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Autor Thema: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung  (Gelesen 27442 mal)
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butterfly25


Beiträge: 22


« am: 18. Februar 2012, 12:28:40 »

Falls ihr diese Broschüre der Arbeitsagentur noch nicht gesehen habt, hier der Link:


http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Berichte-Broschueren/Arbeitsmarkt/Generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung-1HJ2011.pdf

VG
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Rudolf Rocker
Waldkauz


Beiträge: 12609



WWW
« Antworten #1 am: 18. Februar 2012, 14:31:07 »

Zitat
• Die Hälfte der Leiharbeitsverhältnisse endet nach weniger als drei Monaten.

Zitat
Die erzielten mittleren Bruttoarbeitsentgelte in der Zeitarbeit liegen unter den mittleren Entgelten im Durchschnitt über alle Branchen.
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
LordKante


Beiträge: 11



« Antworten #2 am: 18. Februar 2012, 16:24:52 »

Zitat
Die erzielten Bruttoarbeitsentgelte18 in der Zeitarbeit sind unterdurchschnittlich. Sozialver-sicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte (ohne Auszubildende) erhielten im Jahr 2010 im Mit-tel (Median19) ein monatliches Bruttoarbeitsentgelt von 2.702€.20 Der mittlere Verdienst in der Zeitarbeit war mit 1.419€ nur gut halb so hoch. Dies hängt jedoch auch damit zusammen, dass sich die Qualifikationsstruktur und die Tätigkeitsschwerpunkte in der Arbeitneh-merüberlassung von denen in der Beschäfti-gung insgesamt merklich unterscheiden. So sind in der Zeitarbeit anteilig mehr Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung beschäftigt und der Anteil derer, die der Kategorie der Hilfsarbeiter zugeordnet sind, ist deutlich höher.

Selbst mit abgeschlossener Berufsausbildung und gutem Abschluß bekommt man da nicht mehr Geld  Angry
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Gewalt ist keine Lösung! Und wem das nicht passt, dem hau ich eins aufs Maul!!
Rappelkistenrebell


Beiträge: 2536



WWW
« Antworten #3 am: 18. Februar 2012, 16:32:07 »

Man wird bezahlt nach dem,als was man angestellt wurde seitens der Menschenhändler. In  der Regel versuchen sie natürlich die Leute im Helferbereich reinzudrücken,auch wenn diese "Helfer" später die Arbeit einer Fachkraft leisten!
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Gegen System und Kapital!


www.jungewelt.de
Nick N.


Beiträge: 1103



« Antworten #4 am: 18. Februar 2012, 21:59:46 »

Ausserdem werden ja sicherlich die Arbeitsplätze für geringer Qualifizierte als allererste in ZA ausgelagert, weil gering Qualifizierte sich das noch am ehesten gefallen lassen müssen.
Hat man die Methode dadurch etabliert, folgen die besser Qualifizierten.
[Sarkasmus]
Da scheint also noch Luft zu sein, das Land noch weiter Richtung Bananenrepublik zu entwickeln.
[/Sarkasmus]
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Satyagraha
Tiefrot
Rote Socke


Beiträge: 3236



« Antworten #5 am: 19. Februar 2012, 02:40:08 »

[Staunmodus ein]
Zitat
Ausserdem werden ja sicherlich die Arbeitsplätze für geringer Qualifizierte als allererste in ZA ausgelagert, weil gering Qualifizierte sich das noch am ehesten gefallen lassen müssen.
Müssen ? Wer muß denn ?
Zum Donner noch mal, man arbeitet, um davon leben zu können.
[Staunmodus aus]

Und wenn den Sklavenhändlern das keiner vermittelt,
brauchen wir uns über einen solch verleyerten Arbeitsmarkt gar nicht wundern.
Euch brauch ich es nicht zu sagen, aber laßt euch nicht die Freiheit nehmen,
euern Lohn auskömmlich auszuhandeln.
Und wenn die nicht wollen, müssen die sich eben einen anderen Dummen suchen.
Nicht ihr seid die Handelsware, sondern euer Wissen und euer Können.
Und das hat nun mal seinen Wert, da nehme ich auch Ungelernte nicht aus.
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Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Kein Preis, keine Leistung.
Nick N.


Beiträge: 1103



« Antworten #6 am: 19. Februar 2012, 13:43:35 »

"... weil man gering Qualifizierten (und deren in dem Fall nicht unterstützendem Umfeld) noch am ehesten einreden kann, dass sie sich das gefallen lassen müssen."
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Satyagraha
Tiefrot
Rote Socke


Beiträge: 3236



« Antworten #7 am: 19. Februar 2012, 15:43:39 »

Dann sollten wir grade diesen Leuten klar machen, daß dem nicht so ist.
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Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Kein Preis, keine Leistung.
inline


Beiträge: 930


« Antworten #8 am: 19. Februar 2012, 20:00:53 »

Ich kenne das so , die Jobs werden total zerstückelt,

z. B. Ein Bürojob in:  Callcenter-Agent, Datenerfasser (gibt nur stur Daten ein) vielleicht gibts noch Aktensortierer usw.
Einseitige jobs sind dann ja angeblich einfach und die Arbeitgeber zahlen weniger obwohl der Arbeiter ja vielseitig arbeiten könnte.

Früher  hat eine Bürokraft alle diese Tätigkeiten gemacht und galt als qualifiziert bzw. war Fachkraft.

Heute werden die Jobs ja häufig zersplitter und dann  zum großen Teil outgesourct an verschiedene Firmen die sich drum (zer)reißen dürfen. Diese Subfirmen holen sich zum Teil die Leute von den untersschiedlichen ZAFs. Das ist für die sozusagen ein sicherer Pool von Arbeitern, die zu verfügung stehen oder auch stehen müssen bzw. es sollten. Wenn das nicht so klappt, dann sagen die den Jobcentern, macht mal mehr druck... geht wohl mehr über die politische Ebene.

Die Subfirmen und ZAFs bieten die gleichen Jobs, (die Jobs sind ja bei unterschiedlichen ZAFs und Subfirmen gemeldet) den gleichen Arbeitssuchenden an. Das macht natürlich die Preise und das Lohnniveau kaptutt. In den Zeitungen steht, dass es so viele Jobs (welche ja von x Firmen angboten werden) gibt. Die Zeitungsleser, Nachrichtenhörer,  können sich  dann überhaupt nicht erklären, dass es noch Arbeitslose gibt.

Ein Außenstehender, der damit nicht konfrontiert ist, kann den Kreislauf eigentlich auch nicht wirklich verstehen.
« Letzte Änderung: 19. Februar 2012, 20:02:33 von inline » Gespeichert
Troll
Abused Frog


Beiträge: 6668



« Antworten #9 am: 24. Februar 2012, 12:38:08 »

Zitat
Gericht gibt grünes Licht für Leiharbeit

Von Ernst Wolff 24. Februar 2012

Im Leipziger Werk des Autoherstellers BMW hat sich die Zahl der Leiharbeiter in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht. Derzeit arbeiten dort neben 2.800 Stammbeschäftigten mehr als 1.100 Leiharbeiter. Ihr Lohn liegt im Schnitt um tausend Euro pro Monat unter dem der regulär beschäftigten Kollegen.

Auf Druck der Belegschaft hat der Betriebsrat vor einiger Zeit vor dem Arbeitsgericht Leipzig gegen die Einstellung weiterer 33 Leiharbeiter geklagt. Das BMW-Management hat diese Klage zum Anlass genommen, den Spieß umzudrehen. Die Anwälte des Unternehmens erwirkten bei den verschiedenen Kammern des Gerichts insgesamt neun Verfahren, um den Sachverhalt für sämtliche Beschäftigtengruppen separat zu klären und so eine generelle Grundsatzentscheidung über die Leiharbeit herbeizuführen.

Im vielbeachteten ersten Verfahren entschied nun das Gericht in der vergangenen Woche zugunsten der BMW-Geschäftsführung. In der Urteilsbegründung heißt es, die Stammbelegschaft werde nicht benachteiligt, da nicht zu erwarten sei, dass sich eins ihrer Mitglieder auf eine der ausgeschriebenen Zeitarbeitsstellen bewerben werde. Diese Aussage besticht nicht nur durch ihren höhnischen Unterton, sie muss auf andere Unternehmen fast wie eine Aufforderung wirken, noch mehr Leiharbeiter einzustellen.
....

Quelle und vollständiger Artikel: wsws.org
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Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti
Auferstanden
Gast
« Antworten #10 am: 03. März 2012, 14:38:52 »

Fazit: nur wenn eine korrupte Politik über die Legislative -und Judikative
auch die beauftragten Büttel und Scherken instrumentalisieren kann, schön scheindemokratisch als Exekutive getarnt,
zeigen sich solche Auswüchse der pervertierten Arbeits- und Sozialpolitik der heutigen BRD
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Sachse


Beiträge: 141


« Antworten #11 am: 11. März 2012, 23:10:46 »

Hey,


unter der Nummer 10000-1082584712-S  sucht eine Firma Elektriker. Bezahlung ist der AMP Tarif aber ich dachte dieser ist seit dem ende der Christen Gewerkschaft geschichte  Huh?
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Mumpitz


Beiträge: 274


« Antworten #12 am: 12. März 2012, 19:52:17 »

Zitat
Bezahlung ist der AMP Tarif aber ich dachte dieser ist seit dem ende der Christen Gewerkschaft geschichte 

Bitte umfassend informieren. Es gibt bereits seit Anfang 2010 einen neuen AMP-TV, diesmal in mehrgliedriger Form nach Vorbild der DGB-Leiharbeitstarifverträge. Mindestens ein Arbeitsgericht hat zwar auch diesen neuen MTV als nichtig angesehen, ich weiss aber nicht, ob es bereits eine LAG-Entscheidung dazu gibt. Die Arbeitsrichter unseres örtlichen Arbeitsgerichtes haben mit diesem AMP-MTV zum Beispiel kein Problem.

Ausserdem ist nicht die Christen Gewerkschaft, sonder die CGZP als Nicht-Tariffähig beurteilt worden. Es gibt aber noch wesentlich mehr Pseudo-Christen-Gewerkschaften. Beispielsweise die CGM und die hat sich vor einigen Jahren gegen die IG Metall vor Gericht behaupten können.
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dagobert


Beiträge: 4277


« Antworten #13 am: 28. Januar 2013, 14:53:22 »

Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklungen
Januar 2013
Zitat
2007: 13.600 Leihfirmen
2012: 18.500 Leihfirmen
...
Verhältnis VZ/TZ
2007: 95%/5%
2012: 88%/12%
...
Die erzielten Bruttoarbeitsentgelte in der Zeitarbeit sind unterdurchschnittlich.

Unterm Strich keine Überraschungen.
http://statistik.arbeitsagentur.de/cae/servlet/contentblob/244170/publicationFile/119019/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung-1HJ2010.pdf
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dagobert


Beiträge: 4277


« Antworten #14 am: 30. Juli 2013, 18:38:26 »

Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklungen
Juli 2013
Zitat
• Die Arbeitnehmerüberlassung ist von hoher Dynamik geprägt: Im zweiten Halbjahr 2012 wurden 481.000 Zeitarbeitsverhältnisse neu abgeschlossen und 658.000 Beschäftigungsverhältnisse beendet.
• Knapp die Hälfte der Leiharbeitsverhältnisse endet nach weniger als drei Monaten.
[...]
2012 betrug die durchschnittliche geschätzte Dauer sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse in der Arbeitnehmerüberlassung 10,3 Monate. Im Durchschnitt über alle anderen Branchen war die Dauer mit 50,6 Monaten rund fünfmal so lang.
[...]
Auch das Risiko, aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung heraus arbeitslos zu werden ist in der Arbeitnehmerüberlassung überdurchschnittlich hoch (siehe Abbildung 12). Dieses Risiko lag in der Zeitarbeit von Juni 2012 bis Mai 2013 bei durchschnittlich 4,13 Prozent. Es war damit mehr als fünfmal so hoch wie im Schnitt der restlichen Branchen (0,75 Prozent).

http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Arbeitsmarkt-Allgemein/generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung-2HJ2012.pdf
« Letzte Änderung: 30. Juli 2013, 18:42:21 von dagobert » Gespeichert
dagobert


Beiträge: 4277


« Antworten #15 am: 17. Februar 2014, 21:04:51 »

Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklungen
Februar 2014

http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Arbeitsmarkt-Allgemein/generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung-1HJ2013.pdf


Das stimmt nach wie vor...
• Knapp die Hälfte der Leiharbeitsverhältnisse endet nach weniger als drei Monaten.

... und auch sonst hat sich nichts Nennenswertes geändert.
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verzweifelte


Beiträge: 14


« Antworten #16 am: 19. Februar 2014, 18:44:32 »

Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklungen
Januar 2013
Zitat
2007: 13.600 Leihfirmen
2012: 18.500 Leihfirmen
...
Verhältnis VZ/TZ
2007: 95%/5%
2012: 88%/12%


Hallo Dagobert!
Vielen dank für die Statistik. Mir würde der Vergleich zu 2003 und davor interessieren. Gibt es dazu auch eine Statistik?
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dejavu


Beiträge: 879



« Antworten #17 am: 20. Februar 2014, 00:26:07 »

Klar gibts die.
Z.B. Beschäftigungsdauer:

Deutscher Bundestag Drucksache 14/4220
"Unterrichtung
durch die Bundesregierung
Neunter Bericht der Bundesregierung über Erfahrungen bei der
Anwendung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes – AÜG –
sowie über die Auswirkungen des Gesetzes zur Bekämpfung der
illegalen Beschäftigung – BillBG "

Tabelle 4: 1996-1999

Deutscher Bundestag Drucksache 15/6008
"Unterrichtung
durch die Bundesregierung
Zehnter Bericht der Bundesregierung über Erfahrungen bei der Anwendung
des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes – AÜG –"

Tabelle 8: 2000-2004
« Letzte Änderung: 20. Februar 2014, 00:29:06 von dejavu » Gespeichert

Leiharbeit und Werkvertragsmißbrauch verbieten! Weg mit dem Dreck!
dejavu


Beiträge: 879



« Antworten #18 am: 20. Februar 2014, 15:41:38 »

Ach übrigens: Der Zwölfte Bericht ist eigentlich überfällig. Er ist geheim und trägt den Untertitel:

Leihbranche macht die Drecksarbeit, Massenentlassungen in der Krise nach der kein Hahn kräht.
Über 200000 innerhalb eines halben Jahres entlassen! Wir sind gut durch die Krise gekommen!
« Letzte Änderung: 20. Februar 2014, 15:45:01 von dejavu » Gespeichert

Leiharbeit und Werkvertragsmißbrauch verbieten! Weg mit dem Dreck!
dejavu


Beiträge: 879



« Antworten #19 am: 21. Februar 2014, 02:02:58 »

Ups, da hat der Druckfehlerteufel zugeschlagen, es hätte natürlich heißen müssen:
Leihbranche macht die Drecksarbeit, Massenentlassungen in der Krise nach denen kein Hahn kräht.
Über 200000 innerhalb eines halben Jahres entlassen! Wir sind gut durch die Krise gekommen!
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Leiharbeit und Werkvertragsmißbrauch verbieten! Weg mit dem Dreck!
dagobert


Beiträge: 4277


« Antworten #20 am: 25. Juli 2014, 22:53:11 »

Mal wieder ein bißchen "Statistikkram", wirkliche Überraschungen sind nicht dabei:
Zitat
Arbeitsmarktberichterstattung, Juli 2014
Der Arbeitsmarkt in Deutschland – Zeitarbeit – Aktuelle Entwicklungen

https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Arbeitsmarkt-Allgemein/generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung.pdf

Zitat
Zeitarbeit in Deutschland: Hohe Dynamik und kurze Beschäftigungsdauern

http://www.iab.de/194/section.aspx/Publikation/k140702j04
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Kuddel


Beiträge: 10147


« Antworten #21 am: 24. November 2015, 17:26:24 »

Flop mit Ansage: Etwas mehr Konkretisierung bei Werkverträgen, der Rest ist Kosmetik
Vor ein paar Tagen hat Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles ihren Referentenentwurf zur stärkeren Regulierung von Werkverträgen (und der Leiharbeit) vorgelegt. Wie schon im Vorfeld vermutet, hält sich der Entwurf penibel an die im Koalitionsvertrag niedergelegten Absprachen. Dazu eine erste Einschätzung. Beitrag von Markus Krüsemann bei annotazioni vom 18. November 2015:

Zitat
Neben der Leiharbeit hat sich die Werkvertragsarbeit in den letzen Jahren zunehmend als weiteres Modell des Lohndumpings und der Ausbeutung von Beschäftigten etabliert. Bei einem Werkvertrag handelt es sich um eine vertragliche Vereinbarung, in der sich ein Auftragnehmer zur Herstellung eines individuellen Werks verpflichtet, für das ein Auftraggeber eine Vergütung, den Werklohn zahlt.

Abgesehen von den Solo-Selbstständigen sind die Auftragnehmer meist Fremdfirmen (Subunternehmen), die von Unternehmen beauftragt werden, bestimmte Aufgaben und Dienste für sie zu übernehmen. Die bei den Subunternehmen Beschäftigten werden in der Regel viel geringer entlohnt und arbeiten zu deutlich schlechteren Arbeitsbedingungen – oft sogar Seite an Seite mit den Stammbeschäftigten.

Nachdem Werkvertragsarbeit durch Mißbrauchsfälle und skandalöse Auswüchse wie etwa in der niedersächsischen Fleischindustrie oder in der Werftindustrie immer stärker in die Kritik geraten war, hatte sich die Große Koalition noch vor Beginn ihrer Amtszeit im Koalitionsvertrag darauf verständigt, die gesetzlichen Regularien zum Einsatz von Werkverträgen zu überarbeiten. Wie der jetzt vorliegende Referentenentwurf zeigt, hat das Bundesarbeitsministerium die Vorgaben leider nur eins zu eins aufgegriffen.

Der Rest ist Kosmektik
...
Weiter: http://www.annotazioni.de/post/1789
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Fritz Linow


Beiträge: 824


« Antworten #22 am: 16. Dezember 2015, 11:53:30 »

Hier ein durchaus lesenswerter und kritischer Artikel zur Leiharbeit aus einem Regionalblättchen. Die Erkenntnisse sind zwar nicht neu, aber immerhin. Normalerweise schreiben gerade die Provinzblätter der Leiharbeitslobby besonders speichelleckerisch hinterher.

Zitat
Für immer verliehen

In Sachsen-Anhalt gibt es mehr als 21000 Leiharbeiter. Ein fester Job springt für die meisten nicht heraus.


Magdeburg l Günther Falk* fühlt sich wie ein Mitarbeiter zweiter Klasse. Bei der Rothenseer Rotorblattfertigung in Magdeburg, einem Tochterunternehmen des Windkraftanlagen-Herstellers Enercon, ist der 47-Jährige seit mehr als vier Jahren als Leiharbeiter beschäftigt. Bis zu 700 Euro im Monat verdient er weniger als Kollegen, die in vergleichbarer Position fest angestellt sind.
Mehr als 3000 Beschäftigte arbeiten bei den sechs Enercon-Tochterfirmen in der Region. Noch im Sommer sagte Volker Ziem, Geschäftsführer der Rothenseer Rotorblattfertigung, dass der Konzern in Magdeburg etwa 700 Leiharbeiter beschäftigt. Zu aktuellen Zahlen wollte sich Ziem gegenüber der Volksstimme allerdings nicht äußern.
Günther Falk sagt, ihm sei schon häufig eine Festanstellung versprochen worden. Doch noch immer sind seine Dienste von dem deutschen Windanlagenbauer nur geliehen. Die Beschäftigung auf Zeit ist für Menschen wie Günther Falk die einzige Alternative zur Arbeitslosigkeit. Eine abgeschlossene Berufsausbildung hat er nicht. Die im Vergleich schlechtere Bezahlung zu Festangestellten nimmt er hin.
In Sachsen-Anhalt ist Falk einer von mehr als 21 300 Leiharbeitern. Laut Bundesagentur für Arbeit sind etwa drei Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Leih- oder Zeitarbeiter. Rund 70 Prozent von ihnen sind männlich. Fast die Hälfte aller Zeitarbeitsverhältnisse, so die Agentur, wird in den ersten drei Monaten wieder aufgelöst.
Der ursprünglich angedachte Weg – sich über eine zeitlich befristete Beschäftigung für eine Festanstellung zu empfehlen – verpufft häufig. Vielmehr habe sich eine „strategische Nutzung der Leiharbeit“ in einigen Branchen etabliert, sagt Detlev Kiel, Chef der Gewerkschaft IG Metall in Magdeburg. Er erklärt: „Viele Unternehmen profitieren von Leiharbeitern. Die Beschäftigten machen das Gleiche wie die Stammbelegschaft, sind dauerhaft im Betrieb, werden schlechter bezahlt und können von heute auf morgen vor die Tür gesetzt werden.“

Leiharbeitsagenturen verdienen gutes Geld

Auch für Roman Müller* sollte der Weg über die Zeitarbeitsagentur ein Sprungbrett in eine Festanstellung sein. 2009 fing er bei einer Enercon-Tochterfirma in Magdeburg an. Heute, sechs Jahre später, ist er noch immer dort als Leiharbeiter beschäftigt. „Die Arbeit gefällt mir sehr gut. Der Lohnunterschied ist der einzige Wermutstropfen“, sagt der 32-Jährige. Aussicht auf einen festen Vertrag bestehe derzeit nicht. Im Gegenteil: „Die Angst, dass man gesagt bekommt, man brauche nicht mehr wiederzukommen, schwingt immer mit.“
Wie viel Geld Zeitarbeiter verdienen, wenn sie nicht in einer Entleihfirma arbeiten, muss im Arbeitsvertrag mit der Verleihfirma stehen. Das Gehalt darf nicht niedriger sein als die in der Leiharbeit geltenden Untergrenzen (derzeit 8,80 Euro im Westen und 8,20 Euro im Osten). Mit der Verleihfirma besteht ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.
In Sachsen-Anhalt beherrschen Randstadt und Adecco den Markt. Die beiden Verleiher vermitteln ihr Personal an jeweils etwa 1000 Unternehmen im Land. „Die Dauer der Einsätze unserer Mitarbeiter variiert je nach Bedarf des Kunden“, sagt Thomas Bäumer, Geschäftsführer bei Adecco. Das können Tage, Monate, aber auch Jahre sein. „Diesen flexiblen Zugriff nutzen viele Unternehmen, wenn sie größere Aufträge, Urlaubszeiten oder andere personelle Engpässe haben“, erklärt Bäumer, der gleichzeitig auch Vizepräsident des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP) ist.
Laut firmeneigener Statistik kann Zeitarbeit durchaus zu einer festen Anstellung führen: „Viele unserer Kunden übernehmen Beschäftigte, die sich bewährt haben“, sagt Bäumer. Etwa ein Drittel der Mitarbeiter von Adecco und Randstadt werden, so die Agenturen, noch im ersten Jahr ihrer Zeitarbeit in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung stellte allerdings vor zwei Jahren fest, dass nur weniger als jeder zehnte Leiharbeiter in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen werde.
Bei der MKM Mansfelder Kupfer- und Messing GmbH in Hettstedt (Landkreis Mansfeld-Südharz) bekommen Zeitarbeiter automatisch einen festen Vertrag, die länger als zwölf Monate bei dem Kupferlieferanten beschäftigt sind. MKM setzt bei mehr als 1000 Beschäftigten bis zu 70 Zeitarbeiter ein, um Auftragsspitzen flexibel abdecken zu können, so ein Sprecher.
Bei Festanstellungen fließt Ablöse
Unternehmen müssen die Personalverleiher teilweise sogar dafür entschädigen und eine Ablösesumme für den Leiharbeiter zahlen. „Diese Abschlagszahlung kann bis zu einem halben Jahresgehalt betragen und hängt von der Qualifikation des Mitarbeiters ab“, so ein Branchenkenner.
* Namen von der Redaktion geändert

http://www.volksstimme.de/sachsen-anhalt/20151216/zeitarbeit-fuer-immer-verliehen
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Fritz Linow


Beiträge: 824


« Antworten #23 am: 13. Januar 2016, 14:51:19 »

2014:

Leiharbeitnehmer/innen insgesamt                                          823.834


Verkehr, Logistik                                                                       169.578
Metallerzeugung u. -bearbeitung, Metallbau                            127.198
Übrige Berufe (Rohstoffgewinnung, Produktion, Fertigung)     93.821
Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufe                                  70.657
Unternehmensorganisation, Buchhaltung, Recht, Verwaltung 70.107
Gesundheit, Soziales, Lehre u. Erziehung                               49.792
Mechatronik-, Energie- u. Elektroberufe                                   48.677
Kaufm. Dienstleistungen, Handel, Vertrieb, Tourismus             44.841
Bau, Architektur, Vermessung, Gebäudetechnik                       36.821
Führer von Fahrzeug- u. Transportgeräten                               30.472
Lebensmittelherstellung u. -verarbeitung                                  28.531
Naturwissenschaft, Geografie, Informatik                                 17.311
Reinigungsberufe                                                                      16.648
Geisteswissenschaften, Kultur, Gestaltung                               11.090
Land-, Forst-, Tierwirtschaft, Gartenbau                                    4.391
Schutz-, Sicherheits-, Überwachungsberufe                             3.853

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2015b)
« Letzte Änderung: 13. Januar 2016, 22:52:52 von Fritz Linow » Gespeichert
Fritz Linow


Beiträge: 824


« Antworten #24 am: 14. Januar 2016, 09:30:55 »

Gehört auch zur Entwicklung der Leiharbeit:

Seit 2008 kann man den Beruf des Sklavenhändlers lernen.

Auf der Höllenseite http://www.alle-achtung.info/ wird der ganze Rotz näher vorgestellt. Besonders gruselig ist der Propagandafilm „Alle Achtung“. Eine Sickergrube voller Klärschlamm und Schwermetallen ist dagegen Kindergarten.

Die Sklavenhändler von morgen werden an diesen Berufsschulen ausgebildet:
http://www.alle-achtung.info/uploads/tx_q4uauthor/aktuell_PDK-Layout_Berufsschulen_02.pdf

Hoffentlich werden diese Hackfressen in der großen Pause von den anderen schön verhauen!
« Letzte Änderung: 14. Januar 2016, 09:36:59 von Fritz Linow » Gespeichert
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