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Autor Thema: Chefduzen Medienecho  (Gelesen 91000 mal)
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admin
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Beiträge: 2285


« Antworten #75 am: 05. Juli 2010, 21:22:01 »

Zitat
Gegen Ausbeuter:
Chefduzen nicht nur virtuell


Das in Kiel gegründete „Forum der Ausgebeuteten“ www.chefduzen.de hat es sich nach acht Jahren Aktivität bei den Ausbeutern gründlich verscherzt. Der Ordner mit juristischen Drohungen platzt aus allen Nähten und es entstanden daraus den Betreibern Kosten über mehrere Tausend Euro. Die erste Firma, die sich mit chefduzen anlegte, ist inzwischen pleite, das Anwaltsbüro, das die Abmahnung betrieb, gibt es auch auch nicht mehr. Der eine Anwalt (Bernhard Syndikus) ist rechtskräftig  verurteilt zu zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe (auf Bewährung), sowie zu einer Geldstrafe in Höhe von 90.000 Euro, sein Kompagnon (der berüchtigte Abmahnanwalt Günter Freiherr von Gravenreuth) erschoss sich, um den Weg in den Knast zu umgehen. Die Gegner der offenen Diskussion über Ausbeutung nehmen es nicht so genau mit dem Gesetz, sie bezahlen auch mal Hacker für eine Attacke auf das Kieler Forum. Aber selbst die Kripo Kiel wandte sich auch an das Forum, um Kontakt zu ehemaligen Mitarbeitern eines Callcenters zu bekommen, das sowohl Kunden, als auch die eigenen Mitarbeiter abzockte. Man wolle „den kriminellen Sumpf endlich trockenlegen“ erklärte der Kommissar dem Forumsbetreiber.

Wenn schon der virtuelle Austausch von Ausgebeuteten ein rotes Tuch für Ausbeuter ist, muss das reale Zusammenkommen der Proletarier für sie die Hölle sein. Chefduzenaktivisten organisierten gemeinsam mit der FAU eine Infoveranstaltung über die  Wirtschaftskrise. Aus der gut besuchten Veranstaltung im Subrosa erwuchs das „Krisentreffen“, das sich vorgenommen hat, Kämpfe in der Region zu unterstützen und zu vernetzen. Es gab eine Aktion, in der mit Plakaten und verklebte Flyern über aktuelle Auseinandersetzungen in Zeiten der Krise bekannt gemacht wurden, von den Aktionen der Milchbauern über Studentenproteste bis zu einer Kundgebung von HDW Arbeitern. Der Bildungssektor wurde näher unter die Lupe genommen, man traf sich mit Kita-Mitarbeitern und Aktivisten der Studenten- und Schülerproteste. Es geht darum die Gemeinsamkeiten der Kämpfe klarzustellen, damit auch die Kämpfe zusammenkommen können. Eine Veranstaltung mit Aktivisten dieser Kämpfe ist in der Pumpe geplant.

In Zeiten des Ausverkaufs des Staatsbetriebe hat sich aus Chefduzenkreisen auch eine Initiative zu den Postdienstleistern gegründet. Es geht um den Informations- austausch zwischen Leuten, die in den verschiedensten Jobs der Post arbeiten und denjenigen, die bereits in prekären Jobs bei privaten Brief- und Paketdienstleistern malochen. Aktuell geht es nun auch um die Unterstützung von dem Kampf gegen Lohndumping bei den Kieler Nachrichten. Die KN versucht durch Leiharbeit und nach der Betriebsratsgründung der Leiharbeiter und Austausch des Personals sich im Unterbieten von Arbeitsbedingungen. Es gibt enge Kontakte zu den kämpferischen Leiharbeitern.

Und zu guter Letzt soll noch darauf hingewiesen werden, dass es auch einmal monatlich einen chefduzen-Stammtisch in der Bambule gibt. Es geht um einen ungezwungenen Austausch und auch um ein nettes Beieinander, denn auch das ist ein Schritt um die Vereinzelung zu überwinden. Unter der Webadresse des Forums findet man aktuelle Infos in der Rubrik „Termine“.
http://www.sozialismus-jetzt.de/LinX-2010/LinX-2010-07/Chefduzen.html

Zitat
Post und Nachfolgeunternehmen

Bei der Post gibt es noch gut ein Jahr eine Art ausgehandelten Waffenstillstand, dann beginnt das Hauen und Stechen, wenn es um Arbeitsbedingungen und Joberhalt geht. Aber schon jetzt geht es rund bei den ständig sich neugründenden (und manchmal ebenso schnell verschwindenden) Brief- und Paketdienstleistern. Einige wurden als Billigdienstleister von der Post selbst etabliert. Lohndumping und skandalöse Zustände gehören fast schon zur Normalität in der Branche, in denen von Unternehmen bezahlte Pseudogewerkschaften eine traurige Rolle spielen. Selbst innerhalb der Post ist der Informationsfluß zwischen den Mitarbeitern verschiedener Bereiche und Niederlassungen schlecht und es gibt nahezu keine Kontakte zu den anderen Unternehmen der Branche. Deshalb gibt es in Kiel seit gut einem halben Jahr einen Poststammtisch für einen lockeren Austausch. Der nächste findet am 7.7. statt. Es gibt ein großes Interesse daran, diesen Austausch auch überregional zu ermöglichen. Bei chefduzen.de gibt es eine gesonderte Rubrik externer Link für die anonyme Diskussionsmöglichkeit über die Brief- und Paktetdienstleister und zu den kieler Aktivisten kann man Kontakt aufnehmen über post@chefduzen.com
http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/tw/sonstige/postdienste.html
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admin
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Beiträge: 2285


« Antworten #76 am: 16. Dezember 2010, 15:18:55 »

Wikipedia ist nicht neutral und schon oft unter Druck von einflußnehmenden Firmen und Politikern eingeknickt. Eine Kritik an den freenet Callcenter und der dazugehörige Link zu chefduzen.de verschwand bei Wikipedia spurlos. Deshalb halte ich den Wikipediaeintrag zu TECTUM mit dem Stand vom 16.12.2010 hier fest:

Zitat
Arbeitnehmerrechte und Kritik

Neben der durch die Tectum Group selber arrangierten Öffentlichkeitsarbeit durch eigene Pressemitteilungen (openpr.de und tectumgroup.net) ergibt sich bei näherer Betrachtung noch ein anderes, ergänzendes Bild.

    * Die Tectum Group versuchte durch Abmahnungen das öffentliche Mitarbeiterdiskussionportal chefduzen.de zur Löschung unliebsamer Mitarbeiterbeiträge zu zwingen[7]. Medienpräsenz erlangte die Tectum Group auch durch ein WDR-Interview[8] Günter Wallraffs, in welchem dieser die Tectum Group als Firma bezeichnet, "die nicht nur die Auftraggeber sondern auch die Angestellten betrügt".[9] Nach Androhung rechtlicher Schritte gegen den WDR durch den Hausjustiziar der Tectum Group Christoph Kateloe und Verlangen der Preisgabe der journalistischen Quellen Wallraffs oder Zensur der der Tectum Group unliebsamen Passage entfernte der WDR zum Schutz journalistischer Quellen kurzerhand die streitige Aussage im Interview.
http://de.wikipedia.org/wiki/Tectum_Group
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Nikita


Beiträge: 1123



« Antworten #77 am: 07. Februar 2011, 13:45:24 »

Zitat
Zeitarbeit: Nach fünf Rekordjahren trifft die Krise auch die erfolgsverwöhnte Branche
"Menschen sind keine Ware!"

Jan Haarmeyer

Ein Leiharbeiter bei Airbus leidet unter der ständigen Unsicherheit und wünscht sich nichts mehr als eine feste Anstellung.




Foto: Ingo Röhrbein

Hamburg. Zu Beginn des Gesprächs greift Heiko Werner in seine Manteljacke und holt seinen Airbus-Betriebsausweis heraus. "Gucken Sie mal", sagt er, "hier am Rand ist ein weißer Streifen." Gar kein Streifen wäre besser. Denn dann wäre der Maschinenbautechniker einer von 12 000 Mitarbeitern, die zur Stammbelegschaft bei dem Flugzeugbauer südlich der Elbe gehören. Ein roter Streifen auf dem Ausweis allerdings wäre noch schlechter, dann wäre der Mittvierziger nämlich ein sogenannter "Werksvertragler", dessen Arbeitskraft nur für ein bestimmtes Projekt angefordert wird. Der weiße aber, der weist ihn als "Leiharbeiter" aus. Einer von 5000 auf Finkenwerder. Ein LAK, eine Leiharbeitskraft. Nirgendwo in Hamburg gibt es mehr Leiharbeiter als bei Airbus, und nirgendwo in Deutschland gibt es mehr LAK als in Hamburg.

Neben dem weißen Streifen steht in Wahrheit ein anderer Name, aber Heiko möchte seinen nicht in der Zeitung lesen. Das ist leicht zu verstehen, wenn man weiß, dass die Unsicherheit ständiger Begleiter dieser Arbeitnehmer auf Zeit ist. Und die Zeit läuft gerade rückwärts für die Leiharbeiter in Deutschland. Seit Wochen vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendein Unternehmen verkündet, dass es sich aufgrund der Finanzkrise von seinen Leiharbeitern trennen wird.

Den Anfang machte BMW mit dem Abbau von 5000 Zeitarbeitern. 200 bei Ford, 500 bei Deutz, 5000 weltweit bei Continental - die Liste der angekündigten Entlassungen ließe sich fortsetzen. Dabei wird eines oft übersehen: Die fortgeschickten Leiharbeiter landen nicht auf der Straße, sondern zunächst einmal wieder bei ihrer Verleihfirma. Denn mit der haben sie einen Vertrag.

Rund 13 000 solcher Firmen gibt es mittlerweile in Deutschland, der größte Personaldienstleister ist Randstad mit 60 000 Mitarbeitern. Keine Branche ist in den letzten fünf Jahren so rasant gewachsen. Der Boom begann, als Agenda-Kanzler Gerhard Schröder und sein Wirtschaftsminister Wolfgang Clement mit den Hartz-Gesetzen die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes vorantrieben. Durften Zeitarbeiter nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) maximal nur drei Monate an einen Kunden ausgeliehen werden, ist ihr Einsatz bei einem Unternehmen seit 2004 zeitlich unbefristet möglich. Der explosive Effekt: Gab es 2002 rund 260 000 Zeitarbeiter in Deutschland, waren es im Sommer 2008 laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) etwa 750 000. Die Politik hatte es möglich gemacht, dass Firmen sich nach Bedarf ihr Personal dazukaufen konnten - und es auf Knopfdruck auch wieder loswurden, wenn beispielsweise die Aufträge ausbleiben.

Doch das war bisher kaum der Fall. Im Gegenteil: Die Verleihfirmen hatten im Aufschwung der letzten Jahre zunehmend Mühe, gutes Personal zu finden. Auch Heiko Werner, der nach seiner Lehre als technischer Zeichner arbeitslos wurde, sich dann zum Maschinenbautechniker und später auch in Umwelttechnik fortbildete und zweimal durch die Insolvenz seiner Firmen den Job verloren hat, bewarb sich schließlich bei einer Verleihfirma - und landete so vor zweieinhalb Jahren bei Airbus, wo er heute in einer Konstruktionsabteilung arbeitet. "Ich dachte damals, na gut, zwei Jahre als Leiharbeiter bei Airbus, dann kriegst du sicher eine feste Anstellung."

Heiko Werner ist, wie er sagt, "kein typischer Leiharbeiter sondern privilegiert". Weil zum einen bei Airbus das Prinzip gelte: gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Und weil er nicht wie die Mehrzahl der Zeitarbeiter auf Finkenwerder in der Produktion arbeitet, Schichtdienst hat und pro Stunde bezahlt wird, sondern als Angestellter ein Grundgehalt von 3400 Euro brutto erhält. Wobei seine Firma ihm nur die tariflichen 2700 Euro zahlt, die Differenz übernimmt Airbus. Zahlt also kräftig drauf, doch das ist sozusagen der Preis für die erkaufte Flexibilität. Dafür arbeitet Heiko 35 Stunden in der Woche. Er hat ein Arbeitszeitkonto, darf bis zu 150 Plus- oder 20 Minusstunden anhäufen. Seine Verleihfirma hat einen Tarifvertrag mit dem Interessenverband deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ), danach hätte er einen Urlaubsanspruch von 27 Tagen. "Aber da ich bei Airbus bin, habe ich 30 Tage Urlaub." Vom siebten Monat des Beschäftigungsverhältnisses an gelten auch für ihn die gesetzlichen Kündigungsfristen. "Das Problem ist, wenn Airbus meinem Verleiher sagt, wir brauchen deine Leute nicht mehr, geschieht das innerhalb von 14 Tagen. Und wenn mein Verleiher dann nicht innerhalb von vier Wochen einen neuen Kunden findet, wird er mich kündigen - und ich bin wieder arbeitslos."

Da es der Branche bisher so gut ging, ist dieses Szenario eher selten, könnte aber in den nächsten Monaten ein großes Thema werden. Das Bundesarbeitsgericht hat in einem Urteil von 2006 geklärt, was in der Zeitarbeitsbranche nicht geht: eine betriebsbedingte Kündigung, weil es kurzfristig keine Aufträge gibt.

Ist Zeitarbeit also gar kein Fluch, sondern ein Segen, weil ja jetzt die Verleihfirma das wirtschaftliche Risiko trägt? Sind Leiharbeiter gar keine "Arbeitnehmer zweiter Klasse", wie der Deutsche Gewerkschaftsbund klagt, weil sie meist nicht nur schlechter bezahlt werden, sondern auch das höhere Entlassungsrisiko tragen? Ist es etwa übertrieben, wenn "Jürgen2" bei www.chefduzen.de, wo haarsträubende Erfahrungsberichte mit Zeitarbeitsfirmen geschildert werden, schreibt: "Man muss sich immer bewusst sein, die sehen dich nicht als Mensch und Arbeitnehmer, sondern als Kostenfaktor und Rohstoff." Hat Heiko Werner Unrecht, wenn er sagt: "Ich finde es in höchstem Maße unmoralisch, dass man Menschen genauso leihen kann wie eine Packung Schrauben. Menschen sind keine Ware!"

Aber Manövriermasse - gebraucht in guten Zeiten, abgestoßen in der Krise?

Missstände gibt es genug. In einem "Schwarzweißbuch" hat die IG Metall zahlreiche Beispiele aufgeführt. "Der Grundsatz 'Gleicher Lohn für gleiche Arbeit' wird bei der Leiharbeit massiv verletzt", sagte IG-Metall-Vize Detlef Wetzel bei der Buchpräsentation. Und damit würde das in Artikel 23 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte genannte Recht auf gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit missachtet. In keiner anderen Branche in Deutschland seien Armutslöhne so verbreitet. "Jeder achte Leiharbeiter bezieht lediglich einen Armutslohn", sagte Wetzel und berichtete von dem Fall eines Leiharbeiters, der einen Arbeitsvertrag mit einer Zeitarbeitsfirma unterschreiben musste, weil ihm sonst das Arbeitslosengeld II gestrichen worden wäre. Nach 120 Stunden Arbeit im Monat seien ihm 575 Euro geblieben.

Heiko Werner erzählt von einem Kollegen aus dem "Arbeitskreis Leiharbeiter", der seine Verleihfirma auf Zahlung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld verklagt hat. Denn auch das sieht die Vereinbarung Siduflex (Sicherheit durch Flexibilität) vor, die Airbus mit dem Betriebsrat geschlossen hat. Dafür verpflichtete sich der Flugzeugbauer, bis 2012 keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen und durfte im Gegenzug Zeitarbeiter verpflichten. Der Ingenieur bekam recht - und wurde prompt von seinem Verleiher bei Airbus abgemeldet. Werner: "Das hast du davon, wenn du dich wehrst und dein Recht einklagst."

Mit Klagen kennt sich Heike Trost aus. Und vielleicht ist der Platz zwischen allen Stühlen ihr bevorzugter. Sie ist Gewerkschafterin, arbeitet seit 13 Jahren bei Adecco in Hamburg - und ist seit knapp einem Jahr Betriebsratsvorsitzende der Zeitarbeitsfirma. "Die meisten unserer 500 Mitarbeiter haben unbefristete Verträge", schickt die 45-Jährige gleich vorweg. Und dass es in der Krise nun den Zeitarbeitern als Ersten an den Kragen gehen wird, glaubt sie überhaupt nicht. Im Gegenteil. "Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist bei uns geringer als bei jedem Unternehmen. Wenn dort die Leute entlassen werden, stehen sie am nächsten Tag auf der Straße. Bei uns aber sind sie nicht an ein Unternehmen gebunden, da geht es nur um ihre persönliche Qualifikation." Richtig sei die Formel: je geringer die Qualifikation, desto größer die Unsicherheit. Auf Versammlungen der IG Metall könnte sie jedes Mal "in die Luft gehen", wenn dort von modernem Sklavenhandel geredet wird. Und dann erzählt sie von ihrem Sohn, der Tischler gelernt hat. Als die Branche schwächelte, hat er sie gefragt, ob nicht auch Zeitarbeit was für ihn sei? "Ich habe ihm gesagt: Erstens hast du dann überhaupt Arbeit, zweitens sammelst du Erfahrungen im Beruf, und drittens kannst du vielleicht in eine Festanstellung reinrutschen", erzählt die dreifache Mutter. Sie untermauert ihr Plädoyer für Zeitarbeit durch Zahlen: Durch den Tarifvertrag mit dem Bundesverband Zeitarbeit (BZA) garantiert Adecco einen Einstiegslohn für Hilfsarbeiten ohne Ausbildung von 7,38 Euro im Westen (6,42 Euro im Osten).

Na wunderbar, möchte man sagen, doch dann kommt das arbeitgebernahe Institut für Wirtschaft und Gesellschaft und erklärt: "Neben der Überbrückung von personellen Engpässen wird Zeitarbeit zunehmend strategisch eingesetzt, das heißt zur Senkung der Arbeitskosten." Und die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hat bei einer Betriebsrätebefragung herausgefunden, dass "jeder vierte Betrieb Stammbeschäftigte durch Leihkräfte ersetzt". Kein Wunder, dass die Zeitarbeiterquote in manchen Unternehmen auf mehr als 20 Prozent hochgeschnellt ist. "In diesen Betrieben", so Wetzel, "wollen die Arbeitgeber einen Niedriglohnsektor etablieren, nichts anderes." Eine bedenkliche Entwicklung, da laut einer Studie der Technischen Universität Darmstadt die meisten Leiharbeiter ihre Situation als extrem belastend ansehen. Ständig neue Einsatzorte, neue Aufgaben, neue Kollegen - darunter leide das Privatleben. Leiharbeit, so das Fazit, biete außerdem kaum Zukunftsperspektiven, weil es wegen fehlender Qualifikationsmöglichkeiten wenig berufliche Aufstiegsmöglichkeiten gebe.

Heike Trost dagegen verweist auf Weiterbildungsprogramme, die ihre Firma anbietet. Und sie schätzt, dass ein Drittel ihrer Mitarbeiter sich ganz bewusst für die Zeitarbeit entschieden hätten: "Die wollen nicht immer dasselbe machen. Die sind neugierig: Was passiert beim nächsten Chef?"

Auch Heiko Werner kennt solche "total verrückten Kollegen, die darauf stehen, mal woanders eingesetzt zu werden, weil sie was von der Welt sehen wollen". Aber das sind "kuriose Ausnahmen". Und auf ihn trifft das schon gar nicht zu. Sein Lebensgefühl werde von "totaler Unsicherheit" dominiert. "Du weißt einfach nicht, bist du nächstes Jahr noch in diesem gut bezahlten Job oder nicht? An Geschichten wie Riester oder so ist gar nicht zu denken. Es nervt, weil du einfach keine Chance hast, irgendetwas zu planen."

Was er sich wünscht? "Dass wir Leiharbeiter nach einer gewissen Zeit im Betrieb bei Festanstellungen als Erste gefragt werden." Das könne man relativ einfach über Betriebsvereinbarungen regeln. Es sei doch absurd, dass man jahrelang mit einem fest angestellten Kollegen den Schreibtisch teile, und wenn der in Ruhestand geht, werde die Stelle extern ausgeschrieben und jemand von außen geholt. Warum nimmt man dann nicht ihn? Dann wäre auch der weiße Streifen weg.[/size]
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Jester


Beiträge: 203


« Antworten #78 am: 07. Februar 2011, 16:15:40 »

Zitat
Heike Trost dagegen verweist auf Weiterbildungsprogramme, die ihre Firma anbietet. Und sie schätzt, dass ein Drittel ihrer Mitarbeiter sich ganz bewusst für die Zeitarbeit entschieden hätten: "Die wollen nicht immer dasselbe machen. Die sind neugierig: Was passiert beim nächsten Chef?"

Heike ist wohl nicht mehr ganz bei Trost!
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admin
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Beiträge: 2285


« Antworten #79 am: 22. April 2011, 17:39:58 »

Zitat
Käfighaltung im Callcenter
Die Callcenter-Branche boomt, die Gewinne steigen, aber nicht die Löhne derer, die diese Gewinne erwirtschaften.


„Ohne Worte. Mit Dank an die Linkspartei.“ Im Internetblog „chefduzen.de – das Forum der Ausgebeuteten“ hat die Bloggerin Nikita ein Informationsblatt der Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann als PDF-Datei hinterlegt, das über Ergebnisse einer Bundestagsanfrage der Fraktion DIE LINKE informiert. Die Anfrage trug den Titel „Fehlende Mindeststandards in der Callcenter-Branche“. Sie ist im Oktober 2010 von der Bundesregierung beantwortet worden.


Arbeit unter Druck und Aufsicht

Sabine Zimmermann begründet, warum sie sich sowohl im Jahr 2009 als auch in diesem mit einer Kleinen Anfrage zum Thema Callcenter an die Bundesregierung gewandt hat. Vor zwei Jahren hatten Betriebsräte aus der Callcenter-Branche sie im Bundestag besucht. „Ich konnte kaum glauben, was die Kolleginnen und Kollegen über ihre Arbeit berichteten: Überwachung, enormer Arbeitsdruck und Hungerlöhne von fünf bis sieben Euro...


Der vollstänge Bericht: http://www.linksfraktion.de/clara/maerchen-jobwunderland/kaefighaltung-callcenter-2010-12-08/
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Eivisskat
Gast
« Antworten #80 am: 22. April 2011, 18:40:00 »

Wieso "Konnte sie es denn kaum glauben", die dumme Gans?

Wo leben diese Leute, was haben die immer noch für ein seltsames, eingeschränktes Weltbild, auch in der Linkspartei?

Wo informieren die sich, was lesen die denn bloß, um Bescheid zu wissen, was in diesem Land seit Jahrzehnten abgeht  Huh?

Nicht erst seit 2010 sind die haarsträubenden Zustände in den CC landesweit bekannt, im Rest der westlichen Welt vermutlich ebenso. Tausende von Forenbeiträgen betroffener Agenten, Berichte und Reportagen, selbst Wallraff hat sich bemüht und DIE kommt jetzt erst aus ihrem Mustopp und "Kann es kaum glauben"?

ICH glaube es mal wieder auch nicht!  Roll Eyes



Frohe Ostern!





« Letzte Änderung: 22. April 2011, 18:43:35 von Eivisskat » Gespeichert
admin
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Beiträge: 2285


« Antworten #81 am: 17. Mai 2011, 17:50:25 »

Zitat
KielKontrovers

Politblog aus Kiel



Kiel, 8. Mai: Per Internet zur Revolution?

oder:
Wie geht Klassenkampf heute?

In Kiel:
Sonntag, 8. Mai 2011 ab 19 Uhr
PUMPE, Haßstraße 22

In Lübeck:
Montag, 9. Mai 2011 ab 19 Uhr
DGB-Haus – Holstentorplatz 1-5
Raum 3 / 4 (Erdgeschoss)




Durch die Medien geistert die These, das Internet und speziell Facebook seien verantwortlich für die Unruhen in der arabischen Welt. Für wirkungsvolle Kämpfe muß jedoch einiges mehr zusammenkommen als ein wenig Digitaltechik. Zwei der erfolgreichsten deutschen politischen Internetprojekte stellen sich vor, berichten von ihren Erfahrungen und diskutieren zeitgemäße und altbewährte Methoden sich zu organisieren.

Wir sind es leid immer nur Kämpfe in anderen Ländern zu konsumieren, egal ob in Frankreich, Griechenland oder in Nordafrika. Wir wollen die Verhältnisse auch hier zum Tanzen bringen. Dazu muß man sich mit den Ausbeutungsverhältnissen vor Ort auseinandersetzen. Zwei klassenkämpferische Projekte, die das Internet nutzen um Nachrichten aus der Welt der Ausbeutung zu verbreiten und zeitgemäße Formen der Selbstorganisation und Kampfformen für ein besseres Leben zu
unterstützen, kommen auf dieser Veranstaltung zu Wort. Die Referenten
sind: Mag Wompel, Betreiberin des LabourNet („Treffpunkt für Ungehorsame, mit und ohne Job, gesellschaftskritisch“) und Karsten Weber, Gründer von chefduzen.de, dem „Forum der Ausgebeuteten“, das inzwischen Schwesterprojekte in Österreich und der Schweiz hat.

Über die Referenten der Veranstaltung:

Mag Wompel ist Industriesoziologin und freie Journalistin. 1960 in Polen geboren, als Teenager über die Schweiz und etliche Stationen im Ruhrgebiet, Bochum, gelandet. Mitglied nationaler und internationaler Vernetzungsinitiativen kritischer/oppositioneller GewerkschafterInnen und Autorin industriesoziologischer und gewerkschafts- wie sozialpolitischer Veröffentlichungen. Verantwortliche Redakteurin des LabourNet Germany seit 1997.

Karsten Weber ist Energieanlagenelektroniker und Filmemacher. 1960 in Neumünster geboren und lebt heute in Kiel. Das Interesse an politischer und kultureller Selbstbestimmung und an einem internationalen Austausch führten zu zahlreichen Kontakten nach Groß Britannien und China. Seit 2002  presserechtlich verantwortlich für das Internetforum chefduzen.de


Es ist eine Veranstaltung für die Rebellion in unseren Breiten. Eine Abrechnung mit Sackgassen der traditionellen Gewerkschaftsbewegung. Klassenkampf ohne den Muff der Funktionäre. Eine Suche nach den Stärken der vergangenen Kämpfe der Arbeiter- und sozialen Bewegungen. Es geht um Gemeinsamkeiten einer zersplitterten Klasse (in Stammbelegschaften, Leiharbeiter, Tagelöhner, Scheinselbständige und die Reservearmee der Erwerbslosen), es geht um Grenzüberschreitung im Wortsinne und um das Erkennen der eigenen Macht. Es geht um Wege uns ein besseres Leben zu erkämpfen.

Die Projekte im Web:
www.chefduzen.de
www.labournet.de
http://kielkontrovers.wordpress.com/2011/04/29/kiel-8-mai-per-internet-zur-revolution-oder-wie-geht-klassenkampf-heute/
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admin
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Beiträge: 2285


« Antworten #82 am: 17. Mai 2011, 18:37:45 »

Ich empfinde es als eine besondere Ehre, daß die älteste linke Zeitung in Deutschland, die ARBEITERPOLITIK sich für chefduzen.de interessiert und ein Interview geführt hat.

Ich kann die Lektüre dieses ausführlichen Interviews nur empfehlen, denn es spiegelt recht gut den Forenbetrieb über 8 Jahre, bzw. die Gedanken und internen Diskussionen darüber wider.















www.arbeiterpolitik.de
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antonov


Beiträge: 1516


« Antworten #83 am: 19. Mai 2011, 01:46:24 »

nettes interview, aber, war das jetzt mit dem österreichischen forum ein unfall oder absicht

hmm, naja wurscht, ich kann sorgen haben
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Beiträge: 2285


« Antworten #84 am: 24. Juni 2011, 16:57:49 »

Zitat
Kilometerfresser - Auf dem Highway ist die Hölle los

Kilometerfresser - Kraftfahrer/in wie ist deine Arbeitssituation ? aktion von kilometerfresser und chefduzen


„Wir erinnern uns noch an die Dieselproteste und Blockadeaktion im Jahr 2008.Doch das Problem war weniger die damaligen hohen Dieselpreise, diese übrigens heute noch weitaus höher sind. Es sollten auch die schon damaligen enorm Menschen unwürdigen Arbeitsbedingungen von vielen Fahrern/innen, die sich keines Wegs verbessert haben, im Mittelpunkt stehen. Durch die Wirtschaftskrise 2008 erfolgte eine weitere Verschlechterung der Bedingungen. Heute brummt die Wirtschaft, der Gütertransport auf der Straße ist im letzten ja so enorm angestiegen und es wird händeringend nach qualifizierten und zuverlässigen Fahrpersonal gesucht. Die wenigsten Firmeninhaber oder Konsortien sind bereit die heutigen Mehreinnahmen und Gewinne zum Teil an ihr Personal weiter zu geben oder in neue Technik zu investieren. Der sozialen Abschwung für das Fahrpersonal, besonders in den NBL , setzt sich trotz der florierenden Wirtschaft immer weiter fort, teilweise haben die Arbeits - und Arbeitsschutzbedingungen für die Kraftfahrer noch weiter verschlechtert. (…) Beteiligt euch an der Gemeinschaftsaktion von Kilometerfresser und Chefduzen.de!...“ kilometerfresser und chefduzen: gemeinsame aktion gegen schlechte arbeitsbedingungen von fahrpersonal. Siehe dort auch
  
die Umfrage: Kraftfahrer/in wie ist euer Lohn bei welcher Arbeitszeit pro Woche ?
http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/tw/sonstige/muede.html
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admin
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Beiträge: 2285


« Antworten #85 am: 20. März 2016, 11:57:12 »

Zitat
Die Betreiber von "Chefduzen" sind "problematische" Charaktere...

... um das mal nett auszudrücken. Ich sehe da eher medizinisch (psychologisch) relevante Probleme (Störungen).
Da werden Nutzer auch mal willkürlich gesperrt.
Es reicht schon wenn jemand im Spaß, und ohne einen problemtischen Zusammenhang das Wort "Bombe" fallen lässt.

Das sind geschlagene Hunde, die vor Juristen etc. klein beigeben, aber jeden der erwähnt das man so etwas auch anonym betreiben kann angiften und mit "Feigling" etc. verleumden.
Ganz jämmerlich.....
Also entweder ignoriert man jegliche Drohungen und Urteile, oder man betreibt so eine Seite konsequent(erweise) anonym.
http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Arbeit-oder-Ausbeutung-wo-andere-Urlaub-machen/Die-Betreiber-von-Chefduzen-sind-problematische-Charaktere/posting-24738904/show/

 Grin
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Rudolf Rocker
Waldkauz


Beiträge: 12815



WWW
« Antworten #86 am: 20. März 2016, 12:12:54 »

Na, da war wohl wieder ein Internet- Workshop in der Klappse! Grin
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
Rappelkistenrebell


Beiträge: 2853



WWW
« Antworten #87 am: 20. März 2016, 12:19:26 »

Der Schmierfink hat mit desem Artikel die Mutprobe seiner Selbsthilfegruppe bestanden  Grin
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Gegen System und Kapital!


www.jungewelt.de
The-watcher
Gast
« Antworten #88 am: 20. März 2016, 14:44:04 »

-
« Letzte Änderung: 20. März 2016, 15:33:04 von The-watcher » Gespeichert
Kuddel


Beiträge: 11226


« Antworten #89 am: 20. März 2016, 15:13:18 »

Boah, wie eingeschüchtert kann man nur sein?

The-watcher, ich habe deine kritische Grundhaltung stets geschätzt, doch was reitet dich hier!?!?

Und irgendwie vermischt du den journalististischen Beitrag und den Leserbrief eines Schwachmaten. Leserbriefe dürfen doof sein, denn das fällt nur zurück auf den Autoren. Heise glänzt durch eine Flut unerträglich dummer Leserkommentare.

Der Heise/Telepolis Artikel darüber (CCES24) war aber wichtig. Die Zahl der Reaktionen zeigt auch, welch wunden Punkt er getroffen hat.
"inhaltsleere Beiträge"
Mehr Substanz und Inhalt, als 99.99% aller Medienbeiträge und du spulst dich auf.

"selbst geschadet", "solche Machwerke", ich glaub, ich spinne!
« Letzte Änderung: 20. März 2016, 15:32:40 von Kuddel » Gespeichert
The-watcher
Gast
« Antworten #90 am: 20. März 2016, 15:34:33 »

okay. meine Formulierung war vielleicht schlecht. Deswegen habe ich sie gelöscht.

Was dieser Autor von sich gegeben hat, war inhaltsleer.


Das Du jetzt aber meinst, ich rege mich grundlos über den Autor auf, der dort Unsinn posten darf, verstehe ich nicht. Da finde ich die Wortwahl von Dir übertrieben. Das ganz ehrlich.

p.s.:

ich meinte den Artikel hier:

http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Arbeit-oder-Ausbeutung-wo-andere-Urlaub-machen/Die-Betreiber-von-Chefduzen-sind-problematische-Charaktere/posting-24738904/show/

und nicht den, bei dem Thema in New Economy - vielleicht daher deine Aufregung; ich könnte etwas falsches gemeint haben.
« Letzte Änderung: 20. März 2016, 15:36:28 von The-watcher » Gespeichert
Sunlight


Beiträge: 546



« Antworten #91 am: 20. März 2016, 15:43:41 »

 Cheesy Grin Aber sicher doch und  zu Ostern kommt der Nikolaus:

Zitat
Tobias Claren


18.03.2016 20:35

Die Betreiber von "Chefduzen" sind "problematische" Charaktere...

... um das mal nett auszudrücken. Ich sehe da eher medizinisch (psychologisch) relevante Probleme (Störungen).
Da werden Nutzer auch mal willkürlich gesperrt.
Es reicht schon wenn jemand im Spaß, und ohne einen problemtischen Zusammenhang das Wort "Bombe" fallen lässt.

Das sind geschlagene Hunde, die vor Juristen etc. klein beigeben, aber jeden der erwähnt das man so etwas auch anonym betreiben kann angiften und mit "Feigling" etc. verleumden.
Ganz jämmerlich.....
Also entweder ignoriert man jegliche Drohungen und Urteile, oder man betreibt so eine Seite konsequent(erweise) anonym.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (18.03.2016 20:35).


Klarname stand ja da. Grin Beim Rest setz ich mich auf Finger, besser ist das.
« Letzte Änderung: 20. März 2016, 16:14:07 von Sunlight » Gespeichert

»Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt!«
»Keiner geht allein zum Amt  §13 SGB X«
»Keine Abgabe von Dokumenten ohne Kopie u. Stempel«
»No Nazi Net - Für soziale Netzwerke ohne Nazis«
»Netz gegen Nazis.de«

»»» Wir sind alle Indymedia - Wir sind alle linksunten «««
Rudolf Rocker
Waldkauz


Beiträge: 12815



WWW
« Antworten #92 am: 20. März 2016, 15:54:19 »

Zitat
ich meinte den Artikel hier:
Das ist kein Artikel, sondern ein Kommentar!
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
The-watcher
Gast
« Antworten #93 am: 20. März 2016, 15:56:49 »

Das ist kein Artikel, sondern ein Kommentar!

Okay. Asche auf Mein Haupt, in Ordnung? Ich meinte, Kommentar. Habe die Verlinkung ja richtig angegeben.

Auch an Kuddel gerichtet.  Wink

Sonst irgendwelche Formulierung oder Satzzeichen, die ich falsch gesetzt habe?  Wink
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Rudolf Rocker
Waldkauz


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« Antworten #94 am: 20. März 2016, 16:00:37 »

Nee, alles bestens! Wink
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
Kuddel


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« Antworten #95 am: 20. März 2016, 16:03:54 »

Mmmmpf.
Is ja jut.
Ich reagiere etwas überzogen, wenn ich das Gefühl habe, daß wir uns selbst unserer Waffen entledigen. Und (mediale) Öffentlichkeit (auch wenn diese gern besser gemacht sein könnte/sollte) halte ich für eine unserer Waffen.
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« Antworten #96 am: 19. November 2017, 14:30:55 »

Ich betrachte einfach mal Berichte über die Leihkeule als mediales Feedback zu chefduzen, auch wenn es eher chefduzen-Umfeld ist.


Artikel vom 17.11.17 in der Wolfsbuger Allgemeine Zeitung



Wolfsburger Nachrichten am gleichen Tag.
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« Antworten #97 am: 23. Januar 2018, 17:16:27 »

Zitat
Zitat
DIE LEIHKEULE
Erfahrungen mit einer Kollegenzeitung

2007 erschien  die erste Ausgabe der LEIHKEULE. Die Zeitung von Leiharbeitern für Leiharbeiter  war das Produkt eines langen Online-Austauschs bei chefduzen.de, dem „Forum der Ausgebeuteten“. Die Sklavenhändlerbranche ist ein führendes Thema im Forum, woraus das Bedürfnis entstand, der verbreiteten Unzufriedenheit eine Form und eine Richtung zu geben. Es wurde nach einem Weg gesucht, über individuelle Hilfe durch Rat und Aufklärung und das Ablassen des Frusts über das eigene Schicksal hinauszukommen. Die Situation war chaotisch. Die Leiharbeit erhielt eine immer größere Bedeutung auf dem Arbeitsmarkt, doch die Betroffenen hatten keinerlei Ahnung, wie damit umzugehen sei. Man war am Schimpfen, doch gleichzeitig schien es niemand ernstzunehmen. Man hielt den Job als Leiharbeiter für ein zeitlich begrenztes Ungemach und bewarb sich auf „vernünftige“ Stellen oder versuchte bei einem Einsatz in einem Großbetrieb nicht negativ aufzufallen oder klotzte sogar besonders rein, in der Hoffnung, übernommen zu werden in die Stammbelegschaft. Das Herausbringen einer Kollegenzeitung war der Versuch die Illusionen aus dem Weg zu räumen und die Einzelkämpfer zu einem gemeinsamen Vorgehen zu bewegen.

Doch die Leiharbeiter erwiesen sich als organisierungsresistent. Die Leihkeule war beliebt. Es gab auch gleich Feedback. Man hatte kein Interesse an den Horrorstories aus dem Alltag der Leiharbeit. Man kannte sie aus eigener Anschauung und brauchte in der Hinsicht nicht mehr überzeugt zu werden. Man wollte etwas von direktem Nutzen: Adressen von Beratungsstellen, Hinweise auf Auswege aus der Leiharbeit und Aufklärung über die rechtliche Situation. Die Leihkeule findet man im LabourNet Germany, in Foren und sozialen Medien. Sie wird in großer Zahl online gelesen und weiterverlinkt. Die Zeitungen werden auch immer wieder ausgedruckt und in Umkleide- oder Pausenräumen ausgelegt. Größere Verteilaktionen vor Werkstoren wurden eher von Politaktivisten organisiert, als von Leiharbeitern. Das ist aber nicht unbedingt das Ergebnis von Ignoranz und hat gute Gründe, denn im Allgemeinen empfiehlt es sich nicht, vor einem Betrieb Flugblätter zu verteilen, in dem man selbst arbeitet. Und den Leihsklaven auf Montage ist meist nicht nach zusätzlichen Aktivitäten zumute. Bei ihnen ist der Tag mit einem Feierabendbier gelaufen. Auch die redaktionelle Arbeit spiegelte die Situation unter Leiharbeitern wieder. Bei den Treffen zu Stammtischen erschienen Betroffene, aber es hatte keine Kontinuität. Wir mußten die Informationen und Geschichten, die uns erzählt oder zugeschickt wurden, in einer Miniredaktion zusammenstellen, bearbeiten und layouten. Die Ausgaben entstehen in einer Onlinediskussion in einem geschlossenen Diskussionsraum mit mehreren über das Land verteilten Leiharbeitern.

Die Bedingungen in der Leihbranche haben ein weites Spektrum und es gibt ein weites Feld an extremer Ausbeutung, auch in eindeutig illegaler Form. Betrügerischer Konkurs, Unterschlagung von Löhnen, Neueröffnung von Niederlassungen unter einem anderen Betreibernamen und immer wieder das Ausnutzen der Unkenntnis der Gesetzeslage bei Migranten gehören zur Normalität in der Branche. Das führte oft zu Ausbrüchen spontaner individueller Gegenwehr. Arbeitsgeräte wurden als „Pfand“ für ausstehende Zahlungen mitgenommen, in Niederlassungen flogen Fäuste und einige wurden auch entglast. Die Veröffentlichung solcher Entwicklungen wurde intern heftig diskutiert, denn einige fürchteten, damit würde man das Erscheinen der kleinen Zeitung gefährden. Es setzte sich  die Meinung durch, daß es sich um Berichterstattung handelt und nicht um einen Aufruf und damit auch presserechtlich nicht zu beanstanden sei. Die erste kollektive Aktion, die uns bekannt geworden ist, war 2009, als Leiharbeiter von VW in Hannover in den Hungerstreik traten, weil der Konzern sie entlassen wollte, um so eine Übernahme in die Stammbelegschaft zu verhindern.

Bei unserer Leserschaft überwog das Interesse an Aufklärung über die rechtliche Situation. Wir klärten auf bei Änderungen der Gesetzeslage. Wir machten eine Sonderausgabe zur Ablehnung von Streikbechereinsätzen. Wichtig war die Sonderausgabe “CGZP ist nicht tariffähig – Jetzt Nachforderungen sichern”, als die gelbe Christliche Gewerkschaft ihre Tariffähigkeit verloren hat, was durch alle gerichtlichen Instanzen bestätigt wurde. Wir haben damit vielen zum erfolgreichen Einklagen ansehnlicher Geldbeträge verholfen, waren aber gleichzeitig frustriert darüber, daß die Mehrheit der Betroffenen untätig blieb und auf das ihr zustehende Geld verzichtete. Die Redaktion blieb ein kleiner, in der Zusammensetzung wechselnder Haufen und die Leihkeule erscheint nicht regelmäßig. Die Themen gehen uns nicht aus, doch die Kräfte ermöglichen uns kein häufigeres Erscheinen. Wir wollten uns nicht damit zufrieden geben, einfach nur Dienstleister für Kollegen zu sein und rechtliche Aufklärung zu leisten, zumal wir mit der gesetzlichen Situation auch nicht einverstanden sind. Wir stellen das ganze System der Leiharbeit in Frage und geben uns nicht damit zufrieden, es zu verbessern oder „fairer“ zu gestalten. Man darf keine Spaltung der Belegschaften hinnehmen und die Einführung Beschäftigter zweiter Klasse ist nicht akzeptabel.

2013 geschah etwas, was man Leiharbeitern nicht zutraut: Sie traten in einen kollektiven Arbeitskampf. An einem großen deutschen Flughafen trafen sich Leiharbeiter in der Arbeitszeit in einer Werkstatt, um zu diskutieren, wie man sich wehren kann. Es war hilfreich, daß einer zur Redaktion der Leihkeule gehörte. Sie entwickelten einen informellen Kampf, der den Flugbetrieb empfindlich beeinträchtigte. Es war eine Mischung aus Slow-Down, Sabotage und Wildem Streik. Die für den technischen Ablauf zuständigen Leiharbeiter waren oft einfach nicht aufzufinden, sie vertaten sich beim Verladen von Gepäck, das so andere Orte erreichte, als seine Besitzer, und sie vergaßen die fahrbaren Flugtreppen zu betanken. Um einen reibungslosen Flughafenbetrieb wieder herzustellen, sah das Management sich gezwungen, die Leiharbeiter mit Festanstellung zu besserer Bezahlung zu übernehmen.

2014 hatte die Nachtschicht bei Daimler Bremen die Arbeit in einem spontanen Wilden Streik niedergelegt, um damit gegen Leiharbeit und Werksverträge zu protestieren. 2016 nutzte die Leihkeule die Möglichkeit, auch über Youtube-Videos Kollegen zu erreichen. Ein Interview mit dem Daimler-Betriebsrat Gerwin Goldstein vermittelte eine so plastische und spannende Beschreibung des Arbeitskampfes, daß der Deutschlandfunk darauf aufmerksam wurde und eine ausführliche Reportage darüber machte. Als die Sendung im Bremer Hörkino in ausverkauftem Saal aufgeführt wurde, kamen Beschäftigte auch aus Hamburg angereist, um diesen kämpferischen Betriebsrat kennenzulernen.

Neben der redaktionellen Arbeit knüpften wir häufig Kontakte zwischen Journalisten und Betroffenen. Wir stellen auch fest, daß unsere Veröffentlichungen Einfluß auf die Diskussion haben unter Leiharbeitern, aber auch von politischen Aktivisten und Gewerkschaftern diskutiert werden. Als die Leihkeule im Sommer 2017 bei den Nachdenkseiten verlinkt wurde, war klar, daß das kleine Blatt als ernstzunehmende Stimme der Leiharbeiter wahrgenommen wird.

Mit dem Jahr 2017 nahmen wir einen Umschwung im Klima unter den Leihsklaven wahr. Je mehr die Gewerkschaften versprachen, etwas gegen den “Mißbrauch” der Leiharbeit zu tun oder sie „fairer gestalten“ wollten, desto weiter breitete sich die Arbeitnehmerüberlassung aus und überschritt erstmals die eine Million-Marke. Die Hoffnung auf eine Übernahme in die Stammbelegschaften ist geschwunden und man sieht sich in dem prekären Arbeitsmarkt gefangen, wird von der einen Leihbude gekündigt, wenn „Equal Pay“ oder Festantellung anstehen, um vom nächsten Verleiher wieder eingestellt zu werden. Es breitet sich eine Scheißegal-Haltung aus, denn man braucht eine Kündigung nicht zu fürchten. Die Wut wächst in einem Maße, das zu Sick-Outs (kollektiven Krankmeldungen) und gemeinsamer Arbeitsverweigerung führte.

Leiharbeit ist eine sich weltweit ausbreitende Seuche. Das macht auch grenzüberschreitende Gegenwehr nötig. Die Leihkeule wollte zu den G20 Protesten eine Infoveranstaltung über den aktuellen Kampf der Leiharbeiter bei VW im nordchinesischen  Changchun durchführen. Als die Hamburger Innenbehörde jedoch die Infozelte in Entenwerder verbot und die Polizei dies rigoros durchsetzte, blieb von der ursprünglichen Idee nur noch ein deutsch-chinesisches Solidaritätstransparent, das bei den Auseinandersetzungen im Schanzenviertel, wie bei der Großdemo zum Abschluß des Gipfels dabei war. Die Fotos von diesem zweisprachigen Transparent machten in kurzer Zeit in chinesischen sozialen Medien die Runde. Die VW-Leiharbeiter erhielten dann auch zweisprachige Solidaritätserklärungen von der Leihkeule, von Betriebsräten und Vertrauensleuten von Daimler Bremen und der Interessengemeinschaft der Leiharbeiter IGL. Es entstand ein direkter Kontakt zwischen den chinesischen Kollegen und Leiharbeitern in Deutschland. In China fühlte man sich angespornt von der Solidarität aus dem Mutterland des VW-Konzerns und entwickelten neue Initiativen zur Verteidigung ihrer Rechte. Als Reaktion auf die monatelange Inhaftierung des Sprechers der Leiharbeiter und eine erneute Welle von Zensur und Repression, organisierte die Leihkeule einen Infotisch in Wolfsburg mit Transparenten und Flugblättern zur Situation der chinesischen Leiharbeiter bei VW. Als diese kleine Aktion eine bundesweite Resonanz in den Medien nach sich zog und die Leiharbeiter in Changchun die Stellungnahme des VW-Betriebsrats als nicht den Tatsachen entsprechend beschrieben, sah VW sich gezwungen, die Situation zu befrieden. 900 Leiharbeiter, die entlassen werden sollten, wurden übernommen bei einem doppelt so hohen Lohn wie in der Leiharbeit.

Gleichzeitig ist es zu unabhängigen Protesten von VW-Leiharbeitern in Hannover gekommen. Und da in Changchun Fu Tianbo, der Sprecher der kämpfenden Leiharbeiter, nicht aus der Haft entlassen worden ist, ist auch diese Auseinandersetzung nicht beendet. Für die Leihkeule-Macher war das letzte Jahr aufregend mit der aufkommenden Unruhe unter Leiharbeitern und dem Erlebnis einer funktionierenden grenzüberschreitenden Solidarität. Auch kleine Initiativen können große Wirkung zeigen.

Artikel von Holger Teben vom Januar 2018
http://www.labournet.de/?p=127015
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« Antworten #98 am: 25. Februar 2018, 10:38:43 »

Zitat
In Deutschland kennen vor allem Leiharbeiter „Die Leihkeule“ - unabhängige Zeitung für Leiharbeitnehmer. Die Macher dahinter setzen sich seit Jahren für Leiharbeitnehmer und gegen Leiharbeit aktiv ein. Gerade duirch Proteste und ihre Aktionen sorgen sie so für öffentliche Aufmerksamkeit.(...)
https://gdabetriebsgruppe.netzwerkit.de/chefduzen-und-die-leihkeule/
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« Antworten #99 am: 29. Juni 2018, 21:32:30 »

Die Aktivitäten zur Leiharbeit aus dem chefduen-Umfeld machen medial ein wenig die Runde und sollen deshalb auch hier dokumentiert werden:

Zitat
Proteste gegen Sklavenhandel werden stärker – weltweit



Freiheit für Fu Tianbo!„Noch nie gab es so viel Leiharbeit wie heute. Die Grenze von einer Million wurde in Deutschland längst überschritten. Als der Bundesverband der Sklavenhändler iGZ am 17. Mai in Münster seine Erfolge und das 20 jähriges Bestehen des Verbands feiern wollte, wollten die Betroffenen dieser Ausbeutungsform das nicht hinnehmen und riefen zum Protest auf. Diese Protestaktion gehört in den Zusammenhang wachsender Unruhe unter den von Leiharbeit Betroffenen. Gerade in der Automobilindustrie wurde sichtbar, dass die Unzufriedenheit mit den prekären Arbeitsformen zu wachsendem Widerstand führt. (…)Der gewaltige Skandal, daß bei dem größten deutschen Konzern ein Leiharbeiter inhaftiert wurde, weil er es gewagt hat, die Einhaltung des geltenden Arbeitsrechts einzufordern und inzwischen seit mehr als einem Jahr im Knast ist, ist in der deutschen Öffentlichkeit noch viel zu wenig bekannt. Um den Druck auf den Konzern zu erhöhen, fand Ende Mai eine Protestaktion vor dem VW Werk in Hannover statt. Es ist nun dringend notwendig, mit einer Kampagne den Druck auf den Automobilbauer fortzusetzen, bis Fu Tianbo aus dem Knast ist!“ – aus dem Beitrag „Proteste der Leihsklaven" am 27. Juni 2018 bei der Direkten Aktion  https://direkteaktion.org/proteste-der-leihsklaven/amp/?__twitter_impression=true worin auch über die Proteste bei der Jahrestagung der IGZ nochmals berichtet wird.  Siehe dazu auch den Verweis auf den bisher letzten unserer zahlreichen Beiträge zum Thema
http://www.labournet.de/?p=134002
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