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Autor Thema: Onlinejournalismus  (Gelesen 402 mal)
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Kuddel


Beiträge: 11730


« am: 05. August 2018, 05:37:19 »

Ich möchte ein paar Worte loswerden zum Onlinejournalismus der Leitmedien. Ich meine damit auschließlichlich die Onlineversionen der großen Printmedien und nicht Blogger, alternative oder kleine Webauftritte.

Es wundert mich, daß noch nie eine breitere Diskussion darüber entstanden ist, denn was sich dort entwickelt, ist absolut krass.
Es wurden die Konsumenten von Onlinejournalismus schon oft beschimpft, sie wollten nur eine "Umsonstkultur". Nur nehmen und nicht bereit sein etwas zu geben. Sehr billig und auch falsch dieses Argument. Zum einen ist es eben nicht umsonst. Diese Presseportale sind ein umkämpfter Werbemarkt. Tech Konzerne wie facebook oder Google sind schweinereich geworden mit "Umsonstkultur": neben Werbung ist an Infos und Daten der User viel zu verdienen. Wie penetrant der Werbehirnfick ist, wissen die Anbieter selbst und bieten eine werbefreie Alternative, für die man zahlen muß. Andererseits leben derart viele Menschen inzwischen in so prekären Verhältnissen, daß Abos von Printmedien oder Online Bezahlangebote nicht in Frage kommen.

Die klassischen großen Zeitschriften und Zeitungen stiegen früh ins Internetgeschäft ein. Es handelte sich über längere Zeit um eine abgespeckte Version dessen, was in der gedruckten Ausgabe zu lesen ist. Die Profite mit den Onlinezeitungen waren vielleicht nicht so hoch wie erhofft, doch man verdiente Geld damit. Man wollte aber mehr. Es gehörte zu den ersten Maßnahmen, Journalisten zu feuern. Nicht nur die Webauftritte, sondern auch die Printversionen wurden immer schneller zusammengekloppt. Rechtschreibfehler bereits in der Überschrift sind keine Seltenheit. Das Korrekturlesen wurde eingespart. Jede Schülerzeitung wird gründlicher und liebevoller erstellt.

(Fortsetzung folgt)
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Kuddel


Beiträge: 11730


« Antworten #1 am: 15. August 2018, 19:52:31 »

Der Onlinejournalismus verändert sich rasend, schneller, als man hinterherkommt.
Ich wundere mich, daß keine öffentliche Auseinandersetzung darüber stattfindet. Oder habe ich etwas verpaßt?
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Kuddel


Beiträge: 11730


« Antworten #2 am: 29. November 2018, 06:38:50 »

Wie gesagt, die Onlineversionen der großen Printmedien waren anfangs einfach leicht abgespeckte Version der gedruckten Zeitung/Zeitschrift.
Inzwischen hat sich der journalistische Inhalt mehr und mehr verflüchtigt.
Bei einem Informationsmedium möchte ich definitiv nichts hören von

  • Sport
  • Promis und deren Privatleben
  • Quiz oder Onlinebefragung
  • Autos und Konsumgüter
  • Essen und Rezepte
  • Städte, Hotels und Reisen
  • Medienselbstreferenzen ("Tatort im Schnellcheck", "Zoff bei Anne Will", "die lustigsten Tiervideos", "darüber lacht das Netz")
  • Mode und Lifestyle

Wenn man das streicht, blickt man in gähnende Leere.

Überhaupt sollte auch ein Blick auf den Restjournalismus geworfen werden. Man hat scheinbar jegliche Regeln über Bord geworfen.
Journalismus soll Fakten vermitteln und informieren. In Glossen und Kommentaren kann ein Journalist seine Meinung und seine Emotionen zu einem Thema zum Besten geben. Inzwischen ist alles unheimlich emotional, beginnend mit der Schlagzeile und die Texte bestehen aus subjektiven Darstellungen in einer Schreibe, die vorgibt dem Volk aufs Maul zu schauen und sich unheimlich bemüht, hip und witzig rüberzukommen.

Einfach nur ekelhaft. Das hat nichts mit Journalismus zu tun.
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Troll
Abused Frog


Beiträge: 7199



« Antworten #3 am: 29. November 2018, 10:51:23 »

Aber ich brauch doch den Stoff, Katzenvideos, Beautykrempel, empörende hoppla-Nacktfotos von Prominenten, und ich möchte nicht verpassen wenn die Will tatsächlich mal Zoff eine Backpfeife bekommt, Sylvester Stallone dreht keinen Rocky-Film mehr, heute erfahren, jetzt bist Du sprachlos!
Obwohl, mit "Schlag den Raab" wurde ich letztlich auch bitter enttäuscht.

Pressemäßig findet halbwegs interessantes wenn überhaupt nur noch Regional statt, überregional politisches ist ja eh Zappenduster, ich schätze da sind Lifestyletips gehaltvoller/abwechslungsreicher. Die großen Medien bringen lesenswerte Artikel nur noch aus Versehen oder als Alibi, diesen Eindruck habe ich immer öfters, vor allem wenn Bedeutsames gar nicht mehr stattfindet, Aufstände, riesige Demos, oder im weitesten Sinn "Alternativen", gibt es nicht, keine Zensur nötig bzw. braucht es sehr selten und läuft eher unter freundschaftlichen Gefälligkeiten.
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Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti
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