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Autor Thema: AMAZON  (Gelesen 83138 mal)
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Kuddel


Beiträge: 11358


« Antworten #275 am: 18. November 2017, 20:47:08 »

Zitat


Kampagne „Make Amazon Pay-Block Blackfriday“ am 24.11.17 – Aktionswoche zur Unterstützung der Streikenden bei Amazon


“Seit fast vier Jahren kämpfen Beschäftige bei Amazon für die Anerkennung ihrer Forderungen gegenüber der Unternehmensleitung. Längst geht es dabei nicht mehr nur um wenige Euro mehr Lohn, die ein Tarifvertrag absichern würde, sondern um krankmachende Arbeitsbedingungen, entwürdigende Kontrolle und die Respektlosigkeit des Managements. Mit einer Aktionswoche rund um den Black Friday am 24.11.17 (Amazons internationalem Schnäppchen-Tag) wollen wir die kämpfenden Belegschaften unterstützen. Am Black Friday wollen wir die Wirkung vorweihnachtlicher Streiks durch die Blockade eines Amazon-Standorts verstärken. Das Innenstadt-Verteilzentrum im Berliner Kudamm-Karree garantiert eine Zustellung der dort lagernden Produkte innerhalb von zwei Stunden (für Prime-Kund*innen sogar innerhalb einer Stunde). Eine in den engen Seitenstraßen durchaus angreifbare Garantie! Solidarische Amazon-Kund*innen schicken in dieser Woche vermehrt (versandkostenfreie) Bestellungen ab und wieder zurück und legen den Retouren solidarische Botschaften an die Belegschaft bei. Weitere solidarische Aktivitäten sind zu erwarten. (…) Wir sollten die Kämpfe der picker und packer, die Beschäftigen in der Warenannahme, in Lager und Versand bei Amazon als politisches Feld mit wachsender Bedeutung begreifen…”

Ein aufmerksamer Leser hat uns darauf aufmerksam gemacht, daß die im Dossier verlinkten Aktionsseiten https://blackfriday.blackblogs.org/  und https://makeamazonpay.org/  dauerhaft nicht erreichbar sind – mit durchaus relevanten Folgen für die Kampagne, schon allein wegen der Übersicht aller bundesweiten Planungen…
Interessanterweise sind die Seiten auch nicht rekonstruierbar über das “Internet-Archiv” https://web.archive.org/  – schon aus Eigeninteresse??? Denn die Wayback Machine wird von ALEXA betrieben und ALEXA gehört AMAZON, siehe Wikipedia  und bei Wikipedia genannte (Alexa-)Urheber Brewster Kahle  ist identisch mit dem Urheber des Achives… ein Schelm, wer Böses dabei denkt…
http://www.labournet.de/politik/gw/zielgruppen/prekaere/kampagne-make-amazon-pay-block-blackfriday-24-11-17-aktionswoche-zur-unterstuetzung-der-streikenden-bei-amazon/

Zitat
Amazonstreik geht in die nächste Runde
Im Kampf gegen den Algorithmus

Ein autonomes Protestbündnis will Amazon das Vorweihnachtsgeschäft vermiesen – zur Unterstützung der streikenden Gewerkschafter.



Streikende Mitarbeiter blockieren eine Zufahrt des Logistikcenters in Bad Hersfeld

Zum Start des Vorweihnachtsgeschäfts des Internetkonzerns Amazon kündigt die Gewerkschaft Verdi weitere Streiks an. Und das linksautonome „Make Amazon Pay“-Bündnis ruft für kommende Woche zur Unterstützung der Streikenden auf. Mit einer Aktionswoche will das Bündnis gegen die Verschlechterung von Arbeitsbedingungen im Zuge der Digitalisierung protestieren.

Amazon ist Marktführer im Internetversandhandel. Dem Umsatz nach rangiert der Konzern auf Platz 26 der größten Unternehmen der Welt. In Deutschland hat er mehr als 16.000 Mitarbeiter. Amazon ist stolz auf seine technologische Vorreiterrolle. Die Warenlager sind nach einem computergesteuerten Chaosprinzip angeordnet. Nur der Handscanner der sogenannten Picker kennt den Standort der zahllosen Artikel und gibt den Mitarbeitern Anweisungen, wie sie die Waren für die Auslieferung finden.

Allen technologischen Erfolgsmeldungen zum Trotz: Es sind Menschen, die die Lieferung der Produkte per Mausklick möglich machen. Und die werden durch die digitale Aufzeichnung, Zergliederung und Planung der Arbeitsprozesse zunehmend austauschbar gemacht.

Durch computeroptimierte Laufwege und die Echtzeiterfassung jedes Handgriffes und jeder verbrachten Arbeitsminute stehen Amazon zudem neue Methoden zur Kontrolle der Beschäftigten zur Verfügung. Jede Abweichung vom algorithmisch perfekten Arbeitsplan wird registriert.

Der Gesundheitswettbewerb

Vor diesem Hintergrund kämpft Verdi für Tarifverträge an den Amazon-Standorten. Doch seit vier Jahren verweigert Amazon hartnäckig die Aufnahme von Verhandlungen, daher kommt es immer wieder zu Streiks. „Amazon will die Beschäftigten vereinzeln, damit sie sich nicht kollektiv für ihre Interessen einsetzen.“ erklärt Thomas Voss von der Gewerkschaft Verdi.

Die gewerkschaftliche Organisierung in dem automatisierten und dennoch arbeitsintensiven Bereich ist schwierig. Amazon beschäftigt zahlreiche Saisonarbeiter, ein Großteil der Verträge ist bis zum 31.12. befristet. Nur die schnellsten Picker und Packer können mit einer Weiterbeschäftigung nach dem Weihnachtsgeschäft rechnen. Der innerbetriebliche Konkurrenzdruck wird zusätzlich durch ein Bonussystem befeuert. Dennoch habe Verdi bei Amazon mittlerweile einen Organisationsgrad von 35 Prozent erreicht, sagt Voss.

Der Kampf der Beschäftigten gehe aber über die Aufnahme von Tarifverhandlungen hinaus. Neben Lohnerhöhungen fordern sie die Erleichterung der Arbeitsbedingungen. Diese führten unter anderem zu einem äußerst hohen Krankenstand, der stellenweise bis zu 20 Prozent erreicht hat, so Voss weiter. Um die bezahlten Krankheitstage zu senken hat sich Amazon eine eigene Strategie ausgedacht, die bestens in die Unternehmensphilosophie passt: Ein Gesundheitsbonus wird an jene Mitarbeiter und Teams ausgezahlt, die die niedrigsten Ausfalltage aufweisen.

Amazons Zukunftsvision

Mit der Aktionswoche möchte das „Make Amazon Pay“-Bündnis die gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung zum Diskussionsgegenstand machen. „Es geht nicht um einen Boykott von Amazon“, erklärt Jonathan Schneider für das Aktionsbündnis. Ziel sei, das Arbeitssystem im logistischen Bereich und die von Amazon vertretene Zukunftsvision zu kritisieren. „Noch im Aufbau“ sieht Schneider den Kontakt zu den Vertrauensleuten der Gewerkschaft Verdi.

Hinter dem Bündnis stehen Gruppen aus dem autonomen und postautonomen Umfeld, wie das linksradikale „Ums-Ganze“-Bündnis und die technologiekritische Gruppe Capulco. Die Aktivisten planen einen Besuch bei den Streikenden des Leipziger Standorts. Zudem hoffen sie auf spontane Beteiligung. Die Gewerkschaft IP (Arbeiterintiative), die hunderte Mitarbeiter in Polen organisiert, hat bereits ihre Unterstützung angekündigt.

Als Höhepunkt der Aktionswoche will das Bündnis das Verteilerzentrum am Berliner Kudamm-Karree blockieren. Eine „angreifbare Garantie“ sieht das Bündnis in der Zusicherung von Amazon, Artikel aus dem Verteilerzentrum innerhalb von zwei Stunden zu liefern.

Amazon äußerte sich auf Rückfrage zu den geplanten Protesten gegenüber der taz nicht.
http://www.taz.de/Amazonstreik-geht-in-die-naechste-Runde/!5463577/
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Kuddel


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« Antworten #276 am: 22. November 2017, 14:34:44 »

Zitat


Aktionswoche rund um den Black Friday im Rahmen der Kampagne "Make Amazon Pay!
Proteste gegen Arbeitsbedingungen und maschinelle Menschensteuerung bei Amazon in Berlin und Leipzig


Die Aktionswoche vom 20. bis 26.11 der Kampagne "Make Amazon Pay!" ist gestartet. Schon im Vorfeld haben linke Gruppen bundesweit Veranstaltungen zu den Arbeitsbedingungen bei Amazon organisiert und die Kampagne an verschiedenen Standorten im Bundesgebiet sichtbar gemacht. "Mit der Aktionswoche wollen wir noch einmal an die breite Öffentlichkeit. Dazu werden wir am Freitag das Innenstadtversandlager in Berlin am Kudamm-Karree blockieren und die Streikenden am Standort Leipzig besuchen.", so Maria Reschka, Pressesprecherin der Kampagne. Im Vorfeld der Aktionswoche habe auch ein reger Austausch mit den kämpfenden Belegschaften vor Ort auch über Deutschland hinaus stattgefunden. "Wir sehen uns als solidarischer Partner der anhaltenden betrieblichen Auseinandersetzungen bei Amazon", so Reschka weiter.

Die Aktivist*innen betonen, dass die Gängelungen am Arbeitsplatz, sowie die maschinelle Menschensteuerung durch Überwachung und Verdatung bei Amazon exemplarisch für die Beschäftigungsverhältnisse in der heutigen Arbeitswelt stünden. Amazon habe eine Monopolstellung im Versandhandel und könne daher die Standards für die Bedingungen der Arbeit setzen. Folgen der Arbeit bei Amazon seien Gesundheitsschäden und enorme psychische Belastung.

Maria Reschka führt aus: "Amazon garantiert seinen KundInnen schnelle Lieferungen zu günstigen Preisen. Dieses Versprechen hat unhinnehmbare Zustände im Betrieb zur Folge. Eine Zuspitzung dessen findet diesen Freitag, am Black Friday statt. Amazon garantiert KundInnen in Berlin eine Zustellung innerhalb von zwei Stunden. Diese Garantie werden wir angreifen, indem wir unter Einsatz unserer Körper und kreativer Aktionsmaterialien die Zugänge zum Innenstadtversandlager der Amazon City Logistik Alpha GmbH im Berliner Kudamm-Karree (Kurfürstendamm 206 - 209, 10719 Berlin) blockieren werden."

Die Kampagne wirbt öffentlich für eine Kundgebung um 10.00 Uhr am Savignyplatz unter dem Motto "Block Black Friday". Bei der Blockade in Berlin ginge es um das Blockieren von Waren. "Nach der Aktionswoche werden wir weitermachen und an Seite der kämpfenden Belegschaften einfordern mehr als Daten und Roboter in einem menschengeschaffenen System zu sein. Wir brechen aus Amazons technokratischer Zukunftsvision einer programmierten Gesellschaft aus. Wir streiten für eine Zukunft, die gesellschaftliche Entwicklungen wieder verhandelbar macht!", so Reschka abschließend.

Für weitere Nachfragen
presse@makeamazonpay.org

Homepage
http://www.makeamazonpay.org

Zentrale Aktionstermine zum Black Friday am 24. November
Block black friday: Berlin – 10:00 Savignyplatz
Wir besuchen die Streikenden bei Amazon!: Leipzig – 9:30 Torgauer Platz
https://www.facebook.com/makeamazonpay/photos/a.1916628725030613.1073741828.1912424652117687/1979059585454193/?type=3

Zitat
Köln! Die Genoss*innen vom Antifa AK Köln waren heute in der Innenstadt fleißig agitieren - mehr davon!



https://www.facebook.com/pg/antifa.ak.koeln/photos/

« Letzte Änderung: 22. November 2017, 19:28:18 von Kuddel » Gespeichert
Kuddel


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« Antworten #277 am: 24. November 2017, 20:43:26 »

Zitat
Black Friday:
Streiks bei Amazon in Deutschland

Gewerkschaft fordert zu Arbeitsniederlegung auf

24. November 2017

Die Gewerkschaft Verdi hat am Freitag die Mitarbeiter mehrerer Amazon-Standorte in Deutschland zum Streik aufgerufen. Der Ausstand fällt auf den Rabatttag Black Friday, an dem Einzelhändler mit günstigen Angeboten locken. Verdi fordert den Online-Händler Amazon zu Verhandlungen über einen Tarifvertrag auf.

Der US-Konzern, der deutschlandweit mehr als 12.000 festangestellte Mitarbeiter beschäftigt, verweigert seit Jahren Gespräche.


An den Arbeitsniederlegungen am "Black Friday" beteiligen sich laut Verdi Beschäftigte an den sechs großen Amazon-Standorten Bad Hersfeld (Hessen), Leipzig (Sachsen), Rheinberg (NRW), Werne (NRW), Graben (Bayern) und Koblenz (Rheinland-Pfalz).
Streik bis Samstag

Bei Amazon in Leipzig hätten Mitarbeiter seit 0 Uhr ihre Arbeit niedergelegt, für 10 Uhr sei eine Kundgebung vor dem Standort geplant. Der Streik solle bis zum Ende der Spätschicht am Samstag dauern.

Seit 2013 liefert sich die Gewerkschaft einen Tarifstreit mit dem Internetversandhändler. "Die Beschäftigten gehören besonders an einem Tag wie dem Black Friday in den Mittelpunkt gestellt", sagte der Leipziger Verdi-Streikeiter Ronny Streich: "Im Dienste von Jeff Bezos und der Kunden sollen sie zum Black Friday Höchstleistungen erbringen und dies unter Arbeitsbedingungen, die auf Dauer krank machen. Daran muss sich etwas ändern und Amazon muss sich endlich dieser Verantwortung stellen." Jeff Bezos ist der Amazon-Gründer.
https://www.derstandard.de/story/2000068407965/black-friday-streiks-bei-amazon-in-deutschland

Zitat


Protest für Arbeitnehmerschutz
Amazon-Beschäftigte nutzen "Black Friday" für Protest

"Black Friday" - in den USA wird an diesem freien Tag nach Thanksgiving groß eingekauft. Und auch Amazon ruft hierzulande zum Shoppen auf. Aktivisten aber nutzten den Tag für einen Protest gegen die Arbeitnehmerpolitik von Amazon mitten in Charlottenburg.


Freitags einkaufen? Ja, aber nicht bei Amazon, weil Amazon schlecht zahlt! - So lässt sich die Demo von Aktivisten auf dem Kurfürstendamm am Freitag überschreiben. Mit ihrem Protest wollten die Demonstranten nach Angaben der Initiatoren auf die Zusatzbelastungen aufmerksam machen, die Amazon seinen Mitarbeitern im Weihnachtsgeschäft aufbürde.

Start des Protests am Freitagmorgen war das Kudamm-Karree. Die Aktivisten wollten nach eigenen Angaben das hier befindliche Amazon-Verteilerzentrum blockieren, denn von dort beliefert der Versandhändler viele seiner Berliner Kunden. Zudem gab es einen Demonstrationszug über die Kantstraße von West nach Ost - also vom Savignyplatz bis zur Ecke Uhlandstraße.

Zeitweise 600 Beamte im Einsatz

Die Polizei war nach eigenen Angaben mit rund 600 Beamten vor Ort. Sprecher Carsten Müller sagte rbb|24, dieses Aufgebot sei hier zunächst eingesetzt worden, weil der Protest an einem "zentralen Standort der City-West" stattfand, die Demo gesichert und gleichzeitig der Verkehr umgeleitet und geregelt werden musste. "Zeitnah" seien dann im Verlauf der Demo auch die Einsatzkräfte reduziert worden, so Müller. Rund 100 Aktivisten und Unterstützer zählte die Polizei bei der Kundgebung und dem anschließenden Protestzug. Die Polizei sprach am Vormittag von einem "Verlauf ohne Störungen".

Nach Angaben der Berliner Polizei hatte die Kundgebung den Titel "Solidarität mit den Beschäftigen von Amazon". Sie wurde nach Polizeiangeben von einer Privatperson angemeldet und lief ohne offizielle Beteiligung von Verdi. Parallel allerdings rief die Dienstleistungsgewerkschaft auch an anderen Amazon-Standorten zu Demonstrationen und Streiks auf - in Hessen, Sachsen, NRW, Bayern und Rheinland-Pfalz.

Die Arbeitnehmervertreter kritisieren, dass Amazon mit Rabatten und schneller Lieferung werbe, den eigenen Mitarbeitern aber überwiegend nicht einmal ein tarifliches Weihnachtsgeld zahle. Die Zusatzbelastung vor den Feiertagen gehe zu Lasten der Belegschaft, Amazon aber verweigere sich einem Tarifvertrag für den Versandhandel.

Auch wenn Verdi nicht direkt beteiligt war - nach Angaben des Pressesprechers des Verdi-Landesbezirks, Andreas Splanemann, hatte die Aktion die volle Unterstützung der Gewerkschaft. "An bundesweit mehreren Standorten von Amazon laufen auch Streiks, in Berlin aber gibt es eben nur dieses eine Verteilzentrum und am Amazon-Standort in Brieselang ist die Verdi-Mitgliederstruktur noch am Wachsen, doch gibt es hier noch keine Streikfähigkeit", sagte Splanemann rbb|24.

Für Amazon arbeiten bundesweit mehr als 12.000 festangestellte Mitarbeiter.

Unterstützt wurde der Protest unter anderem von Abgeordneten der Linksfraktion. Die Abgeordnete Sabine Leidig, Mitglied im Bundesvorstands der Partei, gehörte zu den Aktivisten des Aktionen in Charlottenburg und sie twitterte, die Demo sei ein Protest "gegen Ausbeutung und für gerechte Arbeitsverhältnisse bei Amazon in Berlin".

Der Protest fällt zusammen mit dem "Black Friday", einer aus dem Handel der USA herübergeschwappten Aktion der Einzelhändler. Dieser "Black Friday" ist in den USA ein sogenannter Brückentag, also der Übergangstag zwischen dem Wochenende und einem Feiertag, in diesem Fall ist es der dort den Arbeitnehmern gewährte freie Tag aus Anlass des Thanksgiving-Festes.

Auch in Deutschland locken bereits seit Jahren viele Händler an diesem Tag mit Rabatten, auch wenn hier Thanksgiving kein Feiertag ist und nur wenige Menschen in Deutschland den Tag als Feiertag begehen.

"Kauf nix"-Tag als Gegenbewegung zum "Black Friday"


Der von vielen, vor allem großen, Einzelhändlern für Werbeaktionen genutzte "Black Friday" hat allerdings auch kämpferische Gegner. Eine der prominentesten Aktionen ist der so genannte "Kauf-Nix-Tag" (englisch: Buy Nothing Day). Damit richten sich die Aktivisten gegen die mit massiven Rabataktionen angefeuerten Verkaufsaktionen. Sie nennen diesen Tag einen "konsumkritischen Aktionstag". Sie rufen zu einem 24-stündigen Konsumverzicht auf und fordern ein auf Nachhaltigkeit abzielendes Kaufverhalten jedes Einzelnen.
https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2017/11/black-friday-amazon-prostest-thanksgiving-kudamm-beschaeftigte-.html


Zitat
"Black Friday"-Protest
Massive Polizei-Präsenz bei Demonstration gegen Amazon

Die Demonstranten wollten ein Verteilerzentrum in der City West blockieren. Der Kudamm wurde zeitweise gesperrt.



Demonstranten und Polizisten am Freitag in der City West

Berlin. Ein Protest gegen den Online-Versandhändler Amazon ist am Freitagvormittag durch Charlottenburg gezogen. Etwa 100 Demonstranten starteten gegen 11.30 Uhr am Savignyplatz und liefen durch die City West, begleitet von einem massiven Polizei-Aufgebot. Eine Polizeisprecherin sagte am Vormittag, etwa 600 Beamte seien im Einsatz. Die Stimmung war friedlich. Reporter der Morgenpost berichteten, unter den Teilnehmern hätten sich vereinzelt auch vermummte Personen befunden.



Die Veranstaltung unter dem Motto "Make Amazon Pay" hatte sich laut eigenen Angaben zum Ziel gesetzt, das Amazon-Verteilerzentrum im Kudamm-Karree zu blockieren. Von dort beliefert der Versandhändler seine innerstädtischen Kunden. Die Polizei gestattete den Demo-Teilnehmern, an dem Verteilerzentrum vorbeizuziehen, allerdings auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Zu einer kleinen Kundgebung kam es kurz vor 12 Uhr am Kudamm Ecke Uhlandstraße mit etwa 30 Teilnehmern.


Demonstranten versuchten dort, Lieferfahrzeuge an der Weiterfahrt zu hindern, wurden aber von Polizisten immer wieder sofort von der Straße geschoben. Einige Demonstranten blockierten die Kreuzung und skandierten Parolen. Die Zufahrten zu dem Verteilerzentrum wurden von der Polizei abgesperrt, um Störungen durch Demonstranten zu verhindern.


Der Kurfürstendamm wurde am Mittag zeitweise abgesperrt. Zu Problemen kam es auch im Bus-Betrieb. Laut BVG gibt es Einschränkungen auf den Linien X10, M19, M29, 109, 110 und 249:

Erst in der Nacht zu Donnerstag waren in Kreuzberg und in Friedrichshain zwei Amazon-Transporter von Unbekannten angezündet worden.

Aufgerufen zu den deutschlandweiten Protesten und Streiks hatte die Gewerkschaft Verdi. Der Ausstand fällt auf den Rabatt-Tag "Black Friday" , an dem Einzelhändler bundesweit mit günstigen Angeboten locken. Anlass sind die Zusatzbelastungen, die Amazon seinen Mitarbeitern laut Verdi zu Beginn des Weihnachtsgeschäftes zumutet.

Der "Black Friday" stammt aus den USA. Er fällt immer auf den Tag nach dem amerikanischen Feiertag Thanksgiving. Auch in Deutschland locken an jenem Tag immer mehr Händler mit Rabatten; Amazon erhofft sich erhöhte Umsätze zum Start in die Weihnachtssaison. Extra für das Weihnachtsgeschäft hatte der Konzern im Oktober 13.000 befristete Mitarbeiterstellen an seinen deutschen Logistikzentren ausgeschrieben
https://www.morgenpost.de/berlin/polizeibericht/article212638613/Demonstration-gegen-Amazon-startet-in-der-City-West.html

Zitat
Am "Black Friday" lockt auch Amazon mit Schnäppchen. Für die Gewerkschaft ver.di war es Anlass zu einem erneuten bundesweiten Streik.

Beim Versandhändler Amazon ist erneut bundesweit gestreikt worden. Der Ausstand fiel auf den Rabatt-Tag "Black Friday", an dem Einzelhändler mit günstigen Angeboten locken. Gestreikt wurde an den sechs großen Amazon-Standorten in Deutschland. Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di beteiligten sich 2.300 Amazon-Mitarbeiter an den Streiks.

Ver.di fordert einen Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels. Der US-Konzern verweigert seit Jahren Gespräche darüber.
https://www.zdf.de/nachrichten/heute/am-rabatt-tag--black-friday--bundesweite-streiks-bei-amazon-100.html

Zitat
Zahltag für Amazon
Streiks gegen Versandhändler in mehreren Städten und Blockade in Berlin


So hat sich der Onlineversandhändler Amazon den Schnäppchentag »Black Friday« vermutlich nicht vorgestellt: In mehreren Städten beteiligten sich am Freitag Hunderte Gewerkschafter, Mitarbeiter und linke Aktivisten an Protestaktionen und Streiks. Damit sollte auf die schlechten Arbeitsbedingungen, den fehlenden Tarifvertrag sowie die Rolle des US-Konzerns im digitalen Kapitalismus aufmerksam gemacht werden.

In Berlin blockierten etwa 150 Aktivisten vom linksradikalen Bündnis »Make Amazon Pay« am Mittag für einige Stunden die Zugänge zum Innenstadtversandlager im Kudamm-Karree. »Wir wollen zeigen, dass die Logistik im digitalen Kapitalismus und damit auch Amazon als großer Player angreifbar und störbar sind«, sagte der Sprecher der Initiative, Jonathan Schneider, gegenüber »nd«.

Die Polizei war mit zahlreichen Beamten vertreten und sorgte mit abgesperrten Straßen selbst dafür, dass der Warentransport nur noch eingeschränkt erfolgen konnte. Zumindest an einem der beiden Blockadepunkte ließen die Beamten jedoch weiterhin Fahrzeuge passieren. Bei den Versuchen, vor den Absperrgittern eine Mauer aus Kartons aufzubauen und einen zweiten Zugangsweg zu blockieren, sowie bei der Abschlussdemonstration kam es kurzzeitig zu Rangeleien mit der Polizei. Die Beamten nahmen eine Person fest.

Bereits am Vormittag hatten sich die Demonstranten am Savigny-Platz mit Regenschirmen und Dutzenden Kartons versammelt. Flugblätter, Transparente und Papputensilien mussten einzeln der Polizei zur Überprüfung gezeigt werden. Mit Parolen wie »Auf zu neuen Taten - Amazon verraten« oder »Gegen den Staat und Amazon« zog die Gruppe durch den relativ wohlhabenden Stadtteil Charlottenburg zum Kudamm-Karree. Die LINKEN-Bundestagsabgeordnete Sabine Leidig nahm ebenfalls an der Demonstration teil.

Make Amazon Pay

Eine Delegation der polnischen Basisgewerkschaft Arbeiter-Inititive aus Poznań unterstützte die Protestaktion. »Wir müssen uns international vernetzen, da Amazon einfach in ein anderes Land weiterziehen kann, sobald sich der Druck erhöht«, sagte der Mitarbeiter Michal Kubick gegenüber »nd«. Zweimal im Jahr träfen sich Gewerkschafter und Unterstützer aus Polen, Deutschland und Frankreich, um sich auszutauschen und Strategien zu planen. Nach eigener Aussage beträgt der Stundenlohn bei Amazon in Polen vier Euro. Die Toilettenpausen würde man vom Lohn abziehen.

Eine offizielle Unterstützung durch ver.di oder Mitarbeiter war in Berlin nicht zu vernehmen, doch Initiativensprecher Schneider erklärte, dass man mit der Gewerkschaft Kontakt halte. »Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu ver.di.« Man könne dafür als Bündnis Kritik üben, die über die der Gewerkschaft hinausgehe. »Wir kritisieren auch die Vorreiterrolle des Konzerns in der Datenspeicherung - Amazon greift nicht nur in den Alltag und das Leben der Beschäftigten ein, sondern auch in das, von uns allen.« Hinter »Make Amazon Pay« steht vor allem das postautonome »Ums-Ganze«-Bündnis, das in der vergangenen Woche entsprechende Veranstaltungen durchgeführt hatte.

Erst in der Nacht zu Donnerstag hatten Unbekannte in Berlin drei Amazon-Transporter zerstört und das Wort »Streik« hinterlassen. In einer auf Indymedia veröffentlichten Erklärung hieß es von »autonomen Gruppen«: »Wir haben keinen Bock darauf, durch Informationen regierbar zu sein.« Man solidarisiere sich daher mit den Streikenden. Der Konflikt um die Amazon-Arbeiter sei aber nur »ein Ausschnitt des gigantischen Problems des Wandels der Arbeitswelt, der Vereinzelung der Kampffelder und der Isolierung der Kämpfenden.«


Kundgebung in Leipzig vor dem Amazon-Standort. Die Gewerkschaft Ver.di hat am Freitag die Mitarbeiter mehrerer Amazon-Standorte in Deutschland zum Streik aufgerufen.

Auch in weiteren Städten gab es am Freitag Aktionen gegen Amazon. Gestreikt wurde etwa an den Logistikstandorten Leipzig, Koblenz, Bad Hersfeld, Rheinberg, Werne und Graben. Laut ver.di beteiligten sich erstmals auch Beschäftigte am norditalienischen Standort Piacenza nahe Mailand an dem Ausstand. Ronny Streich, ver.di-Streikleiter bei Amazon in Leipzig, erklärte: »Im Dienste von Jeff Bezos und der Kunden sollen die Mitarbeiter zum ›Black Friday‹ Höchstleistungen erbringen und dies unter Arbeitsbedingungen, die auf Dauer krank machen.« Jeff Bezos ist der Chef des US-Konzerns.

In Leipzig gab es laut der Initiative »Make Amazon Pay« ebenfalls eine kurzzeitige Blockadeaktion. Videos zeigten Dutzende Menschen, die auf eine Zufahrtsstraße laufen. Es hätte dadurch einen »massiven Rückstau« gegeben. Offenbar mussten mehrere LKWs ihre Fahrten pausieren.

Ver.di fordert bereits seit rund viereinhalb Jahren eine Bezahlung der Beschäftigten nach den Tarifverträgen des Einzel- und Versandhandels sowie bessere Arbeitsbedingungen. Amazon mit bundesweit mehr als 12 000 Mitarbeitern, verweigert aber Gespräche.

Der »Black Friday« stammt aus den USA. Er fällt immer auf den Tag nach dem Feiertag Thanksgiving. Für die Amerikaner ist das ein Brückentag, den sie gerne für Weihnachtseinkäufe nutzen. Auch immer mehr Händler in Deutschland sind bei der Rabattaktion dabei.

Der Online-Händler erklärte zu den neuerlichen Streiks, diese hätten »keinen Einfluss« auf die Abläufe gehabt. »Amazon beweist jeden Tag, dass man auch ohne Tarifvertrag ein fairer Arbeitgeber sein kann«, so der Konzern. In Anspielung auf den »Black Friday« sagte indes der LINKEN-Bundestagsabgeordnete Pascal Meiser: Solange die Beschäftigten keinen Tarifvertrag hätten, sei für sie »jeder Tag ein schwarzer Tag«.
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1071264.streik-gegen-amazon-zahltag-fuer-amazon.html
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Kuddel


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« Antworten #278 am: 26. November 2017, 13:21:14 »

Zitat
Warum Amazon-Mitarbeiter am "Black Friday" streiken
"Das Unternehmen reduziert uns zum Teil der Maschine, wir sollen einfach nur eine Lücke ausfüllen zwischen Computersystem und Regal."



Ein Amazon-Logistikzentrum in Spanien

Seit 6 Uhr morgens wird zurückreduziert. Der Onlineversandhändler Amazon hat den heutigen Freitag zum "Black Friday" erklärt. Alle fünf Minuten werden den Kunden neue "Blitzangebote" unterbreitet: Grillhandschuhe, Funksteckdosen, Babykostwärmer. Das eine Produkt bekommt man 20 Prozent günstiger, das andere sogar 40 Prozent. Genau einen Monat vor Heiligabend räumt Amazon die Lager leer. So zumindest der Plan. Das Problem: Die Beschäftigten und die Gewerkschaft Verdi bestreiken Teile des deutschen Betriebs. Sie wollen die "Black Friday"-Auslieferungen verzögern und so Amazon endlich und erstmals zu Verhandlungen mit seinen Beschäftigten bewegen.

Derzeit betreibt Amazon elf Logistikzentren an zehn Standorten in Deutschland. Über 12.000 festangestellte Mitarbeiter arbeiten dort laut Unternehmensangaben. Im Februar dieses Jahres kündigte Amazon an, dass bis Ende 2017 sogar 16.500 Mitarbeiter beschäftigt werden sollen. Für das Weihnachtsgeschäft will das Unternehmen zusätzlich nochmals 13.000 Saisonarbeiter kurzfristig einstellen.

Die Arbeit, die Interessierte dort erwartet, beschreibt Mitarbeiter Christian Krähling so:

"Das Unternehmen reduziert uns zum Teil der Maschine, wir sollen einfach nur eine Lücke ausfüllen zwischen Computersystem und Regal."

Krähling ist Streikführer am größeren von zwei Lieferzentren im hessischen Bad Hersfeld. VICE erreicht ihn nach der Streikversammlung. Jeder Zehnte der insgesamt 5.000 Beschäftigten beteilige sich am Streik, sagt Krähling. Allerdings sind an dem Standort bereits mehr als die Hälfte aller Beschäftigten Saisonkräfte. Dafür wurde in Leipzig, Graben und Rheinberg ebenfalls die Arbeit unterbrochen.

Amazon-Mitarbeiter streiken regelmäßig. Zuletzt Ende September dieses Jahres, als das Videospiel "FIFA 18" ausgeliefert werden sollte. Und eben jetzt wieder. Die FAZ, seit jeher Verlautbarungsorgan des deutschen Arbeiterkampfs, kommentiert die aktuellen Aktionen mit: "Und täglich grüßt das Murmeltier".

Christian Krähling sagt, die Arbeiter hätten in den letzten Jahren durch die Streiks etliche Verbesserungen erreicht, etwa mehrere "relativ moderate" Lohnerhöhungen und ein Weihnachtsgeld. Die Geschäftsleitung hätte sich immer bemüht, den Streikenden entgegenzukommen, sagt Krähling. Auch der Betriebsrat sei durch die zahlreichen Aktionen handlungsfähiger geworden. Bis heute ist Amazon keinem Arbeitergeberverband beigetreten und hat nie direkt mit den Gewerkschaften und Arbeitern verhandelt. Genau das ist aber nun die wichtigste Forderung der Streikenden.


Glücklich am Produktescannen, so zeigt Amazon seine Mitarbeiter auf Pressefotos | Foto: Amazon Deutschland

Neben dem Geld geht es den Mitarbeitern um das Klima im Betrieb. Krähling sagt, das Unternehmen kontrolliere seine Angestellten permanent. "Es gibt häufig Abmahnungen wegen Nichtigkeiten, etwa weil jemand 10 Sekunden zu früh seinen Arbeitsplatz verlassen hat." Amazon sei auf Zahlen fixiert, auf Einheiten, die pro Stunden zu schaffen sind. Der Mensch habe da oft das Nachsehen, sagt der Gewerkschafter. "Viele resignieren dann, sie bleiben im Unternehmen, kündigen aber innerlich. Andere gehen in den Widerstand. Und wieder andere nehmen das alles so hin."

Den Erfolg von Amazon haben die Arbeitsbedingungen nicht geschmälert, vermutlich haben die geringen Personalkosten ihn sogar eher gefördert. Die Firma aus Seattle ist das viertwertvollste Unternehmen der Welt. Auch weil das Geschäft in Deutschland so gut läuft. Mehr als jeder zweite Deutsche bestellt regelmäßig bei Amazon. Seinen Umsatz hat der Konzern im letzten Jahr um fast 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesteigert – auf umgerechnet rund 13,3 Milliarden Euro. Der gesamte deutsche Einzelhandel, zu dem auch Amazon gehört, setzte im selben Zeitraum 486,5 Milliarden Euro um.

Erstmals erhalten die Streikenden nun auch Unterstützung durch eine neue Aktion namens "Make Amazon Pay". Sie besuchte am Freitagvormittag die Streikenden in Leipzig und organisierte zuvor mehrere Infoveranstaltungen in verschiedenen deutschen Städten. Dahinter verbergen sich vor allem linke und linksradikale Gruppen, wie einer der Aktionssprecher, Jonathan Schneider, gegenüber VICE erklärt.

Doch anders als es der markige Titel der Aktion verheißt, will hier niemand, dass Amazon "zahlen muss". Zumindest vorerst nicht. Zwar würde auch Schneider das Unternehmen zwar gerne langfristig enteignen und den Nutzern übergeben. Heute geht es bei der Aktion aber erstmal um die "arrogante Haltung" von Amazon. Das Unternehmen soll sich endlich mit den Gewerkschaften an den Verhandlungstisch setzen.

Aber Schneider sagt, ihm und seinen Mitstreitern gehe es auch um die Kunden: "Amazon ist darauf ausgerichtet, rund um die Uhr Daten von den Nutzern zu bekommen und zu verwerten – auch sensible Daten." Schneider fordert, dass Amazon seine Sammelwut einschränkt und gleichzeitig transparenter wird. Fraglich, ob er das mit ein paar Flyern und Gesprächsrunden eines der mächtigsten Unternehmen der Welt beeindruckt.

Aber was wäre wenn die Millionen deutschen Amazon-Kunden den Onlineversand für einen Tag boykottieren, einen #buynothingday einlegen oder mal wieder in der nächsten Innenstadt einkaufen gehen würden? Würde das nicht Druck erzeugen?

Aktivist Schneider und Gewerkschafter Krähling lehnen einen Boykott ab. Man dürfe weiterhin Bücher, Schlüpfer und Sextoys bei Amazon bestellen, ein Boykott würde nur den Mitarbeitern schaden.

Um Kritik am Unternehmen auszudrücken, hat Krähling einen andere Idee: "Legt Briefe in die Pakete, wenn ihr Produkte zurückschickt. Die Arbeiter in der Retourenstelle werden die Briefe an die Geschäftsleitung weitergeben."

Christian Krähling und seine Kollegen werden auch am morgigen Samstag streiken. Danach entscheiden sie, wie es weitergeht.
https://www.vice.com/de/article/bj79m5/warum-amazon-mitarbeiter-am-black-friday-streiken
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« Antworten #279 am: 26. November 2017, 19:10:46 »

Amazon-Chef Bezos ist 100 Milliarden Dollar schwer
Der "Black Friday" brachte ihm die Führung: Amazon-Gründer Jeff Bezos ist auf den ersten Platz der Milliardärs-Rangliste vorgerückt.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/jeff-bezos-amazon-chef-besitzt-100-milliarden-dollar-a-1180306.html

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Die Massenmedien sind schon lange die 4. Macht im Staat.
Wir haben folglich Legislative, Judikative, Exekutive und Primitive.
"Bild" Euch Eure Meinung
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Wer die CxU und SPD in ihrer Terrorherrschaft gegen das eigene Volk lobt, lobt ihren braungefärbten Nazicharakter!!
Kuddel


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« Antworten #280 am: 28. November 2017, 13:19:52 »

Zitat
Tarifverträge für die Welt
Online-Handel Die Streiks bei Amazon haben zentrale Bedeutung für die Zukunft der Arbeiterrechte im digitalen Kapitalismus



Der Online-Händler liefert überall hin. Gewerkschaften will er nirgends

Seit viereinhalb Jahren kämpfen Amazon-Beschäftigte mit ihrer Gewerkschaft Verdi in den deutschen Versandzentren des größten Onlinehändlers der Welt für einen Tarifvertrag. Zählt man die Streiktage zusammen, kommt man auf mehr als ein halbes Jahr. In diesen Tagen, da das Weihnachtsgeschäft an Fahrt aufnimmt, türmt sich schon die nächste Streikwelle auf. Seit Ende September legten in den meisten deutschen Versandzentren Hunderte Beschäftigte die Arbeit nieder. Und das, obwohl Amazon die Stundenlöhne gerade erst um 26 Cent angehoben hat. Offenkundig ein unmittelbarer Effekt des Arbeitskampfes, der – so viel steht jetzt schon fest – als einer der zähsten und langwierigsten in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland eingehen wird.

Dabei ist der Ausgang der Auseinandersetzung nach wie vor völlig ungewiss. Das liegt daran, dass es sich eben nicht in erster Linie um einen Lohnkonflikt handelt, und um die Frage, ob Amazon den Flächentarifvertrag des Einzel- und Versandhandels oder jenen der Logistikwirtschaft anwenden soll. Ginge es im Kern tatsächlich darum, wäre der Streit wohl längst beendet.

Zeitenwende in Bad Hersfeld

In Wahrheit dreht sich der Kampf aber eben nicht um ein paar hundert Euro mehr oder weniger im Jahr: Der Weltmarktführer des Onlinehandels weigert sich prinzipiell, mit Gewerkschaften Tarifverträge abzuschließen. Werden bei Amazon auch künftig die Arbeitsbedingungen einseitig durch das zentrale Management festgelegt? Oder sollen sie Ergebnis eines Aushandlungsprozesses sein, an dem die Beschäftigten durch eine kollektive, gewerkschaftliche Vertretung beteiligt sind?

Als im Frühjahr 2013 hunderte Amazon-Beschäftigte im hessischen Bad Hersfeld die Arbeit niederlegten, handelte es sich nicht nur um den ersten Streik bei Amazon in Deutschland, sondern weltweit um den ersten Arbeitskampf in der Geschichte des 1994 gegründeten Unternehmens. Nirgendwo auf der Welt war der Onlinehändler bis dahin je bestreikt worden, nirgends hatte er sich je auf Tarifverhandlungen mit Gewerkschaften eingelassen oder gar einen Kollektivvertrag abgeschlossen. Das ist bis heute so und soll aus Sicht des Unternehmens so bleiben. Die Auseinandersetzung mit Verdi ist daher von fundamentaler Bedeutung. Ein Tarifvertrag in Deutschland hätte Signalwirkung auch für andere Länder. Amazon will einen Präzedenzfall deshalb unbedingt vermeiden.

Das Unternehmen reagiert aggressiv auf jegliche Form von gewerkschaftlichem Einfluss, und sieht Gewerkschaften durch eine sehr US-amerikanische Brille: Verdi besteht demnach nicht aus den dort organisierten Beschäftigten, ist nicht etwa Teil der eigenen Belegschaft, sondern eine „dritte Partei“, die sich von außen zwischen Management und Mitarbeiter drängt.

Genau das ist aber nicht der Fall. Wer einmal einen Streik in Bad Hersfeld oder Leipzig miterlebt, wird auf lebendiges gewerkschaftliches Leben stoßen, wie es häufig nicht einmal in vielen deutschen gewerkschaftlichen Hochburgen zu finden ist – und das trotz widriger Bedingungen, massiver Angriffe und Einschüchterungen.

Sicher, die gewerkschaftlich organisierten und regelmäßig an Streiks beteiligten Beschäftigten sind im Unternehmen eine Minderheit und stehen unter enormem Druck. Dennoch sind über Jahre hinweg an vielen Standorten selbstbewusste und erfahrene Verdi-Betriebsgruppen gewachsen, die deutlich mehr sind als Hilfstruppen des hauptamtlichen Verdi-Apparats. Nicht dieser prägt bei Amazon das Gesicht der Gewerkschaft, sondern die zahlreichen aktiven Beschäftigten und die gewerkschaftlichen Vertrauensleute. Sie werben Mitglieder, stehen Kollegen bei Problemen mit Rat und Tat zur Seite, sind als Streikleitung maßgeblich für die Organisation, Durchführung und Planung der Arbeitskämpfe zuständig und vernetzen sich betriebsübergreifend, auch mit Kolleginnen und Kollegen im Ausland.

Das Verhältnis zu Verdi ist solidarisch, während zugleich die eigene Unabhängigkeit betont wird. Das führt auch zu Konflikten. Denn die aktive Basis fordert manchmal mehr Beteiligung ein, als es die eingespielte Gewerkschaftskultur normalerweise vorsieht. Ein zuständiger Gewerkschaftssekretär bringt diesen Widerspruch auf den Punkt: „Wir haben als Verdi bei Amazon bewusst auf Organizing gesetzt. Die Folge ist, dass wir jetzt eine Belegschaft haben, die manchmal mehr möchte als die Gewerkschaft. Das ist für uns nicht immer einfach.“ Insgesamt hat sich der Arbeitskampf auf hohem Niveau stabilisiert: Wurde im ersten Jahr des Konflikts an 18 Tagen gestreikt, waren es 2014 schon rund 25 Tage. Im Jahr 2016 wurde an 51 Tagen die Arbeit niedergelegt, ein Trend, der in diesem Jahr anhalten dürfte.

So beeindruckend die Fortschritte auch sind, sie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Verdi mit enormen Problemen konfrontiert ist. Amazon hat sich in den vergangenen Jahren als lernfähiges Unternehmen erwiesen und begonnen, die Widerstände, auf die Verdi stößt, gezielt zu instrumentalisieren und zum eigenen Vorteil in der Auseinandersetzung zu nutzen.

Amazon rekrutiert Personal in strukturschwachen Regionen. Viele Beschäftigte kommen aus der Arbeitslosigkeit oder hatten vorher andere prekäre Jobs, etwa in der Logistik, dem Einzelhandel oder auf dem Bau. Im Vergleich dazu hat die Arbeit bei Amazon Vorteile: Die Löhne befinden sich meist über dem regionalen Durchschnitt für vergleichbare Tätigkeiten und kommen pünktlich. Es handelt sich um Vollzeitarbeitsverhältnisse, anders als etwa im Einzelhandel, wo der Anteil der Minijobs und unfreiwilligen Teilzeitarbeitsverhältnisse inzwischen bei fast 50 Prozent liegt.

Osteuropa als Packtisch

Ein Jahr nach Beginn der Streiks in Deutschland begann Amazon seine Expansion nach Osteuropa. 2014 wurden in Polen drei Zentren eröffnet, in steuerbegünstigten Sonderwirtschaftszonen in Nähe zur deutschen Grenze und in großem Stil von der EU subventioniert. In der Tschechischen Republik gibt es seit 2013 ein Retourenzentrum in der Nähe des Prager Flughafens. Im Herbst 2015 wurde in unmittelbarer Nähe ein weiteres Versandzentrum eröffnet, der Bau eines weiteren bei Brno ist in Planung. Entgelte und Arbeitszeiten liegen weit unter den deutschen Standards, die Stundenlöhne bei rund einem Viertel der deutschen. Auf die nationalen Märkte in Polen und Tschechien hat es Amazon dabei nicht primär abgesehen. Osteuropa dient praktisch ausschließlich als verlängerter Packtisch für den deutschen und österreichischen Markt.

Gemeinsam mit Google, Facebook, Apple und Microsoft gehört Amazon zu den „Big Five“, die heute das Internet beherrschen. Aber vielleicht mehr noch als die anderen versucht das Vorzeigeunternehmen aus Seattle, die Arbeitsbedingungen im digitalen Kapitalismus neu zu definieren. Amazon denkt dabei strategisch, langfristig und konsequent. Genau das muss auch Verdi tun, und zwar im Verbund mit der internationalen Gewerkschaftsbewegung.

Amazon ist nicht irgendein Unternehmen, sondern einer der wichtigsten transnationalen Konzerne unserer Zeit und Trendsetter für Arbeits- und Fabrikorganisation im digitalen Kapitalismus. Der Streik der Amazon-Beschäftigten für ihr Recht auf Tarifverträge ist von zentraler Bedeutung für die Frage, welche Standards in den Beziehungen zwischen Arbeit und Kapital im 21. Jahrhundert als normal gelten werden. Dringend bräuchte es auf Seiten der Gewerkschaft deshalb branchenübergreifende strategische Planung: Amazon ist längst nicht mehr nur Versandhändler, sondern auch Logistiker, Medienunternehmen, IT-Dienstleister, Hersteller von Hard- und Software und demnächst mit einer eigenen Luft- und Schiffsflotte unterwegs. Mindestens 6 der 13 Fachbereiche von Verdi sind von den Aktivitäten des Konzerns betroffen.

Es gehört wenig dazu, sich vorzustellen, wie bald auch Logistikunternehmen, bei denen noch tarifliche Standards gelten, unter Druck gesetzt werden. Bei DHL, wo bisher ein Großteil der Amazon-Bestellungen abgewickelt wird, bekommt man schon kalte Füße. Doch eine Koordination der verschiedenen Verdi-Fachbereiche findet bisher praktisch nicht statt. Ideen und Wissen sind durchaus vorhanden – nicht zuletzt bei den Verdi-Vertrauensleuten in den Versandzentren, die in den vergangenen Jahren wertvolle Erfahrungen gesammelt haben. Die Gewerkschaft hat durchaus noch Trümpfe auf der Hand. Sie muss sie nur klug ausspielen.
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/tarifvertraege-fuer-die-welt
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« Antworten #281 am: 11. Dezember 2017, 12:27:48 »

Zitat
Amazon Flex:
Flex und fertig


Im eigenen Auto, gesteuert per App: Seit Kurzem liefern Privatleute Amazon-Bestellungen aus. Wie Uber für Pakete.

Die ersten Fahrer seien bereits in der vergangenen Woche in der Hauptstadt für Amazon Flex unterwegs gewesen, sagt eine Unternehmenssprecherin. Wie viele genau, dazu schweigt Amazon und verweist auf die Erfahrungen in den USA, Großbritannien und Singapur, wo es den Dienst schon länger gibt. "Tausende Lieferpartner" fahren laut einer Unternehmenssprecherin allein in Großbritannien mit dem Privat-Pkw für den Internethändler durch die Innenstädte. Eine inoffizielle Facebook-Gruppe, in der sich Flexfahrer der Insel organisieren, zählt derzeit 3.800 Mitglieder; in der Facebook-Ortsgruppe für Los Angeles sind es 1.700.

Amazon dominiert den Online-Handel in Deutschland: 30 Prozent des Geschäfts laufen inzwischen über das Unternehmen. Die Paketzustellung nimmt der Netzkonzern dabei verstärkt in die eigene Hand.

Die Uberisierung des Onlinehandels


Was der US-Konzern nun mit Flex auch in Deutschland anbietet, klingt, als hätte jemand die Arbeit der Fahrradkuriere, die für Deliveroo und Foodora Restaurantessen ausliefern, mit der der Uber-Fahrer gekreuzt. Alle drei Unternehmen stehen für ein neues Modell, bei dem die Beschäftigten ihre Anweisungen per App und Algorithmus bekommen und der Arbeitgeber, wie Kritiker anprangern, sich im digitalen Nebel aus der Verantwortung stiehlt. Ist Amazon Flex der nächste Schritt, um Mitarbeiter hierzulande in Miniunternehmer zu verwandeln, die auf eigene Rechnung arbeiten – und auf eigenes Risiko?

Lutz Kämmerer ist bei der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di in Berlin für die Logistik-Beschäftigten zuständig. Aus seiner Sicht droht Flex Arbeitsstandards in einer Branche auszuhöhlen, in der viele Menschen schon jetzt einen Knochenjob leisten. "Wir beobachten mit Argusaugen, was Amazon da macht", sagt er.

Stichpunkt Verdienst: Angestellte Zustellerinnen und Zusteller bekommen in Berlin, sofern ihr Unternehmen sich an den Tarifvertrag hält, derzeit 11,38 Euro brutto in der Stunde. Amazon bezahlt dagegen für eine auf vier Stunden angesetzte Liefertour pauschal 64 Euro – also 16 Euro pro Stunde. "Als faires Angebot würde ich das nicht bezeichnen", sagt Kämmerer. "Bei den Fahrern dürfte sehr viel weniger hängen bleiben." Die Selbstständigen müssen den Sprit für ihr Auto, die Kfz-Versicherung, die Reparaturen bezahlen. All dies betrachtet Amazon als abgegolten, die Fahrer sollen laut Unternehmen allerdings nach Abzug ihrer Kosten immerhin auf mindestens gut 10 Euro pro Stunde kommen.

Die App teilt die Schichten zu, die App scannt die Pakete, wenn sie in der Lieferstation abgeholt werden, die App spuckt den Weg zum Kunden aus, die App gibt im Auto Navi-Anweisungen, die App listet den Verdienst unter dem Menü-Punkt "Gewinn" auf. Gewinner der Flexibilisierung des Lieferservices ist am Ende vor allem Amazon selbst.
http://www.zeit.de/arbeit/2017-11/amazon-flex-arbeitsbedingungen-zusteller-bezahlung-tarif-lohn

« Letzte Änderung: 21. Februar 2018, 22:31:29 von Kuddel » Gespeichert
Rudolf Rocker
Waldkauz


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« Antworten #282 am: 11. Dezember 2017, 12:53:49 »

Und was ist mit der KV? Da muss man sich als Selbstständiger auch Privat versichern.
Und was ist, wenn die auf vier Stunden angesetzte Liefertour nur in sechs Stunden zu schaffen ist?
Das sich überhaupt Leute finden, die auf so eine Verarschung hereinfallen!
Das ist ein reines Minusgeschäft für die Auslieferer aber ein riesen Reibach für Amazon!
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
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« Antworten #283 am: 15. Dezember 2017, 16:31:52 »

Zitat
Streik bei Amazon an zwei Standorten

Streikende wollen das Weihnachtsgeschäft bei Amazon "weiter stören". Heute wird in Rheinberg und Werne von einem Teil der Beschäftigten nicht gearbeitet.


Die Beschäftigten an den beiden Amazon-Standorten Rheinberg und Werne in Nordrhein-Westfalen haben für zwei Tage zum Streik aufgerufen. Das gab die Gewerkschaft Verdi am 13. Dezember 2017 bekannt. "Nachdem am Montag bereits in Rheinberg gestreikt wurde, soll damit das Weihnachtsgeschäft des Versandhändlers weiter gestört werden", erklärte Verdi. Durch die eintägige Streikunterbrechung und den nun folgenden zweitägigen Streik zeigten die streikenden Beschäftigten zudem erneut ihre Flexibilität im Arbeitskampf.

Ein Amazon-Sprecher sagte Golem.de: "Die Gewerkschaft Verdi hat an den Logistikstandorten von Amazon in Rheinberg und Werne heute Morgen während der Frühschicht zum Streik aufgerufen. Der Streik hat keinen Einfluss auf die Einhaltung unseres Kundenversprechens, denn die überwältigende Mehrheit unserer Mitarbeiter arbeitet normal." Hintergrund ist, dass Verdi den Betrieb nicht lahmlegen sondern nur einschränken kann.

Amazon: Wir haben eine offene Unternehmenskultur

Seit dem Frühjahr 2013 kämpfen Beschäftigte bei Amazon Deutschland für bessere Arbeitsbedingungen und eine höhere Bezahlung. Amazon verweigert von Anfang an hartnäckig Gespräche mit Verdi. Laut Amazon habe der Konzern eine offene Unternehmenskultur und kommuniziere ständig direkt mit den Mitarbeitern und Betriebsräten, betonte der Sprecher.

"Solange Amazon den Beschäftigten den Tarifvertrag vorenthält, werden die Kolleginnen und Kollegen gerade in der stressigen Vorweihnachtszeit weiter dafür sorgen, dass Amazon Lieferversprechen nicht einhalten kann", erklärte Silke Zimmer, Fachbereichsleiterin Handel bei Verdi NRW. Es werde weiterhin unmenschlicher Druck auf die Beschäftigten ausgeübt.

"In NRW beschäftigen wir in unseren Logistikzentren momentan über 7.500 Mitarbeiter. Derzeit gehen wir davon aus, dass sich davon heute 440 am Streik beteiligen", erklärte der Sprecher.
https://www.golem.de/news/lohn-streik-bei-amazon-an-zwei-standorten-1712-131647.html

Wenn man sich ansieht, wie Verdi gerade die   DHL Beschäftigten verarscht, wundert man sich natürlich, was da bei Amazon abgeht.
Bei Amazon handelt es sich bei den Streiks um eine Basisbewegung der Beschäftigten. Und dadurch hat Verdi bereits gut 2000 neue Mitglieder gekriegt in einem Konzern, dessen Unternehmensstretegie ist, gewerkschaftsfrei zu bleiben. Das läßt man sich gefallen und läßt die kämpferischen Amazonier mal machen. Es ist aber eine Frage der Zeit, irgendwann wird Verdi auch ihnen in den Rücken fallen. Für den Fall haben sie Massenaustritte angekündigt. Ich bezwiefle, daß es so funktionert. Viele sind träge. Abwarten. Geräuschlos wird es definitiv nicht.
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« Antworten #284 am: 18. Dezember 2017, 19:26:11 »

Zitat
Im Weihnachtsgeschäft hat Amazon – zusätzlich zum Gesundheitsbonus – eine Anwesenheitsprämie ausgelobt. Wer sich im Advent nicht krankmeldet und gegebenenfalls krank zur Arbeit erscheint, aber auch nicht streikt, kann so mehrere hundert Euro zusätzlich verdienen.
http://www.dgb.de/themen/++co++ca17ee0c-e3d8-11e7-a215-52540088cada
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« Antworten #285 am: 21. Dezember 2017, 18:14:16 »

Zitat
Amazon Bad Hersfeld: Mitarbeiter streiken zwischen den Jahren

Bad Hersfeld. Nach Weihnachten werden üblicherweise Geschenke umgetauscht und Gutscheine eingelöst. Eine besondere Zeit für einen Streik bei Amazon, meint die Gewerkschaft Verdi, die die Mitarbeiter der beiden Versandzentren in Bad Hersfeld zwischen den Jahren erneut zum Arbeitskampf aufruft.
https://www.hersfelder-zeitung.de/bad-hersfeld/amazon-bad-hersfeld-mitarbeiter-streiken-zwischen-jahren-9469631.html
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« Antworten #286 am: 23. Dezember 2017, 10:19:27 »

Zitat
Wieder Streiks im Weihnachtsgeschäft bei Amazon

Heute wird an drei Amazon-Standorten gestreikt. Auch nach Weihnachten geht der Ausstand weiter.


An den drei Amazon-Standorten Koblenz, Leipzig und Graben bei Augsburg wird heute gestreikt. Das gab das Unternehmen am 22. Dezember 2017 bekannt. Die Gewerkschaft Verdi hat zu der Arbeitsniederlegung aufgerufen. Lagerarbeiter bei Amazon Bad Hersfeld streiken zudem zwischen Weihnachten und Neujahr an mehreren Tagen.

Nach Weihnachten ist die Zeit des Umtauschs von Geschenken und des Einlösens von Gutscheinen. Hier träten Beschäftigte in den beiden Versandzentren in Bad Hersfeld vom 27. bis 30. Dezember in den Streik, sagte Verdi-Streikleiterin Mechthild Middeke.

 Amazon-Sprecher Stephan Eichenseher sagte Golem.de: "Amazon ist gut vorbereitet, und selbst Unwägbarkeiten wie schlechtes Wetter sind bereits einkalkuliert. Die Gewerkschaft Verdi hat an mehreren Amazon-Logistikstandorten zum Streik aufgerufen. Der Streik hat keinen Einfluss auf die Einhaltung unseres Kundenversprechens, denn die überwältigende Mehrheit unserer Mitarbeiter arbeitet normal." Tatsächlich sind pro Standort immer einige hundert Lagerarbeiter an den Streiks beteiligt. Im September 2017 nahmen an einem Streik an vier Standorten laut Verdi-Sprecherin Franziska Brandstädter etwa 1.300 Arbeiter teil.

Verdi: Bezos Reichtum aus der Arbeit der Beschäftigten

"Wesentlich den Beschäftigten bei Amazon hat es der Firmengründer Jeff Bezos zu verdanken, dass er mittlerweile der reichste Mensch der Welt ist. Aber genau diejenigen, die maßgeblich dazu beigetragen haben, sollen nicht nur zu Weihnachten, sondern auch später im Alter leer ausgehen", erklärte Thomas Gürlebeck, Verdi-Streikleiter in Graben. "Aber solange nach Gutsherrenart entschieden wird, was angeblich das Beste für die Beschäftigten ist, werden wir weiter für die tarifliche Existenzsicherung kämpfen."

Den Beschäftigten geht es seit Mai 2013 um eine etwas höhere Bezahlung, Urlaubsgeld und tarifliches Weihnachtsgeld durch einen Tarifvertrag sowie bessere Arbeitsbedingungen. Urlaubsgeld fehlt bei Amazon komplett, und das Weihnachtsgeld ist deutlich niedriger als die tariflichen 1.058 Euro. Amazon verweigerte von Anfang an hartnäckig Gespräche mit Verdi. Der Sprecher betonte, Amazon habe eine offene Unternehmenskultur und kommuniziere ständig direkt mit den Mitarbeitern und Betriebsräten.
https://www.golem.de/news/lohn-wieder-streiks-im-weihnachtsgeschaeft-bei-amazon-1712-131834.html

Das Handelsblatt klopft die rechtlichen Grundlagen der Streiks ab, hat aber nichts zu beanstanden:
Zitat
Amazon in die Knie zwingen? – Streiks in der Vorweihnachtszeit
Verdi nutzt dabei gezielt das umsatzstarke Weihnachtsgeschäft aus, um den Druck noch einmal deutlich zu erhöhen. Es stellt sich zu Recht die Frage, ob ein solches Vorgehen nicht als unverhältnismäßig anzusehen ist.
Gewerkschaft hat Pflicht, Möglichkeiten auszuschöpfen
Es bleibt weiterhin spannend

http://blog.handelsblatt.com/rechtsboard/2017/12/21/amazon-in-die-knie-zwingen-streiks-in-der-vorweihnachtszeit/
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« Antworten #287 am: 24. Dezember 2017, 20:02:47 »

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« Antworten #288 am: 28. Dezember 2017, 19:14:59 »

Zitat
Amazon prämiert zu Weihnachten Denunziation

In Frankreich verpflichten immer mehr Unternehmen ihre Mitarbeiter dazu, Verstöße gegen Normen und interne Richtlinien zu melden




Die Direktion des Logistikzentrums des US-Versandgroßhändlers Amazon im nordfranzösischen Lauwin-Planque hatte zu Weihnachten für die 1500 Mitarbeiter eine ganz besondere Idee: Wer einen Kollegen oder Vorgesetzten meldet, der gegen Arbeitsschutzvorschriften oder andere betriebsinterne Weisungen verstoßen hat, soll einen Amazon-Geschenkgutschein bekommen. Der Wert war nach der Schwere des Verstoßes gestaffelt. Die Direktion nannte das verharmlosend »Safety Fun Game«.
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1074252.amazon-amazon-praemiert-zu-weihnachten-denunziation.html
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« Antworten #289 am: 28. Dezember 2017, 19:36:00 »

Bescheuert wie bei der Bundeswehr: Melden macht frei!
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« Antworten #290 am: 10. Januar 2018, 20:30:57 »

Zitat
Streik bei Amazon
DGB-Chef Hoffman will bald grenzübergreifende Aktionen

Seit vier Jahren kämpft Verdi für einen Tarifvertrag bei Amazon - jetzt wieder mit Streik. Doch Amazon will keinen Tarifvertrag und weicht im Zweifel nach Polen oder Tschechien aus. Das will DGB-Chef Rainer Hoffmann verhindern.
http://www.deutschlandfunkkultur.de/streik-bei-amazon-dgb-chef-hoffman-will-bald.2165.de.html?dram:article_id=407219

Das Thema hatten wir schonmal: Wie kommt es, daß sich bei der Amazon-Streikbewegung so ein reaktionärer Arsch wie Hoffmann verbal an die Spitze des Arbeitskamfes stellt. Mir fallen 2 Argumente fallen mir spontan ein:
1.) Das Image des DGB ist nicht viel besser als das der SPD. Da versucht man sich an eine kreative Basisbewegung ranzuhängen in der Hoffnung, der gute Ruf färbt ab.
2.) Die Amazon Kämpfe brachten Verdi mehrere Tausend neue Mitglieder in einem Bereich, der von der amerikanischen Konzernspitze gewerkschaftsfrei gehalten werden sollte. Ein Erfolg, den nicht die Gewerkschaft, sondern die Aktivisten im Betrieb erreicht haben. Dafür zahlt man auch gern Streikgeld. Das ist bisher überschaubar.

P.S.: Es ist interessant den DLF Bericht anzuklicken. Ein Stimmungsbild. Der Streik ist noch eine Minderheitensache.


Die Beschäftigten machen weiter...
Zitat
Verdi setzt Streiks bei Amazon Leipzig auch 2018 fort

Auch im neuen Jahr will die Gewerkschaft Verdi den Internetversandhändler Amazon mit Streiks zur Aufnahme von Tarifverhandlungen bewegen. In Leipzig habe der Ausstand am Montag um Mitternacht mit der Nachtschicht begonnen und soll bis zum Ende der Nachtschicht am Dienstagmorgen andauern, sagte Streikleiter Thomas Schneider am Montag. Verdi rechne mit insgesamt 400 Teilnehmern. Die Gewerkschaft will mit dem Ausstand das Gutscheingeschäft und die Bearbeitung von Rücksendungen treffen.


Amazon sprach von 160 streikenden Mitarbeitern in der Frühschicht. Auswirkungen habe der Ausstand keine gezeigt, auch weil noch einige Saisonkräfte aus dem Weihnachtsgeschäft in Leipzig beschäftigt seien, sagte eine Sprecher.
http://www.t-online.de/nachrichten/id_83014634/verdi-setzt-streiks-bei-amazon-leipzig-auch-2018-fort.html
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« Antworten #291 am: 10. Januar 2018, 22:03:57 »

Zitat
10.1.18
Das Jobcenter in Warendorf hat jetzt eine neue Mitarbeiterin eingestellt, die sich nur um die Einstellung von Personal für Amazon kümmert. In Oelde will der Online-Versandhändler 2.000 Stellen schaffen.

Eine Sprecherin des Jobcenters sagte, die sieben Mitarbeiter des Arbeitgeberservice schafften es nicht, neben ihrem Alltagsgeschäft Personal für Amazon zu rekrutieren. Daher habe man jetzt befristet eine Mitarbeiterin eingestellt.

Gewerkschaft ist empört


Die Gewerkschaft verdi im Münsterland ist empört: "Amazon scharrt mit den Hufen und alles springt". Ein Sprecher des Unternehmens in München erklärte, man organisiere auch eigene Auswahlverfahren. Diese würden beispielsweise in Hotels in der Region stattfinden.
https://www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/rekrutierung-mitarbeiter-amazon-100.html

Scheißjob beim Jobcenter, um andere in Scheißjobs zu zwingen. Der DGB ist gar nicht darauf vorbereitet, geschweige denn überhaupt strukturell so ausgelegt, Basiskämpfe zu führen. Eigentlich müssten die Basisgewerkschaften rosigen Zeiten entgegensehen. Mal schau'n...
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Kuddel


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« Antworten #292 am: 19. Januar 2018, 14:22:39 »

Zitat
Gericht urteilt gegen Amazon

Amazon ließ seine Mitarbeiter im Advent vor zwei Jahren auch an zwei Sonntagen arbeiten. Die Gewerkschaft Verdi klagte dagegen - und konnte die Richter überzeugen.


Die Sonntagsarbeit an zwei Adventstagen im Jahr 2015 am Amazon-Standort Rheinberg in Nordrhein-Westfalen war rechtswidrig. Das entschied das Verwaltungsgericht Düsseldorf und gab damit einer Klage der Gewerkschaft Verdi statt. Konkret ging es um den 13. und den 20. Dezember 2015, die Sonntagsarbeit war dem Versandhändler damals durch die Bezirksregierung Düsseldorf nach dem Arbeitszeitgesetz erlaubt worden. (Az: 29 K 8347/15)
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/amazon-gericht-urteilt-gegen-sonntagsarbeit-15401560.html
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« Antworten #293 am: 16. Februar 2018, 18:39:14 »

NTERVIEW
Inside Amazon
Roman Stelzig im Gespräch mit Arno Hanke 
|    Ausgabe vom 16. Februar 2018



Das Logistikzentrum von Amazos in Leipzig besteht seit 2006. Die Lagerkapazität beträgt rund 75000 Quadratmeter. (Foto: © 1998–2017, Amazon.com, Inc. oder Tochtergesellschaften)


Es geht in der Aus­ein­an­der­set­zung mit Ama­zon um einen Ta­rif­ver­trag. Der In­ter­net-Ver­sand­händ­ler Ama­zon ist eines der größ­ten Un­ter­neh­men der Welt. Sein Ei­gen­tü­mer Jeff Bezos, einer der reichs­ten Per­so­nen der Welt, ver­folgt die Stra­te­gie sein Un­ter­neh­men ge­werk­schafts­frei zu hal­ten. Der Kampf der Be­leg­schaft und der Ge­werk­schaft verdi in Deutsch­land gegen Ama­zon geht nun schon Jahre. Die UZ sprach mit Sai­son­ar­bei­ter Arno Hanke im Aus­lie­fer­la­ger Leip­zig, der Mit­glied der DKP ist. Sein Name wurde aus Grün­den, die im In­ter­view zum Aus­druck kom­men, von der Re­dak­ti­on ge­än­dert.


UZ: Du hast im ver­gan­ge­nen Jahr als Sai­son­kraft bei Ama­zon ge­ar­bei­tet?

Arno Hanke: Das ist rich­tig, wäh­rend des Weih­nachts­ge­schäf­tes von An­fang Ok­to­ber bis Ende De­zem­ber. Die Aus­schrei­bung war be­fris­tet.

UZ: Warum hast du das ge­macht?

Arno Hanke: Sonst hätte ich Hartz IV be­an­tra­gen müs­sen, so konn­te ich das drei Mo­na­te hin­aus­schie­ben.

UZ: Wie viele Kol­le­gen ar­bei­ten dort?

Arno Hanke: Als ich dort war, um die 2 000 Fest­an­ge­stell­te und genau so viele Sai­son­ar­bei­ter. Das habe ich ge­hört, ge­naue Zah­len kenne ich nicht.

UZ: Wie hast du die Ar­beits­be­din­gun­gen emp­fun­den?

Arno Hanke: Wir Sai­son­ar­bei­ter wer­den ei­gent­lich re­la­tiv human be­han­delt, weil wir dort im Grun­de der Puf­fer sind für die gro­ßen Ge­schäfts­zei­ten, wenn es viele Be­stel­lun­gen gibt. Aber ich würde sagen, dass sich das im Ja­nu­ar für die Fest­an­ge­stell­ten än­dert, weil dann der Druck durch die Nor­men steigt.
Die Pau­sen sind sehr knapp, und stres­sig ist es auch. Aber weil man weiß, dass die Zeit wie­der endet, kann man bes­ser damit um­ge­hen. Au­ßer­dem ist man nicht so streng zu uns: Wenn ich die Norm nicht er­fül­le, ste­cken sie mich in eine an­de­re Ab­tei­lung. Nur bei Un­pünkt­lich­keit wer­den sie sehr un­ge­müt­lich. Aber wenn du dort nicht auf­fällst, dann sind sie schon zu­frie­den.

UZ: Was heißt „auf­fal­len“?

Arno Hanke: Indem man wi­der­spricht. Das ist nicht an­ge­bracht. Man muss sich meis­tens ein­fach loyal ver­hal­ten. Dann las­sen sie dich auch in Ruhe.

UZ: Gab es sonst Pro­ble­me im All­tag?

Arno Hanke: Das Ver­hal­ten man­cher Kol­le­gen un­ter­ein­an­der. Es gibt wel­che, die Kol­le­gen be­spit­zeln – wie oft man auf Toi­let­te geht oder was man sagt – oder sich ein­krat­zen bei Vor­ge­setz­ten. Man­che hof­fen, dass sie da­durch über­nom­men wer­den. Das be­trifft na­tür­lich nicht die Mehr­heit, aber es kommt vor.


UZ: Wird das von der Ge­schäfts­füh­rung be­för­dert?

Arno Hanke: Es wird zu­min­dest to­le­riert. Viele haben das Ziel, fest an­ge­stellt zu wer­den. Das ge­lingt wirk­lich nur we­ni­gen, viel­leicht einem Pro­zent, und dann nur für ein Jahr be­fris­tet. Man­che ver­su­chen, sich da­durch ins rich­ti­ge Licht zu set­zen, indem sie stän­dig län­ger ma­chen, wenn da­nach ge­fragt wird. Der Knack­punkt ist aber, dass nicht die­je­ni­gen, die län­ger ar­bei­ten, auch über­nom­men wer­den. Das habe ich auch von ver­schie­de­nen Ab­tei­lun­gen ge­hört: Es gibt nicht immer die Leis­tung den Aus­schlag, son­dern wie oft du dich in Er­in­ne­rung bringst. Die Nase muss denen pas­sen, viel­leicht wer rich­tig schleimt …

UZ: Seit 2009 gibt es einen Be­triebs­rat.

Arno Hanke: Ja, wuss­te ich. Kon­takt habe ich aber kei­nen auf­ge­nom­men. Das krie­gen die mit. Du musst dich ab­mel­den, und dann darfst du hin­ge­hen. Aber sie wis­sen dann, wer du bist.

UZ: Und das hat Kon­se­quen­zen?

Arno Hanke: Nicht so­fort. Aber viel­leicht spä­ter mal.

UZ: Weil du nicht über­nom­men wirst?

Arno Hanke: Viel­leicht auch, dass du in der nächs­ten Sai­son nicht wie­der rein­kommst.

UZ: Hast du was vom Streik mit­be­kom­men?

Arno Hanke: Ja, aber nur am Rande. Wenn Streik ist, wird ver­sucht, die Auf­trä­ge in ein an­de­res Zen­trum zu ver­la­gern. Und das ge­lingt auch meis­tens. Ent­we­der wir sind der Puf­fer, oder es ist sogar so, dass dann trotz Streik wenig zu tun ist. Spä­tes­tens nach einer Stun­de läuft das dann rei­bungs­los. Selbst bei spon­ta­nen Streiks krie­gen die das hin.
Und sie ver­su­chen, die Leute auf ihre Seite zu zie­hen. Die sagen nichts Schlech­tes über die, die drau­ßen sind. Sie loben nur die­je­ni­gen, die zur Ar­beit kom­men. „Schön, wer jetzt alles hier ist.“ Und: „Da freu­en wir uns.“ Drin­nen wird dann so etwas wie eine heile Welt sug­ge­riert, wie eine Fa­mi­lie, könn­te man schon fast sagen. Dem ver­fal­len dann man­che auch.

UZ: Du hat­test nicht den Ein­druck, dass der Streik das Weih­nachts­ge­schäft be­ein­träch­tigt?

Arno Hanke: Lei­der nicht.

UZ: Haben sich Sai­son­ar­bei­ter am Streik be­tei­ligt?

Arno Hanke: Das kann sein, aber si­cher nicht in hoher Zahl. Wer so­wie­so nicht vor­hat, wie­der hin­zu­ge­hen, der kann sich am Streik be­tei­li­gen. Er wird des­we­gen trotz­dem bis zu­letzt be­schäf­tigt und hat nichts aus­zu­ste­hen. Es wur­den auch Zet­tel von ver.​di ver­teilt, dass das jeder ma­chen kann. Aber viele wer­den es si­cher nicht ge­we­sen sein.

UZ: Wie schätzt du die Wir­kung des Streiks ein?

Arno Hanke: Es gibt das Ge­rücht unter Kol­le­gen, dass Ama­zon froh sei über den Streik, weil sie dann we­ni­ger Be­schäf­tig­te be­zah­len müs­sen. Zu dem Streik gibt es aber sehr viele Mei­nun­gen, und die gehen weit aus­ein­an­der. Es wird sich nur im Ver­bor­ge­nen dar­über un­ter­hal­ten, weil man immer Angst haben muss, dass es je­mand mit­be­kommt.
Aber eins ist in­ter­es­sant: Ohne diese Streiks würde es die Lohn­er­hö­hung, die fast jedes Jahr statt­fin­det, mei­ner Mei­nung nach nicht geben. 2010 gab es noch um die 7 Euro, und jetzt sind wir bei 10,50 Euro, nur für Sai­son­ar­bei­ter. Die Fest­an­ge­stell­ten haben un­ge­fähr einen Euro mehr. Dass diese Lohn­er­hö­hun­gen ge­kom­men sind, hat der Streik be­wirkt.

UZ: Was denkst du, wie es wei­ter­ge­hen wird?

Arno Hanke: Es gibt Leute, die sagen: Wir blei­ben so lange drau­ßen, bis es einen Er­folg gibt. Denn sonst hät­ten wir nicht an­fan­gen müs­sen. Und ich glau­be, das geht auch wei­ter mit dem Streik. Jetzt ist es auch eine Pres­ti­ge­fra­ge, und da sind die Fron­ten sehr ver­här­tet. Bis jetzt sehe ich noch kein Ent­ge­gen­kom­men von Ama­zon.
Ich habe mich mit einem Kol­le­gen un­ter­hal­ten, der am Streik be­tei­ligt ist. Und er sagt, dass er so lange wei­ter­macht, bis es zum Er­folg führt. Die sich be­tei­li­gen, sind meis­tens Kol­le­gen, die schon fünf oder sie­ben Jahre im Un­ter­neh­men sind. Viel­leicht sind es 200 oder 400. Die Zah­len schwan­ken, ich kann es nicht genau sagen. Aber wer das macht, dazu ge­hört viel Mut. Das ist be­ein­dru­ckend.

Quelle

https://www.unsere-zeit.de/de/5007/wirtschaft_soziales/7725/Inside-Amazon.htm
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« Antworten #294 am: 21. Februar 2018, 22:32:55 »

Zitat
Amazon Flex:
Flex und fertig

Im eigenen Auto, gesteuert per App: Seit Kurzem liefern Privatleute Amazon-Bestellungen aus. Wie Uber für Pakete.


! No longer available
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« Antworten #295 am: 28. Februar 2018, 18:27:33 »



Ergebnisse des Leipziger Treffens von Amazon-Beschäftigten aus drei Ländern Ende Januar 2018

 http://www.labournet.de/?p=128667
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« Antworten #296 am: 05. März 2018, 18:26:29 »

Zitat
Umzug:
Streik am Amazon-Standort Werne

Wegen "teilweise chaotischen Zuständen" durch den Umzug in eine neue Halle wird heute an einem Amazon-Standort gestreikt. Laut Verdi werden die Arbeitssicherheitsvorschriften nicht eingehalten, Amazon widerspricht.


Ein Teil der Beschäftigten streikt heute bei Amazon am Standort Werne. Das gab die Gewerkschaft Verdi am 5. März 2018 bekannt. "Derzeit sind die Belastungen für die Kolleginnen und Kollegen bei Amazon in Werne besonders hoch, weil nach dem Umzug von vielen Beschäftigten in eine neue Halle und an den neuen Amazon-Standort in Dortmund teilweise chaotische Zustände herrschen", sagte Silke Zimmer, Landesfachbereichsleiterin für den Handel bei der Gewerkschaft Verdi in Nordrhein-Westfalen. Dies bedeute täglich ein neues Arbeitsumfeld und täglich neue Probleme, weil die Arbeitssicherheitsvorschriften nicht eingehalten würden.

Die Beschäftigten kämpfen seit Mai 2013 für eine etwas höhere Bezahlung, Urlaubsgeld und tarifliches Weihnachtsgeld durch einen Tarifvertrag sowie bessere Arbeitsbedingungen. Urlaubsgeld fehlt bei Amazon komplett, das Weihnachtsgeld ist deutlich niedriger als die tariflichen 1.058 Euro. Amazon verweigerte von Anfang an hartnäckig Gespräche mit Verdi.

Die Gewerkschaft hat nicht genügend Mitglieder unter den Lagerarbeitern, um den Betrieb wirklich zum Stehen zu bringen. Ein Verdi-Sprecher sagte Golem.de, das man "heute wohl den bisher stärksten Streiktag" habe. Die Auszählung sei jedoch noch nicht abgeschlossen.

Amazon-Sprecher Stephan Eichenseher sagte Golem.de: "Der Streik hat keinen Einfluss auf die Einhaltung unseres Kundenversprechens, denn die überwältigende Mehrheit unserer Mitarbeiter arbeitet normal." Tatsächlich sind pro Standort immer einige hundert Lagerarbeiter an den Streiks beteiligt.

Der Umzug in das neue Logistikzentrum in Werne soll laut Amazon gut verlaufen sein, alle Mitarbeiter seien inzwischen in den Neubau umgezogen. Der neue Standort in Werne sei mit moderner Technik ausgestattet, in die Amazon 28 Millionen Euro investiert habe, was die Arbeit erleichtere. Durch den Einsatz neuer Flurförderfahrzeuge würden die Laufwege der Lagerarbeiter deutlich reduziert. "Einen Trend zu mehr Unfällen durch die Technik sehen wir in den ersten beiden Monaten nicht", erklärte Eichenseher.
https://www.golem.de/news/umzug-streik-am-amazon-standort-werne-1803-133148.html
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« Antworten #297 am: 06. März 2018, 20:44:16 »

Zitat
Elektronische "Handfesseln"
Wie Amazon seine Mitarbeiter steuert, überwacht und unter Druck setzt

Der Internetriese hat ein Armband patentiert, das Handbewegungen seiner Beschäftigten in Echtzeit verfolgt und aufzeichnet. Damit erreicht die Überwachung des Personals in Logistikzentren ein neues Niveau. Das ist aber nur die Spitze des Eisberges der Amazon-Kontrollmechanismen, die ihre Ursache im Niedriglohn-Sektor haben.


Das Tracking-Armband funktioniert mit einem Ultraschall-Sensor. Der registriert, wo im Raum sich die Hand der Trägerin gerade befindet. Ist sie in der Nähe eines Artikels, der einsortiert werden soll, vibriert dieses Armand. Gleichzeitig wird jede Bewegung aufgezeichnet und später analysiert. Das erhöht den Leistungsdruck in den Logistikzentren zusätzlich. Die neue Technik fügt sich gut in die Unternehmenskultur des Konzerns ein, denn schon jetzt steht bei Amazon permanente Überwachung auf der Tagesordnung.

Arbeiten im Käfig


In Winsen an der Luhe steht Amazons modernstes Logistikzentrum in Europa. Ein Reporter des Norddeutschen Rundfunks recherchierte dort verdeckt. Sein Fazit: Modern sind hier vor allem die Überwachungsmethoden. Die Angestellten arbeiten in kleinen Bereichen, die sie Käfige nennen. Diesen Namen haben sie ihren Arbeitsplätzen gegeben, weil sie von drei Seiten mit Gittern umringt werden. An der einzig offenen Seite schieben Roboter Regale hin und her, an denen die Beschäftigten arbeiten müssen. In den Käfigen steht ein Computer, der jeden Arbeitsschritt ansagt. Er zeichnet auch auf, wie lange dafür gebraucht wird.

Im Schnitt hat man 9 Sekunden Zeit ein Paket zu finden und richtig einzuordnen. Über den kleinen Arbeitsbereichen befinden sich auch Kameras. Die MitarbeiterInnen werden aber nicht nur in den Käfigen beobachtet, Kameras gibt es auch an den Aus- und Eingängen und sogar in den Spind-Räumen, in denen sie sich umziehen und ihre Privatgegenstände aufbewahren. Durch den ständigen Leistungsdruck und die Überwachung werden die MitarbeiterInnen leichter kalkulier- und steuerbar. Die Maschinen helfen nicht mehr den Menschen ihre Arbeit zu erledigen, sondern zwingen sie in Handlungsmuster und machen sie zu Quasi-Robotern.

Wenn der Toilettengang zum Risiko wird

Matthias Hoffmann von der Gewerkschaft verdi versucht den MitarbeiterInnen vor Ort zu helfen.
    „Das ganze Prinzip beruht darauf, dass der Computer die Arbeit, die Auslastung, die Waren und dementsprechend auch die Menschen steuert. Dazu gehört zwangsläufig, dass der Beschäftigte mit dem Computersystem von Amazon verbunden ist und damit auch in seiner Arbeitsleistung gemessen wird. Teil des Systems ist, dass ein Computer den Vorgesetzten informiert, wenn ein Mensch mal zu langsam ist“, sagt er gegenüber dem NDR.


Überwacht werden Tempo, Arbeitsleistung und Pausenverhalten. So berichtet Hoffmann, dass eine Kollegin darauf angesprochen wurde, dass sie zwei Minuten zu früh Feierabend gemacht habe. Ein anderer Mitarbeiter wurden von seinem Vorgesetzter gefragt, ob er wirklich so häufig auf die Toilette gehen müsse. Wer zu langsam ist oder zu häufig Pausen macht, wird ermahnt und muss sich um seinen Arbeitsplatz fürchten.

Hartz 4 macht Druck

Doch gerade in dieser Branche ist die Angst vor dem Jobverlust besonders groß. Bei Amazon arbeiten meist schlecht ausgebildete Menschen, die nur schwer eine andere Arbeit finden würden. Aufgrund von Hartz 4 und dem damit entstanden Niedriglohnsektor kann der Konzern auf ein Reservoir von billigen Arbeitskräften zurückgreifen. So arbeitet in Deutschland schon fast jeder vierte Beschäftigte unter der Niedriglohnschwelle von € 10,50 pro Stunde. So fällt es dem Konzern leicht seine MitarbeiterInnen gegeneinander auszuspielen: Die schnellen geben die Standards für alle anderen vor  – wer nicht mithalten kann, verliert seinen Job und wer aufmuckt, wird ersetzt.
https://kontrast.at/wie-amazon-seine-mitarbeiter-steuert-ueberwacht-und-unter-druck-setzt/
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« Antworten #298 am: 12. März 2018, 21:29:33 »

Permanenter Stress
Amazon setzt in Logistikzentren verstärkt auf Roboter. Mitarbeiter sollen kürzere Wege gehen. Bosse erhöhen den Arbeitstakt
Von Gudrun Giese



Maschinen könnten den Arbeitern dienen. Bei Amazon müssen die Beschäftigten stattdessen noch schneller schuften
Foto: Peter Endig/dpa

Hypermodern ist es und riesig – das neueste Logistikzentrum des Versandhändlers Amazon am Standort Winsen (Luhe), nicht weit von Hamburg gelegen. Auf 64.000 Quadratmetern sind hier 18 Kilometer Förderbänder untergebracht, über die Waren aus dem gigantischen Sortiment von rund fünf Millionen Artikeln zu den Arbeitsplätzen der mehr als 1.700 Beschäftigten transportiert werden. Das Novum in Winsen: Hier übernehmen 850 Roboter den größten Teil der Wege, um Bestelltes und Retourniertes zu den Mitarbeitern zu bringen.

»Die Arbeit für die Beschäftigten hat sich durch den Robotereinsatz enorm verändert«, sagt Matthias Hoffmann vom Verdi-Bezirk Hannover-Heide-Weser, der für die Kollegen im Logistikzentrum zuständig ist, das im vergangenen Oktober eröffnet wurde. »Während in den klassischen Lagern die Beschäftigten pro Sechsstundenschicht bis zu 15 Kilometer laufen, um die Artikel zu holen oder zu den Regalen zu befördern, stehen sie in Winsen fest an einem Platz, und die Roboter fahren Regale heran, aus denen die Menschen Waren entnehmen oder aber hineinlegen.« Hoffmann weiß aus etlichen Gesprächen mit den Mitarbeitern, wie anstrengend und gleichzeitig monoton diese Art von Arbeit ist. Wie überall im Amazon-Universum stehen die Beschäftigten unter permanenter Kontrolle, denn die Handscanner, die jeder tragen muss, ermöglichen eine vollständige Leistungskontrolle.

»Erst vor kurzem ist die Norm in Winsen erhöht worden«, weiß der Verdi-Sekretär. 250 Artikel müssen die Mitarbeiter nun stündlich aus den Regalen für die weitere Bearbeitung entnehmen bzw. dort ablegen. Permanenter Stress ist an der Tagesordnung, zumal es bei Amazon unternehmensweite Vergleichssysteme gibt. Beschäftigte stehen untereinander mit ihrem Leistungsvermögen in der Konkurrenz, aber auch ganze Standorte. Zwar erscheine die Atmosphäre auf den ersten Blick freundlich und hierarchiearm, da sich bei Amazon alle Beschäftigten duzen, auch Menschen ohne besonderen Bildungsabschluss eine Anstellung finden und auch regelmäßig Kritik an Vorgesetzten eingefordert wird. Hinter dieser Fassade, so Hoffmann, verberge sich aber ein knallhartes, klassisches US-amerikanisches Unternehmen, in dem allein Effizienz, Rendite und Expansion zählten. »Auch im Selbstverständnis von Amazon ist ein Standort wie das Logistikzentrum in Winsen eine ›Dienstleistungsfabrik‹. Der einzelne Beschäftigte zählt da im Prinzip gar nichts.«

Und so ist die große Mehrzahl der mehr als 1.700 Mitarbeiter befristet beschäftigt für einen – untertariflichen – Stundenlohn von 11,15 Euro. Viele bringen es aber auch gerade nur bis zum Ende der Probezeit. Der Verdi-Sekretär berichtet von einem Fall, in dem ein Kollege zwei Tage vor deren Ablauf gefeuert wurde – nachdem er zuvor noch eine komplette Arbeitsschicht geleistet hatte. Gnadenlos geht das Management auch mit Beschäftigten um, die akut krank werden oder einen Arbeitsunfall erleiden.

Doch wie auch an den meisten der länger bestehenden Amazon-Logistikstandorten in der Bundesrepublik beginnen immer mehr Mitarbeiter in Winsen, sich über ihre Rechte zu informieren. Eine Betriebsratswahl ist bereits geplant, und inzwischen bestehen Kontakte zu aktiven und streikerfahrenen Kollegen etwa aus Bad Hersfeld. »Die Solidarität unter den Amazon-Belegschaften ist sehr groß, auch über Grenzen hinweg«, weiß Hoffmann. So gibt es auch Treffen mit Amazon-Beschäftigten aus Polen oder Italien.

Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass das von Jeffrey Bezos gegründete Unternehmen (der laut aktueller Forbes-Liste der reichste Mensch der Welt sein soll) in seiner Expansion verstärkt auf den Robotereinsatz für die Transporte innerhalb neuer Logistikzentren setzt. In diesem Jahr soll ein entsprechendes Lager im pfälzischen Frankenthal entstehen. Für 2019 ist ein weiteres Logistikzentrum mit 3.000 bis 4.000 Robotern und 1.000 Vollzeitkräften in Mönchengladbach geplant.

Wann auch beim Verteilen der Produkte Roboter zum Einsatz kommen, steht hingegen noch in den Sternen. Hoffmann weiß: »Es gibt noch keine Maschinen, die die vielen verschiedenen Waren bei Amazon unterscheiden und alle Artikel korrekt greifen können.« Allerdings arbeite das Unternehmen mit seinem sehr großen Forschungsetat sicher an neuen technischen Entwicklungen, um die Produktivität immer weiter steigern zu können. »Perspektivisch wird die Beschäftigtenzahl bei Amazon sicher sinken.«

Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/328898.permanenter-stress.html
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« Antworten #299 am: 16. März 2018, 17:45:02 »

Es wird nun in anderen europäischen Ländern unruhig. Bisher führten bei der Streikbewegung gegen den Global Player die deutschen Kollegen. Doch bisher haben sie noch nicht die Mehrheit der Beschäftuigten eines Standorts zur Arbeitniederlegung bewegen können. Dies scheint sich jetzt in Spanien zu ändern: 75% haben für streik gestimmt.
Zitat
Amazon Spanien:
Streiks im Fulfillment-Zentrum in Madrid angekündigt

Nachdem es zu keiner Einigung bei den Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft und Amazon gekommen ist, wird die Arbeit im Logistikzentrum bei Madrid für zwei ganze Tage eingestellt
.

Die Amazon-Logistikmitarbeiter vom Fulfillment-Zentrum in San Fernando de Henares in Madrid haben sich mit einer Mehrheit von 75 Prozent für die Arbeitsniederlegung entschieden. Wie spanische Medien berichten, wird es am 21. und 22. März für 48 Stunden zum Stillstand im Logistikzentrum kommen. San Fernando ist das größte Fulfillment-Zentrum des Unternehmens in Spanien und beschäftigt je nach Jahreszeit zwischen 1.100 und 2.000 Mitarbeiter.
Gewerkschaft fordert seit Monaten bessere Arbeitsbedingungen

Der Streik ist die Folge der gescheiterten mehrmonatigen Tarifverhandlungen zwischen Arbeitnehmervertretern und dem Unternehmen hinsichtlich der Verbesserung von Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. Nach den Streiks in Deutschland, Frankreich und Italien, könnte es sich dabei um den größten Arbeiteraufstand handeln, den Amazon in Europa erlebt hat.

Einer der wichtigsten Streitpunkte ist der schon Ende 2016 ausgelaufene Tarifvertrag, der zwar während den Verhandlungen verlängert wurde, jedoch nach der Unterzeichnung im Jahr 2015 bisher nicht erneuert wurde. Mehrere Aspekte des vorgeschlagenen neuen Tarifvertrags bilden das Problem. So kritisiert die Gewerkschaft, dass Amazon in der Tarifvertragserneuerung nicht gewillt ist, die Nachteile, die sich für die Arbeiter in der Logistik ergeben, auszugleichen. Insbesondere handelt es sich dabei um Lohngarantien, Geldsätze für Überstunden und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Laut Tamebay sollen die Krankengeldzahlungen sogar um 50 Prozent gekürzt werden. Amazon hat diesen Schritt damit erklärt, dass das Unternehmen in letzter Zeit von einem besonders hohen Krankenstand bei den Mitarbeitern betroffen ist. Vorwürfe, die die Gewerkschaft zurückweist.
Gesundheitliche Probleme bei Mitarbeitern durch hohe Arbeitsbelastung

Der spanische Gewerkschaftsverband CCOO kritisiert unrealistische Zielsetzungen des Unternehmens und Arbeitsbelastungen, die die Gesundheit der Mitarbeiter maßgeblich beeinträchtigen. Insbesondere würden viele Beschäftigte an Rückenproblemen leiden. Außerdem müssen die Angestellten des Logistikzentrums, laut Quelle, täglich zwischen 20 und 25 Kilometer zu Fuß zurücklegen.

Das Unternehmen erklärt sich die vermehrten Fehlzeiten jedoch mit den hohen Krankengeldzahlungen. Des Weiteren bekräftigt Amazon, dass die Löhne und Sozialleistungen der spanischen Mitarbeiter sich im hohen Bereich für den Logistiksektor bewegen würden. Die Rede ist von einem kompletten Paket von Leistungen, einschließlich privater Krankenversicherung und Lebensversicherung.

Nicht alle Bedingungen des neuen Tarifvertrags für Amazon Spanien wurden abgelehnt. Die Gewerkschaft hat eine Maßnahme begrüßt, nach der 800 Mitarbeiter unbefristete Arbeitsverträge bekommen, da unter den neuen Bedingungen nur 25 Prozent der Beschäftigten zeitweise befristet beschäftigt sein dürfen.
https://www.amazon-watchblog.de/kritik/1291-amazon-spanien-streiks-fulfillment-zentrum-madrid.html#ampshare=https://www.amazon-watchblog.de/kritik/1291-amazon-spanien-streiks-fulfillment-zentrum-madrid.html
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