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Autor Thema: Die Paketsklaven  (Gelesen 27489 mal)
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Fritz Linow


Beiträge: 744


« Antworten #25 am: 25. Januar 2017, 12:41:31 »

Die Post hatte ja die Ausgliederung in DHL Delivery u.a. damit begründet, dass neue Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten würden. Anscheinend ist es zumindest im Norden so, dass massiv Leiharbeiter über Hanseatischer Kurierservice HKS GmbH oder direkt als "Dienstleister" eingesetzt werden. Die Bezahlung soll einigermaßen überdurchschnittlich sein, was aber nur bedeutet, dass es sich die Post als Großkunde von HKS einiges kosten lässt, eine kollegiale Belegschaft zu vehindern, die vielleicht eher in der Lage wäre, Verbesserungen zu erstreiten. Das war sowas von absehbar...
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Kuddel


Beiträge: 9912


« Antworten #26 am: 30. Januar 2017, 17:52:03 »

Deutsche Post am Limit

so lautet der Titel der ZDF-Zoom-Dokumentation, die am Mittwoch, 1. Februar 2017, um 23:00 Uhr ausgestrahlt wird. Neben dem typischen Brief- und Paketgeschäft in Deutschland werden auch die Geschäftsgebaren der DHL im Zusammenhang mit ihren osteuropäischen Subunternehmern und deren Fahrern beleuchtet. Die Recherchen haben erstaunliche Ergebnisse über die Rolle der DHL beim internationalem Sozialdumping zutage gefördert: Im Auftrag von DHL-Freight leben und arbeiten Fahrer von osteuropäischen Subunternehmen zum Teil unter menschenunwürdigen Bedingungen.
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Kuddel


Beiträge: 9912


« Antworten #27 am: 09. April 2017, 16:02:00 »

Hier nochmal der Beitrag, der oben angkündigt wurde, bei Youtube:

! No longer available


Aktuell gibt es einen neuen NDR Beitrag:
Leben auf der Raststätte - Sprinterkolonnen aus Osteuropa
Osteuropäer fahren rund um die Uhr für einen Hungerlohn Waren durch Deutschland. Angestellt werden sie in ihrem Heimatland - für umgerechnet 300 Euro im Monat.

! No longer available


http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/die_reportage/Die-Sprinterkolonnen-aus-Osteuropa,sendung627102.html


Bisher gibt es viele gute Berichte, doch es mangelt an Versuchen einer Organisierung der Betroffenen.
Mitleid allein wird wenig an der Situation ändern...
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Fritz Linow


Beiträge: 744


« Antworten #28 am: 10. Mai 2017, 16:31:11 »

Bei soviel Dämlichkeit der Post keimt fast ein wenig Hoffnung auf:

Zitat
09.05.17
Die Deutsche Post zahlt sich frei

Offenbar wollte die Deutsche Post mit dem Einsatz von Leiharbeitern besser wirtschaften. Dann traten Staatsanwälte und Zollfahnder auf den Plan. Nun findet der Versuch ein teures Ende.

Düsseldorf. Die gute Nachricht für die Deutsche Post: Juristisch haben die Fehler im Konzern in Sachen Leiharbeit keine Folgen mehr. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt beendete ihre Nachforschungen schon im vergangenen Sommer. Das Hauptzollamt Gießen stellte nun zwar eine Rechtswidrigkeit fest, Verfahren wird es aber keine geben. Die Sache kostet nur Geld.
Unangenehm wurden die Experimente der Deutschen Post mit Leiharbeitern Anfang 2016. Betroffene hatten die Behörden alarmiert. Offiziell waren sie für Vertriebsaufgaben beim Siegfried-Vögele-Institut in Königstein angestellt worden. Beim Kunden fuhren sie aber in Firmenwagen der Deutschen Post vor, legten Visitenkarten der Deutschen Post auf den Tisch und erhielten auch ihre Arbeitsanweisungen von Managern der Deutschen Post.

Juristisch war das ein Problem. Das Siegfried-Vögele-Institut war zwar eine Tochterfirma der Deutschen Post, für eine Ausleihe der Mitarbeiter an die Konzernmutter hätte es jedoch einer so genannten Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung bedurft. Und die lag beim Siegfried-Vögele-Institut nicht vor.
Im Januar 2016 durchsuchten Zollfahnder die Büros der Post-Tochter. Ihr Verdacht: Illegale Leiharbeit. Gut ein halbes Jahr später wurden knapp 200 Mitarbeiter des Siegfried-Vögele-Instituts von der Deutschen Post übernommen. Das Unternehmen bezeichnete dies als „Organisationsmaßnahme innerhalb des Konzerns“. Die Zollfahnder ermittelten trotzdem weiter.
Nun ist die Sache vom Tisch. Einen Millionenbetrag soll die Affäre gekostet haben. Genaue Zahlen nennen weder der Zoll noch die Deutsche Post. Das Unternehmen bestätigte dem Handelsblatt jedoch auf Nachfrage, dass die entsprechenden Ermittlungsverfahren mit einer Zahlung beendet worden seien. Postsprecher Dirk Klasen: „Es ist kein Bußgeldbescheid ergangen, weil kein schuldhaftes beziehungsweise vorwerfbares Verhalten unterstellt wurde. Gleichwohl wurde eine Rechtswidrigkeit festgestellt und dadurch ein sogenannter Verfallbetrag zur Zahlung festgesetzt. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir zu dessen Höhe keine Angaben machen.“

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/leiharbeit-die-deutsche-post-zahlt-sich-frei/19778476.html
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Fritz Linow


Beiträge: 744


« Antworten #29 am: 25. Mai 2017, 15:11:56 »

Zitat
23.05.17
Zusteller protestieren vor DPD-Zentrale
120 Fahrer im Konvoi aus dem Raum Regensburg nach Aschaffenburg

Rund 120 Paketzusteller haben an diesem Dienstagmittag vor der Zentrale des Deutschen Paketdiensts in Aschaffenburg-Nilkheim für bessere Arbeitsbedingungen demonstriert. Die Fahrer kamen mit 55 Zustellerautos überwiegend aus dem Raum Regensburg angereist. Mittlerweile sind sie wieder auf den Heimweg.

Die Fahrer machten mit Plakaten auf den Transportwägen auf ihre Situation aufmerksam: "Wir sind keine Lohnsklaven", war dort unter anderem zu lesen. Sie hatten einen weiten Weg hinter sich: In aller Frühe beluden sie im Depot Obertraubling bei Regensburg ihre Fahrzeuge, richteten dann in einer Werkstatt die Plakate her und machten sich in insgesamt vier Konvois auf in Richtung Aschaffenburg zur DPD-Zentrale. "Es ist einer unserer letzten Auswege", sagte Thomas Göpel, der für DPD als Subunternehmer arbeitet, "es geht einfach nicht mehr."

Initiator der Aktion ist Pompiliu Alesi, der ebenfalls als Systempartner für den Paketdienstleister in Obertraubling tätig ist. Sein Vorwurf an DPD: Das Unternehmen zahle zu wenig Geld für die Arbeit seines Transportunternehmens. Die Folge: Er und seine 230 Angestellten müssten mehr arbeiten, als ihnen gut tut, um das Pensum zu erfüllen, so Alesi. "Meine Fahrer fangen um 5 Uhr morgens an und kommen abends um 18, 19, manchmal erst um 20 Uhr zurück", sagte der gebürtige Rumäne, der seit sieben Jahren für DPD arbeitet. Er habe schon öfter das Gespräch mit der Firmenleitung gesucht, aber ohne Erfolg. Jetzt habe DPD die Zusammenarbeit gekündigt.

"Ich bekomme zu wenig Geld für die Leistung, die ich erbringen muss", sagte DPD-Systempartner Thomas Göpel. "Wir Transportunternehmer sind finanziell angeschlagen. Meine Fahrer sind gezwungen, die gesetzlichen Arbeitszeiten zu überschreiten." Die Schichten der Fahrer seien lang, erklärte Göpel: Frühmorgens drei Stunden Pakete vom Band absortieren, die Stücke scannen und verladen, bis zu anderthalb Stunden Fahrt zur eigentlichen Lieferroute, fünf bis sieben Stunden zustellen und wieder anderthalb Stunden zurück fahren. "In den vergangenen Jahren hat sich die Situation verschlechtert", ist sich Göpel sicher. Immerhin: Das Gespräch mit Vertretern der DPD in Aschaffenburg sei gut verlaufen, berichteten Alesi und Göpel.

Das Unternehmen bestreitet derweil, dass es im Vorfeld der Demonstration keine Gesprächsbereitschaft gegeben habe: "Bis kurz vor dem heutigen Tag haben wir Gesprächsangebote gemacht, die leider nicht angenommen wurden", sagte Sprecherin Pia-Maria Zecevic unserem Medienhaus. Die Themen der Regensburger Gäste habe man aufgenommen und werde sie sich genauer anschauen. "Unser Anspruch ist, Systempartner so zu vergüten, dass sie vernünftige Arbeitszeiten gewährleisten und Mitarbeiter fair bezahlen können", so Zecevic. Befremdlich sei für sie, dass die Demonstration ausgerechnet von einem Systempartner ausging, dem wegen Problemen mit den Sozialstandards gekündigt worden sei.

DPD, laut Unternehmensangaben der zweitgrößte Paketzusteller Deutschlands, unterhält in Deutschland 77 Depots und 6000 Paketshops. 8000 Mitarbeiter und 10000 Zusteller sind täglich im Einsatz.

Unterstützt wurde die Aktion am Dienstag von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Probleme wie die der Zusteller seien in der Branche ein Stück weit hausgemacht, sagte Gewerkschaftssekretär Hans Peter Konrad: "Wenn DPD seine Mitarbeiter direkt anstellen würde, würden alle nach Tarif bezahlt. Dann gäbe es solche Eskalationen nicht."


http://www.main-echo.de/regional/stadt-kreis-aschaffenburg/art490812,4615182
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Fritz Linow


Beiträge: 744


« Antworten #30 am: 13. Juni 2017, 21:28:31 »

Auf Frontal ein kurzer Bericht über den Ausbeuter DHL. Insgesamt das übliche, bemerkenswert war aber, dass bei der Jahreshauptversammlung neulich draußen die DPVKOM auf die Mißstände aufmerksam machte, während die Verdi-Kotztisch drinnen fein neben dem Appel saß.

Zitat
31.06.17
Wenn der Paketbote nicht klingelt

Unzuverlässig, unpünktlich, unfreundlich: Immer wieder beschweren sich Kunden über falsche Zustellungen, fehlende Benachrichtigungen und das spurlose Verschwinden von Paketsendungen bei der Deutschen Post AG.

https://www.zdf.de/politik/frontal-21/ausbeutung-bei-dhl-100.html
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Nikita


Beiträge: 1030



« Antworten #31 am: 17. Juni 2017, 14:25:23 »

Ich denke, da hat Frontal21 genau den Punkt getroffen. Liberalisierung von Dienstleistungen heißt unerträgliche Arbeitsbedngungen und Service-Level im freien Fall. Konkurrenz belebt eben nicht immer das Geschäft. Danke an Arne Lorenz für diesen großartigen Beitrag!

Wenn der Paketbote nicht klingelt - Ausbeutung bei DHL
Frontal21-Sendung vom 13.06.2017

Transkript zur Sendung:
https://www.zdf.de/assets/manuskript-wenn-der-paketbote-nicht-klingelt-100~original?cb=1497701810218

Zitat
Manuskript
Beitrag: Wenn der Paketbote nicht klingelt –
Ausbeutung bei DHL

Sendung vom 13. Juni 2017

von Arne Lorenz

Anmoderation:
Eine ganz alltägliche Situation: Sie erwarten sehnlichst ein Paket. Bringen soll es DHL, also die Deutsche Post. Sie wissen genau, wann das gelbe Auto kommt. Denn Sie konnten die Sendung im Internet verfolgen. Sie bleiben extra zuhause und warten und warten. Vergebens! Immer mehr Kunden beschweren sich, dass der Postmann nicht mehr klingelt und das Paket irgendwo anders hinterlegt. Schuld an solchem Ärger sind nicht allein die Zusteller, sondern die unhaltbaren Zustände, unter denen sie arbeiten müssen. Arne Lorenz über Ausbeutung bei DHL.
Text:
Pakete, Pakete – nichts als Pakete. Seitdem die Deutschen so gut wie alles übers Internet bestellen können, kommen die Zusteller mit der Arbeit kaum noch hinterher. Immer mehr schleppen in immer kürzerer Zeit. Kein Wunder, dass es da kaum zu schaffen ist, was die Post verspricht: Jeden Kunden in jedem Stockwerk pünktlich zu bedienen. Immer öfter kommt es vor, dass Pakete einfach liegen bleiben oder irgendwo anders abgeladen werden.
O-Ton Frontal 21:
Bekommt ihr die Pakete immer nach Hause, direkt an die Haustür geliefert?
O-Ton Anwohnerin:
Nein, eigentlich nicht. Auch, wenn man zu Hause ist, wird meistens gar nicht erst geklingelt, sondern die werden meistens direkt hier im „Späti“ abgegeben - oder bei Nachbarn. Wenn man Glück hat, findet man den Zettel irgendwo.
O-Ton Anwohnerin:
Wahrscheinlich sind die überlastet und deswegen müssen
sie wieder mitnehmen und dann kommt vom Postamt die
Nachricht, dass ich nicht anzutreffen war, und das deswegen
… Also, das ist halt ein bisschen merkwürdig.
Bei den Verbraucherzentralen häufen sich die Beschwerden über
die Post.
O-Ton Ivona Husemann, Verbraucherzentrale Nordrhein-
Westfalen:
Die meisten Beschwerden beschäftigen sich tatsächlich mit
der Zustellung vor Ort. Also, mit den letzten Metern, wenn
das Päckchen schon im Wagen ist und zum Verbraucher
geliefert werden soll. Das macht bei uns rund 60 Prozent aller
Beschwerden aus. Also, entweder ist es so, dass der
Verbraucher zu Hause ist und darauf wartet und es wird nicht
geklingelt, oder es findet überhaupt kein Zustellversuch statt
und die Ware wird direkt in einen Paketshop oder in eine
Filiale geliefert, oder es wird beim Nachbarn abgegeben.
O-Ton Ausschnitt aus Trickfilm, Quelle: Verbraucherzentrale
Nordrhein-Westfalen:
Auf „Paketaerger.de“, dem Beschwerdeportal der
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, können
Postkunden ihren Ärger loswerden. Es werden immer mehr
Einträge. Woran das wohl liegt?
Die Kundenbeschwerden häufen sich, seit die Deutsche Post AG
vor zwei Jahren aus ihrer Tochter DHL 49 Einzelgesellschaften
ausgelagert hat, verteilt auf die gesamte Republik. DHL-Delivery
GmbH, so der offizielle Name.
Der Vorteil für die Post: neue Arbeitsverträge für deren
Mitarbeiter – ohne Haustarifbindung. Der Nachteil für die
Zusteller: Für sie gelten die schlechteren Tarife der
Logistikbranche der Länder. Sie verdienen plötzlich sehr viel
weniger als zuvor.
Wir treffen einen ehemaligen Mitarbeiter, der wie viele andere von
der Deutschen Post AG zur DHL-Delivery GmbH wechseln
musste. Inzwischen arbeitet er dort nicht mehr. Seinen Namen
möchte er trotzdem nicht nennen.
O-Ton ehemaliger DHL-Mitarbeiter:
Wir haben immer wieder Leute angelernt, es war nicht
nachvollziehbar teilweise, wieso die entlassen werden oder
wieso die bleiben. Es war einfach Chaos. Es gab viele, die
einfach aufgehört haben. Da kam dann mittags das Auto – da
waren noch 100 Pakete drin, und dann haben sie es
abgestellt und sind gegangen.
Ein postinternes, vertrauliches Papier bestätigt das. Offenbar sind
die Arbeitsbedingungen bei DHL-Delivery so schlecht, dass viele
Mitarbeiter schon nach kurzer Zeit wieder abspringen. Die
Fluktuation bei DHL-Delivery ist sechsmal so hoch wie im
Mutterkonzern.
Henning B. ist ganz neu bei DHL-Delivery. Er zeigt uns seinen
Arbeitsalltag. Der beginnt morgens um sieben Uhr im
Paketzentrum. Mit seinem Handy dokumentiert er, wie es dort
schon mal zugehen kann: großes Durcheinander wegen der
schieren Menge an Paketen, verzweifelte Paketboten.
Abfahrt vom Depot, das Fahrzeug vollbeladen. Dann geht es los,
so schnell wie möglich, Straße für Straße, treppauf, treppab.
Kaum Zeit für eine Mittagspause. Schon nach wenigen Stunden
werden die Knochen müde. Viele ältere Kollegen schaffen es
längst nicht mehr, das geforderte Tempo zu halten.
O-Ton Henning B., DHL-Fahrer:
Die Kollegen fragen mich alle: Bist du verrückt, warum
machst du hier diesen Job? Einige sind schon richtig fertig,
viele haben Operationen hinter sich – an Schultern, Rücken
und Gelenken. Kaum jemand ist über 40. Ständig sind Leute
krank.
Pakete werden nicht nur zugestellt, sondern auf Kundenwunsch
auch abgeholt. Das kostet zusätzlich Zeit.
O-Ton Henning B., DHL-Fahrer:
Mir wurde gleich am Anfang beigebracht: Sei nicht zu
schnell, sonst machst du dich kaputt und bekommst auch
noch zusätzliche Straßen aufgebrummt.
Doch Henning B. und seine Kollegen wissen sich zu helfen.
O-Ton Henning B., DHL-Fahrer:
Wenn es zu viele Pakete gibt, haben wir Tricks, die natürlich
streng verboten sind. Ich zeig' euch mal, wie das geht: Man
scannt das Paket, als ob man ausliefert. Und dann gehe ich
einfach hier auf „benachrichtigt“ und dann auf „okay“. Dann
druckt der einen Zettel aus, dass benachrichtigt wurde und
der wird auf das Paket geklebt. Das war’s. Das Paket geht
dann zurück.
Rachid F. kann es sich nicht leisten, dass Pakete zurückgehen.
An manchen Tagen können es bis zu 300 Sendungen sein. Er
arbeitet nicht bei DHL, er arbeitet für DHL – für 1.500 Euro im
Monat. Sein Chef ist privater Subunternehmer der Post. Und der
wird pro ausgeliefertem Paket bezahlt. Rückläufer bringen kein
Geld.
O-Ton Rachid F., DHL-Fahrer:
Deshalb spreche ich die Leute auch auf der Straße an, wenn
ich etwas für sie dabei habe. Bei diesen Mengen ist es oft gar
nicht möglich, alles in den vierten oder fünften Stock zu
schleppen. Also, bringe ich viele Pakete dann einfach in
einen Kiosk und benachrichtige die Kunden, dass sie dort
liegen.
Aus der Not der Zusteller hat sich in Berlin eine echte
Schattenwirtschaft herausgebildet. Kaum jemand rechnet hier
noch damit, dass ihm die Pakete bis zur Haustür gebracht
werden, so wie es die Post und DHL eigentlich versprechen.
Stattdessen kommen die Kunden nun hierher: Besitzer Fatih H.
hat weder einen Vertrag noch sonstige Vereinbarungen mit der
Post.
O-Ton Fatih H., Kiosk-Besitzer:
Damit wir alles schneller für unsere Kunden finden, haben
wir die Hausnummer auf die Pakete geschrieben. Damit die
Leute nicht lange warten müssen. Dann haben wir zum
Beispiel eine andere Straße Marienburger, oben Chodowiecki
Straße, Raabestraße … Wir haben fast hier den ganzen Kiez
ganze Kiez um die Ecke.
O-Ton Frontal 21:
Aber Sie sind kein offizieller DHL-Shop?
O-Ton Fatih H., Kiosk-Besitzer:
Nein, wir sind nur Hermes Shop.
Fatih H. bringt das viel Kundschaft in den Laden. Er hat sogar
sein eigenes Verteilsystem geschaffen, ganz außerhalb des
regulären Postbetriebs. Die Deutsche Post AG kann mit diesen
Zuständen gut leben:
O-Ton Frank Appel, Vorstandsvorsitzender, Deutsche Post:
Liebe Aktionärinnen, liebe Aktionäre, 2016 haben wir mit
einem Rekordergebnis abgeschlossen und wir schlagen
Ihnen heute auch eine Rekord-Dividende vor. Mit dieser sehr
guten Nachricht möchte ich Sie ganz herzlich hier in Bochum
begrüßen und auch im Internet, wenn Sie unsere
Hauptversammlung dort verfolgen.
3,5 Milliarden Euro Gewinn im vergangenen Jahr, trotz Chaos
beim Service, trotz überforderter Mitarbeiter. Kein Wunder, dass
die Gewerkschaft demonstriert.
O-Ton Christina Dahlhaus, stellv. Bundesvorsitzende,
Postgewerkschaft DPVKOM:
Diesen Gewinn haben die Beschäftigten erwirtschaftet, die
Zusteller, die tagtäglich draußen sind bei Wind und Wetter,
die Kolleginnen und Kollegen im Brief- und Paketzentrum,
die malochen, bis der Rücken kracht. Und da wird aber jetzt
gespart und das ist für uns der völlig falsche Weg. Es fehlt
an Personal, es fehlt zum Teil an Arbeitsmaterial, es fehlt
zum Teil an Arbeitsmitteln. Hier wird also an der falschen
Stelle gespart.
Nachfrage bei der Deutschen Post. Schriftlich teilt das
Unternehmen mit,
Zitat:
„Die Arbeitsverhältnisse unserer Mitarbeiter in den Delivery
GmbHs sind in den regionalen Tarifverträgen geregelt, die
mit der Gewerkschaft Verdi ausgehandelt werden.“
Man halte sich an die vertraglich vereinbarten Regelungen wie
Arbeitszeit und Vergütung. Weiter heißt es,
Zitat:
„Den Verpflichtungen, die sich aus diesen Tarifverträgen für
uns als Arbeitgeber ergeben, kommen wir selbstverständlich
nach.“
Der Bund ist größter Postaktionär, hält gut 20 Prozent der Aktien
und kassierte allein für 2016 rund 260 Millionen Euro an
Dividende. Er sollte sich also interessieren für
Kundenbeschwerden und Arbeitsbedingungen.
Klaus Barthel war lange im Ausschuss für Post und
Telekommunikation des Bundestages. Hätte man nicht energisch
gegen die Billigtöchter einschreiten müssen?
O-Ton Klaus Barthel, SPD, MdB:
Über die Anteilseignerschaft gibt es keine direkten
Eingriffsmöglichkeiten eines Aktionärs, sondern das
Aktienrecht schiebt hier einen Riegel vor. Ich finde vieles von
dem, was ich da höre und auch selbst beobachte, als Kunde
der Post und wenn ich in die Verteilzentren oder in die
Zustellbasen komme, finde ich empörend, wie dort gearbeitet
werden muss und es gibt dringenden politischen
Handlungsbedarf.
Niedrige Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen. Der Staat - der
größte Eigentümer der Post - hat sich bisher kaum daran gestört,
genauso wenig wie an den vielen verärgerten Kunden.

Zur Beachtung: Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt. Der vorliegende Abdruck ist nur
zum privaten Gebrauch des Empfängers hergestellt. Jede andere Verwertung außerhalb der
engen Grenzen des Urheberrechtgesetzes ist ohne Zustimmung des Urheberberechtigten
unzulässig und strafbar. Insbesondere darf er weder vervielfältigt, verarbeitet oder zu öffentlichen
Wiedergaben benutzt werden. Die in den Beiträgen dargestellten Sachverhalte entsprechen dem
Stand des jeweiligen Sendetermins.
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Fritz Linow


Beiträge: 744


« Antworten #32 am: 05. August 2017, 09:24:44 »

Zitat
Augmented Reality: DHL errechnet 15 Prozent höhere Produktivität

Die Deutsche Post DHL Group führt intern Datenbrillen für Arbeitsanweisungen und weitere Informationen ein. Ein neuer Ansatz für die Interne Kommunikation?

Die neuen Datenbrillen der DHL-Mitarbeiter blenden schrittweise Arbeitsanweisungen und Hinweise ein, zum Beispiel wo der gesuchte Artikel gerade steckt und wie er auf dem Wagen zu positionieren ist. Der große Vorteil: Schriftliche Anweisungen werden überflüssig und der Kommissionierer hat die Hände frei. In Internationalen Testläufen konnte so die Produktivität im Schnitt um 15 Prozent erhöht und die Fehlerquote reduziert werden. Einarbeitungs- und Trainingszeit der Mitarbeiter ließ sich halbieren.(...)

http://www.cpwissen.de/Mobile/items/augmented-reality-dhl-nutzt-vision-picking-in-der-logistik.html

Für die totale Kommissionierung fehlen jetzt noch Exoskelette.
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