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Autor Thema: Militär und braunes Pack  (Gelesen 8971 mal)
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Kuddel


Beiträge: 10127


« Antworten #25 am: 28. Mai 2017, 12:16:02 »

Zitat
"Ein dämlicher Macho-Kult"

Ehemaliger Gefreiter des Logistik-Bataillons 104 in Pfreimd, 24 Jahre:


Irgendwann habe ich die ganzen Nazi-Sprüche nicht mehr ausgehalten und den Dienst quittiert. In sechs Monaten Wehrdienst ist mir klar geworden, dass ich wieder zurück an die Uni gehen möchte, anstatt mich um eine Offizierslaufbahn zu bemühen. Denn es stimmt, was die Leute sagen: Seit dem Wegfall der Wehrpflicht ist die Truppe zu einem Sammelbecken für Chauvinisten und Rechtsradikale geworden. Da wollte ich nicht dazugehören.
http://www.zeit.de/2017/22/bundeswehr-soldaten-wehrmacht-rassismus-rechtsextremismus
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Kuddel


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« Antworten #26 am: 19. Juni 2017, 16:04:17 »

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Kuddel


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« Antworten #27 am: 07. Juli 2017, 18:03:49 »

Zitat
Bundeswehr
Soldat hortete Tausende Schuss Munition auf der Stube

Die Bundeswehr ermittelt erneut wegen Waffendiebstahl, dieses Mal in Hannover. Nach SPIEGEL-Informationen hatte dort ein Soldat Tausende Schuss Munition in seinem Spind gelagert.


An der Schule fanden Vorgesetzte am vergangenen Dienstag insgesamt 2321 Patronen Gefechtsmunition für Handwaffen, 630 Patronen Übungsmunition und fünf Übungsgranaten im Spind des Soldaten.

Der Soldat war nur aufgefallen, weil er einer Kameradin angeboten hatte, mit der gestohlenen Munition zu schießen.

In den vergangenen Jahren waren bei der Truppe immer wieder scharfe Waffen abhandengekommen. Laut einer internen Aufstellung des Wehrressorts fehlten nach Schießübungen der Truppe im Jahr 2015 drei G36-Sturmgewehre, zwei G3- Gewehre und eine P8-Pistole. Im Jahr darauf wurden zwei G36, eine P8 und drei Signalpistolen als verschwunden gemeldet.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-soldat-hortete-tausende-schuss-munition-auf-der-stube-a-1156421.html
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ManOfConstantSorrow


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« Antworten #28 am: 07. August 2017, 07:16:53 »

Hier etwas über die Braune Tradition der Bundeswehr (der Fisch stinkt vom Kopf her!).

Zitat
Längerer Hals erwünscht
Der erste Generalinspekteur der Bundeswehr ist zu Unrecht dem Strick entkommen. Seinen 120. Geburtstag feiert Adolf Heusinger heute in der Hölle



Lagebesprechung im Führerhauptquartier, Rastenburg (Ostpreußen) im Oktober 1941: Adolf Hitler, der Chef des OKW, Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, der Chef des Generalstabes des Heeres, Generaloberst Franz Halder, der Oberbefehlshaber des Heeres, Walther von Brauchitsch, und Generalstabsoffizier General Adolf Heusinger, später erster Generalinspekteur der Bundeswehr, v. l. n. r.
Foto: jW-Archiv


Ich war noch immer ein kleiner Nazi in einem unterfränkischen Dorf, als ich 1946 im Alter von elf Jahren begann, das Progymnasium in Hammelburg zu besuchen. Ich schwärmte für den »Führer« und seine Wehrmacht, und vom verlorenen Krieg erfuhr ich im Lateinunterricht bei der etwas zögerlichen Übersetzung des »Dulce et decorum pro patria mori« (Süß und ehrenvoll ist’s fürs Vaterland zu sterben). Aber immer wenn ich mit meinen kindischen Nazitiraden im Deutschunterricht anfing, begann ich mich zu schämen unter dem skeptischen Lächeln und den geduldigen Nachfragen des Studienrats Halbig. Den Rest besorgte das komfortable Amerikahaus mit seinen Büchern und Zeitschriften, in dem ich oft stundenlang auf die Rückfahrt nach Euerdorf wartete. So verlor ich den Hitler in mir und warf seine Bakelitsoldaten – zu jedem Christfest hatte ich einen Karton von dem Zeug bekommen – in den Müll. Ich ahnte nicht, dass einer schon dabei war, sie aus dem Dreck zu holen.

Das ist über siebzig Jahre her. Am Montag vergangener Woche kam die hauptsächlich mit ihrer Verteidigung beschäftigte Ministerin Ursula von der Leyen nach Hammelburg zur General-Heusinger-Kaserne in der Rommelstraße. Ich war nie dort im Lager Hammelburg oder Bonnland, wie es damals hieß. Flüchtlinge wurden auf dem ehemaligen Übungsgelände der Hitler-Wehrmacht samt Kriegsgefangenenlager untergebracht. Von der Leyen hatte, nachdem eine Terrorzelle in der Bundeswehr entdeckt worden war, zielsicher die Botschaft verkündet, dass die Wehrmacht nicht traditionsstiftend für die Bundeswehr sein dürfe. Michael Wolffsohn, bis 2012 eher rechts stehender Dozent an der Universität der Bundeswehr in München, pflichtete ihr bei und ermahnte die Soldaten, jetzt nicht »beleidigte Leberwurst« zu spielen. Wo rechtsextremistische Einzelfälle sich häuften, seien es eben »keine Einzelfälle mehr«. In Berlin sprachen beide noch am 20. Juli gemeinsam auf der Rekrutenvereidigung samt Feierlichem Gelöbnis und dem kuriosen quasireligiösen Zapfenstreich. Aber vier Tage später in Hammelburg hatte Wolffsohns Zuspruch, dass der Wehrmachtsgeneral Adolf Heusinger nicht traditionsstiftend für die Bundeswehr sei, bei der Ministerin ein Haltungsproblem ausgelöst.

Wolffsohn monierte: Bei der Vergangenheit des Generals und verschiedenen seiner Entscheidungen auf hoher Wehrmachtsebene melde er entschiedene Zweifel an. Die Ministerin schien zuzustimmen. Die Mainpost vor dem Besuch in Hammelburg am 18.5.: »Noch ist unklar, wie weit Ursula von der Leyen mit ihrer Kampagne gegen Wehrmachtsnostalgie geht.« Die Mainpost nach der Visite: »Die umstrittene Benennung einer Kaserne für übende Truppen in Hammelburg nach Adolf Heusinger verteidigte von der Leyen. Der erste General und spätere Generalinspekteur habe entscheidend dazu beigetragen, die Bundeswehr in der Demokratie zu verankern. Von seiner Vergangenheit in der Wehrmacht habe sich Heusinger ausreichend distanziert, so die Ministerin.« Ausreichend. Das ist die neue Bodenhaltung von Ministerin und Bundeswehr.

Nichts gelernt vor Verdun

Heute hat der am 4. August 1897 in Holzminden geborene Adolf Heusinger seinen 120. Geburtstag. Noch immer künden Straßennamen von dem Mann, der ein halbes Jahrhundert lang erschreckend erfolgreich vier deutschen Regimen gedient hat. Als Siebzehnjähriger mit Notabitur griff Klein-Adolf für seinen Kaiser freiwillig zur Waffe, zwei Verwundungen vor Verdun und in Flandern brachten ihn nicht zur Vernunft: Nach seiner Entlassung aus britischer Kriegsgefangenschaft machte er unter Ebert und Hindenburg unverdrossen in der Reichswehr weiter. Als Hitler an die Macht geholt wurde, war Heusinger eigentlich schon drei Jahre illegal, denn er diente seit 1930 als Generalstabsoffizier in der Operationsabteilung des Truppenamtes. Truppenamt – das war die Tarnbezeichnung für den durch den Versailler Vertrag noch immer mit gutem Grund verbotenen deutschen Generalstab.

Ab dem 15. Oktober 1940 war er Chef der Operationsabteilung des Generalstabes im Oberkommando des Heeres (OKH), die mit der strategischen und operativen Führung der Heeresverbände befasst war. Heusinger war maßgeblich auch an der Vorbereitung des für den Sommer 1942 geplanten »Fall Blau« beteiligt. Zuvor hatten er und der Chef des Generalstabs, Franz Halder, sich bei Adolf Hitler im Konflikt über die Richtung dieses »Zweiten Feldzuges in Russland« nicht durchsetzen können. Beide hätten einem Stoß in Richtung Moskau anstatt Stalingrad und Kaukasus den Vorzug gegeben. Immerhin Halder und Heusinger waren sich mit Hitler einig, dass der Krieg in Russland als »Vernichtungskampf« geführt werden sollte.

Im Jahr 1963, als Ludwig Erhard Bundeskanzler wurde, der 1944 ebenso innig mit dem ehemaligen SS-Einsatzguppenführer Otto Ohlendorf bereits an der Nachkriegswirtschaftsordnung »mit einem aktiven und wagemutigen Unternehmertum« arbeitete wie Heusinger mit Hitler am Endsieg, 1963 also bekam Adolf Heusinger das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik mit Stern und Schulterband. Es war sehr taktvoll, dass es sich hier um einen hohen Orden handelte, der an der Schulter zu tragen war. Und nicht am Hals. Scherzeshalber hatte Heusinger einmal geäußert, um die vielen Halsorden zu tragen, die er sich im Laufe seines kriegerischen Lebens erwarb, sei sein Hals nicht lang genug – jener des Erhard-Partners Ohlendorf wurde ausreichend lang, als der wegen seiner Kriegsverbrechen (90.000 Exekutionen) 1951 gehenkt wurde. Im Unterschied zu Ohlendorf hatte Heusinger seine Morde an Zivilisten als Chef der Bandenbekämpfung am Schreibtisch und nicht direkt an oder hinter der Front begangen.

Gründungsvater der Bundeswehr


Mit eigener Hand haben aber weder Ohlendorf noch Heusinger Zivilisten oder Partisanen umgebracht, sie erteilten nur die Befehle. Von dem Militärhistoriker Georg Meyer gibt es eine dicke von der Bundeswehr finanzierte Biographie Heusingers unter dem Titel »Dienst eines deutschen Soldaten 1915–1964«, die 2001 erschien. Johannes Hürter, Abteilungsleiter für die NS-Zeit im Münchener Institut für Zeitgeschichte (IfZ) kritisierte in der FAZ vom 29.12.2001, Meyer wolle »die Prädestination seines Helden zum weisen Gründungsvater der Bundeswehr bereits für die Zeit vor 1945 zeigen«. Hürter lässt keinen Zweifel: »Dass Heusinger als operativer Kopf des Generalstabs mitverantwortlich war für die katastrophale Fehlplanung eines Blitzfeldzugs im Osten, wird fast völlig unterschlagen (…) Seit August 1942 koordinierte Heusinger die brutale ›Bandenbekämpfung‹ und erwies sich auch dabei als militärischer Funktionär, der die ›Kriegsnotwendigkeiten‹ über Sentiments stellte. Sein Vorschlag einer ›rücksichtslosen Evakuierung eines Streifens von 50 Kilometern auf beiden Seiten‹ der Nachschublinien wurde zwar nicht verwirklicht, steht aber gegen die Behauptung Meyers, Heusinger habe die Bevölkerung im Operationsgebiet ›verständnisvoll‹ behandeln wollen. Für die ›innere Distanzierung‹ Heusingers von Hitler, der seinen Sachverstand sehr schätzte, fehlen die eindeutigen Belege. Die steigende Sorge um den Kriegsverlauf darf nicht mit grundsätzlicher Opposition verwechselt werden. Auch wenn Heusinger von den Vorbereitungen der Verschwörer gewusst haben mag, kann er nicht zum Widerstand des 20. Juli gezählt werden.«

Beim Attentat stand Heusinger unmittelbar neben Hitler und wurde verletzt. Im Lazarett verhaftete ihn die Gestapo. Was er über die Verschwörer ausgesagt hat, ist unbekannt. Er verfasste für Hitler eine Denkschrift. Inhalt ebenso unbekannt. Jedenfalls wurde er bald wieder aus der Haft entlassen. Und Hitler empfing ihn im September 1944 zu einer Abschiedsaudienz, das Gespräch ist nur in Heusingers romanhaftem Erinnerungsbuch »Befehl im Widerstreit« von 1950 wiedergegeben:

»Hitler, gebeugt und müde, gibt Heusinger die Hand und sieht ihn lange an: Es tut mir leid, dass auch Sie in die Untersuchung verwickelt waren. Aber ich konnte da nicht eingreifen.

Generalleutnant Heusinger: Es war eine schwere Zeit für mich …


Hitler: Ich habe Ihre Denkschrift aus der Haftzeit studiert. Ich danke Ihnen dafür. Es ist die einzige zusammenhängende Kritik, die ich über meine Maßnahmen während des Krieges zu lesen bekommen habe.«

Nein, hier darf man nichts verwechseln – der wahre Wortlaut des Gesprächs zwischen dem Führer und seinem obersten Bandenbekämpfungschef ist nicht protokolliert. Aber 1945 verwirklichte Hitler noch die Idee eines »Volkssturms« von Kindern und Greisen, den ihm Heusinger schon 1943 vergebens vorgeschlagen hatte.

Die Nachkriegszeit fand Heusinger, wenn sie ihn suchte, in der Historical Division wieder. Dort lagen für die USA bewährte Nazigenerale auf Halde, um auf ihre Wiederverwendungsfähigkeit geprüft zu werden. Inzwischen vertrieben sie sich dort ihre Zeit mit geschichtlichen Abhandlungen über ihr Wirken im Zweiten Weltkrieg.

Wahres Herrentum

Chef war der Generaloberst Franz Halder, dem Heusinger schon unter Hitler unterstellt war. Der wollte lieber Geschichte machen als Geschichte schreiben. Und so desertierte er aus der Historical Division nach Pullach zu einem anderen alten Bekannten, dem Spionagegeneral Reinhard Gehlen, ehemals Chef von Fremde Heere Ost. Aber nicht, um ebenfalls Spionage zu treiben, sondern um etwas neu aufzubauen. Halder, der vielleicht die Zusammenhänge nicht ganz begriff, zeigte sich ein wenig pikiert. Heusinger verbinde »hervorragendes militärisches Können mit einer Anpassungsfähigkeit«, die »wahrem Herrentum fremd ist«. Und gerade das habe ihn »besonders geeignet« gemacht, an die Spitze der neuen Bundeswehr zu treten, schreibt der Biograph Georg Meyer. Aber soweit sind wir noch nicht, auch wenn das der Zweck von Heusingers Abgang nach Pullach war. Dort gab es jedenfalls einen, der Heusinger »wahres Herrentum« bestätigte.

James Critchfield, der zwanzig Jahre jüngere CIA-Aufpasser der im Pullacher Untergrund operierenden Organisation Gehlen war dem erfahrenen Nazigeneral auch intellektuell unterlegen. Aber manches fiel ihm doch auf. Plötzlich gab es beachtliche Verstärkung im Pullacher Untergrund. Critchfield hielt Gehlen vor, »meine Gruppe habe die Ankunft vieler uns unbekannter Deutscher beobachtet und dabei festgestellt, dass es sich zumeist um ehemalige Offiziere handelte, von denen viele über keinerlei nachrichtendienstliche Erfahrungen verfügten«. Nachlesen lässt sich das in den 2005 unter dem Titel »Auftrag Pullach« erschienenen Erinnerungen des US-Verbindungsoffiziers.

Einige Tage nach der Ankunft lud »Dr. Horn«, wie sich Heusinger jetzt stets vorstellte, von dessen wahrer Identität Critchfield aber inzwischen erfahren hatte, den US-Amerikaner »zweifellos auf Betreiben Gehlens, nach dem Abendessen zu einem Glas Wein ein«. Und dabei erfuhr der die Wahrheit, dass Heusingers Anwesenheit in Pullach einem »ganz anderen Zweck« diente.


Allzeit bereit. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am 24. Juli zu Besuch in der General-Heusinger-Kaserne in Hammelburg

 Wegen der unverblümten Benennung dieses Zweckes machte sich der Mann von der CIA bald Sorgen. »Eines Tages fragte ich Heusinger, warum er nicht einen eindeutigeren und weniger schwerfälligen Begriff verwendete als den der ›Remilitarisierung‹«. Critchfield besorgt: »Der Begriff war lang und in gewisser Weise missverständlich und war zudem in Nachkriegsdeutschland negativ belastet.« Warum er denn nicht den Begriff »Wiederbewaffnung« benutze? Hitlers General, noch lange nicht außer Diensten, beschied seinen jungen CIA-Aufpasser: Es seien »gerade die Amerikaner gewesen, die Deutschland und der deutschen Sprache den Begriff Demilitarisierung aufgezwungen hatten«. Heusinger, nun von Kopf bis Sohle ganz der wahre Herr: »Die Umkehr dieses Vorgangs ist logischerweise die Remilitarisierung«.

Aus Heusinger brach der ganze Frust über den verlorenen Krieg heraus: Die deutsche Öffentlichkeit – vor allem die ehemaligen Wehrmachtsangehörigen – sei »einem konsequenten Programm der Demilitarisierung ausgesetzt« gewesen. Angefangen von den »rigorosen Bedingungen der Verfügung 1067 der Vereinten Stabchefs« der USA, die im April 1945 vorsah, dass in dem Krieg, den Hitler den USA erklärt hatte, die Richtlinie gilt: »Deutschland wird nicht besetzt zum Zwecke der Befreiung, sondern als besiegter Feindstaat.«

Und dann auch noch die Bestimmungen von Jalta, Potsdam und des Alliierten Kontrollrats und der Militärregierung. Demilitarisierung, wohin man blickte. Obendrein gab es noch die Kriegsverbrecherprozesse (an denen Heusinger freilich nur als Zeuge und keineswegs als Angeklagter teilnehmen durfte). Nein, so Heusinger zu Critchfield: »Die Remilitarisierung bedurfte eines Wandels in der öffentlichen Meinung.«

An diesem Wandel übte sich genau zur gleichen Zeit der Wehrmachtsleutnant Rudolf Augstein mit einer Beschwörung des toten Volksaufklärungsministers Joseph Goebbels. Ebenfalls unter einem Decknamen, aber ohne Dr., fragt also Augstein alias »Jens Daniel« am 2. Oktober 1948 in seiner ersten Spiegel-Kolumne: »Soll man die Deutschen bewaffnen?«

Er fand einen besonderen Dreh: »Manche Fragen liegen so gefährlich in der Luft, dass niemand sie zu stellen wagt. So tief steckt die Welt noch im Ressentiment, dass lediglich schweizerische Außenseiter den Versuchsballon haben steigen lassen, ob man den Deutschen, dem Volk Hitlers, Waffen in die Hand geben dürfe zur Verteidigung einer Lebensform, die schon Hitler auszulöschen trachtete. Soll man die Deutschen bewaffnen?«
Lügendoktor hat recht behalten

Seine Antwort stützte sich schließlich auf den toten Propagandaminister: »Es ist maßlos traurig, dass der wohlmeinende Pazifismus Nürnberger Prägung schon drei Jahre nach Kriegsende in einer Sackgasse festsitzt. Es ist traurig, aber nicht überraschend. Der kleine Lügendoktor hat mit seiner bösesten Prophezeiung recht behalten. Aber wer den Kopf ressentimental in den Sand steckt, den überrollen die Panzer.« Den überrollen die Panzer. Das wusste der wohlunterrichtete Spiegel-Chef. Woher?

James Critchfield schrieb über Gehlen: »Er war derjenige, der Fremde Heere Ost als eine Trumpfkarte ansah, die es auszuspielen galt, um eine goldene Brücke nach Westen in ein antibolschewistisches Bündnis zu bauen, mit dem Westeuropa verteidigt werden konnte.« Gehlen habe von Anfang an »eine ganze Anzahl junger erfahrener Generalstabsoffiziere um sich geschart, die nur zeitlich begrenzt mit dem einen Ziel in die Organisation Gehlen eintraten, erneut die militärische Laufbahn zu beschreiten«.

Über Heusinger: »Die ›Organisation Gehlen‹ war für Heusinger die ideale Ausgangsbasis und ein geschütztes und politisches Umfeld gewesen, in dem er die Grundlagen für die Wiederbewaffnung vorbereiten konnte.«

Streng geheim: »Alle in der Organisation Gehlen angestellten Wehrmachtsoffiziere waren während ihrer Tätigkeit in Pullach mit einer eigenen Legende ausgestattet und den dazugehörigen Papieren versehen worden.«

Eine Scheinidentität: »Die offiziellen Unterlagen der Bundeswehr sagen zum Beispiel über General Adolf Heusinger aus, dass er sich in den Jahren 1948 bis 1951 als Schriftsteller betätigte, seine Stellung innerhalb der ›Organisation Gehlen‹ wird nicht erwähnt.« Diese Untergrundtätigkeit zur Remilitarisierung Westdeutschlands unterschlägt die Webseite der Bundeswehr in ihren biographischen Angaben zu Heusinger bis heute.

Und da haben wir das magische Dreieck für die Zeit nach der »Katastrophe« von 1945: Generaloberst Halder, der nunmehrige Geschichtsschreiber: Er beweist, dass die Wehrmacht nur durch Hilters Pfusch am Endsieg gehindert wurde. Generalleutnant Heusinger, der im Untergrund die Wehrmacht als neue Bundeswehr wiederaufbaute. Und Generalmajor Gehlen, der den dazugehörigen Kalten Krieg erst so richtig ermöglichte.

Sorgfältig hatte der Chef von Fremde Heere Ost von allen Aussagen, die er aus gefangenen Sowjetsoldaten für jedes Bedürfnis herausfoltern ließ, Kopien angefertigt und versteckt. Er lief im Mai 1945 mit seinen Leuten zu den US-Amerikanern über und erzählte ihnen, dass 175 frische sowjetische Divisionen bereitstünden, um – zunächst – bis zum Atlantik vorzustoßen. Die US-Militärs, die wenig Erkenntnisse über die Sowjets hatten, schluckten das – einige begierig. Die Organisation Gehlen und der Kalte Krieg waren geboren. Im Schutz der von der CIA geführten Organisation Gehlen machte sich Heusinger ans Werk, ein Jahr bevor es überhaupt eine Bundesrepublik Deutschland gab.

Desgleichen Augstein. Gleich nach seiner Kolumne vom Lügendoktor, der doch recht behalten hat, machte sich Augstein auf den Weg zu den auf freiem Fuß befindlichen Nazigeneralen, um zu erkunden, was man tun könne. An einem Novemberabend im Jahr 1948 fiel er unangemeldet in Adenauers Haus ein und meldete: Alle von ihm konsultierten deutschen Militärs seien übereinstimmend der Meinung, dass 30 deutsche Divisionen nötig seien. »Das ist auch meine Schätzung«, antwortete Konrad Adenauer, der damals noch nicht Bundeskanzler, sondern als Präsident des Parlamentarischen Rates oberster Volksvertreter war. »Die neue deutsche Armee wurde nicht gegründet, um den Bonner Staat zu schützen, sondern der neue Staat wurde gegründet, um eine Armee gegen die Sowjets ins Feld zu stellen ...« Das schrieb Augstein 1961 in dem Sammelband »Bilanz der Bundesrepublik«.

Ursula von der Leyen, die Ministerin zu ihrer Verteidigung, die gerade noch Fisimatenten machen wollte, wird nach ihrer Hammelburg-Visite von voriger Woche in ihrem wohlverstandenen Interesse Adolf Heusinger weiterhin als den legitimen Vater der Deutschen Bundeswehr anerkennen müssen.

Entscheidendes aber blieb Heusinger versagt. Er fuhr – wohlverdient – am 30. November 1982 zur Hölle. Den Ausbruch der Armee der Einheit durfte er nicht mehr miterleben. Auch nicht ihren ersten großen Sieg in dem von Adolf Hitler eröffneten und von Gerhard Schröder und Joseph Fischer weitergeführten Krieg zur Zerschlagung Jugoslawiens. Das wäre seinen brechenden Augen eine große Freude gewesen. Denn war es nicht so, dass die Notwendigkeit, Jugoslawien zu bestrafen, den von Heusinger ebenfalls ausgearbeiteten Feldzug um entscheidende Wochen hinauszögerte? Wochen, in denen General Winter sich dann auf die Seite Stalins schlug – Moskau in Sichtweite der deutschen Truppen blieb unerreichbar.
https://www.jungewelt.de/artikel/315736.l%C3%A4ngerer-hals-erw%C3%BCnscht.html

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« Antworten #29 am: 07. August 2017, 07:23:51 »

Zitat
Aus braunem Geist erschaffen

Die Bundeswehr wurde von Generälen Hitlers von Anfang an als Aggressionsarmee aufgebaut. Es ging und geht um die Verwirklichung der Expansionsziele des deutschen Imperialismus

Von Gerhard Feldbauer


»Ein Unrechtsregime, wie das Dritte Reich, kann Tradition nicht begründen«, heißt es im gültigen Traditionserlass der Bundeswehr von 1982, der die Bezüge auf Hitlers Armee zurückweist. Das von der Wehrmacht verwendete »Schwarze Kreuz« gilt leicht verändert dennoch weiterhin als Hoheitszeichen der Bundeswehr …

Um den in jüngster Zeit wieder bekannt gewordenen Zuständen über die braune Vergangenheit ihrer Truppe zu entgegnen, behauptete Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, der Widerstand der Offiziere um Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der am 20. Juli 1944 das Attentat gegen Hitler ausführte, sei das Fundament der Bundeswehr seit ihrer Gründung im Jahre 1955. Mit dieser infamen Lüge betätigt sich von der Leyen als Geschichtsfälscherin. Denn außer einer 1961 im baden-württembergischen Sigmaringen nach Stauffenberg benannten Kaserne, die 2014 aufgelöst wurde, spielte dieser in der Traditionspflege der Bundeswehr bisher kaum eine Rolle. Im Gegenteil berief sich noch 2010 ein vom Heeresamt der deutschen Streitkräfte herausgegebenes Handbuch mit »Hilfen für den Gefechtsdienst« fast ausschließlich auf Operationen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Angeführt wurde dort unter anderem SS-Obersturmbannführer Paul Karl Schmidt (Paul Carell), bis 1945 ­Pressechef im Auswärtigen Amt Joachim von Ribbentrops. Und auch das mittlerweile im »Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften« aufgegangene »Militärgeschichtliche Forschungsamt« der Bundeswehr bezog sich in einem »Wegweiser« für die deutschen Besatzungstruppen in Afghanistan positiv auf Hitler-Militärs. Über den glühenden Antisemiten und Afghanistan-Reisenden Oskar Ritter von Niedermayer hieß es dort, er repräsentiere die »guten deutsch-afghanischen Beziehungen« vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg.

Der Geist und die Praxis der Armee, deren Aufstellung schon kurz nach der Entstehung der Bundesrepublik eingeleitet wurde, wurde von ihren Gründervätern bestimmt. Zu ihnen gehörte Hitler-General Hasso von Manteuffel, der im November 1949 Bundeskanzler Konrad Adenauer eine Studie zur Aufstellung einer Armee aus kriegserfahrenen ehemaligen Wehrmachtssoldaten übergab. Im August 1950 übernahm der frühere General der Panzertruppen, Gerhard Graf von Schwerin, die zentrale Planung. Zwei Monate später beauftragte Adenauer seinen Parteifreund, Wehrmachtsoberstleutnant Theodor Blank, das nach ihm benannte Amt zur Leitung des Aufbaus einer neuen Wehrmacht zu bilden. Im Juni 1955 – sieben Monate vor den entsprechenden Maßnahmen in der DDR – wurde es zum Verteidigungsministerium. Im Bundestag gab Blank die geplante Stärke der Streitkräfte mit 370.000 Mann beim Heer, 70.000 bei der Luftwaffe, 24.000 bei der Marine und 40.000 Soldaten bei der Territorialarmee, der bis 1969 bestehenden, vierten Teilstreitkraft, bekannt. Es wurden weitere 44 ausgewählte ehemalige Wehrmachtsgeneräle eingestellt, vorwiegend Generalstabsoffiziere, kommandierende Generäle oder Divisionskommandeure, die bis 1945 zur jüngeren Wehrmachtselite gehört hatten. Adolf Heusinger und Hans Speidel wurden zu Generalleutnanten ernannt. Alle 104 zu dieser Zeit in der Bundeswehr aktiven Generäle und Admirale hatten unter Hitler gedient.

Militaristen und Nazis

Zu den Gründungsvätern der Bundeswehr zählten fanatische Militaristen wie Heinz Trettner, Johann Adolf Graf von Kielmansegg oder Karl-Adolf Zenker. Hermann Görings Jagdflieger in der Legion »Condor«, Johannes Trautloft, baute die Bundesluftwaffe mit auf. Er wurde kommandierender General der Luftwaffengruppe Süd und erhielt zum Spanienkreuz in Gold das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern. Er gründete die Traditionsgemeinschaft »Legion Condor«, deren Wirken, »der bundesdeutschen Jugend als Vorbild dienen« sollte. In seinen Memoiren »Als Jagdflieger in Spanien« ist von »uralten Jagdinstinkten«, die durchgebrochen seien, die Rede. Nach Tieffliegerangriffen auf Toledo beschrieb er, wie MG-Garben in den Feind einschlugen und Lastwagen sich überschlugen. »Wohl nichts vermag den Soldaten tiefer zu befriedigen als der Anblick einer kopflosen, panischen Flucht des Feindes.«

Zum Vergleich sei angeführt, dass in der Nationalen Volksarmee und vorher der Kasernierten Volkspolizei der DDR (denen man gerne vorwirft, sie wären ebenfalls mit einem hohen Anteil an Angehörigen der Wehrmacht aufgebaut worden), zwischen 1948 und 1958 neun Wehrmachtsgeneräle dienten. Von den über 18.000 Offizieren waren 1956 nur noch rund 540 zuvor bei der Wehrmacht gewesen. 1959 waren es noch 163. Bis 1964 reduzierte sich deren Zahl im aktiven Dienst auf 67. In der BRD kam dagegen noch 1979 jeder zweite der 215 aktiven Generäle und Admirale aus der Wehrmacht. Ganz zu schweigen vom entgegengesetzten Geist, der in beiden Armeen herrschte.

Wehrmachtsoffiziere gibt es in der Bundeswehr heute nicht mehr. Das Problem hat sich auf biologische Weise gelöst. Geblieben ist die unbewältigte braune Vergangenheit, von der Kasernennamen, Lieder und andere Traditionen sowie der an neue Generationen weitergegebene faschistische Ungeist, der sich immer wieder bemerkbar macht, zeugen. Das zeigte sich auch, als 1990 mit dem Anschluss der DDR 299 Namen insbesondere von Antifaschisten getilgt wurden, nach denen zuvor Kasernen benannt gewesen waren, darunter Rudolf Breitscheid, Wilhelm Leuschner, Harro Schulze-Boysen, Arvid Harnack. Und »natürlich« Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Zu ihnen gehörte auch der Name des Kommunisten Hans Beimler, der nach der Flucht aus dem KZ Dachau zur Verteidigung der Republik gegen die Franco-Faschisten und ihre deutschen Helfershelfer nach Spanien ging, wo er am 1. Dezember 1936 vor Madrid fiel.

Kriegsverbrecher

Mit ihrem alten Truppenabzeichen, dem Edelweiß dagegen wurde die 1. Gebirgsdivision in die Bundeswehr übernommen. Der frühere bayerische Ministerpräsident, Edmund Stoiber, der seinen Grundwehrdienst bei den Gebirgsjägern abgeleistet hatte, lobte »ihre Leistungen in Vergangenheit und Gegenwart«. Zu diesen »Leistungen« gehören die im September 1943, nach dem Ausscheiden Italiens aus dem faschistischen Bündnis mit Hitlerdeutschland, auf der griechischen Insel Kefalonia an ihre Entwaffnung verweigernden italienischen Soldaten und Offizieren begangenen Kriegsverbrechen. Als die Division »Acqui« am 22. September kapitulierte, wurden der Divisionskommandeur und 189 Offiziere sowie über 5.000 Soldaten niedergemetzelt. Der Freiburger Militärhistoriker Gerhard Schreiber betonte in seinem Buch »Deutsche Kriegsverbrechen in Italien«, es habe sich um »eines der abscheulichsten Kriegsverbrechen in der Geschichte des Zweiten Weltkrieges« gehandelt. Der Internationale Militärgerichtshof in Nürnberg stellte fest, die italienischen Truppen, die sich der Entwaffnung widersetzten, »erfüllten hinsichtlich ihres Status als Kriegführende alle Bedingungen der Haager Konvention«. Der kommandierende General des XXII. Gebirgsarmeekorps, Hubert Lanz, wurde 1948 in Nürnberg als Kriegsverbrecher zu zwölf Jahren verurteilt. Er büßte davon nur fünf ab.

Bei der 1. Gebirgsdivision der Bundeswehr reihte man Lanz ohne mit der Wimper zu zucken in die eigene Traditionslinie ein. Major Reinhold Klebe, unter dessen Kommando in Kefalonia 400 Gefangene ermordet wurden, brachte es als Oberstleutnant sogar bis zum Standortältesten von Mittenwald. In der Zeitschrift Die Gebirgstruppe rühmte er den Einsatz auf der griechischen Insel »als eine große Leistung deutscher Truppen im Gebirgskrieg«. Der erste Generalstabsoffizier der Edelweiß-Division Hitlers, Karl Wilhelm Thilo, wurde Drei-Sterne-General. Unter den unzähligen deutschen Verantwortlichen für Kriegsverbrechen, die straffrei ausgingen, befanden sich auch 300 Gebirgsjäger, gegen die 1972 die Ermittlungen eingestellt wurden. Der frühere Wehrmachtsoberst Albert Schnez, der zum Generalleutnant und Heeresinspekteur der Bundeswehr aufstieg, forderte noch im Dezember 1969 öffentlich, die »Kampfbataillone und -kompanien des letzten Krieges« als »Vorbild« der Bundeswehr anzuerkennen.

»Kriegsschule Vietnam«


Die große Stunde kam für die Bundesrepublik und ihre neue Wehrmacht mit dem Krieg der USA gegen Vietnam. Nach zwei verheerenden Niederlagen in von ihm angezettelten Weltkriegen wollte sich der deutsche Imperialismus als Hauptverbündeter der USA profilieren, seine Rolle in der NATO stärken, die Aufhebung noch vorhandener Rüstungsbeschränkungen durchsetzen sowie Mitspracherechte und Verfügungsgewalt über Atomwaffen erlangen. Im Rahmen der US-Strategie des »Rollback« des Sozialismus konnte die Bundesrepublik ihre eigenen revanchistischen Expansionsziele, die sich auf die DDR und andere »verlorene« Ostgebiete erstreckten, vertreten und, wie Die Welt am 23. Mai 1964 schrieb, dazu in Vietnam »lernen, wie heute Kriege geführt werden«. In der Zeitschrift Wehr und Wirtschaft, sprach man im August 1965 von der »Kriegsschule Vietnam«, dem »Probefall Vietnam«, der zu »waffentechnischen Überlegungen« anrege und Erfahrungen beispielsweise darüber vermittle, wie heute »taktischer Luftkrieg am besten« geführt werde. Die Welt empfahl am 11. August 1965, sich angesichts anhaltender Niederlagen der US-Armee »an die grobe Faustregel des Panzergenerals Guderian (zu) halten: nicht kleckern, klotzen!« Bundespräsident Heinrich Lübke, am Bau der faschistischen Konzentrationslager beteiligt, gratulierte US-Präsident Lyndon B. Johnson zu den ersten Terrorangriffen auf Hanoi am 29. Juni 1966 und wünschte, der Luftterror möge »von Erfolg gekrönt sein«. Wirtschaftswunder-Kanzler Ludwig Erhard ließ am 1. Juli 1966 »alle Maßnahmen der Amerikaner« gutheißen. Springers Westberliner B. Z. schrieb am 18. Juli, notwendig sei »ein kompromissloser Krieg, der auch vor Fabriken, Häfen, Bewässerungsanlagen und Staudämmen nicht mehr halt macht«. So wurde schon rund vier Jahrzehnte zuvor der Boden für kriegsverbrecherische Befehle bereitet, wie sie der 1961 geborene Bundeswehr-Oberst Georg Klein im September 2009 in Kundus zur Ermordung von mehr als 142 Menschen, vor allem Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder, erteilte.

Als Verteidigungsminister sprach sich der frühere SA-Mann Gerhard Schröder von der CDU laut Spiegel (4/1966) »für eine Entsendung deutscher Soldaten auf den fernöstlichen Kriegsschauplatz« aus. Der Hessische Rundfunk meldete danach am 22. Februar, die Bundesrepublik wolle zwei Divisionen nach Vietnam schicken. Wenn es nicht dazu kam, war das einzig und allein auf die zunehmende westdeutsche Solidaritätsbewegung und die Proteste auch auf internationaler Ebene gegen den verbrecherischen Krieg zurückzuführen.


… und auch die zahlreichen Skandale, die eine aktive Traditionspflege mit Bezug auf die Wehrmacht in Teilen der Bundeswehr belegen, sprechen eine andere ­Sprache – großer Zapfenstreich anlässlich der Verabschiedung von General Werner Freers am 27.6.2017 in Berlin

 Verdeckt beteiligte sich die Bundesrepublik dennoch am Vietnamkrieg. Das US-Magazin Time berichtete am 23. Juli 1965 über »deutsche Piloten« in Vietnam. Drei Tage später bestätigte dies auch eine »Panorama«-Sendung der ARD, gestützt auf Äußerungen einer Mutter, deren Sohn als Fliegeroffizier vom Februar bis April 1965 in Vietnam eingesetzt war. Die Zahl der Angehörigen der Luftwaffe, die Angriffe in Vietnam flogen, wurde zu dieser Zeit auf 121 beziffert. Personal der Luftstreitkräfte hatte dazu nach Beginn des Luftkrieges gegen die Demokratische Republik Vietnam vom Herbst 1964 bis Februar 1965 eine Spezialausbildung in den USA absolviert. Die Pariser Tageszeitung Le Monde berichtete am 8. September 1965 über Werbung in Bundeswehr-Kasernen für den Kriegseinsatz in Vietnam. Einfachen Soldaten werde ein Monatssold von 2.000 DM geboten und schnelle Beförderung versprochen, hieß es. Die Deutsche Presse-Agentur meldete am 2. August 1966, dass eine »Anzahl deutscher Staatsbürger in den amerikanischen Einheiten in Südvietnam eingesetzt« sei. United Press International informierte am 12. Januar 1966, der Einsatz gehöre zu einem vom Kabinett Ludwig Erhards beschlossenen »breit angelegten Hilfsprogramm für Südvietnam«. Der in Bonn erscheinende Informationsdienst RF-World News bestätigte am 8. Februar 1966, dass sich zu diesem Zeitpunkt rund 2.500 westdeutsche Techniker in Südvietnam befanden, darunter zahlreiche Angehörige der Bundeswehr. Als der Generalinspekteur der Luftwaffe, Johannes Steinhoff, Ritterkreuzträger und Geschwader-Kommandeur Görings, im Februar 1967 die USA besuchte, sagte er einen weiteren verstärkten Einsatz westdeutscher Piloten in Vietnam zu. Danach schickte Bonn u. a. 40 Kampfhubschrauber samt Flugpersonal für den Kriegseinsatz in Fernost.

»Erschießt sie alle!«

Einem AP-Bericht mit Fotos vom 7. Februar 1967 war zu entnehmen, wie ein Rudolf Heinrich aus Westberlin als Captain der 1. US-Infanteriedivision an der Vernichtung von Dörfern und der Liquidierung und Vertreibung von Einwohnern bei Saigon teilnahm. In der Illustrierten Quick schilderte im März 1966 ein Dierk Piffko aus München die »Durchsuchung« eines Dorfes: »Wir stießen auf ein altes Ehepaar, einer von uns schoss auf sie, wohl aus Langeweile oder wie jemand, der auf Hasenjagd geht. Ich schrie: Macht keine Gefangenen, erschießt sie alle!«.

Eine Panorama-Sendung vom 28. Februar 1966 berichtete, das Personal des deutschen Lazarettschiffes »Helgoland« nehme mit amerikanischen Offizieren in Hubschraubern zum »Sonntagsvergnügen« an »Vietcong-Jagden« teil. Auch der chemische Krieg in Vietnam wurde von der Bundesrepublik unterstützt. In ihrer Juli-Ausgabe 1966 schrieb die Londoner Zeitschrift Eastern World über die Mitarbeit westdeutscher Chemiker und Bakteriologen, u. a. von den Farbwerken Hoechst AG, in einer Sondereinheit der US-Armee, die in Südvietnam ein mobiles Forschungsinstitut für bakteriologische und chemische Kriegführung betrieb, das am »lebenden Objekt« neue Kampfstoffe teste. Auch Eastern World erwähnte das Lazarettschiff »Helgoland«, auf dem, in den Bordlisten als Sanitätspersonal getarnt, eine Gruppe westdeutscher Chemiker und Bakteriologen, die in Wirklichkeit zu der amerikanischen Sondereinheit gehörten, tätig sei. Die Pariser France Nouvelle hatte am 6. Juli 1965 berichtet, dass die Bayer AG den USA mehrere Patente für die Herstellung chemischer Kampfstoffe verkauft und über ihre US-Filiale Chamagro Corporation in Kansas City auch direkt Giftstoffe lieferte, die das US-Chemical-Corps in Vietnam einsetze.

1990: Die Schranken fallen

Seit dem Ende der DDR geht von deutschem Boden wieder Krieg aus, was im nachhinein die friedenssichernde Rolle des sozialistischen deutschen Staates verdeutlicht. Bereits im September 1991 trafen sich auf einem »Fürstenfeldbrucker Symposium« führende Vertreter der Industrie- und Bankenwelt mit hochrangigen Generälen der Bonner Hardthöhe, um das neue Expansionsprogramm zu beraten. Es verkündete die Rückkehr zu weltweiter Aggressionspolitik als Wiederherstellung der »Normalität« Deutschlands und umschrieb die Teilnahme am Kampf um den Weltherrschaft als »Partner in Leadership« mit den USA. Unmissverständlich war von Militäreinsätzen der Bundeswehr »Out of Area« die Rede, von ihrer Umstrukturierung zur Herstellung der Einsatzfähigkeit entlang einer 4.000 Kilometer langen EU-Außengrenze, der Bildung eigener Eingreifkräfte, die bei der Durchsetzung des »Selbstbestimmungsrechts« von Minderheiten und »unterdrückten« Völkern helfen sowie sich der Sicherung von Rohstoffzufuhren, der Abwehr von Immigrationswellen und diversen ähnlichen Problemen zuwenden sollten. Dazu wurde ein neues Geschichtsbild gefordert. Der damalige Außenminister und frühere Bundesnachrichtendienst-Chef Klaus Kinkel formulierte, dass es um die Verwirklichung der alten deutschen Weltherrschaftspläne ging. »Im Inneren müssen wir wieder ein Volk werden, nach außen gilt es etwas zu vollbringen, woran wir zweimal zuvor gescheitert sind: Im Einklang mit unseren Nachbarn zu einer Rolle zu finden, die unseren Wünschen und unserem Potenzial entspricht«, zitierte ihn die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 19. März 1993.

Den Worten folgten Taten. Mit der einseitigen völkerrechtlichen Anerkennung der Abspaltung Kroatiens und Sloweniens ging von der BRD die Initiative zur Zerschlagung Jugoslawiens aus. Die Weigerung von Präsident Slobodan Milosevic, das Abkommen von Rambouillet zu unterzeichnen, wurde zum Vorwand des Luftkrieges der NATO gegen Jugoslawien genommen. Am 6. April 1999, dem 55. Jahrestag der Bombardierung Belgrads durch Hitlers Luftwaffe, beteiligten sich deutsche »Tornados« mit dem Balkenkreuz an den Angriffen auf die jugoslawische Hauptstadt. In der Bergbaustadt Aleksinac wurden die Minenarbeiter und deren Familien angegriffen und ein ganzes Wohnviertel dem Erdboden gleichgemacht. Auch auf Novi Sad, Nis, Pristina und andere Städte ging ein Hagel von Bomben und Raketen nieder. Mit der Zerstückelung Jugoslawiens wurde nicht nur ein vom Westen bis dahin gepriesenes, weil »von Moskau unabhängiges« Sozialismusmodell zerschlagen, sondern auch ein Staat beseitigt, der für Neutralität stand und eine bedeutende Rolle unter den Nichtpaktgebundenen Staaten spielte sowie über großen Einfluss in der »Dritten Welt« verfügte.

Danach stellte die BRD für den völkerrechtswidrigen »Präventivkrieg« der USA gegen Irak ihr Territorium zur Verfügung. 25 US-Stützpunkte konnten logistisch für den Transport von 40.000 GI genutzt werden. Darunter Ramstein, der größte Umschlagplatz der U.S.-Air Force in Europa, die Rhein-Main-Airbase, die zweite US-Luftdrehscheibe, Spangdahlem in der Eifel. Die Luftwaffe stationierte im türkischen Incirlik AWACS-Maschinen (die derzeit wegen des Konflikts mit Recep Tayyip Erdogan nach Jordanien verlegt werden), lieferte der Türkei, einer Aufmarschbasis gegen den Irak, »Patriot«-Luftabwehrraketen, unterstützte die Besatzungstruppen mit ihren ABC-Spürpanzern »Fuchs« in Kuwait, gewährte mit der Bundesmarine Geleitschutz für US-Kriegstransporte und ließ die 62 Kasernen und Militäreinrichtungen der rund 70.000 US-Soldaten in der BRD durch 3.700 Bundeswehr-Angehörige bewachen.

Interventionsarmee

Und so ging und geht es weiter. Die Bundeswehr ist heute weltweit in zirka 30 Ländern an völkerrechts- und grundgesetzwidrigen Kriegseinsätzen beteiligt, darunter in Kosovo (Kfor), in Bosnien und Herzegowina (Eufor), am Horn von Afrika (»Enduring Freedom«), in Äthiopien, Eritrea, Sudan, Somalia, Mali (wo gerade wieder zwei Bundeswehr-Soldaten ums Leben kamen). Deutsche Militärs stehen in Polen und Litauen an den Grenzen Russlands und in Georgien. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler brüstete sich zum 50. Jahrestag der Bundeswehr, dass die Truppe seit 1992 bei neun Einsätzen 150.000 Soldaten ins Ausland geschickt habe, die Hälfte davon nach Afghanistan. Mit diesen »Operationen« agiert die BRD als führende und treibende Kraft der EU mit dem Ziel, den Staatenbund mit 450 Millionen Menschen und fast einem Viertel der Weltwirtschaftskapazität in eine Militärallianz mit einer weltweit interventionsfähigen schnellen Einsatztruppe zu formieren, um den USA in absehbarer Zeit im Kampf um die Weltherrschaft Paroli zu bieten. Es ist eine Entwicklung, die die Gefahr eines Dritten Weltkrieges heraufbeschwört.
https://www.jungewelt.de/artikel/315667.aus-braunem-geist-erschaffen.html
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« Antworten #30 am: 17. August 2017, 13:39:42 »

Zitat
KSK-Eliteeinheit:
Hitlergruß und fliegende Schweineköpfe

Gegen Soldaten der Eliteeinheit KSK wird ermittelt: Sie sollen während einer Party den Hitlergruß gezeigt und Rechtsrock gehört haben. Es kam auch zu bizarren Spielen.


Die Bundeswehr ermittelt intern wegen angeblicher rechtsradikaler Vorfälle bei ihrer Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK). Während einer Abschiedsfeier für einen KSK-Kompaniechef im April 2017 sollen Soldaten den Hitlergruß gezeigt sowie Rechtsrock gehört haben und ein Schweinskopfwerfen veranstaltet haben. Das ergaben Recherchen von Y-Kollektiv, dem jungen Reportageformat von funk, Radio Bremen und dem NDR-Magazin Panorama. Die Bundeswehr hat die Ermittlungen gegenüber den Journalisten bestätigt.

Auch die Staatsanwaltschaft Tübingen hat Ermittlungen wegen angeblicher rechtsextremistischer Handlungen eingeleitet. Das sagte deren Leiter Michael Pfohl. Er habe erst durch den Medienbericht von den Vorfällen erfahren. Nun müsse ermittelt werden, wo sich die Vorfälle ereignet haben, um die Zuständigkeit zu klären.     

Die Bundeswehr bestätigte, dass es bei der Abschiedsfeiern einen Parcours unter dem Motto römisch-mittelalterliche Spiele gegeben habe. Zu den Aufgaben zählten unter anderem Bogenschießen und das Werfen von Schweineköpfen. Eine Augenzeugin berichtete Panorama, vier Soldaten hätten danach am Lagerfeuer bei Rechtsrock der Band Sturmwehr und unter Alkoholeinfluss den Hitlergruß gezeigt, darunter der Kompaniechef. Diesen Teil der Feier bestätigte die Bundeswehr den Journalisten nicht: "Nach dem bisherigen Ermittlungsstand haben sich ihre Vorwürfe auf verfassungsfeindliche Äußerungen in Wort, Bild oder Tat nicht bestätigt."

Bei der Feier sollen die Soldaten eine junge Frau eingeladen haben, die als "Hauptpreis" mit dem scheidenden Kompaniechef einvernehmlichen Sex haben sollte. Diese junge Frau wandte sich später an die Journalisten und berichtete von den Soldaten, die den Hitlergruß zeigten und Rechtsrock hörten. Die Augenzeugin hatte sich laut Panorama bereits während der Abschiedsfeier über die rechten Vorfälle empört und anwesende Soldaten angesprochen. Diese hätten demnach versucht, das Problem klein zu reden. Einige ihrer Angaben konnte die junge Frau laut Panorama mit WhatsApp-Nachrichten der Soldaten und Flugtickets belegen.

Das Kommando Spezialkräfte ist eine Eliteeinheit der Bundeswehr, die 1996 vor allem für die Befreiung und Evakuierung deutscher Geiseln in Krisengebieten gegründet wurde und stets geheim operiert. Sie war in den vergangenen 20 Jahren in Afghanistan und auf dem Balkan im Einsatz.
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-08/ksk-eliteeinheit-bundeswehr-hitlergruss-rechtsrock-ermittlungen
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« Antworten #31 am: 23. August 2017, 17:25:10 »

Zitat
Braune Nostalgie beim KSK – keine Überraschung!

Die ARD-Sendung Panorama berichtet von einer Abschiedsfeier für den Kompaniechef Pascal D. des Kommandos Spezialkräfte (KSK) am 27. April dieses Jahres. Demnach habe der verabschiedete Soldat auf der Feier auf einem Schießstand nahe Stuttgart einen Parcours – u.a. mit Bogenschießen und Schweinskopfwerfen – absolvieren müssen und sollte anschließend „als Hauptpreis“ Sex mit einer Frau haben, die extra zu diesem Zweck eingeladen worden war. Soweit bestätige die Bundeswehr den Vorfall, so Panorama. Zum Sex sei es jedoch nicht gekommen, weil der Betreffende zu betrunken gewesen sei. Dies wurde von der Bundeswehr offiziell bestätigt. Darüber hinaus berichtet die Frau jedoch, dass auf der Feier auch rechtsradikale Musik der neonazistischen Band Sturmwehr gespielt und der Hitlergruß gezeigt worden sei. Von den etwa 60 anwesenden Soldaten habe dies niemanden gestört. Vielmehr hätten die textsicheren Elite-Kämpfer „euphorisch“ mitgegrölt. Dies wollte die Bundeswehr nicht bestätigen, leitete jedoch entsprechende interne Ermittlungen ein. Auch die Staatsanwaltschaft Tübingen ermittelt mittlerweile.

Diese Vorfälle sind entlarvend, jedoch keineswegs überraschend. Die im Geheimen agierende Spezialeinheit der Bundeswehr fiel schon mehrfach durch Skandale und Äußerungen auf, die zeigen, dass rechtes Gedankengut unter den KSK-Soldaten durchaus verbreitet zu sein scheint.

KSK-Kommandeur auf rechten Abwegen

Der ideologische Unterbau für Hitlergrüße bei internen Feiern kommt von ganz oben: Kommandeure des KSK propagieren ein dubioses Traditionsverständnis innerhalb der Einheit. Ausführlich äußerte sich hierzu Reinhard Günzel, der drei Jahre lang Kommandeur des KSK war und 2003 entlassen wurde. Grund hierfür war ein Brief Günzels, in dem er antisemitische und  den Holocaust relativierende Aussagen des damaligen CDU-Abgeordneten Hohmann lobte. Günzel steht der rechtspopulistischen Partei Pro NRW nahe. Nach seiner Entlassung trat er mehrfach in rechten Kreisen als Referent auf. Günzel kritisiert in dem u.a. von ihm herausgegebenen Buch „Geheime Krieger“ die Umbenennung von Kasernen mit Wehrmachtbezug. Dies verhindere Traditionsbewusstsein und Korpsgeist innerhalb der Bundeswehr. Er wünscht sich einen stärkeren traditionellen Bezug auf die Wehrmacht. Deshalb begrüßt er auch die „intensive[n] Kontakte“ zum „Kameradenhilfswerk der 78. Sturm- und Infanteriedivision“ der Wehrmacht. Auch ein Verbotserlass des Verteidigungsministeriums habe nichts an der Freundschaft geändert, die inoffiziell weiterhin gepflegt werde.

Eine besondere Verbundenheit bestehe Günzel zufolge zur NS-Spezialeinheit „Brandenburger“, welche an Kriegsverbrechen der Wehrmacht beteiligt war und Partisanen auf dem Balkan mit besonderer Grausamkeit bekämpfte. Die Kommandosoldaten wüssten genau, wo ihre Wurzeln liegen: „Die Einsätze der ‚Brandenburger‘, der Vorläufer […] des KSK, gelten in der Truppe als geradezu legendär. Die Operationen der Division ‚Brandenburg‘ sind Lehrbeispiele erfolgreicher Kommandoeinsätze.“ Er selbst pflege langen freundschaftlichen Kontakt mit dem „Brandenburger“ und Ritterkreuzträger Wilhelm Walther. Das Selbstverständnis der deutschen Kommandotruppen habe sich seit dem Zweiten Weltkrieg nicht geändert. Den „Brandenburgern“ ist in Günzels Buch ein eigenes, 38-seitiges Kapitel gewidmet, was die hohe traditionsstiftende Bedeutung deutlich zu Tage treten lässt. Auch zu latent antidemokratischen Äußerungen ließ sich Günzel in „Geheime Krieger“ hinreißen. So sei „die größte Herausforderung des KSK nicht der äußere Feind, sondern […] die Widrigkeiten des bundesrepublikanischen Alltags“.

Seit der Entlassung Günzels vor 14 Jahren scheint sich bezüglich reaktionärer Haltungen in der Führungsebene nichts geändert zu haben. Zeit Online meldete am 18. August 2017, dass der stellvertretende Kommandeur des KSK, Oberst Thomas B., versetzt werden solle, weil sich eine zivile Beschäftigte über frauenfeindliche Witze, Drohungen und andere verbale Entgleisungen beschwert habe.

Haufenweise Einzelfälle

Das rechte Gedankengut, das von den Kommandeuren zum Zweck der Traditionspflege durchaus erwünscht zu sein scheint, offenbart sich auch im Alltag des KSK, was an mehreren Fällen, die zufällig öffentlich wurden, ersichtlich wird.

Als sich die Soldaten des KSK im November 2001 auf der omanischen Halbinsel Masirah auf ihren Einsatz in Afghanistan vorbereiteten, fielen sie dadurch auf, dass sie auf ihren Geländewägen das nachgemachte Palmensymbol von Adolf Hitlers deutschem Afrika-Korps sprühten. Fahrzeuge mit diesem Symbol seien auch in der KSK-Kaserne in Calw von einem KSK-Angehörigen gesehen worden. Dabei wurde lediglich das Hakenkreuz durch das Bundeswehremblem ersetzt – der positive Bezug auf die Wehrmacht war dennoch eindeutig.

Der Deutsch-Türke Murat Kurnaz aus Bremen war 2001 – etwa zeitgleich – in Pakistan fälschlicherweise festgenommen worden. Ihm konnte auch nach mehrjähriger Haft in Guantanamo kein Verbrechen nachgewiesen werden. Kurnaz beschuldigt KSK-Soldaten, ihn Anfang 2002 in einem US-Gefangenenlager im afghanischen Kandahar gefoltert zu haben. Strafverfahren gegen KSK-Angehörige, die Kurnaz auf Bildern identifizieren konnte, wurden zweimal aufgrund mangelnder Beweise eingestellt. Diverse Unterlagen seien „auf mysteriöse Art und Weise versehentlich“ vernichtet worden, so sein Anwalt. Inwiefern neben einer prinzipiell menschenverachtenden Einstellung auch Fremdenfeindlichkeit innerhalb des KSK eine Rolle gespielt haben könnte, bleibt auch nach einem Untersuchungsausschuss des Bundestags offen.

Auch der bundeswehrkritische Oberstleutnant Jürgen Rose bekam die rechts-fanatische Einstellung seiner Kollegen vom KSK zu spüren. In einer an ihn adressierten E-Mail, die am 22.3.2008 von Spiegel Online in Auszügen veröffentlicht wurde, beschimpft und bedroht der KSK-Hauptmann Daniel K. den Soldaten, der sich zuvor kritisch über die Bundeswehr geäußert hatte: „Ich beurteile Sie als Feind im Inneren und werde mein Handeln danach ausrichten, diesen Feind im Schwerpunkt zu zerschlagen. […] Sie werden beobachtet, nein nicht von impotenten instrumentalisierten Diensten, sondern von Offizieren einer neuen Generation, die handeln werden, wenn es die Zeit erforderlich macht.“ Der Brief endet mit dem Schlusssatz „Es lebe das heilige Deutschland“, was das rechtsextreme Gedankengut innerhalb des KSK abermals verdeutlicht. Gegen Daniel K. wurde eine einfache Disziplinarmaßnahme verhängt. Worin diese Disziplinarmaßnahme bestehen soll, ist nicht bekannt.

All dies zeigt, dass offen rechtsextreme Vorfälle, wie Hitlergrüße auf internen Feiern keineswegs Einzelfälle sein dürften. Vielmehr ist das KSK strukturell rechtsextrem, was von manchen Kommandeuren sogar gelobt und gefördert wurde. Es ist davon auszugehen, dass die dokumentierten Fälle nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Schließlich agiert das KSK streng geheim, was den Schluss zulässt, dass rechtsradikale Entgleisungen in der Mehrheit der Fälle nie öffentlich und vermutlich auch nicht thematisiert oder bestraft werden.

Deshalb fordern wir weiterhin: KSK auflösen!
http://www.imi-online.de/2017/08/18/braune-nostalgie-beim-ksk-keine-ueberraschung/
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Kuddel


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« Antworten #32 am: 02. September 2017, 07:45:44 »

Zitat
Terrorverdacht bei der Bundeswehr
Mutmaßlicher Komplize von Franco A. ist AfD-Mitglied
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-komplize-von-franco-a-ist-afd-mitglied-a-1165675.html
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Kuddel


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« Antworten #33 am: 29. September 2017, 11:49:46 »

Bewaffnete Nazis

Zitat
391 rechtsextreme Verdachtsfälle bei der Bundeswehr

Der Bundeswehr-Geheimdienst muss immer häufiger rechtsextreme Vorkommnisse in der Truppe überprüfen. Die Zahl stieg in diesem Jahr um mehr als 280 Fälle. Drei Personen wurden aus dem Dienst entfernt.


Der Militärische Abschirmdienst (MAD) geht derzeit 391 rechtsextremen Verdachtsfällen in der Bundeswehr nach. Das geht aus einer Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Parlamentsanfrage hervor, die dem SPIEGEL vorliegt. Im laufenden Jahr wurden demnach bereits 286 neue Fälle aufgenommen. Anfang 2017 sei der Bundeswehr-Geheimdienst MAD noch 275 rechtsextremen Verdachtsfällen nachgegangen.

Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Ulla Jelpke, kritisierte laut "Funke Mediengruppe" den Umgang der Bundeswehr mit Rechtsextremisten. "Bei Neonazis und Reichsbürgern darf es kein Pardon geben, sie müssen hochkant aus der Truppe fliegen", sagte Jelpke, die die Anfrage gestellt hatte. Rechtsextremisten an der Waffe seien "tickende Zeitbomben", sagte sie. "Schon bei einem begründeten Verdacht sollten die Betroffenen bis zu einer Klärung der Vorwürfe keinen Zugang zu Waffen mehr haben."
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-391-rechtsextreme-verdachtsfaelle-bei-der-bundeswehr-a-1170479.html
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