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Autor Thema: Leihkeule-Die-Zeitung-Diskussions-Thread  (Gelesen 11179 mal)
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cyberactivist
Urlaubsjunkie-Auf Entzug
Administrator

Beiträge: 720



« am: 08. September 2010, 21:11:37 »

In diesem Thread soll über die "Leihkeulen"-Ausgaben diskutiert werden und Anregungen für weitere Ausgaben gegeben werden.
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Nur Exhibitionisten haben nichts zu verbergen.
DJ1980


Beiträge: 903



WWW
« Antworten #1 am: 09. September 2010, 07:46:57 »

Super gemacht! Habe schon lange auf eine "Fortsetzung" gewartet!
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Egal, was ich hier schreibe: Es handelt sich dabei niemals um eine Rechtsberatung, sondern Grundsätzlich nur um meine eigene Meinung ohne Anspruch auf Richtigkeit.
Scheiß auf Dolce&Gabbana! Ich trage Smith&Wesson!

Banken sind gefährlicher als stehende Armeen
Thomas Jefferson
unkraut


Beiträge: 2631



« Antworten #2 am: 09. September 2010, 12:50:54 »

Für die nächsten " Leikeulen - Ausgaben " ....

    als Ansatzidee das im " zu erwartendem " Aufschwung ZA wieder boomen wird , erstmal Infos zum AÜG , Eingruppierung  , Tricks was
" incl.Fahrgeld " betrifft , AZK ...
Bewerben / Auftreten bei ZAF durch Zwangsbewerbungen Seitens der ARGE  , vlt. den " Fragebogen " nochmal überarbeiten ...

Die Ausgabe 2 gucke ich mir heute Abend in Ruhe an , muß gleich weg .
MfG Unkraut

Erfolgreiche Abwehr :
Mein Sohn wurde erst kürzlich ( obwohl ab 1.10. wieder in normaler Vollbeschäftigung ) vom AA zu Randstad geschickt . Die suchen dringend
einen " Leih-Banker " . Nach 15 Minuten wars erledigt . Er hat den Dispo regelrecht vorgeführt .
2 Tage später ( war ja zu erwarten ) zum Amt zitiert hat er seiner SB erst mal nahe gelegt sich mit dem Thema Leiharbeit zu befassen
und Ihre " Hausaufgaben " zu machen .
Kurzes Wortgefecht ... Seitens der SB kam was von Leistungskürzung , Seitens meines Juniors  
" Dienst- bzw. Fachaufsichtsbeschwerde " ...
Hat is dato nix mehr gehört Seitens AA .
« Letzte Änderung: 09. September 2010, 12:55:07 von unkraut » Gespeichert

Noch Fragen Hauser ? Ja Kienzle , wer ist eigentlich Unkraut ?

Wir wagen es nicht weil es schwierig ist sondern es ist schwierig weil wir es nicht wagen .

Mein Buchtip als Gastautor :  Fleißig , billig , schutzlos - Leiharbeiter in Deutschland  > ISBN-10: 3771643945
Auferstanden
Gast
« Antworten #3 am: 09. September 2010, 20:44:38 »

Ein gutes Beispiel, zeigt es doch, dass man informiert generell immer besser beraten ist und zweitens,
wie verbandelt die beaufragte Brut in den Argen, Hand in Hand mit den Abnehmern legaliserter Sklavenhändlervereinigungen
arbeitet.
.

  
« Letzte Änderung: 09. September 2010, 20:58:13 von Auferstanden » Gespeichert
Ziggy


Beiträge: 5007



« Antworten #4 am: 10. September 2010, 06:40:32 »

Solide erzogen, der Nachwuchs. Glückwunsch.
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Um seine Liebe zu beweisen, erklomm er die höchsten Berge, durchschwamm die tiefsten Meere und zog durch die weitesten Wüsten. Doch sie verließ ihn – weil er nie zu Hause war.
unkraut


Beiträge: 2631



« Antworten #5 am: 10. September 2010, 08:01:01 »

Danke Ziggy ...
Aber es ist doch zum kotzen ... nur noch Leiharbeit . Selbst junge ( U25 ) , top ausgebildete , motivierte Leute haben kaum Aussicht auf normale Arbeitsplätze .
Mal ein kuzes Zitat ( sinngemäß ) aus der Monatszeitschrift " Forum " der IHK Brandenburg :
... Fahkräftemangel . Auch ein angemessenes Einkommen spiele eine große Rolle ...
Schon erstaunlich das die so was schreiben wo sie eigentlich sonst nur mit " Selbst-Beweiräucherei " zu tun haben .

Sorry etwas vom eigentlichen Thema abgeschweift .

MfG
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Noch Fragen Hauser ? Ja Kienzle , wer ist eigentlich Unkraut ?

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Wilhelm17


Beiträge: 47


« Antworten #6 am: 12. September 2010, 19:05:36 »

Die Leihkeile 2 ist ja wirklich erstklassig. Danken wir den
engagierten Redaktionsteam. Jetzt heißt es für uns, die
Forumsleser den Produktions- und Verteilungsprozeß anzuwerfen,
denn viele Leiharbeiter kennen weder Chefduzen noch Leihkeule.
Das geht folgender Maßen :

1.Freunde und Bekannte um eine kleine Spende bitten und
  dann zum nächsten Copyshop, 1000er-Abo für 30 € holen
  und 250 Leihkeulen zum Herstellungspreis von 12 Cent
  produzieren.
2.Auf www.alaid.de nachsehen, wann und wo die nächste
  Leiharbeitsmesse stattfindet.
3.Früh morgens hinfahren und versuchen an möglichst
  viel Besucher je ein Exemplar zu verteilen.
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dejavu


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« Antworten #7 am: 12. September 2010, 19:41:26 »

Genau, gar nicht übel, aber Raum für Verbesserungen gibts immer. Ich frag mich zum Beispiel ob man nicht auch eine Version rausbringen sollte, die sich von der Seitenanordnung her als Wandzeitung gebrauchen läßt. Die wäre dann auch am Rechner besser lesbar. Was meint ihr zu der Idee?
Inhaltlich finde ich die Ausgabe echt gut, vor allem weil ein bischen durchklingt das Leiharbeit Nachteile nicht nur für Leiharbeiter bringt, sondern für alle Beschäftigten. Man muß immer auch mal über den eigenen Tellerrand hinausschauen.
Tips für Menschen die Leiharbeit nicht vermeiden können oder wollen sollte es aber durchaus auch geben.
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Leiharbeit und Werkvertragsmißbrauch verbieten! Weg mit dem Dreck!
dejavu


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« Antworten #8 am: 12. September 2010, 20:57:49 »

Über die Leiharbeitsmessen hinaus gibt es aber auch noch andere gute Orte Zum verteilen. Zum Beispiel bei Maßnamen, die Arbeitslosen zählen zur großen Gruppe der von Leiharbeit bedrohten. Im gleichen Sinne kann Aufklärung und Verbreitung der Forderung "Leiharbeit beseitigen" auch an Berufsschulen und im Gesundheitswesen Früchte tragen. Gerade im Gesundheitswesen breitet sich die Leiharbeitspest gerade kräftig aus. Die Privatisierungsbestrebungen gerade auch im Gesundheitswesen bereiten der Leiharbeit und anderen prekären Beschäftigungsformen den (Nähr)Boden. Last uns dieser Pest die Zukunft versauen, Immunisieren wir die Betroffenen.
« Letzte Änderung: 12. September 2010, 20:59:20 von dejavu » Gespeichert

Leiharbeit und Werkvertragsmißbrauch verbieten! Weg mit dem Dreck!
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« Antworten #9 am: 22. Januar 2016, 15:52:22 »

Mir gefällt die neue Ausgabe gut.Wääre es nicht sinnvoller und wirkungsvoller im Rahmen der IWW - Wobblies damit zu arbeiten und diese zu verbreiten? Die sind weitaus offener in weltanschaulichen Fragen als die Fau und wir benötigen die breiteste Klammer um die vom Menschenhandel ausgebeuteten zusmmanzuschließen.

www.wobblies.org


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Fritz Linow


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« Antworten #10 am: 22. Januar 2016, 16:05:23 »

Warum sollte man eine unabhängige Zeitung für Leiharbeiter im Kontext einer Gewerkschaft (welche auch immer) verbreiten wollen? Es steht doch jedem offen, mit dieser Zeitung zu arbeiten und sie zu verteilen, sowohl den toleranten Wobblies als auch den engstirnigen Fauistas.
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« Antworten #11 am: 22. Januar 2016, 16:13:00 »

Ich zweifle nicht an der Offenheit der Zeitung.Vielmehr erachte ich einen organisatorischen Rahmen für notwendig.Sollen Leihsklaven sich etwa bei VerDi oder IG Metall organsieren? Der organisierende Faktor ist das Wichtigste um Widerstand zu leisten und sich gegenseitig zu unterstützen. Und dieser Widerstand wird auch gegen den DGB gerichtet sein,der die schändlichen Tarifverträge mitunterzeichnet um Equal Pay zu VERHINDERN und praktischerweise selber Zeitarbeitsfirmen unterhält....
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« Antworten #12 am: 22. Januar 2016, 16:31:31 »

Vielmehr erachte ich einen organisatorischen Rahmen für notwendig.
100% Zustimmung. Aber es ist ja jetzt nicht so, dass eine Fokussierung auf zum Beispiel die Wobblies oder die FAU als Interessenvertretung der Leiharbeiter wirklich Fortschritte bringen würde.

Wichtiger erscheint mir eher ein organisatorischer Rahmen von verschiedenen Gruppen, Gewerkschaften/Gewerkschaftsteilen und Einzelpersonen, halt ein Bündnis, das gewillt ist, der Leiharbeit das Leben zur Hölle zu machen. Das geht nur direkt vor Ort, und da sind die potentiellen Bündnispartner mal so, mal so aufgestellt. Alle hassen Leiharbeit, bloß man bekommt die Leute irgendwie nicht zusammen. Das alte Problem.
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« Antworten #13 am: 22. Januar 2016, 16:36:50 »

Das Problem ist,weil Organisationen auch im linken Bereich gerne die Grabenkämpfe pflegen und sich in Nebenfragen verlieren,die nichts mit Zeitarbeit erstmal zu tun hat. So Fragen wie "Wie hälst Du es mit der DDR" oder "Was denkst Du über Stalin" oder " Drogen für alle jetzt"... damit kommt man nict weiter....auf die DGB Gewerkschaften ist kein Verlaß,auf zahlreiche Mitgleider von hnen sicherlich schon wie zB labournet etc....WER aber solldieses Bündnis machen?Zum organisiserten Klassenkampf von unten ist eine Gewerkschaft der kleinste gemeinsame Nenner...deswegen die Organisationsfrage....jede Parteipräferenz polarisiert und trägt in sich schon die Spaltung....das sieht man ja zum Beispiel in der Friedensbewegung , wo ja auch untereinander sich mehr gekloppt wird oder auch anderen Bündnissen.....
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dagobert


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« Antworten #14 am: 22. Januar 2016, 16:44:27 »

Wääre es nicht sinnvoller und wirkungsvoller im Rahmen der IWW - Wobblies damit zu arbeiten und diese zu verbreiten?

Wer hindert die Wobblies an der Verbreitung der Leihkeule?

----------

Sehr gut finde ich die Idee, Initiativen zur Leiharbeiter-Organisierung wie die ALAID vorzustellen.
Was dabei allerdings fehlt, ist dieser Link:
http://www.duesseldorf-alternativ.de/index.php/alaid.html

Ansonsten hab ich nur einige verirrte Trennstriche zu beanstanden.

Fazit: Gelungen.
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Rappelkistenrebell


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« Antworten #15 am: 22. Januar 2016, 16:48:58 »

Ich habe den Wobblies die Leihkeulel mit Verlinkung zugemailt und auch bei Fratzenbuch es ihnen mitgeteilt....mehr kann ich nicht machen.Drum kümmern müssen sie sich ja auch  Wink
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Fritz Linow


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« Antworten #16 am: 22. Januar 2016, 17:11:28 »

Die Frage "Was denkst Du über Stalin" ist mitnichten eine Nebenfrage. Sollte ein organisierter Klassenkampf erfolgreich sein (was in der jetzigen Lage irgendwie lustig klingt), wüsste man ja dann, was einem blüht.

Aber es ist auch nicht die Intention der Leihkeule, solche Fragen zu stellen, sondern sie soll als unabhängige Zeitung den Leuten Informationen geben und Mut machen, sich überhaupt erstmal losgelöst von der Organisationsfrage zusammenzutun und die Vereinzelung aufzuhalten. So verstehe ich sie zumindest. Von dem nächsten Schritt, sich eventuell gewerkschaftlich (nicht DGB) zu organisieren, sind wir eh noch Lichtjahre entfernt. So viel Realismus muss sein.

Ich behaupte mal, dass zwei bis drei Leute an einem Ort mehr bewirken können als eine Gewerkschaft als kleinster gemeinsamer Nenner für die Organisationsfrage. Bloß die müssen sich halt auch erstmal finden.
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dagobert


Beiträge: 4359


« Antworten #17 am: 22. Januar 2016, 19:21:32 »

Kommentar eines ZAF-Dispo zur neuen Leihkeule  Grin:
"Schwachsinn", "Blödsinn".
http://hartz.info/index.php?topic=98474.0;topicseen (Link funzt nur mit Anmeldung dort)
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Nikita


Beiträge: 1067



« Antworten #18 am: 22. Januar 2016, 20:57:26 »

Anmeldung funktioniert bei mir nicht. Warum muss man für den Beitrag auf hartz.info angemeldet sein?
« Letzte Änderung: 22. Januar 2016, 22:10:40 von Nikita » Gespeichert

dagobert


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« Antworten #19 am: 23. Januar 2016, 23:27:02 »

Weil der im Off-Topic-Bereich steht. Dort können nur angemeldete User mitlesen.
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Kuddel


Beiträge: 10467


« Antworten #20 am: 16. August 2017, 19:48:41 »

Die LEIHKEULE No.5 schlägt bisher die größten Wellen.
Ausschnitte und Verlinkungen nicht nur im LabourNet, sondern auch bei Scharf Links, den Nachdenkseiten und nun auch bei der Sozialistischen Linken HH, dem Gewerkschaftsflügel der Linkspartei:
Zitat
Spricht man mit Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern heißt es oft, Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter könne man nicht organisieren. Die Kolleg*innen der Leihkeule haben Interviews mit Kollegen geführt, die es trotzdem versuchen und dabei erfolgreich sind.

http://sozialistische-linke.hamburg/zwei-interviews-zur-organisation-gegen-leiharbeit/
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admin
Administrator

Beiträge: 2174


« Antworten #21 am: 23. Januar 2018, 16:14:26 »

Zitat
DIE LEIHKEULE
Erfahrungen mit einer Kollegenzeitung

2007 erschien  die erste Ausgabe der LEIHKEULE. Die Zeitung von Leiharbeitern für Leiharbeiter  war das Produkt eines langen Online-Austauschs bei chefduzen.de, dem „Forum der Ausgebeuteten“. Die Sklavenhändlerbranche ist ein führendes Thema im Forum, woraus das Bedürfnis entstand, der verbreiteten Unzufriedenheit eine Form und eine Richtung zu geben. Es wurde nach einem Weg gesucht, über individuelle Hilfe durch Rat und Aufklärung und das Ablassen des Frusts über das eigene Schicksal hinauszukommen. Die Situation war chaotisch. Die Leiharbeit erhielt eine immer größere Bedeutung auf dem Arbeitsmarkt, doch die Betroffenen hatten keinerlei Ahnung, wie damit umzugehen sei. Man war am Schimpfen, doch gleichzeitig schien es niemand ernstzunehmen. Man hielt den Job als Leiharbeiter für ein zeitlich begrenztes Ungemach und bewarb sich auf „vernünftige“ Stellen oder versuchte bei einem Einsatz in einem Großbetrieb nicht negativ aufzufallen oder klotzte sogar besonders rein, in der Hoffnung, übernommen zu werden in die Stammbelegschaft. Das Herausbringen einer Kollegenzeitung war der Versuch die Illusionen aus dem Weg zu räumen und die Einzelkämpfer zu einem gemeinsamen Vorgehen zu bewegen.

Doch die Leiharbeiter erwiesen sich als organisierungsresistent. Die Leihkeule war beliebt. Es gab auch gleich Feedback. Man hatte kein Interesse an den Horrorstories aus dem Alltag der Leiharbeit. Man kannte sie aus eigener Anschauung und brauchte in der Hinsicht nicht mehr überzeugt zu werden. Man wollte etwas von direktem Nutzen: Adressen von Beratungsstellen, Hinweise auf Auswege aus der Leiharbeit und Aufklärung über die rechtliche Situation. Die Leihkeule findet man im LabourNet Germany, in Foren und sozialen Medien. Sie wird in großer Zahl online gelesen und weiterverlinkt. Die Zeitungen werden auch immer wieder ausgedruckt und in Umkleide- oder Pausenräumen ausgelegt. Größere Verteilaktionen vor Werkstoren wurden eher von Politaktivisten organisiert, als von Leiharbeitern. Das ist aber nicht unbedingt das Ergebnis von Ignoranz und hat gute Gründe, denn im Allgemeinen empfiehlt es sich nicht, vor einem Betrieb Flugblätter zu verteilen, in dem man selbst arbeitet. Und den Leihsklaven auf Montage ist meist nicht nach zusätzlichen Aktivitäten zumute. Bei ihnen ist der Tag mit einem Feierabendbier gelaufen. Auch die redaktionelle Arbeit spiegelte die Situation unter Leiharbeitern wieder. Bei den Treffen zu Stammtischen erschienen Betroffene, aber es hatte keine Kontinuität. Wir mußten die Informationen und Geschichten, die uns erzählt oder zugeschickt wurden, in einer Miniredaktion zusammenstellen, bearbeiten und layouten. Die Ausgaben entstehen in einer Onlinediskussion in einem geschlossenen Diskussionsraum mit mehreren über das Land verteilten Leiharbeitern.

Die Bedingungen in der Leihbranche haben ein weites Spektrum und es gibt ein weites Feld an extremer Ausbeutung, auch in eindeutig illegaler Form. Betrügerischer Konkurs, Unterschlagung von Löhnen, Neueröffnung von Niederlassungen unter einem anderen Betreibernamen und immer wieder das Ausnutzen der Unkenntnis der Gesetzeslage bei Migranten gehören zur Normalität in der Branche. Das führte oft zu Ausbrüchen spontaner individueller Gegenwehr. Arbeitsgeräte wurden als „Pfand“ für ausstehende Zahlungen mitgenommen, in Niederlassungen flogen Fäuste und einige wurden auch entglast. Die Veröffentlichung solcher Entwicklungen wurde intern heftig diskutiert, denn einige fürchteten, damit würde man das Erscheinen der kleinen Zeitung gefährden. Es setzte sich  die Meinung durch, daß es sich um Berichterstattung handelt und nicht um einen Aufruf und damit auch presserechtlich nicht zu beanstanden sei. Die erste kollektive Aktion, die uns bekannt geworden ist, war 2009, als Leiharbeiter von VW in Hannover in den Hungerstreik traten, weil der Konzern sie entlassen wollte, um so eine Übernahme in die Stammbelegschaft zu verhindern.

Bei unserer Leserschaft überwog das Interesse an Aufklärung über die rechtliche Situation. Wir klärten auf bei Änderungen der Gesetzeslage. Wir machten eine Sonderausgabe zur Ablehnung von Streikbechereinsätzen. Wichtig war die Sonderausgabe “CGZP ist nicht tariffähig – Jetzt Nachforderungen sichern”, als die gelbe Christliche Gewerkschaft ihre Tariffähigkeit verloren hat, was durch alle gerichtlichen Instanzen bestätigt wurde. Wir haben damit vielen zum erfolgreichen Einklagen ansehnlicher Geldbeträge verholfen, waren aber gleichzeitig frustriert darüber, daß die Mehrheit der Betroffenen untätig blieb und auf das ihr zustehende Geld verzichtete. Die Redaktion blieb ein kleiner, in der Zusammensetzung wechselnder Haufen und die Leihkeule erscheint nicht regelmäßig. Die Themen gehen uns nicht aus, doch die Kräfte ermöglichen uns kein häufigeres Erscheinen. Wir wollten uns nicht damit zufrieden geben, einfach nur Dienstleister für Kollegen zu sein und rechtliche Aufklärung zu leisten, zumal wir mit der gesetzlichen Situation auch nicht einverstanden sind. Wir stellen das ganze System der Leiharbeit in Frage und geben uns nicht damit zufrieden, es zu verbessern oder „fairer“ zu gestalten. Man darf keine Spaltung der Belegschaften hinnehmen und die Einführung Beschäftigter zweiter Klasse ist nicht akzeptabel.

2013 geschah etwas, was man Leiharbeitern nicht zutraut: Sie traten in einen kollektiven Arbeitskampf. An einem großen deutschen Flughafen trafen sich Leiharbeiter in der Arbeitszeit in einer Werkstatt, um zu diskutieren, wie man sich wehren kann. Es war hilfreich, daß einer zur Redaktion der Leihkeule gehörte. Sie entwickelten einen informellen Kampf, der den Flugbetrieb empfindlich beeinträchtigte. Es war eine Mischung aus Slow-Down, Sabotage und Wildem Streik. Die für den technischen Ablauf zuständigen Leiharbeiter waren oft einfach nicht aufzufinden, sie vertaten sich beim Verladen von Gepäck, das so andere Orte erreichte, als seine Besitzer, und sie vergaßen die fahrbaren Flugtreppen zu betanken. Um einen reibungslosen Flughafenbetrieb wieder herzustellen, sah das Management sich gezwungen, die Leiharbeiter mit Festanstellung zu besserer Bezahlung zu übernehmen.

2014 hatte die Nachtschicht bei Daimler Bremen die Arbeit in einem spontanen Wilden Streik niedergelegt, um damit gegen Leiharbeit und Werksverträge zu protestieren. 2016 nutzte die Leihkeule die Möglichkeit, auch über Youtube-Videos Kollegen zu erreichen. Ein Interview mit dem Daimler-Betriebsrat Gerwin Goldstein vermittelte eine so plastische und spannende Beschreibung des Arbeitskampfes, daß der Deutschlandfunk darauf aufmerksam wurde und eine ausführliche Reportage darüber machte. Als die Sendung im Bremer Hörkino in ausverkauftem Saal aufgeführt wurde, kamen Beschäftigte auch aus Hamburg angereist, um diesen kämpferischen Betriebsrat kennenzulernen.

Neben der redaktionellen Arbeit knüpften wir häufig Kontakte zwischen Journalisten und Betroffenen. Wir stellen auch fest, daß unsere Veröffentlichungen Einfluß auf die Diskussion haben unter Leiharbeitern, aber auch von politischen Aktivisten und Gewerkschaftern diskutiert werden. Als die Leihkeule im Sommer 2017 bei den Nachdenkseiten verlinkt wurde, war klar, daß das kleine Blatt als ernstzunehmende Stimme der Leiharbeiter wahrgenommen wird.

Mit dem Jahr 2017 nahmen wir einen Umschwung im Klima unter den Leihsklaven wahr. Je mehr die Gewerkschaften versprachen, etwas gegen den “Mißbrauch” der Leiharbeit zu tun oder sie „fairer gestalten“ wollten, desto weiter breitete sich die Arbeitnehmerüberlassung aus und überschritt erstmals die eine Million-Marke. Die Hoffnung auf eine Übernahme in die Stammbelegschaften ist geschwunden und man sieht sich in dem prekären Arbeitsmarkt gefangen, wird von der einen Leihbude gekündigt, wenn „Equal Pay“ oder Festantellung anstehen, um vom nächsten Verleiher wieder eingestellt zu werden. Es breitet sich eine Scheißegal-Haltung aus, denn man braucht eine Kündigung nicht zu fürchten. Die Wut wächst in einem Maße, das zu Sick-Outs (kollektiven Krankmeldungen) und gemeinsamer Arbeitsverweigerung führte.

Leiharbeit ist eine sich weltweit ausbreitende Seuche. Das macht auch grenzüberschreitende Gegenwehr nötig. Die Leihkeule wollte zu den G20 Protesten eine Infoveranstaltung über den aktuellen Kampf der Leiharbeiter bei VW im nordchinesischen  Changchun durchführen. Als die Hamburger Innenbehörde jedoch die Infozelte in Entenwerder verbot und die Polizei dies rigoros durchsetzte, blieb von der ursprünglichen Idee nur noch ein deutsch-chinesisches Solidaritätstransparent, das bei den Auseinandersetzungen im Schanzenviertel, wie bei der Großdemo zum Abschluß des Gipfels dabei war. Die Fotos von diesem zweisprachigen Transparent machten in kurzer Zeit in chinesischen sozialen Medien die Runde. Die VW-Leiharbeiter erhielten dann auch zweisprachige Solidaritätserklärungen von der Leihkeule, von Betriebsräten und Vertrauensleuten von Daimler Bremen und der Interessengemeinschaft der Leiharbeiter IGL. Es entstand ein direkter Kontakt zwischen den chinesischen Kollegen und Leiharbeitern in Deutschland. In China fühlte man sich angespornt von der Solidarität aus dem Mutterland des VW-Konzerns und entwickelten neue Initiativen zur Verteidigung ihrer Rechte. Als Reaktion auf die monatelange Inhaftierung des Sprechers der Leiharbeiter und eine erneute Welle von Zensur und Repression, organisierte die Leihkeule einen Infotisch in Wolfsburg mit Transparenten und Flugblättern zur Situation der chinesischen Leiharbeiter bei VW. Als diese kleine Aktion eine bundesweite Resonanz in den Medien nach sich zog und die Leiharbeiter in Changchun die Stellungnahme des VW-Betriebsrats als nicht den Tatsachen entsprechend beschrieben, sah VW sich gezwungen, die Situation zu befrieden. 900 Leiharbeiter, die entlassen werden sollten, wurden übernommen bei einem doppelt so hohen Lohn wie in der Leiharbeit.

Gleichzeitig ist es zu unabhängigen Protesten von VW-Leiharbeitern in Hannover gekommen. Und da in Changchun Fu Tianbo, der Sprecher der kämpfenden Leiharbeiter, nicht aus der Haft entlassen worden ist, ist auch diese Auseinandersetzung nicht beendet. Für die Leihkeule-Macher war das letzte Jahr aufregend mit der aufkommenden Unruhe unter Leiharbeitern und dem Erlebnis einer funktionierenden grenzüberschreitenden Solidarität. Auch kleine Initiativen können große Wirkung zeigen.

Artikel von Holger Teben vom Januar 2018
http://www.labournet.de/?p=127015
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« Antworten #22 am: 24. Januar 2018, 11:45:23 »

Hihi, ich finde die Leihkeule als das beste Giftblatt gegen Leiharbeit und wenn
sich ZAF-Haie negativ dazu äußern, wurde von den Redakteuren der Leihkeule
alles richtig gemacht..

 Grin
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« Antworten #23 am: 24. Januar 2018, 11:55:19 »

Die Leihkeule ist eine gute Zeitung und ich verbreite immer die neueste Ausgabe in sogenannten sozialen Netzwerken.
Was die Sklavenhändler sicherlich nicht freut.Wirklich fürchten würden sie nur eine starke Organisation, die diese moderne Sklaverei politsch
mit allen Mitteln bekämpft.Diese Organisation sehe ich bisher nicht.Auf dem DGB ist kein Verlaß,da sie mit den Menschenhändlern paktieren und
zum Teil selber Zeitarbeitsfirmen betreiben.
Gibt es es denn die IG Leiharbeit noch?
Eine Internetseite von ihnen kann ich nicht finden.Eine FB-Seite schon mit sporadischen Nachrichten

https://www.facebook.com/igleiharbeit/

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