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Autor Thema: [Behinderten/Altenheime] Ein Blick in den Abgrund  (Gelesen 31935 mal)
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Kater


Beiträge: 7111


« Antworten #25 am: 28. September 2007, 18:18:56 »

https://www.kritische-ereignisse.de/

Zitat
Auch ungute Erfahrungen bringen Erkenntnisse!

Machen Sie Ihre auch für andere nutzbar!

 ... bietet Pflegenden, die motiviert sind, positive Impulse für die Entwicklung der Qualität der Altenpflege zu geben, die Möglichkeit anonym  - dass heißt, ohne dass eine Rückverfolgung möglich ist - kritische Ereignisse aus der Praxis der Altenpflege zu berichten.

Eine Initiative des Kuratorium Deutsche Altershilfe e.V.
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ManOfConstantSorrow


Beiträge: 6402


« Antworten #26 am: 16. Juni 2008, 11:29:10 »

Zitat
Arbeitskampf in der Altenpflege
200 Beschäftigte von Pflegen & Wohnen legen die Arbeit im Streit um neuen Tarifvertrag nieder


Im Streit um einen neuen Tarifvertrag haben am Mittwoch 200 Beschäftigte von Pflegen & Wohnen (p&w) die Arbeit niedergelegt. An dem Warnstreik beteiligten sich vier der zwölf Altenpflegeeinrichtungen von p&w, teilte Ver.di-Sprecherin Sabine Bauer mit. Mit der Arbeitsniederlegung solle der Druck auf den Arbeitgeber erhöht werden, den Abschluss des öffentlichen Diensts für die 1.300 Beschäftigten zu übernehmen.

Die Berliner Vitanas KG und die Andreas Franke GmbH, gemeinsame Eigentümerinnen der Pflegeeinrichtungen, waren im April aus dem Hamburger Arbeitgeberverband ausgetreten. Ein von der Geschäftsführung mit Ver.di bereits ausgehandelter Tarifkompromiss war daraufhin Ende Mai wieder zurückgenommen worden.

Auf der Streikkundgebung betonte Hamburgs Ver.di-Landeschef Wolfgang Rose, die "Grenzen der Belastbarkeit für das Pflegepersonal" seien erreicht. "Humane Pflege, humane Arbeitsbedingungen und leistungsgerechte Bezahlung", hießen die Ziele des Tarifkampfes. Rose forderte Ole von Beust (CDU) auf, sich in den Konflikt einzuschalten und kritisierte die CDU-Privatisierungspolitik. Die ehemals städtische p&w war erst 2006 verkauft worden.

Die SPD erklärte ihre Unterstützung für die Beschäftigten. Sie machten von ihrem "guten Recht" Gebrauch, durch einen Warnstreik ein sichtbares Zeichen gegen Lohndumping und für eine angemessene Bezahlung zu setzen, erklärte SPD-Chef Ingo Egloff. Die Linke sprach von einem typischen Beispiel "für die verheerende Wirkung der Privatisierung von Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge". Der Senat solle alles daran setzen, um Pflegen & Wohnen zu rekommunalisieren. MAC

http://www.taz.de/regional/nord/hamburg/artikel/?dig=2008%2F06%2F12%2Fa0045&cHash=e6b6f054fc

Streik bei 'PFLEGEN UND WOHNEN' - DIE LINKE solidarisiert sich mit den Beschäftigten
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Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
Kuddel


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« Antworten #27 am: 16. Oktober 2010, 12:29:21 »

Endlich werden auch Behindertenwerkstätten in die öffentliche Diskussion und in Proteste eingebunden.

Zitat
Sparmaßnahmen: Gewerkschaftsbund protestiert gegen Sozialabbau

Der DGB Saar plant in den nächsten Wochen eine breite Protestwelle gegen Sozialabbau. Auch in den Behinderten-Werkstätten wird nun Widerstand gegen die angekündigten Sparmaßnahmen erwogen.

(...)
Nach Angaben der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Werkstätten für behinderte Menschen werden auch in den Werkstätten Proteste gegen die Saar-Regierung erwogen. LAG-Sprecher Michael Schmaus sagte der SZ, es sei „nicht auszuschließen“, dass behinderte Werkstatt-Beschäftigte demnächst für ihre Interessen auf die Straße gehen. Er wisse, dass dies gegenwärtig in den Werkstatträten diskutiert werde. Die Saar-Regierung will in den Werkstätten 3,4 Millionen Euro einsparen. Auch bei der Frühförderung und Integrationshilfen für behinderte Kinder wird der Rotstift angesetzt.(...)
http://www.saarbruecker-zeitung.de/aufmacher/DGB-Saar-Gewerkschaft-DGB-Saar-Protest;art27856,3465090
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Kuddel


Beiträge: 11472


« Antworten #28 am: 16. Januar 2011, 14:20:50 »

Zitat
Pflegeheimbranche
Bettflucht bei Marseille

Bei Deutschlands größtem privaten Pflegeheimbetreiber, den Marseille-Kliniken, stehen derzeit rund 1000 von gut 8000 Betten leer. Das räumte der neue Finanzvorstand Thomas Klaue im Gespräch mit FTD.de ein.


Noch im Oktober hatte er von 700 Betten gesprochen. Dem Unternehmen mit einem Umsatz von 241 Mio. Euro entgehen dadurch Erlöse von rund 30 Mio. Euro.
Am Freitag wird sich der Vorstand in der Hauptversammlung für die Geschäftsentwicklung rechtfertigen müssen. Einen schmalen Gewinn von 600.000 Euro konnte der Konzern zuletzt nur dank des Verkaufs der Reha-Sparte für knapp 20 Mio. Euro vorweisen. Seitdem ist das Unternehmen nur noch in der ambulanten und stationären Pflege tätig.

20 Mio. Euro musste Klaue abschreiben, der erst im Juli in das Unternehmen eingetreten ist. Die ehemaligen Vorstände Axel Hölzer und Peter Paul Gardosch von Krosigk sollen von der Hauptversammlung nicht entlastet werden - obwohl Hölzer offiziell nur aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden ist und Gardosch von Krosigk von dem Geschäftsjahr nur einen Monat im Unternehmen verbracht hat. Da Vorstandschef Ulrich Marseille zugleich Mehrheitsaktionär ist, gilt ihre Nichtentlastung als gewiss. Für Ärger bei Kleinaktionären dürfte vor allem die Talfahrt des Aktienkurses sorgen, von 18 Euro vor drei Jahren auf heute nur noch 2,45 Euro. Die Presse ist beim Aktionärstreffen ausgeschlossen.
Die schlechte Entwicklung bei den Marseille-Kliniken  ist bemerkenswert, weil Pflege angesichts der Alterung der Gesellschaft allgemein als Zukunftsmarkt gilt. Klaue räumt den Widerspruch ein: "Einerseits haben wir heute im stationären Bereich zu viele Pflegeplätze. Auf der anderen Seite heißt es immer, wir brauchen mehr Pflegeplätze in der Zukunft." Das Problem der Überkapazitäten betreffe die ganze Branche. Etwa 80.000 Betten stünden derzeit bundesweit leer.
Eine Ursache für die Belegungsprobleme sieht der Marseille-Finanzchef in veränderten Lebensgewohnheiten älterer Menschen. Weil sie so lange wie möglich selbstbestimmt leben wollten, gingen sie nun erst in einem höherem Alter als früher in Pflegeeinrichtungen. Entsprechend ist die durchschnittliche Verweildauer von fünf bis sieben Jahren vor knapp 20 Jahren auf zuletzt nur etwa zwei Jahre gesunken.
Das Unternehmen reagiert auf diesen Trend mit einer Expansion im betreuten Wohnen, das derzeit drei Prozent des Umsatzes ausmacht. Bei diesem Modell mieten die Senioren selbst eine Wohneinheit in einem Haus, das auf jeder Etage über eine Schwesternstation verfügt und eine Rezeption hat. Die Marseille-Kliniken mieten lediglich die Gemeinschaftsräume an und verkaufen die Pflegeleistung. Pro Bett erlösen sie damit zwar nur rund 8000 Euro pro Jahr, verglichen mit 30.000 Euro in der stationären Pflege. Die Rentabilität sei dank niedriger Kosten trotzdem höher.

"Wir haben uns vorgenommen, mittelfristig etwa zehn Prozent Umsatz in diesem Bereich zu erzielen", sagte Klaue. Im Dezember haben die Marseille-Kliniken dafür eine einjährige Anleihe zu einem Zins von 7,9 Prozent platziert, zudem steht eine Kapitalerhöhung an.
Die Kursentwicklung hat Beobachtern zufolge auch mit aus dem Ruder gelaufenen Kosten zu tun. Durch Verkäufe von Immobilien, die dann zurückgemietet wurden (Sale-and-Lease-back), habe das Unternehmen zwar seit 2004 etwa 300 Mio. Euro eingenommen, schreibt der Branchenexperte Hartmut Schmidt in einer Analyse. Allerdings: "Mit den Erträgen wurden Verlustlöcher gestopft, aber nicht beseitigt", so Schmidt. Als Verlustbringer gelten eine Handvoll der 62 Marseille-Einrichtungen, die Klaue zufolge rote Zahlen schreiben und den Gewinn von rund 40 klar profitablen Pflegeheimen aufzehren.

Die deutsche Pflegebranche kämpft mit strenger Regulierung und hohen Kosten. Deshalb sieht Klaue besseres Controlling als Schlüssel zum Erfolg. Man habe durch Einschnitte bei Personal und Material Fortschritte gemacht. "Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen", sagte er. Er erhofft sich mittelfristig Synergieeffekte durch größere Einrichtungen. "In Großbritannien oder den USA sind Anbieter mit 30.000 bis 50.000 Betten keine Seltenheit. Hier sind wir mit gut 8000 schon einer der größten."
Spekuliert wird, ob Vorstandschef Marseille angesichts hoher Mietkosten die Sale-and-Lease-back-Verträge neu verhandeln will. Genährt wird die Vermutung dadurch, dass 2010 Ex-Arcandor -Chef Thomas Middelhoff in den Aufsichtsrat eingezogen ist. "Herr Middelhoff hat sehr viel Erfahrung mit Immobilientransaktionen, von der wir profitieren können", sagte Klaue.
Der Handelskonzern Arcandor ging allerdings als eine der größten deutschen Firmenpleiten in die Geschichte ein. Die Finanz- und Immobiliengeschäfte, die Middelhoff dort schloss, haben massives Misstrauen des Insolvenzverwalters erregt. Er hat Middelhoff mittlerweile verklagt.

Zitat
Pressefreie Zone
Den Ausschluss der Presse von der Hauptversammlung bezeichnet Peter Kraus von der Deutschen Schutzvereinigung für Aktionäre (DSW) als höchst ungewöhnlich und als "schlechte Informationspolitik". Das gelte besonders angesichts der Tatsache, dass sich nirgends eine Begründung für die empfohlene Nichtentlastung der Ex-Vorstände findet. Für Unverständnis sorgte auch die Verlegung der Veranstaltung nach Hamburg. Es wird vermutet, dass sich in Berlin, wo sie in den letzten Jahren stattfand, viele Aktionäre mit kritischen Fragen angekündigt hatten.
http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/:pflegeheimbranche-bettflucht-bei-marseille/50214991.html
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« Antworten #29 am: 01. Juli 2011, 12:02:33 »

Zitat
... dann ging ich ins Gefängnis ...

Von Gerd Heming

Johann B., 79, ging nicht ins Gefängnis. Er ging in ein Alten- und Pflegeheim.
Für Johann B. aber war das dasselbe. Und wenn wir seinem Denken folgen, verstehen wir, warum er denkt, wie er denkt.

Zunächst einmal sollten wir uns bewusst machen, dass wir unsere Alten- und Pflegeheime zu Bedürfnisanstalten degradiert haben. Bedürfnisbefriedigung ist das Wort zum Sonntag! Auf Befriedigung seiner elementarsten Bedürfnisse wird der Mensch in Pflegeeinrichtungen reduziert. Der Mensch als bedürftiges Wesen. Bedürfnisbefriedigung als Ersatz für Menschenwürde. Satt! Sauber! Trocken! Schon der Begriff der Pflegebedürftigkeit deutet unbarmherzig darauf hin. Johann B. hat recht. Bedürfnisanstalt oder Gefängnis. Wo ist da der Unterschied?

....
Als sich vor einiger Zeit in Bonn 300 Delegierte aus den Bereichen Gesundheit und Pflege zu einer zweitägigen Tagung trafen, mussten sie für eine Nacht in Hotels untergebracht werden. Nun hatten die Hotels nicht genügend freie Einzelzimmer. Sie boten daher den Tagungsteilnehmern an, jeweils Doppelzimmer zu teilen. Nicht eines der Tagungsmitglieder war bereit, auch nur für diese eine Nacht das Zimmer mit einem anderen (Fremden) zu teilen. Die gleichen Menschen fanden aber nichts dabei, am Tag darauf für Doppel- und Mehrzimmer in Pflegeeinrichtungen zu plädieren.
....

Quelle und vollständiger Artikel: scharf-links
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Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti
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« Antworten #30 am: 04. September 2011, 17:03:21 »

Zitat
Ulrich Marseille - Die nächste Einstweilige Verfügung

Wie nicht anders zu erwarten war, hat die Kanzlei Schwenn & Krüger von der Hamburger Zensurkammer unter Richter Buske eine weitere Einstweilige Verfügung gegen Duckhome erlassen, die verhindern soll, das über Herrn Marseille die Wahrheit geschrieben werden kann und gleichzeitig aber auch so angelegt ist, dass der äußerst merkwürdige und irritierende Umgang mit Beweismitteln der Kanzlei Schwenn & Krüger die sich im Web ausgerechnet unter "rechtschaffen.de" präsentiert, nicht weiter thematisiert werden darf.
....

Für ihn ist die Beschäftigung von Hartz IV Opfern nämlich ein lohnendes Geschäft. Bei den von ihm selbst genannten Zahlen von mindestens 500 Mitarbeitern die er als Niedrigstlöhner einstellen wollte, ergibt das eine monatliche Ersparnis von rund 1400 Euro im Monat je Mitarbeiter, wozu noch die Arbeitgeberanteile für Krankenversicherung 102,20 €, Pflegeversicherung 13,65 €, Rentenversicherung 139,30 € und die Arbeitslosenversicherung mit 21 € kommen, was eine Ersparnis bei den Arbeitgeberbeiträgen in Höhe von 276,15 € bringt. Insgesamt spart Herr Marseille also bei jedem Hartz IV Opfer, das er an Stelle eines ausgebildeten Mitarbeiters beschäftigt 1676,15 Euro.

 Bei 500 Beschäftigten sind das 838.075 € im Monat und 10.056.900 € im Jahr. Wenn sich Herr Marseille um mehr als 10 Millionen Euro im Jahr auf Kosten der Hartz IV Opfer bereichern will, dann ist das sehr wohl ein Grund für einen Artikel. Egal ob das der Buske Zensurkammer passt oder nicht.
....

Quelle und vieles mehr: duckhome.de


FAZ-Artikel - Pflegebranche sucht Hartz-IV-Empfänger

Mal wieder Kritik an einem heiligen Arbeitgeber der viele Hartz-IV-Empfänger aus reiner $elbstlosigkeit aus Ihrem Elend holen will.
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Kuddel


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« Antworten #31 am: 19. September 2011, 17:23:46 »

„Erneut herrscht Unruhe bei der Mülheimer Sozialholding. Diesmal geht es um 20 Pflegemitarbeiter aus Rumänien. "Praktikanten", heißt es bei der Stadt. "Fachkräfte", reklamiert die Gewerkschaft…“

http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/Profis-oder-Praktikanten-id5070789.html
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Judy


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« Antworten #32 am: 20. September 2011, 10:37:11 »

Naja, bei der Joboffensive, die jetzt starten soll, sollen ja auch marktnahe Elos in Pflegeeinrichtungen vermittelt werden. Da kann man nur hoffen, dass die dann eventuelle Missstände anzeigen werden, so sie denn auf welche treffen. Die Löhne sind ja so tief gesunken, dass nur noch Leute mit Wohneigentum oder festangestellten Lebenspartnern von so einem Job profitieren, die anderen haben je nach Umständen sogar weniger oder auch nur in etwa gleichen Wohlstand als mit Job. Dementsprechend haben die dann ja auch keinen Grund, ihren Mund zu halten, wenn sie auf Missstände treffen.
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Kuddel


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« Antworten #33 am: 05. Oktober 2011, 12:22:36 »

Zitat
Skandal bei der Altenpflege: In vielen Seniorenheimen wird betrogen, indem weniger Pfleger eingesetzt werden als vorgeschrieben. Die eingesparten Löhne mehren den Gewinn. Etwa jedes fünfte Altenheim in Deutschland betrügt seine Bewohner und die Pflegekassen, indem es weniger Altenpfleger beschäftigt als für die Versorgung Pflegebedürftiger nötig wäre. Das geht aus einer mehrmonatigen Recherche der „Welt am Sonntag“ hervor, für die verschiedene Heimaufsichten auf Landes- und Kommunalebene befragt wurden…
http://www.welt.de/wirtschaft/article1Welr-Online%20vom%203636863/Altenheime-betruegen-Bewohner-und-Pflegekassen.html
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Judy


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« Antworten #34 am: 05. Oktober 2011, 13:53:13 »

Na, vielleicht sollten wir da doch mal eine Ausnahme machen, bei den unbezahlten Praktika und zahlreich und mit Videocams ausgerüstet mal nachgucken gehen, wie das mit der Versorgung von Alten und Behinderten so funktionieren tut...
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Aloysius


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« Antworten #35 am: 07. Oktober 2011, 09:16:10 »

Zitat
Skandal bei der Altenpflege: In vielen Seniorenheimen wird betrogen, indem weniger Pfleger eingesetzt werden als vorgeschrieben. Die eingesparten Löhne mehren den Gewinn. Etwa jedes fünfte Altenheim in Deutschland betrügt seine Bewohner und die Pflegekassen, indem es weniger Altenpfleger beschäftigt als für die Versorgung Pflegebedürftiger nötig wäre. Das geht aus einer mehrmonatigen Recherche der „Welt am Sonntag“ hervor, für die verschiedene Heimaufsichten auf Landes- und Kommunalebene befragt wurden…
http://www.welt.de/wirtschaft/article1Welr-Online%20vom%203636863/Altenheime-betruegen-Bewohner-und-Pflegekassen.html


Na Kuddel, bei dem Träger, an den die Tagesstätte angegliedert war, wo wir beide gearbeitet haben, war es doch genau so.

Speziell das ehemalige Seemannswitwenwohnheim am Schrevenpark... Was da so abläuft ist brutal. Und leider sind die sehr schön vernetzt mit den zuständigen Stellen.

Wenn man da anruft und eine Kontrolle anfordert, dann rufen die erst mal in der Zentrale des Trägers an und Oh Wunder, am Kontrolltag ist alles wunderbar
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Kuddel


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« Antworten #36 am: 24. April 2012, 20:16:22 »

Zitat
140.000 Heimbewohner ans Bett gefesselt

Rund 140.000 Menschen werden mit Gittern oder Gurten im Bett oder Rollstuhl festgehalten. Bei jedem zehnten fehlt dafür die vorgeschriebene richterliche Anordnung.

Der Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, geht davon aus, dass es ungebrochen gravierende Fehlentwicklungen gibt: "42 Prozent der Menschen in Pflegeheimen leben unter freiheitsentziehenden Maßnahmen", sagte Brysch. Pflegebedürftige würden oft mit Bändern am Bett gefesselt.

Wer Hilfe beim Essen und Trinken benötigt, bekam nur in rund 80 Prozent der Fälle die nötige Unterstützung wie speziell zubereitete Speisen.

http://www.stern.de/wirtschaft/news/pflege-tuev-der-krankenkassen-140000-heimbewohner-ans-bett-gefesselt-1817796.html
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Kuddel


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« Antworten #37 am: 08. August 2012, 14:52:54 »

Zitat
Gurte für den Rollstuhl, Bettgitter, Spezialstühle: In deutschen Pflegeheimen werden Menschen täglich fixiert - zu ihrer eigenen Sicherheit, wie es heißt. Ein BGH-Urteil hat die Genehmigung dieser Maßnahmen nun erschwert. Den Alltag in den Alteneinrichtungen dürfte das kaum ändern.

Jeden Tag will Frau H. Hunderte Male aus ihrem Stuhl aufstehen, jedes Mal hindert sie daran ein Gurt. Und jedes Mal rollt ihr Spezialstuhl, an den die alte Dame gefesselt ist, dabei ein Stück weiter. So bewegt sich Frau H. über die Flure der Hamburger Pflegeeinrichtung, in der sie lebt. Oft ist sie dabei schweißgebadet.

Frau H. ist schwer dement, ein übersteigerter Bewegungsdrang ist typisch für ihre Erkrankung. Erklärt ihr ein Pfleger, dass sie nicht aufstehen soll, weil sie sonst stürzen würde, versteht die Rentnerin das längst nicht mehr. Der Gurt an ihrem Stuhl soll für ihre Sicherheit sorgen.

Fixierung wird diese Maßnahme in der Pflegefachsprache etwas technisch beschrieben (siehe Kasten). Manchmal ist damit schlicht eine Fesselung gemeint. Fixierungen sind umstritten - in deutschen Pflegeeinrichtungen sind sie aber gängige Praxis, vor allem Bettgitter sind verbreitet.

"Wie ein Bewohner aus der Fixierung herauskommt, muss individuell entschieden werden. Auch Gespräche mit den Angehörigen sind notwendig. Eine Pauschallösung gibt es nicht", sagt die Pflegewissenschaftlerin Gabriele Meyer von der Universität Witten/Herdecke. In einer Studie, die im Fachblatt "Jama" ( "Journal of the American Medical Association") erschienen ist, haben Meyer und einige Kollegen sich mit dem Thema beschäftigt. Das Ergebnis: Ein Großteil der Fixierungen in deutschen Pflegeheimen könnte vermieden werden.
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/fixierungen-in-pflegeheimen-bettgitter-und-gurte-fuer-den-rollstuhl-a-847529.html
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Eivisskat
Gast
« Antworten #38 am: 16. Februar 2013, 09:51:26 »

Zitat
Bielefelder Appell - Die Pflege wird zum Pflegefall
 
von Interessenvertretungen aus Bielefelder Einrichtungen und Diensten der Pflege, Betreuung und Begleitung

Appell für mehr Menschlichkeit

Appell der einundzwanzig Mitarbeitendenvertretungen und Betriebsräte aus Einrichtungen und Diensten der Pflege, Betreuung und Begleitung in Bielefeld

Missstände in Kliniken, ambulanten Diensten und Heimen -insbesondere Altenheimen -erreichen seit Jahren immer wieder die Öffentlichkeit. Patienten und Angehörige beklagen sich über nicht ausreichende Betreuung und Begleitung.

Wir, die Interessenvertretungen aus Bielefelder Einrichtungen und Diensten der Pflege, Betreuung und Begleitung stellen fest:

Die in pflegerischer, hygienischer und mitmenschlicher Hinsicht häufig nicht mehr hinnehmbare Verfassung der Einrichtungen ist nicht lediglich Ergebnis von Managementfehlern und schon gar nicht nur Ausdruck individueller Fehler an der Basis. Heute werden die Missstände in einem Krankenhaus eines diakonischen Trägers öffentlich, morgen vielleicht in den zahlreichen Heimen oder ambulanten Diensten dieses Trägers, übermorgen in einem Altenheim der AWO oder in einer Einrichtung der Lebenshilfe.

Jedem Betriebsrat, jeder Mitarbeitendenvertretung ist der Problemkreis bekannt. Jede Inte­ressenvertretung weiß von der nicht mehr ausreichend zu leistenden Versorgung der kranken oder behinderten Menschen. Jede Interessenvertretung weiß von der großen insbesondere psychosozialen Belastung der Beschäftigten, von alarmierenden Krankenständen. Ihre Zahl liegt im Gesundheits-und Sozialwesen über dem Bundesdurchschnitt, in manchen Berufen und Einrichtungen um 20 bis über 50 % über dem Branchendurchschnitt. Befragungen liefern Daten, in denen die Mitarbeitenden subjektiv ihre Arbeitsbelastung als sehr hoch und das persönliche Befinden durch die Arbeit als stark eingeschränkt beurteilen. Das Gehalt für die anspruchsvolle Tätigkeit und den Stress bei der Arbeit wird als nicht an­gemessen beurteilt.

Wir Bielefelder Interessenvertretungen stellen fest:
Hier wird das grundsätzliche Problem einer sich immer mehr verschärfenden Krise aller Einrichtungen der Pflege, Betreuung und Begleitung sichtbar. Es handelt sich in erster Linie nicht um Probleme einzelner Einrichtungen bzw. Dienste. Und: Ursache und Art der Probleme weisen weit über Bielefeld hinaus. Es geht im Kern darum, welche Prioritäten unsere Gesellschaft setzt, wie viel uns die Pflege, Betreuung und Begleitung von alten, kranken, sozial geschwächten und behinderten Menschen wert ist. Es geht um eine Politik, die seit Jahren die Weichen so stellt, dass die gesellschaftliche Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird. Es geht um eine Politik, die ihre Prioritäten nicht in die Rettung „notleidender Menschen“ und eine menschenwürdige Pflege, Betreuung und Begleitung setzt, sondern immer wieder Milliarden in die Rettung „notleidender Banken“ investiert.

Zu kritisieren ist eine Politik,


die insbesondere durch ungerechte Steuergesetzgebung seit Jahren die kommunalen  Haushalte, von denen die Finanzierung unserer Dienste und Einrichtungen weitgehend abhängen, handlungsunfähig macht,

die ohne Rücksicht auf die Folgen für alte, kranke, sozial geschwächte oder behinderte Menschen in den sozialen Bereichen spart,

die die Einrichtungen des Sozial-und Gesundheitsbereichs ökonomisch stranguliert und sie den Prinzipien von Wettbewerb und Konkurrenz unterwirft,

die dafür verantwortlich ist, dass den Beschäftigten Tariflohnsteigerungen verwehrt werden, die einen Reallohnverlust verhindern.

Wir Bielefelder Interessenvertretungen stellen fest:
Die Auswirkungen dieser inzwischen 25 jährigen Politik werden immer unübersehbarer. Zunächst kommt es nur hier und da zu Protesten und zur Skandalisierung der unzumutbaren Zustände. Wenn die Auswirkungen dieser Politik erst im großen Maßstab sichtbar sind, wird es bereits zu spät sein. Deshalb melden wir uns zu Wort -die gewählten Vertreterinnen und Vertreter der Beschäftigten in Bielefelder Einrichtungen und Diensten von Pflege, Betreuung und Begleitung. Wir sind zuständig für etwa 13.500 Mitarbeitende in den meisten Einrichtungen und Diensten aus Bielefeld.

Wir Bielefelder Interessenvertretungen stellen fest:
In den sozialen Bereichen von Begleitung, Betreuung und Pflege lassen sich Menschen ausbilden, die mit Menschen arbeiten wollen. Hier arbeiten Menschen, die motiviert und engagiert sind. Motivation und Engagement sind jedoch verletzlich. Wird der Arbeitsdruck zu hoch und die Möglichkeit mit den alten, kranken, sozial geschwächten oder behinderten Menschen ausreichend zu kommunizieren zu sehr eingeschränkt, retten sich manche Mitarbeitende in Überlebensstrategien wie z. B. Dienst nach Vorschrift. Manche Altenpfleger können den Stress bei der Arbeit bereits nach wenigen Jahren nicht mehr ertragen und kündigen.

Wir Bielefelder Interessenvertretungen stellen fest:
Immer mehr Beschäftigte arbeiten in prekären Beschäftigungsverhältnissen in manchmal über viele Jahre immer wieder befristeten Verträgen, als geringfügig Beschäftigte, in abgesenkten Tarifen oder ohne Grundlage eines Tarifvertrages in frei ausgehandelten Löhnen. Viele der regulär Beschäftigten arbeiten auf Teilzeitstellen, die es immer schwerer machen, ohne Nebenjob den Lebensunterhalt zu bestreiten. In einzelnen Bereichen arbeitet nur noch ein Fünftel der Beschäftigten auf einer Vollzeitstelle. Andere Mitarbeitende zerbrechen an der Unmöglichkeit, das tun zu können, was sie fachlich und ethisch tun möchten. Ist Motivation und Engagement jedoch einmal zerstört, hat die Gesellschaft etwas verloren, das nur in jahrelangem Bemühen wieder aufgebaut werden kann wenn überhaupt.

Wir Bielefelder Interessenvertretungen stellen fest:
Es besteht die Gefahr, dass die Mitarbeitenden in Pflege, Betreuung und Begleitung die Menschen aus dem Blick verlieren und sie nicht mehr verantwortungsvoll begleiten können. Die Überlastungsanzeigen aus den Einrichtungen und Diensten, mit denen wir konfrontiert werden, weisen darauf hin, dass Mitarbeitende die Verantwortung für ihr Handeln nicht mehr übernehmen können und nicht mehr übernehmen wollen. Sie reagieren mit dem einzigen ihnen gesetzlich zur Verfügung stehenden Mittel: sie geben die Verantwortung an ihre Leitung zurück und dokumentieren damit: Wir können unter diesen personellen Zuständen keine verantwortungsvolle Arbeit leisten.

Wir Bielefelder Interessenvertretungen stellen fest:
Begleitung, Betreuung und Pflege können nicht nach ökonomischen Kriterien und nicht nach Modellen des Wettbewerbs und der Profitmaximierung ausgerichtet werden, wie sie in der der freien Wirtschaft bekannt sind. Hier geht es um eine gesellschaftliche Aufgabe, finanziert von der Gemeinschaft der Beitragszahlenden, von sozialen Leistungen, die von Menschen an Menschen erbracht werden, die alt, krank, sozial benachteiligt oder behindert und hilfebe­dürftig sind. Die Mitarbeitenden -die wir vertreten -sowie die Patient/-innen, Klient/-innen und ihre Angehörigen baden die grundsätzlichen Probleme der Ökonomisierung des Sozialen aus. Wir Interessenvertreterinnen und -vertreter können die Augen nicht mehr länger vor diesen Problemen verschließen.

Wir Bielefelder Interessenvertretungen appellieren zusammen mit Fach-und Berufsverbänden, Angehörigen, Patientinnen und Patienten und Klientinnen und Klienten an Sie, die gewählten und verantwortlichen Vertreterinnen und Vertreter in der Politik:

Nehmen Sie die Wirkung Ihrer Politik aus den letzten 25 Jahren in den Einrichtungen und Diensten der Pflege, Betreuung und Begleitung von alten, kranken, sozial benachteiligten und behinderten Menschen kritisch wahr!

Informieren Sie sich bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über die Arbeitsbedingungen in den Diensten und Einrichtungen Ihrer Stadt und Gemeinde -in Ihrem Wahlkreis!
Setzen sie sich für eine menschengerechte Pflege, Betreuung und Begleitung ein!
Sorgen Sie in Ihrem Verantwortungsbereich dafür, dass Begleitung, Betreuung und Pflege finanziell so ausgestattet werden, dass sie den betroffenen Menschen gerecht wird und Menschenwürde garantiert.
Sorgen sie für eine angemessene Bezahlung dieser verantwortungsvollen Arbeit.

Wir Bielefelder Interessenvertretungen wünschen uns von den Redakteurinnen und Redakteuren von Zeitungen, Rundfunk-und Fernsehsendern, dass sie ihren gesellschaftlichen Auftrag wahrnehmen. Berichten Sie nicht nur über die Skandale selbst, sondern auch über die Hintergründe der Skandale -über die Krise der Unterfinanzierung im Sozial-und Gesundheitswesen.

Fragen Sie die Politikerinnen und Politiker zu ihren Entscheidungen zur Finanzierung der Pflege, Betreuung und Begleitung von alten, kranken, sozial benachteiligten und behinderten Menschen!
Lassen Sie sich nicht abspeisen, recherchieren Sie! -Informieren Sie sich bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über die Auswirkungen dieser Politik in Ihrer Stadt und Gemeinde!

Der Bielefelder Appell richtet sich an Politikerinnen und Politiker unseres Landes und wurde von folgenden Interessenvertretungen, Betriebsräten und Mitarbeitendenvertretungen aus Bielefelder Einrichtungen und Diensten der Pflege, Betreuung und Begleitung unterzeichnet:


weiter bei www.scharf-links.de vom 15.03.2013 "Bielefelder Appell  - Die Pflege wird zum Pflegefall"
   
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Kuddel


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« Antworten #39 am: 19. Mai 2013, 13:45:22 »

Zitat
Lebenshilfe: Verdi ruft Anfang Juni zu Streik auf



Wuppertal. Im Tarifkonflikt bei der Lebenshilfe Wuppertal – 250 Mitarbeiter kümmern sich dort in Werkstätten und Wohnheimen um Menschen mit Behinderungen – hat die Gewerkschaft Verdi für Anfang Juni „massive Streiks“ angekündigt. Laut Verdi soll eine volle Woche gestreikt werden. Wie bisher werde der Streik „verantwortungsvoll geführt“. Notdienste seien vereinbart. Niemand komme zu Schaden.

„Wir werden uns zu gegebener Zeit äußern.“


Stefan Pauls, Geschäftsführer der Lebenshilfe Wuppertal


Harsche Kritik gibt es an der Lebenshilfe-Führung: „Vorstand und Verwaltungsrat sind abgetaucht. Sie entziehen sich vollständig ihrer Verantwortung für die Beschäftigten“, heißt es in einer Presseerklärung. „Das ist Missachtung und nicht Wertschätzung und heizt die Stimmung unter den Streikenden zusätzlich an.“ Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Pauls am Freitag zur WZ: „Wir werden uns zu gegebener Zeit dazu äußern.“

Verdi fordert von der Lebenshilfe einen Tarifvertrag

Wie berichtet, hat es seit Anfang des Monats Warnstreiks für eine bessere Bezahlung bei der Lebenshilfe Wuppertal gegeben. Verdi beklagt, dass es derzeit für die 250 Beschäftigten der Lebenshilfe – darunter Erzieher, Sozialarbeiter oder Handwerker mit pädagogischer Zusatzausbildung – keinen gültigen Tarifvertrag gibt. Zudem sei die Bezahlung deutlich schlechter als bei vergleichbaren Unternehmen in der Branche.
http://www.wz-newsline.de/lokales/wuppertal/lebenshilfe-verdi-ruft-anfang-juni-zu-streik-auf-1.1322027
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« Antworten #40 am: 16. Juni 2013, 18:26:23 »

Zitat
Amsterdam: Kämpferische Demonstration von Pflegerinnen


Demonstration von Pflegerinnen am 8. Juni 2013 in Amsterdam

Amsterdam (Korrespondenz), 15.06.13: Mehr als 5000 Pflegerinnen und Pfleger (Frauen und wenige Männer), die ältere Leute in ihrem Zuhause pflegen sowie Pfleger/-innen ub Alters- und Behindertenheimen kamen am Samstag, dem 8. Juni 2013, nach Amsterdam. Mit Dutzenden von Bussen sind sie aus allen Teilen der Niederlande angereist.

Die Demonstration geht zum Oosterpark. Dort ist eine Kundgebung. Eine der Losungen ist: "Hände weg, Rutte"! Der Premierminister soll aufhören mit den "Sparmaßnahmen" gegen die Pflege. Viele Frauen haben eigene Transparente bei sich und rufen Losungen gegen den Regierung.

Aus allem wird klar, dass sie die angekündigte Zerschlagung der Pflege nicht akzeptieren werden. Das Geld soll nicht an die Banken, die Krankenversicherungen und als Prämien für Manager fließen, sondern an die Menschen, die Pflege brauchen und an diejenigen, die in der Pflege arbeiten.

In den letzten Monaten gab es große Pflegedemonstrationen und Pflegekundgebungen in Utrecht und in Den Haag und weiteren Städten. In Rotterdam, Haarlem, Amsterdam und Arnheim gab es Streiks und Aktionen von Pflegerinnen gegen die Zerschlagung der pflegerischen versorgung.

In Amsterdam berichten Kollegen von drohender Schließung von Altersheimen und Einrichtungen für Behinderte. Kollegen vom Aktionskomitee "Wij zijn de zorg" (‚Wir sind die Pflege‘) unterstützen den Kampf, den die Heimpflegerinnen so entschlossen und selbstbewusst führen.

Die Kollegen und Kolleginnen sind fest entschlossen, ihren Kampf weiter zu führen. Die Frauen sagen: Jeder kann sich anschließen beim Kampf der Pflegerinnen.
http://www.rf-news.de/2013/kw24/amsterdam-kaempferische-demonstration-von-pflegerinnen
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Eivisskat
Gast
« Antworten #41 am: 10. Oktober 2013, 13:45:15 »

Zitat
Immer mehr Betreuer von pflegebedürftigen Menschen in Deutschland kommen aus dem Ausland.
Rassistische Beleidigungen in Heimen sind an der Tagesordnung. Fremdenfeindlichkeit auf Pflegestationen – ein Tabuthema.

Fremdenfeindlichkeit ist alltäglich
Rassistische Angriffe von Senioren auf ausländische Pflegekräfte sind in deutschen Altersheimen kein unbekanntes Phänomen.
Es spricht nur niemand darüber. Der Beruf des Alten- oder Krankenpflegers ist nicht leicht, das ist bekannt. Warum sollte man Bewerber aus dem Ausland also auch noch abschrecken, indem man sie darauf hinweist, dass Fremdenfeindlichkeit in deutschen Seniorenheimen oft dazugehört?

http://www.kontextwochenzeitung.de/s-klasse/132/gepflegter-rassismus-1772.html
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Kuddel


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« Antworten #42 am: 19. Dezember 2013, 13:27:48 »

Zitat
Steigende Pflegekosten
Vom Pflege- zum Sozialfall

Etwa ein Drittel aller Heimbewohner kann die steigenden Pflegekosten nicht mehr auffangen und muss Sozialhilfe beantragen. Das ist unwürdig. Krankheit sollte alte Menschen nicht zu Bittstellern machen.


Ein Kommentar von Nina von Hardenberg

Heimpflege ist das ungeliebte Stiefkind der Pflegepolitik. Kein Mensch möchte im Alter in ein Heim umziehen, und so haben auch Politiker zuletzt kaum Anlass gesehen, diesen unpopulären Zweig der Pflegewirtschaft auch noch zu fördern. Die Zahlungen der Krankenkassen für Heimbewohner wurden seit Einführung der Pflegeversicherung fast nicht erhöht. Die steigenden Kosten tragen die alten Menschen alleine. Viele können das nicht mehr.

Die Knauserigkeit bei der Heimpflege war anfangs richtig - schließlich hatte die mächtige Branche 1995 vergleichsweise hohe Sätze für ihre Bewohner erwirkt. Für Pflege zu Hause gab es fast nichts. Zu Recht wurden deshalb zuletzt Dienste gefördert, die Menschen in ihrer vertrauten Umgebung halfen. Die Menschen wollen dort bleiben, und zumindest bei geringer Gebrechlichkeit ist das auch am billigsten. Jeder Umzug führt zu höheren Kosten, etwa für die neue Miete.

Ein Teil der Menschen wird dennoch auch künftig in Heime oder in eine Pflege-WG umziehen müssen. Demenz erzwingt häufig einen solchen Wechsel. Etwa ein Drittel der Bewohner bringt dieser Umzug schon heute in Not. Sie müssen Sozialhilfe beantragen. Das ist unwürdig. Krankheit sollte alte Menschen nicht zu Bittstellern machen. Wenn die Koalition wie geplant die Beiträge zur Pflegeversicherung anhebt, sollte das darum auch den Heimbewohnern zugutekommen.
http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/steigende-pflegekosten-vom-pflege-zum-sozialfall-1.1847166
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« Antworten #43 am: 29. Januar 2017, 21:26:29 »

Zitat
Gewalt in der Pflege:
Whistleblower im Altenheim

Pflegebedürftige werden häufig misshandelt, manche sogar von Pflegekräften getötet. Doch wer so etwas meldet, wird nicht selten abgestraft.
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-01/gewalt-in-der-pflege-whistleblower
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« Antworten #44 am: 12. Dezember 2017, 16:19:20 »

Zitat
Billiger als Zeitarbeiter
In Cottbus bestreikt Verdi die Altenheime von Pro Seniore. Konzern erwirtschaftet Gewinn, Beschäftigte bekommen Niedriglöhne


In Cottbus haben am Freitag rund 100 Beschäftigte von zwei Pro-Seniore-Altenheimen die Arbeit für mehrere Stunden niedergelegt. Zu dem mehrstündigen Warnstreik hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aufgerufen. Sie strebt einen Tarifvertrag und deutliche Lohnsteigerungen an.

Der Konflikt zwischen Beschäftigten und Unternehmensleitung zieht sich nunmehr drei Jahre hin. Erstmalig hatte Verdi die Cottbuser Pro-Seniore-Unternehmen zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Der überwiegende Teil der Beschäftigten hatte seit 2006 keine Lohnerhöhungen erhalten, obwohl Heimbewohner und Kostenträger jährlich mehr für Pflege- und Betreuung zahlen müssen.

Den ersten Erfolg gab es im vergangenen Jahr nach einem Warnstreik. Pro Seniore stimmte einem »Vorschalt-Tarifvertrag« zu, nach dem die Löhne um 3,5 bis fünf Prozent erhöht wurden. Im Herbst wurden die Verhandlungen mit dem Ziel fortgesetzt, zum 1. Januar 2017 einen neuen Tarifvertrag mit entsprechender Lohnerhöhung in Kraft zu setzen. Dazu sei es aber nicht gekommen, sagte Ralf Franke, Verhandlungsführer von Verdi am Freitag gegenüber jW.

Das Unternehmen hatte Anfang des Jahres lediglich eine Entgelterhöhung von 1,5 Prozent angeboten. Für Fachkräfte entspricht das, bei einer Wochenarbeitszeit von 30 Stunden, einem monatlichem Plus von 25 bis 27 Euro brutto. Für Pflegehelfer ergibt das eine Steigerung von nur 19 Euro brutto. »Dieses Arbeitgeberangebot ist völlig unzureichend und nicht wertschätzend«, sagte Franke. Daher habe »die Verdi-Tarifkommission entschieden, in den Warnstreik zu gehen«.

Ein neuerliches Angebot, das die Unternehmensleitung am Donnerstag abgegeben hatte, sei ebenfalls unbefriedigend ausgefallen. Dieses biete beispielsweise 2018 ein Einstiegsgehalt, das nur 15 Cent über dem Mindestlohn liege, so Franke. Weihnachtsgeld werde ebenfalls nicht angeboten.

In den vergangenen Jahren sei es in der Region gelungen, mit den Betreibern von vierzehn Altenpflegeheimen einen Haustarifvertrag abzuschließen. Alle bieten den Beschäftigten bessere Bedingungen, als mit dem neuerlichen Angebot unterbreitet wurden. Abhängig von der Beschäftigungszeit erhalten die Pflegekräfte bei Pro Seniore zwischen acht und 38 Prozent weniger Entgelt als die Arbeiter in anderen Seniorenzentren.

Im Unternehmen herrsche keine wirtschaftliche Not, das zeigten die Zahlen, so Franke. Die beiden Einrichtungen wiesen in den Jahresabschlüssen von 2015 einen Gewinn von über 500.000 Euro aus. Diese Ergebnisse würden wesentlich höhere Löhne und Gehälter ermöglichen, erklärte der Gewerkschafter. Pro Beschäftigten seien das immerhin 5.000 Euro im Jahr, sagte er den Streikenden.

Diese Situation bei Pro Seniore sei nicht ungewöhnlich, erklärte Franke im Gespräch; ähnlich habe es auch bei anderen Einrichtungen gegeben. Über die Spitzenverbände im Pflegebereich hätten die Heimbetreiber immer wieder höhere Gebühren für die Heiminsassen genehmigt bekommen, ohne nachweisen zu müssen, dass das Geld an die Beschäftigten weitergereicht werden. Letztlich sei dadurch eine paradoxe Situation entstanden: Die Betreiber hätten am Jahresende ein dickes Plus erwirtschaftet, ohne den Gewinn ausschütten zu können, da sie anderenfalls ihre Gemeinnützigkeit riskierten.

Erst in diesem Jahr seien die gesetzlichen Regelungen geändert worden, so Franke. Wollen Betreiber nun von den Heiminsassen höhere Gebühren kassieren, müssen sie gleichzeitig nachweisen, dass sie die Mehreinnahmen an die Beschäftigten weiterreichen.

Außer dem Wunsch, das Geld zu behalten, gibt es keinen Grund für das Unternehmen, sich nicht auf einen Tarifvertrag einzulassen. Mit diesem Schritt würde es einem weiteren Problem begegnen, von dem es immer stärker betroffen ist, so Franke. Denn zu einem derartig niedrigen Entgelt findet das Unternehmen immer seltener Fachkräfte. Deshalb ist es zunehmend auf Zeitarbeiter angewiesen, die am Ende teurer sind.
https://www.jungewelt.de/artikel/322837.billiger-als-zeitarbeiter.html
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« Antworten #45 am: 16. Dezember 2017, 22:55:18 »

Zitat
Pflegeheime
Ein verschworenes Team. Niemand schöpfte Verdacht. "Mit euch würde ich auch morden"

Angeklagt des Mordes: Danny L. und seine Kollegen galten als engagiert, als ein verschworenes Team. Niemand schöpfte Verdacht, bis ein Video auftauchte. Nun stehen die drei Pfleger vor Gericht.


Drei wegen Mordes angeklagte Pfleger waren im Seniorenhaus Lambrechter Tal tätig. Es wird von der Arbeiterwohlfahrt betrieben. Vom "Pflege-TÜV" wurde es bestens benotet. Die Aussagekraft dieser Noten ist allerdings umstritten...
https://www.stern.de/panorama/gesellschaft/mord-im-altenheim--ein-verschworenes-team--niemand-schoepfte-verdacht--7785140.html
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ManOfConstantSorrow


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« Antworten #46 am: 12. Februar 2018, 12:50:10 »

Der Fehler liegt im System.
Der Pflegeindustrie geht es nicht um das Wohl der Menschen, sondern um den Profit:

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Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
Kuddel


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« Antworten #47 am: 15. März 2018, 21:04:11 »

Zitat
Angehörige zu Pflegemängeln:
"Nicht mal satt und sauber"

Fehlende Medikamente, tagelang ungewaschen. Das ist laut einer Betroffenen der Zustand im Pflegeheim in der Bremer Marcusallee. Sie berichtet, warum sie ihre Mutter aus dem Heim herausgeholt hat.


...
In letzter Zeit hat sich die personelle Situation ganz stark verschlechtert. Sie ist schon länger schlecht. Aber jetzt ist sie extrem schlecht geworden (...) Meine Mutter wohnte im Wohnbereich 2, wo sehr viele demente Leute sind, die hilfsbedürftig sind. Sie wurden von zwei Personen komplett versorgt – Essen, ins Bett legen, waschen, alles was dazu gehört.
...
Ich bin dann abends wieder da gewesen und habe gefragt: "Wo sind die Medikamente?" Die Medikamente waren immer noch nicht da. Samstagsmorgen bin ich wieder hin und immer noch waren die Medikamente nicht da. Ich habe dann selbst bei der Apotheke angerufen und gefragt, ob die Medikamete geliefert wurden. Da hörte ich "ja" [...] Ich habe mich auch beschwert und bekam die lapidare Antwort: "So ist Pflege heute."
...
Sonntagmorgen bin ich wieder hin, da saß sie mit völlig verklebten, eitrigen Augen – sie konnte sie selber nicht mehr öffnen – am Frühstückstisch. Ich vermute auch, dass sie nichts gegessen hat. Wenn sie nichts sieht, dann isst sie auch nichts.
...
Vier Abende hintereinander habe ich das gesehen. Sie wurde immer ungewaschen ins Bett gelegt. Es kam immer die Aussage: "Gewaschen wird nur morgens."
...
https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/gesellschaft/maengel-in-alloheim-bremen102.html
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« Antworten #48 am: 25. Juni 2018, 10:39:06 »

Zitat
Altenpflege:
Das schlechte Gewissen arbeitet immer mit

In der Altenpflege haben die Arbeitsbedingungen fast selbstzerstörerische Ausmaße angenommen. Fachkräfte fliehen aus dem Beruf.

...
Zum Beispiel habe sie wegen des Personalmangels und des permanenten Zeitdrucks Bewohner häufig nicht so oft gelagert, wie es eigentlich erforderlich gewesen wäre. Die Folge waren Druckgeschwüre.
...
Heute arbeitet über eine Million Menschen allein in der Altenpflege. Mehr als 730.000 Fachkräfte sind in den 13.600 stationären Einrichtungen, also Alten- und Pflegeheimen, angestellt.
...
Es komme in vielen Heimen vor, dass Bewohner "mit Medikamenten ruhig gestellt werden, damit die Arbeit zu schaffen ist", sagt die Altenpflegerin. Sie selbst habe erlebt, wie der Arzt dementen Bewohnerinnen und Bewohnern Schlaf- und Beruhigungsmittel verschrieben habe, um zu verhindern, dass diese nachts herumlaufen ...
https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-06/altenpflege-arbeitsbedingungen-fachkraeftemangel-pflegenotstand
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Kuddel


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« Antworten #49 am: 21. Juli 2018, 19:16:17 »

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