, bevor ein Streik ausgerufen werden kann. Bisher reichten 20 Prozent. In vielen Fällen konnten auch die Gewerkschaftsvorstände nach Gutdünken Arbeitskämpfe ausrufen.

Änderung des Streikrechts sorgt für Unmut

Die Gewerkschaften laufen Sturm gegen die neue Regelung. Mitglieder des kommunistischen Gewerkschaftsbundes Pame brachten am Donnerstag am Weißen Turm von Thessaloniki, dem Wahrzeichen der nordgriechischen Stadt, ein großes Transparent an: „Regierung, EU, Kapital: Hände weg vom Streikrecht!“ Bereits am Mittwoch hatten Pame-Mitglieder in Athen den Amtssitz von Ministerpräsident Tsipras belagert.

Am Donnerstagabend versuchten Demonstranten des kommunistischen Gewerkschaftsbundes, das Finanzministerium in der Athener Innenstadt zu stürmen, wurden aber von Polizeieinheiten zurückgehalten. Bereits am Mittwoch hatten Gewerkschafter versucht, ins Arbeitsministerium einzudringen. Der Gewerkschaftsbund GSEE appellierte in einer Erklärung an die Abgeordneten des Parlaments, „ihrer Verantwortung gerecht zu werden“ und gegen das Gesetzespaket zu stimmen. Auch im regierenden Linksbündnis Syriza gibt es erhebliche Widerstände. Finanzminister Euklid Tsakalotos erklärte im Parlament, er sei gegen die Änderung der Streikgesetze. Die Regierung habe sich aber gegenüber den Gläubigern nicht durchsetzen können.
http://www.neuepresse.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/Streikwelle-ueberrollt-Griechenland
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« Antworten #1422 am: 13. Januar 2018, 09:46:56 »

Aus: Ausgabe vom 13.01.2018, Seite 7   / Ausland

Generalstreik gegen Athen
Am Freitag wurde in Griechenland erneut in vielen Städten die Arbeit niedergelegt. Am Montag soll das Streikrecht eingeschränkt werden

Von Elisabeth Heinze, Thessaloniki



Die gegen die Einschränkung des Streikrechts Protestierenden geraten am 12. Januar mit Einsatzkräfte vor dem ­Parlamentsgebäude aneinander
Foto: Alkis Konstantinidis/REUTERS
Die kommunistisch orientierte Gewerkschaftsfront PAME hatte für Freitag erneut zu einem landesweiten Generalstreik aufgerufen. Betroffen waren unter anderem die Athener U-Bahn und Straßenbahnen. Auch die Fähren blieben für 24 Stunden in den Häfen. Die Fluglotsen wollen sich am Montag anschließen. Dann könnten weitere Arbeitsniederlegungen im Öffentlichen Dienst folgen. Auslöser ist ein Gesetzesbündel, über das am Montag im Athener Parlament abgestimmt wird: Darin enthalten ist ein Entwurf, der das Streiken künftig erschweren soll. Das Aufbegehren ist groß, schließlich könnte es sich um einen der letzten großen, kurzfristig ausgerufenen Ausstände handeln.

Der geplanten Änderung zufolge müssen künftig mindestens 51 Prozent der regelmäßig zahlenden Gewerkschaftsmitglieder einem Streik zustimmen und bei der Abstimmung auch anwesend sein. Bislang ist die absolute Mehrheit nötig, und es genügt die Anwesenheit von einem Drittel der Mitglieder, im Falle einer zweiten und dritten Abstimmungsrunde sogar von 20 Prozent.

Die griechischen Gewerkschaften haben diese Woche deshalb in mehreren Städten demonstriert. In der Hauptstadt war es Protestierenden am Mittwoch gelungen, in das Arbeitsministerium einzudringen. Der Versuch, das Finanzministerium zu stürmen, scheiterte. In Thessaloniki wurde am Wahrzeichen der Stadt, dem Weißen Turm, ein Transparent mit der Aufschrift »Regierung, EU, Kapital: Hände weg vom Streikrecht« angebracht. Den Hintergrund für das Gesetz bilden Kreditprogramme für den Abbau der griechischen Staatsverschuldung. Insofern ist die neu installierte Hürde durchaus ein bürokratisches Stöckchen aus Berlin beziehungsweise Brüssel. Im August endet der laufende Kredit der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank, des Internationalen Währungsfonds und des Europäischen Stabilitätsmechanismus. Bis dahin soll der Weg für die finanzpolitische Unabhängigkeit des Landes frei gemacht werden. Die Änderung des Streikrechts ist Teil von 60 Forderungen der Gläubiger, die bis zum Frühjahr umgesetzt werden sollen.

Finanzminister Efklidis Tsakalotos von der regierenden Partei Syriza hob die Abhängigkeit der Regierung von internationalen Geldgebern hervor: »Das ist keine gute Maßnahme und nichts, was wir uns ausgesucht hätten.« Dennoch sei die neue Regelung »keine Katastrophe«.

Die Befürworter hingegen weisen darauf hin, dass die negativen Auswirkungen der Streiks meist »die Falschen« träfen. Wenn beispielsweise in der Tourismushochsaison die Fähren stillstehen, würde das auch die Inselbewohner vom Festland abschneiden. Außerdem heißt es, mit der Maßnahme werde das innergewerkschaftliche Engagement der Streikwilligen gestärkt. Die absolute Mehrheit stellt mitunter aber auch ein logistisches Problem dar. Darauf wies ausgerechnet die konservative Nea Dimokratia (ND) hin. Gewerkschaften, die landesweit agieren, hätten es in der Praxis schwer, die Hälfte der beitragszahlenden Mitglieder zu einem konkreten Abstimmungstermin zu bewegen.

Die griechischen Demonstranten, die am Mittwoch ins Büro der Arbeitsministerin Effie Achtsioglou eingedrungen waren, machten klar, welche Bedeutung das Streikrecht für sie hat: »Unsere Vorfahren haben ihr Blut geopfert«, sagte ein Gewerkschafter Medienberichten zufolge. Dennoch wird das Gesetz aller Wahrscheinlichkeit nach am Montag mit knapper Mehrheit im Parlament durchkommen.

Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/325206.generalstreik-gegen-athen.html#

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Zu einer kämpferischen Aktion vor dem Sitz des Ministerpräsidenten kam es am Vormittag des 10. Januar als viele Vertreter von Gewerkschaften des privaten und öffentlichen Sektors, die sich in der PAME zusammenschließen, die Regierung aufforderten, diesen ungeheuerlichen Gesetzesentwurf zurückzunehmen

VIDEO

https://www.youtube.com/watch?v=ESsmn7cI5Ns&feature=youtu.be

Mehrere Berichte über die letzten Tage mit einigen Videos HIER

Vielfältige kämpferische Aktivitäten der Gewerkschaften gegen die volksfeindliche Politik


https://inter.kke.gr/de/articles/Vielfaeltige-kaempferische-Aktivitaeten-der-Gewerkschaften-gegen-die-volksfeindliche-Politik/
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« Antworten #1423 am: 14. Januar 2018, 10:07:00 »

Aus: Ausgabe vom 13.01.2018, Seite 7   / Ausland

Generalstreik gegen Athen
Am Freitag wurde in Griechenland erneut in vielen Städten die Arbeit niedergelegt. Am Montag soll das Streikrecht eingeschränkt werden

Von Elisabeth Heinze, Thessaloniki

...

Auslöser ist ein Gesetzesbündel, über das am Montag im Athener Parlament abgestimmt wird: Darin enthalten ist ein Entwurf, der das Streiken künftig erschweren soll. Das Aufbegehren ist groß, schließlich könnte es sich um einen der letzten großen, kurzfristig ausgerufenen Ausstände handeln.

...


Ich hoffe, das es der griechichen Regierung nicht gelingt, Gesetze zur Einschränkung von
Streikrechten durch zu setzen.

Es ist doch immerhin besser, das Menschen ihre Kritik und Ärgernisse durch Protest und
Streikformen zum Ausbruck bringen können, statt durch Gesetze denen ein Drecksverband
auf dem Mund und ihrer Beweglichkeit zu verpassen.

In anderen Ländern ist Streik und Protest soweit eingeschränkt oder gar verboten, das
Ärgernisse wie im Schnellkochtopf, beheizt von Ausbeutertum und "Korruption", vor sich
aufkochen, bis der Pott in die Luft geht und es auf der Straße richtig kracht.

Manchmal habe ich den Eindruck, das Herrschende keine Ruhe haben wollen, sondern
lieber "Kriegsähnliche" Dinge provozieren wollen, um so über die eigendlichen Interessen
von Protestlern vorbei zu reden und nach mehr Sicherheit und Millitär zu schreien.

Im Angesicht des Ausbeuter blos nix über ihres eigenen "Unvermögen" oder "Schmutzpfoten"
im öffentlichem Raum thematisieren lassen. Da machen brennende Autoreifen und Steinbewurf
die Auseinandersetzung schon viel einfacher, das Probleme angeblich nur noch mit
staatlicher Gewalt gelöst werden.

Es ist zum  kotz *würgh* AAAAAh
« Letzte Änderung: 14. Januar 2018, 10:09:05 von Onkel Tom » Gespeichert
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« Antworten #1424 am: 16. Januar 2018, 10:30:32 »

Aus: Ausgabe vom 16.01.2018, Seite 1   / Titel

Lautstark gegen Tsipras
Griechische Regierung peitscht Einschränkung des Streikrechts durch das Parlament. Tausende protestieren

Von Elisabeth Heinze, Thessaloniki


Gewerkschaftskundgebung am Montag vor dem Parlamentsgebäude in Athen
Foto: Thanassis Stavrakis/AP Photo/dpa
Das Parlament in Athen hat am Montag über einen Gesetzentwurf der Regierung debattiert, durch den das Streikrecht in Griechenland eingeschränkt werden soll. Nachdem bereits im Dezember und in der vergangenen Woche Tausende Menschen gegen die Novelle protestiert hatten, legte ein weiterer Generalstreik der Gewerkschaften das öffentliche Leben in vielen Städten des Landes weitgehend lahm.

Der Antrag der aus der Linkspartei Syriza von Ministerpräsident Alexis Tsipras mit der nationalistischen Anel gebildeten Regierungskoalition sieht vor, dass die Gewerkschaften künftig für einen Streikbeschluss die Zustimmung von mindestens 51 Prozent aller regelmäßig zahlenden Mitglieder einholen müssen, die zudem bei der Abstimmung persönlich anwesend sein müssen. Bisher genügte bei der Abstimmung die Anwesenheit von einem Drittel der Mitglieder, bei einer zweiten oder dritten Abstimmungsrunde mussten sogar nur noch 20 Prozent anwesend sein. Die Arbeiterorganisationen sehen deshalb ihre Flexibilität gefährdet und fürchten um ihre Druckmittel.

Die Gesetzesnovelle soll den Abschluss des dritten Kreditprogramms ermöglichen, das Athen von der sogenannten Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds diktiert wurde. Die Einschränkung des Streikrechts ist eine von 60 Forderungen der Gläubiger, die bis zum Frühjahr umgesetzt werden sollen. Daran hängt offenbar die Auszahlung der letzten Tranche von rund 4,5 Milliarden Euro. Finanzminister Efklidis Tsakalotos von der Syriza betonte deshalb zwar, dass sich seine Partei die Maßnahme »nicht ausgesucht« habe. Zugleich hatte die Tsipras-Administration in den vergangenen Monaten jedoch zu ihrem unbedingten Ziel erklärt, den laufenden Kredit zu bedienen, um danach keine weiteren Schulden mehr machen zu müssen.

Die oppositionelle Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) kritisiert dieses Herangehen der Regierung: Das Gesetz sei der Beweis dafür, dass auch nach einem Ende der Troika-Politik »nur die Interessen der üblichen Verdächtigen berücksichtigt werden« sollen. Dagegen würden die Bedürfnisse der nach wie vor leidenden Mehrheit der Bevölkerung weiterhin ignoriert.

Schon am Freitag hatte deshalb unter anderem die kommunistisch orientierte Gewerkschaftsfront PAME zu einem landesweiten Generalstreik aufgerufen. Betroffen waren die Athener U-Bahn und die zwei Straßenbahnlinien. Die Fähren blieben für 24 Stunden in den Häfen. Der Ausstand wurde am gestrigen Montag fortgesetzt. Erneut wurde der Verkehr lahmgelegt. Zudem kam es zu Arbeitsniederlegungen im Öffentlichen Dienst: Ärzte, Lehrer und Richter beteiligten sich in Athen und Thessaloniki. Auch die Fluglotsen schlossen sich am Montag für drei Stunden der Protestaktion an, es kam zu Flugausfällen und Verspätungen. Landesweit war zudem zu Demonstrationen aufgerufen worden. In Athen fanden seit den Morgenstunden zahlreiche Kundgebungen statt, in Thessaloniki und anderen Städten wollten sich die Protestierenden am Abend versammeln.

Die Ergebnisse der Abstimmung über die umfassende Gesetzesnovelle, die insgesamt 1.500 Seiten und rund 400 Artikel enthält, wurden erst spät in der Nacht erwartet. Auch wenn die Regierungskoalition mit 155 von 300 Sitzen nur über eine knappe Mehrheit im Parlament verfügt, war griechischen Medienberichten zufolge davon auszugehen, dass das Gesetz angenommen würde.


Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/325374.lautstark-gegen-tsipras.html
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