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Autor Thema: Streikzahlen im Vergleich  (Gelesen 3759 mal)
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Kuddel


Beiträge: 9755


« am: 14. März 2014, 14:27:39 »

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xyu


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« Antworten #1 am: 17. März 2014, 21:20:08 »

Zitat
Industrie fast ohne Streik
Bilanz 2013: In Deutschland sind Arbeitskämpfe im internationalen Vergleich selten. Wenn, dann wird vor allem im Dienstleistungssektor die Arbeit niedergelegt
Daniel Behruzi
In Deutschland wird traditionell wenig gestreikt. Insbesondere in der Industrie rufen die Gewerkschaften selten zu Arbeitsniederlegungen auf. Das geht aus einer Bilanz für 2013 hervor, die das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung am Donnerstag vorstellte.

Rund eine Million Beschäftigte haben sich nach Berechnungen des WSI 2013 an Arbeitsniederlegungen beteiligt. Das sind etwas weniger als 2012 mit 1,2 Millionen. Auch die Zahl der streikbedingt ausgefallenen Arbeitstage ging um 80000 auf 551000 leicht zurück. Im internationalen Vergleich ist die Streikaktivität in Deutschland niedrig: Während zwischen 2005 und 2012 hierzulande im Jahresdurchschnitt 16 Arbeitstage pro 1000 Beschäftigte ausfielen, waren es im Nachbarland Frankreich 150. Auch in Kanada (117 Tage pro 1000 Beschäftigte), Dänemark (106 Tage) und Belgien (73 Tage) wird sehr viel häufiger gestreikt. Für die USA (10 Tage), die Niederlande (9 Tage) und Österreich (2 Tage) weist die Streikstatistik hingegen noch geringere Werte aus.

In Deutschland fand der mit Abstand umfangreichste Arbeitskampf 2013 im Einzelhandel statt. Zwischen Mai und Dezember 2013 kam es hier in insgesamt 950 Betrieben zu Tausenden von Streikaktionen. »Im Einzelhandel verschärfte vor allem die Kündigung der Manteltarifverträge durch die Arbeitgeberseite den Konflikt«, berichtete WSI-Arbeitskampfexperte Heiner Dribbusch. Die Auseinandersetzung war also keineswegs eine offensive, von ver.di forcierte. Vielmehr ging es um die Verteidigung fundamentaler Errungenschaften. Der Konflikt im Einzelhandel, der sich deutlich auf die Streikstatistik auswirkte, war demnach Ausdruck der gewerkschaftlichen Defensive. Die Wiederinkraftsetzung des Manteltarifvertrags, die ver.di durch die fortgesetzten Streiks erreichte, ist aber ein Erfolg, der zeigt: Die Belegschaften sind keineswegs wehrlos. Auch bei vielen anderen Auseinandersetzungen ging es für die Gewerkschaften um die Verteidigung des Status quo.

In diesem Zusammenhang spielt laut Dribbusch die Zerfaserung der Flächentarifverträge eine große Rolle: »Sehr deutlich läßt sich der Zusammenhang zwischen Konflikthäufigkeit und Zerklüftung der Tariflandschaft beobachten«, so der Wissenschaftler. »Dies gilt verstärkt für den Dienstleistungsbereich.« So haben sich einige ehemals stark regulierte Bereiche von einheitlichen Tarifstrukturen verabschiedet, zum Beispiel im öffentlichen Dienst. Privatsierungen im Postwesen, in der Telekommunikation und der Gesundheitsversorgung haben die Fragmentierung der Tariflandschaft ebenfalls vorangetrieben. Von privatwirtschaftlichen Unternehmen gibt es immer wieder Versuche, sich der Tarifbindung zu entziehen. »Das war auch 2013 ein wesentlicher Streikauslöser«, sagte Dribbusch.

Teilweise versuchen die Gewerkschaften gezielt, »weiße Flecken« ohne Tarifbindung zu erschließen, was oft zu größeren Konflikte führt. Das aktuell wohl bekannteste Beispiel ist der Onlineversandhändler Amazon. 2013 haben sich die dortigen Arbeitsniederlegungen weitgehend auf Leipzig und Bad Hersfeld konzentriert. Das könnte sich demnächst ändern, da ver.di versucht, auch an anderen Amazon-Standorten kampffähig zu werden.

Auffällig ist nach Dribbuschs Analyse die seit einigen Jahren zu beobachtende Verschiebung des Streikgeschehens in den Dienstleistungsbereich. Von den 218 tariflichen Arbeitskämpfen des vergangenen Jahres fanden demnach rund 80 Prozent im Dienstleistungssektor statt. Allein die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di war 2013 in 169 Arbeitskämpfe involviert. Dadurch wandelt sich auch die öffentliche Wahrnehmung von Streiks: Prägten früher Metallarbeiter mit roten IG-Metall-Mützen das Bild, sind es heute bunte Demonstrationszüge und Flashmobs von Verkäuferinnen, Erzieherinnen und Krankenschwestern. Manche sprechen daher bereits von einer »Feminisierung des Arbeitskampfs«.

Die Spartengewerkschaften übrigens – die von konservativen Kreisen gern für eine angeblich ausufernde Zahl von Arbeitskämpfen verantwortlich gemacht werden – haben 2013, wie schon im Vorjahr, nur marginal zum Streikgeschehen beigetragen. Spektakulär waren hingegen die Aktionen der Beschäftigten im Bewachungsgewerbe Nordrhein-Westfalens. »Gestützt auf die Durchsetzungsstärke des Personals in der Flughafensicherheit traten sie, ebenso wie das Sicherheitspersonal an den Hamburger Flughäfen, für ein Ende der notorischen Niedriglöhne in der Branche ein«, so Dribbusch.

http://www.jungewelt.de/2014/03-18/050.php?print=1
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Kuddel


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« Antworten #2 am: 12. September 2017, 16:00:33 »

Zitat
Streik-Bilanz 2017
Das friedliche Gewerkschaftsjahr

Düsseldorf. Selten verlief ein Tarifjahr harmonischer als dieses. Das belegt eine Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft.


In diesem Jahr ist es aber ungewöhnlich ruhig an der Tarif-Front. Wie eine Erhebung für den "Gewerkschaftsspiegel" des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ergeben hat, der unserer Redaktion vorab vorliegt, ist das laufende Jahr das harmonischste seit Beginn der Messung 2006.

Mit ihrem Konfliktintensitäts-Index haben sie alle Tarifstreitigkeiten seit 2006 in 13 zentralen Branchen betrachtet – darunter große wie die Metall- und Elektro-Industrie, das Bauhauptgewerbe und den Öffentlichen Dienst, aber auch kleinere Bereiche wie die Luftfahrt oder den Krankenhaussektor. Für diese vergaben sie anhand einer Skala Punkte je nachdem, zu welchen Mitteln die Gewerkschaften oder Arbeitgeber im Laufe der Auseinandersetzung griffen: Für geräuschlose Verhandlungen ohne Drohungen oder Arbeitskampf vergaben die Experten null Punkte, für die Androhung eines Streiks einen Punkt, für den Abbruch von Verhandlungen zwei Punkte und so weiter. Sieben Punkte, die höchste vergebene Zahl, gab es für Arbeitskämpfe nach einer Urabstimmung.

Mit einer durchschnittlichen Konfliktintensität von 4,9 Punkten handelt es sich um das harmonischste Jahr seit Beginn der Erfassung. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren erreichte das Konflikt-Barometer einen Rekordwert von 18,4 Punkten, damals insbesondere getrieben durch die Großkonflikte bei der Deutschen Bahn und der Lufthansa.

Ein Grund für die nun herrschende Harmonie: Nur in acht Branchen gab es überhaupt Gespräche. Am handfestesten ging es dabei noch im Einzelhandel zu. Dort wurde mit 26 Konfliktpunkten – angesammelt durch zahlreiche Warnstreiks – der höchste Wert erreicht. Nach knapp fünf Monaten einigte sich die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit den Arbeitgebern in NRW auf eine zweistufige Erhöhung um insgesamt 4,3 Prozent plus Einmalzahlung von 50 Euro.

Doch nicht allein die geringe Zahl von Verhandlungen ist laut IW für den niedrigen Konflikt-Wert verantwortlich: Auch dort, wo sich Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände an einen Tisch setzten, ging es geräuschlos zu. Mit Ausnahme der gescheiterten Gespräche zwischen Eurowings und der Ufo – dort stehen Urabstimmung und unbefristete Streiks im Raum – und der Verhandlungen für die Tarifbeschäftigten der Länder, wo Warnstreiks alleine schon der Tradition wegen fest zum Ablauf gehören, einigten sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber ohne Getöse. Das galt im Übrigen auch für die ansonsten so streit- und streiklustigen Spartengewerkschaften. Die Lokführergewerkschaft GDL und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit brachten ihre bereits im vergangenen Jahr konfliktreich gestarteten Verhandlungen in diesem Jahr ohne jegliche Eskalation zu Ende. Der Marburger Bund schaffte an den Unikliniken im Rekordtempo von zweieinhalb Wochen eine Einigung.
http://www.rp-online.de/wirtschaft/unternehmen/streik-bilanz-2017-das-friedliche-gewerkschaftsjahr-aid-1.7055138

Ich krieg das Kotzen!
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counselor


Beiträge: 2430



« Antworten #3 am: 12. September 2017, 17:12:10 »

Es ist Wahljahr. Da halten die Gewerkschaften die Menschen ruhig!
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Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!
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