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Autor Thema: Mindestlohn  (Gelesen 37569 mal)
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Wilddieb Stuelpner


Beiträge: 8920


« Antworten #25 am: 21. April 2005, 00:25:21 »

Richtig, und deshalb müssen die Gewerkschaften auch mit Bruderorganisationen zusammenarbeiten, ansonsten können sie sich einsargen lassen. Wenn das nicht passiert, haben wir hier Unternehmerwillkür pur und total. Ab in den Manchesterkapitalismus zu Zeiten der industriellen Revolution.

Das Kapital handelt international, also müssen Gewerkschaftsverbände ihre Handlungsweisen miteinander koordinieren. Sonst spielt man deutsche gegen chinesische oder gegen Gewerkschafter in Lateinamerika aus.

AN und Erwerbslose brauchen internationale Kontakte und gemeinsame Organisationsformen, um dem Kapital überall in die Parade zu fahren. Und deshalb muß man sich der Verbindungsmöglichkeiten der Gewerkschaften bedienen.

Bis jetzt habe ich jedenfalls noch keine demonstrierenden Erwerbslosen und wildgewordene Betriebsrevoluzzer gesehen, die mit ausländischen AN und Erwerbslosen des gleichen Konzerns abgestimmt gehandelt hätten.

Nur über die Ortsgrenzen des eigenen Dorfs, der eigenen Stadt, Region oder Landes zu blicken, ist eine beschränkte Sichtweise.

Warum steht wohl im Kommunistischen Manifest vom Februar 1848 am Ende des Kapitel IV die Losung

"Proletarier aller Länder vereinigt euch!"

Es wird höchste Zeit, daß in Europa wieder gilt: "Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Kommunismus."

Und für AN und Erwerbslose gilt Goethes:

Nutze deine jungen Tage,
lerne zeitig klüger sein.
Auf des Glückes großer Waage
steht die Zunge selten ein.
Du musst steigen oder sinken,
du musst herrschen und gewinnen
oder dienen und verlieren,
leiden oder triumphieren,
Amboss oder Hammer sein!

Es wäre auch mal Zeit für einen Generalstreik, so wie in diesem Beispiel "Ditmal strikt wi för wat anneres"

"... Und bei dem Streik ging es nicht nur um bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne. So meinte ein Arbeiter auf den Einwand, der Streik führe doch zu Einkommensverlusten für die Streikenden: "Dat weet wir allens, ab ditmal strikt wi nicht för dat Geld, ditmal strikt wi för ganz wat anneres", berichtet der Hamburgische Correspondent in seiner Ausgabe vom 6. Dezember 1896. ..."

Wir haben in der deutschen Arbeiterbewegung gute Traditionen so wie der elfwöchige Streik der Hamburger Schauerleute von 1896 oder der Generalstreik gegen die Freikorps von Kapp und Noske im März 1920, darin eingebunden die Rote Ruhrarmee.

Empfehlenswert sind die Bücher zu lesen von

Karl Grünberg; Brennende Ruhr; Verlag RuhrEcho, ISBN 3-931999-03-3 und

Otto Gotsche/Hans-Albert Pederzani, Die Fahne von Kriwoj Rog

Der Kern der Handlung im letztgenannten Roman:

Als Solidaritätsgeschenk bringen sowjetische Bergleute im Jahre 1929 eine gestickte Fahne ins Mansfelder Land, wo deutsche Arbeiter einen Aufstand gegen die Unternehmer organisiert haben. Otto Brosowksi, der die Fahne bei jeder Demonstration der Kommunisten getragen hatte, bewahrt das Geschenk im Glauben an eine bessere Zukunft auch nach der Machtergreifung der Nazis auf. 1945 zieht nach dem Abzug der Amerikaner tatsächlich die Rote Armee ins Mansfelder Land ein. Otto geht ihr mit seiner Familie, seinen Genossen und der Fahne entgegen...

(Jan-Eric Loebe)

Ich fürchte der deutsche Michel ist faul, fett und behäbig geworden, um seine gesellschaftliche Rolle zu verstehen und hat bis zum jetzigen Tag nicht begriffen, daß man ihm das Fell über die Ohren ziehen wird. Der kapiert die Entwicklung erst, wenn man ihm am sozialen Schlafittchen gepackt hat und sein Haus und Wagen unterm Hintern wegpfändet. Dann ist es aber zu spät zum revoluzzern. Er kann ruhig weiter pennen.
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vinci


Beiträge: 105



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« Antworten #26 am: 21. April 2005, 12:10:20 »

Vielem kann ich zustimmen, auch dem Generalstreik. Der sollte am besten international oder zumindest europaweit sein. Den Kommunismus als gesellschaftliches Gegenmodell lehne ich aber ab. Grundlage muß m.E. ein freies, anarchistisches Miteinander sein.
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Horch
Gast
« Antworten #27 am: 21. April 2005, 12:31:57 »

Zitat
Original von vinci
Vielem kann ich zustimmen, auch dem Generalstreik. Der sollte am besten international oder zumindest europaweit sein. Den Kommunismus als gesellschaftliches Gegenmodell lehne ich aber ab. Grundlage muß m.E. ein freies, anarchistisches Miteinander sein.

Im Kommunismus kann es nur ein freies Miteinander geben. Und es gibt auch unter den Kommunisten Anarchisten.
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Carpe Noctem


Beiträge: 1391



« Antworten #28 am: 21. April 2005, 12:55:22 »

Zitat
Original von Horch
Zitat
Original von vinci
Vielem kann ich zustimmen, auch dem Generalstreik. Der sollte am besten international oder zumindest europaweit sein. Den Kommunismus als gesellschaftliches Gegenmodell lehne ich aber ab. Grundlage muß m.E. ein freies, anarchistisches Miteinander sein.

Im Kommunismus kann es nur ein freies Miteinander geben. Und es gibt auch unter den Kommunisten Anarchisten.

Bleibt die Frage nach der Zentralinstanz bestehen, heute und in den Theorien von Marx der Staat. Das war ein Hauptstreitpunkt zwischen Marx und Bakunin, und ist es heute noch zwischen den Fronten der Linken, z.B. Antifa und libertären Kreisen.

Bakunin sagte, dass vom alten System nichts übrig bleiben darf, weil aus jeglichem Rest eine Rekonstruktion des überwunden geglaubten Systems möglich ist. Marx hingegen setzte auf eine starke Zentralinstanz. Bakunin pflegte darauf zu erwidern, dass Zentralinstanzen Herrschaft bedingen und politische Eliten das Volk für dumm verkaufen. Für mich bleibt bei alldem nur die Frage, wie dumm "das Volk" ist und wie wozu "es" fähig sein wird wenn "es" die Möglichkeit zur herrschaftsfreien Selbstverwaltung hat.

Wenn das nie ausprobiert wird kann man über diese Frage nur bis zum Sanktnimmerleinstag spekulieren... wobei ich aber zugeben muss dass ich diese beiden historischen Persönlichkeiten nicht zum alleinigen Vorbild wählen würde. Ich gehe immer nach dem Motto "Selber denken macht schlau" und halte mich nicht ohne weiteres an die Gesellschaftstheorien bedeutender MÄNNER (die repräsentieren nämlich max. die Hälfte der Menschheit).

Grüsse - CN
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Horch
Gast
« Antworten #29 am: 21. April 2005, 13:37:37 »

Original von Carpe Noctem

wir haben uns zwar vom Thema Mindestlohn entfernt, aber so ist das nun mal bei lebendigen Diskussionen.
Bakunin war wie Marx Materialist. Die Differenzen halte ich nicht für entscheidend. Ich selber halte wenig davon rein materialistisch oder rein idealistisch zu denken. Hier vertrete ich eine ähnliche, wenn auch nicht gleiche Position wie die Agnostiker (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Ockhams_Rasiermesser).
 Ähnlich, weil ich den Standpunkt vertrete, alles was nicht verifizierbar ist, sollte offen bleiben. Nicht die gleiche Position, weil ich es dennoch für lohnenswert halte, darüber nachzudenken.
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aian19


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« Antworten #30 am: 21. April 2005, 13:44:16 »

Zitat
Richtig, und deshalb müssen die Gewerkschaften auch mit Bruderorganisationen zusammenarbeiten, ansonsten können sie sich einsargen lassen. Wenn das nicht passiert, haben wir hier Unternehmerwillkür pur und total. Ab in den Manchesterkapitalismus zu Zeiten der industriellen Revolution.

Man, da hat jemand aber eine gaaaanze Menge verpasst !!!!  cry cry cry cry cry
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"Wenn Unrecht zu Gesetz wird, ist der Gesetzlose der einzige, der noch rechtmäßig handelt."

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geishapunk


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« Antworten #31 am: 21. April 2005, 14:19:58 »

Zitat
Original von Horch
Im Kommunismus kann es nur ein freies Miteinander geben.

Sorry, aber das ist ein Gegensatz in sich.
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Carpe Noctem


Beiträge: 1391



« Antworten #32 am: 21. April 2005, 14:48:14 »

Hi Horch,

ich bin auch kein Materialist, deswegen u.a. habe ich auch gesagt "ich folge nicht unkritisch den Theorien irgendwelcher bedeutenden Männer". Mir geht es darum, dass der Unterschied im Bestehen oder Nichtbestehen einer Zentralinstanz (Herrschaftsform) eben NICHT marginal ist. Ich für mein Teil möchte nämlich auch nicht, dass mir irgendein Staat oder wer auch immer von oben quasi Zwangsrationalismus (=Materialismus) aufoktroyiert. Oder sonstiges von mir verlangt was mir nicht passt... das ist alles andere als marginal, wenn Menschen die Möglickeit behalten ihre Verantwortung an irgendwen "da oben" zu delegieren. Es trennt Welten und schafft / bewahrt eine Mentalität wie wir sie jetzt haben.

Meine These:
Verantwortung ist die Vorraussetzung für Freiheit.

Grüsse - CN
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« Antworten #33 am: 21. April 2005, 14:51:10 »

Zitat
Original von Carpe Noctem

Meine These:
Verantwortung ist die Vorraussetzung für Freiheit.

Grüsse - CN

Ganz genau auf den Punkt gebracht! Nur leider ist Verantwortung etwas das raar gesäät ist!
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Carpe Noctem


Beiträge: 1391



« Antworten #34 am: 21. April 2005, 15:14:46 »

Zitat
Original von geishapunk
Ganz genau auf den Punkt gebracht! Nur leider ist Verantwortung etwas das raar gesäät ist!

Ist aber auch kein Wunder wenn einem ständig einer vorschreibt was man zu denken, zu sagen und zu tun hat. Da vergeht den Leuten die Lust sich im Namen anderer "verantwortlich" zu verhalten. Verantwortung hat nämlich in Wahrheit nicht viel mit Folgsamkeit zu tun.

Grüsse - CN
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Horch
Gast
« Antworten #35 am: 21. April 2005, 15:36:02 »

Hallo Carpe Noctem,

dass eine Gesellschaft ohne Herrschaftsform wünschenswert ist, ist in meinen Augen nicht der Kern der Debatte.
Es handelt ich hier um ein temporäres Problem. Selbst Anarchisten können in einer autoritären Gesellschaft nicht darauf verzichten nach einer gewissen Herrschaft zu streben und sei es nur um durchzusetzen, dass Anarchisten weiter Anarchisten sein können.
Genau deshalb bezeichne ich mich selbst auch nicht als Anarchisten (die Zeit dafür ist noch nicht reif).
Manchmal ist es ratsam auf dem Volksmund zu hören: "Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt".
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geishapunk


Beiträge: 487


« Antworten #36 am: 21. April 2005, 17:32:50 »

Zitat
Original von Carpe Noctem
Zitat
Original von geishapunk
Ganz genau auf den Punkt gebracht! Nur leider ist Verantwortung etwas das raar gesäät ist!

Ist aber auch kein Wunder wenn einem ständig einer vorschreibt was man zu denken, zu sagen und zu tun hat. Da vergeht den Leuten die Lust sich im Namen anderer "verantwortlich" zu verhalten. Verantwortung hat nämlich in Wahrheit nicht viel mit Folgsamkeit zu tun.

Grüsse - CN

Tja, da ist was dran und auch nicht... was war zu erst da? Der Mangel an Verantwortungsbewußtsein oder das ständige Vorgeschrieben bekommen.

Ich denke eine Mischung aus Beidem ist nahe an der Wahrheit! Leider neigt der Mensch im allgemeinen nunmal dazu keine Verantwortung übernehmen zu wollen!
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Horch
Gast
« Antworten #37 am: 29. April 2005, 12:52:39 »

Hier ein Bericht aus der "Jungen Welt" (29.04.2005), der meine Skepsis zum Thema "Volksabstimmungen" bestätigt:

Scheindemokratie
 
»Plan B« für ein »Nein« der Franzosen beim EU-Verfassungsreferendum
 
Es gibt einen Brüsseler »Plan B« für ein »Nein« der Franzosen beim Referendum über die EU-Verfassung Ende Mai. Eine entsprechende Aussage des europäischen Justizkommissars Franco Frattini ging am Donnerstag durch die Medien. Allerdings: Überraschen kann die Existenz eines solchen Notfallszenarios nicht, auch wenn sie umgehend dementiert wurde.

Die Europäische Union ist ein gut funktionierendes und permanentes Krisenmanagement, meinte einmal ein hochrangiger Brüsseler Beamter. Natürlich werden in der EU-Zentrale alle Varianten durchgespielt und Gegenstrategien für mißliebige Entwicklungen ausgearbeitet. Wenn einige Staaten Entscheidungen nicht mittragen wollen, werden andere Formen der Zusammenarbeit geschaffen – wie die Eurogruppe, in der jene Länder vereint sind, die die Gemeinschaftswährung eingeführt haben. Wenn einige Staaten auf die Durchsetzung ihrer Interessen pochen und trotzdem bei der Stange gehalten werden sollen, greift man zu Sonderregelungen – wie dem »Briten-Rabatt« bei den Beitragszahlungen. Wenn Referenden negativ ausfallen, wird eben abgestimmt, bis die Ergebnisse passen – so 1992 bei der Befragung der Dänen zum Maastricht- und 2001 der Iren zum Nizza-Vertrag. Demokratie ist in der EU eine Floskel. Das jüngste Beispiel dafür ist die Verfassung selbst: Die eingeführten Volksbegehren sind mit hohen Hürden verbunden und dienen lediglich als »Handlungsvorschlag« für die EU-Kommission zur besseren Umsetzung der Konstitution. Selbst die Diskussion um die EU-Verfassung wurde – aus gutem Grund – ins Hinterstübchen verlegt. Und auch die Volksabstimmungen über den Verfassungsvertrag haben in der Mehrzahl nur konsultativen Charakter.

Kurioserweise wird nun gerade das Demokratieargument für den Notfallplan gezogen: Es wäre »undemokratisch«, wenn allein Frankreichs Bevölkerung über die EU-Geschicke entschiede, meinte der Luxemburger Regierungschef Jean-Claude Juncker vor einer guten Woche und kündigte für den Ernstfall Schritte zur Fortsetzung des Ratifizierungsprozesses an. Und Juncker weiß, wovon er spricht – er ist derzeit EU-Ratsvorsitzender. Nicht zuletzt ist im Verfassungstext offengehalten, wie mit einer eventuellen Ablehnung in einem Staat umzugehen ist.

Offensichtlich wird wieder einmal die Angst vor einem »Ende der europäischen Vereinigung« geschürt. (Wobei die neoliberale und militaristische Ausrichtung der Verfassung diesen Prozeß eher blockiert.) Aber weder negative Referenden noch die zahlreichen Interessenkonflikte haben die – staatliche und wirtschaftliche – europäische Integration gestoppt, ja noch nicht einmal ernsthaft gebremst. Trotzdem wäre es eine Ohrfeige für EU-Europa, wenn das »Zukunftswerk« im Kernland Frankreich bei der Bevölkerung durchfallen würde. Daher erhält Frankreichs Präsident Jaques Chirac inzwischen massive Unterstützung aus dem Ausland, insbesondere von Bundeskanzler Schröder. Öffentlichkeitswirksam haben beide Politiker vor wenigen Wochen die scharf kritisierte EU-Dienstleistungsrichtlinie geerdet – vorerst.
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Wilddieb Stuelpner


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« Antworten #38 am: 29. April 2005, 14:30:48 »

Dann wundert es mich aber, daß bei ausdrücklicher Nachfrage Peter Eschers an den Chef der Schweizer Privaten Arbeitsvermittler, was denn deutsche Zeitarbeiter für Facharbeitertätigkeiten in Handwerksberufen zu erwarten hätten, die Antwort kam: Für Blaumänner ist ein tariflicher Stundenlohn zwischen 18 und 22 € zu erwarten.

Wenn die Schweizer derartige Angebote machen können und genauso wie deutsche Unternehmer der globalen Konkurrenz ausgesetzt sind, frage ich mich:

Mit was rechtfertigen deutsche Unternehmer und ihre Interessenverbände alle arbeitswilligen (auch hochqualifizierte) AN und Arbeitslose ausschließlich im Dumpinglohnbereich zwischen 3 und 6 €/Stunde bzw. gleich unentgeltlich mit staatlichen Förderungen pressen zu wollen.

Meine Schlußfolgerung: Unternehmer haben keine schlüssige betriebswirtschaftliche Begründung und stehen auch nicht in Not, sondern ihnen geht es nur um maßlose Profitmaximierung.
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Wilddieb Stuelpner


Beiträge: 8920


« Antworten #39 am: 29. April 2005, 14:35:07 »

Dann soll der selbsternannte "Wirtschaftsexperte" endlich mal als Vorbild glänzen und für weitere 20 Jahre seine unseriöse Kaffeesatzleserei zu diesem Stundenlohn in einem Selbstversuch praktizieren. Palavern kann jeder. Auf die Taten kommt es an.
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Wilddieb Stuelpner


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« Antworten #40 am: 29. April 2005, 15:05:55 »

Er hat gezielt beim Verbandspräsidenten der Schweizer Privaten Arbeitsvermittler nach den Handwerkerverdiensten in der Schweriz nachgefragt und bekam von diesem Herrn die auskunft über den Stundenloh n zwischen 18 und 22 €. das hat sich Escher nicht aus den Fingern gesaugt.
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mafoman
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« Antworten #41 am: 29. April 2005, 15:56:20 »

...gelöscht
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Wilddieb Stuelpner


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« Antworten #42 am: 29. April 2005, 18:52:36 »

Videotexxtafel 143 MDR Fr.29.04.05 18:46:51

Mindestlohn an Arbeitsort gekoppelt

Die Bundesregierung will das "Entsendegesetz auf alle Branchen ausdehnen, um das Lohndumping mit osteuropäischen Billigarbeitern zu bremsen. Ein Gesetzentwurf soll am 11. Mai vorliegen. Allerdings muss neben dem Bundestag auch der unionsdominierte Bundesrat zustimmen. CDU und CSU sind aber dagegen.

Das bisherige Entsendegesetz gilt seit 1996 für die Baubranche. Es schreibt Mindeststandards für Lohn und Urlaub vor. Entscheidend ist der Arbeitsort. Beschäftigte aus dem Ausland bzw. einer ausländischen Firma, müssen nach Ortstarif bezahlt werden, wenn sie hier arbeiten. Das trifft auch Ostfirmen, die Aufträge im Westen erhalten.

Voraussetzung für die Anwendung des Entsendegesetzes ist ein gültiger Flächentarifvertrag für die jeweilige Branche. Dann gibt es zwei Möglichkeiten:

a) Arbeitgeber und Beschäftigtenvertreter bitten die Bundesregierung, eine Allgemeinverbindlichkeitserklärung auszusprechen.
b) Die Bundesregierung erlässt auf Antrag einer Tarifpartei, z.B. der Gewerkschaften, eine Anordnung.

Ist das geschehen, gilt der unterste Tarif nunmehr als Mindestlohn. Auch nicht tarifgebundene Unternehmen müssen sich nun daran halten. Die Kontrolle obliegt dem Zoll.
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Kann das sein?


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« Antworten #43 am: 11. Mai 2005, 09:04:16 »

Gestern wurde es uns wieder im ZDF vorgeführt:

1. Szene:
Glückliche bzw. zufriedene "Fremdländer" die sich freuen für ca. 4 Euro in der ostdeutschen Landwirtschaft (in diesem Fall in Thüringen) saisonal arbeiten zu dürfen. Deutsche Arbeitslose sind für dieses Geld nicht zu bekommen, wurde beklagt ...

2. Szene:
Glückliche und zufriedene - bislang arbeitslose - Menschen aus Thüringen, die sich freuen, für 7,30 Euro Garantielohn die Stunde brutto im Akkord in Holland, in diesem Fall in einer Blumengärtnerei 10 Stunden am Tag, 6 Tage die Woche, zu arbeiten. Motto: "Wer keine 150 Gerbera-Topfblumen pro Stunde schafft, der fliegt wieder raus."
Unterkunft (in Gruppen) wurde vom Arbeitgeber in einem typisch holl. Einfamilienhaus für 50 Euro monatlich gestellt. Netto ausgezahlt werden etwa 800 bzw. 850 Euro pro Monat (vergleiche hierzu Stundenlohn und Arbeitszeit, also sind da in NL auch erhebliche Lohnabzüge).

Dann der holländische Arbeitgeber bzw. der Arbeitsvermittler:
Wir sind sehr zufrieden mit den Deutschen, die sind immer so pünktlich und fleissig. Wissen Sie, das Problem ist, in Holland gibt es fast keine Arbeitslosigkeit, wir haben Arbeitskräftemangel und für diesen Lohn (also 7,30 Euro Garantie-Mindestlohn) finden wir keine holländischen Arbeitnehmer, die bereit sind dafür zu arbeiten.

Das muss man sich mal überlegen! Hier wird man schon als "faules Sackgesicht" abgestempelt, wenn man nicht für 4 Euro arbeiten will, "nebenan" geht die eigene Bevölkerung noch nicht mal für´s doppelte arbeiten.

(Vergleiche hierzu auch den Kommentar/Aufsatz von JoachimKühnel zu den Escher-Erkenntnissen bezüglich Verdienstmöglichkeiten im Ausland.)
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aian19


Beiträge: 1499



« Antworten #44 am: 11. Mai 2005, 15:33:43 »

Nur leider ist ein Großteil der deutschen Michel zu dämlich, solche Zusammenhänge zu erkennen..... angry
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"Wenn Unrecht zu Gesetz wird, ist der Gesetzlose der einzige, der noch rechtmäßig handelt."

Mene mene tekel upharsin
ManOfConstantSorrow


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« Antworten #45 am: 09. März 2006, 13:44:33 »

http://www.mindestlohn.de/
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Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
jensen-ex


Beiträge: 1338



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« Antworten #46 am: 17. April 2006, 14:20:24 »

Zitat
Bedingungslos: die Debatte um das Grundeinkommen
Von Günter Rohleder

Das Neue am bedingungslosen Grundeinkommen ist, dass das sozusagen bedingungslos gegeben wird. Und dass das jeder bekommt.

Götz Werner, Gründer und Chef der Drogeriemarktkette "dm".

Wenn man's bedingungslos macht, da muss man's ja jedem geben... Es fällt die Diskriminierung, die Ausgrenzung, die Kujonierung fällt weg und die Arbeit wird eben dadurch dann ermöglicht. Nämlich wenn jemand Sicherheit hat, weil er ein Grundeinkommen hat, dann kann er auch neue Initiativen machen. Dann ist er nicht mehr gebunden an seinen Arbeitsplatz. Dann wird er frei in der Möglichkeit, seine Arbeit zu wählen und dann herrscht endlich mal ein richtiger Arbeitsmarkt und dann wird man sehen, was die Menschen machen wollen.

Im Nebenberuf ist Götz Werner Dozent für unternehmerisches Handeln an der Universität Karlsruhe. Wie etliche politische Initiativen, Netzwerke und Arbeitslosengruppen plädiert auch Werner für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Jeder Bürger solle ein Recht darauf haben qua Bürgerstatus, von der Wiege bis zur Bahre. Ohne Bedürftigkeitsprüfung, ohne die Bereitschaft zu arbeiten, ohne jede Kontrolle.

Eine klare Abkehr von den Grundsicherungsmodellen Bismarck'scher Prägung wie Arbeitlosengeld Zwei. Dort ist die Leistung gekoppelt an die Bereitschaft zu arbeiten und wer sich weigert, einen zugewiesenen Job anzutreten, dem droht Zuwendungsentzug. Ganz in der biblischen Tradition: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.

Die enorme Produktivitätssteigerung habe uns einen großen Reichtum beschert, sagen die Grundeinkommensbefürworter, sie ersetze die menschliche Arbeitskraft und Mühsal immer erfolgreicher durch Maschinen. Aber für die überflüssig Gewordenen in den Fabriken, der öffentlichen Verwaltung, den Banken stelle der Markt nicht genügend neue Arbeitsplätze bereit. Und - trotz gegenteiliger Verlautbarungen aus Politik und Wirtschaft - sei es auch nicht Aufgabe der Unternehmer, Arbeitsplätze einzurichten. Ein Unternehmer schaffe keinen Arbeitsplatz um seiner selbst willen, sondern nur dann, wenn das Gewinn verspreche.

Die Wirtschaft ist ja keine beschäftigungstherapeutische Veranstaltung, sondern die Wirtschaft ist dazu da, um die Menschen mit Gütern und Dienstleistungen zu versorgen, indem sie möglichst wenig menschliche Zeit in Anspruch nimmt und möglichst wenig natürliche Ressourcen. Das ist Rationalisierung, da wird Geist auf Arbeit angewendet.

Wir müssen umdenken, findet Götz Werner. Warum an einem Arbeitsplatz festhalten, wenn man ihn durch eine Maschine ersetzen kann? Stattdessen, so der Drogeriemarktchef und Hochschuldozent, müsse das Rationalisierungspotenzial voll ausgeschöpft, aber eben auch die politische Konsequenz daraus gezogen werden:

Die Menschen durch ein bedingungsloses Grundeinkommen am gesellschaftlichen Produktivitätsfortschritt teilhaben zu lassen. Kurz: Das Einkommen von der Arbeit zu entkoppeln.

Die Idee eines Grundeinkommens ist Jahrhunderte alt. Gesellschaftspolitische Philosophen und Aktivisten von Thomas Morus über Pjotr Kropotkin bis Erich Fromm und André Gorz haben dazu Ideen entwickelt und sich für sie stark gemacht.

In der humanistischern Tradition wurde immer wieder ein Grundrecht auf Leben, Essen, Wohnen, Bildung gefordert, unabhängig davon, ob jemand für die Gesellschaft von Nutzen ist.

Auch der Wirtschaftswissenschaftler Joachim Mitschke, früher Wirtschaftsprofessor an der Universität Frankfurt, beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Grundeinkommen. Sein Modell greift die Idee einer negativen Einkommensteuer auf, zuerst formuliert von dem US-amerikanischen Ökonomen neoliberaler Schule Milton Friedman.

Danach erhält jemand, dessen Verdienst unter einem bestimmten Minimum liegt, vom Finanzamt eine Gutschrift, statt Einkommensteuer zu zahlen.

An der existierenden Grundsicherung über Arbeitslosengeld Zwei kritisiert Mitschke vor allem dies: Sie reiche nicht aus und sie greife erst, wenn jemand bereits arbeitslos sei, statt durch Lohnaufstockung bei Geringverdienern der Arbeitslosigkeit vorzubeugen.

Außerdem würden viele, so Mitschke, die Zuwendung bitter nötig hätten, durch einen bürokratischen Regelwirrwarr davon abgeschreckt, sie zu beantragen. Von einem bedingungslosen Grundeinkommen, wie es Götz Werner fordert, ist Mitschkes Entwurf jedoch weit entfernt. Sein Grundeinkommensmodell wäre nach wie vor an eine - wenn auch sehr reduzierte - Bedürftigkeitsprüfung gebunden und bliebe darauf ausgerichtet, Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen. Joachim Mitschke begründet das so:

Weil die Einbindung in ein Unternehmen, in einen Betrieb, eine starke soziale Integrationskraft entwickelt; die Menschen diese soziale Bindung auch sehr suchen. Und die Arbeitslosen sind eher deshalb stigmatisiert, dass sie ausgegrenzt werden aus einer derartigen gesellschaftlichen Gruppierung als dadurch dass sie finanziell sehr kurz gehalten werden.

Diese Einbindung gewinnt umso mehr an Gewicht, als die Familie ihre traditionellen sozialen Bindungen immer mehr verliert.

Integration durch Arbeit. Nach wie vor das übergreifende Leitbild unserer Gesellschaft. In den Slogans der Parteien 'Hauptsache Arbeit', 'Vorfahrt für Arbeit', 'Sozial ist, was Arbeit schafft' wird die Arbeit, wie mies auch immer die Bedingungen sein mögen, zum Fetisch erhoben. Es mutet fast revolutionär an, den überragenden Sinnstiftungsfaktor Arbeit in Frage zu stellen. Joachim Mitschke:

Ob es eher in einer elitären Vorstellung gelingt, Menschen davon zu überzeugen, dass es auch andere Lebensinhalte gibt als Arbeit, was ja durchaus eine richtige Erkenntnis ist, ob es gelingt, die soweit zu überzeugen, dass sie auf ein Normalarbeitsverhältnis verzichten, daran habe ich also die größten Zweifel.

Zig Millionen Arbeitslose, eine Heerschar an Minijobbern, Leiharbeitern, Niedriglöhnern und Scheinselbständigen haben aber gar nicht mehr die Chance, sich für ein sogenanntes Normalarbeitsverhältnis zu entscheiden, selbst wenn sie es wollten.

Und längst nimmt ja auch für die Vollarbeitsplatzinhaber der Druck immer mehr zu, sich krampfhaft am Job festzuhalten, gleich, ob sie das, was sie da tun, noch wollen oder nicht. Ist Vollbeschäftigung, nach wie vor propagiertes Leitziel quer durch die Parteien, noch ein ernst zu nehmendes Gesellschaftsmodell? Götz Werner:

Wenn wir damit meinen die Erwerbsarbeit, die bezahlte Erwerbsarbeit, die weisungsgebundene bezahlte Erwerbsarbeit, die Arbeit an der Materie, die Arbeit für die Grundbedürfnisse, also die Arbeit, die uns sozusagen auferlegt worden ist im Sündenfall: Du sollst im Schweiße deines Angesichtes --. Diese Produktionsarbeit, die wird immer mehr übernommen von Maschinen und Methoden. Die Produktivitätsentwicklung ist exponentiell und wir haben da heute eine Befreiung von dieser Arbeit.

'Sich von der Arbeit befreien' - Das ist zentrales Ziel vieler Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens. In einem Text des globalisierungskritischen Netzwerks Attac ist zu lesen:

Jeder Mensch hat, nur weil es ihn gibt, das Recht auf Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum und am gesellschaftlichen Leben. Das muss sich niemand verdienen und schon gar nicht durch Arbeit.

Für Ulrich Busch, Finanzwissenschaftler an der TU-Berlin, klingt das nach Schlaraffenlandphantasien.

Das halte ich für völlig falsch und für desorientierend, besonders auch für junge Menschen. Es kommt nicht darauf an, sich von der Arbeit zu befreien, sondern es kommt darauf an, Bedingungen zu schaffen, wo jeder einer vernünftigen Arbeit nachgehen kann, in vernünftigem Maße natürlich. Und da können durchaus sechs Stunden am Tag genug sein. Und die andere Zeit eben auch vernünftig zu verwenden im Sinne von Persönlicheitsentwicklung, von mir aus auch in Ehrenämtern tätig zu sein und seine Freizeit in verschiedener Hinsicht zu nutzen.

Arbeit begründet für Ulrich Busch das Leben und Überleben eines Menschen. Sie ist also unverzichtbar. Und als Ökonom unterscheidet Ulrich Busch klar zwischen Arbeit und Konsum. Allein die bezahlte Arbeit leistet nach der herrschenden Lehre ihren Beitrag zur Reproduktion der Gesellschaft, gilt als Wert schöpfend. Andere noch so sinnvolle und nützliche Taten, etwa die auf Basis eines Grundeinkommens geleistete Betreuung von alten Menschen in der Nachbarschaft, fallen aus dem Wirtschaftskreislauf heraus und in die Rubrik Konsum.

Genau auf solche nützlichen, sinnstiftenden Tätigkeiten, die bei Ulrich Busch unter Konsum und Freizeit laufen, zielt Götz Werner mit seinem Entwurf eines Grundeinkommens. Er nennt sie 'neue Arbeit', hält also an einem positiv besetzten Arbeitsbegriff fest.

Das bedingungslose Grundeinkommen soll so genannte neue Arbeit ermöglichen und fördern. Nicht mehr die auf den Erwerb ausgerichtete Arbeit, die wir in Zeiteinheiten messen, nach Produktivitätskriterien vergleichen und in Geld vergüten, stünde dann im Mittelpunkt, sondern gemeinwesenorientierte Tätigkeiten.

Die neue Arbeit, das ist die Kulturarbeit, die Arbeit am anderen Menschen, die Sozialarbeit, die Bildungsarbeit, die Altenpflege, die Versorgung der alten Menschen und so weiter. Das ist das neue Arbeitspotenzial, wo wir einen riesen Mangel haben. Aber das ist Arbeit, die nicht aus der Organisation, aus Anweisung kommt, sondern das ist Arbeit, die muss individuell ergriffen werden. Das sieht man ja im ehrenamtlichen Bereich: Arbeit die aus freier Initiative ergriffen wird, weil man die Bedürfnisse am anderen Menschen erkennt. Das ist die neue Qualität der Arbeit Und dort regiert nicht Prouktivität, sondern dort regiert mitmenschliche Zuwendung.

Volkswirtschaftlich betrachtet gehe diese Rechnung nicht auf, sagt Ulrich Busch. Ein bedingungsloses Grundeinkommen bleibe an die Wertschöpfung der Erwerbsarbeit gebunden und ein Abschied von der Erwerbsarbeit sei ein Trugschluss.

Aber: Genügen die herkömmlichen ökonomischen Kategorien, um das Potenzial eines bedingungslosen Grundeinkommens zu fassen?
Würde nicht die Freiheit, finanziell abgesichert wählen zu können zwischen Erwerbsarbeit, Muße und ganz anderen Formen aktiven Lebens, große emanzipatorische Chancen für eine Gesellschaft in sich bergen ?
Stellten sich dann nicht Fragen nach Sinn und Verantwortung gänzlich anders ?

Freilich gründen Freiheit und Sinnfindung erst einmal weiter auf Geld: Wie hoch soll das Grundeinkommen sein und wer bezahlt das? Götz Werner schlägt vor, mit 800 Euro monatlich einzusteigen. Einer Summe also, die in etwa der Gesamtleistung von Arbeitslosengeld Zwei entspricht. Um ein würdiges Auskommen zu gewährleisten, sollte es dann nach und nach bis 1500 Euro ansteigen.

Zur Finanzierung schlägt der Unternehmer eine drastische Erhöhung der Mehrwertsteuer auf circa 50 Prozent vor. Gleichzeitig sollten alle anderen Steuern, wegfallen. Also keine Steuern mehr auf Kapitalerträge, Unternehmensgewinne und Arbeitseinkommen.

Der Ökonom Joachim Mitschke hält dieses Modell für unbezahlbar und völlig realitätsfern. Eine 50prozentige Mehrwertsteuer würde circa 440 Milliarden Euro einbringen. Aber dies, so Mitschke, wäre nur ein Bruchteil der Summe, die nötig wäre, um ein Grundeinkommen von 1500 Euro im Monat zu finanzieren.

Ein derartiges Grundeinkommen würde 1,3 Billionen Euro erfordern. Das ist mehr als Hälfte unseres gesamten Bruttoinlandprodukts.

Das würde eine unvorstellbare Transfersumme bedeuten, die natürlich ihre Anstößigkeit noch dadurch erhöht, dass die Löhne um das geleistete Transfereinkommen vom Arbeitgeber gekürzt werden könnten.

Das würde bedeuten, dass wir fast die gesamte Lohnsumme, die in Deutschland gezahlt wird, über Transferleistungen subventionieren. Die 440 Milliarden einer erhöhten Mehrwertsteuer, die würden gerade dazu reichen im Monat ungefähr 450 Euro einem Bürger zuzugestehen als Existenzsicherung. Das langt natürlich hinten und vorn nicht.

Solche Berechnungen griffen zu kurz, hält Götz Werner seinen Kritikern entgegen. Berücksichtigten sie doch weder die positive Wirkung eines Grundeinkommens auf Phantasie, Motivation und Leistungsbereitschaft noch die Ersparnis durch den Wegfall der gewaltigen Verteilungsbürokratie.

Für die Unternehmen würde Werners Modell freilich eine enorme Lohnsubvention bedeuten, da sie die Gehälter mit dem Grundeinkommen verrechnen könnten.

Dadurch wären die Unternehmen wettbewerbsfähiger, müssten zum Beispiel keine Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. Deutschland würde wieder ein Arbeitsstandort werden und auch ein Investitionsstandort. Und das würde Arbeit sozusagen ansaugen nach Deutschland.

Es stellen sich viele Fragen. Wer profitiert vor allem von einer solch gewaltigen Subvention der Unternehmen? Wäre es wünschenswert, die enormen Exportüberschüsse der Bundesrepublik durch hohe Subventionen weiter anzukurbeln?

Ist eine drastische Mehrwertsteuererhöhung überhaupt im Alleingang zu machen oder müsste sie etwa mit dem europäischen Ausland abgestimmt sein? Wäre ein Grundeinkommen, das sich von 800 nach und nach auf 1500 Euro steigert, tatsächlich über eine Mehrwertsteuer finanzierbar? Und wie viel würde für die Grundeinkommensbezieher eigentlich übrig bleiben?

Auch Thomas Straubhaar, Ökonom und Präsident des Hamburger Weltwirschaftsinstituts, findet Werners Modell nicht tragfähig: Das Grundeinkommen sei viel zu hoch angesetzt und die Finanzierung allein über eine Mehrwertsteuer unrealistisch. Straubhaars Vorschlag für ein bedingungsloses Grundeinkommen liegt bei ungefähr 600 Euro im Monat. Die gesetzliche Krankenversicherung über die Rente bis zur Arbeitslosenversicherung würden dafür abgeschafft.

Der entscheidende Punkt ist - und es wäre auch für die Politik viel einfacher -, wenn wir einfach mal beginnen, Wahloptionen schaffen, sagen, du kannst entweder nach dem alten oder nach dem neuen System Dich grundversichern oder dem neuen System angehören. Also, Wahlmöglichkeiten und Optionen schaffen, das ist wichtig, und dann schrittweise alle neuen, alle Neugeborenen automatisch ins neue System nehmen und dann während einer langen Übergangsfrist halt beide Systeme nebeneinander führen.

Das hinzuverdiente Geld würde in Straubhaars Modell mit 25 Prozent Einkommensteuer belastet werden. Auch die Mehrwertsteuer würde auf dieser Höhe liegen. Drückt man das bedingungslose Grundeinkommen aber auf ein Minimum, koppelt man es durch die Hintertür doch wieder an die Erwerbsarbeit. Denn ohne Zuverdienst kein Auskommen.

Und dies ist auch Straubhaars ausdrückliches Ziel: Durch ein bedingungslos ausgezahltes Mindesteinkommen, den Erwerbsarbeitsmarkt flexibilisieren und fördern. Der Berliner Finanzwissenschaftler Ulrich Busch zum Konzept des Schweizers:

Die Konzepte, die auf neoliberaler Grundlage basieren, gehen ja in der Regel davon aus, dass die sozialen Sicherungssysteme, wenn sie durch ein Grundeinkommen ersetzt werden, billiger werden für die Gesellschaft. Also Herr Straubhaar z.B. rechnet mit maximal 7000 Euro pro Jahr inklusive aller Wohnzuschüsse, Krankengeld etc.

Das wären also rund 550 bis 600 Euro im Monat, womit alles abgedeckt ist. Er geht damit also deutlich unter das Existenzminimum, wie es gegenwärtig definiert ist und deutlich unter Arbeitslosengeld Zwei, was ja inklusive Wohngeld bei 700 bis 800 Euro liegt. Diese 500 bis 600 Euro, von denen er ausgeht, die würden also eine Existenz gerade noch vielleicht zulassen, aber kein menschenwürdiges Dasein.

Allerdings: Straubhaars Modell sieht für jedes Kind ein volles Grundeinkommen vor - damit sähe es für Familien besser aus. Zudem stellt Thomas Straubhaar für sein Modell in Aussicht, dass die Preise deutlich sinken. Damit würde sich die Kaufkraft des Grundeinkommens erhöhen. Aber auch eine hohe Lohnspreizung und ein Niedrigstlohnsektor gehören zu diesem Grundeinkommensmodell .

Niedriglöhne? Es geht bei der Debatte um Qualität und Folgen eines bedingungslosen Grundeinkommens auch immer um den Einwand, dass die unattraktiven, schmutzigen, schlecht entlohnten, aber gesellschaftlich notwendigen Arbeiten, keiner mehr machen würde.
Der Soziologe und Autor Wolfgang Engler:

Der berühmte Müllmann kommt dann auf den Plan. Der eigentlich gar nicht so schlecht bezahlt ist. Und man fragt sich, wer würde solche Arbeiten noch verrichten, wenn es ein auskömmliches Grundeinkommen gibt? Die Frage muss man ernst nehmen.

Da gibt es die einen, die sagen, es muss einen Abstand geben, der markant ist zwischen dem Grundeinkommen und Einkommen aus Arbeit. Und da gibt es die anderen , denen ich mich auch zugehörig fühle, die sagen, wenn man das längerfristig auch ökonomisch bedenkt, also selbst vom Markt aus längerfristig bedenkt, was dann passiert, ist ein solches Abstandsgebot weder zwingend noch sinnvoll.

Der Logik des Marktes folgend, würde das Angebot der Arbeitswilligen hinter der Nachfrage zurückbleiben. Mit der Konsequenz, dass die Unternehmer die Lohn- und Arbeitsverhältnisse verbessern müssten, um Anreize zur Arbeitsaufnahme zu schaffen.

Und nicht nur Unternehmen, die Jobs anbieten, die eigentlich keiner machen will, müssten sich ganz neuen Qualitäts- und Sinnfragen stellen, findet Götz Werner. Das gelte für alle Unternehmen.

Das heißt wir müssten uns viel mehr anstrengen, die Unternehmen müssten sich viel mehr anstrengen, interessante Arbeitsplätze zu schaffen, sinnstiftende Arbeitsplätze zu schaffen und Unternehmen die keine interessanten und sinnstiftenden Arbeitsplätze schaffen, die kein gutes soziales Klima haben, denen würden die Menschen weglaufen. Das hätte eine enorme regulative Bedeutung.

Niemand kann vorhersagen, wie die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens das Leben und die Gesellschaft verändern würde. Ohne Zweifel wäre es ein ungeheurer Schritt, die Bürger vor die WAHL zu stellen: Erwerbsarbeit, ja oder nein, gesellschaftliches Engagement, ja oder nein.

Für Wolfgang Engler käme es einer kulturellen Revolution gleich, die heute Überflüssigen zu ermutigen, aktiv zu werden, sich zu beteiligen. Da sei viel Naivität in der Debatte, denn es reiche sicher nicht, den Leuten Geld zu geben.

Vielmehr, so meint der Soziologe, müsse sich das gesamte kulturelle Klima in der Gesellschaft ändern : Eine enorme Aufgabe, mit der man gar nicht früh genug beginnen könne - in Kindertagesstätten, in Schulen und allen weiterführenden Bildungseinrichtungen.


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Kurt Vonnegut
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« Antworten #47 am: 17. April 2006, 16:37:20 »

Hallo am Bildschirm!

Der Gedanke eines Grundeinkommens hat etwas Bestechendes. Trotzdem halte ich es so, wie vorgeschlagen, für wenig sinnvoll. Es wird in keiner Weise funktionieren. Wenn es keinen Wettbewerb gibt, keinen Markt und keinen Leistungsgedanken, wird es auf Dauer nicht funktionieren können.

Es gibt übrigens in Alaska ein solches Modell. Dort hat man aber auch, die größten Probleme damit, und ist nur bezahlbar, weil dort die Erdölquellen so ausreichend sprudeln.

Das größte Problem dürfte der Übergang sein. Dazu müsste es sinnvolle Zwischenschritte geben, damit man ein solches System von Grundeinkommen, überhaupt erreichen könnte.

Einer, der wie ich, die Vollbeschäftigung, erlebt hat, und der die Vorgänge in der DDR, genau beobachtet hat, weiß, das Menschen für ein solches Modell nicht geeignet sind. In der Vollbeschäftigung und in der DDR gab es sowas ähnliches, wie einen Grundlohn.

Ein anderes, von mir favorisiertes Modell, was dem Grundlohnmodell, entgegenkäme, und das Morgen schon eingeführt werden könnte, wäre die leistungsabhängige Bezahlung des Arbeitslosengeldes, in Konkurenz mit den bestehenden Arbeitsverhältnissen.

Dies würde aber eklatant gegen die Vorstellungen der Kapitalisten, der Neoliberalen und der Plutokraten, zu Felde ziehen. Alle möglichen und unmöglichen Register würden gezogen, dieses Modell zu konterkarieren und letztlich zu verhindern.

Ich würde mir das so vorstellen:

Jeder Arbeitslose wird nach Leistung bezahlt. Jeder Arbeitslose könnte eine Firma gründen, und andere Arbeitslose einstellen, aber Alle! Mütter, Rentner, Arbeiter, Schüler, Teilzeitkräfte, Beamte, Selbstständige, usw.,einfach alle.

Bei den Firmen die gegründet würden, dürfte der Phantasie keine Grenzen gesetzt werden. Einzig, Firmen, die in Konkurenz zu anderen ortsansässigen Firmen, in Konkurenz treten wollten, müssten zu den gleichen Bedingungen wirtschaften, wie die Konkurenz.

Hauptsächlich müssten Firmen gegründet werden, im gesellschaftlichen Bereich. Schulen, Bibliotheken, Kindergärten, Bastelwerkstätten, Kinderhorte, Kinderkrippen, Wachdienste, Altenpflege, Hausaufgabenbetreuung, Forschungswerkstätten, Kochkurse, Partydienste, Stadtranderholungen, Bauhöfe, Gärten, Umweltschutz, Sonnenenergie, usw. wie gesagt, der Phantasie wären keine Grenzen gesetzt. Natürlich müssten Firmen, bevorzugt werden, wo niedrige, anfängliche Investitionskosten anfallen.

Die Löhne die gezahlt werden, müssten von einem Gremium, mit Begründung, entschieden werden. Dieses Gremium setzte sich aus 10% der Mitglieder zusammen, und wird nach 2 Jahren, neu gewählt. Bedingung wäre, das dieses Gremium, 10% unter dem Durschnittslohn, bezahlt würde. Die Differenz zwischen dem höchsten Lohn und dem niedersten Lohn, dürfte maximal 10% ausmachen, und minimal, 7%, und die Löhne müssten einem bestimmten, vorher festgelegten Lohngesamtbetrag, entsprechen.

So könnte man alle Arbeitslosen nach und nach, in Beschäftigung bringen, ohne die bestehende Wirtschaft zu belasten. Im Gegenteil, die bestehenden Firmen, würden gefördert, durch billigen Service, billige Leistungen, ausgebildete und erfahrene Fachkräfte, und familieren Service, für die normal Beschäftigten. (Schulen, Horte, Kindergärten und Kinderkrippen). Und die Lohnabgaben, in Form von Lohnnebenkosten, würden gegen ein Minimum tendieren und abfallen.

Leute, die sich weigern würden, solchen Arbeiten nachzugehen, müssten dann aber, auch mit Abschlägen rechnen, bis hin zum absolut Lebensnotwendigen. Das würde aber sicher nur eine absolute Minderheit sein, denn dieses Modell, hätte soviele Anreize, das kaum einer, sich nicht angesprochen fühlen würde. Ich habe jedenfalls, noch nie einen Menschen kennen gelernt, egal wie alt, der statt einer sinnvollen Tätigkeit, das "Rumgammeln" vorgezogen hätte, solange er halbwegs gesund war!

Die Mehrwertsteuer, könnte ruhig auf 50%, langsam ansteigen. Kapital müsste höher besteuert werden, als bisher. Löhne und Einkommen, bis zum Mindestlohn, wären steuer- und abgabenfrei.

Wie gesagt, dieses Modell könnte man Morgen einführen! Aber die Neoliberalen würden Wege finden, das zu verhindern. Aber, es würde funktionieren. Davon bin ich überzeugt!

viele Grüße, Rudi
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Demokratie muss von den Menschen kommen, und nicht von wenigen Reichen!
Magnus


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« Antworten #48 am: 19. April 2006, 09:50:29 »

Zitat
Original von Gun Stick Onkle
Einer, der wie ich, die Vollbeschäftigung, erlebt hat, und der die Vorgänge in der DDR, genau beobachtet hat......

Wieso hat das System in der DDR nicht geklappt?
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« Antworten #49 am: 19. April 2006, 10:03:02 »

eher interessant: jo, nach den prolos und den beamten soll es nun also auch die alos erwischen...

Zitat
orig rudigun:

jeder Arbeitslose wird nach Leistung bezahlt.

Cheesy:D

jo, leistung muss sich wieder lohnen ...

j.
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Kurt Vonnegut
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