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Autor Thema: Tagelöhner protestieren in Italien  (Gelesen 1997 mal)
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Kater


Beiträge: 7111


« am: 08. Januar 2010, 16:38:10 »

Video: http://www.spiegel.de/video/video-1040316.html

Zitat
Tagelöhner protestieren in Italien

Rosarno (dpa) - Aufstand der Ärmsten: Auf dem Marktplatz des kleinen Ortes Rosarno an der Westküste Kalabriens versammelten sich am Freitagmorgen etwa 2000 Immigranten, die meisten aus Afrika, um gegen ihre unmenschlichen Lebensbedingungen zu protestieren.

«Mehr Schutz gegen die ständige rassistische Gewalt - wir sind nur hier, um zu arbeiten», forderten die aufgebrachten Tagelöhner vom Polizeipräfekten des Ortes. Einige haben Schaufenster eingeschlagen und Mülltonnen umgekippt. Auf einem anderen Platz versammelten sich Hunderte von Einwohnern des Ortes zu einer Gegendemonstration.

Es herrscht Angst und Wut in Rosarno. Ein in Tränen aufgelöster 25-jähriger Marokkaner sagte: «Sie haben einfach auf uns geschossen, und niemand hat uns geholfen». Nach Berichten des Fernsehsenders Sky- TG 24 schoss ein Mann von seinem Balkon aus in die Luft, um die Saisonarbeiter zu vertreiben. Schulen und Läden blieben geschlossen. Obwohl es Dutzenden von Polizei- und Carabinieri-Einheiten zunächst gelang, die Situation unter Kontrolle zu halten, sprachen Beobachter am Freitag von einer «extrem angespannten» Situation.

Auslöser des Aufstands war ein Vorfall vom Donnerstagabend: Wie die Medien berichteten, schossen Unbekannte aus einem Auto auf mehrere Immigranten, die von der Arbeit auf den Orangenfelder heimkehrten. Dabei wurden mehrere Männer verletzt, unter anderem ein politischer Flüchtling aus Togo. Ein Mann musste ins Krankenhaus gebracht werden. Die Schüsse brachten das Fass zum Überlaufen.

Zwischen 120 und 150 Einwanderer blockierten noch am späten Abend die Landstraße in die weiter südlich gelegene Stadt Gioia Tauro. Ein Teil zog nach Polizeiangaben randalierend ins Ortszentrum von Rosarno. Autos wurden in Brand gesetzt, Schaufenster eingeschlagen und ausgeräumt. Erst nach mehreren Stunden gelang es der Polizei, die Revolte unter Kontrolle zu bringen.

Im 16 000 Einwohner zählenden Rosarno leben durchschnittlich 5000 Immigranten - zum Großteil aus Afrika. Ihre Zahl schwankt je nach Erntezeit, denn als mittellose Wanderarbeiter ziehen sie je nach Saison von Arbeit zu Arbeit. Im August ernten sie Tomaten in Apulien, während zu Winterbeginn Orangen und Mandarinen in Kalabrien und Sizilien an der Reihe sind. Sie wohnen unter katastrophalen Bedingungen in ehemaligen Fabriken oder einfachen Baracken, ohne Matratzen und Licht, oftmals mit nicht mehr als einer chemischen Toilette für 200 Menschen. Doch als Illegale akzeptieren die meisten, was immer sie kriegen - auch Hungerlöhne.

Der durchschnittliche Verdienst liegt bei 20 Euro pro Tag, manchmal ist es auch weniger. Und in der Regel behalte die örtliche Mafia noch 5 Euro «Aufenthaltssteuer» ein, hieß es. So gehen die Behörden davon aus, dass es sich bei den Angreifern vom Donnerstagabend um Mitglieder der kalabrischen Mafia 'Ndrangheta handelte. Wahrscheinlich wollten sie Tagelöhner bestrafen, die kein Schutzgeld bezahlt hatten.

«Das, was in Rosarno geschieht, ist das Ergebnis eines Klimas fremdenfeindlicher und mafioser Intoleranz», kommentierte der Präsident der Region, Agazio Loiero. Innenminister Roberto Maroni der ausländerfeindlichen Regierungspartei «Lega Nord» verurteilte den Vorfall als «Ergebnis einer jahrelangen verfehlten Einwanderungspolitik».


http://de.news.yahoo.com/26/20100108/tpl-tagelhner-protestieren-in-italien-a70ba75.html
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Kater


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« Antworten #1 am: 09. Januar 2010, 15:49:09 »

Zitat
Hunderte Einwanderer verlassen Stadt in Italien nach Gewalt

Nach gewaltsamen Zusammenstößen mit Bewohnern und Polizisten haben hunderte Einwanderer die süditalienische Stadt Rosarno verlassen müssen. Während die Behörden noch in der Nacht zum Samstag etwa 320 Einwanderer in eine Notunterkunft ins 170 Kilometer entfernte Crotone brachte, verließen rund hundert weitere die Stadt auf eigene Faust. Seit Donnerstag wurden 67 Menschen verletzt, die meisten von ihnen Ausländer.

Nach Angaben der Polizei sollten 300 weitere Einwanderer noch am Samstag aus Rosarno abgeholt und auf Notunterkünfte im Süden des Landes verteilt werden. Wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtete, stehen ihnen Schlafplätze im kalabrischen Crotone sowie in Brindisi und Bari in Apulien zur Verfügung. Viele Einwanderer brachten sich laut Polizei auch selbst in Sicherheit und verließen mit ihren Autos oder im Zug die Kleinstadt mit rund 15.000 Bewohnern.

Die italienische Regierung verstärkte das Polizeiaufgebot in Rosarno. Nach einem Bericht der Zeitung "Corriere della Sera" wurden weitere 200 Polizisten und Carabinieri in die Stadt entsandt, um für Sicherheit zu sorgen und die Abfahrt der Einwanderer zu überwachen. In der Ortschaft hatte es seit Donnerstagabend gewalttätige Ausschreitungen zwischen Bewohnern und Polizisten sowie Einwanderern gegeben. Dabei wurden nach jüngsten Angaben 67 Menschen verletzt, darunter 31 Ausländer, 17 Einheimische und 19 Polizisten.

Auslöser war eine Demonstration von hunderten Einwanderern, die überwiegend illegal als Saisonarbeiter in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Die Einwanderer protestierten gegen gewaltsame Übergriffe, nachdem einige von ihnen von Unbekannten mit einem Luftgewehr beschossen worden waren. Die Demonstranten steckten Autos in Brand, schlugen Schaufenster ein und lieferten sich gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Aufgebrachte Anwohner wollten sich dafür am Freitag offenbar rächen und attackierten die Einwanderer mit Schrotflinten und Eisenstangen. Sie fuhren mehrere Afrikaner absichtlich mit ihren Autos an, errichteten Barrikaden und besetzten vorübergehend das Rathaus. Wenige Kilometer vor der Stadt wurde am Samstag erneut ein Einwanderer durch Schüsse verletzt. In Rosarno selbst öffneten die Geschäfte wie gewohnt.

Medienberichten zufolge werden jedes Jahr mindestens 4000 Einwanderer illegal in Rosarno für die Obsternte eingesetzt. Das UN-Flüchtlingswerk (UNHCR) und eine italienische Gewerkschaft kritisieren ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen als unmenschlich. Viele Erntehelfer werden zudem von der Mafia ausgebeutet.


http://de.news.yahoo.com/2/20100109/tpl-hunderte-einwanderer-verlassen-stadt-817cea0.html
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Kuddel


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« Antworten #2 am: 09. Januar 2010, 20:15:31 »

Zitat
(...)
Hintergrund des Aufstands sind jedoch vor allem die trostlosen Lebensbedingungen der Erntehelfer. Im 16 000 Einwohner zählenden Rosarno leben durchschnittlich 5000 Immigranten - zum Großteil aus Afrika. Ihre Zahl schwankt je nach Erntezeit, denn als mittellose Wanderarbeiter ziehen sie je nach Saison von Arbeit zu Arbeit. Sie wohnen unter miserablen Bedingungen in ehemaligen Fabriken oder einfachen Baracken, ohne Matratzen, Licht und Heizung, oftmals mit nicht mehr als einer chemischen Toilette für 200 Menschen.

«Es ist auch für mich, der in Darfur gearbeitet hat, erschütternd zu sehen, wie diese Menschen leben», beschrieb es im Dezember 2008 ein Arzt der Hilfsorganisation «Ärzte ohne Grenzen». Seitdem hat sich wenig geändert. Doch als Illegale akzeptieren die meisten, was immer sie kriegen - auch Hungerlöhne.

So liegt der durchschnittliche Verdienst bei 20 Euro pro Tag, manchmal ist es auch weniger. Und in der Regel behalte die örtliche Mafia noch 5 Euro «Aufenthaltssteuer» ein, hieß es. «Mit 15 bis 20 Euro pro Tag haben wir diese Menschen zu modernen Sklaven gemacht - eine hässliche Seite im Geschichtsbuch Italiens», brachte es ein Lokalpolitiker am Samstag auf den Punkt.

aus: http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/910511
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Kuddel


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« Antworten #3 am: 15. Januar 2010, 17:17:17 »

Zitat
Menschenjagd in Rosarno - Wie einst in Rostock oder in El Ejido: Zufall?

Oder eine Tradition in jenen Ländern, die Mussolini, Hitler und Franco an die Macht brachten? Denn es handelt sich ja in allen diesen Fällen nicht um größere oder kleinere Nazibanden, die Menschen terrorisieren, sondern um wahre Massenveranstaltungen. Unsere aktuelle Materialsammlung "Tradition Menschenjagd?" soll ein Versuch sein, Zusammenhänge herauszuarbeiten.

Tradition Menschenjagd


Diesmal war es eine massive, massenhafte Konfrontation - aber Menschenjagden gab es in der jüngsten Zeit in Italien mehrfach. Ob sie sich gegen Afrikaner, (der Volksmund zumindest bei youtube nennt sie "Somalier" oder "Äthiopier" und knüpft dadurch schon an Traditionen an), Roms oder Rumänen richten, war veränderlich - bleibend aber war und ist, dass es sich eben nicht um den Terror mehr oder minder organisierter Nazibanden handelt (der sicher auch seine Rolle hat und im Zusammenhang gesehen werden muss), sondern um Massenaktionen.

Je nach Orientierung war die Berichterstattung der kommerziellen Medien gewesen: von Verteidigung gegen migrantische Übergriffe bis zu rassistischem Pogrom. Zu den faktischen Hintergründen:

"Hintergrund des Aufstands sind jedoch vor allem die trostlosen Lebensbedingungen der Erntehelfer. Im 16'000 Einwohner zählenden Rosarno leben durchschnittlich 5000 Immigranten – zum Grossteil aus Afrika. Ihre Zahl schwankt je nach Erntezeit, denn als mittellose Wanderarbeiter ziehen sie je nach Saison von Arbeit zu Arbeit. Sie wohnen unter miserablen Bedingungen in ehemaligen Fabriken oder einfachen Baracken, ohne Matratzen, Licht und Heizung, oftmals mit nicht mehr als einer chemischen Toilette für 200 Personen" - so wird es in dem redaktionellen Bericht "Rosarno wieder unter Kontrolle" externer Link vom 9. Januar 2010 in der NZZ Online zusammengefasst.

Rosarno mit 16.000 Einwohner habe 5.000 afrikanische Saisonarbeiter, so lautet eine der Standardformulierungen - die schon zumindest fragwürdig ist, erkennt sie doch eben diesen migrantischen "Arbeitskräften" den Einwohnerstatus bereits ab. Im britischen "Guardian" klingt es wieder einmal ein bisschen anders: "Southern Italian town world's 'only white town' after ethnic cleansing" externer Link - die einzige rein weisse stadt der ganzen Welt ist Rosarno demnach, nach der Menschenjagd, schreibt John Hooper in seinem Artikel vom 11. Januar 2010.

In diversen Artikeln blitzt immer wieder eine Realität auf, für deren Erklärung die gängigen Argumentationen kaum ausreichen mögen. Etwa, wenn beiläufig erwähnt wird, dass die Zahl der von Autos angefahrenen afrikanischen Fußgänger alle Vergleiche sprengt. Oder aber wenn ebenfalls eher beiläufig angeführt wird, 30 Prozent der Saisonarbeiter würden mißhandelt, wie es in dem Artikel "Gewalt gegen Migranten: Italien bastelt Integrationsplan" externer Link vom 11. Januar 2010 in der Wiener Presse geschieht.

Dass kriminelle Organisationen sich in den heute üblichen marktwirtschaftlichen Menschenhandel einmischen, ist ebenfalls keine italienische Besonderheit, die diese Ereignisse erklären könnte. Dass die Rolle der Ndrangheta durchaus existiert, aber keinesfalls entscheidend, wird auch in dem Artikel "Non è solo questione di 'ndrangheta" externer Link von Enrico Pugliese am 11. Januar 2010 bei "Il Manifesto" unterstrichen.

"Panikmache in der italienischen Gesellschaft vor „kriminellen Ausländern“ ist der neue „Nationalsport“. Dabei spielen Medien eine zentrale Rolle. Berichte über „rumänische Vergewaltiger“, „marokkanische Drogendealer“ und „Zigeuner-Diebe“ bestimmen die Titel-Schlagzeilen. In der Quoten-starken Talkshow „Porta a Porta“ von Moderator Bruno Vespa im staatlichen Fernsehsender Rai Uno war einen Abend lang von „Negern“ die Rede, ohne dass sich jemand über die rassistische Bezeichnung beschwerte" - das schrieb schon am 3. Oktober 2008 in "Wie rassistisch ist Italien?" externer Link Irene Mayer in ihrem Blog "Forum Romanum".

Wenn die vierte Gewalt zur Gewalt wird, wendet sie sich in der Regel gegen Minderheiten. (Und das Fehlen oder Entschwinden einer kritischen bürgerlichen Presse beispielsweise ist eine Gemeinsamkeit, die Italien mit Deutschland und Spanien teilt).

Und die Regierungspolitik ist entsprechend: Null Toleranz und immer neue Migrationsgesetze, deren repressiver Charakter nicht nur nicht verheimlicht, sondern ausdrücklich unterstrichen wird. Naheliegend ist es in einem Land, das mehrfach einen Berlusconi wählt, dass es eine reaktionäre Grundstimmung gibt, gegen die anzugehen offensichtlich schwer ist.

Das machen auch die verschiedenen gewerkschaftlichen Stellungnahmen deutlich. In dem Beitrag "Rosarno: bisogna intervenire prima che ci siano altri episodi di tensione" externer Link macht der CGIL Sekretär Epifani seine Position deutlich, dass diese Ereignisse Ergebnisse der Politik seien und weder überraschend noch gelöst, die Sklavereiartigen Arbeitsverhältnisse stünden im Zentrum des Problems. Die kalabrischen RdB sehen in der kalabrischen Mafia in der Tat Hauptverursacher und unterstreichen, die Bevölkerung von Rosarno sei nicht rassistisch, im Beitrag "Dietro i fatti di Rosarno la mafia, che contenta sogghigna" externer Link vom 12. Januar 2010.

In "L'IMPEGNO DELL'UNICOBAS CONTRO IL RAZZISMO" externer Link stellt der Sekretär der Unicobas Stefano d'Errico nicht nur die Arbeit und den Ansatz seiner Föderation im Kampf gegen den Rassismus vor, sondern unterstreicht auch eine gewisse Bewegung in der CGIL im Zusammenhang mit den landesweiten antirassistischen Aktionen im Oktober 2009. Seine Argumentation ist dabei zu guten Teilen ebenfalls davon geprägt, dass er die positive wirtschaftliche Bedeutung der Migration zum Teil sehr konkret benennt - weitaus weniger konkret allerdings wird es, wenn es sich um die ideologische Strömung des Rassismus handelt.

Für die Confederazione Cobas unterstreicht deren Sprecher Piero Bernocchi am 10. Januar 2010 in seiner Erklärung "L'OSCENA IPOCRISIA DI RAZZISTI E XENOFOBI. Il tetto per gli studenti “stranieri” e Rosarno" externer Link die Ereignisse von Rosarno in Zusammenhang mit der ebenfalls aktuellen Maßnahme, eine Höchstquote für Migrantenkinder an den Schulen einzurichten.

In dem Diskussionsbeitrag "Rosarno. Caccia al 'negro', bande razziste e criminalità" externer Link von Alessandro Cardulli am 11. Januar 2010 im Portal bellaciao wird andrerseits deutlich gemacht, dass die moralische Strömung Italiens dort steht, wo ein rebellierender Negersklave blankem Haß begegnet.

Nicht zuletzt mit diesem letzten Beitrag wird eben, wie auch in den beiden anderen Ländern, deutlich, dass oftmals ganz naheliegende Erklärungen Sackgassen sind. Was passiert, wenn - endlich - Migration gesellschaftlich anerkannt wird, und das Repressionskonstrukt "Ohne Papiere" ausscheidet, wenn dann keine schwarzen Sklaven mehr rebellieren, sondern schwarze Lohnarbeiter?


Im Originalartikel
http://www.labournet.de/internationales/it/traditionjagd.html
findet man viele aufschlußreiche Links.
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Kuddel


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« Antworten #4 am: 18. Januar 2010, 10:56:58 »

Zitat
Für den Streik der migrantischen Arbeit in Italien!

Es hat sich eine Koordination für den Streik der migrantischen Arbeit in Italien gegründet. Hier ihre Solidaritäts- und Aufrufschrift zum Streik.

 

Wir MigrantInnen in Italien der Kollektive, Netze und Koordinationen in Bari, Bologna, Brescia, Mantova e Basso Mantova, Milano, Padova, Roma, Torino unterstützen den Kampf der migrantischen ArbeiterInnen, die für den nächsten März in Frankreich einen Streik der MigrantInnen vorbereiten.

Nach der historischen Erfahrung in den USA, dem "Tag ohne MigrantInnen", am 1. Mai 2006, ist es nun an Europa. Wir wissen alle, daß heute die Krise Armut und Prekarität schafft: MigrantInnen ausbeutet oder ausweist. Die Statistiken zeigen, daß die ökonomische Bedeutung der migrantischen Arbeit in Italien fundamental ist. Ein Streik der migrantischen Arbeit unterstützt von den italienischen ArbeiterInnen würde eine richtige politische Antwort auf Rassismus und Prekarität darstellen. Wir denken der Streik der MigrantInnen muß gemeinsam mit denen in Frankreich vorbereitet werden.

Die Situation ist in Europa überall ähnlich. Es ist Zeit laut gegen die Formen der Flexibilisierung durch die EU zu schreien. Sie will durch Anwerbeagenturen, unterschiedlichste Figuren und Firmen, nach ihrem Gutdünken MigrantInnen zwischen den Ländern hin- und herschieben. Sie wollen Migration und MigrantInnen nach ihren Produktionsbedürfnissen.

Einige von uns von dem Tavolo Migranti (Runder Tisch der MigrantInnen) haben sich bereits bei dem Streik vom 15. Mai 2002 im gesamten Industriegebiet von Vicenza beteiligt. Das war eines wichtigtsen Kämpfe der Arbeitskämpfe der MigrantInnen in Italien und Europa.

Wir haben in diesen Jahren die politische Idee des migrantischen Arbeitsstreiks gegen Rassismus und das Bossi-Fini Gesetz unterstützt. Mayday am 1. Mai 2008, die landesweite Demo am 23. Juni 2009 in Mailand "Auf welcher Seite stehst du!" und die letzte große Demo mit 200.000 am 17.Oktober in Rom sind einige Schritte unserer Bewegung bisher gewesen. Daher wissen wir wie wichtig und wie schwer eine Streik der MigrantInnen ist.

Wir wissen wieviele Hoffnung das weckt und wieviele bereits im Voraus meinen, das sei unmöglich. gefährlich oder gar schädlich. Wir wissen, das bedeutet neue Wege zu beschreiten, zu versuchen Mißtrauen, Spaltungen zwischen ItalienerInnen und MigrantInnen zu überwinden. Wir wissen, das es nicht reicht das auszudrücken. Es muß organisiert werden. Wir sind uns all dieser Schwierigkeiten bewußt, aber mit aller Hartnäckigkeit die diese Situation von uns abverlangt, unterstützen wir von heute an eine politische Kampagne für den Streik der MigrantInnen.

Gegen das Bossi - Fini Gesetz
Gegen das Sicherheits Paket
Gegen den institutionellen Rassismus, der vom Innenminister in den Großstädten bis zu den Komunen in der Provinz verbreitet wird.


Die Appelle der Solidarität reichen nicht. Wir müssen den Mut haben die MigrantInnen als Subjekte ihres eigenen Lebens und nicht nur als Arbeitskräfte zu betrachten!

Es ist an der Zeit den Streik der migrantischen Arbeit zu wagen!

Koordination für den Streik der migrantischen Arbeit in Italien
http://grauszone.wordpress.com/2010/01/11/fur-den-streik-der-migrantischen-arbeit-in-italien/
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ManOfConstantSorrow


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« Antworten #5 am: 06. März 2010, 19:05:36 »

Zitat
Migranten demonstrieren in Frankreich und Italien

PARIS/ROM: Unter dem Motto "24 Stunden ohne uns" haben in Frankreich und Italien tausende Einwanderer mit Demonstrationen und Arbeitsniederlegungen auf ihre Lage aufmerksam gemacht. Die Organisatoren hatten in Frankreich alle Einwanderer aufgerufen, die Arbeit niederzulegen und den Konsum zu verweigern. Sie wollten so die Bedeutung der Immigranten für die französische Wirtschaft deutlich machen. Vor dem Pariser Rathaus versammelten sich Hunderte Demonstranten. In Italien schlossen sich zahlreiche Einwanderer dem Aufruf an. Allein in Neapel demonstrierten nach Angaben der Organisatoren 24.000 Menschen und in Bologna 10.000 Menschen. Sie protestierten gegen Rassismus und forderten mehr Mitbestimmung.
http://www.dw-world.de/dw/function/0,,12356_cid_5309688,00.html

Zitat
Frankreichs Einwanderer streiken für Anerkennung

Ausgrenzung, Stigmatisierung und Vorurteile - damit sind Frankreichs Immigranten tagtäglich konfrontiert. Ein breites Bündnis von Einwanderer- und Menschenrechtsorganisationen hatte daher heute zu einem 24-stündigen Streik aufgerufen.


Von Christoph Wöß, BR-Hörfunkstudio Paris

"24 Stunden ohne uns", skandiert die bunte Menge vor dem Pariser Rathaus. Überall in Frankreich rufen Einwanderer und die Kinder von Einwanderern heute zum eintägigen Protest auf: Wenn möglich, sollen Menschen mit Migrationshintergrund heute nicht arbeiten, und sie sollen nicht einkaufen gehen; Sympathisanten tragen eine gelbe Binde am Arm. Ein breites Bündnis von Einwanderer- und Menschenrechtsorganisationen hat zu diesem Arbeits- und Konsumboykott aufgerufen. Der Organisator Nadir Dendoune erklärt: "Das Bündnis ist eine staatsbürgerliche Bewegung, die eines gemeinsam hat: Wir haben die Nase voll von der fortgesetzten und endlosen Stigmatisierung der Einwanderer und ihrer Kinder." Er hat selbst algerische Wurzeln - er weiß, wovon er spricht.

"Einer geht ja noch..."


Als Einwanderungsminister Eric Besson vor kurzem eine öffentliche Debatte darüber anstieß, was es heißt, ein Franzose zu sein, wurden ausländerfeindliche Parolen laut in einem Maß, dass die Regierung die Diskussion hastig für beendet erklärte. Zumal sogar der Innenminister ausfällig geworden war. Bei einer Parteiveranstaltung hatte der ultrakonservative Brice Hortefeux mit Blick auf einen aus dem Maghreb stammenden Franzosen gemurmelt: "Einer geht ja noch, aber wenn es viele sind, dann gibt es Probleme." Organisator Dendoune sagt, man wolle sich wehren gegen das negative Bild und die angehängte Etiketten: "Es heißt, wir seien Verbrecher, wir seien diejenigen, die Frankreich ausnutzten, wir gefährdeten die französische Identität und die Republik."

"Zum Aufstand in der Lage, wenn es sein muss"

Tatsächlich ist der Anteil der Einwanderer an der aktiv beschäftigten Bevölkerung binnen zehn Jahren von 10,7 auf 11,3 Prozent gestiegen. In Hotels und Restaurants stellen Immigranten ein Fünftel der Belegschaft, überdurchschnittlich stark vertreten sind sie auch in der IT-Branche. Fousya Maqsoud, die beim heutigen Protesttag die Maghrébiner vertritt, warnt davor, die wirtschaftliche Macht der Einwanderer zu unterschätzen. In der französischen Geschichte gebe es viele Beispiele von streikenden Einwanderern: "Es wurden die Fabriken der Autohersteller besetzt, die Marokkaner haben die Kohleminen in Nordfrankreich blockiert. Die Einwanderer sind zum Aufstand in der Lage, wenn es sein muss."

Breite Unterstützung für Proteste

Maqsoud und die anderen Organisatoren erfahren für ihren Aktionstag breite Unterstützung von den Kirchen, der Sozialistischen Partei und den Gewerkschaften. Die wissen natürlich, dass ein Streikaufruf, der keine arbeitsrechtlichen Hintergründe hat, in Frankreich ungesetzlich ist. Aber selbst wenn nicht große Teile des öffentlichen Lebens zusammenbrechen, meint Jean-Louis Malys von der Gewerkschaft CFDT, können die Einwanderer mit der Aktion nur gewinnen: "Allein die Tatsache, dass man mit seinen Kollegen und seinen Freunden über das Thema spricht, ist schon ein Fortschritt. Für mich ist die Aktion bereits jetzt ein Erfolg."

Das französische Beispiel könnte Schule machen in Europa. Heute finden parallel bereits Proteste in Italien und in Griechenland statt - und bald, so kündigten die französischen Organisatoren an, gibt es auch Aktionen in Deutschland.
http://www.tagesschau.de/ausland/einwandererstreik100.html

Zitat
In Italien erwirtschaften Immigranten fast zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes, das entspricht 122 Milliarden Euro. Auch in Frankreich, Spanien, Portugal und Griechenland gingen Einwanderer auf die Straße. Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung machen Einwanderer in Frankreich etwa elf Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung aus. Die Initiative geht auf eine ähnliche Aktion in den USA 2006 zurück, als Immigranten aus Lateinamerika gegen die US-Einwanderungspolitik demonstrierten.
http://de.euronews.net/2010/03/01/einwandererproteste-in-europa/

Zitat
Ein "Tag ohne Einwanderer" sorgt für Aufregung

"24 Stunden ohne uns" soll ein Protest dagegen sein, wie in Frankreich von Politikern "Einwanderer stigmatisiert und kriminalisiert werden".


"24 Stunden ohne uns" - so lautet die Botschaft einer Lobbygruppe, die Frankreich die Bedeutung der Einwanderer vor Augen führen will. Die Gruppe hat alle Einwanderer aufgerufen, am Montag die Arbeit niederzulegen und den Konsum zu verweigern.

"Wir protestieren gegen die Versuche von Politikern, Einwanderer zu stigmatisieren und zu kriminalisieren", hieß es in einem Aufruf. Am Nachmittag wollten sich Unterstützer der Aktion vor dem Pariser Rathaus versammeln.

Die Initiative geht auf eine ähnliche Aktion in den USA 2006 zurück. Im Unterschied zu anderen Ländern habe Frankreich die wirtschaftliche Bedeutung seiner Einwanderer nicht ausreichend gewürdigt, betonen die Organisatoren.
http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/2304502/ein-tag-einwanderer-sorgt-fuer-aufregung.story
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Kuddel


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« Antworten #6 am: 18. April 2013, 10:18:59 »

Die Troika diktiert Griechenland verschärften Ausbeutungskurs.
...sehr erfolgreich.

Zitat
Griechenland
27 ausländische Saisonarbeiter angeschossen

(afp) Bei einem Streit mit ihren Arbeitgebern sind in Griechenland 27 ausländische Saisonarbeiter durch Schüsse verletzt worden. Die vor allem aus Bangladesh stammenden Verletzten gehörten zu etwa 200 in der Ortschaft Manolada auf dem Peloponnes angeheuerten Erdbeerpflückern.

Diese hatten am Mittwoch die Auszahlung von sechs ausstehenden Monatslöhnen von ihren Arbeitgebern gefordert, wie die örtliche Polizei mitteilte. Drei Männer, die als Aufseher angestellt waren, hätten mit Gewehren auf die Arbeiter geschossen, um sie auseinanderzutreiben.

Die Polizei nahm den 57-jährigen Plantagenbesitzer fest und fahndete nach den Männern, die die Schüsse abgefeuert haben sollen. Die Verletzten wurden in Spitälern behandelt.
http://www.nzz.ch/aktuell/newsticker/27-auslaendische-saisonarbeiter-angeschossen-1.18066660
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« Antworten #7 am: 09. August 2018, 21:20:42 »

Wichtiger als ein Engagement für Migranten ist es, daß man sie ernst nimmt und sie als Menschen sieht, die auch selbst kämpfen können.
Solche Kämpfe gilt es zu unterstützen!

Zitat
Süditalien
Proteste der meist afrikanischen Landarbeiter






Im Süden Italiens haben hunderte ausländische Landarbeiter gestreikt und bessere Arbeitsbedingungen gefordert.

Bei ihrem Demonstrationszug in Foggia riefen sie unter anderem, sie seien keine Sklaven. Die Männer, die vor allem aus afrikanischen Ländern, aber auch aus Osteuropa kommen, arbeiten den Sommer über in sengender Hitze auf den Feldern. Viele leben in illegalen Baracken. Arbeitsvermittlung und Transport werden von zweifelhaften Mittelsmännern organisiert.

Bei zwei Verkehrsunfällen waren in der Nähe von Foggia am Montag 16 Landarbeiter getötet und vier schwer verletzt worden. Italiens Innenminister Salvini von der rechten Lega sagte, Schuld trage die Mafia. Wie Salvini reiste auch Regierungschef Conte nach Foggia. Er sprach von Sklavenarbeit und meinte, die gesetzlichen Schutzvorschriften müssten durchgesetzt werden.
https://www.deutschlandfunk.de/sueditalien-proteste-der-meist-afrikanischen-landarbeiter.1939.de.html?drn:news_id=912105
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