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Autor Thema: Massenphänomen Altersarmut  (Gelesen 130418 mal)
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Lefat


Beiträge: 1568



« am: 27. April 2011, 09:31:57 »

Hier mal ein Artikel aus der Jungen Welt

Quelle :

http://www.jungewelt.de/2011/04-27/024.php




Zitat
Massenphänomen Altersarmut
Hintergrund. Dank Ausweitung von Niedriglohnsektor und Prekarität: Immer mehr Menschen stehen vor einem Lebensabend am Existenzminimum
Von Christian Christen
Rentner protestieren gegen die permanente Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen (Demonstration unter dem Motto »Die Krise heißt Kapitalismus« in Berlin, Juni 2010)
Foto: Christian Ditsch/Version

 Noch vor wenigen Jahren schien es nahezu undenkbar, daß die Ära des neoliberalen Optimismus, Marktindividualismus und sozial­technokratischen »Klein-klein« des Parlamentarismus zu Ende gehen könnte. Die sozioökonomischen Grenzen dieser Konstellation wurden jedoch im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007 offensichtlich. Auf einmal war sogar die finanzielle »Kernschmelze« des globalen Wirtschaftssystems möglich. Zur tatsächlichen Kernschmelze kam es während der jüngsten Reaktorkatastrophe in Japan, womit zugleich die ökologische Fragilität des Systems und die Plan- und Hilflosigkeit zentraler Akteure in den Fokus rückten. Offenkundig waren die »Entscheider« in Politik und Wirtschaft und die sie beratende Wissenschaft zu keiner Zeit in der Lage, das Risikopotential zentraler Entwicklungen– auf ökonomischer wie technologischer Ebene– richtig einzuschätzen. Ebenso wurde die banale Maxime jeder Entscheidungsfindung– auf das Beste hoffen, und auf das Schlimmste vorbereitet sein – sträflich mißachtet, entsprechend konzeptionslos wird seither reagiert.

 Seit geraumer Zeit sind wir Zeuge der gründlichsten Selbstdemontage der »Eliten« in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Es zeigt sich, daß sie überfordert sind, Probleme frühzeitig zu erkennen und in ihrer ganzen Tragweite zu ermessen. Bis weit ins konservative und liberale Lager ist deshalb deren Legitimation erodiert, zugleich sind breite Teile der Gesellschaft stark verunsichert. Statt einen radikalen Politikwechsel einzufordern und durchzusetzen, wird aber nach wie vor darauf gehofft, die Folgen der Reaktorkatastrophe auszusitzen und die der Wirtschafts- und Finanzkrise mit den stets gleichen und falschen Rezepten – Haushaltsdisziplin, Steigerung der »Wettbewerbsfähigkeit« und Rückbau des Sozialstaates – zu überwinden. Nun braucht es sicher keine prophetische Gabe, um zu erkennen, daß diese beiden Krisen noch lange nicht ausgestanden sind. Zugleich wird es neue, andere ökologische Katastrophen, weitere Finanz- und Wirtschaftskrisen und die normale Zuspitzung sozialer und ökonomischer Probleme geben. Letztere ist wiederum oft Ergebnis der zurückliegenden Politik, mit der die Ungleichheit der Arbeits-, Einkommens- und Lebensverhältnisse forciert wurde. Kombiniert mit den Entscheidungen zur »Bewältigung« demographischer Herausforderungen haben die »Eliten« so in den letzten Jahren die Voraussetzungen für eine neue soziale Großkrise geschaffen, nämlich die Rückkehr der Altersarmut als Massenphänomen im 21. Jahrhundert.
Kein Grund zur Sorge?
 Spätestens ab 2007 ist auch in Deutschland die Debatte um die Verteilungsfrage in einen neuen Diskurszyklus getreten. Einerseits zeigten sich die strukturellen Folgen der Sozialstaatsreformen seit Ende der 1990er Jahre (u.a. »Agenda 2010«) so deutlich, daß selbst die etablierte Forschung und Sozialberichterstattung die wachsende soziale Spaltung zur Kenntnis nahm.1 Andererseits führte die nüchterne Beschreibung zu einer bisweilen hysterischen Reaktion, um nur nicht den Grundkonsens dieser Reformen zu gefährden. Meist wurden dazu Pseudoargumente über die relative Bedeutung von Armut und Reichtum, den Sozialneid oder die mangelnde Leistungs- und Integrationsbereitschaft der »Unterschichten« mit großer medialer Wirkung vorgetragen. Dahinter verschwindet, daß sich die Arbeits-, Einkommens- und Lebenssituation für eine wachsende Gruppe stetig verschlechtert.2

 Neben der Ursachenforschung wird mit der Thematisierung der Verteilungsfrage sofort die Frage gestellt, welche Gruppe »arm« bzw. am stärksten vom Armutsrisiko betroffen ist. Ungeachtet der Meßmethoden und abweichenden Definitionen haben vor allem Alleinerziehende ein hohes Armutsrisiko, welches mit der Zahl der Kinder steigt.3 Daneben gelten Arbeitslose, Kinder, Geringqualifizierte und »Ausländer« als Risikogruppen. Die Armutsgefährdung der »Alten« wurde dagegen zuerst eher relativiert und die Möglichkeit der rapide steigenden Altersarmut offiziell verneint.4 Zwar fällt das Risiko der Einkommensarmut für die über 65jährigen Personen (Alte) in Relation zu den anderen Risikogruppen prozentual gering aus, aber die Erklärung dafür ist simpel: Die aktuellen Rentnergenerationen profitieren noch besonders von der gesetzlichen Einführung der im Umlageverfahren finanzierten dynamischen Rente in Deutschland (1957). Zudem herrschte bis weit in die 1970er Jahre Vollbeschäftigung, die Realeinkommen stiegen und die Mitte der 1980er Jahre einsetzenden Kürzungen bei der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) waren moderat. Schließlich existierten relativ gute Vorruhestandsregelungen, und deshalb sind hohe Rentenzahlungen das logische Ergebnis.

 Parallel waren die aktuellen Rentnergenerationen aus den gleichen Gründen in der Lage, zusätzliches Finanz- und Sachvermögen (Wohneigentum) aufzubauen, was ihnen als Einkommensquelle (u.a. Zinsen, Mieteinahmen, mietfreies Wohnen) im Ruhestand zur Verfügung steht. Dennoch sollte die gegenwärtige Lage der Rentnerinnen und Rentner nicht positiv überzeichnet und in den Chor derjenigen eingestimmt werden, die eine »Ausplünderung« der Jungen durch die Alten behaupten und die mediale Darstellung sorgloser, kaufkräftiger Alter in Werbefilmen als Abbild der Realität verstehen.

 Im System der GRV sind rund 52,3 Millionen Bürger versichert, und 25 Millionen Renten werden ausgezahlt, was sich auf 246 Milliarden Euro summiert. Die individuelle Versichertenrente von Frauen liegt aber zu fast 89 Prozent (für Männer 41 Prozent) unter 900 Euro, wobei die Schichtung zwischen West und Ost stark differiert. Nach aktuellen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes verfügen demnach 63 Prozent aller Rentnerinnen und Rentner über weniger als 1300 Euro pro Monat, was unter dem monatlichen Nettoeinkommen von 1360 Euro läge, würde die gewerkschaftliche Forderung nach einem flächendeckenden Mindestlohn erfüllt. Neben den individuellen Rentenzahlungen sind für die Bestimmung des Armutsrisikos die Haushaltsgröße und die dort kumulierten GRV-Zahlungen wie auch die anderen Einkommensquellen (betriebliche Alterssicherung, Lebensversicherung, Einkünfte aus Vermietung und Finanzvermögen, Arbeitseinkommen usw.) entscheidend. Allerdings wird das Budget der Mehrheit der Rentnerhaushalte bis zu 90 Prozent durch die Leistungen der GRV gedeckt, was nach früherem beruflichem Status und der Höhe der Lohneinkommen variiert. Für die Mehrheit der Alten sind die ergänzenden Einkommensquellen also nicht sonderlich ergiebig, so daß Einbußen bei den GRV-Leistungen noch nie problemlos kompensiert werden konnten.

 Jenseits statistischer Größen läßt sich in der Praxis die prekäre Lebenssituation der Alten schon heute an der Klientel der »Tafeln« und anderer karitativer Hilfseinrichtungen ablesen. Auf der einen Seite ist dies den immanenten Schwachstellen der GRV selbst geschuldet. Der deutsche Ansatz bei der Organisation und Finanzierung der gesetzlichen Alterssicherung betont das Äquivalenzprinzip, also die enge Bindung der Entlohnung in der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung mit dem Leistungsniveau der GRV. Garantiert werden soll der einmal erreichte Lebensstandard, dagegen waren die Umverteilungskomponenten im GRV-System nie sonderlich ausgebaut. Bei Bedarf sollten andere Sicherungen (Wohngeld, Sozialhilfe etc.) greifen. In diesem Ansatz schlagen niedrige Löhne, Zeiten außerhalb der lohnabhängigen Arbeit bzw. gebrochene Erwerbsbiographien voll auf die Höhe der Renten durch. Das Rentensystem reproduziert somit die hierarchische Einkommenssituation der Lohnabhängigen und die Primärverteilung zwischen Lohn und Profit, was die seit jeher prekäre Situation bestimmter sozialer Gruppen im Alter erklärt. Von dieser Konstruktion sind die Frauen besonders negativ betroffen, da sie aufgrund ihrer nicht marktentlohnten Arbeit in- und außerhalb der Familien und ihren unterdurchschnittlichen Verdiensten im Beruf nie eine hinreichende Rente aufbauen konnten. Auf der anderen Seite verallgemeinern die sozioökonomischen Umbrüche und Sozialreformen der Vergangenheit diese Problematik, so daß die GRV selbst für große Teile der »Mittelschicht« in naher Zukunft nicht mehr deren Lebensstandard sichern kann.
Atypische Beschäftigung
Zeit- und Leiharbeit haben negative Auswirkungen auf die Absicherung im Alter (Informationsstand auf der Zeitarbeitsmesse Halle/Saale, April 2005)
Foto: ddp

 Unzweifelhaft ist die Einschätzung der Entwicklung der Altersarmut wie jede Prognose schwierig. Allerdings lassen sich die Gründe schon jetzt klar benennen, und es bedarf keiner differenzierten Berechnung, um das Ausmaß der drohenden sozialen Krise abzuschätzen. Es reichen allein der Menschenverstand und die Kenntnis zentraler wirtschafts- und sozialpolitischer Weichenstellungen der Vergangenheit.

 Eine Kernursache für die wachsende Altersarmut liegt in den Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. Neben der Massenarbeitslosigkeit sind die sinkenden Reallöhne, stark differenzierende Lohnentwicklung sowie das rapide Wachstum der atypischen Beschäftigung (Teilzeit, Leiharbeit, befristet Beschäftigung usw.) gemeint. Diese Elemente gehören zusammen und sind Ergebnis des politischen Willens nach Ausbau des Niedriglohnsektors.5 Zwar sind noch heute bei leicht rückläufigen Anteilen in Relation zu allen Erwerbstätigen neun von zehn Beschäftigten abhängige »Arbeitnehmer« und im Prinzip in der GRV pflichtversichert. Aber seit der deutschen Einheit ist die Zahl der Vollzeitstellen (aktuell etwa 65 Prozent aller Beschäftigten) um sechs Millionen gesunken, parallel hat sich die Zahl der Teilzeitbeschäftigten um sieben Millionen Personen erhöht (zirka 35 Prozent aller Beschäftigten). Weniger als die Hälfte der Teilzeitkräfte ist sozialversichert, wofür der Anstieg der gering entlohnten Beschäftigung (Mini-Jobs) verantwortlich ist. Von den rund 7,3 Millionen Minijobbern Ende 2009 arbeiteten etwa fünf Millionen Personen (zirka 70 Prozent) nur in diesen gering entlohnten Jobs, und etwa 70 Prozent der atypischen Beschäftigten sind Frauen. Die Mehrheit dieser Beschäftigten erwirbt keine oder nur minimale Ansprüche gegenüber der GRV, und je länger die Verweildauer in diesen Verhältnissen, desto größer wird die Lücke bei den Rentenanwartschaften. Diese Lücke kann selbst durch überdurchschnittliche Verdienste später kaum geschlossen werden.

 Parallel hat sich seit 1991 die Zahl der »Selbständigen« auf über 4,2 Millionen Personen erhöht. Nun sind mehr als die Hälfte davon Soloselbständige (ohne Beschäftigte), bei denen die Teilzeitquote und der Frauenanteil ähnlich hoch sind wie bei den abhängig Beschäftigten. Je nach Branche liegen die Nettoverdienste der Soloselbständigen zwischen 54 bis 72 Prozent unter 1100 Euro. Bei den in Vollzeit Arbeitenden verdienen rund 29 Prozent unter diesem Monatseinkommen. Die Verweildauer in der Selbständigkeit ist in der Regel kurz (drei bis fünf Jahre) und die Mobilität zwischen der Arbeitslosigkeit, der abhängigen Beschäftigung und der neuerlichen Selbständigkeit hoch. Im Unterschied zu den Lohnabhängigen sind die Soloselbständigen überwiegend nicht in der GRV pflichtversichert, und sie können auch nicht überproportional privat vorsorgen. Diese Personengruppe vergrößert stetig ihre Rentenlücken, und da sie auf absehbare Zeit nicht »reich« werden, sind sie, wie die Mehrzahl der Minijobber und atypisch Beschäftigten, auf die Grundsicherung im Alter angewiesen.
Lohngefüge unter Druck
 Mit den Änderungen am Arbeitsmarkt und vor dem Hintergrund der Massenarbeitslosigkeit ist schließlich das Lohngefüge flächendeckend unter Druck geraten. Die Tariflöhne und übertariflichen Leistungen sinken bzw. stagnieren seit Jahren. In und zwischen den Unternehmen und Branchen haben sich massive Unterschiede herausgebildet. Immer deutlicher wird das Mißverhältnis zwischen der schrumpfenden Kernbelegschaft und der wachsenden Anzahl der Leih- und Zeitarbeiter, den befristeten und unter Tarif entlohnten Beschäftigten. Diese Entwicklung läßt sich an den sinkenden Reallöhnen und dem Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Lohnquote ablesen. Erstere wirken systemisch direkt bei den Betroffenen als individuelle Rentenkürzung (sinkende Löhne gleich sinkende Beiträge und Renten), letzterer wirkt über die allgemeine Rentenformel indirekt. Denn da die Rentenanpassung (das dynamische Element) sich an der Lohnentwicklung orientiert und die Renten an die Entwicklung der Inflation und der Produktivität angepaßt werden sollten, führen stetig sinkende Lohnquoten und Reallöhne bestenfalls zu stagnierenden Rentenerhöhungen für alle Rentnergenerationen.

 Die zweite Ursache für den Anstieg der Altersarmut findet sich in den Reformen der gesetzlichen Rentenversicherung. Seit 1989 stehen sie allein unter der Zielsetzung, den Beitragssatz für die GRV stabil zu halten oder zu senken. Hier geht die Standortdebatte um die hohen »Lohnnebenkosten« auf und mündet in der schlichten These, sinkende Sozialabgaben würden den Aufbau der Beschäftigung beflügeln. Ergänzt um die in den 1990er Jahren aufkommende Hysterie vor dem demographischen Wandel und die Abwehr jeder rationalen Debatte um die Lastenverteilung und den notwendigen Umbau der Gesellschaft, hat sich ein Konsens gebildet, dessen jüngster Ausdruck die »Rente mit 67« ist. Zum einen galt es, die Unternehmen von den Kosten für die Alterssicherung zu entlasten, zum anderen verlagerte man die Last der Altersvorsorge verstärkt auf das Individuum. Außerdem sollten die im System der GRV angelegten systemischen Elemente der Kostensteigerung reduziert werden, um den über die Gemeinschaft der Steuerzahler bzw. den Staat finanzierten Anteile an der GRV zu reduzieren. Erreicht wurden diese Ziele über die unzähligen Änderungen der Rentenformel, der Berechnung von Rentenanwartschaften, der Reduktion der Komponenten der Umverteilung und die Heraufsetzung des Renteneintrittsalters.6

 Würden alle diese Maßnahmen heute voll greifen, kann die Kernfunktion der GRV – Garantie des Lebensstandards – selbst für die Durchschnittsverdiener nicht mehr gehalten werden. Diesen Befund stellte die wirtschaftsliberale OECD bereits 2007 aus und bescheinigte dem deutschen System mit einer Ersatzrate des letzten Nettoverdienstes von 58 Prozent einen der letzten Plätze in der EU. Werden zudem die 2004 durchgesetzten Änderungen in der Rentenbesteuerung und weitere Detailreformen berücksichtigt, fällt die Nettoersatzrate bis 2023 weit unter 46 Prozent. Alle diese Aussagen rekurrieren jedoch auf dem »Eckrentner«, also einer Person, die im 20. Lebensjahr in den Arbeitsprozeß eintritt und 45 Jahre lang bzw. bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter den Durchschnittsverdienst erhält. Die mangelnde Aussagekraft dieser Modellbetrachtung ist deshalb offenkundig, da bei den Männern nur rund 28 Prozent (West) und 22 Prozent (Ost) diesen Versicherungsverlauf nachweisen. Bei den Frauen liegt die Quote bei zirka 3,5 Prozent (West) und 7,5 Prozent (Ost). De facto hat die Mehrheit der aktuellen Rentnerinnen und Rentner nichts mit dem »Eckrentner« gemein. Vielmehr mußten sogar 50 Prozent aller Rentenneuzugänge von 2000 bis 2009 Rentenabschläge in Kauf nehmen, und auch hier stellten Frauen mit 77,4 Prozent gegenüber den Männern mit 59,3 Prozent die größte Gruppe. Alle diese Personen konnten aus unterschiedlichen Gründen das Renteneintrittsalter nicht erreichen, entsprechend mußten sie Rentenabschläge zwischen 9,5 bis 14 Prozent akzeptieren.
Kurswechsel nötig
 In der Regel wird bis heute die zurückliegende Wirtschafts- und Sozialpolitik medial als notwendige Anpassung an die Globalisierung und den demographischen Wandel verkauft. Während die Folgen dieses euphemistisch als »Reform« beschriebenen Rückbaus des Sozialstaates lange Zeit primär soziale Gruppen am untersten und unteren Rand der Gesellschaft belastet haben, werden in den nächsten Jahren weite Teile der Mittelschicht ihre sozialen Besitzstände verlieren. Während mit »HartzIV« die entsprechende Strukturveränderung in der Phase der aktiven Beschäftigungszeit ad hoc durchgesetzt worden ist, gab es für das Segment der inaktiven Phase des Ruhestandes langfristige Entwicklungen mit den entsprechenden Ergebnissen. Selbst bei optimalen Bedingungen – stetige Beschäftigung mit Durchschnittsverdienst – wird am Ende eines langen Arbeitslebens die GRV-Rente kaum signifikant höher als die Grundsicherung im Alter ausfallen. Wer langfristig gar nur 75 Prozent oder 50 Prozent des Durchschnitts verdient, wird nach 45 Jahren ununterbrochener Beitragszahlung nicht einmal dieses Niveau autonom erreichen. Angesichts der skizzierten Entwicklungen überrascht also auch nicht, daß etwa in Ostdeutschland das Armutsrisiko im Alter bis zum Jahr 2023 rapide steigen wird, da u.a. bis zu 50 Prozent der GRV-Renten der Männer unterhalb der Grundsicherung liegen werden.7 In ähnlichen Größen liegen dann auch die Rentenzahlungen für Frauen in West und Ost.

 Die skizzierte Dynamik der Altersarmut wird schon längst genutzt, um für die private Vorsorge zu werben. Während das Interesse der Finanzdienstleister verständlich ist, sind diese Pseudovorschläge zur Lösung des skizzierten Problems aus der offiziellen Politik und Wissenschaft absurd. Von diesen »Experten« wäre zumindest überzeugend zu erklären, wer bei stetig sinkenden Reallöhnen, steigender atypischer Beschäftigung und wachsender finanzieller Belastung bei der direkten Bedürfnisbefriedigung überproportional vorsorgen soll, um die eklatanten Sicherungslücken und drastischen Niveausenkungen in der gesetzlichen Rentenversicherung zu kompensieren. Nicht erst die Erfahrung mit der »Riester-Rente« zeigen, daß diejenigen, die es im Prinzip am dringendsten nötig hätten, diese Formen der mikroökonomisch ineffizienten und gesamtwirtschaftlich hoch riskanten und kontraproduktiven Vorsorge nicht nutzen können.8 Da sich die Wachstumsdynamik aller Reformen der sozialen Sicherung nie wie erhofft einstellte, wird also ohne den drastischen wirtschafts- und sozialpolitischen Kurswechsel das Phänomen »Armut trotz Arbeit« sich in »Arm im Alter« übersetzen. Und um es klar zu sagen: Die Betroffenen gehören allesamt der heutigen »jungen« Generation zwischen 20 bis 40 Jahren an und kommen aus der Mitte der Gesellschaft.
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Es ist immer wieder erstaunlich, dass ein Jahr der Arbeitslosigkeit einen ehemaligen Leistungsträger zu einem bildungsfernen Asozialen verkommen läßt..so zumindest die landläufige Meinung.
Pfiffi


Beiträge: 1367



« Antworten #1 am: 27. April 2011, 12:20:13 »

Ist doch nichts neues, jeder kennt den Spruch vom damaligen Minister Blüm, als er sagte "Die Rente ist sicher" , das dann das Mikrofon mit Absicht leise gestellt urde kam erst neulich heraus, denn der Satz war noch nicht zuende, er lautet nämlich vollständig, "Die Rente ist sicher, auf dem Niveau der Sozialhilfe!".

Ja schon vor 20 Jahren war mitdenken, gefragt. Wink
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Jeder kennt den "Dreisatz", welcher ist davon bei den JCs anzuwenden?

JC Dreisatz: Warum?  Wo steht das? Alles nur schriftlich!!
matten


Beiträge: 745


« Antworten #2 am: 27. April 2011, 13:10:46 »

stimmt das ist sicher nicht neu
auch wenn lange Texte verfasst werden
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Munin72


Beiträge: 106


« Antworten #3 am: 27. April 2011, 20:58:19 »

Hallo Smiley

Ja das ist bei weitem nichts neues aber danke Pfiffi das du den Satz beendet hattest
wieder was dazu gelernt Wink

Wegen Rente galt es für die meisten eh fast immer keine Zusatzrente, hiess es "Wasser saufen gehen"
(sorry für den Ausdruck aber der passt Wink )

Vielleicht grinst meine nicht mehr hier seiende Oma darüber Grin


Gruß Munin
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Dearhunter


Beiträge: 514


« Antworten #4 am: 27. April 2011, 23:11:29 »

Blüm hat es geglaubt, ihr tut ihm etwas unrecht!

Damals waren die 64 Prozent Rentenhöhe Konsens in allen Parteien, die Beiträge müssten dazu langfristig bis 25 Prozent steigen, auch das war Konsens in allen Parteien.
Alle Parteien hatten das auch für die Zukunft in ihren Programmen ... es gab nur marginale Unterschiede.

Mich wundert ein wenig, dass Blüm nicht einen ähnlichen Weg ging wie Lafi ... aber nun gut.

Am besten zeiht das dieser Leserbrief von Blüm selbst:

http://dasdenken.blog.de/2008/11/21/leserbrief-norbert-bluehm-fehlinformationen-gesetzlichen-rente-5076205/

Es ist wirklich nicht der Böse, auch nicht gewesen.



DH
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Eivisskat
Gast
« Antworten #5 am: 14. Mai 2011, 07:06:50 »

Zitat
Weil das Geld nicht reicht: Immer mehr Hamburger Rentner werden zu Dieben

Mal sind es die Cracker für 69, mal die Schokokekse für 99 Cent. In den meisten Fällen klaut die 86-jährige Martha K. (Name geändert) jedoch Babynahrung. Die hagere Frau ist eine von etlichen Senioren, die in Hamburg stehlen gehen, weil ihre Rente nach eigener Aussage nicht reiche.

Die Bundespolizei ist alarmiert und warnt: Es werden immer mehr Fälle. Die Zahl der Diebstähle von Senioren (ab 65 Jahre) stieg im Vergleich von 2009 zu 2010 um satte 36 Prozent. Und das nur innerhalb von Hamburgs Bahnhöfen. Dort schlagen die älteren Täterinnen und Täter häufig zu.

Eine von ihnen ist Martha K. Erstmals erwischten die Bundespolizisten die alte Frau Ende 2009. Sie hatte eine Zeitung gestohlen und gab an, dass sie sich diese mit ihrer mickrigen Rente nicht leisten könne. Es folgten immer wieder Diebstähle am Hauptbahnhof. Die 86-Jährige stahl Kartoffeleintöpfe, Linsensuppen, Kekse und immer wieder Babybrei und Fruchtgläschen. „Sie war auffallend mager. Da sie anscheinend nicht ausreichend versorgt war, haben wir das zuständige Sozialamt eingeschaltet“, sagt Rüdiger Carstens, Sprecher der Bundespolizei.

Auch Maria A. (64) fassten die Beamten. Sie hatte Frauenzeitschriften im Bahnhof Altona gestohlen. Die Seniorin entschuldigte sich immer wieder bei den Bundespolizisten. Die verzweifelt wirkende Frau sagte, dass sie die Zeitschriften so gerne lese, sie sie sich aber von ihrer Rente nicht leisten könne.

Von Problemen mit der mickrigen Rente sprach auch ein 67-Jähriger. Er hatte eine Flasche „Klosterfrau Melissengeist“ gestohlen.

„Gerade solche Fälle gehen an den Beamten natürlich nicht spurlos vorüber. Wir versuchen dann umgehend, professionelle Hilfe zu organisieren“, sagt Bundespolizeisprecher Rüdiger Carstens.

In Hamburg haben laut der aktuellsten Zahlen des Statistikamts Nord im Jahr 2009 336.410 Senioren (ab 65 Jahren) gelebt. Davon 17.763 von der so genannten Grundsicherung (zum Vergleich: 2007 waren es noch 16.427, die die Grundsicherung bezogen haben).

Bedeutet: Diese Senioren leben am Existenzminimum. Sie müssen im Monat mit 364 Euro auskommen – sei es für Essen, Kleidung, Medikamente, Telefon, HVV-Karte oder Strom. Zusätzlich werden die Miete (für Alleinstehende von 277 bis 382 Euro) und Heizung übernommen.


„Das Problem ist, dass es tatsächlich auch Senioren gibt, die nicht einmal von der Grundsicherung leben, da sie gar nicht wissen, dass es diese gibt und sie darauf Anspruch hätten“, sagt eine Sozialamts-Mitarbeiterin, die nicht genannt werden möchte.


http://www.mopo.de/hamburg/panorama/polizei/immer-mehr-hamburger-rentner-werden-zu-dieben/-/7730198/8445968/-/index.html

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Kuddel


Beiträge: 10706


« Antworten #6 am: 21. Mai 2011, 19:42:58 »

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Eivisskat
Gast
« Antworten #7 am: 28. Mai 2011, 15:44:21 »

Zitat
Linke fordert Mindestrente von 850 Euro monatlich

Die Bundesregierung hat eingeräumt, dass Arbeitnehmer einen Stundenlohn von über zehn Euro brauchen, um im Alter nicht in die Armutsfalle zu geraten. Auf eine Frage von Linksparteichef Klaus Ernst bestätigte das Arbeitsministerium, dass knapp 29 Entgeltpunkte nötig seien, um eine Rente in Höhe der Grundsicherung im Alter von 684 Euro monatlich zu erhalten.

"Um dies bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 Stunden über 45 Jahre versicherungspflichtiger Beschäftigung hinweg zu erreichen, wäre rechnerisch ein Stundenlohn von rund zehn Euro erforderlich", heißt es in der Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel.

Eine zusätzliche Altersvorsorge sei dabei aber nicht berücksichtigt, heißt es in der Antwort der Regierung weiter. Mit ihr könne eine "deutlich höhere Gesamtversorgung" erzielt werden. Als Beispiel nennt Staatssekretär Fuchtel einen Riester-Vertrag  Roll Eyes zur privaten Altersvorsorge.

Dazu erklärte ein Sprecher der Linken, es sei fraglich, ob jemand mit einem Nettolohn von nicht einmal 1200 Euro die mehr als 50 Euro für die Riester-Rente wirklich erübrigen könne.

Beim gegenwärtigen Lohnniveau bekommt nach Angaben von Linksparteichef Ernst inzwischen jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte im Alter nicht mehr als 684 Euro monatlich und ist damit von Altersarmut bedroht. Deshalb bleibe die Linkspartei bei ihrer Forderung nach der Einführung einer Mindestrente in Höhe von 850 Euro im Monat, erklärte Ernst gegenüber der "Rheinpfalz am Sonntag".

http://de.nachrichten.yahoo.com/stundenlohn-zehn-euro-droht-altersarmut-114316182.html
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Dearhunter


Beiträge: 514


« Antworten #8 am: 28. Mai 2011, 21:19:59 »

Ich habe es grob nachgerechnet .. stimmt etwa, da komme ich auf um die 700 nach heutigem Wert bei 10 Euro die Stunde.

Allerdings ist das ohne Weihnachts- und Urlaubsgeld gerechnet. FALLS es das gibt, wäre das natürlich auch beitragspflichtig, es käme pro Jahr der angenommenen 45 Jahre 1 bis 2 Eruro dazu, was dann eben 50 bis 100 Euro mehr bedeutet, damit wären wir bei 750 bis 800,

Das ist dann nicht mehr sooo weit von den geforderten 850 entfernt.

In allen Fällen darf aber nicht vergessen werden, dass in JEDEM Fall 10 Prozent Kranken- und Pflegeversicherung runtergehen. Da werden aus den 850 auch nur 765, aus den 684 werden grob 610.

Merkwürdig ist allerdings, dass bei der Beispielrechnung die niedrigeren Werte für den Osten benutzt wurden, diese liegen niediger, bei West-Werten kommen 100 Euro mehr raus.


DH
« Letzte Änderung: 28. Mai 2011, 21:24:48 von Dearhunter » Gespeichert
Tom_
Gast
« Antworten #9 am: 11. Juni 2011, 21:49:49 »

Bundesregierung: Altersarmut kein drängendes Problem in Deutschland

Berlin: (hib/TYH) Altersarmut ist derzeit kein verbreitetes Phänomen in Deutschland, dennoch muss die zukünftige Entwicklung sorgfältig beobachtet werden. Dies ging aus einer Unterrichtung des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe durch die Bundesregierung am Mittwochnachmittag hervor. Wer bedürftig sei, erhalte die 2001 eingeführte Grundsicherung, sagte ein Regierungsvertreter. ”Und wer Grundsicherung bezieht, ist nicht arm.“ Seit Ende 2008 empfangen laut Bundesregierung rund 400.000 Menschen eine Grundsicherung. Die Zahl habe sich seitdem nicht nennenswert verändert. Jedoch würden mehr Frauen als Männer die Leistung in Anspruch nehmen, auch sei die Zahl in den neuen Bundesländern höher als in den alten.

Wie sich die Zahl in Zukunft entwickeln werde, könne nicht begründet gesagt werden, betonte die Bundesregierung. Jedoch sehe sie ”durchaus das Risiko eines Anstiegs“, etwa durch die steigende Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern und die teils unvollständige Absicherung von Selbstständigen. Um der kommenden Entwicklung zu begegnen, werde nach der Sommerpause ein ”Regierungsdialog Rente“ ins Leben gerufen.

In jedem Fall würden die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte durch die Grundsicherung nicht gefährdet, sagte der Regierungsvertreter. Sie sichere das physische und soziokulturelle Grundbedürfnis und gewährleiste eine ”würdige und unabhängige Existenz“.

Angesichts des weltweiten Elends müsse man gleichwohl nachdenklich sein, wenn von Altersarmut in Deutschland die Rede sei, hieß es aus der Unionsfraktion. Mit Grundsicherung sei keiner arm, dennoch müsse die Entwicklung beobachtet werden. Auch werde in mancher Biographie keinerlei Altersvorsorge getroffen.


”Wir dürfen die Situation nicht dramatisieren, trotzdem gibt es Bedürftigkeit im Alter“, betonte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Manchen Personen, etwa in Scheinselbstständigkeit, bliebe am Ende des Monats kein Geld zum Zurücklegen. Diese Personen hätten ihre Situation nicht selbst verschuldet. Für diesen Fall stellte die Fraktion das Modell einer Garantierente zur Diskussion.

Zwar habe sich die Situation seit Einführung der Grundsicherung verbessert, meinte die SPD-Fraktion. Jedoch sei bekannt, dass sich damit keine ”großen Sprünge“ machen ließen angesichts der Mietpreise und ständig steigender Heizkosten. ”Tatsache ist, dass die gebrochenen Erwerbsverläufe in Zukunft eine katastrophale Entwicklung bei der Rente ergeben werden.“

Mit dem geplanten Regierungsdialog werde die Verantwortung für die zukünftige Rentenentwicklung übernommen, betonte die FDP-Fraktion. Jedoch dürfe nicht nur am Ende des Lebens angesetzt werden, sondern schon vorher. So müsse etwa die Situation der Soloselbstständigen verbessert werden.

Die Prognosen seien beängstigend, fand die Fraktion Die Linke. Ende 2009 hätten 7,3 Millionen Menschen Minijobs ausgeübt, 70 Prozent von ihnen Frauen. Diese hätten minimale oder keine Rentenansprüche. Schon jetzt sei gegen Ende des Monats der Anteil älterer Frauen etwa bei Bahnhofsmissionen besonders hoch. ”Sie schämen sich, zu den Ämtern zu gehen.“

Quelle: Deutscher Bundestag - Pressestelle
« Letzte Änderung: 11. Juni 2011, 21:51:36 von Tom_ » Gespeichert
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Abused Frog


Beiträge: 6839



« Antworten #10 am: 13. Juli 2011, 15:55:05 »

Zitat
Altersarmut bisher eine Randerscheinung

Arbeit und Soziales/Antwort - 11.07.2011
Berlin: (hib/CHE) Altersarmut ist für die Bundesregierung gegenwärtig kein verbreitetes Phänomen. Wer im Alter bedürftig sei, dem sichere die Grundsicherung im Alter den Lebensunterhalt, diese Grundsicherung sei zudem nicht mit Altersarmut gleichzusetzen. In ihrer Antwort (17/6317) auf eine Große Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (17/3139) schreibt die Bundesregierung weiter, dass Ende 2009 rund 764.000 Menschen in Deutschland Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung erhalten haben. Davon seien rund die Hälfte (400.000) im Rentenalter gewesen. Das entspricht einem Anteil von rund zwei Prozent an den über 65-Jährigen.

Die Regierung betont, dass es bisher keine seriösen Studien darüber gebe, ob die Altersarmut in den kommenden Jahren signifikant steigen werde. Dies hatten die Grünen in ihrer Anfrage unterstellt und der Bundesregierung vorgeworfen, das Thema nicht konsequent genug anzugehen. Die Regierung bekräftigte dagegen ihre Auffassung, wonach Altersarmut vor allem aus unterbrochenen Erwerbsbiografien resultiere und deshalb die Integration in den Arbeitsmarkt mit einer dauerhaften Erwerbstätigkeit und entsprechendem Einkommen erstes Ziel zur Vermeidung von Armut im Alter sein müsse.

Aus der Antwort geht weiter hervor, dass im Jahr 2009 rund 20 Prozent der Armutsgefährdeten über 65-Jährigen einen Migrationshintergrund hatten. Außerdem betreffe Frauen das Risiko der Altersarmut weit stärker als Männer. 61,5 Prozent der armen über 65-Jährigen im selben Jahr waren Frauen und 38,5 Prozent Männer. Auch der Unterschied nach schulischen Abschlüssen sei deutlich. 60 Prozent der Betroffenen besitzt einen Hauptschulabschluss, 1,4 Prozent die Fachhochschulreife.

Quelle: hib-Meldungen


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Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti
Auferstanden
Gast
« Antworten #11 am: 19. Juli 2011, 16:01:16 »

-Grundsicherung sei zudem nicht mit Altersarmut gleichzusetzen- ist "Neusprech in Perfektion".

Die Rente ist so sicher, wie dessen Generationsvertrag einzahlenden Hungerlohnempfängern
oder Null Anwartschaft basierenden Transferbeziehern (die Agenda2010- Lüge) es ermöglichen wird.

Des Weiteren sorgen geburtenschwache Jahrgänge, eine neoliberal forcierte Unsicherheit des
Planungshorizonts für formidabele Rentenbezugsentwicklungen.
Und, um Blüms berühmten Worte abzurunden, sollten die rentenversicherungsfremden Leistungen
aus dem "Altersarmutstopf" ebenso nicht vergessen werden...

Hier von Randerscheinung zu fabulieren oder die Definition Phänomen zu verwenden ist ebenso
realitätsfern, wie dümmlich eine gegenwärtige Altersarmut mit der einer zukünftigen
Rentenentwicklung zu verwechseln...

Und um einmal eine offizielle Statistik zu verwenden:
39,9 Prozent erhalten deutsche Rentner, griechische Ruheständler kommen im Schnitt auf
95,7 Prozent des letzten Gehalts, belegt einmal mehr den gesellschaftlichen Stellenwert von "Senioren"
im heutigen Sklavenstaat.
« Letzte Änderung: 19. Juli 2011, 16:12:54 von Auferstanden » Gespeichert
Kuddel


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« Antworten #12 am: 20. Juli 2011, 19:29:50 »

Zitat
Frauen kommen heute im Schnitt auf 26 Jahre Berufstätigkeit, Männer auf 37. Sie verdienen im Schnitt 20 Prozent weniger als Männer im gleichen Job – wenn sie nicht ohnehin in Teilzeit arbeiten. Ihre Renten fallen daher wesentlich niedriger aus: Die Durchschnittsrente der Frauen, die in den alten Bundesländern 2010 in Rente gingen, betrug laut Deutscher Rentenversicherung 463 Euro, bei den Männern waren es 860 Euro.
Drei Viertel der heute 30- bis 59-jährigen Frauen werden laut einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge ihren Lebensstandard im Alter nicht halten können. Schon heute sind zwei Drittel der über 65-Jährigen, die von Grundsicherung leben, Frauen.
http://www.fr-online.de/ratgeber/teilzeit-jobs-reichen-nicht/-/1472794/8675564/-/index.html
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Ratrace


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« Antworten #13 am: 22. Juli 2011, 10:03:32 »

Zur Zeit wird im TV wieder die Riesterscheiße beworben. Noch mal der kleine Hinweis: Sobald man aufgrund einer gebrochenen Erwerbsbiographie oder sonstigen Gründen eine Rente bekommt, die unterhalb des Grundsicherungsniveaus liegt, kommt das Sozialamt ins Spiel und stockt auf, und dann wird der Riester-Rotz mit der Grundsicherung verrechnet. Kurz: Wenn absehbar ist, daß man keine ausreichende Rente kriegt, riestert man für den Staat.
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Das einzig Freie im Westen sind die Märkte.
Dearhunter


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« Antworten #14 am: 22. Juli 2011, 14:15:39 »

Es gibt auch Berechnungen, dass Riester - trotz Zulagen - allgemein nicht lohnt in den meisten Fällen.

Sogar die bekannt renditearme Lebensversicherung schneidet meist besser ab.



DH
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Abused Frog


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« Antworten #15 am: 26. August 2011, 09:25:24 »

Zitat
»Rentenniveau sinkt bis 2030 um etwa 25 Prozent«

Immer mehr Ruheständler müssen nebenher jobben, um über die Runden zu kommen. Ein Gespräch mit Alfred Spieler
Interview: Gitta Düperthal

Alfred Spieler ist Referent für Sozialpolitik des Bundesverbandes der Volkssolidarität

Nach aktuellen Zahlen des Bundesarbeitsministeriums ist die Zahl der 65 bis 74jährigen Rentner, die nebenher jobben, seit 2000 von 416000 auf 660000 gestiegen. Im Ministerium hält man das für ein Zeichen, daß Ältere gern arbeiten möchten– aber ist das nicht vielmehr ein Hinweis darauf, daß die Alterarmut zunimmt?
....

Quelle: Über die NDS zu jungeWelt


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Dieter Hildebrandt
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HDMax


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« Antworten #16 am: 26. August 2011, 10:11:54 »

Die Altersarmut wird unvorstellbar hoch werden wenn die Gerburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, aber vorher wird das Rentenalter nochmals heraufgesetzt werden von 67 Jahre auf 70 Jahre z.B.

Der Punkt wird dann auch erreicht sein, das Sozialzahlungen nur noch kurz gezahlt werden und dann eingestellt werden wie in Amerika, da diese BRD GmbH das nicht mehr zahlen kann. Der Demografiefaktor schlägt natürlich auch noch zu, da es nicht mehr genügend junge Leute gibt, die das ganze überhaupt noch erwirtschaften können. Das ist den hohen Herren im Bundestag auch alles bewußt, doch aus Geldmangel wird es einfach weiter ignoriert und es soll sich die nächste Generation damit beschäftigen.

Für diesen Eurowahn und die Kosten die Deutschland dafür zahlt werden etliche Menschen sterben müssen weil sie sich das nötigste nicht mehr leisten können.
« Letzte Änderung: 26. August 2011, 10:14:01 von HDMax » Gespeichert
El Loco


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« Antworten #17 am: 26. August 2011, 10:44:16 »

Die "Birne" hat in den 16 Jahren Amtszeit die Kassen geplündert. Somit standen und stehen die Nachfolger vor der Frage, wie werden die Kassen wieder gefüllt. Da den Politprofis das eigene Hemd näher ist als die Jacke, wird das Interesse nicht auf das Füllen der Kassen verwendet.
Wer noch mit Erreichen der Altersrente noch einen Job nachgehen kann, hat meistens nie körperlich schwere Tätigkeiten ausgeübt. Personen mit körperlich schwerer Erwerbstätigkeit landen, weit vor dem Erreichen der Altersrente, im Sozialnetz.
Früher war es die Arbeitslosenhilfe, die zeitlich ziemlich unbefristet beansprucht werden konnte und sich aus dem letzten Lohn errechnete. Diese "Hilfe" war den Politprofis zu teuer, es wurde das ALG II geschaffen.
Von ALG II leben bedeutet, schaffe dich selber ab. Esse das, was du dir leisten kannst, keine gesunden Nahrungsmittel, denn deine Kohle läßt es nicht zu.
Der ALG II Empfänger hat in die Kassen über Jahrzehnte eingezahlt und nach dem Verlust des Arbeitsplatzes ist er überflüssig. Eben kein Leistungsträger mehr!

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Eivisskat
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« Antworten #18 am: 26. August 2011, 10:45:10 »

Zitat
»Rentenniveau sinkt bis 2030 um etwa 25 Prozent«

Immer mehr Ruheständler müssen nebenher jobben, um über die Runden zu kommen. Ein Gespräch mit Alfred Spieler


Es ist wohl eher so: Immer mehr Rentner würden gern (weil's hinten und vorn nicht reicht...) zusätzlich jobben, WENN sie denn diesen Job FÄNDEN.

Da das aber leider nicht so ist, bleibt nur der Gang zum Grusi-Amt, das genauso gruselig (daher der Name vermutlich...) ist, wie die Arge, genau wie der Armutsfaktor sich nicht ändert, was für Ältere durch die Aussicht aufs Lebenslänglich besonders schwierig ist.
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HDMax


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« Antworten #19 am: 26. August 2011, 11:50:39 »

Arbeiten bis ins Grab

Auch wer sein ganzes Leben gearbeitet hat, dem reicht die Rente nicht mehr zum Leben.

"Arbeiten bis ins Grab" Teil 1 von 5
« Letzte Änderung: 26. August 2011, 11:52:18 von HDMax » Gespeichert
reefshark


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« Antworten #20 am: 31. August 2011, 13:15:09 »

Moin, moin

Altersarmut wird definitiv verschärft zum Problem werden
zumindest bei denen, die nicht in lückenloser Erwerbsbiographie saugut
verdient haben oder andere Einkunftsarten aufweisen

http://www.n-tv.de/politik/Rentenniveau-sinkt-und-sinkt-article4179611.html

Die Inflation ist höher als offiziell verlautet, die Niedriglohn - Sch...... tut
ein übriges, Hartzer kriegen keinen Mini - Rentenbeitrag mehr gezahlt, etc, etc....

Aussichten sind das

reefshark
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« Antworten #21 am: 05. September 2011, 17:31:33 »

Zitat
Das Rentensicherungsprogramm

Kernstücke einer Gesundung der zielgerichtet deformierten, gesetzlichen, solidarischen Rentenversicherung, hier zur Verhinderung der planmäßig betriebenen Erosion derselben.

So kurz und knapp wie möglich, nach jahrelangen Recherchen, hat der

Bohrwurm.net

 zehn Punkte zusammengestellt, die absolut notwendig sind, um der gesetzlichen Rentenversicherung zu dem zu verhelfen, was ihre originärste Aufgabe ist und um die politisch gewollte Zerstörung zugunsten der Finanz- und Versicherungsdienstleister zu beenden:
....

Quelle und vollständiger Artikel: duckhome


Daraus: Die nachweisbare Lüge um die Demographie von Flegel
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« Antworten #22 am: 14. September 2011, 10:28:01 »

Zitat
Von der Leyens „Rentenreform“: Eine Verhöhnung armer Rentner

Von Sybille Fuchs
14. September 2011


Die jüngsten „Reformpläne“ der Bundesarbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen sollen angeblich künftige Altersarmut verhindern. Sie sind das Papier nicht wert, auf das sie geschrieben sind.

Die vorgeschlagene steuerfinanzierte Zuschussrente für Geringverdiener wird die Altersarmut nicht verhindern. Sie trägt vielmehr alle Anzeichen eines plumpen Täuschungsmanövers. Sie soll verdecken, dass die Regierung und ihre Vorgängerinnen alles getan haben, um die Sozialsysteme auszuhöhlen und zu zerstören, durch die Alte und Kranke früher vor dem vollkommenen Absturz in die Armut bewahrt wurden.

Die „Reform“, die 2013 in Kraft treten soll, garantiert angeblich vor allem Frauen, die Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt haben, eine monatliche Rente von 850 Euro. Aber erstens ist es schon heute kaum möglich, mit einer so geringen Rente über die Runden zu kommen. In zwei Jahren wird dies angesichts von Preissteigerungen sowie der ständigen Erhöhung von Mieten und Gebühren für Energie, Wasser, öffentlichen Nahverkehr usw. noch weniger möglich sein.

Zweitens würde von den gegenwärtig etwa 400.000 Alten, die sich mit den dürftigen 650 Euro Grundsicherung durchschlagen müssen, weil ihre Rente nicht ausreicht, sowie von den zukünftigen Rentnerinnen und Rentnern kaum jemand von der „Reform“ profitieren. Denn die Voraussetzungen für den Bezug dieser Zuschussrente sind derart ausgestaltet, dass sie kaum jemand erfüllen kann. Sogar von der Leyen selbst geht von gerade einmal 17.000 Menschen aus, die in den Genuss ihrer groß angekündigten Reform kämen.

Wer Anspruch auf die 850 Euro anmelden will, muss nämlich nicht nur 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt und 35 Jahre gearbeitet, sondern auch noch eine private Riesterrentenversicherung abgeschlossen haben. Die Ministerin wies die Kritik an dieser Vorrausetzung mit dem Argument zurück, dass der Mindestbeitrag für eine Riesterrente bei nur fünf Euro liege. Abgesehen davon, dass auch fünf Euro für Arme viel Geld sind, wenn es am Monatsende kaum noch für eine warme Mahlzeit reicht, haben viele Geringverdiener keine Riesterrente abgeschlossen, weil sie ihnen nach den bisherigen Regelungen keinen Cent über die Grundsicherung hinaus eingebracht hätte.
....

Quelle und vollständiger Artikel: wsws.org


Immer die alte Leyer.
Nur zwei Milliarden Euro stehen zur Verfügung um die Altersarmut einzugrenzen, da braucht es schon ein gehöriges Maß an asozialer Kreativität dies in eine "Reform" zu packen.
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« Antworten #23 am: 14. September 2011, 12:59:08 »

Renteneintrittsalter ab 82
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Strombolli
Jeheimrat


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« Antworten #24 am: 14. September 2011, 13:32:19 »

Es geht nicht um das Renteneintrittsalter sondern um eine Kürzung der Renten für diejenigen die welche beziehen wollen und um die Erhaltung der Pfründe die durch die "händische" Arbeit der richtig arbeitenden, politik- und systembedingt den Sesselfurzern zugeschustert werden.

Die Antwort kann nur ein deutliches, laut schallendes "Sich wehren" (um kein anderes Wort zu gebrauchen) sein!
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Das Systemmotto: "Gib mir Dein Geld! - Jetzt, Du dreckiges Opfer !!!! - Und habe immer ANGST VOR DEM MORGEN !!!"

"Hört auf, Profite über Menschen zu stellen!" Occupy
Permanent angelogen & VERARSCHT IN DEUTSCHLAND! - Ich habe mit Dir fertig
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