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Autor Thema: Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär  (Gelesen 13310 mal)
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BGS
Polarlicht


Beiträge: 3058



« Antworten #25 am: 02. Dezember 2015, 21:19:28 »

Bitter.

MfG

BGS
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"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)
dagobert


Beiträge: 4740


« Antworten #26 am: 02. Dezember 2015, 21:45:30 »

Willkommenskultur im Deutschland des 21. Jahrhunderts.
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Kuddel


Beiträge: 11728


« Antworten #27 am: 27. September 2016, 18:25:05 »

Zitat
Kritik von Kirchen und Gewerkschaft
Ausbeutung in der Fleischbranche nimmt kein Ende

Vor einem Jahr hat sich die Fleischbranche verpflichtet, die Situation der Arbeiter in den Schlacht- und Zerlegebetrieben zu verbessern. Zum Besseren geändert hat sich wenig.



Rumänische Werkvertragsarbeiter legen Hand an die Schweineteile, die auf dem Zerlegeband durch die Halle fahren. (Oliver Krato/Vion)

„Es hat sich nichts geändert“, sagt Prälat Peter Kossen, Vertreter der katholischen Kirche im Oldenburger Land. Der Kirchenmann beklagt nach wie vor eine massive Ausbeutung von Arbeitern aus Osteuropa. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Ernährungsindustrie in Niedersachsen, Bremen und Sachsen-Anhalt, E. Michael Andritzky indes betont, die Branche habe ihre Versprechen gehalten.

„Alles Lippenbekenntnisse“, sagt Kossen. Es gebe zu viele Schlupflöcher, den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde zu umgehen. Dies bestätigt Arbeitsrechtler Johannes Brinkhus aus Bakum (Landkreis Vechta). Er engagiert sich beim „Netzwerk für Menschenwürde in der Arbeitswelt“. Jeden Freitag kommen im Schnitt 20 Betroffene aus der Fleischbranche zu ihm. Der Anwalt berichtet von unbezahlten Überstunden, von Abzügen für die Reinigung der Berufskleidung oder das Ausleihen von Werkzeugen (Messergeld), von Mietwucher in den Unterkünften. Wenn alles nicht helfe, werde einfach die Bandgeschwindigkeit erhöht, so Brinkhus. Häufig mündeten die Beratungen in Arbeitsgerichtsverfahren, manchmal reiche auch ein Schreiben an den Arbeitgeber. „Diese Menschen haben keine Lobby“, erklärt Brinkhus sein unentgeltliches Engagement.

Nach Gewerkschaftsangaben ist die Quote der Fremdarbeiter in der Branche nach wie vor hoch. Der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) für die Region Oldenburg/Ostfriesland, Matthias Brümmer, berichtet von Fremdarbeiterquoten zwischen 60 bei Vion und 90 Prozent bei Weidemark in Sögel. Lediglich bei Wiesenhof in Lohne habe sich das Verhältnis von Fremdarbeitern zur Stammbelegschaft durch den Großbrand umgekehrt, weil es für Werkvertragsarbeitnehmer schlicht keine Arbeit mehr gab. Danish Crown erklärt, dass die Firma den Anteil der Stammbelegschaft von derzeit 30 Prozent im Schlachthof in Essen/Oldenburg gern erhöhen würde, aber keine geeigneten Bewerber finde. Sprecher Jens Hansen: „Es gibt nicht viele Deutsche, die in einem Schlachthof arbeiten wollen.“ Wiesenhof und Heidemark erklären, dass sich die Quote um vier beziehungsweise fünf bis zehn erhöht habe. Wie hoch der Anteil der Fremdarbeiter tatsächlich ist, sagen sie nicht.

„Die Ausnahme ist zur Regel geworden.
Leiharbeit wird aus Profitgier missbraucht.“


Ludger Heuer, Sprecher des bischöflichen Offizialats in Vechta

Der Sprecher des bischöflichen Offizialats in Vechta, Ludger Heuer, geht es vor allem um den Missbrauch der Leiharbeit: „Leiharbeit wurde eingeführt, um Produktionsspitzen abzufangen. Normal wäre also ein Anteil von 20 Prozent. Tatsächlich aber ist die Stammbelegschaft auf 20 Prozent geschrumpft. Die Ausnahme ist zur Regel geworden. Leiharbeit wird aus Profitgier missbraucht.“

E. Michael Andritzky vom Verband der Ernährungsindustrie dementiert: „20 Prozent Stammbelegschaft. Das geht an der Realität vorbei.“ Genaue Zahlen aber will auch er nicht nennen: „Wir haben nie eine feste Quote versprochen.“

Entscheidend sei doch, dass alle 80 000 Beschäftigten in der Fleischbranche den Mindestlohn erhalten, egal ob Festangestellte oder Beschäftigte von Subunternehmern, meint die Hauptgeschäftsführerin der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss (ANG), Valerie Holsboer.Sie betont, dass der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei Ausbeinern, Zerlegern, Kopf- und Lohnschlachtern im vergangenen Jahr um 70 Prozent gestiegen sei – und Entsendungen von ausländischen Arbeitern gebe es gar nicht mehr.

Gewerkschafter Brümmer hat eine andere Beobachtung gemacht: „Aus Leiharbeitern werden Werkvertragsarbeitnehmer.“ Werkverträge wiederum fallen nicht unter die Lohn-, sondern unter die Sachkosten. Firmen mit einem hohen Energieverbrauch profitieren davon, weil sie von der Umlage für Erneuerbare Energien befreit werden, und Fleischfirmen haben allein schon wegen der Kühlung hohe Energiekosten. Brümmer: „Die Rechnung zahlen wir am Ende alle.“

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will den Missbrauch von Leiharbeit per Gesetz eindämmen. Künftig sollen Leiharbeiter nach neun Monaten gleichen Lohn erhalten wie die Stammbelegschaft und maximal für 18 Monate beschäftigt werden. „Das Gesetz geht an der Realität vorbei“, sagt die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Landkreis Vechta, Audra Brinkhus-Saltys. Die meisten Wanderarbeiter würden ohnehin nur für ein halbes Jahr beschäftigt und dann an das nächste Unternehmen weiter vermittelt.

Die NGG fordert denn auch, den Anteil von Leiharbeitern auf fünf Prozent zu begrenzen. Für Valerie Holsboer ist eine solche Quote unrealistisch: „Wir finden nicht genug deutsche Arbeiter.“ Das Argument kann Matthias Brümmer nicht nachvollziehen: „Wir haben Freizügigkeit in Europa. Warum werden Rumänen nicht regulär eingestellt?“

Werkvertrags- und Leiharbeiter, so Prälat Kossen, seien der Willkür und Gier krimineller Subunternehmer schutzlos ausgeliefert. „Unternehmen, die diese Ausbeutung zulassen, machen sich mitschuldig“, betont der Kirchenmann und lenkt den Blick auf die teils unwürdige Wohnsituation der Arbeiter. Diese zahlten nicht selten ein Kopfgeld von 250 Euro im Monat für eine Unterkunft in einem Mehrbettzimmer. Kirche und Gewerkschaften fordern die Kommunen auf, mehr und vor allem unangekündigt zu kontrollieren sowie Verstöße hart zu sanktionieren. Den Landkreisen aber, die teils eigene Vorschriften für die Unterbringung von Wanderarbeitern erlassen haben, fehle es häufig an Personal, weiß die Kirchenvertretung. Eine der größten Unterkünfte im Oldenburger Münsterland ist der ehemalige Fliegerhorst Ahlhorn. Betreiber Obstbauer Ulrich Osterloh aus Visbek (Landkreis Vechta) bringt dort seine Erntehelfer unter, vermietet aber auch an Arbeiter aus der Fleischbranche. Mieter zahlen inklusive Verpflegung 9,80 Euro am Tag.

Details über die Umsetzung der Selbstverpflichtung in der Fleischbranche wollen die Arbeitgeber am 28. September beim zweiten Fleischgipfel in Berlin bekanntgeben. Bis zu dem Treffen mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) wurde Stillschweigen vereinbart.
http://www.weser-kurier.de/region_artikel,-Ausbeutung-in-der-Fleischbranche-nimmt-kein-Ende-_arid,1459925.html
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Kuddel


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« Antworten #28 am: 13. Dezember 2016, 09:48:43 »

Zitat
„Meine polnische Sklavin“

Prälat Kossen sieht die moralische Pflicht von Wirtschaft, Kommunen und Kirchen. Geltendes Recht muss greifen.


Cloppenburg Anna (Name geändert) hatte in Polen als Buchhalterin gearbeitet. Dann heiratete sie einen Deutschen. Als die Ehe zerbrach, kam die 48-Jährige als Leiharbeiterin nach Cloppenburg. Sie hat in vielen Firmen gearbeitet, am schlimmsten war es in der Fleischbranche. So sei ein Chef verächtlich mit den polnischen Frauen umgegangen, hätte sie voreinander erniedrigt und angespuckt. Anna nannte er „meine polnische Sklavin.“

„In einer solchen Firma darfst du nicht krank werden. Wer krank wird, fliegt“, erzählt Anna. Als sie ein geschwollenes Bein hatte, schickte sie ihr Chef zum Arzt, wollte aber keine Krankschreibung sehen. Die Schwellung stellte sich als Thrombose heraus. Anna wurde operiert. Als sie aus der Klinik kam, wollte sie aus Angst vor der Kündigung mit dem eingewickelten Bein in den Betrieb. Doch ihr Freund hielt sie zurück. Als sie nach drei Wochen wieder zur Arbeit erschien, folgte die Kündigung. „Und dabei habe ich dort einige Jahre für zwei Personen gearbeitet“, sagt sie. Erhalten hat sie 930 Euro brutto im Monat. Auf der Suche nach Arbeit landete Anna bei einem Paketzusteller. Stundenlohn: 2,50 Euro. Aktuell hat sie eine andere Stelle. Die Arbeit gefällt ihr, doch bekomme sie fast 40 Prozent weniger Lohn als feste Kräfte.

„In Deutschland in einer Fleischerei zu arbeiten, ist eine Katastrophe“, bestätigt ihr Landsmann Jan (Name geändert). Vor sechs Jahren ist der 27-Jährige nach Deutschland gezogen. Wie sein Vater arbeitet er mit Werkvertrag in einer Fleischfirma. Etwa 80 Prozent der Belegschaft hätten solche Verträge. Einige Jahre hat er Fleisch zerlegt. Derzeit fährt er Gabelstapler. In seinem Arbeitsvertrag stehe acht Stunden am Tag. Er arbeite aber oft zehn oder zwölf Stunden. Überstunden blieben unbezahlt. Pro Monat, schätzt er, werde ihm ohne Begründung Lohn für bis zu 40 Stunden vorenthalten. Für die ausbezahlten Stunden bekommt er zehn Euro brutto, netto bleiben ihm im Monat etwa 1200 Euro. Gearbeitet zu allen Tages- und Nachtzeiten, sechs Tage die Woche. Es gibt viele Möglichkeiten, osteuropäischen Arbeitern Geld abzuziehen. In seiner Firma muss eine Strafgebühr zahlen, wer kein deutsch spricht. Wenn sie die Wahl hätten, in Deutschland in der Fleischbranche zu arbeiten oder in Polen zu bleiben? „Wir blieben in Polen“, sagen beide.

Hilfe gefunden hatten sie in der arbeitsrechtlichen Beratungsstelle für osteuropäische Werkvertragskräfte. Mehr als drei Jahre gab es sie im Forum St. Andreas, so Audra Brinkhus-Saltys. Neben ihrem Mann Johannes, der als Arbeitsrechtler jede Woche bis zu 15 Hilfesuchende beriet, engagierten sich andere Frauen und sie, ohne Honorar, etwa als Dolmetscherinnen. Im September wurde die Arbeit eingestellt, der Aufwand war zu groß. Trotz mehrerer Aufrufe hatte sich kein Arbeitsrechtler gefunden, der die Aufgabe übernehmen wollte.

„Ich sehe eine moralische Pflicht der Region, die Beratungsstelle weiterzuführen“, sagt Prälat Peter Kossen (Offizialat Vechta). „Das Krebsgeschwür der Ausbeutung wuchert von hieraus und muss von hier bekämpft werden. Das funktioniert nur, wenn verschiedene gesellschaftliche Gruppen kooperieren.“ Kossen sieht die Wirtschaft in der Pflicht, die Kommunen und die Kirchen: „Wenn alle schweigen, ist das wie Mafia.“
http://www.nwzonline.de/cloppenburg/wirtschaft/meine-polnische-sklavin_a_31,1,4003199528.html
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ManOfConstantSorrow


Beiträge: 6432


« Antworten #29 am: 17. September 2017, 20:44:12 »

Zitat
Viele Rumänen und Bulgaren leben "in prekärsten Situationen"
   
  • Die Zahl der Migranten aus Südosteuropa ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, viele von ihnen leben in einfachsten Verhältnissen.
  • Die Stadt bewertet die von ihr geschaffenen Hilfsangebote trotzdem als grundsätzlich ausreichend.
  • Der vor drei Jahren einberufene "Runde Tisch Armutszuwanderung aus EU-Ländern" soll darum beendet werden.

Von Thomas Anlauf



In der Hoffnung auf ein besseres Leben kommen immer mehr verarmte Menschen vor allem aus Rumänien und Bulgarien nach München. Einige versuchen, auf dem grauen Arbeitsmarkt im südlichen Bahnhofsviertel einen Job zu finden, andere verdienen mit Betteln ein paar Euro, um zu überleben. Die Situation vieler Arbeitsmigranten ist äußerst prekär, die Stadt bewertet die von ihr geschaffenen Hilfsangebote aber als grundsätzlich ausreichend. Deshalb soll der vor drei Jahren einberufene "Runde Tisch Armutszuwanderung aus EU-Ländern" nun beendet werden. Die daran beteiligten Referate der Stadtverwaltung sind sich einig, dass dafür "im Moment kein Bedarf mehr besteht".

So steht es in einer Beschlussvorlage, die das Sozialreferat kommende Woche dem Stadtrat vorlegt und die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Dabei liest sich das 45 Seiten starke Papier zunächst gar nicht so, als hätte sich das Thema erledigt. Die Notlage vieler hilfebedürftiger Zuwanderer bereitet den Experten Sorgen, viele leben "in prekärsten Situationen" in Abbruchhäusern, Lagergebäuden, wilden Camps "oder in völlig überbelegten, teilweise menschenunwürdigen Wohnungen mit all ihren Folgen, insbesondere für Kinder".

Auch die gesundheitliche Versorgung sei für viele Arbeitsmigranten aus Südosteuropa problematisch, da sie oft nicht krankenversichert sind. Das Fazit der Behörden: "Fragen zur Kostenklärung sowie die tatsächliche Kostenübernahme für die stationäre Akutversorgung, insbesondere bei Entbindungen, bleiben ungelöst." Selbst wenn die Stadt mit Sozialleistungen helfen wollte, sind ihr seit einer Gesetzesänderung im Dezember bei rumänischen und bulgarischen Arbeitslosen die Hände gebunden: Sie sind hierzulande nun bis zu fünf Jahre lang von gesetzlichen Sozialleistungen ausgeschlossen.

Insgesamt hat sich die Zahl der in München lebenden Bulgaren und Rumänen stark erhöht. Waren Ende 2006 knapp 3000 bulgarische und knapp 4300 rumänische Staatsbürger in München gemeldet, waren es Ende vergangenen Jahres 13 000 Bulgaren und knapp 18 800 Rumänen. Ein Rückschluss auf eine gestiegene Armutszuwanderung sei aus den Zahlen jedoch nicht möglich, heißt es in dem Papier.

Zudem sei "der überwiegende Teil" der in München lebenden Menschen aus Südosteuropa in der Stadt "gut angekommen und geht oftmals einer qualifizierten Erwerbstätigkeit nach". Die prekäre Lage vieler Zuwanderer lässt sich aber auch bei Einrichtungen wie der Obdachlosenhilfe von Sankt Bonifaz sehen. Dort hat weit mehr als die Hälfte der Menschen, die in der Arztpraxis behandelt wurden, einen ausländischen Pass, ein Drittel davon kommt aus Südosteuropa.

Rumänen und Bulgaren warten am Arbeiterstrich

Dennoch sehen die am Runden Tisch beteiligten Referate (neben dem Sozialreferat sind dies das Kreisverwaltungsreferat, das Wirtschafts-, Bildungs- und Umweltreferat), dass im Vergleich zu den Flüchtlingen in München die Gruppe der hilfsbedürftigen Rumänen und Bulgaren relativ gering ist. Im südlichen Bahnhofsviertel klagen Anwohner und Geschäftsleute immer wieder über eine angeblich große Menge an Menschen, die auf dem sogenannten Arbeiterstrich dort eine kurzfristige Beschäftigung suchen.

Doch das Sozialreferat relativiert dies: Laut Polizei seien dort nur "täglich bis zu 25 meist bulgarische Staatsangehörige" aufzufinden. Das im Oktober 2015 eigens für Arbeitsmigranten geschaffene Beratungscafé an der Sonnenstraße habe "zu einer leichten Entlastung" der Situation an der Landwehrstraße beigetragen. Dort berät mittlerweile auch die Agentur für Arbeit die Jobsuchenden, das Hilfsangebot soll noch ausgebaut werden.

Neben dem Beratungscafé gibt es nun insgesamt vier städtisch finanzierte Stellen, die vor allem Migranten aus Südosteuropa beraten: die Familieneinrichtung Famara, das Info-Zentrum Migration und Arbeit, das Schiller 25, das auch für den Kälteschutz zuständig ist sowie die Einrichtung Bildung statt Betteln der Caritas.

Kälteschutz könnte weiter ausgebaut werden

Die Zahl der Bettler aus Südosteuropa hat sich laut Stadt in den vergangenen Jahren zwar von etwa 20 auf rund 100 verfünffacht. Allerdings wurden es seit der 2014 erlassenen Allgemeinverfügung, wonach organisiertes und aggressives Betteln verboten ist, wieder weniger Menschen in der Altstadt. Auch die Zahl der Verstöße gegen die Verordnung ist stark zurückgegangen, trotz der strengeren Auflagen hat die Polizei nicht festgestellt, dass Bettler nun in anderen Stadtvierteln verstärkt auftreten.

In den vergangenen drei Jahren seit Bestehen des Runden Tischs wurden nach Ansicht der Referatsleiter zahlreiche Hilfsangebote für Arbeitsmigranten geschaffen. Derzeit wird sogar geprüft, das Angebot des Kälteschutzes in der Bayernkaserne, der 850 Betten umfasst und im Winter fast zur Hälfte von Rumänen und Bulgaren genutzt wird, noch weiter auszubauen. Bislang mussten sich die Obdachlosen selbst um ein MVG-Ticket kümmern, um zu der Schlafstelle fahren zu können. Im kommenden Winter könnten alle Bedürftigen Freifahrtscheine erhalten.
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/armutszuwanderung-viele-rumaenen-und-bulgaren-leben-in-prekaersten-situationen-1.3663645
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Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
Kuddel


Beiträge: 11728


« Antworten #30 am: 28. Februar 2018, 17:55:20 »

Zitat
Osteuropäer arbeiten für 3,80 Euro pro Stunde



Magdeburg (dpa) l 30 osteuropäische Arbeiter ohne gültigen Aufenthaltstitel und mit einem deutlich zu geringen Stundenlohn hat der Zoll in Schweineproduktionsbetrieben im Saalekreis festgestellt.

Ein osteuropäisches Verleihunternehmen habe den Arbeitskräften falsche Versprechen gegeben, teilte das Hauptzollamt Magdeburg am Montag mit. Den Arbeitnehmern habe ein gültiges Visum vorliegen sollen. Das war aber nicht der Fall. Das Verleihunternehmen habe den Arbeitern auch nur einen Stundenlohn von 3,80 Euro statt der vorgeschriebenen 8,84 Euro Mindestlohn gezahlt. Das wurde bei der Kontrolle am vergangenen Mittwoch festgestellt.

Gegen den ausländischen Arbeitgeber werde neben der illegalen Beschäftigung von Ausländern auch wegen des Verstoßes gegen Mindestlohnregelungen ermittelt.
https://www.volksstimme.de/sachsen-anhalt/ausbeutung-osteuropaeer-arbeiten-fuer-380-euro-pro-stunde
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tleary


Beiträge: 692


« Antworten #31 am: 01. März 2018, 11:03:17 »

Der Link stellt die Realität aber scheinbar "etwas geschönt" dar: "Osteuropäische Arbeiter arbeiten für 380 Euro pro Stunde". Schön wär's ja, und vor allem bei dieser absolut monotonen "Ekelarbeit" (tote Tiere im Akkord zerlegen) auch gerechtfertigt.
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"Wir sind nicht hoffnungslose Idioten der Geschichte!"
(Rudi Dutschke, 1967)
Kuddel


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« Antworten #32 am: 15. März 2018, 19:52:13 »

Zitat
Arbeiter aus Osteuropa
Machtlos gegen Ausbeutung

Sie hoffen auf gute Bezahlung in Deutschland und stehen am Ende oft ohne Geld da: Arbeiter aus Osteuropa sind fast machtlos, wenn der Arbeitgeber nicht zahlt. Der Grund: undurchsichtige Firmengeflechte.


    "Du gehst arbeiten, bekommst deinen Lohn für die ersten ein, zwei Monate. Dann gibt es angeblich Probleme und du arbeitest weiter, ohne bezahlt zu werden."
Simon, Arbeiter aus Serbien

Das System mit den Leiharbeitern läuft so: Subunternehmen aus Osteuropa heuern die Arbeiter an und schließen mit ihnen Arbeitsverträge. Über diese Unternehmen fordern Firmen, zum Beispiel aus Deutschland, Arbeitskräfte an, die dann auf den Baustellen arbeiten. So war es auch im Fall von Simon. Ein slowenisches Subunternehmen hatte ihn unter Vertrag genommen und zum Bauunternehmen Caverion mit Sitz in München entsandt. Doch dann meldete der slowenische Subunternehmer Insolvenz an und Simon bekam seinen Lohn nicht.

In diesem Fall muss laut Gesetz eigentlich der Generalunternehmer, also Auftraggeber des Subunternehmers, zahlen: Im Fall von Simon das Münchner Unternehmen Caverion. Doch die Firma reagiert mehrere Monate nicht auf seine Zahlungsaufforderung.

https://www.br.de/nachrichten/machtlos-gegen-ausbeutung-100.html
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Kuddel


Beiträge: 11728


« Antworten #33 am: 24. September 2018, 10:31:06 »

Zitat
Unsichere Arbeit und Lebensverhältnisse
Vier Millionen Erwerbstätige gehören dauerhaft zum Prekariat


...Je mehr sich Leih- oder Werksarbeit, Befristungen und Solo-Selbstständigkeit ausbreiten, desto mehr Menschen leben in dieser gesellschaftlichen Zwischenzone...

... kein Kündigungsschutz: angestellt in einem Kleinbetrieb mit weniger als fünf bis zehn Beschäftigten (Kleinbetriebsklausel)...

...erhöhte berufsspezifische Gesundheitsrisiken: beschäftigt in einem Beruf mit physischer Arbeitsbelastung...
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deutschland-vier-millionen-erwerbstaetige-gehoeren-dauerhaft-zum-prekariat-a-1229460.html


Ein ziemliches Getöse, "Zum ersten Mal belegt eine Studie, wie groß das Prekariat in Deutschland ist." oder "Um die Größe des verfestigten Prekariats bestimmen zu können, leisteten die Forscher aber erst einmal eine andere Pionierarbeit: Sie mussten den diffusen Begriff des "Prekären" erst einmal trennscharf definieren."
Es bleibt ein ziemlich unscharfes Geblubber. "Sie gehören zwar nicht zu den völlig Abgehängten...". Ja, was sind denn die "völlig Abgehängten"?
"...zum Beispiel ein Polizeibeamter als Alleinverdiener mit Frau und vier Kindern in einer Großstadt. Auch er zählt sicher nicht zum verfestigten Prekariat." "Sicher nicht zum verfestigten Prekariat"? Bitte? Wie will der denn aus dieser prekären Situation wieder rauskommen??

Naja, der Spiegel halt...
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Rudolf Rocker
Waldkauz


Beiträge: 13023



WWW
« Antworten #34 am: 04. Oktober 2018, 18:38:38 »

Zitat
"...zum Beispiel ein Polizeibeamter als Alleinverdiener mit Frau und vier Kindern in einer Großstadt. Auch er zählt sicher nicht zum verfestigten Prekariat." "Sicher nicht zum verfestigten Prekariat"? Bitte? Wie will der denn aus dieser prekären Situation wieder rauskommen??
Na, seine Frau auf den Strich schicken!
Hauptsache Arbeit!
Sorry, konnte mir den Sarkasmus grade nicht verkneifen! Wink
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
Kuddel


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« Antworten #35 am: 26. November 2018, 09:18:21 »

http://detektor.fm/wp-content/uploads/2018/11/stadtgespraech-ausbeutung-von-wanderarbeitern-in-hanau_web.mp3


Zitat
Ausbeutung in Hanau
"Die Verantwortung für die Beschäftigten wird nicht übernommen"

Ausbeutung von ausländischen Wanderarbeitern findet häufig gerade im Bereich der Bauarbeit statt. So auch im Lehrhöfer Park in Hanau, wo bulgarische Männer für ihre Arbeit kaum Lohn erhalten.

Wanderarbeiter aus dem Ausland sind oft billige Arbeitskräfte auf deutschen Baustellen.

Ausbeutung = Harte Arbeit + keine Bezahlung

Hanau im Rhein-Main-Gebiet bekommt eine neue Wohnsiedlung. Am Bau im Lehrhöfer Park in Hanau sind Männer aus Bulgarien beschäftigt – jedoch ohne Arbeitsvertrag. Die Wanderarbeiter werden für ihre Arbeit kaum bis gar nicht bezahlt. Wer für diese Ausbeutung verantwortlich ist, ist dabei aber unklar. Denn dahinter verbirgt sich ein undurchsichtiges System.

   
Zitat
Da sind häufig Hintermänner, Arbeitsvermittler am Werk. Die Verantwortung für die Beschäftigten wird nicht übernommen. Die Firmen, die – zumindest gemäß Papier – entlang der Auftragskette auftauchen, haben häufig auch Strohmänner als Geschäftsführer.
– Ivan Ivanov, Beratungsstelle „Faire Mobilität“ in Hessen

„Sie vertrauen ihren Arbeitgebern“

Die Situation in Hanau ist längst kein Einzelfall. Billige Arbeitskräfte aus Osteuropa sind sehr gefragt. Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Not kommt es bei ausländischen Wanderarbeitern immer wieder zu unterbezahlter Schwarzarbeit.

   
Zitat
Das Lohngefälle zwischen Ost- und Westeuropa ist immer noch sehr groß. Deswegen begeben sich auch viele Menschen nach Westeuropa, um nach Arbeit zu suchen. Und diese Menschen sind leider sehr anfällig für ausbeuterische Verhältnisse, weil ihre Sprachkenntnisse nicht so gut sind und weil sie sich mit den wesentlichen rechtlichen Bestimmungen hier in Deutschland nicht gut auskennen.
– Ivan Ivanov

Was kann man gegen die Ausbeutung osteuropäischer Wanderarbeiter tun? Darüber spricht detektor.fm-Moderatorin Barbara Butscher mit Ivan Ivanov. Er arbeitet für die Beratungsstelle „Faire Mobilität“ in Hessen.

Ivan Ivanov "Wenn man sich jetzt die menschlichen Schicksale anschaut, ist das natürlich ein krasser Fall. Ich glaube allerdings [...], dass der Fall aus Hanau eigentlich ein Paradebeispiel dafür ist, wie es ungefähr auf dem Bau abläuft."


Ivan Ivanov berät Wanderarbeiter, die von deutschen Unternehmen ausgebeutet werden.
https://detektor.fm/gesellschaft/stadtgespraech-ausbeutung-hanau
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Kuddel


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« Antworten #36 am: 26. November 2018, 09:50:19 »

Zitat
Totschlag in Erding
Ausbeutung und Gewalt

Landgericht Landshut: Ein 51 Jahre alter Ukrainer, der ausstehenden Lohn fordert, wird von Kollegen tot geprügelt
Von Florian Tempel, Landshut


Der Tod des 51-jährigen Ukrainers, der seit Dienstag am Landgericht Landshut verhandelt wird, ist ein erschütternder Fall von Ausbeutung und Gewalt. Der Ukrainer arbeitete, mit einer falschen Identität ausgestattet, als Zeitarbeiter bei einem Paketdienst. In einem Streit um ausstehenden Lohn und ein Firmenfahrzeug wurde er am 13. November 2017 von Kollegen auf offener Straße so brutal verprügelt, dass er ins Koma fiel und drei Wochen später an seinen schweren Verletzungen starb. Fünf Männer im Alter zwischen 22 und 47 Jahren sind nun wegen Totschlags beziehungsweise Beihilfe dazu angeklagt. Der Prozess ist auf fünf Verhandlungstage angesetzt.

Über den Getöteten wurde am ersten Prozesstag kaum gesprochen. Die Anklageschrift fasst nur das äußerliche Tatgeschehen zusammen und gibt nur wenige Hinweise auf die Hintergründe und Einzelheiten, die erst im Laufe des Prozesses erörtert werden. Der grobe Rahmen wurde aber bereits deutlich erkennbar.

Ein wesentlicher Umstand ist, dass sowohl Täter wie Opfer bei der gleichen Firma angestellt waren. Das Unternehmen hat seinen Sitz in der Nähe von Heidenheim und ist im Handelsregister als Transport- und Zeitarbeitsfirma eingetragen. Offensichtlich lieh diese Firma Zeitarbeiter an den Paketdienst GLS aus, der unter anderem in Erding ein Paketzentrum hat. Laut den Angaben eines Angeklagten waren die bei GLS beschäftigten Zeitarbeiter Männer aus vielen verschiedenen Ländern. Er berichtete, dass in dem Arbeiterwohnheim in Knüllwald in Hessen, in dem er sich vorwiegend aufhielt und als Vorarbeiter fungierte, Männer aus 25 Nationen lebten. Ein ähnliches Arbeiterwohnheim gab es in Taufkirchen.

Von den fünf Angeklagten sind zwei Litauer und drei Letten. Als EU-Bürger hatten sie keine Probleme in Deutschland zu arbeiten. Beim Getöteten und zwei weiteren Kollegen aus Tadschikistan, die in der Tatnacht mit ihm zusammen waren und ebenfalls angegriffen wurden, war das anders. Alle drei hatten offenbar gefälschte Identitäten, die sie als vermeintliche EU-Bürger auswiesen.

Diese drei Männer hatte laut der Anklage einen Streit mit dem Geschäftsführer der Zeitarbeitsfirma, da er ihnen Lohn schuldete. In der Anklageschrift heißt es dann, dass einer der Angeklagten sie in einem Firmenwagen nach Taufkirchen zu dem bereits erwähnten Wohnheim fuhr. Die drei Männer weigerten sich dort aber, aus dem Fahrzeug auszusteigen, bevor sie das ihnen zustehende Geld bekämen. Ihr genervter Kollege fuhr mit ihnen daraufhin nach Erding und parkte das Auto auf dem Parkplatz vor dem Cineplex-Kino. Er zog den Schlüssel ab und ließ die drei Männer unter dem Vorwand, er werde ein Navi-Gerät besorgen und sie dann wegen ihrer Lohnforderungen zum Chef in die Zentrale fahren, in dem Auto sitzen. Tatsächlich aber holte er aus dem Taufkirchener Wohnheim die vier anderen Angeklagten als Verstärkung.

Der schnell gefasste Plan war, die lästigen drei Kollegen, die immer noch in Erding im Firmenauto saßen und warteten, mit Gewalt aus dem Fahrzeug zu zerren und ihnen das Auto abzunehmen. Zu fünft fuhren die Angeklagten in einem Kleintransporter vor und parkte genau neben dem Wagen, in dem die anderen drei saßen. Es war mittlerweile etwa 1.40 Uhr.

Einer der Tadschiken stieg arglos aus, um seine Kollegen zu begrüßen. Zwei blieben in dem Kleintransporter sitzen, drei kamen auf ihn zu - und schlugen ihn völlig unvermittelt und ohne Vorankündigung mit einer Bierflasche und einem eisernen Gegenstand. Der Geschlagene schaffte es, schnell wieder in das Auto einzusteigen und es von innen zu verriegeln. Sein Kollege aus der Ukrainer versuchte hingegen zu flüchten. Er kam indes nicht weit, weil ihm die Angreifer hinterher rannten, ihn zu Fall brachten, ihn brutal mit dem eisernen Gegenstand auf den Kopf schlugen und ihm Fußtritte gegen den Kopf verpassten. Als sie bemerkte, dass ein Augenzeuge ihre schreckliche Tat beobachtete, gingen sie weg und fuhren mit ihren zwei Kollegen, die im Kleintransporter sitzen geblieben waren, zurück nach Taufkirchen.

Das lebensgefährlich verletzte Opfer wurde wenig später in ein Münchner Klinikum gebracht. Der 51-Jährige, der eine schwere Schädelbasisfraktur erlitten hatte, erwachte nicht mehr aus der Bewusstlosigkeit und starb am 4. Dezember 2017. Die fünf Angeklagten wurden noch in der Tatnacht in Taufkirchen festgenommen. Sie saßen seitdem in Untersuchungshaft. Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.
https://www.sueddeutsche.de/muenchen/erding/totschlag-in-erding-ausbeutung-und-gewalt-1.4219875
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