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Autor Thema: Chefduzen Medienecho  (Gelesen 94260 mal)
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admin
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Beiträge: 2300


« am: 16. Dezember 2003, 04:48:01 »

Zitat
Original von HEMPELS(Kieler Straßenmagazin)5/03


Der soziale Kahlschlag zieht immer weitere Kreise und plötzlich ist so mancher zum Opfer geworden, der sich gestern noch sicher wähnte. Der HDW-Arbeiter genauso, wie die Facharbeiter der legendären Heidelberger-Druckmaschinen-Produktion. Es werden auch mehr, die ihren Job verloren haben um danach für einen Bruchteil des Lohns die selbe Arbeit als Leiharbeiter zu tun.

Seit ein paar Monaten gibt es das Internetforum http://WWW.CHEFDUZEN.DE für die Ausgebeuteten Kiels. Es ist der Versuch einiger Betroffener Erfahrungen zusammenzutragen und eine offene Diskussion zu ermöglichen, unabhängig von Gewerkschaften und politischen  Organisationen. Und wenn einer sich nur "ausheulen" will über das eigene Schicksal, so ist auch dafür Raum. Und man wird merken, daß es anderen nicht besser ergeht, daß es viele andere gibt, die sich urplötzlich auf der Seite der "Loser" wiederfinden. Esist eben nicht persönliches Versagen, sondern es hat System.

Das Forum hat ein wahrlich breites Spektrum und behandelt auch Themen, die keine Gewerkschaft diskutiert und selbst von der Linken Subkultur gemieden werden, wie Schwarzarbeit, Prostitution oder Drogenbiz.

Es bleibt abzuwarten inwieweit dies als erster Schritt funktioniert sich gemeinsam zu wehren, statt auf diejenigen herabzuschauen, denen es schlechter geht, als einem selber. Dann brauchen wir nicht länger neidisch nach Italien oder Frankreich (neuerdings auch Österreich!) zu schauen, wo es zu Massenprotesten und wirkungsvollen Streiks kommt.




Zitat
Original von Gaarden.net 10/03

Chef Duzen plant eine Hörspielcollage zu den modernen Formen der Ausbeutung. Erfahrungen mit dem Horror der heutigen Tage, wie Leiharbeit und PSA, Zwangsarbeit und Ich-AG oder die Erniedrigungen von Sozial-oder Arbeitsamt werden gesucht.

Wer bereit ist vor dem Mikrophon von seinen Erlebnissen zu berichten, melde sich bitte unter chefduzen@gmx.de

Übrigens: das nächste Chefduzen-Treffen findet am 9.11. im Irish Pub (Bergstr.) um 20:00 statt.  
 

Zitat
Original von nordfriesland-online 11/03

Politik und Wirtschaft * Politik, Arbeit und Wirtschaftsleben
MOTOROLA und kein Ende
Motorola hat als größter industrieller Arbeitgeber Flensburg nicht gerade wenig Einfluß in der Region. Die Landesregierung prüft, ob die Millionenförderung nach den Massenentlassungen wieder zurückgefordert werden kann. Die Presse titelte "Bei Motorola Flensburg Arbeitskampf möglich". Es blieb aber ruhig und die Gewerkschaft handelte hinter verschlossenen Türen etwas für die 600 Entlassenen aus.

In dem Betrieb wird auf Hochtouren gearbeitet und studentische Hilfskräfte, die nach 2 Jahren einige Rechte erhalten hätten, wurden durch neue Studies ersetzt.

Informationen, Diskussionen und Solidarität über den betrieblichen Tellerrand sind an der Zeit. Die Informationen auf der Website der IG-Metall sind spärlich und veraltet.

Unter http://www.chefduzen.de wurde ein Diskussionsforum für die Auseinandersetzungen um Motorola Flensburg eingerichtet.

Zitat
Original von Station 12/03

Hörspiel über den neuen Arbeitsmarkt in Vorbereitung
Das bisher virtuelle Projekt http://www.chefduzen.de betritt nun die wirkliche Welt und plant praktische Aktionen. Dazu gehört auch ein Radiohörspiel-Projekt, eine Soundcollage aus der Welt der Arbeit und den Niederungen der Ausbeutung. O-Ton von Firmen-Motivationstraining und Lobpreisungen von Wirtschaftsleuten über die Neuordnung des Arbeitsmarktes werden überlagert von Erlebnissen Betroffener.

Wer bereit ist, über Erfahrung mit Leiharbeit oder PSA, über Entlassung, Erlebnisse beim Arbeitsamt oder Sozialamt wie über Heimarbeit oder aus dem Callcenter zu berichten, kann sich bei den Hörspielmachern unter chefduzen@gmx.de melden.



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admin
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« Antworten #1 am: 20. Dezember 2003, 21:29:56 »

Zitat
Original von labournet.de 12/03

11.Januar 2004 / Kiel  
Stammtisch: Leiharbeit, Ausbeutung und Co. Das inzwischen regelmäßig stattfindende Treffen (am jeweils 2.Sonntag des Monats) um aus der virtuellen Welt des (im Raum Kiel populären) Online-Forums www.chefduzen.de in die wirkliche Welt zu treten und dort für Unruhe zu sorgen. Ein lockeres Treffen, um Selbsthilfe gegen Ausbeutung und Verarmung zu organisieren. Im Irish Pub, Bergstrasse, Kiel um 20 Uhr.
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« Antworten #2 am: 02. Januar 2004, 13:04:09 »

Zitat
Original von http://www.fau.org/

Link des Monats:
http://www.chefduzen.de, "Das Forum der Ausgebeuten" - eine spannende Forensite für alle, die es immer schon mal nicht mehr sein wollten. Oder es noch werden sollen. Oder mal gewesen sind. Oder so.



Zitat
Original von http://www.x-berg.de 12/03

http://www.chefduzen.de bietet ein Diskussionsforum für alle, die ausgebeutet oder zur zukünftigen Ausbeutung ausgebildet werden oder Stress mit der amtlichen Menschenverwaltung haben, weil sie sich nicht ausbeuten lassen. Die Themenpalette reicht von Lohnsklaverei und Arbeitszwang in Industrie und Dienstleistung bis hin zu Behindertenwerkstätten, Knastarbeit und Prostitution, Schwarzarbeit, Arbeitslosigkeit und Krankheit. Also genau die richtige Adresse für alle anonymen Arbeitssüchtigen, glücklichen Arbeitslosen, Faulpelze und Freunde und Freundinnen von Florida-Rolf.

Zitat
www.schweineliste.de
Die Schweineliste

Eine Lobenswerte "Schweinerei"

Neues Internetforum
Selbstverständlich ist nicht chefduzen.de gemeint sondern die dort gelisteten Schweinereien!!!!
 

Seit ein paar Monaten gibt es das Internetforum http://www.chefduzen.de für die Ausgebeuteten. Es ist der Versuch einiger Betroffener Erfahrungen zusammenzutragen und eine offene Diskussion zu ermöglichen, unabhängig von Gewerkschaften und politischen Organisationen. Und wenn einer sich nur "ausheulen" will über das eigene Schicksal, so ist auch dafür Raum. Und man wird merken, daß es anderen nicht besser ergeht, daß es viele andere gibt, die sich urplötzlich auf der Seite der "Loser" wiederfinden. Esist eben nicht persönliches Versagen, sondern es hat System.

Das Forum hat ein wahrlich breites Spektrum und behandelt auch Themen, die keine Gewerkschaft diskutiert und selbst von der Linken Subkultur gemieden werden, wie Schwarzarbeit, Prostitution oder Drogenbiz.

Es bleibt abzuwarten inwieweit dies als erster Schritt funktioniert sich gemeinsam zu wehren, statt auf diejenigen herabzuschauen, denen es schlechter geht, als einem selber. Dann brauchen wir nicht länger neidisch nach Italien oder Frankreich (neuerdings auch Österreich!) zu schauen, wo es zu Massenprotesten und wirkungsvollen Streiks kommt.
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admin
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« Antworten #3 am: 05. Januar 2004, 20:02:14 »


Interview in der WILDCAT No. 68

Zitat
"Wir haben es nicht eilig..."

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, dieses Diskussionsforum einzurichten?


Die Politszene hier findet McDonalds doof, weil Hamburger nicht vegan sind, oder man geht mit einem Transparent »Smash Capitalism!« zur Demo, um anschließend mit seinen Chefs aus der Computerklitsche auf eine after work-Party zu gehen. Für einen Umgang mit dieser Szene haben wir nicht ausreichend Humor. Wir selber schlagen uns als »Marginalisierte« irgendwo zwischen Schwarzjob und Ich-AG herum. Nicht aus politischen Gründen, sondern mangels besserer Alternative. Das Leben ist nervig genug geworden, um zu dem Schluss zu kommen: So geht es nicht weiter!Wir hatten auch schon unsere Finger in Kämpfen im Krankenhaus, auf dem Bau, im Callcenter und in der Alternativklitsche. Und die Idee für ein Internetforum kam von der amerikanischen Site Netslaves, die zur Zeit des Platzens der New Economy-Seifenblase wirklich aufregend war (und heute vergleichbar öde ist ...). Wir haben völlig auf blauen Dunst angefangen. Wir haben erst einmal alle Großbetriebe aufgelistet, die uns eingefallen sind und noch verschiedene Branchen. Die Besuche und die Besucher sorgen für einen ständigen Umbau des Forums, ­Bereiche, die wir für unbedeutend hielten, bekamen Besucherrekorde, und wir wurden darauf hingewiesen, dass es einige Betriebe unter dem alten Namen gar nicht mehr gibt. Wir haben auch keine vorgefertigte Strategie, wir lassen uns von den Betroffenen und von den Verhältnissen zurechtweisen. Es macht auch Spaß zu lernen, wie es läuft, auf unserem Forum und in der bösen Welt da draußen.


Ihr schreibt, es geht Euch weniger um das Virtuelle, und mehr um praktische Sachen wie z.B. Flugblätter gegen aktuelle Schweinereien in Betrieben oder ähnliches. Habt Ihr da schon Erfahrungen gemacht?


Die Website soll nur ein Mittel sein, dass Erfahrungen und andere Infos zugänglich werden. Es geht uns um praktische Konsequenzen, darum, dass Leute Mut fassen, zusammen kommen und aktiv werden. Wir können nicht stellvertretend kämpfen, von uns kommt bestenfalls minimale Hilfestellung. Bisher ist alles noch Testphase, was wir machen, aber es läuft gut an. Es gab Unterstützung in Form von Veröffentlichungen und Verlinkungen von Leuten und Projekten, die wir kaum oder gar nicht kannten. Sachen außerhalb der virtuellen Welt haben erst begonnen, und sie sind sehr simpel. Der monatliche Stammtisch wurde uns von unseren Usern aufgenötigt, wir hatten eigentlich gar keine Zeit dazu. Ansonsten hat es Spuckies und ein paar Graffiti zum Thema Leiharbeit gegeben und Flugblätter zur Bahn. Die haben wir in Zügen auf die Sitze gelegt, im Reisecenter in die Regale für Informa­tionsmaterial und auf einem Parkplatz für Bahnmitarbeiter hinter die Scheibenwischer. Der Boden wird täglich fruchtbarer, um die Themen Arbeit, Ausbeutung und Verarmung anzugehen, und wir haben es nicht eilig.


Mehrere Benutzer behaupten, dass in ihrem Bekanntenkreis zwar haarsträubende Geschichten über Arbeitsbedingungen usw. erzählt werden, die Leute aber Angst haben, darüber was auf Eurer Website zu schreiben... Ist das ernst gemeint?



Es ist wirklich so, dass aus dem Bekanntenkreis fast niemand gepostet hat, obwohl es dort die haarsträubendsten Stories gibt und wir die Leute regelrecht genötigt haben, etwas zu schreiben. Es ging sogar soweit, dass uns gesagt wurde, dass eine Geschichte nur dann erzählt wird, wenn wir sie nicht in unserem »komischen Forum« veröffentlichen. Dafür wird aber das Forum genutzt von Leuten, mit denen wir kaum gerechnet haben, wie z.B. den armen Schweinen von Drückerkolonnen. Und wir bekamen Posts von gewerkschaftlichen Auseinandersetzungen in Betrieben, von denen wir nichts wussten. Wir freuten uns auch, dass in Streikforen der IGM Texte aus unserer Site hineinkopiert wurden, bevor wir überhaupt wussten, dass die Gewerkschaft auch Online-Foren eingerichtet hatte. Dass in Betrieben, in denen es gärt, von Firmencomputern auf unserer Site gesurft wurde, empfanden wir als Ritterschlag für unser Projekt.


Wenn man auch »praktisch« werden will, macht es ja erst mal Sinn, sich auf eine Stadt oder Region zu beschränken, wie Ihr das tut. Habt Ihr von ähnlichen Initiativen wie Eurer aus anderen Städten gehört?


Wir sind zwar die ersten, die in dieser Form arbeiten, aber nach diesem wirklich erfolgreichen Start sind wir sicher, dass man die Idee anderenorts auch aufgreifen wird. Wir sind über chefduzen@gmx.de zu erreichen und können unsere Erfahrungen weitergeben, um solch ein Projekt schneller zu etablieren.
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ManOfConstantSorrow


Beiträge: 6390


« Antworten #4 am: 16. Februar 2004, 15:51:43 »

Zitat
Original von indymedia

 Zeitarbeitsfirma mahnt Online-Forum ab

von Kieler - 10.02.2004 00:25

Das Kieler Diskussionsforum "Chefduzen - Forum der Ausgebeuteten" hat heute eine Abmahnung der Leiharbeitsfirma Alpha Zeitarbeit München erhalten. In einem Post hatte ein ehemaliger Mitarbeiter der Firma schwere Vorwürfe hinsichtlich unseriöser Geschäftspraktiken erhoben.




Der von der Firma Alpha Zeitarbeit beauftragte Anwalt gab den Betreibern von chefduzen.de eine Frist bis zm 10.2. mittags, den unter dem Nicknamen "Obermaat" geposteten Beitrag zu löschen und droht mit einer Schadensersatzklage.
In dem monierten Beitrag von "Obermaat" ist von einem Sumpf aus Bestechlichkeit, Kungelei und Schaffung von Abhängigkeiten die Rede.

Mittlerweile hat der presserechtlich verantwortliche Admin von chefduzen das Ultimatum des Anwalts zurückgewiesen:

"CHEFDUZEN hat den Anspruch den Ausgebeuteten und weitgehend Rechtlosen eine Stimme zu geben. Alpha Zeitarbeit München hätte (und hat!!!) die Möglichkeit eine Gegendarstellung in diesem offenen Forum zu posten, doch scheinbar fürchtet diese Firma eine öffentliche Diskussion. Doch diese wird durch die stillose Umgangsweise nach Wild-West-Manier (Ultimatum bis 12 Uhr Mittags!) erst losgetreten und dürfte interessant werden."


Zitat
Original von labournet10.2.04

Solidarität mit Chefduzen.de! Zeitarbeitsfirma mahnt Online-Forum ab…

Das Kieler Diskussionsforum "Chefduzen - Forum der Ausgebeuteten" hat heute eine Unterlassungserklärung der Leiharbeitsfirma Alpha Zeitarbeit München erhalten. Anlaß ist ein Postin von „Der Obermaat“ vom 20.10.03: „Hallo liebe Zeitarbeit-geschädigten und alle die es gar nicht erst soweit kommen lassen wollen... Hier mal ein kleiner Einblick in eine Firma die das Recht lebt wie sie es gerade braucht...“. Bewertung des gegnerischen Rechtsanwalts: „In diesem Posting werden rechtswidrige und geschäftsschädigende Äußerungen über unsere Mandantin getätigt und von Ihnen zur Nutzung bereit gehalten…“ Auflage: Entfernung bis spätestens 10.02.2004,12.00 Uhr…


Zitat
Original von Forennews.de

Gefährliches Spiel

 

...oder Klage liegt in der Luft. So könnte man die Situation zwischen dem Board Chefduzen.de und der Firma Alpha Zeitarbeit umschreiben. Aber mal von vorn, damit auch jeder Leser weiß um was es geht. Das Chefduzen Board ist ein mäßig besuchtes Board das sich mit dem Recht und selbiger Verletzung von Arbeitnehmern befasst und zum größten Teil aus Copy Und Paste Beiträgen besteht.

Am 20.10.03 registrierte sich ein User Obermaat, der ein Posting schrieb, in dem vorgeblich illegale Machenschaften der Firma Alpha Zeitarbeit aufführt und sich selbst als Mitarbeiter der firma zu erkennen gab. Den Thread nannte er auch entsprechend Alpha Zeitarbeit München und auch der Name der Geschäftführerin wurde genannt und direkt angesprochen. Seinen Namen behielt der User mit folgender Aussage für sich:

    quote:Ich kann nicht näher darauf eingehen da ich unerkannt bleiben möchte, und ich wenn ich schon wem Schade den Kopf der Truppe will.



Am 9.2.04 bekam der Boardbetreiber Karsten W. eine E-Mail von der Kanzlei RA Reichert, die ihn auf die Unbotmäßigkeit und - zurecht übrigens - auf seine Verpflichtung als Teledienstanbieter hin, diesen Beitrag nach Kenntnisnahme entsprechend zu entfernen. Dazu wies der Anwalt auf den Umstand hin, dass Karsten W. unter dem Pseudonym "CHEFDUZEN - Admin" 42 Minuten nach dem Startbeitrag "Viel Erfolg bei Deinem Kampf gegen den Schweinebetrieb" schrieb und sich damit die Aussagen des Obermaat so zu Eigen machte - heißt, es ist, als hätte er´s selbst geschrieben.

Nun, der Zustand heute, nach Kenntnisnahme meinerseits, war von diesem Beitrag nichts mehr zu sehen, aber das hat nichts zu heißen. ;-) Vllt. war das einer der hellen Momente, die Karsten W. hatte, denn sein Folgeverhalten kann man nur als geradezu dumm bezeichnen. Schreibt er doch, nachdem er die eMail des Anwalts einstellte, dass er den Beitrag nicht entferne, da er für die Meinungsfreiheit sei.

Das darf er gern sein, nur übersieht er, das es sich offenkundig nicht um eine Meinungsäußerung handelt, sonder um üble Nachrede und geschäftsschädigendes Verhalten. Denn wenn er nicht zufällig die Personalien den auslösenden Autors hat und am besten noch die Zusage vor Gericht das alles auszusagen, hat er nichts außer ein paar Zeilen, die ein Unternehmen der Bestechung beschuldigen, nichts in der Hand. Denn mit etwas nachdenken könnte man auch leicht auf die Idee kommen, dass die Behauptungen von einem Konkurrenten oder einem entlassenem Mitarbeiter kommen könnten. Sowas sollte man schon sicher ausschließen können, bevor man sich in eine Schlacht wirft.

Nun, die Frist - bis 10.2. hatte man ihm die gesetzt - zum Entfernen des Beitrag hat er verstreichen lassen, so das wir in Kürze einer weiteren Boardschließung entgegen sehen. Vllt. hätte er sich vorher mal von einem Anwalt beraten lassen. Denn ohne Beweise für das beanstandete Posting wird das für ihn in die Hose gehen und wenn jemand sehenden Auges in sein Unglück rennt tut’s mir nicht mal sonderlich leid.
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Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
Gast
« Antworten #5 am: 16. Februar 2004, 18:04:44 »

Zitat
Original von Junge Welt

14.02.2004
 Inland
Mag Wompel
 
Bosse kontra Meinungsfreiheit
 
Unternehmer gehen auch juristisch gegen Beschäftigte vor, die Mißstände im Betrieb öffentlich machen

 
Es scheint Jahrhunderte her, als sich unglaublich viele Menschen in der BRD am Volkszählungsboykott beteiligten. Es galt damals, 1987, die Privatsphäre zu schützen, persönliche Daten nicht den Behörden – und Firmen – zu überlassen. Heute jedoch werden mehr denn je Telefonate abgehört, private E-Mails mitgelesen, öffentliche Räume überwacht. Viel zu wenige Menschen, auch innerhalb der Linken, regen sich darüber noch auf. Auch nicht über das sogenannte Terrorismusbekämpfungsgesetz, die geplante EU-Verfassung, das Telekommunikationsgesetz, Vorratsdatenspeicherung und Internetzensur und – auch bei den Linken beliebte – offene Verteiler (Daten plus Soziogramme).

In Zeiten, in denen das Kapital in den Tarifrunden dazu übergeht, Forderungen zu stellen, die in soziale Belange eingreifen, diese auch durchdrücken kann (Arbeitszeit, »Lohnnebenkosten« etc.) und kaum jemand gegen diese Beerdigung der Grundrechte protestiert – in diesen Zeiten wird es kaum verwundern, daß selbst rudimentäre Rechte auf freie Meinungsäußerung der Kapitalseite zu weit gehen. Das bezieht sich auf alle Fragen des »Arbeitnehmer«datenschutzes wie Überwachung des Onlineverhaltens, Videoüberwachung oder Gentests. Ganz offen findet momentan ein Kahlschlag gegen die Meinungsfreiheit abhängig Beschäftigter statt – auch in ihrer Freizeit.

Beispielhaft das Skandalurteil gegen eine oppositionelle Belegschaftszeitung. Im Dezember 2003 wurde in der ersten Instanz die Klage von Daimler gegen die Kasselaner Alternativen Metaller und ihre Zeitung Nachrichten vom Mercedesplatz verhandelt. Anklagepunkte: Verstoß gegen vertrauensvolle Zusammenarbeit, parteipolitische Betätigung (wegen Aufruf zur Friedensdemo), Veröffentlichung von Geschäftsgeheimnissen etc. Das Urteil: »... Bei Androhung eines Ordnungsgeldes bis zu 250 000 Euro (ersatzweise Haft) wird es untersagt, die Betriebszeitung auf einer Homepage einzustellen.« Diese dürfe auch nicht anderen, als Datei, zum Zwecke der Einstellung in das Internet zur Verfügung gestellt werden. Auch darf nicht eine Einstellung der Publikationen in das Internet begünstigt werden. Sollten die Kollegen auch in zweiter Instanz verlieren, wird dieses Urteil Schule machen. Der Kläger, DaimlerChrysler, rüstet schon auf und plant eine betriebsinterne Richtlinie, wonach sich die Beschäftigten des Konzerns bei ihren Freizeitaktivitäten nicht zum Konzern äußern und sich nicht einmal als Konzernangehörige outen dürfen.

Der Bankgesellschaft Berlin geht eine politische Betätigung ihrer Beschäftigten selbst dann zu weit, wenn sie gar nicht genannt wird: sie kündigte kürzlich fristlos und verhaltensbedingt den Betriebsratsvorsitzenden wegen seiner Äußerungen auf einer Homepage, die sich weder auf die Bank bezog noch seinen Arbeitsplatz erwähnte. Freizeitzensur.

Ein Betriebsratsmitglied bei der Niederlassung Schlafhorst des Saurer Konzerns in Mönchengladbach ist Anfang Januar 2004 außerordentlich gekündigt worden, weil er in Leserbriefen seine Meinung zu den Firmenplänen (Austritt aus dem Unternehmerverband, 40-Stunden-Woche, »personelle Anpassungen«, 500 Stunden flexible Arbeitszeit und Lohnverzicht) vertreten und damit auf einen unternehmensfreundlichen Pressebericht reagiert hatte.

Ein Berliner Kollege, befristet im BMW-Motorradwerk eingestellt, thematisierte auf einer Betriebsversammlungen die prekäreSituation der Befristeten und erhielt dafür großen Beifall. Auf der folgenden Betriebsversammlung berichtete er, daß Kollegen ihn gewarnt hätten: Wer so redete wie er, würde vorgemerkt. Der Werksleiter antwortete auf eine entsprechende Nachfrage, daß das absoluter Quatsch wäre: Das Unternehmen sei für sachliche Kritik immer dankbar. Und es dankte dem Kollegen dann im Dezember mit einem »blauen Brief«. Als einziger von zehn Kollegen, deren Befristung Ende Dezember endete, wurde er nicht übernommen, obwohl seine Leistung und sein Verhalten als gut beurteilt wurden und der Meister die Übernahme in seine Abteilung vorschlug. In der gleichen Abteilung wurden gleichzeitig über ein Dutzend Leiharbeiter eingestellt.

Der aktuellste Fall: Eine Zeitarbeitsfirma (Alpha Zeitarbeit München) mahnt das Web-Diskussionsforum »Chefduzen – Forum der Ausgebeuteten« ab. Anlaß ist ein Posting »Hier mal ein kleiner Einblick in eine Firma, die das Recht lebt, wie sie es gerade braucht ...« Bewertung des von der Firma beauftragten Rechtsanwalts: »In diesem Posting werden rechtswidrige und geschäftsschädigende Äußerungen über unsere Mandantin getätigt und von Ihnen zur Nutzung bereitgehalten …«

Diese und viele andere Fälle sind nachzulesen im LabourNet Germany. Vor einigen Tagen erhielt dessen Redaktion eine textlose E-Mail mit dem Betreff »Ihre Seite ist eine Frechheit«. Absender: Geschäftsführer einer Zeitarbeitsfirma. Recht hat er. Wir sollten noch frecher werden und solcherart Geschäfte schädigen.

* Unsere Autorin ist Redakteurin von LabourNet Germany,
www.labournet.de
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Gast
« Antworten #6 am: 18. Februar 2004, 04:29:33 »

Zitat
10.02.04 01:45
Kritik und Diskussion unerwüscht - Zeitarbeitsfirma will Forum verklagen


 Von INDYNEWS.NET

Weil ein Ex-Mitarbeiter offenbar die Methoden der "Alpha Zeitarbeit München" kritisiert, soll das LeiharbeiterInnen-Forum chefduzen.de nun verklagt werden.

"Sklavenhändler, hast Du Arbeit für mich?" - dieser Ton-Steine-Scherben-Song, der wohl das Verhältnis zwischen Zeitarbeitsfirma und LeiharbeiterInnen beschreibt, scheint sich auf moderne Weise im Streit zwischen chefduzen.de und Alpha Zeitarbeit München zu bestätigen.

Die enorme Hierarchie zwischen Zeitarbeitsfirma und (Ex-) Beschäftigten zeigt sich nicht nur an den seltsamen Methoden, die die "ArbeitsvermittlerInnen" zur Akquise neuer KundInnen an den Tag legen.  Auch der Umgang mit der Kritik an jenen Methoden offenbart einen, in der "Marktwirtschaft" garantierten, privilegierten Status, der - wie zu befürchten ist - das "Recht" auf seiner Seite weiß.

Aber der Reihe nach: Ein ehemaliger "Leiharbeiter" der "Alpha Zeitarbeit München" erzählt in dem Online-Forum  www.chefduzen.de von seltsamen Methoden, mit denen jene Firma Kunden (also Firmen) gewinnen bzw. halten will. Die Münchner Firma erfährt von diesem Posting und droht dem Website-Verantwortlichen per e-mail mit einer Unterlassungsklage, wenn das entsprechende Posting nicht entfernt werde.

Inzwischen erklärte der verantwortliche Admin, dass er auf der Seite der Ausgebeuteten stehe und der Klage entgegensehe. Deutlich wird an diesem Thread bzw. dem Rechtsstreit, dass sich KapitalistInnen meist selbstredlich auf den Rechtstaat verlassen können, wenn es darum geht, Kritik an ihren Praxen zu unterbinden, zumal die blosse Androhnung einer Unterlassungsklage die in der Regel minderbemittelten KritikerInnen zu einer kostspieligen juristischen Prüfung zwingt.

Obwohl die Zeitarbeitsfirma in dem beschreibenden Fall einfach mit einer Gegendarstellung in eben jenem Forum hätte reagieren können, hat sie sofort den Weg über die Unterlassungsklage-Drohung gewählt, schliesslich sind derartige Methoden, bei denen es schnell um horende Streitwerte im Bereich von zehntausenden Euro gehen kann, zur Einschüchterung von KritikerInnen ein probates Mittel.

Generell scheint im Bereich des Online-Journalismus das Mittel der Unterlassungsklage häufig Anwendung zu finden, da hier in der Mehrheit der Fälle von wenig solventen PublizistInnen ausgegangen werden kann, die einer juristischen Drohung meist wenig entgegensetzen können. Um so erfreulicher ist es, dass im beschriebenen Fall der Website-Verantwortliche nicht gleich "klein bei gibt" und es auf einen Rechtstreit mit der Firma ankommen lässt. Denn hierbei ist keinesfalls klar, ob er nach geltendem Recht für den Forenbeitrag verantwortlich zeichnet. Anders als im jüngsten Rechtsstreit von indynews.net, der eine tatsächliche Falsch-Darstellung  zum Gegenstand hatte (wenngleich die Korrekturforderung per angedrohter Unterlassungsklage hier ebenfalls überzogen erscheint), werden wir wohl bei chefduzen.de verfolgen können, ob es sich bei der Drohung der Zeitarbeitsfirma um einen Versuch des "Mundtot-Machens", oder um eine "legitime juristische Forderung" handelt. Aber was würde letzteres schon bedeuten?
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« Antworten #7 am: 26. Dezember 2004, 15:24:14 »

Zitat
aus:GENOSSE TABU
TAgeBUch aus der kapitalistischen Knochenmühle


11. Februar 2004 um 12:10
Chefduzen

Raben.Horst berichtet: Chefduzen von Zeitarbeitsfirma abgemahnt.Alle, die in ihrem Job allzu arg ausgebeutet werden, sollten sich einmal die Homepage "Chefduzen" ansehen. Sehr amüsiert habe ich mich über:  "Lieber krankfeiern als gesund schuften!":

„Die folgenden Beiträge wurden von Medizinern in den 70er Jahren unter dem Titel: Wege zu Wissen und Wohlstand - Lieber Krankfeiern als Gesundschuften" als Broschüre herausgegeben. Diese Büchlein wurden mehrfach beschlagnahmt und verboten, Ärztezeitschriften haben es in Auszügen abgedruckt um so den Feind zu studieren (…)“.

 
update: Auch das muss gesagt werden, meinen  Raben.Horst  und Genosse Tabu: 71 Prozent gehen aus Angst vor Jobverlust auch zur Arbeit, wenn sie krank sind...

 
update 2: Raben.Horst berichtet: Chefduzen von Zeitarbeitsfirma abgemahnt



Zitat
IRRENHAUS BERLIN (Blog):

Dienstag, 17. Februar 2004
Chefduzen

Ein sehr schönes Forum für alle, die ebenfalls in Call Centern oder ähnlich dubiosen Unternehmen tätig sind, ist die Seite Chefduzen.de. Sehr viele interessante Beiträge zu eben diesem und anderen Themen. Dort kann man sich auch austauschen, falls man gerade Stress mit dem Arbeitsamt haben sollte. Unbedingt mal anklicken!


Zitat
shortnews.stern.de 14.03.04

Freenet mahnt Webseiten-Betreiber ab

Vor kurzem sperrte der Hamburger Internetanbieter Freenet seine eigenen Kunden von diversen firmenkritischen Webseiten aus und geriet durch diese Zensurmaßnahme in die Schlagzeilen (SSN berichtete). Jetzt weitet sich der Vorfall aus.
Die Freenet AG mahnt nun jene Seitenbetreiber ab, die sich kritisch über das Geschäftsverhalten äußern, oder die niedrigen Löhne Freenets kritisieren bzw. Ausbeutung der Mitarbeiter vorwerfen.
Dazu gehören unter anderem das Forum http://www.chefduzen.de und die Seite http://www.dirk-hertfelder.de.
Beide Seitenbetreiber erhielten bereits eine Abmahnung wegen angeblicher Rufschädigung.

  WebReporter:     eddie_san



Zitat
aus Anormaler Freedirk

Boulevardnachrichten, auf die wir alle gewartet haben!

   
   
19.03.2004 Unbestätigten Gerüchten zufolge will Raab 3% der Erlöse der neuen Hitsingle seines Castinghelden Max dem Forum der Ausgebeutenden “Chefduzen.de” zur Verfügung stellen. Er sagte angeblich: “Ich werde auch permanent wegen unpopulären Äusserungen zur Ader gelassen. DVD erhält ausserdem eine Wildcard für die nächste WOK- WM”. (Quelle FND)



Zitat
stern.de shortnews:
Überwachung, Ausbeutung, Einschüchterung: Ebay in der Kritik

Zu einem Eklat ist es hinter den Kulissen von Ebay gekommen: In einem offenen Brief kritisiert die Gewerkschaft ver.di die Arbeitsbedingungen beim Internet-Auktionshaus. So habe die Geschäftsführung die Angestellten massiv eingeschüchtert.

Auslöser sei eine Mitarbeiterversammlung gewesen, bei der den Beschäftigten unter massivem Druck verboten worden sei, Kontakt zu Gewerkschaften oder Presse aufzunehmen, um Missstände aufzudecken.

Demnach scheint es bei Ebay üblich zu sein, dass die Mitarbeiter überwacht würden. Zudem seien Überstunden ohne Ausgleich bei einer unterdurchschnittlichen Bezahlung üblich. Die Geschäftsführung hält die Kritik für eine Kampagne der Gewerkschaft.


    Nicht nur Ebay ...

Die Zustände bei ebay erinnern stark an das zentrale freenet-Callcenter in Kiel:
http://www.chefduzen.de/... oder
http://www.chefduzen.de/...
Ich sag nur: 5 Euro brutto ... und 'n Anschiss gibts, wenn eine "wichtige" interne E-mail z.B. nur 12 Sekunden von einem Angestellten geöffnet war ...  

27.04.2004 11:14 von Tarkowski



Zitat
SOLI-Aktuell Ausgabe April 04
Newsletter der DGB-Jugend

web-tipp des monats

Ärger am Arbeitsplatz?Das kennt jeder.
Früher gingen die Leute nach Hause und
terrorisierten ihre Familien mit ihren Erleb-
nissen,die sie mit Vorgesetzten hatten.
Heute gibt es zum Glück das Internet.Das
Portal »Chefduzen.de «bietet ohne Ende
Forumplatz für »Meinungen,Aktionen und
Reaktionen zum täglichen Wahnsinn «.Dar-
über hinaus erhält man Tipps zur Selbsthilfe
rund ums Arbeitsamt (Sperren,Zwangsar-
beit etc.).Nimm ’s mit Humor:Auch das La-
chen darf nicht zu kurz kommen.Dafür hal-
ten die Chefduzer die Rubriken »Was Sie
Ihrem Sachbearbeiter schon immer mal sa-
gen wollten «oder »Lieber krank feiern als
gesund schuften «bereit.Wenn ’s nicht ins-
gesamt so traurig wär …Schlusspunkt:»Sex-
arbeit,Drogenbiz,Heimarbeit,Knastarbeit,
Pharmastrich «.Surf ahoi.
www.chefduzen.de



Zitat
WILDCAT #69

Im Februar schnellten die Besucherzahlen beim Kieler Diskussionsforum "Chefduzen - Forum der Ausgebeuteten" in die Höhe. Daran waren aber nicht das Interview in derl letzten Wildcat schuld, sondern der Münchner Sklavenhändler Alpha Zeitarbeit Er hatte den BetreiberInnen eine Frist bis zum 10.2. mittags gesetzt, einen Beitrag zu löschen, der von einem Sumpf an Bestechlichkeit, Kungelei und Schaffung von Abhängigkeiten bei Alpha berichtete. Die Leute von Chefduzen sehen die Sache so:


chefduzen.de von der Gegenseite aufgepeppt
"Das einzige, was wir uns noch wünschen würden"


Es dauerte ca. ein Jahr, bis das Forum ein Eigenleben bekam und zur proletarischen Selbsthilfe genutzt wurde. Leute aus unterschiedlichsten Branchen undBetrieben, und Menschen, die am Existenzminimum und im Graubereich des Rechts leben, begannen Firmeninternas auszuplaudern, man tausch sich über Möglichkeiten bei Entlassungen und im Umgang mit Behörden das Beste für sich herauszuschlagen, und man diskutiert Strategien sich zu wehren.

Aber schon das Öffentlichwerden von Firmeninterna brachte die Gegenseite zur Weißglut, die dann zum juristischen Gegenschlag gegen das Diskussionforum ausholte. In einem Anwaltsschreiben wurde Chefduzen.de unter Androhung von Schadensersatzforderungen aufgefordert, den anonymen Bericht eines ehemaligen Mitarbeiters von Alpha Zeitarbeit München aus dem Netz zu nehmen. Nun kam Leben in die bude, in der Netzwelt wurde ausgiebig über den Fall berichtet, und die Besucherzahlen verzehnfachten sich im Forum. Chefduzen blieb standhaft, statt den beanstandeten Beitrag zu löschen, bot man der Leiharbeitsfirma die Möglichkeit zur Gegendarstellung.

Alpha Zeitarbeit nahm sich stattdessen den bekanntesten Internetabmahner, Frhr. von Gravenreuth, und fuhr stärkere Geschütze auf: seine Kanlei erwirkte eine gerichtliche Verfügung, gegen Androhung eines Ordnungsgeldes von bis zu 250 000 Euro oder sechs Monaten Haft, den Beitrag zu löschen. Zu Beginn der Auseinandersetzung wurden gerade 140 Besuche im Beanstandeten Thread gezählt, zum Zeitpunkt der Löschung waren es knapp 8000. Netzaktivisten waren aufmerksam und hatten den Beitrag gespeichert; im Moment der Löschung bei Chefduzen.de taucht er auf zahllosen anderen Sites auf und ist weiterhin im Netz zugänglich.

Seither können wir beobachten, wie sich die Redaktionen aller großer Sender und  Printmedien als Stammgäste im Forum einfinden, denn hier kann man bei seinen Recherchen genaue Einblicke in die Lebensrealität der Opfer von Neoliberalismus und Globalisierung bekommen, ohne den Redaktionssessel zu verlassen und sich die finger schmutzig machen zu müssen.

Das sollte uns aber helfen, als ein Tread über Arbeitsbedingungen im Kieler Callcenter von Freenet zu einem der interessantesten Themen wurde. Als aufmerksame Chefduzen-User aufdeckten, daß Freenet seinen Kunden den Zugriff auf firmenkritische Sites sperrte und auf eine Counterstreikseite umleitete, schlug die Diskussion über Zensur durch den Internetanbieter hohe Wellen. Nachdem stern.de, sueddeutsche.de, heise.de, börsennews uva. sich dieses Themas angenommen hatten brach Chefduzen.de mit seiner veralteten Forensoftware unter dem Besucheransturm zusammen und blieb 24 Stunden offline. Wir haben im Schweiße des Angesichts upgedatet, und das Forum läuft besser als zuvor.

Das einzige, was wir uns noch wünschen würden, wären Neugründungen mehrerer vergleichbarer regionaler Foren.





Zitat
LinX--06-2004 (sozialismus-jetzt.de)



Sklavenhändler gegen Internetforum:

Geduzten Chefs platzt der Kragen


Es dauerte ca. ein Jahr bis das Kieler Forum Chefduzen.de ein Eigenleben bekam und zur proletarischen Selbsthilfe genutzt wurde. Leute aus unterschiedlichsten Branchen und Betrieben,Menschen die am Existenzminimum und im Graubereich des Rechts leben, begannen sich hier auszutauschen. Bedingungen und Firmeninternas werden ausgeplaudert, man tauscht sich aus über Möglichkeiten bei Entlassung und im Umgang mit Behörden das Beste für sich herauszuschlagen und man diskutiert Strategien sich zu wehren.

Aber schon das Öffentlichwerden von Firmeninternas brachte die Gegenseite zur Weißglut, so dass sie zum juristischen Gegenschlag gegen das Diskussionsforum ausholte. In einem Anwaltsschreiben wurde Chefduzen.de aufgefordert unter Androhung von Schadensersatzforderungen wg. Rufschädigung den anomymen Bericht eines ehemaligen Mitarbeiters von Alpha Zeitarbeit München aus dem Netz zu nehmen. Nun kam Leben in die Bude, in der Netzwelt wurde ausgiebig über den Fall berichtet und die Besucherzahlen verzehnfachten sich im Forum. Chefduzen blieb standhaft, statt den beanstandeten Beitrag zu löschen, bot man der Leiharbeitsfirma die Möglichkeit zur Gegendarstellung. Erstaunlich war es schon, daß aus “linksradikaler" Ecke einige uns rieten einen freiwilligen Rückzieher zu machen, um so Repressionen aus dem Weg zu gehen. Es scheint, die Problematik der schwindenden Freiheit im Internet ist in der Politszene kein Thema. Brauchbare Printmedien der Linken gibt es kaum noch, die Taz ist ein unpolitisches Käseblatt und die Konkret mag man nichteinmal mehr mit der Zange anfassen. Seit Rhizom in Schleswig Holstein online gegangen ist folgte ein fast vollständiges Sterben der politischen Plakat-,Flyer-und Flugblattkultur.

Alpha Zeitarbeit nahm sich nun die wohl bekannteste Anwaltskanzlei für Internetabmahnungen Frhr. von Gravenreuth und fuhr stärkere Geschütze auf: Nun wurde eine gerichtliche Verfügung erwirkt gegen Androhung eines Ordnungsgeldes von bis zu 250 000 Euro oder sechs Monate Haft den Beitrag zu löschen. Zu Beginn der Auseinandersetzung wurden gerade 140 Besuche in beanstandetem Thread* gezählt, zum Zeitpunkt der Löschung waren es knapp 8000. Netzaktivisten waren aufmerksam und hatten vorsorglich den vieldiskutierten Artikel gespeichert und im Moment der Löschung beiChefduzen.de tauchte er auf zahllosen anderen Sites auf und ist weiterhin im Netz zugänglich.

Unlängst konnten wir beobachten, wie sich die Redaktionen aller großer Sender und Printmedien als Stammgäste in dem Forum einfinden, denn hier gibt es Einblicke in die Abgünde der herrschenden Zustände. Hier kann man bei seinen Recherchen genaue Einblicke in die Lebensrealität der Opfer von Neoliberalsmus und Globalisierung bekommen ohne sich die Finger schmutzig zu machen und ohne den Redaktionssessel zu verlassen.

Doch dann sollte uns diese Situation helfen, als ein Thread über die Arbeitsbedingungen im Kieler Callcenter von Freenet zu unseren interessantesten Themen wurde. Als durch aufmerksame Chefduzen-User aufgedeckt wurde, daß Freenet seinen Kunden den Zugriff auf firmenkritische Seiten sperrte und sie auf eine Counterstrikeseite umleitete, schlug die Diskussion über Zensur durch den Internetanbieter hohe Wellen. Nachdem stern.de, sueddeutsche.de, heise.de, börsennews uva. sich dieses Themas angenommen hatten, brach Chefduzen.de mit seiner veralteten Forensoftware unter dem Besucheransturm zusammen und blieb 24 Stunden offline. Wir haben im Schweiße des Angesichts upgedatet und das Forum läuft besser als zuvor. Es gab jede Menge Angebote für technisches Know How, alternativen Serverplatz (man vermutete Zensur durch unseren Provider), Publizistische und sonstige Unterstützung. Die Existenz dieses Forums scheint tatsächlich für einige von Bedeutung zu sein. Wir hoffen, das macht es nun möglich auch die finanziellen Lasten, die auf uns zukommen auf mehrere Schultern zu verteilen.
Ohne die Hilfe der überreagierenden Geschäftsführerin von Alpha Zeitarbeit München wäre Chefduzen.de nie in so kurzer Zeit so populär geworden. Wir sollten uns bei ihr bedanken!

Wir haben uns bisher nicht um ein Spendenkonto kümmern können. Solidarität ist gefragt, demnächst werden Details zum Thema unter http://www.chefduzen.de veröffentlicht. Unter info@chefduzen.de kann auch direkt Kontakt aufgenommen werden.




Zitat
heise online 27.06.2004
 
Was war. Was wird.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.


*** Wo wir beim Grundgesetz sind: Kleines Quiz ohne Dritthilfe, nur Kaugummi ist erlaubt: Artikel 5 Absatz 1? "Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern...." Achja, und wenn jeder das im Intranet tut, und das wohlgemerkt nicht das Intranet einer Firma ist, sondern das abgeschottete Intranet der IG Metall, in dem 800 Gerwekschafter posten und lesen können? Dann stört er den Betriebsfrieden und kann gefeuert werden, meinte die Firma Danfoss. Die Geschichte, protokolliert von Chefduzen, ist gerade vom 2. Senat des Erfurter Bundesarbeitsgerichts ungefähr so entschieden worden: "Jeder hat das Recht, seine Meinung in seinem Intranet frei zu äußern." Das Traurige an der Sache ist dabei, dass überhaupt prozessiert werden musste. Wenn in einem Gewerkschafts-Intranet nicht mehr diskutiert werden darf, können wir gleich wieder den FDGB einführen. Die 40-Stunden-Woche ohne jeglichen Lohnausgleich zur Plansollerfüllung haben wir ja bereits: 1/8 Lohnverzicht und eine Leistungszulage, die nur von den Managern abhängt, erinnern stark an die andere Seite der Sonnenallee, wo der Betriebs-Bonus bekanntlich eine Kaderfrage war.



Zitat
aus dem Programm des LABOURNET Kongresses Die Kosten rebellieren (Dortmund):

Chefduzen: Kulturelle Aufarbeitung als Mobilisierung

Das Hörspiel "Unzumutbar", ein Versuch, sich zu emanzpieren und andere mitzunehmen. Vorgestellt von Kalle Kinkel (Chefduzen Kiel)
Chefduzen - ein Internetprojekt, eine Plattform für Erfahrungen, Klagen, Diskussion von Konsequenzen. Längst über Kiel hinaus, längst eine Erfolgsstory.



Zitat
taz Nr. 7395 vom 29.6.2004

Prekär, aber im Austausch
Der Kampf gegen Lohndumping sowie für Arbeitsrechte und die Gewährung von Rechten für MigrantInnen mit prekärem Aufenthaltsstatus haben miteinander zu schaffen: In Dortmund versuchte der Kongress "Die Kosten rebellieren" zu klären, was Ich-AGs und Putzhilfen gemeinsam haben

VON CHRISTOPH TWICKEL

Jürgen Schäfer ließ sich entschuldigen. Der freie Journalist beim Radio Berlin-Brandenburg war verhindert, weil er sich dringend mit seinen Kollegen beraten musste. Der Sender hatte ihm nämlich am vergangenen Mittwoch die Quittung für sein arbeitskämpferisches Engagement bei "rbb pro", der Vertretung der freien Mitarbeiter, gegeben. Die Intendanz hatte ihm mitgeteilt, für ihn gebe es keine weiteren Aufträge. Er habe jetzt am eigenen Leib erfahren, ließ Schäfer verlauten, was die Gemeinsamkeit zwischen einer migrantischen Putzfrau und einem freien Journalisten sei: Man müsse beiden nicht ordnungsgemäß kündigen.

Damit war das Thema des Kongresses schon mal grob umrissen. Unter dem Motto "Die Kosten rebellieren" hatten sich in der FH Dortmund zirka 250 VertreterInnen von Gewerkschaften, linken Medien und Initiativen aus Europa zu einer "internationalen Versammlung zu Prekarisierung und Migration" versammelt. Dass putzende MigrantInnen und freiberufliche Inländer gleichermaßen von der Verschärfung der Lage auf dem Arbeitsmarkt betroffen seien, wollten die Veranstalter nicht behaupten. Aber um "neue Bündnisse" sollte es schon gehen, so Mag Wompel von Labournet Germany.

Nicht grundlos erfreut sich das Adjektiv "prekär" zunehmenden Gebrauchs. 5-Euro-Stundenlöhne sind nicht mehr allein polnischen Erntehelfern oder südamerikanischen Putzfrauen vorbehalten. Outsourcing, Auftragszergliederung, Leiharbeit und Ich-AGs machen den flüchtigen Job ohne soziale Rechte für immer mehr Inländer zum Regelfall.

Neue Bündnisse? Vorläufig kreist der Diskurs darum, wie man sich auf die neuen Verhältnisse einstellt. Das Know-how dazu, das wurde an diesem Wochenende in Dortmund deutlich, könnten die liefern, die schon seit längerem ein nomadisches Arbeitsleben pflegen.

Etwa die AktivistInnen aus ehemaligen Jobber-Initiativen der 70er- und 80er-Jahre, als man noch vergleichsweise bequem dem 9-to-5-Rhythmus ein Dasein zwischen Gelegenheitsjobs und Stütze entgegenstellen konnte: Nach jahrelangem politischem Kampf mit Hire-and-Fire-Verhältnissen finden sie sich jetzt, da der Sozialstaat noch den letzten Langzeitarbeitslosen auf den Arbeitsmarkt schikaniert, jäh in der Rolle der PrekaritätsberaterInnen wieder. Die Beratungsstellen von Arbeitslosen- und Sozialhilfe-Initiativen verzeichnen regen Publikumsverkehr, immer mehr wollen sich gegen die Ämterpraxis wehren. "So viele dankbare Flugblattabnehmer habe ich lange nicht mehr gesehen", sagt ein Vertreter der kleinen Anarchisten-Gewerkschaft FAU. "Seit Hartz interessieren sich die Leute wieder."

Doch aus der Angst wird selten ein Arbeitskampf. Wer sich verbessern will, wechselt einfach von einer Klitsche zur nächsten, wie das Projekt Las Kalinkas am Beispiel von Callcentern zeigte. Für Zeit- und Leiharbeiter gibt es keinen Arbeitsplatz mehr, den es zu verteidigen gilt. Belegschaften kommen und gehen. Der Betrieb als Ort der Kommunikation über Arbeit verschwindet.

Was nicht mehr in der Kantine stattfindet, kann im Internet passieren, wie das Beispiel http://www.chefduzen.de zeigt. Spätestens seitdem Freenet die Kieler Site verklagt hat, weil Postings die Schikanen in Callcentern des Internet-Anbieters ausplauderten, hat sich Chefduzen vom lokalen zum bundesweiten Forum entwickelt. Arbeitslose und Jobber in Callcentern, Zeitarbeitsfirmen und Drückerkolonnen tauschen sich aus. "Wildfremde Leute geben sich Tipps, ohne dass der Aktivist einen Finger krümmen muss", sagt Chefduzen-Betreiber Karsten Weber. Praktische Erfolge? Immerhin findet Freenet für seine 5-Euro-Jobs im Norden keine Bewerber mehr. "Mittlerweile schalten die sogar in München Anzeigen", so Weber.

Ansonsten musste man den europäischen Gästen zuhören, um zu erfahren, wie Organisierung in prekären Verhältnissen gehen kann. Etwa der unabhängigen französischen Gewerkschaft SUD, die seit 1996 vor allem prekäre, oft migrantische ArbeiterInnen bei der Bahn oder im Reinigungsgewerbe unterstützt. Wie aus Unzufriedenheit Widerstand wird? "Durch Vertrauen", sagt der SUD-Funktionär, "und das entsteht aus Beharrlichkeit." Ein Jahr lang hatte SUD etwa einen Streik von 33 weiblichen Reinigungskräften bei der Hotelkette Accor durchgefochten.

Deutsche Gewerkschaften hatten sich bislang aus dem Diskurs um Prekarisierung herausgehalten und eher für die ordnungspolitische Lösung optioniert. Noch im Frühjahr schaltete die IG Bau eine Hotline unter dem Motto "Ohne Regeln geht es nicht", bei der Bürger Schwarzarbeit denunzieren dürfen. In Dortmund nun erwähnte Bundesvorstandsmitglied Frank Schmidt-Hullmann eine IG-Bau-Studie, derzufolge über die Hälfte der osteuropäischen Entsendearbeiter einer transnationalen Wanderarbeiter-Gewerkschaft beitreten würde. Ein Umdenken? Immerhin eines könnte die postautonome der gewerkschaftlichen Linken an diesem Wochenende gesteckt haben: dass der Kampf gegen Lohndumping sowie für Arbeitsrechte und die Gewährung von Rechten für MigrantInnen mit prekärem Aufenthaltsstatus etwas miteinander zu schaffen haben.


Die VENTUS Unternehmensgruppe (Unternehmensberatung, Kapitalmanagement) warnt auch auf ihrer Website (9/2004) vor CHEFDUZEN:

Zitat
Eine absichtlich verpasste Bewerbung

Gehen wir davon aus, Sie haben eine offene Stelle bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet. Nach einigen Tagen erhalten Sie folgenden Brief: "Ich hatte heute versucht, Sie wegen eines Vorstellungsgesprächs persönlich zu erreichen. Leider kam keine Verbindung zustande. Zur Vermeidung von Missverständnissen bitte ich deshalb um die schriftliche Mitteilung eines möglichen Vorstellungstermins. Mir wäre es sehr angenehm, wenn Sie mir dazu den Arbeitsvertrag zur Überprüfung durch Dritte zusenden, beziehungsweise zum Termin bereithalten könnten."

Weiter: "Legen Sie mir noch folgende Unterlagen bei: eine genaue Stellenplatzbeschreibung, eine abschließende und detaillierte Fahrtkostenerstattung, die Einsatzorte, die Regelungen der Lohnzahlung im Krankheitsfall, die Urlaubsregelung, die regelmäßigen Arbeitszeiten und die abschließende Lohnhöhe, einschließlich Zulage für Erschwernisse bei der Arbeit und der Zuschläge für Sonderarbeitszeiten."

Bei einer solchen "Stellenplatzbeschreibung" erhebt sich die Frage, bei wem es nicht mehr richtig tickt. Doch steckt hinter der Arroganz eine Absicht. Dieser Text wird über das Internet auf der Homepage http://www.chefduzen.de verbreitet. Unter der Rubrik "Tipp zum Vorstellen beim Sklavenhändler" wird dies als erfolgreiches Konzept propagiert, um bei der Bundesagentur für Arbeit weiter Geld zu kassieren. Bezogen wurde es zwar auf ein Vorstellungsgespräch bei einer Leiharbeitsfirma, das Konzept ist jedoch "universell" verwendbar. Wer ein solches Schreiben erhält, "versteht Hartz IV wohl besser".

Vielleicht sollte man der Bundesagentur für Arbeit eine Kopie des Briefes schicken."



Zitat
berlinvonunten.net

Meldungen im September 2004

Konflikt bei Manpower Erkner:
Artikel von Joachim Eggers aus der Märkischen Oderzeitung vom 19.8.2004, dokumentiert bei Chefduzen http://www.chefduzen.de/viewtopic.php?t=1318 Weiterer Artikel von Joachim Eggers in Märkische Oderzeitung vom 01. September 2004 http://www.moz.de/showArticle.php?OPENNAV=lokales&SUBNAV=f%FCrstenwalde&ID=33839



Zitat
junge Welt vom 14.10.2004

Interview: Peter Wolter

»Abmahnungen knebeln linke Internet-Anbieter«

Linke Foren sollten sich Provider im Ausland suchen. Schutz vor Abmahnungen und Ausforschung ist nötig.

Ein Gespräch mit Oliver Barthel

    * Oliver Barthel ist Gründer und Betreiber des linken Internetforums »linkeseite.de«, das morgen erst einmal vom Netz genommen wird. F: In der letzten Woche wurde ein Server des linken Informationsdienstes indymedia durch das FBI außer Gefecht gesetzt. Und morgen muß das linke Internetportal linkeseite.de schließen, das Sie vor fünf Jahren ins Leben gerufen haben. Warum?

Anlaß ist eine Abmahnung, die ich am 20. August von der Märkischen Oderzeitung erhalten habe. Der Verlag wollte die weitere
Veröffentlichung eines Textabschnittes verhindern, in dem eine AntifaGruppe dem Blatt vorwarf, auf dem rechten Auge blind zu sein. Die Gruppe hatte den Text an linkeseite.de zur Veröffentlichung geschickt. Die Abmahnung war gleich mit einer Kostenrechnung von 600 Euro verbunden. Für den Fall der Zuwiderhandlung wurden 6 000 Euro Strafe angedroht. Einige Tage darauf wurde eine Einstweilige Verfügung nachgeschoben, die 250000 Euro Strafe androhte.

F: Geschieht es häufiger, daß linke Webseiten mit Abmahnungen bedroht werden?

Das greift um sich. Begonnen hatte es mit dem nicht unbedingt linken Forum chefduzen.de. Dann bekam der politische Internetprovider PUK aus Göttingen eine Abmahnung, die wohl von der NPD ausging. An PUK hängen eine Menge linker Webseiten, die damit indirekt auch betroffen sind. Auch das Internetprojekt anarchie.de hat meines Wissens eine Abmahnung erhalten.

F: Der weitere Betrieb Ihres Internetforums linkeseite.de könnte also für Sie existenzbedrohend werden?

Nicht unbedingt existenzbedrohend – man kann mir ja nichts wegnehmen, weil ich nichts habe. Es ist ganz einfach so, daß ich auf linkeseite.de 25000 bis 30000 Seiten online anbiete. Das sind Beiträge aus der Linken, die bei mir ins Netz gestellt werden und die ich nicht alle inhaltlich kontrollieren kann. Da könnten jetzt Hinz und Kunz kommen und mich einfach mal abmahnen.

F: Seit wann gibt es linkeseite.de, und wie beliebt ist dieses Internetforum?

Angefangen habe ich am 1. April 1999 und zwar bei AOL. Nachdem die versuchten, mich zu zensieren, habe ich mitte September 99 die Domain linkeseite.de angemeldet und den Provider gewechselt. Die junge Welt hatte über diesen Zensurversuch übrigens ausführlich berichtet. Wie viele Leute auf linkeseite.de zugreifen, kann man schlecht sagen – zuletzt hatte ich etwa zwei Millionen Klicks im Monat. Das heißt, wenn jemand eine Seite zehnmal hintereinander aufruft, wird das auch zehnmal als Zugriff gezählt. Seit Bestehen wurden etwa 2200000 Besucher des Forums gezählt.

F: Damit dürfte linkeseite.de eines beliebtesten linken Internetforen im deutschsprachigen Bereich sein ...

Das denke ich schon. Es haben auch viele Medien bei Internetrecherchen immer wieder auf dieses Forum zurückgegriffen. Seit einigen Wochen listet sogar Google-News die linkeseite.de-Meldungen. Die
Zugriffszahlen sind kontinuierlich gestiegen – das war für mich natürlich auch ein Ansporn, weil ich sah, daß das Forum in der Linken gebraucht wird.

F: Wollen Sie linkeseite.de jetzt endgültig aufgeben?

Nein, ich versuche einen Provider im Ausland zu bekommen, ein paar konkrete Angebote habe ich schon. Voraussetzung für mich ist, daß die persönliche Haftung ausgeschlossen ist. Das wird wohl vier bis sechs Wochen dauern, bis linkeseite.de wieder online ist.

F: Wie können Leute, die eine linke Website betreiben oder gründen wollen, verhindern, daß sie angreifbar werden?

Man sollte sich einen Provider in einem Staat suchen, dessen Rechtslage kein Impressum vorschreibt. Viele kleinere Gruppen machen das ja schon. Und dann sollte man beim Datentransfer Methoden benutzen, bei denen die Herkunft der Daten nicht zurückverfolgt werden kann. Außerdem sollte man sich im Ausland einen E-Mail-Account besorgen, bei dem man anonym bleiben kann. Man muß grundsätzlich höllisch aufpassen, wenn man sich im Internet bewegt. Da lauern mehr Gefahren, ausgeforscht und überwacht zu werden, als die meisten ahnen.



Zitat
labournet.de 13.11.04

Chefduzen unter juristischem Druck

Das "Forum der Ausgebeuteten" wird rege genutzt und macht sich weiterhin bei Ausbeutern unbeliebt. Regelmäßig trudelt beim Domaininhaber Anwaltspost ein und so manch aufschlußreicher Artikel über Arbeitsbedingungen und Firmeninternas mußte spurlos aus dem
Netz verschwinden um die Existenz des Forums nicht zu gefährden. Manchmal gelang es einen Inhalt in einer Art Gegendarstellung dem geneigten Leser weiter zugänglich zu machen. Doch auch da ließ sich mancher Unternehmer etwas einfallen. Man setzte die Autoren unter
Druck, wenn man sie als Mitarbeiter oder Ehemalige identifizierte. So vermittelte ein Kieler Traditionsunternehmen für Büro- und Künstlerbedarf einem Ehemaligen so glaubhaft den Eindruck er werde in der Stadt nie wieder einen Job im Einzelhandel kriegen, daß dieser persönlich beim Forum die Löschung aller Informationen über diesen Betrieb erbat. Die Androhung körperlicher Gewalt gegen den Autoren eines Textes über Drückerkolonnen ließ einen weiteren Artikel verschwinden. Während für die bisherigen juristischen Kosten von chefduzen.de eine Reihe von Benefizveranstaltungen beginnt,
drohen die nächsten Rechnungen ins Haus zu flattern. Die Firma Greenpower in Kerkrade hat Anzeige gestellt, wg. eines Artikels über unerträgliche Arbeitsbedingungen für die Deutschen Mitarbeiter in dem Holländischen Callcenter, sowohl gegen das Forum, alsauch gegen die Autorin. Nun werden polizeilich die Daten angefordert, die zur Autorin des Artikels führen sollen. Wir erinnern daher an das Spendenkonto!



Zitat
Kieler Nachrichten 14.12.04:

Mut auf Wut machen

Soli-Party im Subrosa für das Internetforum http://www.chefduzen.de

Von Jörg Meyer

Gleich Schafen zur Schlachtbank marschieren die Arbeiterheere in Fritz Langs "Metropolis" in die Fabriken. Der Kieler Filmemacher Karsten Weber schneidet die Szene als frappant aktuelles Zitat in seine Fünf-Minuten-Filmcollage für http://www.chefduzen.de.

Seit fast genau zwei Jahren ist die von Weber gegründete und inzwischen bundesweit bekannte Internetplattform online, ein "Forum der Ausgebeuteten" für die Hungerleider der Arbeitsmarktkrise, für Hartz-4-Opfer wie für Niedriglohner und Scheinselbstständige, die "für immer weniger Geld immer mehr arbeiten müssen". Was als Forum des Dampf Ablassens über sklaventreibende Chefs begann, entwickelte sich zum Ort für gegenseitige Beratung, wie man den Zumutungen von Arbeitgebern und Staat begegnet - mit heute fast 2.000 Zugriffen pro Tag. Und kostete die Betreiber 2.500 Euro: Gegen die Enthüllungen von skandalösen Arbeitsbedingungen in Leiharbeitsfirmen, Callcentern, Fastfood-Ketten und auch in einem Bürowaren-Einzelhandel bemühten letztere ihre Anwälte, um das Forum zum Schweigen zu bringen, und setzten Mitarbeiter und Ehemalige, die in chefduzen.de gepostet hatten, massiv unter Druck.

Um die immensen Kosten für den Erhalt des Forums gegen die fast wöchentlich eintrudelnden Strafandrohungen wieder einzuspielen, hat Weber jetzt eine Solidaritäts-Tour organisiert. Im Subrosa war am Freitag Premiere - und für ein Hörspiel namens "Untragbar", das demnächst auf einer CD-Beilage des Magazins "Wildcat" erscheint. "Man macht sich keinen Begriff davon, welche Formen Ausbeutung auch in diesen Breiten annimmt", sagt Weber und montiert als Sound-Collage die Stimmen derer, die von Arbeitgebern, die sie los werden wollen, übers Ohr gehauen werden. Etwa ein Werftarbeiter, den Webers für die Untertöne der Verzweiflung sensibles Mikrofon beim Bremer Vulkan traf. 30 Jahre hat er bis zum Ruin seiner Gesundheit gearbeitet, jetzt gilt er als Schrott. Aber eine Klausel im Auflösungsvertrag verhindert seine Frührente.

Zwischen solche Erzählungen, wie man "von 17 Euro und drei Cent am Tag" (nicht) lebt, montiert Weber das Wortgebläse der Kapitalismus-Apologeten: "Weniger Staat, mehr Wettbewerb! Nutzen Sie Ihr Personal, um Umsatz und Profit zu steigern!" Klartext gegen Klartext, der "Mut auf Wut" macht - wie der bewegte Klezmer-Sound des Kieler Trios Schmarowotsnik, das einen Abend ausklingen lässt, der Beginn einer Gegenbewegung sein könnte.
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Dr. Abusus


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WWW
« Antworten #8 am: 07. Januar 2005, 09:10:39 »

Und hier mal zur Abwechslung ein keineswegs tendenziöses, aber durchaus kritisches Medium:

http://www.weltrevolution.net/index.php?itemid=46

Ich hoffe DVD verzeiht mir den Link, aber bei soviel Selbstbeweihräucherung.... cry
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"Dirk Hertfelder aka Freedirk" Infos auf http://www.dirk-hertfelder.de
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« Antworten #9 am: 07. Januar 2005, 14:29:16 »

Jede Geschichte hat zwei Seiten, so auch hier. Uns ist es jedoch zuwider schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit zu waschen.

Mögen die User doch das Forum an seiner Brauchbarkeit messen.

Eure Admins
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Beiträge: 2300


« Antworten #10 am: 31. Januar 2005, 13:49:16 »

Zitat
HANDELSBLATT, Donnerstag, 25. November 2004






Einfach zu erstellen und sehr publikumswirksam

Vorsicht! Giftige Schreiber!



Von Thomas Knüwer, Handelsblatt

(...)

Und wer kommt nach den Medien dran? „Ich denke, gegen Ende nächsten Jahres werden sich in Deutschland auch andere Branchen verstärkt mit Weblogs auseinander setzen müssen“, glaubt Berlecon-Chef Wichmann. Schon jetzt finden sich auf der Seite Chefduzen, dem „Forum der Ausgebeuteten“, viele Boshaftigkeiten über Arbeitsbedingungen in Firmen. Angeprangert wurden beispielsweise schon der Verkehrstechnik-Spezialist Vossloh und der Personaldienstleister Manpower.

Experten raten den Unternehmen, das Internet zu beobachten und frühzeitig mit Kritikern zu kommunizieren.(...)
Die Berater Wichmann und Röll empfehlen Firmen sogar, eigene Blogs aufzumachen.





Zitat
Flugblatt der Roten Hilfe




                                   ROTE HILFE E.V.

       
                                  http://www.rote-hilfe.de


                          Gegenöffentlichkeit Internet?


Die Rote Hilfe versteht sich als Organisation, die Unterstützung für alle Linken organisiert, die von Repression betroffen sind. Damit ist nicht nur staatliche Repression gemeint, sondern auch die Unterdrückung im Betrieb. Eigentlich wäre das die natürliche Aufgabe der Gewerkschaften. Aber diese nehmen seit einigen Jahrzehnten das Märchen von der Sozialpartnerschaft für bare Münze, was zur Folge hat,
•   dass ihnen nicht nur die Mitglieder weglaufen,
•   dass außerdem auch Erwerbslose sich – zu Recht – nicht vertreten fühlen
•   und dass betriebliche Kämpfe nur dann unterstützt werden, wenn sie zur Politik des Vorstands (der Gewerkschaft) passen.

Diese Kämpfe nehmen an Häufigkeit zu, was aber in den etablierten Medien keinen Niederschlag findet. Das unerträgliche Bild, das die herrschenden Medien abgeben, ist nicht allein mit der finanziellen Abhängigkeit von Werbekunden und der wachsenden Macht einiger weniger Medientycoons zu erklären. Eine linke Alternativpresse ist fast verschwunden oder hat sich - wie die TAZ - bis zur Unkenntlichkeit angepasst. Eine de facto Gleichschaltung in vorauseilendem Gehorsam gegenüber der neoliberalen Politik ist heutige Realität.

Das Internet wird als einfache und preiswerte Alternative genutzt. Doch die politische Subkultur zeigt ein recht blauäugiges Verhältnis zu diesem Medium. Das World Wide Web ist bei weitem nicht so frei, wie man glaubt, und was Überwachung, Zensur und Repression angeht, werden hier die Printmedien überholt.

Die Attacken gegen linke Netzprojekte nehmen zu. Neben chefduzen.de hat auch Dirk Hertfelder mit seinen Freenet-kritischen Seiten zu spüren bekommen, wovon Ton Steine Scherben einst sangen: „Wer das Geld hat – hat die Macht – wer die Macht hat – hat das Recht“. Und in einem Artikel über die Angriffe auf linkeseite.de schreibt TELEPOLIS:
„Private Abmahnung statt regulärer Strafverfolgung ist nun auch ein politisches Kampfmittel geworden. Es wird immer gefährlicher, seine Meinung im Web kundzutun – und erst recht die anderer Leute. Auch - beziehungsweise gerade - Ein-Mann-Projekte werden mit einstweiligen Verfügungen in der eingespielten monströsen Höhe einer halben Million Mark belegt.“

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Werdet Mitglied in der Roten Hilfe !
Es ist nötig, gegen die wachsenden Zensurbestrebungen im Internet politisch vorzugehen.      Man muss gleichzeitig nach Alternativen zur Verbreitung von Informationen suchen und
sich nicht allein auf die momentan bestehenden Möglichkeiten des Internets verlassen.

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Der Fall chefduzen.de  

Das „Forum der Ausgebeuteten“ wurde aus einer simplen Interpretation des Klassenstandpunktes heraus geboren. Kein Arbeitertümeln mit Blaumann und gelben Helm und Abfeiern der Stammbelegschaften der Großbetriebe war geplant , sondern ein Umgang mit dem heutigen Kapitalismus mit all seinen Facetten . Auch für Leiharbeit, New Economy, Callcenter oder Scheinselbstständigkeit wurden Rubriken eröffnet, und für die industrielle Reservearmee am sozialen Abgrund gibt es Extrasparten genauso wie für die Versuche, sich durchzuschlagen in Drückerkolonnen, mit Drogenbiz oder Prostitution.

Ganz zögerlich wurden die ersten Fragen gestellt und  Erlebnisberichte gepostet. Doch dann begann man recht schnell, sich auszutauschen, und Leute mit einigem Fachwissen wurden zu regelmäßigen Usern, um anderen weiterzuhelfen.

Es dauerte nicht allzu lange, bis die andere Seite sich von dem Treiben in dem Internetforum bedroht fühlte. Als eine Münchner Leiharbeitsfirma versuchte, den Bericht eines ehemaligen Mitarbeiters über illegale Praktiken des Betriebs juristisch zu unterbinden, sorgte sie ungewollt für ungeheuren Popularitätsaufschwung des Onlinetreffpunkts. Das Forum, dessen einzige Waffe die Ver-breitung von Informationen gegen ein Unternehmen ist, das Geld und Justiz auf seiner Seite hat, wurde im Netz heftig diskutiert. Und es wurde gleich mit Kanonen  auf Spatzen geschossen. Falls chefduzen.de den Bericht über den Sklavenhändler nicht aus dem Forum nehmen würde, wurde mit einer Geldstrafe von bis zu 250 000 € gedroht bzw. 6 Monaten Haft.

Das war erst der Beginn der Angriffe auf das Forum. Der bekannte Internetprovider FREENET versuchte es gleich als Nächstes. Doch die Forumsbetreiber hatten schon dazugelernt und alle bean-standeten Textteile in gekennzeichneter Form in ihr Gegenteil verkehrt. Der geneigte Leser blieb somit informiert, und die Rechtsabteilung der Freenet AG musste tatenlos zusehen. Man rächte sich dann damit, gegen den presserechtlich Verantwortlichen eines Flugblatts vorzugehen, das auf dem Kieler Uni Campus verteilt wurde. Der Campus ist wichtiges Rekrutierungsfeld des Freenet Call-centers, das einen Lohn von sage und schreibe 5 € die Stunde zahlt. Ein paar Infos über die Arbeitsbedingungen bei Freenet und der Hinweis auf die Diskussion bei  chefduzen.de auf nur wenigen Hundert Flugblättern kamen dem Verantwortlichen teuer. Derweil entdeckten aufmerksame chefduzen-User, dass Freenet seinen Kunden den Zugang auf firmenkritische Seiten sperrte und auf Counterstrike umleitete. Diese Information ging sofort in die Mainstreammedien, und es gab einen derartigen Run auf das Forum der Ausgebeuteten, dass der Server unter dem Besucheransturm in die Knie ging. Spätestens seitdem wird es von den Medien von BILD bis Spiegel-TV zur Recherche genutzt, oder man versucht, dort Betroffene für Interviews zu finden.
Doch zu den zahlreichen Forumsbesuchern gehören auch die Ausbeuter, und so reißen die Attacken nicht ab. Falls man sich keine juristischen Erfolge verspricht, setzt man auch schon mal die Autoren massiv unter Druck, wenn man sie als Mitarbeiter oder als Ehemalige identifiziert hat.
Die Reihe der Verfolgungen könnte fast unbegrenzt fortgesetzt werden. Siehe:

http://www.labournet.de/diskussion/grundrechte/komm/n-zensur.html

http://www.freedomforlinks.de/


Das Spendenkonto für chefduzen.de:   M. Dörr, Kiel             
                                                                  Konto-Nr. 591788 307       
                                                Postbank Hannover       
                       BLZ: 250 100 30
   

v.i.S.d.P.: M.Krause

Rote Hilfe Ortsgruppe Kiel / Postfach 6444 / 24125 Kiel
Auch hier kann gespendet werden: Rote Hilfe e.V., Konto-Nr.:191100462, Postbank Dortmund, BLZ:44010046
   





Zitat
http://www.n0name.de/radio/

Mo., 03.01.2005, 22:00-23:00 Uhr. "38317 live". Wenn die Kontexte zu Attacig werden und die Proteste zu kalt sind stellen wir um auf http://WWW. *VERSCHOBEN auf einen Online Gig, 22:00 Uhr*
03.01. Berlin - Arbeitsamt Berlin-Mitte (Kamikaze Gig), ca. 10 Uhr Charlottenstr. 90, 10969 Berlin
38317 widmet dieses Konzert chefduzen.de http://www.radi0.tv
Audiowebstream pnm://217.160.178.83/encoder/radio.rm

Roll back
Baby, roll back
http://www.n0name.de/radio/stream/rollbackich-ag.rm (32 Kbps for 56K analog modem)
http://www.n0name.de/radio/radiomp3.html (MP3 Download)



Zitat
Wildcat 72 , Audio-CD




making music
is killing music


Beilage zur Wildcat 72

(...)

Chefduzen (Kiel)

[http://www.chefduzen.de] — Ein Forum der Ausgebeuteten: Viele diverse Rubriken Rund um das Thema Lohnarbeit und Ausbeutung. Wichtig, hier kommen Aktive und Betroffene direkt zu Wort. Es gibt dort zwar keine Musikerstücke zum herunterladen — mehr »Wortblues« aber es lohnt sich trotzdem einmal »vorbeizuklicken«...

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« Antworten #11 am: 19. Februar 2005, 21:16:23 »

Zitat
x-berg-de 12.02.2005
Portal für Gesellschaftskritik

Happy Birthday Chefduzen!


Ronja Räubertochter schreibt: Nun gut, es mag schon knapp zwei Monate her sein, dass http://www.chefduzen.de, das "Forum der Ausgebeuteten", sein zweijähriges Jubiläum zum Anlass nahm, ein kurzes Resümee zu ziehen; so kann dies hier also nur als nachträglicher Glückwunsch zum zweiten Geburtstag verstanden werden Wink

Die Frage ob der "Versuch ausserhalb der sehr selbstbezogenen linken Szene die von der herrschenden Politik und den wirtschaftlichen Entwicklungen direkt Betroffenen zu erreichen" geglückt ist, beantworten sich die Administratoren jedenfalls mit einem klaren Ja: nach einem schleppenden Anfang fanden sich immer mehr Menschen, die das Forum für Informationsaustausch und Auseinandersetzung über die Übel der herrschenden Verhältnisse nutzten, trotz oder gerade wegen Versuchen der Gegenseite, den Betrieb des Forums juristisch zu unterbinden.

Der Versuch jedoch, bestehende Spaltungen zwischen Lohnabhängigen durch die Abdeckung des gesamten Spektrums der Arbeitswelt- von Ausbildung und Studium bis zu Großbetrieben, Arbeitslosigkeit und Knast- aufzuheben, hat bisher noch wenig Erfolg gezeigt: "Wem es besser geht, ist schnell suspekt und manchmal war man sogar der Meinung, Automobilarbeitern oder dem Öffentlichen Dienst (und insbesondere den Beamten) gehe es sowieso noch viel zu gut. Es ist wohl noch so manche Diskussion notwendig bis begriffen wird, daß man insbesonders für die Schwächsten eine Verbesserung anstreben soll, aber niemals eine Verschlechterung für diejenigen, denen es noch etwas besser geht." Dabei kann man den Betreibern nur viel Glück und Stärke wünschen - oder sie kräftig unterstützen.

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aian19


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« Antworten #12 am: 21. Februar 2005, 03:41:36 »

Zitat
Experten raten den Unternehmen, das Internet zu beobachten und frühzeitig mit Kritikern zu kommunizieren.(...)

Damit meinen die wohl einen wohlgemeinten Brief vom Anwalt mit einer Verzichtserklärung etc..... Cheesy Cheesy Cheesy Cheesy Cheesy Cheesy
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"Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren"

"Wenn Unrecht zu Gesetz wird, ist der Gesetzlose der einzige, der noch rechtmäßig handelt."

Mene mene tekel upharsin
Kuddel


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« Antworten #13 am: 19. März 2005, 13:57:49 »

Zitat
HANDELSBLATT, Donnerstag, 25. November 2004

Die Berater Wichmann und Röll empfehlen Firmen sogar, eigene Blogs aufzumachen.


Die meinen wohl sowas:
http://csr.blogs.mcdonalds.com/default.asp
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ManOfConstantSorrow


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« Antworten #14 am: 27. März 2005, 01:12:04 »

Zitat
Original von aian19
Zitat
Experten raten den Unternehmen, das Internet zu beobachten und frühzeitig mit Kritikern zu kommunizieren.(...)


Damit meinen die wohl einen wohlgemeinten Brief vom Anwalt mit einer Verzichtserklärung etc..... Cheesy Cheesy Cheesy Cheesy Cheesy Cheesy


Dochdoch, einige Firmen scheinen das genau so zu verstehen:

Zitat
26. März 2005
       Weblogs können den Job kosten
Viele Blogger unterschätzen die arbeitsrechtlichen Konsequenzen ihrer Äußerungen - Immer wieder gibt es Abmahnungen

http://derstandard.at/?id=1994683
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Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
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« Antworten #15 am: 27. August 2005, 03:52:15 »

Zitat
Direkte Aktion - 05.03.05

Seit wann duzen wir uns?

Interview mit Karsten Weber vom Internetforum chefduzen.de


chefduzen.de ist ein Internetforum, in dem Menschen aus den unterschiedlichsten Branchen und Betrieben aus ihrem Arbeitsalltag plaudern. Auf diesem Weg soll Vereinzelung und Entfremdung aufgebrochen und stattdessen Raum für persönliche Erfahrungen mit Chefs und den verschiedensten Arbeitsbedingungen geboten werden. In dem selbsternannten "Forum der Ausgebeuteten" werden Erfahrungen aus Arbeitskämpfen weitergegeben, Tips zum Umgang mit Behörden ausgetauscht oder interessante Firmeninterna verraten. Dass das den Bossen nicht immer gefällt, ist klar. So kam es recht schnell zu ersten juristischen Auseinandersetzungen mit Firmen wie z.B. freenet oder der Zeitarbeitsfirma alpha. chefduzen.de wurde mit Unterlassungsklagen und Schadensersatzforderungen in absurden Höhen überzogen. Doch es geht weiter. Der Widerstand ist ungebrochen, zur Zeit besuchen etwa 1000 bis 2000 Menschen pro Tag das Forum. Als vor drei Jahren in Kiel die Idee zum Online-Tratschen entstand, war Karsten Weber dabei. Bis heute ist er einer der Betreiber und Moderatoren. Wir trafen ihn, um uns ganz ungezwungen in die Firmeninterna von chefduzen einweihen zu lassen.

Was war die Idee, als ihr das Forum der Ausgebeuteten ins Leben gerufen habt?

    Die Idee ist eigentlich schon Jahre älter als das Forum. Grundlage ist die Erkenntnis, dass nur eine Minderheit vom Kapitalismus profitiert und die eigentlich somit eine Mehrheit der Bevölkerung gegen sich haben müsste. Es ging also darum, diejenigen, die in diesem System den Kürzeren ziehen, zu erreichen, um sich gemeinsam zu wehren und sich nicht länger gegeneinander ausspielen zu lassen. Ursprünglich war es als Stammtisch der Ausgebeuteten geplant


Warum habt ihr euch für diese virtuelle Form der Auseinandersetzung entschieden?

    Als in den späten 90ern die New Economy-Blase platzte und massenhaft Leute aus dem IT-Bereich ihre Jobs verloren, gelang es dem amerikanischen Forum "Netslaves", die Desillusionierten in eine politische Diskussion einzubinden. Das war die Inspiration für uns, auch das Internet als zusätzliche Möglichkeit des Austauschs zu nutzen.


Wie hat sich das Ganze entwickelt?

    Wir haben absolutes Neuland betreten und hatten keine Ahnung, ob das eine Zukunft haben würde. Es blieb recht lange von der Beteiligung her auf niedrigem Niveau, bis uns die ersten Angriffe von Ausbeuterbetrieben ins Zentrum des Interesses geschossen haben.


Wann und wie kam es zu ersten Konflikten mit Konzernen?

    Die Schwierigkeiten kamen ganz von selbst in Form von Anwaltsschreiben. Begonnen hat's mit einem Münchner Sklavenhändler Anfang 2004, der wollte, dass der Erlebnisbericht eines ehemaligen Mitarbeiters über illegale Geschäftspraktiken nicht länger der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden darf. Es war uns klar, dass jeder Unternehmer einen negativen Bericht für rufschädigend hält und wir dachten, wenn wir jetzt klein beigeben, können wir genauso gut gleich aufgeben, dann könnte jeder Unternehmer jeden Bericht unterbinden. Das war vielleicht juristisch nicht gerade clever von uns, denn genau so sieht die Situation aus: Wir müssen beweisen, dass die anonym geposteten Beiträge der Wahrheit entsprechen. Ansonsten können wir für alles belangt werden, was wir nicht nach Aufforderung löschen. Der juristische Angriff mit absurder Heftigkeit, ein angedrohtes Zwangsgeld von bis zu 250 000 Euro, bzw. sechs Monate Knast, gegen uns hat schließlich einen solchen Riesenwirbel ausgelöst, der nicht im Sinne des Unternehmens gewesen sein kann. Der Bericht wurde von nur wenigen hundert Forumsbesuchern gelesen, aber dann schoss die Zahl blitzartig auf mehrere zehntausend hoch. Andere Netzprojekte haben den Artikel, den wir löschen mussten, weiterveröffentlicht und Leute, die wir nicht kennen, haben Flyer für Chefduzen produziert und in Münchner U-Bahnen ausgelegt. Wir sollten uns eigentlich bei den Firmen, die uns mundtot machen wollten, bedanken. Ohne ihre Hilfe wäre chefduzen.de nie zu einem der populärsten politischen Foren geworden. Inzwischen macht man sich auf der "anderen Seite" ernste Gedanken, wie man Projekten wie unserem anders begegnen kann.


Wie sieht die Situation jetzt aus?

    Wir haben schon etwas dazugelernt. Wenn wir jetzt Anwaltspost kriegen, veröffentlichen wir sofort die anwaltliche Aufforderung und kehren den Artikel in sein Gegenteil und loben die betreffende Firma über den grünen Klee. Da weiß jede/r Leser/in Bescheid und die können uns nicht mehr an den Karren fahren. Die lernen aber auch dazu und schlagen anderweitig zu. Die freenet AG, die juristisch gegen die Forenbetreiber nicht ankam, machte sich dann einfach an den presserechtlich Verantwortlichen eines freenetkritischen Flugblatts heran. Auch einen Bericht über die Arbeit in einer DrückerInnenkolonne mussten wir auf Wunsch des Autors löschen, weil er von seinem Arbeitgeber massiv bedroht wurde. Ganz ähnlich war es mit einem Bericht über das Arbeitsklima in einem alteingesessenen Kieler Geschäft für Büro- und Künstlerbedarf. Als die Geschäftsführung sich nicht juristisch durchsetzen konnte, drohten sie, ihren Ex-Mitarbeiter in Kiel auf eine Schwarze Liste zu setzen. Ein weiteres Problem ist, dass wir bereits mehrfach polizeilich aufgefordert wurden, Userdaten der beanstandeten AutorInnen herauszugeben.


Ihr versteht euch als ein "Projekt zur proletarischen Selbsthilfe". Gibt es Ansätze, von der virtuellen Ebene in eine gemeinsame Praxis überzugehen?

    Darum geht es ja eigentlich! Nicht chefduzen.de kämpft für ein besseres Leben, sondern das müssen die Leute schon selbst tun. Das Forum ist ein Angebot, ein Werkzeug für diesen Kampf. Es scheint sich zum Teil von selbst in die richtige Richtung zu entwickeln. Zu allererst kriegen hier viele mit, dass sie mit ihrem Schicksal nicht allein sind und dass es auch nicht an ihrem persönlichen Versagen liegt, wenn sie finanziell völlig am Arsch sind. Sie tauschen sich aus und wenn es nur ganz einfache rechtliche Dinge sind, z.B. wie man einen Widerspruch einlegt. Und es gibt inzwischen Ansätze, die weitergehen: im Bereich Leiharbeit beginnen Leute zu diskutieren, wie man konkrete Verbesserungen von Arbeitsbedingungen durchsetzen kann.


Im Moment macht ihr eine Solikampagne unter dem Motto "Chefduzen vs. Ausbeuter". Was läuft da?

    Wir haben bisher erst einen Teil der Kosten der Auseinandersetzungen durch Spenden zusammenbekommen. Die Kampagne mit Benefizveranstaltungen unter dem Titel chefduzen vs. Ausbeuter ist auch gleichzeitig Propaganda – nicht nur für unser Forum, sondern für den politischen Ansatz, Ausbeutung zu einem zentralen Thema zu machen.


Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

    Eigentlich keine Wünsche für das Forum, sondern für die politische Praxis: Ich halte es für wichtig, dass wir diese ganzen Spaltungen überwinden. Jeder Betrieb wurstelt für sich, die Leute vom zweiten Arbeitsmarkt und die Erwerbslosen. Als in Spanien die Regierung die Verschlechterung der Bedingungen für Erwerbslose ankündigte, traten die Arbeiter in einen Generalstreik. In vielen Ländern gibt es auch Basisgruppen, in denen die unterschiedlichsten Leute zusammengewürfelt sind, egal ob gewerkschaftlich oder politisch organisiert oder nicht, egal ob Facharbeiter/In, Aushilfe, Hausfrau oder Erwerbslose. Diese Gruppen haben zum Teil beträchtlichen Einfluss bei Arbeitskämpfen. In den 70ern gab es hier bei uns einen Boom an Bürgerinitiativen und es ist an der Zeit, dass sich jetzt Leute organisieren gegen Ausbeutung und Verarmung. Vielleicht in der Form von Stammtischen, egal wie man solche regelmäßigen Treffen auch nennen mag.


Danke für das Interview.


Zitat
EuroMayDay2005 - Hamburg (Programm)

Spagatissimo in den Institutionen, Dissidenz in der Gesellschaft oder Exodus? Aber wohin? Wir klären uns auf. Versuche, dem Arbeitskampf neue Formen zu geben gibt es etliche...aber welche erreichen ihr gestecktes Ziel? Welche scheitern und woran...was können wir daraus lernen? Mag Wompel präsentiert die virtuelle Plattform der Betriebs- und Gewerkschaftslinken labournet. Wir fragen Michael Manos von ver.di Dortmund aus dem FB8 zu Call-Centern und was er von dem Zeitungsprojekt Prekär um die GEW in Hessen weiß. Und Chefduzen zeigt einen Film.



Zitat
Arranca!-Ausgabe 31 (5/05)

Die Grenze des Politischen überschreiten!

(...)Aktuelle Beispiele in bzw. aus der institutionsfernen Linken, prekäre Arbeitsbeziehungen konkret, subjektzentriert und einigermaßen kontinuierlich zu bearbeiten, sind die in der arranca! schon mehrfach besungene und inzwischen eingeschlafene Call Center Offensive (CCO), die prekäre Arbeitsbeziehungen in Call Centern thematisierte, Elixir-A / Flüchtlingsinitiative Brandenburg (FIB), die für und mit Bauarbeitern aus Afrika deren vorenthaltene Löhne durchsetzten, die Gruppe kolinko, die Call Center untersuchte und http://www.chefduzen.de, ein lokales „Internetforum der Ausgebeuteten in Kiel“, in dem Rat gesucht und Tipps weitergegeben werden. Diesen vier Initiativen ist gemeinsam, dass sie versuchen, die Beschäftigten nicht stellvertretend bei der Durchsetzung ihrer Interessen zu unterstützen oder direkt auf Selbstorganisierung setzen. CCO, kolinko und chefduzen.de thematisieren die Bedürfnisse der Betroffenen nach Flexibilität und persönlicher Freiheit in/gegen Erwerbsarbeit und versuchen nicht, sie auf Normalarbeitsverhältnisse festzulegen. Letzteres ist nicht selbstverständlich und zugleich anstrengend, denn die Betroffenen entwickeln teilweise eine erstaunliche Freiheitsliebe, die sie unter Umständen vor bürgerlich-rechtlichen Regelungen zu ihrer Absicherung zurückscheuen lässt. Dies verweist darauf, dass auch heute ein Teil der Lohnabhängigen kein Normalarbeitsverhältnis möchte.




Zitat
Kassiber
Bremer Stadtzeitung für Politik, Alltag, Revolution
,  Mai 2005[/SIZE]

Durch Chefduzen provoziert


Das "Forum der Ausgebeuteten" bietet auf http://www.chefduzen.de ein Informations und Diskussionsforum zu Themen wie Kapitalismus, Ausbeutungsverhältnisse, Leiharbeit, New Economy oder Scheinselbstständigkeit. Doch bereits kurz nach der Eröffnung der Internetseite fühlte sich die Münchner Zeitarbeitsfirma Alpha Zeitarbeit von dem Bericht eines ehemaligen Mitarbeiters über illegale Praktiken des Unternehmens derart "bedroht", dass sie über das Landgericht München eine einstweilige Verfügung erwirkte, den Bericht aus dem Forum zu nehmen. Andernfalls wurde den BetreiberInnen von Chefduzen am 16. Februar 2004 ein Ordungsgeld von 250.000 Euro beziehungsweise sechs Monaten Haft angedroht.

Als nächstes versuchte der Internetprovider Freenet gegen einen Bericht vorgehen. Dadurch, dass die ForumsbetreiberInnen die beanstandeten Textteile in ihr Gegenteil verkehrten, konnte deren Rechtsabteilung zunächst nicht viel ausrichten. Als auf dem Campus der Uni Kiel jedoch Flugblätter über die Löhne von 5 Euro pro Stunde beim Freenet-Callcenter verteilt wurden, ergriff der Provider die nächste Gelegenheit für eine Klage. Die Infos über die Arbeitbedingungen und ein Verweis über die Diskussion bei chefduzen.de auf ein paarhunder Fluglättern kamen den presserechtlich Veranwortlichen teuer zu stehen. Dass Freenet seinen KundInnen auch noch den Zugang auf firmenkritischen Seiten sperrte, bescherte dem "Forum der Ausgebeuteten" dann unerwartete Popularität bei den Medien. Doch nicht nur Bild und Spiegel-TV recherchierten seitdem regelmäßig auf der Seite, sondern auch die "Ausbeuter". In Fällen, in denen ein juristisches Vorgehen keinen Erfolg zu versprechen schien, wurden AutorInnen kritischer Berichte, wenn sie als (ehemalige) MitarbeiterInnen erkannt wurden, massiv unter Druck gesetzt. So erstattete im Herbst 2004 die Firma Greenpower in  Kerkrade eine Anzeige sowohl gegen das Forum alsauch gegen die Autorin des Artikels, der über unerträgliche Arbeitsbedingungen in dem holländischen Callcenter berichtete.




Zitat
WILDCAT #74, Sommer 2005

Blogs, Webzines und Arbeiterforen
umkämpfter Ort der Kommunikation?


(...)Wenn die Leute aber über ihre Arbeit schreiben, sich über ihre Chefs lustig machen oder abfällig äussern oder wenn sie sich sogar via Internet zu organisieren versuchen, kommt es immer öfter zu Verwarnungen und sogar Kündigungen. Wer sich als Arbeitnehmer öffentlich kritisch über seine Firma äussert, riskiert die fristlose Kündigung. Von Juristen werden Unternwehmensrichtlinien für Weblogs von Mitarbeitern gefordert, und manche Arbeitgeber schreiben dies bereits in die Arbeitsverträge: "Private Websites dürfen keinesfalls auf den Arbeitgeber hinweisen."

Ein anderer Versuch, sich über das Netz zu organisieren, sind Internetforen wie Chefduzen.de, über das wir bereits in der Wildcat 68 berichtet hatten. Auch dort gab es Gerichtsverfahren wegen der Verbreitung von Firmeninterna. Das verschaffte "dem Forum ungeahnte Popularität und den Firmen negative Publicity"(chefduzen.de). Eine der größten Websites von MitarbeiterInnen eines Betriebes ist das Forum http://www.nci-net.de (Network Cooperations & Intitiative) mit 349158 BesucherInnen. Es wurde 2002 von Siemens-ArbeiterInnen gegründet, um sich gegen den anstehenden Stellenabbau zu organisieren. Nach Rundmails und einer Homepage mit Infos zum Arbeitsplatzabbau entwickelte sich die Seite nach und nach zur Infoplattform mit Nachrichten zu NCI, Siemens, einem Arbeitsrechts-ABC und einer detaillierten Übersicht über Arbeitsgerichtsprozesse im Konzern. Sie arbeiten eng mit anderen Portalen zusammen, und mit ein paar Links ist man bei ähnlichen Seiten (von MAN, Philips, Sinitac, etc.).(...)
Es lohnt sich, ab und zu mal einen Blick auf die zahlreichen und gut besuchten Foren zu werfen, denn sie geben einen brauchbaren Überblick über laufende Auseinandersetzungen und über anstehende Aktionen.

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« Antworten #16 am: 17. Dezember 2005, 03:21:16 »

Zitat
precair camp 2005 (Aug. 05)
»Im Kapitalismus ist jede Arbeit prekär…«

Manche ist prekärer.


(...)Gegen die immer weitere Ausdifferenzierung der Löhne und Bedingungen zwischen »Stammbelegschaften« und prekärem Rand haben sich bisher keine gemeinsamen Kämpfe entwickelt. Haben die »Daimler-ArbeiterInnen« nun verstanden, dass der Angriff auf alle zielt? Oder wirkt der Schachzug, die »Tarifautonomie« als einzigen Punkt im »Reformpaket« auszusparen? Vertieft sich die Klassenspaltung – oder geht jetzt wieder mehr zusammen? Wie geht es weiter? In den letzten Monaten sind Prozesse in Gang gekommen, die über das »gewerkschaftliche Einbunkern« einerseits, das Jammern über den »Abbau des Sozialstaats« andererseits hinausweisen.

Eine richtig gute Möglichkeit, über Erfahrungen zu berichten, sich mit Leuten in der selben Situation auszutauschen, und über gemeinsamen Widerstand und Kampf zu diskutieren, bietet übrigens auch die Website http://www.chefduzen.de (mehr dazu im Interview S. 53).



Zitat
gefunden bei WIKIPEDIA unter dem Stichwort Freenet.de:

Freenet.de fällt sehr häufig wegen eines schlechten Kundenservice und spontanen Tariferhöhungen auf. Letztere werden zum Teil erste wenige Stunden vor dem Inkrafttreten bekanntgebenen. Ebenfalls finden sich in den Foren von DSLTeam.de, DSLForum.de und Onlinekosten.de eine große Anzahl von Erfahrungsberichten bezüglich unbegründeter Rechnungen und Verzögerungstaktiken, wie sie z.B. im November 2003 statt fand. Freenet.de bot ein Paket bestehend aus 'freenet DSL flat', einem 12 Monatigem Premiere Startabonement für 28.90 Euro an sowie einer kostenlosen D-BOX. Einige Kunden erhielten zwar das Premiere Paket, es wurden aber sehr viele Kunden monatelang vom Kundenservice hingehalten, ohne eine Entschädigung oder ähnliches zu bekommen. In den oben genannten Foren sind nach Meinung einiger Forenmitglieder ebenfalls Freenet-Mitarbeiter zu finden, die auf negative Posts von Kunden immer mit Lobeshymnen auf Freenet.de reagieren. Gegenüber Kritik reagierte Freenet.de bisher immer sehr aggressiv, z.B. verübte der Provider im Februar 2004 Zensur im Internet, indem er Kunden, die unternehmenskritische Seiten aufzurufen versuchten, mittels transparenten Webproxys auf eine unternehmenseigene Counter-Strike-Webseite umleitete. Am Abend des 1. März, mindestens eine Woche nach Beginn der Sperrung, hob der Provider sie wieder auf und schob die Blockade auf einen „übereifrigen Mitarbeiter”. Die genannten Seiten wurden jedoch von Freenet.de verklagt und mussten somit zwangsweise schließen, jedoch ist eine Seite auf ausländische Hosts ausgewichen und kann von dort aus besser agieren. Auch unter chefduzen.de, dem selbsternannten Forum der Ausgebeuteten finden sich immer wieder spannende Geschichten über freenet und den dortigen Umgang mit Mitarbeitern.
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« Antworten #17 am: 15. April 2006, 17:44:57 »

Junge Welt 28.2.2006

Zitat
Klassenkampf im Internet

„Form der Ausgebeuteten“ erneut von kritisiertem Unternehmen bedroht.


Von Wolfgang Pomrehn

Wenn der durchschnittliche Linke Klassenkampf hört, dann denkt er meist an starke Gewerkschaften, große Industriebetriebe, schwielige Arbeiterhände und ölverschmierte Blaumänner. Anders die Kieler Betreiber des Internetforums http://www.chefduzen.de, von einigen inzwischen mit dem Ehrentitel „Forum der Ausgebeuteten“ belegt. Wir wollten helfen, „zeitgemäße Formen des Klassenkampfes zu entwickeln“, beschreibt einer der Gründer gegenüber jW die Idee, aus der heraus das Forum vor drei Jahren entstand. „In Zeiten von Subunternehmen, Leiharbeit und Ich-AGs kann man nicht die die gleichen Rezepte für Kämpfe anwenden, die für eine einheitliche Industriearbeiterschaft“ entwickelt wurden.

Also hat man eine Seite im Internet eingerichtet, die freien Meinungs- und vor allem Erfahrungsaustausch für Leih- und Normalarbeiter, für Callcenter-Agenten und Software-Profis, für Schweißer und Ingenieure, für studentische Jobber und Sexarbeiterinnen. „Das Spektrum der User reicht von Leuten die kaum des Schreibens mächtig sind und in einer Notsituation nach Rat suchen, bis zu Leuten, die über Marx und Hegel diskutieren“, so Karsten Weber der als einer der Administratoren täglich im Forum nach dem Rechten sieht.

Handelsblatt warnt

Der Erfolg der Seite überstieg schnell alle Erwartungen. Binnen kürzester Zeit fand, was als regionales Forum gedacht war, bundesweite Aufmerksamkeit. Maßgeblichen Anteil daran hatten jene, über die sich die Forumsteilnehmer nach Herzenslust ausließen: Windige Leiharbeitsfirmen, Callcenter und ähnliche, hetzten ihre Anwälte auf das Forum. Unterlassungsforderungen waren meist mit der Androhung hoher Strafgelder verbunden und verursachten nicht geringe Anwaltskosten. Mehrfach bangten  die Betreiber um das Überleben ihres Projektes, das keine eigene Mittel erwirtschaftet und mit Spenden finanziert werden muß. Doch die Angriffe brachten der Internetseite enorme Publizität. Die betroffenen Firmen damit im erheblichen Maße dazu bei, daß ihre ausbeuterischen Praktiken erst richtig bekannt wurden. Das führte schließlich dazu, daß das Handelsblatt vor einem Jahr betroffene Unternehmen öffentlich warnte, juristisch gegen das Forum vorzugehen. Danach war ein wenig Ruhe, aber nicht alle haben die Warnungen des Zentralorgans der deutschen Wirtschaft gelesen. Derzeit macht das Callcenter-Unternehmen buw von sich Reden und dem Forum das Leben schwer. Einige Mitarbeiter hatten sich auf Chefduzen.de anonym über unhaltbare Arbeitsbedingungen und kreative Formen des XXXXXXX beschwert. Neue Mitarbeiter seien nicht darauf hingewiesen worden, daß sie XXXXXXXXXXXXX XXXXX XXXXXXXXXXX dokumentieren müssen. Einige hätten das erst gemerkt, als auf ihrem XXXXX XXXXXX XXX XXXXXX. Die Firma habe sich geweigert, für die XXXXXXXXXXXX XX XXXXXX. Der Betriebsrat bemühe sich außerdem schon seit Monaten vergeblich, Einblick in den Geschäftsbericht zu bekommen. Kein gutes Zeugnis für das Osnabrücker Unternehmen, das in verschiedenen Städten Callcenter betreibt und sich selbst gerne als erste Adresse in Sachen Telefonmarketing sieht.

Katz-und-Maus-Spiel

In Sache Kommunikationsfähigkeit ist man es jedenfalls nicht. Der Geschäftsführer der Firma hat sich zwar selbst als Mitglied im Forum eintragen lassen, aber anstatt die Vorwürfe argumentativ zu entkräften, droht er gleich im ersten Brief an die Betreiber mit der Staatsanwaltschaft. Die reagieren als gebrannte Kinder prompt und entfernen die beanstandeten Behauptungen, von denen der buw-Geschäftsführer Karsten Wulf in seinem Drohschreiben meint, sie seien frei erfunden. In der Natur des Internets liegt es allerdings, daß sich Texte nur schwer unterdrücken lassen. Die Forums-Moderatoren können beanstandete Beiträge löschen oder teilweise unleserlich machen, doch Nutzer können die Beiträge, sofern sie sie abgespeichert haben, wieder einstellen. Genau das geschieht derzeit bei Chefduzen.de, so daß sich die Geschichte zu einem Katz-und Maus-Spiel zwischen Moderatoren, Teilnehmern und buw entwickelt, die weitere Mahnungen und Drohungen schicken. Interessant ist derweil ein Blick auf die Interseite des Unternehmens. 30 Millionen Umsatz habe man 2004 gemacht, und zwar mit 1800 Angestellten, ist dor zu erfahren. Das sind nicht einmal 17 000 Euro Jahresumsatz pro Mitarbeiter, und man kann sich an fünf Fingern ausrechnen, wie mickrig da die Gehälter sein müssen, wenn das Unternehmen Gewinn machen will.

Unterdessen kommt Chefduzen.de zwar durch den Angriff in erneute Schwierigkeiten und bittet daher um Spenden für die Anwaltskosten, die sich bisher auf rund 1300 Euro belaufen. Andererseits zieht das Forum immer weitere Kreise. „An normalen Tagen haben wir inzwischen zirka 1000 Leser, vielleicht etwas mehr oder weniger, denn so genau läßt sich das an den Zugriffsstatistiken schlecht ablesen“, meint Karsten Weber. Wenn aber Chefduzen.de mal wieder unter Druck gerät, wie derzeit, dann verdoppele sich die Zahl.

Unser Anwalt empfahl auch in diesem Artikel, der an jedem wohlsortierten Kiosk erhältlich ist, Textpassagen unkenntlich zu machen. Es ist schon ein lustig´Ding mit der Informationsfreiheit in diesem Lande.

Admin



LabourNet 11.04.2006:

Zitat
Das Internetforum chefduzen und die Erfahrungen mit Angriffen von Ausbeutern und dem Umgang mit rechten Internetaktivisten. Artikel von Karsten Weber, erschienen in Enough Is Enough, Zeitung für antirassistische und antifaschistische Politik in Schleswig-Holstein und Hamburg, Ausgabe Nr.24 / Frühjahr 2006 – wir danken der Redaktion für die Freigabe!


Linke Internetprojekte und rechte Netzattacken
Das Internetforum chefduzen und die Erfahrungen mit Angriffen von Ausbeutern und dem Umgang mit rechten Internetaktivisten


Das Projekt chefduzen.de wurde gegründet aus Verzweiflung über den desolaten Zustand der linken Szene. Wir wollten uns nicht an den Scheingefechten, die ohnehin meist nur innerhalb des geschlossenen Zirkels stattfinden, beteiligen, wir wollten versuchen die Opfer neoliberaler Politik direkt zu erreichen um dort eine Gegenwehr der Betroffenen zu organisieren.

Das Defizit an politischem Wissen, auch in der Antifaszene, ist durchaus problematisch. Wir erwarten ja nicht, daß jeder eine marxistische Schulung über ökonomische Zusammenhänge durchgemacht haben muß. Aber als Grundlage für linke Politik sollte man zumindest einen simplen Klassenstandpunkt haben, die Erkenntnis, daß es ein Oben und Unten gibt, Ausbeuter und Ausgebeutete. Unter den aktuellen Entwicklungen wird es selbst unpolitischen Menschen klar, daß der Kapitalismus eine Mehrheit von Verlierern hervorbringt und nur sehr wenige davon profitieren. Es muß also darum gehen jetzt diese Mehrheit zusammenzubekommen um die herrschenden Verhältnisse ins Wanken zu bringen. Es geht also darum die ganzen Spaltungen und Ghettos aufzubrechen. Der Kapitalismus beruht auf der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft. Und genau an dieser Stelle ist er auch am verletzbarsten. Kollektive Arbeitsniederlegungen gehören zu den schärfsten und zu wenig genutzten Waffen in der Auseinandersetzung mit den herrschenden Verhältnissen. Deshalb hatten wir auch nie Interesse ein reines Erwerbslosenforum zu betreiben, sondern wir wollen versuchen alle zusammenzubringen, auch die Facharbeiter, genauso wie diejenigen, die sich mit prekären Jobs durchschlagen oder auch die, die sich mit illegalem Kram versuchen über Wasser zu halten.

Als das Forum allmählich angenommen wurde und man sich auch über Firmen und deren Internas austauschte, dauerte es nicht lange, bis Ausbeuter versuchten mit juristischen Mitteln die offene Diskussion zu unterbinden. Dank der Roten Hilfe und verschiedener Unterstützer, die Solikonzerte organisierten, konnte dem Forum nicht finanziell das Genick gebrochen werden. Der folgende Pressewirbel sorgte dann erst für die breite Bekanntheit des Forums der Ausgebeuteten und für erheblich schlechte Propaganda für die jeweiligen Firmen. Das HANDELSBLATT riet daraufhin den Unternehmen zu einem weicheren Umgang mit der neuen Situation, das Internet zu beobachten und frühzeitig mit Kritikern zu „kommunizieren“ (=drohen?) und empfahl sogar, eigene Blogs aufzumachen. Von der Seite gab es damit vorerst relative Ruhe.

Probleme ganz anderer Art ergaben sich daraus, daß auch die rechte Szene auf das Forum aufmerksam geworden ist. Es gab dabei völlig unterschiedliche Formen des Umgangs mit dem Forum, das ja ersteinmal für jeden offen ist.

So tauchten im Forum hin und wieder plumpe rassistische Hetzartikel auf, die man einfach kurzerhand löschen konnte. Bei Artikeln, wie „deutsche Goldreserven in den USA“ brauchte es wenig Recherche um zu erkennen, daß sie aus der Deutschen Nationalzeitung herauskopiert waren. Es gab jedoch auch clevere Analysen der Verhältnisse, geschrieben mit Witz und geistreichen Formulierungen. Während sich die Autoren hinter unverdächtigen Nicks, wie „Indianer“ oder „Frührentner“ verbargen, enthielten die Beiträge am Ende völkische Lösungsvorschläge auf die herrschenden Verhältnisse.

Wir müssen uns verabschieden von dem Glauben, bei Rechten handle es sich nur um stumpfe, glatzköpfige Dummköpfe, die nur gewalttätig, aber nicht intelligent sein können. Das Spektrum der Rechten ist breit gefächert und man kennt dort wenig Berührungsängste. Um die herrschenden Verhältnisse und Möglichkeiten des Kampfes zu studieren, greift man selbst zu Schriften linker Theoretiker, beschäftigt sich mit Erfahrungen aus militanten Kämpfen in Lateinamerika und Italien, mit der Stadtguerilla oder den Autonomen in den frühen 80er Jahren. Und natürlich läßt man auch zeitgemäße Formen der Propaganda nicht aus. Neben Aktivitäten innerhalb musikalischer Subkulturen und der CD Produktion gewinnt das Internet bei den Neuen Rechten enorm an Bedeutung. Neben interner Kommunikation wird auch versucht, sozialpolitische Foren und linke Netzprojekte zu unterwandern. Zum Teil betreiben sie auch selbst Websites, die sowohl in Thematik, als auch Sprache und Optik mit linken Seiten verwechselt werden könnten. „ Die Kommenden “ orientieren sich zum Beispiel an dem Lebensgefühl der Autonomen der frühern 80er.

Nachdem bei chefduzen auch die Beiträge von Frührentner und Indianer sofort ins Datennirvana befördert wurden, versuchte sich ein bekannter rechter Netzaktivist (wie ausgiebige Recherche ergab) darin, politisch Unverfängliches zu posten. Seine Beiträge waren kenntnisreich, wuterfüllt gegen den Sozialkahlschlag und auch humorvoll. Wir können nur mutmaßen, daß dieser IT-Spezialist sich auf diesem Wege beliebt machen wollte, um von uns Moderationsrechte zu erhalten, womit er (zumindest kurzfristig) die Kontrolle über die Forensoftware übernehmen könnte. Als sich diese Tür für ihn nicht öffnete, verschwand er urplötzlich nach einigen hundert Postings.

Einen ähnlichen Fall gab es einige Zeit danach, wo sich ein weiterer Rechter als aktiven Dauergast des Forum hervortat. Dieser machte eher den Eindruck, als wolle er nicht unterwandern, sondern, als würden wir alle irgendwie zusammengehören…. schließlich gibt sich ein Teil der Rechten einen sozialrevolutionären Touch. In privaten Mails an den Admin machte er wenig Hehl aus seiner Gesinnung. Die meisten Beiträge waren auch wirklich gut. Doch hin und wieder ließ er völkisches und rassistisches Gedankengut am Rande seiner Beiträge durchschimmern. Dieser Daueruser war durch seine bissigen und bisweilen auch witzigen Beiträge in der Community sehr beliebt. Wenn es auf rechtes Gedankengut sofort Entgegnungen anderer „Chefduzer“ gab, sollte es kein größeres Problem sein. Doch die unwidersprochene rechte Ideologie stellte die Grundlagen des „Forums der Ausgebeuteten“ in Frage.

Hier gerieten wir an ein grundsätzliches Problem, das wohl für viele linke (Netz-) Projekte ungeklärt scheint. Meinungsfreiheit und die Gegnerschaft zu Zensur sind hohe und verteidigungswerte Ziele. Wir dürfen dabei jedoch Verschiedenes nicht übersehen: Eine Meinungsfreiheit im Internet, insbesondere, wenn man einen deutschen Server nutzt und somit zu einem Impressum verpflichtet ist, besteht nicht! Die deutsche Linke macht sich bei diesem Medium noch weitaus zu viele Illusionen! Das Internet bietet nicht nur Möglichkeiten der staatlichen Überwachung im orwellschen Ausmaß, sondern es ist bereits Repressionen ausgesetzt, die zahllose firmenkritischer Sites und politische Foren hat unbemerkt verschwinden lassen. Razzien und Serverbeschlagnahmungen bei LabourNet, Indymedia und einem Kanadischen gewerkschaftlichen Portal haben noch ein wenig Öffentlichkeit bekommen. An dieser Stelle möchten wir uns noch bei der Roten Hilfe bedanken nicht nur uns finanziell unterstützt zu haben sondern auch die politische Unfreiheit des Internets zu thematisieren!

Chefduzen.de hatte nie den Anspruch die fehlende Meinungsfreiheit in der Gesellschaft zu ersetzen, sondern es versteht sich als Werkzeug dem Monopol an Medienmacht entgegenzutreten, indem den Ausgebeuteten und ihren Interessen eine Stimme verliehen wird! Chefduzen ist parteiisch ohne Wenn und Aber!

Man kann sich mit rechtem Gedankengut auch auseinandersetzen, es im Forum sichtbar stehenlassen und es im Anschluß inhaltlich auseinanderpflücken. Doch das kann von den Moderatoren, die nur „nebenher“ täglich rund 50 neuen Beiträge zu überfliegen haben, nicht immer erledigt werden. Als aber ein rassistischer Beitrag auch nicht von der Community kommentiert wurde, entschieden wir uns nicht nur das Posting zu löschen, sondern mit einer öffentlichen Begründung den Autoren bleibend den Zugang zum Forum zu verwehren.

Es folgte unerwartet große Aufregung bei den Chefduzen-Nutzern. Man sprach von Zensur und einige gingen sogar soweit sich gegen den Angriff auf die Meinungsfreiheit mit dem Rechten zu solidarisieren. Ein deutliches Zeichen dafür, wie wenig man sich darüber einig ist, wie mit Rechten (die nicht dem Klischee des baseballschlägerschwingenden Glatzkopfes entsprechen) und deren Ideologie umzugehen ist.

Wenn es unwidersprochen ist, daß (Werbe-)Spammer, Forentrolle (Provokateure, die nur im Mittelpunkt stehen wollen ohne an einer inhaltlichen Auseinandersetzung Interesse zu zeigen), Leute, die mit dem Posten rechtswidriger Inhalte das Forum gefährden oder andere User beleidigen, sofort aus dem Forum zu kicken sind, dann sollte das erst recht für Rechte gelten, denn Faschismus ist keine Meinung – Faschismus ist ein Verbrechen!

Mit unserer überraschenden Erfahrung mit einer weit verbreiteten Verwirrung und Haltungslosigkeit zum Thema, mußten wir erkennen mit dem virtuellen Projekt in der wirklichen Welt angekommen zu sein. Schließlich berichtete LabourNet , daß auch fast jedes 3. Gewerkschaftsmitglied mit rassistischem Gedankengut infiziert ist.

An dieser Stelle können wir nur alle sozialen und politischen (Netz-)Projekte aufrufen sich mit dieser Problematik stärker auseinanderzusetzen und der rechten Ideologie viel entschiedener entgegenzutreten, egal in welchem Gewand sie daherkommt.

Jede öffentlich bekanntgegebene Löschung oder Sperrung eines rechten Users hatte eine Art „klärendes Gewitter“ zur Folge: Jedes Mal outeten sich bisher unbekannte braune U-Boote, die sich zumeist „aus Solidarität“ selbst verabschiedeten und in ihrer wütenden Aufregung noch einige Informationen über interne Kontakte und Netzwerke preisgaben.

Gleichzeitig braucht man auch etwas Fingerspitzengefühl für den Umgang mit Leuten, deren Ansichten nicht immer ganz koscher sind, die trotzdem aber (noch) nicht zu der rechten Subkultur gehören. Als Grundlage linker Politik braucht man den Glauben daran, daß Menschen sich ändern und auch dazulernen können. Die Erfahrung zeigt, daß man da aber ein gehöriges Maß an Humor und ein verdammt dickes Fell braucht, wenn man sich mit Dummheit und Verirrung auseinandersetzen will. Es ist notwendig sich an weiter Front mit faschistischer Ideologie politisch auseinderzusetzen. Schließlich müssen wir davon ausgehen, daß immerwieder organisierte Nazis unerkannt in Foren wie unserem mitmischen, um die Interessen und den Tonfall eines unruhigen Teils der Bevölkerung zu studieren.

Wer vom Faschismus spricht, darf vom Kapitalismus nicht schweigen!

Um den herrschenden Verhältnissen wirkungsvoll entgegenzutreten ist es notwendig die einfachen Menschen zusammenzubringen gegen die Minderheit derjenigen, die über Reichtum, die Produktionsmittel und somit die politsche Macht verfügen. Von Rechts hingegen sollen wir gespalten werden entlang nationaler, ethnischer, religiöser (u.a.) Linien. So ist es kein Zufall, daß heutige führende Nazis selbst aus dem Lager der Reichen stammen:

Gerhard Frey, DVU-Gründer ist Spross einer vermögenden Familie, sein heutiges Vermögen wird auf mehrere hundert Millionen Mark geschätzt.

Nicht nur das ist entgegenzuargumentieren, wenn sich die Rechten als Sprecher des kleinen Mannes ausgeben. Wenn dieses Pack versucht an Montagsdemos teilzunehmen und sich gar als Hartz IV – Gegner präsentieren, ist klarzustellen, daß dies nur billige Propaganda ist, daß sie nirgendwo, wo sie in Landesparlamenten vertreten sind auch nur den geringsten Versuch unternommen haben etwas gegen diese asoziale Regierungspolitik zu unternehmen.

Wir sollten auch lernen mit der blinden Wut umzugehen, die weit verbreitete Realität bei vielen perspektivlosen Jugendlichen ist. In den militanten Kämpfen im Italien der 70er haben sich einige Jugendgangs über Hinterhof-Klitschen hergemacht, in denen sich die Mitarbeiter gegen Ausbeutung und oft ausbleibende Lohnzahlung nicht zu wehren vermochten. Die Kids ließen ihren Haß an den Ausbeutern, deren Autos und Häusern aus. Es sollte durchaus diskutiert werden, inwieweit auch hier die herrschende Wut nach oben gerichtet werden kann, während die Rechten für ein Ventil nach unten zu den Migranten, Obdachlosen und Behinderten anbieten…

Der Erfolg der Rechten ist eine Folge der Schwäche der Linken!

Eine zeitlang inszenierten sich Faschos als Beschützer von Kinderspielplätzen gegen die von den Medien geschaffene Angst vor drogensüchtigen Kriminellen. Heute haben wir es nicht mit einer eingebildeten Angst zu tun, denn inzwischen fehlt fast jedem Geld, nur waren es keine Handtaschenräuber. Wir haben jetzt zu beweisen, daß nur wir gemeinsam eine Verteidigung organisieren können. Und genau darum müssen wir uns kümmern, wir müssen effektiv handeln gegen Ausbeutung und Sozialkahlschlag, um nicht nur in unseren Worten, sondern in unserem Handeln klarmachen auf welcher Seite wir stehen.

Wenn wir vorhaben uns die Welt zurückzuerobern, sollten wir unsere Ghettos und kleinkarrierten Subkulturen verlassen und uns auch ohne Berührungsangste auf Territorien bewegen, die nicht bereits politisch korrekt besetzt sind. Die linke Retrokultur ist eher ein Zeichen von ängstlicher Rückwärtsgewandtheit. Als rechte Bands in Ost-London versuchten Einfluß in dem Arbeiter- und Migrantenstadtteil zu gewinnen, kam es zu einem Pub-Rock-Battle. Antifaschistische Bands aller Musikrichtungen traten kostenlos in jeder Eckkneipe in der Gegend auf um zu zeigen, daß sie nicht nur die besseren Menschen sind, sondern auch coolere und aufregendere Musik machen.

Wir müssen lernen in diesen bitteren Zeiten wieder verstörend und mutig aufzutreten ohne zu Schlaumeiern und uns sektiererisch zu geben, schließlich wollen wir Ausbeutung und ein würdeloses Leben hinter uns lassen. Ein besseres Leben wird uns nicht geschenkt werden.


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« Antworten #18 am: 27. April 2006, 14:51:57 »

http://www.jungewelt.de/2006/04-27/049.php



Zitat
»Wo Arbeitskraft mit Gewalt erpreßt wird«

Im Internetforum Chefduzen.de tauschen Ausgebeutete ihre Erfahrungen aus. Ein Gespräch mit Karsten Weber


Karsten Weber ist einer der Administratoren der Internetplattform http://www.chefduzen.de, einem Forum für Jobber, Erwerbslose, Ausgebeutete und Gewerkschafter
Ihr Forum erfreut sich wachsender Beliebtheit. Was für Menschen schreiben auf Chefduzen.de?

Das ganze Spektrum derjenigen, die nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurden. Das reicht vom gut bezahlten Facharbeiter bis zu Leuten, die sich in den finstersten Randbereichen bewegen. Wobei zu letzteren nicht einmal mehr die Leiharbeit zählt – die steht ja heute schon fast im Zentrum der Lohnarbeit. Nein, es geht um Menschen, die ihren Körper für Medikamentenversuche an die Pharmaindustrie verkaufen oder in Drückerkolonnen arbeiten müssen.
Und was für Geschichten werden da so geschrieben?

Einfache Erlebnisberichte, oder auch lediglich Anfragen, wie man aus seiner unerträglichen Situation herauskommt. Leser tauschen sich über rechtliche Fragen, aber auch über Tricks und Kniffe aus. Die Berichte haben es zum Teil ganz schön in sich, insbesondere, wenn es in extreme Bereiche wie Drückerkolonnen geht, wo die Arbeitskraft schon mal mit körperlicher Gewalt und Schlimmerem erpreßt wird.
Bei den Chefs ist das Forum weniger beliebt.

Das stimmt. Inzwischen schießen sich die kritisierten Firmen und Chefs aber nicht mehr so sehr auf uns ein, sondern auf ihre Mitarbeiter, die bei uns berichten. Soweit wir wissen, haben vier Leute wegen Postings bei Chefduzen.de ihren Job verloren. Aus dem Milieu der Drückerkolonnen gab es sogar einen, der um sein Leben fürchtete und uns bat, ganz schnell seinen Beitrag wieder zu entfernen.

In einem anderen Fall hat ein ehemaliger Mitarbeiter von Hugo Hamann, einem bekannten Einzelhandelsgeschäft in Kiel, seine Erlebnisse geschildert. Daraufhin hat der Geschäftsführer uns gebeten, den Beitrag zu entfernen. Das haben wir auch gemacht, nur haben wir ihn durch seinen Widerspruch ersetzt. Der war so detailiert, daß man indirekt sehr genau auf das Original schließen konnte. Das hatte der Autor etwas spät gemerkt und konnte den Vorgang nun nicht mehr juristisch anfechten. Also hat er den ehemaligen Mitarbeiter massiv unter Druck gesetzt, so daß dieser uns schließlich bat, auch die Gegendarstellung rauszunehmen. Ihm war angedroht worden, auf eine schwarze Liste des Kieler Einzelhandels gesetzt zu werden. In einem Artikel in der örtlichen Presse, den Kieler Nachrichten, war über den Vorfall berichtet worden, aber da wollte man nicht den Namen des Unternehmens nennen.
Ein größerer Anzeigenkunde?

Ja, wahrscheinlich.
Vor einigen Monaten hat die Callcenter-Kette buw aus Osnabrück versucht, Ihnen das Leben schwerzumachen. Wie ist die Geschichte ausgegangen?

Noch gar nicht. Buw hat es nicht geschafft, Chefduzen.de mundtot zu machen, aber wir mußten eine Unterlassungserklärung unterschreiben. Jetzt müssen wir das Forum täglich nach gewissen Formulierungen über diese Callcenter absuchen, und wenn wir sie nicht rechtzeitig entfernen, kostet uns das 5000 Euro. Bei buw laufen derweil die Auseinandersetzungen weiter. Dort stehen Betriebsratswahlen an, und verschiedene Mitarbeiter suchen nach Wegen – zum Teil ohne sich zu kennen und recht subversiv – zu verhindern, daß es wieder einen Marionettenbetriebsrat gibt.
Was heißt in diesem Zusammenhang subversiv?

Zum Beispiel gibt es schon seit langem den Internetauftritt http://www.buwsuckz.com. Der hat seinen Server offenbar im nichteuropäischen Ausland, so daß der Betrieb die Betreiber nicht ausfindig machen kann. Das hat die Geschäftsleitung zur Weißglut gebracht, so daß sie die Staatsanwaltschaft auf Mitarbeiter hetzte. Vier Wohnungen von Leuten, denen man vorwarf, mit der Internetseite in Verbindung zu stehen, wurden daraufhin in aller Herrgottsfrühe durchsucht. Betriebsintern wurde außerdem ein Kopfgeld auf die Betreiber ausgeschrieben. Vor kurzem ist schließlich einem Mitarbeiter gekündigt worden, weil er angeblich mit hinter der Seite steckt. Der versucht gerade, sich wieder in den Betrieb zu klagen.

Interview: Wolfgang Pomrehn
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« Antworten #19 am: 14. Mai 2006, 12:36:39 »

Beitrag in der 1. Mai Zeitung 2006 der FAU München

Zitat
Wenn ChefInnen rot sehen

Ein Forum der Ausgebeuteten bringt AusbeuterInnen in Rage[/B]

Die Geschichte des Forums chefduzen.de ist schnell erzählt. Der Forumsgründung vorausgegangen ist die Verzweiflung über die linke Szene und die Wirkungslosigkeit ihrer Aktivitäten. Dabei könnten die Zeiten kaum günstiger stehen für politische und soziale Kämpfe. Derweil ist es nur noch eine Minderheit, die vom Kapitalismus profitiert. Das Gros der Gesellschaft bekommt die sozialen Einschnitte zu spüren, den Niedergang des Bildungssystems, dem Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung, wachsenden Druck im Job bei gleichzeitiger Lohnsenkung, die Angst vor Altersarmut. Es sind nicht nur die sogenannten „Prekären“, die mit irgendwelchen Jobs bei McDonalds oder im Callcenter sich versuchen durchs Leben zu schlagen, sondern es hat inzwischen auch diejenigen erreicht, die sich in ewiger Sicherheit wähnten, wie die Stammbelegschaften der Autokonzerne, selbst die BeamtInnen und ÄrztInnen. Und wie viele Menschen im diesem reichen Land am sozialen Abgrund befinden würden, konnte sich vor wenigen Jahren kaum jemand vorstellen.

Daraus wuchs die Idee diese Mehrheit anzusprechen und das nicht mit politischen Parolen, sondern mit ihren ökonomischen Problemen. Und es ging auch darum die bestehenden Spaltungen zu überwinden, die nicht nur die DGB-Gewerkschaften pflegen, die sich (fast) nur für Stammbelegschaften zuständig fühlen, sondern auch den Tellerrand der Politszene zu überwinden. So wurden dann all die Bereiche zusammengetragen in denen sich die Menschen ökonomisch herumschlagen, die nicht mit dem golden Löffel im Mund geboren wurden. Neben den regulären Jobs und der Arbeitslosigkeit, die Schwarzjobs, die Scheinselbstständigkeit, Leiharbeit, Heimarbeit, Drogenbusiness und Prostitution, Drückerkolonnen, die Bundeswehr als Arbeitgeber und was sonst noch zum Alltag der einfachen Leute gehört. Zumindest in diesem Internetforum wurden diese Themen zusammengeführt. Nicht lange nachdem die Ersten ihre Erfahrungsberichte geschrieben hatten und Fragen stellten, gehörten AusbeuterInnen zu den LeserInnen und traten auf den Plan, als sie sich in ihrem Treiben gestört fühlten.

Chefduzen.de bekam es nun mit juristischen Attacken der Gegenseite zu tun. Der Münchner Sklavenhändler Alpha Zeitarbeit erwirkte eine Verfügung, in der es den Forenbetreibern untersagt wurde, unter Androhung eines Zwangsgeldes bzw. einer Haftstrafe von bis zu 6 Monaten, den Bericht eines Firmeninsiders über illegale Machenschaften seines Arbeitgebers weiter zu veröffentlichen. Diese Überreaktion wurde erst in der Netzwelt heftig diskutiert, bis es auch von den bürgerlichen Medien aufgegriffen wurde, die auf diese Weise das Forum erst richtig bekannt machten.

Alle Erwartungen der ChefduzengründerInnen wurden übertroffen und inzwischen versammeln sich täglich bis zu 2000 Menschen auf diesem virtuellen Treffpunkt um Job, ökonomische Not und Ämterstress zu diskutieren. Mensch kotzt sich nicht nur über seine Erfahrungen aus, es geht in erster Linie um proletarische Selbsthilfe. Es werden nicht nur Tricks und Kniffe ausgetauscht, wie man sich behaupten und wehren kann, das Wissen juristische Hürden zu nehmen wird weitergereicht, man berät sich bei der Betriebsratsgründung oder versucht mit Hilfe dieser Plattform eine/n Unfähige/n abzusetzen und es werden auch Berichte über Streiks und illegale Kampfformen veröffentlicht. Einige wollen nur ihre eigene momentan unerträgliche Situation irgendwie lösen, andere diskutieren Ursachen und politische Konsequenzen. Und da tatsächlich das Spektrum der Beteiligten vom/von der industriellen FacharbeiterIn bis zum/r MitarbeiterIn von Drückerkolonnen alles dabei ist, wird das Forum auch von JournalistInnen und GewerkschafterInnen genutzt. Einige GewerkschaftsaktivistInnen versuchen auf diese Weise an ein Klientel heranzukommen, das von ihrer eigenen Organisation kaum erreicht wird (wie z.B. die Leiharbeiter Innen), andere sind von der Gewerkschaftspolitik so enttäuscht, dass sie es vorziehen sich an der Diskussion dieses quirligen Haufens zu beteiligen.

Es ist an der Zeit den Schritt zu tun vom virtuellen Raum in die wirkliche Welt zu treten und nicht nur neidisch nach Frankreich zu blicken. Jetzt wurde auch in München ein Stammtisch der Ausgebeuteten eingerichtet zum Erfahrungsaustausch und um Nägel mit Köpfen zu machen.

Jeweils am 1. + 3. Dienstag des Monats trifft mensch sich um 20.00 Uhr in der WELTWIRTSCHAFT im EineWeltHaus, Schwanthalerstr. 80 Rgb. (1 Min. von der U-Bahn-Station Theresienwiese U 4/5, Ausgang Schwanthalerstr.)
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« Antworten #20 am: 27. Juli 2006, 10:24:47 »

Radio Helsinki, Graz
14.06.2006

Zitat
chefduzen.de
"chefduzen.de - Das Forum der Ausgebeuteten" ist eine der interessantesten und nützlichsten Initiativen, die das Leben im real existierenden Kapitalismus leichter machen. Am 10.6. wurde chefduzen.de in Graz vorgestellt, und nicht wenige wünschen sich eine solche Einrichtung für Österreich.
http://helsinki.at/programm/sendung.php?id=811&datum=2006-06-14



auch aus Österreich:
MALMOE Heft 33

Zitat
Chefduzen.de, das Forum der Ausgebeuteten, besteht in Deutschland seit über zwei Jahren und boomt. Wie kann es zu Vernetzung und Widerstand in unserem alltäglichen ArbeitsLeben kommen? Eine altbekannte Frage. Chefduzen scheint eine Antwort darauf zu sein. Von Information und Austausch über Scheißjobs, über Tipps und Trick mit dem Umgang mit Arbeitslosen und Sozialämtern bis hin zu Vernetzung, Sabotage, Aktion, Widerstand und Streik, über all das wird auf dem Forum diskutiert. Oft bleibt Gesagtes nicht nur virtuell, sondern findet auch reale Umsetzung.

Der Name „Chefduzen“ hat zumindest einen zweifachen Hintergrund. Zum einen als Charakteristikum „neuer“ Arbeitsverhältnisse: alles ist locker, es gibt keine oder „flache“ Hierarchien; Der Lohn ist niedrig, Überstunden werden nicht bezahlt, aber als selbstverständlich angenommen – dafür ist der Kaffee gratis und du darfst deineN ChefIn duzen. Für die „alten“ noch fordistisch angehauchten Arbeitsverhältnisse symbolisiert er hingegen eine gewisse Respektlosigkeit gegenüber den Vorgesetzten.

Das Internet als Werkzeug Kampfwerkzeug

Die Idee war, das Internet als Werkzeug zu nutzen um sich auszutauschen, so eineR der BetreiberInnen des Forums. Neben der Möglichkeit einfach Dampf vom täglichen Arbeitsfrust abzulassen werden hier Informationen und Tipps ausgetauscht (einige ForumsuserInnen stellen ihre professionellen Rechts- und Schuldenberatungskentnisse zur Verfügung) und – und das ist vielleicht einer der größten Vorteile – es besteht die Möglichkeit andere unter ähnlichen Arbeitsbedingungen leidende kennen zu lernen. Ob Museeumsaufsicht, im Call-Center, als Deutsch-als-FremdspracheLeherIn oder wie und wo auch immer prekär beschäftigt, die Arbeit findet oft vereinzelt statt und es besteht kein Kontakt zu jenen KollegInnen die in anderen Einsatzorten oder Firmen beschäftigt sind. Chefduzen soll dabei helfen sich zu vernetzen und damit die Grundlage für gemeinsames Handeln und Organisierung bieten. Das Forum reicht dabei mittlerweile weit über innerlinke Diskussionszirkel hinaus. Auch die Spaltung zwischen fix Beschäftigten, Arbeitslosen und prekär Beschäftigten wird hier zumindest virtuell aufgehoben.

Ämter-Blues & Gesundheitswesen
Die am meistbesuchten Bereiche des „Forums der Ausgebeuteten“ sind der Arbeitslosenbereich Ämter-Blues, Leih- und Zeitarbeit sowie New Economy und hierbei vor allem die Call Centers. Daneben finden sich aber ebenso Threads zum Öffentlichen Dienst, einzelnen Betrieben, Zivil- und Präsenzdienst, Schwarzarbeit, 1-Euro-Jobs, Handel und alles mögliche und unmögliche mehr. Es gibt sowohl thematisch-inhaltliche als auch regionale bzw. branchenspezifische Gliederungen. Entstanden sind die jeweiligen Bereiche aus den Bedürfnissen der ForumsnutzerInnen selbst. Bei Bedarf werden neue Kategorien eingerichtet. Mit mittlerweile über 2300 registrierte Mitgliedern, rund 60 Beiträgen und 2000 Zugriffen täglich kann chefduzen.de wohl als Erfolgsgeschichte betrachtet werden. Wahrscheinlich, weil in den Diskussionen auf innerlinke ideologische Grabenkämpfe verzichtet wird, und (deshalb?) der NutzerInnenkreis auch weit über die organisierte Linke hinausgeht. Ob sich aus den Kommunikationsformen auch „handfestere“ (Arbeits)Kämpfe entwickeln, ist schwer zu sagen, jedenfalls entstehen teilweise auch jenseits des virtuellen Forums nach guter alter Tradition NutzerInnenstammtische.

Vom Klagen und Loben ...
Der Boom von Chefduzen verdankt sich aber nicht nur seiner Adäquatheit gegenüber neuen Arbeits- und Lebensformen, sondern auch der Aktivität bundesdeutscher Gerichte: Nachdem das Forum mehrfach von Firmen geklagt wurde (UserInnen berichteten über strafrechtliche relevante Internas von Unternehmen, „üble Nachrede“ heißt das dann statt „Üble Firmenpraktiken“), wurden erst Internetmedien, bald aber auch die bürgerliche Presse hellhörig und Chefduzen dadurch breitere Bekanntheit verschafft. Wie sagte einst der große Vorsitzende Mao: Wenn der Feind uns bekämpft ist das gut und nicht schlecht! Stehen Klagen ins Haus, greifen die Chefduzen-AktivistInnen neuerdings zu Mitteln, die auch den Unterhaltungswert des Forums erhöhen: Die inkriminierten Stellen in Postings werden ins exakte Gegenteil verkehrt, die genau bezeichneten Praktiken der Firmen in den höchsten Tönen gelobt, die Firma als Paradies der Werktätigen gepriesen. Amen! Und übrigens, Gerüchte über NachahmungstäterInnen hierzulande verdichten sich, also vielleicht schon in Bälde:
Chefduzen.at
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« Antworten #21 am: 25. November 2006, 18:26:15 »

aus SYNDIKAL
Kalender für das Ende der Lohnarbeit (2007):

Zitat
CHEFDUZEN.DE
Klassenkampf online


Neben vielem überflüssigen, welches das World Wide Web zu bieten hat, findet man dort gelegentlich auch interessante Entwicklungen. Es gibt massive Versuche der Ausgebeuteten sich mit Hilfe des Netzes zu organisieren im Rahmen eines Betriebes, einer Branche oder darüber hinaus, wie bei chefduzen.de.

chefduzen.de hat sich zu der größten deutschen Plattform auf dem Gebiet entwickelt, die sich zu Aufgabe gemacht hat die vorhandenen Spaltungen zwischen dem ersten und dem zweiten Arbeitsmarkt und der industriellen Reservearmee zu überwinden.

chefduzen.de
ist ein erfolgreicher Versuch proletarischer Selbsthilfe gegen Ausbeutung, Ämterstreß und Verarmung: chefduzen.de. wird täglich von ca. 2000 Menschen genutzt um sich hier auszutauschen was man individuell gegen die Probleme machen kann und auch wie kollektiv gegen die Misere vorzugehen ist.

chefduzen.de. gibt so tiefe Einblicke in die soziale Wirklichkeit des Landes, daß die Mainstreammedien zu den täglichen Besuchern des Forums gehören, weil man sich hier in die sozialen Abgründe begeben kann ohne den Bürosessel zu verlassen und ohne sich die Finger schmutzig zu machen bei der Recherche.

chefduzen.de. wird von den Ausbeutern als so ernste Bedrohung gesehen, daß sie das Forum und ihre Autoren unter permanenten Druck setzen. Die Forumsbetreiber wurden mit juristisch schwerem Geschütz angegriffen: Unter Androhung von bis zu 250000 EUR Zwangsgeld bzw. 6 Monaten Knast wurden sie gezwungen Beiträge zu entfernen. Einige Autoren bezahlten ihre Entscheidung Probleme mit dem Job öffentlich zu machen damit gefeuert, auf schwarze Listen gesetzt oder massiv physisch bedroht zu werden.

chefduzen.de. wird mehrheitlich von einfachen Leuten, den Verlierern dieses Wirtschaftssystems genutzt und die "Linken" sind eine Minderheit, die hier probieren kann inwieweit sie überhaupt verstanden wird vom "revolutionären Subjekt", bzw. ob ihre Ideen auch zu politischen Anwendung taugen. Die Entwicklung ist offen und es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Underdogs in diesen Verhältnissen Kampfformen und Kämpfe gegen das Kapital jenseits der Politszene entwickeln.

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« Antworten #22 am: 19. März 2007, 23:27:32 »

konkret Heft 03 2007

Zitat
Andere können nicht mal zwei Steine aufeinandersetzen, wie die Verfasser der Internetsite "Chefduzen - Das Forum der Ausgebeuteten", die gegen "Kriegsapologeten" ins Feld ziehen:

"Es ist still geworden um die Schwätzer, die noch von anno dunnemals in dem Ruf stehen, ‚links' zu sein. Sie haben sich längst eingerichtet und sind dem herrschenden System in den Arsch gekrochen. Sie waren sich nicht zu schade, den Angriffskrieg auf den Irak gutzuheißen. Wolf Biermann, Hermann L. Gremliza und Hans Magnus Enzensberger haben es natürlich nicht nötig, sich für eine ‚Fehleinschätzung' zu entschuldigen, voll mit irre teurem Rotwein torkeln sie zur Entgegennahme von Literaturpreisen, während Büchner im Grabe rotiert. Der deutsche Kulturbetrieb funktioniert wie geschmiert!"

Wann Arschkriecher Gremliza sich nicht zu schade war, von Enzensberger den Wolf-Biermann-Preis (oder von irgendwem irgendeinen anderen) entgegenzunehmen, verschweigt der Ausgebeuteten Höflichkeit.

https://ssl.kundenserver.de/bestellung.konkret-verlage.de/kvv/von.php?jahr=2007&mon=03
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Kater


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« Antworten #23 am: 20. März 2007, 00:15:26 »

Zitat
Original von admin
konkret Heft 03 2007

Zitat
Wann Arschkriecher Gremliza sich nicht zu schade war, von Enzensberger den Wolf-Biermann-Preis (oder von irgendwem irgendeinen anderen) entgegenzunehmen, verschweigt der Ausgebeuteten Höflichkeit.

https://ssl.kundenserver.de/bestellung.konkret-verlage.de/kvv/von.php?jahr=2007&mon=03

Gremliza möchte auch mal einen Preis. wer erhört ihn?
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« Antworten #24 am: 17. Mai 2007, 12:02:47 »

Aus der Broschüre Broschüre "Hier&Jetzt - Eine Anleitung für ein schönes Leben" kurz vor dem Berliner Mayday 2007 in einer Auflage von 7000 Exemplaren erschienen:

Zitat
Ein Versuch,den Informationsaustausch und die Diskussion zwischen Erwerbslosen und Malochenden, zwischen Stammbelegschaften, LeiharbeiterInnen und Scheinselbstständigen zu ermöglichen, bestand in der Einrichtung der Internetplattform http://www.chefduzen.de – dem ›Forum der Ausgebeuteten‹ .Und dieses Internetprojekt wurde besser angenommen als je von de OrganisatorInnen erhofft. Es tauschen sich dort inzwischen auch diejenigen aus, die weder von Gewerkschaften noch von den Linken erreicht werden. Ich-ag lerInnen, Leute aus Drückerkolonnen, LeiharbeiterInnen, SchwarzarbeiterInnen, Leute die von ihren Knasterfahrungen, ihrem Leben ohne Krankenversicherung oder von Obdachlosigkeit berichten. Etwa 2.000 Menschen tauschen sich täglich über
Probleme mit Job, Ämtern oder Schulden aus und suchen nach individuellen Lösungen oder Möglichkeiten, sich kollektiv zu wehren.

Chefduzen.de hat bisher allen Angriffen aus der rechten Szene und von Ausbeutern standgehalten. Die Möglichkeiten im Netz werden von der Plattform weitgehend ausgereizt: Zahllose Male haben sich die User über Rechte, Tricks und Kniffe gegenseitig aufgeklärt, was im wirklichen Leben oft eine Hilfe war und sich immer wieder auch ökonomisch ausgezahlt hat.

Der Austausch im Netz ist aber nur ein erster Schritt. Es ist noch viel zu tun,damit sich kollektive Kämpfe entwickeln können. An verschiedenen Orten haben sich Leute zu Stammtischen verabredet. Es ist aber wohl noch ein weiter Weg zu Basisgruppen, wie sie z.B.in Argentinien existieren. Ansätze gab es ja bereits beim Wilden Streik bei opel Bochum, wo Anwoh-
nerInnen, Erwerbslose und Leute aus anderen Betrieben den betrieblichen Kampf von außen unterstützten. Der Generalstreik in Spanien gegen die Verschlechterung der Bedingungen von Arbeitslosen und der österreichische Generalstreik gegen die Heraufsetzung des Rentenalters zeigen,dass Kämpfe auch über den Tellerrand der Firma oder eigenen Situation hinausgehen können.

Karsten, http://www.chefduzen.de


Auf http://www.nadir.org/nadir/initiativ/fels/de/2007/05/401.shtml gibt es die Möglichkeit, sich die Broschüre downzuloaden (Allerdings ohne Cover). Falls ihr noch nicht, oder nicht ausreichend mit Exemplaren ausgestattet seid, lassen wir euch gerne welche per Post zukommen, ihr könnt sie aber auch im Fusion, in der Skalitzer Strasse 67 in Kreuzberg abholen (Geöffnet: Donnerstag & Freitag 14.00 - 19.00 Uhr, Samstag 14.00 - 16.00 Uhr). Ansonsten schickt uns dazu einfach eine Mail mit der gewünschten Anzahl und eine Lieferadresse und wir kümmern uns um den Versand.
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