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Autor Thema: Werften anderswo (die Konkurrenz)  (Gelesen 22070 mal)
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Pink Panther


Beiträge: 52


« am: 27. November 2003, 14:00:08 »

Es ist schon lange her, daß ich auf der Werft gearbeitet habe.

Und immer war das Argument bei Tarifverhandlungen usw., in Korea werde aber soviel billiger produziert.

Ich erinnere mich aber sehr gut an einen militanten Streik auf einer Großwerft in Korea. Die Werft war besetzt und man ging mit Eisenstangen bewaffnet auf eine Demo durch die Stadt. Begleitet wurde die Demo von Hochleistungsgabelstaplern, die große Stahlblechrollen transportierten mit denen sich Zufahrtsstraßen für die Einsatzfahrzeuge der Polizei blockiert werden konnten. Eine Gruppe Schweißer hat sich in einem Gebäude verbarrikadiert. Sie drohten für den Fall der Erstürmung mit ihren Schweißgeräten die gestapelten Gasflaschen zur Explosion zu bringen und mit ihnen die Treibstofftanks, die sich im Gebäude befanden.

Ich hörte voller Faszination die Berichte im Radio. In den Gegenden wird es einem bestimmt nicht leicht gemacht sich politisch gegen die großen Konzerne zu organisieren.

Vor etwa 4 oder 5 Jahren organisierte die IG Metall auf den Werften Aktionen um International Druck auf die Koreanische Konkurenz auszuüben. Die Gewerkschaftsdemo fand auf dem Werftgelände statt und auf der Kundgebung sprach passenderweise auch ein Vertreter der HDW Geschäftsführung.
Wie erbärmlich ist es doch, wenn Gewerkschaften sich dafür hergeben Arbeiter international gegeneinander auszuspielen.

Die Arbeiter in Südkorea lassen sich keineswegs die Bedingungen gefallen, die die Konzerne ihnen aufzwingen wollen. Unterstützung, praktische Solidarität wäre da gefordert. Doch wir kriegen hier nichteinmal Informationen über das, was dort geschieht. Also wäre die Verbreitung von internationalen Informationen das Mindeste, wenn man nicht länger nur Opfer der Wirtschaftspolitik sein will. Der IGM wäre es ein Leichtes mit ihren Kontakten für einen internationalen Informationsaustausch zu sorgen. Sie zeigen jedoch keinerlei Aktivitäten in der Richtung.

Ich habe ein wenig im world-wide-web gestöbert und fand zumindest ein paar hübsch anzusehende Seiten. Sieht alles recht Manga-mäßig aus, die demonstrierenden Arbeiter mit einheitlichen Stirnbändern und die martialisch ausgerüsten Polizeieinheiten. Doch die Bilder von geballten Fäusten, blutigen Köpfen und brennenden Fahrzeugen zeigt, daß in Südkorea keineswegs sozialer Frieden herrscht:



http://picis.jinbo.net/english/

http://www.nodong.net/

http://www.kmwf.or.kr/english.htm

http://metal.nodong.org/index.php

Falls jemand Zeit und ausreichende Englischkenntnisse hat, wäre es ja eine Aufgabe zu versuchen über´s Netz zu ein paar direkten Kontakten zu kommen...

Und über das allgemeine politische Klima bei "unserer Konkurenz" im fernen Osten hab ich in der Jungle world vom 19.11.03 folgendes gefunden:
Zitat
Heißer Winter in Seoul

Heißer Winter in Seoul Der südkoreanische Gewerkschaftsdachverband KCTU mobilisiert gegen Unternehmerwillkür und die Regierung. Der Staat schlägt hart zurück.
von christian karl, seoul

Was lange gärte, entlud sich rasch: Für den vorletzten Sonntag hatte der südkoreanische Gewerkschaftsdachverband KCTU (Korean Confederation of Trade Unions) in der Hauptstadt Seoul zur Protestdemonstration aufgerufen, und mindestens 100 000 Arbeiter beteiligten sich. Tausende von ihnen - unterstützt von progressiven Studentenorganisationen - lieferten sich heftige Straßenschlachten mit den Anti-Aufruhr-Einheiten der Polizei. Der Protest richtete sich insbesondere gegen die Welle der Repression, die auf die Aktivitäten der Gewerkschaft zielt.

Ende des vorigen Jahres, während der heißen Phase des Präsidentschaftswahlkampfes, hatte der heutige Präsident Roh Moo-hyun eine »arbeiterfreundliche« Politik für den Fall seiner Wahl versprochen. Er erklärte, dass er sich zum Anwalt der Arbeiterinteressen machen und die Werktätigen gegen die Willkür der Unternehmer verteidigen werde. Doch genau das Gegenteil scheint derzeit der Fall zu sein.

Wie bereits zu Zeiten des letzten Präsidenten Kim Dae-jung sind vor allem Aktivisten der KCTU verschärften Repressalien der Unternehmer ausgesetzt. Da bislang sämtliche Versuche der KCTU scheiterten, die Regierung dazu zu bewegen, ihr Wahlversprechen zu erfüllen und Gesetze auf den Weg zu bringen, die Arbeiter und Angestellte effektiv vor Unternehmerwillkür schützen können, haben sich in diesem Jahr sechs Gewerkschaftsführer aus Protest das Leben genommen.

Exemplarisch für diese Art des Protestes ist der Fall von Lee Hae-nam, dem Vorsitzenden der Metallarbeitergewerkschaft bei Sewon Tech (SMU). Am 22. Oktober versuchte er, sich selbst zu verbrennen. Vorausgegangen waren harte Angriffe der Unternehmer auf die SMU-Aktivisten. Seit sich im Oktober 2001 die Gewerkschaftsgruppe der Firma Sewon Tech in Daegu gebildet hatte, war sie ständigen Repressalien ausgesetzt. Der Firmeneigner Kim Moon-ki heuerte Schlägertrupps an, welche die Aktivisten verfolgten und zum Teil mittels Eisenstangen lebensgefährlich verletzten, er hetzte die Polizei auf sie und versuchte es mit gerichtlichen Mitteln - doch ohne Erfolg. SMU kämpfte unverdrossen für gewerkschaftliche Freiheiten, verbesserte Arbeitsbedingungen und gesetzliche Mindestlöhne.

Im August des vergangenen Jahres heuerte die Firmenleitung wiederum Kriminelle an, die dieses Mal dermaßen hart zuschlugen, dass am Ende mehrere Schwerverletzte zurück blieben. Einer von ihnen erlag im letzten August seinen Verletzungen. Die Gewerkschaft forderte daraufhin von der Firmenleitung, dass sie die volle Verantwortung für diese Tat übernehmen und die Familie des Opfers entschädigen solle. Die Unternehmerseite lehnte dies ab, woraufhin die gewerkschaftlich organisierten Angestellten und Arbeiter - rund 70 von 150 Beschäftigten - in einen unbefristeten Streik traten und das Gelände vor der Firmenzentrale in Daegu besetzten.

Als die Firmenleitung mehrmals Anti-Aufruhr-Einheiten anforderte, die ihrerseits unter Gewaltanwendung das Gelände räumten, die Besetzer und selbst deren Familienangehörige verhafteten, mussten die führenden Köpfe der SMU in den Untergrund gehen, da auch ihre Verhaftung drohte. Auf dem Höhepunkt dieser Eskalation versuchte Lee Hae-nam, durch seinen Selbsttötungsversuch die Öffentlichkeit auf den Kampf der Sewon-Tech-Belegschaft aufmerksam zu machen. Seitdem liegt Lee mit lebensgefährlichen Verbrennungen auf der Intensivstation und kämpft mit dem Tod. Zustände wie bei Sewon Tech haben in jüngster Zeit immer mehr Proteste hervorgerufen.

Anstatt aber auf die Forderungen der in der KCTU vereinigten Gewerkschaften einzugehen, reagiert der Staat mit Gewalt. Den Anfang dieser Entwicklung machte eine Demonstration der Migrantengewerkschaft ETU-MB (Equality Trade Union - Migrants - Branch), die am 12. Oktober von der Polizei attackiert wurde. Zwei Wochen später schlugen die Anti-Aufruhr-Einheiten eine Großdemonstration von Migranten und koreanischen Arbeitern blutig nieder. In der folgenden Woche wiederholten sich solche Szenen noch zweimal.

Daraufhin rief die KCTU für den vorletzten Sonntag zum Massenprotest gegen die Regierungspolitik auf. Dem Aufruf schlossen sich alle relevanten linken politischen Organisationen, Menschenrechts- und Studentengruppen an. Mehr als 100 000 Menschen prangerten die Politik der Regierung an und forderten die Möglichkeit der freien gewerkschaftlichen Betätigung und Gesetze, die der Unternehmerwillkür ein Ende bereiten. Park Sang-yoon, Sekretär der KCTU (Regionalbüro Seoul), erklärte der Jungle World: »Die ganze Zeit reden die Herrschenden von partizipativer Demokratie, die Realität erinnert aber eher an die Zeiten der Diktatur.«

Im Anschluss an die Auftaktkundgebung formierte sich ein machtvoller Demonstrationszug, der nur ein Manko hatte: Er war illegal. Offensichtlich wollte die KCTU an diesem Tag die Regierung zum Machtkampf herausfordern. Bereits nach kurzer Zeit lieferten sich 30 000 Mann der Anti-Aufruhr-Einheiten und tausende mit Eisenstangen und Molotowcocktails bewaffnete Arbeiter und Studenten stundenlange Straßenschlachten. »Eigentlich ist das ganze Vorhaben der reine Wahnsinn, wir müssen uns heute aber durchsetzen«, sagte Choi Yong-chan, leitendes Mitglied der linken Jugendorganisation Daham-kke (Alle Gemeinsam) zur Jungle World. Und tatsächlich konnten die Gewerkschaften und ihre Unterstützer, trotz der vielen Verletzten und Verhafteten, die Demonstration bis zum geplanten Ende fortsetzen.

Diese Schmach konnte die Regierung nicht auf sich sitzen lassen und kündigte am Tag darauf an, alle Führungskräfte der KCTU verhaften zu lassen, worauf diese für Mittwoch zum Generalstreik aufrief.

Wie geplant legten 150 000 Mitglieder der KCTU am Mittwoch vergangener Woche die Arbeit nieder und organisierten im ganzen Lande Demonstrationen. Am selben Tag gab die KCTU-Führung bekannt, dass von nun an wöchentlich am Mittwoch gestreikt werde, bis die Forderungen der Gewerkschaften nach wirksamen Gesetzen gegen Unternehmerwillkür erfüllt seien.

Auch wenn die Regierung in nächster Zeit nachgeben sollte, kündigt sich bereits ein weiterer Konflikt an. Eine der wichtigsten Forderungen an die Regierung, vorgetragen auf jeder von der KCTU organisierten Demonstration, ist die Rücknahme der Entscheidung, weitere südkoreanische Truppen in den Irak zu entsenden. Bereits im April kam es deswegen zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den Anti-Aufruhr-Einheiten auf der einen und Gewerkschaftern sowie Studenten auf der anderen Seite. Obwohl diese Straßenschlachten sich über Tage hinzogen, verabschiedete die Nationalversammlung, das südkoreanische Parlament, das Truppenentsendegesetz, welches es der Regierung gestattete, 600 unbewaffnete Soldaten aus Sanitäts- und Pioniereinheiten in den Irak zu schicken. Joh Ji-yeong, Aktivistin der linken Minju nodong-dang (Demokratische Arbeiterpartei), meint dazu etwas pathetisch gegenüber der Jungle World: »Schon diese Niederlage war schlimm für uns, aber wenn sie jetzt Kampftruppen schicken wollen, gibt es für uns wohl keine andere Wahl, als bis zum siegreichen Ende zu kämpfen.«

Und so sieht es wohl ganz danach aus, als ob Südkorea den zweiten heißen Winter in Folge erleben wird. Im letzten gab es fast täglich Massenproteste gegen die Truppenpräsenz der USA im Lande und gegen den damals noch in Planung befindlichen Krieg gegen den Irak.
 
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Go straight to hell, boys!
Gast
« Antworten #1 am: 14. Februar 2004, 20:22:47 »

In den Medien hörten wir gerade über Arbeitsniederlegungen  an der Ems und in MeckPom im Rahmen des IGM Streiks. Auf die Schnelle hier eine Meldung, die ich beim googeln gefunden habe:


Zitat
Original von Rote Fahne

11.02.04 - Werft-Warnstreik in Wismar

Bei der Montagsaktion in Wismar
Wismar (Korrespondenz): Am Montagmittag war die Meeres-Technik-Werft Wismar an der Reihe. Schon am frühen Morgen darauf ausgerichtet, logten 400 Werftarbeiter, also gut eine der drei Schichten, ihre Stechkarten aus und machten eine Kundgebung vor dem Werfttor.
Ein IGM-Funktionär kritisierte vor laufender Kamera des Norddeutschen Rundfunks die Ungerechtigkeit.
Stunden später formierte sich vorm Wismarer Rathaus die Montagsdemo gegen Schröders Agenda.



Daß Streiks aber auch ein anderes Gesicht haben können erfahren wir aus hiesigen Medien nur kaum:


Zitat
Original von Direkte Aktion

Internationales - 06.02.04
Astilleros Izar: Zwei Tage Hexenkessel in der Bucht von Cádiz und in Sevilla
[/size]Andalusien, Anfang Februar: Zwei Tage lang lieferten sich mehrere Tausend Arbeiter des Werftenverbundes Izar S.A. in verschiedenen Orten der Bucht von Cadiz sowie im weiter nördlich gelegenen Sevilla stundenlange erbitterte Kämpfe mit der Polizei. Die Arbeiter sind wütend, weil sie mit ihrer Forderung nach einem neuen Tarifvertrag von dem halbstaatlichen Konzern seit Monaten hingehalten werden und die Firmenleitung jetzt auch noch Kurzarbeit von mindestens sechs Monaten für tausende Beschäftigte u.a. in Puerto Real und Gijón angekündigt hat. Gleichzeitig verkündete sie, dass die Firma nach Jahren der Verluste nun endlich wieder an der Schwelle zur Gewinnzone stehe. Als Reaktion werden jetzt, wie schon 1985 und 2000, "Raketenwerfer" und Zwillen geschweißt und der Protest auf die Straßen verlegt.

Als Reaktion auf die angekündigten Maßnahmen haben am 6. Februar 2.000 Arbeiter der Werft von Puerto Real und mindestens eines Zulieferbetriebes mehrere Straßen in Puerto Real und die Nationalstraße 443, die einzige Straße, die nach Puerto Real und Cadiz führt, blockiert und dort Barrikaden errichtet und angezündet. In der Folge kommt es zu einer Straßenschlacht mit Aufstandsbekämpfungseinheiten, die sich in Cádiz und Puerto Real über 13 Stunden hinzieht und erst endet, als er es der Polizei gelingt, in einem Zangenangriff die Arbeiter auf das Gelände der Werft von Puerto Real zurückzutreiben.

Bereits am Vortag hatten mehr als 4.000 Arbeiter aus drei Werften der Izar (Puerto Real, Cádiz und Sevilla) und aus mehreren Zulieferern sich mit den Aufstandsbekämpfungseinheiten eine richtig gehende Schlacht um die Brücken nach Cadiz und San Fernando und um die Industriestraße geliefert. Mehrere Dutzend Arbeiter erlitten Prellungen, drei wurden schwerer verletzt.

Zeitgleich mit den Auseinandersetzungen in und um Puerto Real blockierten in Sevilla über 1.000 Werftarbeiter die Zufahrt zum dortigen Hafengelände und versuchten die Schleuse am Hafeneingang unter ihre Kontrollen zu bekommen. Nach einer dreistündigen Straßenschlacht gaben sie ihren Plan auf, sich zu einer Demonstration in die Stadt durchzukämpfen. Bei den Auseinandersetzungen erlitten mindestens 22 Arbeiter und ein Journalist Verletzungen durch Tränengas. Ein Arbeiter wurde festgenommen, kurz darauf aber wieder freigelassen.

Im galizischen Ferrol, wo die Izar zwei weitere Werften betreibt, demonstrierten rund 4.000 Werftarbeiter. Abgesehen von einigen kleineren Rangeleien blieb es dort aber zunächst relativ ruhig.

Bereits 1985 war es in Puerto Real zu wochenlangen Kämpfen zwischen den Arbeitern der von Schließung bedrohten Werft und hunderten von Polizisten gekommen. Als die Aufstandsbekämpfungseinheiten seinerzeit die Werft stürmten, zogen sich die Arbeiter auf ein im Werft liegendes Schiff zurück und verteidigten sich tagelang erfolgreich u.a. mit selbstgebastelten "Raketenwerfern" gegen die Staatsmacht. Die Schließung der Werft konnte damals, anders als die der Euskalduna in Bilbao, durch die militanten Proteste verhindert werden. Die Betriebsgruppe der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT spielte damals eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Schließung.

Nach zwei Tagen herrscht nun erst einmal gespannte Ruhe. Die Arbeiter sind in die Werften und Fabriken zurückgekehrt, die Straßen von Cadiz, San Fernando, Puerto Real und Sevilla sind voller Guardias Civiles und anderer Polizeieinheiten.

Im Laufe der nächsten Wochen sind weitere Streiks und Aktionen angekündigt, darunter eine zentrale Demonstration der Werftarbeiter in Madrid und ein 24-stündiger Streik am 5. März.

Die Betriebsgruppe der CNT hatte einige Tagen vor dem aktuellen Wiederaufflammen der Kämpfe ein längeres Flugblatt verfasst, in dem sie die Entwicklungen der letzten Monate analysiert und ein Scheitern der derzeitigen Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Konzernleitung in Aussicht stellt. Wir werden diesen Text in Kürze veröffentlichen.



Nun, und Bilder, die mehr als 1000 Worte sagen findet man unter:
http://www.fau.org/artikel/art_040206-110416
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Gast
« Antworten #2 am: 06. März 2004, 20:49:53 »

Aktuelles aus Spanien:

Zitat
Original von rf-news.de

04.03.04 - Marsch spanischer Werftarbeiter auf Madrid
Morgen wollen rund 11.000 Schiffsbauer von sieben Werften zusammen mit zahlreichen Beschäftigten aus den Zulieferbetrieben gemeinsam in Madrid für einen neuen Tarifvertrag und gegen die Privatisierung der Werften demonstrieren. Seit fast drei Monaten gab es in den Hafenstädten immer wieder kurzzeitige Streiks mit Straßen und Schienenblockaden. Die Polizei ging mit Gummigeschossen, Tränengas und Räumpanzern gegen die Arbeiter vor, wobei mehrere Hundert verletzt wurden.  


 
Zitat
Original von rf-news.de

 06.03.04 - Großdemonstration spanischer Werftarbeiter
20.000 Menschen, vor allem Werftarbeiter aus allen acht Standorten, demonstrierten gestern in Madrid gegen die geplante Schließung von Werften und für höheren Löhn. Auf allen Werften wurde für 24-Stunden gestreikt. Die Demonstration war bestimmt von einem Meer an roten Fahnen. Seit Wochen protestieren die Arbeiter in allen 3 spanischen Werftregionen (Baskenland, Galizien und Andalusien), wobei es immer wieder zu Straßenschlachten mit der Polizei kam, die gegen Blockaden vorging.  
 
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ManOfConstantSorrow


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« Antworten #3 am: 23. Mai 2004, 12:52:04 »

Zitat
Original von rf-news 20.5.04

Europäischer Werftenkonzern geplant: Über 1.000 Arbeitsplätze gefährdet?

Unter Führung von ThyssenKrupp wird derzeit die Schmiedung eines europäischen Werft-Riesenkonzerns vorbereitet. Er soll wie im Flugzeugbau der EADS-Konzern vor allem im Rüstungsbereich die Weltmarktführung erobern und der US-Konkurrenz Paroli bieten. Laut einer Sprecherin von ThyssenKrupp sollen bei dem Zusammenschluss auf jeden Fall Arbeitsplätze vernichtet werden.
Während die Schröder-Regierung nicht müde wird, Hoffnungen auf eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in die Welt zu setzen, geht die Arbeitsplatzvernichtung auch nach dem Ende der Weltwirtschaftskrise unvermindert weiter. Wie im Fall der Werftindustrie ist dies Folge einer internationalen Strukturkrise. Sie führt zur Vernichtung ganzer Konzerne und vertieft sich gegenwärtig mit einer Welle neuer Fusionen und Firmenübernahmen.

"Spitzenposition" auf dem Rücken der Belegschaften

Ermöglicht wurden die neuen Fusionspläne, nachdem sich ThyssenKrupp mit der US-Finanzgruppe One Equity Partners darauf geeinigt hatte, deren Anteile an der HDW-Gruppe zu übernehmen und diese mit den eigenen Werften zu verschmelzen. Der deutsche Werftenverbund soll Ausgangsbasis für weitere europaweite Fusionen und Übernahmen werden. Spekuliert wird insbesondere über eine Allianz mit dem französischen Rüstungskonzern Thales.
Bereits jetzt ist der Schwerpunkt der neuen Werftengruppe der Bau von Kriegsschiffen. HDW ist Weltmarktführer im Bau nicht atomar getriebener U-Boote und hat dazu mit der Entwicklung des Brennstoffzellen-Antriebs eine technologische Spitzenposition.
Über das US-Finanzkapital wurde auch eine Zusammenarbeit mit dem US-Rüstungskonzern Northrop eingefädelt, der die von HDW für den Schiffbau entwickelte Tarnkappentechnologie bei der Modernisierung von US-Kriegsschiffen einsetzen will. Die OEP-Investmentgruppe hatte HDW vom angeschlagenen Babcock-Borsig-Konzern aufgekauft. OEP selbst gehört zu JP Morgan Chase, der heutigen Nr. 2 der US-Banken. Gleichzeitig bedeuten die europäischen Fusionspläne eine enorme Verschärfung des Konkurrenzkampfs gegenüber den US-amerikanischen, japanischen und koreanischen Werftkonzernen.


Das Kapital weiß seine Kräfte zu bündeln. Die logische Antwort wäre 1.) ein Zusammenkommen der Belegschaften zu einer gemeinsamen Diskussion um dann 2.) gemeinsam gegen die Konzernpolitk angehen zu können.
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Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
ManOfConstantSorrow


Beiträge: 6430


« Antworten #4 am: 22. Dezember 2004, 00:21:08 »

Zitat
Junge Welt 1.12.04
Heavy Metaller
Die Privatisierung und Umstrukturierung der staatlichen Werften führt in Südspanien derzeit wieder zu schweren Straßenschlachten zwischen Polizei und Werftarbeitern.
von tom kucharz, cadiz

An diesem Novembermorgen fahren zwischen Puerto Real und San Fernando, in der am südlichen Zipfel Andalusiens gelegenen Bucht von Cadiz, keine Nahverkehrszüge mehr. Die staatliche Bahngesellschaft Renfe setzt seit neun Uhr Schienenersatzverkehr ein. Sogar die Fahrgäste nach Madrid und Barcelona müssen den Bus nehmen. Arbeiter der Werft von San Fernando haben in der Hochspannungsleitung einen Kurzschluss verursacht. »Wir sind nicht einverstanden mit den Verhandlungen über unsere Zukunft«, rechtfertigen sich die halbvermummten Männer in Schlosseranzügen. Man sieht ihnen die Jahre in der Stahlbranche an. Obwohl Mützen, Hassmasken und Helme die teils grauen Haare verdecken. Das Durchschnittsalter mag wohl bei 45 bis 50 Jahren liegen. Dem Versprechen der Regierung, niemanden zu entlassen, trauen sie nicht.

Die etwa 1 300 Schiffsbauer aus der Fabrik Bazán besetzen die Fernverkehrsstraße C33. Aus Kabelrollen, Seilen und Gittern werden Barrikaden errichtet, angezündete Container enden auf dem Gleisbett der S-Bahn. Als ein am Straßenrand liegen gebliebenes Fahrzeug in Flammen aufgeht, kommt auch der Autoverkehr zum Erliegen. Die Wut ist den Arbeitern ins Gesicht geschrieben. »Nur über unsere Leichen werdet ihr Bazán schließen«, rufen sie, die Hände zu Fäusten geballt.

Wenige Augenblicke später taucht die Polizei auf. Mit Gummigeschossen und Tränengas versucht sie, die Demonstration aufzulösen. Manuel verschanzt sich hinter einer Holzpalette. »Die Schweine gehen immer brutaler gegen uns vor, obwohl sie wissen, dass wir nur unsere Arbeitsplätze verteidigen.« Aus einer großen Gruppe fliegen Steine und Schrauben in Richtung Polizei. Die antwortet mit einer Ladung Gummikugeln, die bei einigen schmerzhafte Wunden im Fleisch hinterlassen. »Wenn sich das nicht regeln lässt«, lautet der Sprechchor, »gibt es Krieg, Krieg, Krieg.« Gepanzerte Fahrzeuge räumen die Straßenblockaden zur Seite, während an anderer Stelle neue errichtet werden. Die Rauchschwaden brennender Autoreifen vermischen sich mit dem Tränengas der Einsatzpolizisten. Nach dem Rückzug auf das Werksgelände werden am Mittag die Verwundeten versorgt: Prellungen, Platzwunden und Blutergüsse. Einer der Arbeiter im Werk von San Fernando ist Jesús Roman, 34 Jahre alt. Er wartet seit 15 Jahren die Maschinen. Er hat die Hoffnung aufgegeben, dass nach ihm neue Generationen kommen.

Während in Cadiz die Straßenschlacht tobt, versammeln sich in Sevilla 500 Arbeiter, um sich mit dem örtlichen Gouverneur zu unterhalten. 200 sind es in Gijón, die in der Innenstadt Autobusse querstellen. In Ferrol, Manises und Sestao werden Versammlungen abgehalten. Dabei wird beschlossen, in der kommenden Woche an allen zehn Werftstandorten des Landes zu streiken. Wie schon im September und Oktober, als die Europäische Kommission bekannt gab, dass Izar, die staatliche Schiffsbaufirma, Subventionen in Höhe von 1 100 Millionen Euro an die EU zurückzahlen muss. Man fürchtete das Schlimmste. Die »blauen Overalls«, wie die Schiffsbauer auch genannt werden, gruben das Kriegsbeil aus. In Galizien (Ferrol und Fene), Andalusien (San Fernando, Puerto Real, Sevilla, Cadiz), Asturien (Gijón), Murcia (Cartagena), Valencia (Manises) und im Baskenland (Sestao) bestimmen seitdem brennende Barrikaden, verletzte Demonstranten, knüppelnde Polizisten sowie ratlose Gesichter das Bild an den Werfteingängen.

Vakant sind die letzten 10 600 unbefristeten Stellen bei Izar. Vor vier Jahren fusionierten, als eine Art Notlösung des von roten Zahlen gebeutelten Industriezweigs, sieben zivile und drei militärische Werften der Firmen Bazán und Astilleros Españoles. Die staatliche Gesellschaft für Industriebeteiligungen (Sepi) gründete das Unternehmen Izar und investierte viel Geld. Verbessert hat das die Situation der Betroffenen nicht. Die zivilen Standorte erhalten seit fast drei Jahren keine größeren Aufträge mehr. Sepi möchte aus dem zivilen Schiffsbau ganz aussteigen.

»Das Problem ist«, findet ein hoch gewachsener Elektriker mittleren Alters, dessen Gesicht ein weißes Tuch verdeckt, »dass in Spanien Umstrukturierung mit Entlassungen gleichgesetzt wird.« »20 Jahre lang das gleiche«, seufzt Juan Ceballos, 49 Jahre alt und seit 1981 Schweißer in der Werft von Puerto Real, auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht von Cadiz. Inmitten der weltweiten Rezession wurde Puerto Real 1975 als eine der größten europäischen Werften in Betrieb genommen. Ceballos ist Delegierter der anarchistischen Gewerkschaft CNT und im Arbeiterplenum aktiv, auch wenn sich die CNT nicht an den Betriebsratswahlen beteiligt. Ende der achtziger Jahre erfasste ihn erstmals das Gefühl der Unsicherheit. Als Neuling, ohne festen Vertrag, zur Zeit der ersten großen »Strukturanpassung«, der eine folgenschwere Entlassungswelle folgte. Heute fürchtet er nichts mehr: »Um meinen Arbeitsplatz mache ich mir keine Sorgen«, erklärt er. Eine Schließung, Teilprivatisierung bzw. Werftzusammenlegungen beträfen vor allem die 60 000 Teilzeitbeschäftigten sowie die 36 000 Arbeitsplätze, die direkt von dieser Branche abhängig sind. Schließlich garantiere jeder Werftarbeiter weiteren sieben Menschen eine Arbeit.

»Die Stellenkürzungen bzw. Frührentenabschlüsse dienen vor allem der Reform des Arbeitsmarktes«, beschwört Ceballos. »Es werden keine Aufträge angenommen, um die Umwandlung von festen in prekäre Jobs zu rechtfertigen, so wie es IWF und EU vorschreiben.« Flexible Verträge statt guter Ausbildung. In dem Betrieb von Nani, wie Ceballos von seinen Kollegen genannt wird, arbeiten nächstes Jahr nur noch 600 Festangestellte; vor 1984 waren es noch 3 700. Trotzdem vertraut Nani auf die ökologischen und wirtschaftlichen Sachzwänge, die den Ausbau der Seefahrt notwendig machen. »Natürlich wird es Arbeit geben«, sagt Ceballos, »nur die Bedingungen werden bedeutend mieser sein.« Dass es an Aufträgen nicht fehlt, zeigen die Werften in Ferrol und Cartagena. Dort wird bis zum Jahr 2010 durchgehend geschweißt. Aber nur an Armeefregatten.

Anfang September schlug die Sepi vor, Izar in einen zivilen und einen militärischen Bereich aufzugliedern. Die Gewerkschaften befürchten, dass die unrentablen Werften aufgegeben werden und in den rentablen Anlagen die gesamte Belegschaft zu prekären Beschäftigungsverhältnissen gezwungen wird. 80 Prozent der Produktion wird bereits von Teilzeitbeschäftigten erledigt.

Streiks und Straßenblockaden der letzten Monate zwangen die Sepi zu Verhandlungen und neuen Kompromissen. Eine öffentliche Holding soll sich nun um den militärischen und zivilen Werftbetrieb kümmern. Der zivile Bereich soll zu 51 Prozent von privaten Investoren finanziert werden, lautet der Vorschlag der Sepi und des Wirtschaftsministers und ehemaligen EU-Kommissars Pedro Solbes. Der militärische Bereich könnte weiter bei der öffentlichen Hand bleiben. »Man muss sich der Realität stellen, diese Werften umstrukturieren und einige schmerzliche Entscheidungen treffen«, erklärte die Pressesprecherin der EU-Wettbewerbsabteilung, Amelia Torres, in Brüssel. Die Werft in San Fernando soll den EU-Plänen zufolge aus dem militärischen Bereich ausgegliedert werden.

Die Abwicklung der Werften begann in den »goldenen Jahren« der Metallindustrie, mit der Marktöffnung Anfang der siebziger Jahre. Zwischen 1961 und 1973 wuchs die spanische Wirtschaft im Durchschnitt um 7,2 Prozent, die Arbeitslosenrate belief sich auf nur 1,5 Prozent (1971). Zu diesem Zeitpunkt war Spanien der drittgrößte Schiffsproduzent der Welt. Als 1975 dann der Suez-Kanal eröffnet wurde, platzten die Träume, in Spanien Supertanker zu bauen, die zwar für die Umschiffung Afrikas notwendig gewesen waren, die aber nicht durch den Kanal passten.

1979 bat die Regierung offiziell um den Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft (EG). Die von der EG diktierten Strukturanpassungen, um den Beitrittsanforderungen gerecht zu werden, änderten die wirtschaftliche Lage schlagartig. Von 1976 bis 1985 gingen 2,3 Millionen Arbeitsplätze verloren, davon eine Million in der Industrie. Die Erwerbslosenrate stieg auf 22 Prozent. Nach den Regeln des Europäischen Einheitsmarktes war der staatliche Schutz des einheimischen Industriegewerbes untersagt. Durch die Neuverteilung der Quoten waren die Werften gezwungen, ihre Produktionskapazitäten gegenüber den europäischen Nachbarn zu senken. Den Auftragsrückgängen folgten Massenentlassungen und Einschnitte in die Rechte der Arbeiter. Sieben Werften mussten schließen.

Die in den achtziger Jahren regierenden Sozialdemokraten (Psoe) passten die Werftindustrie den neuen Gegebenheiten der globalen Weltwirtschaft an. Seit 1996 tat die konservative Volkspartei dann das Übrige. In einer Art »Flucht nach vorne« schüttete sie zwar finanzielle Hilfen aus, ließ die Werften aber ohne Aufträge. »Ein psychologischer Krieg, ein Manöver, um uns still zu halten«, lautete das Statement der Gewerkschaft CCOO-Metall.

Heute produzieren koreanische, chinesische und japanische Werften 47 Prozent der zivilen Schiffe, die in Europa bestellt werden. Während die EU nur noch sieben Prozent des globalen Schiffsbaus kontrolliert, liegt der Anteil der drei asiatischen Staaten bei 86 Prozent. Juan Ceballos glaubt, dass Spanien im Ausland Schiffe einkaufen wird, wenn die EU-Fonds 2007 wegfallen.

In der Provinz Cadiz, die über eine Million Einwohner hat, hinterlässt die wirtschaftliche Globalisierung deutliche Spuren: 24 Prozent Arbeitslosigkeit. Mehr als die Hälfte aller neuen Arbeitslosen in Andalusien stammt aus dieser Gegend, aus der Columbus seinerzeit in die neue Welt aufbrach. Die Jugendlichen gehen heutzutage nach Castellón, um in der Schuhproduktion zu arbeiten. Oder sie versuchen, sich in der Tourismusbranche durchzuschlagen. In Fene, wo 1987 das letzte Schiff getauft wurde, sind 16,3 Prozent der Bevölkerung arbeitslos.

Vor zwei Jahren brachte der Regisseur Fernando Leon dem Kinopublikum mit dem Streifen »Montags in der Sonne« eindrucksvoll die trübselige Stimmung der einstigen Werfthochburgen in Galizien nahe. Langzeitarbeitslose, soziale Verelendung, Alkoholismus, Familienkrisen, Emigration in die Provinzhauptstädte, Ausweglosigkeit.

Eine Kulisse stillstehender Kräne, die im Wind ächzen, zeugt von einer Wirtschaftsepoche, die schon fast eine vergangene ist. Wo einst die größten Erdöltanker der Welt vom Stapel liefen, herrscht nun bedrückende Leblosigkeit. Es ist kaum vorstellbar, dass 1978 in den heute halbverwaisten Werfthallen des Landes mehr als 45 000 festangestellte Metaller schufteten. 1984 waren es noch 39 000, zehn Jahre später nur noch 18 000, und im kommenden Jahr werden kaum mehr als 6 000 übrig sein.

In Cadiz, in der Bar »El Portal«, sprechen die überwiegend alten Leute von den Vorfällen des Vormittags. Die Werftarbeiter sind Thema. Es beginnt eine leidenschaftliche Diskussion darüber, wie weit die Arbeiter das Recht haben, andere in Mitleidenschaft zu ziehen. Cadiz ist eine Art Halbinsel und nur über Puerto Real oder San Fernando zu erreichen. Für die Streikenden ist es also kein Problem, den Verkehr der gesamten Stadt lahm zu legen. Doch so erregt auch diskutiert wird, nach nur wenigen Minuten widmen sich die Rentner wieder ihrem Kartenspiel, kauen an der Zigarette und nippen am Rotwein. »Als mein Mann 1985 in Rente geschickt wurde, wusste er nicht mehr, was er machen sollte«, erzählt Doña Manuela, »er starb vor sich hin, versank im Alkohol und verspielte unsere kleine Rente, Gott möge ihn beschützen.«

»Auch in den Stadtteilvereinen spricht man über nichts anderes«, erzählt Franzisca Casado Luque, genannt Paci. Sie arbeitet im »Zentrum zur Unterstützung der Vereine von Cadiz und der Bucht« und kommt täglich mit Menschen aus den Arbeitervierteln zusammen. Das Problem sei, dass die meisten Anwohner der Bucht nicht verstehen, warum die Arbeiter die Zufahrt zur Stadt blockieren müssen, um ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen. Paci hebt hervor: »Viele beschweren sich über die Demonstrationsformen, obwohl sie verstehen, dass die Arbeiter um die Zukunft der Region kämpfen.« Cadiz ist eine kleine Stadt und der Großteil der Leute lebt von Gelegenheitsjobs. Wer in der Werft arbeitet, gilt eher als privilegiert.

»Als sie die S-Bahn blockierten, konnte ich nicht putzen gehen«, klagt eine jüngere Frau, die dem Gespräch gelauscht hat. Vor vier Jahren kam Esmeralda aus Ecuador nach Cadiz, um »ihr Glück zu suchen«, wie sie sagt. Jeden Morgen fährt sie bis nach El Puerto de Santa Maria, um drei Wohnungen zu säubern. »Die Werftarbeiter sind nicht solidarisch mit uns«, schimpft sie.

Es scheint, als hätten es die Werftarbeiter in den letzten Jahren versäumt, den Rest der Bevölkerung in ihren Kampf einzubeziehen. »Wie erklärt es sich sonst, dass im Stadtteilverein ›Asociación de Vecinos Puntales‹, wo praktisch jede Familie irgendwie mit dem Werftbetrieb verbunden ist, niemand Verständnis für die Blockaden aufbringt?« fragt Paci. Die Schuld für die mangelnde Solidarität liege bei den Gewerkschaftsfunktionären, die sich auf ihren Privilegien ausgeruht hätten. »Ich war auch Schweißer in der Werft, bis sie mich 1994 auf die Straße setzten«, wettert ein Taxifahrer, »aber heute habe ich den ganzen Tag verloren. Warum rufen sie nicht am Wochenende zu Demonstrationen auf, an denen wir teilnehmen können?« fragt er.

In Spanien sind die Werftarbeiter bekannt für ihre radikalen Methoden. Sie sind fast die einzigen, die sich offen mit der Polizei Straßenschlachten liefern, sie mit Zwillen angreifen und mit Blockaden stundenlang den Verkehr lähmen. Doch die Jahre hinterlassen ihre Spuren. »Wir haben schon genug unternommen«, murmelt ein bärtiger Kerl auf dem Weg zurück zur Werft in San Fernando. Die harten Metaller wirken müde. Sie gestehen, keinen Ausweg zu sehen. Der Regierung ist es gelungen, Gewerkschaften und Betriebsräte gegeneinander auszuspielen. In der Bucht von Cadiz, mit ihren drei Werften, keimt langsam, aber gefährlich die Logik des Standortwettbewerbs. Am Ende sollen die Kollegen aus San Fernando in Puerto Real zur Arbeit antreten. Geschlagen geben sich die Werftarbeiter aber noch nicht. Schließlich kämpft man, so sagen sie, gegen eine der »größten sozialen Tragödien in Spanien«.
              
   



Zitat
rf-news:
21.12.04
Teilerfolg der spanischen Werftarbeiter
Nach monatelangen Streikaktionen und teilweise harten Auseinandersetzungen mit der Polizei haben die spanischen Werftarbeiter einen Teilerfolg erzielt. Die Regierung musste zugestehen, dass vorerst keine der staatlichen Werften geschlossen wird. Als "Alternative" bietet sie an, dass allen Werftarbeitern über 52 Jahre (ca. 4.000 von 11.000) in den Vorruhestand gehen können.
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« Antworten #5 am: 08. März 2006, 18:06:30 »

Erfolgreicher Werftenstreik

1700 Arbeiter der Iran-Sadra Werft (in Bushehr, Provinz Mazandaran) führten Anfang Februar einen 3wöchigen erfolgreichen Streik durch, unter anderem für die Einführung von Tarifgruppen und die Auszahlung rückständiger Sonderzahlungen. Der Kurzbericht "Siegreicher Streik der Iran-Sadra Werftarbeiter"
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« Antworten #6 am: 07. Juni 2006, 11:34:38 »

Türkei:

Zitat
Die Nachrichten über Übergriffe seitens der Polizei gegenüber die um ihre Gehälter protestierenden Werftarbeiter reissen einfach nicht. Beim gestrigen Angriff wurden 30 Werftarbeiter in Gewahrsam genommen, sieben weitere schwer verletzt. Innerhalb der letzten acht Tage waren die Werftarbeiter vier Mal den polizeilichen Angriffen ausgesetzt.

Die Werftarbeiter protestieren seit dem 25. Mai, weil sie seit knapp drei Monaten ihre Löhne nicht mehr erhalten haben und die fristgerechte Zahlung ihrer Versicherungsprämien fordern. Am Donnerstag versammelt sich rund 500 Menschen, neben den Mitgliedern der Gewerkschaft Limter-Is auch etliche andere „Kollegen“, um einen Protestmarsch zur DESAN-Werft zu unternehmen. Doch die angerückte Polizei unterbrach die Aktion, in dem sie mit Pfefferspray und Schlagstöcken gegen die Protestierenden vorging.


http://www.sendikanet.org/de/modules/news/article.php?storyid=331target=_self
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« Antworten #7 am: 03. Juli 2006, 20:15:56 »


Vorsitzender einer türkischen Hafenarbeitergewerkschaft festgenommen

„Am 11. Juni wurden Cem Dinc, Vorsitzender der Hafenarbeitergewerkschaft Limter-Is und der Bildungssekretär Kamber Saygili vom türkischen Staat festgenommen und ins Gefängnis geworfen. Sie hatten einen Arbeiterwiderstand auf der Werft Tuzla/Istanbul, in dem Unternehmen DESAN angeführt…“ Artikel von isci auf Indymedia vom 30.06.2006


Auch inhaftierte Gewerkschaftler im Hungerstreik
„Nach dem die Arbeiter der Desan-Werft und Mitglieder der Gewerkschaft Limter-Is weiterhin im Hungerstreik für die inhaftierten Cem Dinc und Kamber Saygili sind, haben nun auch die seit dem 10. Juni in Haft sitzenden Gewerkschaftler mit dem Hungerstreik begonnen…“ Meldung auf Sendikanet
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« Antworten #8 am: 19. Juni 2007, 20:51:46 »

Letzte Woche traten mehr als 600 Arbeiter auf der Rosyth Marinewerft in Fife (Schottland) in den Streik. Sie protestierten gegen Änderungen bei den Pensionen. Der Konzern Babcock International, zu dem die Werft gehört, hatte angekündigt, dass die Arbeiter mehr für ihre Altersversorgung zahlen müssten, wobei sie gleichzeitig weniger Rente erhalten sollten.
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« Antworten #9 am: 26. November 2007, 19:01:17 »

26.11.07 - Auf den Werften in Tuzla, wo bereits im September fünf Arbeiter bei Arbeitsunfällen ums Leben kamen, starben zwei weitere Arbeiter aufgrund von mangelnden Sicherheitsvorkehrungen. Am 17. November stürzte Fatih Kilic, der bei Yavuz Makine gearbeitet hat, aus großer Höhe in den Tod und am 19. November verunglückte Sabri Yanardag, der auf der Dörtler-Werft arbeitete, tödlich, als ein 18 Tonnen schwerer Block auf ihn stürzte.

Am 20. November organisierte die Gewerkschaft Limter-Is eine Aktion vor der Yavuz Makine, um gegen diese beide "Morde" zu protestieren. Die Arbeiter entfalteten ein Transparent, auf dem die beiden Namen der getöteten Arbeiter und die Parole "Schlachterei oder Werft?" standen. Sie riefen Slogans wie: "Wen trifft es als nächstes, wir wollen nicht länger sterben", "Kein Arbeitsunfall, ein Arbeitsmord" und "Die Zeiten werden sich ändern und dann werden die Bosse den Arbeitern Rechenschaft ablegen".

Der Vorsitzende der Gewerkschaft, Cem Dinc, hielt eine Rede im Namen der Arbeiter und erklärte: "Wir wissen, wer für diese Mordserie verantwortlich ist. Die verantwortliche Kraft für dieses Verbrechen ist das System des Outsourcing, das System der Arbeitsorganisation ohne jegliche Regeln und die AKP, die Vertreterin des kapitalistischen Systems."

Im Anschluss marschierten die Arbeiter zur Dörtler-Werft, wo Sabri Yanardag ums Leben gekommen war. In einer Rede wurde betont, dass die Vorfälle keineswegs Zufälle, sondern "Morde am Arbeitsplatz" seien.
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« Antworten #10 am: 29. Februar 2008, 12:29:49 »

28.02.08 - Gestern traten auf den Werften in Tuzla, einem Stadtteil der türkischen Großstadt Istanbul, Tausende von Werftarbeitern in den Streik, verbunden mit einer Demonstration. Der Streik richtet sich gegen die katastrophalen Sicherheitsbedingungen, die zu 18 tödlichen Unfällen in den letzten acht Monaten führten. Die Gewerkschaft der Werftarbeiter DISK/Limter-Is spricht von Mord. Tuzla ist das Zentrum der aufstrebenden Werftindustrie in der Türkei.
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« Antworten #11 am: 15. Juni 2008, 13:08:20 »

Neuer Werftarbeiterstreik wird vorbereitet

Die Arbeitsbedingungen - sprich ganz direkt jede Menge schwerer "Unfälle" sind das zentrale Anliegen vieler ArbeiterInnen in der Türkei, ganz besonders aber auf den Werften. Nachdem Zusagen aufgrund eines Streiks im Februar nicht eingehalten wurden, ruft die Gewerkschaft Limter-Is für den 16. Juni 2008 zu einem erneuten Streik auf und ruft zur internationalen Solidarität auf. Der Brief "An unsere Arbeitskollegen in der Welt" des Gewerkschaftsvorstands vom 29. Mai 2008.
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« Antworten #12 am: 22. Juni 2008, 10:06:25 »



rf-news, 21.06.08 - Die Gewerkschaft Limter-Is gab die Höhe der Beteiligung des Streikes bekannt, der am 16. Juni auf den Werften von Tuzla/Istanbul gegen die Arbeitsunfälle und versklavenden Arbeitsbedingungen unter dem Motto: "Für das Recht auf menschenwürdiges Leben und Arbeiten" organisiert wurde. Die Gewerkschaft gab bekannt, dass die Produktion auf den Werften von Tuzla zu 70 Prozent eingestellt wurde.

Trotz der Drohungen der Bosse, obwohl sie die Arbeiter mit Booten über den Seeweg und mit Hilfe der Polizei über den Landweg zu den Werften brachten, trotz der Tatsache, dass sie die Arbeiter dort arbeiten ließen, wo es von außen sichtbar ist und so versuchten, den Eindruck zu vermitteln, der Streik sei nicht erfolgreich und trotz all der Antipropaganda der bürgerlichen Medien erreichte der Streik, dass auf vielen Werften die Produktion eingestellt wurde.

In einer weiteren Mitteilung vom 19.6. heißt es, dass der Generalsekretär von Limter-Is, Kanber Saygili, am Schluss der zentralen Streikversammlung ausführte: "In Tuzla wird nichts sein wie zuvor. Mit unserer Entschlossenheit und Solidarität werden wir die Bedingungen hier ändern. (...) Wir werden nicht eher ruhen, bis ihr unsere Forderungen erfüllt habt."
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« Antworten #13 am: 14. Juli 2008, 15:58:03 »

Am 10.7. gingen in Szczecin 3.000 Arbeiter für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze in den Werften auf die Straße. Die EU-Kommission hat der polnischen Regierung ein Ultimatum gestellt, die Subventionen für die Werften in Szczecin, Gdansk und Gdynia einzustellen. Die Werften sollen privatisiert werden.
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« Antworten #14 am: 25. Juli 2008, 14:44:52 »

Zitat
Proteste nach tödlicher Explosion in griechischer Werft

Athen (AP) Nach einer Explosion in einer griechischen Werft mit acht Todesopfern haben am Freitag hunderte Arbeiter gegen mangelnde Sicherheitsvorkehrungen protestiert. Die Arbeiter zogen vor das Handelsmarineministerium in Piräus, wo sie einen Zaun niederrissen und mit Steinen warfen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Gewerkschaften und Oppositionsparteien warfen der Regierung vor, trotz wiederholter Warnungen nichts gegen die Gefährdung der Arbeiter unternommen zu haben.

In der Werft in Perama, 20 Kilometer westlich von Athen, war es am Donnerstag bei Reparaturarbeiten an einem Tanker zu einer Explosion gekommen. Rettungskräfte entdeckten am Freitag die drei letzten Leichen im Inneren des beschädigten Schiffes, wie die Behörden in Athen mitteilten. Vier Menschen wurden bei dem Unglück verletzt, von ihnen wurden am Freitag zwei noch im Krankenhaus wegen einer Rauchvergiftung behandelt. Zwei Mitarbeiter des Reparaturunternehmens wurden unter dem Verdacht festgenommen, Sicherheitsvorschriften missachtet zu haben.

Im Juli vergangenen Jahres waren ebenfalls bei Reparaturarbeiten in Perama zwei Arbeiter ums Leben gekommen. Die Regierung erklärte, sie habe die Sicherheitsvorkehrungen 2006 verstärkt. Seitdem gebe es tägliche Kontrollen in der Werft.


http://de.news.yahoo.com/ap/20080725/twl-proteste-nach-tdlicher-explosion-in-1be00ca.html
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« Antworten #15 am: 23. April 2011, 12:33:16 »

Zitat
   Aussperrung    

Das Schiffbauunternehmen Hanjin Heavy Industries and Construction hat wegen eines Arbeitskampfes zwei Fabriken in Busan und Ulsan und eine Werft in Busan geschlossen. 600 Arbeiter wurden aufgefordert, die Betriebe auf der Stelle zu verlassen. Dies ist die Reaktion auf einen am 20.Dez 2010 begonnenen Streik der Gewerkschaft gegen geplanten Arbeitsplatzabbau, 190 Beschäftigte sollen entlassen werden. Das Unternehmen sagt, die Produktion sei seit 2009 immer wieder durch Arbeitskämpfe gestört worden (s.a. 6731) . Eine Gewerkschafterin hält seit 6. Januar einen Kran besetzt. Ein Gericht hat die Aktion für illegal erklärt, sie muß für jeden Tag, den sie den Kran weiterhin besetzt, eine Geldbuße zahlen. Heute schlossen sich zwei Arbeiter der Kranbesetzung an
Quelle: Yahoo! news, Korea Times, arirang, 14.2.11

Zitat
   Solidemo bei Hanjin    

Busan: Tausende Gewerkschafter demonstrierten in Solidarität mit den protestierenden Arbeitern der Hanjin Heavy Industries Yeongdo Werft , die seit dem 20. Dezember 2010 im Streik gegen Entlassungen sind. Drei Gewerkschafter (darunter eine Frau) halten seit Januar Kräne besetzt. Ein Gewerkschafter sitzt im Knast, nach drei weiteren wird gefahndet; zugleich verlangt die Firma Millionen Schadensersatz.
Quelle: International Metalworkers# Federation, 15.4.11
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« Antworten #16 am: 29. Juni 2011, 17:49:53 »

Zitat
Südkorea: Werftarbeiter beenden sechsmonatigen Streik

Am 27. Juni beendeten Werftarbeiter von Hanjin Heavy Industry & Construction in der südkoreanischen 5-Millionen-Stadt Busan einen 190-tägigen Streik gegen die Entlassung von rund 400 Beschäftigten. Die Werft erklärte sich bereit, über Entschädigungen zu verhandeln und 170 Arbeiter wieder einzustellen. Die Anschuldigungen gegen die Gewerkschaft sollen fallen gelassen werden. Es bleiben jedoch Fragen offen, weil das Unternehmen nicht völlig auf Schadenersatz verzichten will und nicht alle Arbeiter wieder eingestellt werden. 70 Gewerkschaftsmitglieder waren mit dem Abkommen nicht einverstanden. Das Bezirksgericht Busan ordnete ihnen gegenüber eine zwangsweise Räumung an.
http://www.rf-news.de/2011/kw26/29.06.2011-suedkorea-werftarbeiter-beenden-sechsmonatigen-streik
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« Antworten #17 am: 23. Dezember 2012, 14:32:35 »

China
Werftarbeiter besetzen Schnellstraße


Rund 1000 Beschäftigte der Jiangsu Eastern Shipyard streikten am zweiten Dezember – Wochenende wegen seit 5 Monate ausstehender Löhne: Sie besetzten dabei die an der Werft vorbei führende nationale Schnellstraße und die Brücke über den Yangtze. Nach zwei Tagen hatten sie ihr ziel erreicht – und das Unternehmen aus Singapur, dem die Werft gehört, verbreitete es habe sich ausschliesslich um Beschäftigte von Subunternehmen gehandelt. Was zunächst zutraf – aber das erste Echo darauf war, dass Kollegen der Stammbelegschaft, die nicht mitgestreikt hatte, in der Öffentlichkeit bekannt machten, auch sie hätten seit monaten keine Löhne ausbezahlt bekommen.

http://www.clb.org.hk/en/node/110186
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« Antworten #18 am: 27. September 2013, 10:23:18 »

Zitat
Streik auf der Danziger Werft - Arbeiter verlangen ihre Löhne

Warschau/Danzig (dpa) - Die Arbeiter der Danziger Werft sind in den Ausstand getreten, um eine Auszahlung ihrer Löhne zu erzwingen. «Die Konten der Werft sind blockiert. Die Leute haben genug von dieser Situation», sagte Karol Guzikiewicz, der Vizechef der Gewerkschaft «Solidarität» auf der Werft, am Donnerstag der polnischen Nachrichtenagentur PAP. Die Werft ist seit längerem in finanziellen Schwierigkeiten und zahlt die Löhne seit Mai in Raten aus. Am Mittwoch wäre Guzikiewicz zufolge die zweite Rate der August-Löhne fällig gewesen.

Die einstige Danziger Leninwerft, deren Arbeiter im August 1980 mit ihrem Streik von der damaligen Führung Polens die erste unabhängige Gewerkschaft im kommunistischen Ostblock erzwangen, kämpft ums wirtschaftliche Überleben. Der ukrainische Geschäftsmann Sergej Taruta hält über die Gdansk Shipyard Group 75 Prozent der Anteile, über den Rest der Aktien verfügt die Agentur für Industrieentwicklung, ein Unternehmen des polnischen Privatisierungsministeriums.
http://www.europeonline-magazine.eu/streik-auf-der-danziger-werft---arbeiter-verlangen-ihre-loehne_298657.html
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« Antworten #19 am: 26. Juni 2017, 10:00:45 »

Aus einem Mailverteiler:

Zitat
in hamburg wurde die werft blohm+voß an die bremer werft lürssen verkauft. von den noch 980 beschäftigten sollen 300 entlassen werden. 220 haben das abfindungsangebot schon angenommen, 80 noch nicht. sie alle sollen in eine transfergesellschaft. die 680 übriggebliebenen bekommen streichungen und kürzungen: weihnachtsgeld, urlaubsgeld, mehrarbeit. widerstand hat es bisher nicht gegeben. ein grund: durch viele betriebs- und mitgliederversammlungen und pseudo-proteste sind die kollegInnen mürbe geworden.
widerstandstrukturen gibt es nicht im betrieb.

igm, betriebsrat und vertrauensleute sind auf kuschelkurs mit der geschäftsleitung, also vollstrecker des willens der geschäftsleitung.
 
hier unten findet ihr ein flugblatt, das am mittwochmorgen verteilt wurde.
die flugblätter sind sehr angenommen worden, kein einziges weggeworfen worden (die putzfrauen sagten am donnerstag: kein einziges lag in den papierkörben). was heißt, die flugis sind mit nach hause genommen worden.
der BR-Vors. ließ sich nicht darauf ansprechen.
eine reaktion von seiten der igm ist bisher noch nicht bekannt.
auf der email-adresse unter dem flugi hat sich noch niemand gemeldet!
solange es keine widerstandsstrukturen im betrieb gibt (nur empörte informanten), ist unterstützung von außen sehr eingeschränkt, es wäre auch nur "bessere stellvertreterpolitik".

was von außen gemacht werden kann:
linkspartei macht anfrage in bürgerschaft: "was ist los bei blohm+voss"?, übernahme in besitz des landes hamburg fordern, auf rüstungskonversion hinweisen, auf die kürzungen (urlaubsgeld, weihnachtsgeld, kostenlose mehrarbeit) hinweisen.
fernsehteam macht im betrieb und vorm tor aufnahmen.

ein ziemlicher gegensatz zu der erfreulichen situation bei daimler bremen, wo nicht mal entlassungen anstehen sondern "nur" die umwandlung von stammarbeitsplätzen in leiharbeitsplätze und werkverträge!

welch ein gegensatz:
zigtausende junger antikapitalistisch eingestellter junge menschen kommen in 14 tagen nach hamburg und bei blohm+voss, wo es um die existenz geht, herrscht tote hose.


Zitat
Offener Brief
eines Arbeiters von Blohm+Voss


Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Ich schreibe euch heute, weil meine Wut und Empörung groß ist!

Über 20 Jahre arbeite ich nun schon im Neubau. Ich habe miterlebt, wie wir auf der Werft immer weniger wurden und dabei immer größere Leistungen bringen mußten. Ich weiß, daß die Belegschaft z.B. vor ca. 35 Jahren aus 6.500(!) Beschäftigten bestand. Heute sind wir nur noch 980.

Und von diesen knappen 1.000 sollen jetzt durch den neuen Werftboss Lürssen noch mal 300 entlassen werden. Es sieht so aus, als wenn die „teure“ Stammbelegschaft durch „billigere“ Kollegen von der Leiharbeit ersetzt werden soll.

Wir haben viele Krisen dieser berühmten Werft erlebt. Immer waren es die Arbeiter, die das ausbaden mußten. In jeder Krise tauchten neue Besitzer auf (ein Kommen und Gehen wie im Profi-Fußball bei den Trainern!). Sie versprachen die Rettung und hatten dabei immer dasselbe im Sinn: Einsparen der Personalkosten durchEntlassungen, Lohnkürzungen und unbezahlter Mehrarbeit.

Ihr kennt das. Diese alte Leier wurde immer mit denselben Sprüchen begleitet. Angstmacherei pur. Drohung mit Schließung und Insolvenz, wenn wir dem nicht zustimmen würden. Sieht wie ein Spielchen aus. Doch die Angstmacherei hat bisher funktioniert.
Was mich wütend macht?

In diesem Geschäft mit der Angst spielen unsere IG Metall und die BR-Vorsitzenden mit. Sie zeigen immer wieder volles Verständnis für die abgebliche Notlage der Werft, aber wenig Einsatz für die Not der Belegschaft. Die Sprüche auf jeder Versammlung, ob auf Betriebs- oder Mitgliederversammlungen, ähneln sich leider sehr den Sprüchen der Werftleitung:

°   Der Werft gehe es dreckig
°   300 müssen gehen
°   Mit Abfindungen freiwillig kündigen
°   Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld
°   Unbezahlte Mehrarbeit

Klar, meine Wut richtet sich gegen die Herren von Lürssen. Aber sie richtet sich auch gegen die Haltung meiner IG Metall. Wozu bin ich in der Gewerkschaft? Doch nur, um mich gegen die Verschlechterung meiner meiner Lage bei der Arbeit wehren zu können. Zusammen mit allen anderen Kollegen. Weil ich weiß, daß man allein untergeht.

Es geht nicht an, daß der Betriebsrat und die IG Metall zu allem JA sagen. Ich erwarte endlich das NEIN. Das wäre eine große Sache:
Uns Mut machen. Nicht alles glauben. Krise? Insolvenz? Entlassungen? 300? Zu hohe Personalkosten?
 
Alles sollte hinterfragt werden, Unterlagen in allen Ausschüssen anfordern und sie durch Experten und Berater überprüfen lassen. Aber vor allem uns Mitglieder und die Gesamtbelegschaft auf Extra-Versammlungen ständig informieren.

Immer nur Zugeständnisse machen – das haben wir lange genug mitgemacht. Was war das Ergebnis? Die Lage beruhigte sich nur für kurze Zeit, bis zur nächsten Krise. Sollen wir das glauben, daß den Werftbossen die Zahl 300 reicht?

Es gibt aber auch Alternativen! Wir Kollegen sind nicht dumm. Wir haben auch Ideen, wie man mit der Werft weiter machen kann. Manchmal helfen auch radikale Gedanken und Vorschläge. Wie wäre es z.B. mit der Forderung nach Übernahme der Werft durch das Land Hamburg? Gehören solche wichtigen Industriezweige eigentlich in Privathand?
 
In anderen Bereichen wie Strom, Gas, Wasser, Krankenhäuser hört man immer stärker die Forderung nach Verstaatlichung. Auch dort führte die Privatisierung zu Entlassungen und unerträglichem Arbeitsdruck.
 
Ich würde lieber auf einem Arbeitsplatz sein, wo keine Kriegsschiffe und Waffen gebaut werden sondern für die Gesellschaft nützliche Produkte. Ist das ein utopischer Gedanke? Gerade Kollegen von Blohm+Voss sind seit 1981 in dem Arbeitskreis „Rüstungskonversion“ der IGM Hamburg aktiv gewesen. Der bestand bis in die 90er Jahre.
Ich weiß, das dauert, bis sich solche Ideen durchsetzen lassen. Aber irgendwann müssen wir NEIN sagen und mit dem NEUEN anfangen!
Mir machte das Mut, als 48 Gewerkschaftskollegen auf der letzten Mitgliederversammlung die Sanierungspläne abgelehnt haben. Nur 48! Und doch schon ein Anfang in dieser Friedhofsruhe.

Euch allen solidarische Grüße!

Wer weitere Informationen bekommen will, maile an: kollegen.blohm-und-voss@gmx.de
http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2017/06/blohmvoss210617.pdf
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« Antworten #20 am: 07. April 2018, 08:34:18 »

Zitat
Papenburg
Ausbeutung beim Bau von Kreuzfahrtschiffen?



Bau eines Kreuzfahrtschiffes bei der Meyer Werft

Rumänischer Arbeiter auf der Meyer Werft erhebt Vorwürfe: Dubiose Abrechnungen und Schimmelunterkunft bei Subunternehmen.


Papenburg. Nach Vorwürfen über Ausbeutung bei einem Subunternehmen will die Papenburger Meyer Werft die Anschuldigungen aufklären. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte zuvor über einen rumänischen Mitarbeiter der Werkvertragsfirma berichtet, der sich über Arbeitszeiten von bis zu 15 Stunden täglich beklagt hatte.

Der Arbeitgeber habe bei dubiosen Abrechnungen unter anderem Urlaubs- und Krankengeld einbehalten und Arbeiter in einer schimmeligen Sammelunterkunft untergebracht. Ein Werftsprecher kündigte am Dienstag an, die Zusammenarbeit mit dem Subunternehmen zu stoppen, falls die Vorwürfe zuträfen.

Kontrolle des TÜV

Das Werkvertragsunternehmen mit seinen 15 Partnerfirmen habe bei Kontrollverfahren des TÜV Rheinland bisher alle geltenden Regeln zum Teil mehrfach nachgewiesen. Die Papenburger Werft werde die enge Zusammenarbeit mit den Behörden verstärken, um Missbrauch etwa bei den gesetzlich festgelegten Ruhezeiten der Arbeiter zu unterbinden.
https://www.abendblatt.de/region/article213906427/Ausbeutung-beim-Bau-von-Kreuzfahrtschiffen.html
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« Antworten #21 am: 27. Oktober 2018, 07:50:46 »

Zitat
Kroatische Werftarbeiter im Streik

Seit vergangenem Montag streiken die Arbeiter im größten kroatischen Schiffbauunternehmen, der Uljanik-Gruppe. Betroffen ist die Werft im istrischen Pula, wo seit Mitte August keine Löhne ausbezahlt wurden. Nach Medienberichten haben sich rund 1500 Arbeiter an einem Protestzug durch Pula beteiligt. Der Streik soll so lange fortgesetzt werden, bis die ausstehenden Löhne ausgezahlt sind.

In der Schwesterwerft in Rijeka wird demnächst über Streikmaßnahmen abgestimmt. Darüber hinaus fordern die Arbeiter den Rücktritt der Geschäftsführung und Hilfsmaßnahmen von der Regierung, um den angeschlagenen Schiffsbau in Kroatien zu erhalten.

Die Streiks machen deutlich, dass die Lebensbedingungen für breite Schichten von Arbeitern im jüngsten EU-Mitgliedsstaat kaum mehr tragbar sind. Sie sind Teil einer wachsenden Streikbewegung in Kroatien und auf dem gesamten Balkan. Es ist bereits der dritte Streik in der Uljanik-Gruppe in diesem Jahr.

Die Uljanik-Gruppe steckt seit Jahren in massiven finanziellen Schwierigkeiten. Mittlerweile wird offen über einen drohenden Konkurs spekuliert. 2013 musste Kroatien die Werften auf Druck der EU privatisieren, seither sind sie deutlich unterfinanziert. Gegenwärtig fehlt nicht nur das Geld für die Auszahlung der Löhne, es kann auch nicht mehr ausreichend Material für bestehende Aufträge bestellt werden. In den letzten Monaten wurden zahlreiche Aufträge storniert.

Der Schiffbau hat in Kroatien eine lange Tradition und war in früheren Zeiten ein Kernbereich der Wirtschaft. Nach der Abspaltung des Landes von Jugoslawien Anfang der 1990er Jahre brachen Werften zusammen und es kam zu Entlassungen. Nun hat die Politik der Europäischen Union und der rechten kroatischen Regierung die Abwicklung der gesamten Branche zum Ziel.

Der Konzern gehört heute fast zur Hälfte den Beschäftigten, was in Kroatien eine lange Tradition hat. Den Rest der Anteile halten Investoren, darunter indirekt der kroatische Staat, mehrere Banken und der größte kroatische Versicherer Croatia Osiguranje.

Die Regierung erklärte sofort, dass ihr aufgrund der EU-Regelungen für staatliche Beihilfen die Hände gebunden seien und sie keine Hilfszahlungen leisten werde. Zuletzt hatte die Regierung im Januar staatliche Garantien in der Höhe von 96 Millionen Euro für einen Kredit für die Werft Uljanik in Pula zugesichert. Dieser wurde allerdings von der EU-Kommission abgelehnt.

Uljanik hat laut Medienberichten bisher rund 900 Millionen US-Dollar an staatlichen Garantien bekommen, die vor allem für die Restrukturierung der Werft in Rijeka verbraucht wurden. Der Kollaps des Schiffsbauers könnte eine soziale Bombe in der Küstenregion zur Explosion bringen – in den beiden Werften und den Zulieferbetrieben sind insgesamt 10.000 Arbeitsplätze gefährdet, berichtete Die Presse aus Österreich im August.

Nicht nur in den Werften protestieren in diesem Jahr die Beschäftigten. Im Sommer konnte ein Streik bei der Fluggesellschaft Croatia Airlines nur durch eine Gerichtsentscheidung verhindert werden. Grund für den geplanten Streik war, dass der Tarifvertrag bereits vor knapp zwei Jahren ausgelaufen ist. Die Beschäftigten forderten einen neuen Tarifvertrag mit höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen. Das Management von Croatia Airlines, das eng mit der Regierung verbunden ist, lehnte jede Verbesserung ab.

In der gesamten Balkanregion kommt es immer häufiger zu Arbeitskämpfen. Bereits im letzten Jahr gab es in Kroatien, Serbien und Slowenien zahlreiche Streiks. Für Anfang Dezember sind in Slowenien Streiks im öffentlichen Dienst angekündigt, falls sich Gehälter und Arbeitsbedingungen nicht spürbar verbessern.

Gegenwärtig sind rund 900 Beschäftigte des bosnischen Stahlunternehmens Aluminij Mostar im Ausstand. Ähnlich wie bei der Uljanik-Gruppe steht das Unternehmen vor dem Aus. Es gehört zu 44 Prozent der Regierung von Bosnien-Herzegowina und zu 12 Prozent dem kroatischen Staat. Der Rest ist im Besitz der Beschäftigten.

Im bettelarmen Bosnien geht es dabei um die Existenz von Tausenden Menschen. „Tritt der ungünstigste Fall ein, sind nicht nur die Arbeiter, sondern auch ihre Familien betroffen,“ klagte Romeo Bioksic, Gewerkschaftsführer bei Aluminij Mostar, gegenüber der Nachrichtenagentur BIRN. „Es geht also um mehrere Tausend Menschen, deren Schicksal von Aluminij abhängt.“

Die kroatische Regierung stellt sich nicht nur bei den Streiks gegen die Arbeiter, sie verfolgt einen brutalen Sparkurs gegen die gesamte Bevölkerung. Die rechte Regierung von Andrej Plenkovic (HDZ) erhöht das Renteneintrittsalter von 65 auf 67 Jahre und senkt die Rente bei früherem Renteneintritt um vier Prozent pro Jahr. Das bedeutet eine empfindliche Rentenkürzung. Die Rentenreform war bereits 2014 beschlossen worden, sollte aber erst ab 2038 gelten. Nun zieht sie die Regierung Plenkovic vor.

In der kroatischen Hauptstadt Zagreb protestierten diese Woche mehrere tausend Menschen gegen die Rentenreform. Die wütenden Demonstranten riefen „Diebe“ und trugen ein Banner mit der Aufschrift: „Nach der Schule die Arbeitslosigkeit, nach der Arbeit das Grab.“ Sie forderten, dass das Renteneintrittsalter wieder auf 65 Jahre gesenkt wird, und begründeten das damit, dass die Lebenserwartung in Kroatien niedriger und die Arbeitsbedingungen weit härter sind als im EU-Durchschnitt. Die Erhöhung des Renteneintrittsalters führe zum „Arbeiten bis zum Tode“.

Während die rechte HDZ-Regierung die Pläne unter allen Umständen durchsetzen will, haben die Gewerkschaften bereits signalisiert, dass sie weiter mit der Regierung verhandeln. Die Regierung erwartet durch die geplante Reform bis 2040 Ersparnisse von über 11 Mrd. Kuna (rund 1,5 Mrd. Euro).

Laut Regierung besteht derzeit ein Defizit von 17 Milliarden Kuna (2,3 Milliarden Euro). Gewerkschaftsvertreter haben verlauten lassen, dass sie bereit sind, der Reform zuzustimmen, wenn es einige Ausnahmeregelungen für Berufsgruppen gibt, die körperlich besonders hart beansprucht sind, Große Teile der Gewerkschaften unterhalten enge Verbindungen zur sozialdemokratischen SDP, die 2014 die Rentenreform beschlossen hatte.
https://www.wsws.org/de/articles/2018/10/27/kroa-o27.html
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