Übersicht   Hilfe Suche Einloggen Registrieren  
Seiten: 1 [2] |   Nach unten
Drucken
Autor Thema: Medienkasper freiwillig wehrlos  (Gelesen 23184 mal)
0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.
Kuddel


Beiträge: 11471


« Antworten #25 am: 10. Dezember 2017, 19:39:41 »

Zusammenschnitt aus einem ZEIT Artikel:

Zitat
Étienne Gillig, 64, ist freischaffender Künstler. „Ich arbeite als freischaffender Kabarettist, Schauspieler, Synchronsprecher und Übersetzer. Ich arbeite etwa 90 Stunden pro Woche. Ein richtiges Privatleben habe ich kaum. Nach Betriebskosten und Steuern bleibt am Ende ein Gewinn von durchschnittlich 150 Euro im Monat. Miete und Telefon sind da schon abgezogen. Das ist nicht viel, aber mir geht es gut damit. Ein Auto brauche ich, um meine Requisiten, mein Cello und das Bühnenbild für mein Kabarett zu transportieren. Gerade muss ich ohne Auto klarkommen, weil der TÜV uns voneinander getrennt hat. Jetzt leihe ich mir ab und an eins bei Freunden. Ich schlafe in meinem Büro, ein 100 Quadratmeter großes Atelier in einer alten Wäscherei in München. Dort arbeite ich und dort schlafe ich auf einem Sofa. Lebensmittel: 60 bis 100 Euro im Monat. Ich gebe im Zweifel lieber Geld für eine gute Schraube aus, um mein Bühnenbild zu reparieren, als mir etwas zu essen zu kaufen. Wenn ich unterwegs bin, habe ich oft Babygläschen für 65 Cent dabei, um mir das teure Sandwich zu sparen. Die schmecken gar nicht schlecht!
Sollte es wirklich mal eng werden und das Geld schon vor Monatsende aufgebraucht sein, liegen auf meinem Fensterbrett viermal 50 Cent, viermal ein Euro und viermal zwei Euro, von denen ich mich dann bedienen kann. In diesem Jahr habe ich den Stapel nur einmal angefasst. “
http://www.zeit.de/arbeit/2017-12/freischaffender-kuenstler-gehalt-arbeitszeit-schulden

Ganz toll.
Gespeichert
dagobert


Beiträge: 4662


« Antworten #26 am: 12. Dezember 2017, 17:55:24 »

Was macht der, wenn er mal krank wird?
Gespeichert
BGS
Polarlicht


Beiträge: 2958



« Antworten #27 am: 12. Dezember 2017, 19:27:04 »

Bei 90 Sunden pro Woche hat er schlicht keine Zeit krank zu werden. Dann lieber früher sterben, wenn es schon keine Rente gibt.

MfG

BGS
Gespeichert

"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)
Kuddel


Beiträge: 11471


« Antworten #28 am: 19. Februar 2018, 14:06:40 »

Zitat
[Protestaktionen zur Berlinale 2018] Sitzverbot für Beschäftigte im Service beim Kinobetreiber CineStar


… Die Vereine Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat vor Beginn der Berlinale 2018 die Arbeitsbedingungen der meisten Berliner Spielstätten des Festivals überprüft. Die Überprüfung ergab, dass insbesondere von dem Kinobetreiber CineStar wesentliche gesetzliche Schutzbestimmungen im Gesundheitsschutz nicht eingehalten werden und dass die demokratische Mitbestimmung der Betriebsräte systematisch nicht beachtet wird. ver.di kritisiert zudem die permanente personelle Unterbesetzung in fünf von sechs Berliner CineStar Kinos, so werden über 50 Überlastungsanzeigen der Mitarbeiter im CineStar Tegel von der Geschäftsführung ignoriert. Durch die Unterbesetzung im Servicebereich müssen die Beschäftigten teilweise zwischen den Vorstellungen rennen, um die Kinos zu reinigen. Desweiteren kritisiert ver.di den mangelnden Gesundheitsschutz in den Berliner CineStar Kinos.
http://www.labournet.de/?p=128157

Zitat
»Von Werkvertrag zu Werkvertrag«. Mitarbeiter bei Filmfestivals arbeiten zu prekären Bedingungen
“Bei der Berlinale geht es im Vergleich zu anderen Festivals noch relativ gut zu, weil die Kulturschaffenden dort die miesen Arbeitsbedingungen in den vergangenen Jahren bereits thematisiert hatten. Dort ist man auf gutem Weg, trotzdem ist noch eine Menge zum Besseren zu verändern. Bundesweit gibt es immer noch sogenannte Volunteers: Die übernehmen die Kinobetreuung oder bringen Gäste zum richtigen Zeitpunkt an die richtige Stelle – für null Euro.
(...)
https://www.jungewelt.de/artikel/327520.von-werkvertrag-zu-werkvertrag.html
Gespeichert
Kuddel


Beiträge: 11471


« Antworten #29 am: 27. Juni 2018, 15:43:16 »

Zitat
Arte Povera
Armut. Berlin ist stolz auf seine Kreativbranche. Wer in ihr arbeitet, blickt wirtschaftlich meist in den Abgrund


Berlin verweist gerne auf Superlative, wenn es um die Künste geht: 30.000 Besucher verzeichnete soeben das Gallery Weekend, zur Art Week im Herbst strömten gar 110.000 Kunstinteressierte, rund 1.000 Künstler nahmen teil. Neben Festivals wie „Tanz im August“ oder der Transmediale, die sich seit einigen Jahren schon zum wichtigsten Event für Medienkunst gemausert hat, gehört die Art Week zu den vielen Leuchtturmprojekten der Berliner Kreativwirtschaft, mit denen die Stadt sich stolz brüstet, seitdem sie ihre Rolle als Industriestandort verloren hat.

Ganz anders sieht oftmals die persönliche Bilanz der Kreativen aus, die Veranstaltungen wie diese zum Leuchten bringen oder auch einfach dafür sorgen, dass kleinere Lesungen, Konzerte, Bühnenprogramme und Ausstellungen das Leben in der Stadt bereichern.
...
...weil die Stadt nach wie vor als billiges Mekka gilt und nach New York – bezogen auf die Bevölkerung – inzwischen die meisten bildenden Künstler beherbergt, bei 3,7 Millionen Einwohnern geschätzte 8.000 bis 10.000.

Doch die Lage der meisten Kreativarbeiter ist prekär. Nach den neuesten Berechnungen der Künstlersozialkasse liegt das Einkommen der 185.000 freiberuflichen Künstler in Deutschland erheblich unter dem Mindestlohn. Demnach verdient ein darstellender Künstler rund 16.000 Euro im Jahr, in etwa so viel wie ein bildender Künstler. Richtig schlimm wird es bei Musikern, die sich im Schnitt mit 3.000 Euro weniger begnügen müssen. Leben kann man davon nicht.
...
https://www.freitag.de/autoren/ulrike-baureithel/arte-povera
Gespeichert
tleary


Beiträge: 667


« Antworten #30 am: 03. Juli 2018, 01:46:28 »

Zitat
Der franco-deutsche Kabarettist Étienne Gillig bringt mit seiner Show "die Französisch-Stunde" all seine Begabungen und mühsam gemachten Erfahrungen zusammen. Gemeinsamkeiten wie Unterschiede zwischen der deutschen und der französischen Sprache und Mentalität bieten ihm den Stoff für ein Bühnenspektakel von höchstem Unterhaltungswert.

(Selbstbeschreibung von der Webseite Etienne Gilligs)

Was soll 'n das sein: "mühsam gemachte Erfahrungen"? - Erfahrungen macht man im Normalfall "einfach so", da braucht man sich nicht anstrengen dafür. Alles in allem ein armes Würstchen, das noch dazu der bürgerlichen Presse als Vorzeigefall dient, daß man scheinbar auch ohne besondere Talente im Kapitalismus überleben kann, "wenn man nur wirklich will und bereit ist sich einzuschränken". Jemand der in seiner Situation behauptet, er wäre "glücklich" ist entweder nicht ganz dicht oder ein Lügner. Ich vermute ersteres. Sein Bühnenprogramm würde ich mir trotzdem gerne einmal ansehen. Lässt bestimmt tiefere Einsichten in die Psyche dieser Person zu. Allerdings wäre mir dann das ohnehin nicht vorhandene Geld doch dafür zu schade.

Im übrigen verstehe ich auch nicht ganz, was sowohl der Autor als auch der Portraitierte überhaupt mit dem Artikel aussagen will.
Gespeichert

"Wir sind nicht hoffnungslose Idioten der Geschichte!"
(Rudi Dutschke, 1967)
BGS
Polarlicht


Beiträge: 2958



« Antworten #31 am: 03. Juli 2018, 05:34:38 »

Sie wollen ablenken von den Tatsachen, die die bürgerliche Presse, die Neoliberalen etc. mit geschaffen haben. Sich weisswaschen.Wird nix.

MfG

BGS
Gespeichert

"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)
Seiten: 1 [2] |   Nach oben
Drucken
Gehe zu: