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Autor Thema: Klassenkampf - Klassenkrieg  (Gelesen 7246 mal)
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Kuddel


Beiträge: 11455


« am: 19. August 2014, 13:32:30 »

Ich mache hier einen neuen Diskussionsstrang auf, denn bei den Auseinandersetzungen in Ferguson geht es nicht nur um "Rassistische US Bullen", wie der andere Threadtitel es suggeriert. Es geht hier um soziale und politische Entwicklungen, wie sie weltweit vom Kapitalismus vorangetrieben werden: Es geht um das Wachsen der Kluft zwischen Arm und Reich und es geht um das Wachsen sozialer Spannungen, die sich plötzlich in Aufständen manifestieren können.

Ausgerechnet das Wirtschaftsblatt HANDELSBLATT beschreibt die Situation und die Hintergründe sehr präzise:

Zitat
Ferguson ist bald überall

Schwarz gegen Weiß, Arm gegen Reich: Der Aufstand in Ferguson zeigt die hässliche Fratze der amerikanischen Gesellschaft. Die Ereignisse sind ein Beweis für die tiefe Spaltung, die das Land bis heute auseinanderreißt.


Die Fronten sind wieder einmal fest gefügt, es geht Schwarz gegen Weiß, und Missouri ist der passende Austragungsort: Ein Staat mit dunkler Vergangenheit in den USA. Es gab in Missouri noch Sklaven, als kein anderer US-Bundesstaat mehr Sklaven hatte. Noch im Jahr 1825 trat ein Gesetz in Kraft, das jegliche Aussagen von schwarzen Augenzeugen in Gerichtsverfahren als grundsätzlich ungültig einstufte. 1847 kam ein generelles Verbot dazu, Schwarze in irgendeiner Form zu unterrichten oder zur Schule zu senden. Und viele sagen, es ist heute noch in den Köpfen vieler in Kraft.

Aber erklärt das alleine den kaum nachvollziehbaren Ausbrauch von Gewalt?

Das wäre zu eindimensional. Der alte Rassismus lebt, das ist die traurige Realität. Der sinnlose Tod des jungen Schwarzen, von sechs Polizei-Kugeln auf offener Straße durchsiebt, war aber nur der Auslöser. Die Krise hat tiefe Wurzeln, und die haben nicht nur mit Schwarz und Weiß zu tun. Die altbekannte Rassismus-Diskussion lenkt nur von den wahren Problemen ab, und so manchem kommt das nicht ungelegen.

„Die neue Trennungslinie in den USA ist nicht mehr schwarz und weiß“
, sagte Präsident Barack Obama in seiner Ansprache zur Einkommens- und Vermögensungleichheit Anfang 2014, „es ist arm und reich.“ Es ist diese Trennungslinie, die nicht nur Ferguson zerreißt, sondern bald ganz Amerika.

Ferguson ist nur ein Abbild des amerikanischen Mittelstands von morgen, unter dem Brennglas von heute. Die große Rezession, das finale Geschenk der Ära der Anbeter der Politik der unregulierten Märkte des Milton Friedman, hat in erster Linie gut bezahlte Jobs und Mittelklasse-Arbeitsplätze ausradiert. Wiedergeboren wurden sie als Teilzeitjobs in Schnellrestaurants.

Der Krieg hat in Ferguson begonnen. Und richtig zu spüren bekommt ihn die Nation erst, wenn der Mittelstand erkennt, dass er längst im Armenhaus angekommen ist und nur noch vom Ersparten lebt. Die Schule für die Kinder können sie sich ohnehin schon nicht mehr leisten. Wird nicht massiv gegengesteuert, ist das nur noch eine Frage des wann, nicht des ob, bis Ferguson überall ist.


Ein Artikel in einer Qualität, wie sie im heutigen Journlismus kaum noch zu finden ist. Ich habe nur einige Absätze herausgepickt und kann nur empfehlen den gesamten Text zu lesen: http://www.handelsblatt.com/politik/international/unruhen-in-missouri-ferguson-ist-bald-ueberall-seite-all/10351382-all.html

Die in den USA gewachsenen sozialen Spannungen ermöglichen einen Ausblick in unsere eigene Zukunft...
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Auferstanden
Gast
« Antworten #1 am: 19. August 2014, 21:49:11 »

einem Leserbrief entliehen:
"Wir hier in Deutschland arbeiten hart daran, das wir den internationale Zug ja bloß nicht verpassen. Ist sozusagen ein erstrebenswertes multikulti "must" by"."

besser kann man es nicht ausdrücken, nicht nur die faschistoide "Agenda- irgendetwas" gibt darüber beredte Auskunft
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Kuddel


Beiträge: 11455


« Antworten #2 am: 20. August 2014, 11:15:08 »

Auferstanden, in deinen Beiträgen steht nie etwas neues. So lange du in diesem Forum schreibst gibt es nur einen Inhalt: Deutschland = Faschismus.

Wenn du schon zur Bestätigung deiner falschen und langweiligen These andere zitierst, könntest du bitte auf Beiträge verzichten, die "multikulti" als Schimpfwort benutzen?
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Troll
Abused Frog


Beiträge: 7112



« Antworten #3 am: 20. August 2014, 12:30:53 »

Auferstanden, in deinen Beiträgen steht nie etwas neues. So lange du in diesem Forum schreibst gibt es nur einen Inhalt: Deutschland = Faschismus.

Wenn du schon zur Bestätigung deiner falschen und langweiligen These andere zitierst, könntest du bitte auf Beiträge verzichten, die "multikulti" als Schimpfwort benutzen?

Da reit ich doch lieber auf der nachweisbaren "These"
Kapitalismus = Faschismus
rum, allerdings hänge ich da auch fest.
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Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti
Kuddel


Beiträge: 11455


« Antworten #4 am: 20. August 2014, 12:45:09 »

Kapitalismus = Faschismus

So wird ein Schuh draus!
Egal wo man hinschaut, Rußland, Ukraine, Griechenland, USA (Ferguson), alle Meldungen bestätigen das und widerlegen, daß es ein rein "deutsches" Problem sei.
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Schluepferstuermer


Beiträge: 945


« Antworten #5 am: 22. August 2014, 01:36:48 »

m.M.n. entstehen Kriege/Aufstände, wenn die Menschen arm sind und wenig zu verlieren haben.

Geht es einem Menschen gut, bleibt er ruhig.
Außer es ist von Ausserhalb gemacht. Siehe Ukraine und Nato
« Letzte Änderung: 22. August 2014, 01:40:17 von Schluepferstuermer » Gespeichert

lg Schlüpferstürmer

Die Massenmedien sind schon lange die 4. Macht im Staat.
Wir haben folglich Legislative, Judikative, Exekutive und Primitive.
"Bild" Euch Eure Meinung
----

Wer die CxU und SPD in ihrer Terrorherrschaft gegen das eigene Volk lobt, lobt ihren braungefärbten Nazicharakter!!
Kuddel


Beiträge: 11455


« Antworten #6 am: 22. August 2014, 11:08:17 »

NEIN!!! Verdammte Scheiße nochmal!

Die Verelendungtheorie, daß es Menschen nur noch schlechter gehen muß damit sie kämpfen, ist dumm und grundfalsch!!!

Die halbe Welt liegt im ökonomischen Elend und die Regionen mit Hunger bringen keine Revolutionen hervor, meist nichteinmal Revolten.
Die Menschen werden depressiv, lethargisch und werden scheiße zueinander. Gewalt unter ihresgleichen.

So etwas darf man weder fordern noch erhoffen.

Die Zeiten großer politischer Unruhe in Nachkriegswestdeutschland waren die späten 60er und frühen 80er und das waren Zeiten mit weitaus weniger ökonomischen Druck als heute.
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Kuddel


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« Antworten #7 am: 17. September 2014, 19:00:05 »

Zitat
Wieder Proteste in US-Kleinstadt Ferguson

Rund einen Monat nach den tödlichen Polizeischüssen auf einen schwarzen Teenager in Ferguson ist es nahe der US-Kleinstadt zu neuen Protesten gekommen. Dutzende Demonstranten versammelten sich am Mittwoch an einer Autobahn-Auffahrt, um die Fernstraße zu blockieren, wie die Zeitung «St. Louis Dispatch» berichtete. Sie seien jedoch von einem großen Polizeiaufgebot erwartet und an ihrer Aktion gehindert worden.

Wie es weiter hieß, gab es vereinzelt Zwischenfälle. So habe ein Demonstrant einen Ziegelstein auf Polizisten geworfen, einige hätten Flaschen geschleudert, meldete der Sender CNN. Es habe Festnahmen gegeben. Den Berichten zufolge forderten die Demonstranten unter anderem die Einsetzung eines Sonderstaatsanwaltes zur Untersuchung des tödlichen Vorfalls am 9. August.


http://www.ffh.de/news-service/ffh-nachrichten/nController/News/nAction/show/nCategory/topnews/nId/47912/nItem/wieder-proteste-in-us-kleinstadt-ferguson.html
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Kuddel


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« Antworten #8 am: 25. September 2014, 11:41:17 »

Zitat
In Ferguson kocht die Gewalt wieder hoch

Seit der schwarze Teenager Michael Brown von einem weißen Polizisten erschossen wurde, brodelt es in Ferguson. Jetzt bricht die Gewalt wieder los – Anlass ist ein Brand an einem Gedenkort.



Feuer an der improvisierten Gedenkstätte: Hier erschoss am 8. August ein weißer Polizist den unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Michael Brown

Mehr als sechs Wochen nach dem Tod des schwarzen Teenagers Michael Brown gibt es in seinem Heimatort Ferguson in Missouri neue Krawalle. Die Polizei meldete am Mittwoch fünf Festnahmen und zwei verletzte Beamte. Scheiben seien eingeworfen worden, auch habe es Brandstiftungen gegeben, hieß es.

Der unbewaffnete Brown war am 9. August von einem weißen Polizisten erschossen worden. Danach hatte es tagelang Demonstrationen gegen Rassismus bei der Polizei und zum Teil gewalttätige Proteste in dem Vorort von St. Louis gegeben. Zu den neuerlichen Auseinandersetzungen kam es jetzt, nachdem ein improvisierter Gedenkort für Brown mit Teddybären und Briefen in Flammen aufgegangen war.

Unmut über Todespolizist – nicht verhaftet, nur beurlaubt


Laut Polizei kamen rund 150 Demonstranten zusammen. Einer der verletzten Beamten sei von einem Stein getroffen worden. An einem Schönheitssalon sei das Schaufenster eingeworfen worden, Plünderer hätten versucht, die Kasse zu stehlen, hieß es weiter. Polizisten hätten berichtet, dass Protestierende auch Schusswaffen abgefeuert hätten. Doch sei niemand getroffen worden.

In Ferguson herrscht immer noch großer Unmut, weil der Polizist, der Brown erschoss, nicht verhaftet, sondern nur beurlaubt wurde. Ein Geschworenengericht prüft den Fall derzeit hinter verschlossenen Türen und soll entscheiden, ob der Schütze belangt wird. Ein Votum wird frühestens Mitte Oktober erwartet.
http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article132604089/In-Ferguson-kocht-die-Gewalt-wieder-hoch.html
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Kuddel


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« Antworten #9 am: 17. Dezember 2014, 20:06:18 »

Ewigkeiten schon beten uns die Medien vor, politisch denken und kämpfen könne nur die Mittelschicht.

Das gilt als Konsens.
Medien und Politik argumentieren identisch.
Der britische Historiker, Gewerkschafter und Journalist Owen Jones hat diesen Haß auf die Prolls, die angeblich weder denken noch kämpfen können, in seinem Buch "Prolls. Die Dämonisierung der Arbeiterklasse" analysiert.

Aus der Buchbesprechung von hintergrund.de :
Zitat
In den Primetime-Talkshows werden seine von den etablierten Medien als „Polemik“ und „Provokation“ reflektierten Thesen zum Niedergang und der Zerschlagung der Organisationsstrukturen der Arbeiterklasse diskutiert – vor allem die Folgen, ihre permanente Verunglimpfung und Demütigung. Ihre Mitglieder werden vom „Salz der Erde“ zum „Abschaum der Welt“ degradiert.

Zitat
„Arme haben einen niedrigeren IQ als Reiche, und das bedeutet einfach, dass ein viel geringerer Prozentsatz von Arbeiterkindern die Aufnahmekriterien unserer Eliteuniversitäten erfüllen wird“, lautet die Quintessenz einer Expertise, die der Evolutionspsychologe Bruce Charlton von der Universität Newcastle in einem Interview mit der Tageszeitung The Scotsman präsentierte. Der konservative Kommunalpolitiker John Ward aus Kent findet: „Man sollte wirklich darüber nachdenken, Leute zu sterilisieren, die zwei oder meinetwegen drei Kinder haben und von staatlicher Unterstützung leben.“

Die Klassengesellschaft wird wieder unverhohlen als natürliche Ordnung propagiert: Der Sozialdarwinismus, Matrix-Bestandteil der faschistischen Ideologie, feiert fröhliche Urstände.
http://www.hintergrund.de/201209172242/feuilleton/zeitfragen/den-prolls-die-fresse-polieren.html

Die Wirklichkeit spricht eine andere Sprache. Die zur Zeit bedeutendsten Kämpfe in den USA kommen von den schwarzen Unterschichten.
Das Sich-Erheben der Betroffenen von Verarmung, Ausbeutung und Unterdrückung ist DIE Hoffnung für den Umsturz der herrschenden Verhätnisse.
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Rudolf Rocker
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« Antworten #10 am: 17. Dezember 2014, 20:29:32 »

Zitat
Das Sich-Erheben der Betroffenen von Verarmung, Ausbeutung und Unterdrückung ist DIE Hoffnung für den Umsturz der herrschenden Verhätnisse.

Und genau aus diesem Grund versuchen die Herrschenden, diese Proteste in eine für sie ungefährliche Richtung zu lenken. Und das ist der Faschismus!
Dieser präsentiert Feindbilder frei Haus und lenkt von den tatsächlichen Verursachern der Krise ab!
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Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!
Kuddel


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« Antworten #11 am: 12. März 2015, 20:24:47 »

Zitat
Öl ins Feuer in der Unruhestadt Ferguson
Frank Herrmann aus Washington

Vier Schüsse, kurz hintereinander, verletzten zwei Polizisten in der US-Stadt Ferguson schwer

Eigentlich sollte es eine kleine Freudenfeier werden. Mit dem Rücktritt Thomas Jacksons, des Polizeichefs von Ferguson, hatten die Demonstranten eines der Ziele erreicht, für die sie seit dem vorigen Sommer auf die Straße gehen. Als das Pulverfass Ferguson nach dem Tod des Teenagers Michael Brown explodierte, hatte Jackson nicht nur heillos überfordert gewirkt, sondern auch den Eindruck vermittelt, als gehe ihm nicht wirklich zu herzen, was an jenem Augusttag geschah, und sei es auch nur, weil er ungeschickt kommunizierte.

Sieben Monate nach der Tragödie nimmt der 58-Jährige seinen Abschied, abgefunden mit einem Jahreslohn, 96.000 Dollar (90.200 Euro). In der Kleinstadt am Rande von St. Louis ist er der sechste Amtsträger, der abtritt, nachdem ein Untersuchungsbericht des Justizministeriums eine Welle von Demissionen ausgelöst hatte. Erst gingen zwei Polizisten und eine Gerichtssekretärin, die sich mit rassistischen Witzen über die Familie Obama, die erste schwarze im Weißen Haus, lustig gemacht hatten. Ihnen folgte Ronald Brockmeyer, Richter am Amtsgericht, der praktisch alles, was sich die vornehmlich weiße Polizeitruppe gegenüber den mehrheitlich schwarzen Bewohnern Fergusons an Schikane einfallen ließ, juristisch deckte. Dann räumte John Shaw, der Chef der Stadtverwaltung, seinen Posten, ein Manager, der die Uniformierten gezielt dazu anhielt, die Einnahmen aus Bußgeldern, etwa von Falschparkern, drastisch zu erhöhen. Und schließlich Jackson.

Nach den Worten Kayla Reeds, einer jungen Aktivistin, sollte der Teilerfolg gefeiert werden, mit einer spontanen Kundgebung vor der Polizeiwache, einem modernistischen Betonwürfel an der South Florissant Road. Zugleich, sagte Reed, wollte man deutlich machen, dass sich Grundsätzliches ändern müsse bei den Polizeikräften, zumal deren alter Chef nur eine Symbolfigur für das Übel war. "Jackson war nicht derjenige, der uns in Kampfmontur gegenüberstand und Tränengasgranaten auf uns feuerte. Nur neue Gesichter für dieselbe alte Kultur, das wird nicht reichen." Rund 150 Demonstranten zogen am Mittwochabend vor der Polizeistation auf, und als die Lage nach Mitternacht eskalierte, waren etliche bereits nach Hause gegangen.

Schwere Verletzungen

Viermal, kurz hintereinander, schildert ein Zeuge, der Fotograf Bradley Rayford, seien Schüsse gefallen. Nach seinem Eindruck seien sie von einem Hügel, aus rund zweihundert Meter Entfernung, abgegeben worden. Einen Polizisten traf eine Kugel an der Schulter, einen zweiten im Gesicht. In beiden Fällen, hieß es aus dem Krankenhaus, in dem sie behandelt werden, seien die Verletzungen schwer, wenn auch nicht lebensbedrohlich.



Über das Motiv der Täter herrscht einstweilen Rätselraten. Es sei ja nicht so gewesen, dass sich zunehmende Spannungen in einer bewaffneten Attacke entladen hätten, eher seien die Proteste in relativ geordneten Bahnen verlaufen, schildert Deray McKesson, ein Blogger. In den Reihen der Demonstranten habe niemand zu einer Waffe gegriffen, ist er sich ziemlich sicher. Falls McKessons Beobachtungen stimmen, legt es den Schluss nahe, dass es Provokateure gibt, die Öl ins Feuer gießen wollen. In Washington rief Claire McCaskill, die demokratische Senatorin von Missouri, denn auch eilig dazu auf, ruhig zu bleiben. "Es ist höchste Zeit für Reformen, Zeit für einen Heilungsprozess. Gewalt darf in diesem Prozess keinen Platz haben."



Nach dem Rücktritt des Polizeichefs von Ferguson versammelten sich Protestierende spontan vor der Polizeiwache. Schüsse ließen die Lage nach Mitternacht schließlich eskalieren. (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, 13.3.2015)
http://derstandard.at/2000012820020/Ferguson-Zwei-Polizisten-angeschossen
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Kuddel


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« Antworten #12 am: 13. März 2015, 20:04:36 »



Die rassistische Gewaltspirale in den USA dreht sich erschreckend schnell. Nach viel zu vielen schwarzen Opfern in den vergangenen Wochen und Monaten wurden nun zwei weiße Polizisten während einer Demonstration in Ferguson angeschossen. Es ist zu fürchten, dass sie nicht die letzten Opfer sein werden. Die Stimmung ist vergiftet. Viele wollen das Motto der Demonstrationen – „No Justice – No Peace“ (Keine Gerechtigkeit – kein Frieden) nicht mehr nur brüllen, sondern auch umsetzen. Schuld daran ist der strukturelle Rassismus, der auch 150 Jahre nach Abschaffung der Sklaverei und 50 Jahre nach der Einführung der Bürgerrechte und dem damit verbundenen Ende der offiziellen Diskriminierung noch immer virulent ist. Darauf hat jüngst der vernichtende Bericht über die systematische Polizeigewalt in Ferguson hingewiesen.

http://www.fr-online.de/kommentare/kommentar-zu-rassismus-kein-frieden-ohne-gleichheit,30085308,30107414.html
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Kuddel


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« Antworten #13 am: 26. April 2015, 11:24:24 »

Zitat
Polizeigewalt in den USA
Ausschreitungen in Baltimore nach Tod eines Afroamerikaners




  • Eine Woche nach dem vermutlich durch Polizeigewalt verursachten Tod des Afroamerikaners Freddie Gray kommt es in Baltimore zu Ausschreitungen.
  • Demonstranten werfen Flaschen und Steine nach Polizisten, beschädigen Polizeiwagen und Schaufenster.

[/list]
http://www.sueddeutsche.de/panorama/us-stadt-baltimore-ausschreitungen-in-baltimore-nach-tod-eines-afroamerikaners-1.2452694

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ManOfConstantSorrow


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« Antworten #14 am: 28. April 2015, 12:27:23 »

Es ist soweit. Der Weltpolizist, das Vorzeigeland der freien Marktwirtschaft, also "die Freie Welt" schlechthin, geht nun militärisch gegen die Armen vor.

Zitat
"Kriegszone" Baltimore
Ausgangssperre nach schweren Unruhen und Plünderungen

UpdateNach der Beerdigung eines in Polizeigewahrsam umgekommenen Schwarzen eskaliert die Lage in Baltimore: Geschäfte werden geplündert, ein Seniorenheim steht in Flammen. Nun wird die Nationalgarde eingesetzt.


In der amerikanischen Ostküstenstadt Baltimore herrscht der Ausnahmezustand: Nach gewaltsamen Ausschreitungen hat der Gouverneur von Maryland den Notstand ausgerufen und die Nationalgarde nach Baltimore entsandt. In der Nacht zum Dienstag waren die zunächst friedlichen Proteste wegen des Todes eines jungen Schwarzen in Polizeigewahrsam in offene Gewalt umgeschlagen. Gebäude gingen in Flammen auf, Geschäfte wurden geplündert, Polizisten mit Steinen angegriffen. Als Reaktion wurde über die Stadt an der US-Ostküste eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.

Die Polizei sprach von den schwersten Unruhen in der Metropole seit Jahrzehnten.

Augenzeugen meinten, Teile der Stadt seien in eine „Kriegszone“ verwandelt worden. dpa-Reporter berichteten von vermummten Jugendlichen auf den Straßen, Rauch ziehe durch Straßenzüge, Hubschrauber kreisten am nächtlichen Himmel. Tausende Polizisten waren im Einsatz, es gab mehr als zwei Dutzend Festnahmen.

Die Ausgangsperre soll von Dienstag an für eine Woche von 22.00 Uhr abends bis 05.00 Uhr morgens gelten, erklärte Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake. Um die Gewalt in den Griff zu bekommen, rief Gouverneur Larry Hogan am Montagabend (Ortszeit) auch den Notstand aus. Bis zu 5000 Nationalgardisten sollen möglichst rasch einschreiten. „Die Nationalgarde ist das letzte Mittel, um die Ordnung wiederherzustellen“, sagte der Gouverneur. Es handele sich nicht um Proteste und Demonstrationen. „Das sind Gangs und Diebe, die durch die Straßen ziehen.“ Das könne nicht toleriert werden.

Offenbar wurde die Polizei von der Welle der Gewalt völlig überrascht.
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/kriegszone-baltimore-ausgangssperre-nach-schweren-unruhen-und-pluenderungen/11698830.html

Zitat
Mag sein, dass die aktuellen Unruhen – es sind nach Angaben der Behörden die schlimmsten seit Jahrzehnten – von Kriminellen befeuert werden. Doch die Gründe gehen tiefer. Ferguson, North Charleston, Oklahoma, Baltimore: Immer häufiger wurden in den vergangenen Wochen die Meldungen über Polizeigewalt an Schwarzen. Immer deutlicher zeigten sie, wie problematisch die amerikanischen Rassenbeziehungen heute noch sind.

An wenigen Orten wird das so offensichtlich wie in Baltimore, der Hafenmetropole an der Ostküste. Spätestens die preisgekrönte TV-Serie „The Wire“ verfestigte das Bild, das Amerika von der Stadt hatte: eine Hauptstadt des Verbrechens. Eine Brutstätte von Drogengewalt, Rassismus und Polizeikorruption. Es ist ein Bild, das in der Realität gründet. Fast nirgendwo in Amerika ist die Mordrate höher, fast nirgendwo ist das Verhältnis zwischen Polizei und Bevölkerung derart angespannt.

Gegen Großmütter, gegen Schwangere

Alleine zwischen 2011 und 2014 bezahlte die Stadt 5,7 Millionen Dollar Entschädigungen an Opfer von Polizeigewalt, wie die Zeitung „Baltimore Sun“ im September 2014 aufdeckte. Darunter sind haarsträubende Fälle. Fälle wie jener einer 87 Jahre alten Großmutter, der Polizisten die Knochen brachen, als sie ihrem verletzten Enkel zu Hilfe eilen wollte. Oder jener einer Schwangeren, die Zeugin einer Schlägerei wurde. Polizisten warfen sie brutal zu Boden. Die Liste ließe sich, das zeigen die Recherchen der „Baltimore Sun“, beliebig verlängern. Eines haben die meisten Opfer gemein: Sie sind schwarz.
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/amerika/proteste-in-baltimore-warum-sich-die-wut-dort-entlaedt-13563417.html
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Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
Rudolf Rocker
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« Antworten #15 am: 28. April 2015, 12:34:14 »

Die USA sind ein gewaltiges soziales Pulverfass!
Und es wird nicht mehr lange dauern, bis es in die Luft fliegt!
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Kuddel


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« Antworten #16 am: 28. April 2015, 20:25:24 »

Zitat
Sonst brennt bald nicht mehr nur Baltimore



In Amerika lässt der Staat die Armen im Stich. Das gebiert neue Gewalt, auf die die Polizei immer brutaler antwortet. Der Tod der schwarzen US-Bürger Garner, Scott und Gray legt nahe, dass der Exzess im System angelegt ist.
http://www.sueddeutsche.de/politik/polizeigewalt-in-den-usa-sonst-brennt-bald-nicht-mehr-nur-baltimore-1.2456080
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schwarzrot


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« Antworten #17 am: 29. April 2015, 09:34:48 »

Sehr entlarvendes video: Man sieht die ganze zeit friedliche bürger, die immer wieder versuchen, die ohnehin angespannte situation nicht eskalieren zu lassen, obwohl bullen provozieren, nicht deeskalierend vorgehen, oder sich zumindest so falsch verhalten, wie man nur kann.

Am ende kommt ein text eingeblendet, "Es bleibt an diesem abend vergleichsweise ruhig. Die Stategie der polizei geht vorerst auf"!
http://www.spiegel.de/video/baltimore-polizei-verhaengt-ausgehsperre-stoppt-randale-video-1573583.html
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"In der bürgerlichen Gesellschaft kriegen manche Gruppen dick in die Fresse. Damit aber nicht genug, man wirft ihnen auch noch vor, dass ihr Gesicht hässlich sei." aus: Mizu no Oto

Wieder aktuell: Bertolt Brecht
Kuddel


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« Antworten #18 am: 29. April 2015, 13:43:17 »

Ich bin froh, daß die Ausgangssperre nicht eingehalten wurde.

Es ist so unendlich öde, daß immer dann, wenn es zu solchen Eruptionen der Wut kommt, die Medien mit der selben alten Leier kommen:
Die Proteste sind gerechtfertig, die Gewalttätigkeit aber nicht. Die Gewalt schadet der Sache. Blablabla.

Es sind unterschiedlichste Leute auf der Straße, die aus gutem Grund dort sind. Alle halten die bestehenden Zustände für inakzeptabel. Einige singen, einige schmeißen Steine, einige Tanzen oder machen Rollerskate Permance, einige werfen Mollies und Plündern, andere haken sich unter in der Tradition der Martin Luther King Protestmärsche. Einige sind für andere gegen Gewalt. Ich sehe die Gewalt als einziges Faustpfand, das die Mittellosen haben: No Justice - No Peace! Ihr könnt ein Ende der Gewalt haben. Ihr müßt nur eine Gerechtigkeit der Verhältnisse schaffen. Ganz einfach. Deshalb halte ich die moralische Empörung über die Gewalt für verlogen.

Mich nerven die Pfaffen auf der Straße die sich zur Stimme der Bevölkerung aufschwingen. Aber das müssen die Leute dort selbst entscheiden. Das letzte was sie brauchen sind schlaue Sprüche von außerhalb.

Ich sehe in den Plünderungen eine durchaus positive Tendenz. Ladendiebstahl und Plünderung sind praktizierte Ablehnung der herrschenden Eigentumsverhältnisse. Die Vorwegnahme einer Enteignung.
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Rudolf Rocker
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« Antworten #19 am: 29. April 2015, 13:59:39 »

Die Unterteilung in friedliche und millitante Demonstranten ist ja auch in Deutschland ein beliebtes Mittel, um eine Spaltung in die Bewegung zu treiben!
Leider hat das in den letzten jahrzehnten auch geklappt! Angry
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« Antworten #20 am: 29. April 2015, 14:08:21 »

Deshalb habe ich das oben ja auch formuliert.
Gewalt sollte ein letztes Mittel sein, aber es ist ein Mittel.
Wie viele Menschenleben sollten die Leute denn noch der herrschenden Gewalt opfern?

Wer die herrschende Gewalt akzeptiert, hat jegliches Recht verspielt, die militante Gegenwehr zu verurteilen.
Intern sollte man schon diskutierten, in wie weit man mit einigen Aktionen die unsicheren Menschen in einer Bewegung verschreckt und auch, wie man die Helden stoppen kann, die aus der 10. Reihe einer Demo Steine schmeißen und damit die 3. Reihe treffen.
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« Antworten #21 am: 29. April 2015, 14:28:30 »

Meine volle Zustimmung!

Zitat
Weil Menschen sterben und ihr schweigt
Scheiben splittern und ihr schreit
https://www.youtube.com/watch?v=38-5ZXxBrI8
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« Antworten #22 am: 05. Mai 2015, 18:32:06 »

Manchmal ist es besser, wenn man von Journalisten Abstand nimmt und andere Leute reden läßt.

ich war jedenfalls beeindruckt von dem Bericht aus Baltimore von einem deutschen Arzt, der dort an einer Klinik arbeitet.
Er beschreibt den Konflikt dort wohl treffender als einen Konflikt zwischen Arm und Reich, denn als "Rassenkonflikt"
Zitat
Bekannte farbige Persönlichkeiten von Jesse Jackson bis zu Präsident Obama scheinen als Führungsfiguren für die schwarze Minderheit ungeeignet zu sein, da sie selbst schon seit Jahren zum Establishment gehören. Sie haben mit den Problemen in Städten wie Baltimore genauso viel gemeinsam wie jeder Weiße aus den wohlhabenden Vororten.

Er trifft in meinem Augen besser den Kern des Problems, als viele Linke es jemals formulieren könnten:
http://www.sueddeutsche.de/panorama/aussenansicht-wo-das-elend-wohnt-1.2462179-2




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« Antworten #23 am: 06. Mai 2015, 17:19:28 »

Reich gegen Arm ist der Ursprung, wie beinahe überall, Frust und Enttäuschung wird immer umgelenkt auf andere (Ärmere) Gruppen, leider bekämpfen sich dann die Armen gegenseitig, den geballten Reichtum trifft es praktisch nie bzw. viel zu selten, sie kontrollieren Politik und Medien und wissen das zu nutzen. Es wiederholt sich bis zum erbrechen.
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« Antworten #24 am: 13. August 2015, 12:39:33 »

Zitat
Weiße Miliz in Ferguson
Provokateure in Flecktarn



Schwer bewaffnet und mit Schutzwesten laufen die Milizionäre der "Oath Keepers" durch die Straßen von Ferguson.

Eine obskure Gruppe weißer Milizionäre patrouilliert durch Ferguson und spielt sich als privater Sicherheitsdienst auf.
http://www.sueddeutsche.de/politik/usa-provokateure-in-flecktarn-1.2605510
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