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Autor Thema: Agententhriller "in echt"  (Gelesen 7115 mal)
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Kuddel


Beiträge: 10274


« am: 16. Februar 2010, 14:42:57 »

Der Palästinenser Mahmoud Al Mabhouh gehörte zu den Gründern der Ezzedin-al-Kassam-Brigaden, dem bewaffneten Arm der Hamas. Er wurde von einer Geheimdiensteinheit in einem Hotel in Dubai ermordet. Gulf News TV hat kurze Zeit nach dem Attentat eine knapp halbstündige Doku erstellt, die aus Material von Überwachungskameras zusammengeschnitten wurde. Gruselig daran, wie nahezu flächendeckend die Videoüberwachung ist und daß das Material so schnell ausgewertet werden konnte.

http://gulfnews.com/gntv/news/the-murder-of-mahmoud-al-mabhouh-1.583880

Eine Real Crime Story, ein Agententhriller, der spannend ist, obwohl ohne Ton...weil er eben "echt" ist.

Was mich aber doch interessieren würde, was es denn für eine Tötungstechnik ist, bei der man im Hirn einen hohen Blutdruck erzeugt, damit es wie ein natürlicher Tod wirkt. Stoff für Hollywood und Autoren von Agententhrillern...
« Letzte Änderung: 16. Februar 2010, 14:45:10 von Kuddel » Gespeichert
Pinnswin


Beiträge: 4126



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« Antworten #1 am: 17. Februar 2010, 09:25:19 »

Zitat
... Tötungstechnik ist, bei der man im Hirn einen hohen Blutdruck erzeugt...

Meist Drogen, Pilze oder chemische Substanzen, aktuell:
http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/35235/1344570/polizei_bremen
Zitat
... Betäubungsmittel Methoxyamfetamin (PMA)... Nach dem Konsum von zwei PMA-Tabletten innerhalb kurzer Zeit können Herzrhythmusstörungen und krampfhafte Anfälle auftreten. Auf Grund der hohen Körpertemperaturen kann es im späteren Verlauf zu Blutungen im Magen, Dünndarm und Dickdarm, sowie zu Gehirnblutungen kommen. Betroffene fallen ins Koma und sterben nach durchschnittlich sechs bis 24 Stunden an Organversagen.


... oder Gummibärchen Voodoo
http://wiki.benecke.com/index.php?title=2009-02_duz:_Sie_wollen_doch_nur_spielen
« Letzte Änderung: 17. Februar 2010, 09:27:12 von Pinnswin » Gespeichert

Das Ende Der Welt brach Anno Domini 1420 doch nicht herein.
Obwohl vieles darauf hin deutete, das es kaeme... A. Sapkowski
Hedgegina


Beiträge: 841


« Antworten #2 am: 18. Februar 2010, 19:34:25 »

...und diesen Fall werde ich auch nie vergessen....

http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Walterowitsch_Litwinenko
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Kuddel


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« Antworten #3 am: 22. Februar 2010, 12:47:08 »

Zitat
Fast alle Länder betreiben staatliche Geheimdienste, seit einigen Jahren sogar Luxemburg. Stellt sich die Frage: Wozu eigentlich? Sie können sowieso nicht verhindern, dass geheime Killerkommandos rund um die Welt geschickt werden, wie die Ermordung des Hamas-Führers Mahmud al-Mabhuh in einem Luxushotel in Dubai beweist. Egal, ob der israelische Mossad dafür verantwortlich ist oder nicht, ist das eine gewaltige Schlappe für die vielbeschworene internationale Kooperation der Dienste.
http://derstandard.at/1266541116841/Mord-an-Hamas-Fuehrer-Schlappe-fuer-Geheimdienste
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Kuddel


Beiträge: 10274


« Antworten #4 am: 27. Februar 2010, 14:18:04 »

Zitat
Dubais Polizeichef fordert Stellungnahme von Mossad-Chef

Khalfan gegenüber Zeitung: Die meisten mutmaßlichen Täter sind in Israel - Deutsche Behörden weiten Ermittlungen aus

Dubai - Der Polizeichef von Dubai hat den Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad aufgefordert, im Fall des ermordeten Hamas-Führers Mahmoud al-Mabhouh klar Stellung zu beziehen. Mossad-Chef Meir Dagan müsse entweder die Verantwortung für das Verbrechen übernehmen oder eine Beteiligung eindeutig bestreiten, erklärte Dahi Khalfan in der Samstagsausgabe der Zeitung "Emarat al-Youm". Fest stehe, dass sich die meisten mutmaßlichen Täter in Israel aufhielten, sagte General Khalfan gegenüber "Al-Khaleesh", einer anderen Zeitung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Sollte die Täterschaft des Mossad bewiesen werden, stünden dessen Chef sowie der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu ganz oben auf der Liste der mit internationalen Haftbefehlen gesuchten Personen, fügte der Polizeichef hinzu. Am Freitag hatte Khalfan erklärt, die Polizei habe am Tatort in einem Luxushotel in Dubai nicht nur Personendaten, sondern auch DNA-Material sichergestellt. Es seien DNA-Spuren "eines Täters" und Fingerabdrücke von mehreren Verdächtigen gefunden worden. Diese Spuren ermöglichten es den Ermittlern, Mabhouhs Mörder "mit 100-prozentiger Sicherheit" zu identifizieren.

Deutsche Behörden weiten Ermittlungen aus

Indessen ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft nach Informationen des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" jetzt auch wegen des Verdachts auf Mord. Zudem ermittle auch die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, berichtet das Magazin in seiner jüngsten Ausgabe. Der deutsche Bundesnachrichtendienst vermute den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad hinter dem tödlichen Attentat. Einer der mutmaßlichen Agenten beantragte unter dem Namen Michael Bodenheimer im Frühjahr 2009 einen deutschen Pass beim Bundesverwaltungsamt in Köln. Er berief sich auf die Verfolgung seiner Eltern in der Nazi-Zeit.

Den Einbürgerungsantrag ließ Bodenheimer dem Bericht zufolge über eine deutsche Rechtsanwaltskanzlei stellen. Bodenheimer benutzte den Pass demnach bereits am 8. November 2009, als er schon einmal von Frankfurt am Main nach Dubai flog. Die deutschen Ermittler vermuteten, dass es sich dabei entweder um einen Probelauf handelte oder um einen fehlgeschlagenen Versuch, den Hamas-Führer zu töten.

Der Hamas-Führer war am 20. Jänner ermordet aufgefunden worden. Derzeit fahnden die Ermittler nach 26 Verdächtigen, die mit Pässen westlicher Staaten in das Emirat eingereist sein sollen. Die Affäre um die Verwendung westlicher Pässe durch die mutmaßlichen Täter hat weltweit für Aufsehen gesorgt. (APA)
http://derstandard.at/1267131926068/Dubais-Polizeichef-fordert-Stellungnahme-von-Mossad-Chef
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Kuddel


Beiträge: 10274


« Antworten #5 am: 26. April 2010, 11:06:32 »

Aber unter den "echten Agententhrillern" ist dieser mein Favorit:

Zitat
Wirbel um "Regenschirm-Mord"

Generationen von Bulgaren kannten den während des Kalten Krieges in London ermordeten bulgarischen Journalisten Georgi Markow. Mit scharfer Zunge kritisierte der Dissident und Mitarbeiter des bulgarischen Dienstes der britischen BBC in seinen Kommentaren das damalige kommunistische Regime in Sofia. Vor 30 Jahren wurde der brillante Journalist und Dramatiker wie in einem Agenten-Thriller umgebracht. Angeblich hatte der bulgarische Staatschef Todor Schiwkow seinen Agenten den Mord in London befohlen. Nun wird das als mysteriöse Attentat möglicherweise nie mehr aufgeklärt werden.

Mit Rizin vergiftet
Der 49-Jährige war am 7. September 1978 in der Menschenmenge an einer Bushaltestelle an der Waterloo-Brücke auf dem Weg nach Hause von einem Unbekannten mit einem Regenschirm angerempelt worden. Er verspürte einen stechenden Schmerz im Bein. Der Fremde murmelte mit ausländischem Akzent "Entschuldigung" und tauchte unter. Kurz danach bekam Markov hohes Fieber. Sein Blutdruck spielte verrückt. Am 11. September war er tot. Eine Autopsie zeigte: Markow war mit einer winzigen mit Rizin gefüllten Kugel vergiftet worden. Gegen das aus den Samen der Rizinusstaude gewonnene Gift gibt es kein Gegenmittel.
 
     
Das mit nur 1,7mm im Durchmesser winzige Metallkügelchen, das im Oberschenkel des Exil-Bulgaren und Journalisten Georgi Markov gefunde wurde; Der Exil-Bulgare und Journalist Georgi Markow
 

Verjährungsfrist läuft ab
30 Jahre nach dem seinem Tod will die bulgarische Justiz nun die nach der politischen Wende eingeleiteten Ermittlungen einstellen. Denn am Donnerstag (11.09.2008) laufe eine in Bulgarien gültige 30-jährige Verjährungsfrist ab. Doch der renommierte bulgarische Journalist Hristo Hristow brachte in dieser Woche in der regierungskritischen Zeitung "Dnewnik" in Sofia neue Enthüllungen über Markows Mord aus den Akten der früheren Staatssicherheit ans Licht.

Ist "Picadilly" der Täter?
Ein Däne italienischer Herkunft mit dem Decknamen "Piccadilly" habe danach den bulgarischen Dissidenten umgebracht. Der Verdächtigte wird in den Geheimdossiers als Francesco Gullino angeführt. Er ließ sich im damals kommunistischen Bulgarien für den Mord speziell ausbilden. Auch der frühere sowjetische Geheimdienst KGB soll mitgespielt haben. Nach der Ermordung des prominentesten bulgarischen Dissidenten erhielt er eine großzügige Belohnung. "Piccadilly" wurde auch für einen Urlaub im Land am Schwarzen Meer eingeladen. Sein Name war auch in der britischen Presse bereits genannt worden.

Wird weiter ermittelt?
"Trotz dieser jüngsten Enthüllungen soll der bulgarische Teil der Ermittlung an diesem Donnerstag (11.09.08) abgeschlossen werden", kritisiert Hristow im Staatsrundfunk in Sofia die strikte Einhaltung der Verjährungsfrist in seinem Land. Die bulgarische Justiz war wegen unzureichend ermittelter Korruptionsfälle in den vergangenen Monaten erst in die Kritik der Europäischen Union (EU) geraten. Die britische Polizei hält sich dagegen an den Grundsatz "Mord verjährt nicht". Der konservative britische Abgeordnete Julian Lewis erklärte am Mittwoch, es wäre "absolut unglaublich", sollte die Regierung in Sofia die Einstellung des Falls erlauben. Dann nämlich, so fürchten Kritiker, würden alle Unterlagen vernichtet werden und damit auch jede Hoffnung, dass das schaurige Verbrechen doch noch aufgeklärt wird.
http://www.wdr.de/radio/wdr2/mima/487955.phtml


Außerdem: http://de.wikipedia.org/wiki/Regenschirmattentat
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Sir Vival


Beiträge: 1764



« Antworten #6 am: 26. April 2010, 17:19:09 »

Schaut euch mal den Film "men who stare at goats" an.
Da seht ihr, wie weit die schon sind.  Smiley
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Der Tod stellte seine Sense in die Ecke und bestieg den Mähdrescher, denn es ward Krieg!
Politiker sind wie Tauben. Sind sie unten, fressen sie dir aus der Hand. Sind sie oben, wirst du beschissen
Es gibt 2 Arten von Politikern:
- der eine kann nichts!
- der andere nichtmal das!
Sir Vival


Beiträge: 1764



« Antworten #7 am: 29. April 2010, 13:46:31 »

War jetzt ein Witz!
Aber es gibt Berichte über CIA Forschungen auf diesem Gebiet. Gedankenlesen, usw.
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Der Tod stellte seine Sense in die Ecke und bestieg den Mähdrescher, denn es ward Krieg!
Politiker sind wie Tauben. Sind sie unten, fressen sie dir aus der Hand. Sind sie oben, wirst du beschissen
Es gibt 2 Arten von Politikern:
- der eine kann nichts!
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Kuddel


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« Antworten #8 am: 14. Juni 2010, 12:46:42 »

Zitat
Berlin: Polen soll Mossad-Mann ausliefern

In Warschau verhafteter Agent soll Anschlag auf Hamas-Funktionär geplant haben


Jerusalem/Warschau/Berlin - Während die Arabischen Liga am Wochenende einmal mehr das Ende der Abriegelung des Gazastreifens forderte und Israels Premier Benjamin Netanjahu ankündigte, den blutigen israelischen Militäreinsatz gegen die Gaza-"Solidaritätsflotte" durch eine mit den USA akkordierte interne Untersuchungskommission klären zu lassen, schien Jerusalem am Sonntag diplomatisch erneut in schweres Fahrwasser zu geraten.

Ein Sprecher der deutsche Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bestätigte am Samstag die Festnahme des mutmaßlichen Mossad-Agenten Uri Brodski. Laut Spiegel steht er im Verdacht, von Deutschland aus Vorbereitungen für ein Attentat auf den Hamas-Führer Mahmud al-Mabhuh in Dubai im Jänner getroffen zu haben. Insgesamt sollen an der Tat mehr als 20 Agenten des Mossad beteiligt gewesen sein, die ausländische Pässe benutzten. Es ist das erste Mal, dass einer der international gesuchten Verdächtigen festgenommen wurde. Berlin hat einen Auslieferungsantrag gestellt.

Pass für Dubai-Attentat

Gegen "Uri Brodsky" wird in Deutschland offiziell nicht wegen einer Beteiligung an dem Attentat ermittelt, sondern wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit. Er soll im Frühjahr 2009 einem anderen mutmaßlichen Mossad-Agenten geholfen haben, beim Einwohnermeldeamt Köln einen deutschen Reisepass zu beantragen. Mit dem auf den Namen Michael Bodenheimer ausgestellten Pass war einer der mutmaßlichen Mörder in Dubai kurz vor dem Anschlag ein- und kurz danach wieder ausgereist.

Die polnischen Behörden müssten nun entscheiden, ob sie dem deutschen Auslieferungsersuchen nachkommen. Ein Mitarbeiter des israelischen Außenministeriums erklärte zu dem Fall lediglich, es sei ein Staatsbürger Israels in Polen festgenommen worden und werde dort konsularisch betreut. Von polnischen Behörden war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Israel erwartete dennoch keine Krise in den Beziehungen zu Deutschland. Der israelische Tourismusminister Stas Miseschnikow sagte nach Angaben der israelischen Nachrichtenseite "ynet" am Sonntag: "Es muss erst einmal bewiesen werden, was diesem israelischen Staatsbürger vorgeworfen wird." Israel müsse in der Angelegenheit auch die "große Freundschaft mit Polen" nutzen. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 14.6.2010)
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Kuddel


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« Antworten #9 am: 18. Februar 2013, 21:46:53 »

Zitat
Gigantische Informationskatastrophe für den Mossad

Der Selbstmord eines mutmaßlichen Mossad-Agenten im Gefängnis beschäftigt Israel. Das Parlament kündigte eine umfassende Untersuchung an
.
http://www.welt.de/politik/ausland/article113699999/Gigantische-Informationskatastrophe-fuer-den-Mossad.html

Zitat
In der Affäre um den Selbstmord eines mutmaßlichen Mossad-Agenten gibt es neue Details: Der als "Gefangener X" bekannt gewordene Ben Zygier hat laut einem TV-Sender Geheimnisse des israelischen Dienstes an sein Geburtsland Australien verraten.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/zygier-soll-mossad-geheimnisse-an-australien-verraten-haben-a-884111.html

Zitat
Seit das Geheimnis um den "Gefangenen X" gelüftet ist, wird das Mysterium immer größer: Der über Jahre vertuschte Fall des nach Israel ausgewanderten Australiers Ben Zygier, der Ende 2010 tot in der Zelle eines israelischen Hochsicherheitsgefängnisses hing, schlägt hohe Wellen in den Medien und in der Politik. Es ist ein realer Krimi, angesiedelt in der Schlammzone der Geheimdienste, der mangels Fakten einen weiten Raum für Spekulationen öffnet.
...
Ben Zygier, so viel ist gewiss, ist eine tragische Figur. Mit Enthusiasmus und voller zionistischer Ideale war er als junger Mann ungefähr im Jahr 2000 von Australien nach Israel ausgewandert, wo er heiratete und zwei Kinder bekam. Die Eltern sind in Melbourne bekannte Mitglieder der jüdischen Gemeinde, der Sohn folgte einer Mission - und es darf mittlerweile als gesichert gelten, dass diese Mission ihn zum Mossad brachte.

Israels Auslandsgeheimdienst weiß Mitarbeiter mit Doppelstaatsbürgerschaft zu schätzen, denn sie können mit den Pässen ihrer Herkunftsländer recht unverdächtig im Feindesland operieren. Wo und womit aber Ben Zygier, der unter verschiedenen Alias-Namen auftrat, beschäftigt war, liegt trotz mancher Spuren noch im Dunkeln.

Die erste Spur führte nach Dubai. Auffällig erschien der Zeitpunkt von Zygiers Verhaftung im Februar 2010 - unmittelbar nach dem Aufsehen erregenden Mord an Mahmud al-Mabhuch, dem Waffeneinkäufer der Hamas, der am 20. Januar in einem Dubaier Luxushotel tot aufgefunden worden war. Eine Zeitung in Kuwait wollte wissen, dass Zygier an diesem Einsatz beteiligt war, bei dem Agenten auch mit australischen Pässen operierten. Gefolgert wurde, dass er anschließend zum Verräter geworden sein könnte.
...
Zygier könnte also Teil jener verdeckten Operationen gewesen sein, die mit Sabotage und gezielten Tötungen von Wissenschaftlern das iranische Atomprogramm stoppen sollen. Ein Beweis, dass er selbst tatsächlich dort im Einsatz war, ist dies jedoch nicht. Es könnten schließlich auch andere Agenten die von ihm besorgten Pässen genutzt haben.

Der gezielte Hinweis an den Journalisten Koutsoukis spricht jedoch dafür, dass Zygier 2009 zwischen die Fronten konkurrierender Geheimdienste geraten ist. Der australische Sender ABC berichtet, dass der Mossad ihn aus dem Verkehr zog, weil er dem australischen Geheimdienst bei Reisen in die alte Heimat Einblicke in seine Arbeit für die Israelis gegeben haben könnte. All dies jedoch sind Erklärungen im Konjunktiv - und sie ranken sich noch recht lose um die einzige Tatsache, dass Zygier als "Gefangener X", dessen Namen nicht einmal seine Wärter wussten, in einer Zelle des Ajalon-Gefängnisses von Ramla landete.
...
Der Anwalt hat Zygier als kampfbereiten Mann in Erinnerung, der für den Beweis seiner Unschuld kämpfen wollte. Zwei Tage nach dem Besuch hing er tot in seiner von Kameras überwachten Zelle. Selbstmord - so lautete das Ergebnis einer internen Untersuchung, die erst vor wenigen Monaten abgeschlossen wurde. Zygier wurde 34 Jahre alt. Er starb vier Tage nach der Geburt seines zweiten Kindes.
http://www.sueddeutsche.de/politik/israels-gefangener-x-viele-paesse-viele-namen-keine-antworten-1.1603617-2
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Kuddel


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« Antworten #10 am: 14. Juli 2013, 08:39:25 »

Zitat
Israel
Ein zweiter Gefangener X


Das Ayalon-Gefängnis in Ramle, außerhalb von Tel Aviv.
Dort starb Ben Zigier, der erste Gefangene X.


 Erneut sitzt ein namentlich nicht bekannter Mann im Hochsicherheitstrakt des israelischen Gefängnisses Ayalon. Viel weiß man über den Israeli mit Agentenverbindungen nicht, nur seine Existenz ist inzwischen offiziell bestätigt worden.


Sein Name ist nicht bekannt. Man kennt auch nicht den Tatvorwurf, unter dem der Mann in Isolationshaft im Hochsicherheitstrakt des israelischen Gefängnisses Ayalon sitzt – mithin unter ähnlichen Bedingungen wie einst Ben Zieger, jener Mossad-Agent, der dort unter strikter Geheimhaltung zehn Monate lang inhaftiert war, bis er sich im Dezember 2010 in seiner Zelle erhängte.

Man weiß nur, dass es in Ayalon einen zweiten Gefangenen X gibt, auch er ein jüdischer Israeli, der in irgendeiner Weise mit den Geheimdiensten verstrickt gewesen sein muss. Die Existenz dieses anonymen Insassen ist inzwischen offiziell bestätigt worden, viel mehr auch nicht.

Nicht akzeptabel

Innenminister Jitzhak Aharonovitch hat auf Nachfragen in der Knesset mit Verweis auf die „nationale Sicherheit“ die verhängte Nachrichtensperre gerechtfertigt. Der Inhaftnahme liege ein „extrem schwerwiegender Vorfall“ zugrunde, betonte auch Avigdor Lieberman, derzeit Vorsitzender des Verteidigungsausschusses. Alle Rechte des Gefangenen, der Besuche von Angehörigen und Verteidiger erhalte, würden jedoch gewahrt.

Die Bürgerrechtsorganisation ACRI (Association for Civil Rights in Israel) hat daran so ihre Zweifel. Sie appellierte an Generalstaatsanwalt Jehuda Weinstein, die Geheimnistuerei um diesen neuen Gefangenen X zu beenden.

Selbst wenn Details aus Sicherheitsgründen vertraulich bleiben müssten, gehe es nicht an, so ACRI-Anwältin Lila Margalit, Basisinformationen über eine festgenommene Person, das involvierte Gericht und das verhängte Urteil unter Verschluss zu halten. „In einem demokratischen Land sind geheime Verhaftungen und Prozesse nicht akzeptabel.“

Die absolute Ausnahme scheinen sie allerdings nicht zu sein. Den Fall Zygier, der in diesem Frühjahr als erster Gefangener X für Schlagzeilen sorgte, hatte der australische Fernsehsender ABC publik gemacht. Die Familie in Melbourne, wo auch Ben Zygier bis zu seiner Einwanderung nach Israel gelebt hatte, forderte daraufhin Aufklärung und Schadenersatz vom Staat Israel.

Gegen mehrere Gefängniswärter kam ein Ermittlungsverfahren wegen Fahrlässigkeit in Gang, weil sie die angeordnete Nonstop-Überwachung der Zelle offenbar nicht ernst genug nahmen. Dabei soll die Mutter noch am Tag, als Zygier sich das Leben nahm, seinem Anwalt gemailt haben, sie fürchte, ihr Sohn könne sich etwas antun, nachdem seine Frau sich von ihm trennen wollte.

„Echter Sicherheitsbruch“


In dieser Woche nun gab ein Gericht den Anhang zum Untersuchungsbericht der Todesumstände frei. Ein Satz darin, der die Haftbedingungen Zygiers mit einem zweiten anonymen Gefangenen verglich, brachte den Stein in der neuen Affäre X ins Rollen.

Zygier-Verteidiger Avigdor Feldman legte nach. Er persönlich wisse von mindestens einem zweiten geheimen Gefangenen, dessen Vergehen „weit schlimmer und viel sensationeller“ als das seines Mandanten gewesen sei. „Ein echter Sicherheitsbruch“, sagte Feldman im Radio. „Diese Affäre blieb komplett verdeckt, weil der Gefangene und der Geheimdienst das so wollten.“

Seitdem schießen die Spekulationen ins Kraut. Anders als im Fall Zygier scheint allerdings auch die Familie ein Interesse daran zu haben, den Mantel des Schweigens nicht zu lüften. Die Ehefrau, der laut „Haaretz“ ab und an intime Besuche in der fensterlosen Zelle des zweiten Häftlings X erlaubt werde, hoffe, dass ihrem Mann bei guter Führung ein Drittel der Strafe erlassen werde.

Womöglich diene die Anonymität auch seinem eigenen Schutz, mutmaßte der Journalist Amir Oren. Es gebe Leute, die glaubten, er verdiene „eine Kugel in den Kopf“.
http://www.fr-online.de/politik/israel-ein-zweiter-gefangener-x,1472596,23704968.html
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Kuddel


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« Antworten #11 am: 29. August 2013, 14:22:18 »

Die besten Krimis schreibt noch immer das wirkliche Leben.

Zitat
Sofortiger Rücktritt Josef Ackermanns

Über Nacht hat Josef Ackermann in Reaktion auf den Suizid des Finanzchefs der Zurich Insurance Group, Pierre Wauthier, sein Mandat niedergelegt und sich von all seinen Funktionen entbinden lassen. Damit ist an der Spitze des Verwaltungsrats zwar eine Lücke entstanden, doch sie konnte mit dem Niederländer Tom de Swaan rasch geschlossen werden. De Swaan ist seit 2006 Mitglied des Zurich-Verwaltungsrats, er kennt die Geschäfte damit bestens. Vor dem Weggang Ackermanns von der Deutschen Bank war er im Zeitraum März bis Juni 2012 interimistisch Zurich-Chairman gewesen.

Der Entscheid Ackermanns, der nach eigenem Bekunden durch den unerwarteten Tod von Pierre Wauthier zutiefst erschüttert wurde, ist zweifellos an erster Stelle sein persönlicher Entschluss. Allerdings wirft die Begründung Ackermanns für seinen resoluten, rasch getroffenen Entscheid zum jetzigen Zeitpunkt mehr Fragen auf, als dass er Antworten gibt. Er, Ackermann, habe Grund zur Annahme, dass die Familie meine, er solle seinen Teil der Verantwortung tragen; ungeachtet dessen, wie unbegründet dies objektiv sein möge, sehe er daher eine weitere erfolgreiche Führung des Verwaltungsrates zum Wohle der Zurich in Frage gestellt.

Es ist zu vermuten, dass die Öffentlichkeit durch die neusten Entwicklungen am Mythenquai eher aufgerührt als beruhigt wird. Spekulationen sind Tür und Tor geöffnet, worin eine über die bei einem Suizid immer tragisch menschliche Dimension hinaus gehende Verantwortung der Zurich als Arbeitgeber gegangen sein könnte. War Wauthier überlastet, fühlte er sich aus irgendeinem Grund unter einem kaum mehr zu ertragenden Druck? Personen, die den Finanzchef vor Tagen etwa an einer internationalen Roadshow bei der Arbeit zusahen, konnten nicht die geringsten Anzeichen für eine ausweglose Situation erkennen. Pierre Wauthier wirkte so wie immer, nämlich ausgeglichen und geduldig. Unabhängig von allem gilt wie im Falle von Carsten Schloter, aus Respekt auch gegenüber der Familie, Zurückhaltung zu üben.
http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/reflexe/die-zurich-versicherung-kommt-nicht-zur-ruhe-1.18141056#

Solch ein radikaler Schritt so schnell! Das läßt Abgründe erahnen.
Ein Suizid in Bankerkreisen? Ich kriege da schnell folgende Assoziation:
Zitat
Roberto Calvi (* 13. April 1920 in Mailand; † 17. Juni 1982 in London) war ein italienischer Bankangestellter in leitender Position. Er war an der Geldwäsche von Drogengeldern in Italien und Südamerika sowie an weiteren geheimen Finanztransaktionen des Vatikans, der Mafia, der Geheimloge Propaganda Due (P2) und verschiedener politischer Parteien maßgeblich beteiligt.



Aufgrund seiner engen Beziehungen zur Vatikanbank war er vor allem in den Medien auch als „Bankier Gottes” bekannt.


1947 trat er in den Banco Ambrosiano als einfacher Angestellter ein und arbeitete sich rasch nach oben. Er erlangte die Protektion von Michele Sindona, einem führenden Teilhaber, und rückte schließlich zum Präsidenten der Bank auf. Bereits seit 1957 führte er für verschiedene Gruppen der Mafia Finanztransaktionen und Geldwäsche von Drogen-Geldern im großen Stil durch. Er war seit 1958 mit Giovanni Battista Montini, dem späteren Papst Paul VI., befreundet. Ab 1968 begann Calvi, große Summen zwischen seiner Bank, der Vatikanbank (die keiner staatlichen Kontrolle unterlag) und verschiedenen Schweizer Banken zu verschieben. 1971 wurde er Generaldirektor, 1974 Präsident des Banco Ambrosiano. Dabei wahrte er den Schein eines äußerst seriösen Geschäftsmannes. Spätestens ab 1971 nahm er mehrfach an Treffen der Geheimloge P2 teil und verwaltete für Licio Gelli und andere Mitglieder der Loge erhebliche Vermögenswerte. Ob er selbst Mitglied der Loge war, konnte nicht geklärt werden.

Ab Mitte 1971 errichtete der Banco Ambrosiano in zahlreichen Offshore-Finanzplätzen Niederlassungen, Briefkastenfirmen und Scheinfirmen. Im April 1974 verlor Sindona durch einen Börsencrash große Teile seines Vermögens, was dazu führte, dass die in Sindonas Besitz befindliche Franklin Bank Insolvenz anmelden musste. Dies wiederum führte dazu, dass deren Gläubiger Sindona wegen betrügerischen Bankrotts anklagten. In diesem Zusammenhang wurde erstmals öffentlich, dass Calvi auch für Verluste von etwa 40 Millionen US-Dollar verantwortlich war, die die Vatikanbank bei diesem Crash erlitten hatte. Seither wurde in den Medien immer wieder über Zusammenhänge der Geldströme der Mafia und des Vatikans spekuliert.

Nach dem Beginn des Pontifikats Johannes Paul II. wurden mit Calvis Mithilfe Ende der 1970er Jahre erhebliche Finanzmittel des Vatikans und der CIA über den Banco Ambrosiano nach Polen transferiert, um dort der Solidarność zugutezukommen. Vermutet (aber nicht bestätigt) wurde auch die Unterstützung anderer Dissidenten im Ostblock. Calvi gründete Banken in Panama und auf den Bahamas, um dort Gelder aus dem südamerikanischen Kokain-Handel zu waschen, teils mit Unterstützung leitender Stellen der Vatikanbank.

Im Zuge von Ermittlungen der Banca d'Italia über illegale Devisengeschäfte, die bereits 1977 erste Unregelmäßigkeiten ergeben hatten, wurde 1981 festgestellt, dass Calvi über 27 Milliarden Lire ohne Genehmigung ins Ausland transferiert hatte. Dafür erhielt er in der ersten Instanz eine vierjährige Gefängnisstrafe, die jedoch wieder aufgehoben wurde. Während der Zeit in Untersuchungshaft und bis zur Wiederaufnahme seines Verfahrens hatte er zahlreiche Andeutungen gegenüber Anwälten und Journalisten gemacht, wonach er Informationen besäße, durch die das italienische Parteiensystem erschüttert werden würde. Tatsächlich gab er nur einen entscheidenden Hinweis auf einen illegalen Kredit an die Sozialistische Partei über 21 Millionen US-Dollar.

Am 10. Juni 1982 verließ er fluchtartig Italien, nachdem der Banco Ambrosiano, den er immer noch als Präsident leitete, Konkurs anmelden musste. Die Schulden der Bank werden — je nach Quelle — auf zwischen 700 Millionen und 1,2 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Bank brach 1987 zusammen, und der Vatikan gab rund drei Milliarden US-Dollar als uneintreibbare Außenstände an. [1] Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, dass große Summen mit Wissen von Erzbischof Paul Casimir Marcinkus, dem Leiter der Vatikanbank, über diese an Scheinfirmen und Scheinniederlassungen im Ausland transferiert worden waren. Der Vatikan leistete dafür  — ohne ein offizielles Schuldanerkenntnis — Kompensationszahlungen von insgesamt 224 Millionen US-Dollar.

Am 13. Juni 1982 bezog Calvi ein Hotelzimmer in Chelsea. Er wurde am 18. Juni 1982 in London erhängt unter der Blackfriars Bridge gefunden. Sein Tod wurde von der britischen Justiz zunächst als Selbsttötung klassifiziert. Erst 1992 erfolgten die Exhumierung der Leiche und eine weitere Untersuchung der Todesursache, die Hinweise auf einen Mord an Calvi angeblich erhärtete. Calvis Karriere als "Bankier Gottes" war geprägt von einem schnellen Aufstieg, engen Verbindungen zum Vatikan, Geldmitteln, die zu den herrschenden politischen Parteien flossen und vom finanziellen Zusammenbruch mit nachfolgenden verzweifelten Versuchen, sich durch Erpressung von Politikern zu retten. Auch darin ähnelt die Karriere von Roberto Calvi der von Michele Sindona, dem anderen in Ungnade gefallenen "Bankier Gottes", der bereits in den 70er Jahren unter dem Verdacht stand, Geldwäsche für die Cosa Nostra betrieben zu haben. Erst im April 2002 wurde bestätigt — jedenfalls im Bewusstsein der italienischen Behörden —, dass Calvi sich im Gegensatz zu den anfänglichen Annahmen nicht selbst das Leben genommen hatte, sondern in Wirklichkeit "erselbstmordet" worden war (in der italienischen Sprache lässt sich das Wort für "Selbstmord begehen" zur Beschreibung solcher Fälle zu einem transitiven Verb machen).

Noch kurz vor seinem Tod soll er gesagt haben: „Wenn mir etwas zustößt, muss der Papst zurücktreten”.  Am gleichen Tag, als Calvis Leiche gefunden wurde, stürzte seine Sekretärin Graziella Corrocher aus einem Fenster der Bank in Mailand in den Tod.
http://de.wikipedia.org/wiki/Roberto_Calvi

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Kuddel


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« Antworten #12 am: 18. Juni 2015, 11:01:22 »

Zitat
Die Rolle des hessischen Verfassungsschutzes beim NSU-Mord an dem Kasseler Kleinunternehmer Halit Yozgat im Jahr 2006 gibt Rätsel auf. Das Oberlandesgericht München hörte deswegen am Mittwoch die Aussagen von drei damaligen Verfassungsschützern, die in den Wochen nach der Tat in konspirativem Ton, aber fürsorglich mit ihrem Kollegen Andreas Temme telefoniert hatten, der seinerzeit unter Mordverdacht stand. Die Tat wird heute den Neonazis vom „Nationalsozialistischen Untergrund“ zugeschrieben.

Temme war während des Mordes an Yozgat in dessen Internetcafé oder hat es einige Sekunden davor verlassen. Nachdem er festgenommen worden war, behauptete Temme, er sei aus privaten Gründen in dem Internetcafé gewesen und habe von der Bluttat nichts mitbekommen.

In den abgehörten Telefonaten fragte nur einer der Verfassungsschützer Temme, warum er in dem Café gewesen sei und was er von der Tat mitbekommen habe – sein Kumpel Michael Hartmüller, mit dem er gelegentlich zusammen in der Freizeit „Kurztrips“ machte. „Hier – was machst denn du für eine Scheiße? Ich will es gar nicht wissen“, eröffnete Hartmüller drei Wochen nach der Tat ein Gespräch mit Temme, das von der Polizei abgehört wurde. Und Temme sagte zu ihm: „Wenn der ganze Spaß mal rum ist, dann muss ich mal vorbeigucken, dann kann ich dir das Ganze ja am Stück erzählen. Das ist am Telefon ein bisschen schlecht.“

Von Erschütterung über den Mord oder gar Anteilnahme am Schicksal des Opfers kann keine Rede sein. Der „Boss“ habe gesagt, „dass eben der Typ in dem Café da umgedaddelt worden“ sei, sagte Verfassungsschützer Hartmüller.

Es seien jedenfalls andere Behörden beteiligt gewesen. Dass Temme in seiner Heimatstadt als „Klein-Adolf“ bezeichnet worden war oder dass er am Tattag mit seiner rechtsextremistischen Quelle Benjamin G. telefoniert hatte – davon will Muth nichts gewusst haben.
http://www.fr-online.de/neonazi-terror/nazi-terror-gericht-rollt-nsu-mord-wieder-auf,1477338,30975550.html
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« Antworten #13 am: 27. Oktober 2016, 18:24:07 »

Zitat
Noch mehr Spenden aus dem Mauss-Umfeld



  • Schon vor 2006 hat die CDU in Rheinland-Pfalz zweifelhafte Zuwendungen erhalten, die auf Werner Mauss zurückzuführen sind.
  • Es geht um 46 000 Euro.
  • Die neue Affäre könnte für die finanzknappe Landes-CDU kostspielig werden.

Die rheinland-pfälzische CDU gerät immer stärker in den Strudel einer Parteispendenaffäre um den Ex-Geheimagenten Werner Mauss. Die Partei erhielt entgegen jüngster Aussagen deutlich mehr mutmaßlich verdeckte Spenden aus dem Umfeld des ehemaligen Privatdetektivs als die bislang bekannten etwa 82 000 Euro. Landesgeneralsekretär Patrick Schnieder gab bekannt, dass dem Kreisverband Cochem-Zell, in dem Mauss seit 1968 lebt, zwischen 1999 und 2005 insgesamt knapp 44 000 Euro zukamen, hauptsächlich über den Rechtsanwalt Franz O. Hansen. Zwei dieser Spenden aus den Jahren 1999 und 2001 habe der Kreisverband von "Richard Nelson" erhalten. So lautet ein Alias-Name von Werner Mauss. Die Hinweise auf diese Zuwendungen seien von der Bundes-CDU gekommen, sagte Schnieder. Er konnte nicht ausschließen, dass es weitere zweifelhafte Spenden gibt. Noch vor einer Woche hatte die CDU in Mainz unter Verweis auf die gesetzlich vorgeschriebene Aufbewahrungspflicht von Spenderdokumenten erklärt, es gebe keine Hinweise, dass aus dem Umfeld von Mauss schon verdeckt Geld geflossen sei. Die Frist beträgt zehn Jahre, dann können Akten vernichtet werden. Schnieder sprach nun von einer "politisch ungemütlichen" Situation für die Landes-CDU. Man wolle aber aufklären. Ungewiss ist nun die politische Zukunft von Landesschatzmeister Peter Bleser. Er war lange Zeit Kreisvorsitzender in Cochem-Zell und kennt Mauss persönlich. Er beteuert nach CDU-Angaben, keine Erinnerung an die zweifelhaften Spenden zu haben. "Wir brauchen mehr Zeit, um die Sachen zu klären", hieß es in der CDU.

Das Krisenmanagement der Führungsspitze unter der Landesvorsitzenden Julia Klöckner hatte auch in der rheinland-pfälzischen CDU für Unmut gesorgt. Man müsse schnell, umfassend und überzeugend aufklären, hieß es nach Bekanntwerden der neuerlichen finanziellen Unregelmäßigkeiten.

CDU könnten neue Geldbußen drohen

Die Landespartei hatte bereits teuer für einen Parteispendenskandal gezahlt. 2010 hatte ihr die Bundestagsverwaltung eine Buße von etwa 1,2 Millionen Euro auferlegt, weil der frühere Partei- und Fraktionsvorsitzende Christoph Böhr Berater für den Landtagswahlkampf 2006 offenkundig aus steuerfinanzierten Fraktionsmitteln entlohnt hatte.

Auch die neue Affäre könnte für die Christdemokraten kostspielig werden. Die Bundestagsverwaltung in Berlin prüft die Spendenunterlagen. Waren es illegale Zuwendungen, drohen der CDU neue hohe Geldbußen.

Die SPD-geführte Ampelkoalition unter Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die selbst wegen des geplatzten Verkaufs des Regionalflughafens Hahn im Sommer in politische Bedrängnis geraten war, übt nun immer wieder scharfe Kritik an der CDU.
http://www.sueddeutsche.de/politik/rheinland-pfalz-noch-mehr-spenden-aus-dem-mauss-umfeld-1.3225330
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« Antworten #14 am: 15. Dezember 2016, 15:23:29 »

Zitat
Landeskriminalamt zahlte 15 000 Euro für Entführung

    Das Landgericht München I hat eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten gegen Zeljko B. verhängt
    Der Mann hat mit zwei Komplizen im Oktober 2009 einen Mann aus Schweden nach München entführt.


Von Christian Rost


Das bayerische Landeskriminalamt hat eine Entführung mit 15 000 Euro finanziert. Das LKA zahlte diese Summe einem ehemaligen Agenten des früheren jugoslawischen Geheimdienstes, damit er einen wegen Mordes gesuchten Kroaten von Schweden nach Deutschland bringt. Von den kriminellen Methoden des Mannes will das LKA nichts gewusst haben. Die Zahlung an ihn wurde als "übliche Aufwandsentschädigung" verbucht.

Gegen den gesuchten Kroaten bestand der Verdacht, 1983 im Auftrag des früheren jugoslawischen Geheimdienstes an der Ermordung eines Exilkroaten in Wolfratshausen beteiligt gewesen zu sein. Die deutschen Strafverfolger kamen an den mutmaßlichen Täter aber nicht heran, weil er in Schweden lebte. Dort verjähren Morde, die vor 1985 begangen wurden. Dennoch lobte das bayerische LKA eine Belohnung von 3000 Euro für die Ergreifung des Kroaten aus und bot zudem eine üppige Aufwandsentschädigung an. Die 15 000 Euro transferierte schließlich ein Kriminalhauptkommissar an den Ex-Agenten, der die Entführung organisierte, nachdem er das Geld erhalten hatte.

Während der Ex-Agent selbst im Hintergrund blieb, fuhren im Oktober 2009 drei von ihm angeheuerte Männer nach Schweden und verschleppten dort den gesuchten Kroaten. Sie packten ihn in den Kofferraum eines Volvo und fuhren über Dänemark nach Deutschland. Nach 20 Stunden kamen sie am Rastplatz Holledau an. Dort hatte sich der Ex-Agent mit zwei LKA-Beamten verabredet. Doch anstatt den Gesuchten den Beamten zu übergeben, nahmen ihm seine Entführer Hand- und Fußfesseln ab - und ließen ihn allein im Volvo zurück. Als er dann mit dem Wagen flüchten wollte, nahmen LKA-Fahnder die Verfolgung auf und stellten den Kroaten scheinbar zufällig bei Oberschleißheim.

Ein Erfolg war der Zugriff dennoch nicht. Ein Ermittlungsrichter lehnte es ab, den Festgenommenen in Untersuchungshaft zu nehmen - die Beweise reichten dem Richter schlicht nicht aus. Der Kroate durfte zurück nach Schweden. Und weil seine Ergreifung letztlich nicht geglückt war, zahlte das LKA auch keine 3000 Euro Belohnung an den ehemaligen Agenten aus.

Drei der Entführer konnten im Nachhinein ermittelt werden, wurden aber nur milde bestraft. Der Ex-Agent als Drahtzieher kam mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davon. Ein Helfer erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Im Prozess gegen den dritten Mann, Zeljko B., verhängte das Landgericht München I am Mittwoch eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten.

Illegale Entführung oder "zulässige List"?


Der 48-Jährige hatte den Volvo mit dem Entführten im Kofferraum von Schweden nach Bayern gefahren. Sein Verteidiger Adam Ahmed forderte in seinem Plädoyer keine weitere Bestrafung seines Mandanten, der schließlich den geringsten Beitrag bei der Entführung geleistet habe und bereits seit zehn Monaten in Untersuchungshaft sitze. Den entscheidenden Beitrag zur Entführung leistete aus Sicht des Verteidigers hingegen das LKA. Die Behörde habe die Verschleppung gegen Bezahlung veranlasst - und hinterher als "zulässige List" verkaufen wollen. "Das ist doch blanker Unsinn", so der Anwalt, und weiter: "Ich bin der Überzeugung, dass der Auftrag, das Opfer hierher zu bringen, vom LKA erteilt worden ist."

Die Polizeibehörde lehnte eine Stellungnahme dazu ab. Im Laufe des Prozesses gegen Zeljko B. hatte aber eine Vertreterin des LKA aussagen müssen - die Zahlung an den Ex-Agenten stritt sie dabei nicht ab. Er sei ein "Informant" gewesen, sagte die Beamtin. Anwalt Ahmed bezeichnete ihn hingegen als "Handlanger". Die LKA-Mitarbeiterin betonte, dass man von seinen illegalen Methoden nichts gewusst habe und davon ausgegangen sei, dass die Überstellung des Kroaten aus Schweden rechtmäßig geschehen werde. Ein Ermittlungsverfahren gegen die beiden federführenden LKA-Beamten in diesem Fall wurde eingestellt.
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/prozess-landeskriminalamt-zahlte-euro-fuer-entfuehrung-1.3294933
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« Antworten #15 am: 11. Januar 2017, 18:41:43 »

Drehbuchautoren aufgepaßt! Die Wirklichkeit ist ebenso bekloppt wie eure Bücher:

Zitat
Steuerbetrug:
Ex-Kanzleramtschef bestätigt Existenz von Geheimfonds

Der wegen Steuerbetrugs angeklagte Geheimagent Mauss habe seine Operationen aus einem internen Fonds am Kanzleramt finanziert. Unklar sei, wer die Ausgaben kontrollierte.




Im Steuerprozess gegen Ex-Geheimagent Werner Mauss hat der ehemalige Staatsminister im Kanzleramt, Bernd Schmidbauer (CDU), die Existenz eines Geheimfonds bestätigt. Daraus habe Mauss seine Operationen finanziert, sagte der 77-Jährige als Zeuge vor dem Bochumer Landgericht aus, wo sich Mauss wegen Steuerhinterziehung verantworten muss. Das Geld sei intern als "internationale Reserve" bezeichnet und von anderen Staaten eingezahlt worden – unter anderem von den USA, sagte Schmidbauer. Genaueres über die Einrichtung und Kontrolle könne er aber nicht sagen.

Mauss selbst habe seit 1991 kein Geld mehr von der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Es seien auch keine Verträge mehr mit ihm abgeschlossen worden. Man habe allerdings kooperiert. Für die Bundesregierung sei Mauss auf jeden Fall ein wichtiger Türöffner gewesen – vor allem zur südamerikanischen Guerilla, sagte Schmidbauer.

Schmidbauer zufolge arbeitete Mauss weitgehend autark. "Seine Wege haben sich uns nicht erschlossen". Deshalb könne er auch nichts über Zu- und Abflüsse aus dem Geheimfonds sagen. "Es gab keine Möglichkeit, von deutscher Seite auf die Verwendung der Gelder Einfluss zu nehmen."

Dass es gar keine Kontrolle gegeben hat, könne er sich aber nicht vorstellen. "Ich glaube nicht, dass jemand das Geld hingeschmissen hat und gesagt hat: Mach damit, was du willst."

"Ich habe das Verbrechen immer bekämpft"

Die Staatsanwaltschaft wirft Mauss vor, Steuern in Millionenhöhe hinterzogen zu haben. Dieser beteuerte in dem Prozess noch einmal seine Unschuld. "Ich habe keine Steuerhinterziehung begangen", sagte Mauss den Richtern. "Ich habe das Verbrechen schließlich immer bekämpft."

Bei dem auf Konten in Luxemburg und Panama deponierten Geld handele es sich ausschließlich um die von Schmidbauer genannte "internationale Reserve", die er seit den 1980er-Jahren treuhänderisch verwaltete. Sie sei ihm daher privat nicht zuzurechnen. Genau das sieht die Staatsanwaltschaft jedoch anders.

Wie sich Mauss finanziert hat, ist unklar. Auch Schmidbauer konnte dazu im Zeugenstand keine genauen Angaben machen. Dass Mauss kostenlos gearbeitet hat, könne er sich aber nicht vorstellen. "Ich kenne niemanden, der Leistungen erbringt, ohne dafür entlohnt zu werden", sagte Schmidbauer den Richtern. Regelungen dazu seien ihm aber nicht bekannt.

Nachdem seine verschiedenen Identitäten aufgeflogen seien, habe er Mauss geraten aufzuhören. Allerdings ohne Erfolg. "Das Ergebnis war wie bei einer Katze – gleich Null", so Schmidbauer.
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-01/steuerbetrug-kanzleramt-fonds-werner-mauss
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« Antworten #16 am: 03. Juni 2017, 18:45:16 »

Das Hollywoodbild vom Agenten ist ja extra für die Leinwand entworfen und nicht bei der Wirklichkeit abgeschaut.
Der Leinwandagent hat die Megaausbildung mit der er durch jede verschlossene Tür kommt, jedes Computerprogramm knackt und am wichtigsten, alle Emotionen ausschaltet, wenn er Bomben legt und menschliche Ziele ausschaltet.

In Wirklichkeit arbeitet man wohl viel lieber mit Leuten, die man im wirklichen Leben findet und deren Haltung auf ein Talent für die geheimdienstlichen Interessen hindeutet. Die NSU Truppe wurde ja schon Jahre vor ihrem organisierten Terror ausfindig gemacht, u.a. durch eine besonders rechtsradikale Haltung bei der Bundeswehr, der MAD fand es sofort interessant. Solche Naturtalente werden genutzt, ohne daß man ihnen einen "Auftrag" geben muß. Man braucht Rassisten auch nur Waffen und Sprengstoff zu geben,  dann ist in etwa klar, in welche Richtung es geht.

Übrigens hat man auch bei Linken ähnlich gearbeitet:
Zitat
Peter Urbach (...) war ein V-Mann und Agent Provocateur des Berliner Verfassungsschutzes in den späten 1960er Jahren.
Er lieferte nachweislich Molotow-Cocktails, mindestens eine Schusswaffe sowie mehrere Spreng- und Brandbomben. Mehrere Angebote und aktive Vorbereitungen für die Beschaffung von größeren Mengen an Schusswaffen sind dokumentiert (...). Eine seiner Bomben wurde am 9. November 1969 für einen versuchten Anschlag auf das jüdische Gemeindehaus in West-Berlin verwendet, was erst 2005 bekannt wurde. Zu den Interessenten und Abnehmern für seine Lieferungen zählten auch Andreas Baader, Horst Mahler...
https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Urbach

Weiterhin sind Leute interessant, die eh auf Kamikazekurs und erpreßbar sind.
Kriminelle Bauunternehmer, Leute aus dem Drogenbusiness (gerne Koks) sind prädestiniert, Schulden und die Aussicht auf Knast sind sind beste Voraussetzungen. Diese Irren werden nicht ausgebildet, aber benutzt.

Eine Reihe der "Islamistischen Terroristen" kommen überhaupt nicht aus einer religiösen Szene, sondern aus der Kokser- und Dealerzsene. Diesen Spuren sollte man ernsthafter nachgehen. Es dürfte lustig werden, was dann für Hintermänner und überraschende Verstrickungen zu Tage treten dürften...

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« Antworten #17 am: 11. Dezember 2017, 09:13:55 »

Zitat
Slowenien
Wo die Spione streiken

Eigentlich gehört lauter Protest nicht zu den typischen Waffen von Agenten. Doch in Slowenien verdienen sie so schlecht, dass sie nun ihren Dienst eingestellt haben.


James Bond hat irgendwie nie richtig Dienstschluss, vielleicht kann man ihn sich deshalb nicht im Streik vorstellen. Aber auch echte Geheimagenten streiken normalerweise nicht. In den meisten Ländern sind sie Beamte und auch sonst ist ihnen der Ausstand nicht gestattet.

Das ist beim slowenischen Geheimdienst nicht anders. Dennoch ist er jetzt weitgehend geschlossen in den Streik getreten, wie die Regierung in Ljubljana bestätigte.

Das macht ihren Protest besonders laut. Der Inhalt ist allerdings so wie meistens bei Streiks: Die Agenten fordern bessere Arbeitsbedingungen und vor allem Gehaltserhöhungen. Nach Informationen slowenischer Medien beträgt die monatliche Bezahlung zwischen 750 und 1000 Euro und liegt damit unter dem Durchschnittseinkommen von 1047 Euro.

Ergebnis langer Sparmaßnahmen

Um das Land nicht in Gefahr zu bringen, werden die dringendsten Aufgaben allerdings weiterhin erledigt. Die Regierung betonte, trotz des Streiks würden alle Aufgaben zur Gewährleistung der nationalen Sicherheit Sloweniens erfüllt. Rund 300 Mitarbeiter hat der Geheimdienst Sova, die sich nun auf das Nötigste beschränken, wie die Tageszeitung "Dnevnik" berichtet.

Der kleine Balkanstaat mit zwei Millionen Einwohnern verzeichnet derzeit das stärkste Wirtschaftswachstum in der Eurozone. Trotzdem verdienen die geheimen Staatsdiener schlecht - und nicht nur die. Nach einer Rezession 2013 hatte die Regierung Sparmaßnahmen eingeleitet, die insbesondere Pensionen und Gehälter im öffentlichen Dienst betreffen.
http://www.spiegel.de/karriere/slowenien-geheimdienst-streikt-wegen-schlechter-bezahlung-a-1182368.html
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