ZDF: Eine Welt ohne Geld - Tauschen statt Bezahlen

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Kater:
ZDF, Sonntag, den 13.12.2008, 17:45 - 18:00 Uhr

Zitat

Eine Welt ohne Geld - Tauschen statt Bezahlen

Kann man in einer Gesellschaft, die so konsumorientiert ist wie unsere, überhaupt noch ohne oder zumindest mit geringen finanziellen Mitteln leben? Ist es vorstellbar, ohne Geld an Nahrungsmittel oder Wohnraum zu kommen? Zwei Projekte haben genau dieses zum Ziel, eine Art "Tauschhandel", der für beide Seiten lohnenswert ist.

Alles was die 68-jährige Heidemarie Schwermer zum Leben braucht, tauscht sie mit anderen Menschen. Seit mehr als zwölf Jahren lebt sie ohne Geld, bietet anderen ihre Dienste an und bekommt dafür Kost und Logis. Sie hütet Häuser und Haustiere, putzt oder bietet psychologische Betreuung. Eigentlich hatte die ehemalige Lehrerin vor, nur ein Jahr lang vom Tausch zu leben. Sie wollte beweisen, dass man auch ohne Geld seine Würde behalten kann. Deshalb gründete sie 1994 den Verein "Gib und Nimm". Wer etwas zu viel hatte, konnte es anbieten und sich dafür etwas nehmen.

Doch das Leben als "Sterntaler" gefällt ihr. Heidemarie Schwermer aus München sagt: "Ohne Geld bin ich glücklicher als je zuvor." Aus einem Experiment ist für sie inzwischen eine Lebensform entstanden. Sie trennte sich schließlich von ihrem gesamten Besitz, gab ihre Wohnung auf, verschenkte ihr Auto, kündigte Versicherungen. Mit dem Leben ohne Geld möchte sie Denkanstösse geben, provozieren aber auch zum Nachdenken anregen, denn die Diskrepanz zwischen Arm und Reich wird auch in Deutschland immer größer.

Netz von Beziehungen ersetzt Geld
Heidemarie Schwermer bekommt seit einem Jahr Rente, zwei Drittel davon verschenkt sie, der Rest kommt in ihre "Gib und Nimm" Kasse. Davon bezahlt sie ihre Krankenversicherung und hin und wieder eine Reise mit der Mitfahrzentrale. Mittlerweile lebt sie wochenweise bei befreundeten Familien zum Beispiel in Kiel, München oder Berlin. In vielen dieser Städte entstanden auf ihre Anregung "Gib-und-Nimm-Häuser". Als Gast solcher Häuser übernimmt sie die Kinderbetreuung, Kochdienste oder Gartenarbeit, dafür kann sie dort kostenlos wohnen. Heidemarie Schwermer hat das Geld durch ein Netz von Beziehungen ersetzt und diesen Tauschhandel nicht bereut.

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Die Suche nach einer Wohnung, gerade in Städten wie München, ist für Studenten zu Beginn eines Studiums immer wieder eine Herausforderung. Denn oft ist dort Wohnraum kaum bezahlbar und der Andrang groß. Senioren dagegen haben häufig große Wohnungen oder Häuser, die sie alleine bewohnen. Haushaltshilfen können sie sich häufig nicht leisten, ambulante Dienste kommen meist nur studenweise, und vor allem nachts sind sie alleine.

Außergewöhnliche Wohngemeinschaft
1995 entwickelten Studenten der Uni Darmstadt aus einer Idee das Projekt "Wohnraum für Hilfe", das inzwischen bundesweit angeboten wird. Hintergrund der Idee ist, dass ältere Menschen, die einen gewissen Hilfebedarf haben und eine Wohnung, die groß genug ist, alleinstehenden jüngeren Menschen ein Zimmer zur Untermiete anbieten. Als Gegenleistung wird vom Mieter pro vermieteten Quadratmeter eine Stunde Hilfe im Monat abgeleistet, bezahlen müssen noch die anfallenden Nebenkosten.

Außergewöhnlicher kann eine Wohngemeinschaft nicht sein, und die Nachfrage ist auf beiden Seiten groß, denn dabei spielt nicht nur der finanzielle Aspekt eine Rolle. Das Zusammenleben unterschiedlicher Generationen wird gefördert: SeniorInnen können weiterhin selbstbestimmt und - soweit möglich - selbständig in ihrem vertrauten Umfeld wohnen und ihren Lebenserfahrungen an junge Menschen weitergeben. Andererseits können Studenten von dem reichen Erfahrungsschatz älterer Menschen lernen und sich gleichzeitig sozial engagieren.


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